Charlotte MacLeod: Madoc und Janet Rhys 4 – Trouble in the Brasses (Hörbuch)

„Trouble in the Brasses“, das vierte Hörbuch rund um „Madoc und Janet Rhys“, muss leider ohne Janets Beteiligung auskommen, da diese gerade ihre Schwägerin zu Besuch hat, als Madoc von seinen Eltern zur Hilfe gerufen wird. Der berühmte Konzertmeister und seine ebenso berühmte Frau sind seit Wochen mit einem klassischen Orchester auf Tournee und beunruhigt, weil irgendetwas mit den Blechbläsern nicht in Ordnung ist und sie nicht herausfinden, was das sein könnte. Als Madoc beim Orchester eintrifft, kann er nur noch hilflos zusehen, wie einer der Musiker tot umfällt. Da anfangs davon ausgegangen wird, dass der Mann eines natürlichen Todes starb, darf das Orchester seine Reise zum nächsten Auftrittsort antreten – nur um unterwegs von einem Sturm überrascht zu werden und mit dem Flugzeug notlanden zu müssen.

Für Madoc bringt der Fall dieses Mal besondere Herausforderungen mit sich, da er nicht nur herausfinden muss, was mit dem verstorbenen Musiker passiert ist (und ob jemand ihn ermordet haben könnte), sondern auch von seinen Eltern mit der Versorgung des mitten in der kanadischen Wildnis gestrandeten Orchesters beauftragt wird. Auch wenn ich mich wiederhole: Charlotte MacLeod trifft meinen Humor mit ihren Geschichten jedes Mal wieder. Ich habe mich wunderbar amüsiert, während ich davon gelesen habe, wie all die Musiker sich wie egoistische kleine Raupen von Madoc versorgen ließen, wie er versucht, irgendwie die Dynamik zwischen all diesen Künstlern zu durchschauen, und wie sich das Verhältnis zwischen ihm und seinen Eltern gestaltet. Dass dieses Verhältnis trotz aller Zuneigung nicht so einfach ist, konnte man schon in den vorhergehenden Bänden der Reihe mitbekommen, schließlich ist es für eine so musikalische Familie doch sehr seltsam, einen so aus der Art schlagenden Sohn zu haben.

Natürlich stellt die Autorin die verschiedenen Figuren überspitzt dar, aber sie geht nie so weit, dass man die Figuren als unglaubwürdig empfindet. Die Orchester-Musiker stehen sich in gewisser Weise sehr nahe, da sie bei der Arbeit (und den damit verbundenen Reisen) sehr viel Zeit miteinander verbringen, aber auf der anderen Seite haben die meisten von ihnen auch ein privates Leben, das wenig mit ihrer Musikerkarriere zu tun hat. Dazu kommen Madoc, der zwar in einem Musiker-Haushalt aufgewachsen ist, aber eher mit amüsiertem Unverständnis auf dieses Leben reagiert, die beiden Piloten des Flugzeugs und der eine oder andere exzentrische Bewohner der kanadischen Wildnis – und schon ergeben sich so viele unterhaltsame Szenen, dass ich beim Hören ständig vor mich hingeschmunzelt habe. Neben all den humorvollen Elementen gehen die Mordermittlungen ein wenig unter, aber trotzdem gelingt es Charlotte MacLeod, den Fall am Ende stimmig von Madoc lösen zu lassen.

William Dufris leistet auch bei diesem Hörbuch wieder gute Arbeit (zu meinen Glück gibt es in dieser Geschichte recht wenige Personen, deren Passagen im Dialekt gelesen wurden, was für mich ja immer noch eine Herausforderung darstellt). Das einzige, was ich zu beklagen habe, ist, dass ich nun nur noch ein einziges ungehörtes Hörbuch vor mir habe, in dem Janet und Madoc eine Rolle spielen. Immerhin gibt es noch die vier „Dittany Henbit and Osbert Monk“-Hörbücher von Charlotte MacLeod, die ich auch noch nicht kenne. Eine paar unterhaltsame Hörbuchstunden mit dem typischen Humor der Autorin und einer mir unbekannten Geschichte habe ich also hoffentlich noch vor mir liegen.

Delilah S. Dawson/Ashley A. Woods: Ladycastle 1 (Comic)

Der erste „Ladycastle“-Sammelband von Delilah S. Dawson (Story) und Ashley A. Woods (Zeichnungen) ist ein amüsanter Comic rund um ein Schloss voller Frauen, deren Männer (und Väter und Söhne) in den Kampf gezogen sind. In der Abwesenheit der Männer halten sich die meisten Frauen brav an die Regeln und Gesetze, die König Mancastle aufgestellt hat, kümmern sich um alle anfallenden Angelegenheiten und hoffen, dass ihr Herrscher seine inzwischen achtzehnjährige Tochter Aeve nach seiner Rückkehr endlich aus dem Turm lässt, in dem sie seit sechs Jahren eingesperrt ist. Doch stattdessen erreicht der letzte lebende Ritter des Königreichs das Schloss und berichtet davon, dass der König und seine Gefolgsscharen erst zusammen mit dem restlichen Königreich verflucht und dann von einem Drachen gefressen wurden. Selbstverständlich ist dieser Ritter nun bereit, die Königskrone und alle damit verbundenen Aufgaben zu übernehmen, doch die „Lady of the Lake“ wählt die Schmiedin Merinor zum neuen König (ja, „König“ und nicht „Königin“).

Von diesem Tag an ändert sich so einiges im Schloss und der Anfang wird damit gemacht, dass Prinzessin Aeve endlich aus ihrem Gefängnis freigelassen und zum ersten weiblichen Ritter des Königreichs ernannt wird. Gemeinsam machen sich die Frauen daran, neue Regeln für ihr Königreich aufzustellen und gegen die Folgen des Fluchs zu kämpfen, die stetig über sie hereinbrechen. Egal, ob das Schloss von Feuersalamandern (natürlich in der magischen Variante) überflutet oder von Werwölfen oder Harpyien angegriffen wird, immer wieder müssen König Merinor und ihre Gefährtinnen einen Weg finden, um mit den unterschiedlichen Herausforderungen fertig zu werden. Doch nicht nur die diversen (übernatürlichen) Gegner müssen bezwungen werden, sondern auch die eigenen Selbstzweifel und Vorurteile gegenüber den anderen Frauen, während gleichzeitig die gewohnten Traditionen aufgebrochen und überdacht werden.

So amüsant ich die Kämpfe gegen die unterschiedlichen magischen Wesen fand, die nach dem Tod des Königs das Schloss einnehmen wollen, so haben mich vor allem die vielen kleinen Szenen zwischen den Frauen berührt und amüsiert. Ich mochte nicht nur die unkonventionellen Lösungen, die die Frauen gemeinsam für ihre Probleme gefunden haben, sondern auch die vielfältigen Ziele und Wünsche, die die Frauen nun in Angriff nehmen können, ohne sich fragen zu müssen, ob ihr Mann oder ihr Vater damit einverstanden wäre. Dalilah S. Dawson bringt viele wunderbare Elemente in die Geschichte ein, so hat sie zum Beispiel einen stimmigen Tagesablauf für die arme Prinzessin Aeve gefunden, die seit Jahren irgendwie ihre Zeit im Turm rumbringen muss, ohne vor lauter Einsamkeit wahnsinnig zu werden. Ich verrate hier nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass eine ihrer Tätigkeiten darin besteht, die verschiedenen „Kummerkasten“-Briefe zu beantworten, die ihr jeden Tag in einem Korb zu ihrem Turmfenster hinaufgezogen werden (und dass das Ganze auf eine Art und Weise erzählt wird, die ganz wunderbar die ganze Singerei in Disney-Filmen parodiert).

Die Zeichnungen von Ashley A. Woods sind ein bisschen schlichter, als mir normalerweise lieb wäre, aber ansprechend und mit genügend Details, um die Handlung ausreichend zu unterstützen. Ich mochte die Vielfalt der dargestellten Personen ebenso wie die Gestik und Mimik. Dazu kommen noch die vielen kleinen Elemente, die die eh schon witzigen Momente in der Geschichte mit weiteren Details unterstützen.

Stephanie Burgis/Tiffany Trent (Hrsg.): The Underwater Ballroom Society (Anthologie)

„The Underwater Ballroom Society“ ist eine von Stephanie Burgis und Tiffany Trent herausgegebene Anthologie, die aus einem Austausch der beiden Autorinnen über den „Underwater Ballroom at Witley Park“ auf Twitter entstand. Ich habe Mitte März überraschenderweise das eBook gewonnen, da ich den Newsletter zu der Anthologie abonniert hatte – offiziell wird der Titel erst am 30. April veröffentlicht – und da ich bei solchen Sammlungen gern beim Lesen meine Gedanken zu den einzelnen Geschichten aufschreibe, gibt es wieder einen Blogpost zu dem Titel.

1. „The Queen of Life“ von Ysabeau S. Wilce

Bei „The Queen of Life“ fand ich sowohl die Welt, in der die Geschichte spielt, als auch die Erzählweise sehr eigen und musste mich erst einmal darauf einlassen. Nachdem ich aber beim Aufstieg der Band „Love’s Secret Domain“ angekommen war und verfolgen musste, wie der Bassist Robert Mynwar von dem Elfenkönig Oberon entführt wurde, hatte mich die Handlung gepackt. Ich mochte das wunderbar atmosphärische Treffen zwischen der Musikerin Sylvanna de Godervya und dem geheimnisvollen Jungen an einer Kreuzung ebenso wie die Rolle, die der dicke Corgi in den folgenden Passagen übernahm, und fand die Szene im Ballsaal der Feen sehr berührend. Doch das Beste war die Entwicklung der Protagonistin und die Art und Weise, wie die Geschichte endete. Das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich direkt im Anschluss „Flora Segundas magische Missgeschicke“ von der Autorin in der Bibliothek auf die Merkliste gesetzt habe, um zu schauen, ob es da ebenso viele ungewöhnliche und atmosphärische Elemente zu finden gibt.

2. „Twelve Sisters“ von Y. S. Lee

„Twelve Sisters“ spielt zwölf Jahre, nachdem die zwölf Prinzessinnen ihre zertanzten Schuhe an den Nagel hängen und zusehen mussten, wie die Älteste von ihnen den Soldaten heiratete, der ihr Geheimnis aufdeckte. Schon im ersten Absatz wird deutlich, dass dieser Soldat seiner Frau in den vergangenen Jahren kein guter Ehemann war, dass er sie misshandelte und gegen ihren Willen dafür gesorgt hat, dass sie nun zum zwölften Mal schwanger ist. Doch nicht nur Prinzessin Anya leidet unter dem Soldaten, sondern das gesamte Königreich – und es wird noch schlimmer werden, wenn der todkranke König erst verstorben ist und der Soldat das Reich erbt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der jüngsten Prinzessin (Ling), die sich in den vergangenen Jahren nicht nur um ihren Vater und die älteste Schwester gekümmert hat, sondern auch um die verzauberte Welt, in der die Schwestern Nacht für Nacht tanzten. Ich fand Lings Perspektive (und ihre Prioritäten im Leben) wunderbar, ich mochte die märchenhafte und doch erschreckend realistische Atmosphäre dieser Geschichte sehr und ebenso gefiel mir die Lösung, die Y. S. Lee für die Prinzessinnen gefunden hat. Dummerweise hat das dazu geführt, dass ich mir prompt den Debütroman der Autorin („The Agency: A Spy in the House“) auf den Wunschzettel gepackt habe.

3. „Penhallow Amid Passing Things“ von Iona Datt Sharma

Das war eine wunderschöne Geschichte über eine Schmugglerin (Penhallow), den gleichnamigen Ort, für den sie verantwortlich ist, und die Gesetzeshüterin (Trevelyan), die an der Küste Dienst tut – und darüber, dass die beiden Frauen so viel verbinden könnte, wenn sie nicht auf gegensätzlichen Seiten des Gesetzes stünden. „Penhallow Amid Passing Things“ spielt in einem England, in dem die Magie nur noch Legende ist, auch wenn einige von den älteren Leuten immer noch hoffen, dass die Magie eines Tages wieder zurückkommt. Diese Sehnsucht nach Magie und das Gefühl, Unrecht verhindern zu müssen, ist es dann auch, die Penhallow und Trevelyan über ihren Schatten springen lässt und das ist wunderschön (und amüsant) zu verfolgen. Nur gut, dass die Autorin noch keinen Roman geschrieben hat, sonst hätte ich einen weiteren Zugang auf der Wunschliste zu verzeichnen …

4. „Mermaids, Singing“ von Tiffany Trent

Eine wunderschön erzählte Geschichte, die im viktorianischen London spielt und aus zwei Perspektiven erzählt wird. „Mermaids, Singing“ ist voller atmosphärischer Elemente wie dem Chinesischen Viertel und magischer Dinge wie Gestaltwandlern, Einhörnern, Harpyien, Meerjungfrauen und dem dazu passenden unheimlichen Zirkus. Die Bösewichte erinnern mich an Mommy Fortuna zu ihren mächtigsten Zeiten (inklusive passendem Partner), während die Protagonisten (wenn man davon absieht, dass der männliche Part ein Gestaltwandler ist) angenehm normal sind und vor allem aufgrund ihrer guten Zusammenarbeit und der wohlverdienten Unterstützung von höherer Stelle am Ende Erfolg haben. (Und da „The Unnaturalist“ von Tiffany Trent in derselben Welt zu spielen scheint und mir die Charaktere ebenso wie die Erzählweise in dieser Kurzgeschichte so gut gefallen hatten, ist gleich ein weiteres Buch auf die Wunschliste gewandert.)

5. „A Brand New Thing“ von Jenny Moss

So unterschiedlich die Geschichten sind, so sehr mag ich sie doch bislang alle – auch „A Brand New Thing“ von Jenny Moss rund um Eve, die so ganz anders ist als der Rest der Familie (von der ominösen Tante Dorothy mal abgesehen). Eve hat so ihre Eigenarten, deshalb fällt es ihr schwer, eine Arbeit zu unterbrechen, weil sie sie erst beenden muss, bevor sie sie zur Seite legen kann, sie tippt dreimal auf eine Türklinke, bevor sie sie benutzt, und sie versteht den Sinn hinter all den Konventionen der höheren britischen Gesellschaft so gar nicht. Während ihre Familie kurz vor der Hochzeit ihrer Schwester Edith besonders darauf bedacht ist, dass Eve sich nicht immer so schrecklich seltsam verhält, entdeckt zur selben Zeit Eve eine magisch wirkenden Ballsaal unter dem Teich auf dem Anwesen ihres Vaters. Ich habe die Perspektive von Eve so sehr gemochte, ebenso wie ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte und die Tatsache, dass der Ballsaal nicht die Lösung für Eves Probleme beinhaltet. Ich würde wirklich gern mehr über Eve und ihr weiteres Schicksal lesen …

6. „Four Revelations from the Rusalka Ball“ von Cassandra Khaw

Vier Enthüllungen über Dinge, die man bei einem Rusalka Ball sehen oder erleben kann. Keine Geschichte, aber kleine, skurrile und magische Dinge, die die Fantasie des Lesers anheizen.

7. „Spellswept“ von Stephanie Burgis

Die Kurzgeschichte Spellswept erzählt davon, wie Amy und Jonathan, die ich schon aus dem Titel „Snowspelled“ kenne, zusammenkamen. In der Welt, die Stephanie Burgis hier entworfen hat, liegt die politische Macht in den Händen der Frauen, während die Männer (als emotionaleres Geschlecht) Magie lernen und mit dieser ihre Frauen bei ihrer Arbeit unterstützen. Für eine junge Frau wie Amy, die ihr Leben lang darauf hingearbeitet hat, eine politische Karriere zu verfolgen, kommt es also überhaupt nicht in Frage, einen Mann wie Jonathan, der über keinerlei magische Ausbildung verfügt, zu heiraten. Während Amy also eigentlich plant, auf dem Frühlingsball ihre Verlobung mit Lord Llewellyn bekanntzugeben, lernt sie im Laufe des Abends, dass es manchmal nötig ist, nicht den traditionellen Weg einzuschlagen, um ein Ziel zu erreichen. So eine süße Liebesgeschichte, voller amüsanter Momente und unglaublich rührender Szenen. Ich mag die Figuren und ich mag die Welt, die Stephanie Burgis da geschaffen hat. (Und im Gegensatz zu „Snowspelled“, das mir viel zu kurz war, fand ich hier die Länge der Geschichte für die Handlung auch passend.)

8. „The River Always Wins“ von Laura Anne Gilman

Ich mochte an dieser Geschichte sehr, dass der „Ballsaal“ dieses Mal ein Punk-Club kurz vor dem Abriss war. Ein Punk-Club voller übernatürlicher Gestalten aus den unterschiedlichsten Mythologien, die zum letzten Mal den Ort besuchen, an dem sie in ihrer Jugend all ihre Aggressionen rauslassen konnten. Dummerweise bringt dieses letzte Mal auch so einige Erinnerungen an frühere Zeiten zurück, die nicht ganz so erinnerungswert sind. Sehr interessante Variante einer Sirene, sehr atmosphärisch erzählte Geschichte und eine tolle Freundschaft zwischen zwei ungewöhnlichen Frauen. (Keine neue Autorin für die Wunschliste, da Laura Anne Gilman da schon länger draufsteht … 😉 )

9. „The Amethyst Deceiver“ von Shveta Thakrar

Eine Geschichte über eine ungewöhnliche symbiotische Gemeinschaft und über die Industrialisierung und ihre Folgen für die Natur. Und auch eine Geschichte über das Leben als Kind eines englischen Vaters und einer indischen Mutter in einem Land, in dem die höhere Gesellschaft diese Mutter und ihre Kinder wohl niemals als ebenbürtig ansehen wird, unabhängig davon, wer ihr Vater ist und wie sie sich benehmen. Sehr schöne fantastische Elemente – ich fand es toll, dass Pilze hier für mehr als nur den klassischen Feenkreis stehen -, starke Erzählstimme, deren Beweggründe und Gefühle mich schnell gepackt haben, und eine wunderbare Wendung am Ende. Ich mag die ungewöhnliche Idee hinter der Geschichte und würde gern mehr über die verschiedenen Pilze lernen.

10. „A Spy in the Deep“ von Patrick Samphire

„A Spy in the Deep“ ist eine Geschichte, die in der „Regency Mars“-Welt des Autors spielt und sich um Harriet George dreht, die mitten in der Ausbildung zur Spionin für die Britisch-Marsianische-Regierung steckt. Um zu beweisen, was sie in den vergangenen Monaten alles gelernt hat, soll Harriet eigenständig (wenn auch unter Aufsicht) eine einfache Mission bewältigen – bei der natürlich alles schiefläuft, was schieflaufen kann. Ich fand die Geschichte sehr unterhaltsam, ich mochte die Charaktere (also die, die auch sympathisch sein sollten) und ich habe es genossen, Harriet bei der Durchführung ihrer Mission zu verfolgen. Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich aber erstaunlich große Probleme mit der Vorstellung von einer Britisch-Marsianischen-Gesellschaft, in der es auf der einen Seite im Jahr 1816 Krieg mit Napoleon gibt und auf der anderen Seite der Mars durchgehend besiedelt ist (inklusive einheimischer „Marsianer“, die vor vielen Jahrtausenden von der Erde dorthin ausgewandert waren). Das ist definitiv mein ganz persönliches Problem und liegt nicht an der Erzählweise von Patrick Samphire – die ist so unterhaltsam, dass ich nun um die erste Geschichte rund um Harriet George herumschleiche, weil ich wissen will, was es mit dem „Gläsernen Phantom“ auf sich hat.

***

Insgesamt war ich wirklich sehr glücklich mit „The Underwater Ballroom Society“. Es gibt nur selten Anthologien, bei denen ich durchgehend so zufrieden mit den Geschichten bin, mich so gut unterhalten fühle und so viele neue Autoren auf meine Merkliste setze. Die verschiedenen Kurzgeschichten sind wunderbar vielfältig, es gibt ein angenehm diverses Figurenspektrum, sehr viele ungewöhnliche fantastische Grundideen und immer wieder überraschende Wendungen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht!

April-SuB 2018

Auch wenn ich mich die Hälfte der Zeit total gestresst und erschlagen fühlte, bestand der März aus einer gesunden Mischung aus „sehr viel zu tun“ und „Zeit zum Lesen und Stricken“. Das letzte Bücherregal ist inzwischen auch angedübelt und so langsam füllen sich die Fächer. Ich lasse mir Zeit damit, denn ich will lieber jetzt einmal in Ruhe sortieren und stapeln, als in naher Zukunft all die Bücher wieder aus den Regalen holen und neu ordnen zu müssen. Nebenbei wandere ich regelmäßig zum Öffentlichen Bücherschrank, um den einen oder anderen alten Schatz doch in ein neues Zuhause zu entlassen, da zum Beispiel meine Zeit für bestimmte High-Fantasy-Titel definitiv vorbei ist. Egal, wie sehr ich die Geschichten jahrzehntelang geliebt habe … Für den April stehen auch schon wieder so einige Punkte auf der To-do-Liste, außerdem werde ich mir ganz bestimmt die Zeit nehmen, um den einen oder anderen langvermissten Roman zu lesen. Aber erst einmal genieße ich das lange Wochenende, die Brettspielrunden mit meinem Mann und die Tatsache, dass es hier langsam nicht mehr so chaotisch ausschaut.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Joan Aiken: The Serial Garden – The Complete Armitage Family Stories
  3. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  4. Elizabeth Bear: Karen Memory
  5. Juliet Blackwell: A Magical Match (Witchcraft Mystery 9) 
  6. Deborah Blake: Dangerously Fierce (Broken Rider 3)
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  8. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  9. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  11. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  12. Marie Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  13. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  14. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  15. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  16. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  17. Jennifer Estep: Black Widow (Elemental Assassin 12)
  18. Jennifer Estep: Spider’s Trap (Elemental Assassin 13)
  19. Jennifer Estep: Bitter Bite (Elemental Assassin 14)
  20. Jennifer Estep: Unraveled (Elemental Assassin 15)
  21. Jennifer Estep: Snared (Elemental Assassin 16)
  22. Christopher Golden u.a.: Dark Cities (Anthologie)
  23. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  24. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  25. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  26. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  27. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  28. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  29. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  30. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  31. Rachel Hartman: Seraphina
  32. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  33. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  34. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  35. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  36. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  37. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  38. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  39. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  40. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  41. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  42. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  43. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  44. Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back
  45. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  46. Kate Milford: The Boneshaker
  47. Bishop O’Connell: The Stolen
  48. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  49. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  50. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  51. Tamora Pierce u. a.: Tortall – A Spy’s Guide
  52. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  53. Cindy Pon: Serpentine
  54. Laura Powell: The Lost Island (The Silver Service Mystery 2)
  55. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  56. Philip Reeve: Larklight
  57. Joan G. Robinson: When Marnie Was There
  58. John Scalzi: Fuzzy Nation
  59. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  60. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  61. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  62. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  63. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  64. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  65. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  66. Charles den Tex: Die Zelle
  67. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  68. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  69. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  70. Xinran: Gerettete Wort
  71. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

63 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Frohe Feiertage!

Ich wünsche euch frohe Ostertage!
Unabhängig davon, ob ihr Ostern mit allem Drum und Dran feiert oder
ob euch der christliche Hintergrund dieses langen Wochenendes egal ist,
wünsche ich euch entspannte Tage,
viel Zeit für angenehme Tätigkeiten
und vielleicht ein paar Stunden in netter Gesellschaft!

Isabel Yap: Hurricane Heels

Auf der Rückseite des Romans wird „Hurricane Heels“ von Isabel Yap als „series of interconnected short stories“ bezeichnet, doch ich bezweifle, dass die ersten Geschichten ohne die folgenden funktionieren können, weshalb dieses Buch für mich ein Roman ist, der in fünf Teilen erzählt wird. Genau genommen bekommt der Leser die Handlung aus der Sicht der „magical girls“ Alex, Ria, Aiko, Natalie und Selena erzählt und obwohl jede von ihnen auf den Tag eingeht, an die fünf Mädchen einer Göttin begegneten, die sie bat, für das Gute zu kämpfen, lernt man durch die unterschiedlichen Perspektiven auch verschiedene Aspekte dieses Lebens als „magical girl“ kennen.

Zu dem Zeitpunkt, an dem die aktuelle Handlung beginnt, kämpfen die fünf Frauen, die mittlerweile Mitte 20 sind, schon seit fast zwölf Jahren für die Göttin gegen „Greystones“. Zwölf Jahre, in denen sie ständig verletzt werden, zwölf Jahre, in denen sie ihre Familien und Freunde belügen müssen, um ihre Identität als „magical girl“ geheim zu halten, zwölf Jahre, in denen sie immer und immer wieder zusehen müssen, wie ihre Mitstreiterinnen verletzt werden und gerade noch mit dem Leben davonkommen. Diese zwölf Jahre haben in allen fünf Protagonistinnen ihre Spuren hinterlassen, und selbst diejenigen, die anfangs begeistert von der Aussicht auf ein Leben als Kämpferin für das Gute waren, sind inzwischen des Kämpfens müde.

Da nur die anderen „magical girls“ von diesem geheimen Leben wissen, ist es ganz natürlich, dass die fünf Mädchen – trotz ihrer unterschiedlichen Neigungen und Persönlichkeiten – enge Freundinnen werden. Einfach ist diese Freundschaft nicht, denn obwohl die Freundinnen Schutz und Stärke bedeuten, gehören sie auch zu den Schwachstellen der Kämpferinnen. Und natürlich gibt es bei dieser besonderen Freundschaft auch all die Kompromisse, die man schließen muss, um für die anderen da sein zu können oder um diese wichtige Beziehung nicht zerbrechen zu lassen, obwohl man doch so sehr aufeinander angewiesen ist. Dieser Wechsel zwischen Dankbarkeit für die Freundschaft, Neid darauf, dass eine der anderen anscheinend besser mit dem Leben als „magical girl“ fertig wird als die Erzählerin selbst, Angst um das Leben der Freundinnen und Frustration, weil man als Kriegerin für das Gute nicht einfach aufhören kann, weil einfach zu viele andere auf einen angewiesen sind, fand ich sehr berührend.

Es war für mich sehr stimmig, wie Isabel Yap die Freundschaft zwischen den fünf Mädchen/Frauen beschrieben hat. Obwohl Natalie und Selena schon vor dem entscheidenden Tag Freundinnen waren, bin ich mir sicher, dass sich die fünf Mädchen nie miteinander angefreundet hätten, wenn sie nicht diese Begegnung mit der Göttin gehabt hätten. So ist es für mich auch richtig und überzeugend, dass ihre Freundschaft bei aller Innigkeit und Dankbarkeit, dass es die anderen gibt, aus unterschiedlichen Gründen nicht immer einfach ist. Jede einzelne verschweigt den anderen etwas, sei es, weil es einfach etwas zu Privates ist, um darüber zu reden, oder weil sie Angst hat, dass die anderen sie nicht verstehen könnten, oder weil sie sich sicher ist, dass sie, wenn sie erst einmal ihre Gedanken aussprechen würde, die Harmonie zwischen den Kämpferinnen und somit die Hoffnung auf einen Sieg gegen das Böse gefährden würde.

Da die Autorin selbst diverse Male Sailor Moon und andere Geschichten mit „übernatürlichen Kämpfern für das Gute“ erwähnt, liegt es natürlich nahe, „Hurricane Heels“ (vor allem) mit dem Manga von Naoko Takeuchi zu vergleichen. Was mir bei „Hurricane Heels“ so gut gefallen hat, war der Realismus, den der Roman trotz aller „magical girl“-Elemente beinhaltet. Auch wenn es deprimierend zu lesen ist, wie müde die fünf Kämpferinnen nach all den Jahren sind und wie viel Angst sie davor haben, dass Selenas bevorstehende Hochzeit etwas an ihrer Freundschaft ändern wird, oder gar, dass Selenas Mann nicht damit leben kann, dass seine Frau ein geheimes Leben führt, von dem er nichts mitbekommen darf, so ist es eben auch stimmig, dass so viele Jahre voller Kämpfe und Schmerzen ihre Spuren hinterlassen haben. Somit konzentriert sich Isabel Yap mit ihrer Geschichte meiner Meinung nach vor allem auf die herausfordernden Elemente, die bei „Sailor Moon“ eher zwischen den Zeilen stehen und meinem Gefühl nach so gut wie nie von Sailor Moons Mitstreiterinnen ausgesprochen werden.

Das macht „Hurricane Heels“ zwar nicht zu einem locker-flockigen Roman, aber zu einer reizvollen Lektüre, die eine „erwachsenere“ Sicht auf das Leben als „magical girl“ wirft. Ich habe mich darüber gefreut, die fünf Protagonistinnen besser kennenlernen zu können und ihre jeweilige Sicht auf die Freundinnen mitzuerleben. Die Entschlossenheit der vier Freundinnen, dafür zu sorgen, dass Selenas Hochzeit – trotz der drohenden Gefahr durch das Böse – zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, fand ich wunderbar rührend, und natürlich hatte ich kein Problem damit, dass es am Ende so etwas wie ein Happy End gab. Doch vor allem haben mich all die Jahre berührt, in denen die fünf Mädchen kämpften, ohne zu wissen, wie lange das noch so weitergeht und ob sie jemals ihre Träume verwirklichen könnten.

Neuzugänge: Januar, Februar und März 2018

Im Januar gibt es traditionell bei mir immer noch einmal mehrere Neuzugänge. Erst einmal spare ich dafür meinen November- und Dezember-Buchetat, zweitens fühlt es sich seltsam an, wenn nach den Buchmassen in den vergangenen zwei Monaten auf einmal kaum noch Neuzugänge kommen, und drittens gibt es ja immer noch Titel auf der Wunschliste, die mir niemand zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt hat und die ich unbedingt haben wollte. In diesem Jahr habe ich also auch wieder relativ hemmungslos im Januar Bücher bestellt, aber geliefert wurden sie zum Teil mit deutlichen Verzögerungen, so dass sich das spürbare „Mehr“ an Neuzugängen erst im Februar bemerkbar machte.

Januar:

1. Seanan McGuire: Beneath the Sugar Sky (Wayward Children)
An Seanan McGuire komme ich ja grundsätzlich nicht vorbei und da
„Beneath the Sugar Sky“ wieder zurück in Miss Eleanor Wests Haus führt,
konnte ich die Veröffentlichung kaum erwarten.

2. Laura Powell: The Last Duchess (A Silver Service Mystery 1)
„The Last Duchess“ ist hingegen zum Antesten erworben worden – der Klappentext enthält lauter Elemente, die ich sehr, sehr reizvoll fand.

Februar:

1. Jennifer Estep: Black Widow (Elemental Assassin 12)
2. Jennifer Estep: Spider’s Trap (Elemental Assassin 13) 
Ich arbeite weiterhin daran, die Serien zu vervollständigen, die ich wirklich unterhaltsam finde, und ein bisschen hatte ich gehofft, dass ich mit den „Elemental Assassin“-Bänden auf dem aktuellen Stand wäre, bevor der nächsten Roman erscheint. Ganz hat das nicht geklappt, aber so weit hinke ich nicht mehr hinterher.

3. Deborah Blake: Dangerously Charming (Broken Rider 1)
Um die „Broken Rider“-Serie schleiche ich schon eine Weile herum, da ich die Baba-Yaga-Bücher der Autorin sehr mochte (obwohl der Schwerpunkt der Geschichten mehr bei Romance als Fantasy liegt) und diese Reihe Figuren aufgreift, die ich in den anderen Romanen sehr cool fand.

4. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
So sehr ich mich über „Tortall – A Spy’s Guide“ gefreut habe, so ist es doch „nur“ eine Zusammenstellung unterschiedlicher Dinge, die Tamora Pierces Welt mehr Tiefe verleihen. „Tempests and Slaughter“ hingegen ist seit langer Zeit endlich mal wieder ein Roman von der Autorin – das freut mich nicht nur grundsätzlich, ich bin auch hingerissen davon, dass es in dieser Geschichte um Numair geht, den ich als Figur wirklich sehr mag.

5. Isabel Yap: Hurricane Heels
Ich mag „magical girl“-Geschichten, aber nur sehr wenige davon gehen darauf ein, was mit einem dieser Mädchen passiert, wenn es jahrelang für das Gute kämpfen muss. „Hurricane Heels“ hingegen beschäftigt sich genau mit diesem Thema und erzählt die Geschichte von fünf Mädchen, die einige Jahre zuvor von einer Göttin magische Kräfte verliehen bekamen und seitdem viele Gefahren und viele Schmerzen erlebt haben, von denen sie niemandem erzählen durften. Ich fand, dass das ein spannender Ansatz für einen Roman ist …

6. Paige Shelton: The Cracked Spine
Irgendwie habe ich Paige Shelton in den letzten Monaten immer etwas nach hinten geschoben, weil ich mich nicht entschließen konnte, ob ich ihre „Farmers‘ Market“-Serie weiterlese oder eine der Serien ausprobieren, bei denen noch nicht so viele Bände erschienen sind. Nachdem Helma ihren Neuzugang (genauer gesagt den zweiten Band der Reihe mit dem Titel „Of Books and Bagpipes“) auf Twitter gezeigt hatte, habe ich dann doch ohne länger nachzudenken bestellt. Es ist schließlich immer einfacher, bei gerade anlaufenden Reihen auf den aktuellen Stand zu kommen, als mal eben die gesamte Backlist eines Autors aufzukaufen. 😉

7. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
„Children of Blood and Bone“ ist eines der Bücher, die mir in meiner amerikanischen Timeline ständig unterkamen, und da ich die Inhaltsangabe verlockend fand, ist der Titel auf die Wunschliste gewandert und wurde von mir bestellt (und zu meiner Überraschung konnte mein Buchhändler ihn auch recht zeitnah liefern).

März:

1. Deborah Blake: Dangerously Divine (Broken Rider 2)
Nachdem ich im Februar mit dem ersten Teil einen so netten Tag verbracht hatte, wollte ich den nächsten Band recht bald lesen. Auch weil die Autorin den abschließenden Teil der Trilogie gerade erst selbst verlegt hat, weil ihr Verlag den nicht mehr herausbringen wollte, und ich natürlich den Mittelteil brauche, bevor ich den letzten Band im April kaufe. 😉

2. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
Die aktuelle Fortsetzung der InCryptid-Reihe von Seanan McGuire. Auf den Band hatte ich mich schon sehr gefreut, da ich die Protagonistin im vorhergehenden Teil sehr mochte und sehr gespannt darauf bin, wie es mit ihr und ihren Gegnern weitergeht.

Seanan McGuire: Beneath the Sugar Sky (Wayward Children)

Nachdem „Down Among the Sticks and Bones“ dem Leser die Vorgeschichte von Jill und Jack erzählt hat, führt „Beneath the Sugar Sky“ einen anfangs zurück in „Eleanor West’s Home For Wayward Children“. Dieses Mal erzählt Seanan McGuire die Geschichte vor allem aus der Sicht von Cora, die erst seit wenigen Wochen in Eleanor Wests besonderer Schule lebt und noch immer nicht so richtig angekommen ist. Immerhin hat sie in Nadya, die ebenso wie Cora vor einiger Zeit den Weg in eine Wasserwelt fand, bevor sie wieder zurück in ihre Geburtswelt musste, eine gute Freundin gefunden. Gemeinsam halten sich die beiden Teenager am Schildkröten-Teich hinter der Schule auf, als auf einmal ein Mädchen durch eine Tür in den Teich fällt.

Rini ist auf der Suche nach ihrer Mutter, denn ohne sie ist die Welt Confection, in der Rinis Mutter als Heldin verehrt wird, dem Untergang geweiht. Doch da Rinis Mutter eine der Personen ist, die in „Every Heart a Doorway“ ermordet wurde und die deshalb nie einen Weg zurück in ihre fantastische Welt fand, steht nicht nur Confections Schicksal, sondern auch die Existenz von Rini auf dem Spiel. Zum Glück findet Rini in einigen von Eleanors Schülern Quest-erfahrene Unterstützung, deren ungewöhnliche Talente für die Aufgabe unabdingbar sind. So findet sich Cora zu ihrer eigenen Überraschung gemeinsam mit Nadya, Kade, Christopher und Rini auf der Suche nach einem Weg, um Rinis ermordete Mutter zurückzuholen. Dass Seanan McGuire dieses Mal die Geschichte rund um eine Gruppe von Personen gewoben hat, statt sich auf eine Perspektive zu konzentrieren, macht „Beneath the Sugar Sky“ für mich zum bislang besten Band der Wayward-Children-Bücher, weil man so verschiedene Ansichten zu einem Thema kennenlernt und ganz andere Einblicke in die Begebenheiten erhält.

Zwar bekommt man vor allem Coras Perspektive präsentiert, aber das hat den Vorteil, dass Cora – die noch relativ neu in Eleanor Wests Schule ist – Fragen stellen kann, die bei den anderen Beteiligten unnatürlich wirken würden. Durch die Beteiligung der anderen Charaktere bekommt man nicht nur viele Details zu Confection präsentiert, sondern auch zu den Welten, in die Cora, Nadya, Kade und Christopher geraten waren. Doch was ich an dieser Geschichte besonders mochte, ist der Einblick in das Seelenleben der verschiedenen Figuren. Seanan McGuire zeigt nicht nur, warum die Charaktere sich in ihrer Welt nicht wohlfühlten und sich deshalb so sehr in die fantastische Welt zurücksehnen, in die sie durch ihre ganz persönliche magische Tür geraten waren, sondern auch, wie ihr Leben in dieser anderen Welt ausschaute. Einzig Kade möchte nicht zurück in die Welt Prism, denn dort wurde die Tatsache, dass er ein Junge ist, ebensowenig akzeptiert, wie seine Eltern damit leben konnten, dass ihr kleines süßes Mädchen doch eigentlich kein Mädchen ist.

Ich liebe diesen Einblick in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere fast mehr als all die wunderbaren Details zu den verschiedenen fantastischen Welten (inklusive Erdbeer-Rhabarber-Limonaden-See und einem Schildkröten-Gefährten für ein ertrunkenes Mädchen). Obwohl die „Wayward Children“-Romane bei mir normalerweise eher den Kopf als das Herz ansprechen, hat mich diese Geschichte rundum gepackt, und während sonst die Gesetze und verschiedenen Aspekte der fantastischen Welten (inklusive der „Reisebedingungen“) in mir nachklangen, sind es dieses Mal die Figuren und ihr Schicksal, die mich noch eine Weile beschäftigen werden. Ich freu mich jetzt schon darauf, Anfang 2019 den nächsten Titel („In an Absent Dream“) lesen zu können.

Diana Wynne Jones: The Homeward Bounders

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich die Romane von Diana Wynne Jones vom Thema und der Atmosphäre her sind. „The Homeward Bounders“ wird aus der Perspektive von Jamie Hamilton erzählt, der als Zwölfjähriger beim Herumstreunern nach der Schule eine geheimnissvolle Festung in seiner Heimatstadt entdeckt. Als er heimlich durch die Fenster des Gebäudes späht, beobachtet er zwei Kapuzen-tragende Gestalten bei ihrem rätselhaften Tun. Von diesem Moment an lässt ihn die Festung ebensowenig los wie die Frage, was die beiden Personen da wohl getan haben. Doch als er die Antwort auf diese Frage findet, wünscht er sich bald, er hätte seiner Neugier nicht nachgegeben. Denn an diesem Tag findet Jamie heraus, dass die beiden Personen Spieler eines allumfassenden großen Spiels sind, welches auch Auswirkungen auf seine Welt und somit sein Leben hat.

Als jemand, der über das Spiel Bescheid weiß, wird er als „Homeward Bounder“ an die Grenzen des Spielfelds verband, wo er von einer Welt zur nächsten versetzt wird, wann immer ein Spielzug seinen aktuellen Aufenthaltsort beeinflussen könnte. Theoretisch – so wurde er vor seiner Verbannung informiert – gibt es die Möglichkeit, einen Weg nach Hause zu finden, doch dafür muss er erst einmal all die Regeln verstehen, die in diesem unheimlichen Spiel zur Anwendung kommen, und Verbündete finden, die ihm gegen die allmächtigen Spieler zur Seite stehen. Letzteres wird vor allem dadurch erschwert, dass sich unter den Homeward Bounders hartnäckig das Gerücht hält, dass keiner von ihnen mit den anderen über die seltsamen Gestalten reden darf und dass es ihnen nicht erlaubt ist, zusammen zu reisen. So benötigt auch Jamie sehr lange, um genügend Informationen über die unheimlichen Spieler zu sammeln, um überhaupt einen Eindruck vom Gesamtbild zu bekommen, und noch länger, um die ersten Schicksalsgenossen etwas besser kennenzulernen.

Es ist wirklich spannend zu sehen, wie Diana Wynne Jones an eine Geschichte herangeht. Bei „Homeward Bounders“ könnte man grob sagen, dass sie die Handlung aus der Perspektive einer Spielfigur in einem Tabletop-Game erzählt, aber das würde die abstrakten Theorien, die dafür sorgen, dass all die parallelen Welten funktionieren und Teil eines großen Spiels sein können, nicht genügend würdigen. Doch so faszinierend ich die Idee hinter „The Homeward Bounders“ finde und so sehr mich die Geschichte spätestens ab der Hälfte des Romans gepackt hatte, so muss ich zugeben, dass ich es lieber mag, wenn die Autorin weniger den Kopf als vielmehr Herz und Bauch des Lesers anspricht. So hatte ich lange Zeit mit Jamie Probleme, weil er nun einmal ein recht egoistischer Junge ist, der auch aus den Fehlern, die er macht, nicht so schnell zu lernen scheint. Außerdem mochte ich es nicht so gern, dass mir die Geschichte aus der Rückschau und stellenweise sehr gerafft erzählt wurde.

Natürlich kann Jamie nicht von jedem Erlebnis berichten, das er in den vielen hundert Welten hatte, die er besuchte, aber dadurch, dass beim Lesen klar war, dass diese Ereignisse in der Vergangenheit lagen, war ich lange Zeit Jamies Schicksal gegenüber deutlich gleichgültiger, als mir lieb war. Erst nach gut der Hälfte der Geschichte, als Jamie andere Personen kennenlernt und sich – entgegen aller Regeln, die er bis zu diesem Zeitpunkt gelernt hatte – mit ihnen über ihr Schicksal austauscht, wurde ich neugieriger auf die weitere Handlung. Durch die Interaktion mit anderen Homeward Bounders kommt es zu amüsanten kleinen Szenen, und durch die extrem unterschiedlichen Charaktere wurde die Geschichte weniger vorhersehbar. Am Ende hatte mich der Roman dann richtig gepackt – so sehr, dass ich die Handlung und die Figuren sogar mit in meine Träume genommen habe -, was vermutlich auch daran lag, dass der Schluss auf eine Art und Weise bitter(süß) ist, die perfekt für diese Art von Geschichte ist.

Elly Griffiths: Dr. Ruth Galloway 1 – Totenpfad (Hörbuch)

Im Juli vergangenen Jahres hatte ich mir das Hörbuch „Totenpfad“ von Elly Griffiths zugelegt, dann aber keine Zeit gehabt, es auch zu hören. Nachdem Irina im Oktober dem Krimi auch nur eine durchwachsene Bewertung hatte zukommen lassen, habe ich in den vergangenen Monaten erst einmal zu anderen Hörbüchern gegriffen, bevor ich in den letzten Tagen dann doch zum Möbelaufbau diese Geschichte auf den Player gezogen habe. Die Handlung wird aus der Perspektive der 39jährigen Dr. Ruth Galloway erzählt, die als Archäologie-Professorin von der Polizei herangezogen wird, um einen Knochenfund im Salzmoor zu bestimmen. Zu Detective Chief Inspector Harry Nelsons Enttäuschung, der gehofft hatte, dass es sich bei dem Fund um die Leiche eines entführten kleinen Mädchens handeln würde, stellt Ruth fest, dass die Knochen schon seit der Bronzezeit im Salzmoor von Norfolk liegen.

Obwohl sie der Polizei dieses Mal nicht weiterhelfen konnte, wird Ruth in den folgenden Wochen immer weiter in die Ermittlungen rund um die entführte Scarlett (und die vor zehn Jahren ebenfalls entführte Lucy) hineingezogen. Nach und nach beschleicht sie der Verdacht, dass zwischen den Entführungen und den Ausgrabungen, die vor zehn Jahren im Moor stattfanden, eine Verbindung besteht und dass ihr ehemaliger Mentor und ihre damaligen Kollegen vielleicht etwas mit den anonymen Briefen und den Entführungen zu tun haben könnten. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was ich noch zum Inhalt schreiben soll, denn obwohl das Hörbuch fast neun Stunden lang war, habe ich nicht das Gefühl, dass in der Geschichte etwas Erzählenswertes passiert.

Die Handlung plätschert so vor sich hin, es wird von Ruth viel über die Ereignisse von vor zehn Jahren nachgedacht, über ihre damaligen (und heutigen) Freunde, über ihr Leben, über ihre Eltern und vor allem darüber, was all die Menschen in ihrer Umgebung über sie denken. Letzteres vor allem deshalb, weil sie mit fast 40 Jahren alleinstehend ist, in einem einsam gelegenen Haus am Rande des Salzmoors lebt, zwei Katzen hat, übergewichtig ist und sich deshalb anscheinend als unfassbare Versagerin sieht, obwohl Ruth sich ständig erzählt, wie sehr sie ihr eigenständiges Leben doch liebt. Diese Passagen, in denen Ruth über ihr Leben und darüber, wie andere über sie denken könnten, grübelt, fand ich unglaublich nervig. Das Ganze steckte so voller Klischees, Vorurteilen und Selbstverachtung von Seiten der Protagonistin, dass ich mich beim Hören ständig aufgeregt habe.

Dazu kam dann noch der kaum vorhandene Krimianteil, der offensichtliche Täter (und die Tatsache, dass er anscheinend niemals von irgendjemandem verdächtigt wurde) und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren, was dazu führte, dass ich ständig drüber nachgedacht habe, ob ich dieses Hörbuch wirklich bis zum Ende hören will. Immerhin kann ich sagen, dass ich – im Gegensatz zu Irina – wenig Probleme damit hatte, dass sich die gesamte Handlung auf die Menschen in Ruths Umgebung konzentriert. Denn auf der einen Seite leben nun mal nicht so viele Menschen am Rande des Salzmoors und auf der anderen Seite scheint es bei den Entführungen Verbindungen zu den archäologischen Ausgrabungen im Moor zu geben und die damals an den Ausgrabungen beteiligten Personen gehören eben auch heute noch zu Ruths Freundeskreis.

Mit ein Grund, warum ich letztes Jahr das Hörbuch gekauft habe, war nicht nur eine allgemeine Krimilust, sondern auch die Sprecherin Gabriele Blum, der ich normalerweise gern zu höre. Doch bei „Totenpfad“ konnte sie auch nicht viel aus der Handlung machen, während ihre – wie ich zugeben muss – stimmige Darstellung von Ruth dafür sorgte, dass ich die Protagonistin noch weniger mochte. Ich finde es wirklich schade, dass dieser Krimi bei mir so gar nicht ankam, denn die Grundidee war wirklich nicht schlecht und das Salzmoor bildete eine wunderbar atmosphärische Kulisse für die Geschichte, aber die Perspektive der Protagonistin und die ereignislose Handlung haben mich beim Hören wirklich genervt.