Lese-Sonntag im März

Heute ist der dritte Sonntag im Monat und somit wieder Lesetag und so langsam kommt es mir vor, als ob ich jeden Lese-Sonntag-Post so beginne. 😉 Die vergangene Woche war sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Vor allem habe ich meine Zeit damit verbracht durch die Gegend zu fahren und durch die Wohnung zu rennen und wenn ich weder das eine noch das andere gemacht habe, habe ich schwere Kartons gehoben (oder gezogen, geschoben und verflucht). Außerdem waren wir gestern beim ersten Roller-Derby-Spiel der Saison – und da nicht nur das offizielle Liga-Spiel stattfand, sondern nacher auch noch eine Gastmannschaft gegen ein Mix-Team antrat, war damit fast der gesamte Tag ausgebucht. Heute plane ich also wieder sehr viel Zeit mit einem Buch auf dem Sofa zu verbringen – nur unterbrochen von der sonntäglichen Gloomhaven-Runde (wenn wir denn an das Spiel herakommen, da davor Bücher gestapelt sind). Ganz sicher bin ich mir noch nicht, was ich gleich lesen werde. Auf der einen Seite habe ich eine Anthologie, die gerade erst bei mir eingezogen ist und mich reizen würde, dann gibt es da noch zwei Titel aus der Bibliothek, Lust auf einen Krimi hätte ich auch mal wieder und dann ist mir noch „Der Hexenladen“ in den letzten Tagen in die Finger gefallen … Irgendwas zum Lesen werde ich also wohl finden. 😉

Update 9:45 Uhr

Inzwischen habe ich in die „Underwater Ballroom Society“-Anthology (herausgegeben von Stephanie Burgis und Tiffany Trent) reingelesen, aber ich war eindeutig zu müde, um in die erste Geschichte („The Queen of Life“ von Ysabeau S. Wilce) reinzukommen. Beim Zurückblättern bin ich über „The Baronet’s Bride“ von Emily Larkin gestolpert und fand den Anfang schon sehr nett. Es ist der zweite Teil (bzw. dritte Teil, wenn man die dazugehörige Kurzgeschichte als für sich stehenden Band zählt) der „Midnight Quill“-Bücher der Autorin und erzählt die Geschichte eines Paares, das frisch verheiratet (und verliebt) ist. Die Handlung beginnt in der Hochzeitsnachts und während sie – die als Witwe schon mal Sex hatte – diese unappetitliche Sache einfach hinter sich bringen will, würde er – der in Waterloo einen Arm verloren hat – am Liebsten ganz auf den Sex verzichten, weil er nach der Amputation nicht weiß, wie das funktionieren soll und überhaupt fühlt er sich so unwohl mit seinem veränderten Körper, dass er sich eigentlich niemandem mehr nackt zeigen will. Da die gesamte Geschichte nur 100 Seiten lang ist, werde ich sie wohl erst einmal beenden, bevor ich mir was Neues suche (und dabei gegen die aufziehenden Halsschmerzen meinen Tee trinken).

Update 12:45 Uhr

Die 100 Seiten bei „The Baronet’s Bride“ waren dann doch eher 50 Seiten plus Leseproben, aber ich mochte diese kleine Geschichte rund um die Hochzeitsnacht der beiden Protagonisten und wie sie gemeinsam all ihre Befürchtungen überwinden. Emily Larkins große Stärke ist für mich immer wieder, dass sie wunderbar realistische Figuren schreibt, denen man ihre Ängste abnimmt und die (häufig) angenehm pragmatisch mit ihren Einschränkungen umgehen.

Beim Fühstück habe ich dann die ersten Seiten von „Der Hexenladen“ von Tanya Huff gelesen, aber so sehr ich mich freute, als ich den Roman in den letzten Tagen wieder in die Finger bekam, so bin ich mir gerade nicht sicher, ob es die richtige Art von Geschichte für den heutigen Tag ist. Aktuell schauen wir eh gerade die Abschlussfeier der Paralympischen Spiele (von denen ich in den letzten Tagen wirklich gern mehr mitbekommen hätte, als nur die sporadische Berichterstattung im ZDF). Danach schaue ich mal, zu welchem Buch (oder Comic?) ich greife. 🙂

Update 17:30 Uhr

In der Zwischenzeit habe ich weiter in „Der Hexenladen“ gelesen und doch noch in die Geschichte reingefunde. Ich finde den Anfang immer etwas anstrengend, weil man da so viele Personen kennenlernt – die sind zwar wichtig, um ein Gefühl für die Familienverhältnisse zu bekommen, aber es ist auch etwas anstrengend, wenn man müde und matt ist.

Außerdem habe ich endlich zu „Slam!“ gegriffen. Den Comic habe ich im November geschenkt bekommen und wartete ein wenig auf die richtige Stimmung. Nachdem wir aber gestern beim Roller Derby waren, hatte ich endlich Lust ihn zu lesen. Es ist spannend die Unterschiede zwischen Steilbahn und Flat Track zu sehen (letzteres ist inzwischen deutlich verbreiteter und auch das, was man in Deutschland zu sehen bekommt), aber vor allem dreht sich der Comic um die Freundschaft zwischen zwei Frauen, die sich beim Probelaufen fürs Roller Derby kennenlernen. Die Handlung mochte ich sehr (auch wenn ich auf den Konflikt zwischen den Protagonistinnen hätte verzichten können), die Charakterentwicklung auch und ebenso die Zeichnungen. Im September gibt es den nächsten Band, der jetzt schon auf meiner Wunschliste steht. 😉

Update 21:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich weiter in „Der Hexenladen“ gelesen und genieße das erneute Entdecken der Geschichte sehr – irgendwie ist es doch nett, wenn man bestimmte Entwicklungen schon im Hinterkopf hat und deswegen die Hinweise in den früheren Kapiteln ganz anders einordnen kann. Nach dem Abendessen (Curry mit Süßkartoffeln und Erbsen – sehr lecker!) habe ich wieder eine Runde Animal Crossing gespielt – heute hat es im Spiel geregnet, dummerweise muss ich in dieser Version trotzdem meine Blumen gießen, damit sie nicht vertrocknen. 😉

Ein weiteres Update wird es nicht geben, aber abgesehen davon, dass ich noch die letzten Seiten in meinem Roman lesen werde, wird hier eh nichts mehr passieren.

So fing es Anfang der Woche an …

 

… und danach habe ich bis Mittwochabend abwechselnd weiter Bücher ausgepackt und Umzugskartons entsorgt, bis die letzte Wand in der Wohnung freigeräumt war.

Gestern habe ich es dann langsam angehen lassen
und nach einem sehr entspannten Vormittag
nur die ersten beiden der vier neuen Regale zusammengebaut und an ihren Platz geräumt.

Mal schauen, wie lange es dauert, bis ich die Regale eingeräumt habe.
Es stehen aktuell in allen Ecken der Wohnung Buchstapel,
die ich in Ruhe durchsehen, abwischen und sortieren will.
Trotz meines radikalen Ausmistens vor dem Verpacken damals
ist doch der eine oder andere Titel dabei, der nun doch noch aussortiert werden kann.
Und dann sind da ja noch die Bücher, in die ich nur kurz einen Blick werfen muss,
bevor ich sie im Regal verstaue …

Laura Powell: The Last Duchess (Silver Service Mystery 1)

Es gibt diese Geschichten, in die man sich schon auf den ersten Seiten verliebt, und „The Last Duchess“ von Laura Powell gehört für mich eindeutig dazu. Ich habe mich in Pattern verliebt, die schon als Dreizehnjährige eine der besten Schülerinnen in „Mrs. Minchkin’s Academy of Domestic Servitude“ ist. Wie es sich für eine zukünftige Kammerzofe gehört, ist Pattern ein unauffälliges Mädchen, das es beherrscht, vollkommen im Hintergrund zu verschwinden. Außerdem ist Pattern berühmt dafür, dass sie jeden Flecken entfernen kann, dass ihre Nähte geradezu unsichtbar sind und auch für die neusten Frisuren beweist sie ein gutes Händchen. Trotzdem ist es überraschend, dass gerade sie und nicht eine der älteren Schülerinnen von der Baronin von Bliven ausgewählt wird, um der Großherzogin von Elffinberg als Kammerzofe zu dienen.

So verlässt Pattern Jahre vor Beendigung der Schule London, um auf dem Kontinent in der Stadt Elffinheim ihre Stellung anzutreten. Ihre neue Arbeitgeberin ist nicht nur ungefähr so alt wie Pattern, sondern ebenfalls eine Waise, und so sollte man ja theoretisch davon ausgehen können, dass die beiden Mädchen genügend Gemeinsamkeiten finden, um – natürlich nur, soweit es der professionelle Rahmen erlaubt – eine freundschaftliche Beziehung zueinander zu finden. Doch die junge Großherzogin ist fest davon überzeugt, dass ihr Personal und auch ihr Onkel, der das Herzogtum bis zu ihrer Volljährigkeit regiert, auf ihr Leben abgesehen haben. Dass Pattern fremd in Elffinheim ist und keine Ahnung von den lokalen Gepflogenheiten, der Geschichte des Landes und seinen Legenden hat, hilft ihr auch nicht dabei, ihre neue Aufgabe mit der angestrebten Perfektion zu meistern.

Laura Powell hat mit Elffinberg ein sehr ungewöhnliches Herzogtum geschaffen. Gegründet wurde das Land von einem walisischen Prinzen, der in der Mitte Deutschlands (das anscheinend noch in mehrere Fürstentümer aufgeteilt ist) eine neue Heimat fand, nachdem er sein Geburtsland aus nicht näher bekannten Gründen verlassen musste. Berühmt ist Elffinberg für seine Porzellanherstellung, aber das ist auch schon das Einzige, was das Land regelmäßig verlässt – was auch daran liegt, dass die Einwohner nur dann ausreisen dürfen, wenn sie eine offizelle Erlaubsnis der Herzogsfamilie dafür bekommen. Schon früh keimt im Leser der Verdacht, dass hinter der freiwilligen Isolation, die sich das Land auferlegt hat, tiefere Gründe liegen und dass diese vielleicht sogar mit dem mysteriösen Verschwinden von Kindern zu tun haben, das Elffinberg seit einige Zeit plagt.

Ich sagte schon, dass ich mich auf den ersten Seiten in Pattern verliebt habe, weil das Mädchen so wunderbar liebenswert und patent ist. Trotz aller Herausforderungen, die Patterns neue Stellung mit sich bringt, versucht sie ihr Bestes für die Großherzogin zu geben. Das bedeutet nicht nur, dass sie sich um die Kleidung und die Räumlichkeiten ihrer Dienstherrin kümmert, sondern auch ihre Ängste und Sorgen ernst nimmt und eine Lösung dafür findet – sogar dann, wenn die junge Großherzogin sich mal wieder von ihrer anstrengenderen Seite zeigt. Dabei findet Pattern schnell heraus, dass ihre neue Arbeitgeberin gar nicht so paranoid ist, wie anfangs befürchtet, sondern dass wirklich fürchterliche Dinge in Elffinberg vorgehen, die zum Tode der Großherzogin führen könnten.

Richtig mitermitteln kann man bei der Geschichte als Leser nicht, weil man die Handlung aus Patterns Perspektive erlebt und diese nun einmal nicht über alle notwendigen Informationen verfügt. Aber es hat mir Spaß gemacht, mir Gedanken darüber zu machen, welche Motive welche Person haben könnte und welche Folgen eine Handlung für das Herzogtum, seine zukünftige Regentin oder für ihre treue Kammerzofe haben könnte. Außerdem habe ich es genossen, Patterns ungewöhnliche Lösung für eine ganz besonders große Herausforderung am Ende der Geschichte mitzuerleben. Denn zum Schluss wird „The Last Duchess“ noch einmal richtig dramatisch, obwohl der Roman vorher vor allem von all den vielen kleinen Szenen lebt, in denen man verfolgen kann, wie Pattern Fuß in ihrer neuen Stellung fasst oder doch so langsam das Vertrauen der Großherzogin gewinnt. Nachdem mir „The Last Duchess“ beim Lesen so viel Freude bereitet hat (und die Leseprobe zum nächsten Teil schon so nett beginnt), habe ich direkt im Anschluss die Fortsetzung „The Lost Island“ auf die Wunschliste gesetzt.

Bonnie-Sue Hitchcock: Der Geruch von Häusern anderer Leute

„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ von Bonnie-Sue Hitchcock ist mir in den vergangenen Monaten auf diversen Blogs untergekommen und irgendwann bin ich dann auch neugierig auf die Geschichte geworden. Die Handlung wird aus der Perspektive einiger Jugendlicher erzählt, die im Jahr 1970 in Fairbanks (Alaska) leben. Genau genommen leben Ruth, Dora, Alyce und ihre Freundinnen in Birch Park – und egal, ob man zu den Athabasken, den Inupiat oder zu den Weißen gehört, reich ist keiner der Einwohner dieses Stadtteils. Jedes der drei Mädchen hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, ebenso wie Hank, der mit seinen beiden Brüdern zwar nicht in Birch Park lebt, dessen Leben sich aber im Laufe des Jahres mit dem der anderen drei Erzählerinnen kreuzen wird.

„Ich wartete jahrelang auf Mamas Rückkehr und machte mir große Sorgen um Lily, weil ich fürchtete, sie würde nie erfahren, wie schön das Leben eigentlich war.“
(Ruth, Seite 15)

Ich mochte, dass Bonnie-Sue Hitchcock den verschiedenen Erzählern so unterschiedliche Stimmen verliehen hat, weniger sprachlich als von der Atmosphäre her, die ihre jeweiligen Passagen durchdrang. Man beginnt das Buch mit Ruth, die davon erzählt, wie glücklich ihre Kindheit war, als ihr Vater noch lebte, ihre Mutter regelmäßig das Haus mit Blumen schmückte und sie alle sich auf die Geburt ihrer kleinen Schwester Lily freuten. Doch dann kommt Ruths Vater bei einem Flugzeugunglück ums Leben und sie und ihre kleine Schwester landen bei ihrer Oma in Birch Park, wo das Leben deutlich freudloser ist. Bei ihrer Großmutter gilt es hingegen, stets bestimmte Regeln einzuhalten und sich nicht besonders hervorzutun. So ist es kein Wunder, dass Ruth verzweifelt auf der Suche nach etwas Schönheit und Aufmerksamkeit ist, nach jemandem, für den sie wichtig ist.

„Dumplings Dad hat ihr beigebracht, dass das Glas halb voll ist. Meiner hat mir beigebracht, dass es randvoll ist – mit billigem Whiskey.“
(Dora, Seite 44)

Noch freudloser ist das Leben in Birch Park für Dora, die vor einer Weile von der Nachbarfamilie (der Familie ihrer Mitschülerin Dumpling) aufgenommen wurde, nachdem ihr Vater ins Gefängnis kam. Ihren Teil fand ich besonders schwierig zu lesen, weil ihr Leben nie schön war und weil ihr nun – im Gegensatz zu den anderen dreien – die Hoffnung fehlt, dass es irgendwann einmal besser wird. Sie kann einfach nicht daran glauben, dass die Zukunft auch für sie etwas Besonderes bereithalten könnte. Dora ist so jung und doch so verbittert, und sie hat solche Angst davor, den kleinen Halt, den ihr die Nachbarfamilie bietet, zu verlieren. Und bei Dora schwingt so viel zwischen den Zeilen mit, wenn sie von ihren Eltern erzählt oder wenn sie beobachtet, wie Dumplings Familie miteinander umgeht.

„Meine Mutter kommt zu den Aufführungen – meistens übernimmt sie den Ticketverkauf an der Abendkasse -, aber Dad hat mich noch nie tanzen gesehen. Dads Leben findet auf dem Boot statt. Und wenn ich nicht mehr auf dem Boot mithelfe, wer füllt dann die Lachseier in Tüten? Wer nimmt die Fische aus und säubert sie? Das waren schon immer meine Jobs.“
(Alyce, Seite 70)

Alyce‘ Welt scheint im Vergleich deutlich weniger düster zu sein, und doch weiß sie nicht, wie sie seit der Scheidung ihrer Eltern ihre beiden Welten (das Leben in Fairbanks mit ihrer Mutter inklusive des Ballettunterrichts und im Sommer das Leben auf dem Fischkutter ihres Vaters mit all den dazugehörigen Verpflichtungen) mit einander vereinbart bekommen soll. Ich fand es besonders schön, dass man aus Alyce‘ Perspektive zwar erfuhr, was für eine harte und dreckige Arbeit der Fischfang ist, aber eben auch, wie schön es sein kann, wenn man als Familie gemeinsam so eng zusammenarbeitet.

„Wisst ihr noch, wie meine Mutter gesagt hat: „Warte nur, bis dir von heute auf morgen der Boden unter den Füßen weggezogen wird“? Jetzt weiß ich, dass ein Leben mehrere Böden hat.“
(Hank, Seite 160)

Hank hingegen scheitert mit gerade mal siebzehn Jahren daran, dass er nach dem Tod des Vaters „der Mann im Haus“ und somit verantwortlich für das Wohlergehen seiner beiden Brüder ist. Und es ist noch schwieriger geworden, für seine Brüder zu sorgen, seitdem seine Mutter einen neuen Mann ins Haus geholt hat. Bei ihm fand ich es besonders schön zu lesen, dass ihm durch und durch bewusst ist, dass seine Brüder so anders sind als er selbst und dass er sie – genau so, wie sie sind – mag und dass er alles dafür tun würde, um sie zu beschützen. Weder Hank noch die anderen drei Erzähler fällen im Laufe der Handlung besonders kluge Entscheidungen, aber alle vier Teenager entwickeln sich in diesem einen Jahr, in dem man ihr Leben verfolgen kann, deutlich weiter.

Obwohl es im Jahr 1970 zu einigen einschneidenden und dramatischen Entwicklungen kommt, mochte ich vor allem die vielen kleinen Momente, in denen Ruth, Dora, Alyce und Hank von ihrem Leben und ihren Familien und Freunden erzählten. Ich mochte die kleinen Beobachtungen und Gedanken, die die vier Erzähler beschäftigen, wie zum Beispiel wenn Ruth darüber nachdenkt, dass ein Haus besser riecht, wenn eine Mutter darin wohnt, und wie sehr sie den Geruch nach Schimmel und Armut in dem Haus ihrer Großmutter hasst. Es ist schön zu lesen, wenn Dora beschreibt, wie wunderbar chaotisch das Haus von Dumplings Familie ist, weil all das Chaos von Zuneigung und Wärme zeugt, von der Tatsache, dass in diesem Haus darauf geachtet wird, was jemand gern zum Nachtisch isst und ob jemand etwas Aufmerksamkeit oder Raum für sich benötigt.

Unter all diese kleineren und größeren Erlebnisse mischen sich die Elemente, die von dem Leben in Alaska zeugen. Die davon erzählen, dass nicht jeder froh war, als Alaska zu einem Bundesstaat der USA wurde, dass durch diesen geplanten Zusammenschluss viele Ängste erzeugt wurde – gerade bei den Menschen, die ihre traditionelle Lebensweise erhalten wollten -, dass aber diese gemeinsamen Ängste auch dafür sorgten, dass man unabhängig von der Herkunft (Athabasken, Inuquiat und Weiße) zusammenarbeitetete, um diesen Zusammenschluss zu verhindern. Auch die Voruteile zwischen den verschiedenen Bewohnern in Birch Park erzählen von der Geschichte Alaskas, von den unterschiedlichen Abstammungen der Erzähler, von den Schubladen, in die die verschiedenen Familien gesteckt werden, und von dem Versuch, ein Leben zu führen, in dem man als Individuum mehr zählt als seine Herkunft. Dabei baut Bonnie-Sue Hitchcock diese Aspekte nicht schulbuchmäßig in ihre Geschichte ein, sondern erzählt „einfach nur“ von den Dingen, die zum Alltag ihrer Protagonisten gehören – und das ist am Ende nicht nur interessant und unterhaltsam, sondern auch bewegend und wunderschön zu lesen.

Dies und Das (2): Der Bibliotheksnutzer als Störfaktor

Ich habe vor ein paar Jahren einen ausführlichen Beitrag darüber geschrieben, was Bibliotheken für mich bedeuteten und wie wichtig sie für mich als Kind und Jugendliche waren. Nach dem Umzug im vergangenen Jahr habe ich mich dann darüber ausgelassen, wie schön es ist, dass die recht neue Stadtteilbibliothek so gut zu Fuß erreichbar ist und dass ich dort immer über Bücher stolpere, die ich lesen mag. Ein Jahr später bin ich über die Nähe zur Stadtteilbibliothek immer noch glücklich und gerade die Roman-Auswahl ist in den vergangenen Monaten deutlich besser geworden – so gibt es zum Beispiel inzwischen ein Regal, wo die Bibliotheksmitarbeiter Krimi-Empfehlungen präsentieren. An diesem Regal bin ich in den letzten Wochen nicht einmal vorbeigegangen, ohne mindestens einen Titel mitzunehmen. Das ist zwar nicht gerade gut für meinen SuB, aber ich entdecke eben gern neue Krimiautoren.

Trotzdem fühle ich mich in dieser Stadtteilbibliothek lange nicht so wohl wie in der alten Zweigstelle, und das liegt an den Mitarbeiterinnen. Es gibt zwei Frauen, die die Stammbesetzung dieser Bibliothek bilden, und beide vermitteln mir grundsätzlich das Gefühl, ich würde sie stören. Egal, ob ich einfach nur meine ausgeliehen Bücher zurückgebe, ob ich um eine Vormerkung bitte (da nur schon ausgeliehene Titel online vorgemerkt werden können) oder ob ich es gar wage, Buchgeschenke abzugeben. Und meine Buchgeschenke sind keine alten verramschten Exemplare, sondern neuwertige Titel, denen man nicht ansieht, dass sie einmal gelesen wurden, deren Veröffentlichung auch nicht besonders lange her ist und die Genres abdecken, die eigentlich ein relativ breites Publikum finden müssten. Alles, was nicht mehr neuwertig aussieht oder wo ich sehe, dass die Bibliothek eh schon diverse Exemplare im Bestand hat, oder wo mir irgendwelche anderen Aspekte einfallen, um den Titel für eine Bibliothek nicht attraktiv zu machen, wandert in den öffentlichen Bücherschrank.

Ich will kein Dankeschön für die Buchgeschenke, ich will keinen Small Talk machen und überhaupt würde ich davon ausgehen, dass ich als Bibliotheksnutzerin relativ pflegeleicht bin (und sei es nur, weil ich selbst einige Jahre für eine Bibliothek gearbeitet habe). Aber ich will mich nicht als Störfaktor fühlen. Ich will nicht das Gefühl haben, dass meine Buchgeschenke nur Arbeit machen, und ich fände es wirklich schön, wenn man sich nicht mitten im Satz von mir abwenden würde, um mit der danebensitzenden Kollegin zu reden. Da mir diese beiden Damen durch ihr Verhalten signalisieren, dass ich nicht willkommen bin, finde ich es auch sehr unangenehm, dass sie von ihrem Sitzplatz den gesamten Raum im Blick haben.

Nachdem ich sie im Laufe des vergangenen Jahres auch mit ein paar anderen Bibliotheksnutzern gesehen haben, kann ich auch behaupten, dass sie dieses Verhalten nicht nur mir gegenüber zeigen. Ich frage mich ja immer als erstes, ob ich was falsch gemacht habe, dass mir so eine Behandlung zuteil wird. Aber inzwischen habe ich so oft erlebt, dass andere Personen, die zum Beispiel eine Frage hatten, einfach im Raum stehengelassen wurden, daher bin ich mir sicher, dass es wirklich nicht an mir liegt. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mir wünsche, man könnte die Selbstverbuchung in dieser Zweigstelle nicht nur für die Ausleihe, sondern auch für die Rückgabe von Medien verwenden. Dabei mochte ich immer diesen kleinen Austausch bei der Rückgabe der Bücher in der alten Stadtteilbibliothek. Viel geredet haben wir nie, oft wurde nur ein Gruß oder ein Lächeln ausgetauscht, aber ich habe mich willkommen gefühlt – und das vermisse ich gerade sehr.

Graham Norton: Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton war mir bislang kein Begriff und so lag es nur an dieser Rezension, dass ich Lust hatte, den Roman „Ein irischer Dorfpolizist“ auszuprobieren. Die Handlung wird zu einem großen Teil von dem Polizisten Sergant PJ Collins bestimmt, der seit fast zwanzig Jahren in dem kleinen Dorf Duneen eine ruhige Kugel schiebt. Sein Leben wird beherrscht von den drei warmen Mahlzeiten, die ihm seine Haushälterin Mrs. Meany jeden Tag serviert, und von den Kleinigkeiten, die er in seinem Alltag als Dorfpolizist übernehmen muss. Geprägt wird sein Verhalten dabei von einer allumfassenden Unsicherheit, die nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass er sehr dick ist und sich der Tatsache bewusst ist, dass ihn kaum ein Mensch ernst nimmt. Als eines Tages bei Bauarbeiten auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs ein Skelett gefunden wird, ist sich das gesamte Dorf sicher, dass es sich dabei um die Leiche des vor über zwanzig Jahren verschwundenen Tommy Burke handelt.

Gerüchten zufolge war Tommy zwar damals nach London abgehauen, nachdem sich seinetwegen zwei Frauen vor dem Dorfladen geprügelt hatten. Doch da man nie wieder von dem jungen Mann etwas gehört hatte, hat das Rätsel um Tommy Burke die Dorfgemeinschaft nie ganz in Ruhe gelassen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun vor allem die beiden Frauen, denen er vor so vielen Jahren so wichtig war, dass sie sich um ihn prügelten. Weder Brid Riordan noch Evelyn Ross haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihr Glück gefunden. Während Evelyn gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern im Haus ihrer verstorbenen Eltern lebt, hat Brid einen Mann geheiratet, von dem sie wusste, dass er sie nicht liebt, sondern es nur auf den vom Vater geerbten Bauernhof abgesehen hatte. Aus der Sicht dieser drei traurigen Figuren (PJ, Evelyn und Brid) wird der Großteil der Geschichte erzählt, wobei es Graham Norton gelingt, überraschend liebevoll und respektvoll mit diesen drei gescheiterten Existenzen umzugehen.

Ein paar Elemente in „Ein irischer Dorfpolizist“ erinnerten mich an den Miss-Marple-Krimi „Nemesis“ von Agatha Christie, auch da gibt es diese drei ältlichen Schwestern, die zusammen leben und zwischen denen so viel Unausgesprochenes steht und die alle drei so viel mehr in ihrem Leben hätten haben können, wenn sie es gewagt hätten, ihren eigenen Weg zu gehen. Und der Fall selbst dreht sich um eine Person, die vor vielen Jahren aus dem Leben aller Beteiligten verschwunden ist und die durch ihre Abwesenheit eine große Lücke hinterlassen hat. Eine Lücke, die bei mehr als einem Charakter zu einem Bruch im Leben geführt hat, von dem sich diese Personen nicht wieder erholt haben. Doch während Miss Marple von einem Hinweis zum nächsten geschickt wird und dabei aus den verschiedenen Erinnerungen, die ihr erzählt werden, ihre Schlüsse zieht, scheint PJ sich angesichts einer so großen Aufgabe recht hilflos zu fühlen.

Auf der einen Seite will er endlich mal zeigen, dass er als Polizist zu mehr gut ist als nur den Verkehr zu regeln und Strafzettel auszustellen, auf der anderen Seite ist PJ nicht gerade jemand, der die hinzugezogenen Ermittler aus Cork mit seinem Verstand und seinen Einfällen beeindruckt. Doch PJ strahlt – bei all seiner Unbeholfenheit – Wärme und Verständnis aus, was die Beteiligten dazu bringt, ihm im Laufe der Zeit ihr Herz auszuschütten. So ist „Ein irischer Dorfpolizist“ weniger ein Kriminalroman als eine Geschichte rund um all die verpassten Gelegenheiten, die Kümmernisse und die Hoffnungslosigkeit, die lange Zeit das Leben einiger Bewohner des Dorfes Duneen bestimmen. Ich mochte es sehr, wie Graham Norton die verschiedenen Charaktere darstellt, weil er keine seiner Figuren für irgendetwas zu verurteilen scheint. Er macht hingegen deutlich, dass hinter all den größeren und kleineren Fehler und Probleme seiner Figuren eine Geschichte steckte – und dass es nicht immer so einfach ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein anderes Leben anzufangen.

Aber dieses liebevolle Verständnis für all die gescheiterten Existenzen in diesem Roman sorgte bei mir auch für eine melancholische Stimmung beim Lesen. Es ändert sich zwar im Laufe der Geschichte etwas für alle Beteiligten, aber allein die Vorstellung, dass die meisten von ihnen zwanzig, dreißig Jahre in ihrer Einsamkeit gefangen waren und nicht wussten, wie sie etwas in ihrem Leben ändern sollten, fand ich schon etwas deprimierend. Doch im Gegensatz zu „Nemesis“, wo man am Ende das Gefühl hat, dass die Auflösung des Verbrechens den Figuren zwar Antworten auf einige wichtige Fragen bietet, aber keine Erlösung aus ihrer Einsamkeit, gibt es bei „Ein irischer Dorfpolizist“ immerhin für den einen oder anderen Charakter einen ausreichenden Anstoß im Laufe der Geschichte, um eine neue (und immer noch realistisch wirkende) Wendung im Leben einzuschlagen.

Tetsuya Honda: Blutroter Tod (Reiko Himekawa 1)

„Blutroter Tod“ von Tesuya Honda habe ich in der Bibliothek bei den Krimiempfehlungen gefunden und – da ich den Autor nicht kannte und grundsätzlich neugierig auf japanische Krimis bin – zusammen mit dem zweiten Band rund um die Hauptkommissarin Reiko Himekawa zum Ausprobieren mitgenommen. In „Blutroter Tod“ wird die Geschichte in erster Linie aus der Perspektive der 29jährigen Reiko erzählt – ab und an gibt es aber auch Passagen, die mehr über die Hindergründe der Morde enthüllen oder die aus der Sicht eines Kollegen von Reiko geschrieben wurden. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem Reiko zum Fundort einer Leiche gerufen wird. Der unbekannte Tote wurde in eine Plastikplane gewickelt an einem Fischteich in Tokio gefunden und seine Verletzungen deuten darauf hin, dass er vor seinem Tod gefoltert wurde. Noch bevor Reiko und ihr Team einen Grund finden können, warum der Ermordete einer solchen Gewalttat zum Opfer fiel, wird eine weitere Leiche gefunden, die anscheinend einen Monat zuvor in dem Fischteich versenkt worden war.

Die Geschichte in „Blutroter Tod“ wird relativ ruhig und ausführlich erzählt, wobei ein großer Schwerpunkt bei der Arbeit der Polizei liegt. Ich muss gestehen, dass ich diesen Teil sehr spannend fand, weil die Details rund um die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen, die Hirachien innerhalb der Polizei und ihre Arbeitsweise an sich sehr interessant war. Aber so hat man halt auch das Gefühl, man wäre bei jeder einzelnen Befragung, bei jeder Teambesprechung und bei jedem Geplänkel zwischen den Kollegen dabei gewesen, während die Ermittlungen in dieser Zeit nur langsam vorangehen. Der Fall selbst war für mich in Ordung, es gab Elemente, die dem Leser bekannt waren, von denen die Polizei aber nichts wusste, so dass bestimmte Wendungen vorhersehbar waren. Andere Details rund um die Morde hat man als Leser hingegen fast zeitgleich mit den Ermittlern herausgefunden, so dass es noch die eine oder andere nicht so vorhersehbare Wendung in der Handlung gab, die mich gut unterhalten hat.

Auch die meisten Charaktere fand ich interessant und zum großen Teil sogar sympathisch. Reiko hat ihre ganz eigene Vergangenheit, die vor gut zehn Jahren dafür gesorgt hat, dass sie sich für die Arbeit bei der Polizei entschieden hat. Ihre Kollegen kommen in der Regel gut mit ihr aus und gerade im engen Kollegenkreis herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie der Umgang zwischen japanischen Arbeitskollegen in japanischen Romanen (oder anderen Medien) dargestellt wird. Diese Mischung aus Distanz und (aufgezwungener) Nähe – inklusive dem gemeinsamen Besäufnis nach Feierabend – ist eben etwas ganz anderes, als ich es in meinem normalem Arbeitsumfeld erlebt habe.

Schwierig fand ich hingegen zwei Punkte bzw. Charaktere, und ich muss zugeben, dass die mich mehrmals darüber nachdenken ließen, ob ich den Roman nicht lieber abbrechen sollte. Zum einen gibt es einen externen Kollegen, der eng mit Reiko zusammenarbeiten soll und der „verliebt“ in die Hauptkommissarin ist. Seine Verliebtheit äußert sich darin, dass er ihr ständig unpassende Komplimente macht und versucht, sie zum Essengehen oder mehr zu überreden. Reikos Reaktion darauf besteht in der Regel darin, ihn zu ignorieren, ihn auszuschimpfen (was überhaupt nicht bei ihm ankommt) oder ihm eine Ohrfeige zu verpassen – was ebenfalls keinerlei Auswirkungen auf sein Verhalten hat. Auch ihre anderen Kollegen sind genervt von dem Verhalten des „Externen“, aber ihre Reaktion beschränkt sich zum Großteil darauf, belustigt zu sein oder die Augen zu verdrehen, und der einzige Typ, der wirklich aktiv wird, greift auf körperliche Gewalt zurück – was wieder dazu führt, dass Reiko oder die anderen Kollegen ihn zurückhalten müssen.

Noch schlimmer war es mit den zweiten Charakter, der mich so gestört hat. Dieser Polizist gehört zu denjenigen, deren Perspektive man in einigen Abschnitten miterlebt, und die Art und Weise, wie er über andere Menschen denkt, hat mich regelrecht abgestoßen. Ebenso fand ich die Mittel, die er einsetzte, um an seine Informationen zu kommen oder anderen Kollegen Steine in den Weg zu legen, überaus unangenehm zu verfolgen. Sein Verhalten wird damit begründet, dass er einige Jahre für den Geheimdienst gearbeitet hatte und ihn diese Tätigkeit sehr veränderte, aber das macht es für mich als Leser nicht einfacher zu ertragen. Ich wünschte mir wirklich, dass Tetsuya Honda auf diese beiden Figuren verzichtet hätte, dann hätte mir die Geschichte mehr Vergnügen (soweit man das bei einer Handlung rund um gefolterte und ermordete Menschen sagen kann) bereitet.

Außerdem haben diese ganzen Szenen rund um Reiko und den „verliebten“ Kollegen dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, wie wohl in Japan mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz umgegangen wird. Bei „Stahlblaue Nacht“, dem zweiten Reiko-Himekawa-Krimi, kommt das Thema übrigens auch wieder vor. Zum einen, weil der externe Kollege wieder mit dabei ist (und wieder hatte ich nicht das Gefühl, dass er irgendeinen Gewinn für die Geschichte mit sich bringt, aber wer weiß, vielleicht spricht er den japanischen Humor an), und zum anderen, weil die weiblichen Angestellten einer Firma, die im Rahmen der Ermittlungen mehrfach aufgesucht wird, regelmäßig von einem Kollegen begrabscht und bedrängt wurden. Hier wird aber auch betont, dass der Chef und die anderen Kollegen deshalb ein Auge auf die Frauen haben und rettend einspringen, bevor etwas wirklich Schlimmes passieren konnte. Reiko hingegen muss sich auch im zweiten Band weiterhin selbst verbal und handgreiflich gegen den aufdringlichen Kollegen wehren.

Dies und Das (1): Christie

Es ist schon eine ganze Weile her, seitdem ich hier etwas über Christie geschrieben habe, also dachte ich, es wird Zeit, ein wenig über unsere Madame zu erzählen. Inzwischen ist seit dem Umzug ein Jahr vergangen und nach der anfänglichen Verunsicherung, dem ständigen Verstecken und Aufschrecken bei jedem ungewohnten Geräusch, ist Christie in der neuen Wohnung angekommen. Auch mit dem Alleinsein hat sie sich anscheinend abgefunden. Ich bin mir zwar sicher, dass sie glücklicher wäre, wenn einer der Kater noch bei ihr wäre, aber sie hat sich mit uns ganz gut arrangiert. Genau genommen kommt es mir manchmal so vor, als ob sie die Tatsache, dass wir ihr nun unsere gesamte Aufmerksamkeit schenken, ganz gern ausnutzt und ihren Dickkopf bei Dingen durchsetzt, wo wir früher mit vier Katzen deutlich strenger waren.

Gesundheitlich ist es bei Christie hingegen so eine Sache. Ihre Blut- und sonstigen Werte sind eigentlich sehr, sehr gut für eine Katze ihres Alters. Ihre Arthrose haben wir auch so weit im Griff, dass sie sie nicht stört, und obwohl schon auffällt, dass Christie inzwischen tiefer und länger schläft als früher und sich nach dem Aufstehen etwas steif bewegt, gibt es noch genügend Momente, wo sie wie ein junges Kätzchen durch die Wohnung rennt und springt. Probleme bereitet hingegen die Allergie, die sie vermutlich gegen irgendein Futtermittel hat. Wir haben alles Mögliche versucht, um herauszufinden was bei ihr solche Reaktionen auslöst, sind aber daran gescheitert. Und obwohl wir seit über einem Jahr nur noch hypoallergenes Futter füttern, wird es nicht besser.

Das bedeutet, dass Christie alle drei Monate eine Spritzenkombination bekommt, die dafür sorgt, dass der durch die Allergie ausgelöste Juckreiz verschwindet. Ein Bestandteil dieser Medikamentenkombination ist Cortison, und ich muss gestehen, dass ich jedes Mal wieder ganz froh bin, wenn unser Kätzchen durch dieses Zeug den ganzen Tag hungrig ist. In den Tagen nach dem Tierarztbesuch darf sie so viel fressen, wie sie will, und baut dadurch dann die Fettreserven auf, die sie am Ende des 3-Monats-Zyklus dringend benötigt, wenn sie vor lauter Unwohlsein kaum fressen mag. Eine wirkliche Lösung ist das nicht, aber solange es dazu führt, dass Christie trotz dieser verflixten Allergie relativ beschwerdefrei ist, kann ich damit leben.

März-SuB 2018

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Menge meiner gelesenen Bücher im Februar vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Bibliothek ihre Bestände nun mal nicht unendlich lange verleiht. Da ich über die Weihnachtsfeiertage ziemlich viele Titel vorgemerkt hatte, die im Laufe der letzten Wochen dann ausgeliehen werden konnten, hatte ich den gesamten Monat über Romane im Haus, für die ich eigentlich nicht in der richtigen Lesestimmung war, die ich aber dann doch genossen habe, sobald ich sie erst einmal angefangen habe. In den kommenden Wochen will ich mich in der Bibliothek wirklich zurückhalten, damit ich mir mal wieder spontaner Zeit für meinen SuB nehmen kann. Ich habe mich so geärgert, als ich Anfang der Woche nach dem Schauen eines Films über die Tiefsee nicht zu „Into the Drowning Deep“ greifen konnte, weil da ja noch drei angefangene Bibliotheksbücher lagen …

Ansonsten hatte ich eigentlich gehofft, ich würde im Februar die letzten Bücherregale kaufen können, aber das hat aus organisatorischen Gründen nicht geklappt, und auch im März sieht es schlecht aus, da mein Mann schon jetzt an den Wochenenden ausgebucht ist (und ich definitiv seine Hilfe benötige, um die schweren Kartons ohne Macken ins Dachgeschoss zu bekommen). Ich gebe zu, dass mich das so langsam etwas gereizt werden lässt, weil an diesen Bücherregalen so viele andere Sachen hängen, aber es lässt sich nun mal nicht ändern. Um es positiv zu sehen: Je weniger Zeit ich mit Regale-Aufbauen und -Einräumen beschäftigt bin, desto mehr Zeit bleibt zum Lesen!

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Joan Aiken: The Serial Garden – The Complete Armitage Family Stories
  3. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  4. Elizabeth Bear: Karen Memory
  5. Deborah Blake: Dangerously Devine (Broken Rider 2)
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  8. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  11. Marie Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  12. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  13. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  14. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  15. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  16. Jennifer Estep: Poison Promise (Elemental Assassin 11)
  17. Jennifer Estep: Black Widow (Elemental Assassin 12)
  18. Jennifer Estep: Spider’s Trap (Elemental Assassin 13)
  19. Christopher Golden u.a.: Dark Cities (Anthologie)
  20. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  21. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  22. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  23. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  24. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  25. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  26. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  27. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  28. Rachel Hartman: Seraphina
  29. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  30. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  31. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  32. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  33. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  34. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  35. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  36. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  37. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  38. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  39. Diana Wynne Jones: Homeward Bounders
  40. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  41. Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back
  42. Seanan McGuire: Beneath the Sugar Sky (Wayward Children)
  43. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  44. Kate Milford: The Boneshaker
  45. Bishop O’Connell: The Stolen
  46. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  47. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  48. Tamora Pierce: Tortall – A Spy’s Guide
  49. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  50. Cindy Pon: Serpentine
  51. Laura Powell: The Last Duchess (A Silver Service Mystery 1)
  52. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  53. Philip Reeve: Larklight
  54. Joan G. Robinson: When Marnie Was There
  55. John Scalzi: Fuzzy Nation
  56. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  57. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  58. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  59. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  60. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  61. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  62. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  63. Charles den Tex: Die Zelle
  64. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  65. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  66. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  67. Xinran: Gerettete Wort
  68. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  69. Isabel Yap: Hurricane Heels

67 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Paige Shelton: The Cracked Spine (Scottish Bookshop Mystery 1)

Nachdem ich im vergangenen Jahr den ersten Band der Farmers‘-Market-Mysteries gelesen und sehr gemocht hatte, wollte ich unbedingt noch mehr von Paige Shelton kennenlernen. Doch weil ich mich nicht so recht entscheiden konnte, ob ich nun erst mehr über die Landwirtin Becca Robins lese oder eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren wollte, blieb es erst einmal bei dem Vorsatz. Vor ein paar Wochen dann hatte sich Helma dann den zweiten Band der „Scottish-Bookshop-Mysteries“ gegönnt, und ihr Tweet über ihre Neuzugänge hatte bei mir dann die Bestellung von „The Cracked Spine“ ausgelöst. Die Geschichte spielt in Schottland und dreht sich um die Amerikanerin Delaney Nichols, die nach einer spontanen Bewebung auf eine Anzeige eine neue Stelle in einem Antiquariat in Edingburgh antritt. Viel weiß sie über ihren Job nicht, aber ihr neuer Chef Edwin klang am Telefon sehr angetan davon, dass Delaney jahrelang für ein Museum gearbeitet hat und sich nicht nur mit alten Büchern auskennt.

Kaum hat Delaney ihre neuen Kollegen Rosie (inklusive ihrem Hund Hector) und Hamlet kennengelernt, wird die Schwester ihres Chefs ermordet. Das ist nicht nur ein tragischer persönlicher Verlust für Edwin, sondern das Verbrechen bringt auch einen finanziellen Verlust für Delaneys Chef mit sich, da dieser seiner Schwester Jenny ein einzigartiges Buch zur Aufbewahrung überlassen hatte – und nun weiß natürlich keiner, wo dieses Buch geblieben ist. Da Delaney das Gefühl hat, noch nicht so ganz durchschauen zu können, in welchem Verhältnis Edwin, die neuen Kollegen und die Teilnehmer einer seltsamen Auktionen zu Edwins getöteter Schwester standen, macht sie sich selbst auf die Suche nach Hinweisen und Antworten.

Ich muss gestehen, dass ich mit diesem Serien-Auftakt nicht ganz so glücklich war wie im vergangenen Jahr mit „Farm Fresh Murder“. Die Erzählstimme von Delaney lag mir weniger als die von Becca, ebenso fand ich einige der Charaktere, denen die Amerikanerin gleich zu Beginn der Geschichte begegnet, etwas unstimmig. Außerdem habe ich es gehasst, dass die Autorin einen bestimmten Aspekt von Delaneys neuer Arbeit sechzig Seiten lang rausgezögert hat, ohne dass es einen triftigen Grund dafür gab – abgesehen davon, dass sie künstlich Spannung aufbauen wollte, was bei mir aber nicht ankam, weil dieses „mysteriöse Element“ doch ziemlich offensichtlich war. Auch die Auflösung des Falls konnte mich nicht so recht überzeugen. Nachdem Delaney die ganze Zeit von einer Person zur nächsten tappte, auf ihre Intuition hörte und Fragen stellte, ohne dass mir Paige Shelton begreiflich machen konnte, welche Motivation bei ihrer Protagonistin dahintersteckte und warum niemand Delaney Grenzen gesetzt hat, wird der Mörder am Ende aus dem Hut gezaubert und fertig.

Theoretisch gab es ganz viele Personen, die sympathisch hätten sein können, aber keine davon habe ich als Leser gut genug kennengelernt, um irgendeine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich hätte auch mit dem ungewöhnlichen Talent von Delaney gut leben können, wenn die Autorin das unterhaltsamer eingebaut oder dafür gesorgt hätte, dass es für die Ermittlungen relevant gewesen wäre. Auch habe ich den Humor vermisst, den ich in „Farm Fresh Murder“ so mochte, und während ich es bei einer selbstständigen Landwirtin noch einigermaßen verkraften konnte, dass sie ihre Arbeit zugunsten einiger Ermittlungen aufschob, habe ich bei Delaney nicht verstanden, dass sie in ihrer ersten Arbeitswoche nicht einen Arbeitstag hatte, ohne dass sie die Buchhandlung mal eben verließ, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein bisschen fühlt es sich für mich an, als ob die beiden Bücher unmöglich von der selben Autorin geschrieben worden sein können – und nun frage ich mich ein, ob ich wirklich noch weitere Reihen von Paige Shelton ausprobieren soll oder nicht.