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Luzia Pfyl: Frost & Payne 1 – Die Schlüsselmacherin

„Die Schlüsselmacherin“ ist der erste Teil der „Frost & Payne“-Reihe von Luzia Pfyl und ich habe keine Ahnung mehr, wie der Titel auf meinem eReader gelandet ist. Als erstes muss ich gestehen, dass es mir immer schwer fällt eine Geschichte, die gerade mal 124 Seiten lang ist und nicht für Kinder geschrieben wurde als Roman zu bezeichnen. Wobei dieses Gefühl hier dadurch gefördert wird, dass die Handlung auf mich auch gerade mal wie ein langer Prolog wirkt und bevor es wirklich losgeht, ist das Ganze auch schon zu Ende. Sogar noch schneller zu Ende als nach den Prozentzahlen beim Lesen erwartet, denn auf den letzten Seiten kommt noch eine Menge „das gab es in diesem Roman“, „das erwartet euch im kommenden Roman“, „den zweiten Teil kannst du vorbestellen“ und „es geht darin übrigens um dieses und jenes“ – ohne dass das irgendeinen Mehrwert für den Leser hätte oder mich in irgendeiner Form neugierig auf die Fortsetzung gemacht hätte.

Dabei hat mir die Grundidee von „Die Schlüsselmacherin“ gut gefallen. Die Protagonistin Lydia Frost hat sich gerade als Detektivin selbstständig gemacht, nachdem sie seit ihrer Kindheit von einer – in London sitzenden – Variante der Triaden als Diebin missbraucht wurde. Auch wenn sie Madame Yueh dankbar ist, dass diese sie als kleines Findelkind aufgenommen hat (nachdem die Chinesin sah, wie Lydia ein Schloss knackte), so möchte Lydia doch auf eigenen Füßen stehen und nicht Teil der „Dragons“ sein. Doch die Triaden sind in dieser Steampunk-Welt eine nicht zu unterschätzende Macht und natürlich ist Madame Yueh nicht bereit Lydia einfach so gehen zu lassen. Parallel zu ihrem Ärger mit den „Dragons“ muss Lydia den verschwundenen Ehemann ihrer Klientin Cecilia Payne suchen. Jackson Payne ist ein ehemaliger Pinkerton-Mann, der vor einiger Zeit nach England ausgewandert ist, um bei seiner Frau zu sein, die in London als Wissenschaftlerin tätig ist. Doch dann verschwand die Tochter des Ehepaars und ohne seine Frau darüber zu informieren, machte sich Payne selber auf die Suche nach dem Mädchen.

Soweit ist das alles ganz nett und ich kann auch gut damit leben, dass in dieser Geschichte die Welt nicht besonders gut erklärt wird und sich viele Sachen bezüglich der Steampunk-Aspekte etwas willkürlich anfühlen. Dazu kommt, dass Luzia Pfyls Schreibweise sich zügig lesen lässt und ich zumindest die beiden Protagonisten recht sympathisch fand. Sie haben zwar nicht immer besonders klug gehandelt, aber sie waren nett und interessant genug, dass ich gern mehr über sie erfahren würde. Was mich allerdings davon abhält, sind zwei Punkte. Erst einmal habe ich jedes Mal, wenn ich das eBook wieder zur Hand nahm, einen „ach ja, DAS Buch lese ich gerade“-Moment gehabt, während ich zwischendurch nicht einmal an die Geschichte und die Figuren gedacht habe und mich statt dessen eher noch einmal an das davor gelesene eBook erinnerte. Und dann habe ich zweitens das Gefühl, dass ich keine richtige Geschichte gelesen habe. An dem Punkt, an dem ich langsam neugieriger auf weitere Ereignisse wurde, an dem ich das Gefühl hatte, dass jetzt mal endlich etwas Substanz kommen müsste oder die Handlung vielleicht mal anzieht und mir eine wirkliche Konfrontation (und nein, die Szenen im Park und in der U-Bahn zählen da für mich nicht) bieten müsste, war das Ganze vorbei. Wenn mir bei der letzten Seite die Frage „Das war es?“ in den Sinn kommt statt „Wie geht es wohl weiter?“, dann finde ich das Lesen eines Buches mehr frustrierend als unterhaltsam. Unter solchen Umständen ist es egal wie nett Grundidee und Protagonisten sein mögen, ich lese definitiv nicht weiter …

Patricia C. Wrede: A Matter of Magic

„A Matter of Magic“ von Patricia C. Wrede beinhaltet die beiden Romane „Mairelon the Magician“ und „The Magician’s Ward“. Obwohl es keine Jahresangaben in den Geschichten gibt, bezeichnet die Autorin die Romane als „Regency Magic“ – und die Welt fühlt sich (ebenso wie die Beziehung, die die Menschen zu Magie haben,) sehr nach den „Cecelia und Kate“-Büchern an und auch die Erwähnung des „Royal College of Wizards“ in London deutet auf das gleiche Setting hin. (Und wenn ich nach dem Umzug wieder Zugriff zu meinen Cecy-und-Kate-Romanen habe, muss ich mal nachschauen, ob mindestens eine der zum College gehörigen Personen auch da erwähnt wird.)

Protagonistin der beiden Geschichten ist die siebzehnjährige Kim, die ihr gesamtes bisheriges Leben in den Slums von London verbracht hat. Dabei hat die Frau, bei der sie aufgewachsen ist, darauf geachtet, dass Kim von allen für einen Jungen gehalten wird, weil sie so für die „Pflegemutter“ nützlicher war. Als Kim klein war, hat sie zusammen mit einer Bande anderer Kinder auf den Straßen die Geldbeutel von Passanten geleert, aber seitdem die „Pflegemutter“ tot ist, versucht Kim auf legalere Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei ist sie vollkommen auf sich allein gestellt, was nicht gerade einfach ist, weil die diversen Banden Bedarf für einen Jungen mit ihren flinken Händen hätten. (Und wenn sie wüssten, dass Kim ein Mädchen ist, hätten sie gleich doppelte Verwendung für sie – ich mag, dass die Autorin solche Elemente in ihren Romanen nicht ausspart.)

So kann Kim nicht widerstehen, als sie von einem Mann engagiert wird, um in den Wagen eines reisenden Zauberers einzubrechen. Vor allem, da die Bezahlung hoch genug ist, dass sie Monate davon leben könnte, und ihr Auftraggeber nicht mehr von ihr wünscht, als dass sie eine genauen Blick auf das Inventar des Schaustellers wirft und ihm darüber Bericht erstattet. Obwohl eine innere Stimme sie warnt, dass so ein Einbruch nicht gerade ein kluger Schritt ist, lockt sie die Aussicht auf einen Neuanfang, den sie mit dem versprochenen Geld wagen könnte. Doch dummerweise wird sie von dem Magier Mairelon erwischt, wie sie seine Sachen durchsucht, und findet sich zu ihrer eigenen Überraschung kurz darauf in seinen Diensten wieder. Schnell erfährt sie, dass Mairelon auf der Suche nach einer Gruppe von magischen Gegenständen ist und deshalb von diversen Parteien gejagt wird.

Mehr möchte ich über die Handlung der beiden Romane gar nicht sagen, weil es einfach zu viel Spaß macht selber all die Details und Hintergründe zu entdecken. Ich kann aber noch mitteilen, dass der Zauberer Mairelon natürlich nicht nur die erwartbaren Bühnentricks beherrscht, sondern auch über echte magische Fähigkeiten verfügt. Wobei ich persönlich die Bühnentricks in der Geschichte häufig deutlich nützlicher fand als die Magie. 😉 Anfangs entwickelt sich die Handlung eher gemächlich, während Kim, Mairelon und sein Diener Hunch einander besser kennenlernen, Kim Unterricht bekommt (was dank ihrer Grammatik und ihrer Verwendung von Diebesslang schon etwas sehr Eliza-Doolittle-haftes hat) und die Weichen für die weiteren Ereignisse gestellt werden.

Doch je mehr Figuren eingeführt werden, desto mehr Vorfälle gibt es, bei denen Kim mehr Aufregung erlebt als ihr lieb ist. Dabei beweist Patricia C. Wrede ein Händchen dafür eine Situation so auf die Spitze zu treiben, dass ich mich dabei wunderbar amüsiert habe. Es gibt so viele Charaktere in der Geschichte, die alle gegeneinander arbeiten und einander bespitzeln, und dann wieder Figuren, die ganz eigene Motive für ihre Handlungen haben und komplett ahnungslos sind, was überhaupt vorgeht – und gerade deshalb natürlich immer wieder die Pläne aller anderen durchkreuzen. Bei vielen anderen Autoren wäre mir das vielleicht zu viel geworden, aber hier habe ich mich – vor allem am Ende der jeweiligen Romane – wunderbar unterhalten gefühlt und lieber bis tief in die Nacht hinein gelesen als das Buch gerade an einer so amüsanten Stelle aus der Hand zu legen.

Kims Diebesslang ist in der Regel gut zu verstehen, etwas mehr Probleme hatte ich bei der Dialogzeilen von Mairelons Diener Hunch, aber insgesamt kam ich bei den Dialogen eigentlich immer ganz gut mit. Außerdem muss ich zugeben, dass mir „Mairelon the Magician“ ein bisschen besser gefallen hat als „The Magician’s Ward“, weil der zweite Roman sehr viele Szenen hat, die in der Londoner Gesellschaft spielen, was gut geschrieben ist, aber nicht so erfrischend war wie Kims Ansichten über das Landleben, die man im ersten Band mitbekommt. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte Patricia C. Wrede in einem ihrer Bücher, dass sie Georgette Heyer sehr gern liest, und in diesen beiden Romanen gibt es so einige Momente, in denen man das meiner Meinung nach auch merkt. So habe ich das Ganze nicht nur für sich genommen genossen, sondern mir beim Lesen auch immer mal wieder Gedanken gemacht, ob die Autorin gerade auf ein paar meiner Georgette-Heyer-Lieblingsszenen anspielt oder nicht.

Robin Stevens: Murder Most Unladylike (A Murder Most Unladylike Mystery 1)

Die „A Murder Most Unladylike Mystery“-Reihe von Robin Stevens habe ich bei Kiya entdeckt, die den dritten Band der Reihe während des Herbstlesen gelesen hatte (und überhaupt für meinen Geschmack viiiel zu viele interessante Jugendkrimis liest 😉 ). „Murder Most Unladylike“ wird aus der Perspektive von Hazel Wong erzählt, die im Jahr 1934 gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Daisy Wells versucht, einen Mord aufzuklären, der an ihrem Internat Deepdean passiert ist. Genau genommen stolpert Hazel eines Abends in der Turnhalle über die Leiche der Naturwissenschaftslehrerin Miss Bell, doch als sie wenig später gemeinsam mit Daisy und einer Aufsichtsschülerin zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden und niemand – abgesehen von Daisy, die in diesem Schuljahr von Detektivromanen besessen ist – glaubt Hazel.

Da Daisy davon überzeugt ist, dass sie – als Leiterin der „Wells & Wong Detective Society – perfekt dazu geeignet ist, den geheimnisvollen Mord an Miss Bell und das ebenso mysteriöse Verschwinden der Leiche aufzuklären, beginnen die beiden Mädchen, unauffällig im ganzen Internat nach Spuren und Motiven zu suchen. Gemeinsam sammeln sie kleine Informationsbrocken von ihren Mitschülerinnen, und Hazel hält – als Schriftführerin der Society – jeden Gedanken und jedes Detail zu den Ermittlungen in ihren Aufzeichnungen fest. Nach und nach finden die beiden Mädchen immer mehr über die verschiedenen Geheimnisse ihrer Lehrerinnen (und natürlich des Kunstlehrers!) heraus. Und obwohl die beiden – je nach Vorliebe für die verschiedenen Personen – immer mal wieder die Augen vor einem offensichtlichen Hinweis verschließen, macht es sehr viel Spaß, ihre Ermittlungen zu verfolgen und mehr über das Internat, die Gepflogenheiten in dieser Schule, die Lehrerinnen und natürlich die beiden Mädchen zu erfahren.

Anfangs fragt man sich nämlich schon ein bisschen, warum Hazel und Daisy überhaupt so gut miteinander befreundet sind und warum sich Hazel so viel von Daisy gefallen lässt. Aber im Laufe der Zeit erzählt Hazel davon, wie es für sie war, von Hongkong nach Deepdean zu kommen, wie ihr erster Eindruck von Daisy war und wie sie die Mitschülerin immer besser kennenlernte. Daisy kommt nicht zu Wort, aber allein durch die ganzen Dialoge mit Hazel und die lebhafte Schilderung ihrer Gestik und Mimik kann man sich ein sehr gutes Bild von dem selbstbewussten Mädchen machen. Gerade durch ihre Gegensätzlichkeit ergänzen sich die beiden Schülerinnen ganz hervorragend, wenn es um ihre Ermittlungen geht. Ich habe „Murder Most Unladylike“ sehr genossen – und prompt die Fortsetzungen auf den Merkzettel gesetzt -, obwohl ich für meine Verhältnisse sehr viele Tage an dem Roman gelesen habe und zwischendurch stellenweise sogar das (zum Glück vorhandene) Personenregister anschauen musste, um die verschiedenen Lehrerinnen und Schülerinnen wieder zuordnen zu können.

Ich mochte diese Mischung aus erstaunlich stimmigem Kriminalfall an einem Mädcheninternat, der ebenfalls realistischen Beschreibung der Freundschaft zwischen Hazel und Daisy und den Rückblicken, die den Leser über Hazel und ihr neues Leben in England informieren. Für die junge Asiatin gibt es sehr viel Befremdliches in diesem Mädchen-Internat in den 30er Jahren und natürlich begegnet sie auch immer wieder Vorurteilen von Seiten ihrer Mitschülerinnen (kein Wunder, wenn man überlegt, dass zu der Zeit in Groschenromanen asiatische Verbrecherbanden ein großes Thema waren). Umso amüsanter fand ich für mich die Passagen, in denen Hazel erzählt, wie sie dann doch ihren Weg im Internatsalltag und Freundinnen fand, mit denen sie nun ein Zimmer teilt.

Auch wenn mein Geldbeutel nicht so begeistert sein wird, so freue ich mich doch sehr, dass ich noch (mindestens) vier weitere Bände mit Hazel und Daisy vor mir habe. Ich bin gespannt, was für Fälle die beiden Mädchen beim nächsten Mal aufklären müssen und zu welchen ungewöhnlichen (und skrupellosen) Methoden Daisy bei ihren Ermittlungen greifen wird.

Stephanie Burgis: Kat, Incorrigible (Kat, Incorrigible 1)

„Kat, Incorrigible“ von Stephanie Burgis ist mal wieder ein Neuzugang, an dem Kiya Schuld ist, nachdem sie den Schuber mit der Trilogie in einem ihrer „Gelesen/Gekauf“-Beiträge erwähnt hatte. Wie man an dem verlinkten Beitrag sehen kann, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich den Titel von der Merkliste auf meinen (Geburtstags-)Wunschzettel gepackt habe und nach dem Lesen bedauere ich es fast, dass ich da nicht eifriger war – und habe gleich mal die beiden Fortsetzungen bei meinem Buchhändler geordert. *g* Als der Leser Katherine (Kat) Ann Stephenson kennenlernt, versucht die Zwölfjährige sich gerade mitten in der Nacht aus ihrem Elternhaus zu schleichen. Gekleidet in den abgelegten Kleidungsstücken ihres älteren Bruders und mit frischgekürzten Haaren hofft sie, dass sie sich bis London durchschlagen könnte, um sich dort einen Arbeitsplatz zu suchen.

Dummerweise erwischen ihre beiden älteren Schwestern Elissa und Angeline sie und verhindern Kats unbedachten wohldurchdachten Rettungsplan für Elissa. Denn nachdem Kats älterer Bruder Charles mit seinen Verlusten am Spieltisch die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat, gibt es aus Sicht der Stiefmutter nur eine Rettung: Elissa muss einen sehr reichen Ehemann finden, der gewillt ist, der Familie seiner Braut finanziell beizustehen. Einen passenden Kandidaten hat die Stiefmutter mit Sir Neville auch schon bei der Hand, wobei Kat es alarmierend findet, dass der potenzielle Bräutigam nicht nur alt genug ist, um der Vater ihrer Schwester Elissa zu sein, sondern dass es auch heißt, er hätte seine erste Frau umgebracht.

Nachdem Kats erster Plan an der Aufmerksamkeit ihrer Schwestern scheiterte, denkt sie natürlich über alternative Methoden nach, um Elissa zu retten, und verfällt auf die Magie, die sie – hoffentlich – von ihrer verstorbenen Mutter Olivia geerbt hat. Doch so einfach ist es nicht Magie zu wirken, außerdem ist die Anwendung von Magie in diesem Regency-artigem England überaus verpönt. Und dazu gibt es noch mehrere Parteien, die Kat große Schwierigkeit bereiten, als sie dahinterkommen, dass das Mädchen mit Magie experimentiert. Ich mag ja immer wieder diese Mischung aus sehr geregeltem Gesellschaftsleben, wie man es nun mal in Regencyromanen findet, und den Unberechenbarkeiten, die sich aus der Anwendung von Magie durch ungeübte Protagonisten ergeben.

Außerdem ist Kat eine wunderbare Figur, die – ebenso wie ihre beiden Schwestern – gegen ihre Stiefmutter rebelliert, ihre ganz eigenen Prioritäten hat, wenn es um das Glück ihrer Familie geht, und die doch bei allem Selbstbewusstsein ständig in Situationen landen, in denen sie sich wünscht, sie könnte einfach im Boden verschwinden. Da die Geschichte aus Kats Sicht erzählt wird, hatte ich überraschenderweise die größten Probleme mit ihren beiden Schwestern. Sie nehmen Kat nicht ernst, hören ihr nicht zu und schließen sie regelmäßig aus, weil sie denken, dass Kat zu klein ist, um bestimmte Dinge zu verstehen. Würden die drei Mädchen offen miteinander reden, wären viele Schwierigkeiten viel einfacher zu lösen – allerdings gäbe es dann auch nicht so viele wunderbar amüsante Szenen für den Leser.

Zur Autorin wird im Buch erwähnt, dass sie Jane Austen und Georgette Heyer liebt – und gerade von der letztgenannten Schriftstellerin finde ich viel in „Kat, Incorrigible“ wieder. Es gibt die junge Frau, die sich für den liebenswerten, aber unzuverlässigen Bruder opfern muss, die Liebe zwischen den Schwestern, die sich zwar nicht immer verstehen, aber doch am Ende füreinander da sind, es gibt Wegelagerer, Hausgesellschaften inklusive Klatsch und Tratsch und all die anderen Dinge, die man in einem amüsanten historischen Liebesroman normalerweise findet – nur dass sie hier aus der Perspektive einer Zwölfjährigen geschildert werden, die die Vorstellung von einem Wegelagerer nun einmal deutlich reizvoller findet, als ein steifes Abendessen inmitten von älteren Personen, denen die Etikette wichtiger ist als ein interessantes Gesprächsthema.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht Kat bei all ihren Abenteuern zu folgen. Sie ist eine angenehm eigenwillige Figur und ich mochte es, dass sie grundsätzlich erst einmal misstrauisch ist, wenn jemand ihr sagen will, was sie tun soll. Obwohl sich Kat so viel Mühe gibt, sind ihre Aktionen selten durchdacht, so dass es zu vielen amüsanten – aber selten zu zu überspitzten – Situationen kommt, die ich sehr genossen habe. Ich freu mich schon jetzt darauf, dass ich demnächst die Fortsetzungen in die Finger bekomme und dann weiter verfolgen kann, wie es Kat und ihrer Familie so ergeht.

Nancy Mitford: Liebe unter kaltem Himmel

Nachdem ich die Jessica-Mitford-Biografie gelesen hatte, habe ich mal geschaut, welche Bücher von den Mitford-Schwestern wohl in unserer Bibliothek zu finden sind und mir dann „Liebe unter kaltem Himmel“ von Nancy Mitford ausgeliehen. Der Roman soll deutliche biografische Bezüge haben und ich bin mir sicher, dass ich einige Sachen (wie den Kleiderschrank der jüngeren Cousinen, bestimmte Ansichten und Verhaltensweisen von dem Onkel und der Tante der Protagonistin usw.) dem realen Leben von Nancy Mitford und ihrer Familie zuordnen konnte. Doch auch ohne diese Bezüge ist „Liebe unter kaltem Himmel“ eine eigentlich recht unterhaltsame Geschichte, die sich rund um die Familie Montdore dreht. Erzählt wird die Handlung dabei von der ruhigen und relativ „normalen“ Fanny, die – aufgrund der Tatsache, dass ihre geschiedenen Eltern die Erziehung ihrer Tochter der Verwandtschaft überlassen haben, – von Kindesbeinen an sehr viel Zeit mit Lord und Lady Montdore und deren Tochter Polly (Leopoldina) verbringt.

Dabei kam mir Fannys Erzählton – obwohl sie spätestens nach ihrem Debüt in London in die Gespräche der Erwachsenen mit einbezogen wird – häufig sehr naiv vor. Obwohl sie sich so viel mit dem Leben ihrer Verwandten beschäftigt, wird sie immer wieder von all den Entwicklungen und Neuigkeiten überrascht. Aber diese Naivität ist ebenso wie ihre Gutmütigkeit auch der Grund, warum man ihr so gerne zuhören, wenn sie von all den Menschen und ihrem Leben erzählt. Dabei interessiert sie vor allem das Schicksal ihrer Cousine Polly, die von klein auf verhätschelt und verwöhnt wird und in deren Zukunft ihre Eltern sehr große Hoffnungen setzen. So große Hoffnungen, dass natürlich alles dafür getan wird, dass Polly, als sie ins passende Alter kommt, angemessene und einflussreiche junge Männer kennenlernt. Schließlich gibt es nichts wichtigeres für ein junges und adeliges Mädchen als einen Mann mit guter Herkunft und guten Aussichten zu heiraten und dann dafür zu sorgen, dass er beruflich so erfolgreich wird, wie es ihrer Position angemessen ist. Doch schnell fällt ihrer ehrgeizigen Mutter auf, dass Polly so gar kein Interesse für all die vielversprechenden jungen Männer aufbringen kann, was für einige Unruhe im Haus der Montdore. sorgt.

Ich fand es wirklich nett dem plaudernden Ton von Fanny zu folgen, während sie von den verschiedenen Eigenheiten ihrer Familienmitglieder berichtet oder erzählt, wie ihr Verhältnis zu den Montdores ist und wie es dazu kam, dass sie in bestimmte Ereignisse eingeweiht wurde. Sehr viel passiert dabei nicht, aber es gibt so viele treffende und skurrile Momente, dass ich mich gut unterhalten fühlte. Was mir allerdings an der Geschichte nicht gefiel, ist der Umgang mit einer bestimmten Person. Dieser Mann ist dafür bekannt, dass er gern mit kleinen Mädchen spielt und für Fanny waren diese Spiele immer unangenehm. Aber als höfliches kleines Mädchen, das gelernt hat, dass es erwachsene Menschen respektvoll behandeln muss, hat Fanny natürlich mitgespielt, wenn sie dazu aufgefordert wurde. Aber Fanny scheint die einzige zu sein, der dieser Mann unangenehm ist. Ihre Cousinen scherzen über die Spiele dieses „Onkels“, es gibt Anspielungen, dass ein Mädchen (das von ihren älteren Schwestern im unklaren darüber gelassen wird, was zwischen Mann und Frau nach der Hochzeit passiert) nur diesen Mann fragen müsste und dann gäbe es nicht nur eine Erklärung, sondern auch Anschauungsunterricht.

Noch schlimmer finde ich aber Fannys ältere Verwandtschaft, wo nicht nur ganz lässig darüber geredet wird, dass dieser Typ seine Spielchen mit der eigenen Tochter getrieben hat, sondern auch, dass eine (später in der Handlung vorkommende) Beziehung für ihn die gerechte Strafe dafür sei, dass er die Hände nicht von kleinen Mädchen lassen konnte. Dass das Verhalten dieses Mannes einfach als „normales“ exzentrisches Verhalten gewertet wird und dass niemand das Gefühl hat, man müsse die Kinder vor ihm beschützen oder ihn vielleicht sogar aus der Gesellschaft ausschließen, finde ich sehr schwierig. Natürlich ist mir bewusst, dass dieser Roman zu einer Zeit geschrieben wurde, in der man Kinder selten vor Erwachsenen in Schutz nahm, und anscheinend reicht es da auch, dass dieser Herr eine gewisse Grenze dann doch nicht überschreitet. Ich habe mich zwischendurch schon gefragt, ob das vielleicht bewusst so unkritisch von Nancy Mitford dargestellt wurde, um zu betonen, was da vor den Augen der gesamten Verwandtschaft passiert, aber dafür ist mir der Ton in dem Roman (und in gewisser Weise auch das Ende) zu heiter. So war für mich „Liebe unter kalten Himmel“ leider kein ungetrübtes Vergnügen, obwohl ich viele Szenen und Figuren wirklich unterhaltsam fand.

Diana Wynne Jones: Deep Secret (Magids 1)

„Deep Secrets“ von Diana Wynne Jones gehört zu den Bücher, die ich im Oktober während des Herbstlesens gelesen habe. Nachdem ich den ganzen Monat über immer wieder in „Reflections“ gestöbert hatte, hatte ich solche Lust mehr Diana-Wynne-Jones-Bücher zu lesen, dass ich mir diesen Band (und „The Merlin Conspiracy“, den weiteren Magids-Roman,) besorgt habe. Ich muss gestehen, dass ich „Deep Secret“ nicht ganz so bezaubernd finde, wie viele andere Romane (vor allem die Kinderbücher) der Autorin, obwohl die Geschichte wieder voller fantastischer Einfälle und Details strotzt und ich den Humor darin sehr genossen habe.

Die Handlung dreht sich auf der einen Seite um Rupert Venables, der als Magid für mehrere Welten verantwortlich ist. So muss er sich auch um die Probleme des Koryfonic-Imperium kümmern, das gleich aus mehreren Welten besteht, als ein Attentat dazu führt, dass der Herrscher inklusive all seiner hochrangigen Berater, Militärbefehlshabern und Adeligen getötet wird. Dabei ist es vor allem wichtig, herauszufinden, wo die inkognito aufgezogenen Erben des verstorbenen Herrschers verblieben sein könnten, um dann einen von ihnen auf den Thron zu setzen (auf dass dieser sich dann mit dem ganzen Ärger rumschlagen darf). Auf der anderen Seite muss Rupert nach dem Tod seines Meisters einen Ersatz-Magid finden, den er ausbilden kann, damit die vorgegebene Anzahl an Magids erhalten bleibt. Doch es ist nicht so einfach auf der Erde eine Person aufzustöbern, die in der Lage ist Magie zu wirken und die die nötigen moralischen Voraussetzungen für diesen Job mitbringt. Die aussichtsreichste Kandidatin scheint Maree Mallory zu sein, doch ein erstes Aufeinandertreffen der beiden überzeugt Rupert davon, dass seine Suche noch lange nicht am Ende ist. Die zweite Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist die von Maree, deren Leben gerade schon kompliziert genug ist und die es gar nicht gebrauchen kann, dass ein seltsamer Unbekannter sie verfolgt …

Obwohl mir beide Protagonisten eigentlich sympathisch waren, gab es gerade am Anfang einige Momente, in denen sie mir etwas auf die Nerven gingen, weil sie so sehr auf ihre eigene kleine Weltsicht konzentriert waren, dass sie sich ständig selber im Weg standen. Meinem Gefühl nach hätten sich eine Menge Schwierigkeiten vermeiden lassen, wenn diese beiden Figuren ihren Gesprächspartnern mal richtig zugehört hätten oder ohne vorgefasste Meinungen an eine Herausforderung herangegangen wären. Außerdem fand ich es nicht so schön, dass viele Hintergründe schon sehr, sehr früh offensichtlich war, während Rupert immer noch im Dunklen irrte. Ich lasse mich lieber von der gesamten Handlung überraschen und nicht nur von den kleinen Momenten. 😉 Aber ich muss auch zugeben, dass es wirklich viele nette kleine Szenen gab, die überraschend und amüsant waren. Vor allem während der SFF-Convention merkt man genau, dass Diana Wynne Jones vermutlich viele Ereignisse, die sie selber bei Conventions erlebt hat, aufgegriffen hat. Auf jeden Fall kommen einem das Chaos und bestimmte Figurentypen sehr vertraut vor, wenn man schon mal bei einer Con war.

Dazu kommt noch eine faszinierende Idee zum Thema Parallelwelten, die zum Teil „Neyward“ und zum Teil „Ayeward“ ausgerichtet sind (d.h. weniger oder mehr Magie besitzen), und ein sehr spöttischer Unterton, wenn es um „klassische“ Fantasyelemente geht. Ich denke, es ist kein Zufall, dass Diana Wynne Jones einen so ironischen Fantasyroman kurz nach der Veröffentlichung von „The Tough Guide to Fantasyland“ geschrieben hat und ich kann ihre Motivation wirklich nachvollziehen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es ihr an vielen Stellen wichtiger war mit klassischen Storyelementen zu spielen und die Absurdität dieser Standardzutaten für High-Fantasy-Romane zu betonen, als wirklich eine Geschichte zu erzählen oder gar eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser an ihren Roman fesselt. Dabei kann man viele Aspekten in „Deep Secret“ wiederfinden, die ich sonst so an ihren Geschichten so sehr mag. So gibt es zum Beispiel diese Mischung aus Alltagsszenen und Magie, die ich als so typisch für die Autorin empfinde und die ich sonst so sehr genieße, auch in diesem Roman. Aber hier fangen mich diese Szenen nicht so auf wie sonst.

Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass die Handlung großteils in unserer modernen Welt (naja, modern, wenn man den Entwicklungsstand von 1996 in Betracht zieht) spielt, denn das war bei „Enchanted Glass“ auch der Fall und trotzdem habe ich die Geschichte als deutlich atmosphärischer empfunden. Genau genommen fand ich sogar die Ereignisse auf unserer Welt fesselnder als die, die in Koryfonic spielten – obwohl das natürlich alles miteinander verbunden war. Ich glaube, Diana Wynne Jones hat sich bei „Deep Secret“ davon hinreißen lassen, dass sie einen amüsanten Weg gefunden hat, über all die Dinge zu spötteln, die sie gerade so sehr an Fantasyromanen stören, dass sie sich ein bisschen zu sehr darauf konzentriert hat. Und obwohl ich das auch witzig finde und ähnliche Geschichten auch schon bei anderen Autoren genossen habe, vermisse ich hier einfach diesen ganz besonderen Diana-Wynne-Jones-Touch, der sonst dafür sorgt, dass ihre Romane mir so ans Herz wachsen.

Kate Griffin: The Madness of Angels (Matthew Swift 1)

Der Kauf von „The Madness of Angels“ von Kate Griffin war eine Folge meines Wühltischrausches im Mai, bei dem ich Band 2-4 der Matthew-Swift-Bücher und die beiden Teile der Folgeserie erstanden hatte. Die Geschichte spielt im aktuellen London, wobei für Matthew Swift und einige andere Personen Magie ganz selbstverständlich zu ihrem Leben gehört. Ich muss zugeben, dass ich anfangs ein paar Schwierigkeiten hatte, in die Welt und die Handlung reinzufinden, da die Autorin dem Leser nichts erklärt. Auf der einen Seite finde ich es wirklich gut, wenn eine Welt für den Protagonisten so selbstverständlich ist und der Leser sie sich deshalb selbst erarbeiten muss, auf der anderen Seite hat es für mich etwas gedauert, bis ich mich mit Matthew und seinen Erlebnissen wohlgefühlt habe. Wobei „wohlfühlen“ auch nicht ganz der passende Ausdruck ist, wenn man überlegt, wie düster seine Erlebnisse sind und wie befremdlich seine Perspektive stellenweise ist. Dazu hat es mich zu Beginn sehr irritiert, dass Matthew als Erzähler zwischen „ich“ und „wir“ schwankt, auch wenn natürlich von Anfang an klar war, dass er das nicht ohne Grund tat.

Matthew Swift war bis vor zwei Jahren ein durchschnittlicher Zauberer mit einem mehr oder weniger durchschnittlichem Privatleben, dessen einzige noch lebende Verwandte seine (etwas verrückt wirkende) Großmutter war. Doch dann passierte etwas Schreckliches mit Matthew, das – so nahm man zumindest allgemein an – seinen Tod zu Folge hatte. Für den Leser beginnt die Geschichte in dem Moment, in dem Matthew in seinem Schlafzimmer wieder zu Bewusstsein kommt und kurz darauf feststellen muss, dass fremde Menschen in seinem Haus leben. Da er niemandem vertrauen kann, irrt er wenig später durch die nächtlichen Straßen Londons und versucht herauszufinden, was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist. Doch auch in der relativen Anonymität der Straßen ist es für ihn nicht sicher, und so startet sein Rachefeldzug damit, dass er von einem unheimlichen Monster, das aus Müll entstanden ist, angegriffen wird.

Wie gesagt, man muss sich erst einmal auf die Handlung und die Erzählweise einlassen und damit leben, dass es ein bisschen dauert, bis man eine Vorstellung davon bekommt, worum es in dieser Geschichte überhaupt geht. Auch macht es Matthew einem nicht so leicht, mit ihm warm zu werden, da er sehr distanziert mit all den Dingen umgeht, die ihm passieren. Aber ich fand die Grundidee hinter Matthews Verschwinden, seine Fähigkeiten und die Art und Weise, wie Kate Griffin sein Anderssein dargestellt hat, sehr faszinierend. Auch hat die Autorin für diese Variante eines modernen-magischen London ein vielseitiges Abstufungssystem für die unterschiedlichen Magieanweder verwendet, das ich sehr spannend fand.

Doch vor allem hat sie mich mit ihrer Darstellung von London fasziniert. Matthew nimmt die Stadt sehr detailliert war, wobei sein Fokus nicht immer dem eines normalen Menschen entspricht, und er liebt London in allen seinen Erscheinungsformen. So nimmt einen die Geschichte mit in die verschiedensten Bezirke der Stadt, lässt einen die unterschiedlichsten Bewohner kennenlernen und bietet von einem fast schon touristisch-verklärten bis zu einem beinahe desillusionierten Blick auf London alle Facetten, die eine so große und vielseitige Stadt aufzuweisen hat. Dazu kommt noch eine Handlung, die einen immer wieder an den Motiven der diversen Beteiligten zweifeln und darüber nachdenken lässt, wie weit jemand gehen darf, um das „Richtige“ zu tun. Auf jeden Fall war „The Madness of Angels“ ein Roman, der aus der Masse der Urban-Fantasy-Veröffentlichungen herausragt und eine spannende Geschichte erzählt.

Isabel Bogdan: Der Pfau

Von Isabel Bogdans Buch hatte ich über ihren Blog und über Twitter schon eine Menge mitbekommen, während die Autorin es geschrieben hat. So richtig neugierig hatte sie mich allerdings nicht machen können, es war eher so ein „hm, vielleicht“-Gefühl, und dabei blieb es auch trotz all der begeisterten Rezensionen, die ich kurz nach der Veröffentlichung zu dem Titel sah. Da ich aber im Moment ein sehr großes Bedürfnis nach dünnen und einfachen Romanen habe, habe ich letzte Woche in der Bibliothek zugegriffen, als mich das Buch vom Regal aus ansprang. Und ich muss zugeben, dass es für meine aktuelle Stimmung die richtige Geschichte war, weshalb ich die ca. 250 Seiten in meinen üblichen Arbeitspausen (Frühstück, Stillhalten-während-die-Katze-frisst, Teepause und Warten-bis-das-Essen-gar-ist) plus einem guten Stündchen vor dem Schlafengehen an einem Tag gelesen habe.

Die Handlung selbst ist ziemlich einfach: Eine Gruppe von fünf Bankern (Chefin und vier männliche Untergebene) reisen zusammen mit einer extra gemieteten Köchin und einer Seminarleiterin für ein Wochenende ins schottische Hinterland, um dort auf einem alten (und nur teilweise modernisierten) Herrensitz ein Team-Building-Seminar durchzuführen. Für Lord und Lady McIntosh ist das eine schöne Möglichkeit, etwas Extrageld einzunehmen, auch wenn die Vorbereitungen von Anfang an aufwändiger sind, als sie es normalerweise für Gäste betreiben müssten – unter anderem deshalb, weil die Banker in einem selten genutzten Flügel des Herrenhauses und nicht in einem der Gäste-Cottages wohnen werden. Eine weitere Herausforderung besteht in einem jungen Pfau, der alles Blaue angreift, egal, ob es sich dabei um Autos, Spielzeug oder Kleidungsstücke (und die Menschen darin) handelt.

So begleitet man als Leser die verschiedenen Figuren über ihr Wochenende, wobei man ständig die Perspektive wechselt, so dass man alle Beteiligten im Laufe dieser Tage begleitet und ihre Gedanken und Gefühle kennenlernt. Dabei sind einem die Personen eigentlich schon vom ersten Moment an vertraut, da Isabel Bogdan auf bewährte Typen gesetzt hat. Es gibt die zickige Chefin, die die Kontrolle nicht aus der Hand geben kann, die etwas überforderte, aber sehr bemühte Seminarleiterin, die geniale Köchen mit dem großen Herzen (und sehr umfangreichem Wissen über Lebensmittelzubereitung), das ein bisschen exzentrische Besitzerehepaar, den ruhigen und zuverlässigen Handwerker und so weiter. Weder beim ersten Kennenlernen der Figuren, noch bei ihren späteren Entwicklungen gibt es besonders viele Überraschungen in der Geschichte.

Überhaupt ist die Handlung recht vorhersehbar und es gibt – aufgrund der Tatsache, dass man viele Szenen aus mehreren Perspektiven erlebt – einige Wiederholungen. Trotzdem fand ich die Geschichte nett zu lesen. Dieses Vor-sich-hin-Plätschern war sehr entspannend und ich mochte es, dass es keine großen Dramen oder Höhepunkte gab. Den vielgepriesenen Humor fand ich jetzt nicht besonders britisch, aber es reichte aus, dass ich hier und da etwas zum Schmunzeln hatte. „Der Pfau“ ist kein Roman, der sich bei mir besonders eingeprägt hat, und ich fürchte, dass ich in ein paar Tagen schon Mühe haben werde, mich an Details zu erinnern. Aber die Geschichte hat für entspannte Pausen an einem anstrengenden Tag gereicht – und manchmal ist das alles, was ich von einem Buch erwarte.

Diana Wynne Jones: Enchanted Glass

Mein erstes Diana-Wynne-Jones-Buch habe ich schon in der Grundschule gelesen und heiß und innig geliebt. Allerdings habe ich damals vor allem auf Bibliotheksbücher zurückgegriffen und nur wenige Titel für meinen eigenen Bestand nachgekauft. Nachdem ich inzwischen wieder mehr auf Englisch lese, habe ich das Bedürfnis, mir nach und nach all die Romane der Autorin zu besorgen, die ich noch nicht kenne. So brachte mir der Buchhandlungsfahrradkurier Ende der Woche „Enchanted Glass“ – ein Roman rund um einen Universitätsdozenten, der von seinem Großvater ein magisches Haus und eine ebensolche Berufung erbt.

Eigentlich hatte Jocelyn Brandon geplant, vor seinem Tod seinen Enkel, den Wissenschaftler Andrew Hope in all die wichtigen Geheimnisse einzuweihen, die er benötigt, um Melstone House zu übernehmen. Doch dann läuft dem alten Zauberer die Zeit davon und Andrew zieht vollkommen unvorbereitet nach Melstone. Natürlich weiß er, dass sein Großvater über Magie verfügte und dass Melstone House etwas ganz besonderes ist. Doch Andrew hat keine Ahnung davon, was das Besondere an dem Haus ist und dass er mit dem Haus auch die Aufgaben seines Großvaters (das so genannte „field-of-care“) geerbt hat – und worin diese Aufgaben überhaupt bestehen. So scheinen seine einzigen Herausforderungen anfangs darin zu bestehen, sich mit der Haushälterin Mrs. Stock und dem Gärtner Mr. Stock (weder verwandt noch verschwägert mit Mrs. Stock) zu arrangieren.

Komplizierter wird es für Andrew an dem Tag, als der zwölfjährige Aiden Cain vor seiner Türschwelle steht und um Hilfe bittet. Aidens Großmutter war kurz zuvor gestorben und hatte ihm vor ihrem Tod gesagt, dass er, wenn er jemals Hilfe benötigen würde, sich an Joycelyn Brandon in Melstone House wenden solle. Da Aiden nach dem Tod seiner Großmutter nicht nur ganz allein auf der Welt ist, sondern auch bei seinen Pflegeeltern von mysteriösen Kreaturen gejagt wurde, die ihm eindeutig nichts Gutes wollen, ist er von seiner Pflegestelle fortgelaufen, um in Melstone House einen sicheren Unterschlupf zu finden.

Ich muss gestehen, ich fände es großartig, wenn ich einen Unterschlupf wie Melstone House kennen würde. Diana Wynne Jones gelingt es wieder einmal ganz wunderbar, einen Ort zu schaffen, der gemütlich, magisch, skurril und rundum bezaubernd ist. Ein bisschen erinnert Melstone House an Chrestomancis Heim in „Wir sind aufs Hexen ganz versessen“ – inklusive der spezialisierten Angestellten. Natürlich gibt es auch den obligatorischen Gegenspieler an den Grenzen von Melstone House, aber wenn ich ehrlich bin. so benötigt es diese Figuren doch genau deshalb, damit sich der Schauplatz der Geschichte umso behaglicher anfühlt. Ich mochte das Gebäude ebenso wie das Dorf Melstone, zu dem es gehört, aber natürlich würde keines von beidem sich so heimelig anfühlen, wenn es da nicht die ganzen liebenswerten und skurrilen Charaktere gäbe.

Dabei sind nicht alle Figuren so gestaltet, dass ich mit ihnen ein Haus teilen möchte. Gerade Mr. und Mrs. Stock haben so einige Eigenarten, die mich persönlich an den Rand des Wahnsinns bringen würden. Da Andrew aber recht gelassen und geduldig mit ihren Marotten umgeht, waren diese Passagen für mich als Leser amüsant und unterhaltsam. Außerdem gibt es noch einige weitere Charaktere, die Andrew langfristig bei seiner neuen Aufgabe helfen – und denen er mit ihren Problemen hilft -, so dass die Geschichte dank der vielen kleinen wunderbaren Szenen trotz einer eher gemächlichen Erzählweise nie langweilig wird.

Ich habe ein paar Rezensionen gefunden, die kritisieren, dass in „Enchanted Glass“ nichts passiert. Und ja, es ist keine actiongeladene Geschichte. Aber ich finde es umso anerkennenswerter, dass Diana Wynne Jones es immer wieder schafft so viele interessante, amüsante und berührende Details in eine großteils relativ alltägliche Handlung zu packen. Ich mochte es zu lesen, wie Andrew und Aiden langsam in Melstone House ankommen, wie sie immer mehr über die Hintergründe des Hauses, Andrews Aufgabe und ihren Gegenspieler herausfinden, und ich fand es toll, wie all die vielen Nebenfiguren im Laufe der Zeit immer mehr Profil bekamen, ohne dass die Autorin besonders viele Seiten dafür aufwenden musste. Die allerletzte Wendung der Geschichte hätte ich nicht unbedingt haben müssen, aber schlimm finde ich sie auch nicht. Insgesamt habe ich das Lesen von „Enchanted Glass“ sehr genossen. Für mich sind Diana-Wynne-Jones-Bücher ebenso erholsam wie die Momente, in denen ich mich mit einer Decke, einer heißen Schokolade und einer Katze einrollen und die Außenwelt für eine Weile vergessen kann.

Patricia Wentwort: Der Stoß von der Klippe (Miss Silver 3)

Mit dem dritten Miss-Silver-Roman, „Der Stoß von der Klippe“, habe ich endlich einen Titel erwischt, in dem Miss Silver eine größere und nachvollziehbarere Rolle spielt als in „Grey Mask“ und „Ein abgeschlossener Fall“. Dieses Mal wird die Geschichte vor allem aus der Perspektive von Rachel Treherne erzählt, die vor vielen Jahren ein großes Vermögen von ihrem Vater geerbt hat. Dabei hat der Vater zwar kein unumstößlichen Regeln aufgestellt, aber bestimmte Wünsche geäußert, wie mit dem Geld nach seinem Tod zu verfahren sei – und Rachel hat seitdem versucht nach diesen Wünschen zu handeln. So wird sie seit zwanzig Jahren von diversen Familienangehörigen umkreist, die anscheinend nichts anderes im Kopf haben, als die Frage wie sie von Rachel Geld bekommen können.

Obwohl Rachel nur mit wenigen Familienmitgliedern wirklich liebevoll verbunden ist, schockiert es sie, als sie nach mehreren Vorfällen befürchten muss, dass jemand nach ihrem Leben trachtet. Hin und her gerissen zwischen Unglauben und Angst wendet sie sich an Miss Silver und bittet die Detektivin um Hilfe. Dies führt dazu, dass Miss Silver nicht nur schon auf den ersten Seiten einen Auftritt hat, sondern auch wenige Zeit später als Besucherin in dem große Familiensitz der Treherne aufläuft, um sich die verschiedenen Familienmitglieder genauer anzuschauen. Prompt kommt es am Abend von Miss Silvers Ankunft zu einem weiteren Anschlag auf Rachels Leben, der nur durch einen glücklichen Zufall nicht zum Erfolg führt.

Ich muss zugeben, dass „Der Stoß von der Klippe“ bislang mein liebster Miss-Silver-Roman ist, da das Tempo der Handlung und die Besetzung mich hier am meisten überzeugen konnten. Auch habe ich so lange darauf gewartet, dass Miss Silver endlich eine größere Rolle in den Geschichten spielt, dass ich mich allein schon über die diversen Szenen gefreut habe, in denen sie ganz harmlose Gespräche führt und dabei das eine oder andere schmutzige kleine Geheimnis herausfindet. Agatha Christies Erzählweise finde ich immer noch etwas stimmiger, aber mit „Der Stoß von der Klippe“ hat Patricia Wentworth meine Erwartungen an einen britischen Cozy voll erfüllt.

Durch die Konzentration der Handlung auf ein großes Haus, in dem ein Haufen Menschen aufeinandersitzen, die sich teilweise zu gut kennen, um wirklich höflich miteinander umzugehen, kommt deutlich mehr Spannung auf als in den anderen Geschichten der Autorin, die ich bislang gelesen habe. Außerdem gibt es regelmäßige Treffen zwischen Miss Silver und Rachel, die dem Leser immer wieder die Möglichkeit geben seinen Wissensstand zu überprüfen und zu überlege, welche Auswirkungen die neuen Entdeckungen haben könnten. Ganz unvorhersehbar war die Auflösung so nicht, aber die Konfrontation mit der verdächtigen Person wurde von Patricia Wentworth sehr atmosphärisch und spannend geschrieben. Es hat mir wirklich Spaß gemacht das zu lesen.

Am Ende habe ich nur noch einen Kritikpunkt (den ich genaugenommen bei so gut wie jedem anderem Kriminalroman – nicht nur aus den 20er- und 30er-Jahren – anwenden könnte): Es wäre schön, wenn nicht immer die Protagonistinnen im Laufe der Geschichte darauf angewiesen wären, dass ein starker Mann ihnen Halt und Unterstützung gibt. So wie man Rachel am Anfang des Romans kennenlernt, ist sie eine vernünftige und intelligente Frau mit einiger Lebenserfahrung. Und doch sorgt die Angst – mehr darum, dass der Täter jemand sein könnte, der ihr am Herzen liegt, und weniger um ihr eigenes Leben – dafür, dass sie am Ende kaum noch klar denken kann und einen männlichen Begleiter benötigt, der all ihre Entscheidungen und Gedanken absegnet. Das ärgert mich, hält mich aber trotzdem nicht davon ab weiter „ältere“ Kriminalromane zu genießen. 🙂