Alle Artikel von Konstanze

Ivan Bargna: Afrika – Kunst und Architektur

„Afrika – Kunst und Architektur“ von Ivan Bargna war eine Leihgabe von Natira, die mich mit ihrer Rezension auf den Titel neugierig gemacht hatte. In ihrer „Nachlese“ deutet Natira dezent etwas an, was mich an dem Vorwort zu diesem Buch sehr gestört hat: Der Autor unterstellt dem Leser (der sich immerhin genug für Afrika und Kunst interessiert, um zu diesem Band zu greifen) Vorurteile. Er geht davon aus, dass einem weder bewusst ist, dass Kunst in verschiedenen Kulturen unterschiedlich verstanden werden kann (*), und er bezweifelt sogar, dass man sich überhaupt bewusst ist, dass es nicht ein einziges großes afrikanisches Volk gibt, sondern sich die Bewohner der unterschiedlichen Regionen in ihrem Leben und ihrer Kultur deutlich voneinander unterscheiden können. Ich muss zugeben, dass mich Ivan Bargnas Haltung in diesem Vorwort wirklich geärgert hat.

Ansonsten fand ich viele in diesem Buch erwähnte Aspekte – vor allem zum Bereich Architektur – sehr interessant. Allerdings werden die Themen in den einzelnen Kapitel auf den gerade mal 72 Seiten (die auch noch großzügig mit Bildmaterial versehen sind), die dieser Band umfasst, sehr oberflächlich angerissen. Es wird weniger erklärt, als mir lieb gewesen wäre, und man bekommt nur einen groben Einblick in die verschiedenen Elemente „afrikanischer“ Kunst und Kultur. Lieber wäre es mir gewesen, wenn Ivan Bargna sich einzelne Volksgruppen vorgenommen und dem Leser auch etwas über ihr Leben, ihre Geschichte und ihren Glauben erklärt hätte und in diesem Zusammenhang dann auch auf die Kunst eingegangen wäre. So fand ich es zwar interessant zu lesen, dass manche Masken und Ansichten im Gegensatz zu anderen relativ weit verbreitet sind, konnte aber die Informationen in keinen Zusammenhang setzen, der mir wirklich etwas gebracht hätte.

Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn ich „Die Geschichte Afrikas“ von Christoph Marx inzwischen beendet hätte und die verschiedenen Völker regional und geschichtlich besser hätte einordnen können. (Wobei „Die Geschichte Afrikas“ mit so vielen Namen und Daten um sich wirft und Wissen so komprimiert vermittelt, dass ich bezweifle, dass ich mir selbst die wichtigsten Details langfristig merken kann.) Es gibt zwar eine Karte in der Mitte des Buches, auf der die verschiedenen Volksgruppen eingezeichnet sind, aber das hat mir noch keinen wirklichen Hintergrund vermittelt. So habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob ein bestimmtes Volk ein landwirtschaftlich geprägtes Leben führte, ob es eher zu denjenigen gehört, die seit Jahrhunderten durch den Handel ihre Geld verdienen, oder ob sie vielleicht früher als Jäger unterwegs waren und deshalb die von ihnen verwendeten Masken bestimmte Formen aufweisen.

Spannend fand ich die Aussage, dass bei den meisten Gegenständen bewusst Materialien gewählt wurden, die vergänglich sind, und dass z. B. eine Maske nur eine begrenzte Zeitspanne eingesetzt wurde, bevor sie (entweder mit ihrem Besitzer oder in einem allgemeinem Maskengrab) beerdigt wurde. Und dass grundsätzlich die Architektur nicht nur aufgrund der Materialauswahl so gestaltet wurde, dass die Häuser jederzeit angepasst oder verlassen werden können (um z. B. bei dem Tod eines Königs einen neuen Ort unter dem Namen seines Nachfolgers aufzubauen), war mir auch neu.

Hier und da hatte ich aber das Gefühl, dass der Autor (und ja, es kann sein, dass ich da etwas sehr empfindlich reagiere) ausgesprochen gönnerhaft reagiert. So findet sich in dem Kapitel über aktuelle Kunst in Afrika folgender Satz: „So nehmen wir davon Abstand, den afrikanischen Künstlern (und erst recht den „Afrikanern“) ihr Leben und ihr Handeln vorschreiben zu wollen, treten eine Schritt zurück und lassen Raum für ihre Art sich auszudrücken“ (Seite 64) Es geht bei dieser Passage darum, dass sich die Kunst in Afrika durch weltweite Einflüsse stark verändert hat, dass die alten Religionen vergessen sind und deshalb auch ihre Ritualgegenstände heute nicht mehr „richtig“ angefertigt werden können, und darum, dass die traditionellen Elemente nicht erhalten werden. Ich persönlich finde das genau richtig und natürlich. Auch wenn es schade ist, dass so viel Wissen verloren geht, so hat doch niemand das Recht, einem Künstler vorzuschreiben, wie er seine Kunst ausüben soll, und meiner Meinung nach muss deshalb nicht bewusst davon Abstand genommen werden, Einfluss zu nehmen, sondern es sollte selbstverständlich sein.

Ich muss zugeben, dass ich es schade finde, dass ich mich immer wieder über solche Formulierungen und anderen Kleinigkeiten, die in diesem Buch vorkamen, ärgern musste. Das Thema an sich finde ich immer noch sehr interessant und hoffe, dass ich noch sehr viel mehr Sachbücher über Afrika in die Finger bekomme. Aber dann bitte mit einer besseren bzw. ausführlicheren Umsetzung des Themas als bei „Afrika – Kunst und Architektur“.

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(*) Viele Dinge, die von Europäer als „afrikanische“ Kunst wahrgenommen wurden, waren eigentlich Gebrauchsgegenstände oder dienten religiösen bzw. therapeutischen Zwecken. Wobei ich mich frage, wieso man Alltagsgegenstände nicht als Kunst ansehen darf. Schließlich werden Gebrauchsgegenstände häufig optisch ansprechend gestaltet, wobei man sich „künstlerischer Elemente“ bedient. Wieso fasst jemand, der darauf aufmerksam machen will, dass Europäer voller Vorurteile auf Kunst aus Afrika schauen, die Definition von Kunst so eng? Überhaupt ist mir bei dem Buch immer wieder aufgefallen, dass der Autor von bestimmten Sichtweisen bezüglich der Kunst ausgeht – vielleicht bin ich zu wenig mit der Kunstwelt vertraut, um das nachvollziehen zu können …

Piers Torday: Die große Wildnis

Auch „Die große Wildnis“ von Piers Torday ist eine Natira-Leihgabe (irgendwie merkt man meinen aktuellen Beiträgen wohl an, dass ich mir gerade die Kiste mit ihren Büchern vornehme 😉 ), wobei ich mich nicht daran erinnern kann, dass wir über das Buch gesprochen hatten. Aber egal, ob ich den Roman ausleihen wollte oder nicht, Natira hat mit dem Buch auf jeden Fall meinen Geschmack getroffen und ich habe die Geschichte an einem Nachmittag verschlungen.

Kester Jaynes ist zwölf – demnächst dreizehn – Jahre alt und lebt seit sechs Jahren in einem Internat für verhaltensauffällige Kinder. Sein Vater war ein berühmter Tierarzt, seine Mutter ist früh gestorben und seit ihrem Tod hat Kester kein einziges Wort mehr gesprochen. Die Welt in der Kester lebt ist auch keine, über die man gern reden würde. Vor einigen Jahren brach in der gesamten Tierwelt eine große Seuche aus, Rote Pest genannt, die dazu führte, dass man alle Tiere (abgesehen von dem einen oder anderen Ungeziefer) töten musste. Doch ohne die Tiere gingen auch die Nutzpflanzen ein und ohne ein industriell gefertigtes Nahrungsmittelersatzprodukt wären auch die Menschen gestorben.

Eines Tages stellt Kester fest, dass er mit Ungeziefer – genauer gesagt einer Kakerlake, die er General nennt – kommunizieren kann. Unter Führung des Generals bricht der Junge aus und muss feststellen, dass doch noch ein paar Tiere die große Säuberungsaktion überlebt haben. Doch auch sie werden von der Roten Pest bedroht und benötigen dringend ein Heilmittel. Und so zieht Kester mit einer Handvoll von ihnen los und reist quer durchs Land, auf der Suche nach einer Rettung für die letzten Tiere der Welt.

Ich habe Kester und seine Reisegefährten beim Lesen sehr gemocht und fand die Vorstellung einer solchen Welt ohne Tiere und ohne jegliche Landwirtschaft wirklich grauenerregend. Piers Torday scheut sich auch nicht davor den einen oder anderen liebgewonnen Charakter sterben zu lassen oder Kester und seine Freunde in große Schwierigkeiten zu bringen, so dass man mit der kleinen Reisegruppe mitfiebert und sich immer wieder fragen muss, wie sie wohl diese neue Hürde wieder bewältigen. Trotzdem ist die Geschichte zwar häufig traurig, aber immer noch kindgerecht erzählt (das empfohlene Lesealter ist mit „ab zehn Jahre“ angegeben). Es gibt neben all den bedrückenden Momenten auch sehr viele witzige Szenen, wenn Kesters Reisebegleiter ihre Kommentare zu Situationen abgeben oder etwas verwirrt durch die Gegend fliegen.

Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich als erwachsener Leser die Botschaft des Romans etwas zu plakativ herübergebracht fand (als Kind hätte mich das aber wohl nicht gestört). Außerdem fällt es mir schwer einige Dinge einfach hinzunehmen. So stelle ich mir die Frage, woher die – inzwischen regierungsbildende – Firma die Materialien für ihren Nahrungsmittelersatz nimmt, wie die vier Städte, in die alle Menschen umgesiedelt wurde, funktionieren sollen und ähnliches. Ich weiß nicht, ob diese Fragen vom Autor in der Fortsetzung noch geklärt werden oder ob er die Grundsituation einfach so stehen lassen will, aber ein wenig irritiert es mich schon. Davon abgesehen erzählt „Die große Wildnis“ aber eine sehr schöne und intensive Geschichte mit liebenswerten Protagonisten.

Zwischen Schund und Klassikern

In den letzten Monaten bin ich immer wieder über Beiträge gestolpert, in denen sich die Blogger Gedanken darüber gemacht haben, welche Genres wertvoll, qualitativ oder aus sonst welchen Gründen lesenswert sind. Ich weiß nicht, ob das durch die Kritik an der Qualität der Blogger-Buchrezensionen (nicht fundiert genug, zu emotional, es wird keine Literatur besprochen) angestoßen wurde oder von einem allgemeinen Bedürfnis, zu werten – das ist mir ehrlich gesagt auch egal.

Mir haben diese Beiträge allerdings bewusst gemacht, wie dankbar ich meiner Familie für meine Lust auf Bücher jeglicher Art bin und wie viel Glück ich anscheinend hatte, dass meine Lektüre nie von jemandem aus meinem Umfeld in irgendeiner Form bewertet wurde.

Mein erstes umfangreicheres Buch war „Der Fremde aus Indien“ von Karl May – den Roman hatte mein Vater während des Campingurlaubs dabei, als ich acht Jahre alt war. Und da meine gesamte Familie ihre Zeit mit einem Buch vor der Nase verbrachte, habe auch ich angefangen, länger am Stück zu lesen.

Mein Vater las (und liest) so ziemlich alles, was ihm in die Finger kommt: Sachbücher, historische Romane, Comics, Fantasy, Science Fiction, Klassiker, Kriminalromane, Spionageromane und – bevorzugt an Flughäfen für lange Geschäftsreisen gekaufte – Heftchenromane. Wenn meinem Vater ein Autor besonders gefällt, dann besorgt er sich nach und nach auch all seine Bücher und fragt herum, ob man ihm ähnliche Autoren empfehlen kann.

Meine Mutter hat – zumindest meine Kindheit hindurch – eher zu den „Frauenromanen“ gegriffen: Liebesgeschichten, Thriller, historische Romane rund um starke Frauenfiguren, heitere Frauenromane – ihr könnt es euch vermutlich vorstellen. Inzwischen liest sie alles, was ihr vom Klappentext her interessant erscheint und was nicht irgendwie fantastisch ist, denn für sie müssen Geschichten in der „realen“ Welt spielen. Überhaupt gibt es gerade einen eifrigen Büchertausch zwischen meinen Eltern und ihren Geschwistern, der dazu führt, dass regelmäßig Kisten voller gelesener Exemplare weitergereicht werden, damit sich das nächste Familienmitglied daraus bedienen kann.

Meine Schwester und ich haben von klein auf frei auf all die von meinen Eltern gelesenen Bücher zugreifen können. Dazu kamen noch die regelmäßigen Bibliotheksbesuche – bei denen meine Schwester oft dafür gesorgt hat, dass wir britische Kinderbuchklassiker ausgeliehen haben – und die Romane (häufig irgendwelche Sammelbände für Mädchen), die wir zu Geburtstag und Weihnachten geschenkt bekommen haben.

Weder meine Eltern noch die diversen Bibliothekarinnen haben mich je in meiner Leselust gebremst oder mir Bücher vorenthalten, weil ich nicht alt genug dafür wäre oder weil sie schlecht geschrieben oder sonstig ungeeignet wären. So habe ich in meinem Leben eine Menge Schund gelesen (und genossen!) und mich durch das eine oder andere anspruchsvolle Buch gearbeitet, das für mich noch nicht wirklich erfassbar war.

Es ist toll, dass mein breitgefächerter Lesegeschmack dazu führt, dass ich mich mit so vielen Leuten austauschen kann. Meine Schwäche für Fantasyromane hat mir, während ich im Buchhandel gearbeitet habe, sehr viele Kunden gebracht, denn zu der Zeit war die Auswahl in den Läden an fantastischen Geschichten noch nicht so groß und die „klassischen Buchhändler“ haben doch lieber gehobenere Literatur verkauft. Ich kann mich mit meiner Tante über Nora-Roberts-Romane unterhalten, ich habe mich mit meinem Umweltpsychologie-Professor über den einen oder anderen Klassiker ausgetauscht, und die neue Nachbarin war im letzten Jahr ganz begeistert, weil ich die gleichen Krimiautoren kenne wie sie und ihr noch den einen oder anderen neuen Autor empfehlen konnte.

Ich finde es großartig, dass mir so viele verschiedene Genres zur Verfügung stehen. Ich fürchte, ich würde mich langweilen, wenn ich mich auf eins davon beschränken sollte. Obwohl ich zugeben muss, dass mein Büchersammlung dann vermutlich nicht ganz so groß wäre. 😉 Ich hoffe sehr, dass ich nie die Freude am Lesen verliere oder die Lust auf neue Genres. Aber eigentlich gehe ich davon aus, dass ich mich weiterhin nie zu alt für Kinder-, Jugend- oder Bilderbücher halten werde, dass ich meine Nase mit Vergnügen in Comics oder Manga stecken werde, dass ich mich über jeden neu entdeckten Autor spannender/unterhaltsamer/interessanter Romane freuen werde, dass mein erster Impuls, wenn ich etwas Extrageld in der Hand habe, der Kauf eines Buches ist, und dass ich weiterhin von informativen Sachbüchern über sogenanntem Schund bis zu den Klassikern die verschiedensten Titel genießen kann.

Und ich hoffe sehr, dass irgendwann unter Lesern ein kleines bisschen mehr Toleranz gegenüber der Lektüre der Anderen, etwas mehr Mut zu unbekannten Genres und etwas weniger Unsicherheit bezüglich der eigenen Lesevorlieben herrscht. Es gibt doch kaum etwas Großartigeres als Menschen, die mit Genuss ein Buch lesen können!

August-SuB 2015

Im Juli habe ich mich hauptsächlich mit Manga beschäftigt und es sehr genossen, dass ich mal eine Reihe am Stück lesen konnte und nicht immer auf Fortsetzungen warten musste. Das ist eindeutig der größte Vorteil, wenn man gebraucht gleich eine ganze Serie kauft. Insgesamt habe ich meine Freizeit mit 12 Büchern, 21 Manga und 1 Hörbuch verbracht. Das SuB-trahieren ist dabei etwas auf der Strecke geblieben, aber der SuB läuft mir ja nicht weg. Stattdessen habe ich immerhin zwei Sachbücher für die Challenge gelesen und rezensiert. Im August werde ich mich erst einmal auf den Stapel mit geliehenen Sachbüchern von Natira stürzen und dann bekommen wir wieder Besuch, was meine Lesezeit auf angenehme Weise verkürzen wird.

A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (8)
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
Brom: Krampus
Jim Butcher: Im Schatten des Fürsten (Codex Alera 2)
Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)

C (0)
Deborah Crombie: Wer im Dunklen bleibt

D (2)
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (1)
Akram El-Bahay: Flammenwüste

F (1)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer

G (0)
–

H (6)
Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab
Will Hill: Department 19 – Die Wiederkehr
Will Hill: Department 19 – Das Gefecht
Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
Daniel Holbe: Giftspur

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (2)
Tove Jansson: Muminvaters wildbewegte Jugend
Tove Jansson: Sturm im Mumintal

K (1)
Celine Kiernan: Schattenpfade

L (1)
Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora

M (0)
–

N (0)
–

O (0)
–

P (2)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund

Q (0)
–

R (3)
Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Silvia Roth: Querschläger

S (4)
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (2)
Charles den Tex: Die Zelle
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)
–

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (2)
Cinda Williams Chima: Das Vermächtnis der Zauberer
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)
–

Sonstige (0)
–

42 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

Sarah Rees Brennan: Unspoken
Soman Chainani: The School for Good and Evil 2
Jennifer Estep: Widow’s Web
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Wild Ways
Tanya Huff: The Future Falls
D.B. Jackson: Thieftaker
Lynn Kurland: Star of the Morning
Anthony Minghella: Jim Henson’s The Storyteller
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Nnedi Okorafor: Akata Witch
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Tamora Pierce: Battle Magic (Circle Reforge)
Philip Reeve: Larklight
A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

Sonstiges:
West Ward Weird

18 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

SuB-Zuwachs im Juli

Im Juli gab es für mich nur „Spellcasting in Silk“ von Juliet Blackwell als Neuzugang – und das auch nur, weil ich das Buch schon vor Wochen vorbestellt hatte. Irgendwie habe ich gerade sehr große Entscheidungsprobleme und überraschend wenig Lust mir etwas Neues zu kaufen. Nun, da sich das vermutlich relativ schnell wieder ändern wird, ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn mein SuB eine kleine Atempause bekommt. 😉

Simon Winchester: Der Atlantik – Biografie eines Ozeans

„Der Atlantik“ von Simon Winchester ist noch eine Sachbuch-Entdeckung, die ich Hermia zu verdanken habe. Nach ihrer begeisterten Rezension hatte ich das Buch gleich in der Bibliothek vorgemerkt und dann auch überraschend schnell in den Händen halten können. Dass sich das Lesen dann doch einen Monat hingezogen hat, lag eindeutig an mir und nicht an dem Buch, denn das ist wirklich gut und interessant geschrieben. Simon Winchester erzählt in dem Vorwort, wie er als 18-Jähriger das erste Mal mit einem Schiff den Atlantik überquerte und als wie faszinierend er diese Tage auf dem Meer empfand. Später wurde es für ihn normal, den Ozean regelmäßig mit einem Flugzeug zu überbrücken, um beruflich von einem Ort zum anderen zu kommen – und doch hat für ihn diese große Wasserfläche nie ganz an Faszination verloren, bis er schließlich diese Biografie über den Atlantik schrieb.

Ich fand es vor allem spannend, welche Wissensgebiete hier in diesem Buch versammelt werden. In sieben Kapiteln erzählt der Autor von der Entstehung des Ozeans durch die Verschiebung der Kontinentalplatten, von der langsamen Besiedelung der Küstenlandstriche durch die Menschen und den ersten Vorstößen aufs Meer, ebenso wie von der Kunst, die durch den Atlantik geprägt wurde, von den Handelsentwicklungen, Eroberungen und Kriegen, die rund um diesen Ozean stattfanden, von dem sich verändernden Verhältnis der Menschen zum Meer und so vielem mehr.

Ich glaube, es gab keinen Aspekt, den ich in irgendeiner Form langweilig fand, und bei vielen Passagen gab es für mich kleinere und größere Aha-Erlebnisse, weil ich wieder eine Wissenslücke schließen oder ein Thema aus einer anderen Perspektive betrachten konnte. Was mich zu einer Nebenbemerkungen zu den Fußnoten bringt: Angesichts einer solchen Fülle an Informationen fand ich die Fußnoten in diesem Buch wirklich übersichtlich gehalten und ich hatte nie das Gefühl, dass dieser ergänzenden Anmerkungen überflüssig gewesen wären. Dafür gab es hin und wieder kleinere Wiederholungen innerhalb des Textes, weil einige Details nun einmal in verschiedenen Themengebieten eine Rolle spielten, was aber nicht schlimm war, sondern eher der Wissensvertiefung diente.

Bei einem so umfassenden Buch ist es auch nicht verwunderlich, dass all die verschiedenen Themen eigentlich nur angerissen werden können oder es in ein paar Bereichen vor allem zu Aufzählungen kommt, aber das hat Simon Winchester in meinen Augen so gut hinbekommen, dass man nicht das Gefühl hat, es würde zu viel auf einmal in einen Satz gepackt oder einem Gebiet würde zu wenig Beachtung geschenkt. Ich habe eher Lust, mich zu dem einen oder anderen Thema intensiver zu informieren, nachdem ich jetzt so einen faszinierenden Überblick über so viele Ereignisse rund um und auf dem Atlantik bekommen habe.

Allerdings gab es auch eine Menge Dinge, die ich beim Lesen wirklich schwer erträglich fand. Nichts davon war neu für mich, aber es so gehäuft zu lesen (die letzten fünf Kapitel habe ich in zwei Tagen gelesen, weil ich das Buch vor dem Abgabetermin der Bibliothek noch schaffen wollte) war schon etwas belastend. Simon Winchester beschreibt sehr anschaulich – aber ohne dabei seinen sachlichen Ton zu verlieren – wie es auf den Sklavenschiffen aussah, die von Afrika nach Westen segelten, welche Folgen die Überfischung für das Meer und seine Anrainer hat und mit welchem Leichtsinn (oder welcher Skrupellosigkeit) der Atlantik als Mülldeponie genutzt wurde (und wird!). Bei all den deprimierenden Fakten war ich froh über die kleinen persönlichen Anekdoten, die von diversen Erlebnissen des Autors bei seinen vielen Reisen rund um und auf dem Atlantik erzählten und das Ganze etwas auflockerten. Insgesamt hat mir „Der Atlantik“ sehr gut gefallen und ich werde die Augen nach weiteren Büchern von Simon Winchester (über das Meer) aufhalten.

Luise Berg-Ehlers: Mit Miss Marple aufs Land – Englische Krimischriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort

Auf „Mit Miss Marple aufs Land“ von Luise Berg-Ehlers wurde ich erst durch Hermias Rezension und dann wieder durch Natiras Meinung zu dem Buch aufmerksam. Nachdem mir Natira das Buch geliehen hatte, habe ich es einige Zeit lang auf dem Wohnzimmertisch liegen gehabt und immer wieder darin gelesen. Dafür war es genau richtig, wie ein klassisches „Coffee Table Book“ ist es dekorativ und voller ansprechender Fotos und den Text kann man gut in kleinen Portionen genießen. 😉

Luise Berg-Ehlers geht in sieben Kapiteln auf die verschiedenen „typisch britischen“ Elemente ein, die als unabdingbare Bestandteile in gemütlichen britischen Krimis angesehen werden wie der Tearoom, die Pfarrei oder der Dorfanger. Dabei zieht Luise Berg-Ehlers immer wieder Verbindungen zwischen den vorhandenen baulichen oder gesellschaftlichen Eigenheiten britischer Dörfer und den Geschichten bekannter Autorinnen von britischen Kriminalgeschichten – wobei ich mich hier und da schon gefragt habe, wie es zu dieser Auswahl gekommen ist und warum einige Autorinnen nicht aufgeführt wurden oder so wenig Raum in diesem Band bekommen haben.

Ich muss sowohl Natira zustimmen, die meinte, dass der Schwerpunkt bei den ganzen Beispielen sehr auf Agatha Christies Miss Marple lag und dass es schön gewesen wäre, wenn unbekanntere Figuren/Autoren mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten, als auch Hermia, die in ihrer Rezension den besonderen Reiz der kleinen Informationen über die Autoren betonte. Diese kleinen Informationen waren für mich ehrlich gesagt das Interessanteste an diesem Buch, was vermutlich daran liegt, dass ich den größten Teil der erwähnten Autorinnen schon ausprobiert habe – und nicht immer die Begeisterung für die jeweilige Figur oder den Erzählstil nachvollziehen konnte. Auch fand ich die Auswahl der Romananfänge, die einen kleinen Eindruck von den jeweiligen Autorinnen bieten sollten, nicht immer sonderlich gelungen.

Vor allem habe ich bei diesem Band also die kleinen Details rund um die Autorinnen genossen und mich an den vielen hübschen Fotos erfreut. Ich fand es sehr entspannend immer wieder in dem Band zu blättern und zu lesen und meine Erinnerungen an schon gelesene Romane aufzufrischen. Sehr oft habe ich mir gedacht, dass ich diesen oder jenen Roman dringen wieder ausgraben und lesen müsste. Außerdem habe ich mir die beiden Autorinnen aufgeschrieben, die ich noch nicht ausprobiert habe, und werde nun die Augen aufhalten nach Patricia Wentworth und ihren „Miss Silver“-Romanen und den Albert-Campion-Krimis von Margery Allingham.

Dies und Das (2): Ich lese …

…, aber ich schreibe gerade nicht darüber.

Auf der einen Seite habe ich wenig Ruhe zum Schreiben (und Kommentieren – sorry!), auch weil die Sorgen mit den zwei Katern kein Ende nehmen. Beide waren in den letzten 2 1/2 Wochen je 5 Tage beim Tierarzt einquartiert und haben stark abgebaut, zeigen aber glücklicherweise immer wieder, dass sie Streicheleinheiten und leckeres Futter noch genießen können und noch lange nicht aufgegeben haben.

Auf der anderen Seite lese ich gerade Titel, zu denen mir nichts zu schreiben einfällt. Darunter fallen Bücher, die ich schon mal gelesen (und vielleicht sogar rezensiert) habe und bei denen ich genau weiß, dass sie mich ablenken können, es aber auch nicht schlimm ist, wenn ich mal ein paar Seiten lang nicht so aufmerksam bin. Oder Reihenfortsetzungen zu Serien, bei denen ich die vorhergehenden Bände schon nicht (mehr) besprochen habe, weshalb ich mich nicht zu einer Rezension aufraffen kann. Oder ich greife zu Mangareihen und entspanne mich damit – unter anderem habe ich in diesem Monat schon die 14 Love-Hina-Bände gelesen (und dabei festgestellt, dass ich die Anime-Serie ein bisschen lieber mag, weil die Geschichte da früher endet und so einige Irrungen und Figuren wegfallen). Außerdem habe ich mir einen Band mit Sherlock-Holmes-Kurzgeschichten auf den Wohnzimmertisch gelegt und lese immer mal wieder eine davon.

Theoretisch könnte ich eine Rezension zu „Mit Miss Marple aufs Land“ schreiben, aber das schiebe ich vor mir her, weil meine Gedanken zu dem Titel noch nicht so richtig geordnet sind. Und ich hoffe, ich kann in den nächsten zwei Wochen genügend Motivation und Konzentration zusammenkratzen, dass ich „Der Atlantik“ noch vor dem Abgabetermin der Bibliothek fertigbekomme, denn der Titel ist schon vorgemerkt und kann deshalb nicht verlängert werden. Eigentlich hat das Buch gut angefangen, aber es benötigt doch etwas mehr Aufmerksamkeit als eine Kurzgeschichte, ein schon bekannter Roman oder ein locker-leichter Fantasy-Cozy-Mystery …

Was ich eigentlich sagen will: Hier auf dem Blog ist es gerade ruhiger und wird wohl noch eine Weile so bleiben, aber ich bemühe mich, ab und an ein Lebenszeichen zu hinterlassen und mich auch bei euch hier und da mit einem Kommentar zu melden. 🙂

Avery Hopwood (und Mary Roberts Rinehart): The Bat

Als ich nach Titeln von Mary Roberts Rinehart suchte, bin ich auch über „The Bat“ gestolpert. Nach den ersten zwei Kapiteln war ich ziemlich irritiert, denn die Handlung erinnerte mich sehr an „The Circular Staircase“. Nur wurde die Geschichte dieses Mal nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, der Anfang erinnerte mich eher an einen Edgar-Wallace-Roman als an einen von Mary Roberts Rinehart und es gab auf einmal sowohl einen unheimlichen Verbrecher, der seit langer Zeit sein Unwesen trieb, als auch einen mysteriösen japanischen Butler in dem Haus, in dem der Krimi spielt.

Meine Suche nach Avery Hopwood hat mich dann schnell darüber aufgeklärt, dass „The Circular Staircase“ wirklich die Grundlage für „The Bat“ war. Allerdings hat Avery Hopwood die Geschichte  für die Bühne gründlich umgeschrieben, in dem er nicht nur die beteiligten Personen reduziert, sondern eben auch mit der Figur „The Bat“ einen deutlich reißerischen Touch in die Handlung einbrachte. Zumindest gehe ich davon aus, dass das seinem Anteil zu verdanken ist, auch wenn unterschiedliche Aussagen dazu gibt, wie weit er an der Umsetzung der Geschichte als Theaterstück beteiligt war. Das Stück hatte zu seiner Zeit einen so großen Erfolg am Broadway, dass es dort zu 867 Aufführungen gebracht hat. Außerdem hat die Figur des Verbrechers „The Bat“ angeblich Bob Kane dazu inspiriert den Comichelden „Batman“ zu erschaffen.

Von all diesen Hintergrundinformationen abgesehen, finde ich die Geschichte in erster Linie amüsant. Sie wird – passend für ein Theaterstück – deutlich schneller erzählt als „The Circular Staircase“, die Handlung konzentriert sich auf einen einzigen Tag, und die Figuren werden weniger tief charakterisiert – auch wenn mir die Hauptfigur Cornelia Van Gorder sehr vertraut vorkommt, weil solche resoluten älteren Damen einfach gern in bestimmten Kriminalgeschichten verwendet werden. Außerdem fand ich es spannend, dass die ganze Geschichte – abgesehen vom Prolog – in zwei Räumen spielte wie ein Theaterstück, wobei der Raumwechsel den dritten Akt einleitet (auch wenn man das beim Lesen des Buches nicht bewusst wahrnimmt). Das führt dazu, dass ich als Leser die Handlung konzentrierter wahrgenommen habe, weil die charaktervertiefenden Szenen wegfielen, aber eben auch dazu, dass ich die Figuren – abgesehen von Cornelia Van Gorder – recht beliebig fand, weil ich so wenig über sie erfahren habe.

Dadurch, dass „The Bat“ für diese Variante eingeführt wurde, habe ich mich beim Lesen keinen Moment gelangweilt. Denn auch wenn ich den Fall und die Auflösung schon kannte, so kam durch diesen Verbrecher ein neues Rätsel in die Geschichte und so habe ich mir bei jeder Person, die das Haus betrat, Gedanken darüber gemacht, ob sie dieser Kriminelle sein kann und was dafür und dagegen spricht. Und während ich sonst bei Mary Roberts Rineharts Geschichten nicht das Gefühl habe, dass sie von etwas inspiriert wurden oder für einen anderen Autor als Vorlage dienten, so habe ich mich zwischendurch doch gefragt, ob sich Agatha Christie – die ja das Theater auch sehr mochte – nicht (unbewusst) von diesem Stück und der Identität des Täters für mindestens einen ihrer Romane hat inspirieren lassen. Auf jeden Fall zeigt „The Bat“, trotz aller vertrauter Zutaten, deutlich weniger von der Handschrift Mary Roberts Rinehart – und das fand ich mal spannend zu verfolgen.

Kelly Greenwood: Miss Phryne Fisher Investigated

Anfang der Woche habe ich „Miss Phryne Fisher Investigated“ von Kelly Greenwood gelesen, nachdem das eBook schon über zwei Jahren relativ unbeachtet auf meinem Reader saß. Entdeckt hatte ich die Reihe, als ich nach Büchern suchte, die so ähnlich wie die „Miss Daisy“-Romane sein sollten. Die Zeit (1920er Jahre) stimmte, dass die Handlung in Melbourne spielt fand ich reizvoll, aber die Schreibweise konnte mich beim ersten Anlesen nicht so recht packen. Inzwischen habe ich zwei Staffeln der Miss-Fisher-Serie mit Essie Davis gesehen, die Mila mir liebenswürdigerweise geliehen hatte, und fand es spannend beim Lesen die Unterschiede zwischen Original und Verfilmung zu beobachten.

In dem Roman ist es so, dass Phryne Fisher den Auftrag bekommt nach Australien zu reisen und das seltsame Verhalten von Lydia Andrews zu untersuchen. Ihre Eltern sind der Meinung, dass es ihrer Tochter bei ihrem Ehemann nicht gut geht. Es steht sogar der Verdacht im Raum, dass der Mann seine Frau zu vergiften versucht. So versucht Miss Fisher Fuß in der Melbourner Society zu fassen, um unauffällig die Bekanntschaft von Judith zu machen und mehr über die Frau und ihre Ehe herauszufinden. Außerdem macht sie die Bekanntschaft von zwei Taxifahrern (Cec und Bert), denen eine todkranke Frau ins Auto gesetzt wird, und die einer jungen Frau (Dot), die ihren ehemaligen Arbeitgeber töten möchte, weil er ihr nachgestellt hat.

Ich muss zugeben, dass ich den Roman auch dieses Mal nicht beendet hätte, wenn ich nicht die Serie (und die Schauspieler und ihre Darstellung der verschiedenen Charaktere) im Hinterkopf gehabt hätte. Kelly Greenwood beschreibt mir zu viel und ich finde die Kriminalfälle relativ langweilig. Auch finde ich die Charaktere in dem Buch nicht stimmig. So ist Dot zwar ein braves und gläubiges Mädchen, das eher zurückhaltend ist, auf der anderen Seite ist da die Einführungsszene, in der sie mit einem Messer bewaffnet auf ihren ehemaligen Arbeitgeber wartet und sich ohne Zögern oder Nachfragen von der ihr fremden Phryne zum Tee einladen lässt. Da finde ich die Figur in der Serie deutlich besser konstruiert und habe es so genossen, wie sie sich im Laufe der Zeit von einem schüchternen jungen Dienstmädchen zu einer selbstbewussten Frau entwickelt.

Auch die Fälle fand ich bei der Serie reizvoller, da komprimierter und stimmiger erzählt. Bei dem Roman hatte ich – zugegeben mit dem Wissen um die Erzählweise der Serie – das Gefühl, dass unnötig viele Nebenfiguren eingeführt wurden. Diese Nebenfiguren haben dafür gesorgt, dass die Handlung so ausfaserte und ich immer wieder überlegen musst, welche Figur wer war. Dazu kommt, dass der eine oder andere Handlungsstrang sehr schnell abgehandelt wird, während andere Schwerpunkte der Geschichte in einem Haufen belangloser Szenen erstickt werden.

Außerdem ist es natürlich für die Filme deutlich einfacher die Umgebung und die Mode der damaligen Zeit darzustellen. Während bei den Romanen Phrynes Outfits lang und breit beschrieben werden müssen – und ich diese Passagen überraschend langweilig formuliert fand – hat der Film den Vorteil, dass man mit einem Blick ihre jeweiligen Kleidungsstücke aufnehmen und würdigen kann. Und die Kostümbildnerin hat im Film wirklich einen tollen Job gemacht – so fantastische Outfits! Auch die Häuser und Räume fand ich in der Serie sehr gut gewählt, wenn auch stellenweise schon etwas kulissenhaft anmutend, aber das störte mich kaum, weil es einfach passte. Ein weitere Pluspunkt für die Serie ist die musikalische Untermalung, die sehr viel zur Atmosphäre beiträgt. Natürlich kann ich dem Buch nicht vorwerfen, dass dieser Punkt fehlt, aber ich habe die Musik so genossen, dass mir die kurze Erwähnung von Wagner und anderen klassischen Komponisten in den Romanen nicht gereicht hat. Schließlich hatte die Zeit musikalisch so viel zu bieten.

Um nicht nur über das Buch zu jammern: Ich fand die Figur der weiblichen Polizistin im Roman toll, auch wenn sie nur zwei Szenen bekam. Schade, dass sie es nicht in die Serie geschafft hat. Auf der anderen Seite hätte man ja dann die Polizeistation von der ersten Folge an mit mehr als zwei Personen besetzen müssen und es wäre schwieriger geworden eine Liebesgeschichte zwischen Dot und einem jungen Polizisten (der im Roman – bislang? – nicht vorkam) einzubauen, wenn dieser nicht ständig bei jedem Einsatz dabei sein müsste.