Alle Artikel von Konstanze

Sachbücher 2018

Auch in diesem Jahr habe ich wieder eine Extra-Liste für die gelesenen Sachbücher des Jahres. Selbst ohne die Sachbuch-Challenge hat sich das Ganze zu einer für mich liebgewonnenen Tradition entwickelt. In diesem Jahr hätte ich so gern stolz verkündet, dass ich endlich einige Sachbücher beendet (bzw. noch einmal von vorne angefangen und bis zur letzten Seite gelesen) habe, die aus den verschiedensten Gründen schon seit einigen Jahren darauf warten, aber stattdessen habe ich mich vor allem auf Sachbücher konzentriert, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte.

Mal schauen, wie es im kommenden Jahr so mit mir und den Sachbüchern läuft. Die angefangenen Titel habe ich ja immer noch und dazu noch sehr viele Sachbücher, die ich in den letzten Wochen geschenkt bekommen habe und auf die ich mich sehr freue! Ich glaube, ich sollte die Bibliotheksausleihen in dem Bereich mal etwas zurückfahren – mit einem Abgabetermin im Nacken liest es sich gerade nicht so gut, und ich habe Zuhause ja genügend Auswahl.

1. Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft – Geschichten aus einer Welt im Wandel

2. Fumio Sasaki: Das kann doch weg! Das befreiende Gefühl, mit weniger zu leben
Das Buch hatte ich mir aus der Bibliothek ausgeliehen, nachdem ich in einer Rezension dazu die Aussage las, dass die Person jetzt zwar nicht vom minimalistischen Lebensstil überzeugt sei, aber viele Anregungen für sich mitgenommen hätte. Für mich kann ich sagen, dass ich beim Lesen solcher Bücher nur jedes Mal wieder feststelle, dass mein Leben (und mein Kaufverhalten) absolut nichts mit dem dieser „Selbsthilfe“-Autoren gemein hat. Ich rege mich nur über viele der Aussagen auf, weil sie lediglich beweisen, was für unreflektierte und oberflächliche Menschen diese Autoren vor ihrer Entdeckung des Minimalismus waren. Gerade bei diesem Titel hatte ich am Ende auch oft das Gefühl, dass Fumio Sasaki (trotz aller gegenteiligen Beteuerungen) seinen Minimalismus vor allem deshalb so extrem betreibt, weil er damit (so wie früher mit all den angehäuften Sachen) andere Menschen beeindrucken will. Ein bisschen neidisch war ich beim Lesen allerdings auf den „Versteigerungsservice“, den es anscheinend in einigen Tokioter Vierteln gibt – so etwas hätte ich in meiner Stadt auch gern!

3. Christine Westermann: Da geht noch was – Mit 65 in die Kurve
Keine Ahnung, wo ich über das Buch gestolpert bin, aber es klang interessant (und war in der Bibliothek vormerkbar). Christine Westermann erzählt in kleinen Episoden von den Gedanken und Ängsten, die sie mit 65 geplagt haben, und wie sie für sich einen Weg gefunden hat, um wieder offener und optimistischer durchs Leben gehen zu können. Mit ein paar Aussagen konnte ich mich identifizieren, andere fand ich befremdlich – wie es nun mal so ist, wenn man einen kleinen Einblick in ein fremdes Leben bekommt. Vorher hatte ich mir über Christine Westermann als Person keine Gedanken gemacht, sondern nur ihre Freude am Lesen genossen, wenn ich mal über eine Sendung mit ihr gestolpert bin. Nun werde ich mich vermutlich aber jedes Mal, wenn ich sie im Fernsehen sehe, fragen, welche Gedanken sie mit der jeweiligen Aufzeichnung verbindet. *g*

4. Colin Odell und Michelle LeBlanc: Studio Ghibli – The Films of Hayao Miyazaki and Isao Takahata
Um das Sachbuch bin ich schon länger rumgeschlichen, weil ich die meisten Filme aus dem Studio Ghibli sehr mag und mir mehr Hintergrundwissen durch das Buch erhofft hatte. Es war auch sehr interessant, hat mir aber wenig neues Wissen und dafür eher schon bekannte Dinge in Erinnerung gebracht. Wenn man mehrere Ghibli-Filme aufmerksam gesehen hat, dann kann man gar nicht anders, als bestimmte Elemente festzustellen, da braucht es dieses Werk eigentlich gar nicht. Auch fand ich es ein bisschen schwierig, dass die beiden Autoren eindeutig große Ghibli-Fans sind und so alles einfach nur großartig gefunden wurde, während ich mir sicher bin, dass man bei einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema vielleicht doch den einen oder anderen Kritikpunkt finden könnte. Insgesamt hat mir das Buch, das mit gut 150 Seiten recht dünn ist, vor allem große Lust darauf gemacht, meine Ghibli-DVDs rauszukramen und noch einmal zu sehen.

5. Astrid Lindgren und Louise Hartung: Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

6. Richard Briers: Coward and Company – A Light-hearted and Affectionate Evocation of Noël Coward and his World
In diesem Buch plaudert Richard Briers über Noël Cowards Werdegang, erzählt Anekdoten, die mit Coward in Verbindung gebracht werden, oder von seinen eigenen Begegnungen mit Noël Coward. Man merkt schon sehr deutlich, dass Richard Briers, der selbst Schauspieler war, sehr große Verehrung für Noël Coward empfand, was einerseits nett zu lesen ist, mir aber auch das Gefühl gibt, er hätte komplett unreflektiert sämtliche Anekdoten über Coward in seinem Büchlein versammelt, ohne über die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Geschichte nachzudenken. Insgesamt ist „Coward and Company“ eine amüsante Lektüre, die aber vermutlich noch unterhaltsamer ist, wenn man sich besser mit Noël Cowards Werk und den Künstlern seiner Zeit auskennt als ich.

7. Anne-Ev Ustorf: Wir Kinder der Kriegskinder – Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs
Das Buch war mir empfohlen worden, nachdem ich über Twitter darüber geredet hatte, dass ich einige Erziehungsmethoden meiner Mutter in einem Artikel über einen Erziehungsratgeber, der während der Nazi-Zeit sehr populär war, wiedergefunden hatte. Es gibt einige Aspekte in diesem Buch, wenn es um das Menschenbild der Nazi-Zeit und die Folgen dieser Sicht auf den Menschen und der Kriegserlebnisse auf die nachfolgende Generation geht, die ich interessant fand. Auf der anderen Seite hat es mich schrecklich gestört, dass die Autorin keine Belege oder Zahlen für ihre Behauptungen liefert, sehr viel mit „vermutlich“ und „wahrscheinlich“ arbeitete und immer wieder ihre Familienverhältnisse in das Thema hat einfließen lassen, so dass ich nie beurteilen konnte, ob an ihren Aussagen etwas dran ist oder ob sie da nur eine persönliche Erfahrung verallgemeinert.

Was schön war (6)

Ein Überraschungspaket mit einem Online-Adventskalender-Gewinn bekommen,
obwohl ich schon ganz vergessen hatte,
dass ich überhaupt daran teilgenommen hatte.
(Mal schauen, wie mir der gewonnene
Online-Yoga-Kurs im kommenden Jahr gefällt. *g*)

Ob eine zweite Yoga-Matte im Haus dazu führt, dass mein Mann demnächst „mitsportelt“? 😉

Sich doch noch zum Keksebacken aufraffen können,
weil mein Mann seine Hilfe versprochen hat,
und deshalb das letzte Adventswochenende mit
selbstgebackenen Keksen genießen können.

Zimt-Plätzchen, Espresso-Schokosplitter-Plätzchen, Orangen-Schokosplitter-Plätzchen

Gemütliche Feiertage mit meinem Mann verbringen,
mit der Katze auf dem Sofa kuscheln und dabei
lauter neue Bücher vor der Nase
und genügend Zeit zum Lesen haben.

Frohe Feiertage!

Nachdem bei uns beiden die Erkältung langsam auf dem Rückzug ist, werden mein Mann und ich hoffentlich gemütliche und entspannte Feiertage miteinander verbringen können. Während mein Mann für seine Urlaubszeit schon einige Termine ausgemacht hat, an denen er mit seinen Kollegen Brettspiele spielen will, werde ich meine Zeit aufteilen zwischen „mit einem Haufen Bücher einrollen und lesen, lesen, lesen“ und „ein paar Dinge auf die Reihe bekommen, die in den letzten Wochen liegengeblieben sind“. Ich freu mich auf jeden Fall auf die für uns etwas ruhigere Zeit „zwischen den Jahren“!

Euch wünsche ich, dass die kommenden Tage ganz wunderbar und möglichst harmonisch verlaufen. Habt eine schöne Zeit, egal, ob ihr sie allein, mit einer Katze auf dem Schoß oder inmitten einer trubeligen Familie verbringt. Gönnt euch ein leckeres Essen, genießt die Auszeit vom Alltag und kümmert euch gut um euch und diejenigen, die euch am Herzen liegen.

Ich wünsche euch ruhige, stressfreie und erholsame Feiertage!

Catherine Fisher: The Clockwork Crow

„The Clockwork Crow“ von Catherine Fisher gehört zu den vielen Büchern, die mir in den letzten Monaten in meiner englischsprachigen Timeline bei Twitter untergekommen sind und die so gut klangen, dass sie direkt auf dem Wunschzettel gelandet sind. Die Handlung erinnert auf den ersten Blick an verschiedene britische Kinderbuchklassiker, aber es gibt genügend Wendungen und Elemente, um „The Clockwork Crow“ zu einer ganz eigenen Geschichte voller kleiner Besonderheiten zu machen. Der Leser lernt die Protagonistin Seren Rhys kennen, als sie gerade mitten im Schneegestöbert auf einem Bahnsteig auf den Zug wartet. Das Mädchen hat nach dem Tod seiner Eltern zwölf Jahre in einem Waisenhaus gelebt, um dann eine kurze Zeit bei seiner Großtante Grace unterzukommen. Jetzt, nachdem Großtante Grace verstorben ist, soll Seren von ihrem Patenonkel Captain Arthur Jones und seiner Familie aufgenommen werden, was bedeutet, dass sie die lange Bahnfahrt nach Wales auf sich nehmen muss.

Bevor ihr Zug noch am Bahnsteig eintrifft, bekommt Seren von einem geheimnisvollen und sehr ängstlichen Mann ein Päckchen übergeben, das sie für ein paar Minuten sicher aufbewahren soll, bis er es wieder abholt. Doch als der Fremde nach der vereinbarten Zeit nicht zurückkehrt, nimmt Seren das Päckchen mit, als endlich ihr Zug abfährt. In Plas-y-Fran, dem Haus von Captain Jones, angekommen, muss Seren feststellen, dass die Familie in London weilt und sie ganz allein mit der Haushälterin und einem weiteren Angestellten in dem düsteren und unheimlichen Haus wohnen soll. Obwohl Seren schon so lange Zeit von einem gemütlichen Weihnachtsfest im Kreis einer liebevollen Familie geträumt hat, versucht sie, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Doch die Tatsache, dass sie ständig über Regeln und Verbote stolpert, deren Sinn sich ihr nicht erschließt, und dass es ein unheimliches Geheimnis rund um Captain Jones‘ Sohn Tomos zu geben scheint, das eng mit Plas-y-Fran verknüpft ist, lassen ihr keine Ruhe. Gemeinsam mit der mechanischen und verzauberten Krähe aus dem Päckchen, das sie am Bahnhof in ihre Obhut genommen hat, versucht Seren, die diversen Geheimnisse in ihrem neuen Zuhause zu lüften.

Grundsätzlich habe ich eh schon eine Schwäche für diese Art britische Kinderbücher, aber bei „The Clockwork Crow“ kamen angenehmerweise zu einer klassischen Handlung auch noch viele unvertraute Elemente hinzu, die ich sehr mochte, und eine Protagonistin, die ich schnell ins Herz geschlossen hatte. Seren ist kein traditionelles braves Mädchen, das es allen recht machen will, sie ist aber auch keine Mary Lennox, die erst einmal lernen muss, dass ihre eigenen Bedürfnisse nicht wichtiger sind als die der anderen. Aber Seren ist enttäuscht von der Situation in Plas-y-Fran und frustriert von all den Erwachsenen, die ihre Fragen nicht beantworten wollen, und sie hat keine Hemmungen, diese Gefühle auch offen zu zeigen. Gerade mit der Haushälterin Mrs. Villiers gerät Seren regelmäßig aneinander, obwohl sie nicht bewusst aufsässig oder verletztend sein will. Außerdem ist Seren sehr mutig und riskiert am Ende nicht nur ihre Freiheit, sondern sogar den Verlust ihres neuen Zuhauses, um das Geheimnis von Plas-y-Fran zu lüften und der Familie Jones zu helfen.

Ich mochte Serens offene und aufmüpfige Art sehr und ich mochte ihr Interagieren mit der mechanischen Krähe, die nicht gerade ein aufmerksamer und liebenswerter Helfer ist, aber gerade deshalb für einige amüsante Szenen in der Geschichte verantwortlich ist. Dazu kommt die wunderbar düster-viktorianische Atmophäre, die Catherine Fisher in „The Clockwork Crow“ heraufbeschwört und die anfangs wenig greifbare, aber überaus präsente Bedrohung durch Personen, vor denen anscheinend jeder, der von ihnen weiß, große Angst hat. Dass die ganze Geschichte dann noch in einem vernachlässigt wirkenden eingeschneiten Herrenhaus spielt, ist eigentlich nur noch das Tüpfelchen auf dem i und macht „The Clockwork Crow“ zur perfekten „Vorweihnachtslektüre“ – vor allem, da man sich bei einem Kinderbuch darauf verlassen kann, dass am Schluss trotz aller Widernisse und Gefahren ein glückliches Ende auf die Protagonistin warten wird.

Kleinigkeiten?

Nachdem ich ja endlich wieder Zugriff auf meine alten Bücherschätze habe, gehe ich immer wieder am Regal vorbei und schaue, welche Erinnerungen ich mit bestimmten Romanen verbinde. Besonders häufig mache ich das bei den Büchern, bei denen ich daran denken muss, dass ich beim Lesen nicht immer glücklich mit der Geschichte oder mit bestimmten Details war, obwohl ich insgesamt schöne Erinnerungen an das Buch habe. So nach und nach will ich diese Titel lesen, um herauszufinden, ob ich die jeweilige Geschichte behalten möchte oder nicht – es sind die Bücher, bei denen mir eine Entscheidung schwerfällt und für die ich mir deshalb eben auch mehr Zeit nehmen möchte.

Einen dieser Roman habe ich in den letzten Tagen wieder gelesen und mich für das Behalten entschieden, weil es genügend Momente in der Handlung gab, die mich berührt oder die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Auf der anderen Seite gab es so viele Kleinigkeiten, über die ich gestolpert bin und die mich irritiert haben, dass mir wieder einmal auffiel, wie wichtig es für mich als Leser ist, dass Autoren diese kleinen Elemente in ihren Büchern stimmig beschreiben. Bei diesem Buch ging es in der Handlung um eine junge Frau, die – weil es sich zufällig so ergibt – neben ihrem Hauptjob eine Karriere im Catering startet. Was passend ist, denn in ihrem Hauptjob kocht und backt sie für ein Café – wobei mich da beim Lesen schon immer die Frage beschäftigt, warum sie all das Kochen und Backen von Zuhause erledigen muss und wieso es niemanden interessiert, ob die Küche in ihrem gemieteten Häuschen überhaupt irgendwelchen Regeln des Gesundheitsamts entspricht. Das ist anscheinend eine ganz normale Küche ohne größere Küchengeräte, und alles was in dem Roman betont wird, ist die Gemütlichkeit der Küche.

Später in der Handlung ist immerhin die Rede davon, dass sie für das Catering einen Gewerbeschein benötigt und sich dann auch eine Gefriertruhe und ein paar andere Sachen anschaffen muss, die keinen Platz in ihrer gemütlichen Küche finden können. Aber nie gibt es auch nur einmal die Andeutung, dass jemand, der professionell kocht, auch eine dementsprechende Ausstattung benötigt, auf Hygiene und Gesundheit zu achten hat und vielleicht nicht unbedingt einen süßen kleinen Kater in der Küche haben sollte, während Lebensmittel verarbeitet werden.

Ein weiterer Punkt war eine Abmachung mit einer Freundin, für die die Protagonistin ein großes Abendessen vorbereitete, damit die Freundin ihre Schwester plus Familie beeindrucken kann. Weil die Freundin nicht so viel Geld hat, vereinbaren die beiden Frauen als Bezahlung einen Pullover für das Drei-Gänge-Menü – und ich stehe da und werde sauer, weil mir die Autorin das Gefühl gibt, dass die Protagonistin der Freundin mit diesem Deal einen total großen Gefallen tut. Was bedeutet, dass das Stricken der Freundin als weniger wertig eingeschätzt wird als das Kochen der Protagonistin. Und ja, ein Drei-Gänge-Menü ist nicht billig und die Vorbereitung kostet Zeit, aber ein Pullover entsteht auch nicht aus dem Nichts und nur weil das Stricken das liebste Hobby der Freundin ist, bedeutet das doch nicht, dass die Wolle vom Himmel fällt und so ein Kleidungsstück mal eben an einem Abend gefertigt werden kann.

Bei solchen Handarbeits-/Handwerkelementen fällt es mir in Romanen besonders oft auf, wenn Autoren keine Ahnung vom Arbeitsaufwand oder Materialwert einer Sache haben. Aber manchmal reicht es mir auch schon, wenn jemand eine Figur beschreibt, die zwei Jobs hat, alleinerziehend ist und trotzdem eine perfekt geputzte und aufgeräumte Wohnung hat. Natürlich gibt es solche Menschen, aber bei mir entsteht dann das Gefühl, dass es dem Autor viel wichtiger gewesen ist, dass seine Person zwar arm, aber nicht verwahrlost ist, als sich zu überlegen, dass jemand, der zwei Jobs plus Kinderbetreuung stemmen muss, vielleicht auch mal so etwas wie eine Auszeit oder Schlaf benötigt.

Es gibt Dutzende solcher Kleinigkeiten, die mich bei Geschichten ärgern, und die drehen sich nicht mal unbedingt darum, dass ich einen gewissen Realismus in einer fiktiven Geschichte erwarte, sondern darum, dass bestimmte Elemente die Vorurteile des jeweiligen Autors zeigen. Vorurteile, die nicht nur an dieser einen Person hängen, die da gerade eine Geschichte schreibt, sondern die allgemein so verbreitet sind, dass sie uns allen viel zu selten auffallen, wenn wir nicht gerade in dem Bereich aus irgendeinem Grund etwas aufmerksamer oder sensibler sind. Ich persönlich bin im Laufe der Jahre immer empfindlicher geworden, wenn es um solche Elemente geht, und merke immer häufiger, dass ich mich an solchen Kleinigkeiten stoße – obwohl ich über viele Dinge hinweglesen kann, wenn mich eine Geschichte richtig gepackt hat. Auf der einen Seite finde ich es schön zu merken, dass ich aufmerksamer werde, auf der anderen Seite wünschte ich mir, es gäbe nicht so viele Kleinigkeiten in all den netten Romanen, über die ich mich aufregen könnte.

Lese-Sonntag im Dezember

Momentan leide ich wirklich unter einem akuten Anfall von „Wie schnell die Zeit vergeht!“. 😉 Heute ist also schon der dritte (Advents-)Sonntag im Dezember (nur noch zwei Wochen und das Jahr ist schon wieder vorbei) und damit auch der letzte Lese-Sonntag in diesem Jahr. Was bedeutet, dass wir nun schon seit über einem Jahr regelmäßig den dritten Sonntag im Monat als Lese-Sonntag miteinander verbringen – schön, dass sich das so bewährt hat! Ich gehe mal davon aus, dass das im kommenden Jahr so weiterläuft, oder?

Was den heutigen Lesetag angeht, so habe ich bislang so gar keine Pläne. Nachdem es mir in der vergangenen Woche eigentlich wieder gut ging, hat mich Freitagabend die/eine Erkältung wieder erwischt, was dafür gesorgt hat, dass ich die Hälfte des gestrigen Tages auf dem Sofa verdöst habe. Den Rest der Zeit habe ich mit Netflix (sehr entspannende Gartensendungen *g*) und einem nicht besonders gut geschriebenen eBook verbracht – zum Glück habe ich die Geschichte gestern schon ausgelesen und muss nun nicht mehr die ganze Zeit meinem Mann erzählen, was mich daran gestört hat. 😉 Allerdings stellt mich das wieder vor die Frage, was ich als nächstes lese. Eigentlich hatte ich „Congress of Secrets“ von Stephanie Burgis angefangen und ich mag sehr, sehr viele Elemente an dem Roman. Die Handlung spielt während des Wiener Kongress im Jahr 1814, die Protagonistin Caroline/Karolina ist mir sympathisch, ich bin neugierig auf die Hintergründe der Geschichte und ich mag den fantastischen Anteil inklusive der verwendeten Alchemie und die sehr düstere Atmosphäre. Dummerweise kann ich den Protagonisten Michael nicht leiden und sein Verhalten hat im Laufe der letzten Kapitel zu immer größerer Frustration bei mir gesorgt, was der Grund ist, warum ich gerade nicht weiterlesen mag. Ich bin mir zwar sicher, dass er im Laufe der Geschichte ein „besserer“ Mensch wird, aber aktuell mag ich den Weg dahin nicht verfolgen.

Vielleicht greife ich einfach mal zu einem der Krimis, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen habe …

Update 12:45 Uhr

Ich habe keine Ahnung, wo die letzten Stunden geblieben sind, aber in einem Buch habe ich in der Zeit nicht gelesen. 😉 Dafür habe ich den Blick aus dem Fenster genossen, der auch für uns ausnahmsweise mal Schnee bietet – ich kann gar nicht genug von der weißen Pracht bekommen und freue mich sehr, dass es weiterhin schneit! Ansonsten habe ich eine Blogrunde gedreht, meinem Mann zugehört, der mir von seinem aktuellen Spiel (Civ VI – aktuell versucht er die Welt davon zu überzeugen, dass Mothraismus die einzig wahre Religion ist) erzählt hat, einem Impuls folgend spontan ein Buch als Geschenk bestellt (dabei war ich doch so stolz, weil ich eigentlich alle Bestellungen für dieses Jahr erledigt hatte) und habe während des Frühstücks die Leseprobe zu dem ersten Band der „Vintage Trailer Mysteries“ gelesen, die Helma in ihrem aktuellen Blogbeitrag erwähnt hatte.

Es ist schon lustig, dass ich so viele Bücher bei der Hand habe und nun um ein eBook-Bundle rumschleiche, weil die Leseprobe so nett klingt … Bevor ich überlege, womit ich die nächsten Stunden verbringe, muss ich erst einmal Christie versorgen. Da sie so schön bei meinem Mann auf den Beinen geschlafen hat, haben wir die Fütterungszeit spontan verschoben, aber so langsam wird es dann doch Zeit dem Kätzchen frisches Futter hinzustellen. 😉

Update 19:00 Uhr

Nach dem Katzenfüttern (den Plural werde ich bei dem Wort wohl nicht mehr los) ging es für mich mit Wärmflasche und Switch auf die Couch, während mein Mann im Durchgangszimmer ein Brettspiel spielte. Der arme Kerl durfte heute so tun, als wäre er drei Personen, um sein neustes Spiel auszuprobieren – nicht nur, weil ich mich nicht gut genug zum Spielen füllte, sondern auch weil das kein Spiel ist, das ich gern spiele. Als mir beim Pokémon fangen so langsam die Augen zuzufallen drohten, wechselte ich dann zu Tee und eBook – denn natürlich bin ich doch noch bei dem Cozy-Bundle schwach geworden. Die erste Geschichte habe ich inzwischen gelesen – was insgesamt ca. 100 Seiten waren und nach dem Lesen der relativ langen Leseprobe nicht mehr so viel Zeit benötigte. Während nebenan mein Nachbar lauthals mit seinem Besuch redete, sind mir dann doch die Augen zugefallen und ich habe bis kurz vor 19 Uhr geschlafen. Jetzt wird es Zeit das Abendessen zu machen und dann werde ich vermutlich heute nur noch „Blümchen gießen“ und „Wir sind keine Engel“ sehen – ich glaube, der Film ist heute genau das richtige. 🙂

 

Update 23:00 Uhr

Der restliche Abend verging dann wirklich mit Abendessen, „Blümchen gießen“ und „Wir sind keine Engel gucken. Den Film hatte ich mir im November auf DVD gegönnt, nachdem ich mal wieder darüber gejammert hatte, wie selten diese alten Filme noch im Fernsehen zu sehen sind. Früher konnte man sich immerhin darauf verlassen, dass über das Jahr auf den dritten Programmen ein großer Teil alter Filmklassiker gesendet wurde, aber irgendwie scheinen die Zeiten vorbei zu sein. Ich mag die Geschichte von „Wir sind keine Engel“ sehr gern – eine der schönsten weihnachtlichen Geschichten (und das ohne Schnee! 😉 ) mit wunderbaren Charakteren und einem leisen Humor, der mir wirklich zusagt. Heute habe ich den Film zum ersten Mal auf Englisch geschaut und war mal wieder überrascht, wie gut ich inzwischen die Sprache verstehe und wie wenig ich auf die Untertitel angewiesen bin. 🙂 Nachdem es jetzt endlich mit dem Hochladen der Bilder (das hat heute schrecklich lange gebraucht) geklappt hat, falle ich jetzt auch ins Bett. Ich hoffe, ihr habt einen guten Start in die Woche und wenig Stress in den letzten Tagen vor Weihnachten! 🙂

Tansy Rayner Roberts: Power and Majesty (The Creature Court 1)

Obwohl ich bislang von Tansy Rayner Roberts vor allem humorvolle Fantasy gelesen habe, war es lustigerweise die Creature-Court-Reihe, die mich überhaupt erst auf die Autorin gebracht hatte. Irgendwie war ich über einen Kickstarter der Autorin gestolpert, mit dem sie die Neuauflage der drei Romane und die Veröffentlichung einer neuen Novella finanzieren wollte und weil die Bücher gut klangen und ich sehr viele Geschichten für einen überschaubaren finanziellen Beitrag bekommen sollte, habe ich mitgemacht. Am Ende hat das dazu geführt, dass ich mich seit ein paar Monaten mehr oder weniger systematisch durch Tansy Rayner Roberts‘ Veröffentlichungen lese und relativ hemmungslos die eBooks nachkaufe, die mir zur Vervollständigung der verschiedenen Reihen fehlen – für die Autorin hat sich mein Anteil an diesem Kickstarter definitiv gelohnt und ich beschwere mich auch nicht über all die Lesestunden, in denen ich mich bislang gut unterhalten gefühlt habe. 😉

Während bislang eigentlich alles sehr humorvoll gehalten war, was ich von Tansy Rayner Roberts gelesen habe, ist die Creature-Court-Reihe eher düstere Fantasy mit „Flappers“, Gestaltwandlern und einer nächtlichen Welt voller Kämpfe, Intrigen und Gefahren. Ich muss gestehen, dass bei „Power and Majesty“ der Flapper-Anteil relativ spät kommt und ich die Geschichte anfangs – dank der diversen Feiertage und Bezeichnungen – grob in „modernen“ römischen Zeiten einordnete. Aber auch ohne spürbaren 20er-Jahre-Anteil in den ersten Kapiteln fand ich die Grundidee hinter dieser Geschichte und den Ausbau der Welt von der ersten Seite an sehr cool. Den Großteil der Handlung verfolgt man aus den Perspektiven von Velody und Ashiol, die anfangs zwei vollkommen gegensätzliche Leben führen.

Während Velody zur Schneiderin ausgebildet wird und ihre größten Probleme in den ersten Jahren darin liegen, dass sie sich in der – für ein Mädchen aus einer Kleinstadt – überwältigend großen Stadt Aufleur nicht wohlfühlt, in die sie für sieben Jahre zur Ausbildung geschickt wird, kämpft Ashiol nachts über den Dächern von Aufleur um das Überleben der Stadt und gegen den Wahnsinn seines Herrschers. Velody weiß ebensowenig wie die restlichen Bewohner von Aufleur von den Ereignissen, die Nacht für Nacht unter und über der Stadt stattfinden. Ihr Leben wird von eher alltäglichen Begebenheiten und den diversen Feiertagen, die in Aufleur begangen werden, bestimmt. Einzig die Tatsache, dass sie – ebenso wie ihre beiden Freundinnen Delphine und Rhian – einige Erinnerungslücken bezüglich ihrer Vergangenheit hat, beunruhigt Velody. Erst als sie gegen ihren Willen in die Ereignisse rund um den Creature Court verwickelt wird, findet sie heraus, was diese Erinnerungslücken verursacht hat und welche Kämpfe in der Nacht gefochten werden.

Wirklich neu ist die Idee rund um den Creature Court eigentlich nicht. Die Autorin mischt da eine Gruppe von Gestaltwandlern mit einer gewalttätigen Lebensweise, seltsamen Abhängigkeitsverhältnissen, Sex und einer Spur von Vampirismus und packt dazu den großen nächtlichen Kampf gegen den Himmel. Keines dieser Elemente würde mich packen, wenn Tansy Rayner Roberts nicht auf der einen Seite wirklich toller Charaktere geschaffen hätte und es auf der anderen Seite nicht immer wieder großartige und überraschende Entwicklungen zwischen Velody und dem Creature Court geben würde. Da Velody erst als erwachsene Frau zu dieser dunklen Gesellschaft stößt und vollkommen unbelastet ist von all den Vorgeschichten, Intrigen und Verbindungen, sind ihre Handlungen für die anderen Beteiligten unberechenbar, während sie selbst alles dafür tut, um innerhalb der Möglichkeiten, die der Creature Court bietet, so menschlich wie möglich zu bleiben.

Durch all die überraschenden und ungewöhnlichen Elemente in „Power and Majesty“ fand ich diese Fantasygeschichte erstaunlich packend und erfrischend zu lesen. Ich habe die verschiedenen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen schnell ins Herz geschlossen, und vor allem freue ich mich sehr, dass ich mit „The Shattered City“, „Reign of Beasts“ und „Cabaret of Monsters“ noch einige Geschichten in dieser seltsamen und düsteren Welt vor mir habe und noch mehr Abenteuer mit Velody, Ashiol und den anderen Mitglieder des Creature Court erleben darf. Ich freu mich wirklich darüber, dass es der Autorin so gut gelungen ist, aus vertrauten und inzwischen eigentlich wenig reizvollen Urban-Fantasy-Aspekten eine solch ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte zu schaffen.

Adventsstimmung

So richtig bin ich in diesem Jahr nicht in Vorweihnachtsstimmung, was auch der Grund ist, warum ich nicht an Arianas Adventslesen teilnehme. Dabei genieße ich sonst diese letzten Wochen im Jahr sehr und nutze die Zeit, um langsam runterzufahren, Pläne für das kommende Jahr zu machen und mir Zeit für mich und meine Lieben zu nehmen. Außerdem habe ich im Laufe des Jahres das eine oder andere Buch zur Seite gelegt, weil ich dachte, dass es perfekt in die Advents-/Winterzeit passen würde, und es wäre zu ärgerlich, wenn ich diese Romane noch ein Jahr auf dem SuB liegenlassen würde, nur weil ich gerade das Gefühl habe, ich wäre nicht in der richtigen Stimmung.

Mit dem Dekorieren wird es vermutlich nichts in diesem Jahr. Durch die neuen Regale, das Ausräumen der Kisten und Umräumen der Inhalte, die keine Bücher sind, ist die Weihnachtdeko an einem Ort gelandet, der dafür sorgt, dass das Rausholen mehr Arbeit verursacht, als ich mir gerade damit machen will. Aber ich versuche trotzdem ein paar „Traditionen“ durchzuziehen und zu genießen und ich habe meine „aufgesparten“ Bücher auf einen separaten Stapel gelegt und mir vorgenommen, immer mal wieder eins davon anzulesen und zu schauen, ob mit den ersten Seiten doch noch die richtige Stimmung zum Lesen kommt.

Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
Abi Elphinstone: Sky Song
Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
Sarah Rees Brennan: In Other Lands
Catherine Fischer: Clockwork Crow
Stephanie Burgis: Congress of Secrets
Kate Milford: Ghosts of Greenglass House

 

Wenn ich mich in den nächsten Tagen noch zum Plätzchenbacken aufraffen kann, wird das vielleicht ja doch noch etwas mit der Vorweihnachtsstimmung bis zum 24. Dezember! 😉

Euch wünsche ich auf jeden Fall eine gemütliche, stressfreie und atmosphärische Zeit bis zu den Feiertagen!

Andrew Sean Greer: Mister Weniger

Ich muss gestehen, dass „Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer kein Buch ist, das ich von mir aus spontan in der Bibliothek ausgeliehen hätte. Aber Helma hatte so eine liebevolle Rezension zu dem Titel geschrieben, dass ich doch Lust bekam, die Geschichte zu lesen und deshalb den Roman in der Bibliothek vormerkte. Arthur Weniger ist ein liebenswerter, etwas chaotischer und häufig überraschend hilflos wirkender Autor, dessen Flucht vor der Hochzeit seines Geliebten Reise ich gern verfolgt habe. Neun Jahre lang hatten Arthur und Freddy eine lockere Beziehung, und erst als Freddy verkündet, dass er einen anderen Mann heiraten wird und Arthur deshalb nicht wiedersehen kann, wird Arthur bewusst, was für ein großer Verlust das für ihn sein wird. Um nicht auf der Hochzeit auftauchen und gute Miene zu dieser neuen Entwicklung machen zu müssen, nimmt Arthur lauter Reiseangebote an, die er normalerweise ablehnen würde.

So reist Arthur Weniger quer durch die Welt und moderiert eine Veranstaltung in New York, die zu Ehren anderer Autoren abgehalten wird, wird zu einer anderen Veranstaltung in Mexiko eingeladen, um über einen berühmten Autor zu reden, mit dem er viele Jahre zusammenlebte, und besucht eine Preisverleihung in Italien, von der er noch nie zuvor gehört hatte. Außerdem übernimmt Arthur eine Dozentenstelle in Berlin, macht Urlaub in Marokko, versucht in Indien einen Roman zu schreiben und bespricht ein traditionelles Menü in Kyoto. So vielfältig wie seine Reiseziele und Tätigkeiten sind auch die großen und kleinen Probleme, mit denen sich Arthur auf seiner Reise konfrontiert sieht, was zu einigen wunderbar amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig bekommt man Stück für Stück Arthurs Erinnerungen rund um sein Liebesleben und seine Entwicklung als Autor präsentiert und lernt zu verstehen, was den Charme dieses unbeholfenen Mannes ausmacht und wieso er trotz all seiner Ängste bislang immer irgendwie seinen Weg durchs Leben gefunden hat.

Helma hatte auf jeden Fall recht, als sie den Roman als „Wohlfühlbuch“ bezeichnete, und ich fand das Lesen wirklich angenehm. Zwischendurch hatte ich sogar überlegt, warum ich nicht häufiger solche Bücher lese, kam dann aber zu der Erkenntnis, dass diese Variante – so unterhaltsam sie auch geschrieben sein mag – in der Regel von mittelalten weißen Männern erzählt, und das ist ein Thema, das ich nicht so häufig im Zentrum meiner Romane haben mag. Es ist schade, dass es keine vergleichbaren Geschichten aus weiblicher Sicht gibt – oder kennt einer von euch einen ähnlichen Roman von einer Autorin? Oder ist diese melancholisch-ironisch-intellektuelle Perspektive einzig Männern vorenthalten, während Frauen sich auf fluffig-amüsante Romane beschränken (müssen?), in denen die Protagonistin von einem Tag auf den anderen ihre erfolgreiche, aber ungeliebte Karriere oder ihr Leben als unerfülltes Hausmütterchen hinwirft und ihr belächeltes Hobby erfolgreich zum Beruf macht oder ein Café eröffnet?

Aber nun gut, ich möchte nicht an „Mister Weniger“ auslassen, dass in bestimmten Bereichen nur bestimmte Autoren veröffentlicht werden, denn Andrew Sean Greer kann ja nichts dafür, dass mir beim Lesen seines Romans und angesichts des auffälligen Mangels an weiblichen Figuren so viele Gedanken über den Buchmarkt durch den Kopf gingen. Genauso wenig kann man dem Autor vorwerfen, dass der deutsche Verlag beschlossen hat, den Namen des Protagonisten von „Less“ in Weniger zu ändern oder dass vermutlich einiges an Wortwitz durch die Übersetzung verloren ging. Zumindest fällt es mir anhand des deutschen Textes schwer zu verstehen, warum gerade diese Geschichte mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich Arthur gern auf seiner Reise durch die Welt begleitet und seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Gegenwart interessiert verfolgt habe.

Mira Grant: Into the Drowning Deep

Mira Grants (Seanan McGuires) Romane gehören zu den wenigen Horrorgeschichten, bei denen ich mich auf das Lesen wirklich freue, obwohl Horror eigentlich so gar nicht mein Genre ist. Aber bei dieser Autorin gibt es immer eine spannende Mischung aus Wissenschaft und Horror, aus ruhigen Passage, die die Welt und die Figuren einführen, und diesen Momenten, die dir als Leser das Herz brechen. Bei „Into the Drowning Deep“ nimmt sich Mira Grant erst einmal Zeit, um die Vorgeschichte zu erzählen (die Geschichte der Atargatis wurde 2015 von Subterranean Press mit dem Titel „Rolling in the Deep“ veröffentlicht) und die Charaktere einzuführen.

Wer bei einem „Horrorroman“ auf die erste Leiche hinfiebert, muss sich bei „Into the Drowning Deep“ fast 150 Seiten lang gedulden. Stattdessen bekommt der Leser eine Welt der nahen Zukunft vorgestellt, in der die anhaltende Umweltverschmutzung zu gravierenden Veränderungen im Lebensstil der Menschen geführt hat und in der die Unterhaltungsfirma Imagine unter anderem mit Dokumentationen, in denen diversen mythischen Wesen nachgespürt wird, ein Vermögen gemacht hat. Dass bei diesen Filmen immer nur herauskommt, dass es mythische Wesen wie Einhörner und ähnliches nicht gibt, scheint einen besonderen Reiz dieser Dokus auszumachen – zumindest bis zu dem Tag, an dem die Crew des Schiffs Atargatis mitsamt dem darauf befindlichen Filmteam und diversen Wissenschaftlern spurlos verschwindet, nachdem sie sich auf die Suche nach Meerjungfrauen gemacht hatten. Einzig einige Filmaufnahmen, die automatisch in eine Cloud hochgeladen wurden, gaben einen Hinweis darauf, was mit all den Personen geschehen sein könnte – und darauf, dass die Legenden rund um Meerjungfrauen nicht ganz so absurd und vor allem deutlich schrecklicher sein könnten, als je ein Mensch vermutet hätte.

Sieben Jahre später stattet Imagine ein riesiges Forschungsschiff aus, um sich noch einmal auf die Spur der Meerjungfrauen zu machen. Die Firma hat den Image-Verlust durch die gescheiterte Atargatis-Mission nicht verwunden, und auch die finanziellen Einbußen machen sich bemerkbar. Eine neue Forschungsreise, mit der nicht nur die Existenz – und somit die Unschuld Imagines an dem Schicksal der Besatzung der Atargatis – bewiesen werden kann, würde nicht nur den Ruf des Konzerns wiederherstellen, sondern auch so einige Möglichkeiten bieten, um die Verluste der letzten Jahre und die Kosten der Reise wieder auszugleichen. Für den Leser beginnt die Handlung kurz vor dem Auslaufen der Melusine damit, dass er die verschiedenen Beteiligten und ihre Motivation für ihre Teilnahme an einer so riskanten Forschungsreise kennenlernt.

Ich mochte die verschiedenen Figuren sehr, gerade weil sie Ecken und Kanten haben, weil sie zum Teil verbissen an der Vergangenheit festhalten oder ihr ganzes Leben auf ihre wissenschaftliche Forschung ausgerichtet haben. Auch fand ich den – nicht gerade geringen – Anteil an wissenschaftlichen Elementen in dem Roman sehr interessant. Aufgrund des Schwerpunktes der Reise und der Tatsache, dass der Großteil der Beteiligten nun einmal Forscher sind, gibt es sehr viele Passagen mit leicht verständlichen und faszinierenden Beschreibungen vom Umgang mit wissenschaftlichen Entdeckungen und dem Interpretieren von Daten für den jeweiligen Forschungsschwerpunkt des Charakters.

Dieser wissenschaftliche Schwerpunkt hat es mir persönlich auch leichter gemacht, mit dem Horror in der Geschichte umzugehen, denn das ist ja – wie schon erwähnt – eigentlich nicht so mein Genre. Hier hingegen fand ich es spannend zu verfolgen, wie sich die Menschen auf der Melusine auf die Suche nach Meerjungfrauen machten, während man als Leser genau weiß, dass es diese Kreaturen gibt und dass ein Zusammentreffen zwischen dem Schiff und den Wasserwesen unausweichlich ist und definitiv kein gutes Ende nehmen kann. Und während ich den Anfang von „Into the Drowning Deep“ eher gemütlich gelesen und häufig aus der Hand gelegt habe, um die verschiedenen Perspektiven nachklingen zu lassen, konnte ich im letzten Drittel der Geschichte nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob einer der Beteiligten (und wenn ja, wer) das Ganze überleben würde und was dieses Zusammentreffen mit den Meerjungfrauen für die Zukunft der Menschen bedeuten würde.

„Into the Drowning Deep“ ist ein wirklich cooles Buch, mit interessanten Charakteren, überraschend vielen humorvollen Szenen, unglaublich unheimlichen und dabei erschreckend realistischen Monstern, faszinierenden wissenschaftlichen Elemente und sehr vielen spannenden Entwicklungen. Die eine oder andere Träne habe ich auch vergossen, denn selbstverständlich kommt es in einem solchen Roman zu Todesfällen und wenn das dann eine Person betrifft, die ich in den wenigen Szenen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt hatte, sehr ins Herz geschlossen habe, dann berührt mich diese Wendung in der Handlung natürlich. Insgesamt bin ich wirklich begeistert von „Into the Drowning Deep“ und möchte den Roman jedem in die Hand drücken, der sich auch nur ein bisschen für einen der von mir genannten Aspekte interessiert.

Die Geschichte der Atargatis soll demnächst verfilmt werden und wenn der Film wirklich gedreht wird (bei all den Ankündigungen, aus denen am Ende keine Filme wurden, bin ich dann doch etwas skeptisch) und in die Kinos kommt, werde ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben Geld in die Hand nehmen, um gezielt in einen Horrorfilm gehen …