Alle Artikel von Konstanze

Dezember-SuB 2018

Mein Geburtstag hatte in der vergangenen Woche die vorhergesagten Auswirkungen auf meinen SuB – ganze 17 Bücher (bzw. 16 Bücher und eine Box mit Hammetts gesammelten Werken) sind bei mir eingezogen. Immerhin sind nicht all diese Titel „SuB-relevant“, aber trotzdem steuere ich so langsam wieder auf einen dreistelligen Stapel mit ungelesenen Büchern zu. Was sich ganz schnell ändern ließe, wenn ich all diese Romane, auf die ich gerade so viel Lust habe, sofort lesen würde. Dem steht nur gerade ein sehr hoher Stapel mit Bibliotheksbüchern entgegen, die alle einen festen Abgabetermin haben und nicht verlängert werden können. *g* Mal schauen, ob ich es trotzdem im Dezember schaffe, Zeit mit meinen neuen Schätzen zu verbringen oder ob ich mit einem dreistelligen SuB ins neue Jahr starten werde – denn schließlich steht Ende Dezember wieder Weihnachten an und meine Lieben werden auch diesen Anlass dazu nutzen meinen Bücherwunschzettel zu plündern. 😉

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Sophie Anderson: The House with Chicken Legs
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Kelly Barnhill: The Unlicensed Magician
  6. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  7. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  8. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  9. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  10. Aliette de Bodard: In the Vanishers‘ Palace
  11. Lila Bowen: Wake of Vultures (Shadow Series 1)
  12. Rhys Bowen: Royal Flush (Royal Spyness 3)
  13. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  14. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  15. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  16. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  17. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  18. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  19. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  20. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  21. Stephanie Burgis: Congress of Secrets
  22. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  23. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  24. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  25. Vivien Chien: Death by Dumpling
  26. Roshani Chokshi: Aru Shah and the End of Time
  27. Deborah Crombie: Beklage deine Sünden (Kincaid und James 17)
  28. Abi Elphinstone: Sky Song
  29. Louise Erdrich: The Birchbark House
  30. Catherine Fisher: The Clockwork Crow
  31. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  32. Jasmine Gower: Moonshine
  33. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  34. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  35. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  36. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  37. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  38. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  39. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  40. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  41. Rachel Hartman: Seraphina
  42. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  43. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  44. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  45. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  46. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  47. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  48. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  49. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  50. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  51. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  52. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  53. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  54. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  55. Diana Wynne Jones: Power of Three
  56. Diana Wynne Jones: The Game
  57. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  58. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  59. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  60. Kelly McCullough: Die erste Klinge
  61. Kelly McCullough: Der Schwur der Klinge
  62. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  63. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  64. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  65. Kelly Meding: Stray Magic
  66. Kate Milford: The Boneshaker
  67. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  68. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  69. Bishop O’Connell: The Stolen
  70. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  71. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  72. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  73. S. A. Patrick: A Darkness of Dragons
  74. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  75. Cindy Pon: Serpentine
  76. Riley Redgate: Noteworthy
  77. Philip Reeve: Larklight
  78. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  79. John Scalzi: Fuzzy Nation
  80. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  81. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  82. Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
  83. Robin Stevens: Mistletoe and Murder (Murder Most Unladylike 5)
  84. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  85. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  86. Robin Stevens: Creme Buns and Crime (Murder Most Unladylike Anthology)
  87. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  88. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  89. Charles den Tex: Die Zelle
  90. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  91. Sarah Tolcser: Song of the Current
  92. Tiffany Trent: Unnaturalist
  93. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  94. Catherynne M. Valente: The Refrigerator Monologues
  95. Catherynne M. Valente: Space Opera
  96. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  97. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  98. Xinran: Gerettete Wort
  99. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  100. Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

86 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

 

Stephanie Burgis: The Girl with the Dragon Heart

„The Girl with the Dragon Heart“ ist nach „The Dragon with a Chocolate Heart“ der zweite Roman von Stephanie Burgis, der in der Stadt Drachenburg spielt. Dieses Mal dreht sich die Handlung um Silke, die im ersten Buch zur besten Freundin der Drachin Aventurine wurde. Theoretisch kann man diese Geschichte unabhängig vom ersten Band lesen, doch natürlich gibt es das eine oder andere Detail in „The Girl with the Dragon Heart“, das einem schon etwas über den Ausgang von Aventurines Abenteuer verraten würde. Wer „The Dragon with a Chocolate Heart“ schon gelesen hat, wird Silke als unerschrockenes und kreatives Mädchen kennengelernt haben, das immer eine Lösung für die Probleme ihrer Freunde findet und das ganz hervorragend mit Worten umgehen kann. In „The Girl with the Dragon Heart“ lernt man hingegen ganz neue Seiten an Silke kennen, denn der Weg nach Drachenburg war auch für sie nicht ganz einfach, und ihre Vergangenheit belastet und beeinflusst sie bis zum heutigen Tag.

Ich mochte Silke schon in dem ersten Roman, in dem sie auftauchte, aber in „The Girl with the Dragon Heart“ habe ich sie richtig ins Herz geschlossen. Sie ist manchmal etwas engstirnig und begreift lange Zeit nicht, dass es mehrere Wege gibt, um ihre Ziele im Leben zu erreichen, aber Stephanie Burgis gelingt es sehr gut, aufzuzeigen, warum Silke so ist und so handelt, wie sie es tut. Auch wenn das Mädchen nie darüber redet, so ist sie doch traumatisiert davon, dass vor vielen Jahren – als ihre Familie aus einem entfernteren Königreich nach Drachenburg flüchtete – ihre Eltern im Elfenwald verschwanden. Seit dieser Zeit lebt Silke unter der Obhut ihres großen Bruders Dieter am Flußufer von Drachenburg, einer der ärmsten Gegenden der Stadt. Doch Silke lässt es nicht zu, dass ihr Leben auf einen kleinen Teil der Stadt beschränkt wird. Sie hat die vergangenen Jahre damit zugebracht, alle Viertel Drachenburgs zu durchstreifen, Schleichwege zu finden und Kontakte zu knüpfen. Sie ist wild entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sich einen Platz im Leben zu erobern, der ihr die Sicherheit bietet, die sie in den vergangenen Jahren vermisst hat. Und ein Auftrag der Kronprinzessin, die eine unauffällige Spionin sucht, um die Geheimnisse einer Delegation der Feen zu enthüllen, scheint trotz aller damit verbundenen Gefahren die perfekte Gelegenheit zum Erreichen von Silkes Zielen zu sein.

Für mich hat bei „The Girl with the Dragon Heart“ die Mischung aus Spannung, Humor und Emotionen genau gestimmt. Ich fand es schön, einen Blick hinter Silkes selbstbewusste Fassade zu werfen und mitzuverfolgen, welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen, wenn ihr vorlautes Mundwerk sie mal wieder in Schwierigkeiten gebracht hat, oder zu spüren, wie sehr Aventurine und die Betreiber des Schokoladenhauses ihr ans Herz gewachsen sind. Es hat mich sehr berührt, davon zu lesen, wie sehr sie unter dem Verlust ihrer Eltern leidet und wie dieser Vorfall im Elfenwald und die wenigen Erinnerungen, die sie noch an ihre Mutter hat, ihr Leben beeinflusst haben. Erst im Laufe der Geschichte lernt Silke, dass sie nicht immer alles alleine schaffen muss und dass auch zerbrechliche Dinge ein solides Fundament für ein Leben sein können, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diesen Lernprozess zu verfolgen.

Dazu kamen noch all die kleinen, wunderbaren fantastischen Elemente, die diese Welt so besonders machen, und diese schrecklich verlockenden Passagen rund um (heiße) Schokolade, die dazu geführt haben, dass ich ständig das Gefühl hatte, ich müsste in die Küche springen und mir zumindest einen Kakao kochen, und natürlich diese vielen stimmigen Charaktere rund um Silke, die die Geschichte nicht nur bereichert haben, sondern auch sehr viel Reibungsfläche für ein so selbstbewusstes und eigensinniges Mädchen geboten haben. Ich freu mich jetzt schon darüber, dass es im kommenden Jahr noch einen weiteren Roman von Stephanie Burgis geben wird, der die jüngere Prinzessin und Aventurines Bruder Jasper zum Thema haben wird.

Warum ich Debütromane so mag

Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass ich immer relativ schnell bereit bin, interessant wirkende Debütromane auf meine Wunschliste zu setzen. Das liegt natürlich auch daran, dass Debütromane den Vorteil haben, dass ich bei Gefallen nicht vor einer endlosen Backlist stehe, die ich mir gern auch noch anschaffen möchte. Aber häufig sind die Debütromane (oder erste Veröffentlichungen) auch die Titel meiner Lieblingsautoren, die mir langfristig am besten gefallen. Natürlich bietet ein guter Debütroman immer auch die Möglichkeit, dass man da einen Autor für sich entdeckt hat, der viele Jahre an seinem Erstlingswerk gearbeitet hat und unter Zeitdruck oder nach einem ersten Erfolg nicht in der Lage ist, noch einmal ein so gutes Buch zu schreiben. Aber selbst bei den Autoren, die mit jeder Veröffentlichung besser werden und deren Werke ich über Jahre hinweg in all ihren Entwicklungsstadien sehr genieße, muss ich mir realtiv oft eingestehen, dass es die frühen und unvollkommeneren Geschichten dieser Autoren sind, die mir besonders am Herzen liegen.

Vom Kopf her ist mir das manchmal unangenehm, denn ich sehe ja den Qualitätsunterschied zwischen den früheren und den späteren Werken. Ich sehe die Verbesserung in der Erzählweise, die zunehmende Komplexität der Charaktere, den stimmigeren Weltenbau und ganz allgemein die höhere Professionalität. Auf der anderen Seite bin ich eine sehr emotionale Leserin, und oft fällt mir auf, dass eine höhere Professionalität bei einem Autor auch bedeuten kann, dass er meine Gefühle nicht mehr so anspricht wie mit seinen früheren Werken. Ich brauche das nicht unbedingt, um von einer Geschichte begeistert zu sein, aber ich genieße es sehr, wenn ich beim Lesen auch emotional involviert bin. Trotz dieser Erkenntnisse (und des leichten Unbehagens darüber, dass ich Qualität vielleicht nicht ganz so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hätte 😉 ) habe ich nie eine treffende Beschreibung für dieses ganz bestimmte Element gefunden, dass mir häufig in späteren Werken eines Autors fehlt.

Und dann bin ich kürzlich über einen Twitter-Thread von Kelly McCullough gestolpert, der darüber schrieb, dass er die Zeit vermisst, als er noch ein relativ unerfahrener Autor war. Die Phase, als er schon wusste, was (für ihn) funktioniert, um eine Geschichte zu erzählen, aber noch nicht so viel übers Schreiben gelernt hatte, dass er eine anhaltende Kontrolle über sein Tun hat. Sein Fazit war:

„I think that what I’m doing is much better now, and I know it’s more sophisticated and that I’m accomplishing more with fewer words, but there is a raw freshness to those early stories that is all but impossible to replicate from a place of experience.“ (Kelly McCullough in einem Tweet vom 20. November 2018)

Ich glaube wirklich, dass es diese „raw freshness“ ist, die mich bei Debütromanen so anmacht, und die sich nur wenige Autoren auch langfristig erhalten, indem sie immer wieder experimentieren und sich auf eine Weise herausfordern, die dafür sorgt, dass sie nie so ganz in Professionalität und Routine versumpfen. Während einige andere Autoren anscheinend so glücklich sind mit dem Weg, den sie für sich gefunden haben, dass sie mich als Leserin irgendwann verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie immer wieder die gleiche Geschichte mit den gleichen Elementen erzählen – nur eben ohne diesen Funken, der in ihren ersten Veröffentlichungen zu finden war.

Ich bin dann mal für ein paar Tage beschäftigt! ;)

Nachdem es ja in der letzten Woche Lieferprobleme gab, erreichte mich heute Abend dann doch noch mein neues Spielzeug. Inzwischen ist die Switch eingerichtet und ich warte nur noch darauf, dass die Controller (plus Pokéball) vollständig geladen sind, damit Evoli und ich uns auf den Weg machen können, um Kanto zu erkunden und Pokémon zu fangen!

Wie ich mich kenne, werde ich ein paar Tage mit dem neuen Spielzeug versumpfen und nicht viel anderes in meiner Freizeit auf die Reihe bekommen, was auch bedeutet, dass es hier auf dem Blog ein bisschen ruhiger wird. Vor allem, da ich mir heute Abend auch noch ein zweites Spiel („Yonder – The Cloud Catcher Chronicles“) besorgen werde – denn natürlich kann ich mich bei einer neuen Konsole nicht auf ein einziges Spiel beschränken, wenn es so viele nette Dinge zu entdecken gibt. Nur gut, dass mein Mann und ich zusammen Pokémon spielen können, sonst wäre es doch ein kleines bisschen unfair. 😉

Lese-Sonntag im November

Heute ist wieder der dritte Sonntag im Monat und somit wieder Lese-Tag! Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich am heutigen Tag sehr viel Zeit mit dem Controller in der Hand verbringen würde, da wir eine Switch vorbestellt hatten, die am Freitag geliefert werden sollte. Doch statt abends mit dem neuen Spielzeug in der Hand von der Arbeit zu kommen, rief mein Mann am Vormittag an und meldete, dass die Lieferung mit den vorbestellten Konsolen verschollen zu sein scheint und nun niemand sagen kann, wann das Gerät eintrifft. Nun, dann muss ich mich heute immerhin nicht zwischen „Pokémon – Let’s Go Evoli!“ oder „Yonder – The Cloud Catcher Chronicles“ und einem meiner Bücher entscheiden, sondern kann gleich mit Stephanie Burgis in den Tag starten.

Am Donnerstag kam der Fahrradkurier vorbei und brachte mir „The Girl with the Dragon Heart“ – auf das Buch hatte ich mich gefreut, seitdem Stephanie Burgis angekündigt hatte, dass es einen Roman aus der Perspektive von Silke, die eine Nebenfigur in „The Dragon with a Chocolate Heart“ war, geben wird. Allerdings habe ich mit der Geschichte noch nicht angefangen, weil ich erst noch einmal den Band rund um die Drachin Aventurine lesen wollte, um meine Erinnerungen an Silke wieder aufzufrischen. Und da ich den Roman gerade mit Konzentration auf Silke lese, fallen mir nun auch so hübsche Beschreibungen besonders ins Auge wie „I liked the way she broke the human rules of behavior by wearing male clothings, and I like her strength and determination, even if she tried to use them to trick me. She might be a human, but there was definitely a touch of dragon to her.“ (Seite 63).

Update 12:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich „The Dragon with a Chocolate Heart“ beendet und mich darüber gefreut, dass Aventurines Geschichte auch beim zweiten Lesen so gut für mich funktioniert. Stellenweise hatte ich beim Lesen sogar mehr Spaß als beim ersten Mal, weil ich schon wusste was kommt (oder mich daran erinnerte, dass eine unangenehme Situation sich bald auflösen würde). Ich mag Aventurines Sicht auf das Leben unter Menschen und in der Stadt und ihre Leidenschaft für Schokolade und ihre Bereitschaft hart dafür zu arbeiten, die beste Schokolade der Stadt herzustellen. Einzig ihre Schwäche für Heiße Schokolade mit Chili kann ich nicht ganz so nachvollziehen – ich mag meine Schoko lieber mit weniger scharfen Zutaten. 😉 Frühstück (sehr leckeres Porridge mit Zimt und Apfelmus) gab es auch schon für mich und dazu die ersten drei Kapitel von „The Girl with the Dragon Heart“. Es ist spannend mal eine andere Sicht auf Silke zu bekommen. Aus Aventurines Perspektive hat man das Gefühl, dass Silke für jedes Problem eine Lösung weiß und sich von keiner Situation einschüchtern lässt, aus Silkes Perspektive hingegen lernt man schnell, welche Probleme und Sorgen das Mädchen hat und warum sie durchs Leben geht, als ob sie keine Ängste kennen würde.

Christie ist auch schon versorgt ist und mein Mann wird sich weiter mit Doctor Who beschäftigen – er hat von einem Freund „The Dalek Invasion of Earth“ geschenkt bekommen und ist nicht ganz so hingerissen davon, wenn ich nach seinem regelmäßigem Grummeln gehen kann. Auf jeden Fall habe ich so noch zwei ruhige Stündchen mit meinem Buch, bevor wir heute wieder eine Runde „Gloomhaven“ spielen. An den vergangenen Wochenenden hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, so dass wir immer noch das nächste Abenteuer mit meinem Brute in der Stadt vor uns haben.

Update 16:30 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich nicht nur weiter gelesen, sondern eine kleine Blogrunde gedreht – um 14 Uhr war es dann aber soweit, dass es mit Gloomhaven losging. Dank all der Erwähnungen bezügliche „Heißer Schokolade“ in meinen Büchern, habe ich mir dazu auch eine gemacht (naja, genau genommen einen Kakao mit zwei gehäuften Teelöffeln Backkakao und einem Löffel Zucker, da ich keine dunkle Schokolade mehr im Haus habe) und diesen Energieschub brauchte ich angesichts des heutigen Szenario auch. *g* Obwohl mein Brute inzwischen mit 18 Lebenspunkten gut gewappnet sein sollte und auch seine Item-Sammlung beachtlich ist, hatten es die heutigen Gegner wirklich in sich und ich habe ein Item nach dem anderen zum Schutz einsetzen müssen, während gleichzeitig meine Lebenspunkte radikal abnahmen. Am Ende kamen dann noch eine Menge neuer Gegner dazu und während ich eine Aktions-Karte nach der anderen abwarf, um mein Überleben irgendwie zu sichern, war ich nur froh, dass wir dieses Mal nicht alle Gegner töten, sondern nur bestimmte Punkte auf dem Spielfeld erreichen mussten. *g*

Jetzt wärme ich mir erst einmal die Füße auf dem Sofa und schaue, was die anderen beiden heute Nachmittag so gemacht haben. Sehr viel zum Lesen komme ich vor dem Kochen vermutlich nicht mehr, aber dafür haben wir (bislang) noch keine Pläne für den Abend. Mal schauen, ob ich meinen Mann dazu überreden kann sich mit sich selber zu beschäftigen oder ob wir uns später für einen Film entscheiden. 😉

Update 21:15 Uhr

Nach dem letzten Update bin ich wirklich nicht mehr viel zum Lesen gekommen, weil ich mich dann doch relativ früh zum Kochen und Abwaschen aufraffen musste. Immerhin wird die heute gekochte „Allgäuer Kartoffelsuppe“ (Kartoffeln, Lauch, Möhren mit Majoran und Kräuter-Schmelzkäse) auch für morgen und vielleicht sogar noch für Dienstag reichen. Da mein Mann zum Essen eine der aufgenommenen Quizsendungen der letzten Woche angemacht hat, habe ich danach erst einmal zu „Animal Crossing“ gegriffen – mitraten und dabei Blümchen gießen klappt ganz gut, während Christie ein paar Streicheleinheiten eingefordert hat. Nachdem ich eben schon bei Sunny und Natira vorbeigeflitzt bin, war das hier auch mein letztes Update für heute. Immerhin werde ich so noch ein paar Seiten vor dem Schlafengehen schaffen, was sehr gut ist, denn gerade ist die Elfendelegation am Hof angekommen und Silke darf nun mit ihrer Aufgabe als Spionin der Kronprinzessin richtig loslegen. Die letzten Tage waren für sie etwas langweilig, weil sie erst einmal lernen musste sich am Hof richtig zu benehmen, damit sie zwischen all den Adeligen nicht auffällt – allerdings muss ich zugeben, dass Silke immerhin die Nächte aktiv genutzt hat, um die diversen Geheimgänge des Palastes aufzustöbern und zu erkunden. Ich bin gespannt, was die Kronprinzessin zu so viel Eigenintiative sagt, wenn sie es herausbekommen sollte (und gehe davon aus, dass die Dame nicht sehr erfreut darüber sein wird :D).

Ich wünsche euch einen guten und stressfreien Start in die Woche! Bleibt oder werdet gesund (aktuell scheint ja so gut wie jeder angeschlagen zu sein) und passt gut auf euch auf. 🙂

***

Heutige Mitleserinnen:

Natira
Sunny

Hope Larson und Brittney Williams: Goldie Vance Vol. 1 (Comic)

„Goldie Vance“ hatte mir mein Mann schon vor längerer Zeit unter die Nase gehalten, als er die Reihe im Comic-Katalog entdeckte, aber die Beschreibung hatte mich damals nicht so sehr gereizt. Trotzdem ist mir der Comic immer wieder über den Weg gelaufen, und je mehr ich darüber erfuhr, desto neugieriger wurde ich. Den letzten Ausschlag gab dann Rikes Meinung zu der Comicreihe. Der Comic dreht sich um die Erlebnisse der sechzehnjährigen Marigold „Goldie“ Vance, die für den Parkservice des „Crossed Palms Resort“ arbeitet. Das „Crossed Palms Resort“ ist ein Hotel in dem fiktiven Ort St. Pascal in Florida, das von Goldies Vater Arthur Vance geleitet wird, und das nicht nur über diverse Angebote zur Entspannung der Gäste, sondern mit Walter Tooey auch über seinen eigenen Hoteldetektiv verfügt.

Als selbsternannte Assistentin von Walter Tooey kann Goldie ihrer eigentlichen Leidenschaft nachgehen und einen – mehr oder weniger skurrilen – Fall nach dem anderen lösen. Dabei wird sie von Walter nur toleriert, auch wenn er zugeben muss, dass sie ihm regelmäßig die Lösung seiner Fälle auf dem Tablett serviert, während er noch nach dem richtigen Weg für den Start seiner Ermittlungen sucht. Ein Grund, warum Goldie so erfolgreich als Detektivin ist, liegt darin, dass sie nicht nur im Hotel, sondern auch im Ort gut vernetzt ist und so von allen Seiten Informationen erhält, die ihr weiterhelfen. Im Hotel steht ihr vor allem ihre Freundin Cheryl Lebeaux zur Seite, die nicht nur für den Empfang der Gäste verantwortlich ist, sondern heimlich von einer Karriere als Astronautin träumt.

Insgesamt ist der Ton in dem Comic sehr locker und amüsant, aber regelmäßig lässt Hope Larson als Autorin der Geschichten auch ernste Themen durchblitzen, wie zum Beispiel bei einem Moment zwischen Goldie und ihrer Mutter, als das Mädchen seine Mutter fragt, wie denn ihr neuer Verehrer auf die Tatsache reagiert habe, dass ihre Tochter nicht weiß sei. Doch solche Elemente blitzen nur kurz zwischen all den seltsamen und witzigen Fällen auf, mit denen sich Goldie konfrontiert sieht. Dabei ist Goldie bei ihren Ermittlungen so auf ihr Ziel fokussiert, dass sie nicht immer wählerisch bei den Wegen ist, die sie geht, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. So ist es kein Wunder, dass sich das Mädchen im Laufe des ersten Bandes nicht nur mit einem eigentlich harmlosen Dieb, feindlichen Agenten und einer geheimnisvollen Organisation herumschlagen muss, sondern auch ihren Vater in ernsthafte Schwierigkeiten bringt.

Ich habe Goldies Abenteuer mitsamt den ganzen abwegigen Elementen wirklich genossen und konnte dabei gut darüber hinwegsehen, dass nicht jede Entwicklung in der Handlung logisch und glaubwürdig war. Auch mochte ich die vielen verschiedenen Freunde und Verbündeten, denen Goldie im Laufe der Geschichte begegnet. Wobei es angesichts der vielen sympathischen und stimmigen Charaktere umso bedauerlicher ist, dass Goldies Gegenspielerin Sugar Marple schrecklich klischeehaft als herzlose, reiche, weiße Zicke dargestellt wird, aber vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden (auch wenn ich ehrlich gesagt nicht damit rechne).

Die Zeichnungen von Brittney Williams sind wunderbar dynamisch und sehr gefällig anzuschauen. Der Zeichnerin gelingt es sehr schön, die verschiedenen Stimmungen einzufangen, egal, ob die jeweilige Szene einen nachdenklichen Moment, ein entspanntes Zusammentreffen mit Freunden oder eine Autoverfolgungsjagd zeigt. Ergänzt werden die Zeichnungen durch die Farbgebung von Sarah Stern, die ein stimmiges 60er-Jahre-Feeling vermittelt, ohne es dabei zu sehr mit den Pastelltönen zu übertreiben, und stattdessen immer wieder zu dunkleren Farben greift, die den jeweiligen Szenen eine realistischere (und ernsthaftere) Atmosphäre verleiht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich die Geschichte und die Charaktere nach diesem abgedrehten Start in den weiteren Bänden noch entwickeln und freue mich darüber, dass ich noch ein paar Bände mit „Goldie Vance“ vor mir habe.

Stephanie Burgis: Masks and Shadows

Von Stephanie Burgis habe ich in den letzten Jahren fast alle Veröffentlichungen gelesen. Was mir bislang aber noch fehlte, waren ihre ersten beiden Romane für Erwachsene („Masks and Shadows“ und „Congress of Secrets“). „Masks und Shadows“ spielt im Jahr 1779 und wird zu einem großen Teil aus der Perspektive der frisch verwitweten Charlotte von Steinbeck erzählt. Zusätzlich kann man noch die Sicht des Kastraten Carlo Morelli sowie einige weitere Personen verfolgen. Alle Beteiligten sind zu Gast (oder Angestellte) im Palast des ungarischen Prinzen Nikolaus, dessen offizielle Geliebte Charlottes Schwester Sophie ist. Charlotte und Carlo stolpern unabhängig voneinander über seltsame Vorgänge im Palast, die anscheinend mit den beiden anwesenden Alchemisten in Verbindungen stehen und in die auch einige Mitglieder des Gesangsensembles des Opernhaus des Prinzen verwickelt zu sein scheinen.

Ich muss gestehen, dass ich den Titel aus dem Regal gezogen hatte, weil ich etwas Abwechslung zu den eher düsteren Geschichten haben wollte, die ich Ende Oktober gelesen habe – und dann musste ich feststellen, dass „Masks and Shadows“ auf seine Weise nicht weniger düster war als „Into the Drowning Deep“ und „Der Besucher“. Von Anfang an ist die Situation für Charlotte unangenehm, nachdem sie feststellen muss, dass ihre Schwester nicht nur die Geliebte des Prinzen Esterházy ist, sondern auch öffentlich als seine Begleiterin und Gastgeberin bei seinen Veranstaltungen auftritt. Die Prinzessin Esterházy hingegen wurde von ihrem Mann in ihre Gemächer verbannt und scheint auf den ersten Blick bei Hof keine Rolle mehr zu spielen. Dass dieser erste Eindruck täuscht, wird Charlotte schnell bewusst, denn in diesem Palast scheint das Überleben davon abhängig zu sein, wie gut man informiert ist und wie gut man sich bei all den Intrigen behaupten kann.

Für Carlo sind die Vorgänge weniger überraschend als für Charlotte, die seit ihrer Verheiratung in einem sehr abgeschiedenen und ländlichen Umfeld gelebt hat. Der musico hingegen hat nur deshalb eine so erfolgreiche Karriere führen können, weil er die Vorgänge an den verschiedenen Höfen Europas in der Regel schnell durchschaute und sich darauf einstellen konnte. Doch was unter dem Dach des Prinzen Esterházy vor sich geht, ist auch für Carlo nicht so einfach zu entschlüsseln. Ich fand es sehr faszinierend, die verschiedenen Informationen und Perspektiven zu verfolgen, immer mehr Details über die Charaktere und ihre Motivation zu bekommen und mir meine Gedanken darüber zu machen, welcher der Beteiligten wohl welchen seiner Verbündeten hintergehen wird.

Stephanie Burgis spart dabei nicht an Szenen, die deutlich machen, wie willkürlich die Regentschaft des Prinzen Nikolaus war und wie gefährlich das Leben an einem solchen Hof sein konnte, wenn man weder Einfluss noch mächtige Verbündete hatte. Sehr schön fand ich dabei, wie unterschiedlich Charlotte und Carlo viele Szenen wahrnahmen, denn obwohl Charlotte für ihre Zeit relativ offen ist und ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit von Standesunterschieden hat, so ist sie doch von ihrer Erziehung und ihrer Umgebung beeinflusst. Carlo hingegen ist als Sohn armer italienischer Bauern geboren worden und weiß, welche Entbehrungen für das einfache Volk damit verbunden sind, wenn ihr Prinz zum Beispiel beschließt, dass er ein Stück Land trockenlegen lassen will, um dort einen neuen Prachtbau errichten zu lassen. Dabei ist sich Carlo durchaus der Tatsache bewusst, dass er – dadurch, dass er sich von den diversen Adelshäusern engagieren lässt – ebenso seinen Vorteil aus diesem System zieht.

Ausgeglichen werden die düsteren Szenen rund um die Intrige, die im Palast gesponnen wird, und die kritischen Elemente bezüglich des Verhaltens der Adeligen am Hof durch die Liebe zur Musik, die sich durch die gesamte Geschichte zieht. Dass für Carlo die Musik mehr ist als eine Tätigkeit, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ist mehr als offensichtlich. Dass diese Musik ihm auch etwas genommen hat, das dafür sorgt, dass ihn viele Menschen nicht als gleichwertig oder gar als Mann wahrnehmen, ebenso. Trotzdem liebt er die Musik, liebt es, zu singen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Auch Charlotte und viele andere haben ein besonderes Verhältnis zur Musik und so sind diese Passagen selbst dann schön zu lesen, wenn man – so wie ich – relativ wenig mit Opern anfangen kann. Ebenso mochte ich es, Charlottes Entwicklung zu verfolgen, die zum ersten Mal in ihrem Erwachsenenleben vor mehreren möglichen Wegen steht und für sich entscheiden muss, wie sie ihre Zukunft gestaltet und auf wessen Gefühle und Erwartungen sie dabei Rücksicht nehmen kann und möchte.

Ein weiterer Pluspunkt in der Geschichte war für mich der Schauplatz. Schloss Esterházy galt zu seiner Zeit als ungarisches Versailles, und seine prachtvollen Bauten waren berühmt (wenn auch anscheinend nicht unbedingt geschmackvoll eingerichtet, wenn ich nach den Beschreibungen der Autorin gehe). Auch hatte Prinz Nikolaus in seinem Palast einige der berühmtesten Künstler seiner Zeit versammelt, wie zum Beispiel den Komponisten Joseph Haydn, der jahrelang exklusiv für den Prinzen arbeitete. Diese Mischung aus Möglichkeiten und Gefahren, die sich durch eine solche Anstellung für die Künstler ergaben, hat Stephanie Burgis meiner Meinung nach gerade anhand von Haydns Beispiel gut eingefangen, was für einen wirklich atmosphärischen Rahmen für ihre Geschichte sorgt.

Insgesamt hat mir „Masks and Shadows“ zwar nicht die erhoffte Abwechslung von meiner eher düsteren Lektüre geboten, aber dafür habe ich den unverbrauchten Schauplatz und die realistischen (und of genug auch sympathischen) Charaktere sehr gemocht, während die unheimliche, von den Alchemisten beschworene Gefahr und die damit verbundene Intrige für Spannung sorgte. Insgesamt habe ich die Geschichte wirklich gern gelesen und mich dabei immer wieder darüber gefreut, wie gut es Stephanie Burgis dabei meiner Ansicht nach gelingt, Spannung und Grusel aufkommen zu lassen und doch immer wieder kleine Momente einzubauen, in denen man als Leser hoffen kann, dass die eine oder andere Figur vielleicht doch noch davonkommt oder vielleicht sogar gestärkt und gereift aus all den schrecklichen Situationen hervorgeht.

Was schön war (5)

Ein Bus voller Leute, die sich nicht über den Schienenersatzverkehr ärgern,
sondern gemeinsam über den armen Busfahrer schmunzeln,
der die Station ankündigt mit „Blutdingsbums … na, Sie wissen schon …
Dingsdastraße … Wird Zeit für den Feierabend!“

Nach einer lästigen Fahrt – inklusive Schienenersatzverkehr 😉 –
zu einem lästigen und vergeblichen Termin
nach Hause kommen, sich auf dem Sofa mit der Katze einrollen
und den in der Stadt gekauften Donut genießen.

Eine gemütliche Frühstücksverabredung mit Neyasha,
die ich nun schon so seit vielen Jahren durch ihren Blog kenne,
die aber normalerweise für ein persönliches Treffen zu weit weg wohnt.
Ich freu mich immer noch sehr darüber, dass sie auf dem Rückweg nach Österreich
Zeit fand für diese Verabredung!

Tansy Rayner Roberts: Belladonna-University-Serie

Die Belladonna-University-Serie besteht aus einer Reihe von (ca. 40-110 Seiten langen) Geschichten rund um eine Gruppe von Studenten an einer magischen Universität. Wobei „magische Universität“ nicht ganz korrekt ist, denn die Belladonna University hat einen magischen und einen unmagischen Campus, und die Studenten können für ihr Studium Kurse in beiden Bereichen belegen. Tansy Rayner Roberts hat diese Universität in einer Variante von Australien angesiedelt, in der Magie eine alltägliche Sache ist, auch wenn nicht jeder Mensch über Magie verfügt. Die Handlung dreht sich um die Mitglieder der Band „Fake Geek Girl“ und ihren (erweiterten) Freundeskreis. Sängerin der Band ist Holly, die das Leben ihrer Zwillingsschwester Hebe anscheinend vor allem als Inspiration für ihre Songs sieht, der Drummer von „Fake Geek Girl“ ist Sage, Hebes schwuler Ex-Freund, und ergänzt wird die Gruppe noch von der Cellistin Juniper, deren große Leidenschaft für die Romane von Jane Austen sich auch immer wieder in ihren Tagebucheinträgen widerspiegelt.

Jede Story hat ihr eigenes Grundthema, aber alle Geschichten werden aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass der Leser in der Regel mehr weiß als die jeweiligen Erzähler, und immer spielt die Freundschaft zwischen allen Beteiligten (und die Angst, dass diese Freundschaft eines Tages ein Ende nehmen könnte) eine große Rolle. Es ist schwierig, mehr über die Handlung zu schreiben, denn die Geschichten setzten sich eher aus vielen kleinen Dingen zusammen. Selbst in „The Bromancers“, wo die Band bei einem Festival auftritt und gleich zwei Bandmitgliedern etwas Schlimmes zustößt, hatte ich nicht das Gefühl, dass es eine große Handlung gäbe, sondern viele parallel laufende Elemente rund um die verschiedenen Charaktere, die zu einer unterhaltsamen und spannenden Geschichte führten.

Ich mochte die Art und Weise, in der Tansy Rayner Roberts in dieser fantastischen Welt Magie verwendet (und die Tatsache, dass Kaffee als Magie-Dämpfer wirkt), und mindestens ebenso sehr habe ich den Humor genossen, der sich durch alle „Belladonna University“-Titel zieht. Dass ein paar Charaktere ein sehr intensives Sexualleben führen, hätte ich nicht unbedingt in dieser Häufigkeit in den Geschichten haben müssen, aber auch da gab es den einen oder anderen amüsanten Moment, so dass ich auch mit dem relativ wahllosen Sex (gerade bei zwei ansonsten recht sympathischen Figuren) leben konnte. Doch vor allem habe ich es geliebt, von den unterschiedlichen Facetten von Freundschaft zu lesen, die in dieser Gruppe zu finden sind. Sich so gern zu haben, über einen so langen Zeitraum eine Freundschaft aufrechtzuhalten, zusammen zu leben und eine Band zu haben (oder intensiv in die Belange von „Fake Geek Girl“ eingebunden zu sein), ist auch in diesen Geschichten nicht einfach.

Immer wieder gibt es Momente, wo sich jemand verletzt fühlt oder wo eine Eigenart einer Person das Zusammenleben und -arbeiten schwierig macht, aber am Ende sind sie alle immer noch befreundet und verstehen sich wieder ein Stückchen besser als zuvor, und das war wirklich gut zu lesen. Dazu gibt es noch viele Momente rund um Magie, Musik und Geektum, die diese Welt wirklich bereichern und mit denen ich mich – auch ohne einen solchen Bezug zu Magie und Musik zu haben *g* – ein Stückchen identifizieren konnte. Alles in allem waren diese Geschichten eine wunderbar unterhaltsame Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen mochte und die ich sehr genossen habe. Ich hoffe nur, dass die Autorin noch mehr Titel veröffentlicht, die mich zur „Belladonna University“ führen, denn die Charaktere sind mir wirklich ans Herz gewachsen, und ich wüsste gern, wie es mit ihnen (und natürlich auch der Band) weitergeht.

Wer jetzt neugierig auf die „Belladonna University“ geworden ist, findet die Geschichten online als eBooks. Die ersten vier Teile gibt es als Bundle, das zur Zeit günstig für den Kindle zu haben ist. Es enthält die Titel „Fake Geek Girl“ (Teil 1), „Unmagical Boy Story“ (Teil 2), „The Bromancers“ (Teil 3) und „The Alchemy of Fine“ (Teil 0,5 – der im Bundle nach Teil 3 kommt und für mich so auch gut funktioniert hat). Die aktuellste Veröffentlichung, „Halloween Is Not A Verb“, ist gerade erst Ende Oktober erschienen und deshalb bislang nur als Einzeltitel zu haben.

Joseph Nassise (Hrsg.): Urban Enemies (Anthologie)

Richtige Anthologie-Rezensionen gibt es bei mir ja eigentlich nicht, dafür einen Post, in dem ich meine Eindrücke zu den Kurzgeschichten einer Veröffentlichung sammle. „Urban Enemies“ hat als Grundthema die Bösewichte der verschiedenen Romane/Romanreihen der jeweiligen Autoren. Dabei gibt es zu Beginnn einer jeden Geschichte eine kurze Einführung, in der man darüber informiert wird, welche Rolle der Protagonist in seiner Welt spielt.

Jim Butcher: Even Hand
Protagonist „Gentleman John Marcone“ gehört von Anfang an zu der Welt von Harry Dresden, und obwohl die beiden eigentlich Feinde sind, haben sie sich im Laufe der Zeit oft genug zwangsweise verbünden müssen, um einen noch größeren gemeinsamen Gegner zu besiegen. In „Even Hand“ wird John Marcone von Justine (die Teil des Hofes der Weißen Vampire ist) um einen Gefallen gebeten, den er – um seine wenigen selbstgesteckten Regeln nicht zu brechen – nicht abschlagen kann. Die Geschichte an sich fand ich unterhaltsam und ich frage mich, ob in einem der nächsten Harry-Dresden-Bände (wenn denn jemals ein weiterer Band erscheint) noch einmal ein Verweis darauf erscheint. Grundsätzlich finde ich es aber sehr bedauerlich, dass Jim Butchers Kurzgeschichten in der Regel nur dann verständlich und nicht spoilernd sind, wenn man bei den Harry-Dresden-Romanen auf dem akutellen Stand ist. Wer also noch nicht den aktuell letzten Band der Reihe gelesen hat, sollte die Finger von dieser Kurzgeschichte lassen, wenn er sich nicht einige Überraschungen verderben möchte.

Kelley Armstrong: Hounded
In „Hounded“ greift Kelley Armstrong mit dem namenlosen Protagonisten eine Figur aus ihrer Cainsville-Serie auf. Der Erzähler ist ein ehemaliges Mitglied der walisischen Form der „Wilden Jagd“, und er befindet sich auf der Suche nach einem neuen Hund. Um den von ihm ausgewählten Hund in seinen Besitz zu bringen, greift der Huntsman zu schrecklichen Mitteln, während man als Leser Stück für Stück mitverfolgen kann, wie er seinem Ziel immer näher kommt. Ich mochte den Erzählton von Kelley Armstrong in dieser Geschichte und ich muss zugeben, dass mich die wenigen Details zu der fantastischen Welt, in der „Hounded“ spielt, neugierig gemacht haben. (Allerdings schrecken mich oft die Andeutungen rund um die Beziehungen in ihren Büchern ab, weshalb ich bislang noch keinen Roman von ihr gelesen habe …)

Jeff Somers: Nigsua Na Tesgu
Jeff Somers‘ wunderbar böse Kurzgeschichte erzählt in groben Zügen die Lebensgeschichte einer ustari, einer Magierin, deren Macht von Blutopfern gespeist wird, von dem Moment an, an dem sie das erste Mal sah, wie Magie gewirkt wurde, bis zu dem Tag, an dem sie alles opfern musste, um im Kampf gegen zwei andere ustari zu überleben. Ich fand diese Kurzgeschichte gut geschrieben, unterhaltsam und sehr böse, muss aber auch zugeben, dass ich keine weiteren Geschichten aus der Welt des „Ustari Circle“ lesen muss.

Craig Schaefer: Sixty-Six Seconds
In „Sixty-Six Seconds“ bringt Craig Schaefer (wenn ich nach der Einleitung gehen kann *g*) Elemente aus gleich zwei seiner Serien („Harmony Black“ und „Daniel Faust“) ein. Da ich bislang keinen Roman des Autors kenne, habe ich beim Lese das Gefühl gehabt, ich könnte viele kleine Dinge nicht richtig einschätzen. Aber die Grundidee (ein Dämon besetzt eine menschliche Leiche, um flüchtige Dämonen zurück in die Hölle zu bringen) fand ich nicht schlecht, der Erzählton gefiel mir auch und die skrupellose neue Assistentin, die der Protagonist Fontaine in diese Geschichte bekam, hat auch Potenzial für einige wunderbar böse Szenen. (Beim nächsten Mal würde ich die Anfangsszene allerdings lieber nicht beim Frühstück lesen …)

Lilith Saintcrow: Kiss
Irgendwie ist es schon spannend, wie viele Autoren ich vor allem aus Anthologien kenne (und häufig auch mag) und bei wie wenigen ich am Ende zu den Romanen greife – wobei ich zugeben muss, dass Lilith Saintcrows Erzählstimme grundsätzlich nicht so mein Ding ist und ich normalerweise nicht mal sagen kann, woran das genau liegt. Hier allerdings konnte ich genau den Finger auf das legen, was mich so sehr störte, dass ich zum Schluss kaum noch Erinnerungen an die Handlung hatte: Die nicht korrekte Verwendung von deutschen Wörtern hat mich beim Lesen von „Kiss“ wirklich kirre gemacht! Die Autorin verwendet für ihre Geschichte (die in Dresden im Februar 1945 spielt) immer wieder deutsche Wörter, die es entweder so nicht gibt (oder jemals gab, soweit ich das beurteilen kann), die nicht in der korrekten grammatischen Form verwendet wurden (und ja, ich weiß, dass das für Leute mit anderen Muttersprachen sehr schwer ist) oder die gar keine deutschen, sondern englische Wörter waren, die (angeblich) deutsche Wurzeln haben. Hätte sie da nur einen Fehler gemacht (und den meinetwegen auch wiederholt), dann hätte ich das niedlich gefunden, aber da sich dieses Problem durch die gesamte Geschichte zog und bei fast jedem „deutschen“ Wort auftauchte, hat es mich beim Lesen zu sehr abgelenkt, um mich wirklich auf die Handlung konzentrieren zu können. Ist es denn wirklich so schwierig, jemanden zu finden, der den Gebrauch von Fremdwörtern in einer Geschichte überprüft?!

Kevin Hearne: The Naughiest Cherub
Diese Kurzgeschichte spielt in der Welt des Eisernen Druiden und wird aus der Sicht von Loki erzählt – ich gebe zu, diese Information bringt mir wenig, da ich den Eisernen Druiden bislang nur aus Kurzgeschichten kenne. Auf jeden Fall besucht in dieser Geschichte Loki Lucifer in der Hölle, und ich muss zugeben, dass mir weder der Erzählton noch die Handlung gefielen. Vermutlich hätte ich beides besser würdigen können, wenn ich die Romane kenne würde, aber so fand ich das Ganze in erster Linie langweilig. Auch wenn es für meinen Geldbeutel gut ist, wenn mich eine Kurzgeschichte nicht neugierig auf weitere Texte eines Autors macht, ist es doch in meinen Augen nicht im Sinne einer Anthologie, wenn man mit einer Geschichte ohne Vorwissen nichts anfangen kann.

Caitlin Kittredge: The Resurrectionist
Auch hier hatte ich keine Ahnung von der Welt, auf der diese Kurzgeschichte basiert, aber obwohl Höllenhunde und Dämonen eigentlich nicht mein Thema sind, mochte ich nicht nur die Handlung, sondern bin ich auch verflixt neugierig auf die „Hellhound Chronicles“ der Autorin geworden. Ich mochte den noir-Erzählton, ich mochte den Protagonisten, der zwar in der Romanreihe ein Gegner der Protagonistin Ava ist, hier einem aber – auch dank seines desillusionierten Blicks auf die Welt – schnell ans Herz wächst. und ich mochte die überraschende und schreckliche Auflösung am Ende der Geschichte. Obwohl ich mir schon vor zwei Jahren vorgenommen hatte, mehr von Caitlin Kittredge zu lesen, hatte ich die Autorin wieder aus den Augen verloren. Umso spannender fand ich es, dass ich Ava, die mir 2016 in einer anderen Anthologie schon mal begegnet war, bei ihrem wirklich winzigen Auftritt in dieser Geschichte auf Anhieb wiedererkannte. Zwei Kurzgeschichten mit kleinen Auftritten, zweimal ein positiver Eindruck – jetzt muss ich wohl wirklich den ersten Band der Reihe auf die Anschaffungsliste setzen. 😉

Joseph Nassise: Down Where the Darkness Dwells
Joseph Nassise bleibt bei mir immer eher als Herausgeber von Anthologien hängen als als Autor, denn obwohl ich weiß, dass ich von ihm schon andere Kurzgeschichten gelesen habe, kann ich nicht mal sagen, welche Figuren oder Welten ich schon von ihm kenne – oder ob es überhaupt mehrere davon gibt. Trotzdem habe ich „Down Where the Darkness Dwells“ gern gelesen. In der Geschichte begleitet man Simon Logan in eine alte Höhle, in der ein Maya-„Schatz“ zu finden sein soll. Da seine Begleiter nicht sehr vertrauenswürdig sind, muss Simon einige unvorhergesehene Herausforderungen bewältigen, die ihn am Ende zum nächtigsten Nekromanten der USA machen werden. Ein Hauch von Indiana Jones, ein Handel, den man sich selbst kurz vor seinem Tod gut überlegen sollte, und ein Ende, bei dem man sich fast darüber freuen kann, wenn ein Bösewicht die Oberhand bekommt – doch, das war nett zu lesen.

Carrie Vaughn: Bellum Romanum
Die Radiomoderatorin Kitty kenne ich schon aus der Geschichte, die Carrie Vaughn zusammen mit Diana Rowland in „Urban Allies“ veröffentlicht hat. Da ich darüber aber nicht viele Hintergründe zu ihrer Urban-Fantasy-Welt bekam, war mir Kittys Gegenspieler, der Vampir Roman, bislang kein Begriff. In „Bellum Romanum“ erfährt der Leser, wieso Roman (bzw. der römische Centurio Gaius Albinus) sich die Vernichtung der Welt zum Ziel gesetzt hat und welche Schritte er schon ganz am Anfang seines untoten Lebens unternahm, um dieses Ziel zu erreichen. Kein sympathischer Protagonist, aber trotzdem ein interessanter Einblick in sein Denken, der mich noch ein bisschen neugieriger auf die Kitty-Norville-Romane gemacht.

Jonathan Maberry: Altar Boy
Auch von Jonanath Maberry habe ich schon einige Geschichten gelesen, aber obwohl sie mir in der Regel zugesagt haben, ist er kein Autor, von dem ich mir Romane besorgen würde. Das liegt in erster Linie daran, dass ich nur militärische Urban Fantasy von ihm kenne und Militärgeschichten lese ich eigentlich nur, wenn ich keine Auswahl habe oder das Thema sehr ungewöhnlich aufgegriffen wird. In „Altar Boy“ erlebt man eine Geschichte rund um „Troys“ – einem Mann, der früher aus den besten Motiven heraus zu einem der Bösen wurde und nun alles versucht, um Buße zu tun, was nicht so einfach ist, wenn einen die Vergangenheit einholt. Die Geschichte hatte was. Obwohl Troys nicht der sympathischste Charakter ist, hatte ich am Ende aufgrund der Entscheidungen, die er treffen musste, Mitleid mit ihm, und das ist mehr, als ich zu Beginn der Geschichte erwartet hatte.

Faith Hunter: Make It Snappy
Gleichförmige Vampirgeschichten gab es in den letzten Jahren ja genug und gerade die Variante, in der es einen supermächtigen Herrscher über ein Gebiet gibt, der Menschen als Blutsklaven hält und dessen Existenz durch uralte Rivalitäten geprägt zu sein scheint, geht mir ziemlich auf die Nerven. Umso überraschender ist es, dass ich diese Kurzgeschichte rund um Leo Pellissier, den „Vampire Master of the City of New Orleans“, trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit in der Handlung mochte. Mir gefiel der Erzählton von Faith Hunter ebenso wie das Verhältnis zwischen Leo und einigen seiner Verbündeten – und gerade weil ich das unter den Voraussetzungen nicht erwartet hatte, habe ich deshalb die Geschichte umso mehr genossen.

Jon F. Merz: Chase the Fire
Von diesem Autor hatte ich vorher noch nichts gelesen und nach dieser Geschichte habe ich auch nicht das Bedürfnis, mehr zu lesen. In der Geschichte gibt es eine nicht-untote Vampirvariante, die sich anscheinend im Geheimen und parallel zur Menschheit entwickelt hat, und die Handlung dreht sich anscheinend um zwei Widersacher des Protagonisten der dazugehörigen Romanreihe, von denen einer versucht, dem anderen ein Artefakt zu stehlen, das ihm große Macht bringen wird. Ohne ausreichende Hintergründe zur Welt und zu den Figuren fühlte ich mich etwas aufgeschmissen als Leser, was dazu führte, dass mir das Schicksal des Erzählers ebenso gleichgültig war wie die Pläne seines potenziellen Opfers. Das Ganze hat mich nicht mal neugierig auf die Romane des Autors gemacht …

Diana Pharaoh Francis: Unexpected Choices
Auch wenn ich mich wiederhole: Ich mag Diana Pharaoh Francis‘ Art, eine Geschichte zu erzählen (obwohl ich immer wieder kritisierenswerte Aspekte in ihren Werken finde). „Unexpected Choices“ gehört zu der „Hornblade Witches“-Reihe, was es mir leicht gemacht hat, in die Handlung zu finden, da ich die Romane (vor einigen Jahren) gelesen habe. In dieser Kurzgeschichte gehen zwei der Nebenfiguren – genauer gesagt eine anscheinend skrupellose Hexe und ein hochmütiger Engel – ein ungewöhnliches Bündnis ein, um ein rätselhaftes Ding zu stehlen. Ich glaube, dass man die Geschichte auch ohne das Hintergrundwissen um die Romane genießen kann, kann das aber natürlich nicht wirklich beurteilen. Mir persönlich hat es gefallen, mehr über diese beiden Figuren zu erfahren und zu sehen, wie sie miteinander umgehen, und ich habe mich sehr über die Gespräche zwischen den beiden amüsiert.

Steven Savile: Reel Life
In gewisser Weise hat ein Autor, der einen „Enemy“ zur Hauptfigur seiner Geschichte macht, alles richtig gemacht, wenn ich den Protagonisten auf den ersten Blick nicht leiden kann. Dummerweise hat es mir diese Tatsache schwer gemacht, mich überhaupt auf die Handlung (und die Welt) einzulassen. Seth ist eine Person, der gewinnen wichtiger ist als alles andere, und so ist es nicht verwunderlich, dass er die Frau, die er „liebt“, in erster Linie besitzen wollte, weil sein Bruder sie begehrte. Als er sie endlich in seiner Gewalt hatte, war Gewalt alles, womit er auf ihre Abneigung gegen sich reagieren konnte. Wie schon bei „Urban Allies“ hatte ich auch hier das Gefühl, dass mir das Wissen aus den Romanen fehlt, um die Figuren und ihr Handeln wirklich einordnen zu können. So hat mir „Reel Life“ ein paar interessante Ideen geboten, aber insgesamt fühlte ich mich beim Lesen etwas verloren (und abgestoßen vom Protagonisten).

Domino Finn: The Difference Between Deceit and Delusion
Das war meine erste Geschichte von Domino Finn und ich muss zugeben, dass ich die Erzählweise ebenso mochte wie den Einsatz verschiedener westafrikanischer Elemente – wobei ich nicht beurteilen kann, wie stimmig diese Dinge aufgegriffen und für diese Urban-Fantasy-Geschichte verwendet wurden. Die Handlung dreht sich um einen nicht-menschlichen „Bodyguard“, seine beiden afrikanischstämmigen Mitarbeiter und eine Gefahr für das Geschäft seines Auftraggebers. Die Geschichte ist nicht schön, sehr blutig und brutal, aber gerade aufgrund der Abgebrühtheit des Protagonisten auch irgendwie sehr cool gewesen.

Seanan McGuire: Balance
Obwohl ich die „Cuckoos“ – „telepathic ambush predators“, die vom Wesen her gern mit Wespen in Menschengestalt verglichen werden –  schon aus der InCryptid-Reihe der Autorin kenne, bin ich mir sicher, dass man „Balance“ auch sehr gut ohne das Vorwissen genießen kann. Die Protagonistin dieser Geschichte erzählt einem ganz genau, wo ihre Rasse herkommt, wie sie überleben und welche Vorlieben sie ganz persönlich hat. Aber man erfährt auch, welche Gefahren es für die „Cuckoos“ mit sich bringt, wenn jemand ihre wahre Natur entdeckt. Sehr böse geschrieben und sehr gut! 🙂

Sam Witt: Everywhere
Sam Witt gehört zu den Autoren, die ich bislang nur von „Urban Allies“ kenne, aber da mochte ich seine Redneck-Urban-Fantasy-Welt und seine Figur, den Night Marshall, sehr gern. In „Everywhere“ bekommt man die Geschichte aus der Perspektive des Long Man geschildert, der vor langer Zeit ausgesand wurde, um die Menschheit vor großem Bösen zu beschützen, sich aber im Laufe dieses ewig währenden Krieges selbst in etwas Böses verwandelte. Die Grundidee ist definitiv nicht neu, aber ich mag Sam Witts Erzählweise und die Hoffnungslosigkeit, die in dieser Geschichte mitschwang.

***

Wenn ich überlege, wie gut mir die Geschichten in „Urban Allies“ gefallen hatten, bin ich am Ende etwas überrascht davon, wie gemischt mein Eindruck von „Urban Enemies“ ist. Es gab einige Autoren, deren Geschichten ich wirklich genießen konnte, aber oft hatte ich auch das Gefühl, ich wüsste zu wenig über die Hintergründe der jeweiligen Fantasywelt oder über die Figuren, um etwas mit der Handlung anfangen zu können. Es wäre vermutlich für mich interessanter gewesen, wenn auch bei „Urban Enemies“ jeweils zwei Autoren an einer Geschichte geschrieben hätten. Trotzdem war es mal wieder spannend, eine Anthologie mit so unterschiedlichen Autoren und Geschichten zu lesen! 🙂