K. O’Neill: The Tea Dragon Society (Comic)

Um „The Tea Dragon Society“ von K. O’Neill schleiche ich schon sehr lange herum, aber erst als in diesem Jahr die Taschenbuchausgabe des Bandes erschienen ist, habe ich den Comic auch wirklich auf meinen Wunschzettel gesetzt. Denn so sehr ich den Zeichenstil in „Princess Princess Ever After“ mochte und so sehr mich Tee-Drachen als fantastische Kreaturen reizten, so fand ich den Hardcoverpreis für einen 72-Seiten-Comic doch etwas heftig. Nach dem Lesen des Comics muss ich gestehen, dass ich sehr hoffe, dass die folgenden beiden Titel der Reihe auch bald als Taschenbücher erscheinen, denn sonst werde ich wohl doch noch das Geld für die HC-Ausgaben zusammenkratzen müssen. 😉 „The Tea Dragon Society“ ist einfach bezaubernd und wohltuend, gerade weil kaum etwas in der Geschichte passiert. K. O’Neill erzählt in vier Kapiteln (Spring/Summer/Autumn/Winter) und einem Epilog von dem jungen Goblinmädchen Greta, das eines Tages über einen Tea Dragon stolpert und in den folgenden Monaten mehr über diese seltenen Kreaturen lernt.

Die Tea Dragons sind nicht gerade einfach zu haltende Haustiere, doch zum Glück gibt es da noch Hesekiel und Erik, die sich gemeinsam um die Drachen der ehemaligen Tea Dragon Society kümmern. Außerdem freundet sich Greta mit der jungen Minette an, die seit einigen Monaten im Gartenhaus von Hesekiel lebt und ihre ganz eigene Vorgeschichte hat. Ich mochte es, dass all die Charaktere in dieser Geschichte so nett und freundlich sind, dass sie sich um die Drachen kümmern, obwohl die kleinen Wesen ganz schön herausfordernd sein können, und dass sie den Tee (und die damit verbundene Magie) der Drachen so sehr genießen. Obwohl recht wenig passiert und alle so liebevoll miteinander umgehen, gibt es auch den einen oder anderen düsteren Moment in „The Tea Dragon Society“, wenn es um die Vergangenheit von Hesekiel und Erik oder die von Minette geht, aber da diese Szenen eben in der Vergangenheit liegen, trüben sie den harmonischen Gesamteindruck überhaupt nicht.

Neben den Figuren und der sehr entspannten Handlung gefiel mir die Welt, die K. O’Neil für die Geschichte geschaffen hat. Greta und ihre Familie sind Goblins, Erik scheint ein Mensch zu sein, und was Hesekiel und Minette genau sind, wird nicht näher erwähnt, aber alle leben und arbeiten friedlich nebeneinander. Außerdem werden (so wie es sein sollte, aber viel zu selten passiert) ganz selbstverständlich Figuren mit Behinderung oder LGBTQ+-Charaktere in die Geschichte eingeflochten. Ich finde es schön, dass es überhaupt kein Thema ist, dass Erik im Rollstuhl sitzt oder dass Minette ganz eigene Probleme hat, die ihren Alltag erschweren. Stattdessen stehen die Freundschaft, die sich zwischen all diesen unterschiedlichen Charakteren entwickelt, die liebevolle Aufmerksamkeit, die sie den zauberhaften Drachen schenken, und die Wertschätzung, die traditionelles Handwerk verdient, im Mittelpunkt der Geschichte.

Der relativ einfache, aber ausdrucksstarke Zeichenstil von K. O’Neill und die atmosphärische Kolorierung unterstreichen dabei den heimeligen und wohltuenden Charakter der Geschichte, und die fehlenden Outlines geben den Zeichnungen eine märchenhaft anmutende Weichheit, die ich so bei anderen Künstler*innen noch nicht gesehen habe. Ergänzt wird der Comic am Ende mit ein paar Auszügen aus dem Tea-Dragon-Handbuch, die einem mehr über die ungewöhnlichen Drachen und ihre Haltung und Pflege erzählen (und in mir den Wunsch nach einem Peppermint Tea Dragon wecken 😉 ). Ich bin mir sicher, dass ich „The Tea Dragon Society“ in Zukunft regelmäßig aus dem Regal ziehen werde, wenn ich eine kleine wohltuende Auszeit benötige, und freue mich darüber, dass ich irgendwann noch zwei weitere Bände lesen kann, die in dieser bezaubernden Welt spielen.

Amy Wilson: Owl and the Lost Boy

Vier Jahre, nachdem die Autorin Amy Wilson die Geschichte „A Girl Called Owl“ veröffentlicht hatte, kehrt sie mit „Owl and the Lost Boy“ in Owls Welt zurück. Für Owl sind zwischen den beiden Romanen gerade mal ein paar Monate vergangen – eine Zeit, in der sie damit fertig werden musste, dass Jack Frost ihr leiblicher Vater ist und dass er den Sommer über keinen Kontakt zu ihr haben kann. Über all diese Gedanken rund um Jack und die Feenwelt kam ihre Freundschaft zu Mallory und Alberic viel zu kurz – und je mehr ihr schlechtes Gewissen sie plagte, desto weniger wusste Owl, wie sie auf ihre Freunde wieder zugehen sollte. Doch als Owl in der Schule fast zusammenbricht, weil die langanhaltende Hitze ihr zu schaffen macht, da Ende Oktober immer noch kein Herbstanfang in Sicht ist, steht Mallory ihr zur Seite. Gemeinsam machen sich die beiden Mädchen auf, um herauszufinden, was in der Feenwelt nicht in Ordnung ist, weshalb ihr Freund Alberic verschwunden ist und wieso Alberics Vater, der Earl of October, nicht rechtzeitig den Herbst in die Menschenwelt gebracht hat.

Zu Beginn von „Owl and the Lost Boy“ ist es erschütternd zu sehen, wie sehr sich Owl und ihre beste Freundin Mallory über den Sommer auseinandergelebt und wie wenig sie sich um Alberic gekümmert haben, obwohl dieser Owl im vergangenen Winter so sehr geholfen hatte. Dabei gelingt es Amy Wilson, nicht nur diese Entfremdung zwischen den drei Jugendlichen, sondern auch ihr erneutes Annähern wunderbar überzeugend und realistisch zu beschreiben. Doch vorher müssen Owl und Mallory erst einmal Alberic finden, der auf der Suche nach seinem Vater in der Zeit verloren ging, und herausbekommen, welche Probleme ihn so sehr beschäftigen und wie sie ihm helfen können. Während sich der erste Band um all die Veränderungen für Owl drehte, als sie erfährt, dass sie Jack Frosts Tochter ist und dass es eine Feenwelt voller furchterregender und mächtiger Wesen gibt, so geht es in „Owl and the Lost Boy“ eher um die Veränderungen, die Owls und Alberics Existenz für die Feen- und für die Menschenwelt mit sich bringen könnte.

Dabei mochte ich es sehr, wie die Autorin eine mitreißende und magische Handlung um die – im ewigen Krieg stehenden – Jahreszeiten spinnt und dabei gleichzeitig eine Geschichte rund um Umweltschutz, Klimaveränderungen und Politik erzählt, ohne zu sehr den mahnenden Finger zu erheben. Stattdessen bringt Amy Wilson ihre Protagonisten dazu, darüber nachzudenken, welche Fähigkeiten sie selbst haben und welche Veränderungen in der Welt sie herbeiführen können. Dieses Nachdenken über die eigenen Fähigkeiten und darüber, was selbst jemand wie Mallory, die über keinerlei Magie verfügt, bewirken kann, ist gerade deshalb beim Lesen so berührend, da Owl die gesamte Geschichte über das Gefühl hat, sie hätte während des Sommers nicht nur all ihre Magie verloren, sondern inzwischen auch keinerlei Energie mehr, um sich noch um irgendetwas zu kümmern. Ich muss gestehen, dass ich regelmäßig Phasen habe, in denen ich diese Gefühl durchaus teile und dass ich gerade zum Ende dieses Jahres genau solch ein Buch gebraucht habe, das mit einer wunderschön erzählten Geschichte auch ein kleines bisschen Hoffnung für positive Veränderungen in der Welt mit sich bringt. Ich empfinde Amy Wilsons märchenhafte Geschichten als überaus wohltuend, und ich bin froh, dass mit „Snowglobe“ noch ein weiterer Titel der Autorin auf meinem SuB auf mich wartet.

Tom Reiss: The Black Count …

… Napoleon’s Rival, and the Real Count of Monte Cristo – General Alexandre Dumas

„The Black Count“ von Tom Reiss gehört zu den Büchern, bei denen ich mal wieder nicht weiß, wie ich darauf gestoßen bin. Aber ich bin sehr, sehr froh, dass ich darauf aufmerksam wurde, denn diese Biografie las sich überaus spannend (auch wenn ich wegen der relativ kleinen Schrift, der Masse an Informationen und diversen Unterbrechungen recht lange dafür gebraucht habe). General Thomas-Alexandre „Alex“ Dumas war der Vater des berühmten Schriftstellers Alexandre Dumas, und er muss eine überaus beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein. Alex‘ Vater war der französische Adelige Alexandre Antoine Davy de la Pailleterie, während seine Mutter Marie Cessette (Dumas) nicht nur eine schwarze Frau war, sondern als Sklavin auf der Insel Saint-Domingue lebte, wo Alexandre de la Pailleterie auf der Plantage seines Bruders Charles Zuflucht gesucht hatte. Als Sohn einer versklavten Frau gehörte auch Alex zum Besitz seines Vaters, und obwohl er anscheinend eine relativ privilegierte Kindheit auf Saint-Domingue gehabt hat, wurde er (ebenso wie seine Geschwister, von denen es keinerlei weitere Aufzeichnungen gibt) von seinem Vater verkauft, als dieser für seine Rückkehr nach Frankreich Geld benötigte.

Erst ein Jahr später betrat Alexandre Dumas als Vierzehnjähriger französischen Boden, um in den folgenden Jahren (nachdem sein Vater ihn zurückgekauft und offiziell die Vaterschaft anerkannt hatte) nicht nur die entsprechende Ausbildung zu genießen, sondern auch das Leben eines Sohns aus adeligem Hauses zu führen. Nach dem Tod seines überschuldeten Vaters war Alex gezwungen, sich (erneut) seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und ging zum Militär, wo er zu Beginn der Französischen Revolution eine unglaubliche Karriere hinlegte. Erst Napoleon Aufstieg (sowohl innerhalb des Militärs als auch später als selbsternannter Konsul) beendete Alex Dumas‘ erfolgreiches Leben als General. Stattdessen durchlebte er eine Kriegsgefangenschaft, die ihn seine Gesundheit kostete und durch die seinen Sohn zu der Handlung vom „Grafen von Monte Christo“ inspiriert wurde, und verstarb wenige Jahre später verarmt in einem Frankreich, das unter Napoleons Führung seinen schwarzen Bürgern all die zu Beginn der Revolution erstrittenden Rechte wieder nahm.

Ich muss gestehen, dass ich am Anfang des Buches etwas überrascht davon war, dass man erst einmal so viel über das Leben von Alexandre de la Pailleterie erfährt und dass es so lange dauert, bis man zu Alex Dumas kommt. Aber ohne all die Höhen und Tiefen, die das Leben seines Vaters genommen hat, wäre Alex Dumas wohl niemals General der französischen Revolutionsarmee geworden. Außerdem baute dieser Teil rund um Pailleterie die Grundlagen auf für die weiteren Entwicklungen – sowohl die persönlichen von Alex Dumas, als auch die politischen rund um Frankreich und all die anderen europäischen Länder, mit denen Frankreich im Krieg lag. Auch haben mich zu Beginn die immer wieder von Tom Reiss gezogenen Vergleiche zwischen den europäischen Kolonialmächten und den Frühphase der USA etwas irritiert, obwohl ich diese grundsätzlich bei einem US-Autor verständlich finde. Im Laufe des Buches wird aber deutlich, wie sehr die Entwicklungen in den USA die Urväter der Französischen Revolution inspiriert hatten.

Beim Lesen fand ich nicht nur das Leben von General Alex Dumas überaus spannend, sondern auch die Quellen, die Tom Reiss für sein Buch herangezogen hat. Denn der Autor hatte nicht nur Unmengen an Materialien in den diversen Archiven gefunden und Zugriff auf noch erhaltene private Briefe der Familie Dumas gehabt, sondern auch einige seiner Darstellungen auf Alexandre Dumas‘ Beschreibungen seines Vaters basieren lassen – wobei er immer in Fußnoten anmerkt, ob er weitere Belege für die geschilderten Szenen gefunden hat oder nicht und aus welcher Quelle Alexandre Dumas selbst wohl diese Anektdote erzählt bekommen hatte, da sein Vater starb, als der Schriftsteller gerade mal vier Jahre alt war. Ich muss gestehen, dass ich immer das Gefühl hatte, dass die Französische Revolution in meiner Schulzeit unangemessen viel Raum eingenommen hatte, aber beim Lesen von „The Black Count“ habe ich so viele Zusammenhänge gelernt und so viele Dinge erfahren, die ich vorher nicht wusste, dass ich diese Biografie nicht nur als spannend, sondern auch als ungemein lehrreich empfunden habe.

Das Leben von Alex Dumas war so sehr mit der Französischen Revolution verwoben, dass es unmöglich ist, seine Biografie zu schreiben, ohne auf die verschiedenen Entwicklungen der Revolution einzugehen, die Einfluss auf das Leben schwarzer Menschen in Frankreich und den französischen Kolonien hatte. Neu war für mich zum Beispiel, dass eine der treibenden Kräfte in der Anfangszeit der Revolution eine Gruppierung war, die für die Abschaffung der Sklaverei war. So fand ich es großartig, davon zu lesen, wie sehr sich das Leben von Schwarzen, People of Color und sogar Juden in den ersten Jahren der Französischen Revolution verbesserte, und umso bedrückender war es dann, zu erfahren, wie sehr Napoleons Rassismus all diese Fortschritte wieder rückgängig gemacht hat. „The Black Count“ hat mir also nicht nur einen faszinierenden Mann nähergebracht, von dem ich vor diesem Buch noch nichts gehört hatte, sondern auch sehr viele neue Einblicke rund um die Französische Revolution präsentiert.

Nachdem Tom Reiss in diesem Buch immer wieder auf die Werke von Alexandre Dumas verwiesen hat – wobei vor allem „Der Graf von Monte Christo“ regelmäßig erwähnt wurde -, habe ich das Gefühl, ich sollte im kommenden Jahr mal einen Reread von Dumas‘ Büchern einlegen. Das letzte Mal, als ich zu Alexandre Dumas‘ Büchern gegriffen habe, war, als ich ein Teenager war, und das ist doch schon eine ganze Weile her, so dass ich mich an keinerlei Details mehr erinnere. Außerdem habe ich von Tom Reiss noch den Titel „The Orientalist: In Search of a Man caught between East and West“ auf meine Merkliste gesetzt, weil der auch überaus interessant klingt und ich nach „The Black Count“ sagen kann, dass der Autor in der Lage ist, mir historische Persönlichkeiten so nahezubringen, dass ich nicht nur die Person, sondern auch all die politischen Umstände, in die sie verwickelt ist, spannend finde.

Sophie Escabasse: Witches of Brooklyn (Comic)

„Witches of Brooklyn“ von Sophie Escabasse habe ich im November zum Geburtstag bekommen und dann recht schnell aus dem Regal gezogen, weil es einfach nach einer süßen und lustigen Geschichte zum Entspannen klang – und genau das war es dann auch. Dabei ist die Situation für die elfjährige Protagonistin Effie zu Beginn alles andere als lustig, als sie mitten in der Nacht von einem Angestellten des Jugendamtes vor der Tür ihrer Tante Selimene abgeladen wird, da ihre Mutter gestorben ist. Selimene ist nicht nur alt genug, um Effies Großmutter zu sein, sondern auch eine sehr energische und nicht ganz einfache Dame. Zum Glück lebt Selimene mit ihrer Freundin Carlota zusammen, die einen deutlich ausgeglicheneren Eindruck macht – trotzdem ist sich Effie anfangs sicher, dass sie es nicht lange mit den beiden exzentrischen Frauen unter einem Dach aushalten wird. Doch im Laufe der Zeit lernt Effie ganz überraschende und liebenswerte Seiten an Selimene und Carlota kennen, und als sich auch noch herausstellt, dass die beiden älteren Damen Hexen sind, kann sich Effie kaum noch vorstellen, jemals wieder woanders zu leben.

Ich muss gestehen, dass in „Witches of Brooklyn“ gar nicht so viel passiert, obwohl der Comic 240 Seiten umfasst, aber es ist sehr, sehr niedlich zu verfolgen, wie Effie sich bei ihrer Tante Selimene und deren Freundin Carlota einlebt, wie sie im Laufe der Zeit Freunde in der Schule findet und wie sie mehr über die Fähigkeiten der beiden Hexen herausfindet. Außerdem trifft Effie im Laufe der Geschichte auf eine Sängerin, die vor ihrem nächsten Konzert dringend etwas übernatürliche Hilfe benötigt. Dabei mochte ich es sehr, dass so viele unterschiedliche Charaktere – von der sehr eigenwilligen Selimene über die Bibliothekar-Ritterrüstung bis zum kochenden Popstar-Assistenten Martin – in der Geschichte vorkommen. Immer wieder gibt es absurde oder amüsante Momente, die einen zum Schmunzeln bringen, oder berührende Szenen, in denen deutlich wird, wie sehr Effie ihre Mutter vermisst und wie schwer es ihr trotz all der tollen Freunde und Familienmitglieder fällt, sich in ihrem neuen Zuhause einzuleben.

Ich habe die Figuren in diesem Comic wirklich ins Herz geschlossen, und das lag natürlich nicht nur an der niedlichen und unterhaltsamen Handlung, sondern auch an den liebenswerten Zeichnungen von Sophie Escabasse. Einige ihrer Charaktere haben etwas überzeichnete Gesichtszüge und Körper, aber die Darstellungen fühlen sich nie negativ an, weil auch Personen, die auf den ersten Blick nicht so hübsch zu sein scheinen, im Laufe der Geschichte Szenen bekommen, in denen sie sich von ihrer besten Seite zeigen können. Ich fand es toll zu sehen, wie ausdrucksstark die Zeichnungen sind und wie schön Körpersprache und Mimik zu den verschiedenen Figuren passen. So gibt es so einige Szenen, in denen Effie oder Selimene mit großen, dramatischen Gesten ihre Worte unterstützen, wie es zu ihrem überschäumenden Temperament passt, während Effies schüchterner Freund Oliver auf fast jedem Panel, in dem er zu sehen ist, seine Arme eng am Körper hält und sich regelmäßig geradezu kleinmacht, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mir hat „Witches of Brooklyn“ wirklich viel Freude bereitet und ich hoffe sehr, dass bald ein weiterer Band rund um Effie. Selimene und Carlota erscheint.

Dean Atta: The Black Flamingo

Wenn man „The Black Flamingo“ von Dean Atta beginnt, fällt sofort die ungewöhnliche Erzählweise ins Auge, die der Autor für seine Geschichte gewählt hat. Denn Dean Atta ist in erster Linie ein Poet und so hat er auch sein Buch als eine „verse novel“ geschrieben, bei der die einzelnen (häufig kurzen) Gedichte von verschiedenen Momenten in dem Leben des Protagonisten Michael erzählen. Dabei begleitet der Leser Michael von seinem sechsten bis zu seinem neunzehnten Lebensjahr und erfährt so viel darüber, welche Wege dieser auf der Suche nach seiner eigenen Identität einschlägt. Denn Michael ist nicht nur ein schwarzer Brite mit jamaikanisch-zypriotischer Abstammung, der sich weder jamaikanisch noch griechisch-zypriotisch genug fühlt, um wirklich zu einer dieser Zuwanderergruppen zu gehören, sondern Michael ist auch schwul und hat von klein auf mit den dementsprechenden Vorurteilen und Anfeindungen zu kämpfen.

I Want to Be a Pink Flamingo

Pink. Definitely pink.
I want my feathers to match
the hue you imagine.
I want to blend in.
Nothing but flamingoness.

David Attenborough would say,
„Here we see the most typical flamingo.“

Though I don’t want to be the most,
just typical. A wrapping-paper pattern.
I don’t want to stand apart.
Nothing different about my parts.
My beak just a beak, my head just a head.
My neck, body, wings. Simply fit for purpose.
Standing on one leg, just like the rest.
Pink. Definitely pink. (Seite 194)

Ich fand Michaels Geschichte sehr berührend zu lesen, gerade weil er im Laufe der Zeit immer wieder darüber nachdenkt, wie andere Menschen ihn eigentlich sehen und was diese Sicht der anderen mit ihm selber macht. Außerdem war es spannend, die vielen unterschiedlichen Gedichtformen zu lesen und zu sehen, wie jedes einzelne dieser Gedichte für sich stehen kann und doch gleichzeitig einen wichtigen Teil des Gesamtbilds darstellt. Dean Attas Spiel mit der englischen Sprache habe ich wirklich genossen, und seine Zeilen haben noch einige Zeit nach dem Lesen in mir nachgeklungen. So gelingt es dem Autoren, Michael nicht nur als Protagonisten, sondern auch als Künstler innerhalb der Geschichte wachsen zu lassen. Dabei muss Michael sich mit seinen eigenen Vorurteilen und Schwächen ebenso auseinandersetzen wie mit seinen Stärken und Wünschen. Das bringt auf diese Weise den Leser fast beiläufig dazu, ebenfalls über sein Verhalten und seinen Umgang mit sich selbst und anderen nachzudenken.

Only one name comes to mind. It’s like
I’ve said it before: „I am The Black Flamingo
and my pronouns are he and him,“ I declare.
I’m sure of this for the first time ever.

They look at each other, then at me,

Then Mzz B asks, „So are you a king,
a queen or …?“

„Neither,“ I say. „I’m just a man and I want
to wear a dress and make-up on stage,
I want to know how it feels to publicly
express a side of me I’ve only felt privately
when playing with my Barbie as a boy.
It was only at home that I’d play with that toy;
I knew my Mum loved me more than
anyone else and with her I could be myself.
I didn’t think boys could do ballet, certainly
not a black boy and definitely not me.
I was already suspicious that people were
nice to me despite me being different.
I never wanted to take my difference too far.“
[…] (Seite 206)

Faszinierend war es auch zu sehen, wie viele unterschiedliche Themen Dean Atta in diesem Buch anspricht und dass sich dies beim Lesen anfühlt, als ob er nur eine helfende Hand reichen will, damit der Leser seinen Horizont etwas erweitert kann. Dabei kann man wohl davon ausgehen, dass Dean Atta sehr viele Elemente seiner eigenen Biografie in Michaels Geschichte verarbeitet hat, denn auch der Autor ist schwarz und schwul und Drag-Künstler. Ich muss gestehen, dass es mir überraschend schwerfällt, über dieses Buch zu schreiben, weil es so viel beinhaltet, dass ich gar nicht auf alle Aspekte eingehen kann. Ich kann nur sagen, dass „The Black Flamingo“ mich sehr berührt hat, und deshalb wünsche ich diesem Titel viele Leser, die gemeinsam mit Michael ein kleines bisschen wachsen und ihre Flügel ausbreiten dürfen.

Hanna Alkaf: The Girl and the Ghost

Von Hanna Alkaf habe ich schon eine ganze Weile den Roman „The Weight of Our Sky“ auf dem SuB, aber als „The Girl and the Ghost“ erschien, musste ich das Buch trotz der Tatsache, dass die Autorin bislang „unerprobt“ ist, unbedingt haben, weil die Beschreibung einfach so gut klang. Die Geschichte dreht sich um die junge Suraya, die beim Tod ihrer Großmutter von dieser einen Pelesit (einen Geister-Familiar, aus der Sagenwelt Malaysias) erbt. Dabei wird dem Leser die Handlung abwechselnd aus Sicht des Mädchens und aus Sicht des Geistes erzählt, was es leichter macht, die Gedanken und die Motive der beiden zu verstehen.

Ich muss gestehen, dass ich anfangs den Roman ziemlich häufig aus der Hand gelegt habe, weil die Geschichte nicht nur ein paar Elemente enthielt, auf die ich empfindlich reagiere (wie Insektenplagen – auch in Zusammenhang mit Essen), sondern mir auch durchgehend das Gefühl gab, dass es jeden Moment ganz schrecklich werden würde. Auf der anderen Seite war „The Girl and the Ghost“ so wunderschön geschrieben und beinhaltete so viele tolle Szenen, dass ich das Buch definitiv nicht abbrechen wollte. Als ich den Roman dann beendet hatte, musste ich meinen Gefühlen ein bisschen auf Twitter Luft machen, was auf folgenden Tweet hinauslief:

Twitter-Screenshot mit dem Text: Es ist so schön ein Buch zu beenden, dass so berührend und toll geschrieben, witzig und fürchterlich und einfach nur gut war, dass ich am Ende einfach nur ein paar Stunden dasitzen und die Stimmung festhalten will.

Für Suraya, die in einem recht freudlosen und gefühlskalten Zuhause aufwächst, ist der Geist – den sie mit all ihrer fünfjährigen Weisheit „Pink“ nennt – ein dringend notwendiger Freund. Doch im Laufe der Zeit muss sie feststellen, dass die Freundschaft zu Pink ein zweischneidiges Schwert ist, denn so sehr er ihr zur Seite steht, so kann er doch seinen Ursprung als Fluch- und Plagenbringer nicht verleugnen. Er ist für sie da, als sie in der Schule drangsaliert wird, und man könnte sagen, dass er der Grund ist, warum sie im Laufe der Geschichte häufig besser und verzeihender ist, als man es bei einem Charakter ihres Alters erwarten würde, da sie weiß, dass Pinks Aktionen gegen ihre Feinde maßlos und fürchterlich sein würden. Richtig dramatisch wird es, als Suraya endlich eine Freundin findet und Pink nicht weiß, wie er damit umgehen soll.

Aber während Hanna Alkaf mich in der ersten Hälfte von „The Girl and the Ghost“ damit fertiggemacht hat, dass sie mich die ganze Zeit fürchten ließ, dass schreckliche Dinge passieren, gelingt es der Autorin, all die fürchterlichen Entwicklungen und Enthüllungen am Ende mit so vielen amüsanten Momenten zu mischen, dass ich diese Passagen – entgegen aller vorherigen Befürchtungen – rundum genossen habe. Ich habe Suraya, ihre chinesische Freundin Jing, Pink und ein paar der übernatürlichen Nebenfiguren wirklich ins Herz geschlossen. Außerdem fand ich es spannend, mal eine Geschichte zu lesen, die in Malaysia spielt und neben all den Sagenelementen auch ganz selbstverständlichen den Alltag in diesem Land aufgreift. Doch vor allem hat es mir Hanna Alkafs Erzählweise angetan, die zwischen märchenhaft und modern schwankt und von der ersten bis zur letzten Seite mit meinen Emotionen spielte.

 

Dezember-SuB 2020

Auch wenn ich im November nicht auf  meine „Wohlfühlseitenzahl“ gekommen bin, so kann ich nicht sagen, dass es ein schlechter Lesemonat gewesen wäre. Obwohl ich viel um die Ohren hatte, habe ich so gut wie jeden Tag zum Buch gegriffen und das finde ich ziemlich schön. Der SuB ist natürlich trotzdem angewachsen, aber das war angesichts all der Bücher, die mir zum Geburtstag geschenkt wurden, natürlich zu erwarten. Ich bin gespannt, wie der SuB-Stand dann zum Jahresende sein wird, wenn auch noch die Weihnachtsgeschenke dort gelandet sind … *g*

Da ich inzwischen „The Black Count“ beendet habe, das mich so einige Lesezeit gekostet hat (wobei die Lesedauer definitiv nicht an dem Sachbuch lag, sondern an der kleinen Schrift, den vielen zu verarbeitenden Informationen und meiner eigenen Unkonzentriertheit), mochte ich im Dezember endlich zu „Invisible Women“ greifen. Außerdem gibt es ja noch diverse Buchstapel neben dem Sofa mit Titeln, die ich „jetzt sofort“ lesen will! Mal schauen, wie viel ich so auf die Reihe bekommen und wie oft ich bei meinen Leseplänen von so spontan reinkommenden Projekten gestört werde. Spätestens über die Weihnachtsfeiertage sollte ich definitiv einiges an Lesezeit einrichten können, denn zum Jahresende muckeln mein Mann und ich uns traditionell mit unseren Büchern und Spielen ein und genießen das entspannte Beeinandersein. 🙂

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelley Armstrong: The Gryphon’s Lair (A Royal Guide to Monster Slaying 2)
  5. Lily Anderson: Undead Girl Gang
  6. Sophie Anderson: The Castle of Tangled Magic
  7. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  8. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  9. Diana Biller: The Widow of Rose House
  10. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  11. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  12. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  23. Rachel Caine: Paper and Fire (The Great Library 2)
  24. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  25. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  26. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  27. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  28. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  29. Orlagh Collins: All the Invisible Things
  30. Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers
  31. April Daniels: Dreadnought (Nemesis 1)
  32. Sarah Beth Durst: Race the Sands
  33. Louise Erdrich: The Birchbark House
  34. Natasha Farrant: Eight Princesses and a Magic Mirror
  35. Catherine Fisher: The Velvet Fox (The Clockwork Crow 2)
  36. Anita Frank: The Lost Ones – Some Houses are Never at Peace
  37. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  38. Jasmine Gower: Moonshine
  39. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  40. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  41. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  42. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  43. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  44. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  45. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  46. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  47. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  48. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  49. Rachel Hartman: Seraphina
  50. Phil Hickes: The Haunting of Aveline Jones
  51. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  52. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  53. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  54. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  55. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  56. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  57. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  58. Sharna Jackson: High Rise Mystery
  59. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  60. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  61. Diana Wynne Jones: Power of Three
  62. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  63. Michelle Ruiz Keil: All of Us with Wings
  64. Celine Kiernan: Geisterpfade
  65. Celine Kiernan: Königspfade
  66. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  67. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  68. R. F. Kuang: The Poppy War
  69. Yoon Ha Lee: Dragon Pearl
  70. Y.S. Lee: The Body at the Tower (The Agency 2)
  71. Darcie Little Badger: Elatsoe
  72. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  73. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  74. Kwame Mbalia: Tristan Strong Punches a Hole in the Sky
  75. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  76. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  77. Seanan McGuire: The Unkindest Tide (October Daye 13)
  78. Seanan McGuire: Middlegame
  79. Robin McKinley: Sunshine
  80. Robin McKinley: Dragonhaven
  81. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  82. Karen M. McManus: Two can Keep a Secret
  83. Kelly Meding: Stray Magic
  84. Kelly Meding: Stray Moon
  85. Kate Milford: The Boneshaker
  86. Kate Milford: Bluecrowne
  87. Maya Montayne: Nocturna
  88. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
  89. Bishop O’Connell: The Stolen
  90. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  91. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  92. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  93. Natalie C. Parker: Seafire
  94. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  95. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  96. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  97. Sarah Prineas: Dragonfell
  98. Philip Reeve: Larklight
  99. Kat Richardson: Labyrinth (Greywalker 5)
  100. Kat Richardson: Downpour (Greywalker 6)
  101. Kat Richardson: Seawitch (Greywalker 7)
  102. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  103. John Scalzi: Fuzzy Nation
  104. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  105. Barbara Sleigh: Carbonel
  106. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  107. Jessica Spotswood/Tess Sharpe: Toll and Trouble – 15 Tales of Women and Witchcraft (Anthologie)
  108. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  109. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  110. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  111. Robin Stevens: Death Sets Sail (A Murder Most Unladylike 9)
  112. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  113. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  114. Charles den Tex: Die Zelle
  115. Aiden Thomas: Cemetery Boys
  116. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  117. Sarah Tolcser: Song of the Current
  118. Tiffany Trent: Unnaturalist
  119. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  120. Renee Watson: Piecing Me Together
  121. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  122. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  123. Darcie Wilde: And Dangerous to Know (Rosalind Thorne 3)
  124. Amy Wilson: Snowglobe
  125. Katherine Woodfine: The Jewelled Moth (The Sinclair’s Mysteries 2)
  126. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  127. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  128. Xinran: Gerettete Worte
  129. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  130. Damaris Young: The Creature Keeper
  131. Ibi Zoboi: Pride

121 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Im Moment …

… habe ich überraschend viel um die Ohren, und die To-do-Liste scheint in der Regel länger als der Tag zu sein. Aber nicht alle Punkte auf der To-do-Liste sind stressig oder reine „Pflichtaufgaben“. Manchmal steht da auch „Kuchen zum Frühstück genießen“ drauf, und das mache ich dann auch.

Ein grün gemusterter Teller mit einem sehr flachen Stück Apple Pie und einem Klecks Sahne darauf, daneben eine schwarz-weiß-geringelte Tasse mit Milchkaffee

Die To-do-Liste führe ich eigentlich, damit ich nicht ständig den Kopf voll mit Dingen habe, an die ich noch denken will, aber so richtig klappt das gerade nicht. Weshalb ich in den letzten Wochen nicht so viel Ruhe und Zeit zum Lesen hatte, wie ich gern gehabt hätte, aber grundsätzlich läuft es gerade trotzdem ganz gut mit den Büchern. Am Ende des Tages kann ich doch auf so einige Lesepausen zurückblicken, und das finde ich ziemlich schön.

Ein aufgeschlagenes Buch mit englischem Text auf einer orangefarbenden Decke

Allerdings sorgt meine Grund-Wuseligkeit auch dafür, dass mir immer wieder andere Bücher durch den Kopf gehen, die ich „jetzt sofort“ und wenn nicht schon „genau in diesem Moment“, dann definitiv „spätestens morgen“ anfangen will. So wächst der Stapel neben meinem Sofa immer weiter an, aber irgendwie ist es auch ziemlich schön, dass da so viele Titel auf mich warten, auf die ich mich so freue.

Zwei Stapel mit insgesamt dreizehn Büchern, von denen man nur den Buchschnitt sieht, vor einem Fenster

Es gibt momentan eine Menge Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, und es gab ein paar schlechte Nachrichten von verschiedenen Seiten. Aber es gab auch immer wieder kleine Momente in den vergangenen Tagen, in denen sich jemand meldet und sagt „es geht mir besser“ oder „ich habe mich lange nicht gemeldet, aber immer wieder an dich gedacht“. Alles in Allem kann ich sagen, dass es mir persönlich trotz der vollen To-do-Listen und nicht so schönen Nachrichten gerade gut geht. Mir ist klar, dass das mehr ist, als viele andere zur Zeit von sich sagen können, weshalb ich diese Phase im Moment umso bewusster genieße …

Ich hoffe sehr, dass es bei denjenigen von euch, denen es gerade nicht so gut geht, bald besser ausschaut, und wenn es etwas gibt, das ich für euch tun kann, dann sagt bitte Bescheid.

Shanna Swendson: Interview with a Dead Editor (Lucky Lexie Mysteries 1)

Nachdem ich in den vergangenen Wochen sehr viele fantastische Geschichten gelesen habe, war mir in den letzten Tagen spontan nach einem gemütlichen Kriminalroman. Trotzdem bin ich dann irgendwie bei einem Cozy gelandet, der zumindest leichte fantastische Elemente beinhaltete, denn in „Interview with a Dead Editor“ von Shanna Swendson kann man den Titel ruhig wortwörtlich nehmen, da nicht nur Personen mit besonderen Fähigkeiten in der Handlung auftauchen, sondern auch Geister eine Rolle spielen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Alexa „Lucky Lexie“ Lincoln erzählt, die man als Leser zu einem Job-Interview begleitet, bei dem sie über die Leiche des Zeitungsredakteur Paul Odgen stolpert, mit dem sie den Termin gehabt hätte. Die Tatsache, dass sie zu den Verdächtigen gehört, sorgt ebenso wie ein aufziehender Sturm dafür, dass Lexie für ein paar Tage in der kleinen Stadt Stirling Mills bleiben muss – und natürlich kann die Journalistin ihre Neugier nicht so ganz zügeln und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren.

Ermutigt wird sie bei ihren Ermittlungen von Jean Jacobs, der Gründerin der kleinen Zeitung in Sterling Mills – genauer gesagt von Jeans Geist, denn die Dame ist schon seit Längerem verstorben. Von Jean erfährt Lexie auch, das der verstorbene Odgen zuletzt an einem Artikel über eine Schülerin gearbeitet hatte, die vor zwanzig Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben kam, womit der Verdacht naheliegt, dass der Mord an dem Redakteur mit seinen Recherchen zu tun haben könnte. Aber natürlich ist das nicht die einzige Vermutung, der Lexie nachgeht, und so dreht sich ein Großteil der Geschichte darum, dass die Journalistin mit den Bewohnern von Stirling Mills redet und versucht, mehr über all die Personen, ihre Beziehungen zueinander und eventuelle Verdachtsmomente herauszufinden. Auch mit dem ermittelnden Polizisten, Lt. Wes Mosby, tauscht Lexie sich regelmäßig aus, obwohl sie sich anfangs in seiner Gegenwart recht unwohl fühlt, weil er sie als Verdächtige behandelt.

Obwohl ich den Teil mit den „übernatürlichen Fähigkeiten“ der verschiedenen Charaktere nicht so recht überzeugend fand, gefiel mir „Interview with a Dead Editor“ gut genug, dass ich die Geschichte innerhalb von zwei Tagen gelesen habe. Die Stadt Stirling Mills bietet eine Mischung aus sympathischen und skurrilen Figuren, wobei ich sie alle mit ihren Stärken und Schwächen überraschend glaubwürdig dargestellt fand. Außerdem mochte ich die Protagonistin, obwohl sie in Gesprächen immer wieder dazu neigt, ihrem Gegenüber zu viel zu erklären, um ja niemanden vor den Kopf zu stoßen oder um ihre kleinen „Macken“ zu begründen, damit niemand sie deshalb für seltsam hält. Aber das ist – ebenso wie die vorher erwähnten übernatürlichen Fähigkeiten – nicht so schlimm, dass ich mich groß dran gestört hätte, sondern einfach nur etwas, woran ich mich beim Lesen gewöhnen musste.

Ich mochte, dass Lexie zwar schnell Leute kennenlernte, aber es keine Zu- oder Abneigungen auf den ersten Blick gab. Sie geht offen auf die verschiedenen Personen zu, findet einige davon auch sehr nett, ist aber trotzdem in der Lage, sich zu fragen, ob diese Person vielleicht einen Grund für einen Mord (oder sonstigen Dreck am Stecken) hätte. Auch das Verhältnis von Lexie zu Lt. Wes Mosby gefiel mir, denn beide gehen – auch wenn es für die Journalistin belastend ist, dass sie als Verdächtige behandelt wird – professionell miteinander um, tauschen Informationen aus, wenn es angebracht ist, und das Ganze ist so wunderbar dramafrei, dass ich wirklich angenehm überrascht davon war. Insgesamt hat mich „Interview with a Dead Editor“ zwar nicht umgehauen, aber mir genau das geboten, was ich von einem Cozy erwarte: Eine nette und unterhaltsame Geschichte mit sympathischen Figuren, von denen ziemlich viele ein bisschen verdächtig sind, so dass ich mir beim Lesen immer wieder von neuem Gedanken um mögliche Motive machen konnte.

Annabelle Sami: Agent Zaiba Investigates 1 – The Missing Diamonds

Bei dem ersten „Agent Zaiba Investigates“-Band von Annabelle Sami weiß ich gar nicht mehr, wie ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Aber die Inhaltsangabe klang nett, und ich teste gern neue Kriminalromane für Kinder bzw. Jugendliche an, weil ich davon eigentlich immer einen Vorrat auf Lager haben mag. Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der elfjährigen Zaiba, die mit ihrer Familie (sowie ihrer besten Freundin Poppy) die Mehndi-Feier ihrer älteren Cousine Sam (Samirah) und deren Verlobten Tanvir im Royal-Star-Hotel besucht. Doch nicht nur die gesamte Großfamilie ist in dem Hotel untergebracht, sondern auch eine mysteriöse Berühmtheit, deren Identität Zaiba unbedingt herausfinden will. Denn Zaibas größter Wunsch ist es, einmal eine ebenso erfolgreiche Privatdetektivin zu sein wie ihre Tante Fouzia, und um dieses Ziel zu erreichen, nutzt sie all das Wissen, das sie aus den Romanen rund um die Detektivin Eden Lockett (und dem Eden-Lockett-Detektiv-Handbuch) gewinnen kann.

Gemeinsam mit Poppy und ihrem jüngeren Bruder Ali versucht sie, mehr über die Berühmtheit im Hotel herauszufinden, doch dann verschwindet ein wertvolles Diamant(hunde)halsband, und aus der spielerischen Ermittlung wird schnell ein ernsthaftes Unterfangen – vor allem, da all der Trubel Samis Mehndi-Feier bedroht. Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte in der ersten Hälfte des Romans nicht so recht packen konnte. Ich mochte Zaibas pakistanisch-britische Familie, ich fand es nett, wie die drei Kinder durchs Hotel stromerten, und hier und da habe ich etwas schmunzeln müssen. Als dann die Handlung aber etwas mehr anzog, es immer mehr Hinweise auf das Verbrechen gab und man mehr über Zaiba und all die anderen Charaktere erfuhrt, hatte ich wirklich Spaß mit dem Buch. Der Kriminalfall ist zwar nicht gerade herausfordernd (was ich bei einem Buch für eine Zielgruppe zwischen 10 und 12 Jahren auch nicht erwartet hätte), aber so konzipiert, dass man gut mitraten kann. Außerdem mochte ich die ganzen Verweise auf die Eden-Lockett-Geschichten und die Tatsache, dass diese Romane schon Zaibas verstorbener Mutter und ihrer Tante Fouzia viel bedeutet haben, als diese noch Kinder waren.

Überhaupt spielt Zaibas Familie eine große Rolle in der Geschichte, und ihre Verwandtschaft wird so liebevoll (und trotzdem realistisch) dargestellt, dass man am liebsten Teil ihrer Familie sein würde. Ich fand es auch sehr schön zu sehen, dass Zaibas Freundin Poppy und Ali einen wichtigen Part bei den Ermittlungen spielen. Obwohl Zaiba eindeutig die Anführerin ist, würde sie ohne die Hilfe ihrer beiden „Assistenten“ deutlich mehr Fehler machen oder sich – und das sollte keine gute Detektivin! – in Spekulationen verrennen, ohne die bekannten Fakten noch einmal nachzuprüfen. Sowohl Poppy als auch Ali bringen ihre ganz eigenen Interessen und Stärken ein und überwinden im Laufe des Buches immer wieder (größere oder kleinere) Ängste, um die Suche nach den verschwundenen Diamanten voranzubringen. Dabei mochte ich es nicht nur, dass sich die drei immer wieder gegenseitig unterstützen, sondern auch, dass sie sich gegenseitig auf Fehler und Irrtümer aufmerksam machten, ohne dass das zu Zerwürfnissen führte.

Insgesamt hat mir „The Missing Diamonds“ deutlich mehr Freude bereitet, als ich das in der ersten Hälfte des Buches erwartet hätte, und so ist inzwischen auch der zweite Band („The Poison Plot“) auf meinem Wunschzettel gelandet. Zum Schluss muss ich noch die wirklich ansprechenden Schwarz-weiß-Illustrationen von Daniela Sosa (von der auch das Cover ist) erwähnen, die sich durch das gesamte Buch ziehen und mir richtig gut gefallen haben, weil sie Zaiba und all die anderen so lebendig und stimmig darstellen. Man bekommt auf den Bildern nicht nur die verschiedenen Schlüsselszenen präsentiert, sondern auch einen ganz wunderbar atmosphärischen Eindruck von dem eleganten Hotel, der ausgelassenen Mehndi-Feier und den verschiedenen Nebenfiguren, so dass die Zeichnungen die erzählte Geschichte wirklich schön ergänzen.