Kleinigkeiten?

Nachdem ich ja endlich wieder Zugriff auf meine alten Bücherschätze habe, gehe ich immer wieder am Regal vorbei und schaue, welche Erinnerungen ich mit bestimmten Romanen verbinde. Besonders häufig mache ich das bei den Büchern, bei denen ich daran denken muss, dass ich beim Lesen nicht immer glücklich mit der Geschichte oder mit bestimmten Details war, obwohl ich insgesamt schöne Erinnerungen an das Buch habe. So nach und nach will ich diese Titel lesen, um herauszufinden, ob ich die jeweilige Geschichte behalten möchte oder nicht – es sind die Bücher, bei denen mir eine Entscheidung schwerfällt und für die ich mir deshalb eben auch mehr Zeit nehmen möchte.

Einen dieser Roman habe ich in den letzten Tagen wieder gelesen und mich für das Behalten entschieden, weil es genügend Momente in der Handlung gab, die mich berührt oder die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Auf der anderen Seite gab es so viele Kleinigkeiten, über die ich gestolpert bin und die mich irritiert haben, dass mir wieder einmal auffiel, wie wichtig es für mich als Leser ist, dass Autoren diese kleinen Elemente in ihren Büchern stimmig beschreiben. Bei diesem Buch ging es in der Handlung um eine junge Frau, die – weil es sich zufällig so ergibt – neben ihrem Hauptjob eine Karriere im Catering startet. Was passend ist, denn in ihrem Hauptjob kocht und backt sie für ein Café – wobei mich da beim Lesen schon immer die Frage beschäftigt, warum sie all das Kochen und Backen von Zuhause erledigen muss und wieso es niemanden interessiert, ob die Küche in ihrem gemieteten Häuschen überhaupt irgendwelchen Regeln des Gesundheitsamts entspricht. Das ist anscheinend eine ganz normale Küche ohne größere Küchengeräte, und alles was in dem Roman betont wird, ist die Gemütlichkeit der Küche.

Später in der Handlung ist immerhin die Rede davon, dass sie für das Catering einen Gewerbeschein benötigt und sich dann auch eine Gefriertruhe und ein paar andere Sachen anschaffen muss, die keinen Platz in ihrer gemütlichen Küche finden können. Aber nie gibt es auch nur einmal die Andeutung, dass jemand, der professionell kocht, auch eine dementsprechende Ausstattung benötigt, auf Hygiene und Gesundheit zu achten hat und vielleicht nicht unbedingt einen süßen kleinen Kater in der Küche haben sollte, während Lebensmittel verarbeitet werden.

Ein weiterer Punkt war eine Abmachung mit einer Freundin, für die die Protagonistin ein großes Abendessen vorbereitete, damit die Freundin ihre Schwester plus Familie beeindrucken kann. Weil die Freundin nicht so viel Geld hat, vereinbaren die beiden Frauen als Bezahlung einen Pullover für das Drei-Gänge-Menü – und ich stehe da und werde sauer, weil mir die Autorin das Gefühl gibt, dass die Protagonistin der Freundin mit diesem Deal einen total großen Gefallen tut. Was bedeutet, dass das Stricken der Freundin als weniger wertig eingeschätzt wird als das Kochen der Protagonistin. Und ja, ein Drei-Gänge-Menü ist nicht billig und die Vorbereitung kostet Zeit, aber ein Pullover entsteht auch nicht aus dem Nichts und nur weil das Stricken das liebste Hobby der Freundin ist, bedeutet das doch nicht, dass die Wolle vom Himmel fällt und so ein Kleidungsstück mal eben an einem Abend gefertigt werden kann.

Bei solchen Handarbeits-/Handwerkelementen fällt es mir in Romanen besonders oft auf, wenn Autoren keine Ahnung vom Arbeitsaufwand oder Materialwert einer Sache haben. Aber manchmal reicht es mir auch schon, wenn jemand eine Figur beschreibt, die zwei Jobs hat, alleinerziehend ist und trotzdem eine perfekt geputzte und aufgeräumte Wohnung hat. Natürlich gibt es solche Menschen, aber bei mir entsteht dann das Gefühl, dass es dem Autor viel wichtiger gewesen ist, dass seine Person zwar arm, aber nicht verwahrlost ist, als sich zu überlegen, dass jemand, der zwei Jobs plus Kinderbetreuung stemmen muss, vielleicht auch mal so etwas wie eine Auszeit oder Schlaf benötigt.

Es gibt Dutzende solcher Kleinigkeiten, die mich bei Geschichten ärgern, und die drehen sich nicht mal unbedingt darum, dass ich einen gewissen Realismus in einer fiktiven Geschichte erwarte, sondern darum, dass bestimmte Elemente die Vorurteile des jeweiligen Autors zeigen. Vorurteile, die nicht nur an dieser einen Person hängen, die da gerade eine Geschichte schreibt, sondern die allgemein so verbreitet sind, dass sie uns allen viel zu selten auffallen, wenn wir nicht gerade in dem Bereich aus irgendeinem Grund etwas aufmerksamer oder sensibler sind. Ich persönlich bin im Laufe der Jahre immer empfindlicher geworden, wenn es um solche Elemente geht, und merke immer häufiger, dass ich mich an solchen Kleinigkeiten stoße – obwohl ich über viele Dinge hinweglesen kann, wenn mich eine Geschichte richtig gepackt hat. Auf der einen Seite finde ich es schön zu merken, dass ich aufmerksamer werde, auf der anderen Seite wünschte ich mir, es gäbe nicht so viele Kleinigkeiten in all den netten Romanen, über die ich mich aufregen könnte.

Lese-Sonntag im Dezember

Momentan leide ich wirklich unter einem akuten Anfall von „Wie schnell die Zeit vergeht!“. 😉 Heute ist also schon der dritte (Advents-)Sonntag im Dezember (nur noch zwei Wochen und das Jahr ist schon wieder vorbei) und damit auch der letzte Lese-Sonntag in diesem Jahr. Was bedeutet, dass wir nun schon seit über einem Jahr regelmäßig den dritten Sonntag im Monat als Lese-Sonntag miteinander verbringen – schön, dass sich das so bewährt hat! Ich gehe mal davon aus, dass das im kommenden Jahr so weiterläuft, oder?

Was den heutigen Lesetag angeht, so habe ich bislang so gar keine Pläne. Nachdem es mir in der vergangenen Woche eigentlich wieder gut ging, hat mich Freitagabend die/eine Erkältung wieder erwischt, was dafür gesorgt hat, dass ich die Hälfte des gestrigen Tages auf dem Sofa verdöst habe. Den Rest der Zeit habe ich mit Netflix (sehr entspannende Gartensendungen *g*) und einem nicht besonders gut geschriebenen eBook verbracht – zum Glück habe ich die Geschichte gestern schon ausgelesen und muss nun nicht mehr die ganze Zeit meinem Mann erzählen, was mich daran gestört hat. 😉 Allerdings stellt mich das wieder vor die Frage, was ich als nächstes lese. Eigentlich hatte ich „Congress of Secrets“ von Stephanie Burgis angefangen und ich mag sehr, sehr viele Elemente an dem Roman. Die Handlung spielt während des Wiener Kongress im Jahr 1814, die Protagonistin Caroline/Karolina ist mir sympathisch, ich bin neugierig auf die Hintergründe der Geschichte und ich mag den fantastischen Anteil inklusive der verwendeten Alchemie und die sehr düstere Atmosphäre. Dummerweise kann ich den Protagonisten Michael nicht leiden und sein Verhalten hat im Laufe der letzten Kapitel zu immer größerer Frustration bei mir gesorgt, was der Grund ist, warum ich gerade nicht weiterlesen mag. Ich bin mir zwar sicher, dass er im Laufe der Geschichte ein „besserer“ Mensch wird, aber aktuell mag ich den Weg dahin nicht verfolgen.

Vielleicht greife ich einfach mal zu einem der Krimis, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen habe …

Update 12:45 Uhr

Ich habe keine Ahnung, wo die letzten Stunden geblieben sind, aber in einem Buch habe ich in der Zeit nicht gelesen. 😉 Dafür habe ich den Blick aus dem Fenster genossen, der auch für uns ausnahmsweise mal Schnee bietet – ich kann gar nicht genug von der weißen Pracht bekommen und freue mich sehr, dass es weiterhin schneit! Ansonsten habe ich eine Blogrunde gedreht, meinem Mann zugehört, der mir von seinem aktuellen Spiel (Civ VI – aktuell versucht er die Welt davon zu überzeugen, dass Mothraismus die einzig wahre Religion ist) erzählt hat, einem Impuls folgend spontan ein Buch als Geschenk bestellt (dabei war ich doch so stolz, weil ich eigentlich alle Bestellungen für dieses Jahr erledigt hatte) und habe während des Frühstücks die Leseprobe zu dem ersten Band der „Vintage Trailer Mysteries“ gelesen, die Helma in ihrem aktuellen Blogbeitrag erwähnt hatte.

Es ist schon lustig, dass ich so viele Bücher bei der Hand habe und nun um ein eBook-Bundle rumschleiche, weil die Leseprobe so nett klingt … Bevor ich überlege, womit ich die nächsten Stunden verbringe, muss ich erst einmal Christie versorgen. Da sie so schön bei meinem Mann auf den Beinen geschlafen hat, haben wir die Fütterungszeit spontan verschoben, aber so langsam wird es dann doch Zeit dem Kätzchen frisches Futter hinzustellen. 😉

Update 19:00 Uhr

Nach dem Katzenfüttern (den Plural werde ich bei dem Wort wohl nicht mehr los) ging es für mich mit Wärmflasche und Switch auf die Couch, während mein Mann im Durchgangszimmer ein Brettspiel spielte. Der arme Kerl durfte heute so tun, als wäre er drei Personen, um sein neustes Spiel auszuprobieren – nicht nur, weil ich mich nicht gut genug zum Spielen füllte, sondern auch weil das kein Spiel ist, das ich gern spiele. Als mir beim Pokémon fangen so langsam die Augen zuzufallen drohten, wechselte ich dann zu Tee und eBook – denn natürlich bin ich doch noch bei dem Cozy-Bundle schwach geworden. Die erste Geschichte habe ich inzwischen gelesen – was insgesamt ca. 100 Seiten waren und nach dem Lesen der relativ langen Leseprobe nicht mehr so viel Zeit benötigte. Während nebenan mein Nachbar lauthals mit seinem Besuch redete, sind mir dann doch die Augen zugefallen und ich habe bis kurz vor 19 Uhr geschlafen. Jetzt wird es Zeit das Abendessen zu machen und dann werde ich vermutlich heute nur noch „Blümchen gießen“ und „Wir sind keine Engel“ sehen – ich glaube, der Film ist heute genau das richtige. 🙂

 

Update 23:00 Uhr

Der restliche Abend verging dann wirklich mit Abendessen, „Blümchen gießen“ und „Wir sind keine Engel gucken. Den Film hatte ich mir im November auf DVD gegönnt, nachdem ich mal wieder darüber gejammert hatte, wie selten diese alten Filme noch im Fernsehen zu sehen sind. Früher konnte man sich immerhin darauf verlassen, dass über das Jahr auf den dritten Programmen ein großer Teil alter Filmklassiker gesendet wurde, aber irgendwie scheinen die Zeiten vorbei zu sein. Ich mag die Geschichte von „Wir sind keine Engel“ sehr gern – eine der schönsten weihnachtlichen Geschichten (und das ohne Schnee! 😉 ) mit wunderbaren Charakteren und einem leisen Humor, der mir wirklich zusagt. Heute habe ich den Film zum ersten Mal auf Englisch geschaut und war mal wieder überrascht, wie gut ich inzwischen die Sprache verstehe und wie wenig ich auf die Untertitel angewiesen bin. 🙂 Nachdem es jetzt endlich mit dem Hochladen der Bilder (das hat heute schrecklich lange gebraucht) geklappt hat, falle ich jetzt auch ins Bett. Ich hoffe, ihr habt einen guten Start in die Woche und wenig Stress in den letzten Tagen vor Weihnachten! 🙂

Tansy Rayner Roberts: Power and Majesty (The Creature Court 1)

Obwohl ich bislang von Tansy Rayner Roberts vor allem humorvolle Fantasy gelesen habe, war es lustigerweise die Creature-Court-Reihe, die mich überhaupt erst auf die Autorin gebracht hatte. Irgendwie war ich über einen Kickstarter der Autorin gestolpert, mit dem sie die Neuauflage der drei Romane und die Veröffentlichung einer neuen Novella finanzieren wollte und weil die Bücher gut klangen und ich sehr viele Geschichten für einen überschaubaren finanziellen Beitrag bekommen sollte, habe ich mitgemacht. Am Ende hat das dazu geführt, dass ich mich seit ein paar Monaten mehr oder weniger systematisch durch Tansy Rayner Roberts‘ Veröffentlichungen lese und relativ hemmungslos die eBooks nachkaufe, die mir zur Vervollständigung der verschiedenen Reihen fehlen – für die Autorin hat sich mein Anteil an diesem Kickstarter definitiv gelohnt und ich beschwere mich auch nicht über all die Lesestunden, in denen ich mich bislang gut unterhalten gefühlt habe. 😉

Während bislang eigentlich alles sehr humorvoll gehalten war, was ich von Tansy Rayner Roberts gelesen habe, ist die Creature-Court-Reihe eher düstere Fantasy mit „Flappers“, Gestaltwandlern und einer nächtlichen Welt voller Kämpfe, Intrigen und Gefahren. Ich muss gestehen, dass bei „Power and Majesty“ der Flapper-Anteil relativ spät kommt und ich die Geschichte anfangs – dank der diversen Feiertage und Bezeichnungen – grob in „modernen“ römischen Zeiten einordnete. Aber auch ohne spürbaren 20er-Jahre-Anteil in den ersten Kapiteln fand ich die Grundidee hinter dieser Geschichte und den Ausbau der Welt von der ersten Seite an sehr cool. Den Großteil der Handlung verfolgt man aus den Perspektiven von Velody und Ashiol, die anfangs zwei vollkommen gegensätzliche Leben führen.

Während Velody zur Schneiderin ausgebildet wird und ihre größten Probleme in den ersten Jahren darin liegen, dass sie sich in der – für ein Mädchen aus einer Kleinstadt – überwältigend großen Stadt Aufleur nicht wohlfühlt, in die sie für sieben Jahre zur Ausbildung geschickt wird, kämpft Ashiol nachts über den Dächern von Aufleur um das Überleben der Stadt und gegen den Wahnsinn seines Herrschers. Velody weiß ebensowenig wie die restlichen Bewohner von Aufleur von den Ereignissen, die Nacht für Nacht unter und über der Stadt stattfinden. Ihr Leben wird von eher alltäglichen Begebenheiten und den diversen Feiertagen, die in Aufleur begangen werden, bestimmt. Einzig die Tatsache, dass sie – ebenso wie ihre beiden Freundinnen Delphine und Rhian – einige Erinnerungslücken bezüglich ihrer Vergangenheit hat, beunruhigt Velody. Erst als sie gegen ihren Willen in die Ereignisse rund um den Creature Court verwickelt wird, findet sie heraus, was diese Erinnerungslücken verursacht hat und welche Kämpfe in der Nacht gefochten werden.

Wirklich neu ist die Idee rund um den Creature Court eigentlich nicht. Die Autorin mischt da eine Gruppe von Gestaltwandlern mit einer gewalttätigen Lebensweise, seltsamen Abhängigkeitsverhältnissen, Sex und einer Spur von Vampirismus und packt dazu den großen nächtlichen Kampf gegen den Himmel. Keines dieser Elemente würde mich packen, wenn Tansy Rayner Roberts nicht auf der einen Seite wirklich toller Charaktere geschaffen hätte und es auf der anderen Seite nicht immer wieder großartige und überraschende Entwicklungen zwischen Velody und dem Creature Court geben würde. Da Velody erst als erwachsene Frau zu dieser dunklen Gesellschaft stößt und vollkommen unbelastet ist von all den Vorgeschichten, Intrigen und Verbindungen, sind ihre Handlungen für die anderen Beteiligten unberechenbar, während sie selbst alles dafür tut, um innerhalb der Möglichkeiten, die der Creature Court bietet, so menschlich wie möglich zu bleiben.

Durch all die überraschenden und ungewöhnlichen Elemente in „Power and Majesty“ fand ich diese Fantasygeschichte erstaunlich packend und erfrischend zu lesen. Ich habe die verschiedenen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen schnell ins Herz geschlossen, und vor allem freue ich mich sehr, dass ich mit „The Shattered City“, „Reign of Beasts“ und „Cabaret of Monsters“ noch einige Geschichten in dieser seltsamen und düsteren Welt vor mir habe und noch mehr Abenteuer mit Velody, Ashiol und den anderen Mitglieder des Creature Court erleben darf. Ich freu mich wirklich darüber, dass es der Autorin so gut gelungen ist, aus vertrauten und inzwischen eigentlich wenig reizvollen Urban-Fantasy-Aspekten eine solch ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte zu schaffen.

Adventsstimmung

So richtig bin ich in diesem Jahr nicht in Vorweihnachtsstimmung, was auch der Grund ist, warum ich nicht an Arianas Adventslesen teilnehme. Dabei genieße ich sonst diese letzten Wochen im Jahr sehr und nutze die Zeit, um langsam runterzufahren, Pläne für das kommende Jahr zu machen und mir Zeit für mich und meine Lieben zu nehmen. Außerdem habe ich im Laufe des Jahres das eine oder andere Buch zur Seite gelegt, weil ich dachte, dass es perfekt in die Advents-/Winterzeit passen würde, und es wäre zu ärgerlich, wenn ich diese Romane noch ein Jahr auf dem SuB liegenlassen würde, nur weil ich gerade das Gefühl habe, ich wäre nicht in der richtigen Stimmung.

Mit dem Dekorieren wird es vermutlich nichts in diesem Jahr. Durch die neuen Regale, das Ausräumen der Kisten und Umräumen der Inhalte, die keine Bücher sind, ist die Weihnachtdeko an einem Ort gelandet, der dafür sorgt, dass das Rausholen mehr Arbeit verursacht, als ich mir gerade damit machen will. Aber ich versuche trotzdem ein paar „Traditionen“ durchzuziehen und zu genießen und ich habe meine „aufgesparten“ Bücher auf einen separaten Stapel gelegt und mir vorgenommen, immer mal wieder eins davon anzulesen und zu schauen, ob mit den ersten Seiten doch noch die richtige Stimmung zum Lesen kommt.

Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
Abi Elphinstone: Sky Song
Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
Sarah Rees Brennan: In Other Lands
Catherine Fischer: Clockwork Crow
Stephanie Burgis: Congress of Secrets
Kate Milford: Ghosts of Greenglass House

 

Wenn ich mich in den nächsten Tagen noch zum Plätzchenbacken aufraffen kann, wird das vielleicht ja doch noch etwas mit der Vorweihnachtsstimmung bis zum 24. Dezember! 😉

Euch wünsche ich auf jeden Fall eine gemütliche, stressfreie und atmosphärische Zeit bis zu den Feiertagen!

Andrew Sean Greer: Mister Weniger

Ich muss gestehen, dass „Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer kein Buch ist, das ich von mir aus spontan in der Bibliothek ausgeliehen hätte. Aber Helma hatte so eine liebevolle Rezension zu dem Titel geschrieben, dass ich doch Lust bekam, die Geschichte zu lesen und deshalb den Roman in der Bibliothek vormerkte. Arthur Weniger ist ein liebenswerter, etwas chaotischer und häufig überraschend hilflos wirkender Autor, dessen Flucht vor der Hochzeit seines Geliebten Reise ich gern verfolgt habe. Neun Jahre lang hatten Arthur und Freddy eine lockere Beziehung, und erst als Freddy verkündet, dass er einen anderen Mann heiraten wird und Arthur deshalb nicht wiedersehen kann, wird Arthur bewusst, was für ein großer Verlust das für ihn sein wird. Um nicht auf der Hochzeit auftauchen und gute Miene zu dieser neuen Entwicklung machen zu müssen, nimmt Arthur lauter Reiseangebote an, die er normalerweise ablehnen würde.

So reist Arthur Weniger quer durch die Welt und moderiert eine Veranstaltung in New York, die zu Ehren anderer Autoren abgehalten wird, wird zu einer anderen Veranstaltung in Mexiko eingeladen, um über einen berühmten Autor zu reden, mit dem er viele Jahre zusammenlebte, und besucht eine Preisverleihung in Italien, von der er noch nie zuvor gehört hatte. Außerdem übernimmt Arthur eine Dozentenstelle in Berlin, macht Urlaub in Marokko, versucht in Indien einen Roman zu schreiben und bespricht ein traditionelles Menü in Kyoto. So vielfältig wie seine Reiseziele und Tätigkeiten sind auch die großen und kleinen Probleme, mit denen sich Arthur auf seiner Reise konfrontiert sieht, was zu einigen wunderbar amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig bekommt man Stück für Stück Arthurs Erinnerungen rund um sein Liebesleben und seine Entwicklung als Autor präsentiert und lernt zu verstehen, was den Charme dieses unbeholfenen Mannes ausmacht und wieso er trotz all seiner Ängste bislang immer irgendwie seinen Weg durchs Leben gefunden hat.

Helma hatte auf jeden Fall recht, als sie den Roman als „Wohlfühlbuch“ bezeichnete, und ich fand das Lesen wirklich angenehm. Zwischendurch hatte ich sogar überlegt, warum ich nicht häufiger solche Bücher lese, kam dann aber zu der Erkenntnis, dass diese Variante – so unterhaltsam sie auch geschrieben sein mag – in der Regel von mittelalten weißen Männern erzählt, und das ist ein Thema, das ich nicht so häufig im Zentrum meiner Romane haben mag. Es ist schade, dass es keine vergleichbaren Geschichten aus weiblicher Sicht gibt – oder kennt einer von euch einen ähnlichen Roman von einer Autorin? Oder ist diese melancholisch-ironisch-intellektuelle Perspektive einzig Männern vorenthalten, während Frauen sich auf fluffig-amüsante Romane beschränken (müssen?), in denen die Protagonistin von einem Tag auf den anderen ihre erfolgreiche, aber ungeliebte Karriere oder ihr Leben als unerfülltes Hausmütterchen hinwirft und ihr belächeltes Hobby erfolgreich zum Beruf macht oder ein Café eröffnet?

Aber nun gut, ich möchte nicht an „Mister Weniger“ auslassen, dass in bestimmten Bereichen nur bestimmte Autoren veröffentlicht werden, denn Andrew Sean Greer kann ja nichts dafür, dass mir beim Lesen seines Romans und angesichts des auffälligen Mangels an weiblichen Figuren so viele Gedanken über den Buchmarkt durch den Kopf gingen. Genauso wenig kann man dem Autor vorwerfen, dass der deutsche Verlag beschlossen hat, den Namen des Protagonisten von „Less“ in Weniger zu ändern oder dass vermutlich einiges an Wortwitz durch die Übersetzung verloren ging. Zumindest fällt es mir anhand des deutschen Textes schwer zu verstehen, warum gerade diese Geschichte mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich Arthur gern auf seiner Reise durch die Welt begleitet und seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Gegenwart interessiert verfolgt habe.

Mira Grant: Into the Drowning Deep

Mira Grants (Seanan McGuires) Romane gehören zu den wenigen Horrorgeschichten, bei denen ich mich auf das Lesen wirklich freue, obwohl Horror eigentlich so gar nicht mein Genre ist. Aber bei dieser Autorin gibt es immer eine spannende Mischung aus Wissenschaft und Horror, aus ruhigen Passage, die die Welt und die Figuren einführen, und diesen Momenten, die dir als Leser das Herz brechen. Bei „Into the Drowning Deep“ nimmt sich Mira Grant erst einmal Zeit, um die Vorgeschichte zu erzählen (die Geschichte der Atargatis wurde 2015 von Subterranean Press mit dem Titel „Rolling in the Deep“ veröffentlicht) und die Charaktere einzuführen.

Wer bei einem „Horrorroman“ auf die erste Leiche hinfiebert, muss sich bei „Into the Drowning Deep“ fast 150 Seiten lang gedulden. Stattdessen bekommt der Leser eine Welt der nahen Zukunft vorgestellt, in der die anhaltende Umweltverschmutzung zu gravierenden Veränderungen im Lebensstil der Menschen geführt hat und in der die Unterhaltungsfirma Imagine unter anderem mit Dokumentationen, in denen diversen mythischen Wesen nachgespürt wird, ein Vermögen gemacht hat. Dass bei diesen Filmen immer nur herauskommt, dass es mythische Wesen wie Einhörner und ähnliches nicht gibt, scheint einen besonderen Reiz dieser Dokus auszumachen – zumindest bis zu dem Tag, an dem die Crew des Schiffs Atargatis mitsamt dem darauf befindlichen Filmteam und diversen Wissenschaftlern spurlos verschwindet, nachdem sie sich auf die Suche nach Meerjungfrauen gemacht hatten. Einzig einige Filmaufnahmen, die automatisch in eine Cloud hochgeladen wurden, gaben einen Hinweis darauf, was mit all den Personen geschehen sein könnte – und darauf, dass die Legenden rund um Meerjungfrauen nicht ganz so absurd und vor allem deutlich schrecklicher sein könnten, als je ein Mensch vermutet hätte.

Sieben Jahre später stattet Imagine ein riesiges Forschungsschiff aus, um sich noch einmal auf die Spur der Meerjungfrauen zu machen. Die Firma hat den Image-Verlust durch die gescheiterte Atargatis-Mission nicht verwunden, und auch die finanziellen Einbußen machen sich bemerkbar. Eine neue Forschungsreise, mit der nicht nur die Existenz – und somit die Unschuld Imagines an dem Schicksal der Besatzung der Atargatis – bewiesen werden kann, würde nicht nur den Ruf des Konzerns wiederherstellen, sondern auch so einige Möglichkeiten bieten, um die Verluste der letzten Jahre und die Kosten der Reise wieder auszugleichen. Für den Leser beginnt die Handlung kurz vor dem Auslaufen der Melusine damit, dass er die verschiedenen Beteiligten und ihre Motivation für ihre Teilnahme an einer so riskanten Forschungsreise kennenlernt.

Ich mochte die verschiedenen Figuren sehr, gerade weil sie Ecken und Kanten haben, weil sie zum Teil verbissen an der Vergangenheit festhalten oder ihr ganzes Leben auf ihre wissenschaftliche Forschung ausgerichtet haben. Auch fand ich den – nicht gerade geringen – Anteil an wissenschaftlichen Elementen in dem Roman sehr interessant. Aufgrund des Schwerpunktes der Reise und der Tatsache, dass der Großteil der Beteiligten nun einmal Forscher sind, gibt es sehr viele Passagen mit leicht verständlichen und faszinierenden Beschreibungen vom Umgang mit wissenschaftlichen Entdeckungen und dem Interpretieren von Daten für den jeweiligen Forschungsschwerpunkt des Charakters.

Dieser wissenschaftliche Schwerpunkt hat es mir persönlich auch leichter gemacht, mit dem Horror in der Geschichte umzugehen, denn das ist ja – wie schon erwähnt – eigentlich nicht so mein Genre. Hier hingegen fand ich es spannend zu verfolgen, wie sich die Menschen auf der Melusine auf die Suche nach Meerjungfrauen machten, während man als Leser genau weiß, dass es diese Kreaturen gibt und dass ein Zusammentreffen zwischen dem Schiff und den Wasserwesen unausweichlich ist und definitiv kein gutes Ende nehmen kann. Und während ich den Anfang von „Into the Drowning Deep“ eher gemütlich gelesen und häufig aus der Hand gelegt habe, um die verschiedenen Perspektiven nachklingen zu lassen, konnte ich im letzten Drittel der Geschichte nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob einer der Beteiligten (und wenn ja, wer) das Ganze überleben würde und was dieses Zusammentreffen mit den Meerjungfrauen für die Zukunft der Menschen bedeuten würde.

„Into the Drowning Deep“ ist ein wirklich cooles Buch, mit interessanten Charakteren, überraschend vielen humorvollen Szenen, unglaublich unheimlichen und dabei erschreckend realistischen Monstern, faszinierenden wissenschaftlichen Elemente und sehr vielen spannenden Entwicklungen. Die eine oder andere Träne habe ich auch vergossen, denn selbstverständlich kommt es in einem solchen Roman zu Todesfällen und wenn das dann eine Person betrifft, die ich in den wenigen Szenen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt hatte, sehr ins Herz geschlossen habe, dann berührt mich diese Wendung in der Handlung natürlich. Insgesamt bin ich wirklich begeistert von „Into the Drowning Deep“ und möchte den Roman jedem in die Hand drücken, der sich auch nur ein bisschen für einen der von mir genannten Aspekte interessiert.

Die Geschichte der Atargatis soll demnächst verfilmt werden und wenn der Film wirklich gedreht wird (bei all den Ankündigungen, aus denen am Ende keine Filme wurden, bin ich dann doch etwas skeptisch) und in die Kinos kommt, werde ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben Geld in die Hand nehmen, um gezielt in einen Horrorfilm gehen …

Dezember-SuB 2018

Mein Geburtstag hatte in der vergangenen Woche die vorhergesagten Auswirkungen auf meinen SuB – ganze 17 Bücher (bzw. 16 Bücher und eine Box mit Hammetts gesammelten Werken) sind bei mir eingezogen. Immerhin sind nicht all diese Titel „SuB-relevant“, aber trotzdem steuere ich so langsam wieder auf einen dreistelligen Stapel mit ungelesenen Büchern zu. Was sich ganz schnell ändern ließe, wenn ich all diese Romane, auf die ich gerade so viel Lust habe, sofort lesen würde. Dem steht nur gerade ein sehr hoher Stapel mit Bibliotheksbüchern entgegen, die alle einen festen Abgabetermin haben und nicht verlängert werden können. *g* Mal schauen, ob ich es trotzdem im Dezember schaffe, Zeit mit meinen neuen Schätzen zu verbringen oder ob ich mit einem dreistelligen SuB ins neue Jahr starten werde – denn schließlich steht Ende Dezember wieder Weihnachten an und meine Lieben werden auch diesen Anlass dazu nutzen meinen Bücherwunschzettel zu plündern. 😉

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Sophie Anderson: The House with Chicken Legs
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Kelly Barnhill: The Unlicensed Magician
  6. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  7. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  8. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  9. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  10. Aliette de Bodard: In the Vanishers‘ Palace
  11. Lila Bowen: Wake of Vultures (Shadow Series 1)
  12. Rhys Bowen: Royal Flush (Royal Spyness 3)
  13. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  14. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  15. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  16. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  17. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  18. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  19. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  20. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  21. Stephanie Burgis: Congress of Secrets
  22. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  23. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  24. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  25. Vivien Chien: Death by Dumpling
  26. Roshani Chokshi: Aru Shah and the End of Time
  27. Deborah Crombie: Beklage deine Sünden (Kincaid und James 17)
  28. Abi Elphinstone: Sky Song
  29. Louise Erdrich: The Birchbark House
  30. Catherine Fisher: The Clockwork Crow
  31. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  32. Jasmine Gower: Moonshine
  33. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  34. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  35. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  36. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  37. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  38. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  39. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  40. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  41. Rachel Hartman: Seraphina
  42. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  43. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  44. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  45. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  46. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  47. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  48. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  49. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  50. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  51. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  52. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  53. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  54. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  55. Diana Wynne Jones: Power of Three
  56. Diana Wynne Jones: The Game
  57. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  58. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  59. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  60. Kelly McCullough: Die erste Klinge
  61. Kelly McCullough: Der Schwur der Klinge
  62. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  63. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  64. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  65. Kelly Meding: Stray Magic
  66. Kate Milford: The Boneshaker
  67. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  68. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  69. Bishop O’Connell: The Stolen
  70. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  71. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  72. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  73. S. A. Patrick: A Darkness of Dragons
  74. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  75. Cindy Pon: Serpentine
  76. Riley Redgate: Noteworthy
  77. Philip Reeve: Larklight
  78. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  79. John Scalzi: Fuzzy Nation
  80. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  81. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  82. Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
  83. Robin Stevens: Mistletoe and Murder (Murder Most Unladylike 5)
  84. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  85. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  86. Robin Stevens: Creme Buns and Crime (Murder Most Unladylike Anthology)
  87. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  88. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  89. Charles den Tex: Die Zelle
  90. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  91. Sarah Tolcser: Song of the Current
  92. Tiffany Trent: Unnaturalist
  93. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  94. Catherynne M. Valente: The Refrigerator Monologues
  95. Catherynne M. Valente: Space Opera
  96. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  97. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  98. Xinran: Gerettete Wort
  99. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  100. Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

86 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

 

Stephanie Burgis: The Girl with the Dragon Heart

„The Girl with the Dragon Heart“ ist nach „The Dragon with a Chocolate Heart“ der zweite Roman von Stephanie Burgis, der in der Stadt Drachenburg spielt. Dieses Mal dreht sich die Handlung um Silke, die im ersten Buch zur besten Freundin der Drachin Aventurine wurde. Theoretisch kann man diese Geschichte unabhängig vom ersten Band lesen, doch natürlich gibt es das eine oder andere Detail in „The Girl with the Dragon Heart“, das einem schon etwas über den Ausgang von Aventurines Abenteuer verraten würde. Wer „The Dragon with a Chocolate Heart“ schon gelesen hat, wird Silke als unerschrockenes und kreatives Mädchen kennengelernt haben, das immer eine Lösung für die Probleme ihrer Freunde findet und das ganz hervorragend mit Worten umgehen kann. In „The Girl with the Dragon Heart“ lernt man hingegen ganz neue Seiten an Silke kennen, denn der Weg nach Drachenburg war auch für sie nicht ganz einfach, und ihre Vergangenheit belastet und beeinflusst sie bis zum heutigen Tag.

Ich mochte Silke schon in dem ersten Roman, in dem sie auftauchte, aber in „The Girl with the Dragon Heart“ habe ich sie richtig ins Herz geschlossen. Sie ist manchmal etwas engstirnig und begreift lange Zeit nicht, dass es mehrere Wege gibt, um ihre Ziele im Leben zu erreichen, aber Stephanie Burgis gelingt es sehr gut, aufzuzeigen, warum Silke so ist und so handelt, wie sie es tut. Auch wenn das Mädchen nie darüber redet, so ist sie doch traumatisiert davon, dass vor vielen Jahren – als ihre Familie aus einem entfernteren Königreich nach Drachenburg flüchtete – ihre Eltern im Elfenwald verschwanden. Seit dieser Zeit lebt Silke unter der Obhut ihres großen Bruders Dieter am Flußufer von Drachenburg, einer der ärmsten Gegenden der Stadt. Doch Silke lässt es nicht zu, dass ihr Leben auf einen kleinen Teil der Stadt beschränkt wird. Sie hat die vergangenen Jahre damit zugebracht, alle Viertel Drachenburgs zu durchstreifen, Schleichwege zu finden und Kontakte zu knüpfen. Sie ist wild entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sich einen Platz im Leben zu erobern, der ihr die Sicherheit bietet, die sie in den vergangenen Jahren vermisst hat. Und ein Auftrag der Kronprinzessin, die eine unauffällige Spionin sucht, um die Geheimnisse einer Delegation der Feen zu enthüllen, scheint trotz aller damit verbundenen Gefahren die perfekte Gelegenheit zum Erreichen von Silkes Zielen zu sein.

Für mich hat bei „The Girl with the Dragon Heart“ die Mischung aus Spannung, Humor und Emotionen genau gestimmt. Ich fand es schön, einen Blick hinter Silkes selbstbewusste Fassade zu werfen und mitzuverfolgen, welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen, wenn ihr vorlautes Mundwerk sie mal wieder in Schwierigkeiten gebracht hat, oder zu spüren, wie sehr Aventurine und die Betreiber des Schokoladenhauses ihr ans Herz gewachsen sind. Es hat mich sehr berührt, davon zu lesen, wie sehr sie unter dem Verlust ihrer Eltern leidet und wie dieser Vorfall im Elfenwald und die wenigen Erinnerungen, die sie noch an ihre Mutter hat, ihr Leben beeinflusst haben. Erst im Laufe der Geschichte lernt Silke, dass sie nicht immer alles alleine schaffen muss und dass auch zerbrechliche Dinge ein solides Fundament für ein Leben sein können, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diesen Lernprozess zu verfolgen.

Dazu kamen noch all die kleinen, wunderbaren fantastischen Elemente, die diese Welt so besonders machen, und diese schrecklich verlockenden Passagen rund um (heiße) Schokolade, die dazu geführt haben, dass ich ständig das Gefühl hatte, ich müsste in die Küche springen und mir zumindest einen Kakao kochen, und natürlich diese vielen stimmigen Charaktere rund um Silke, die die Geschichte nicht nur bereichert haben, sondern auch sehr viel Reibungsfläche für ein so selbstbewusstes und eigensinniges Mädchen geboten haben. Ich freu mich jetzt schon darüber, dass es im kommenden Jahr noch einen weiteren Roman von Stephanie Burgis geben wird, der die jüngere Prinzessin und Aventurines Bruder Jasper zum Thema haben wird.

Warum ich Debütromane so mag

Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass ich immer relativ schnell bereit bin, interessant wirkende Debütromane auf meine Wunschliste zu setzen. Das liegt natürlich auch daran, dass Debütromane den Vorteil haben, dass ich bei Gefallen nicht vor einer endlosen Backlist stehe, die ich mir gern auch noch anschaffen möchte. Aber häufig sind die Debütromane (oder erste Veröffentlichungen) auch die Titel meiner Lieblingsautoren, die mir langfristig am besten gefallen. Natürlich bietet ein guter Debütroman immer auch die Möglichkeit, dass man da einen Autor für sich entdeckt hat, der viele Jahre an seinem Erstlingswerk gearbeitet hat und unter Zeitdruck oder nach einem ersten Erfolg nicht in der Lage ist, noch einmal ein so gutes Buch zu schreiben. Aber selbst bei den Autoren, die mit jeder Veröffentlichung besser werden und deren Werke ich über Jahre hinweg in all ihren Entwicklungsstadien sehr genieße, muss ich mir realtiv oft eingestehen, dass es die frühen und unvollkommeneren Geschichten dieser Autoren sind, die mir besonders am Herzen liegen.

Vom Kopf her ist mir das manchmal unangenehm, denn ich sehe ja den Qualitätsunterschied zwischen den früheren und den späteren Werken. Ich sehe die Verbesserung in der Erzählweise, die zunehmende Komplexität der Charaktere, den stimmigeren Weltenbau und ganz allgemein die höhere Professionalität. Auf der anderen Seite bin ich eine sehr emotionale Leserin, und oft fällt mir auf, dass eine höhere Professionalität bei einem Autor auch bedeuten kann, dass er meine Gefühle nicht mehr so anspricht wie mit seinen früheren Werken. Ich brauche das nicht unbedingt, um von einer Geschichte begeistert zu sein, aber ich genieße es sehr, wenn ich beim Lesen auch emotional involviert bin. Trotz dieser Erkenntnisse (und des leichten Unbehagens darüber, dass ich Qualität vielleicht nicht ganz so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hätte 😉 ) habe ich nie eine treffende Beschreibung für dieses ganz bestimmte Element gefunden, dass mir häufig in späteren Werken eines Autors fehlt.

Und dann bin ich kürzlich über einen Twitter-Thread von Kelly McCullough gestolpert, der darüber schrieb, dass er die Zeit vermisst, als er noch ein relativ unerfahrener Autor war. Die Phase, als er schon wusste, was (für ihn) funktioniert, um eine Geschichte zu erzählen, aber noch nicht so viel übers Schreiben gelernt hatte, dass er eine anhaltende Kontrolle über sein Tun hat. Sein Fazit war:

„I think that what I’m doing is much better now, and I know it’s more sophisticated and that I’m accomplishing more with fewer words, but there is a raw freshness to those early stories that is all but impossible to replicate from a place of experience.“ (Kelly McCullough in einem Tweet vom 20. November 2018)

Ich glaube wirklich, dass es diese „raw freshness“ ist, die mich bei Debütromanen so anmacht, und die sich nur wenige Autoren auch langfristig erhalten, indem sie immer wieder experimentieren und sich auf eine Weise herausfordern, die dafür sorgt, dass sie nie so ganz in Professionalität und Routine versumpfen. Während einige andere Autoren anscheinend so glücklich sind mit dem Weg, den sie für sich gefunden haben, dass sie mich als Leserin irgendwann verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie immer wieder die gleiche Geschichte mit den gleichen Elementen erzählen – nur eben ohne diesen Funken, der in ihren ersten Veröffentlichungen zu finden war.

Ich bin dann mal für ein paar Tage beschäftigt! ;)

Nachdem es ja in der letzten Woche Lieferprobleme gab, erreichte mich heute Abend dann doch noch mein neues Spielzeug. Inzwischen ist die Switch eingerichtet und ich warte nur noch darauf, dass die Controller (plus Pokéball) vollständig geladen sind, damit Evoli und ich uns auf den Weg machen können, um Kanto zu erkunden und Pokémon zu fangen!

Wie ich mich kenne, werde ich ein paar Tage mit dem neuen Spielzeug versumpfen und nicht viel anderes in meiner Freizeit auf die Reihe bekommen, was auch bedeutet, dass es hier auf dem Blog ein bisschen ruhiger wird. Vor allem, da ich mir heute Abend auch noch ein zweites Spiel („Yonder – The Cloud Catcher Chronicles“) besorgen werde – denn natürlich kann ich mich bei einer neuen Konsole nicht auf ein einziges Spiel beschränken, wenn es so viele nette Dinge zu entdecken gibt. Nur gut, dass mein Mann und ich zusammen Pokémon spielen können, sonst wäre es doch ein kleines bisschen unfair. 😉