Herbstlesen im Oktober (8) – Samstag

Mit dem heutigen Tag beginnt das letzte Herbstlesen-Wochenende – wir sollten es alle noch einmal rundum genießen! (Und wem das Ganze noch nicht gereicht hat, der kann am kommenden Wochenende bei Neyasha und Lyne mitmachen, wo es zusätzlich neben dem Lesen noch ein Bingoblatt zum Ausfüllen gibt. 😉 )

In der vergangenen Woche bin ich wieder wenig zum Lesen gekommen. Lady Trent habe ich gar nicht mehr angefasst, dafür habe ich „Der Galgen von Tyburn“ von Ben Aaronovitch angefangen, da ich den Roman am Anfang der kommenden Wochen zurück in die Bibliothek schleppen muss. Mit den Titel werde ich heute auch in den Tag starten und hoffe, dass ich dann spätestens am Sonntag mit „The Tropic of Serpents“ von Marie Brennan weitermachen kann. Außerdem darf ich heute Vormittag noch ein bisschen im Haushalt wuseln, da ich gestern meinen obligatorischen Wochenendputz nicht geschafft habe.

Eventuelle Mitleser werde ich wie immer am Ende des Posts verlinken, wenn sie sich in den Kommentaren bei mir melden. Ich wünsche uns allen ein schönes und entspanntes Wochenende! 🙂

Update 11:30 Uhr

Das war heute eine sehr schnelle Runde durch den Haushalt, aber immerhin ist die Wohnung jetzt in einem Zustand, mit dem ich in den kommenden Tagen leben kann. 😉 Inzwischen habe ich auch ein Frühstück vor der Nase und abgesehen davon, dass ich heute Mittag noch Kuchen backen will, habe ich für den Rest des Tages keine weiteren Pläne. Bei „Der Galgen von Tyburn“ lasse ich mich – wie eigentlich immer bei Aaronovitch – von all den kleinen Informationen rund um (das historische) London ablenken und genieße diese absurden und interessanten Wissensbrocken sehr. Ansonsten muss ich zugeben, dass mir die Hintergrundstory mit dem „Gesichtslosen“ nicht so gut gefällt und ich fände es auch schön mehr über die anderen übernatürlichen Wesenheiten zu erfahren, statt dass sich alles immer wieder um die Flussgötter dreht. Auf der anderen Seite sind die natürlich die beherrschenden Mächte der Stadt, also ist es nur natürlich, dass sie eine große Rolle in der Serie spielen. Trotz meines Gemäkels fühle ich mich von dem Roman gut unterhalten, also lese ich gleich mal weiter …

Update 14:30 Uhr

In den vergangenen drei Stunden habe ich so viel nicht auf die Reihe bekommen. Während ich „Der Galgen von Tyburn“ las, bin ich erst einmal weggenickt, obwohl ich mitten in einer Actionszene voller Amerikaner und Schusswaffen. Die letzten Nächte waren nicht gerade erholsam, da ich seltsame Albträume voller Internatsschülern (die sich in Zombies verwandelten oder welchen in den Weg warfen, damit andere die Schulfahne retten konnten Oo), fadenwurmartigen Parasiten (diesen Traumteil kann ich immerhin definitiv dem Roman „Der Monstrumologe“ zuordnen, denn seit dem ich das Buch vor einigen Jahren gelesen habe, kommt mein Unterbewusstsein immer wieder auf eine bestimmte Szene zurück), maroden Hängebrücken (großartig, wenn man eh Höhenangst hat) und ähnlich angenehmen Dingen hatte. Auf jeden Fall hatte ich wohl etwas Schlaf nachzuholen …

Außerdem ist der geplante Marzipan-Espresso-Napfkuchen im Ofen. Ich habe keine Ahnung, ob der was geworden ist. Mir ist die Idee dazu gekommen, als ich meine neue Seife (Maple-Pecan-Seife, die als Teststück bei meiner letzten Seifenbestellung beilag) verwendete, um kurz darauf Espresso zu kochen. Während langsam der Espressoduft in der Küche aufstieg, rochen meine Hände noch nach der Seife (und der Geruch erinnert sehr an Marzipan mit einer herben Note) und weckte große Lust nach etwas Essbarem mit diesen Geschmackskomponenten. Und da ich noch Marzipan hatte, das eh langsam mal verbraucht werden musste, ebenso wie einen Rest Kaffee-Sahne-Schokolade, die – nachdem sie den Sommer in der Schublade verbracht hatte – auch nicht mehr so taufrisch schmeckt, gibt es also heute einen Napfkuchen mit einer Marzipan-Mandel-Schicht und einer Schoko-Espresso-Mandel-Schickt. Mal schauen wie das so wird. 😉 Jetzt greife ich aber wirklich wieder zum Roman! So ganz glücklich bin ich gerade über all die neuen Charaktere, die alle Magie verwenden und Folly-ähnlichen Organisationen angehören, nicht. Es ist natürlich stimmig, dass das Folly nicht der einzige Ort auf der Welt ist, an dem sich Zauberer sammeln, aber ich mochte die Vorstellung, dass das Folly etwas Ungewöhnliches ist.

Update 18:15 Uhr

Während Madamchen es sich auf meiner Decke gemütlich gemacht hat, habe ich weiter gelesen und mich von „Der Galgen von Tyburn“ gut unterhalten gefühlt. Auch wenn ich grundsätzlich finde, dass die Geschichte langsam etwas groß wird, so mag ich die vielen kleinen fantastischen Elemente in den Peter-Grant-Romanen und einige Charaktere sind mir auch sehr sympathisch. Bis ich mich zum Kochen aufraffen muss, werde ich vermutlich das Buch beenden.

Ob ich danach gleich zu „The Tropic of Serpents“ greife oder erst einmal was anderes mache, sehe ich dann. Heute ist so ein Tag, an dem mir sehr nach Dümpeln ist. Da würde es sich fast anbieten, dass ich später zum DS greife – vor allem, da ich in der Woche ein neues Spiel bekommen habe, das mir viel Freude bereitet. Oh, noch ein Wort zum Kuchen: Lecker! Das nächste Mal würde ich vermutlich etwas mehr von der dunklen Teigmenge zubereiten, denn die Mischung aus Schoko und Espresso im Teig ist sehr lecker!

Update 22:30 Uhr

Für mich wird es so langsam Zeit den Tag zu beenden. Inzwischen habe ich „Der Galgen von Tyburn“ (war nett und unterhaltsam, hat mich aber mal wieder darin bestätigt, dass ich die Reihe nicht weiter für mich kaufen muss) beendet, Abendessen gekocht und gegessen und ein bisschen „Story of Seasons: Trio of Towns“ gespielt. Ich mag diese simplen Spiele, bei denen man über mehrere (Spiel-)Jahre seine Farm aufbaut, mit den Nachbarn Beziehungen knüpft und im Laufe der Zeit die kleinen Feste und Wettbewerbe genießen kann. Das größte Problem bei diesen Spielen ist, dass ich immer Lust habe „nur noch einen Tag“ zu spielen – und auch wenn so ein Tag gerade mal zwanzig Minuten dauert, so kann das die Schlafenszeit doch ein bisschen nach hinten verschieben. 😉

Heute bin ich aber mal vernünftig und drehe nur noch eine kurze Runde durchs Internet und falle dann ins Bettchen. Das war heute auf jeden Fall wieder ein entspannter Samstag! Morgen ist dann der letzte Tag des Herbstlesens, mal schauen, wer sich mir da noch anschließt. Gute Nacht und bis morgen! 🙂

***

Heutige Mitleser:

Ariana
Susanne
Neyasha

Regina Stürickow: Mörderische Metropole Berlin – Authentische Fälle

Von Regina Stürickow hatte ich Anfang des Jahres schon „Kommissar Gennat ermittelt – Die Erfindung der Mordkommission“ gelesen und war damit nur teilweise zufrieden, was vor allem an der Präsentation der Informationen und der fehlenden Abstimmung zwischen dem Text, der schon in einer älteren Auflage veröffentlicht worden war, und dem Bildmaterial meiner Ausgabe lag. „Mörderische Metropole Berlin“ hat nun nicht einen einzelnen Polizisten als Aufhänger, sondern liest sich zu Beginn wie eine Stadtführung durch das kriminelle Berlin der 1920er Jahre, während später einzelne Fälle dargestellt werden, die damals passiert sind. Dieser Stadtführungsaspekt hatte dafür gesorgt, dass ich nach dem ersten Anlesen im Sommer erst einmal das Buch zur Seite gelegt hatte, weil ich darauf wenig Lust hatte. In diesem Monat hat es hingegen mit mir und „Mörderische Metropole Berlin“ hervorragend gepasst, und das nicht nur, weil die kurzen Texte sich in einen gut gefüllten Alltag einschieben ließen.

Mit diesem Titel präsentiert die Autorin Kriminalfälle, die sich in Berlin zwischen 1914 und 1933 ereignet haben. Dabei erfährt man als Leser nicht nur, was überhaupt passiert ist und wie die Polizei am Ende auf den Täter kam, sondern Regina Stürickow bietet auch sehr viele Details rund um das alltägliche Leben dieser Zeit und die dunklen Seiten der Gesellschaft. Deutlich wird dabei auch immer wieder, wie sehr schon damals die Menschen von Verbrechen fasziniert waren, und so verkauften sich nicht nur die Zeitungsausgaben besonders gut, in denen reißerische Geschichten über – mehr oder weniger – reale Verbrechen veröffentlicht wurden, sondern es gab auch gedruckte Reiseführer und Führungen (bei denen häufig Kriminalbeamte die Stadtführer spielten) durch das kriminelle Berlin oder von Kriminalkommissaren veröffentlichte Milieuschilderungen. Interessant finde ich, dass die Führungen bei den Betreibern der „Unterweltkneipen“ angeblich nicht so beliebt waren, schließlich vertrieben all die Touristen ihr eigentliches Klientel, auf der anderen Seite führten diese Touren auch nicht in die wirklich schlimmen Ecken der Stadt, schließlich konnten die Stadtführer nicht riskieren, dass ihre Kunden zu Schaden kamen.

Von den Mordfällen, die Regina Stürickow in „Mörderische Metropole Berlin“ aufführt, kannte ich einige schon aus „Kommissar Gennat ermittelt“. Es gab aber noch genügend neue Kriminalfälle, um das Buch zu einer interessanten Lektüre zu machen. Spannend fand ich zum Beispiel die Details rund um den Mord an dem ehemaligen osmanischen Großwesir Talât Pascha, bei dem der Täter freigesprochen wurde, obwohl es mehrere Zeugen für die Tat gab und der Mörder geständig war. Faszinierend waren dabei nicht nur die Gründe für den Freispruch, sondern auch die Informationen, die später noch zu den Hintergründen der Tat herauskamen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist für mich bei diesen Berichten die Intensität, mit der in einigen Fällen ermittelt wurde, und die Hilflosigkeit der Polizei in anderen Fällen. Es gab zu dieser Zeit noch kein festgelegtes Prozedere, wenn es um (Mord-)Ermittlungen ging, und die Spurensicherung steckte noch immer in den Kinderschuhen – es fehlte dabei meist nicht am Wissen, sondern an den Möglichkeiten (oder am Personal), dieses auch umzusetzen. Dazu kam, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland zu einer radikalen Erhöhung der Kriminalitätsrate führte und natürlich nicht genügend Beamte da waren, um all diesen Verbrechen die nötige Aufmerksamkeit zu widmen.

An längsten haben mich die Fälle beschäftigt, bei denen es am Ende der Beschreibung hieß, dass sie nicht aufgeklärt wurden. Manchmal war das so, weil es einfach nicht genügend Hinweise auf den Täter gab, dann wieder gab es zwar einen begründeten Verdacht, aber keine Beweise, mit denen man den Mörder hätte überführen können. Interessant finde ich auch die Fälle, bei denen Jahre später eine Aussage der Akte zugefügt wurde, in der jemand die Identität des Mörders verriet, bei denen aber keine Verhaftung mehr erfolgen konnte, weil die Person schon verstorben war, oder der Zeuge nicht genügend Informationen zur genauen Identifizierung des Täters beisteuern konnte. Angesichts der Beschreibungen, die es zur Aktenverwaltung in diesem Buch (und auch dem anderen Titel der Autorin) gibt, scheint es mir fast schon ein Wunder zu sein, dass diese Information dann noch ihren Weg in die dementsprechende Akte fand. Auch mag ich mir kaum vorstellen, wie schwierig die Zusammenarbeit mit Ermittlungsstellen in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland war, und finde es dann umso bewundernswerter, wenn in einem Fall nach jahrelanger Arbeit doch noch Informationen aus dem Ausland zu weiteren Spuren bei einer Ermittlung führten.

Ich gebe zu, dass „Mörderische Metropole Berlin“ jetzt nicht so viele neue Informationen für mich enthielt, aber all diese kleinen Details zu entdecken, die mir ein genaueres Bild vom Alltag (und der Polizeiarbeit) dieser Zeit vermitteln, hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht.

Banana Yoshimoto: Tsugumi

Banana Yoshimoto gehört für mich zu den Autorinnen, auf die ich ab und an Lust habe, die mir aber nicht so sehr am Herzen liegen, dass ich ihre Bücher besitzen muss. In diesem Monat war es wieder soweit, dass ich mich weiter durch ihr Werk lesen wollte, und so habe ich mir „Tsugumi“ in der Onleihe vorgemerkt. Gewusst habe ich über die Geschichte vorher nichts, ich hatte nur im Hinterkopf, dass ich einen ihrer früheren Romane lesen wollte und da „Kitchen“ nicht zur Verfügung stand, wurde es eben „Tsugumi“. Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wie viele Titel von japanischen Autoren gar nicht erst übersetzt werden, selbst wenn diese Schriftsteller relativ erfolgreich sind. Da würde ich wirklich gern einmal genau wissen, nach welchen Kriterien das läuft (auch wenn ich mir schon verschiedene Gründe dafür vorstellen kann).

Die Handlung in „Tsugumi“ wird in der Rückschau aus der Sicht von Maria erzählt, die die Cousine der titelgebenden Tsugumi ist. Ihr gesamtes bisheriges Leben hat Maria mit ihrer Mutter in der Pension verbracht, die der Familie der Schwester ihrer Mutter gehört, und darauf gewartet, dass ihr Vater sich endlich von seiner Frau scheiden lassen und ihre Mutter heiraten kann. Obwohl die Situation für ihrer Eltern bestimmt nicht einfach war, war sich Maria immer der Tatsache bewusst, dass ihre Eltern sie und einander liebten. So hätte sich Marias Familienleben ungemein harmonisch angefühlt, wenn nicht Tsugumi gewesen wäre. Tsugumi ist Marias jüngere Cousine und von klein auf steht fest, dass das Mädchen nicht sehr lange zu leben hat. So muss die gesamte Familie damit fertig werden, dass Tsugumi jederzeit sterben kann und aufgrund ihrer schwachen Gesundheit ständig krank ist.

Tsugumi selbst erscheint auf den ersten Blick einfach nur wie ein herzloses und rundum verwöhntes Wesen. Ihre liebste Beschäftigung besteht darin, anderen Leuten boshafte Streiche zu spielen und sie mit ihren Bemerkungen zu verletzen. Erst als sie bei einem ihrer Streiche zu weit geht und Maria sich ihr gegenüber ausnahmsweise einmal nicht zurückhält, kann so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Cousinen entstehen. Doch auch nachdem die beiden Mädchen sich etwas näher gekommen sind, gibt es nur selten Momente, in denen Tsugumi sich Maria gegenüber öffnet und auch einmal ihre verletzliche Seite zeigt. So wird nach und nach deutlich, was für einen freiheitsliebenden und wilden Charakter Tsugumi besitzt und wie sehr sie durch ihren schwächlichen Körper in ihren Plänen und Träumen ausgebremst wird. Ihre einzige Möglichkeit, „stark“ zu erscheinen, besteht anscheindend darin, die Menschen in ihrer Umgebung mit ihrer boshaften Zunge und ihrem unberechenbaren Verhalten aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Ich muss zugeben, dass mich „Tsugumi“ nicht so sehr berührt hat wie andere Veröffentlichungen von Banana Yoshimoto. Es war eine schöne Geschichte, um zwischendurch immer mal wieder ein Kapitel zu lesen, und ich mochte sehr viele Aspekte der Handlung, aber die Figuren sind mir doch überraschend fremd geblieben. Ich fand diese beständige Zuneigung in Marias Familie, die trotz widriger Umstände und der Tatsache, dass ihr Vater nur an den Wochenenden zu seiner Geliebten und seiner Tochter reisen kann, unerschütterlich zu sein scheint, sehr schön. Ein bisschen erinnerte mich diese Gewissheit von Maria, dass sie von ihren Eltern geliebt wird, an Yotchan aus „Moshi Moshi“ (bevor diese sich mit den Geheimnissen ihres überraschend verstorbenen Vaters auseinandersetzen musste). So gibt es vor allem zwischen Maria und ihrem Vater, aber auch zwischen ihr und den anderen Familienmitgliedern immer wieder sehr schöne Szenen, die deutlich machen, wie sehr sie zueinander gehören und wie viele verbindende Elemente es zwischen ihnen gibt.

Dann gab es da noch all diese Passagen rund um die kleine Stadt am Meer, in der die Pension liegt, wo ein Großteil der Geschichte spielt. Ohne diesen Hintergrund hätten viele Szenen in diesem Roman gar nicht funktioniert, so aber gibt es all diese Momente am Meer, die von der Luft, dem Sand zwischen den Zehen und dem Geräusch der Brandung leben. Für mich war stellenweise die Atmosphäre, die durch die Landschaftsbeschreibungen entstand, so viel eindringlicher als die Dialoge  oder die Handlung selbst. Ich mochte diese Mischung aus Beständigkeit und ständiger Veränderung, aus trubeligem Touristentreiben im Sommer und der Ruhe im Winter oder in der Nacht, die den Hintergrund für die Handlung bildete. Und da Maria unter anderem für ihr Studium die Hafenstadt verlässt, fand ich es auch stimmig, dass sie all diese Elemente bewusster wahrnahm, als man es erwarten könnte, wenn all dies weiterhin Normalität für sie geblieben wäre.

So sind es am Ende die Orts- und Landschaftsbeschreibungen, die in mir nachklingen und Sehnsucht nach dem Meer in mir wecken. Diesen Teil der Geschichte habe ich wirklich genossen und ich bin mir sicher, dass das Meer bei diesem Roman das Element ist, das mir in Erinnerung bleiben wird. Dazu kam dann noch Banana Yoshimotos unaufgeregte Erzählweise, die die Melancholie dieses letzten Sommers in der Hafenstadt, des Abschieds vom vertrauten Leben und vielleicht sogar von Tsugumi weiter unterstrichen hat. Ich mochte Marias Sicht auf die verschiedenen Personen und Ereignisse und dieses Gefühl, dass sie alles umso intensiver wahrnimmt, weil sie diesen Sommer am Meer nicht enden lassen will.

Herbstlesen im Oktober (7) – Sonntag

Nachdem ich gestern keine Tätigkeit besonders lange durchgezogen habe, bin ich gespannt, ob ich heute etwas intensivere Zeit mit meinem Roman verbringen oder mich wieder von diversen anderen Dingen ablenken lasse. Auf jeden Fall werde ich heute Nachmittag wieder einige Zeit mit meinem Mann zusammen spielen. Nachdem wir am vergangenen Wochenende die ersten Schritte mit „Gloomhaven“ gemacht haben, möchten wir gern dabei bleiben, bevor wir die Regeln wieder von vorn lernen müssen. 😉 Außerdem haben wir unseren Auftrag (einen Dieb zu fangen und ihm die gestohlenen Unterlagen abzunehmen) – dank zweiteiligem Szenario – noch nicht beenden können und bestimmt wird unsere Auftraggeberin langsam ungeduldig. *g*

Aber erst einmal starte ich gemütlich mit „The Tropic of Serpents“ von Marie Brennan in den Tag. Ich hatte gestern das erste Drittel des Romans gelesen und fände es nett, wenn ich ihn heute beenden könnte.

Update 11:15 Uhr

So richtig kann ich mich heute auch nicht auf eine Sache konzentrieren, aber ein bisschen habe ich doch schon in „The Tropic of Serpents“ gelesen und bin endlich in der Wildnis angekommen, wo Isabella diverse Tiersichtungen (inklusive Drachen) machen konnte. Ansonsten wusel ich so rum, glubsche ein bisschen vor mich hin und habe mir ein Frühstück gegönnt. Als nächstes werde ich erst einmal „Blümchen gießen“ und dann ist es vermutlich schon Zeit Christie zu füttern, bevor wir „Gloomhaven“ aufbauen.

Update 16:00 Uhr

Uff … wir haben gegen 13 Uhr angefangen das Spielfeld aufzubauen und sind vor ein paar Minuten mit unserer heutigen Gloomhaven-Runde fertig geworden und wir haben so richtig heftig verloren. *g* Am Anfang sah alles noch harmlos aus, obwohl wir bei den Events, die vor dem Szenario möglich sind, keine guten Karten bekommen haben und so schon mit einem Nachteil ins Dungeon gegangen sind. Aber bei gerade mal zwei Gegner schien die Sache machbar zu sein.

Dummerweise konnte der Bossgegner sich nicht nur zu den anfangs geschlossenen Türen teleportieren und die in den angrenzenden Räumen vorhandenen Monster rauslassen, sondern auch unter bestimmten Umständen lebende Skelette beschwören. Mittendrin war es schon kritisch für uns, aber wir hatten noch die Hoffnung, dass wir das einigermaßen überstehen würden.

Da wir aber das gesamte Spiel hindurch großes Pech beim Kartenziehen hatten, während unsere Gegner recht unbehelligt vom Kartenglück durchs Dungeon rannten (und sich ständig vermehrten), mussten wir am Ende dann doch aufgeben. Am kommenden Wochenende starten wir einen erneuten Versuch mit dem Dokumentendieb, für heute hat es mir erst einmal gereicht. 😉

Jetzt drehe ich eine Runde und schau nach den anderen „Herbstlesern“ und esse dabei das letzte Stück vom „Zauberkuchen“. Ich weiß nicht so recht, ob ich den Kuchen noch einmal backen werde – wenn doch, dann zumindest nicht nach dem Rezept, das ich am Freitag ausprobiert habe.

Update 20:45 Uhr

Rote-Beete-Nudelauflauf

Seit dem letzten Update habe ich die Geburtstagsgeschenke für meine Mutter endlich eingepackt, damit sie morgen abgeschickt werden können. Für diejenigen, die so lieb waren und mir Tipps gaben, noch die Information, dass ich mich für „Die schnellsten Frauen der Welt“ von Matthew Goodman (wegen der „reisenden Frauen“) und „Das Büro der einsamen Toten“ von Britta Bolt (wegen der Frage nach einem Krimi und dem Schauplatz Amsterdam) entschieden habe. Ich hatte auch noch „Kommando Abstellgleis“ im Auge, aber da ich nach der Leseprobe nicht sicher war, ob das was für meine Mutter ist, habe ich mich für den anderen Krimi entschieden. Dann rief mein Vater an und wir haben gut 1 1/2 Stunden miteinander geredet. Er ist gerade ziemlich einsam, da meine Mutter im Krankenhaus liegt, und weiß nicht so recht damit umzugehen, dass seine Schwester vermutlich nicht mehr lange zu leben hat. Ich muss gestehen, dass mich das Thema auch gerade ziemlich bedrückt. Nachdem wir gerade gegessen haben, werde ich jetzt noch eine Blogrunde drehen und mich dann einfach den Rest des Abends berieseln lassen (mein Mann schaut gerade den ersten Star-Wars-Film – also Episode IV …).

Schön, dass ihr heute wieder dabei gewesen seid! Wir lesen uns (vielleicht sogar beim letzten Herbstlesen-Wochenende im Oktober).

***

Heutige Mitleser:

Natira
Sam
Susanne
Neyasha
Kiya
Lyne

Herbstlesen im Oktober (6) – Samstag

Schon wieder ist eine Woche rum und damit Zeit fürs Herbstlesen. Die vergangenen Tage waren wieder einmal kürzer als meine To-do-Liste, aber immerhin habe ich abends und in meinen Essenspausen „Mörderische Metropole Berlin“ von Regina Stürickow aus- und „Tsugumi“ von Banana Yoshimoto vollständig gelesen. Letzteres war angesichts der flüssigen Schreibweise und des geringen Umfangs auch schnell getan. 😉 Da die Rezensionen zu den beiden Titeln in den nächsten Tagen freigeschaltet werden, schreibe ich hier nicht mehr zu den Büchern. Stattdessen konzentriere ich mich heute morgen auf meine „Wochenendlektüre“, denn es wird Zeit mit Lady Trent in ein neues Abenteuer aufzubrechen. Außerdem werde ich gleich noch einen Blick in die Leihkiste von Natira werfen und schauen, welches Buch ich davon als nächstes lesen werde.

Wie immer werden eventuelle Mitleser am Ende dieses Beitrags verlinkt, sobald sie sich in den Kommentaren melden. Ich wünsche uns allen einen entspannten und schönen Start in ein gemütliches Wochenende!

Update 11:00 Uhr

Nach meinem morgendlichen Lebenszeichen habe ich mir erst einmal Natiras Leihkiste angeschaut und (nachdem mir weder nach Kochbuch, noch nach weihnachtlichen Geschichten zumute war) „Eierlikörtage“ von Hendrik Groen rausgefischt. Das Buch will ich schon länger lesen und dachte, es wäre ein gutes Zwischendurchbuch, da die Tagebucheinträge, in denen Hendrik von seinem Alltag im Altersheim berichtet, nicht sehr lang sind. Aber ich bin gerade nicht in der richtigen Stimmung für diese humorvollen kleinen Begebenheiten inklusive versterbender Fische (zu viel Kuchen im Aquarium). Mir ist das Thema gerade zu nah, da ich mir in den letzten Tagen viele Gedanken um meine Eltern (und meine Tante) gemacht habe und darüber wie es in der näheren Zukunft mit ihnen weitergeht.

Also habe ich beschlossen, dass die „Eierlikörtage“ vorerst wieder in die Leihkiste zurückwandern und ich erst einmal den Staubsauger schwinge. Dazu war ich gestern nicht mehr gekommen und es war dringend notwendig. Unter der Dusche war ich inzwischen auch und nun habe ich Hunger. Zum Frühstück greife ich mir „The Tropic of Serpents“ von Marie Brennan und stürze mich mit Lady Trent in die nächste Expedition. Später kann ich immer noch schauen, ob ich ein passendes „Nebenbeibuch“ im SuB finde.

Update 16:00 Uhr

So viel habe ich seit dem letzten Update nicht gelesen, weil ich mich immer wieder mit meinem Mann verschwatzt habe, aber immerhin ist Isabella endlich auf dem Schiff und bereit in See zu stechen. Dabei war es gar nicht so einfach endlich die Reise anzutreten, da die Behörden ihr immer wieder Steine in den Weg geworfen haben (es ist eben schwierig eine Einreisegenehmigung zu bekommen, wenn das betreffende Land offiziell in Kriegswirren verwickelt ist), ihre Familie nicht sehr glücklich mit ihren Plänen war und der Chemiker, der in ihrem Auftrag an den Erkenntnissen der letzten Expedition arbeitete, mit einem Einbruch in seinem Labor fertig werden musste, bei dem ein großer Teil seiner Notizen gestohlen und seine Versuchsaufbauten zerstört wurden.

Nachdem ich soweit in „The Tropic of Serpents“ gekommen war, habe ich erst einmal eine Lesepause eingelegt und mit meinem Mann die letzten beiden Folgen der zweiten Staffel „Orphan Black“ geschaut. Es wurde Zeit, dass wir endlich damit weitermachen, denn wir hatten anfangs schon etwas Mühe uns daran zu erinnern, welcher Charakter gerade vor welcher Herausforderung in der Handlung steht. Neben dem Seriengucken habe ich meinen neuen Socken weitergestrickt. Ich habe mich jetzt gegen das geplante Zopfmuster und für ein simples „Karomuster“ entschieden und finde das gerade wunderbar entspannend. Jetzt ist es aber erst einmal Zeit für ein Stück Kuchen, nachdem ich gestern meinen ersten Versuch mit einem sogenannten „Zauberkuchen“-Rezept gewagt habe. Es sind zwar nur zwei und nicht drei Schichten geworden, aber das Ergebnis sieht schon mal essbar aus. Neben Kuchen und Tee surfe ich ein bisschen rum und schaue, wie es bislang den anderen ergangen ist.

Update 21:00 Uhr

Beim Surfen habe ich mich dann etwas ablenken lassen und glatt angefangen „Let’s Plays“-Videos zu schauen. Es wird wirklich Zeit, dass mein vorbestelltes „Story of Seasons“-Spiel endlich eintrifft, damit ich nicht mehr anderen dabei zuschauen muss wie sie die Version spielen. Danach habe ich etwas weitergelesen und habe mit Isabella zusammen die ersten Schritte in Eriga gemacht und einen kleinen Einblick in die dortige Gesellschaft bekommen. Das Ganze fühlt sich an, als ob Marie Brennan diesen Teil der Welt an Afrika angelehnt hat, aber natürlich hat die Autorin genügend eigene Details verbastelt, dass ich dieses Land keinem realen zuordnen kann. Ansonsten habe ich „Blümchen gegossen“, etwas gedöst und Abendessen gekocht und gegessen.

Den Rest des Abends werde ich vermutlich mit dem Strickzeug verbringen und dann früh ins Bett gehen, die letzte Nacht war nicht gerade erholsam. Bevor ich schlafen gehe, dreh ich noch eine Runde und schau nach den anderen drei. Bis morgen! 🙂

***

Heutige Mitleser:

Sam
Neyasha
Elena

Kelly Barnhill: The Girl Who Drank the Moon

„The Girl Who Drank the Moon“ von Kelly Barnhill ist eine Leihgabe von Natira und für mich die erste – wenn auch bestimmt nicht die letzte – Begegnung mit der Autorin. Kelly Barnhill beginnt ihre Geschichte an dem Tag, an dem in jedem Jahr die Ältesten des „Protectorates“ das jüngste Baby des Ortes aus den Armen seiner Familie reißen, um es der Hexe aus dem Wald zu opfern. Doch an diesem Tag kämpft die betroffene Mutter um ihr Baby mit einer Wut, die an Wahnsinn grenzt, während der „Älteste in Ausbildung“ zu seinem Schrecken feststellen muss, dass niemand sicherstellt, dass das Baby nicht von wilden Tieren gefressen wird, bevor die Hexe überhaupt am Übergabeort erscheinen kann. Doch niemand möchte der Hexe begegnen, die Jahr für Jahr ein Baby für sich verlangt, damit sie den Ort mit ihrer bösen Magie verschont.

Jahr für Jahr macht sich Xan, die Hexe aus dem Wald, auf den Weg zu der Lichtung, auf der die Frauen des Protectorates ihre ungewollten Babies aussetzen. Im Laufe der Zeit hat sie gelernt, welche Dinge sie für diesen Weg braucht, und so trägt sie eine weiche Decke und Flaschen mit warmer Ziegenmilch mit sich und wenn die Milch ausgetrunken ist, füttert sie das Baby mit Sternenlicht, bis es satt und zufrieden ist. Und wie in jedem Jahr plant sie auch dieses Mal, die beste Familie für das ausgesetzte Baby zu finden, die die Städte auf der anderen Seite des Sumpfes zu bieten haben. Doch dann füttert sie aus Versehen das Baby nicht mit Sternen-, sondern mit Mondlicht – und nun liegt es an ihr, das kleine Mädchen in der Magie zu unterrichten, mit der es von diesem Augenblick an erfüllt ist. Während in den folgenden Jahren im Wald ein Mädchen heranwächst, das mit mehr Magie erfüllt ist, als selbst eine 500 Jahre alte Hexe, ein kleiner Drache und ein uraltes Sumpfmonster zu bändigen vermögen, wird ein junger Mann in der Stadt hinter der Mauer von der Erinnerung an eine wahnsinniger Mutter und ein auf einer Lichtung ausgesetztes Baby gequält.

Manche Geschichten sind so schön, dass es schwer fällt, eine Rezension dazu zu schreiben. Es gibt so viele Elemente in „The Girl Who Drank the Moon“, die ich geliebt habe. Die Handlung ist märchenhaft, voller Magie und ungewöhnlicher Figuren, es gibt so viele wunderschöne und liebevolle Momente zwischen den verschiedenen Figuren, und doch ist jede dieser Szenen durchdrungen von Kummer und Vorahnungen – besonders der Anfang ist heftig, wenn der Mutter das Kind weggenommen wird. Kein Charakter ist nur gut oder nur böse, selbst die unsympathischsten Figuren können Zuneigung für jemanden empfinden, was sie noch nicht liebenswert, aber für den Leser ein kleines bisschen nachvollziehbarer macht. Ich mochte die verschiedenen Perspektiven so sehr und ebenso gefiel es mir, dass ich mich immer wieder fragen musste, wie welcher Teil der Geschichte in das Gesamtbild passt und welche Konsequenzen die Handlungen und Gedanken der Figuren haben werden. Ich finde die Sprache wunderschön, die Kelly Barnhill verwendet, so klar und so poetisch und auf den Punkt, wenn es darum geht, eine Situation, einen Gedanken oder ein Gefühl zu beschreiben.

„The Girl Who Drank the Moon“ ist ein Jugendbuch und die Handlung dreht sich ums Erwachsenwerden und darum, seinen Platz im Leben zu finden. Aber die Geschichte ist auch hervorragend für erwachsene Leser geeignet, denn sie beinhaltet noch so viel mehr und wird langsam genug erzählt, dass man all diese vielen kleinen Elemente rund um die Fragen, was Familie und Freundschaft ausmacht, wie viel Wissen und Liebe man jemandem mitgeben kann, den man aufzieht, und wann es Zeit ist, loszulassen, in Ruhe genießen und sich Zeit lassen kann, um darüber nachzudenken. Dafür, dass rund um die Familien, deren Kinder geopfert werden, so viele schreckliche Dinge in dem Buch geschehen, gibt es überraschend viele Wohlfühlelemente und Szenen voller Zuneigung, Freundschaft und Toleranz gegenüber jemandem, dessen Sicht auf das Leben ganz anders ist als die desjenigen, aus dessen Perspektive man diesen Teil der Handlung erlebt. Ich mochte diese Ausgewogenheit, ich mochte diese Mischung aus Wissenschaft und Magie und ich mochte die zum Teil sehr ungewöhnliche Sicht auf vertraute Dinge, die die Autorin in die Geschichte eingeflochten hat. Und da der Roman nur geliehen war, sitzt der Titel nun neben den anderen Büchern, die Kelly Barnhill geschrieben hat, auf meiner Wunschliste. Ich freu mich schon darauf, ihre anderen Werke entdecken zu können.

Jennifer Carson: Tangled Magick (Hapenny Magick 2)

Fast fünf Jahre ist es her, seitdem ich „Hapenny Magick“ von Jennifer Carson gelesen habe, und in der ganzen Zeit habe ich die Augen nach der Fortsetzung aufgehalten. Erst vor wenigen Wochen habe ich dann „Tangled Magick“ in die Finger bekommen und mich unheimlich gefreut. Ich konnte mich nach all den Jahren zwar nicht mehr an Details aus dem ersten Teil erinnern, aber jedes Mal, wenn ich an das Kinderbuch dachte, war da wieder dieses wunderbare heimelige Gefühl, das die Geschichte in mir ausgelöst hat. So ist es vermutlich kein Wunder, dass ich mir den zweiten Band letzte Woche geschnappt habe, als ich in einer ziemlich miesen Stimmung war und etwas zum Aufheitern suchte. Auch dieses Mal hat Jennifer Carson es geschafft, mich in eine wunderbare fantastische Geschichte hineinzuziehen, die voller liebenswerter Figuren, vertrauter märchenhafter Elemente und natürlich auch dem passenden bösen Gegenspieler für die liebenswerte Hapenny-Magierin Mae ist.

Seit den Ereignissen in „Hapenny Magick“ sind gut zwei Jahre vergangen, in denen Mae gemeinsam mit dem Zauberer Colum und der Zauberin Aletta in ihrem Elternhaus gelebt und mehr über ihre Magie gelernt hat. Doch nun wird es Zeit, gemeinsam mit einer Gruppe von Hapennies und ihrem Lehrmeister auf eine „Expedition“ zu gehen, um Zutaten für ein Heilmittel zu suchen und bei der Gelegenheit auch Waren mit den Menschen-Städten in der Region zu tauschen. Diese Reisegruppe ist die erste, die das kleine abgeschiedene Hapenny-Dorf verlässt, seitdem vor fünfzehn Jahren Maes Vater und seine Gefährten bei einer ähnlichen Expedition spurlos verschwunden sind. Nur die Tatsachen, dass in den vergangenen zwei Jahren keine Troll-Aktivitäten mehr zu sehen waren und dass das Heilmittel wirklich dringend benötigt wird, konnten die Ältestens überhaupt dazu bewegen, eine weitere Reise zu genehmigen.

Dummerweise werden Mae und die anderen schon in ihrer ersten Nacht in eine Falle gelockt und finden sich kurz darauf in einem verzauberten Schloss wieder, wo sie der Trollkönigin und ihren Untertanen zu Diensten sein müssen. Nach und nach erfährt Mae mehr über das Schloss, über die anderen Opfer der Trolle, über die magischen Kreaturen, die ebenfalls dort gefangen gehalten werden, und über den Fluch, der jeden befällt, der sich für längere Zeit in dem Schloss aufhält. Gemeinsam mit ihren Freunden versucht sie alles, um den Fluch zu brechen, und sogar die Prinzessin, die vor vielen Jahren von den Trollen entführt wurde, zu befreien.

Ich liebe die Hapenny-Geschichten von Jennifer Carson einfach. Natürlich ist es vollkommen vorhersehbar, dass Mae und ihre Gefährten am Ende den Fluch brechen, natürlich weiß man von Anfang an, was es mit der Troll-Königin auf sich hat, aber das ist alles vollkommen egal, weil die Handlung so hübsch erzählt wird. Ich mag die ganzen kleinen Details, die die Autorin in ihr Buch eingebaut hat, ich mag die verschiedenen Elemente, die zu diesem verzauberten Schloss gehören, ich mag die magischen Kreaturen und ich mag die Hapennies mit all ihren kleinen Eigenarten. So habe ich trotz all der Gefahren, die auf Mae lauerten – schließlich darf man nicht vergessen, dass Hapennies die Lieblingsspeise der Trolle sind -, die Geschichte durchgehend mit einem Schmunzeln gelesen, weil ich es so sehr mochte, wie die Hapennies mit all den Herausforderungen umgingen.
„Tangled Magick“ hat mir am Ende sogar noch besser gefallen als der erste Band, weil Maes Welt durch die Reise ein Stückchen größer wird und sie so viele andere Wesen kennenlernt. Und ich bin mir sicher, dass ich beide Bücher in den kommenden Jahren regelmäßig wieder aus dem Regal ziehen werde, wenn ich das Bedürfnis nach einer gemütlichen Wohlfühlgeschichte habe.

Herbstlesen im Oktober (5) – Sonntag

Nach dem letzten Update gestern habe ich noch ein bisschen mit meinem Mann geschwatzt und ein paar Seiten in „A Natural History of Dragons“ von Marie Brennan gelesen. Damit werde ich auch heute in den Tag starten, außerdem liegt hier immer noch „Mörderische Metropole Berlin“ von Regina Stürickow und die Bibliothek hat mir per Mail Bescheid gesagt, dass meine Vormerkung von „Tsugumi“ von Banana Yoshimoto zum Download bereitsteht. Ich weiß nicht, ob ich mit „Tsugumi“ heute noch anfange, aber da die Onleihe-Titel immer nur für 14 Tage ausleihbar sind, sollte ich besser die Wochenenden dafür nutzen. Auf der anderen Seite fand ich die Romane von Banana Yoshimoto bislang immer gut geeignet, um hier und da ein paar Minuten in den Arbeitspausen zu lesen, weshalb ich das Buch eigentlich auch in der Woche anfangen könnte. Ich werde einfach sehen, worauf ich im Laufe des Tages Lust habe.

Außerdem werde ich vermutlich heute Nachmittag mit meinem Mann eine Brettspielrunde einlegen, da wir ein neues Spiel haben und sehr neugierig darauf sind. Und mit „Orphan Black“ wollen wir auch irgendwann weitermachen, schließlich haben wir in der zweiten Staffel nur noch zwei Folgen zu schauen …

Wie immer werde ich die heutigen Mitleser am Ende dieses Beitrags verlinken, wenn sie sich in den Kommentaren melden. Ich wünsche euch schon mal einen schönen Start in einen gemütlichen Tag und angenehme Lesestunden! 🙂

Update 11:30 Uhr

Den Vormittag habe ich zum Großteil mit Isabella verbracht (und werde vermutlich dabei bleiben, bis ich „A Natural History of Dragons“ ausgelesen habe) und zum Teil mit den Berichten über die gestrigen Vorfälle bei der Buchmesse. Zum Frühstück läuft die Verleihung des „Friedenspreises des Deutschen Buchhandels“ im Fernsehen und ich muss mal wieder feststellen, dass ich die Masse an Reden und ihre Länge bei Preisverleihungen nicht nur anstrengend finde, sondern mich beim besten Willen nicht darauf konzentrieren kann. Wenn ich über eine interessante Aussage in solch einer Rede stolpere, dann wird der Rest der Rede zum Hintergrundrauschen, während meine Gedanken ihre eigenen Wege gehen.

Update 15:00 Uhr

Mein dritter Versuch dieses Update zu schreiben, da wir den großartigen Gedanken hatten, heute das neue Router-Modem-Teil anzuschließen. Abends haben wir für sowas keine Geduld, also bietet sich das Wochenende für solche Aktionen an, und angeblich sollte man nur das alte Teil gegen das neue austauschen und alles gut. Es hat auch nicht so lange gedauert bis wir wieder online waren (und Telefon und Kabelfernsehen hatten), aber wir bekommen es momentan nicht hin die Werkseinstellung gegen unseren Netzwerknamen und Passwort auszutauschen. Was lästig und frustrierend ist …

Ansonsten habe ich in den 3 1/2 Stunden seit dem letzten Update „A Natural History of Dragons“ ausgelesen (und den zweiten Teil gleich mal aus dem Schrank gezogen, auch wenn ich vermutlich nicht sofort damit weitermachen werde), die Katze versorgt und bin ein bisschen durch die Wohnung gewuselt. Jetzt gibt es erst einmal eine Brettspielrunde mit meinem Mann – ich wurde schon vorgewarnt, dass die Einführung in die Regeln, die Charakterauswahl und ähnliche Grundlagen schon ein gutes Stündchen dauern kann. *g*

Update 19:30 Uhr

Während Christie sich ihrem Aussehen widmete (inklusive ausgiebigem Schönheitsschlaf), haben mein Mann und ich die letzten Stunden mit „Gloomhaven“ verbracht. Aufbau und Regelerklärung haben ihre Zeit gekostet und letztendlich haben wir mit unserem ersten Szenario ungefähr zwei Stunden verbracht. Noch habe ich das Gefühl, ich muss mich sehr auf die einzelnen Spielzüge konzentrieren, weil pro Runde relativ viel zu beachten ist, aber wenn ich nicht mehr so viel Kapazität auf die verschiedenen Regeln aufwenden muss, läuft das Spiel bestimmt zügiger. Schön finde ich, dass es wirklich viele Möglichkeiten gibt seinen Zug an die Gegebenheiten anzupassen, aber fast noch mehr Elemente, die sämtliche Planung zunichte machen können. Man muss auf jeden Fall jederzeit bereit sein seine Strategie anzupassen. Ich mag an dem Spiel auch, dass es koorperativ gespielt wird und dass sich die Spielfigur im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Jede Entscheidung im Spiel hat Einfluss darauf, welche Geschichte man als Spieler erlebt, so gibt es neben der jeweiligen Hauptquest auch noch Einzelziele, die während einer Quest erreicht werden können, und für jeden Charakter noch ein Lebensziel, das sich durch die gesamte Spielzeit zieht, die man mit der Figur verbringt. Oh, und man muss nicht immer mit einem festen Team spielen, sondern ist flexibel wenn es um die Anzahl der Spieler geht, obwohl die Handlung weiter voranschreitet.

Da ich immer etwas Zeit brauche, um mich mit den Regeln und Abläufen wohl zu fühlen, habe ich heute erst einmal den „Brute“ gewählt. Der entspricht dem klassischen Muskelprotz ohne Hirn, was ihn relativ robust macht. (Mein Mann war sich übrigens vorher ziemlich sicher, dass ich den „Scoundrel“ nehmen würde, aber der verfügt über einige Extra-Fähigkeiten, die ich erst einmal nicht auch noch mit in meine Spielzüge einplanen wollte. 😉 )

Jetzt schaue ich erst einmal, wie es den anderen heute Nachmittag so ergangen ist, während mein Mann heute spontan das „Kochen“ übernommen hat und deshalb gerade Tiefkühlpizza in den Ofen schiebt.

Update 23:00 Uhr

Heute gibt es kein Foto vom Abendessen, dafür ein Bild vom Nachtisch inklusive der dabei angefangenen Lektüre. 😉 Der Anfang von „Tsugumi“ gefällt mir schon mal gut. Die Erzählerin Maria klingt bislang lebensfroher und energischer als die bisherigen Erzählstimmen, die mir bei Banana Yoshimoto bislang untergekommen sind. Marias Cousine Tsugumi hingegen scheint eine sehr anstrengende Person zu sein, die – aufgrund der Tatsache, dass schon früh feststand, dass sie nicht lange zu leben hat – schrecklich verwöhnt wurde und sich ein Vergnügen daraus macht andere Personen zu ärgern und zu verletzen. Ich kann noch nicht so ganz nachvollziehen, warum sich die beiden Mädchen miteinander angefreundet haben – zumindest fällt es mir schwer diesen Schritt aus Marias Sicht nachzuvollziehen. Aber ich bin vermutlich auch nachtragender als es Maria ist. 😉

Außerdem habe ich meine Zeit mit „Blümchen gießen“ verbracht. Es gibt immer wieder Tage, an denen ich mich darüber wundere, wie lange ich dieses Spiel nun schon täglich spiele. Aber solange es mir immer noch Spaß macht …

Da ich in den letzten Tagen etwas wenig Schlaf bekommen habe, sollte ich bald ins Bett gehen. Ich beende also für heute den Lesetag mit einer Kommentarrunde. Schön, dass ihr dabei gewesen seid! Bis zum nächsten Mal! 🙂

***

Heutige Mitleser:

Neyasha
Natira
Kiya
Susanne
Elena

Herbstlesen im Oktober (4) – Samstag

Samstag und damit wieder Lesetag – ich freu mich sehr auf die entspannten Stunden, die heute und morgen vor mir liegen! Diese Woche war ziemlich anstrengend und zum (privaten) Lesen bin ich nicht besonders viel gekommen, umso mehr Zeit möchte ich heute mit meinen Büchern verbringen. Ich habe mir „Mörderische Metropole Berlin“ von Regina Stürickow wieder bereit gelegt. Das Buch hatte ich im Sommer schon mal angefangen und dann hatte mich erst einmal die Lust verlassen, mich mit der kriminellen Seite Berlins zu beschäftigen. So langsam wird es jetzt also Zeit weiter darin zu lesen. Ansonsten locken mich gerade die Lady-Trent-Bücher von Marie Brennan. Seitdem ich den letzten Band habe, warte ich auf den richtigen Zeitpunkt, um die Reihe am Stück zu lesen, und im Moment gefällt mir die Vorstellung sehr gemeinsam mit Lady Trent auf die Suche nach Drachen zu gehen …

Wie immer werde ich eventuelle Mitleser am Ende des Beitrags verlinken, sobald sie sich in den Kommentaren melden. Ich wünsche uns allen schon mal einen entspannten und gemütlichen Start ins Wochenende und melde mich später dann wieder.

Update 11:45 Uhr

Mit dem Lesen hat es bislang nicht geklappt, zumindest nicht mit dem Lesen von Büchern, dafür ist der Feedreader mal wieder von mir geleert worden. Außerdem waren mein Mann und ich heute Vormittag beide etwas verpeilt und sind wir ständig umeinander gelaufen und haben deshalb kaum etwas auf die Reihe bekommen. Da er jetzt aber unterwegs ist (wieder ein Brettspieltag mit Kollegen), das Chaos in der Küche beseitigt und die erste Wäscherunde durchgelaufen ist, wird es jetzt wirklich Zeit für mich in den gemütlichen Teil des Tages zu starten. Zum Frühstück schnappe ich mir also „A Natural History of Dragons“ von Marie Brennan. Den Roman habe ich vor 2 1/2 Jahren schon mal gelesen und rezensiert, aber wenn ich schon die ganze Reihe im Haus habe, dann kann ich mir auch den ersten Band noch einmal vornehmen. 🙂



Update 14:30 Uhr

Hach, ich mag den Anfang von „A Natural History of Dragons“ so gern. Ich finde es so schön, wie Isabella ihre beginnende Leidenschaft für Naturwissenschaften und für Drachen beschreibt. Vor allem aber liebe ich die Szenen mit ihrem Vater und dass dieser klug genug ist, um seine Tochter mit dem nötigen Hintergrundwissen für die Suche nach einem guten Ehemann (belesen und willens seine Bibliothek mit seine Frau zu teilen) auszustatten. Und dann ist da noch der Moment, in dem Isabella einen Heiratsantrag bekommt, von einem Mann, der glücklich ist, dass es eine Frau gibt, die weniger an seinem Vermögen und mehr an seiner Begeisterung für Naturwissenschaften interessiert ist. Bevor die beiden zu ihrer ersten Expedition aufbrechen, lege ich erst einmal eine kleine Pause ein, um zu schauen wie es den anderen heute so ergeht.

Ich weiß noch nicht, ob ich danach weiterlesen oder erst einmal zum Hörbuch wechsel. Es ist eine Woche her und so langsam sollte ich mal die dritte CD von „Oberst Chabert“ (von Honoré Balzac) hören, damit ich nicht vergesse, an welcher Stellung der Handlung ich bin.

Update 18:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich über den „Kriminalistenalltag im Ersten Weltkrieg“ bzw. den Mord an einer alten Schreibwarenladen-Besitzerin gelesen („Mörderische Metropole Berlin“) und mir wirklich das letzte Dritte von „Oberst Chabert“ angehört, während ich weiter an meinem Socken gestrickt habe. Ich mochte an „Oberst Chabert“ die kleinen Einblicke in den Alltag der Figuren rund um das Jahr 1820, kann die Erzählweise anerkennen, fand die Geschichte selber aber sehr deprimierend und brauchte danach eine kleine Aufheiterung. Also gab es ein Stück von der für den gestrigen Besuch gebackenen Apple Tarte und ein paar weitere Seiten in „A Natural History of Dragons“.

Inzwischen sind Isabella und ihr Mann an ihrem Zielort angekommen und müssen feststellen, dass dort einige Schwierigkeiten auf sie warten, wobei das Wetter für die Protagonistin eines der Hauptärgernisse darstellt. *g*

Update 21:15 Uhr

In den letzten Stunden habe ich die gewaschene Wäsche zusammengelegt und verstaut, während mir William Dufris „Murder Goes Mumming“ von Charlotte MacLeod vorgelesen hat. Auch wenn wir noch Oktober haben, habe ich die Beschreibungen des gemütlichen Vorweihnachtsabends genossen, den Madoc und Janet in einer abgeschiedenen Hütte mit Bekannten seiner Familie verbracht haben. Ich bin mir zwar sicher, dass das frischverlobte Paar etwas mehr Ruhe und einen Mord weniger schön gefunden hätten, aber ich habe mich mit ihren Erlebnissen gut unterhalten gefühlt und bin gespannt wie es weitergeht. 😉

Doch erst einmal gab es Abendessen für mich: Nicht besonders dekorative Nudeln mit Ketchup und Käsewürfeln. Das ist eines der Trost-Essen aus meiner Kindheit, auf die ich alle paar Jahre regelrechten Heißhunger bekomme und da mein Mann heute Abend außer Haus isst … 😉 Zum Essen habe ich mir einen Film angemacht, der jetzt auch noch läuft.

„Tödliche Botschaft“ ist zwar lange nicht so gut wie das Buch („The Wheel Spins“ von Ethel Lina White) oder die Verfilmung von Hitchcock („Eine Dame verschwindet“), aber ich finde ihn gerade sehr entspannend (auch wenn ich mir wünschte, dass Cybill Shepherd weniger laut wäre 😉 ) und solange mein Exemplar des Buches noch in einer der Kisten steckt, kann ich mich damit begnügen.

Update 22:30 Uhr

Ich vergesse jedes Mal, wie schlecht dieser Film doch ist. Ich muss wirklich mal schauen, ob es die Hitchcock-Variante auf DVD gibt … Da mein Mann gleich nach Hause kommt und ich dann den Laptop eh erst einmal eine Weile nicht nutzen kann, ist dies mein letztes Update für heute. Ich hoffe, ihr habt alle eine gute Nacht! Wir lesen uns morgen wieder! 🙂

***

Heutige Mitleser:

Susanne
Neyasha
Natira
Kiya
Elena

Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller

Über „Von Beruf Schriftsteller“ von Haruki Murakami bin ich bei Sayuri gestolpert, die das Buch während eines Lesesonntags erwähnt hatte. Ich muss gestehen, dass ich Murakami als Person eigentlich interessanter finde als sein Werk – zumindest finde ich diejenigen Sachbücher, in denen er über seine persönlichen Erfahrungen schreibt, deutlich fesselnder als die Anfänge seiner Romane (denn beendet habe ich bislang noch keins seiner fiktiven Werke). „Von Beruf Schriftsteller“ beinhaltet eine Sammlung von Essays, die Haruki Murakami im Laufe von mehreren Jahren geschrieben hat. In diesen Texten schreibt der Autor von seinem ganz persönlichen Leben als Schriftsteller, von seiner Herangehensweise, wenn er an einem Roman arbeitet, und von der Entwicklung, die seine Schreibweise im Laufe der Zeit durchgemacht hat, aber auch von einigen anderen Dingen, die sein Leben beeinflusst haben.

Stellenweise fand ich die Aussagen, die Haruki Murakami in diesem Buch macht, recht allgemein gefasst und sogar belanglos, aber da ich gleichzeitig auch das Gefühl hatte, dass das genau seine Meinung widerspiegelte, konnte ich gut mit diesen Passagen leben. Richtig interessant fand ich hingegen die Absätze, die mehr über Murakamis Leben und seine Person verrieten. So erzählt er recht locker von seiner Zeit als Jazz-Kneipenbesitzer, von dem Moment, in dem in ihm der Wunsch geweckt wurde, einen Roman zu schreiben, und von der Naivität, mit der er an dieses Projekt heranging. Ich mochte die Vorstellung, wie der 29jährige Murakami an seinem Küchentisch sitzt und geduldig Seite für Seite füllt, ohne eigentlich eine konkrete Geschichte erzählen zu wollen. Ebenso spannend fand ich die Absätze, in denen er über die diversen Themen – von seinem relativ langweiligen Alltag, über sein Bedürfnis, jeden Tag Sport zu treiben, bis zum japanischen Schulsystem – schrieb.

Auch bin ich immer wieder über Passagen gestolpert, bei denen ich mich fragte, wie weit in diesem Fall Murakamis Ansicht davon geprägt wurde, dass er Japaner ist, oder davon, dass er ein Mann ist, oder vielleicht auch davon, dass er sich von Jugend an intensiv mit englischsprachiger Literatur beschäftigt hat. Natürlich ist mir bewusst, dass all diese Faktoren (und noch viel mehr) ihn als Menschen und Schriftsteller geformt haben, aber bei manchen Punkte hatte ich eben das Gefühl, dass da eine sehr persönliche Erfahrung ihn in seiner Meinung beeinflusst hat. Immer wieder bin ich zum Beispiel über Absätze gestolpert, bei denen ich mir nicht ganz sicher war, ob er da eine allgemeine Aussage trifft oder ob er sich speziell auf Japan bezieht. So ging es mir zum Beispiel mit dem Kapitel, in dem er über den Akutagawa- und andere Literaturpreise redet. In Japan scheint es ein großes Thema (gewesen?) zu sein, dass Murakami den Akutagawa-Preis nie gewonnen hat, und – wenn man nach dem im Buch zitierten Artikel gehen kann – man scheint ihm zu unterstellen, dass dies der Grund sei, warum der Autor sich vom Literaturbetrieb fernhalten würde.

Diesen Preis und die seine Person betreffenden Vermutungen nimmt Murakami als Aufhänger, um über seine Abneigung bezüglich Literaturpreisen zu schreiben (und dazu passend andere Schriftsteller zu zitieren), was mich wiederum dazu brachte, mir Gedanken über die japanische Literaturwelt und Preise allgemein anzustellen. So ging es mir eigentlich mit allen allgemeineren Aussagen Murakamis in diesem Buch, während ich die kleinen Informationen über ihn und sein Leben gerade deshalb interessant fand, weil er so wunderbar alltäglich über sein Schreiben und seinen ungewöhnlichen Werdegang erzählte. Am Ende habe ich das Gefühl, ich habe etwas über den Menschen und den Autoren Haruki Murakami gelernt (und außerdem habe ich mal wieder einen seiner Romane in der Bibliothek vorgemerkt, um einen erneuten Versuch mit seinem fiktiven Werk zu wagen).