Emilia Smechowski: Wir Strebermigranten

Über „Wir Strebermigranten“ von Emilia Smechowski bin ich durch einen Tweet von Margarete Stokowski gestolpert, die mit der Autorin befreundet ist. Und da ich – neben all den leichten Unterhaltungsromanen – ja ganz gern Bücher lese, die mir von einer für mich vollkommen fremden Realität erzählt, war ich neugierig auf die Geschichte, die hinter den Strebermigranten steckt. Für Emilia Smechowski beginnt die Geschichte im Jahr 1988, als ihre Eltern eines Tages ohne Vorwarnung mit ihr und ihrer kleinen Schwester in Polen losfuhren, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Dank eines „deutschen“ Großvaters bekam die Familie schnell deutsche Pässe, Sprachkurse und für die Eltern die Chance auf einen Arbeitsplatz, der ihrer Ausbildung entsprach.

Nur wenige Jahre dauerte es, bis die Familie über den Wohlstand verfügte, von dem sie in den 80er Jahren in Polen nur träumen konnte, aber dieser makellose Integration hat ihre Spuren hinterlassen. Denn um dieses Ziel zu erreichen, haben Emilia Smechowskis Eltern ihre polnische Identität, ihre Sprache und ihre Traditionen (abgesehen von denen rund ums Weihnachtsfest) abgelegt, um – wie die Autorin es ausdrückt – deutscher aus deutsch zu werden. Für die Kinder bedeutete dies, dass auch sie dazu gedrängt wurden kein Wort mehr in ihrer Muttersprache von sich zu geben, keinen Kontakt zu anderen Polen zu suchen und immer ihr Bestes zu geben – wobei ihr Bestes anscheinend immer noch nicht gut genug für das neue deutsche Leben war. Die Autorin hat zwar recht früh gegen den Leistungsdruck und die Strenge in ihrem Elternhaus rebelliert, kann sich aber bis heute nicht ganz freimachen von der Scham, die mit ihrer polnischen Herkunft einhergeht, von der Hemmung, Polnisch zu sprechen, oder von dem Leistungsanspruch, der ihr von klein auf eingeimpft wurde. Auch wird im Buch immer wieder deutlich, wie schwierig es für sie ist, eine Identität zu finden, in der sie sowohl ihrer polnischen als auch ihrer deutschen Heimat gerecht wird.

Neben diesen ganz persönlichen Erlebnissen und Empfindungen geht Emilia Smechowski auf die politischen Veränderungen der vergangenen 25 Jahre ein – besonders auf den unterschiedlichen Umgang mit Migranten und die Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre. Denn bei aller Zerrissenheit, die die Autorin verspürt, wird doch auch deutlich, dass diese „perfekte“ Integration ihrer Familie nur gelingen konnte, weil den „Aussiedlerfamilien“ damals ganz andere Chancen geboten wurden, als sie viele andere Migranten bekamen und bekommen. Qualitative Sprachkurse, der problemlose Erhalt des deutschen Passes, die Anerkennung ihres polnischen Medizinstudiums und die Möglichkeit, zügig eine Sozialwohnung zu beziehen, statt längere Zeit in einer Massenunterkunft verbringen zu müssen, haben dafür gesorgt, dass die Eltern schnell wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen und sich – dank zweier Arztgehälter – eine wohlhabende Existenz aufbauen konnten.

So spannend ich all die Hintergründe um die (deutsch-)polnische Geschichte fand und so sehr mich Emilia Smechowskis Erfahrungen berührt haben, so waren es doch vor allem die kleinen Sätze, die in mir nachklangen. Die Sätze, in denen die Autorin erzählte, wie ernst sie auf all den Schulfotos dreinschaut, wie wichtig es war, dass sie zu den Besten ihrer Klasse gehörte, und wie wenig sie über ihre polnische Herkunft redete. Jedes Mal, wenn wieder so eine Aussage in dem Buch kam, musste ich an die eine oder andere Person denken, die ich früher kannte, und mich fragen, ob hinter dieser Mitschülerin, hinter jener Kursteilnehmerin oder hinter diesem Kollegen eine ähnliche Geschichte steckte. Erst durch „Wir Strebermigranten“ habe ich gelernt, dass (eingedeutschte) polnische Nachnamen für mich (in NRW aufgewachsen) deshalb so selbstverständlich sind, weil zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr viele polnische Bergarbeiter von den Zechen im Ruhrgebiet engagiert wurden, um den hohen Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Ich habe mich beim Lesen dieses Buches wieder an die drei Mitschüler (zwei Cousinen und ihr Cousin) in meiner Grundschule erinnert, die ich wirklich mochte und die im Vergleich zum Rest der Klasse immer etwas zu ordentlich gekleidet und immer etwas zu brav und fleißig waren. Und auch wenn ich nach all den Jahren nicht sicher sein kann, dass diese Menschen, die ich mal gekannt habe, eine ähnliche Geschichte erlebt haben wie Emilia Smechowski, so bin ich froh, dass ich etwas über die polnischen Einwanderer dieser Generation, über polnische Geschichte und über die Schwierigkeiten einer Einwanderin, die die Identität ihres Geburtslandes abstreifen musste, gelernt habe.

Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewochen: 2. Advent

So langsam trudeln bei uns die ersten Weihnachtsgeschenke ein und da ich schon seit Jahren vorhabe etwas gegen die Geschenkpapierflut zu diesen Anlässen zu unternehmen (und mein Mann auch nicht böse wäre, wenn er nicht länger mit Papier und Klebeband kämpfen müsste, um meine Geschenke einzupacken), wollte ich heute eigentlich Geschenkbeutel nähen. Ich habe vor vielen Jahren von einer Freundin Patchworkstoffe mit Weihnachtsmotiven geschenkt bekommen und nie eine Verwendung dafür gefunden, wenn ich die aber zu Geschenkbeuteln vernähen würde, könnte ich mich jedes Jahr von neuem daran erfreuen. Dummerweise sind heute meine Hände etwas müde, da ich in der vergangenen Woche nicht nur mehrfach Möbelkartons rumgewuchtet, sondern auch die Regale allein zusammengebastelt habe, was bedeutet, dass ich mir das mit der Hand nähen heute dann doch verkneifen werde.

Zu zweit wäre das Möbelbauen natürlich einfacher gewesen, aber dann wäre frühestens am kommenden Wochenende daraus was geworden. Einräumen kann ich das Ganze sowieso erst, wenn ich die Kartons, die noch an der Wand stehen, so im Raum verteilt habe, dass die Regale an die Wand geschoben und angedübelt werden können. Wobei das Andübeln dank meiner aktuellen Neigung zu Panikattacken, wenn ich auf etwas drauf steigen muss, wohl auch erst von meinem Mann am kommenden Wochenende erledigt werden kann. Da ich nicht mit Höhenangst plus Panikattacke mit der Bohrmaschine auf dem Tritt stehend arbeiten möchte, habe ich also noch eine Woche Zeit, um die Kartons im Raum zu verteilen. Die ganzen Aktionen rund um die Regale haben in den vergangenen Tagen den Großteil meiner Freizeit gefressen, weshalb es bei mir nicht viel Adventliches in der vergangenen Woche gab. Immerhin ist mir im Möbelhaus gaaaaanz zufällig eine kleine Sternleuchte in den Einkaufskorb gehüpft und nun freue ich mich jeden Nachmittag, wenn ich das Ding anmache über das nette Licht. 😉

Den heutigen Tag werde ich also vermutlich mit einer Mischung aus Lesen („Bad Santas and Other Creepy Chrismas Charakters“ von Paul Hawkins – da habe ich bislang nur das Vorwort geschafft *g*), Rumwuseln (ein bisschen räumen, um ab morgen Platz für die Kartons zu haben) und vielleicht etwas mit dem DS verbringen. Da mein Mann den heutigen Tag mit Kollegen zum Brettspielen verabredet ist, fällt die sonntägliche Gloomhaven-Runde aus – dabei hätte ich doch zu gern meine neu angefangene Magierin noch einmal in den Kampf geschickt, denn das lief am vergangenen Sonntag nicht so gut. *g*

Ich wünsche euch jetzt schon mal einen schönen Adventssonntag und melde mich später wieder, um von meinem Tag zu erzählen.



Update 13:30 Uhr

Sehr viel habe ich bislang nicht von meinem Tag zu erzählen. Nachdem ich heute morgen den Beitrag geschrieben hatte, habe ich mich noch ein bisschen mit Christie aufs Sofa gekuschelt und bin prompt wieder eingeschlafen. Also habe ich bislang nicht gerade viel auf die Reihe bekommen. Immerhin sind die Brötchen fürs Frühstück aufgebacken und ich habe eine kleine Kommentarrunde gedreht.

Sehr gemütlich ist es bei mir gerade nicht, aber mit der Aussicht auf eine fertige Regalwand in den kommenden Wochen kann ich damit leben. Trotzdem muss ich nach dem Frühstücken erst einmal ein bisschen aufräumen und Bücher umstapeln, damit ich den Rest des Tages nicht allzu sehr in der Unordnung versinke. 😉

Update 16:45 Uhr

Zum Frühstück habe ich endlich in „Bad Santas and Other Creepy Christmas Charakters“ von Paul Hawkins gelesen und mehr über Niklaos aus Myra gelernt (inklusive der Legenden die Kannibalismus, Prostitution und ähnlich dunkle Elemente beinhalten). Außerdem habe ich etwas rumgewuselt und Sachen durch die Wohnung geschleppt, Bücher umgestapelt und mich gefragt, wie ich an die Mangareihe herankommen soll, die ich eigentlich Dienstag auf dem Weg zur Bibliothek in den Öffentlichen Bücherschrank packen wollte. Dummerweise hatte ich nämlich gestern einen Haufen Bücher aus dem schon stehenden Regal vor die Kiste mit den Büchern für den Bücherschrank gepackt, so dass ich da wieder etwas umstapeln musste, um an die vierzehn Bände von „Oh My Goddess!“ heranzukommen. Beim DurchdieGegendwuseln höre ich zur Zeit übrigens das Hörbuch „Always October“ von Bruce Coville, das bislang wirklich unterhaltsam ist. Wenn also jemand von euch noch eine Geschichte für die Halloween-Zeit im kommenden Jahr sucht … 😉

Von meinem Mann etwas höher gestellt,
damit „die Nachbarn auch etwas davon haben“. *g*

Außerdem habe ich den schon erwähnten Stern (und die im anderen Fenster stehende Kerze) fotografiert. Jetzt packe ich mich mit Christie, Buch, Kakao und Keksen aufs Sofa und lege die Füße hoch. Die Katze ist schon ganz quengelig, weil ich heute so wenig zum Kuscheln zur Verfügung stand. Und da ich in den letzten Tagen mal wieder meine Ella-Fitzgerald-Kassette („Ella in London“ und „Ella in Montreux“) in die Finger bekam und die Adventszeit auch irgendwie Jazz-Zeit bei mir ist, läuft heute also mal beim Lesen Musik im Hintergrund.

Update 20:50 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich ein bisschen gelesen („Bad Santas …“ und „Wir Strebermigranten“ von Emilia Smechowski, ein bisschen Musik gehört, mit dem DS gespielt und mir einen Nudelauflauf mit Spinat gemacht … viel Spinat, da das ein Rest war, der aufgebraucht werden musste. *g* Ich bin nur froh, dass wir inzwischen Auflaufformen haben, die für eine Person perfekt sind. 😉 Ich werde mich jetzt auf mein Essen stürzen und wenn ich damit fertig bin, ist wahrscheinlich mein Mann wieder da und will mir vermutlich von seinem Spiele-Nachmittag erzählen. Deshalb ist das für heute auch das letzte Update – am kommenden Sonntag geht es weiter und bis dahin wünsche ich euch eine schöne und nicht allzu stressige Woche! 🙂

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 2 – Murder Goes Mumming (Hörbuch)

„Murder Goes Mumming“ ist der zweite Band der „Madoc and Janet Rhys“-Serie von Charlotte MacLeod (veröffentlicht unter dem Pseudonym Alisa Craig) und hier führt die Geschichte Janet Wadman und Madoc Rhys in ein abgeschiedenes Haus an der kanadischen Küste. Seit den Ereignisse in „A Pint of Murder“ sind nur wenige Monate vergangen, aber Janet und Madoc haben sich in der Zwischenzeit gut genug kennengelernt, dass der Mountie sich sicher ist, dass er in Janet die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch noch bevor er ihr einen Heiratsantrag machen kann, prescht schon seine Mutter (eine weltberühmte Opernsängerin. die wegen eines Auftritts gerade in der Nähe ist,) vor, da sie ihren Sohn verlobt sehen will, bevor sie wieder abreisen muss. So kommt es dazu, dass sich Janet und Madoc wenige Tage vor Weihnachten für alle Beteiligten überraschend verloben und nun vor der Frage stehen, wo sie die Feiertage gemeinsam verbringen können. Zum Glück werden die beiden von „Squire“ Condrycke, einem Bekannten von Madocs Mutter, eingeladen, Weihnachten mit ihm und seiner Familie in einem abgelegenen Haus an der Küste zu verbringen.

Für Madoc, der von seinen Gastgeber aufgrund der Berühmtheit seiner Mutter besondere Aufmerksamkeit erfährt (obwohl er seltsamerweise irgendwie für die Regierung arbeitet, statt ebenfalls Künstler zu sein), wird dieser Aufenthalt unerwartet herausfordernd, als sich herausstellt, dass Janets Ex-Freund ebenfalls anwesend sein wird. Zusätzlich trübt noch der unerwartete Tod der alten Mrs. Condrycke (Squires Schwiegermutter) die weihnachtliche Stimmung – vor allem, da Madoc Beweise dafür findet, dass die alte Dame keines natürlichen Todes gestorben ist. Durch einen Schneesturm vom Rest der Welt abgeschnitten verbringen Janet und Madoc also die Weihnachtstage mit einer Leiche, einer etwas exzentrischen Familie (inklusive einer alten Tante mit übernatürlichen Fähigkeiten) und einem walisischen Butler mit nicht ganz sauberer Weste, während sie herauszufinden versuchen, wer ein Motiv hatte, Mrs. Condrycke zu töten.

Auch wenn Charlotte MacLeod ihre Krimis immer in relativ kleinen Gemeinschaften spielen lässt, so ist dies doch die erste Geschichte (wenn ich mich recht erinnere), in der die Autorin auf die klassische Hausgesellschaft, die durch Wetterbedingungen von der Außenwelt abgeschnitten wurde, zurückgreift. Ich habe die Geschichte wirklich gern gehört und mich so langsam auch an den Sprecher William Dufris gewöhnt. Ich mochte es, wie Janet und Madoc miteinander umgingen – gerade weil ihre Situation durch das Eingreifen von Madocs Mutter doch etwas ungewöhnlich ist – und wie sie gemeinsam auf der Suche nach dem Mörder sind, ohne dass Janet dabei wagemutiger vorgeht, als es für ihren Charakter angemessen wäre, während Madoc – trotz aller Bemühungen, sie zu beschützen – immer wieder einsehen muss, dass seine Verlobte ganz gut auf sich selbst aufpassen kann. Wie immer habe ich auch all die kleinen amüsanten Momente genossen, die Charlotte MacLeod in ihre Geschichten einbaut. Der Humor dieser Autorin liegt mir wirklich, ebenso wie ich es mag, dass sie sich bei ihren Krimis auf Charaktere konzentriert, die trotz diverser Eigenheiten und der einen oder anderen Übertreibung überraschend realistisch wirken.

So macht auch bei „Murder Goes Mumming“ vor allem die Interaktion der verschiedenen Condryckes untereinander einen besonders großen Reiz der Geschichte aus, ebenso wie Janets und Madocs Reaktion auf diese Familie und ihre ganz eigenen Weihnachtsgebräuche. Wobei ich betonen muss, dass auch die Auflösung dieses Mal nicht ganz so offensichtlich war wie bei „A Pint of Murder“. Dass der Täter beim ersten Teil relativ leicht erahnbar war, hatte mich zwar nicht gestört, aber es war nett, dass ich beim Hören der Fortsetzung etwas mehr mitraten konnte. Ich freu mich jetzt schon auf das nächste Madoc-und-Janet-Rhys-Hörbuch, auch wenn ich vermutlich vor dem Weiterhören erst einmal etwas anderes auf den Player packen werden. Schließlich will ich mir die wenigen Geschichten, die ich von Charlotte MacLeod noch neu zu entdecken habe, noch ein bisschen einteilen.

Tamara Ireland Stone: Mit anderen Worten: ich

Auf „Mit anderen Worten: ich“ von Tamara Ireland Stone bin ich durch Anjas Rezension anlässlich der Nominierung des Buches für den Deutschen Jugendliteraturpreis aufmerksam geworden. Genauer gesagt hat mich ihre Aussage zu den Gedichten im Buch („Und auch wenn ich eigentlich kein großer Lyrikfan bin, haben die vorgetragenen Gedichte mein Herz berührt oder mich zum Lachen/Weinen gebracht.“) dazu gebracht, dass ich den Roman in der Bibliothek habe vormerken lassen. (An dieser Stelle noch einmal ein Hoch auf die Stadtbibliothek, die mich entgegen all meiner Vorhaben immer wieder davon abhält, meinen SuB zu lesen, und mich stattdessen mit ihrem weit gefächerten Angebot zum Ausleihen der unterschiedlichsten Titel verführt!)

„Mit anderen Worten: ich“ wird aus der Perspektive der sechzehnjährigen Samantha (Sam) erzählt, deren Leben davon bestimmt wird, dass sie ihrer Umgebung ihre Zwangsstörung verheimlicht. Sam ist schon seit Jahren in Therapie und auch ihre Mutter wurde speziell geschult, um mit den Problemen ihrer Tochter umgehen zu können. Neben ihrem ganz persönlichem Verhältnis zur Zahl 3 (sie drückt dreimal auf einen Aufzugknopf, kann nur dann ihr Auto parken, wenn der Tacho am Ende auf einer drei steht und ähnliches) sind extreme Gedankenspiralen Sams Problem. So verfolgt man auch schon zu Beginn der Geschichte, wie eine unangenehme Situation mit ihren Freundinnen und der Anblick einer Schere dazu führen, dass sich Sam in die Vorstellung reinsteigert, was sie alles mit dieser Schere anrichten könnte. Ihre eigenen Gedanken und die Tatsache, dass sie diese nicht ohne Hilfe loslassen kann, machen ihr unglaubliche Angst. Da hilft es auch nicht, dass ihre Mutter und ihre Therapeutin ihr immer wieder versichern, dass ihre Gedanken nicht schlimm sind, dass ihre Gedanken sie nicht zu einer schlimmen Person machen und dass sie sich sicher sind, dass sie diese Gedanke nicht in die Tat umsetzen würde.

So besteht Sams Leben lange Zeit daraus, mit ihren psychischen Problemen fertigzuwerden und dafür zu sorgen, dass ihr Umfeld (also alle Personen außerhalb ihrer Familie) nichts von ihren Zwangsstörungen mitbekommt. Erst als Sam Caroline kennenlernt und über diese in den geheimen Dichterclub an der Schule gerät, scheinen die Zwangsstörungen und die Heimlichtuerei drumherum nicht mehr das beherrschende Thema in Sams Leben zu sein. In dem versteckten Raum unter dem Schultheater findet sie andere Menschen ihres Alters, die ebenfalls Probleme haben und die durch ihre Gedichte über ihre größten Ängste, aber auch über die schönen Dinge in ihrem Leben reden können. Die Tatsache, dass Sam in den anderen Mitgliedern des Dichterclubs Freunde findet, die nicht über sie und ihre Probleme urteilen, gibt ihr die Chance, einen neuen Weg für sich zu finden – so wie die Gedichte, die sie in den kommenden Wochen schreibt, ihr ein neues Ventil für ihre Gedanken bieten.

Ich mochte die Perspektive von Sam sehr und dass sie – trotz ihrer psychischen Probleme – von der Autorin als normales und (relativ) beliebtes Mädchen und nicht als „Freak“ dargestellt wurde. Auch gefielen mir die Szenen zwischen Sam und ihrer Therapeutin, weil diese von einem wunderbaren Vertrauensverhältnis zeugten und von der Entwicklung, die das Mädchen über die Monate durchmacht. Ich fand es sogar gut, dass diese Veränderungen sich auch in ihrem Freundeskreis widerspiegeln und dass Tamara Ireland Stone die Geschichte so geschrieben hat, dass Sam immer noch die Chance hatte, sich an die schönen Momente ihrer Freundschaft der „Verrückten Acht“ zu erinnern, statt einfach von einem Tag auf den anderen diesen langjährigen Freundinnen den Rücken zu kehren. Ein Bruch mit diesen unangenehmen Freundinnen hätte Sam bestimmt gutgetan, aber es hätte die Mädchen, die sie schon seit Kindergartenzeiten kennt, nicht verändert und sie vermutlich mehr belastet, als die Suche nach einem gesünderen Umgang mit diesem Freundeskreis es tat.

Oh, und dann gibt es noch eine kleine Liebesgeschichte in „Mit anderen Worten: ich“, die ich – obwohl ich doch sonst so gern die Liebesgeschichten in Jugendbüchern kritisiere – ganz wunderbar finde, weil die beiden sich langsam anfreunden und lernen müssen, mit den Problemen und der Vergangenheit des anderen umzugehen. Das war wirklich hübsch und realistisch dargestellt und sehr süß zu verfolgen. Am Ende der Handlung gibt es eine überraschende Wendung, die anscheinend den einen oder anderen Leser nicht so ganz überzeugen konnte. Für mich war diese Entwicklung okay, ich hätte sie nicht gebraucht, aber als Mittel für die letzte Wendung der Geschichte hat sie funktioniert. Und auch wenn man den Roman ein zweites Mal liest und dabei diesen Punkt im Hinterkopf behält, passt alles zueinander und verstärkt sogar noch das Gefühl des Lesers für die Herausforderungen, die Samanthas Zwangsstörungen ihr jeden Tag bereiten. Am Ende kann ich sonst nur noch sagen, dass ich Anjas Aussage zu den Gedichten unterschreiben kann – sie waren teils berührend, teils amüsant und perfekt für diese Geschichte.

Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewochen: 1. Advent

Auch in diesem Jahr gibt es bei Ariana wieder die „Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewochen“ (oder auch kurz das „Adventslesen“ 😉 ) und ich mache wieder mit. Wenn die kommenden Wochen so laufen, wie ich es hoffe, dann kommt von mir an jedem Adventssonntag ein Beitrag zum Adventslesen. Wobei der dritte Advent eh mit dem monatlichen Lese-Sonntag zusammenfällt, und da ich eine märchenhafte-winterliche Geschichte auf dem SuB habe, die perfekt für einen Adventslesetag passen könnte, werde ich wohl mit dem Buch einen „märchenhaften Lesetag“ einlegen. Auch „Bad Santas and Other Creepy Christmas Characters“ von Paul Hawkins (eine Leihgabe von Natira, die den Titel vor einem Jahr gelesen hatte) passt als Lektüre bestimmt in die kommenden Wochen, obwohl ich jetzt noch nicht sagen kann, wann ich mit dem Buch anfangen werde.

***

So richtig „vorweihnachtlich“ ist mir noch nicht zumute, und auch die Lust auf weihnachtliche Liebesromane oder Krimis, der ich mich sonst im Dezember gern hingebe, hat mich noch nicht gepackt. Aber ich bemühe mich darum, die Dinge auf die Reihe zu bekommen, die für mich in die Adventszeit gehören und die ich genieße. So habe ich in den vergangenen Tagen die ersten Schoko-Zimt- und Espresso-Schokosplitter-Plätzchen gebacken (und nachdem mein Mann fragte, ob er davon welche mit zur Arbeit nehmen darf, werde ich in der kommenden Woche wohl eine zweite Ladung davon produzieren). Ich backe zwar auch im Laufe des Jahres immer wieder Kekse, aber mehrere Sorten auf einmal (vor allem, wenn sie auch noch „weihnachtliche“ Gewürze beinhalten) habe ich eigentlich nur während der Adventszeit im Haus.

***

Außerdem gehören für mich „Treffen mit Freunden“ in die Adventszeit. Ich mag es, wenn man sich zum Jahresende noch einmal trifft und austauschen kann – vor allem, wenn man sich vielleicht eine Zeitlang nicht gesehen hat und nicht auf dem aktuellsten Stand ist. Dummerweise wohnt der Großteil meiner Freunde nicht in der Nähe, so dass dieser Teil für mich lange ausfiel. Aber seit unserem Umzug treffen wir uns mehr oder weniger regelmäßig mit der „ehemalige Nachbarin“ und so ist im vergangenen Jahr aus einer „wir plaudern ein paar Minuten im Flur“-Bekanntschaft eine Freundin geworden, was ich wirklich schön finde. Bevor also bei ihr in der Vorweihnachtszeit zu viele Termine anstehen, haben wir uns gestern bei wunderbar frostiger Luft aufgemacht, um sie zu einem ausgedehnten Frühstück in einem Café zu treffen und den Vormittag miteinander verschwatzt (und wir haben es sogar geschafft, schon einen nächsten Termin für Januar auszumachen).

***

Zu einer meiner frühesten „Weihnachtserinnerungen“ gehören die Brettspiel-Stunden mit meinem Vater. Meine Mutter spielt zwar gerne mit Karten, aber Brettspiele machen ihr keinen Spaß. Da es aber jedes Jahr zu Weihnachten für meine Schwester und mich das aktuelle „Spiel des Jahres“ gab, hat mein Vater mit uns in den folgenden Tagen gespielt. Zwar waren das keine vollkommen ungetrübten Stunden, da mein Vater kein guter Verlierer ist und er schnell die Lust verliert, wenn ein Spiel nicht so gut für ihn läuft, aber dieses gemeinsame Spielen gehört trotzdem zu meinen schönsten Weihnachtserinnerungen und ist vermutlich mit ein Grund, warum ich bis heute Brettspiele mag. Da passt es hervorragend, dass mein Mann und ich seit einigen Wochen jeden Sonntagnachmittag mit „Gloomhaven“ verbringen, und auch heute werden wir wieder den Wohnzimmertisch freiräumen, um ein paar Stunden im Kampf gegen Skelette, Wegelagerer und andere Bösewichte zu verbringen. Im Moment überlege ich, ob ich mal einen neuen Charakter ausprobiere, da ich den „Brute“ inzwischen so weit ausgebaut habe, dass ich mich mit ihm wirklich wohlfühle (wobei es bei jedem Level-up neue Möglichkeiten für die Charaktere gibt) und ich mich nicht zu sehr auf meinen Start-Charakter einschießen will. Außerdem wäre es spannend zu sehen, wie sich ein andere „Beruf“ (mit weniger Muskeln :D) wohl spielt.

***

Ich gebe zu, dass „meine“ Adventszeit wenig mit dem eigentlich weihnachtlichen Anlass zu tun hat. Für mich sind diese letzten Wochen des Jahres vor allem deshalb etwas Besonderes, weil ich in dieser Zeit noch einmal mit den Menschen zusammentreffe, die mir am Herzen liegen, oder zumindest per Brief oder Päckchen mit ihnen Kontakt aufnehme und weil ich es so sehr genieße, wenn meine Wohnung (noch mehr als sonst) zu einer gemütlichen Zuflucht wird.

Dezember-SuB 2017

Aus meinen Novemberplänen ist nicht viel geworden, dafür habe ich meine Offline-Zeit genutzt, um wieder mehr zur Ruhe zu kommen und den Kopf frei zu kriegen. Ein paar Altlasten schleppe ich noch mit in den Dezember, aber ich hoffe, dass ich die unangenehmsten Dinge in den kommenden Tagen erledigt bekomme und dann den Rest des Jahres einfach mit meinem normalen Alltagskram verbringen kann.

Der SuB ist im vergangenen Monat rasant angewachsen – nicht ganz unerwartet, wenn man bedenkt, dass ich auf meinem Geburtstagswunschzettel fast ausschließlich Bücher stehen hatte – und im Dezember wird es nicht anders laufen. Ich freu mich über all die neuen Bücher und auf die Lesestunden, die ich damit verbringen werde.

  1. Joan Aiken: The Wolves of Willoughby Chase
  2. Joan Aiken: The Serial Garden – The Complete Armitage Family Stories
  3. Tracie Baptiste: The Jumbies (The Jumbies #1)
  4. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  5. Elizabeth Bear: Karen Memory
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  8. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  11. Marie Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  12. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  13. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  14. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  15. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  16. Agatha Christie: Murder at the Vicarage
  17. Jennifer Estep: Poison Promise (Elemental Assassin 11)
  18. Karen Foxlee: Ophelia and the Marvelous Boy
  19. Christopher Golden u.a.: Dark Cities (Anthologie)
  20. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  21. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  22. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard Murder Squat 3)
  23. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  24. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  25. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  26. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  27. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  28. Rachel Hartman: Seraphina
  29. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  30. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  31. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  32. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  33. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  34. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  35. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  36. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  37. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  38. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  39. Diana Wynne Jones: Homeward Bounders
  40. Kelly Jones: Murder, Magic, and What We Wore
  41. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  42. Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back
  43. Kate Milford: The Boneshaker 
  44. Bishop O’Connell: The Stolen
  45. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  46. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  47. Tamora Pierce: Tortall – A Spy’s Guide
  48. Cindy Pon: Serpentine
  49. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  50. Philip Reeve: Larklight
  51. Joan G. Robinson: When Marnie Was There
  52. John Scalzi: Fuzzy Nation
  53. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  54. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  55. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  56. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  57. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  58. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  59. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  60. Charles den Tex: Die Zelle
  61. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  62. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  63. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  64. Xinran: Gerettete Wort
  65. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

50 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Kleine Auszeit

Nur damit niemand denkt, dass etwas Schlimmes (vielleicht sogar mit einem der vielen kranken Familienmitglieder) passiert ist, wenn hier ein paar Tage nichts geschieht, kündige ich hiermit offiziell eine kleine Blog-Auszeit an.

Mein Kopf ist gerade so voll, dass sich Online-Sein nicht gut anfühlt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das „Herbstlesen“ mich wieder etwas ausgleicht, weil es mir normalerweise hilft, wenn ich mich durch Lesen und Schreiben ablenke, aber dieses Mal hat das nicht geklappt. Ich werde also für ein paar Tagen den Blog, den Feedreader und Twitter einfach mal vollständig ignorieren und versuchen, mich so weit zu sortieren, das ich mich danach wieder mit anderen Menschen austauschen mag.

G. R. Gemin: Milchmädchen

Neyashas Kurzeindruck zu „Cowgirl“ von G. R. Gemin war der Grund dafür, dass ich mir die deutsche Ausgabe „Milchmädchen“ in der Bibliothek habe vormerken lassen. Die Geschichte wird aus Gemmas Sicht erzählt und schon zu Beginn bekommt man als Leser mit, dass ihr Leben zur Zeit nicht gerade rosig verläuft. Ihr Vater sitzt seit fast zwei Jahren im Gefängnis, ihre Mutter ist – dank anstrengendem Vollzeitjob – nur noch gestresst und will abends ihre Ruhe habe, ihr kleiner Bruder nervt und lässt sich immer häufiger mit Typen ein, deren Ideen selten legale Aktivitäten beinhalten, und überhaupt ist die Gegend, in der Gemma wohnt, nicht gerade ein Ort an dem man sich heimisch und sicher fühlen kann. Gemmas einziger Ausweg aus der Situation ist ihr Fahrrad, mit dem sie jeden Tag lange Touren unternimmt – immer auf der Suche nach dem Ort, an dem sie mit ihrer Familie mal einen wunderschönen Tag verbracht hat.

Eine Angewohnheit von Gemma ist es, sich (mit geschlossenen Augen) die Hügel ihrer walisischen Heimat runterrollen zu lassen, im vollen Bewusstsein, wie gefährlich das ist. Doch eines Tages stürzt sie, als sie einer Herde Kühe ausweichen muss, die auf der Straße steht. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass diese zwölf Kühe ihrer Mitschülerin Kate gehören. Kate, die von allen in der Schule nur „Cowgirl“ genannt wird, ist eines der Mädchen, mit denen man nicht zusammen gesehen werden will, wenn man nicht dem gleichen Mobbing ausgesetzt sein will wie die anderen Verlierer an der Schule. Trotzdem kommt es dazu, dass sich Gemma im Laufe der Zeit mit der starken und selbstbewussten Kate anfreundet und dann feststellen muss, dass auch ein Mädchen wie das „Cowgirl“ mal Hilfe benötigt. Gemeinsam mit ihrer Oma und den diversen Nachbarn verstecken Gemma und Kate die Kühe des Mädchens inmitten einer Wohnsiedlung und stoßen so einen völlig neuen Umgang der Bewohner zueinander an.

Es gab viele Elemente an „Milchmädchen“, die ich mochte. Gemmas Sicht der Ereignisse hat sich gut lesen lassen. Gemma läuft mit den „bösen Mädchen“ der Schule mit, weil sie nicht das Opfer dieser Mitschülerinnen sein will, sie flüchtet von daheim und gibt sich angenehmen Tagträumen hin, und sie hat Probleme, sich allein ihren vielen Ängsten zu stellen, was sie relativ realistisch wirken lässt. Und nachdem die Freundschaft zu Kate dafür sorgt, dass sie mal über ihren Tellerrand hinausblickt und etwas Rückgrat entwickelt, lernt Gemma, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht mitläuft, wenn man aus der Masse heraussticht und einfach mal etwas tut, was einem am Herzen liegt. Auch sonst gibt es viele sympathische Figuren in der Geschichte und die Vorstellung, dass eine ganze Siedlung eine Kuhherde versteckt und versorgt, ist wirklich sehr schön.

Trotzdem muss ich zugeben, dass dieses Jugendbuch bei mir nicht so richtig gezündet hat. Vielleicht bin ich zu zynisch, aber ich glaube nicht, dass eine Kuh im Garten von einem Tag auf den anderen dafür sorgt, dass Menschen ihre rassistischen Vorurteile ablegen, ihre Diebstähle einstellen, verantwortungsbewusste Personen werden oder auf einmal den Sonderling nebenan problemlos akzeptieren. Das Ganze lief mir in „Milchmädchen“ einfach zu glatt, es gab viel zu wenige Widerstände, viel zu wenige Hindernisse und das Ende war so perfekt und zuckersüß, dass es mich regelrecht ärgerte. Erst baut der Autor so viele und angenehm realistische Probleme in Gemmas Leben ein, und dann lösen sich all diese Probleme innerhalb weniger Tage auf, weil ein Mädchen seine Kühe nicht verlieren will. Auch wenn der Gedanke, dass es so laufen könnte, wirklich schön ist, so ist eine solche Auflösung mir doch zu unrealistisch angesichts der Tatsache, dass G. R. Gemin seine Geschichte mit sich real anfühlenden Personen und Problemen gestartet hat.

November-SuB 2017

Im Oktober habe ich dank des Herbstlesens doch einiges an Lesezeit genießen können und so ist mein SuB auch ein kleines Bisschen geschrumpft. Nebenbei habe ich sogar meine Bibliotheksausleihen stressfrei weggelesen. Die Bibliothek ist immer die größte Herausforderung für meinen SuB, da die festen Abgabetermine ein zeitnahes Lesen fordern, aber auf der anderen Seite ist sie auch die größte Erleichterung für meinen Geldbeutel, weil ich Bücher, die ich gern lesen, aber nicht unbedingt besitzen möchte, darüber beziehen kann.

Obwohl hier noch ein paar geliehene Bücher rumschwirren (und ich morgen schon wieder Vormerkungen aus der Bibliothek abholen darf), werde ich versuchen mich im November trotzdem auch auf meinen SuB zu stürzen. Es wäre schön, wenn ich Zeit für die weiteren Lady-Trent-Romane von Marie Brennan finden würde, denn die machen mir gerade viel Spaß. Grundsätzlich kann es nicht schaden den SuB weiter abzubauen, bevor zwischen Ende November und Ende Dezember wieder ein ganzer Haufen Neuzugänge bei mir eintrifft. Außerdem hoffe ich, dass es endlich zur Anschaffung der noch fehlenden Wohnzimmerregale kommt, was bedeuten würde, dass ich weitere Buchkartons auspacken kann. Wenn ich daran denke, wie sehr ich mich auf ein Wiedersehen mit meinen alten Schätzen freue, dann werde ich vermutlich das kommende Jahr nur mit dem erneuten Lesen meines jahrzehntealten Bestands verbringen. *g*

  1. Joan Aiken: The Wolves of Willoughby Chase
  2. Tracie Baptiste: The Jumbies (The Jumbies #1)
  3. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  4. Elizabeth Bear: Karen Memory
  5. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  7. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  8. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  11. Jim Butcher u.a. :Urban Enemies (Anthologie)
  12. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  13. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  14. Agatha Christie: Murder at the Vicarage
  15. Karen Foxlee: Ophelia and the Marvelous Boy
  16. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  17. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  18. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  19. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  20. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  21. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  22. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  23. Rachel Hartman: Seraphina
  24. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  25. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  26. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  27. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  28. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  29. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  30. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  31. Bishop O’Connell: The Stolen
  32. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  33. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  34. Tamora Pierce: Tortall – A Spy’s Guide
  35. Cindy Pon: Serpentine
  36. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  37. Philip Reeve: Larklight
  38. Joan G. Robinson: When Marnie Was There
  39. John Scalzi: Fuzzy Nation
  40. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  41. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  42. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  43. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  44. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  45. Charles den Tex: Die Zelle
  46. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  47. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  48. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  49. Xinran: Gerettete Wort
  50. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

34 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Herbstlesen im Oktober (9) – Sonntag

Heute ist der letzte Sonntag im Oktober und dann ist das Herbstlesen auch schon wieder vorbei. Wie schnell so ein Monat immer rum ist. 😉 Gestern habe ich abends „Der Galgen von Tyburn“ von Ben Aaronovitch beendet und muss mir nun keine Gedanken mehr um den Abgabetermin bei der Bibliothek machen. *g* Also kann ich wieder zu „The Tropic of Serpents“ von Marie Brennan wechseln. Das Buch habe ich am vergangenen Sonntag das letzte Mal in der Hand gehabt und bin nun wirklich gespannt, wie es mit Lady Trent und ihrer Drachenforschungs-Expedition weitergeht. Außerdem gibt es heute Nachmittag wieder eine Gloomhaven-Runde für mich und meinen Mann – schließlich müssen wir immer noch den Dieb besiegen, der uns in am vergangenen Wochenende mit seinen Untoten überrannt hat. 😉

Eventuelle Mitleser werden wie immer am Ende des Beitrags verlinkt, sobald sie sich in den Kommentaren melden (Ariana hatte allerdings schon gestern deutlich gemacht, dass ihr Post für das gesamte Wochenende gedacht ist). Ich wünsche uns allen einen schönen und gemütlichen Tag! Das stürmische Wetter scheint auf jeden Fall schon mal perfekt für einen Tag auf dem Sofa zu sein.

Update 10:45 Uhr

So richtig wird das heute mit mir und dem Lesen nichts. Ich bin nicht gerade fit inklusive Kopf-, Hals- und Ohrenschmerzen und auf der Straße ist es heute dank einer Veranstaltung ziemlich unruhig, was meine eh schon geringe Konzentration stört. Immerhin habe ich mein Frühstück schon auf die Reihe bekommen und trinke inzwischen die zweite Halbliter-Tasse mit heißem Tee. Vermutlich werde ich mich jetzt einfach erst einmal auf dem Sofa einrollen und etwas dösen und später schauen, ob ich wieder zum Buch greife oder gleich mit meinem Mann „Gloomhaven“ spiele.

Update 16:15 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich wirklich etwas Zeit mit Dösen und Nichtstun verbracht, aber auch das Kätzchen versorgt und den Teig fürs Abendessen angesetzt. Außerdem haben wir endlich den Dieb geschlagen, dem wir schon vor einer Woche die gestohlenen Unterlagen wieder abknüpfen wollten. Obwohl wir dieses Mal deutlich weniger Pech hatten als in der vergangenen Woche, hätte die Runde nicht viel länger dauern dürfen. Mein Mann hatte im vorletzten Zug seine letzten Karten ausgespielt und war somit handlungsunfähig geworden, während ich nur noch genügend Karten hatte, um den entscheidenden letzten Treffer ausspielen zu können. Wäre das ein Fehlschlag geworden, hätten wir wieder verloren. So haben wir dieses Szenario bewältigt, die Belohnung von unserer Auftraggeberin eingesammelt und nun vier mögliche Ziele für die nächste Spielrunde zur Auswahl. *g* Obwohl wir seit heute das Wohnzimmer heizen und ich Wollsocken und Jacke trage, ist mir beim Spielen doch etwas kalt geworden, also krabbel ich jetzt erst einmal wieder unter meine Decke und lasse mich von meinem Mann mit heißem Tee und Marzipan-Espresso-Kuchen beliefern.

Update 20:00 Uhr

Nach Tee und Kuchen habe ich wirklich zum DS gegriffen und ein bisschen meine Farm weiter ausgebaut. Genau genommen habe ich ein Schaf gekauft und freue mich nun darüber, dass ich meine eigene Wolle „anbauen“ kann. Inzwischen ist auch das Abendesse im Ofen, es gibt „Pizza“. Die Anführungszeichen deuten schon an, dass es keine klassische Pizza geben wird, sondern eine Variante, die ich in den 80ern das erste Mal gegessen habe. Mein Mann und ich haben uns vor kurzem darüber unterhalten, wann wir das erste Mal Pizza gegessen haben und in welcher Form. Bei diesem Gespräch haben wir festgestellt, dass in seiner Familie nie Pizza selbergemacht wurde (zumindest nicht solange er noch bei seinen Eltern lebte). Bei uns hingegen gab es ab und an Pizza, die aus fertigem Teig inklusive fertiger Sauce bestand und mit allen Dingen belegt wurde, auf die wir uns einigen konnten (plus individuelle Beläge, die dann auf bestimmte Ecken verteilt wurden). Das Gleiche habe ich auch im Studium mit meinen Freundinnen gemacht und da es immer eine Menge Belag gab, auf den wir uns einigen konnte, lief das Ganze auf eine Art Gemüsekuchen mit sehr viel Gemüse und darüber einen Haufen geriebenen Gouda hinaus. Etwas ähnliches habe ich heute für meinen Mann nachgebastelt, wobei ich für den Boden einen selbstgemachten Pizzateig genommen und die Sauce auch selber angesetzt habe. Eigentlich mag ich meine Pizza ja inzwischen eher dünn, knusprig und nicht so üppig belegt, aber nach dem Gespräch mit meinem Mann hatte ich richtige Lust auf diese Variante. Mal schauen, ob sie mir noch so gut schmeckt wie früher. 😉

Bevor ich ins Bett falle, gibt es auf jeden Fall noch ein Update und natürlich eine kleine Blogrunde, um zu schauen, wie es den anderen in den letzten Stunden so erging.

Update 23:00 Uhr

Ich fürchte, auch der Rest des Abends ging mit „Dösen und Dümpeln“ rum und so war der letzte Tag des Herbstlesens derjenige, an dem ich am wenigsten gelesen habe. Aber das ist auch okay, es ging ja ums Entspannen und das habe ich gemacht. 😉 Die Pizza war lecker und hat so einige Erinnerungen geweckt. Es ist doch immer wieder spannend, wie einen Essen an bestimmte Lebensabschnitte, Menschen oder Orte erinnern kann. Jetzt nehme ich mir aber ein Beispiel an Christie und falle ins Bett. Morgen gibt es wieder viel zu tun.

Danke, dass ihr bei meinem Herbstlesen wieder dabei gewesen seid. Ich genieße den Austausch und das gemeinsame Lesen und Bloggen immer sehr! Habt einen guten Start in die Woche und nehmt euch auch in den kommenden Monaten hin und wieder eine Auszeit, um in Ruhe zu Lesen oder andere entspannende Sachen zu machen!

***

Heutige Mitleser:

Ariana
Neyasha
Natira
Susanne