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Jean G. Goodhind: Mord nach Drehbuch

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich über dieses Buch überhaupt etwas schreiben soll, schließlich ist das Lesen schon eine Weile her. Aber da der Ärger über diesen Roman immer wieder aufflackert, hoffe ich mal, dass so ein Blogbeitrag mich endlich davon befreit. 😉 Erst einmal die positiven Aspekte:

Nachdem ich endlich über den seltsamen Satz mit der „Gschaftelhuberin“ hinweg war, hat sich das Buch flüssig lesen lassen. Es war überhaupt kein Problem, dass ich die vorhergehenden Bände nicht kannte. Außerdem gab es keine weiteren seltsamen einzelnen Sätze, über die ich mich aufgeregt habe oder bei denen ich (zu Unrecht?) an der Fähigkeit der Übersetzerin zweifeln musste. Oh, und die Grundidee finde ich auch nett: Ein Mordfall bei Dreharbeiten zu einem Jane-Austen-Film in Bath bietet doch viel Potenzial für einen angenehmen und unterhaltsamen Krimi!

Was die negativen Aspekte dieses Buches angeht, so muss ich mich zügeln, um mich nicht zu sehr an Details aufzuhängen. Das passiert mir schon mal, wenn ich so richtig genervt von einer Geschichte – und vor allem der Hauptfigur darin – bin. Und da mir zu diesem Buch keine „anständige“ Rezension gelingen will, gibt es hier eine Liste mit Dingen, die mir nicht gefallen haben:

– Mörder und Motiv waren so vorhersehbar und alle anderen Fährten waren ganz eindeutig nur zur Ablenkung gelegt worden, was mir beim Lesen das Gefühl gab, dass hier ein mangelhafter Plot schrecklich aufgebläht wurde.
– Mörder und Motiv waren nicht nur vorhersehbar, das Motiv war auch so was von lächerlich und unglaubwürdig und unbefriedigend für mich als Leserin, dass ich am Ende das Buch am liebsten in den Kamin geworfen hätte! Zum Glück haben wir keinen Kamin, es wäre eine Verschwendung von Rohstoffen, wenn ich das Buch der Altpapiertonne vorenthalten würde.
– Während ich sonst die gemächliche Erzählweise eines Cozy-Krimis gern mag und die unterschiedlichen Charaktere genießen kann, fand ich hier die verschiedenen Personen entweder langweilig oder total überzeichnet – was vielleicht auch daran lag, dass man die Leute durch die Augen von Honey Driver sieht.
– Honey Driver hingegen kann ich nicht leiden. Okay, ich weiß, dass das keine begründete Aussage ist, aber es ist so. Ich kann diese Figur nicht leiden – wobei ich ihr anfangs sogar noch recht wohlwollend gegenüberstand. Aber sie ist in meinen Augen als Krimicharakter unglaubwürdig, da ihr im Prinzip alle Erkenntnisse in den Schoß fallen. Und wenn sie selbst Schlüsse zieht, dann sind diese selten logisch und überzeugend.
– Eine Szene mit einer Prostituierten in einem Hotel. Ich gebe zu, mein Wissen rund um Geschäftsfrauen in höheren Führungspositionen stammt ebenso wie mein Wissen über Escort-Damen aus dem Fernsehen (das kommt davon, wenn man den Fernseher einfach laufen lässt, während man in sein Buch vertieft ist 😀 ), aber die Wahrscheinlichkeit, dass Honey Driver eine wie eine Geschäftsfrau gekleidete Nutte, die in einem Edelhotel rumhängt, an ihren Schuhen und Netzstrümpfen erkennt, halte ich doch für ziemlich gering – vor allem angesichts der Tatsache, dass die in den TV-Berichten gezeigten hochpreisigen Amüsierdamen oftmals seriöser gekleidet waren als so manche erfolgreiche Managerin. Aber bestimmt lag das dann nur daran, dass die Damen von einem Fernsehteam begleitet wurden, und Honey als Besitzerin eines kleinen Hotels in Bath kann das viel besser beurteilen als ich mit meinem Fernsehwissen. 😉
– Über Honeys Liebesleben (nicht vorhanden, aber ständig ein Thema, da es ja diesen umwerfenden Polizisten gibt, mit dem sie vermutlich nie im Bett landen wird, weil die beiden die Angelegenheit auf ein romantisches Wochenende schieben wollen, das eh nie stattfinden wird. Und wenn es in einem der kommenden Bände dazu kommen sollte, dann wären sie vermutlich enttäuscht, weil so große Erwartungen … okay, lassen wir das Thema!) und ihre Familie (vor allem die Mutter hat mich unglaublich genervt, die ist von der Autorin so berechnend auf „lustige Momente“ konzipiert worden, was aber leider gar nicht funktioniert) will ich gar nicht erst reden … wie man sieht … 😉
– Zuletzt könnte ich noch etwas zu dem verschenkten Potenzial der Grundidee sagen, aber da ich mir nicht sicher bin, ob sich nicht doch jemand auf diesen Blog verirrt, der das Buch noch lesen will, verkneife ich mir diese – zu viel über die Handlung – verratende Anmerkung.

Mein Fazit steht so oder so: Nie wieder ein Honey-Driver-Roman für mich – egal wie verlockend der Klappentext klingen sollte! Dafür freue ich mich jetzt schon auf die nächsten „Miss Daisy“-Bände, die ich mir morgen aus der Bibliothek abholen kann. Da wird die manchmal vorhandene Vorhersehbarkeit immerhin durch eine amüsante und unterhaltsame Schreibweise sowie wunderbare Charaktere ausgeglichen!

Carola Dunn: Miss Daisy und die tote Sopranistin

Nachdem Irina vor einiger Zeit Cozy-Krimis für sich entdeckt hatte, hatte sie mich gefragt, ob ich die „Miss Daisy”-Reihe von Carola Dunn kennen würde. Kannte ich nicht, aber da ich im Bibliothekskatalog ein paar Titel fand, dachte ich, ich sollte diese Wissenslücke mal schließen. Nun allerdings ärgere ich mich, dass ich die Serie nicht ungefähr zehn Jahr früher für mich entdeckt habe, denn als deutsche Ausgaben sind die Bücher regulär über den Handel nicht mehr zu bekommen. In den letzten Wochen habe ich den zweiten („Miss Daisy und der Tod im Wintergarten“) und sechsten („Miss Daisy und der Tote auf dem Wasser“) und  gestern den dritten Teil („Miss Daisy und die tote Sopranistin“) der Serie gelesen und kann so immerhin sagen, dass man die Geschichten unabhängig von der Reihenfolge genießen kann.

„Miss Daisy und die tote Sopranistin“ ist der dritte Band rund um die adelige Daisy Dalrymple. Die junge Frau ist für ihre Zeit ungewöhnlich fortschrittlich und lebt lieber mit einer Freundin zusammen in London, als mit ihrer Mutter auf dem Witwensitz des Familienbesitzes. Man schreibt das Jahr 1923, die Gesellschaft verändert sich spürbar und doch ist es für Daisy nicht einfach als Journalistin Fuß zu fassen. Während die Mitglieder des Adels nicht verstehen können, dass eine der ihren selber Geld verdienen will (ein vermögender Ehemann, wenn möglich mit Adelstitel, wäre doch viel standesgemäßer), stößt Daisy in anderen Gesellschaftsschichten auf die unterschiedlichsten Reaktionen. Von vollkommener Verachtung gegenüber dem veralteten Adel bis zur herzlichen Akzeptanz ist alles dabei. Trotzdem findet es Daisys Umfeld grundsätzlich irritierend, dass sie eine herzliche Freundschaft zu Detective Chief Inspector Alec Fletcher von Scotland Yard pflegt.

Mit diesem genießt Daisy an einem Sonntagnachmittag ein Konzert in der Albert Hall, als die Sopranistin Bettina Westlea nach der Pause auf der Bühne zusammenbricht. Schnell steht fest, dass die Solistin vergiftet wurde und so sieht sich Alec Fletcher gezwungen den Fall zu übernehmen. Auch Daisy mischt kräftig bei den Ermittlungen mit – nicht gerade zur Freude von Alec, obwohl dieser zugeben muss, dass Daisy ohne große Mühe die interessantesten Informationen von den Verdächtigen anvertraut bekommt. Schon während der ersten Befragung der anwesenden Musiker und Familienmitglieder stellt sich heraus, dass die Sängerin nicht gerade beliebt war und dass mehr als eine Person ein Motiv gehabt hätte sie zu ermorden.

Bei Amazon habe ich gesehen, dass einige Rezensenten bei dieser Reihe kritisieren, dass nur geredet wird und keine Spannung aufkommt. Leute, wenn ihr einen Actionthriller lesen wollt, dann greift doch nicht zu einem Cozy! Mir persönlich gefällt nämlich gerade diese Konzentration auf die Menschen, ihr Umfeld, ihre Beziehungen und ihre Gefühle. Carola Dunn hat ein wunderbares Händchen für Dialoge und für die kleinen Details, die bei mir das Gefühl aufkommen lassen, dass diese Zeit besonders stimmig dargestellt wurde. Ihre Charaktere sind mal liebenswert, mal skurril oder unsympathisch, aber immer wirken sie angenehm realistisch.

Obwohl der Krimianteil stellenweise schon sehr vorhersehbar ist, habe ich ihn in allen drei bisher gelesenen Büchern nie als langweilig empfunden. Gerade bei „Miss Daisy und die Sopranistin“ bin ich den ganzen Roman hindurch um einen bestimmten Verdacht herumgeschlichen und habe mich auf jeden kleinen Hinweis gestürzt, dass ein andere Mensch der Mörder sein könnte, weil derjenige, der es vermutlich war, mir so schnell ans Herz gewachsen ist. Die Geschichten sind einfach wunderbar unterhaltsam, zeigen ein – wie ich finde – realistisches Bild der Zeit und sorgen bei mir für angenehme Lesestunden.

Bislang habe ich den Eindruck, dass Carola Dunn ein relativ gleichbleibendes Niveau bei ihren Romanen hat, auch wenn ich „Miss Daisy und der Tote auf dem Wasser“ bezüglich des Kriminalfall besonders schwach fand (was vielleicht auch daran liegt, dass ich mit Rudern als Sport nicht so viel anfangen kann). Aber insgesamt hat mich auch dieser Titel gut unterhalten. Deshalb werde ich  mich in den nächsten Tagen noch auf „Miss Daisy und der Mord im Flying Scotsman“ (Bd. 4) stürzen.

Und sobald die Bibliothek mir „Miss Daisy und der Tote auf dem Eis“ (Bd. 1), „Miss Daisy und der tote Professor“ (Bd.7) und „Miss Daisy und die Entführung der Millionärin“ (Bd. 5) liefern kann, werde ich diese Bände auch noch verschlingen. Im Original sind – wenn ich wikipedia glauben kann – sogar schon neunzehn Krimis rund um Miss Daisy erschienen (ein zwanzigster ist für Januar 2012 angekündigt) und so werde ich mir wohl in naher Zukunft überlegen müssen, ob ich die Originalausgaben auf meinen aus den Nähten platzenden Wunschzettel setzen will.

Agatha Christie: They Came to Baghdad

Ich bin selber ganz erstaunt, dass ich schon wieder einen Spionageroman von Agatha Christie erwischt habe, das war keine bewusste Wahl. Meine Auswahl beschränkte sich im Moment halt auf die Titel, die in der Bibliothek sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung standen, weil ich mal einen detaillierten Vergleich zwischen den Büchern machen wollte. So habe ich einerseits meine Neugierde bezüglich der Veränderungen bei den deutschen Übersetzungen endlich mal gestillt und auf der anderen Seite auch in diesem Monat pünktlich mein Buch für die English-Challenge geschafft.

„They came to Baghdad“ spielt um 1950 und der Leser wird zusammen mit der jungen Victoria Jones in eine klassische Spionagegeschichte rund um eine wichtige Veranstaltung in Bagdad geworfen. Anfangs weiß man nicht viel mehr, als dass sich zwei Herren (Captain Crosbie und Dakin) über die Festsetzung eines Termins unterhalten. Wenn man diese beiden glauben darf, dann könnte dieses Treffen (zu dem wohl auch der amerikanische Präsident erscheinen wird) über Krieg und Frieden entscheiden.

Dementsprechend gibt es nicht nur Parteien, die alles dafür tun wollen, damit diese Veranstaltung reibungslos über die Bühne geht, sondern mindestens eine Gegenpartei, die auch nicht davor zurückschreckt jeden Dahergelaufenen zu ermorden, nur weil er Carmichael, einem von Dakins wichtigsten Mitarbeitern, ähnelt. Dieser ist nämlich im Besitz von Informationen, die für das Treffen entscheidend sein könnten, wenn es dem Mann gelingt rechtzeitig und lebendig in Bagdad einzutreffen.

Während Victoria einzig und allein nach Bagdad reist, weil sie sich innerhalb eines kurzen Treffens in einen Mann verliebt hat, der sich prompt am nächsten Tag von London in den Orient aufmacht, stolpert sie kurz nach ihrer Ankunft in Bagdad über einen Toten. So wird die junge Frau in die Ereignisse rund um das politisch so wichtige Treffen hineingezogen und erlebt einige Abenteuer in dem fremden Land. Obwohl ich die Geschichte recht unterhaltsam finde und mich in dieser englischen Version vor allem Agatha Christies Beschreibungen von Bagdad und den dort lebenden Menschen unterhalten haben, muss ich zugeben, dass es nicht einer der besten Romane der Autorin ist.

Ich habe das Gefühl, dass die Qualität der Handlung immer dann leidet, wenn Agatha Christie ihre Gedanken zum – für sie damals – aktuellen Weltgeschehen mitteilen wollte. So macht dieser Part (der in der deutschen Ausgabe fast komplett weggekürzt wurde!) für mich den größten Reiz an der Geschichte aus, während die Spionagegeschichte ebenso wie die (Liebes-)Geschichte von Victoria vorhersehbar und nicht mehr als „ganz nett“ ist. Einige Elemente haben mich sogar sehr an „Passenger to Frankfurt“ erinnert, vielleicht hatte sie die Grundidee zwanzig Jahre später für ihre „Frankfurt-Geschichte“ noch einmal aufgenommen, auch wenn sie in „They Came to Baghdad“ den Kalten Krieg und nicht Überreste der Nazi-Zeit thematisiert hat und mir die Abenteuer in Bagdad deutlich besser gefallen haben.

Ich muss zugeben, dass ich dieses Buch parallel auf Deutsch und Englisch gelesen habe, weil ich nach dem ersten Kapitel so fassungslos darüber war, wie sehr die deutsche Übersetzung den Text verfälscht. Während die englische Ausgabe lauter atmosphärische Beschreibungen enthält und viele einzelne Wörter, Zitate oder Verse davon zeugen, wie gut sich Agatha Christie im Orient ausgekannt hat, fehlen nicht nur diese Elemente, sondern auch einige – in meinen Augen relevante – Informationen in der deutschen Fassung.

Wer allerdings nicht beide Bücher nebeneinanderliegen hat, wird vermutlich nicht so schnell auf den Gedanken kommen, dass da so gravierende Einschnitte vorgenommen wurden. Ich zumindest habe mich bislang auch mit den deutschen Ausgaben gut unterhalten gefühlt.  Jetzt aber, da ich weiß wie gut die Originalversion verständlich ist und welche gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen, werde ich wohl meine (so gut wie vollständige *sniff*) Christie-Sammlung auf Dauer durch die englischen Ausgaben ersetzen.

Ein detaillierter Vergleich zwischen dem ersten Kapitel von „They Came to Baghdad“ und „Sie kamen nach Bagdad“

Es ist schon seltsam, dass ich beim Lesen von „The Man in the Brown Suit“ ebenso wenig wie bei „The Secret of Chimneys“ das Gefühl hatte, dass sich das Original von der mir vertrauten deutschen Übersetzung groß unterscheiden würde. Zwar ist mir im ersten Buch eine Szene ins Auge gesprungen, die mir vollkommen neu erschien, während der zweite Roman mir vor allem das Gefühl gab, dass viele Redewendungen den Weg in die deutsche Ausgabe nicht gefunden haben, aber insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, dass ich als Leser der Übersetzung groß etwas vom Inhalt oder der Atmosphäre vermissen würde.

Nun habe ich aber in der Bibliothek das Glück gehabt, dass ich sowohl „They Came to Baghdad“ (Harper Colins Publishers, 1993) als auch „Sie kamen nach Bagdad“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 2006; übersetzt von Elleonore von Wurzian) ausleihen konnte, und somit wurden diese beiden Titel parallel von mir angefangen. Zum Inhalt werde ich in der (English-Challenge-)Rezension zur englischen Ausgabe noch etwas sagen, hier geht es mir gerade darum, mal detaillierter auf die Unterschiede einzugehen. Dabei musste ich anfangs wirklich die beiden Titel nebeneinanderlegen und Seite für Seite parallel lesen, obwohl in „Sie kamen nach Bagdad“ schon im ersten Kapitel mehrere kleine Absätze fehlten, die viel zur Atmosphäre beitragen. Aber so richtig fällt es eben nur ins Auge, wenn es nicht nur um die Stimmung, sondern auch um Informationsvermittlung geht.

Ich trage hier mal zusammen, was mir allein im ersten Kapitel aufgefallen ist. Auf der einen Seite kann der Leser hier eine Begegnung zwischen Captain Crosbie und Dakin verfolgen, auf der anderen Seite lernt er Miss Scheele, eine Sekretärin, kennen. Wenn ich auch auf die restlichen Kapitel eingehen wollte, dann würdet ihr einen Monat lang Beiträge dazu von mir lesen können.

Viele Passagen sind wirklich wörtlich übersetzt und so habe ich mir nichts dabei gedacht, als in der englischen Ausgabe Captain Crosbie nach 1 ½ gelesenen Seiten „into a large khan or court“ (S. 8) einbiegt, während er in der deutschen Ausgabe „einen großen Hof“ (S. 6) betrat.

Wegen eines solchen Worts stelle ich mich nicht so an, auch wenn ich in einem Roman, der im Orient spielt, an sich gern auf solche Ausdrücke stoße.

Auch Dakins Büro wird in der einen Ausgabe ausführlicher dargestellt als in der anderen. So heißt es im Englischen:

It was a high, rather bare room. There was an oil stove with a saucer of water on top of it, a long, low cushioned seat with a little coffee table in front of it and a large rather shabby desk. The electric light was on and the daylight was carefully excluded. (S. 8)

Während im Deutschen mal eben die Möblierung gestrichen wurde:

Es war ein hohes, kahles Zimmer. Das elektrische Licht brannte und das Tageslicht war sorgfältig ausgeschlossen. (S. 6)

Eine – in meinen Augen – akzeptable Kürzung, die aber doch schon eine Auswirkung auf meine Vorstellung von diesem Raum hat.

Lustig ist, dass Dakin im englischen Text noch bei der Arbeit ist:

He had before him a paper which he had just been busy decoding. He dotted down two more letters and said: „…” (S. 9)

Während er diese im Deutschen schon beendet hat:

Er hatte ein Schriftstück vor sich liegen, das er eben dechiffriert hatte. (S. 7)

Eine weitere Kürzung beraubt einen Charakter in der deutschen Ausgabe einer Facette – und hat somit eindeutig eine Auswirkung auf meine Wahrnehmung dieser Person – und lässt zusätzlich eine kleine spöttische Bemerkung unter den Tisch fallen, die ich schon als wichtig für die Atmosphäre empfinde:

„They’ve been talking about in the souk – for three days,“ said Crosbie drily.
The tall man smiled his weary smile.
„Top secret! No top secrets in the East, are there, Crosbie?”
„No, sir. If you ask me, there aren’t any top secrets anywhere. During the war I often noticed a barber in London knew more than the High Command.”
„It doesn’t matter much in this case. If the meeting is arranged for Baghdad it will soon have to be made public. And then the fun – our particular fun – starts.” (S. 9)

Und zum Vergleich:

„Sie sprechen im Souk schon seit drei Tagen davon“, sagte Crosbie.
„In diesem Fall macht das nichts. Wenn die Konferenz in Bagdad stattfindet, wird das bald publik gemacht werden müssen. Und dann fängt der Spaß – unser Privatspaß – an.“ (S. 7)

Bei einer solchen Veränderung fällt auch kaum auf, dass Crosbi recht salopp fragt, ob „Uncle Joe – thus disrespectfully did Captain Crosbie refer to the head of a Gread European Power – really mean to come?“ (S. 9), während es im Deutschen nur heißt: „Hat Onkel Joe ernstlich die Absicht zu kommen?” (S. 7), ohne dass man an dieser Stelle eine Erklärung bekommt, wer „Onkel Joe“ sein könnte.

Wirklich gestört hat mich aber vor allem folgende Veränderung, bei der sich Dakin recht desillusioniert über die kommende Veranstaltung äußert:

„I think he does this time, Crosbie,“ said Dakin thoughtfully. „Yes, I think so. And if the meeting comes off – comes off without a hitch – well, it might be the saving of – everything. If some kind of understanding could only be reached –“ he broke off.
Crosbie still looked slightly sceptical. „Is – forgive me, sir – is understanding of any kind possible?”
„In the sense you mean, Crosbie, probably not! If it were just a bringing together of two men representing totally different ideologies probably the whole thing would end as usual – in increased suspicion and misunderstanding. But there’s the third element. If that fantastic story of Carmichael’s is true –“ (S. 10)

Und die entsprechende Passage in der deutschen Ausgabe:

„Ich glaube, diesmal ja, Crosbie”, sagte Dakin nachdenklich. „Ja, ich glaube es wirklich. Und wenn sie stattfindet und ungestört verläuft – nun, dann kann sie vielleicht alles retten. Aber wenn diese fantastische Geschichte von Carmichael wahr ist …“ Er brach ab. (S. 8)

Nun, wer braucht schon Gedanken darüber, wie wichtig die kommende Veranstaltung ist, welche Auswirkungen sie auf die Welt haben könnte und wer vermisst schon philosophische Gedanken zum Thema „Verständigung“ … Bestimmt verliert die Geschichte nichts an Atmosphäre und Dringlichkeit, wenn man anfangs nicht mal eine Ahnung davon hat, worum es überhaupt geht. *seufz*

Bei einer langen Auflistung, welche Verbrechen in den letzten Tagen verübt worden sind, die mit Carmichael (dem Mitarbeiter, der anscheinend einen schlimmen Verdacht bezüglich der Veranstaltung hat) zusammenhängen könnten, fehlt nur ein kleiner Satzanhang am Ende:

“ […] A gardener at the Embassy, a servant at the Consulate, an official at the Airport, in the Customs, at the railway stations … all hotels watched … A cordon, stretched tight.” (S. 11)

Und zum Vergleich:

“ […] Ein Gärtner in der Botschaft – ein Diener auf dem Konsulat – ein Beamter auf dem Flughafen, beim Zoll, auf einem Bahnhof – alle Hotels überwacht.“ (S. 9)

Für mich eine vertretbare, wenn auch nicht nötige Veränderung des Textes.

Den gravierendsten Einschnitt gibt es allerdings am Ende der Passage über Crosbie und Dakin. So endet dieser Teil im Englischen:

In the middle of the spider’s web he wrote a name: Anna Scheele. Underneath he put a big query mark.
Then he took his hat, and left the office. As he walked along Rashid Street, some man asked another who that was.
„That? Oh, that’s Dakin. In one of the oil companies. Nice fellow, but never gets on. Too lethargic. They say he drinks. He’ll never get anywhere. You’ve got to have drive to get on in this part of the world.” (S. 12)

Während im Deutschen an Ende dies zu lesen ist:

Schließlich zeichnete er in einer Ecke des Löschpapiers ein Spinnennetz und in die Mitte des Spinnennetzes schrieb er einen Namen: „Anna Scheele“. Darunter setzte er ein großes Fragezeichen. (S. 10)

Solche Änderungen machen mich wirklich ärgerlich. Ich finde es schon relevant, dass Dakin in den Augen der Öffentlichkeit ein antriebsloser und vermutlich trinkender Angestellter einer Ölfirma ist – und diese Informationen werden mir in der deutschen Ausgabe komplett vorenthalten!

Der Text über Miss Scheele hingegen wird in der deutschen Übersetzung gleich mal um einen Satz erweitert:

„Have you got the reports on the Krugenhorf property, Miss Scheele?“ (S. 12)

Und:

In einem großen Büro eines New Yorker Wolkenkratzers saß ein Mann an einem Schreibtisch.
„Haben Sie den Bericht über das Krugendorf-Vermögen, Miss Scheele?“ (S. 10)

Dafür wurde dann bei der Beschreibung der guten Miss Scheele gleich ein Satz wieder eingespart:

She could organize the staff of a big office in such a way that it ran as by well-oiled machinery. She was discretion itself and her energy, though controlled and disciplined, never flagged.
Otto Morganthal, head of the firm of Morganthal, Brown and Shipperke, international bankers, was well aware that to Anna Scheele he owed more than mere money could repay. (S. 13)

Sie konnte den Stab eines großen Büros so organisieren, dass er wie eine gut geölte Maschine funktionierte.
Otto Morganthal, Chef der angesehenen Firma Morganthal, Brown & Schipperke, internationales Bankhaus, war sich bewusst, dass Anna Scheeles Dienste nicht mit Gold aufzuwiegen waren. (S. 11)

Keine Streichung, aber doch einen – in meinen Augen – merkbaren Unterschied bezüglich der Beschreibung von Miss Scheele beinhaltet für mich folgende Übersetzung:

He would indeed have been astonished if he had been told that she had any thoughts – other, that is, than thoughts connected with Morganthal, Brown and Shipperke and with the problems of Otto Morganthal. (S. 14)

Er wäre in der Tat höchst erstaunt gewesen, hätte man ihm gesagt, dass sie irgendwelche Gedanken hatte, die sich nicht auf Morganthal, Brown & Schipperke oder auf die Probleme von Otto Morganthal bezogen. (S. 12)

Inhaltlich eigentlich kein Unterschied, aber von der Aussage her schon eine spürbare Differenz.

Und an dieser Stelle wurde der Text im Deutschen mal wieder etwas gerafft:

So it was with complete surprise that he heard her say as she prepared to leave his office:
„I should like three weeks’ leave of absence if I might have it, Mr Morganthal. Starting from Tuesday next.”
Staring at her, he said uneasily: „It will be awkward – very awkward.”
„I don’t think it will be too difficult, Mr Morganthal. Miss Wygate ist fully competent to deal with things. I shall leave her my notes and full instructions. Mr Cornwall can attend to the Ascher Merger.”
Still uneasily he asked:
„You’re not ill, or anything?”
He couldn’t imagine Miss Scheele being ill. Even germs respected Anna Scheele and kept out of her way.
„Oh no, Mr Morganthal. I want to go to London to see my sister there.”
„Your sister?” He didn’t know she had a sister. He had never conceived of Miss Scheele as having any family or relations. She had never mentioned having any. And here she was, casually referring to a sister in London. She had been over London with him last fall but she had never mentioned having a sister then.
With a sense of injury he said:
„I never knew you had a sister in England?” (S. 14)

Daher traute er seinen Ohren nicht, als sie, im Begriff das Büro zu verlassen, sagte: „Ich möchte gern, wenn möglich, drei Wochen Urlaub haben, Mr Morganthal, ab nächsten Dienstag. Ich  möchte nach London fahren, um meine Schwester zu sehen.“
„Ihre Schwester?“ Sie war letzten Herbst mit ihm in London gewesen, ohne je zu erwähnen, dass sie eine Schwester hatte. Er sagte etwas gekränkt: „Ich wusste gar nicht, dass Sie eine Schwester in England haben.“ (S. 12)

Für mich besteht zwischen diesen beiden Szenen ein riesiger Unterschied! Auf der einen Seite hat man eine zurückhaltende effiziente Sekretärin, die auch bezüglich ihres Privatlebens diskret ist und der man jede Information aus der Nase ziehen muss, während die deutsche Übersetzung eine Frau zeigt, die ihrem Chef auf Anhieb gleich alle Details verrät, damit sie Urlaub bekommt. Die „englische“ Anna Scheele hinterlässt bei mir einen komplett anderen Eindruck als die „deutsche“ Anna Scheele. Und das finde ich noch schlimmer als die fehlenden Informationen bezüglich Dakin am Ende seiner Passage.

Und hier noch die letzte Änderung im ersten Kapitel:

„All right, all right .. Get back as soon as you can. I’ve never seen the market so jumpy. All this damned Communism. War may break out at any moment. It’s the only solution, I sometimes think. The whole country’s riddled with it – riddled with it. And now the President’s determind to go to this fool conference at Baghdad. It’s a put-up job in my opinion. They’re out to get him. Baghdad! Of all outlandish places!” (S. 15)

„Schön, schön … kommen Sie so bald wie möglich zurück. Der Markt war noch nie so unruhig. Das ist dieser verfluchte Kommunismus. Das ganze Land gärt – gärt, sage ich. Und jetzt hat sich der Präsident entschlossen, zu dieser närrischen Konferenz nach Bagdad zu fliegen. Meiner Meinung nach eine abgekartete Sache. Sie haben es auf ihn abgesehen. Bagdad! Von allen ausgefallenen Plätzen gerade Bagdad!“ (S. 12)

Kaum ein Unterschied und doch wird uns die Angst vor einem möglichen Krieg in der deutschen Ausgabe unterschlagen … Aber wer braucht in einer Spionagegeschichte schon solche Details?

Da ich die Übersetzung insgesamt eigentlich ganz stimmig finde, gehe ich mal davon aus, dass bei den Kürzungen eher der Verlag die Finger im Spiel hatte als Elleonore von Wurzian, die den Text ins Deutsche transportiert hat. Und bei den kleineren Sachen – wie der Weglassung des „khan“ oder auch dem fehlenden Satz bei der Raumbeschreibung – würde ich mich auch nicht beschweren, aber einige der gekürzten Sätze und Passagen machen doch einiges an Atmosphäre und Inhalt aus!

Vor allem fehlen die Elemente, die zeigen wie gut sich die Autorin in Bagdad ausgekannt hat und wie sehr sie das Land in all seinen Schattierungen liebt. Auch finde ich es erschreckend, wie wenig in der deutschen Übersetzung noch von Agatha Christies Gedanken zum Thema Wirtschaft, Kommunismus und dem drohenden (Kalten) Krieg übrig geblieben ist. Mein Fazit aus diesem Vergleich ist, dass ich wohl in den nächsten Jahren meine Agatha-Christie-Sammlung so nach und nach durch die Originalausgaben ersetzen werde.

[Graphic Novel] Jane Austen (und Nancy Butler): Sense and Sensibility

Nach „Pride and Prejudice“ hat sich Nancy Butler für die Reihe „Marvel Classics“ auch Jane Austens Roman „Sense and Sensibility“ angenommen und die Geschichte für eine Comicumsetzung bearbeitet. Dabei wurde für diesen Band nicht wieder Hugo Petrus engagiert, dessen Charaktere in „Pride and Prejudice“ (trotz des im Vorwort angekündigten Authentizität-Anspruchs von Zeichner und Autorin) eher an amerikanische Superhelden-Comics erinnerten und weniger zu einer Jane-Austen-Handlung passten. Stattdessen kommt bei „Sense und Sensibility“ Sonny Liew zum Einsatz, dessen Darstellungen deutlich reduzierter und weniger „realistisch“ sind als die von Hugo Petrus.

Ich muss gestehen, dass der Zeichenstil mir in diesem Band wesentlich besser gefällt, da es Sonny Liew meiner Ansicht nach schon auf den ersten Seiten gelingt, die typischen Charaktermerkmale auszuarbeiten. Allein schon der Anblick von Fanny Dashwood (Schwägerin von Elinor, Marianne und Margaret) bringt mich zum Schmunzeln. Ihre spitze Nase ist schon beim Einzug in das Haus hochnäsig erhoben, ihr Kinn wird auf den nächsten Panels so überdeutlich dargestellt, dass man den verkniffenen und missbilligenden Zug um den Mund gar nicht übersehen kann. Gerade mal zwei Blicke benötigt es und schon ist man über ihre Person im Bilde!

Die Dashwoods müssen ihr Heim verlassen …

Ihr Mann John wird hingegen angemessen nachgiebig und weich gezeichnet, Marianne sticht mit ihrem lebhaften Gesicht und den recht großen Gesten heraus, ihre Mutter wirkt eher zerbrechlich und kummervoll (aber immer bereit, auf die emotionalen Ausbrüche ihrer Tochter einzugehen), während Elinor wunderbar zurückhaltend und mit dementsprechend feinen Bewegungen dargestellt wird. Gewöhnungsbedürftig könnten für einige Leser die etwas überspitzten Darstellungen sein, die der Zeichner verwendet, wenn es darum geht, eine Entwicklung oder rasantere bzw. amüsantere Ereignisse zusammenzufassen, mir persönlich erschien diese Präsentation sehr passend zum Gesamtwerk. Der einzige Kritikpunkt wäre vielleicht, dass die Figuren – vor allem Elinor und ihr Edward – manchmal wesentlich älter wirken, als sie sind.

London: Sorgen um Marianne

Da in dieser Graphic Novel – aufgrund des Umfangs von gerade mal 120 Seiten – die Geschichte nur sehr gekürzt wiedergegeben werden kann, sind wieder deutliche Einschnitte in der Handlung zu spüren. Aber hier finde ich, dass Nancy Butler diese Kürzungen recht geschickt vorgenommen hat. Die von ihr ausgewählten Szenen setzen die Charaktere ins rechte Licht, geben einen guten Überblick über die jeweiligen Probleme der Figuren und die Gesamtstimmung des Romans bleibt auf jeden Fall erhalten. Die Autorin bemüht sich aufzuzeigen, wie schwer das Leben für die Dashwood-Schwestern und ihre Mutter nach dem Tod des Vaters ist und wie viel Haltung es erfordert, mit dem lieblosen Benehmen des Bruders umzugehen. Und dann gibt es natürlich noch die verschiedenen Indiskretionen von Mrs. Jennings und das Gefühlwirrwarr zwischen Elinor und Edward und Marianne und Willoughby. Da in „Sense und Sensibility“ viele Entwicklungen in Briefen erzählt werden, musste Nancy Butler für die Graphic Novel eine neue Erzählweise finden, was sie aber in meinen Augen gut gelöst hat. Somit ist für mich „Sense and Sensibility“ sowohl inhaltlich gelungen als auch optisch ansprechend, wenngleich ich zugeben muss, dass der Zeichenstil für einige Betrachter wohl etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Agatha Christie: The Secret of Chimneys

Nachdem meine eigenen Christie-Bücher weiterhin in Umzugskartons schlummern, stille ich meine Lust auf die Autorin eben mit englischen Titeln aus der Bibliothek. Nur blöd, dass ich mit diesem Band nicht noch einen Monat warten wollte, sonst hätte ich mein Buch für die English-Challenge auch schon bei der Hand gehabt. „Die Memoiren des Grafen“ gehört zu den Geschichten von Agatha Christie, die ich immer mal wieder in die Hand nehme, weil ich sie so unterhaltsam finde. Auch wenn die Handlung von so vielen Zufällen geprägt ist, dass ich das einem anderen Krimiautor nicht verzeihen würde, mag ich die Geschichte und die Charaktere so sehr, dass ich die Schwachpunkte hier locker verzeihen kann.

„The Secret of Chimneys“ beginnt in Afrika, wo Anthony Cade auf seinen alten Freund Jimmy McGrath trifft. Während Anthony sein Leben als Reiseführer fristet, ist Jimmy gerade auf dem Weg ins Landesinnere, da er dort auf die Suche nach Gold gehen wird. Diese Goldsuche ist ihm so wichtig, dass er seinen Freund bittet, doch eine Aufgabe für ihn zu übernehmen. Denn der verstorbene Graf Stylptitch, herzoslowakischer Adliger und berühmter Diplomat, hatte Jimmy seine Memoiren zukommen lassen – und wenn dieser sie bis zu einem bestimmten Tag persönlich bei einem Londoner Verlagshaus abgibt, dann bekommt er dafür 1000 Pfund. Gegen ein Viertel der versprochenen Summer macht sich Anthony auf den Weg, im Gepäck nicht nur die Autobiografie des Diplomaten, sondern auch Liebesbriefe einer verheirateten Frau, die ihm ebenfalls von Jimmy anvertraut wurden.

In London hingegen warten mehrere Gruppierungen darauf, dass Jimmy McGrath mit den Memoiren des Grafen eintrifft. Sowohl die herzoslowakische Regierung als auch ihre politischen Gegner sowie die britische Regierung (die mit Herzoslowakien gerade sehr empfindliche Verhandlungen führt) und ebenso eine französische Verbrecherbande wollen in den Besitz dieser Seiten kommen. Während Anthony mit den diversen Angeboten und Diebstahlsversuchen fertig werden muss, versucht er nebenbei, Virginia Revel ausfindig zu machen – die Dame, mit deren Namen die verhängnisvollen Liebesbriefe unterschrieben wurden, die ihm von Jimmy ausgehändigt wurden.

Virginia hingegen bereitet sich auf ein Wochenende auf Chimneys vor, zu dem sie von Lord Caterham und seiner Tochter Eileen (genannt Bundle) geladen wurde. Sie soll ein bisschen Leben in die Wochenendgesellschaft bringen, die vor allem aus herzoslowakischen Adligen, britischen Diplomaten und Finanzmännern bestehen wird. Denn Chimneys wird schon seit Jahrzehnten als inoffizieller Treffpunkt für die Mächtigen und Reihen in Großbritannien genutzt – sehr zum Leidwesen von Lord Caterham, der im Gegensatz zu seinem verstorbenen Bruder so gar nichts mit Politik am Hut hat. Als dann noch ein Mord auf Chimneys geschieht, gerät auch Anthony in Verdacht …

Ich fürchte, ich kenne das Buch einfach zu gut, um eine objektive Meinung dazu zu schreiben. Ich mag Anthony, ich mag Virginia und ich mag den widerwilligen Gastgeber Lord Caterham und seine Tochter (die man übrigens in „The Seven Dials Mystery“ – die einzige Geschichte, bei der ich ständig den deutschen Namen vergesse – wiedersieht). Jedes Mal wieder verfolge ich mit Vergnügen, wie Anthony versucht, seinen Namen reinzuwaschen, Virginia zu helfen und mehr über die verschiedenen Rätsel herauszufinden. Da ist es mir dann auch egal, dass ich recht schnell weiß, wer von den verschiedenen Figuren nicht der ist, der er zu sein vorgibt – und warum sich der Diener des Ermordeten so ungewöhnlich verhält. Ach, verflixt, lest die Geschichte doch einfach selbst – gern auch auf Englisch, denn das klappt prima – und bildet euch eine eigene Meinung! 😉

Neben der Lust auf eine Agatha-Christie-Geschichte trieb mich auch die Neugier auf eventuelle Unterschiede zur Übersetzung an – und ehrlich gesagt, mir sind kaum Sachen ins Auge gesprungen! Wie bei „The Man in the Brown Suit“ hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendeine Szene nicht kenne, allerdings sind mir diverse Redewendungen aufgefallen, die – meinem Empfinden nach – nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Das ändert nicht viel an der Qualität der Geschichte, lässt aber die Charaktere hier und da lässiger wirken als in „Die Memoiren des Grafen“. Ich denke, ich werde mir noch mal ein paar weitere englische Ausgaben besorgen, wenn ich endlich meine Bücher auspacken kann – und dann vergleiche ich detaillierter.

Agatha Christie: The Man in the Brown Suit

Nachdem ich immer wieder in Texten über die Autorin über die Aussage gestolpert bin, dass Agatha Christies Romane in der deutschen Umsetzung deutlich gekürzt oder verändert wurden, wollte ich mir ein paar Titel der Autorin mal bewusst im Original angucken, um mir ein eigenes Bild davon zu machen. Außerdem passt „The Man in the Brown Suit“ so schön zur English-Challenge und bietet mir die Gelegenheit mal etwas anderes als einen Dresden-Files-Roman dafür zu besprechen.

„Der Mann im braunen Anzug“ ist wohl einer der unbekannteren Romane von Agatha Christie und gehört zu meinen Lieblingsbüchern der Autorin. Hier bekommt der Leser keine Miss-Marple- oder Hercule Poirot-Geschichte präsentiert, denn die Ereignisse drehen sich um die Abenteuer von Anne Beddingfeld. Anne ist die Tochter eines Gelehrten, der sich so sehr für seine anthropologischen Studien interessiert, dass er alles andere darüber vergessen kann. Während Anne ihm den Haushalt führt und gerade so mit dem kargen Einkommen des Vaters über die Runden kommt, bestehen die Höhepunkte ihres Lebens aus dem Lesen von Romanen aus der Leihbücherei und dem wöchentlichen Kinobesuch, wo sie die Episoden rund um die Abenteurerin Pamela genießt. So wundert es einen nicht, dass Anne nach dem Tod ihres Vaters sein Ableben zwar bedauert, darin aber auch die Chance sieht endlich ein aufregendes und abwechslungsreicheres Leben zu führen.

Zum Glück wird sie von einem Geschäftspartner ihres verstorbenen Vaters nach London eingeladen. Dort, so hofft Anne, wird sie eine Anstellung finden, die ihren Hunger nach Aufregung und Romantik befriedigt. Doch so einfach ist es nicht eine Beschäftigung zu finden, die Annes Ansprüchen entspricht – und so stürzt sich die junge Frau lieber auf einen rätselhaften Unfall, den sie in der U-Bahn beobachtet. Bei diesem Unfall stürzte ein – nach Mottenkugeln riechender – Mann unter seltsamen Umständen von der Plattform der Bahn und kommt dabei ums Leben. Ein geheimnisvoller Zettel, dem ebenfalls der Geruch von Mottenkugeln anhaftet, und ein Mord in einem leerstehenden Haus führen Anne auf die Spur eines Verbrecherrings, der vor allem während des Ersten Weltkriegs (die Geschichte wurde von Agatha Christie 1926 veröffentlicht) aktiv war. Und bei all diesen rätselhaften und bedrohlichen Vorfällen scheint ein Mann in einem braunen Anzug involviert zu sein. Ein Mann, der nicht nur Annes kriminalistisches Interesse weckt …

Erzählt werden die Ereignisse in erster Linie aus Annes Sicht, aber auch Tagebucheinträge von Sir Eustace Pedler werden in die Geschichte eingeflochten. Dieser schon etwas ältere Herr ist nicht nur der Besitzer des leerstehenden Hauses, in dem der Mord passierte, sondern er wird auch von der britischen Regierung gebeten ein politisch wichtiges und überaus geheimes Dokument nach Südafrika mitzunehmen. So spielt ein guter Teil der Handlung auf einem Schiff und später in Südafrika, wobei sich der Kreis der handelnden Personen auf einen recht engen Rahmen beschränkt, nämlich Sir Eustace Pedler und seine Angestellten, Anne Beddingfeld, eine wohlhabende Weltenbummlerin, einen attraktiven schweigsamen Mann, der für den Geheimdienst arbeitet, und einen nicht sehr sympathischen Missionar.

Trotz dieses kleinen Kreises gelingt es Agatha Christie ganz wunderbar eine Atmosphäre zu schaffen, die einer Spionagegeschichte und einer Handlung rund um eine Verbrecherbande gerecht wird. Doch vor in erster Linie mag ich die verschiedenen Charaktere, allen voran Anne und Sir Eustace Pedler, denen die Autorin jeweils eine ganz eigene Stimme verleiht. Während Anne ihr Abenteuer in vollen Zügen genießt und nur hier und da bei ihr der Gedanke aufkommt, dass sie sich doch recht blauäugig in so manche Gefahr begibt, scheint der alte Herr nichts und niemanden ernst zu nehmen und trotzdem nie so ganz zufrieden mit dem Benehmen seiner Mitmenschen zu sein. So fragt er zum Beispiel ganz am Anfang der Geschichte den Beamten, der ihn als Kurier nach Südafrika anheuern soll, warum man dafür nicht einfach die britische Post bemühen würde. Eine Briefmarke wäre doch deutlich weniger umständlich zu finden, als eine vertrauenswürdige Person, die den langen Weg nach Afrika auf sich nimmt …

Zwei Absätze finde ich dabei recht typisch für den Erzählstil dieser Geschichte:

„It reminded me forcibly of Episode III in „The Perils of Pamela“. How often had I not sat in the sixpenny seats, eating a twopenny bar of milk chocolate, and yearning for similar things to happen to me! Well, they had happened with a vegeance. And somehow it was not nearly so amusing as I had imagined. It’s all very well on the screen – you have the comfortable knowlege that there’s bound to be an Episode IV. But in real life there was absolutely no guarantee that Anna the Adventuress might not terminate abruptly at the end of any Episode.“ (Anne Beddingfeld, S. 118)

„I am inclined to abandon my Reminiscences. Instead, I shall write a short article entitled „Sectretaries I have had“. As regards secretaries, I seem to have fallen under a blight. At one minute I have no secretaries, at another I have too many. […] Yes, „Secretaries I have had“. No.1, a murder fleeing from justice. No.2, a secret drinker who carries on disreputable intrigues in Italy. No.3, a beautiful girl who possesses the useful faculty of being in two places at once. No.4, Miss Pettigrew, who I have no doubt, is really a particularly dangerous crook in disguise!“ (Sir Eustace Pedler, S. 142)

„The Man in the Brown Suit“ ist ein wunderbar unterhaltsamer Kriminalroman, der vielleicht nicht zu Agatha Christie kompliziertesten oder spritzigsten Geschichten gehört, der mir persönlich aber immer wieder sehr gut gefällt. Ich mag die romantische und abenteuerlustige Anne und bewundere ihre Courage, auch wenn ich nicht so recht nachvollziehen kann, warum sie sich von dem Mann im braunen Anzug so angezogen fühlt. Nun, das könnte aber auch daran liegen, dass er gut aussieht, unhöflich ist und seinen Beschützerinstinkt nicht immer unterdrücken kann …Wer mal einen Roman der Autorin ausprobieren will, der nichts mit Miss Marple oder Hercule Poirot zu tun hat, der könnte eindeutig eine schlechtere Wahl treffen. 😉 Achja, großer Unterschiede zu meiner deutschen Ausgabe habe ich nicht feststellen können, abgesehen davon, dass mir zwei kleine Szenen unvertraut vorgekommen sind. Allerdings habe ich „Der Mann im braunen Anzug“ beim Lesen auch nicht bei der Hand gehabt und konnte so keinen direkten Vergleich anstellen. Oh, und zu meiner eigenen Überraschung (bei Kriminalromanen habe ich einfach immer Angst, dass ich nicht genug Feinheiten mitbekommen würde) lässt sich die Geschichte auch ganz wunderbar im Original lesen.

[Graphic Novel] Jane Austen (und Nancy Butler): Pride and Prejudice

Eigentlich hatte ich diese Graphic Novel ja mit dem Hintergedanken an die „I’m in English“-Challenge noch im SuB-Regal liegen lassen. Aber letztes Wochenende hatte ich dann doch  zuviel Lust auf die Geschichte, um sie nicht endlich zu lesen. In der Reihe „Marvel Classics“ wurden hauptsächlich Romanklassiker wie „Picture of Dorian Gray“, „The Three Musketeers“ und „The Iliad“ umgesetzt. Diese Themen sprechen – nach Meinung der Autorin Nancy Butler – vor allem Jungen an, und so war sie sehr erfreut über die Möglichkeit für Marvel eine Geschichte umsetzen zu können, die eher Mädchen ansprechen und in die Comicläden locken sollte. Und bei der witzigen Coveridee könnte das sogar funktioniert haben, wenn die kaufenden Mädchen keine Ahnung hatten, was das für eine Geschichte ist.

Im Vorwort informiert Nancy Butler nicht nur darüber wie es zu der Grundidee zu dieser Graphic Novel kam, sondern erzählt auch wie sie versuchte die Sprache Jane Austens zu modernisieren, um dann einzusehen, dass das Original doch die ansprechendste Version ist. So hat sie die Dialoge des Romans unangetastet gelassen und nur durch eine Erzählperspektive die Geschichte (deutlich) gekürzt. Trotzdem hatte ich beim Lesen von „Pride an Prejudice“ das Gefühl ein sprachlich stimmiges Gesamtwerk vorzufinden – was mir gut gefallen hat.

Deutlich mehr Kritikpunkte finde ich allerdings an den Zeichnungen. Obwohl Hugo Petrus sich merklich Mühe gegeben hat, um die Atmosphäre der Zeit einzufangen, und obwohl viele Details liebevoll und stimmig dargestellt werden, habe ich mich beim Betrachten der Bilder immer wieder geärgert. Versteht mich nicht falsch, es gibt wunderschöne Zeichnungen in diesem Comic – vor allem, wenn man an amerikanische Superheldencomics (samt üppiger Lippen und wallenden Haarmähnen bei den Damen) gewöhnt ist, dann gibt es eigentlich an den Darstellungen nichts zu meckern. Aber wenn man die Abbildungen vor dem Hintergrund betrachtet, dass das eine Geschichte ist, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielt, dann gibt es so viele Ärgernisse. Allein über die Frisuren hätte ich mich aufregen können, denn adrett zu sein galt damals doch zu viel, als dass eine Frau so rumgelaufen wäre. 😉

Wenn man aber über dieser Kleinigkeiten hinwegsehen kann, dann bietet einem „Pride and Prejudice“ als Graphic Novel eine gute Möglichkeit mal in die Geschichte hineinzuschnuppern. Wer noch nicht mit Jane Austen vertraut ist, kann so herausfinden, ob ihm die Sprache und die Geschichten, die dieser Autorin erzählt, zusagen. Für „Zwischendurch“ ist diese Präsentationsform auf jeden Fall geeignet, auch wenn viel von dem Witz und der Gesellschaftskritik Jane Austens – natürlich – auf diese Weise verloren geht. Da „Sense and Sensibility“ von einem anderen Zeichner umgesetzt wurde und ich mal wieder neugierig bin, wird diese Geschichte demnächst auch noch bei mir als Graphic Novel einziehen.

Agatha Christie: Passenger to Frankfurt

Über „Passenger to Frankfurt“ bin ich in einer der Agatha-Christie-Biografien gestolpert, die ich letztes Jahr gelesen habe. Da stand, dass dies der einzige Roman sei, der nicht ins Deutsche übersetzt worden sei – und natürlich war ich neugierig, was das für eine Geschichte ist. (Inzwischen habe ich übrigens rausgefunden, dass das Buch 2008 ins Deutsche übersetzt wurde, allerdings scheint die Ausgabe nicht mehr erhältlich zu sein.) Auf jeden Fall ist „Passenger to Frankfurt“ kein gewöhnlicher Christie-Roman, obwohl das nicht das einzige Buch ist, in dem sich die Handlung um Spionage dreht. Aber in diesem Buch bezieht sich die Autorin ungewöhnlich oft auf die „jüngste“ Vergangenheit (der Roman erschien 1970) und es fallen einige kritische Bemerkungen zu Politik und Diplomatie.

Hauptfigur dieser Geschichte ist Sir Stafford Nye, ein junger Diplomat, der die großen Hoffnungen, die einst in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllt hat. Denn für seinen Beruf verfügt er über einen überaus unpassenden Humor, der ihn zu einem unberechenbaren Gesprächspartner macht, was einem Karriereaufstieg deutlich im Wege steht. Und sein Humor und sein Sinn für absurde Situationen sind es auch, die ihn auf einem Heimflug in Schwierigkeiten bringen. Denn als er in Frankfurt darauf wartet, dass der Nebel in London sich soweit verzieht, dass der Flug weitergehen kann, wird Stafford von einer jungen Frau angesprochen. Diese Dame wurde durch die Zwischenlandung in Frankfurt in große Schwierigkeiten gebracht und benötigt nun Hilfe, um sicher weiter nach England reisen zu können. Von seiner Abenteuerlust angestachelt, lässt sich Sir Stafford Nye dazu überreden ihr seinen ungewöhnlichen Mantel und seinen Pass zu überlassen, damit sie in seine Rolle schlüpfen und so sicher heimkehren kann.

Nach dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation zieht sich die Geschichte erst einmal ganz schön hin. Sir Stafford Nye wird bei seiner Heimkehr misstrauisch vom Geheimdienst beäugt, weil er sich in Frankfurt angeblich hat betäuben und ausrauben lassen und weil sein Pass ohne ihn heimgeflogen ist. Die Behörden sind sich nicht sicher, ob der Diplomat nicht vielleicht in unsaubere Geschäfte verwickelt ist – auch wenn der eine oder andere Beamte den Verdacht hegt, dass Stafford harmlos ist und nur sein allseits bekannter Humor ihn in diese Situation gebracht hat. Stafford hingegen versucht mehr über die geheimnisvolle Frau herauszufinden, fragt sich, ob sie heil nach England gekommen ist – und muss feststellen, dass jemand seine Schritte genau im Auge behält. Letztendlich entwickelt sich die Handlung zu einer eher unglaubwürdigen Geschichte rund um eine geheimnisvolle Organisation, die versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mehr will ich dazu gar nicht verraten, für den Fall, dass einer von euch das Buch noch lesen will.

Obwohl  immer wieder Szenen und Figuren auftauchen, die ich als sehr typisch für Agatha Christie empfinde – vor allem Staffords Großtante Matilda erinnerte mich an so einige meiner „viktorianischen“ Lieblingsladys in den anderen Krimis-, konnte mich „Passenger to Frankfurt“ nicht so recht überzeugen. Die Handlung zieht sich hin und bei einigen Passagen habe ich mich gefragt, zu welchem Zweck sie überhaupt in das Buch eingebaut wurden. Während anfangs Sir Stafford Nye als Hauptfigur fungierte, wird die Spionagegeschichte letztendlich doch von einem Haufen Politikern und Geheimdienstmitarbeitern beendet – und auch wenn ich mich immer wieder über ein Wiedersehen mit Mr. Robinson (der Mann, der einfach alles über Geld weiß) freue, so sind diese Szenen doch eher langweilig zu lesen. Doch vor allem habe ich mich über die Unglaubwürdigkeit der Geschichte geärgert. Eigentlich gibt es einige interessante Ansätze, wie die geheimnisvolle Begegnung am Flughafen, die faszinierende Spionin und die unheimliche Organisation, aber letztendlich kann Agatha Christie keinen Handlungsstrang überzeugend zuende führen.

Ich bedauere nicht, dass ich „Passenger to Frankfurt“ gelesen habe, denn so habe ich auch diese Seite von Agatha Christies Werk kennengelernt, aber noch einmal werde ich die Geschichte bestimmt nicht lesen. Nur gut, dass ich das Buch aus der Bibliothek ausleihen konnte. Oh, und „Passenger to Frankfurt“ ist mein Februar-Buch für die „I’m in English“-Challenge gewesen.

[Übersetzungsirritation] Jean G. Goodhind: Mord nach Drehbuch

„Mord nach Drehbuch“ hatte ich mir gekauft, weil ich dachte, dass es ein unterhaltsamer Krimi sei, den ich gut zwischendurch einschieben könnte. Und nun hänge ich auf Seite 14 und ärgere mich über einen Satz so sehr, dass ich kaum weiterlesen mag. Ich weiß nicht, was sich die Übersetzerin Ulrike Seeberger bei diesem Satz gedacht hat, aber für mich ist der absolut unverständlich!

Es geht um eine ganz bestimmte Situation, Honey Driver, die Hauptfigur des Romans, streitet sich mit einer unsympathischen Schauspielerin, die in einem Film die Rolle der Jane Austen übernehmen soll. Die Schauspielerin ist laut und ordinär und Honeys Streit mit ihr ist in meinen Augen recht kindisch, aber beide wollen halt die Oberhand behalten. Und während die Schauspielerin immer ausfallender wird, versucht eines der Crew-Mitglieder sie zu beruhigen mit den Worten: „Aber, aber Martyna. Beruhige dich bitte, nur mit der Ruhe. Du weißt doch, wer wütend ist, kommt nur schwer in die Rolle hinein.“

Und als Reaktion darauf kommt der Satz, der mich so sehr irritiert.

„Genau“, bestärkte ihn Honey, die entschlossen war, das letzte Wort zu behalten. „Schließlich war Jane Austen zwar eine professionelle Gschaftelhuberin, aber keine professionelle Schlampe!“

Erst einmal musste ich als Norddeutsche nachgucken, was „Gschaftelhuberin“ genau heißen soll –  und habe dabei festgestellt, dass es dafür keine genaue Definition gibt, die für mich einen Sinn in diesen Satz bringt. Und dann habe ich mal über dict.cc geguckt, was da im englischen Original gestanden haben könnte und bin über „eager beaver“ gestolpert. Während „Gschaftelhuberin“ für mich eindeutig einen negativen Beiklang hat, so kann „eager beaver“ in meinen Ohren zwar negativ gemeint sein, muss es aber nicht.

So oder so macht der Satz „Schließlich war Jane Austen zwar eine professionelle Gschaftelhuberin, aber keine professionelle Schlampe!“ für mich einfach keinen Sinn. Was soll dem Leser damit gesagt werden?

Wenn mich ein Satz beim Lesen eines Buches so rausbringt und mich so rätseln lässt, was damit gemeint sein soll, dann habe ich ehrlich gesagt wenig Lust weiterzulesen. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir, vielleicht hängt es damit zusammen, dass dieses Wort für mich als Norddeutsche so wenig geläufig ist. Oder geht es den süddeutschen oder österreichischen Lesern bei diesem Satz ebenso wie mir? Bei mir hat die Übersetzerin mit diesem Satz auf jeden Fall schon mal einen Minuspunkt abbekommen – und wenn sie den Rest des Buches nicht prima hinbekommen hat, dann wird dieser Eindruck wohl erst einmal bestehen bleiben.