Schlagwort: Kriminalroman

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Second Thief (Hörbuch)

Die zehnte Geschichte rund um Mrs. Pollifax führt die engagierte Rentnerin nach Sizilien, da ihr ehemaliger Kollege John Sebastian Farrell einen Hilferuf an die CIA geschickte hat und darum bat, Emily und Cyrus so schnell wie möglich zu ihm zu schicken. Da Cyrus nicht mitkommen kann, besteht er darauf, dass die CIA Emily eine erfahrene Begleitung mitgibt – schließlich hat er in den vergangenen Jahren oft genug mitbekommen, dass scheinbar einfache Aufträge bei seiner Frau schnell zu lebensgefährlichen Herausforderungen werden.

Und wirklich ist es so, dass Mrs. Pollifax und ihre Kollegin Kate Rossiter gleich von drei Parteien verfolgt werden, nachdem sie Kontakt mit Farrell aufgenommen haben. Dieser wiederum kann keine Auskunft darüber geben, wer ihn im Auge behält und warum – er weiß nur, dass er von einem Mann damit beauftragt wurde, einen Safe zu knacken und eine Kunstexpertise zu einem darin befindlichen Gegenstand abzugeben. Doch bevor er noch das gesuchte Schriftstück in den Händen halten konnte, wurde auf ihn geschossen und nun ist er seit zwei Tagen auf der Flucht vor seinen Angreifern.

Dazu kommt, dass Farrell meint, dass er vor ein paar Tagen einen Mann getroffen hat, der zur selben Zeit wie Mrs. Pollifax und er in Sambia war. So recht kann Farrell nicht glauben, dass diese Person sich wirklich in Sizilien befindet und deshalb soll Emily den Mann unter die Lupe nehmen. Doch solche Ermittlungen sind schwierig durchzuführen, wenn man auf Schritt und Tritt verfolgt und angegriffen wird. Zum Glück hat Kate Rossiter eine Tante, die in Sizilien lebt und den dreien Zuflucht gewähren kann.

Mit dieser Geschichte hat Dorothy Gilman wieder einen ganz neuen Ansatz gefunden, um eine „Mrs. Pollifax“-Episode zu erzählen und so ist „Mrs. Pollifax and the Second Thief“ weniger ein Spionageroman als eine Kriminalgeschichte, bei der es diverse Verdächtige gibt und man herausfinden muss, welche Person welches Motiv für welche Handlung hat. Besonders nett ist dabei das Umfeld, in dem die Geschichte spielt, denn Emily und Farrell verlassen überraschend selten das Anwesen von Kates Tante – und auch um die Villa Franca rankt sich das eine oder andere Geheimnis.

Während ich bei anderen Bänden der Reihe Emilys Sicht auf die verschiedenen Länder gern teile, weil diese für mich ebenso fremd sind wie für sie, finde ich es hier stellenweise lustig, wie sie auf manche örtliche Gepflogenheit oder die italienische Sprache reagiert, während ich das Gefühl hatte, dass andere Elemente (gerade bei der Architektur) mir – dank des einen oder anderen Italienurlaubs – sehr vertraut waren. Ein wenig habe ich es vermisst, den Bösewicht richtig kennenzulernen, aber das wird ausgeglichen durch verschiedene Überraschungsmomente und atmosphärische Szenen rund um die Villa Franca. Überhaupt ist Kates Tante Franca eine Erscheinung für sich, die ich immer wieder gern neu kennenlerne – ebenso wie den eigenwilligen Gast im Keller des Gebäudes, über den ich leider so gar nichts schreiben kann, wenn ich nicht die Handlung total spoilern will.

Auch dieses Hörbuch wurde von Barbara Rosenblat gelesen und sie hat ihre Arbeit eigentlich wie immer sehr gut gemacht. Allerdings passt ihre Interpretation der Franca nicht zu meiner Vorstellung von der Frau. Barbara Rosenblats Franca ist zu leise, zu zurückhaltend und zu gemächlich beim Sprechen, während ich sie mir immer als eine energische Dame vorgestellt habe, die kein Wort zu viel von sich gibt und genau weiß, was sie will.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Whirling Dervish (Hörbuch)

Nachdem Mrs. Pollifax sich in den letzten Folgen vor allem im asiatischen Raum rumgetrieben hat, führt sie ihr aktueller Auftrag nach Marokko. In „Mrs. Pollifax and the Whirling Dervish“ soll Emily Pollifax nur als Begleiterin fungieren, da ihr Auftraggeber Mr. Carstairs der Meinung ist, dass der örtlichen Agent Max Janko aussieht, als wäre er zu arrogant, um seine Aufgabe durchzuführen ohne anzustoßen. Und wirklich entpuppt sich Janko als unfreundlicher und anstrengender Begleiter für eine Fahrt quer durch die Wüste.

Während Mrs. Pollifax sich noch mit den Umständen anzufreunden versucht, muss sie sich gleichzeitig Sorgen um ihren Auftrag machen. Denn sie und Janko sollen die Mitglieder eines Informantennetzwerks aufsuchen und sicherstellen, dass keine der sieben Personen durch einen Spitzel ausgetauscht wurden. Dummerweise scheint jemand den beiden auf den Fersen zu sein und die Informanten der Atlas-Gruppe kurz nach ihrer Identifizierung durch Mrs, Pollifax und Max Janko zu ermorden.

So gern ich die asiatischen Bände rund um Mrs. Pollifax mag, so schön finde ich es, dass sie nun wieder in der Wüste unterwegs ist. Trotz der Todesfälle ist diese Geschichte wieder amüsanter als die davor. Mrs. Pollifax ärgert sich über Jankos anmaßendes Verhalten und gibt ihm auf ihre – in der Regel noch überraschend höfliche – Art Kontra. Und dann gibt es wieder diese kleinen Momente, in denen sie es genießt ein fremdes Land kennenzulernen, mit neuen Menschen Kontakt aufzunehmen und eine ihr unbekannte Kultur zu erfahren. Ich mag Emily in der Wüste einfach …

Sehr schön finde ich es auch, dass Emily Pollifax es sich zu Beginn der Geschichte nicht leicht macht, ob sie den Auftrag annimmt, da sie mit der amerikanischen Politik in Marokko nicht zufrieden ist. Letztendlich läuft es für sie darauf hinaus, ob sie Mr. Carstairs vertraut oder nicht, aber glücklich ist sie nicht damit. Oh, und es gibt ein überraschendes Wiedersehen am Ende der Folge, dass mich jedes Mal wieder zum Lächeln bringt, wenn ich daran denke. Dazu kommt wie immer die gute Leistung der Sprecherin Barbara Rosenblat – und schon habe ich ein paar wunderbare Stunden mit diesem Hörbuch verbracht und kann es kaum erwarten, dass der März mir die nächste „Mrs. Pollifax“-Folge bringt.

Quentin Bates: In eisigem Wasser (Gunnhildur 1)

„In eisigem Wasser“ von Quentin Bates ist eine dieser SuB-Leichen, die es wirklich nicht verdient haben so lange im Regal zu verstauben. Die Geschichte beginnt mit einer Szene am Hafen von Hvalvík, bei der man verfolgt wie ein Betrunkener von einem anderen Mann ins Wasser gestoßen wird. Kurz darauf beginnt die eigentliche Handlung mit einem Anruf bei der Polizistin Gunnhildur (genannt Gunna), der sie darüber informiert, dass die Leiche eines Ertrunkenen gefunden wurde.

Als Gunna im Hafen ankommt, kommen ihr gleich mehrere Aspekte seltsam vor: Niemand kennt den Toten vom Sehen, er hat keinerlei Papiere bei sich, mit denen man ihn identifizieren könnte, und dann steht noch die Frage im Raum, wie er überhaupt nach Hvalvík – einem Ort ca. 100 km nördlich von Reykjavík – gekommen ist, da er zu viel Alkohol im Blut gehabt hat, als das er noch hätte fahren können. Auch irritiert es Gunna im Laufe der Ermittlungen, dass niemand daran interessiert zu sein scheint, den mysteriösen Tod des jungen Mannes aufzuklären.

Obwohl Gunna und ihre Arbeit den Hauptstrang der Geschichte bilden, bekommt man die Handlung aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die es einem ermöglichen aus all den vielen Szenen ein stimmiges Gesamtbild zusammenzusetzen. Im Rahmen der Ermittlungen rund um den Toten im Hafen von Hvalvík macht – die angenehm bodenständig charakterisierte – Gunna einige gravierende Entdeckungen, die dafür sorgen, dass sie immer wieder bei hohen Politikern oder einflussreichen Geschäftleuten aneckt. Während ich es sonst nicht so mag, wenn in einem Krimi Korruption, Bestechung und ähnliche Machenschaften so eine wichtige Rolle spielen, fand ich diesen Part in „In eisigem Wasser“ gut gemacht. Denn Gunnas Vorgesetzte sehen sich zwar dem Druck von oben ausgesetzt und es wäre ihnen regelmäßig lieber, wenn die Polizistin weniger engagiert ermitteln würde, aber ihnen ist auch bewusst, dass ein Mordfall und andere damit verbundenen Verbrechen aufgeklärt werden müssen und unterstützen deshalb Gunna (wenn auch mal mehr und mal weniger enthusiastisch).

Ich mochte auch die Atmosphäre in dem Roman und die Art und Weise wie der Autor die isländische Gesellschaft darstellt. Das Land steht kurz vor der großen Finanzkrise und so langsam wird der Bevölkerung bewusst, dass da etwas in Politik und Wirtschaft gewaltig schief läuft. Geld ist in gewisser Weise für alle ein Thema und je mehr über den Zustand des Landes bekannt wird, desto mehr Furcht verspüren die Menschen. Auf der anderen Seite ist da auch dieser stoische Umgang mit der anstehenden Katastrophe und diese rationale Art weiterzudenken. Spannend fand ich auch kleine Bemerkungen und Informationen zu den Lebensläufen der verschiedenen Personen, wie zum Beispiel Gunnas Werdegang (mit 12 Jahren angefangen in einer Fischfabrik zu arbeiten, später zur Polizei gewechselt) oder über das Studium einer Fotografin (sie wollte im Ausland studieren, also musste sie sich ein Studienfach suchen, das in Island nicht angeboten wurde), die mir eine Menge über das Land verraten haben.

„In eisigem Wasser“ ist ein angenehm unaufgeregter Kriminalroman. Es kommt zwar zu so einigen Todesfällen, aber nichts davon ist reißerisch dargestellt. In erster Linie stehen Gunnas Ermittlungen im Vordergrund und die gestalten sich stellenweise nun einmal mühsam, aber nie uninteressant. Auch mochte ich die Beziehungen der verschiedenen Charaktere zueinander (wenn ich jetzt mal davon absehe, dass die „Schönen und Reichen“ doch etwas klischeehaft dargestellt werden), da gibt es Freundschaft, Kollegialität und Menschen, die einander zwar nicht wirklich leiden können, die aber trotzdem professionell miteinander arbeiten. Das mochte ich wirklich, das war erholsam – und deshalb habe ich mir gleich im Anschluss den zweiten Band rund um Gunnhildur geschnappt.

Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

Im Rahmen meiner SuB-trahierung habe ich auch „Der Teufel von Grimaud“ von Frank Bresching aus dem Regal gezogen. Und nach dem Lesen lässt mich das Buch etwas zwiespältig zurück. Auf der einen Seite ist es ein spannender Roman, auf der anderen Seite herrscht in der Geschichte so eine schrecklich bedrückende Atmosphäre. Alles so düster und hoffnungslos und nur ein wirklich sympathischer Charakter – dem natürlich auch noch etwas Schlimmes zustößt.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der von zwei Mädchen (Oceane und Camille) erzählt, die einen Tag am Strand verbracht haben, sich dann aber auf dem Rückweg trennen – was dazu führt, dass eines der Mädchen missbraucht und ermordet wird. Das Dorf Grimaud wird durch diese grausame Tat aufgeschreckt: Einer von ihnen ist höchstwahrscheinlich der Täter, obwohl doch alle glauben, dass sie ihre Nachbarn so gut kennen. Die Ermittlungen werden von Kommissar Leo Balleroy übernommen, der erst einmal ein Gefühl für die verschiedenen Einwohner von Grimaud und die Verbindungen der verschiedenen Personen zueinander bekommen muss.

Erzählt wird die Handlung auf verschiedenen Perspektiven: So verfolgt man die Geschehnisse aus der Sicht des Polizisten, aus der von Camille, von Clement und natürlich dem Mörder. Während der Polizist systematisch alle Spuren verfolgt, herauszufinden versucht wer wann an welchem Ort war und ob es schon früher zu verdächtigen Vorfällen im Ort gekommen ist, schwankt Camille zwischen Trauer und Verzweiflung. Sie ist gerade erst nach Grimaud gezogen, fühlt sich einsam und verlassen (vor allem, da ihre Mutter vor allem mit ihrem Verlobten beschäftigt ist) und die ermordete Oceane war ihre einzige Freundin. Ein wenig Trost findet das Mädchen bei dem alten Clement der vor Jahren seine Frau verloren hat, als diese an Krebs starb, und dessen Sohn sich seit Jahrzehnten nicht mehr bei seinen Eltern hat blicken lassen. Der einsame Mann und sein Hund bieten Camille einen Zufluchtsort und ein offenes Ohr für ihre Gedanken und ihren Kummer.

Wie gesagt, wirklich sympathisch fand ich eigentlich nur eine Figur, trotzdem fand ich es sehr reizvoll die verschiedenen Perspektiven zu lesen, mir ein Bild von dem Leben in Grimaud zu machen und die Machtverhältnisse in diesem Ort kennenzulernen. Auch die Passagen, in denen die Gedanken des Mörders niedergeschrieben wurden, waren ausnahmsweise nicht uninteressant. Ihm ist schon seit langem bewusst, dass er eine unnatürliche Neigung zu jungen Mädchen hat und hat (fast) immer erfolgreich dagegen angekämpft, doch mit dem Zusammentreffen mit Oceane und ihrer Ermordung hat er eine Grenze überschritten, die ihm selber Angst macht. Doch das hat mir in gewisser Weise gefallen – vor allem war es eine angenehme Abwechslung zu den Mördern mit Machtfantasien und „meine Opfer sind selber Schuld“-Gedanken, die sonst gern von Krimiautoren kreiert werden.

Allerdings muss ich zugeben, dass mir eine Art „Happy End“ fehlt. Natürlich hüpft keiner nach Auflösung eines solchen Mordfalles am Ende heiter und unbeschwert über die Wiese. Aber ich möchte trotzdem das Gefühl haben, dass sich am Schluss etwas bewegt hat, dass zumindest irgendjemand eine Zukunft vor sich hat, die nicht durch und durch belastet ist. Stattdessen geben mir die letzten Seiten von „Der Teufel von Grimaud“ das Gefühl, dass die wenigen guten und hilfsbereiten Menschen verdammt sind, weil sie mit skrupellosen und bösen Personen eine Welt teilen müssen.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Golden Triangle (Hörbuch)

Der achte Band rund um die ungewöhnliche Agentin Mrs. Pollifax, „Mrs. Pollifax and the Golden Triangle“ von Dorothy Gilman, spielt in Thailand. Eigentlich wollte Mrs. Pollifax sich zusammen mit ihrem Mann Cyrus nur einen erholsamen und interessanten Urlaub in Thailand gönnen. Doch wenige Stunden vor ihrem Abflug wird sie von Mr. Bishop gebeten, in ihrem Urlaub eine Botschaft entgegen zu nehmen und an die CIA weiter zu leiten. Nur ein kleiner Kurierjob soll es sein, ganz harmlos – und so sagt Emily Pollifax zu, obwohl sie von ihren Erlebnissen in Hong Kong noch angeschlagen ist.

Doch wie es nun einmal ist, wenn Mrs. Pollifax für die CIA einen kleinen Auftrag übernehmen soll: Es läuft anders als erwartet. Am vereinbarten Treffpunkt findet die unternehmungslustige Rentnerin statt des Informanten Ruamsak eine Leiche und während sie sich noch herauszufinden versucht, was vor ihrem Eintreffen geschehen ist, wird Cyrus von zwei Unbekannten entführt. Gemeinsam mit dem Einheimischen Banchoo macht sich Emily Pollifax auf die Suche nach Cyrus. Eine Suche, die sie nicht nur in die Tiefen des thailändischen Dschungels führt, sondern auch zu den Akha und zu einem weisen Mann in einer verlassenen Klosteranlage. Oh, und während Emily und Cyrus in Thailand vermisst werden, muss sich ihr Auftraggeber Mrs. Carstairs damit herumschlagen, dass sein Vorgesetzter verschwunden ist – vermutlich um der Entlarvung krummer Geschäfte zu entgehen.

Dieser „Mrs. Pollifax“-Geschichte ist deutlich ernster und weniger heiter als die vorhergehenden Bänden, was eine schlüssige Folge der Erlebnisse ist, die Mrs. Pollifax in Hong Kong durchgemacht hat. Nach den Misshandlungen musste sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch heilen – und letzteres scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein. Auch hat Emily inzwischen viel zu viel zu verlieren, um dem Tod noch so unerschrocken ins Auge blicken zu können wie während ihres ersten Einsatzes für Mr. Carstairs und seinen Assistenten Bishop. So ist dieser Band vor allem beherrscht von Emilys unendlichen Wanderungen durch den Dschungel, von ihren mühsamen Versuchen die Hoffnung nicht aufzugeben und von ihren ungewöhnlichen Begegnungen inmitten dieser fremden und gefährlichen Welt.

Auch wenn diese Folge der Serie weniger leicht und amüsant ist als die vorhergehenden Teile, so gibt es doch immer wieder wunderbare zwischenmenschliche Momente, die das Ganze auflockern und dafür sorgen, dass man die verschiedenen Figuren schnell ins Herz schließt. Wobei auch Barbara Rosenblat wieder ihren Teil dafür tut, dass die Charaktere so schnell ein unverwechselbares Profil bekommen. Ich mag diese Hörbuchumsetzung der „Mrs. Pollifax“-Romane wirklich gern. 🙂

Luke Delaney: Mein bist du

Irgendwie habe ich gerade wohl kein gutes Händchen bei der Wahl meiner Kriminalromane. Während ich „Eisesgrab“ durchschnittlich, aber unterhaltsam fand, hatte ich bei „Mein bist du“ von Luke Delaney nach der Hälfte der Geschichte einen richtigen Hänger und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass es Zeitverschwendung gewesen sei. Der Roman beginnt mit dem Mord an einem jungen Mann, der sein Geld damit verdient, dass er seinen Körper (teuer) an wohlhabende Kunden verkauft. Obwohl die Tat (ebenso wie die folgenden) recht detailliert geschildert wird, fand ich diese Passagen nicht so schlimm, da sie in gewisser Weise recht sachlich aus der Sicht des Mörders beschrieben wurden.

Die Handlung wird vor allem aus der Sicht von zwei Personen erzählt, zum einen Detective Inspektor Sean Corrigan, zum anderen aus der Sicht des Mörders. Während der Täter vor allem als ein skrupelloser und überaus intelligenter Mann beschrieben wird, der tötet, weil er es kann (und weil er die Macht, die ihm dadurch über seine Opfer verliehen wird, genießt), gibt es doch immer wieder Passagen, bei denen diese Darstellung nicht überzeugend durchgehalten wurde und in denen es eher klingt, als wäre diese Person wahnsinnig, obwohl der Autor sonst stets betont, dass genau dies nicht der Fall ist.

Überhaupt hat mir die Darstellung der Charaktere nicht so recht gefallen. Da gibt es einen Verdächtigen, der ein skrupelloser Finanzmensch ist und der sich Frau und Kinder hält, um einem Image gerecht zu werden, den Polizisten, der (in diesem Fall aufgrund von Missbrauch während seiner Kindheit) in der Lage ist, sich perfekt in den Täter hinein zu versetzen, dazu noch die mal mehr, mal weniger skrupellosen Kollegen, die im Zweifelsfall auch einen Tatort manipulieren, um jemanden zu überführen, und die liebende Ehefrau, die zwischen Fürsorge und Zickigkeit schwankt. Das ist alles etwas zu viel, zu klischeehaft, um zu unterhalten. Dazu kommt noch, dass ich es schrecklich finde, wenn der Täter so früh vom Leser identifiziert werde kann (und das ist hier wirklich offensichtlich) und man dann nur noch die restliche Hälfte des Buches darauf wartet, dass die Polizei auch endlich darauf kommt. Dabei hätte das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Ermittlern und einem der Verdächtigen durchaus seinen Reiz haben können – aber leider hat Luke Delaney diesen Part nicht so gestaltet, dass es wirklich spannend wurde.

Apropo Luke Delaney: Laut Autoreninformation ist das das Pseudonym eines ehemaligen Polizisten – und ich finde es grundsätzlich eigentlich reizvoll, wenn Leute, die in einem Beruf gearbeitet haben, auch ihre fiktiven Geschichten in diesem Bereich spielen lassen. Was ich aber nicht so prickelnd fand, waren all die Bemerkungen, die darauf hinwiesen, dass die Realität eines Polizisten nichts mit dem gemein hat, was man so im Fernsehen sieht. Ganz ehrlich, solange ich im Fernsehen nicht eine gut gemachte (was ja inzwischen leider eine Ausnahme ist) Dokumentation sehe, erwarte ich nicht, dass das dort dargestellte realistisch ist – das ist nämlich der Punkt an Fiktion!

Ich weiß nicht, wie das Buch zu all den guten Rezensionen gekommen ist, mich hat es nicht überzeugt und ich werde auch gewiss keinen weiteren Roman des Autors lesen – obwohl ich zugeben muss, dass seine Schreibweise zumindest dafür sorgt, dass man beim Lesen schnell voran kommt. 😉

Jenny Milchman: Eisesgrab

Das ist eine der Rezensionen, die ich anfange, obwohl ich mir noch nicht sicher bin, was ich von dem Buch halte. „Eisesgrab“ von Jenny Milchman war kein Roman, an den ich hohe Erwartungen hatte. Ich habe den Titel vor allem als Abwechslung zu den diversen Fantasyromanen gesehen, die im November bei mir eingezogen sind. Am Sonntag habe ich das Buch dann recht zügig durchgelesen, weil es sich so flüssig lesen ließ, obwohl ich stellenweise erschreckend wenig auf den weiteren Verlauf der Handlung neugierig war.

Die Geschichte beginnt am 23. Januar, als Nora Hamilton kurz nach dem Aufwachen ihren Mann Brendan findet, der sich aufgehängt hat. Da es in ihrem gemeinsamen Leben – zumindest soweit Nora dies weiß – keinerlei Probleme gab, die solch eine Tat begründen könnten, versucht Nora mehr über den Arbeitsalltag ihres Mannes (der Polizist in der Kleinstadt Wedeskyull war) und seine Kindheit herauszufinden. So hat Brendan auf der einen Seite in den letzten Wochen sehr viele Überstunden gemacht, obwohl die kleine Stadt in den Adirondacks vollkommen zugeschneit ist und es zu keinen größeren Vorfällen kam. Auf der anderen Seite scheint es Details rund um den Tod von Brendans kleinem Bruder Red (der ums Leben kam, als Brendan gerade mal zehn Jahre alt war) zu geben, die Nora bislang noch nicht wusste.

Neben Noras Ermittlungen und Erlebnissen, die den Hauptteil des Romans ausmachen, gibt es immer wieder kurze Kapitel aus Sicht anderer Bewohner der Stadt, die eindeutig mehr über die Vorgänge in Wedeskyull wissen und ihre ganz eigenen Gründe haben zu schweigen. Diese Wechsel auf eine andere Perspektive mochte ich sehr, vor allem, weil mich Nora als Charakter anfangs nicht so ganz überzeugen konnte. Ich habe es als stimmig empfunden, dass sie nach dem Tod ihres Mannes zusammenbricht und dass sie unbedingt eine Erklärung für seinen Selbstmord finden will. Ich fand es auch okay, dass sie sich Vorwürfe macht, weil sie nicht mitbekommen hat, dass ihren Mann irgendwas belastet.

Mir wurde es aber zuviel als Nora (zusammen mit ihrer Schwester Teggie) zu dem Schluss kam, dass sie ihr Leben lang zu harmoniesüchtig gewesen sei und deshalb noch nie irgendetwas hinterfragt hätte, egal wie suspekt etwas ausgesehen hätte. So eine Aussage kann ich als Leser nur dann hinnehmen, wenn mir Anzeichen dafür gegeben werden, dass etwas dubios aussieht. Aber alle Erinnerungen und Aussagen über Brendan und seine Ehe mit Nora deuten darauf hin, dass die beiden eine harmonische Beziehung hatte und es nichts gab, was verdächtig wirkte. Es wäre für mich auch akzeptabel gewesen, wenn Nora zu dem Schluss gekommen wäre, dass bestimmte Aussagen oder Handlungen im Nachhinein etwas seltsam wirken. Aber grundsätzlich empfinde ich es erst einmal nicht als Charakter-Makel, wenn man demjenigen, den man liebt, einfach vertraut und ihn nicht aushorcht oder hinterherspioniert. Und auch wenn ich hier jetzt recht lang über dieses Element schreibe, so wird diese Selbsterkenntnis von Nora zwar bis zum Ende des Romans immer wieder erwähnt, nimmt aber zum Glück nicht ganz so viel Raum ein.

Im Laufe der Zeit findet Nora heraus, dass es nicht nur Sachen gibt, die sie über Reds Tod nicht wusste, sondern auch, dass die Polizei in Wedeskyull nicht immer ganz gesetzestreu handelt. Da der Leser diese Erkenntnis sehr viel früher hat als Nora und man so jedes Gespräch mit Brendans Arbeitskollegen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, weil man weitere Hinweise auf die Aktivitäten der Polizisten sucht, fand ich den Teil wirklich nicht schlecht geschrieben. Zumindest während des Lesens ist dieser Handlungsstrang spannend genug, um einen bei der Stange zu halten und immer noch ein weiteres Kapitel lesen zu lassen. Da fand ich es auch nicht so schlimm, dass ich die Auflösung(en) am Ende nicht ganz so überzeugend fand.

Hervorheben mochte ich zuletzt noch, dass mir die von der Autorin geschaffene Atmosphäre in dem Buch sehr gut gefiel. Wedeskyull ist von Schneemassen umhüllt und so gibt es eigentlich kaum eine Passage, in der Jenny Milchman dem Leser nicht deutlich macht, was so ein Winter in den Bergen bedeutet. Sei es, dass Nora sich dick einpacken oder das Autor von zentimeterdickem Eis befreien muss, bevor sie losfahren kann, oder dass sie sich im dichten Schneetreiben verfolgt fühlt, aber aufgrund der Sichtverhältnisse nicht herausfinden kann, ob wirklich jemand hinter ihr her ist. Dann wieder ist Nora so sehr in ihre Gedanken vertieft, dass sie die notwendige Vorsicht beim Fahren auf dem Schnee vergisst, oder muss vor einem Eindringling aus dem Haus flüchten, ohne sich eine Jacke mitnehmen zu können. Es gibt auf jeden Fall sehr viele Momente, in denen das Wetter eine Rolle spielt, ohne dass ich das als unstimmig empfunden hätte, im Gegenteil, das fand ich gut gemacht.

Letztendlich konnte mich „Eisesgrab“ zwar nicht vollständig überzeugen, hatte aber genügend interessante Aspekte und ließ sich so flüssig lesen, dass ich den Roman wohl als „nett“ in Erinnerung behalten werde. Wenn mir nach diesem Debütroman noch ein weiterer Titel von Jenny Milchman in die Finger fallen sollte, werde ich ihn wohl auch lesen (und sei es nur, um herauszufinden, ob sie in Zukunft die mir nicht so zusagenden Elemente ablegt).

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Hong Kong Buddha (Hörbuch)

In Mrs. Pollifax Leben gab es in den letzten Geschichten einige Entwicklungen, die zu Beginn von „Mrs. Pollifax and the Hong Kong Buddha“ dazu führen, dass sich Emily Pollifax mit Handwerkern herumschlagen darf, die ihr neues Haus umbauen sollen. Da passt es eigentlich überhaupt nicht, dass Mr. Carstairs Assistent Bishop plötzlich auftaucht und sie bittet für die CIA nach Hong Kong zu reisen. Aber Mrs. Pollifax hat ja schon früher ihre Spontanität bewiesen und so befindet sie sich kurz darauf in Hong Kong, um ein Treffen mit dem jungen Chinesen Shang Ti zu arrangieren.

Den jungen Mann hatte Emily kennengelernt, als sie vor wenigen Monaten mit einer Reisegruppe in China unterwegs war. Auch aufgrund ihrer Hilfe hat Shang Ti es inzwischen nach Hong Kong geschafft und dort eine Anstellung bei einem Diamentenhändler gefunden. Genau genommen bei einem Diamantenhändler und Informanten der CIA in Hong Kong. Doch seit einiger Zeit kommen nur noch sehr seltsame Berichte bei Mr. Carstairs an und so soll Mrs. Pollifax – mit Shang Tis Hilfe herausfinden, was in Hong Kong los ist. Doch nicht nur Shang Ti trifft die rüstige Spionin in Hong Kong wieder, es kommt auch zu einem Wiedersehen mit dem ehemaligen Juwelendieb Robin, der ebenfalls beruflich in der Region unterwegs ist.

Ich muss zugeben, dass diese Geschichte relativ wenige Spuren in meiner Erinnerung hinterlassen hatte (wobei ich mich inzwischen frage, ob ich den Titel wirklich habe oder ob ich ihn früher nur aus der Bibliothek geliehen hatte) und so fühlte sich das Hören des Hörbuches beinah so an, als ob ich Mrs. Pollifax Abenteuer in Hong Kong zum erste Mal miterleben würde. Die Handlung verläuft lange Zeit sehr ruhig, während Mrs. Pollifax darauf wartet, dass sie Kontakt zu Shang Ti aufnehmen kann. Währenddessen lernt sie einen Mann kennen, der in Hong Kong mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten einen verschwundenen Polizisten finden solle und frischt ihre Bekanntschaft mit Robin wiederauf.

Das Ganze fühlt sich ein bisschen schwammig an, weil weder Emily noch der Hörer lange Zeit überhaupt eine Ahnung haben, was überhaupt vor Ort los ist und worum sich die gesamte Angelegenheit dreht – als allerdings dann klar wird, welche Gefahr für die Stadt hinter den seltsamen Vorgängen steckt, wird es auch sehr dramatisch für Mrs. Pollifax. So ist die Geschichte nicht ganz so amüsant wie die anderen Folgen, die ich in den letzten Monaten gehört habe, und man braucht hier ein bisschen Geduld mit der Handlung. Trotzdem habe ich es genossen Mrs. Pollifax immer größer werdende Professionalität als Spionin zu verfolgen und mehr über Robin und Shang Ti herauszufinden.

Zu Barbara Rosenblat muss ich vermutlich nicht mehr viel sagen, obwohl ich doch anmerken möchte, dass ihre „Chinesen“, „Araber“ und „Osteuropäer“ immer mal wieder über ähnliche „Akzente“ verfügen, was mir bei den Asiaten dann doch nicht ganz so stimmig vorkommt. 😉

Lisa und Laura Roecker: The Liar Society – The Lies That Bind

Im September hatte ich „The Liar Society“ gelesen und mochte den Roman von Lisa und Laura Roecker so gern, dass ich mir nun die Fortsetzung „The Lies That Bind“ zum Geburtstag gewünscht habe. „The Liar Society“ endete für mich befriedigend, obwohl es einige Aspekte gab, die nicht „gut“ ausgingen, hatte ich nach dem Lesen das Gefühl, dass Kate mit diesem Ergebnis ihrer Nachforschungen leben konnte. In „The Lies That Bind“ wird deutlich, dass sie wirklich versucht hat wieder ein „normales“ Leben zu führen. Sie hat in den vergangenen Monaten herausgefunden wie genau ihrer Freundin Grace gestorben ist und wer für ihren Tod die Verantwortung trägt. Auch weiß sie inzwischen, wo all die mysteriösen Botschaften herkamen, die die verstorbene Grace ihr gesendet hat.

Doch obwohl sie nun relativ zufrieden ist und versucht die Vergangenheit abzuschließen, kann Kate nicht vollständig loslassen. Sie hat immer noch das Bedürfnis diejenigen, die für Grace Tod nicht zur Rechenschaft gezogen würden, im Auge zu behalten – und so beginnt das Buch damit, dass sie aufgrund von Informationen handelt, die sie bekommen hat, weil sie jeden Morgen auf der Jungentoilette der PB Privatschule ein Aufnahmegerät installiert. Ich muss zugeben, dass das einer ihrer „professionelleren“ Momente ist, denn die folgenden Tage werden für Kate so belastend, dass sie wieder relativ planlos in gefährliche Situationen stolpert.

Denn bei einer Art Gedenkveranstaltung verschwindet eine Schülerin (Bethany) und niemand außer Kate und Bethanys bester Freundin Taylor scheint sich Sorgen um ihren Verbleib zu machen. Und da Kate nur zu gut nachvollziehen kann, wie es Taylor nun geht, setzt sie alles daran, um Bethany – die sie eigentlich gar nicht leiden kann – zu retten und herauszufinden, wer hinter dem Verschwinden des Mädchens steckt. Wie schon im ersten Band geht Kate recht kompromisslos zu Werke. Ihr ist bewusst, dass sich ihr Umfeld Sorgen um sie macht, aber sie kann einfach nicht ruhig bleiben und nichts tun, während andere Menschen in Gefahr sein könnten. Das sorgt für ein Zerwürfnis im Laufe der Geschichte, das ich sehr bedauerlich fand, aber auch für einige amüsante Situationen mit Kates einzigem treuem Verbündeten, ihrem Nachbarn Seth.

Letztendlich sind sich die beiden Romane relativ ähnlich, auch wenn Kate nach den Enthüllungen im ersten Band über so viel mehr Wissen verfügt als vorher. Aber das ändert nichts daran, dass sie wieder einmal nicht weiß, wem sie trauen kann und welche Motive die verschiedenen Beteiligten verfolgen. Dazu kommt die Gewissheit, dass die Machenschaften, die in der Privatschule ihren Anfang nahmen, sich über den ganzen Ort ausgeweitet haben, so dass sie sich nicht einmal an die Behörden um Hilfe wenden kann. Das alles führt wieder zu einer sehr atmosphärischen Geschichte, bei der es schwer fällt jemanden als „Freund“ oder „Feind“ einzuordnen. Ich mag das sehr! 🙂

Allerdings bin ich mir nicht sicher, was ich von dem Ende des Romans halten soll. Wieder habe ich das Gefühl, dass das Ganze nicht „gut“ ausgegangen ist. Und obwohl es stimmig ist, wie sich Kate durch die Ereignisse verändert – so wird sie zum Beispiel skrupelloser und sie lernt immer leichter zu lügen, um in Ruhe ihre Nachforschungen anstellen zu können -, gefällt es mir nicht, wie weit sie im Laufe der Zeit geht. Am Schluss habe ich das Gefühl, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie die weitere Schulzeit auf der PB Privatschule für Kate enden könnte und beide gefallen mir nicht so recht. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass die Autorinnen die Handlung nicht zu einem simplen Happy End geführt haben, denn das wäre unglaubwürdig gewesen. So oder so, das Lesen hat wieder sehr viel Spaß gemacht und ich werde die beiden Bände ganz bestimmt nicht zum letzten Mal in der Hand gehalten haben. 😉

Leseeindrücke im November

„Fischland-Mord“ von Corinna Kastner war mal wieder eine dieser Spontan-Ausleihen in der Bibliothek. Ein Teil von mir scheint immer noch nach neuen und unterhaltsamen Krimiautoren Ausschau zu halten, denn an ungewöhnlichen Kriminalromanen kann ich zur Zeit nicht vorbeigehen. „Fischland-Mord“ spielt rund um Wustrow an der Ostsee und gehört zu der Sorte Regionalkrimis, die ich mag. Die Hauptfigur Kassandra Voß hat vor einem Jahr ein altes Kapitänshaus in Wustrow gekauft und eine kleine Pension daraus gemacht. Nun findet sie eines Morgens einen ihrer Gäste ertrunken in seinem Bett liegend, dass der Tote ermordet wurde, steht selbst für Kassandra schnell fest und als die Polizei dann auch noch sie zu den Verdächtigen zählt, beginnt sie gemeinsam mit ihrem Nachbarn Jonas und seinem Freund Paul zu ermitteln.

Ich habe mich mit dem Buch wirklich gut unterhalten gefühlt. Der Fall an sich war zwar etwas überkonstruiert, aber nicht so absurd, dass ich nicht hätte weiterlesen mögen. Die Figuren fand ich großteils sympathisch (wenn auch ein paar Nebenfiguren etwas überzogen waren) und die Rolle, die das Fischland in diesem Roman spielt, hat mir auch gefallen. Corinna Kastner lässt Kassandra immer wieder am Meer spazieren gehen oder darüber nachdenken, wie wohl sie sich auf diesem Stückchen Land zwischen Ostsee und Bodden fühlt, ohne dass ich das Gefühl hatte, das wäre jetzt künstlich aufgepropft worden, um für „Lokalkolorit“ zu sorgen. Ich bin jetzt nicht so hingerissen, dass ich mir sofort die Fortsetzung kaufen würde, aber ich würde mich freuen, wenn sie mir in der Bibliothek in die Finger fallen würde. Mit „Fischland-Mord“ habe ich einen angenehmen und entspannten Nachmittag verbracht – und manchmal ist genau das alles, was ich von einem Buch erhoffe.

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„Niemand ist ohne Schuld“ und „Zurück von den Toten“ (Band 3 und 4 der Dark-Village-Reihe) von Kjetil Johnsen haben mich ebenfalls gut unterhalten. Die Handlung ist zwar stellenweise vorhersehbar und entwickelt sich in immer absurdere und unglaubwürdigere Richtungen, aber bei dieser Serie kann ich damit gut leben. Die kurzen Kapitel, die kleinen Informationshäppchen und die verschiedenen Figuren halten mich so weit bei der Stange, dass ich mich beim Lesen wunderbar amüsiere. Inzwischen haben wir vier Tote, eine kriminelle Organisation, eine „Undercover Bösewichtin“, mehrere Mörder und natürlich einige verwirrte Teenager, die nicht so recht wissen, wie sie mit all den Vorfällen umgehen sollen. In der Regel schnappe ich mir den frisch ausgeliehenen Band am selben Tag, an dem ich ihn in der Bibliothek mitnehmen konnte, und gönne mir damit ein paar intensive Lesestunden. „Dark Village“ ist zwar keine Reihe, die ich mir kaufen würde, aber ich genieße die Bücher gerade wirklich und freu mich schon auf all die (vermutlich ziemlich überzogenen) Wendungen, die mich im Abschlussband erwarten. 
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„Smoke and Mirrors“ von Tanya Huff ist der zweite Teil der Serie rund um Tony Foster und hat mich ebenso amüsiert wie schon „Smoke and Shadows“. Nachdem sich Tony im ersten Band mit Schattenwesen herumschlagen musste, die durch ein Dimensionstor das Filmgelände, auf dem er arbeitet, erobern wollten, darf er sich nun mit einem Haus voller Geister beschäftigen. Dass er dabei auch noch auf das Filmteam aufpassen muss, das in dem Haus gerade eine weitere Folge einer bekannten Vampir-Serie drehen will, macht die Aufgabe nicht leichter für ihn. Ich mag es immer wieder, wie Tanya Huff klischeebelastete Elemente in ihren Romanen aufgreift und so verwendet, dass ich mich beim Lesern wunderbar amüsieren kann. Ich mag den Humor der Autorin, ich mag ihre Art ein Geisterhaus zu beschreiben und ich mag die Art und Weise wie ihre Figuren miteinander agieren. So langsam landet Tanya Huff wirklich auf der Liste der Autoren, von denen ich mir jeden verfügbaren Titel besorge. 🙂

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„Mädchenhimmel!“ von Lili Grün war eine Leihgabe von Hermia, die auch eine sehr passende und informative Rezension zu dem Titel geschrieben hat. Ich fand die Gedichte und kurzen Geschichten von Lili Grün wunderbar zu lesen und in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell und treffend. Eigentlich könnte ich hier Hermias Rezension hinkopieren, denn sie hat meine Meinung zu dem Buch sehr schön zusammengefasst. 🙂 Gäbe es nicht einen kleinen Punkt, dann würde ich mir diesen Titel sofort auf die Wunschliste setzen. Aber ich muss zugeben, dass ich das Preis-/Leistungsverhältnis nicht so ganz angemessen finde, auch wenn ich verstehen kann, dass ein kleiner Verlag so einen Band nun einmal nicht zum Spottpreis auf den Markt werfen kann. Auch fand ich den Teil mit den Anmerkungen zum Großteil überflüssig, aber das kann an mir liegen, da ich durch mein Quer-durch-alle-Genres-Lesen kein Problem mit etwas altmodischen (oder österreichischen) Begriffen habe. Alles in allem bin ich Hermia sehr dankbar, weil sie mir das Buch geliehen und so sehr schöne Momente mit den Gedichten und Geschichten von Lili Grün bereitet hat.

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„Teatime mit Tante Alwine“ von Ellen Jacobi wird vermutlich meine Mutter zu Weihnachten bekommen und war genau das richtige Buch, als ich vor kurzem wegen Bauchschmerzen eine schlaflose Nacht verbracht habe. Locker, flockig erzählt, nicht besonders anspruchsvoll, aber eine nette Geschichte mit dem einen oder anderen amüsanten (wenn auch arg übertriebenen) Moment. Ich mochte die kleinen „Backszenen“ – mit manchen Themen kann man mich eben immer locken – und die energischen und dickköpfigen Damen, die in der Handlung vorkommen. Es hat mich jetzt nicht so begeistert, dass ich noch mehr von der Autorin lesen müsste, aber die Geschichte bot entspannende Ablenkung und ließ sich auch übermüdet gut lesen.