Schlagwort: Liebe und Romantik

Ava Stone: A Scandalous Past (Scandalous 4)

Vor ein paar Wochen habe ich noch steif und fest behauptet, dass ich gerade keine Lust auf historische Liebesromane habe – und nun lese ich einen nach dem anderen und finde die Geschichten wunderbar erholsam. Nachdem ich die fünf Julia-Quinn-Romane, die noch auf meinem SuB lagen, in den letzten Tagen gelesen habe, habe ich beim Stöbern durch meine eBooks am vergangenen Wochenende eine Sammlung von neun (ungekürzten) Historicals entdeckt und den ersten Roman davon direkt am Sonntag gelesen.

„A Scandalous Past“ von Ava Stone ist der vierte Band einer ganzen Reihe mit „Scandalous“-Titeln, aber ich hatte keine Probleme in die Geschichte reinzukommen. Protagonistin dieser Geschichte ist Cordelia (Cordie) Avery, deren beste Freundin Olivia vor kurzem einen Wüstling geheiratet hat, nachdem die beiden in einer verfänglichen Situation ertappt wurden. Da Olivia eindeutig sehr glücklich mit der Wahl ihres Ehemanns ist, auch wenn die Gesellschaft sie seit ihrer Heirat nicht gerade höflich behandelt, überlegt Cordie, ob ein (gezähmter) Wüstling nicht auch für sie der geeignete Ehemann sein könnte. Die junge Frau hat in den vergangenen drei Jahren mehrere Heiratsanträge bekommen, aber da diese von Mitgiftjägern, von deutlich älteren Herren oder sehr dominanten Männern kamen, hat Cordelia bislang jeden Antrag abgelehnt. Dabei möchte sie nichts mehr als endlich heiraten und so ihrer despotischen (und sie regelmäßig schlagenden) Mutter entkommen. Doch ihr ist bewusst. dass sie gut wählen muss, um das eine „Gefängnis“ nicht gegen das andere zu tauschen.

Cordelias Gegenstück ist Brendan Reese, der Earl of Clayworth. Brendan ist seit sieben Jahren verwitwet und denkt nicht daran sich wieder zu verheiraten. Seine Ehe war nicht sehr glücklich und seitdem seine Frau Miranda gestorben ist, konzentriert er sich darauf, sich um seine kleine Schwester und den illegalen Sohn seiner älteren Schwester zu kümmern. Außerdem hat ihm seine Frau Miranda vor ihrem Tod anvertraut, dass sie in den Sachen seiner verstorbenen Mutter verfängliche Briefe gefunden hat, die die gesamte Familie ruinieren können – und so jagt er seit Jahren diesen Briefen hinterher, ohne einen Hinweis zu haben, wo sie sein könnten.

Bei einem Ball lernen sich die Cordie und Brendan kennen – und als Brendan erfährt, dass Cordelias ältere Schwester die beste Freundin von Miranda war, bemüht er sich um die junge Frau, um so Zutritt zu ihrem Haus zu bekommen, in dem eventuell die verfänglichen Briefe sein könnten. Gleichzeitig trifft Cordie bei diesem Ball auf den stadtbekannten Wüstling Lord Haversham, der sehr an ihr interessiert zu sein scheint, und somit von ihr als potenzieller Ehekandidat in Betracht gezogen wird.

Ich muss gestehen, dass ich die Grundidee sehr nett fand. Cordie konzentriert sich die ganze Zeit darauf Lord Haversham näher kennenzulernen und Brendan möchte nur irgendwie die Briefe seiner Mutter wieder in seinen Besitz bringen. So benutzten sich die beiden gegenseitig und lernen sich dadurch natürlich so gut kennen, dass sie sich verlieben. Cordelias Besessenheit einen Wüstling zu heiraten, weil sie denkt, dass nur so ein Mann ihr die von ihr gesuchte Freiheit gewähren kann, ist zwar etwas extrem, aber ich glaube, wenn ich mit der Mutter unter einem Dach leben würde, wären meine Gedankengänge auch nicht besonders logisch.

Mir ist beim Lesen der Geschichte mal wieder aufgefallen, dass ich die Nebenfiguren besonders reizvoll fand. Lady Staveley, die sich sehr engagiert in die Angelegenheiten ihrer Freunde einmischt, während ihr Mann eine (für Außenstehende) erstaunlich gelassene und distanzierte Haltung zu ihren Aktionen einnimmt, und natürlich Lady Astwick die obligatorische gefürchtete ältere Dame, die in der Gesellschaft den Ton angibt, und Lord Haversham, dessen Bekehrung mir etwas zu schnell ging, auch wenn zum Glück bis zum Ende etwas von seiner skrupellosen Seite durchschimmert. Doch, das war nett und genau passend für einen erholsamen Sonntag.

Kelly Meade: White Knight (Cornerstone Run Trilogy 3)

Mit „White Knight“ findet die Cornerstone-Run-Trilogy von Kelly Meade (Kelly Meding) ihr Ende und auch dieses Buch habe ich wieder besseren Wissens direkt am Erscheinungstag angefangen – und erst aufgehört zu lesen als ich morgens um drei dann die letzte Seite beendet hatte. Stört ja nicht, wenn man sich am nächsten Tag vollkommen übermüdet an die Arbeit macht, wenn man dafür eine intensive Lesenacht genießen konnte. 😉

Dieser Roman dreht sich um Knight, den dritten der McQueen-Brüder. Knight ist ein weißer Wolf, was bedeutet, dass er emphatische Fähigkeiten hat. Weiße Wölfe sind bei den Gestaltwandlern ganz besonders selten und besonders geschätzt, da ihre Fähigkeiten es ihnen erlaubt die Stimmung im Rudel zu beeinflussen. Und bei einem Volk, das nicht nur dazu neigt sehr emotional zu reagieren, sondern bei dem auch immer wieder die Gefahr besteht, dass die einzelnen Mitglieder von den Bedürfnissen ihrer tierischen Seite überwältigt werden, kann dies überlebenswichtig für den Rudelzusammenhalt sein.

Für Knight war die Tatsache, dass er ein weißer Wolf ist, von klein auf eine Last. So wurde seine Mutter (die ebenfalls ein weißer Wolf war) getötet, als ein fremdes Rudel versuchte ihn zu stehlen, und auch der Konflikt mit den Hybriden scheint sich nur deshalb auf das Cornerstone-Rudel zu konzentrieren, weil die gefährlichen Wesen ihn in ihre Gewalt bekommen wollen. Das hat in den ersten zwei Bänden zu so einigen schrecklichen Ereignissen geführt, die Knight an die Grenzen seines Verstandes gebracht haben. Dabei hat er neben seinen eigenen psychischen Problemen noch mit dem Stress, der Trauer und den Verlusten des gesamten Rudels zu kämpfen, denn die Gefühle der anderen kann er nie vollständig abblocken.

Der weibliche Part in dieser Geschichte ist Shay Butler. Shay ist eine schwarze Wölfin und die einzige Überlebende des ersten Überfalls der Hybriden auf eine Loup-Garou-Ansiedlung. Das Erlebte hat die junge Frau fast in den Wahnsinn getrieben – und kaum fängt sie an alles einigermaßen zu verarbeiten, da wird sie von den Hybriden entführt. Mehr kann ich zum Inhalt leider nicht schreiben, wenn ich nicht die ersten beiden Bände spoilern will. Ich mochte beide Charaktere sehr gern, habe aber dieses Buch (zumindest anfangs) nicht so intensiv „miterlebt“ wie Rooks und Bishops Geschichten. Das lag zum einen daran, dass Knight schon in den anderen Büchern eine wichtige Rolle spielte und ich seine Situation schon früher beweint habe, und zum anderen daran, dass die Autorin zu Beginn dieses Romans noch einmal die Grundsituation aufrollt und den Leser auf den aktuellen Stand bringt. Dabei ist dieser Teil beim besten Willen nicht langweilig, man erfährt genügend neue Aspekte, um stets auf die nächste Szene neugierig zu bleiben, aber auf der Gefühlsebene packen einen solche Passagen dann weniger.

Dafür haben es dann die letzten Kapitel wieder in sich, so dass ich auch bei diesem Band der Cornerstone-Run-Serie nicht ganz auf meine emotionale Achterbahn verzichten muss. 😉 Der Kampf gegen die Hybriden findet seinen Höhepunkt (und Ende), wobei es vorher noch unerwartete Verbündete zu gewinnen gilt und Verräter entlarvt werden, die man so nicht mehr in Erinnerung hatte. Und wie schon in den anderen Büchern der Autorin, habe ich auch dieses Mal die Entwicklung der einzelnen Charaktere ganz besonders genossen. Shay ist eine selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will – und die, nachdem sie die traumatischen Erlebnisse in ihrem Heimatort so langsam verarbeitet, alles tut, um ihre Fähigkeiten in den Dienst ihres neuen Rudels zu stellen.

Die Liebesgeschichte dreht sich in diesem Band weniger darum, dass die beiden Protagonisten nicht zusammen sein können, weil dies dem Wohl des Rudels nicht förderlich wäre. Sondern darum, dass beide Personen physische und psychische Probleme haben, die sie erst einmal so weit verarbeiten (oder sich überhaupt erst einmal eingestehen) müssen, dass sie überhaupt über eine Beziehung nachdenken können. Alles andere wäre – nachdem man die Annäherung der beiden schon in den ersten beiden Bänden mitverfolgen konnte – auch nicht der richtige Ansatz für die Handlung gewesen.

Auch wenn die „Cornerstone Run Trilogy“ streng genommen „nur“ eine nette romantische Urban-Fantasy-Reihe ist (ja, ich wiederhole mich 😉 ), habe ich das Lesen dieser drei Romane wirklich genossen. Ich mochte die verschiedenen Protagonisten, ich mochte den Weltenbau und die Schwierigkeiten, mit denen die Gestaltwandler Tag für Tag zu kämpfen haben, und ich mochte es, dass mich diese Geschichten emotional total ausgelaugt haben. Wenn die Autorin noch einmal einen Ausflug ins „Romantische“ macht, bin ich bestimmt wieder dabei, denn das kann sie genauso gut wie die actiongeladenen Urban-Fantasy-Geschichten.

Kelly Meade: Gray Bishop (Cornerstone Run Trilogy 2)

Manche Romane finde ich sehr schwer zu rezensieren, weil Verstand und Gefühl da eher getrennte Wege gehen. Mein Verstand sagt mir, dass die „Cornerstone Run Trilogy“ von Kelly Meade (Kelly Meding) ja „nur“ eine unterhaltsame romantische Urban-Fantasy-Geschichte ist, mein Gefühl hingegen ist einfach nur hingerissen, weil ich nach dem Lesen des zweiten Teils, „Gray Bishop“, genauso emotional ausgelaugt war, wie schon nach dem Lesen von „Black Rook“.

Während im ersten Teil der Serie die Urban-Fantasy-Welt inklusive Magi, Loups Garouxs und Vampire ausführlich vorgestellt wurde, konzentriert sich die Autorin in „Gray Bishop“ mehr auf den Ort Cornerstone und darauf wie die unterschiedlichen Werwolf-Gemeinschaften mit der Bedrohung durch die Hybriden umgehen. Dabei stehen dieses Mal Bishop McQueen (grauer Wolf, sowie ältester Sohn und potenzieller Nachfolger des Cornerstone-Alphas) und Jillian Raynolds (schwarze Wölfin und Tochter des Springwell-Alphas) im Mittelpunkt der Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich es ein bisschen vermisste habe, die Perspektive von Rook und Brynn zu teilen, vor allem, da man als Leser ziemlich viele Szenen aus Knights Sicht (der dritte der drei McQueen-Brüder) mitbekommt, aber da ich Bishop und Jillian auch sehr sympathisch fand, ist das nun ein winziger Wermutstropfen.

Nach den Ereignissen im ersten Band muss sich die Bevölkerung von Cornerstone erst einmal wieder sammeln. Das Rudel hat einige größere Verluste einstecken müssen und die Flüchtlinge, die dank der Angriffe der unheimlichen Hybriden nicht zurück in ihre Heimatorte können, müssen einen Platz in der Gemeinschaft finden. Dabei ist den Loups Garouxs durchaus bewusst, dass sie sich um die unberechenbaren Schwestern kümmern müssen, weshalb die Alphas beschließen, dass Bishop und Jillian eine Falle für die Hybriden errichten sollen. Bishop und Jillian hingegen haben neben ihrer Sorge um das Wohlergehen ihres Rudels genügend private Probleme.

Bishop muss sich zwar inzwischen keine Gedanken mehr darüber machen, dass ihm sein kleiner Bruder Rook den Platz als Nachfolger ihres Vaters streitig machen könnte, aber trotzdem hat er das Bedürfnis zu beweisen, dass er die Position des Cornerstone-Alphas nach dem Rücktritt von Thomas McQueen ausfüllen kann, obwohl er „nur“ ein grauer Wolf ist. Außerdem macht er sich große Sorgen um seinen Bruder Knight, der sich seit seiner Gefangennahme durch die Hybriden stark verändert hat, und kämpft mit seinen Gefühlen für Jillian Raynolds.

Jillian hingegen trauert immer noch um ihren vor zwei Jahren umgekommenen Mann und den zeitgleich erlittenen Verlust ihres ungeborenen Kindes. Ihr ist bewusst, dass sie für diese Trauer nicht mehr viel Zeit hat, denn gerade in einer solch gefährlichen Situation ist es notwendig einen Mann zu finden, der als Nachfolger ihres Vaters die Führung des Springwell-Rudels übernehmen kann. Obwohl sich Bishop und Jillian zueinander hingezogen fühlen (das ist wieder diese „mein Wolf erkennt den anderen als den Partner fürs Leben“-Sache *g*), kann sich keiner von ihnen vorstellen die Verpflichtungen gegenüber dem jeweiligen Rudel zugunsten dieser Zuneigung zu vernachlässigen.

So wie schon Rook ist auch Bishop ein wunderbarer Held, er ist stark, pflichtbewusst, aber auch fürsorglich und ein Familienmensch … äh … Familien-Loup-Garoux. 😉 Aber noch mehr als die Männer haben es mir Kelly Meads weibliche Hauptfiguren (nicht nur in dieser Serie) angetan. Jillian ist zwar „nur“ eine Frau und kommt somit nicht als Nachfolgerin ihres Vaters in Frage – dafür steht fest, dass sie den zukünftigen Alpha des Springwell-Rudels heiraten muss -, aber sie ist stark, selbstbewusst und führt ganz selbstverständlich den Teil der Springwell-Loups-Garouxs an, die das Cornerstone-Rudel unterstützen. Eben weil die beiden Protagonisten ihre Prioritäten so setzen, dass das Wohl des Rudels höher gewertet wird als ihre persönlichen Gefühle, machen sie kein großes Drama daraus, dass sie nicht zusammenkommen können. Sie gehen zum Großteil recht rational und „erwachsen“ mit ihren Emotionen um und das hat mir sehr gut gefallen.

Da ich Spoiler vermeiden möchte, kann ich leider nicht auf weitere Details eingehen, aber ich kann verraten, dass ich beim Lesen sehr viel geschmunzelt habe, weil es trotz der bedrohlichen Situation, in der die Wölfe schweben, zu einigen amüsanten Momenten kam. Außerdem habe ich so getrauert und gelitten (und geheult 😉 ), als es zu einem erneuten Kampf gegen die Hybriden kam und dabei Figuren starben, die mir sehr ans Herz gewachsen waren. Und dann gab es da noch einen potenziellen Gegenspieler von Bishop, der mir – trotz eines recht kleinen Auftritts – sehr an die Nieren ging, weil der vermeintliche Feind doch eigentlich ein wirklich sympathischer Kerl war. Alles in allem habe ich „Gray Bishop“ wirklich genossen, ich fand es toll, dass dieser Roman nicht nur ein typischer „mittlerer Teil“ war und ich freu mich jetzt schon auf den Abschluss der Reihe, der Anfang 2015 veröffentlicht wird.

Kelly Meade: Black Rook (Cornerstone Run Trilogy 1)

Ich mag von Kelly Meding die Dreg-City-Bücher rund um Evy Stone sehr gern, weil die Protagonistin eine coole, starke Frau mit jeder Menge Rückgrad ist, die keine Hemmungen hat, in andere Leute Hintern zu treten, wenn es notwendig ist. Dazu kommen eine actionreiche Handlung, eine gut ausgedachte UF-Welt und die Tatsache, dass die Romane keine nennenswerte Liebesgeschichte enthalten. Also genau die Art Geschichte, die ich wirklich gern lese. Als die Autorin dann von ihrer neuen Trilogie (romantische Urban Fantasy, veröffentlicht unter dem Pseudonym Kelly Meade) berichtete, war ich überraschenderweise neugierig, obwohl ich ja eigentlich momentan so gar keine Lust mehr auf Liebesgeschichten, Werwölfe und ähnliche Elemente habe.

Letzte Woche Dienstag kam dann „Black Rook“, der erste Band der Cornerstone-Run-Trilogy, als eBook raus und ich dachte gegen Mittag, dass ich das Buch doch eben runterladen könnte, damit ich es am Mittwoch im Wartezimmer des Arztes lesen könnte. Dann dachte ich, ich könnte mal eben das erste Kapitel anlesen, während ich frühstücke … nach Mitternacht habe ich die letzte Seite umgeblättert, nachdem ich den Roman in einem Rutsch durchgelesen habe. Dabei kann ich nicht mal sagen, dass die Geschichte so etwas besonderes gewesen wäre, ich mochte nur nicht aufhören zu lesen. 😀

Ich glaube, es sind die vielen Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass sich dieser Roman in meinen Augen von vielen ähnlichen so angenehm unterscheidet. Die Handlung dreht sich um Brynn, die zu den Magi (Zauberern) gehört und die eine Vision hatte, in der ein Loup Garou mit blutigen Händen über der Leiche ihres Vaters steht. Fest davon überzeugt, dass dieser Unbekannte ihren Vater ermorden wird, recherchiert Brynn online bis sie die Identität des Mannes herausgefunden hat und macht sich dann auf den Weg, um herauszufinden wie sie den Mord verhindern kann. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft in Cornerstone, einem Zufluchtsort der Loup Garou, muss Brynn feststellen, dass der potenzielle Mörder, Rook McQueen, nicht nur überraschend sympathisch (und natürlich attraktiv) ist, sondern anscheinend auch keinerlei Grund hätte, ihren Vater zu töten.

Dadurch, dass die Autorin ihre Welt so aufgebaut hat, dass die verschiedenen magischen Parteien (Magi, Loups Garous und Vampire) normalerweise keinen Kontakt zueinander haben, müssen sich Brynn und Rook im Laufe der Zeit gegenseitig viel erklären, was dem Leser die Möglichkeit gibt nach und nach die unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten kennenzulernen. Brynn ist als Magus eine Enttäuschung für ihren Vater und wird von diesem nicht gerade respektvoll behandelt, aber statt sich deswegen benachteiligt zu fühlen geht die junge Frau recht stoisch damit um. Für sie steht fest, dass sie in einer Welt, in der Abstammung und magische Fähigkeiten das Wichtigste sind, eben nur „zweite Wahl“ ist, aber das hindert sie nicht daran selbstbewusst zu sein, aktiv zu werden und sich auf ihre Weise als „nützlich“ zu erweisen. Ich mochte Brynn sehr, eben weil sie zwar eine eher schüchterne und nicht gerade lebenserfahrene Person ist, aber Rückgrad und Mut hat und in gewisser Weise ein unabhängiger Geist ist.

Das macht sich auch in der Liebesgeschichte bemerkbar. Denn obwohl Brynn und Rook sich auf den ersten Blick (für beide überraschend) voneinander angezogen fühlen, so bedeutet dies nicht, dass sie nun automatisch ein Paar werden müssen. Genau genommen gehen beide davon aus, dass sie aufgrund ihrer so unterschiedlichen Herkunft keine Zukunft haben – und selbst wenn die Herkunft keine Rolle spielen würde, so gibt es noch so viele andere Faktoren zu beachten, dass es am Ende für beide eine bewusste und wohlüberlegte Entscheidung ist, ob sie eine Beziehung eingehen oder nicht. Mir hat es sehr gefallen, dass Kelly Meade nicht auf die „mein innerer Wolf will sie, alles andere ist irrelevant“-Schiene aufgesprungen ist. 😀

Und dann noch die Loups Garous! In dieser Trilogie gibt es kleine Orte, die vollkommen in der Hand eines Rudels sind und in denen keine oder nur sehr wenige eingeweihte Menschen leben. Diese Orte sind in der Regel geprägt von der Persönlichkeit ihres Alphas, in Cornerstone ist das Thomas McQueen, der Vater von Rook, Knight und Bishop. Normalerweise fallen mir die Eltern der Hauptfiguren nicht so ins Auge, aber bei Thomas McQueen ist das anders, denn bei ihm zeigt sich am Besten inwieweit sich Kelly Meades Werwölfe von den anderer Autoren unterscheiden. Thomas McQueen ist eindeutig derjenige, der die Regeln in der Stadt aufstellt und dafür sorgt, dass sie eingehalten werden. Auf der anderen Seite ist er einfach ein netter Kerl, der gut überlegt, bevor er Entscheidungen fällt, und der jedem erst einmal eine Chance gibt, bevor er über ihn urteilt. Bei ihm zeigt sich keine Aggressivität oder gar Imponiergehabe, er ist ein ruhiger Mann und liebevoller Vater und ihm ist wichtig, dass sich die Personen in seiner Umgebung frei entscheiden können (auch wenn es natürlich wichtige Regeln beim Zusammenleben von Werwölfen gibt, die trotzdem beachtet werden müssen).

Bei so einem Vater ist es kein Wunder, dass auch Rook ein eher ruhige Mann ist. Sein Traum war es Musiker zu werden und die Musik spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle für ihn. Doch nun ist er zurück in Cornerstone und muss sich mit der Frage auseinandersetzen, was er in Zukunft aus seinem Leben macht. Hier kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen, den die Autorin sich für ihre Werwolf-Variante überlegt hat: Die Wölfe haben je nach Fellfarbe, unterschiedliche Fähigkeiten und Aufgaben in ihrem Rudel. Und da Rook ein schwarzer Wolf ist, könnte er der Nachfolger seines Vaters als Rudelführer werden, obwohl er nicht der älteste Sohn des Alpha ist und sein Bruder Bishop von klein auf für die Aufgabe ausgebildet wurde. Denn obwohl Bishop hervorragend für die Rolle des Rudelführers geeignet wäre, ist er „nur“ ein grauer Wolf. Diese in der Luft hängende Entscheidung bietet der Autorin einige Möglichkeiten, um Rooks Persönlichkeit zu beleuchten und mir gefiel sehr gut, was sie daraus (und aus dem schwarzen Wolf) gemacht hat.

Natürlich spielt die Liebesgeschichte eine große Rolle in „Black Rook“, aber der Rest der Handlung kommt auch nicht zu kurz. Während Brynn herauszufinden versucht, wer ihren Vater töten will, müssen die Loups Garous damit fertig werden, dass Unbekannte ein befreundetes Rudel ausgelöscht haben. Hier blitzt etwas von der Härte durch, die ich bei den Dreg-City-Romanen so gemocht habe. Es gibt viele Tote, gnadenlose Gegner und schwere Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Die eine oder andere Wendung war zwar nicht so ganz überraschend, aber so gut präsentiert, dass ich das Ganze trotzdem spannend fand. Ich bin schon neugierig darauf, wie es damit weitergeht.

Jane Austen: Überredung

Seitdem ich vor zwei Jahren den Jane-Austen-Schuber zum Geburtstag bekommen habe, möchte ich die Romane wieder lesen. Als ich dann Mitte November feststellte, dass mir die Zeit für die „100 Bücher“-Challenge davonlief (und dass die Bibliothek die dafür vorgemerkten Titel wohl nicht mehr rechtzeitig zur Verfügung stellen kann), nahm ich mir vor, dass ich diese Challenge – und somit vermutlich auch mein „Lesejahr“ – mit einem Titel von Jane Austen beenden werde. Meine Wahl dafür ist auf „Überredung“ gefallen, eine meiner Lieblingsgeschichten von Jane Austen, die aber – zumindest empfinde ich das so – von den meisten Leuten weniger geschätzt wird als „Stolz und Vorurteil“, „Verstand und Gefühl“ oder „Emma“.

Ich muss zugeben, dass Anne als Hauptfigur deutlich weniger im Mittelpunkt der Geschichte steht als andere Charaktere von Jane Austen. Während sich bei den anderen Romanen die Handlung zum Großteil um die Protagonisten arrangiert und die Nebenfiguren nicht so präsent sind wie diese, habe ich bei „Überredung“ das Gefühl, dass Anne deutlich weniger ins Auge fällt. Sie hat so viele Jahre ihre Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche unterdrückt, dass sie dem Leser vor lauter Zurückhaltung weniger nah kommt – und doch lernt man all die Nebenfiguren vor allem dadurch kennen, wie sie Anne behandeln, wie sie sie und ihre Aufmerksamkeit als selbstverständlich nehmen und wie sie sie ebenso selbstverständlich zugunsten ihrer eigenen (und häufig sehr egoistischen)Wünsche in die Ecke drängen.

Durch diese erzwungene Passivität ist Anne aber auch eine perfekte Beobachterin geworden. Sie sieht die Gefahr, die von einer Bekannten ihrer älteren Schwester Elizabeth ausgeht, sie ist gegenüber dem wiederentdeckten Cousin Mr. Elliot zurückhaltender als der Rest ihres Bekanntenkreises und wenn man es genau nimmt, dann sah sie schon als junge Frau die Qualitäten in Kapitän Wentworth, die letztendlich zu seinem beruflichen und finanziellen Erfolg führten. So bescheiden sie in allen Dingen ist, so haben die Jahre, in denen sie bedauerte, dass sie sich nicht über den Einfluss von Freunden und Verwandten hinweggesetzt hat und dass sie nicht ihrem Herzen gefolgt ist, dann doch dafür gesorgt, dass sie – bei aller Zurückhaltung und Höflichkeit – ein Rückgrat und feste Ansichten entwickelt hat.

Angenehmerweise schreckt sie auch nicht davor zurück, diese Ansichten zu teilen. Für mich sind das häufig die schönsten Szenen im Buch, diese kleinen Momente, in denen sie im Gespräch mit einer anderen Person ist und ihre Meinung äußert. Hier wird oft deutlich, dass die meisten ihrer hochgeborenen Gesprächspartner recht dumm und oberflächlich sind, weil sie Annes wohldurchdachte Meinung herabsetzen oder nicht ernst nehmen. Diese subtile Kritik an der Oberflächlichkeit einer Gesellschaft, die auf den Rang, den Namen und das Äußere einer Person setzt, statt sich auf das Benehmen und die Intelligenz zu konzentrieren, mag ich sehr. Ebenso schön finde ich es, dass in „Überredung“ immer wieder betont wird, dass die Herkunft oder das manchmal etwas ungehobelte Benehmen einer Figur vollkommen verzeihlich ist, wenn Herzensgüte, Bildung und Anstand ihr Verhalten bestimmen.

Und gerade nach dem Lesen von „Jane Eyre“, wo von der Erzählerin auf jede Gemütsregung eingegangen und ständig eine Nabelschau abgehalten wird, genieße ich die Zurückhaltung und Einfachheit der Erzählweise in „Überredung“. Anne ist in allen Belangen sehr vorsichtig, sie will weder verletzen noch verletzt werden, und so kann man als Leser nur hier und da erahnen, wie sehr sie in den vergangenen Jahren gelitten hat und wie sehr sie nun aufgewühlt ist, weil es ein Wiedersehen mit Kapitän Wentworth gibt. Besonders deutlich wird Annes Situation in den kleinen Nebenbemerkungen, wenn sie zum Beispiel über die innige Verbundenheit der Schwestern Musgrove nachdenkt oder über die Ehe der Crofts und dadurch deutlich wird, wie sehr sie eine Vertraute vermissen muss und wie sehr sie sich nach einer harmonischen Beziehung sehnt. Aber nicht einmal in diesen Szenen klagt sie über ihr Schicksal, sondern arrangiert sich mit ihrer lieblosen Familie und versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Ich habe zwei schöne Tage mit Anne verbracht und mich an all den kleinen Momenten erfreut, in denen sie Hoffnung schöpfte, Rückgrat zeigte und mich mit ihren – zum Teil erstaunlich spitzen – Beobachtungen unterhalten hat. So hat mir die „100 Bücher“-Challenge das Jahr hindurch nicht nur erlaubt, einige Neuentdeckungen zu machen, sondern auch die Gelegenheit gegeben, einige schon bekannte Klassiker neu zu entdecken. Ich finde es immer wieder schön und spannend, welche neuen Facetten mir an einer Geschichte auffallen und an welche Aspekte ich mich noch klar erinnerte, obwohl das letzte Lesen einige Jahre her ist.

Julia Quinn: A Night Like This

Es ist eine ganze Weile her, seitdem ich das letzte Mal einen Julia-Quinn-Roman gelesen habe, umso mehr freute ich mich auf den zweiten Band der Smythe-Smith-Reihe. Ich habe gestern einen netten Nachmittag mit „A Night Like This“ verbracht, obwohl mich der Roman nicht so packen konnte wie andere Titel der Autorin. Aber ich war – dank Irinas Rezension – auch schon vorgewarnt, dass diese Geschichte nicht zu den Besten von Julia Quinn gehört.

Die Grundidee fand ich sehr nett. Daniel Smythe-Smith – ältere Bruder von Honoria, die in „Just Like Heaven“ die Protagonistin war – musste drei Jahre lang außerhalb Englands vor Auftragsmördern flüchten, nachdem er sich betrunken mit einem seiner besten Freunde duelliert und diesen schwer verletzt hatte. Wieder zurück in England verliebt er sich auf den ersten Blick in die Unbekannte, die statt seiner Cousine bei einem der berühmt-berüchtigen Smythe-Smith-Konzerte am Klavier sitzt. Diese Unbekannte ist Anne Wynter, Gouvernante im Haus von Daniels Tante.

Als Leser bekommt man schnell mit, dass Anne stets bestrebt ist kein Aufsehen zu erregen, denn sie hat nicht nur ein großes Geheimnis, sondern muss sich ebenfalls vor einem Verfolger fürchten. Ihr ist nur zu gut bewusst, dass eine Beziehung zwischen einem Earl und einer Gouvernante alles andere als angemessen wäre, aber Daniels sympathisches Wesen und seine Zuneigung zu seiner Familie findet sie trotzdem sehr anziehend. Beide Figuren für sich genommen sind eigentlich etwas langweilig – so nett und so kantenlos -, aber ich muss zugeben, dass ich Annes Geheimnis mal gut und stimmig fand.

Was ihr acht Jahre zuvor passiert ist, wäre zu dieser Zeit und in dieser Schicht der Ruin für eine junge Frau gewesen, was bedeutet, dass es in dieser Geschichte mal kein banales Problem, sondern ein echtes Hindernis für eine Ehe gibt. Allerdings löste sich für meinen Geschmack das Ganze viel zu schnell in Wohlgefallen auf – sogar der große Bösewicht hat am Ende einfach den Schwanz eingezogen und das war es … Auch die – sonst doch so amüsanten Dialoge – litten unter dem Mangel an Ecken und Kanten der Figuren (und daran, dass Anne und Daniel sich aufgrund der gesellschaftlichen Unterschiede nicht auf Augenhöhe unterhalten konnten) und waren deutlich weniger lustig als sonst.

Letztendlich würde ich sagen, dass ich von „A Night Like This“ langfristig nicht viel in Erinnerung behalten werde, aber immerhin einen netten und entspannenden Nachmittag mit dem Buch verbracht habe. Und es war eine lustige Abwechslung zu den ganzen geisterhaft-fantastisch-skurrilen Geschichten, die ich in den letzten Tagen gelesen habe.

Wenn selbst eine flache Liebesgeschichte zu unglaubwürdig wird …

Gegen Jahresende überkommt mich mit relativer Berechenbarkeit die Lust auf eine weihnachtliche Liebesgeschichte. Irgendein Roman, der total vorhersehbar und kitschig ist, muss dann gelesen werden! Allerdings versuche ich dabei kein Buch in die Hände zu bekommen, bei denen dann noch Engel vorkommen oder irgendwelche ominösen Wunder geschehen. Ich suche nur so ein bisschen zuckersüßen Adventskitsch zum Entspannen …

In diesem Jahr flatterte mir ziemlich früh mein „Weihnachtsbuch“ ins Haus, und nachdem es gestern den ersten Schnee bei uns gab, hatte ich gerade Lust, in den Roman reinzuschnuppern. Doch nach den ersten siebzig Seiten von „Ein Weihnachtswunder zum Verlieben“ von Ali Harris bin ich so abgeschreckt, dass ich bezweifle, dass ich mich zum Weiterlesen überwinden kann. Anhand des Klappentextes hatte ich eine niedliche Geschichte rund um ein altes und verstaubtes Londoner Traditionskaufhaus erwartet, bei dem die Belegschaft nur noch die Adventszeit hat, um den Laden so weit in Schwung zu bringen, dass er nicht an amerikanische Investoren verkauft wird.

Bislang deutet sich dieser Teil der Geschichte nur ganz vage an, dafür hat es die Autorin geschafft, eine strunzdumme und unglaubwürdige Protagonistin zu erschaffen, der ich seit mehreren Seiten gern eine kräftige Ohrfeige verpassen würde. Und der Autorin würde ich gern ein paar Worte zum Thema „glaubwürdige Grundsituationen“ erzählen!

Die Geschichte spielt heutzutage in London, die Protagonistin heißt Evie und hat mit 21 Jahren den Abschluss an der Kunsthochschule gemacht. Dann lernte sie ihren ersten Freund kennen und war anscheinend fünf Jahre lang nichts anderes als eine „Freundin“. Kein Wort über irgendwelche Jobs, dafür eine Runde Lamentieren über fehlende Berufserfahrung. So ein Verhalten ist einfach nur nervig, aber okay, das könnte ich noch hinnehmen.

Fünf Jahre später hat sich Evies Freund von ihr getrennt und sie flüchtet sich zu ihrer großen Schwester. Und als die sagt, dass sie nun etwas aus sich machen müsste, geht sie in ihr Lieblingskaufhaus und wird dort ganz zufällig für eine neue Angestellte gehalten und landet im Lager. Abgesehen von dieser entsetzlichen Passivität der Hauptfigur, die hier schon wieder zum Ausdruck kommt, wird die ganze Szene auch nicht sehr glaubwürdig beschrieben. Aber gut, so weit war ich auch noch bereit, mich auf die Geschichte einzulassen.

Und während Evie es in einem Monat schafft, das Lager so umzuräumen und zu organisieren, dass die seit dem zweiten Weltkrieg (wie bitte?!) eingelagerten Sachen ebenso übersichtlich verstaut sind wie die Neuzugänge, bekommt sie es nicht hin, dass ihre Kollegen kapieren, dass sie nicht ihre Vorgängerin Sarah ist! Zu dem Zeitpunkt, an dem der Roman spielt, arbeitet Evie seit zwei Jahren in dem Kaufhaus und wird immer noch von allen Sarah genannt. An der Mitarbeitertafel hängen immer noch das Foto und der Name der Vorgängerin und keinem fällt auf, dass die Frau im Lager vielleicht etwas anders aussieht. Außerdem ist Evie inzwischen – angeblich – mit Carly, einer besonders attraktiven, glamourösen und extrovertierten Verkäuferin, gut befreundet und hat selbst die bislang nicht über die Namensverwechslung aufgeklärt. Wie glaubwürdig ist das denn noch?

Abgesehen davon, dass ich mich frage, wie das auf der bürokratischen Ebene laufen soll! Arbeitet Evie seit zwei Jahren umsonst, während Sarah immer noch Lohn für einen Job bekommt, den sie damals vor lauter Langeweile hingeworfen hat? Ich meine, die Geschichte spielt heutzutage in London und nicht in irgendeinem Setting, bei dem die Angestellten am Ende der Woche ihren Lohn bar auf die Hand bekommen. Es muss so etwas wie Buchhaltung geben und irgendeine Kommunikation zwischen der Buchhaltung und Evies Vorgesetzten. So etwa wie Stundenabrechnungen, Krankenversicherungen, Steuerunterlagen und Ähnliches – wie kommt die Autorin also auf den Gedanken, dass ich als Leserin so etwas einfach hinnehmen kann?

Der Punkt, an dem ich dann das Buch entnervt von mir geworfen habe, kam, als Evie sich ein glitzerndes Top anzog und ihre langen Haare hochsteckte und auf einmal von einem Typen, der gerade eben erst mit der schillernden Carly geflirtet hatte, für diese gehalten wurden. Natürlich hat der Mann nicht erkannt, dass er nun mit einer anderen Frau redet, und natürlich hat er die Verabredung zum Date noch einmal bekräftigt – und ebenso natürlich hat Evie die Verwechslung nicht aufgeklärt, obwohl sie sich kurz zuvor noch über ihre zwei Jahre als „Sarah“ aufgeregt hatte.

Nun bin ich frustriert, dass ich die letzte Stunde mit so einem unglaubwürdigen Mist verbracht habe. Ich bin  sauer, weil die Autorin anscheinend davon ausgeht, dass der Leser so etwas in einem weihnachtlichen Liebesroman einfach hinnimmt. Und ich bin überrascht (und erstaunlich verärgert), dass es bei Amazon doch wirklich eine 5-Sterne-Rezensionen für dieses Machwerk gibt.

Jennifer E. Smith: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Hörbuch)

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen die verschiedenen Rezensionen zu dieser Geschichte mit einem Schmunzeln überflogen habe. Es kommt mir so vor, als ob es nur zwei Standpunkte dazu gäbe. Die einen sind enttäuscht, weil es keine reine Liebesgeschichte ist, und die anderen sind absolut hingerissen von der Handlung. Für mich war „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ einfach ein schönes Hörerlebnis, ein Wohlfühl(hör)buch ohne große Höhen und Tiefen, das ich bestimmt noch einmal hören werde.

Und um es mir einfach zu machen, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

Hadley könnte sich wirklich Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Aber dass sie ihr Flugzeug verpasst und auf dem New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier untersterblich zu verlieben: In den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um Olivers Herz zu gewinnen …

Zu allererste für diejenigen, die noch nicht so viel über die Geschichte gehört haben und nur den Klappentext kennen: Es ist keine reine Liebesgeschichte und Hadley verliebt sich nicht unsterblich. Sie fühlt sich wohl in Olivers Gesellschaft, hat ein Kribbeln im Bauch und das Gefühl, dass aus dieser Zufallsbegegnung mehr werden könnte. Ansonsten dreht sich die Geschichte zum Großteil darum, dass Hadley – auch dank Olivers Sicht der Dinge – über die Trennung ihrer Eltern hinwegkommen muss. Sie muss ihrem Vater verzeihen, dass er sie und ihre Mutter verlassen hat, um in England ein neues Leben mit einer neuen Frau aufzubauen. Und sie muss lernen, dass es auch an ihr liegt, wenn sie weiterhin eine Rolle im Leben ihres Vaters spielen will.

Mir haben die unterschiedlichen Charaktere gefallen, auch wenn Oliver, den man nur aus Hadleys Perspektive kennenlernt, etwas blass bleibt. Aber das liegt wohl daran, dass das Mädchen den Großteil der Handlung eben nicht offen genug ist, um sich Gedanken um eine andere Person zu machen, und stattdessen mit Panikattacken, Erinnerungen und ihrer Angst vor der bevorstehenden Hochzeit ihres Vaters mit einer ihr wildfremden Frau beschäftigt ist. Dafür gibt es lustige kleine Begebenheiten auf der Reise, eine Schar Brautjungfern, die Hadley am Ende unter ihre Fittiche nehmen, und viele Momente, die mir gefallen habe, mich aber auch an diverse (amerikanische) Filme erinnerten.

Für mich ist „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ ein nettes, leichtes, unterhaltsames Hörbuch gewesen, welches durch Anna Carlssons tolle Interpretation angenehm zu hören war. Die Sprecherin sorgt dafür, dass Hadley spröde und verletzlich wirkt, aber auch sympathisch-sarkastisch, zärtlich und hoffnungsvoll – ja nachdem, was die Situation gerade verlang. Auch passt ihre Stimme von Klang her sehr gut zu der Rolle, denn sie klingt jung genug für einen Teenager, ohne dass man ihr die Passagen, in denen andere Figuren zur Wort kommen, nicht abnehmen würden.

Und da ich bei ein paar Rezensionen gelesen hatte, dass einige Leser nicht mit den Zeitsprüngen zurechtkamen: Bei dem Hörbuch haben die mich überhaupt nicht gestört. Durch die Angabe der aktuellen Uhrzeit innerhalb der Geschichte oder kleine einleitende Sätze, die deutlich machten, dass diese Passage sich in Hadleys Kindheit oder auf dem Flug ereignet hatte, konnte ich die jeweiligen Szenen jederzeit einordnen und fand es sehr nett, dass die Geschichte stückchenweise erzählt wurde und man so ebenso neugierig auf vergangene Ereignisse wie auf den weiteren Verlauf der Handlung bliebt.

[Kurz und knapp] Laura Lee Guhrke: Ich muss Sie küssen, Miss Dove

Im März hatte ich mir zu „Secret Desires of a Gentleman“ von Laura Lee Guhrke aufgeschrieben:

„Mehr als drei Anläufe und ich habe es dann doch noch gelesen. Die Zeit liegt mir wirklich nicht – zumindest nicht in dieser Konstellation. Ich mag Maria irgendwie, Phillip hingegen ist mir zu sehr Snob – aber die Schlussszene ist trotzdem *hach*.“

Wenn die Schlussszene nicht gewesen wäre und wenn ich nicht die eine oder andere Nebenfigur gemocht hätte, hätte mir Irina nicht auch noch einen weiteren Band der „Girl Bachelor Chronicles“ aufs Auge drü auf den Ausleihstapel packen können. So aber habe ich gestern Abend zu „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ gegriffen und mich wunderbar bei dem Buch amüsiert.

Klappentext (von mir um zwei Sätze gekürzt):

Eine bessere Sekretärin als Miss Emmaline Dove kann sich der Verleger Harry Marlowe nicht wünschen. Zwar ist sie für seinen Geschmack viel zu sittsam und bieder – aber äußerst zuverlässig! Bis Harry sich weigert, Emmas Ratgeber für Etikette zu veröffentlichen und sie gekränkt fristlos kündigt. Als er sie zu Hause aufsucht, um sie zur Rede zu stellen, erlebt er die Überraschung seines Lebens: Privat ist Emma wie verwandelt. Plötzlich steht eine temperamentvolle, lebenslustige und überaus attraktive Frau vor ihm.

Auch hier geht es um die Liebe zwischen einem Adeligen und einer ehrbaren jungen Frau, die nicht von Stand ist und dafür ihren Lebensunterhalt selber verdienen muss, aber hier kam mir die Beziehung viel natürlicher vor als bei Maria und Phillip. Außerdem mochte ich die Dialoge in dieser Geschichte deutlich lieber, weil sie amüsanter waren und nicht – wie bei „Secret Desires of a Gentleman“ – von einer gemeinsamen Vergangenheit vergiftet.

Bei „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ (Oh, ich hasse solche Titel! Den englischen, „And Then He Kissed Her“, finde ich viel netter …) fand ich die Zeit (die Geschichte spielt 1893 in London) viel schöner beschrieben. Hier wurden die Probleme einer veralteten Adelsgesellschaft, die sich auf der einen Seite an ihre Traditionen klammert, aber auf der anderen Seite einen neuen Weg finden muss, um ihr Leben und ihre Besitztümer zu finanzieren in all den kleinen Nebenbemerkungen viel deutlicher. Während mit Emma und ihren Kolumnen gezeigt wird, wie schwierig es für die Frauen in dieser Zeit war, den richtigen Weg zwischen Etikette und Einkommen zu finden.

Der Rest der Handlung ist – wie es sich gehört – sehr vorhersehbar, aber durch die sympathischen Figuren, diverse amüsante Szenen und Emmas ungewöhnliche Vorlieben für exotische Geschichten und Einrichtungselemente wurde es wirklich unterhaltsam. Die perfekte Liebesgeschichte für einen viel zu warmen Abend, an dem man einfach nur leichte Unterhaltung sucht.

Julia Quinn: Das geheime Tagebuch der Miss Miranda

Obwohl ich mir mit meinem neuen Julia-Quinn-Roman wieder ein paar nette Stunden gemacht habe, muss ich doch zugeben, dass das wirklich nicht die beste Geschichte ist, die ich bislang von der Autorin gelesen habe. Auf ihrer Homepage kann man nachlesen, dass dieser Roman auf einem ihrer früheren Manuskripte basiert und dass sie nicht so viel an diesem Text geändert hat, um ihn zu veröffentlichen. Ich kann verstehen, dass sie in ihre beiden Hauptfiguren ein bisschen „verliebt“ ist und die Idee immer noch mag, aber ich wünschte mir trotzdem, sie hätte die Handlung noch einmal gründlich umgeschrieben.

Dabei ist der Anfang wirklich bezaubernd. Die zehnjährige Miss Miranda Cheever verliebt sich gleich bei ihrem ersten Treffen in Viscount Turner, den neunzehnjährigen Bruder ihrer besten Freundin Olivia. Turner sieht nicht nur gut aus, sondern benimmt sich dem jungen Mädchen gegenüber sehr freundlich und aufmerksam. Neun Jahre später hat sich an Mirandas Gefühlen für den Viscount nichts geändert, er hingegen musste gerade erst seine junge Ehefrau beerdigen und leidet noch unter den Nachwirkungen dieser Beziehung.

Seine Leticia war nämlich ein berechnendes und untreues Miststück – und auch wenn Turner sich bewusst ist, dass nicht jede Frau so ist, so hat er doch nicht vor sich jemals wieder zu binden. Abgesehen davon, dass seine Ehe mit Leticia ihm nur Qualen bereitet hat, ist er sich sicher, dass sein inzwischen verbittertes Wesen keiner unschuldigen jungen Frau zuzumuten sei. Trotzdem genießt er die Wortwechsel mit Miranda, die gemeinsam mit seiner Schwester Olivia von seiner Mutter in die Gesellschaft eingeführt wird.

Soweit fand ich diese Geschichte wirklich wunderbar. Turner ist – trotz seiner Wesensveränderung – erst einmal kein unsympathischer Charakter, während mir Miranda mit ihrer eigentlich recht vernünftigen Art ans Herz gewachsen ist. Vor allem, da die junge Frau nicht nur intelligent ist, sondern hier und da auch einiges an Temperament zeigt – wobei diese impulsiven Handlungen sie auch immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Aber kaum gesteht Miranda Turner ihre Liebe und die beiden kommen sich näher, benimmt er sich wie ein Idiot, während sie irgendwann stumm leidend alles hinnimmt.

Das führte soweit, dass ich im letzten Drittel nur noch das Bedürfnis hatte, die beiden Figuren zu schütteln, damit sie sich wieder etwas mehr so benahmen wie zu Beginn der Geschichte. Vermutlich hätte mich dieses Verhalten auch nicht so extrem gestört, wenn es Julia Quinn gelungen wäre etwas mehr Spannung in ihre Geschichte einzubauen. So aber plätscherte das Ganze ohne Höhepunkte oder besonders witzige Dialoge auf sein vorhersehbares Ende zu – und ich sehnte mich nach einem Roman von Georgette Heyer, da diese Autorin ein deutlich besseres Händchen für solche Handlungen hat.

Auch wenn „Das geheime Tagebuch der Miss Miranda“ für mich keine absolute Zeitverschwendung war und ich bestimmt irgendwann noch einmal zu dem Buch greifen werde (und sei es nur um den Anfang noch einmal zu genießen), so denke ich, dass Julia Quinn heutzutage doch ein deutlich befriedigenderes Ende hinbekommen würde. Wenn sie also schon auf alte Manuskripte zurückgreift (die gewiss nicht ohne Grund in der Schublade dahinvegetieren), dann doch bitte mit einer radikaleren Überarbeitung der Handlung.