Kategorie: Rezension

Graham Norton: Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton war mir bislang kein Begriff und so lag es nur an dieser Rezension, dass ich Lust hatte, den Roman „Ein irischer Dorfpolizist“ auszuprobieren. Die Handlung wird zu einem großen Teil von dem Polizisten Sergant PJ Collins bestimmt, der seit fast zwanzig Jahren in dem kleinen Dorf Duneen eine ruhige Kugel schiebt. Sein Leben wird beherrscht von den drei warmen Mahlzeiten, die ihm seine Haushälterin Mrs. Meany jeden Tag serviert, und von den Kleinigkeiten, die er in seinem Alltag als Dorfpolizist übernehmen muss. Geprägt wird sein Verhalten dabei von einer allumfassenden Unsicherheit, die nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass er sehr dick ist und sich der Tatsache bewusst ist, dass ihn kaum ein Mensch ernst nimmt. Als eines Tages bei Bauarbeiten auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs ein Skelett gefunden wird, ist sich das gesamte Dorf sicher, dass es sich dabei um die Leiche des vor über zwanzig Jahren verschwundenen Tommy Burke handelt.

Gerüchten zufolge war Tommy zwar damals nach London abgehauen, nachdem sich seinetwegen zwei Frauen vor dem Dorfladen geprügelt hatten. Doch da man nie wieder von dem jungen Mann etwas gehört hatte, hat das Rätsel um Tommy Burke die Dorfgemeinschaft nie ganz in Ruhe gelassen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun vor allem die beiden Frauen, denen er vor so vielen Jahren so wichtig war, dass sie sich um ihn prügelten. Weder Brid Riordan noch Evelyn Ross haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihr Glück gefunden. Während Evelyn gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern im Haus ihrer verstorbenen Eltern lebt, hat Brid einen Mann geheiratet, von dem sie wusste, dass er sie nicht liebt, sondern es nur auf den vom Vater geerbten Bauernhof abgesehen hatte. Aus der Sicht dieser drei traurigen Figuren (PJ, Evelyn und Brid) wird der Großteil der Geschichte erzählt, wobei es Graham Norton gelingt, überraschend liebevoll und respektvoll mit diesen drei gescheiterten Existenzen umzugehen.

Ein paar Elemente in „Ein irischer Dorfpolizist“ erinnerten mich an den Miss-Marple-Krimi „Nemesis“ von Agatha Christie, auch da gibt es diese drei ältlichen Schwestern, die zusammen leben und zwischen denen so viel Unausgesprochenes steht und die alle drei so viel mehr in ihrem Leben hätten haben können, wenn sie es gewagt hätten, ihren eigenen Weg zu gehen. Und der Fall selbst dreht sich um eine Person, die vor vielen Jahren aus dem Leben aller Beteiligten verschwunden ist und die durch ihre Abwesenheit eine große Lücke hinterlassen hat. Eine Lücke, die bei mehr als einem Charakter zu einem Bruch im Leben geführt hat, von dem sich diese Personen nicht wieder erholt haben. Doch während Miss Marple von einem Hinweis zum nächsten geschickt wird und dabei aus den verschiedenen Erinnerungen, die ihr erzählt werden, ihre Schlüsse zieht, scheint PJ sich angesichts einer so großen Aufgabe recht hilflos zu fühlen.

Auf der einen Seite will er endlich mal zeigen, dass er als Polizist zu mehr gut ist als nur den Verkehr zu regeln und Strafzettel auszustellen, auf der anderen Seite ist PJ nicht gerade jemand, der die hinzugezogenen Ermittler aus Cork mit seinem Verstand und seinen Einfällen beeindruckt. Doch PJ strahlt – bei all seiner Unbeholfenheit – Wärme und Verständnis aus, was die Beteiligten dazu bringt, ihm im Laufe der Zeit ihr Herz auszuschütten. So ist „Ein irischer Dorfpolizist“ weniger ein Kriminalroman als eine Geschichte rund um all die verpassten Gelegenheiten, die Kümmernisse und die Hoffnungslosigkeit, die lange Zeit das Leben einiger Bewohner des Dorfes Duneen bestimmen. Ich mochte es sehr, wie Graham Norton die verschiedenen Charaktere darstellt, weil er keine seiner Figuren für irgendetwas zu verurteilen scheint. Er macht hingegen deutlich, dass hinter all den größeren und kleineren Fehler und Probleme seiner Figuren eine Geschichte steckte – und dass es nicht immer so einfach ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein anderes Leben anzufangen.

Aber dieses liebevolle Verständnis für all die gescheiterten Existenzen in diesem Roman sorgte bei mir auch für eine melancholische Stimmung beim Lesen. Es ändert sich zwar im Laufe der Geschichte etwas für alle Beteiligten, aber allein die Vorstellung, dass die meisten von ihnen zwanzig, dreißig Jahre in ihrer Einsamkeit gefangen waren und nicht wussten, wie sie etwas in ihrem Leben ändern sollten, fand ich schon etwas deprimierend. Doch im Gegensatz zu „Nemesis“, wo man am Ende das Gefühl hat, dass die Auflösung des Verbrechens den Figuren zwar Antworten auf einige wichtige Fragen bietet, aber keine Erlösung aus ihrer Einsamkeit, gibt es bei „Ein irischer Dorfpolizist“ immerhin für den einen oder anderen Charakter einen ausreichenden Anstoß im Laufe der Geschichte, um eine neue (und immer noch realistisch wirkende) Wendung im Leben einzuschlagen.

Tetsuya Honda: Blutroter Tod (Reiko Himekawa 1)

„Blutroter Tod“ von Tesuya Honda habe ich in der Bibliothek bei den Krimiempfehlungen gefunden und – da ich den Autor nicht kannte und grundsätzlich neugierig auf japanische Krimis bin – zusammen mit dem zweiten Band rund um die Hauptkommissarin Reiko Himekawa zum Ausprobieren mitgenommen. In „Blutroter Tod“ wird die Geschichte in erster Linie aus der Perspektive der 29jährigen Reiko erzählt – ab und an gibt es aber auch Passagen, die mehr über die Hindergründe der Morde enthüllen oder die aus der Sicht eines Kollegen von Reiko geschrieben wurden. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem Reiko zum Fundort einer Leiche gerufen wird. Der unbekannte Tote wurde in eine Plastikplane gewickelt an einem Fischteich in Tokio gefunden und seine Verletzungen deuten darauf hin, dass er vor seinem Tod gefoltert wurde. Noch bevor Reiko und ihr Team einen Grund finden können, warum der Ermordete einer solchen Gewalttat zum Opfer fiel, wird eine weitere Leiche gefunden, die anscheinend einen Monat zuvor in dem Fischteich versenkt worden war.

Die Geschichte in „Blutroter Tod“ wird relativ ruhig und ausführlich erzählt, wobei ein großer Schwerpunkt bei der Arbeit der Polizei liegt. Ich muss gestehen, dass ich diesen Teil sehr spannend fand, weil die Details rund um die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen, die Hirachien innerhalb der Polizei und ihre Arbeitsweise an sich sehr interessant war. Aber so hat man halt auch das Gefühl, man wäre bei jeder einzelnen Befragung, bei jeder Teambesprechung und bei jedem Geplänkel zwischen den Kollegen dabei gewesen, während die Ermittlungen in dieser Zeit nur langsam vorangehen. Der Fall selbst war für mich in Ordung, es gab Elemente, die dem Leser bekannt waren, von denen die Polizei aber nichts wusste, so dass bestimmte Wendungen vorhersehbar waren. Andere Details rund um die Morde hat man als Leser hingegen fast zeitgleich mit den Ermittlern herausgefunden, so dass es noch die eine oder andere nicht so vorhersehbare Wendung in der Handlung gab, die mich gut unterhalten hat.

Auch die meisten Charaktere fand ich interessant und zum großen Teil sogar sympathisch. Reiko hat ihre ganz eigene Vergangenheit, die vor gut zehn Jahren dafür gesorgt hat, dass sie sich für die Arbeit bei der Polizei entschieden hat. Ihre Kollegen kommen in der Regel gut mit ihr aus und gerade im engen Kollegenkreis herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie der Umgang zwischen japanischen Arbeitskollegen in japanischen Romanen (oder anderen Medien) dargestellt wird. Diese Mischung aus Distanz und (aufgezwungener) Nähe – inklusive dem gemeinsamen Besäufnis nach Feierabend – ist eben etwas ganz anderes, als ich es in meinem normalem Arbeitsumfeld erlebt habe.

Schwierig fand ich hingegen zwei Punkte bzw. Charaktere, und ich muss zugeben, dass die mich mehrmals darüber nachdenken ließen, ob ich den Roman nicht lieber abbrechen sollte. Zum einen gibt es einen externen Kollegen, der eng mit Reiko zusammenarbeiten soll und der „verliebt“ in die Hauptkommissarin ist. Seine Verliebtheit äußert sich darin, dass er ihr ständig unpassende Komplimente macht und versucht, sie zum Essengehen oder mehr zu überreden. Reikos Reaktion darauf besteht in der Regel darin, ihn zu ignorieren, ihn auszuschimpfen (was überhaupt nicht bei ihm ankommt) oder ihm eine Ohrfeige zu verpassen – was ebenfalls keinerlei Auswirkungen auf sein Verhalten hat. Auch ihre anderen Kollegen sind genervt von dem Verhalten des „Externen“, aber ihre Reaktion beschränkt sich zum Großteil darauf, belustigt zu sein oder die Augen zu verdrehen, und der einzige Typ, der wirklich aktiv wird, greift auf körperliche Gewalt zurück – was wieder dazu führt, dass Reiko oder die anderen Kollegen ihn zurückhalten müssen.

Noch schlimmer war es mit den zweiten Charakter, der mich so gestört hat. Dieser Polizist gehört zu denjenigen, deren Perspektive man in einigen Abschnitten miterlebt, und die Art und Weise, wie er über andere Menschen denkt, hat mich regelrecht abgestoßen. Ebenso fand ich die Mittel, die er einsetzte, um an seine Informationen zu kommen oder anderen Kollegen Steine in den Weg zu legen, überaus unangenehm zu verfolgen. Sein Verhalten wird damit begründet, dass er einige Jahre für den Geheimdienst gearbeitet hatte und ihn diese Tätigkeit sehr veränderte, aber das macht es für mich als Leser nicht einfacher zu ertragen. Ich wünschte mir wirklich, dass Tetsuya Honda auf diese beiden Figuren verzichtet hätte, dann hätte mir die Geschichte mehr Vergnügen (soweit man das bei einer Handlung rund um gefolterte und ermordete Menschen sagen kann) bereitet.

Außerdem haben diese ganzen Szenen rund um Reiko und den „verliebten“ Kollegen dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, wie wohl in Japan mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz umgegangen wird. Bei „Stahlblaue Nacht“, dem zweiten Reiko-Himekawa-Krimi, kommt das Thema übrigens auch wieder vor. Zum einen, weil der externe Kollege wieder mit dabei ist (und wieder hatte ich nicht das Gefühl, dass er irgendeinen Gewinn für die Geschichte mit sich bringt, aber wer weiß, vielleicht spricht er den japanischen Humor an), und zum anderen, weil die weiblichen Angestellten einer Firma, die im Rahmen der Ermittlungen mehrfach aufgesucht wird, regelmäßig von einem Kollegen begrabscht und bedrängt wurden. Hier wird aber auch betont, dass der Chef und die anderen Kollegen deshalb ein Auge auf die Frauen haben und rettend einspringen, bevor etwas wirklich Schlimmes passieren konnte. Reiko hingegen muss sich auch im zweiten Band weiterhin selbst verbal und handgreiflich gegen den aufdringlichen Kollegen wehren.

Paige Shelton: The Cracked Spine (Scottish Bookshop Mystery 1)

Nachdem ich im vergangenen Jahr den ersten Band der Farmers‘-Market-Mysteries gelesen und sehr gemocht hatte, wollte ich unbedingt noch mehr von Paige Shelton kennenlernen. Doch weil ich mich nicht so recht entscheiden konnte, ob ich nun erst mehr über die Landwirtin Becca Robins lese oder eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren wollte, blieb es erst einmal bei dem Vorsatz. Vor ein paar Wochen dann hatte sich Helma dann den zweiten Band der „Scottish-Bookshop-Mysteries“ gegönnt, und ihr Tweet über ihre Neuzugänge hatte bei mir dann die Bestellung von „The Cracked Spine“ ausgelöst. Die Geschichte spielt in Schottland und dreht sich um die Amerikanerin Delaney Nichols, die nach einer spontanen Bewebung auf eine Anzeige eine neue Stelle in einem Antiquariat in Edingburgh antritt. Viel weiß sie über ihren Job nicht, aber ihr neuer Chef Edwin klang am Telefon sehr angetan davon, dass Delaney jahrelang für ein Museum gearbeitet hat und sich nicht nur mit alten Büchern auskennt.

Kaum hat Delaney ihre neuen Kollegen Rosie (inklusive ihrem Hund Hector) und Hamlet kennengelernt, wird die Schwester ihres Chefs ermordet. Das ist nicht nur ein tragischer persönlicher Verlust für Edwin, sondern das Verbrechen bringt auch einen finanziellen Verlust für Delaneys Chef mit sich, da dieser seiner Schwester Jenny ein einzigartiges Buch zur Aufbewahrung überlassen hatte – und nun weiß natürlich keiner, wo dieses Buch geblieben ist. Da Delaney das Gefühl hat, noch nicht so ganz durchschauen zu können, in welchem Verhältnis Edwin, die neuen Kollegen und die Teilnehmer einer seltsamen Auktionen zu Edwins getöteter Schwester standen, macht sie sich selbst auf die Suche nach Hinweisen und Antworten.

Ich muss gestehen, dass ich mit diesem Serien-Auftakt nicht ganz so glücklich war wie im vergangenen Jahr mit „Farm Fresh Murder“. Die Erzählstimme von Delaney lag mir weniger als die von Becca, ebenso fand ich einige der Charaktere, denen die Amerikanerin gleich zu Beginn der Geschichte begegnet, etwas unstimmig. Außerdem habe ich es gehasst, dass die Autorin einen bestimmten Aspekt von Delaneys neuer Arbeit sechzig Seiten lang rausgezögert hat, ohne dass es einen triftigen Grund dafür gab – abgesehen davon, dass sie künstlich Spannung aufbauen wollte, was bei mir aber nicht ankam, weil dieses „mysteriöse Element“ doch ziemlich offensichtlich war. Auch die Auflösung des Falls konnte mich nicht so recht überzeugen. Nachdem Delaney die ganze Zeit von einer Person zur nächsten tappte, auf ihre Intuition hörte und Fragen stellte, ohne dass mir Paige Shelton begreiflich machen konnte, welche Motivation bei ihrer Protagonistin dahintersteckte und warum niemand Delaney Grenzen gesetzt hat, wird der Mörder am Ende aus dem Hut gezaubert und fertig.

Theoretisch gab es ganz viele Personen, die sympathisch hätten sein können, aber keine davon habe ich als Leser gut genug kennengelernt, um irgendeine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich hätte auch mit dem ungewöhnlichen Talent von Delaney gut leben können, wenn die Autorin das unterhaltsamer eingebaut oder dafür gesorgt hätte, dass es für die Ermittlungen relevant gewesen wäre. Auch habe ich den Humor vermisst, den ich in „Farm Fresh Murder“ so mochte, und während ich es bei einer selbstständigen Landwirtin noch einigermaßen verkraften konnte, dass sie ihre Arbeit zugunsten einiger Ermittlungen aufschob, habe ich bei Delaney nicht verstanden, dass sie in ihrer ersten Arbeitswoche nicht einen Arbeitstag hatte, ohne dass sie die Buchhandlung mal eben verließ, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein bisschen fühlt es sich für mich an, als ob die beiden Bücher unmöglich von der selben Autorin geschrieben worden sein können – und nun frage ich mich ein, ob ich wirklich noch weitere Reihen von Paige Shelton ausprobieren soll oder nicht.

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 3 – A Dismal Thing to Do (Hörbuch)

„A Dismal Thing to Do“ ist der dritte Band rund um Madoc und Janet Rhys von Charlotte MacLeod. Dieses Mal beginnt die Geschichte kurz nach der Hochzeit der beiden Protagonisten, während Janet mit ihrem neuen Auto unterwegs ist, um einen Waschtisch für ihr neues Haus aufzutreiben. Da sich ihre Schwiegermutter für einen Kurzbesuch angekündigt hat, ist es Janet sehr wichtig, das Gästezimmer so schnell wie möglich perfekt eingerichtet zu haben. Dieses Anliegen ist für sie so bedeutsam, dass sie sich trotz einer dicken Schneedecke und der eher unverständlichen Wegbeschreibung ihrer neuen Nachbarin auf den Weg zu einer Scheune macht, wo ein solcher alter Waschtisch zu finden sein soll. Doch statt heil mit ihrer Beute heimzukommen, beobachtet Janet auf einer kleinen Straße, wie vor ihr eine Art Umzugswagen aus dem Gleichgewicht gerät und umkippt.

Die Schneemassen am Straßenrand verhindern, dass sie problemlos zum Führerhaus des Wagens kommen kann, und so sucht sie in einer Scheune neben der Straße nach einer Leiter oder einem anderen Hilfsmittel, das ihr über die Schneewehen hinweghelfen kann. Noch bevor sie fündig wird, hört Janet von draußen eine Explosion und die Scheune bricht über ihr zusammen. Madoc hingegen freut sich zu Beginn der Geschichte auf ein paar Urlaubstage. Seitdem er Janet im vergangenen Jahr begegnet ist, konnten sie – trotz ihrer Heirat – nicht einmal ein paar geruhsame gemeinsame Tage miteinander verbringen, da seine Arbeit als Mountie immer wieder dazwischenkam. Doch nun sind alle aktuellen Fälle abgearbeitet und Madoc ist wild entschlossen, sich in der kommenden Woche ausschließlich auf seine Frau zu konzentrieren. Als er jedoch nach Hause kommt, fehlt von Janet jede Spur, und wenig später erhält er einen Anruf von den Kollegen, die ihm mitteilen, dass der Wagen seiner Frau unverschlossen mit all ihren Papieren darin gefunden wurde.

So dramatisch meine Inhaltsbeschreibung sich vielleicht auch anhören mag, so unterhaltsam entwickelt sich die weitere Handlung. Selbst bei den Szenen, bei denen Janet wirklich in Gefahr schwebt, gelingt es Charlotte MacLeod immer wieder, humorvolle Elemente einzubauen, die mich zum Schmunzel gebracht haben. Mir liegt der Humor der Autorin aber auch wirklich sehr, vor allem, da mir ihre Charaktere und deren Handlungen – trotz der einen oder anderen Übertreibung – immer stimmig und realistisch vorkommen. Kurz nach Janets „Unfall“ führt eine Spur Madoc nach Pitcherville (Janets Heimatort), so dass die Geschichte vor allem von dem sehr abgeschiedenen Leben in der ländlichen Gemeinde und den etwas eigenbrötlerischen Personen bestimmt wird, die man schon in „A Pint of Murder“ kennengelernt hat. Ich mag die liebevolle Art, mit der Charlotte MacLeod mit den verschiedenen Charakteren umgeht, ich mag die amüsanten kleinen Szenen, die häufig darauf beruhen, dass die Figuren die diversen Macken ihrer Nachbarn nur allzu gut kennen, und ich mag es, dass die Autorin immer wieder neue Wendungen in ihre Kriminalfälle einbaut, die dafür sorgen, dass selbst ein größerer Fall seinen Platz in einer kleinen Ortschaft wie Pitcherville findet.

Auch habe ich mich ja inzwischen gut an William Dufris‘ Art zu lesen gewöhnt und mag sogar sehr, wie individuell er die verschiedenen Figuren darstellt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich, sobald er in Dialekt verfällt – und das ist bei dieser Geschichte dank der vielen Landwirte, Schrotthändler und Handwerker, die zu Wort kommen, sehr häufig der Fall – vollkommen aufgeschmissen bin und nur noch aus dem Zusammenhang erraten kann, was gesprochen wird. Zum Glück lässt sie Madoc immer wieder das Ermittelte durchdenken oder er teilt anderen Leuten seine Erkenntnisse mit, so dass ich der Handlung trotzdem gut folgen konnte. Dennoch ist das für mich weiterhin das größte Problem, wenn ich englische Hörbücher höre. Bei einem Buch kann ich mir Zeit nehmen, um den Klang der Dialoge auf mich wirken zu lassen, so dass ich noch genügend von den Worten mitbekomme, um den Inhalt zu begreifen. Bei gesprochenem Dialakt hingegen stoße ich immer noch ganz schnell an meine Grenzen.

Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft

Ich muss gestehen, dass ein Titel wie „Nächste Ausfahrt Zukunft – Geschichten aus einer Welt im Wandel“ von Ranga Yogeshwar mich normalerweise nicht spontan gereizt hätte, weil mich die Themenwahl (obwohl sie weitgefächert ist) frustriert, wütend macht und ängstigt. Da aber Anette so angetan von dem Buch war, hat sie mit ihrer Rezension meine Neugier geweckt, was dazu geführt hat, dass ich es mir in der Bibliothek besorgt habe, um es zumindest mal anzulesen. Ich muss zugeben, dass Ranga Yogeshwar wirklich gut schreibt und man seine Begeisterung für seine Arbeit als Wissenschaftsjournalist und seine Faszination über (und auch seine Bedenken rund um) die verschiedenen Entwicklungen und die Theorien, die daraus abgeleitet werden können, deutlich spüren kann.

In elf verschiedenen Kapiteln spricht er über verschiedene Aspekte des Fortschritts, über die Hoffnungen, die in der Vergangenheit damit verbunden waren, über zerstörte Träume und über die Möglichkeiten, die sich neu auftun. In eigentlich jedem Unterkapitel kann man von persönlichen Erlebnissen des Autors lesen wie von den Dreharbeiten in Tschernobyl und Fukushima, dem vorbeifahrenden Ochsenwagen in Indien, der vollbeladen war mit den neuesten Computern, oder anderen Szenen, die Ranga Yogeshwars Zusammenfassungen zu den verschiedenen Themen untermalen. Auch betont der Autor in der Regel die Vor- und Nachteile einer neuen Entdeckung. So ermöglicht die genaue Erfassung von Augenbewegungen zum Beispiel auf der einen Seite die Steuerung von Geräten für Menschen, die aufgrund von körperlichen Einschränkungen dafür nicht ihre Hände verwenden können. Aber auf der anderen Seite wird genau die gleiche Technik verwendet, um Informationen über den Nutzer zu sammeln, um Werbung auf das Blickverhalten von Menschen zuzuschneiden, um die Stimmung, den Grad der Müdigkeit oder Ähnliches auszulesen – lauter Informationen, die missbraucht werden können, um den Menschen zu durchleuchten und zu manipulieren.

Allerdings gab es auch immer wieder Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Argumentation nicht stimmig war. So erwähnt Ranga Yogeshwar zum Beispiel beim Thema „Online-Partnersuche“, dass ganz viele zwischenmenschliche Aspekte bei der Partnerwahl wegfallen würden, wenn man sich auf ein Bild und einen Computer-Algorhythmus verlassen würde. Er schließt aber aus der Tatsache, dass sich solche Partneragenturen wachsener Beliebtheit erfreuen, dass das daran läge, dass die Partner-Suchenden auf diesen Plattformen wirklich einen Menschen für eine Beziehung finden würden. Meine Theorie lautet aber eher, dass so viele Menschen inzwischen verzweifelt auf der Suche nach einem Partner sind, dass sie auch solche Plattformen ausprobieren, obwohl darüber eben nicht die breite Palette des zwischenmenschlichen Austauschs (z.B. Stimme, Gestik, Mimik, Geruch) abgedeckt werden kann, die normalerweise notwendig ist, um einem Menschen für eine Partnerschaft in Betracht zu ziehen. In meinen Augen hängt der Erfolg also nicht am erfolgreichen Algorhythmus, sondern an der Einsamkeit der Nutzer. Es ist ein bisschen wie Lottospielen: Obwohl eigentlich jeder die Statistiken kennt, möchte doch niemand die Hoffnung aufgeben, dass so ein Lottoschein vielleicht für großen Reichtum sorgen könnte.

Vielleicht liegt es daran, dass es mir nach den vergangenen Jahren schwer fällt, optimistisch zu sein, aber wenn Ranga Yogeshwar erzählt, wie weit sich die Welt doch zum Beispiel seit Martin Luther Kings Rede im Jahr 1963 entwickelt hat und als Beispiel die Präsidentschaft von Barack Obama aufführt, dann muss ich automatisch daran denken, welche Folgen Donald Trumps Wahl zum Präsidenten gerade mit sich bringt und was für ein schrecklicher Rückschritt diese Präsidentschaft für all die Rechte von PoC oder LGBTQIA-Personen oder einfach nur arme oder kranke Menschen (natürlich inklusive aller Überschneidungen, die es da gibt) mit sich bringt. Ich glaube, dass es Ranga Yogeshwar in dieser Beziehung schwer fällt, die Sicht eines Wissenschaftlers – für den es nun mal logisch ist, auf Weiterentwicklungen und gewonnene Erkenntnisse auch angemessen zu reagieren – aufzugeben. Ein Großteil der Menschheit handelt aber nun mal nicht wissenschaftlich, sondern emotional, was dazu führt, dass bei einem zu großen Voranschreiten des Fortschritts Panik ausbricht. Und in Panik neigt der Mensch nun mal dazu, nach unten zu treten, um seine Position zu sichern und in vertraute Verhaltensweise zurückzuverfallen, selbst wenn diese ihm schaden.

Am Ende zählt Ranga Yogeshwar auf, was sich alles in den vergangenen Jahrzehnten verbessert hat, angefangen bei der Lebenserwartung, über die Zahl der Demokratien auf der Welt, die Zahl der Mord- und Totschlagzahlen in Deutschland, die Alphabetisierung bis zur Zahl der Menschen auf der Welt, die unter die extreme Armutsgrenze fallen. Und ja, die reinen Zahlen sehen gut aus, aber für mich sehen diese Zahlen vor allem nach „es ist seit so vielen Jahren möglich, eine größere Veränderung herbeizuführen, aber viel zu wenige arbeiten an dieser Veränderung, weil am Ende kein schneller Profit damit zu erreichen ist“ aus. Ranga Yogeshwar schließt hingegen aus diesen Zahlen, dass der Mensch an sich bereit ist, zu teilen, und dass die Suche nach Liebe und Zuwendung am Ende bestimmender für die Zukunft sein wird als das Streben nach Macht und Geld – ganz ehrlich, ich wünschte, ich könnte Ranga Yogeshwars optimistische Sicht auf die Zukunft teilen, aber anhand seiner Beispiele kann ich nicht nachvollziehen, wieso er mit so viel Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft blickt. Dabei fände ich es wunderbar, wenn ich miterleben könnte, wie all die Chancen, die der Autor in  den erwähnten Entwicklungen findet, auch genutzt würden, statt weiterhin befürchten zu müssen, dass die Menschheit als Masse doch immer nur den einfachsten und/oder profitabelsten Weg gehen wird.

Frida Nilsson: Siri und die Eismeerpiraten

Nachdem ich im Dezember Neyashas Rezension zu „Siri und die Eismeerpiraten“ von Frida Nilsson gelesen hatte, habe ich mir gleich das Buch in der Bibliothek vorgemerkt. Die Geschichte dreht sich um die zehnjährige Siri, deren kleine Schwester Miki vom bösen Piraten Weißhaupt geraubt wurde. Der Pirat ist im gesamten Eismeer dafür bekannt, dass er kleine Kinder stiehlt, um diese in seinem Bergwerk für sich schuften zu lassen. So gefürchtet wird der Pirat, dass sich kein Erwachsener findet, der Siri nach der Entführung helfen will, ihre kleine Schwester zurückzuholen. Einzig ihr gebrechlicher alter Vater ist wild entschlossen, sich auf den Weg zu machen, aber das kann Siri nicht zulassen. Schließlich ist ihr Papa nicht mal kräftig genug, um noch auf Fischfang zu gehen, wie soll er da die Suche nach Miki überstehen? So schleicht sich Siri heimlich aus dem Haus, um ihre kleine Schwester aus der Gewalt des Piraten zu befreien – große Hoffnungen macht sie sich nicht, aber wie ihr Vater sagt:

„… die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren. Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren … und die schlimmen Dinge hinterlassen schlimme Spuren. Wenn ich nicht versuche, Miki zu finden, dann kann ich nicht weiterleben. Die Spur in meinem Herzen würde zu sehr schmerzen.“ (Seite 28)

Auf der Suche nach ihrer Schwester muss Siri quer durchs Eismeer reisen, von ihrer kleinen Insel Blautum im Osten bis nach Kantum am anderen Ende des Meeres, wo die Welt fast zu Ende ist. Sie begegnet auf ihrer Reise vielen verschiedenen Menschen, Tieren und anderen Wesen, manche von ihnen helfen ihr, andere ignorieren sie oder nutzen sie gar aus. Auf jeden Fall lernt Siri schnell, dass es schwierig ist, einem Menschen anzusehen, ob er gut oder böse ist, und sie lernt, dass jeder, dem sie begegnet, seine ganz eigenen Beweggründe für sein Handeln hat. Dabei macht es Frida Nilsson mit ihrem wunderbar atmosphärischen Eismeer dem Leser ganz einfach zu begreifen, dass das Mädchen in einer harten Welt voller Gefahren und Herausforderungen lebt, in der es erschreckend leicht ist, den einfacheren, aber eben in der Regel auch moralisch fragwürdigen Weg zu gehen.

Ein Menschenleben gilt nicht viel in dieser Welt, und die Winter sind lang und hart. Hunger und Tod sind regelmäßige Gefährten für diejenigen, die im Eismeer leben, und nur wenige haben das Gefühl, sie könnten sich Freundlichkeit leisten. Ein so wundersames Geschöpf wie eine Meerjungfrau gehört für die meisten Menschen ins Reich der Legenden und wenn sie wirklich einer begegnen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie als erstes darüber nachdenken, wie sie mit einem solchen Wesen Geld verdienen könnten. Vermutlich ist es nicht einfach, in einer solchen Welt freundlich und hilfsbereit zu bleiben, und doch findet Siri immer wieder Personen, die ihr auf die eine oder andere Weise zur Seite stehen. Doch all die hilfreichen Hände können ihr am Ende nicht helfen, als sie einen Weg finden muss, um Miki aus der Gewalt des Piraten zu befreien.

„Es gibt einen Mann, der benutzt Kinder, als wären sie Tiere. Das hatte ich immer gesagt, wenn wir zu Hause auf unserer Schlafbank lagen. Was ich damals nicht wusste, war, dass Weißhaupts Grube Kinder in Tiere verwandelte. Ja, so war es. Wir waren nicht länger Kinder, wir waren Tiere auf drei Beinen, Tiere, die aus Näpfen aßen, Tiere, die nur sich selbst halfen und niemandem sonst.“ (Seite 286)

Ich habe Siri gern bei ihrer Reise begleitet, ich mochte diese Protagonistin so gern, gerade weil sie nicht ohne Fehler ist. Sie fühlt sich schuldig, weil sie kurz vor Mikis Entführung noch mit ihrer kleinen Schwester gestritten hat. Sie wird immer wieder in Versuchung geführt, aufzugeben und ein anderes Leben aufzunehmen, weil die Suche nach Miki so vergeblich zu sein scheint und es immer wieder Personen gibt, die für sie Platz in ihrem Leben machen würden. Doch am Ende bleibt Siri standhaft und handelt mutiger, als sie es sich jemals zugetraut hätte, und diese Charakterstärke kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist eindeutig eine Folge der Haltung, die ihr Vater ihr von klein auf vorgelebt hat. Dazu kommen noch all die schrecklichen, furchterregenden, traurigen und wunderbaren Nebenfiguren, bei denen man sich selbst dann, wenn sie nur einen kleinen Auftritt haben, genau vorstellen kann, wie sie zu der Person geworden sind, die sie sind.

Abgerundet wird diese schrecklich-schöne Geschichte rund um Siri und ihrer Suche nach dem furchterregenden Piraten Weißhaupt von der schönen Sprache, die Frida Nilsson (und ihre Übersetzerin Friedericke Buchinger) verwenden. Die Erzählweise ist klar, einfach und einprägsam und damit perfekt (nicht nur) für jüngere Leser, aber auch immer wieder von schönen Bildern und poetischen Beschreibungen durchdrungen, die nach dem Lesen noch ein Weilchen beim Leser haften bleiben. Sehr schön ist auch die Gestaltung des Kinderbuchs mit einer Landkarte des Eismeers und ansprechenden Zeichnungen (gezeichnet von Torben Kuhlmann) am Kapitelanfang, die ein entscheidendes Element der auf den folgenden Seiten geschilderten Handlung aufgreifen. Ich mag so liebevoll erzählte Geschichten einfach!

Tracey Baptiste: The Jumbies (The Jumbies 1)

„The Jumbies“ von Tracey Baptiste stand so lange auf meinem Wunschzettel, dass die Fortsetzung („Rise of the Jumbies“) erschien, bevor ich dieses Kinderbuch zum Geburtstag bekam. Grundsätzlich fand ich, dass der Klappentext, der von einem unerschrockenen Mädchen, Magie und Freundschaft erzählte, schon nett klang, doch vor allem hat mich die Tatsache gereizt, dass die titelgebenden „Jumbies“ aus karibischen Legenden stammen. Je nach Insel gibt es wohl unterschiedliche Auslegungen dieser Kreaturen, aber egal, ob sie Geister sein sollen oder übernatürliche Wesen, sie haben angeblich nichts Gutes im Sinn. Corinne, die Protagonistin dieser Geschichte, glaubt erst einmal nicht an die Jumbies. Sie ist sich sicher, dass die Erzählungen rund um die Jumbies nur ein Mittel sind, um die Kinder des Ortes zu erziehen und dafür zu sorgen, dass sie sich vom Wald fernhalten. Doch dann verfolgt sie eines Tages ein Aguti in den Wald, an dessen Bein zwei Jungen den Anhänger ihrer (verstorbenen) Mutter gebunden haben, und weckt damit die Aufmerksamkeit der Jumbies. Genauer gesagt weckt Corinne damit die Aufmerksamkeit einer ganz bestimmten Jumbie, die herausfinden will, warum der Geruch des Mädchens an den ihrer verschwundenen Schwester erinnert.

Für Corinne beginnt die Geschichte ganz langsam und harmlos, während man als Leser schon früh mitbekommt, dass ihr eine Jumbie (die sich selber „Severine“ nennt) folgt und dass dieses Geschöpf alles andere als harmlos ist. So fand ich es spannend, Corinne bei ihrem Alltag zu begleiten und mitzuerleben, wie sie neue Freunde findet, während gleichzeitig im Hintergrund immer die Gefahr durch die Jumbie lauert. Dabei stand für mich schon früh fest, dass die Jumbie nicht unbedingt „böse“ ist, sie handelt nur nach anderen Regeln als die Menschen, die vor vielen Generationen ihre Insel besiedelt und damit die Jumbies von ihrem angestammten Land verdrängt haben. Nur eine Person ist in der Lage, beide Seiten der Geschichte zu sehen, und das ist die Weiße Hexe. Doch ihre Kenntnisse um Severines Absichten und um die Hintergründe des Konflikts zwischen Menschen und Jumbies sorgen dafür, dass Corinne von ihr eigentlich keine Hilfe zu erwarten hat, gerade weil die Hexe als einzige Person auf der Insel das notwendige Wissen hätte, um ihr beizustehen.

So ist Corinne vor allem auf die Unterstützung ihrer neuen Freunde, ihre Erinnerungen an ihre Mutter und die in ihr aufkeimende Magie, die ihren Ursprung ebenso wie die Jumbies tief in der Geschichte der Insel hat, angewiesen. Das alles führt zu einer magischen und berührenden Geschichte über den Kampf zwischen Jumbies und Menschen um die Vormacht auf Corinnes Heimatinsel. Dabei geht es in „The Jumbies“ nicht gerade zimperlich zu, wenn die Kinder zum Beispiel am Morgen nach einem Kampf durch Überreste waten und sich nicht sicher sein können, ob diese von einem Jumbie oder einem Menschen stammen. Jumbies sind gefährlich, sie töten, sie verzaubern, sie rauben Kinder und verwandeln sie in einen der Ihren, womit er für seine Familie für immer verloren ist. Viele ihrer Fähigkeiten und ihrer Merkmale klingen überraschend vertraut, wenn man die Jumbies mit Figuren aus zum Beispiel der Irische Mythologie vergleicht, und doch gehören diese Jumbies mit all ihren Facetten in die Karibik. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sehr sich solche „Naturgeister“-Beschreibungen ähneln können, einfach nur weil die Menschen überall auf der Welt dieselben Ängste vor der unkontrollierbaren Gewalt der Elemente teilen.

Ich mochte diese Geschichte, die sich um Magie, Freundschaft und Familie dreht und die (dezent) auf die vielfältige Bevölkerung der Insel eingeht (und auch darauf, warum es diese Vielfalt gibt). Dabei ist die Insel irgendeine namenlose Insel in der Karibik – klein genug, damit die Geschichte mit ein paar wenigen Dörfern und einem Wald funktioniert. Aber die Autorin erzählt im Nachwort von ihrer Kindheit auf Trinidad, von den Jumbie-Geschichten, die sie gehört hat, und von dem haitianischen Märchen „The Magic Orange Tree“, das die Inspiration zu einem Teil der Handlung war. Diese Hintergründe finde ich interessant und wünschte mir, ich würde mehr über Sagen, Legenden und Märchen aus dieser Region wissen. Doch auch ohne weitere Hintergründe habe ich all die Ereignisse rund um Corinne und ihre Freunde genossen, hatte Angst um den einen oder anderen liebenswerten Charakter und fand es schön, dass die Autorin es für den Leser nicht so einfach gemacht hat, zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden.

Kelly Jones: Murder, Magic, and What We Wore

Ich weiß nicht mehr, wie ich auf „Murder, Magic, and What We Wore“ von Kelly Jones aufmerksam geworden bin, aber der Klappentext hatte mich so sehr gereizt, dass ich den Roman ohne weiter nachzudenken auf meinen Wunschzettel gepackt hatte. Die Geschichte dreht sich um die sechzehnjährige Miss Annis Whitworth und beginnt an dem Tag im Jahr 1818, an dem Annis vom Tod ihres Vater erfährt. Während sie bis zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbelastetes Leben in der Londoner Gesellschaft führte, steht sie nun – zusammen mit ihrer Tante Cassie, von der sie nach dem Tod ihrer Mutter aufgezogen wurde, – vor der Herausforderung, ohne Einkommen zu überleben. Auch befürchtet Annis, dass der Tod ihres Vaters bei einem Kutschenunglück kein Unfall war, sondern dass seine Tätigkeit als Spion für die Krone (zumindest hat sie in den letzten Jahren den Verdacht gehegt, dass ihr Vater ein Spion sein könnte) dafür verantwortlich ist.

Nachdem sie glücklichweise auch noch am selben Tag durch Zufall entdeckt, dass sie die recht seltene und begehrte Fähigkeit besitzt, „Glamour“ zu wirken – d.h. mit Magie durchwirkte Kleidungsstücke zu nähen -, beschließt Annis, dass sie ihre neuentdeckte Magie in den Dienst der Krone stellen möchte. Doch das Kriegsministerium ist nicht so angetan von Annis‘ Versuch, sich als Spionin anstellen zu lassen ,und so findet Annis ihre ganz eigenen Wege, um mehr über das Schicksal ihres Vaters und die geheimnisvolle Botschaft, die er hinterlassen hat, herauszufinden. Dass Annis, der es deutlich an Lebenserfahrung außerhalb ihrer behüteten Welt fehlt, dabei so einige Probleme hat, ist vorhersehbar. Dass sie ein Geschäft als Glamour-Schneiderin eröffnet, ohne auch nur grundlegende Kenntnisse davon zu haben, wie man ein Kleid von Grund auf schneidert, ist dabei das geringste ihrer Probleme.

Ich habe es geliebt, von Annis‘ Abenteuern nach dem Tod ihres Vaters zu lesen. Von einem Moment auf den anderen mischt das Mädchen sich in die Angelegenheiten fremder und einheimischer Spione ein und kann sich dabei nie sicher sein, ob ihr Gegenüber auch vertrauenswürdig ist. Einzig ihr neues Dienstmädchen Millie, das zum Glück über eine Menge gesunden Menschenverstand und eine gute Beobachtungsgabe verfügt, steht Annis treu zur Seite und rettet sie aus so mancher Misere. Auch hat Annis – bei aller Impulsivität und aller Dickköpfigkeit – das Glück, dass ihre Tante Cassie ihr bei ihrer Erziehung so einige nützliche Dinge mitgegeben hat. So kann Annis sich nicht nur sicher auf dem Ballparkett bewegen (und gleichzeitig jungen Herren eine Lektion über die gesellschaftliche Position von Frauen erteilen), sondern sie hat auch weitere praktische Fähigkeiten wie Buchführung und ähnliche Dinge, die von Frauen zu dieser Zeit gern ferngehalten wurden, gelernt. Das alles macht aus Annis weder die perfekte Spionin noch die geborene Geschäftsfrau, aber es macht das Mädchen zu einer wirklich sympathischen Figur.

Überraschenderweise mochte ich auch all die Passagen rund um Kleidung. Ich handarbeite zwar gern, aber in modischer Hinsicht bin ich ein hoffnungsloser Fall – und sei es nur, weil ich Bequemlichkeit immer wichtiger finde als die Frage, was gerade modern ist. In „Murder, Magic, and What We Wore“ dreht sich die Geschichte häufig um Kleidung und das nicht nur, weil die richtige Bekleidung zu Annis‘ Zeit und in ihrer Gesellschaftsschicht nun mal ein wichtiges Thema war. Für Annis geht es von Anfang an vor allem darum, die richtige Kleidung für eine Person zu finden. Je mehr sie ihre Fähigkeit des Glamour-Nähens erforscht, desto mehr konzentriert sie sich darauf, dass nicht nur Farbe und Schnitt einer Person schmeicheln, sondern dass das Kleidungsstück auch etwas über die Trägerin, ihren Charakter und ihre Fähigkeiten aussagt. Ich habe es so genossen, wenn Annis wieder einen Faden in ihre Nadel fädelte und sich darauf konzentrierte, für was für eine Person sie ein Kleidungsstück herstellte und wie sie dieser Person vielleicht noch etwas Selbstvertrauen, Schutz oder ähnliches mitgeben könnte, um ihr Leben besser zu machen.

Auch habe ich mich darüber gefreut, dass ich während der Lektüre nicht nur über berühmte Personen dieser Zeit gestolpert bin, sondern auch über Namen, die mir aus anderen Romanen vertraut sind. Ganz sicher war ich mir beim Lesen zwar nicht, dass hier wirklich auf ein paar meiner Lieblingsromane aus diesem Genre angespielt wurde, nur weil eine Lady Ravenscroft oder Lady Schofield erwähnt wurden, aber eine Auflistung am Ende des Roman hat mich dann aufgeklärt, dass diese Figuren wirklich bewusst eingebaut wurden als Verweis auf Werke anderer Autoren. (Dummerweise bedeutet das nun auch, dass ich neugierig auf diejenigen Bücher von der Liste bin, die ich noch nicht kenne. *g*)

Insgesamt war „Murder, Magic, and What We Wore“ eine wunderbar leichte und amüsante Wohlfühl-Lektüre, die trotz all der witzigen Szenen nicht zu oberflächlich war, sondern immer wieder auf wichtige Themen (nicht nur der Regency-Zeit) aufmerksam machte. Ich fand es wunderbar mitzuerleben, wie Annis sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und so viele Sachen dazulernt. Ich mochte die Beziehung zwischen Annis und ihrer Tante und habe mich über die langsam entstehende Freundschaft zwischen Annis und ihrem Dienstmädchen Millie gefreut. Und so sehr ich mich sonst freue, wenn ich mal einen Einzelband entdecke, so hätte ich dieses Mal nichts dagegen, wenn die Autorin doch noch irgendwann einmal zu Annis und Millie zurückkehrt und die beiden Mädchen mehr Abenteuer erleben lassen würde.

Vaseem Khan: Ein Elefant für Inspector Chopra (Inspector Chopra 1)

„Ein Elefant für Inspector Chopra“ von Vaseem Khan ist ein wunderbar kurzweiliger Kriminalroman, dessen Geschichte den Leser mitten ins trubelige Mumbai führt. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem Inspector Ashwin Chopra aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst scheiden muss. Der Inspector hat sein gesamtes bisheriges Leben der Arbeit bei der Polizei gewidmet und gemeinsam mit seinen ergebenen Untergebenen große Erfolge gefeiert. Doch seit einem Herzinfakt vor einigen Monaten steht fest, dass es der Fünfzigjährige ruhiger angehen lassen muss. Während seine geliebte Frau Poppy sich schon sehr darauf freut, endlich mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen zu können, trauert Inspector Chopra schon an seinem letzten Arbeitstag seiner Tätigkeit als Polizist hinterher. Der Abschied wird ihm durch die Klage einer Frau erschwert, die auf dem Revier auftaucht und behauptet, dass Chopras Untergebene dem überraschenden Tod ihres Sohnes nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Der Fall des „ertrunkenen“ jungen Mannes, dessen Tod von allen Behörden verdächtig schnell als Unfall abgetan wird, lässt den pensionierten Inspector auch in den kommenden Tagen nicht los, und so beginnt er auf eigene Faust zu recherchieren. Erschwert wird seine Tätigkeit dadurch, dass er sich nicht traut, Poppy in seine neue Freizeitbeschäftigung einzuweihen, weil diese ganz gewiss nicht glücklich wäre, wenn er sich weiterhin in Gefahr brächte. Außerdem gibt es zusätzlich eine Menge Trubel rund um den jungen Elefanten, der Chopra überraschenderweise von seinem Onkel geschickt wurde. Schwierig ist dabei nicht nur, dass das arme Tier eindeutig depressiv zu sein scheint, sondern auch, dass in dem Wohnkomplex, in dem Inspector Chopra mit seiner Frau und Schwiegermutter lebt, keinerlei Haustiere erlaubt sind – vom Halten von Elefanten ganz zu schweigen.

Vaseem Khan ist (laut seinem Wikipedia-Eintrag) in Großbritannien geboren und aufgewachsen, hat aber ungefähr zehn Jahre seines bisherigen Berufslebens in Indien bzw. Mumbai verbracht, und so gehe ich davon aus, dass seine liebevollen Beschreibungen dieser lauten, überfüllten, dreckigen, korrupten und doch liebenswerten Stadt auf eigenen Beobachtungen basieren – und so etwas mag ich bei einem Roman sehr. Die Hintergründe rund um den ermordeten jungen Mann, der Inspector Chopra so gar keine Ruhe lässt, sind erschreckend und düster, während die Elemente rund um den Elefanten Ganesha von dem Autor liebevoll überzogen und witzig erzählt werden. Doch vor allem lebt „Ein Elefant für Inspector Chopra“ von den vielen verschiedenen Charakteren und der großartigen Kulisse Mumbais, die Vaseem Khan auch wunderbar nutzt, um sowohl auf die verschiedenen Probleme Indiens als auch auf all die Kreativität, die Vielfalt, die Geschichte und die rasanten Entwicklungen der vergangenen Jahre einzugehen.

Dabei dient Inspector Chopra als leuchtendes Beispiel für die Ehrhaftigkeit und Unbestechlichkeit, indem er unerschütterlich inmitten all der korrupten Behördenmitarbeiter und verbrecherischen Geschäftsleute seinen Weg geht. Was vielleicht anstrengend zu lesen wäre, wenn er nicht auf der einen Seite von einer Handvoll gleichgesinnter Mitarbeiter und Freunde unterstützt wurde und auf der anderen Seite so viele liebenswerte Eigenarten hätte, dass man ihn schnell ins Herz schließt. Doch vor allem mochte ich all die kleinen Beschreibungen rund um das Leben in Mumbai. Inspector Chopra wird von seinen Ermittlungen nicht nur in die Armenviertel geführt, wo die Menschen in selbstgebauten Hütten vor allem dank ihrer unermütlichen Arbeit und ihres Einfallsreichtums überleben, sondern auch in Villengegenden, wo reiche Geschäftsmänner sich mit erfolgreichen Bollywoodstars mischen. So wie Vaseem Khan auf die verschiedenen gesellschaftlichen eingeht, so geht er in den verschiedenen kleinen Szenen auch immer wieder auf die religiösen Konflikte in diesem Land ein. Dabei erlebt man all diese Elemente durch Inspector Chopras Augen, der vor der Gewalt, die bei den religiös begründeten Auseinandersetzungen nicht verschließen kann, der aber auch genügend Menschen unterschiedlichen Glaubens kennt, die nicht nur Hand in Hand zusammenarbeiten, sondern auch tiefe Freundschaften schließen.

Ich mochte diese Ausgewogenheit bei der Darstellung Indiens ebenso wie den Kriminalfall, der all diese atmosphärischen Beschreibungen wie ein roter Faden verbindet. Doch vor allem sind mir beim Lesen die vielen verschiedenen Charaktere (allen voran der Inspector) ans Herz gewachsen, und ich habe mich wunderbar über all die absurden Szenen rund um Chopra und Ganesha amüsiert. „Ein Elefant für Inspector Chopra“ hat mir entspannte Lesestunden beschert, die ich sehr genossen habe. Trotz all dieser lobenden Worte muss ich aber auch zugeben, dass mir das eine oder andere Element an dieser Geschichte etwas zu abwegig war (vor allem, wenn es um Ganesha und seine besonderen Fähigkeiten ging) und ich den Kriminalfall gern noch etwas komplexer gehabt hätte. So werde ich zwar bestimmt den zweiten Band der Krimis rund um den Inspector und seinen Elefanten mitnehmen, wenn ich mal wieder leichte und unterhaltsame Lektüre suche. Ich bin aber nicht so hingerissen von diesem Buch, dass ich gezielt nach weiteren Teilen suchen oder mir die Romane gar anschaffen würde.

Joan Aiken: The Wolves of Willoughby Chase

Es gibt eine bestimmte Art klassische britische Kinderbücher, die ich schon als Kind geliebt habe und die sich beim Lesen anfühlen, als ob ich nach Hause kommen würde. „The Wolves of Willoughby Chase“ von Joan Aiken gehört zu diesen Büchern, und das nicht nur, weil ich den zweiten Band der „Wölfe“-Reihe („Verschwörung auf Schloss Battersea“) schon als Kind gelesen habe. Die Handlung dreht sich um die Cousinen Bonnie und Sylvia Green. Während Bonnie ihr ganzes Leben im Luxus verbracht hat und von ihren liebevollen Eltern ebenso verwöhnt wurde wie von den Dienstboten auf Willoughby Chase, wurde Sylvia nach dem Tod ihrer Eltern von ihre Tante Jane in eher ärmlichen Verhältnissen aufgezogen. Doch nun sieht sich die alte Tante Jane gesundheitlich nicht mehr in der Lage, für Sylvia zu sorgen, und schickt das Mädchen nach Willoughby Chase.

Die zweitägige Reise zu dem beeindruckenden Herrenhaus ist für Sylvia schon anstrengend genug, umso mehr, da ein Rudel Wölfe ihren Zug aufhält, doch dann muss das Mädchen auch noch entdecken, dass sein Onkel Willoughby und seine Tante direkt nach seiner Ankunft zu einer langen Reise aufbrechen. Zurück bleiben Bonnie und Sylvia unter der Aufsicht der unsympathischen neuen Gouvernante Miss Slighcarp, und die hat mit den beiden nichts Gutes im Sinn. Zum Glück steht ihnen der im Wald von Willoughby Chase lebende Gänsejunge Simon bei all den folgenden schrecklichen Ereignissen zur Seite. Mehr möchte ich über den Inhalt von „The Wolves of Willoughby Chase“ gar nicht erzählen, auch wenn der Klappentext deutlich mehr über die Handlung verrät. Mich hat es nicht so sehr gestört, dass ich den Großteil der Geschichte dadurch schon kannte, weil ich die Erzählweise und die Details rund um all die Ereignisse so genossen habe. Aber ich kann gut verstehen, wenn dieses Vorwissen um die Handlung jemandem die Lust auf die Geschichte nimmt.

„The Wolves of Willoughby Chase“ spielt in einem frühen 19. Jahrhundert, in dem König James III. regiert und in dem England – dank eines Tunnels, der die Insel mit dem Festland verbindet, – von gefährlichen Wolfsrudeln überrannt wurde, die das Leben auf dem Land (vor allem im Winter) unbeschreiblich gefährlich machen. Ich mochte dieses alternative England sehr, ebenso wie all die Anklänge an Charles Dickens, die Joan Aiken in diesem Buch verwendet. Es gibt wundervoll schreckliche Szenen mit all den Bösewichten, die sich – auf die eine oder andere Weise – auf Kosten der Kinder bereichern wollen und natürlich keinerlei Mitleid, Loyalität oder gar Freundlichkeit kennen. Zum Ausgleich gibt es in dieser Geschichte nicht nur die innige Freundschaft zwischen Sylvia, Bonnie und Simon, sondern auch den Beistand treuer Dienstboten, die alles in ihrer Macht Stehende tun, um hinter die Machenschaften von Miss Slighcarp zu kommen, und die Hilfsbereitschaft vollkommen unbeteiligter Personen, die einfach Mitleid mit den beiden Mädchen haben.

So habe ich es sehr genossen, Sylvias und Bonnies Schicksal zu verfolgen. Ich mochte es, wie kämpferisch Bonnie mit all den Herausforderungen umgeht, die die Pläne ihrer Gouveranten und deren Verbündeten mit sich bringen, und hatte Mitleid mit der wohlerzogenen und zarten Sylvia, die bei aller Armut doch nur Liebe von ihrer Tante Jane erfahren hatte und nun nicht weiß, wie sie mit all diesen herzlosen Menschen umgehen soll. Auch die vielen Nebenfiguren, die den Mädchen zur Seite stehen, sind mir schnell ans Herz gewachsen – vor allem natürlich der patente Simon, der schon seit Jahren für sich selbst sorgt und allein schon deshalb für jedes Problem eine Lösung parat hat. Dank all dieser wunderbaren Charaktere steht von Anfang an fest, dass es für Bonnie und Sylvia am Ende glücklich ausgehen wird, was nun nicht so verwunderlich sein sollte angesicht der Tatsache, dass „The Wolves of Willoughby Chase“ ein Kinderbuch ist. Aber das hat mich nicht daran gehindert, mit den beiden Mädchen mitzuleiden und (ein wenig) um das Leben einer der Figuren zu bangen. Genau so mag ich es beim Lesen, so habe ich ein kleines Tränchen verdrückt, ich habe vor mich hingekichert und ich habe die vielen kleinen freundschaftlichen Momente zwischen den Protagonistinnen genossen – und ich freu mich schon darauf, noch weitere Romane von Joan Aiken lesen zu können, die in dieser Welt spielen.