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Dies und Das (10)

Als ich heute in der Bibliothek war, bin ich ausnahmsweise mal nicht den direkten Weg an der Hauptstraße nach Hause gegangen, sondern ich habe die Alternativroute genommen. Da gehe ich sonst nur lang, wenn ich auf den Markt will, aber trotz des verlockenden Frischkäses und all der anderen regionalen Leckereien, die es da zu kaufen gibt, bin ich in den letzten Wochen nicht mehr auf den Wochenmarkt gekommen. So habe ich bis heute auch absolut nichts davon mitbekommen, dass die kleine Buchhandlung um die Ecke zugemacht hat.

Ich gebe zu, dass ich da auch nicht oft eingekauft habe, seitdem ich sie im

[Kulinarisches] Schweizer Käsemakkaroni

In der letzten Woche hatte ich so viel um die Ohren, dass ich kaum zum Kommunizieren gekommen bin. Zu meiner großen Freude ist allerdings das Wetter inzwischen deutlich weniger heiß und schwül, so dass ich so langsam wieder das Gefühl habe denkfähig zu sein. Außerdem hatte ich in der letzten Woche wirklich ein Problem mit dem Kochen. Wenn ich nur Salat mache, dann meckert mein Mann, aber Lust zum Kochen hatte ich auch nicht, geschweige denn Appetit auf warmes Essen. Jetzt allerdings ist es kühl genug, um mal wieder etwas mehr Zeit in der Küche zu verbringen und somit auch Zeit für „Schweizer Käsemakkaroni“. Mit diesem Rezept experimentiere ich schon seit fast einem Jahr und von den ursprünglichen Mengenzutaten ist kaum noch etwas übrig, dafür schmeckt es uns inzwischen richtig gut. Oh, und wer skeptisch sein sollte, weil in dem Gericht sowohl Kartoffeln als auch Nudeln verwendet werden, der sollte es einfach mal probieren!

Zutaten für zwei (hungrige) Personen:

ca. 200g Pellkartoffeln (Die Menge hängt bei uns immer davon ab, wieviel am Vortag übrig geblieben ist.)
200g kurze Makkaroni (Die perfekte Größe haben die Maccheroni von Barilla.)
etwas Butter oder Öl
1 Zwiebel
250 ml kräftige Gemüsebrühe
250 ml Milch
ca. 100 ml Sahne
100 – 150g geriebener Emmentaler
Muskat
Salz
Pfeffer
Petersilie

Die Kartoffeln in kleine Würfel schneiden, die Zwiebel ebenfalls würfeln und beides in etwas Butter oder Öl in einer Pfanne leicht anbraten. Die Nudeln in die Pfanne geben und das Ganze mit Milch und Brühe aufgießen und ca. 10 Minuten mit Deckel köcheln lassen bis die Nudeln bissfest sind (dabei immer wieder umrühren). Zu diesem Zeitpunkt sollte die Brühe-Milch-Mischung fast verkocht sein. Dann mit Salz, Pfeffer, Muskat und Petersilie abschmecken, zuletzt Sahne und Käse zugeben und gründlich untermischen.

Das Ganze ist nicht gerade leichte Kost, aber sehr lecker, vor allem, wenn man dann noch einen Salat dazu serviert.

Das große Warten

Da es ja doch etwas abenteuerlich ist, wenn man hier ein Paket empfangen will, bekomme ich von den meisten Leuten, die mir etwas schicken, den Link zur Sendungsverfolgung. Was eine Vereinfachung für die Kunden sein soll, wird allerdings an manchen Tagen zum großen Rätselraten.

An manchen Tagen läuft das ganz einfach: Ich bekomme den Link, gucke abends drauf und sehe, dass mein Paket das Start-Paketzentrum erreicht hat, schaue morgens noch einmal, wo das Ganze abgeblieben ist und richte mich dann darauf ein, dass ich den Tag über in der Nähe der Klingel bleibe, damit ich zur Tür sprinten kann, bevor der Paketbote sich wieder aus dem Staub macht.

Manchmal sorgt die Sendungsverfolgung aber für richtig aufregende Tage, so wie im August 2010. Und seit vergangenem Donnerstag beobachte ich mal wieder etwas verwirrt die Vorgänge rund um mein erwartetes Buchpaket:

Am Donnerstag wurde das Paket gegen 15 Uhr in einer Paketstation abgeliefert. Da der Absender schon meinte, dass die Station wohl erst am Freitag geleert wird, haben wir gehofft, dass das Paket am Samstag bei mir ankommen würde. Aber bis Samstagmittag zeigte die Paketverfolgung keine neue Meldung an und erst abends wurde mir „mitgeteilt“, dass mein Paket abgeholt worden sei.

Okay, übers Wochenende hatte ich keine große Bewegung erwartet, aber schon ein bisschen gehofft, dass es doch noch den Weg ins Start-Paketzentrum finden würde. Aber heute morgen hatten meine Bücher immer noch den „abgeholt“-Status …

Vor einer Stunden aber ist die Anzeige umgesprungen und meine Bücher landeten doch noch im Paketzentrum – nun bin ich gespannt, ob sie da wieder eine Weile ruhen werden oder ob es in der Nacht weitergeht.

Auch wenn ich davon ausgehe, dass diese „Wartezeiten“ einfach personalbedingt entstehen (so haben wir anscheinend zur Zeit einen studentischen Aushilfspaketboten), so amüsiere ich mich gerade doch ein bisschen über die Vorstellung, dass irgendein Postmitarbeiter übers Wochenende eine gemütliche Leserunde eingelegt hat. 😉 Aber so nett die Vorstellung ist, so wäre ich für ein paar Daumendrücker ganz dankbar, die dafür sorgen, dass das Paket morgen heil bei mir ankommt. 🙂

Alter Schatz oder überbewerteter Regalplatzverstopfer?

Manchmal frage ich mich, ob mir die Autoren und Serien, die mich seit Jahren begleiten und immer wieder gelesen werden, ebenso gut gefallen würden, wenn ich sie erst heute entdecken würde. Dabei gibt es so einige Romane, die schon längst weitergewandert sind, weil ich merkte, dass ich nach der ersten Entdeckungsfreude keinen langfristigen Spaß daran haben würde. So habe ich zum Beispiel von den „Darkover“-Titel von Marion Zimmer Bradley nur noch ein paar wenige, die ich ab und an aus Sentimentalität wieder aus dem Regal ziehe und wieder genießen kann, während der Rest meiner Sammlung vor zwei Umzügen zum modernen Antiquariat gewandert ist.

Aber gerade im High-Fantasy-Bereich gibt es so einige Schätze aus den 80er Jahren, die ich immer wieder gerne lese und von denen ich mich vermutlich nie trennen werde, wie etwa die „Belgariade“ von David Eddings. Auf der anderen Seite finde ich kaum aktuelle High Fantasy, die mir zusagt, weil ich das Gefühl habe, dass ich das alles schon mal (und zwar besser *g*) von anderen Autoren präsentiert bekommen habe. Ich fühle mich oft der Grundideen und Archetypen übersättigt, bin ungnädig, wenn ich das Gefühl habe, dass ein Autor in seiner Jugend die gleichen Bücher gelesen hat wie ich und nun für sein aktuelles Werk reines Szenenrecycling* betreibt, und nur selten kann mich die Entwicklung einer Geschichte wirklich überraschen. Bei Krimis ist es übrigens ähnlich, so dass ich da vor allem bei den Cozys lesbare „Neuentdeckungen“ (wie Simon Brett, auch wenn mich dessen Bücher jetzt nicht total umhauen) mache, wo es weniger um einen spannende Aufbau und eine innovative Grundidee als um gut beschriebene Charaktere und eine atmosphärische Umgebung geht.

Trotzdem beschleicht mich immer wieder der Verdacht, dass ich all diese vernichtenden Urteile vermutlich auch über meine heißgeliebten alten Schätze fällen würde, würde ich diese erst heute in die Hände bekommen. Auf der anderen Seite gibt es genügend „Klassiker“ in unterschiedlichen Genres, die ich jetzt erst für mich entdecke und die ich trotzdem genieße und bei denen ich nicht das Gefühl habe, dass mir die Geschichte schon x Mal untergekommen ist. Dabei bemerke ich schon, dass ich mich gerade bei den Klassikern oft für den Erzählstil des Autors begeistern kann, während die Handlung zwar gut und unterhaltsam ist, aber von mir manchmal mit etwas distanzierten Augen gesehen wird, weil sie auf politische und gesellschaftliche Aspekte eingeht, die eben schon einige Jahrzehnte her sind. So habe ich trotz meiner schon lange bestehenden Leidenschaft für Raymond Chandler und Dashiell Hammet den Autor Cornell Woolrich erst sehr spät für mich entdeckt. Übrigens kann man mich inzwischen mit feministischen Fantasy- oder Science-Fiction-Romanen jagen, während ich Krimis aus der McCarthy-Ära immer noch sehr spannend finde …

Am Ende dieses leicht wirren Beitrags bleibt wohl das Fazit, dass ich weiterhin vor meinen alten Schätzen stehen werde und feststellen muss, dass mir ein relativ objektives Urteil über diese Romane schon seit langer Zeit nicht mehr möglich ist. Dafür genieße ich dann die vertrauten Charaktere, den geliebten Humor, versuche immer wieder neue Aspekte in den altbekannten Geschichten zu entdecken und verbinde mit jedem jahrelang gehegten Titel vielfältige Erinnerungen. Und allein die Tatsache, dass ich bei manchen Büchern mit jeder Lebensphase andere Facetten bemerke und anerkennen kann, sorgt wohl dafür, dass ich einige dieser alten Schätze weiterhin behalten werde und nicht als Regalverstopfer betrachten kann.

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*Zum Szenenrecycling: Wenn der Autor es offiziell als Hommage an ein anderes Werk bezeichnet, dann kann ich mit solchen Zitaten, wie sie zum Beispiel Bernd Perplies in seiner „Tarean“-Reihe verwendet, um auf Tolkiens „Herrn der Ringe“ zu verweisen, gut leben. Negativ hingegen ist mir in der Beziehung Marcus Reichard mit „Das Siegel der Finsternis“ aufgefallen. So nett und flüssig die Geschichte zu lesen ist, so sehr störte mich ein Kampf, der wie eine 1:1-Kopie von Gandalfs Auseinandersetzung mit dem Balrog in den Minen von Moria wirkt, während andere Szenen mich zum Beispiel weniger greifbar, aber trotzdem deutlich an die nicht ganz so bekannte Reihe „Die Diener von Ark“ von Jonathan Wylie (Mark und Julia Smith) erinnern.

Mal wieder Logan

Unser Kater Logan ist der festen Überzeugung, dass die eine Bettseite ihm gehört. So kann es nur ein sehr seltsames Versehen sein, dass mein Mann die Nacht über seinen Kopf auf Logans Kissen legt und dem armen Kater so schrecklich viel Platz wegnimmt! Für meinen Mann hingegen bedeutet dies, dass er jeden Morgen versuchen muss, ein Handtuch auf sein Kopfkissen zu legen, bevor Logan sich schon darauf niedergelassen hat.

Eine ganz schreckliche Unterbrechung von Logans Tagesablauf bedeutet es, wenn ich Betten beziehe. Dann wird der arme Kater von seinem kuscheligen Platz vertrieben und muss sich Zuflucht im Wohnzimmer suchen. Klingelt allerdings mittendrin das Telefon, dann weiß Logan selbstverständlich seine Chance zu nutzen:

Aber richtig glücklich ist er erst, wenn das Bett frisch bezogen ist und er den heißen Sommertag wieder auf seinem liebsten Schattenplatz verbringen kann – und dabei möchte er bitte nicht gestört werden!

[Figurenkabinett] Prinz Kheldar von Drasnien

In meinem vierten „Figurenkabinett“ bekommt zum ersten Mal eine „Nebenfigur“ die Aufmerksamkeit, die sie in meinen Augen verdient hat. Prinz Kheldar, auch Silk genannt, ist der Neffe des Königs von Drasnien und steht in der Thornfolge deutlich weiter oben, als es ihm lieb ist. Doch bei meiner ersten Begegnung mit ihm hätte ich niemals gedacht, dass er überhaupt von Adel ist oder gar so etwas wie eine „anständige“ Erziehung genossen hat. Denn mein erster Blick auf Silk geschah durch die Augen eines sehr naiven Jungen vom Lande, der sein Leben lang auf einer geordneten Farm unter der Obhut seiner (recht strengen) Tante Polgara verbracht hatte und der sich bei Silks Anblick sicher war, dass er Wegelagerern in die Hände gefallen sei. Dieser Junge ist übrigens Garion, die Hauptfigur der „Belgariade (Das Auge Aldurs)“ sowie der „Malloreon-Saga“ von David Eddings.

Ich muss zugeben, dass der erste Eindruck, den man von Silk gewinnt, nicht gerade der beste ist. Denn er wird beschrieben als ein nachlässig gekleideter kleiner Mann mit einem rattenhaften Gesicht, engstehenden Augen, einer langen Nase, ungepflegten Haaren und einem boshaften Humor. Aber trotz seines eher unvorteilhaften Äußeren hat mich sein Humor für ihn eingenommen, und je besser man Silk kennenlernt, desto mehr faszinierende Eigenschaften kann man an ihm entdecken – abgesehen davon, dass er zwar ein boshafter kleiner Mann, aber auch ein sehr guter (wenn auch manchmal über das Ziel hinausschießender) Freund ist.

Auf den ersten Blick scheint Silk eher leichtlebig zu sein. Trotz seiner adeligen Herkunft verbringt er einen Großteil der Zeit damit, in der Welt herumzureisen und – je nach Gelegenheit als erfolgreicher Kaufmann oder kleiner, schmieriger Reisender – sein Geld mit Handel zu verdienen. Dabei kann man das eigentlich nicht so ausdrücken, denn seine Geschäfte sind für ihn eher eine Art Glückspiel, und wie bei jedem Spiel gewinnt oder verliert er auch mal. Dabei hat er absolut keine Hemmungen, auch Insiderwissen auszunutzen, und so gelingt es ihm zum Bespiel während der „Malloreon-Saga“, den gesamten Bohnenbestand eines riesigen Reiches in seinen Besitz zu bringen, während der dortige Herrscher sich auf einen Krieg vorbereitet und genau diese Bohnen als Verpflegung für seine Soldaten benötigt. Den Gewinn, den Silk dabei gemacht hat, könnt ihr euch vermutlich vorstellen; die Unruhe, die er damit verbreitet hat, vermutlich auch … 😀

Doch seine größte Leidenschaft gilt der Beschäftigung, die ganz Drasnien – ein ansonsten kleines, unbedeutendes und sehr sumpfiges Land – Unabhängigkeit und Überleben gegenüber den anderen Reichen sichert: Der Spionage! Seiner Tätigkeit für den drasnischen Geheimdienst verdankt er nicht nur seinen Spitznamen, sondern auch seine Fähigkeiten als Akrobat und Assassine. Und auch hier ist er recht skrupellos, wenn es um seine Aufträge geht – wobei sein Vorgesetzter erstaunlich oft über Silks Eigenmächtigkeiten nicht so ganz glücklich ist. So meuchelt er während eines Aufenthalts in Tol Honeth (der Hauptstadt von Tolnedra) nächtelang einen Menschen nach dem anderen, als Rache für den Tod einer Prostituierten, die ihm sehr am Herzen lag – und deren Tätigkeit für den drasnischen Geheimdienst zu ihrer Ermordung geführt hatte. Das klingt jetzt vielleicht etwas drastisch, aber man muss bei solchen Beschreibungen schon im Hinterkopf behalten, dass David Eddings für diese Romanreihe eine Fantasywelt erschaffen hat, in der ein Menschenleben erstaunlich wenig wert sein kann. 😉

Obwohl diese Beschreibung jetzt vermutlich wenig reizvoll klingt, scheint es der Damenwelt rund um Silk ähnlich zu gehen wie mir – und so findet er ohne Probleme weibliche Gesellschaft, wenn ihm danach ist. Doch die eine Frau, die er wirklich liebt, ist schon lange vergeben und ihrem Mann vollkommen zugetan. Diese unglückliche Liebe ist auch der Grund, warum Silk es in seiner Heimat kaum aushält und so viel auf Reisen ist. Denn wann immer er sich in Drasnien aufhält, begegnet er zwangsläufig Königin Porenn und muss vor ihr seine Gefühle verbergen.

Außerdem spielt Silk natürlich noch eine wichtige Rolle in der „Prophezeiung“, die den Kern der Geschichte rund um Garion und die Gruppe von Menschen bildet, die mit ihm in der „Belgariade“ um die Zukunft der Welt kämpfen. Aber in dieser Beziehung sticht er aus der Masse der Beteiligten eigentlich kaum heraus. Ganz ehrlich, ich weiß selbst nicht genau, warum ich gerade diesen Charaktere bei dieser Buchreihe so gern mag. Vielleicht liegt es daran, dass Silk Gegenstand von besonders vielen – und nicht selten boshaften – humorvollen Szenen ist, aber der kleine Spion begleitet mich schon viele Jahre und liegt mir deutlich mehr am Herzen als die eigentlich Hauptfigur dieser Romane.

Wer nun auf die Bücher neugierig geworden sein sollte, der sei gewarnt, dass die beiden Reihen reine High Fantasy sind und auf den heutigen Leser vermutlich leicht altmodisch wirken. Außerdem ist der Grundaufbau der „Belgariade“ mit dem der „Malloreon-Saga“ gleichzusetzen, da es in beiden Reihen darum geht, dieselbe Prophezeiung (wenn auch mit zum Teil neu verteilten Rollen) zu erfüllen. Ach ja, in meinem Besitz befinden sich übrigens die alten Ausgaben von Knaur mit der Reihenbezeichnung „Das Auge Aldurs“, die trotz der bescheuerten und unpassenden Titel deutlich weniger Lektoratsfehler im Inneren aufweisen – und dank ihres Alters und der regelmäßigen Nutzung schon ziemlich zerschlissen aussehen. 😉

Die „Belgariade“ von David Eddings:

1. Kind der Prophezeiung (Knaur-Ausgabe: Die Prophezeiung des Bauern)
2. Zauber der Schlange (Knaur-Ausgabe: Die Zaubermacht der Dame)
3. Spiel der Magier (Knaur-Ausgabe: Gambit der Magier)
4. Turm der Hexer (Knaur-Ausgabe: Turm der Hexerei)
5. Duell der Zauberer (Knaur-Ausgabe: Verwunschenes Endspiel)

Die „Malloreon-Saga“ von David Eddings:

1. Herren des Westens
2. König der Murgos
3. Dämon von Karanda
4. Zauberin von Darshiva
5. Seherin von Kell

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma

„Aufzeichnungen aus Birma“ ist der dritte Comic von Guy Delisle, in dem der Zeichner seine Erlebnisse im Ausland beschreibt. Dabei ist er dieses Mal nicht aus beruflichen Gründen unterwegs (wie in „Pjöngjang“ und „Shenzhen“), sondern als Begleiter seiner Frau, die für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet. Vor allem soll Guy in den Monaten, in denen seine Frau sich um die ärztliche Betreuung der Einheimischen kümmert, das Babysitting des noch sehr jungen Sohn des Ehepaares übernehmen.

So erlebt der Leser Birma mit den Augen eines „Hausmanns“, dessen Alltag vom Kinderhüten, Einkaufen und dem Zeichnen am kleinen Schreibtisch im Schlafzimmer geprägt ist. Für mich fühlte sich dieser Comic weniger politisch an als die beiden Vorgänger, auch wenn man nicht übersehen kann, dass in Birma eine Militärdiktatur an der Macht ist. Ach ja, wenn ich die Daten in dem Comic richtig erfasst habe, dann war der Zeichner im Jahr 2006 (oder 2007) in diesem Land. Das musste ich mir anhand seiner Angaben über Aung San Suu Kyi (über die ich lustigerweise gerade gestern erst eine Nachricht im Fernsehen gesehen habe) zusammenreimen, genaue Aussagen gibt es von ihm dazu nicht.

Guy Delisle beschreibt in seinen „Aufzeichnungen aus Birma“ sehr humorvoll die verschiedenen Auswirkungen des Regimes, wie er sie erlebt hat. Während man so einiges über den Alltag als Ausländer in Birma, Einkaufs- und Wohnsituationen und die Einheimischen, die der Zeichner in dem Jahr dort kennengelernt hat, erfährt, bemerkt man die Auswirkungen des Militärregimes vor allem bei der Arbeit der Ärzte. So endet der Comic auch damit, dass die französische Organisation, für die Guy Delisles Frau arbeitet, sich aus dem Land zurückzieht, weil sie dort nicht den Menschen helfen kann, die auf sie angewiesen wären.

Ansonsten gibt es viele kleine Episoden über die Dinge, die Guy Delisle so erlebt hat – wobei mehr oder weniger nebenbei auch ein Bombenattentat und ein Mord erwähnt werden. Aber bei aller Ernsthaftigkeit, wenn zum Beispiel über die Zeitungspolitik oder Zensur geredet wird, bleibt bei mir ein seltsam leichtes Gefühl nach dem Lesen zurück. Das ist ein bisschen wie nach der Lektüre eines „Dr. Siri“-Romans, wo man zwar trotz der amüsanten Präsentation einen Eindruck vom Leben innerhalb eines solchen Regimes bekommt, aber trotzdem das Gefühl hat, die Menschen versuchen innerhalb ihrer Grenzen das Beste aus der Situation zu machen. Vielleicht liegt es an dem (Galgen-)Humor des Zeichners (oder an der Nähe zwischen Birma und Laos, wo die „Dr. Siri“-Bücher spielen), aber bei all den beängstigenden und nachdenklich machenden Szenen überwiegt für mich am Ende bei diesem Comic das Gefühl, dass hier viele lustige und skurrile Situationen dargestellt wurden, die mich gut unterhalten haben.

Wer von euch Lust hat, sich mit Guy Delisle und seinen Erlebnissen im Ausland zu beschäftigen, dem empfehle ich die Comics in der Reihenfolge, in der sie entstanden sind, zu lesen. Also fangt in China mit „Shenzhen“ an, wandert dann mit dem Zeichner nach „Pjöngjang“ in Nordkorea und beendet die Reise mit den persönlicheren Episoden, die man in den „Aufzeichnungen aus Birma“ finden kann. Die Qualität der Zeichnungen und Geschichten steigert sich in meinen Augen von Band zu Band und so bietet jeder Teil neue und amüsante Eindrücke in ein fremdes Land.

Agatha Christie: They Came to Baghdad

Ich bin selber ganz erstaunt, dass ich schon wieder einen Spionageroman von Agatha Christie erwischt habe, das war keine bewusste Wahl. Meine Auswahl beschränkte sich im Moment halt auf die Titel, die in der Bibliothek sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung standen, weil ich mal einen detaillierten Vergleich zwischen den Büchern machen wollte. So habe ich einerseits meine Neugierde bezüglich der Veränderungen bei den deutschen Übersetzungen endlich mal gestillt und auf der anderen Seite auch in diesem Monat pünktlich mein Buch für die English-Challenge geschafft.

„They came to Baghdad“ spielt um 1950 und der Leser wird zusammen mit der jungen Victoria Jones in eine klassische Spionagegeschichte rund um eine wichtige Veranstaltung in Bagdad geworfen. Anfangs weiß man nicht viel mehr, als dass sich zwei Herren (Captain Crosbie und Dakin) über die Festsetzung eines Termins unterhalten. Wenn man diese beiden glauben darf, dann könnte dieses Treffen (zu dem wohl auch der amerikanische Präsident erscheinen wird) über Krieg und Frieden entscheiden.

Dementsprechend gibt es nicht nur Parteien, die alles dafür tun wollen, damit diese Veranstaltung reibungslos über die Bühne geht, sondern mindestens eine Gegenpartei, die auch nicht davor zurückschreckt jeden Dahergelaufenen zu ermorden, nur weil er Carmichael, einem von Dakins wichtigsten Mitarbeitern, ähnelt. Dieser ist nämlich im Besitz von Informationen, die für das Treffen entscheidend sein könnten, wenn es dem Mann gelingt rechtzeitig und lebendig in Bagdad einzutreffen.

Während Victoria einzig und allein nach Bagdad reist, weil sie sich innerhalb eines kurzen Treffens in einen Mann verliebt hat, der sich prompt am nächsten Tag von London in den Orient aufmacht, stolpert sie kurz nach ihrer Ankunft in Bagdad über einen Toten. So wird die junge Frau in die Ereignisse rund um das politisch so wichtige Treffen hineingezogen und erlebt einige Abenteuer in dem fremden Land. Obwohl ich die Geschichte recht unterhaltsam finde und mich in dieser englischen Version vor allem Agatha Christies Beschreibungen von Bagdad und den dort lebenden Menschen unterhalten haben, muss ich zugeben, dass es nicht einer der besten Romane der Autorin ist.

Ich habe das Gefühl, dass die Qualität der Handlung immer dann leidet, wenn Agatha Christie ihre Gedanken zum – für sie damals – aktuellen Weltgeschehen mitteilen wollte. So macht dieser Part (der in der deutschen Ausgabe fast komplett weggekürzt wurde!) für mich den größten Reiz an der Geschichte aus, während die Spionagegeschichte ebenso wie die (Liebes-)Geschichte von Victoria vorhersehbar und nicht mehr als „ganz nett“ ist. Einige Elemente haben mich sogar sehr an „Passenger to Frankfurt“ erinnert, vielleicht hatte sie die Grundidee zwanzig Jahre später für ihre „Frankfurt-Geschichte“ noch einmal aufgenommen, auch wenn sie in „They Came to Baghdad“ den Kalten Krieg und nicht Überreste der Nazi-Zeit thematisiert hat und mir die Abenteuer in Bagdad deutlich besser gefallen haben.

Ich muss zugeben, dass ich dieses Buch parallel auf Deutsch und Englisch gelesen habe, weil ich nach dem ersten Kapitel so fassungslos darüber war, wie sehr die deutsche Übersetzung den Text verfälscht. Während die englische Ausgabe lauter atmosphärische Beschreibungen enthält und viele einzelne Wörter, Zitate oder Verse davon zeugen, wie gut sich Agatha Christie im Orient ausgekannt hat, fehlen nicht nur diese Elemente, sondern auch einige – in meinen Augen relevante – Informationen in der deutschen Fassung.

Wer allerdings nicht beide Bücher nebeneinanderliegen hat, wird vermutlich nicht so schnell auf den Gedanken kommen, dass da so gravierende Einschnitte vorgenommen wurden. Ich zumindest habe mich bislang auch mit den deutschen Ausgaben gut unterhalten gefühlt.  Jetzt aber, da ich weiß wie gut die Originalversion verständlich ist und welche gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen, werde ich wohl meine (so gut wie vollständige *sniff*) Christie-Sammlung auf Dauer durch die englischen Ausgaben ersetzen.

Leseflaute

Nach einer Woche mit Hexenschuss, Schmerzmitteln und vorsichtigen Dehnbewegungen geht es mir inzwischen eigentlich wieder gut. Zumindest solange ich darauf achte, dass ich den Rücken nicht zu sehr verdrehe … Und morgen habe ich auch endlich den Arzttermin, den ich schon vor dem Hexenschuss ausgemacht hatte.

Da ich in den letzten Tagen eh nicht arbeiten konnte, hätte ich unglaublich viel Zeit zum Lesen gehabt. Blöderweise fehlte mir die Lust! So stapeln sich lauter angefangene Bücher auf dem Wohnzimmertisch, aber kaum eins davon habe ich weiter als bis zum zweiten Kapitel gelesen. Stattdessen habe ich mir die Zeit mit DVDs vertrieben und nicht nur endlich die schon lange angefangenen „Buffy“- und „Angel“-Staffeln beendet, sondern auch Folgen von „Die Mädchen aus dem Weltraum“ gesehen. Wer sich darüber wundern sollte: Mein Mann hat eine Schwäche für seltsame (billig gemachte) Serien aus den 70er-Jahren. Und diese Serie ist wirklich seltsam! Wenn ich nur unkritisch hingucke, dann amüsiere ich mich über den Versuch, eine matriarchalische Gesellschaft zu entwerfen, in anderen Momenten frage ich mich, ob das eine Anti-Feminismus-Kampagne sein sollte.

Auf jeden Fall wird es wieder Zeit, dass ich aktiver werde. Und wenn ich morgen beim Arzt grünes Licht bekomme, dann werde ich nicht nur brav wieder an die Arbeit gehen, sondern auch wieder mehr Freizeit am PC verbringen und den Blog regelmäßiger füttern. Oh, und es wäre auch schön, wenn ich bis zum Ende des Monats den SaB vom Wohnzimmertisch weglesen würde. 😉

Aber heute gönne ich mir noch etwas Entspannung und habe deshalb nach dem Frühstück einen Blick in diesen Comic geworfen:

Bislang kann ich sagen, dass sich „Aufzeichnungen aus Birma“ vollständig von „Pjöngjang“ unterscheidet und mich dazu gebracht hat, nach einer „lachenden roten Kuh“ im Internet zu recherchieren. Und da ich große Lust aufs Weiterlesen habe, kann ich mit dem Comic vielleicht die Leseflaute beenden. 🙂