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Ein detaillierter Vergleich zwischen dem ersten Kapitel von „They Came to Baghdad“ und „Sie kamen nach Bagdad“

Es ist schon seltsam, dass ich beim Lesen von „The Man in the Brown Suit“ ebenso wenig wie bei „The Secret of Chimneys“ das Gefühl hatte, dass sich das Original von der mir vertrauten deutschen Übersetzung groß unterscheiden würde. Zwar ist mir im ersten Buch eine Szene ins Auge gesprungen, die mir vollkommen neu erschien, während der zweite Roman mir vor allem das Gefühl gab, dass viele Redewendungen den Weg in die deutsche Ausgabe nicht gefunden haben, aber insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, dass ich als Leser der Übersetzung groß etwas vom Inhalt oder der Atmosphäre vermissen würde.

Nun habe ich aber in der Bibliothek das Glück gehabt, dass ich sowohl „They Came to Baghdad“ (Harper Colins Publishers, 1993) als auch „Sie kamen nach Bagdad“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 2006; übersetzt von Elleonore von Wurzian) ausleihen konnte, und somit wurden diese beiden Titel parallel von mir angefangen. Zum Inhalt werde ich in der (English-Challenge-)Rezension zur englischen Ausgabe noch etwas sagen, hier geht es mir gerade darum, mal detaillierter auf die Unterschiede einzugehen. Dabei musste ich anfangs wirklich die beiden Titel nebeneinanderlegen und Seite für Seite parallel lesen, obwohl in „Sie kamen nach Bagdad“ schon im ersten Kapitel mehrere kleine Absätze fehlten, die viel zur Atmosphäre beitragen. Aber so richtig fällt es eben nur ins Auge, wenn es nicht nur um die Stimmung, sondern auch um Informationsvermittlung geht.

Ich trage hier mal zusammen, was mir allein im ersten Kapitel aufgefallen ist. Auf der einen Seite kann der Leser hier eine Begegnung zwischen Captain Crosbie und Dakin verfolgen, auf der anderen Seite lernt er Miss Scheele, eine Sekretärin, kennen. Wenn ich auch auf die restlichen Kapitel eingehen wollte, dann würdet ihr einen Monat lang Beiträge dazu von mir lesen können.

Viele Passagen sind wirklich wörtlich übersetzt und so habe ich mir nichts dabei gedacht, als in der englischen Ausgabe Captain Crosbie nach 1 ½ gelesenen Seiten „into a large khan or court“ (S. 8) einbiegt, während er in der deutschen Ausgabe „einen großen Hof“ (S. 6) betrat.

Wegen eines solchen Worts stelle ich mich nicht so an, auch wenn ich in einem Roman, der im Orient spielt, an sich gern auf solche Ausdrücke stoße.

Auch Dakins Büro wird in der einen Ausgabe ausführlicher dargestellt als in der anderen. So heißt es im Englischen:

It was a high, rather bare room. There was an oil stove with a saucer of water on top of it, a long, low cushioned seat with a little coffee table in front of it and a large rather shabby desk. The electric light was on and the daylight was carefully excluded. (S. 8)

Während im Deutschen mal eben die Möblierung gestrichen wurde:

Es war ein hohes, kahles Zimmer. Das elektrische Licht brannte und das Tageslicht war sorgfältig ausgeschlossen. (S. 6)

Eine – in meinen Augen – akzeptable Kürzung, die aber doch schon eine Auswirkung auf meine Vorstellung von diesem Raum hat.

Lustig ist, dass Dakin im englischen Text noch bei der Arbeit ist:

He had before him a paper which he had just been busy decoding. He dotted down two more letters and said: „…” (S. 9)

Während er diese im Deutschen schon beendet hat:

Er hatte ein Schriftstück vor sich liegen, das er eben dechiffriert hatte. (S. 7)

Eine weitere Kürzung beraubt einen Charakter in der deutschen Ausgabe einer Facette – und hat somit eindeutig eine Auswirkung auf meine Wahrnehmung dieser Person – und lässt zusätzlich eine kleine spöttische Bemerkung unter den Tisch fallen, die ich schon als wichtig für die Atmosphäre empfinde:

„They’ve been talking about in the souk – for three days,“ said Crosbie drily.
The tall man smiled his weary smile.
„Top secret! No top secrets in the East, are there, Crosbie?”
„No, sir. If you ask me, there aren’t any top secrets anywhere. During the war I often noticed a barber in London knew more than the High Command.”
„It doesn’t matter much in this case. If the meeting is arranged for Baghdad it will soon have to be made public. And then the fun – our particular fun – starts.” (S. 9)

Und zum Vergleich:

„Sie sprechen im Souk schon seit drei Tagen davon“, sagte Crosbie.
„In diesem Fall macht das nichts. Wenn die Konferenz in Bagdad stattfindet, wird das bald publik gemacht werden müssen. Und dann fängt der Spaß – unser Privatspaß – an.“ (S. 7)

Bei einer solchen Veränderung fällt auch kaum auf, dass Crosbi recht salopp fragt, ob „Uncle Joe – thus disrespectfully did Captain Crosbie refer to the head of a Gread European Power – really mean to come?“ (S. 9), während es im Deutschen nur heißt: „Hat Onkel Joe ernstlich die Absicht zu kommen?” (S. 7), ohne dass man an dieser Stelle eine Erklärung bekommt, wer „Onkel Joe“ sein könnte.

Wirklich gestört hat mich aber vor allem folgende Veränderung, bei der sich Dakin recht desillusioniert über die kommende Veranstaltung äußert:

„I think he does this time, Crosbie,“ said Dakin thoughtfully. „Yes, I think so. And if the meeting comes off – comes off without a hitch – well, it might be the saving of – everything. If some kind of understanding could only be reached –“ he broke off.
Crosbie still looked slightly sceptical. „Is – forgive me, sir – is understanding of any kind possible?”
„In the sense you mean, Crosbie, probably not! If it were just a bringing together of two men representing totally different ideologies probably the whole thing would end as usual – in increased suspicion and misunderstanding. But there’s the third element. If that fantastic story of Carmichael’s is true –“ (S. 10)

Und die entsprechende Passage in der deutschen Ausgabe:

„Ich glaube, diesmal ja, Crosbie”, sagte Dakin nachdenklich. „Ja, ich glaube es wirklich. Und wenn sie stattfindet und ungestört verläuft – nun, dann kann sie vielleicht alles retten. Aber wenn diese fantastische Geschichte von Carmichael wahr ist …“ Er brach ab. (S. 8)

Nun, wer braucht schon Gedanken darüber, wie wichtig die kommende Veranstaltung ist, welche Auswirkungen sie auf die Welt haben könnte und wer vermisst schon philosophische Gedanken zum Thema „Verständigung“ … Bestimmt verliert die Geschichte nichts an Atmosphäre und Dringlichkeit, wenn man anfangs nicht mal eine Ahnung davon hat, worum es überhaupt geht. *seufz*

Bei einer langen Auflistung, welche Verbrechen in den letzten Tagen verübt worden sind, die mit Carmichael (dem Mitarbeiter, der anscheinend einen schlimmen Verdacht bezüglich der Veranstaltung hat) zusammenhängen könnten, fehlt nur ein kleiner Satzanhang am Ende:

“ […] A gardener at the Embassy, a servant at the Consulate, an official at the Airport, in the Customs, at the railway stations … all hotels watched … A cordon, stretched tight.” (S. 11)

Und zum Vergleich:

“ […] Ein Gärtner in der Botschaft – ein Diener auf dem Konsulat – ein Beamter auf dem Flughafen, beim Zoll, auf einem Bahnhof – alle Hotels überwacht.“ (S. 9)

Für mich eine vertretbare, wenn auch nicht nötige Veränderung des Textes.

Den gravierendsten Einschnitt gibt es allerdings am Ende der Passage über Crosbie und Dakin. So endet dieser Teil im Englischen:

In the middle of the spider’s web he wrote a name: Anna Scheele. Underneath he put a big query mark.
Then he took his hat, and left the office. As he walked along Rashid Street, some man asked another who that was.
„That? Oh, that’s Dakin. In one of the oil companies. Nice fellow, but never gets on. Too lethargic. They say he drinks. He’ll never get anywhere. You’ve got to have drive to get on in this part of the world.” (S. 12)

Während im Deutschen an Ende dies zu lesen ist:

Schließlich zeichnete er in einer Ecke des Löschpapiers ein Spinnennetz und in die Mitte des Spinnennetzes schrieb er einen Namen: „Anna Scheele“. Darunter setzte er ein großes Fragezeichen. (S. 10)

Solche Änderungen machen mich wirklich ärgerlich. Ich finde es schon relevant, dass Dakin in den Augen der Öffentlichkeit ein antriebsloser und vermutlich trinkender Angestellter einer Ölfirma ist – und diese Informationen werden mir in der deutschen Ausgabe komplett vorenthalten!

Der Text über Miss Scheele hingegen wird in der deutschen Übersetzung gleich mal um einen Satz erweitert:

„Have you got the reports on the Krugenhorf property, Miss Scheele?“ (S. 12)

Und:

In einem großen Büro eines New Yorker Wolkenkratzers saß ein Mann an einem Schreibtisch.
„Haben Sie den Bericht über das Krugendorf-Vermögen, Miss Scheele?“ (S. 10)

Dafür wurde dann bei der Beschreibung der guten Miss Scheele gleich ein Satz wieder eingespart:

She could organize the staff of a big office in such a way that it ran as by well-oiled machinery. She was discretion itself and her energy, though controlled and disciplined, never flagged.
Otto Morganthal, head of the firm of Morganthal, Brown and Shipperke, international bankers, was well aware that to Anna Scheele he owed more than mere money could repay. (S. 13)

Sie konnte den Stab eines großen Büros so organisieren, dass er wie eine gut geölte Maschine funktionierte.
Otto Morganthal, Chef der angesehenen Firma Morganthal, Brown & Schipperke, internationales Bankhaus, war sich bewusst, dass Anna Scheeles Dienste nicht mit Gold aufzuwiegen waren. (S. 11)

Keine Streichung, aber doch einen – in meinen Augen – merkbaren Unterschied bezüglich der Beschreibung von Miss Scheele beinhaltet für mich folgende Übersetzung:

He would indeed have been astonished if he had been told that she had any thoughts – other, that is, than thoughts connected with Morganthal, Brown and Shipperke and with the problems of Otto Morganthal. (S. 14)

Er wäre in der Tat höchst erstaunt gewesen, hätte man ihm gesagt, dass sie irgendwelche Gedanken hatte, die sich nicht auf Morganthal, Brown & Schipperke oder auf die Probleme von Otto Morganthal bezogen. (S. 12)

Inhaltlich eigentlich kein Unterschied, aber von der Aussage her schon eine spürbare Differenz.

Und an dieser Stelle wurde der Text im Deutschen mal wieder etwas gerafft:

So it was with complete surprise that he heard her say as she prepared to leave his office:
„I should like three weeks’ leave of absence if I might have it, Mr Morganthal. Starting from Tuesday next.”
Staring at her, he said uneasily: „It will be awkward – very awkward.”
„I don’t think it will be too difficult, Mr Morganthal. Miss Wygate ist fully competent to deal with things. I shall leave her my notes and full instructions. Mr Cornwall can attend to the Ascher Merger.”
Still uneasily he asked:
„You’re not ill, or anything?”
He couldn’t imagine Miss Scheele being ill. Even germs respected Anna Scheele and kept out of her way.
„Oh no, Mr Morganthal. I want to go to London to see my sister there.”
„Your sister?” He didn’t know she had a sister. He had never conceived of Miss Scheele as having any family or relations. She had never mentioned having any. And here she was, casually referring to a sister in London. She had been over London with him last fall but she had never mentioned having a sister then.
With a sense of injury he said:
„I never knew you had a sister in England?” (S. 14)

Daher traute er seinen Ohren nicht, als sie, im Begriff das Büro zu verlassen, sagte: „Ich möchte gern, wenn möglich, drei Wochen Urlaub haben, Mr Morganthal, ab nächsten Dienstag. Ich  möchte nach London fahren, um meine Schwester zu sehen.“
„Ihre Schwester?“ Sie war letzten Herbst mit ihm in London gewesen, ohne je zu erwähnen, dass sie eine Schwester hatte. Er sagte etwas gekränkt: „Ich wusste gar nicht, dass Sie eine Schwester in England haben.“ (S. 12)

Für mich besteht zwischen diesen beiden Szenen ein riesiger Unterschied! Auf der einen Seite hat man eine zurückhaltende effiziente Sekretärin, die auch bezüglich ihres Privatlebens diskret ist und der man jede Information aus der Nase ziehen muss, während die deutsche Übersetzung eine Frau zeigt, die ihrem Chef auf Anhieb gleich alle Details verrät, damit sie Urlaub bekommt. Die „englische“ Anna Scheele hinterlässt bei mir einen komplett anderen Eindruck als die „deutsche“ Anna Scheele. Und das finde ich noch schlimmer als die fehlenden Informationen bezüglich Dakin am Ende seiner Passage.

Und hier noch die letzte Änderung im ersten Kapitel:

„All right, all right .. Get back as soon as you can. I’ve never seen the market so jumpy. All this damned Communism. War may break out at any moment. It’s the only solution, I sometimes think. The whole country’s riddled with it – riddled with it. And now the President’s determind to go to this fool conference at Baghdad. It’s a put-up job in my opinion. They’re out to get him. Baghdad! Of all outlandish places!” (S. 15)

„Schön, schön … kommen Sie so bald wie möglich zurück. Der Markt war noch nie so unruhig. Das ist dieser verfluchte Kommunismus. Das ganze Land gärt – gärt, sage ich. Und jetzt hat sich der Präsident entschlossen, zu dieser närrischen Konferenz nach Bagdad zu fliegen. Meiner Meinung nach eine abgekartete Sache. Sie haben es auf ihn abgesehen. Bagdad! Von allen ausgefallenen Plätzen gerade Bagdad!“ (S. 12)

Kaum ein Unterschied und doch wird uns die Angst vor einem möglichen Krieg in der deutschen Ausgabe unterschlagen … Aber wer braucht in einer Spionagegeschichte schon solche Details?

Da ich die Übersetzung insgesamt eigentlich ganz stimmig finde, gehe ich mal davon aus, dass bei den Kürzungen eher der Verlag die Finger im Spiel hatte als Elleonore von Wurzian, die den Text ins Deutsche transportiert hat. Und bei den kleineren Sachen – wie der Weglassung des „khan“ oder auch dem fehlenden Satz bei der Raumbeschreibung – würde ich mich auch nicht beschweren, aber einige der gekürzten Sätze und Passagen machen doch einiges an Atmosphäre und Inhalt aus!

Vor allem fehlen die Elemente, die zeigen wie gut sich die Autorin in Bagdad ausgekannt hat und wie sehr sie das Land in all seinen Schattierungen liebt. Auch finde ich es erschreckend, wie wenig in der deutschen Übersetzung noch von Agatha Christies Gedanken zum Thema Wirtschaft, Kommunismus und dem drohenden (Kalten) Krieg übrig geblieben ist. Mein Fazit aus diesem Vergleich ist, dass ich wohl in den nächsten Jahren meine Agatha-Christie-Sammlung so nach und nach durch die Originalausgaben ersetzen werde.

Wenn alle guten Dinge drei sind, was …

… muss man dann über die blöden Dinge sagen?

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich die nächsten Tage offline verbringen werde. Und da ein Großteil der Leute, mit denen ich sonst täglich Kontakt habe, meinen Blog lesen, melde ich mich hierüber mal ab.

Ich habe einen bösen Hexenschuss und obwohl es mir gestern dank Schmerzmittel ganz gut ging, merke ich doch seit dem gestrigen Abend die Folgen der ungewohnte Medikamente. So müde, unkonzentriert, schwindelig und von Übelkeit geplagt, habe ich andere Dinge im Sinn als meine Mails und andere Blogs zu lesen oder darauf zu reagieren.

Außerdem ist meinem Mann der Stress der letzten Tage so kräftig auf den Magen geschlagen, dass er sich heute krank melden musste. Was letztendlich ein Glück war, …

… denn Baltimore kann gerade nicht auf sein Katzenklo gehen. Der alte Herr leidet seit gestern Nacht an einer bösen Verstopfung und durfte deshalb heute zum Tierarzt. Wenn es bis morgen nicht besser wird, dann muss mein Mann vor seiner Arbeit den Kater zur Praxis bringen, wo er den Tag über bleiben wird, um seinen Darm zu leeren.

Ich hoffe sehr, dass wir drei uns erst einmal erholen können, bevor das nächste Familienmitglied krank wird. Aber wer weiß, vielleicht schlagen auch Krankheiten „nur“ dreimal zu …

Rick Yancey: Der Monstrumologe (Hörbuch)

Nachdem ich mich mit Kiya auf ihrem Blog gerade kurz über den „Monstrumologen“ unterhalten habe, fiel mir ein, dass ich hier ja noch eine kurze Anmerkung zum Hörbuch veröffentlichen könnte. Einen detaillierten – und ein wenig langen – Eindruck zum Buch gab es von mir schon einmal HIER, aber Hörbücher sind ja immer noch ein klein wenig anders. Vor allem, wenn es sich um eine „bearbeitete Fassung“ handelt, finde ich einen direkten Vergleich immer wichtig.

Während ich sonst immer gern über die diversen Änderungen, die sich durch die Bearbeitung und Kürzung ergeben, meckere, muss ich zugeben, dass bei „Der Monstrumologe“ nur eines etwas zu bemängeln ist. Denn der Verlag hat die Einleitung des Buches weggelassen, durch die man erfährt, dass die gesamte Geschichte so erzählt wird, wie sie in seinen Tagebüchern von Will Henry aufgeschrieben wurde. Die ganze Vorgänge werden also nicht nur aus seiner Sicht geschildert, sondern lassen sich auch nicht nachprüfen, da Will Henry inzwischen in einem überraschend hohen Alter verstorben ist.

Ohne diese Einleitung gibt es bei dem Hörbuch kleine Momente, bei denen man als Hörer etwas irritiert ist, weil die Erzählweise in ihrer tagebuchartigen Art leicht unpassend wirkt. Das kommt aber nur sehr selten vor und ansonsten kann ich sagen, dass ich schon mit dem Buch in der Hand neben dem CD-Player hätte sitzen müssen, um den Finger auf die jeweiligen Kürzungen legen zu können. Hier und da hatte ich eine Szene in meiner Erinnerung etwas ekeliger abgespeichert, aber vermisst habe ich keinen entscheidenden Punkt und keine Szene, die für die Atmosphäre oder die Handlung entscheidend gewesen wäre. Es gab nur das vage Gefühl, dass hier und da ein Satz geschickt entfernt worden wäre.

Nicht nur bei der Bearbeitung, sondern auch bei der Wahl des Sprechers wurde für „Der Monstrumologe“ eine gute Entscheidung getroffen. Christoph Wortberg hat nicht nur eine angenehme Stimme, sondern betont auch die leicht altmodische Sprache (immerhin soll die Geschichte ja im Jahr 1888 spielen) sehr gut. Mir ist es nicht nur dadurch, dass ich die Handlung nun schon kannte, sondern auch durch seine flüssige Vortragsweise leichter gefallen in die Geschichte rein zu kommen. Außerdem habe ich seine Darstellung der verschiedenen Charaktere genossen. Ich mag es nicht, wenn ein Sprecher übermäßig betont oder seine Stimme groß verstellt (ich bin vermutlich auch einer der wenigen Menschen, die mit Rufus Beck als Hörbuchsprecher nichts anfangen können), aber Christoph Wortberg hat es sehr fein und geschickt gemacht.

Sein Will Henry ist ein unsicherer, ängstlicher Junge, der gegen die Müdigkeit, die Erschöpfung, den Hunger und das allgegenwärtige Gefühl der Einsamkeit ankämpfen muss und dabei doch bei Bedarf mutig und entschlossen vorgeht. Dr. Warthrope hingegen klingt ungeduldig, gereizt und immer drängend. Sein ständiges Antreiben hat mich mit Will Henry mitleiden lassen, mich aber auch regelmäßig zum Grinsen gebracht, während man später – im Kontrast mit dem zur Hilfe gerufenen „Monsterjäger“ – bemerkt, wie hilflos der Monstrumologe doch in Wirklichkeit ist und wie entschlossen seine Arbeit richtig zu tun. Wer also gern Hörbücher hört, kann bei dieser Version getrost zugreifen. Entweder um die Geschichte noch einmal anders zu erleben oder um als Hörbuch vielleicht etwas zu entdecken, an das man sich als Roman nicht so recht herangetraut hat. 😉

Dies und Das (9)

Da wir die letzten Tage Besuch hatten, habe ich den heutigen Vormittag damit verbracht etwas Haushalt nachzuholen und den Feed-Reader zu leeren. Dabei habe ich aufgrund der Beitragsmassen, die sich allein über das Wochenende, angesammelt haben, deutlich weniger kommentiert als ich es normalerweise tun würde, was ich ein wenig schade finde. Aber bei solchen „Arbeitsbedingungen“ ist es schwierig an die Tastatur heran zu kommen und ich wollte nicht einen Großteil der Beiträge als „ungelesen“ markieren.

Die Zeit mit Bibendum war – wie immer – sehr schön. Für meine Verhältnisse waren wir viel unterwegs (für Bibendums Verhältnisse waren es vermutlich sehr gemütliche und geruhsame Tage ;D) und neben kulinarischen Genüssen in unseren Lieblingsrestaurants, Sightseeing und dem Aufbau eines neuen SuB für Bibendum, haben wir die Gelegenheit für eine Flussfahrt genutzt. Oh, und wer keine Spinnen mag, sollte die letzten beiden Bilder auslassen!

Nach diesen abwechslungsreichen Tagen ist es nun allerdings wieder Zeit, dass bei hier der Alltag einzieht. Die Arbeit stapelt sich auf dem PC, die Wohnung benötigt einen „nach dem Besuch“-Putz, die Wäsche hat sich aufgehäuft (und wird bei dem heißen Wetter zum Teil gerade auf der Bleiche trocken) und die Katzen bestehen auf mehr Aufmerksamkeit. Vor allem Shandy musste heute Vormittag erst einmal demonstrieren wie vernachlässigt er ist und pinkelte im hohen Bogen gegen die Wand. In solchen Momenten muss ich mich daran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen wir froh waren, wenn unser Sorgenkater mal mehr als ein paar Tropfen Urin absetzen konnte. So ein Markierungsschwall beweist immerhin, dass er aktuell keine Harnsteinprobleme hat. Und um den Herrn an weiteren Protestaktionen zu hindern, werde ich mich nach der nächsten Wäscheladung zum Schmusen und Spielen zur Verfügung halten. 😉

Und zum Schluss noch eine Mitfahrerin auf dem Fluss:

August-SuB

Uiui, der Juli war ein schlechter Lesemonat für mich. Mit gerade mal sieben Büchern, vier Manga und drei Hörspielen hat es sich deutlich merkbar gemacht, dass ich ständig mit anderen Dingen beschäftigt war. Dafür wird der August hoffentlich wieder besser. Mein „unter 100“-Ziel für den SuB verliere ich auf jeden Fall nicht aus den Augen!

A (3)

Sharon Ashwood: Seelenkuss

Robert Asprin: Des Dämons fette Beute
Robert Asprin: Ein Dämon schafft noch keine Ordnung

B (7)
Sina Beerwald: Die Goldschmiedin
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Malorie Blackman: Boys don’t cry
Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

C (4)

David Chandler: Ancient Blades – Die Metropole der Diebe

Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)
James Collins: Zauberberg für Anfänger

D (4)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Bann des Herzsteins
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben

F (13)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Jennifer Fallon: Kind der Götter (Das Dämonenkind 2)
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Gayle Forman: Wenn ich bleibe
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Earlene Fowler: Tödliche Schatten
Peter Freund: Laura und das Siegel des Mondes
Luca di Fulvio: Die Rache des Dionysos

G (4)
Francois Gantheret: Das Gedächtnis des Wassers
Michele Giuttari: Rachefeuer
Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (4)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Frederik Hetmann: Zeitenwende
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung

I (2)
Greg Iles: Leises Gift
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (4)
Marc Levy: All die ungesagten Worte
Siri Lindberg: Nachtlilien
Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin
Sergej Lukianenko: Trix Solier

M (7)

Chris Marten: Hydra

Christoph Marzi: Lyra

L. J. McDonald: Die Krieger der Königin

Seanan McGuire: October Daye – Winterfluch
Richelle Mead: Dark Swan – Sturmtochter
Kai Meyer: Hex
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (3)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter
Elle Newmark: Der Granatapfeldieb

P (5)
Renata Petry: Hilgensee

Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit

Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)

Q (0)

R (14)
Irene Radford: Der letzte Kriegsmagier (Die Historie des Drachen-Nimbus 2)
Irene Radford: Der abtrünnige Drache (Die Historie des Drachen-Nimbus 3)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Sarah Rayner: Das Licht des frühen Tages
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Mike Resnick: Jäger des verlorenen Einhorns
John Maddox Roberts: Die Feinde des Imperators – Ein Krimi aus dem Alten Rom
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Brian Ruckley: Winterwende (Die Welt aus Blut und Eis 1)
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (10)
Régis de Sá Moreira: Das geheime Leben der Bücher
Lynsay Sands: Vampire und andere Katastrophen
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge

Arthur Slade: Mission Clockwork

Emma Smith: Der Ruf der Ferne
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (9)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon

Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 – Der gläserne Fluch

P.J. Tracy: Der Köder P.J. Tracy: Mortifer
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Aino Trosell: Eine grenzenlose Liebe
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

V (0)

W (4)
Alfred Weidenmann: Gepäckschein 666
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan

Kiersten White: Flames’n’Roses

Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut

X (1)
Xinran: Gerettete Worte

Y (0)

104 Titel zum Monatsanfang
(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)
(blau markierte Titel habe ich für Aktionen vorgesehen)
(rot markierte Titel möchte ich bis zum 05. August 2011 gelesen haben)
(blaugrau markierte Titel möchte ich bis zum 23. August 2011 gelesen haben)

[Kulinarisches] Schoko-Kirsch-Trifle

Da wir seit gestern Bibendum zu Besuch haben, werden wir uns die nächsten Tag wieder sehr viel mit Essen beschäftigen. Ich habe keine Ahnung, wie es dazu immer kommen kann … 😉

Und da sich Bibendum einen Schoko-Kirsch-Trifle gewünscht hat, habe ich gestern (neben der obligatorischen Last-Minute-Putzrunde, die bei einem Vier-Katzen-Haushalt nun einmal anfällt) auch noch diesen sündhaft leckeren Nachtisch gemacht und den Aufbau für euch fotografiert. Nachmachen wird ausdrücklich von mir empfohlen! 😀

Als erstes kommt eine Schicht Schokokuchen in die Schüssel.
(Da ich gerade keinen Backofen habe, habe ich auf drei fertige Muffins zurückgegriffen.)

Normalerweise wird der Kuchen noch ein wenig mit Alkohol oder Fruchtsaft getränkt, aber da dieses Mal Kirschen draufkamen und die immer sehr saftig sind, habe ich darauf lieber verzichtet.

Für die nächste Schicht muss man immer am Vortag schon eine Runde „Arbeit“ ansetzen und Wackelpudding vorbereiten.

Der wird gewürfelt und dann auf die Kirschen gegeben.

Der nächste Teil ist der kniffeligste! Man muss Vanillepudding kochen und den so lange rühren, bis er immer noch gut gießbar, aber ziemlich kalt ist. Wenn man den nämlich zu warm über den Wackelpudding gibt, dann fließt der davon …
Wenn er dann so aussieht, kommt die Schüssel in den Kühlschrank.
Und kurz vor dem Servieren noch die letzte Schicht auftragen: Sahne und Schokostreusel!
Die späte Stunde hat leider auch ihre Auswirkungen auf die Fotoqualität … 😀
Eine von mir deutlich häufiger gemachte Variante ist übrigens mit einem Boden aus Sandkuchen (schön mit Vanille gebacken) und mit Pfirsichsaft getränkt, Pfirsichen aus der Dose, rotem Wackelpudding, Vanillepudding, Sahne und Mandelblättern. Der schmeckt nicht nur etwas weniger süß als die Schoko-Kirsch-Variante, sondern ist farblich auch deutlich abwechslungsreicher. Lecker ist ein Trifle aber auf jeden Fall immer! 🙂

Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

Da ich die „Dr. Siri“-Romane von Colin Cotterill wirklich liebe, wird es Zeit hier mal über den ersten Band rund um den ungewöhnlichen Leichenbeschauer zu schreiben. Eins erst einmal vorweg: Einen klassischen Kriminalroman darf man bei diesen Büchern wirklich nicht erwarten. Obwohl jede Geschichte sich um einen (oder mehr) ungewöhnlichen Todesfall dreht, steht die laotische Gesellschaft kurz nach der Machtergreifung der Kommunisten im Jahr 1975 im Vordergrund. So interessant ich das alles finde, so würden mich diese Bücher doch nicht so packen, wenn Colin Cotterill nicht so wunderbare Charaktere geschaffen hätte.

Allen voran sein Dr. Siri Paiboun, der für einen Laoten ein sehr ungewöhnliches Leben geführt hat. Dank eines reichen Gönners kam er in den Genuss eines Medizinstudiums in Frankreich, wo er damals Mitglied der Kommunistischen Partei wurde (nicht nur, weil er den Kommunismus an sich reizvoll fand, sondern auch, weil er damals von einem Mädchen angetan war, das sich sehr für diese Partei engagierte). Den größten Teil seines Lebens verbrachte der Mediziner dann an den Seiten der Rebellen, die versuchten das laotische Königshaus zu stürzen, und setze sein Wissen dafür ein, die im Kampf verletzten Kameraden wieder zusammen zu flicken. Als dann endlich die Kommunisten die Macht in Laos ergriffen, freute sich Dr. Siri auf seinen wohlverdienten Ruhestand – und das Aufblühen seines in den letzten Jahrzehnten so gebeutelten Landes.

Doch natürlich waren diese Hoffnungen etwas voreilig. Statt in den Ruhestand versetzt zu werden, wurde Dr. Siri (als einziger Mediziner mit ein wenig Wissen in dieser Richtung) mit zweiundsiebzig Jahren auf den Posten des einzigen Pathologen berufen, nachdem der Großteil der gebildeten Laoten nach dem Regierungswechsel aus dem Land geflüchtet ist. So tastet sich Dr. Siri mit ein wenig Basiswissen, viel Improvisationstalent und einer nicht zu stillenden Neugierde an seine ersten beiden Fälle heran.

Auf der einen Seite muss er sich um die Frau eines Parteifunktionärs kümmern, die bei einem Essen ohne eine sichtbare Ursache verstirbt, und auf der anderen Seite ist da das Rätsel um die Leiche eines Chauffeurs, der ermordet in einem See gefunden wurde. Auch wenn Dr. Siri mit einem chronischen Mangel an Arbeitsmaterialien zu kämpfen hat, so hat er immerhin zwei Assistenten an seiner Seite, die ihm eine große Hilfe sind. Und so kann der Mediziner auf das umfangreiche Wissen und den Ideenreichtum der Krankenschwester Dtui zurückgreifen, während die gute Nase von Herrn Geung ebenso gut funktioniert wie so manches medizinische Gerät.

Mir gefallen – wie schon erwähnt – vor allem die liebenswerten und etwas skurril wirkenden Figuren von Colin Cotterill. Dr. Siri zum Beispiel ist zwar ein überzeugter Kommunist, aber nicht gewillt jeden Unsinn mitzumachen, den sich die neue Regierung ausdenkt. Und so wenig er auf seinen neuen Job als Pathologe vorbereitet ist, so ist es ihm wichtig die Toten zu respektieren und ihnen den bestmöglichsten Dienst zu erweisen. Und wenn er sich dafür mit seinen Vorgesetzten anlegen muss (und das kann zu dieser Zeit und in diesem Land auch schnell einmal zu einem Todesurteil führen), dann ist es eben so.

Ich hatte anfangs etwas Probleme damit mich auf die laotische Gesellschaft einzulassen, da die dort beschriebene Denk- und Lebensweise mir manchmal etwas befremdlich vorgekommen ist. Aber mit jeder Seite wuchs mir diese Volk mitsamt seinem Aberglauben mehr ans Herz. Wichtig ist dabei auch für mich das Wissen, dass Colin Cotterill selber in Laos gelebt hat und sich (wie er mal in einem Interview, welches ich jetzt gerade nicht wiederfinde) von laotischen Auswanderern bestätigen lässt, dass seine Geschichten stimmig sind.

Durch all diese Bücher zieht sich ein wunderbarer Humor, der selten überzogen wirkt, und stattdessen für den Leser den harten Alltag in Laos, die Willkür durch die Regierung und andere kleine bittere Erkenntnisse mehr als erträglich werden lassen. Ich glaube, das ist eigentlich das Beste an diesen Büchern: Obwohl ich beim Lesen die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht habe, mich an den Einfällen der Charaktere und den Wendungen in der Handlungen erfreue, lerne ich gleichzeitig unglaublich viel – nicht nur über die Geschichte von Laos, sondern auch über denn Alltag in einem eher unmenschlichem Regime. Und immer wieder klingt durch, dass die beste politische Idee doch allzu schnell an den Menschen scheitert, die versuchen sollen diese umzusetzen.

Jim Butcher: Death Masks (Dresden Files 5)

Auch diesen Band der „Dresden Files” habe ich für die English-Challenge gelesen, wobei ich in diesem Monat arge Schwierigkeiten hatte, mich überhaupt für ein Buch zu entscheiden. Sowohl die beiden Agatha-Christie-Titel, die ich mir auf Englisch aus der Bibliothek geliehen habe, als auch „Soulless”, welches ich schon so lange lesen will, hätten mich gereizt. Aber da ich gerade ständig so müde bin, habe ich mich für „Death Masks” entschieden. Den Band habe ich vor einigen Monaten auf Deutsch gelesen und erinnere mich deshalb noch an die Geschichte und viele Details, aber das hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan. Oh, und noch etwas: Da das inzwischen der fünfte Dresden-Files-Band ist, kommt diese Rezension natürlich nicht ohne Spoiler aus.

In den ersten Szenen von „Death Masks” befindet sich Harry Dresden auf der Bühne der „Larry Fowler Show” und hegt die schlimmsten Befürchtungen bezüglich dieser Fernsehsendung. Doch da dies der einzige Ort ist, an dem sich sein Informant Mortimer Lindquist mit ihm treffen wollte, muss Harry sich mit der Zauberer-feindlichen Umgebung eines Fernsehstudios auseinandersetzen. Für den Zauberer ist das ein großes Opfer, aber es ist auch seine letzte Hoffnung, mehr über den Aufenthalt seiner – von Vampiren infizierten – Freundin Susan herauszufinden.  Amüsanterweise ist Mortimer nicht der einzige Gast, der an dieser Sendung nur deshalb teilnimmt, um mit Harry Kontakt aufnehmen zu können. Und so sieht sich der ungewöhnliche Zauberer mit Pater Vincent  (Abgesandter des Vatikans) und Dr. Paolo Ortega, Herzog des Roten Hofes der Vampire, konfrontiert.

Während Ortega Harry zu einem Duell herausfordert, welches den Krieg zwischen dem Roten Hof der Vampire und dem Weißen Rat der Zauberer beenden soll (der von Harry Dresden verursacht wurde, als er versuchte, seine Freundin Susan vor den Vampiren zu beschützen), bittet Pater Vincent den Privatdetektiv um Hilfe bei der Suche nach einem gestohlenen Artefakt – welches sich dann auch noch als das Grabtuch von Turin herausstellt. Aber auch Johnny Marcone scheint gerade etwas von Harry zu wollen – oder zumindest schließt der Zauberer dies aus der Tatsache, dass ihm ein paar Handlanger des Chicagoer Verbrecherbosses nach der Fernsehsendung mit Waffen auflauern.

Für mich hat dieser Band nicht nur ein Wiedersehen mit Susan gebracht, sondern auch mit Michael Carpenter, dem „Ritter des Kreuzes“ (wie schon bei dem Text zum zweiten Band gilt: Wenn einer von euch den Begriff kennt, der in der deutschen Übersetzung dafür verwendet wird, dann bitte her damit!). Obwohl ich die Geschichte schon einmal gelesen hatte, ist es nun doch ein ganz schöner Unterschied, wenn man nicht nur weiß, wie Susan von den Vampiren infiziert wurde, sondern auch, welche Rolle Michael vorher schon in Harrys Leben gespielt hat und warum Harry dem Ritter so viel zu verdanken hat. Beim Lesen der deutschen Ausgabe kannte ich nur den ersten Band der Reihe, und dazwischen passiert ja doch einiges.

In „Death Masks“ kommt nicht nur Michael vor, sondern man lernt auch Shiro und Sanya, zwei weitere „Ritter des Kreuzes“, kennen und erfährt den Grund für die Existenz dieses Ordens. Die beiden neuen Ritter mochte ich sehr gern, vor allem den älteren Asiaten Shiro – und dank ihm gab es auch einige sehr bewegende Szenen für mich, bei denen ich das eine oder andere Tränchen verdrücken musste. Insgesamt ist der fünfte Teil der „Dresden Files“ wieder eine eher langsam erzählte Geschichte. Harry muss viel recherchieren und dabei versuchen, eine Balance zwischen den verschiedenen Herausforderungen in seinem Leben zu halten. Hier und da kommt es zwar auch zu ernsthaften Auseinandersetzungen, aber bis zum finalen Kampf in einem fahrenden Zug fühlt sich die Geschichte nicht so actionlastig an und am Ende gibt es noch einen überraschenden Einblick in die Motive eines der Gegner, mit denen sich Harry herumschlagen muss.

Ich glaube, inzwischen mag ich an den Dresden-Files-Romen ihre relative Berechenbarkeit. Harry steht immer vor mindestens zwei Herausforderungen, es gibt ein paar Kämpfe, ein paar ernsthafte Momente, viel Zynismus, einiges zum Schmunzeln und ganz wunderbar fantastische Einfälle. Ich mag es, dass die verschiedenen Personen immer wieder auftauchen, aber nicht in jedem Buch unbedingt dabei sein müssen – und obwohl die Grundstimmung (Harry ist unendlich erschöpft und alles passiert innerhalb schrecklich kurzer Zeit) immer sehr ähnlich ist, bietet jeder Band ein ganz neues Thema und neue interessante Einblicke in Harrys Welt, in das Leben seiner Freunde und die Gesetze und Hintergründe der verschiedenen übernatürlichen Kreaturen und Gemeinschaften. Einen riesigen Nachteil haben diese Bücher allerdings: Nach der letzten Seite habe ich immer sehr große Lust, sofort zum nächsten Band zu greifen!

Text gemopst?

Irina von Buchsplitter vom 09. Juli über eine Bloggerin berichtet, die über „Katze mit Buch“ geschrieben, da ich das Buch „Worldshaker“ bei einem ihrer Gewinnspiele gewonnen hatte – und erst nachdem sie den Text bei sich freigeschaltet hatte, habe ich ihn auch auf meinem Blog eingegeben. Aber es ist doch schön zu sehen, dass man über FairShare schnell darüber informiert wird, wenn im Web „ähnliche“ Texte auftauchen. 🙂

Richard Harland: Worldshaker

Mit „Worldshaker“ bietet Richard Harland dem Leser den Auftaktband zu einer Jugend-Steampunk-Reihe – die inzwischen auch schon mit dem Roman „Liberator“ fortgesetzt wurde. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht vor allem der junge Colbert (Col) Porpentine, der zu einer der führenden Familien auf dem Juggernaut „Worldshaker“ gehört. Col ist ein netter und aufmerksamer Junge, der sehr an seiner Großmutter hängt, mit Vergnügen lernt und brav das tut, was seine Familie von ihm erwartet. Alles in allem führt der Junge ein gutes Leben, auch wenn er kein sehr enges Verhältnis zu seinen Eltern oder seiner Schwester hat.

Doch sein Bild von einer heilen Welt wird schnell erschüttert, als eines Tages eine von den „Dreckigen“ aus den untersten Ebenen der „Worldshaker“ ausbricht und Zuflucht in Cols Zimmer sucht. Sein ganzes Leben lang wurde ihm gesagt, dass die „Dreckigen“ nicht besser als Tiere seien, dumm, primitiv und gewalttätig. Doch Riff, das Mädchen, das sich vor den Wachen unter seinem Bett versteckt hat, ist nicht nur in der Lage zu sprechen, sondern scheint auch noch außerordentlich klug zu sein. Obwohl Colbert anfangs nichts mit Riff zu tun haben will, lernen sich die beiden näher kennen, während sie sich gegenseitig beibringen, was dem anderen von Nutzen sein kann.

So beginnt Colbert damit, all die Dinge zu hinterfragen, die ihm seit seiner Kindheit so selbstverständlich waren. Auch der Unterricht in seiner neuen Schule, die ihn auf eine Zukunft in einem der höchsten Ränge auf dem Juggernaut vorbereiten soll, stellt den neuerdings so neugierigen Jungen vor immer neue Fragen und widerspricht in vielen Punkten dem, was er von seinem früheren Hauslehrer gelernt hat. Je länger Col über all diese Dinge nachdenkt, je aufmerksamer er seine Familie und seine Freunde beobachtet, desto mehr wird ihm klar, dass an Bord der „Worldshaker“ so einiges im Argen liegt.

Richard Harland hat mit dem Juggernaut ein faszinierendes und wirklich ungewöhnliches Setting für seine Geschichte geschaffen. Während auf den oberen Decks ein relativ normales „Stadtleben“ stattfindet, mit Ebenen für Handwerker, mit Schulen und Bibliotheken und ein paar wenigen Menschen, die zur Oberschicht gehören und der Königin und ihrem Gemahl zur Seite stehen, hausen auf den unteren Decks die „Dreckigen“, die für die Versorgung der Dampfkessel mit Kohle zuständig sind. Obwohl sich ohne die „Dreckigen“ das ungeheure Weltschiff des britischen Königreichs keinen Meter weit bewegen würde, werden diese von ihren Aufpassern regelmäßig gequält und mit dem minderwertigsten Essen versorgt, dass zur Verfügung steht. So ist es kein Wunder, dass Riff, die von klein auf um ihr Überleben kämpfen musste, deutlich gewitzter, stärker und flinker ist als Colbert.

Gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrungen ergänzen sich Col und Riff so gut und können gemeinsam mehr erreichen, als es ihnen einzeln möglich wäre. Doch dafür müssen sie sich erst einmal anfreunden und dem anderen so weit vertrauen, dass sie überhaupt gemeinsam handeln können. Dabei beschreibt Richard Harland diese Annäherung der beiden Charaktere sehr schön. Auf beiden Seiten herrscht ein Grundmisstrauen, das immer wieder aufflackert, aber auch der Wunsch nach Wissen und nach der Wahrheit hinter all den Geschichten und Lügen. Während Riff häufig spontaner ist, als ihr gut tut, und scheinbar bedenkenlos Risiken eingeht, erscheint Col dem Leser manchmal etwas träge. Er muss jeden Schritt gut überdenken, denn mit jedem neuen kritischen Gedanken wird er mehr zum Verräter an seiner Familie und seiner Schicht. Beide Figuren werden vom Autor sehr sympathisch und glaubwürdig geschildert, und das hat mir ebenso gut gefallen wie die außergewöhnliche Umgebung und die Handlung an sich.

Ich fand es sehr spannend zu beobachten, wie Col und Riff mehr über die jeweils andere Welt lernen und wie sehr das ihr weiteres Handeln beeinflusst. Noch fesselnder fand ich es, mehr über Cols Umgebung herauszufinden, mir meine Gedanken zu seiner Familie zu machen und zu überlegen, wer für den Jungen vielleicht als Verbündeter oder als neue Wissensquelle herhalten könnte. Dabei gab es allerdings auch den einen oder anderen vorhersehbaren Punkt für mich, z. B. den Grund für die schlechte Gesundheit von Wicky Popo, einem der Diener der Familie Porpentine, oder die Ursache für das Verhalten von Gillabeth, Colberts Schwester, aber das konnte den guten Gesamteindruck bezüglich Handlung und Figurenentwicklung nicht trüben.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für mich bei „Worldshaker“. Auch wenn – oder vielleicht gerade weil – ich es mit einem Jugendbuch zu tun habe, erwarte ich eine gut durchdachte Welt. Und so faszinierend der Juggernaut ist, so fesselnd und ungewöhnlich Richard Harlands Beschreibungen dieser ganz eigenen kleinen Welt sind, so sehr mir die Vorstellung einer „Worldshaker“ und die Grundidee gefällt – es funktioniert leider nicht! Bei jedem neuen Detail zuckte ich innerlich zusammen, weil mein Verstand mir sagte, dass das so nicht geht! Allein die Energieversorgung … Selbst wenn ich davon ausgehe, dass die Juggernaut über Wasser einen geringeren Energieverbrauch hat, ist ein Anheizen mit Kohle bei einem so riesigen „Fahrzeug“ so einfach nicht machbar.

Wenn schon eine relativ moderne Dampflokomotive für 200 km 8-10 Tonnen Kohle benötigt, welche Mengen würde dann ein fast vier Kilometer langes und gut 1 Kilometer breites „Schiff“, welches über 53 Decks verfügt, für mehrere Reisetage benötigen? Wie ihr seht, habe ich mir da so viele Gedanken gemacht, dass ich sogar angefangen habe, über Dampflokomotiven zu recherchieren. Von der Versorgung von mehr als 10.000 (oder mit den Dreckigen zusammengenommen über 12.000) Personen mit Wasser, Nahrungsmitteln und anderen Bedarfsgütern will ich gar nicht reden. Auch wenn es immer wieder heißt, dass die Vorräte an bestimmten Anlaufpunkten wieder aufgefüllt werden, so scheint das wirklich die einzige Versorgungsmöglichkeit zu sein. Es werden keine Viehhaltung, kein Gemüseanbau oder ähnliche Produktionen an Bord des Juggernaut erwähnt.

Ganz ehrlich, mir gingen beim Lesen noch viel mehr Gedanken zu diesem Thema durch den Kopf, und als ich anfing, über Lade- und Löschzeiten von Binnenschiffen zu recherchieren, habe ich über mich selbst den Kopf geschüttelt und mir gedacht, dass es nun aber gut sein sollte. Vielleicht wäre ich beim Lesen nicht so kritisch gewesen, wenn Richard Harland auf einige Details verzichtet hätte. Denn wenn niemals die Frage aufgekommen wäre, ob auf der „Worldshaker“ etwas produziert wird oder wie sich dieses Gefährt vorwärtsbewegt, dann hätte ich gar nicht erst angefangen, mir darüber Gedanken zu machen und diese Welt einfach nur hingenommen. So aber ist das schon ein Punkt, der mein Lesevergnügen etwas getrübt hat, obwohl ich ansonsten viel Spaß mit Colbert und Riff und all den gesellschaftskritischen Ansätzen in „Worldshaker“ hatte.