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Gail Z. Martin: Trifles and Folly (A Deadly Curiosities Collection)

Der elfte Titel des „Modern Magic“-Bundles war „Trifles and Folly“ von Gail Z. Martin und hier gab es für mich keinen Roman, sondern eine Sammlung von neun Kurzgeschichten, die sich rund um das „Trifles and Folly“, einem Geschäft für Antiquitäten und ungewöhnliche Gegenstände, drehten. Inhaberin des Geschäfts ist Cassidy Kincaide, die die Gabe hat Eindrücke der Vorbesitzer von Gegenständen wahrzunehmen. Diese Gabe nutzt sie im Dienste der „Alliance“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gefährliche Gegenstände zu vernichten oder zumindest so weit unter Verschluss zu nehmen, dass Unschuldige nicht weiter darunter leiden können. Dabei bedeutet „gefährliche Gegenstände“ in diesem Zusammenhang Gegenstände, die zum Beispiel verflucht wurden, mit einem Geist verbunden sind oder einfach nur mit der negativen Energie ihres Vorbesitzers so sehr aufgeladen sind, dass sie alle nachfolgenden Benutzer beeinflussen können.

Cassidy arbeitet vor allem mit ihrem Assistenten Teag Logan zusammen, der nicht nur diverse Kampfsportarten beherrscht, sondern auch ein Web-Magier ist und deshalb mit Garnen, Fäden und dem Internet Magie ausüben kann. Außerdem steht ihr ihr Vorgesetzter Sorren zur Seite, der – da er ein Vampir und schon um die 600 Jahre alt ist – auch schon mit Cassidys Vorfahren zusammengearbeitet hat, die ebenfalls für die „Alliance“ tätig waren. Durch ihn findet sie auch immer wieder weitere Leute, die ihr mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten beistehen können, wenn es um spezielle Aspekte der Magie oder um die Hintergründe eines historischen Gebäudes oder ähnliches geht.

Ich mochte die relative Alltäglichkeit der Gegenstände, die im Mittelpunkt der meisten Geschichten standen. So beginnt die Handlung in „Buttons“ mit einem Knopf, in „The Restless Dead“ mit dem Schwungrad einer alten Nähmaschine, in „Retribution“ mit Poker-Chips und einem Flachmann, in „Wicked Dreams“ mit einer Schreibmaschine und in „Coffin Box“ mit einem Humidor. Erst ab „Collector“ starten die Ereignisse mit Dingen, bei denen man eher davon ausgehen würde, dass damit Geistererscheinungen oder andere „magische“ Vorfälle einhergehen. In „Collector“ sind es übrigens von Hopi geschaffene Figuren, in „Bad Memories“ ist es das Rasierzeug eines in einem Militärkrankenhaus verstorbenen Soldaten und in „Spook House“ ein für Halloween eröffnetes Spukhaus. (Jetzt frage ich mich nur, ob ich den Gartenzwerg in „Shadow Garden“ eher als „alltäglich“ oder „spukigen“ Gegenstand einordnen sollte. 😉 )

Die Geschichten waren eigentlich gut zu lesen und unterhaltsam, habe mich aber ehrlich gesagt nicht wirklich auf die beiden Romane rund um Cassidy neugierig gemacht. Dafür haben mich die einzelnen Geschichten einfach nicht genug gepackt und es fehlte eindeutig an Spannung. Denn auch wenn mir die verschiedenen Charaktere sympathisch waren, so habe ich nicht mit ihnen mitgefiebert oder gar befürchtet, dass ihnen im Laufe der Geschichte wirklich etwas zustoßen könnte. Die Grundidee fand ich in der Regel faszinierend und es gab auch beim Weltenbau ein paar Aspekte, die ich reizvoll fand, besonders bei den verschiedenen Magiearten, die beschrieben wurden. Aber insgesamt habe ich das Ganze nicht als fesselnd oder gar stimmig empfunden.

Ich weiß selber nicht so genau, warum es mich zum Beispiel stört, wenn in einer Welt, in der es Geister, Voodoo-Götter, Dämonen und andere – in meinen Augen religiös besetzten – Wesenheiten gibt, ein Vampir rumläuft. Vielleicht lag es daran, dass in all den Geschichten nur dieser eine Vampir auftaucht. Es wird kein weiterer Vampir in Cassidys Welt erwähnt (auch wenn die Reihenbeschreibung bei Amazon andeutet, dass die „Alliance“ von einer Gruppe von Vampiren geführt wird) und es gibt anscheinend keine anderen übernatürlichen Geschöpfe, die mit den Menschen zusammen in Charleston lebten, auch wenn in einer der späteren Geschichte Gouls vorkommen.

Auch gab es rund um den Vampir einige Unstimmigkeiten, die sich nicht unbedingt widersprechen mussten, die mich aber irritiert haben. So meint Cassidy in einer Geschichte, dass der Vampir ein Gebäude betreten kann, weil es öffentlich ist und er deshalb nicht eingeladen werden muss, und in einer anderen Geschichte denkt sie darüber nach, dass er sich später einen Gegenstand aus einem Privathaus besorgen kann – was ihm leicht fallen müsste, weil er doch vor 600 Jahren ein erfolgreicher Juwelendieb war. Für mich deutet dieser Gedankengang an, dass er einbrechen und den Gegenstand entwenden soll, aber wie kann er das, wenn er eingeladen werden muss, um in ein privates Gebäude zu kommen? Letztendlich wird es so gelöst, dass er die Besitzerin „überredet“ ihm den Gegenstand auszuhändigen, aber trotzdem fand ich das beim Lesen unrund.

Auch bezeichnet Gail Z. Martin das „Trifles and Folly“ in der ersten Geschichte als Pfandleihe, obwohl die Beschreibung von Cassidys Geschäft von Anfang an deutlich macht, dass es kein Pfandhaus, sondern ein Antiquitäten- bzw. gehobener Second-Hand-Laden ist. Und mal hat Teag schwarze Gürtel in sieben verschiedenen Kampfsportarten (wobei ich mich wundere, wann er die erworben hat und wann er überhaupt trainiert, wenn er doch den ganzen Tag mit Auktionen, dem Laden und der Geisterjagd beschäftigt ist), dann wieder ist Cassidy froh, dass er Capoeira beherrscht – was zwar auch eine Kampfsportart ist, aber keine in der es (soweit ich weiß) einen schwarzen Gürtel gibt. Das sind alles keine großen Sachen und vieles davon erklärt sich vermutlich dadurch, dass die Autorin im Laufe der Zeit ihre Welt und die Figuren weiterentwickelt hat, aber es hat mich beim Lesen wirklich gestört.

Christopher Golden und Thomas E. Sniegoski: The Nimble Man (The Menagerie #1)

„The Nimble Man“ von Christopher Golden und Thomas E. Sniegoski ist der zwölfte und letzte Roman des „Modern Magic“-Bundles (den elften Titel habe ich übersprungen, weil es eine Kurzgeschichtensammlung ist, von der ich denke, dass sie besser zu etwas herbstlichem Wetter passen könnte). Ich muss gestehen, dass ich das Buch mochte, obwohl es im Vergleich zu anderen Urban-Fantasy-Geschichten eigentlich nichts Besonderes ist. Aber vor allem hat mich beim Lesen die Frage beschäftigt, welche Zusammenhänge es zwischen diesen Autoren und dem Comiczeichner Mike Mignola gibt und inwieweit sich diese Personen wohl gegenseitig beeinflusst haben.

„The Nimble Man“ dreht sich um eine Gruppe von ungewöhnlichen Wesen, die sich seit langer Zeit immer wieder zusammenschließen, um gegen das Böse zu kämpfen. Kopf dieser „Menagerie“ ist Arthur Conan Doyle, der entgegen anderslautender Gerüchte nicht im Jahr 1930 verstorben ist, sondern damals in die Feenwelt wechselte, um eine Beziehung mit der Feenprinzessin Ceridwin. führen zu können. Doyle ist ein starker Magier, aber vor allem ist er derjenige, dem die anderen loyal zur Seite stehen, um seine Pläne zu verwirklichen. Die anderen Figuren sind zum Beispiel die Vampirin Eve, der Gestaltwandler Clay und der Goblin Squire, weitere Personen werden im Laufe der Geschichte eingeführt, was zu einigen Perspektivwechseln führt, die ich stellenweise etwas zu abrupt fand.

In diesem Roman (es gibt noch drei Fortsetzungen) versucht Arthur Conan Doyle, seinen ehemaligen Lehrmeister Sweetblood zu finden, um zu verhindern, dass dessen Kräfte von anderen Personen missbraucht werden. Während er noch nach dem Aufenthaltsort von Sweetblood sucht, stolpert er über überraschend mächtige Gegner – und die ersten Anzeichen der bevorstehenden Apokalypse. Im Prinzip sind das alles recht gewöhnliche Elemente für eine Urban-Fantasy-Geschichte, aber ich muss zugeben, dass es Christopher Golden und Thomas E. Sniegoski gelungen ist, wirklich faszinierende Charaktere zu erschaffen. Vor allem hat mich lange die Frage nach den Hintergründen der verschiedenen Figuren beschäftigt, und so sind es auch die Charaktere, die mich neugierig auf weitere Bände der Reihe gemacht haben. Ich hoffe, dass es noch sehr viele Details dazu gibt, wie einige der Protagonisten zu dem geworden sind, was sie in „The Nimble Man“ zu sein scheinen. Außerdem mochte ich die Mischung aus verschiedenen Mythologien, realen Figuren und Ereignissen sowie actionreichen Kämpfen. (Dafür hätte ich auf darauf verzichten können, dass eine der Gegnerinnen ständig nackt durch die Gegend läuft – das hat jetzt nicht gerade viel zu Handlung beigetragen.)

Ein Teil meiner Neugier bezüglich der weiteren Entwicklung der Charaktere und der Hintergründe basiert vermutlich auch darauf, dass mich viele Elemente – unter anderem der Umgang mit mythischen Figuren, aber auch bestimmte Protagonisten – in dieser Geschichte an die Comic-Reihen um „Hellboy“ und die Regierungsbehörde „B.P.R.D.“ von Mike Mignola erinnert haben. Es könnte sogar sein, dass Christopher Golden und Thomas E. Sniegoski sich davon haben inspirieren lassen, denn der erste „Hellboy“-Comic entstand schon in den 90ern, während „The Nimble Man“ 2004 erschienen ist – zwei Jahre nach dem ersten „B.P.R.D.“-Comic, an dem Golden und Sniegoski zusammen mit Mike Mignola gearbeitet haben. Wobei Christopher Golden Ende der 90er anfing, „Hellboy“-Romane zu schreiben und somit vielleicht seinerseits Einfluss auf Mike Mignolas Werk hatte, obwohl Mike Mignola zu der Zeit noch eine sehr enge Kontrolle über sämtliche „Hellboy“-Veröffentlichungen ausübte. Ich muss gestehen, ich fände es spannend zu wissen, wie weit sich da diese Künstler gegenseitig inspiriert haben …

Holly Goldberg Sloan: Glück ist eine Gleichung mit 7

Auch über „Glück ist eine Gleichung mit 7“ von Holly Goldberg Sloan bin ich bei Tine gestolpert, die mir mit ihrer Rezension große Lust auf das Buch gemacht hatte. Die Geschichte dreht sich um die zwölfjährige Willow, die gleich zu Beginn des Romans ihre Adoptiveltern bei einem Autounfall verliert. Willow ist ein Genie, was es für sie schwierig macht sich mit Gleichaltrigen anzufreunden, da kaum jemand die gleichen Interessensgebiete (Pflanzen und Medizin) hat wie sie. Auch in der Schule kommt sie nicht gut zurecht, weil ihre Lehrer nicht so recht wissen wie sie mit ihr umgehen sollen und eher glauben, dass sie bei Prüfungen schummelt, als dass sie wirklich so schnell und fehlerfrei arbeitet.

So war ihr Zuhause bis zum Tod ihrer Eltern ihr Zufluchtsort. Dort hatte niemand ein Problem damit, dass sie sich am liebsten in wissenschaftliche Bücher vergrub oder ihre Freizeit mit Bodenanalysen und ähnlichem zubrachte, um hinterm Haus einen wuchernden Garten anzulegen. Trotzdem hätte Willow gern Freunde und deshalb arbeitet sie – nach einem zufälligen Kennenlernen – zielstrebig daran, die zwei Jahre ältere Mai zu ihrer Freundin zu machen. So bringt sich Willow selber Vietnamesisch bei, da Mai Halbvietnamesin ist, und organisiert ihren Alltag so, dass sie vor ihren regelmäßigen Treffen mit dem Schulberater Dell gemeinsam mit Mai Zeit verbringen kann.

Sehr realistisch ist die Geschichte natürlich nicht. Nicht nur weil Willow in wirklich allen Wissensgebieten überragend ist, sondern auch weil so viele Menschen sich am Ende darum kümmern, dass es ihr gut geht. Aber dafür ist „Glück ist eine Gleichung mit 7“ ein wunderbares Wohlfühlbuch voller sympathischer Charaktere und amüsanter Momente. Gerade Willow habe ich schnell ins Herz geschlossen, weil sie so eine eigene Weltsicht hat. So beschäftigt sie sich bei ihrem Schulwechsel intensiv mit der Frage, was sie an ihrem ersten Tag anziehen soll – und entscheidet sich dabei für ihr Garten-Outfit, damit ihre neuen Mitschüler auf den ersten Blick sehen, wo ihre Prioritäten liegen. Ich mochte es sehr, dass sie zwar oft unsicher war – gerade wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht -, dass sie sich aber davon nicht abschrecken ließ, ein Projekt zu verfolgen.

Willows ungewöhnliche Sichtweise und ihr direkter Umgang mit Menschen sorgt dafür, dass sie den Menschen in ihrer Umgebung immer wieder neue Impulse zukommen lässt. Sogar in ihrer tiefen Trauer, als sie kaum in der Lage ist, sich zu bewegen, löst sie in Mais Familie etwas aus, dass das Leben aller Beteiligten verändert. Und das alles wäre ungemein kitschig, würde man es als Leser nicht vor allem durch Willows sehr sachliche Sicht erleben. Ab und an wechselt Holly Goldberg Sloan die Perspektive, um einem die Motive der anderen Personen nahe zu bringen. Doch in erster Linie wird die Geschichte von Willow beherrscht und ich fand es sehr erholsam durch ihre Augen in die Welt zu blicken. Einzig ein Punkt am Ende der Geschichte hat mich gestört, weil der dazu führte, dass ich stellvertretend für Mai und ihren Bruder wütend geworden bin, weil ihr Leben schon so viel früher besser hätte verlaufen können. Davon abgesehen habe ich den Roman sehr genossen.

Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren

„Die Menschheit hat den Verstand verloren – Tagebücher 1939-1945“ von Astrid Lindgren habe ich im vergangenen Jahr zu Weihnachten bekommen – und dann stand das Buch eine Weile im Regal, bis ich bereit war, es zu lesen. Siebzehn Hefte hat Astrid Lindgren während der sechs Kriegsjahre mit all ihren Gedanken und Befürchtungen, aber auch mit einer Menge Zeitungsausschnitten und Abschriften von Briefen gefüllt. So entstand eine faszinierende Mischung aus Dokumentationen der jeweils wichtigsten Kriegsgeschehnisse (natürlich aus der Sicht einer relativ unbeteiligten Schwedin) und Alltagserzählung. Dabei fand ich es vor allem spannend, wie viel Angst in Skandinavien vor Russland herrschte und wie die schwedische Bevölkerung selbst in den späteren Kriegsjahren, als bekannt geworden war, welche Gräueltaten die Deutschen begingen, eher hofften, dass die Deutschen einmarschieren, als dass die Russen bis zu ihrer Grenze gelangen würden.

22. Juni 1941

[…] Es wird sicher anstrengend, mit Deutschland gegen Russland und mit England gegen Deutschland zu halten. […] (S. 116)

Bei Astrid Lindgren sorgt diese Angst vor den Russen zu einer genauen Beobachtung der politischen Lage, wobei sie viele Nachrichten und Zeitungsausschnitte mal entsetzt, mal spöttisch kommentiert. Stellenweise hatte ich das Gefühl, dass es ihr sogar die Sprache verschlagen hat – als hätte sie die Vorkommnisse zwar anhand der eingeklebten Ausschnitte festhalten wollen, dadurch aber so erschüttert war, dass sie ihre Gedanken dazu nicht einmal mehr niederschreiben konnte.

Auf der anderen Seite gab es viel über die alltäglichen (Familien-)Sorgen und Ereignisse zu lesen, wie eine Auflistung von Geschenken an Geburtstagen und Weihnachten, die Gedanken über Vorratshaltung während der Zeit der Rationierung und natürlich auch ihren Kummer über Krankheiten der Kinder oder die Untreue ihres Mannes. Dabei hat Astrid Lindgren viele dieser Dinge – obwohl die Tagebücher ja von ihr vollkommen privat geführt wurden – nicht ausformuliert oder nur angedeutet. Ohne das Wissen, das ich schon über das Leben der Schriftstellerin hatte, hätte ich mit einigen Aussagen gar nichts anfangen können, weil Astrid Lindgren es natürlich nicht nötig hatte, für sich ganz persönlich Dinge weiter auszuführen, die sie so tief bewegten.

Auffällig fand ich auch, dass ihre Karriere während einer Phase ihres Lebens anfing, in der mir ihre Tagebucheinträge das Gefühl gegeben haben, dass sich Astrid Lindgren nicht gut fühlte. Eine Phase, in der der Krieg rund um Schweden endlos zu sein schien, während die Nachrichten über all die Opfer nicht abrissen und Astrid Lindgren über ihre Arbeit private Briefe von Augenzeugen in die Hände bekam, die sie nicht so schnell losließen. Dazu kam der Kummer mit ihrem Mann und die Tatsache, dass sie dank eines verstauchten Knöchels nicht aus dem Haus konnte, um sich wie gewöhnlich bei einem Spaziergang oder eine Radtour die schlechten Gedanken aus dem Kopf blasen zu lassen. Das gab mir das Gefühl, dass sie sich anfangs in ihre Geschichten flüchtete, um eine Auszeit von ihrer Realität genießen zu können.

Ich fand es auf jeden Fall bereichernd, dieses Tagebücher zu lesen. Nicht nur, weil ich Astrid Lindgren als Person interessant finde und es spannend war, ihre Sicht auf die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zu erleben, sondern auch, weil es – mir bislang nicht bewusste – Aspekte des Krieges rund um die skandinavischen Länder und ihre Bevölkerung präsentiert hat. Mein einziger Kritikpunkt wäre die Präsentation der verschiedenen Elemente in dieser Veröffentlichung. So liebevoll das Buch aufgemacht ist, so fand ich es stellenweise doch etwas schwierig zu lesen. Man bekommt erst die Tagebucheinträge eines Jahres als Übersetzung zu lesen, daran angehängt wurden die Faksimiles der Originaltagebucheinträge inklusive der eingeklebten schwedischen Zeitungsausschnitte und danach kamen die Übersetzungen der Zeitungsaussschnitte. Das bedeutete, dass ich bei jeden Verweis auf einen Ausschnitt das Lesen unterbrechen und zweimal blättern musste (einmal, um das Original zu betrachten, ein weiteres Mal, um die Übersetzung zu lesen), um alles zu verstehen. Ich bin mir sicher, dass es deutlich (arbeits- und platz-) aufwändiger gewesen wäre, wenn man versucht hätte, die Artikel samt Übersetzungen in der Reihenfolge in den Text einzubetten, in der sie auch im Original gewesen wären. Aber zum Lesen hätte ich es angenehmer gefunden, wenn ich innerhalb eines Jahres nicht immer hätte hin- und herblättern müssen.

Estelle Laure: Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance

Noch so ein Buch, das eigentlich auf zu vielen Blogs auftauchte, um mich zu interessieren, bei dem mich dann aber eine Rezension von Tine dazu gebracht hat, dem Roman eine Chance zu geben. (Merkt man eigentlich, dass ich gerade meine Bibliotheks-Merkliste abarbeite? 😉 ) Lucille ist siebzehn und sollte sich eigentlich auf ihr letzten Schuljahr konzentrieren, doch nach dem Vorfall mit ihrem Vater (über den man erst später im Roman mehr erfährt) läuft in ihrem Leben nichts mehr normal. Als kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs auch noch ihre Mutter verschwindet, muss Lucille die Verantwortung für ihre kleine Schwester Wren und den gemeinsamen Alltag übernehmen.

Estelle Laure konzentriert sich in „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ weniger auf das Drama in Lucilles Leben, als auf die Schritte, die das Mädchen unternimmt, um dafür zu sorgen, dass es weiter geht. Dabei steht Lucille von Anfang an ihre Freundin Eden zur Seite und hilft ihr Prioritäten (Job suchen/Arbeiten, während Eden auf Wren aufpasst/Rechnungen bezahlen/in die Schule gehen und Hausaufgaben machen/dafür sorgen, dass niemand Verdacht schöpft/hin und wieder lächeln) zu setzen. Lucille hat relativ viel Glück bei all diesen Vorhaben, als ihr zum Beispiel ein Mädchen auf dem Spielplatz erzählt, dass sie ihr einen Job vermitteln könnte, oder allein schon dass ihre Freundin Eden und deren Zwillingsbruder Digby so viel Zeit mit Wren verbringen, damit Lucille überhaupt arbeiten kann.

Aber einfach ist das Ganze für Lucille natürlich trotzdem nicht. Sie ist ganz allein und muss in jeder Hinsicht die Rolle der Erwachsenen in ihrer kleinen Familie übernehmen. Da ist es vermutlich kein Wunder, dass sich von ihren Sorgen ablenkt, in dem sie über ihre Verliebtheit in Digby nachdenkt. Sie weiß selber nicht, wann Digby für sie von jemanden, den man gut kennt und mit dem man befreundet ist, zu einem Jungen wurde, von dem sie mehr als Freundschaft möchte, aber diese Gefühle bringen ihre eh schon auf dem Kopf stehende Welt noch mehr durcheinander. Dabei ist Lucille durchaus bewusst, dass Digby schon lange eine Freundin hat, mit der er – beginnend mit dem gemeinsamen Studium bis zur Hochzeit – eine langfristige Zukunft plant.

Ich mochte es, dass die Geschichte trotz des schwerwiegenden Themas nicht allein um Lucilles Probleme als Versorgerin ihrer kleinen Schwester drehen. Die Gedanken an Digby sind – vielleicht gerade deshalb, weil er vergeben ist – etwas Sicheres und Schönes, das ihr Halt gibt. Trotzdem wird deutlich, wie herausfordernd es für das Mädchen ist einen Alltag mit Schule, Job und der Beschäftigung mit ihrer kleinen Schwester auf die Reihe zu bekommen. Lucille ist oft erschöpft, weiß keinen Ausweg oder trifft die falschen Entscheidungen, aber das macht es für mich realistischer.

Bei einer der Rezensionen, die ich gelesen habe, stand, dass Lucille es zu einfach hat, dass sie zu erwachsen beschrieben würde. Aber ich denke, dass ein Mädchen von fast achtzehn Jahren schon in der Lage ist, in einem Notfall so erwachsen zu handeln – vor allem, da sie ja nicht allein ist und Hilfe von ihren Freunden bekommt. Während es auf der anderen Seite genügend Menschen gibt, die auch mit Mitte Dreißig nicht in der Lage sind so viel Verantwortung zu übernehmen und Lucilles Mutter scheint dazu zu gehören. Ich würde nicht soweit gehen und sagen, dass „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ ein Wohlfühlbuch ist, dafür gibt es zu viele Probleme in Lucilles Leben, die nicht durch die Freundschaft oder Hilfsbereitschaft anderer aufgefangen werden können. Aber es war eine Geschichte voller interessanter, realistischer und sympathischer Figuren, die im Laufe des Romans zum Teil tolle Entwicklungen durchgemacht haben, und das war gut zu lesen.

Maria Lang: Nicht nur der Mörder lügt

„Nicht nur der Mörder lügt“ von Maria Lang habe ich bei Kiya entdeckt, die mich mit ihrer Rezension schon vor einer ganzen Weile neugierig gemacht hatte. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich mochte es, wie man durch die Augen von Puck Ekstedt die Beteiligten kennenlernt und an den Ermittlungen teilnimmt. Gemeinsam mit der jungen Frau reist der Leser auf eine kleine Insel in einem See in der Nähe von Forshyttan, um dort ein paar entspannte Tage mit einer Gruppe Gleichgesinnter zu verbringen und den Sommer zu genießen. Das Ferienhaus auf der Insel gehören Rutger Hammar und seiner Frau Ann-Sofi und der Großteil der Gäste besteht aus Personen, die schon lange mit Rutger befreundet sind und die auf eine Weise miteinander verbunden sind, die für Puck manchmal nur schwer zu durchschauen ist.

Unübersehbar ist allerdings, dass es zu einer gewaltigen Störung des zuvor recht entspannten Ferienalltags auf der Insel kommt, als erst Lil Arosander unangekündigt den gutaussehenden George Malm mit zu Besuch bringt und dann noch überraschend Marianne Wallman, die früher einmal mit Rutger verlobt war, und Viveka Stensson einen Zwischenstopp auf der Insel einlegen. Von diesem Moment an kann Puck nur noch beobachten wie die anderen Inselgäste zwischen all den Gefühlen schwanken, die (unerwiderte) Liebe und Eifersucht mit sich bringen – bis es zu einem Mord kommt.

Ich mag es grundsätzlich, wenn sich ein Kriminalroman vor allem damit beschäftigt eine Gruppe von Menschen zu studieren und darzustellen wie sie miteinander interagieren. Da Puck die anderen Gäste bis zu ihrem Eintreffen auf der Insel eigentlich nur flüchtig kennt, beobachtet sie ganz genau, um herauszufinden, was da alles unter der Oberfläche brodelt und warum es Spannungen zwischen den verschiedenen Charakteren gibt. Dieses genaue Beobachten führt dann auch dazu, dass sie nach dem Mord eine Art „Assistentenstelle“ bei der Polizei einnimmt, obwohl sie strenggenommen ebenfalls zu den Verdächtigen zählt.

Neben den genauen Beschreibungen zu den verschiedenen Protagonisten spielt der schwedische Sommer auf dieser Insel im See eine große Rolle. Die Insel ist nicht gerade klein und weist eine überraschend abwechslungsreiche Landschaft auf, was dazu führt, dass man als Leser viele Szenen miterleben kann, die sich um die Natur drehen. Mir haben diese atmosphärischen Beschreibungen von heißen Sommernächten auf der Wiese vor dem Haus, von spontanen Bootstouren um die Insel, von Wanderungen, bei denen die Zapfen unter den Füßen knirschen, und vom Schwimmen im See gut gefallen. Und diese entspannten Sommerinsel-Beschreibungen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu dem Mord und dem Wissen, dass einer der Gäste der Täter sein muss.

In einigen Rezensionen gibt es Vergleiche zwischen Agatha Christie und Maria Lang und ja, beide Autorinnen zeichnen ein Bild ihrer Zeit, konzentrieren sich mit ihrer Geschichte auf einen kleinen Personenkreis, den sie dafür umso intensiver beleuchten, und beide bauen Liebesgeschichten in ihre Kriminalromane ein. Aber Maria Lang setzt – zumindest mit diesem Roman – von Anfang an auf einen glaubwürdigen Einsatz der Polizei, außerdem ist sie viel deutlicher in ihrer Sprache und bei der Darstellung des Verhaltens der verschiedenen Personen. So wirkt „Nicht nur der Mörder lügt“ trotz einer relativ ruhigen Handlung weniger betulich und deutlich moderner als ein Agatha-Christie-Roman.

Ankündigung: Herbstlesen im Oktober

Auch in diesem Jahr gibt es bei mir im Oktober auf dem Blog wieder das „Herbstlesen“, bei dem ich mir vornehme, die Wochenenden möglichst entspannt mit den Dingen zu verbringen, die mir guttun, und darüber zu berichten. Ich will mir so viel Zeit wie möglich nehmen, um diese mit meinen Büchern, meinem Nähzeug und/oder in der Küche beim Kochen und Backen zu verbringen. Und da die Erfahrung gezeigt hat, dass ich selbst „Erholungs-Vorhaben“ deutlich konsequenter verfolgen, wenn ich sie öffentlich mache, werde ich darüber bloggen. So gibt es vom 1. bis zum 31. Oktober an den Samstagen und Sonntagen je einen Beitrag, in dem ich von meinem Tag, den getanen Dingen und den gelesenen Büchern erzähle.

Wer mag, kann sich mir gern anschließen und natürlich auch das Logo mitnehmen. Es gibt keinerlei Vorgaben, abgesehen von dem Vorsatz, es sich gut gehen zu lassen und sich Zeit für Bücher und andere Dinge zu nehmen, die einem guttun und die man sonst schnell zu kurz kommen lässt – und natürlich entspannt darüber zu schreiben. Dabei ist es egal, ob ihr das ganze Wochenende, einen Tag oder nur ein Stündchen Zeit habt – die Hauptsache ist, dass ihr euch erholt, das Leben genießt und auf eurem Blog davon erzählt. Schön wäre es, wenn ihr mir dann an dem Tag, an dem ihr mitmacht, einen Kommentar unter dem jeweiligen Herbstlesen-Beitrag hinterlassen würdet, dann kann ich euch dort verlinken und immer mal wieder schauen, wie es euch so beim Lesen und Erholen ergeht.

Falls jemand noch nicht so recht weiß, was ihn an den nächsten Wochenenden erwartet und ob das Mitmachen Spaß machen könnte: HIER gibt es meine Beiträge vom letzten Jahr zum Reinschnuppern. 😀

Juliane Käppler: Die sieben Tode des Max Leif

„Die sieben Tode des Max Leif – Ein Hypochonder-Roman“ von Juliane Käppler ist einer dieser Romane, bei denen ich das Gefühl hatte, ich hätte ihn auf so gut wie jedem Buchblog gesehen – was mir normalerweise überhaupt keine Lust auf eine Geschichte macht. Neugierig hat mich dann die Rezension von Anja gemacht, die sie im Februar geschrieben hat, so dass der Titel doch auf meiner „irgendwann aus der Bibliothek ausleihen“-Liste landete. Am Ende kann ich Anja in so gut wie allen Punkten zustimmen und muss zugeben, dass mir die Geschichte überraschend gut gefallen hat.

Max Leif ist kein Charakter, der es dem Leser einfach macht. Als man ihn kennenlernt sitzt er gerade in einem Flugzeug und alles, was man von ihm weiß, ist, dass er während seines Sansibar-Urlaubs zu viel getrunken hat, mit zu vielen Frauen im Bett war und nicht wieder nach Hause will. Ach ja, und dass sein Freund Paul gerade erst gestorben ist. Die Trauer, die Max verspürt, ist erst einmal das Einzige, das ihn sympathisch wirken lässt. Dass er so sehr um seinen Freund trauert, der ihn seit Schulzeiten begleitet hat, beweist, dass mehr hinter Max stecken muss, als man anfangs sieht.

In den folgenden Wochen krempelt Max sein ganzes Leben um, wobei er immer wieder beim Arzt landet, weil er – für ihn unerklärliche und bedrohliche – Symptome aufweist. Ihm ist sogar sehr früh bewusst, dass er sich mit seinen Eigendiagnosen, die auf Internetrecherche basiert, nichts Gutes tut, aber er fürchtet sich so sehr vor einer gravierenden Krankheit, dass er trotzdem jedes Mal in Todesangst zum Arzt rennt. Für den Leser ist eigentlich von Anfang an klar, was Max eigentlich fehlt, auch wenn man nicht alle Hintergründe kennt. Aber Max muss natürlich selbst herausfinden, was mit ihm los ist und wie er dafür sorgen kann, dass sein Leben für ihn wieder lebenswert wird.

Ich mochte die Nebenfiguren wie zum Beispiel Maja, die mürrische Barista, die seinem Lieblingscafé arbeitet, oder seine Putzfrau Jekaterina, die sehr feste Vorstellungen davon hat, wie Max sich zu benehmen hat, und diese natürlich auch freimütig äußert. Ab und an hatte ich ernsthafte Probleme mit der Einstellung, die Max hat, vor allem dann, wenn es um sein Selbstbild als Mann oder sein Verhältnis zu Alkohol geht. Aber in der Regel wurde das wieder ausgeglichen durch die netten Momente mit ihm. Er gibt sich in vielen Bereichen wirklich Mühe, ist zwar nicht der aufmerksamste Mensch, aber ein guter Freund und ein großzügiger Arbeitgeber. So habe ich ihm während des Lesen wirklich gewünscht, dass er dazu lernt und dass er in der Lage ist sich soweit zu verändern, dass er wieder Fuß fassen kann. Außerdem mochte ich diese Mischung aus Melancholie und Schmunzelmomenten, war neugierig darauf, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und war selbst in seinen schlimmsten Phasen nie so sehr von Max genervt, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen.

Tom Hillenbrand: Teufelsfrucht (Xavier Kieffer 1)

Ich muss gestehen, dass ich an einem Kriminalroman wie „Teufelsfrucht“ von Tom Hillenbrand normalerweise vermutlich allein schon wegen des Titels (den ich ohne den inhaltlichen Zusammenhang schrecklich platt fände) vorbeigelaufen wäre. Nachdem Hermia aber recht angetan von dem Roman war, habe ich den Titel zum Antesten in der Bibliothek ausgeliehen. Hauptfigur in diesem (großteils) gemütlichen kulinarischen Krimi ist Xavier Kieffer, ein luxemburgischer Koch, der in seinem relativ kleinem Restaurant vor allem auf hochqualitative regionale Küche setzt. Xaviers Küche ist zwar sehr gut, aber zu unbedeutend, um für einen Kritiker beachtenswert zu sein. Umso erstaunlicher ist es, dass eines Abends ein Mann, der mit großer Wahrscheinlichkeit für einen der beiden größten französischen Restaurantführer arbeitet, bei Xavier speist – und dummerweise direkt nach der Vorspeise verstirbt.

Während die Polizei noch in alle Richtungen ermittelt, wobei Xavier ihnen besonders verdächtig erscheint, findet der luxemburgische Koch heraus, dass der ermordete Kritiker am Tag zuvor noch bei Xaviers früherem Lehrmeister Paul Boudier gegessen hatte. Als dann auch noch dieser berühmte französische Koch verschwindet, versucht Xavier mehr über die letzten Monate seines ehemaligen Ausbilders und die Verbindung zu dem ermordeten Kritiker herauszufinden. Dabei kommt Xavier zugute, dass er sich nicht nur in den unterschiedlichsten Küchen Europas auskennt, sondern auch immer noch viele Verbindungen in die Welt der Sterne- und Fernsehköche besitzt. So dreht sich „Teufelsfrucht“ weniger um die Ermittlungen (denn dafür ist Xavier trotz all seine Neugier nicht professionell genug), als um einen Blick hinter die Kulissen der hochpreisigen Gastronomie, das Geschäft mit dem Kochen und nicht zuletzt um den großen Unterschied der zwischen „natürlichem“ Essen und dem, was die Lebensmitteltechnologie an Ersatzprodukten herstellen kann.

Lustigerweise hatte ich gerade erst vor ein paar Wochen durch Zufall einen Reisebericht rund um Luxemburg gesehen, so dass ich mir die Stadt beim Lesen ziemlich gut vorstellen konnte. Die Stadt und das Essen gehören nämlich zu den Schwerpunkten der Geschichte. Stellenweise war es mir mit den ganzen Beschreibungen zum Thema Restaurantküche und Kochen schon etwas zu viel, was vielleicht auch daran liegt, dass ich schon eine Menge Sachbücher zu dem Thema gelesen habe und mir deshalb viel Bekanntes erklärt wurde. Trotzdem war es nett Xaviers Begeisterung für seinen Beruf und Lebensmittel mitzuerleben, was die Passagen rund um das Thema Lebensmittelindustrie nur um so unbekömmlicher werden ließ.

Insgesamt fand ich die Geschichte unterhaltsam und Xavier war ein sympathischer Protagonist. Allerdings war das Ende etwas unrund und gab mir das Gefühl, als ob Tom Hillenbrand nicht so recht gewusst hätte, wie er seinen eher gemütlichen Xavier eine Auseinandersetzung mit recht skrupellosen Menschen gewinnen lassen könnte. Außerdem hätte ich gern bei der allerletzten Wendung (mit dem Fernsehkoch) das Gespräch zwischen Xavier und der betreffenden Person mitbekommen, statt nur das Ergebnis dieses Informationsaustausch aus dritter Hand erleben zu können. Aber da ich keinen dieser Kritikpunkte als besonders gravierend empfinde, werde ich wohl demnächst schauen müssen, ob meine Bibliothek noch weitere Bände dieser Reihe im Angebot hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau

Von Isabel Bogdans Buch hatte ich über ihren Blog und über Twitter schon eine Menge mitbekommen, während die Autorin es geschrieben hat. So richtig neugierig hatte sie mich allerdings nicht machen können, es war eher so ein „hm, vielleicht“-Gefühl, und dabei blieb es auch trotz all der begeisterten Rezensionen, die ich kurz nach der Veröffentlichung zu dem Titel sah. Da ich aber im Moment ein sehr großes Bedürfnis nach dünnen und einfachen Romanen habe, habe ich letzte Woche in der Bibliothek zugegriffen, als mich das Buch vom Regal aus ansprang. Und ich muss zugeben, dass es für meine aktuelle Stimmung die richtige Geschichte war, weshalb ich die ca. 250 Seiten in meinen üblichen Arbeitspausen (Frühstück, Stillhalten-während-die-Katze-frisst, Teepause und Warten-bis-das-Essen-gar-ist) plus einem guten Stündchen vor dem Schlafengehen an einem Tag gelesen habe.

Die Handlung selbst ist ziemlich einfach: Eine Gruppe von fünf Bankern (Chefin und vier männliche Untergebene) reisen zusammen mit einer extra gemieteten Köchin und einer Seminarleiterin für ein Wochenende ins schottische Hinterland, um dort auf einem alten (und nur teilweise modernisierten) Herrensitz ein Team-Building-Seminar durchzuführen. Für Lord und Lady McIntosh ist das eine schöne Möglichkeit, etwas Extrageld einzunehmen, auch wenn die Vorbereitungen von Anfang an aufwändiger sind, als sie es normalerweise für Gäste betreiben müssten – unter anderem deshalb, weil die Banker in einem selten genutzten Flügel des Herrenhauses und nicht in einem der Gäste-Cottages wohnen werden. Eine weitere Herausforderung besteht in einem jungen Pfau, der alles Blaue angreift, egal, ob es sich dabei um Autos, Spielzeug oder Kleidungsstücke (und die Menschen darin) handelt.

So begleitet man als Leser die verschiedenen Figuren über ihr Wochenende, wobei man ständig die Perspektive wechselt, so dass man alle Beteiligten im Laufe dieser Tage begleitet und ihre Gedanken und Gefühle kennenlernt. Dabei sind einem die Personen eigentlich schon vom ersten Moment an vertraut, da Isabel Bogdan auf bewährte Typen gesetzt hat. Es gibt die zickige Chefin, die die Kontrolle nicht aus der Hand geben kann, die etwas überforderte, aber sehr bemühte Seminarleiterin, die geniale Köchen mit dem großen Herzen (und sehr umfangreichem Wissen über Lebensmittelzubereitung), das ein bisschen exzentrische Besitzerehepaar, den ruhigen und zuverlässigen Handwerker und so weiter. Weder beim ersten Kennenlernen der Figuren, noch bei ihren späteren Entwicklungen gibt es besonders viele Überraschungen in der Geschichte.

Überhaupt ist die Handlung recht vorhersehbar und es gibt – aufgrund der Tatsache, dass man viele Szenen aus mehreren Perspektiven erlebt – einige Wiederholungen. Trotzdem fand ich die Geschichte nett zu lesen. Dieses Vor-sich-hin-Plätschern war sehr entspannend und ich mochte es, dass es keine großen Dramen oder Höhepunkte gab. Den vielgepriesenen Humor fand ich jetzt nicht besonders britisch, aber es reichte aus, dass ich hier und da etwas zum Schmunzeln hatte. „Der Pfau“ ist kein Roman, der sich bei mir besonders eingeprägt hat, und ich fürchte, dass ich in ein paar Tagen schon Mühe haben werde, mich an Details zu erinnern. Aber die Geschichte hat für entspannte Pausen an einem anstrengenden Tag gereicht – und manchmal ist das alles, was ich von einem Buch erwarte.