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Patricia Wentworth: Grey Mask (Miss Silver 1)

Im letzten Jahr hatte ich „Mit Miss Marple aufs Land“ von Louise Berg-Ehlers gelesen und mir im Anschluss zwei Autorinnen (Patrica Wentworth und Margery Allingham) von klassischen britischen Kriminalromanen aufgeschrieben, die ich noch ausprobieren wollte. Dieser Beschluss war schon wieder etwas in Vergessenheit geraten, als mich Natira vor kurzem darauf aufmerksam gemacht hat, dass die eBook-Ausgabe von „Grey Mask“ von Patricia Wentworth gerade im Angebot zu bekommen war. „Grey Mask“ ist der erste Teil der Miss-Silver-Romane und wurde 1928 von der Autorin geschrieben. Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte stellenweise an Edgar-Wallace-Romane erinnert, auch wenn das Ganze qualitativer und weniger reißerisch geschrieben wurde. Aber es gibt so viele Handlungselemente, die mir als erstes in den Wallace-Romanen begegnet sind, die ich als Kind gelesen habe. Als weiterer Vergleich kommen mir noch die Kriminalromane von Georgette Heyer in den Sinn, auch da besteht eine gewisse Ähnlichkeit …

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, doch vor allem kann man die Ereignisse durch die Augen von Charles verfolgen, der nach einer vierjährigen Abwesenheit gerade erst zurück nach England gekommen ist. Vor vier Jahren hatte er das Land verlassen, um darüber hinwegzukommen, dass seine Kindheitsfreundin und Verlobte Margaret ihn kurz vor der Hochzeit verlassen hatte. Kaum wieder daheim, stolpert er über ein mysteriöses Treffen in seinem Elternhaus, bei dem eine Gruppe von maskierten Männern über den Tod eines Millionärs und über das weitere Schicksal seiner Tochter diskutieren. Zu Charles‘ großem Schrecken scheint auch Margaret in die Machenschaften dieser Männer involviert zu sein, und so beschließt er, dass er erst mehr über die Pläne dieser Bande herausfinden muss, bevor er mit seinem Wissen zur Polizei geht. Doch je mehr Charles in die ganze Geschichte verwickelt wird, desto überforderter ist er mit all den neuen Erkenntnissen – und so engagiert er Miss Silver, deren Dienste als Detektivin ihm von einem guten Freund empfohlen wurden.

Ich war ziemlich überrascht, dass Miss Silver in der Geschichte nur eine Nebenrolle spielt. Aber in dieser Rolle habe ich sie sehr gemocht. Sie ist eine kluge Frau, die in der Lage zu sein scheint, sich alle möglichen Informationen zu beschaffen. Ihr Auftreten ist dezent, und häufig bekommt man als Leser nicht erzählt, wie Miss Silver überhaupt an ihre Informationen gekommen ist. Aber mit diesen Informationslücken konnte ich gut leben, während ich verfolgte, wie Charles alles tut, um die junge Margot vor der Verbrecherbande zu beschützen, die sie um ihr Erbe – und im Zweifelsfall um die Ecke – bringen will. Auch Margaret spielt natürlich eine Rolle, und während Charles zwischen Beschützerinstinkt und Misstrauen schwankt, versucht sie, einfach nur ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Natürlich empfinden die beiden immer noch etwas füreinander und ebenso natürlich sorgt dies für ein paar Missverständnisse, Anschuldigungen und Momente von gegenseitiger Aufopferung. Aber das Ganze dauert nie so lange an, dass ich davon genervt wurde.

Zu Beginn fand ich die Geschichte etwas wirr, ich weiß aber nicht, ob es daran lag, dass die Autorin erst einmal den richtigen Ton für diese Kriminalgeschichte finden musste, oder daran, dass ich einfach erwartete, dass irgendwann Miss Silver eine Rolle spielen würde. Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und werde bei Gelegenheit bestimmt noch einmal zu einem Miss-Silver-Roman greifen (leider sind die regulären Preise für die eBooks relativ hoch für so dünne Bücher, aber immerhin gibt es ein paar deutsche Ausgaben in der Bibliothek). Ich mochte die verschiedenen Charaktere – sogar die schrecklich naive Margot -, ich mochte die klassische Grundidee mit der gefährdeten Erbin und dass es die eine oder andere Wendung in der Handlung gab, die mich überraschte, obwohl die Identität von Grey Mask relativ früh zu erraten war, und ich habe bekannterweise einfach eine Schwäche für Bücher, die in den 20er und 30er Jahren spielen.

Liza Marklund: Prime Time (Annika Bengtzon 4)

Irgendwie schaffe ich es zur Zeit ständig, vierte Bände von Reihen in die Hände zu bekommen. „Prime Time“ von Liza Marklund war eine Spontanausleihe in der Bibliothek – es tut meinem Ausleihverhalten gar nicht gut, dass ich vom Vormerkregal aus immer an den Krimibeständen vorbeigehen muss, um zur Selbstverbuchung zu kommen -, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, ich könnte doch mal eine für mich neue Krimiautorin ausprobieren. Obwohl „Prime Time“ der vierte Roman rund um die Journalistin Annika Bengtzon ist, hat sich die Geschichte auch gut ohne Vorwissen aus den vorhergehenden Bänden lesen lassen. Allerdings hege ich die Befürchtung, dass ich nach dem Lesen dieses Romans die ersten drei Teile nicht so genießen könnte, weil ich schon zu viel über die privaten Entwicklungen der Protagonistin weiß, die darin beschrieben wurden.

Die Handlung beginnt am Mittsommertag in Stockholm, wo sich Annika gerade darauf vorbereitet, mit ihrem Lebensgefährten Thomas und den beiden gemeinsamen Kindern (und einem Haufen Gepäck) die Wohnung zu verlassen, um die nächsten Tage bei ihren Schwiegereltern auf einer Insel zu verbringen. Doch mitten in der Aufbruchsstimmung erreicht sie ein Anruf von ihrer Redaktion, in dem sie darüber informiert wird, dass eine bekannte Moderatorin in einem Schloss auf einer Insel vor Stockholm getötet wurde – und dass sie die Berichterstattung darüber übernehmen muss. Denn Annika kennt sich nicht nur gut in der Region aus, weil sie da aufgewachsen ist, sondern sie hat auch Verbindungen zur Umgebung der Ermordeten, da ihre beste Freundin Anne (die zu den Leuten gehört, die die Tote gefunden haben) mit der verstorbenen Michelle Carlsson zusammengearbeitet hat.

Während die Grundvoraussetzung mit dem Schloss auf der Insel, in dem eine kleine Gruppe von Menschen während der Tatnacht anwesend war, die alle ein Motiv für einen Mord gehabt hätten, an einen klassischen Whodunnit erinnert, lässt Liza Marklund den Leser durch die Augen der Journalistin Annika die Geschichte erleben, was für einen gewissen Abstand zu den verschiedenen Verdächtigen und eine „modernere“ Erzählweise sorgt. Zwar wechselt die Autorin immer wieder die Perspektive, so dass man eigentlich von fast allen Beteiligten einen Eindruck bekommt, aber nie erfährt man so viel, dass man eine Person wirklich einschätzen kann. So versucht Annika, so viel wie möglich über die Verstorbene und die zwölf Verdächtigen herauszufinden, und macht sich gleichzeitig Sorgen um ihre Freundin Anne, die ein starkes Motiv für den Mord gehabt hätte. Aber nicht nur die Frage, ob Anne schuldig ist, beschäftigt die Journalistin, sondern auch ihre Beziehung zu Thomas und welchen Stellenwert das gemeinsame Leben und die Kinder für ihn haben.

Ich glaube, dieser private Teil der Geschichte hätte mich bei einer anderen Autorin mehr gestört – was auch daran liegen kann, dass ich Thomas so unsympathisch fand -, aber es gelingt Liza Marklund, eine Verbindung zwischen Annikas Privatleben und ihrer Arbeit herzustellen, die ich stimmig fand. Je mehr Gedanken sich die Journalistin über die einzelnen Personen macht, je mehr sie darüber nachdenkt, wie das Verhältnis zwischen den Verdächtigen und der Ermordeten war, desto mehr erfährt sie auch über sich und ihr Verhalten gegenüber anderen Menschen und ihrer Arbeit. Bei dem Fall selbst war es mir ehrlich gesagt relativ egal, wer denn nun der Mörder ist, während ich es spannend fand, mehr über die verschiedenen Beteiligten herauszufinden. Obwohl – oder vielleicht gerade weil? – viele Figuren sehr klischeehaft dargestellt wurden, wollte ich mehr über sie herausfinden, wollte wissen, ob nicht noch mehr hinter ihrer Fassade steckt oder ob sie sich wirklich so schnell in eine „Schublade“ stecken lassen, wie es auf den ersten Blick wirkte. Außerdem mochte ich es, dass ich das Gefühl hatte, dass die Arbeit als Journalistin realistisch dargestellt wurde – was vielleicht aber auch daran liegt, dass der Klappentext den Leser darüber informiert, dass Liza Marklund selbst lange Zeit als Journalistin gearbeitet hat.

Am Ende des Romans ist bei mir allerdings nicht viel von der Handlung und den Figuren hängen geblieben. Ich habe nette Stunden mit dem Buch verbracht, ich habe mich beim Lesen wenig geärgert (und das heißt bei modernen Krimis schon etwas) und auch wenn mir kein Charakter so richtig sympathisch fand, konnte ich gut mit ihnen leben. Liza Marklund ist nun keine Autorin, die ich mir unbedingt merken muss, aber wenn mir in der Bibliothek noch ein anderes Buch von ihr in die Finger kommt, würde ich es vermutlich ausleihen. „Nett“ ist schließlich nicht immer das Schlechteste für eine Geschichte, die mich einfach nur etwas unterhalten soll.

Shari Shattuck: Tage wie Salz und Zucker

Leider kann ich nicht mehr herausfinden, wie ich über dieses Buch gestolpert bin, da es kein Beitrag war, der in meinem FeedReader angezeigt wird. Aber es war auf jeden Fall ein Leseeindruck, der grob aussagte, dass die Geschichte etwas kitschig und unglaubwürdig sei, das Ganze aber trotzdem so schön sei, dass man es lesen sollte. Da der Titel in der Bibliothek vorzumerken war, habe ich also einen Versuch gewagt und einen wirklich schönen Nachmittag mit diesem Buch verbracht. Die Geschichte rund um Ellen und Temerity ist wirklich extrem unglaubwürdig und trotz diverser Probleme, dramatischer Ereignisse und Herausforderungen gibt es am Ende für (fast) alle Beteiligten ein Happy End. Normalerweise würde mich das beim Lesen eher wütend machen, aber Shari Shattuck hat es bei „Tage wie Salz und Zucker“ geschafft, diese Anhäufung von glücklichen Zufällen und unrealistischen Ereignissen so zu verpacken, dass ich mich (abgesehen von einer „medizinischen“ Wendung am Ende) einfach nur gut unterhalten gefühlt habe. Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht weiß, ob ich an einem anderen Tag und in einer anderen Stimmung ebenso glücklich mit dem Roman gewesen wäre.

Die Geschichte beginnt an einem Abend, als Ellen wie immer viel zu früh mit dem Bus zur Arbeit fährt. Während sie noch damit beschäftigt ist, sich die anderen Passagiere im Bus anzuschauen, steigt eine junge, blinde Frau zu und setzt sich neben Ellen. Für Ellen ist das ein regelrechter Schock, hat sie doch seit Jahren das Gefühl, für alle anderen Menschen unsichtbar zu sein – wobei sie auch ihr Leben lang alles dafür getan hat, um diesen unsichtbaren Zustand zu erreichen. Ellen wurde mit fünf Jahren von ihrer Mutter verlassen, die sie misshandelte und hungern ließ, und wanderte von diesem Zeitpunkt an von einer Pflegefamilie zur nächsten. Sie ist sich sicher, dass es Pflegefamilien gibt, die sich liebevoll um ihre Schützlinge kümmern, aber sie selbst hatte nicht dieses Glück. Inzwischen ist Ellen 24 Jahre alt, dauerhungrig und menschenscheu und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Putzfrau in einem Supermarkt. Ihr einziges Vergnügen besteht darin, knusprigen Bauchspeck zu essen und durch das Fenster ihres winzigen Apartments die Nachbarn zu beobachten.

Als sie nun von Temerity im Bus angesprochen wird und sieht, mit wie viel Humor die junge Frau mit ihrer Behinderung umgeht, wird Ellen neugierig. Sie folgt Temerity, als diese aus dem Bus aussteigt, und kann kurz darauf verhindern, dass der blinden Frau die Handtasche geraubt wird. Aus diesem  Moment entsteht zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft, die beiden guttut. Gemeinsam fangen die beiden an, sich in das Leben von Ellens Nachbarn und Arbeitskollegen zu mischen. Dabei beginnt das Ganze vollkommen harmlos mit einem falsch zugestellten Brief, von dem Ellen sich nicht sicher ist, ob sie ihn der wirklichen Empfängerin zukommen lassen soll, und steigert sich im Laufe der Zeit zu immer absurderen Aktionen.

Obwohl Shari Shattuck in ihrem Roman „Tage wie Salz und Zucker“ immer wieder tiefer gehende Themen anspricht, war für mich diese Geschichte wie Popcorn-Kino, denn da macht man sich auch keine Gedanken über den Realismus der diversen Wendungen oder die Risiken, die die Figuren eingehen, sondern genießt einfach eine lustige (und wohltuende) Geschichte. Unter dieser Voraussetzung hat es mir Spaß gemacht mitzuerleben, wie Ellen sich von der Beobachterin zur Akteurin entwickelt, wie sie immer häufiger kleinen Impulsen nachkommt und wie die Tatsache, dass sie Pläne für den Tag hat und eine Verabredung einhalten möchte, ihr Leben aufhellt. Im Vergleich zu Ellen bleiben die restlichen Figuren relativ blass, aber das ist nicht schlimm, denn die Geschichte dreht sich vor allem um Ellen und darum, wie selbst kleine Dinge Einfluss auf das Leben eines Menschen nehmen können.

Vielleicht funktioniert dieser Roman so gut, weil man sich einfach manchmal wünscht, dass das Leben so wäre, dass der kleine Drogendealer doch ein netter Mensch ist und Hunde mag, dass die verzweifelte junge Mutter jemanden findet, der sich um sie und ihr Baby kümmert, dass man trotz Trauer einen Weg findet, um auf positive Weise mit dem Verlust eines Menschen umgehen zu können, oder eben, dass man selbst den Mut findet, jemandem beizustehen, der in Schwierigkeiten steckt.

Robin Benway: Emmy & Oliver

„Emmy & Oliver“ von Robin Benway gehört zu den Büchern, die ich anhand des Klappentextes nie in die Hand genommen hätte. Vor allem der letzte kitschige Satz „Oder sind ihre Herzen wie die Teile zweier Puzzles – unmöglich, dass eins jemals zum anderen passt?“ hätte mich definitiv abgeschreckt. Glücklicherweise bin ich über Pias Rezension zu dem Titel gekommen und habe deshalb den Roman aus der Bibliothek ausgeliehen und dann in einem Zug gelesen.

Die Geschichte wird aus Emmys Perspektive erzählt, so dass man als Leser mitbekommt, wie es ihr ergangen ist, nachdem der gleichaltrige Nachbarssohn Oliver von seinem Vater entführt wurde. Doch Oliver war nicht nur einfach ein Nachbarsjunge, sondern von Anfang an Emmys bester Freund. Die beiden Kinder sind zusammen aufgewachsen und standen sich immer besonders nah – und dann verschwand er mit gerade mal sieben Jahren von einem Tag auf den anderen. Die folgenden Wochen bestanden für Emmy, ihre Familie und ihren Freundeskreis aus Reportern, die jedes Detail zu dem entführten Kind wissen wollten, und aus Olivers verzweifelter Mutter, die alles versuchte, um ihren Sohn zurückzubekommen und dabei von Emmys Eltern unterstützt wurde. Von diesem Moment an wird Emmy von ihren schockierten Eltern überbehütet – und daran ändert sich auch in den folgenden zehn Jahren nichts. Nicht einmal, als Oliver eines Tages wieder auftaucht und zu seiner Mutter zurückkehrt, kann Emmy ein normales Leben führen.

Das alles klingt nun erst einmal dramatisch, aber die Geschichte ist vor allem einfach nur schön. Die Handlung dreht sich nämlich weniger um die Entführung – obwohl sie natürlich das Leben aller beeinflusst hat -, sondern vielmehr um die Freundschaft zwischen Emmy, Oliver, Caro und Drew. Auch wenn Oliver zehn Jahre lang verschwunden war, haben seine drei Kindheitsfreunde ihn nie vergessen und würden nun gern wieder an ihre alte Freundschaft anknüpfen. Oliver hingegen ist verwirrt von all den Veränderungen in seinem Leben und von all den neuen Informationen, die er gerade erst erhalten hat, und frustriert, weil er das Gefühl hat, dass alle in ihm nur den Siebenjährigen sehen, der verschwunden ist, statt sich darauf einzulassen, dass sein Leben in den vergangenen zehn Jahren weitergegangen ist.

Für Emmy bringt Olivers Wiederkehr nicht nur den lange vermissten Freund zurück, sondern auch im Laufe der Geschichte die Erkenntnis, dass ihr Leben nicht so weitergehen kann. Sie weiß, dass ihre Eltern sie lieb haben und nur das Beste für sie wollen, aber ihre übergroße Besorgnis engt Emmy ein und sorgt dafür, dass sie ihr Eltern tagtäglich belügen muss, nur um zumindest für ein paar verstohlenen Stunden das zu erleben, was für andere Teenager normal ist. Auch die Eltern von Drew und Caro spielen eine gewisse Rolle in der Geschichte, obwohl sie nicht persönlich vorkommen. Die Familienverhältnisse der vier Jugendlichen wurden manchmal etwas sehr übertrieben dargestellt, aber ich mochte, wie gegensätzlich ihre Herkunft war, wie gut sie sich verstanden haben und wie sehr sie sich manchmal wünschten in den Schuhen des anderen zu stecken.

Trotz der teilweise etwas klischeehaften Darstellung einiger Nebencharaktere und des (wirklich alle Beteiligten betreffenden) Happy Ends fühlt sich die Geschichte beim Lesen realistisch an. Ich mochte die Figuren, ich mochte es, dass sie Ecken und Kanten hatten, dass sie einander so gut kannten, dass sie mit den Macken des Freundes leben konnten, und ich mochte es, dass es bei aller Freundschaft auch mal zu Streitereien kam. Ich hätte – zumindest bei den späteren Kapiteln – auf die kleinen Passagen verzichten können, die jedes Kapitel mit einer Szene einleiten, die vom Leben der vier erzählt, bevor Oliver entführt wurde. Aber so schlimm fand ich die jetzt auch nicht, dass sie mein Lesevergnügen ernsthaft getrübt hätten.

Leseeindrücke im Mai

„Eleanor und Park“ von Rainbow Rowell ist eines dieser Bücher, von denen anscheinend alle begeistert sind – was mich dann wieder abschreckt. Am Ende hat mich Tines Rezension dazu gebracht, den Roman in der Bibliothek vorzumerken und zu lesen. Und nun habe ich ein Problem, weil es mir schwer fällt meine Meinung zu der Geschichte in Worte zu fassen. Anfangs fand ich es sehr niedlich Eleanor und Park kennenzulernen und zu sehen, wie sich die beiden in kleinen Schritten näher kommen. Sie erfährt am ersten Tag im Schulbus nur Ablehnung, er hingegen ist zu höflich, um sie genauso fies zu behandeln wie die anderen Schüler es tun, und so landet sie auf dem Sitz neben ihm. Erst liest sie seine Comics mit, dann fangen sie irgendwann an sich über das Gelesene zu unterhalten, sich über Musik auszutauschen, sie werden Freunde und aus dieser Freundschaft wird Verliebtsein. Das war sehr hübsch zu lesen, auch weil es nicht zu harmonisch und rosarot beschrieben wurde, sondern es gibt immer wieder sehr realistische Momente, wenn es zum Beispiel Park bei all seiner Verliebtheit unangenehm ist, dass seine Freunde sehen könnten, dass er gerade mit Eleanor Händchen im Bus hält.

Dann kam der Moment, an dem mir auffiel, dass ich aus irgendeinem Grund beim Anlesen des Buches eine Seite überblättert hatte. Eine Seite, auf der man eine Passage lesen kann, die eigentlich relativ am Ende des Buches steht. Von diesem Moment an konnte ich die Geschichte nicht mehr genießen, weil ich nicht mehr unvoreingenommen war. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass was dramatisches zwischen Eleanor und Park passiert, obwohl das so wie ich es erwartet hatte am Ende gar nicht kam. Dass meine Erwartungen da nicht erfüllt wurden, macht mich sehr dankbar, aber ich ärgere mich sehr darüber, dass diese Passage aus dem Zusammenhang gerissen, mir so ein schlechtes Gefühl beim Lesen verursacht hat. Mit den eigentlichen Ereignissen am Schluss kam ich gut zurecht, es war eine stimmige Entwicklung und ein gutes Ende für den Roman. Nur kann ich aufgrund meiner eigenen Erwartungen beim Lesen die Geschichte selbst im Rückblick nicht wirklich beurteilen … Ich würde deshalb wirklich empfehlen mit dem Lesen erst auf Seite 9 anzufangen und die Geschichte unvoreingenommen zu genießen. 😉

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Ich müsste nachschauen, um zu wissen wie viele „Leseeindrücke“ ich schon zu Benny-Griessel-Romanen verfasst habe, aber mehr als fünf können es nicht sein, da die Reihe bislang nicht mehr Bände hat. 😉 Beim Lesen von „Icarus“ kam es mir so vor, als ob ich schon viel länger ein Teil von Benny Griessels Leben wäre, weil mir inzwischen all die Polizisten, mit denen er zusammenarbeitet, so vertraut sind. Da Benny in dieser Geschichte eine kleinere Rolle als sonst spielt, war es auch gut, dass ich mich so wohl mit seinen Kollegen fühle. Während diese – was vor allem aus Cupidos Sicht geschildert wird – intensiv die Ermordung eines erfolgreichen Geschäftsmanns untersuchen, muss Benny damit fertig werden, dass ein guter Kollege sich und seine Familie erschossen hat. Für Benny bedeutet dies, dass er nach 602 Tagen zum ersten Mal wieder zur Flasche greift. Ich hatte schon einmal erwähnt, dass ich normalerweise ein Problem mit alkoholkranken Protagonisten habe (besonders dann, wenn sie Polizisten sind), aber bei einem Deon-Meyer-Roman kann ich sogar damit leben, wenn der Charakter nach erfolgreichem Entzug rückfällig wird.

So bekommt man auch in „Icarus“ drei Erzählebenen geboten und während man auf der einen Seite Cupido bei seinem ersten Fall, denn er alleine leitet, begleitet und zusehen muss, wie Benny Griessel sich von neuem mit seiner Sucht auseinandersetzen muss, erfährt man gleichzeitig die Geschichte eines Winzers und seiner Familie, die dieser seiner Anwältin erzählt. Dabei gelingt es Deon Meyer geschickt dafür zu sorgen, dass alle drei Handlungsebenen auf ihre Weise spannend sind, während der Autor bestimmte  – schon fast erwartbare – Wendungen meidet und so immer wieder überraschende Enthüllungen für die Ermittler und den Leser bereit hält. Und auch wenn dieses Mal die politische Situation in Kapstadt so gut wie kein Thema ist, gibt es doch wieder interessante Aspekte über Südafrika, die einem einen weiteren Einblick in das Land und seine Gesellschaft bieten. Ich mag diese Reihe wirklich sehr gern und hoffe sehr, dass der Autor noch einige Romane um Benny Griessel und seine Kollegen schreibt.

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„Solange wir lügen“ von E. Lockhart ist wie „Eleanor und Park“ eines dieser Jugendbücher, um die man auf Blogs einfach nicht herum kommt und die mich gerade deshalb eigentlich nicht reizen. Aber Neyashas Rezension zu dem Buch hat mich dann doch neugierig gemacht und ich kann ihr nach dem Lesen des Romans vollkommen zustimmen. Die Geschichte rund um Cadence und ihre WASP-Familie, die jeden Sommer auf einer eigenen kleinen Insel vor Marthas Vineyard verbringt, hat mich überraschend gut unterhalten. Cadence hat seit einem Unfall vor zwei Jahren kaum noch Erinnerungen an den damaligen Sommer und nur wenig Kontakt zur Familie bis sie in diesem Jahr wieder auf die Insel zurückkehrt und versucht mehr darüber herauszufinden, was damals passiert ist. Die Erzählweise fand ich gewöhnungsbedürftig, die Sommer- und Familienszenen sehr atmosphärisch und die Auflösung des Ganzen wirklich überraschend! 🙂

Juni-SuB 2016

Der Mai war in jeder Hinsicht ein wirklich anstrengender Monat, der sehr viel Arbeit und einige scheußliche, aber auch einige schöne Momente für mich bereit hielt. Wie so oft, wenn mir alles zu viel wird, habe ich mich so oft es ging mit Lesen abgelenkt und dabei regelmäßig zu Kinder- und Jugendbüchern gegriffen. So ist es wohl kein Wunder, dass ich trotz der ganzen Arbeit und der Tatsache, dass das Lesen von „Verwüstung“  recht zeitaufwändig war, insgesamt 15 Bücher, 2 Hörbücher und 2 Comics verschlungen habe.

Nachdem die letzte Maiwoche vor allem davon geprägt war, dass wir Besuch hatten und viel außer Haus waren, werde ich mich im Juni wieder auf meine endlose To-do-Liste stürzen. Vor allem muss ich mal den Keller auf- und umräumen, damit ich da besser handwerken kann. Außerdem will ich mit dem kleinen Zimmer weiterkommen, was bedeutet, dass ich mal wieder Buchstapel durchsehen, verstauen und aussortieren darf. Ich hoffe sehr, dass das nicht bedeutet, dass ich den Juni über nur lauter schon gelesene Bücher in die Hand nehme, bei denen ich mich nicht so recht entscheiden kann, ob ich sie behalten möchte oder nicht. Denn eigentlich würde ich gern weiter die Serien auf meinem (deutschen) SuB in Angriff nehmen, um ein paar Altlasten loszuwerden oder das Gefühl zu haben, ich könnte mir doch endlich mal die weiteren Fortsetzungen gönnen.

Deutscher SuB:

  1. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  2. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  3. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  4. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  5. Brom: Krampus
  6. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  7. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  8. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  9. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  10. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  11. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  12. Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
  13. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  14. Silvia Roth: Querschläger
  15. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  16. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  17. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  18. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  19. Charles den Tex: Die Zelle
  20. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  21. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  22. Xinran: Gerettete Wort
  23. Xinran: Wolkentöchter
  24. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

24 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  4. Agatha Christie: Curtain – Poirot’s Last Case
  5. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  6. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  7. Alex Grecian: The Harvest Man (Scotland Yard’s Murder Squad Series #4)
  8. Kate Griffin: The Madness of Angels (Matthew Swift #1)
  9. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  10. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  11. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  12. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  13. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  14. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  15. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  16. Lynn Kurland: Star of the Morning
  17. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  18. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  19. Cindy Pon: Serpentine
  20. Philip Reeve: Larklight
  21. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  22. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  23. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  24. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)
  25. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

24 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Peter Englund: Verwüstung – Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges

Über „Verwüstung – Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ von Peter Englund bin ich durch Birthes begeisterte Rezension zu dem Titel gestolpert. Es hat dann gut ein Jahr gedauert, bis ich das Buch in der Bibliothek ausleihen und lesen konnte, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Der Dreißigjährige Krieg war in meinem Geschichtsunterricht nicht viel mehr als eine Randnotiz, die mit dem Prager Fenstersturz eingeleitet und wenige Sätze später mit dem Westfälischen Frieden beendet wurde. Hätte ich nicht als Jugendliche „In dreihundert Jahren vielleicht“ von Tilman Röhrig gelesen, hätte ich wohl in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten gehabt, diesen Krieg auch nur grob zeitlich einzuordnen. Jahreszahlen in geschichtlichen Zusammenhängen liegen mir wirklich nicht.

Mit so wenig Vorwissen fand ich es sehr spannend, diesen dicken Schinken (848 Seiten inklusive Anhänge) zu lesen und mehr über den Dreißigjährigen Krieg zu lernen. Dabei macht Peter Englund es dem Leser recht leicht, indem er nicht nur über den Krieg (bzw. diese vielen Kriege, die rückblickend als Dreißigjähriger Krieg bezeichnet wurden) – natürlich mit schwedischen Schwerpunkt – schreibt, sondern auch immer wieder vom Leben und dem Glauben (sowohl im religiösen als auch im „wissenschaftlichen“ Sinn) der Menschen erzählt und skurrile, spannende oder faszinierende Begebenheiten aus dieser Zeit in den Text einflicht. Einen roten Faden in diesem Buch bildet das Leben des Erik Jönsson, dessen Tagebücher und Skizzen auch immer wieder vom (militärischen) Alltag zu dieser Zeit zeugen.

Trotz des großen Umfangs und all dieser Informationen, die das Buch beinhaltet, lässt es sich wirklich gut lesen. Peter Englunds Sprache hat mir persönlich sehr zugesagt und ich mochte die – manchmal vielleicht etwas flapsig formulierten – knackigen Beschreibungen der verschiedenen Charaktere. Obwohl wirklich viele Parteien und Personen in diesem Krieg eine Rolle spielen, hatte ich keine Probleme, die verschiedenen Gruppen und Personen auseinanderzuhalten und mich an frühere Erwähnungen zu erinnern. Auch die ausführlichen Schlachtbeschreibungen, die Birthe nicht so gefallen haben, fand ich spannend, weil man wirklich gut verfolgen konnte, welche Aspekte den Ausgang einer Schlacht beeinflussten, welche politischen Einflüsse dazukamen und wie sich die Art und Weise, in der eine Schlacht geführt wurde, im Laufe der Zeit (oder je nach Befehlshaber) verändert hat. Allerdings fand ich die kleine Schrift und die relativ wenigen Absätze sehr anstrengend, und sobald ich etwas müde wurde, hatte ich das Gefühl, dass meine Augen keinen Halt in der Textmasse mehr finden.

Was mich bei diesem Buch – ebenso wie beim Lesen von Mary Roberts Rinehards „Kings, Queens and Pawns – An American Woman at the Front“ (das ich auch endlich mal beenden sollte) – wieder sehr beschäftigt hat, ist, wie wenig sich die Menschheit doch in all der Zeit verändert hat. Bei Mary Roberts Rinehard sind es immer wieder die in der Rückschau sehr naiv anmutenden Aussagen der Autorin, dass die Welt doch aus den Ereignissen des Ersten Weltkriegs lernen muss, wie sinnlos und wie menschenverachtend Krieg doch sei, während mich bei „Verwüstung“ vor allem die Passagen rund um die Beweggründe der diversen Parteien beschäftigt haben. Es gab so viele Momente in diesen drei Jahrzehnten, zu denen man den Krieg hätte beenden können, aber eben auch so viele Parteien, die mit einem Gewinn daraus hervorgehen wollten, dass keine den ersten Schritt machen oder gar einen Verlust erleiden wollte. Das alles ist leider heute immer noch erschreckend aktuell, obwohl die vergangenen Jahrhunderte doch gezeigt haben, dass eine solche Haltung weder für die Menschen noch für Wirtschaft und Politik langfristig von Nutzen ist.

Vom Dreißigjährigen Krieg und To-do-Listen

Schon wieder über eine Woche her, seitdem ich das letzte Mal einen Blogpost geschrieben habe. Irgendwie sind meine To-do-Listen gerade länger als meine Tage und ich habe ständig das Gefühl, all meinen Verpflichtungen und Vorhaben hinterherzurennen. Wenn ich mich dann hinsetze und mir etwas Lesezeit gönne, verbringe ich diese Zeit mit „Verwüstung“ von Peter Englund – wobei ich zugeben muss, dass ich mich gerade in meiner Nachmittagspause regelmäßig dabei ertappe, wie mir das Buch aus den Händen rutscht, während ich ein Nickerchen einlege. *g*

Eigentlich ist „Verwüstung“ gut geschrieben und ich lerne eine Menge über den Dreißigjährigen Krieg, aber es ist eben kein Buch, in dem man mal eben ein bisschen liest. Auch merke ich mal wieder, dass ich für Sachbücher einfach Ruhe benötige, so dass ich diesen dicken Schinken abends und an den Tagen, an denen mein Mann frei hat, gar nicht erst in die Hand nehmen muss. Jetzt aber habe ich nur noch drei Tage, um „Verwüstung“ zu lesen. Ab Freitag hat mein Mann wieder Urlaub, ab Dienstag haben wir Besuch und spätestens am Mittwoch muss das Buch wieder zurück zur Bibliothek. Ich werde also versuchen, in den kommenden drei Tagen neben Garten, Arbeit, Haushalt und Kranken-Kater-Verwöhnen so viel Lesezeit wie möglich herauszuschlagen, damit ich „Verwüstung“ noch rechtzeitig beendet bekomme.

Sonst habe ich gar nicht so viel auf meiner To-do-Liste … Nur noch ein Sauerteigbrot-Rezept, das ich unbedingt ausprobieren muss. Wobei es mich ein wenig irritiert, dass ich dafür 15 g gekochte Kartoffeln benötige. *g* Dann nähe ich noch an den Ersatzüberzügen für die beiden Sofas … und ich habe einen ganzen Haufen Kanthölzer im Keller, aus denen irgendwann eine Bank für den Balkon werden soll. Dafür muss ich sie nur erst einmal hobeln und schleifen und sägen und zusammenschrauben und mehrfach lackieren … Eine Rankhilfe für meine Gurke wollte ich auch noch bauen, wobei ich wirklich hoffe, dass es in den kommenden Monaten auf meinem Balkon für die Gurke warm genug ist. Außerdem stört es mich zur Zeit sehr, dass die Wohnzimmerwände dank der vielen erlegten Kleidermotten dringend gestrichen werden müssten. Aber das kann definitiv warten, bis der Besuch wieder abgereist ist. Wenn ich aber dann schon mal alles zum Streichen rauskrame, könnte ich eigentlich auch noch das kleine Zimmer ausräumen und schon mal weiß grundieren. Das will ich in diesem Jahr ja auch noch streichen und endlich ein paar Schränke dafür bauen …

Wenn das so weiter geht, dann wird es auch den Rest des Monats noch ungewöhnlich ruhig hier auf den Blog bleiben. Aber solche Phasen kennt ihr ja von mir schon. 😉

Dies und Das (5)

Gestern habe ich viele Stunden am Laptop gearbeitet. Halb saß ich, halb lag ich dabei auf dem Sofa. Der Rücken tat weh, die Schultern waren verspannt und ich hätte verflixt gern ab und an einen Schluck getrunken. Aber trotzdem habe ich an meiner Situation nichts geändert, denn Baltimore lag auf meiner Schulter. Stundenlang lag er da und hat geschlafen, manchmal sogar etwas geschnarcht, und wenn ich doch mal zu unruhig für seinen Geschmack wurde, ist er aufgewacht und hat sich von mir schnurrend den Kopf kraulen lassen.

Baltimore im Oktober 2015

Diese Nähe hatten wir in den letzten Tagen vermisst, denn da musste Baltimore beim Tierarzt bleiben. Auch wenn es ihm dort relativ gut geht und er dort auch verwöhnt wird, so war die Behandlung für ihn anstrengend und die beiden Kater, mit denen er sich im Pflegeraum angeblich stundenlang unterhalten hat, haben ihn wohl auch davon abgehalten sich richtig auszuruhen.

Als er Freitagmittag bei uns aus dem Transportkorb gehoben wurde, war er so müde und wackelig, dass ich schon befürchtete, der Tierarzt hätte recht, als er meinte, dass wir uns vielleicht in einer Woche schon wiedersehen würden. Denn auch wenn seine Verdauungsprobleme in den letzten Tagen deutlich gefährlicher für Baltimore waren als der Tumor, so wächst dieser gerade in alarmierender Schnelligkeit. Doch nachdem der Kater einen ganzen Tag wieder in vertrauter Umgebung verbracht hat, sah er schon wieder ganz anders aus. Auch hatte er keine Hemmungen, mich in der Nacht im 2-Stunden-Takt zu wecken, um zu schauen, ob es schon Zeit für sein Morgenleckeli sei. Er ist natürlich alt und er ist nicht gesund, aber er hat sich von dem Tierarztaufenthalt erstaunlich schnell wieder erholt.

Vielleicht sind es wirklich nur ein paar Tage, die wir noch mit Baltimore haben. Aber das hatten wir auch schon vor einem Jahr gedacht, als der Tumor bei ihm entdeckt wurde. Baltimore selber scheint noch ganz zufrieden mit seinem Leben zu sein. Er frisst wie ein Scheunendrescher, genießt die Nähe, bettelt jeden Menschen, der in die Küche geht, um Leckerli an und schläft stundenlang in der Sonne. Uns bleibt nur, seinen Zustand ebenso gelassen zu sehen wie er (auch wenn das verflixt schwer fällt) und uns über jeden weiteren gemeinsamen Tag zu freuen.