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[Kurz und knapp] Chris Priestley: Mister Creecher

Für „Mister Creecher“ von Chris Priestley bemühe ich mal den Klappentext des Bloomoon Verlags,statt eine eigene Inhaltsangabe zu schreiben:

„London 1818. Billy ist ein einsamer Straßenjunge und Taschendieb und schleicht auf seinen Raubzügen durch die düsteren Gassen der nebligen Straßen. Da stolpert er über eine leblos am Boden liegende Gestalt – ein vermeintlich leichtes Opfer für einen gewieften Taschendieb? Doch der monströse Riese entpuppt sich als eine Furcht einflößende Gestalt: Mister Creecher! Und der ist keineswegs wehrlos oder gar tot.
Aus der zufälligen Begegnung von Billy und Mister Creecher wird Stück für Stück eine ungewöhnliche Freundschaft, die sie auf eine abenteuerliche Reise in Richtung Norden führt – immer einem Ziel folgend: Viktor Frankenstein.“

 Ich muss zugeben, dass ich nach dem Lesen des Romans sehr zwiegespalten zurückbleibe. Auf der einen Seite hat mir „Mister Creecher“ sehr gut gefallen. Keine der Figuren ist richtig sympathisch, aber man kann ihre Motivationen und Handlungen nachvollziehen. Billy hat durch sein Leben auf der Straße eine Skrupellosigkeit entwickelt, die immer wieder sein Handeln bestimmt. Für ihn geht es immer wieder ums Überleben, und so ist seine Beziehung zu Mister Creecher auch immer davon bestimmt, welchen Nutzen er daraus ziehen kann. Mal geht er auf die Aufträge dieses Wesens ein, weil er sich fürchtet, mal deshalb, weil er finanziellen Nutzen daraus zieht. Freundschaft, Wärme oder Uneigennützigkeit kennt der Junge lange Zeit nicht, erst im letzten Drittel gibt es Momente, in denen man als Leser den Eindruck hat, dass er Gefühle für andere Menschen entwickeln kann.

Mister Creecher hingegen wirkt – trotz seines Furcht einflößenden Äußeren – anfangs sehr viel menschlicher. Er ist gebildet, liest Bücher (unter anderem Jane Austen), sehnt sich nach Nähe und Freundschaft und scheut vor Gewalt zurück. Trotzdem schimmert immer wieder eine weitaus gefährlichere Seite seines Charakters durch. Seine Wutausbrüche sorgen ebenso wie seine distanzierte Haltung gegenüber den Menschen und seine Besessenheit, wenn es um seinen Schöpfer Frankenstein geht, dafür, dass es schwer fällt, Vertrauen zu ihm aufzubauen.

Gerade diese Ecken und unsympathischen Seiten bei den Figuren haben mir sehr gut gefallen und ließen sie angenehm realistisch wirken. So kann ich auch gut damit leben, dass es für Billy und Mister Creecher am Schluss kein glückliches Ende gibt. Allerdings gefällt mir die Art und Weise nicht, in der Chris Priestley seinen Roman abgeschlossen hat. Für Billy gibt es da einen unfassbar schrecklichen Moment, der etwas in ihm zerbrechen lässt und dafür sorgt, dass all das „Gute“, das er im Laufe der vergangenen Monate in sich entdeckt hat, vollständig verschwindet. Um diese Entwicklung zu betonen, lässt der Autor Billy ein Verbrechen begehen und zeigt danach deutlich auf, welche Schritte der Junge in den nächsten Tagen gehen wird.

Mir persönlich wäre es deutlich lieber gewesen, wenn die Geschichte mit dem unfassbar schrecklichen Moment (puh, ist das schwierig, ohne zu sehr zu spoilern!) geendet hätte und wenn der Autor jede weitere Entwicklung der Fantasie des Lesers überlassen hätte. Das hätte diese Geschichte für mich so viel eindringlicher werden lassen. So aber fühle ich mich am Ende unbefriedigt und vom Autor entmündigt. Auch wenn „Mister Creecher“ für Jugendliche geschrieben wurde, so bin ich doch der Meinung, dass man nicht jede Anspielung erklären muss, nicht jede Andeutung noch einmal aufgreifen und weiterführen muss, damit der Leser kapiert, welche Absicht der Autor damit verfolgt.

Chris Priestley verweist mit seinem Roman auf diverse Klassiker (und macht damit auch Lust, sich wieder mehr mit seinen Inspirationsquellen zu befassen). Die Verbindung zu „Frankenstein“ ist unübersehbar und wird nicht nur durch die Figur des Mister Creecher und seine Beziehung zu Viktor Frankenstein betont, sondern auch durch einen „Gastauftritt“ von Mary und Percy Shelley. Die Bezüge zu „Oliver Twist“ liegen ebenfalls auf der Hand, werden vom Autor aber erst in den letzten Absätzen – quasi als große Enthüllung – tatsächlich ausgesprochen. Billys Leben in London, seine Vorgeschichte als Kaminkehrerjunge, seine Aktivitäten als Taschendieb – all das scheint 1:1 aus einem Roman von Dickens zu stammen. Da Chris Priestley es die ganze Geschichte hindurch (krampfhaft) vermeidet, bestimmte Namen zu nennen, gibt es erst am Ende für den Leser (der „Oliver Twist“ kennt) die Gewissheit, welche Rolle Billy im Dickens’schen Universum einnimmt.

Auch hier hätte ich es viel spannender gefunden, wenn der Autor anders vorgegangen wäre. Mich hatte schon während des Lesens gestört, dass manche Figuren keinen Namen haben, sondern nur durch ihre Beziehung zu anderen Charakteren benannt werden. Als ich dann die „überraschende Wendung“ am Schluss las, war ich enttäuscht. Wie viel spannender wäre der Roman gewesen, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, wer diese Personen sind und wenn ich mich beim Lesen hätte fragen können, wie Chris Priestley es letztendlich schaffen wird, seine Charaktere und ihre Geschichte mit den bekannten Elementen zu verflechten und daraus etwas Stimmiges zu erschaffen.

Noch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich den Roman behalten werde. Abgesehen vom Ende hatte er mir wirklich gut gefallen – sehr atmosphärisch, sehr viele Szenen, die zeigen, dass das viktorianische Zeitalter bevorsteht, stimmige Charaktere, schöne Verweise auf Literaturklassiker -, aber momentan fürchte ich, dass ich die Geschichte nicht noch einmal lesen werde.

SuB-Zuwachs im September

Heute kam der SuB-Zuwachs für den September. Eigentlich kamen auch noch ein paar Manga (also … so 20 … aus den letzten drei Monaten …) mit, ebenso wie ein Hörbuch. Aber da die 1. von mir eh nicht auf die SuB-Liste gesetzt werden und 2. die Akkus der Kamera nach diesem Foto streikten und nun erst einmal wieder 21 Stunden geladen werden müssen, gibt es den Beitrag ohne weitere Bilder.

Mark Hodder: Der wundersame Fall des Uhrwerkmannes
(Fortsetzung von „Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack“)

Sarwat Chadda: Ash Mistry und der Dämonenfürst
(Indien, Jugendfantasy – klang gut, wird angetestet)

Courtney Schafer: Die Chroniken von Ninavel – Die Blutmagier
(Ein bisschen Futter für die High-Fantasy-Lust.)

Letzte Ruhe (26 Top-Autoren und 1 Krimi *g*)
(Ein Teil von mir fürchtet, dass das keine gute Geschichte ist. Auf der anderen Seite fand ich „Die letzte Fahrt des Admirals“- u.a. von Dorothy Sayers und Agatha Christie geschrieben – sehr spannend zu lesen und hoffe immer wieder, auf einen ähnlichen Krimi zu stoßen.)

Ben Aaronovich: Ein Whispern unter Baker Street
(Band 3 – muss ich mehr sagen? 😉 )

Dieses Mal besteht mein SuB-Zuwachs aus einer lustige Krimi-/Fantasymischung – zum Teil sogar im selben Roman -, aber das passt auch zu meiner aktuellen Lesestimmung.

Die große Dose mit französischen Keksen breche ich vermutlich heute Abend gleich an, wenn ich die Nase in den zweiten „Monster Allergy“-Band stecke und danach zu entscheiden versuche, welcher der anderen Neuzugänge als Erstes gelesen wird. 😀

[Kindheitserinnerung gesucht] Von Waisenkindern und Rennpferden

Auch wenn mein erster Versuch (Orange Katze gesucht) mit eurer Hilfe eine Kindheitserinnerung aufzuspüren nichts gebracht hat, starte ich doch einen neuen Versuch mit einem anderen Titel. Auch hierbei handelt es sich um einen Roman, den ich als Kind regelmäßig aus der Bibliothek ausgeliehen hatte und von dem ich nur noch Bruchstücke in Erinnerung habe. Schwieriger wird es dadurch, dass ich vermute, dass die Geschichte deutlich älter als die meisten meiner Leser ist – was ich deshalb vermute, weil die Handlung meinem Gefühl nach zwischen 1945 und 1960 in den USA angesiedelt. Aber da kann ich mich natürlich auch irren …

Der Roman handelt von einem Jungen, der in einem Waisenhaus lebt und eines Tages einen Brief bekommt, in dem er darüber informiert wird, dass er ein Gestüt geerbt hat. Um sein Erbe anzutreten, reist er zu diesem Gestüt und muss feststellen, dass nach dem Tod seines (Groß-)Onkels (das ist nur eine Vermutung, sicher bin ich mir nicht, was die verwandtschaftliche Beziehung angeht) ein Großteil der Pferde verkauft wurde und das Gestüt in keinem guten Zustand ist. Allerdings hat ein treuer Freund (und Angestellter?) des Onkels ein paar der vielversprechendsten Jungtiere heimlich beiseite geschafft, mit denen er die Zucht wieder aufnehmen will, wenn die rechtliche Seite geklärt ist.

Um aber zu beweisen, dass die Tiere gutes Zuchtmaterial sind, müssen sie natürlich vorher auch erfolgreich einige Rennen hinter sich gebracht haben. So lernt der Junge nicht nur sich um den Hof und die Pferde zu kümmern, sondern auch Rennen zu reiten. Sein Ausbilder ist der Freund des vorherigen Gestütsbesitzers und ihm zur Seite stehen eine Handvoll Jungen, mit denen er sich im Waisenhaus angefreundet hatte und die er zu sich auf den Hof holte. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern, abgesehen davon, dass der Junge ein graues Pferd besonders ins Herz geschlossen hatte und das das Gestüt ebenso wie der junge Hengst „Oak“ als Teil des Namen hatte.

All diese Erinnerungen könnten auch verfälscht sein, schließlich sind schon einige Jahre vergangen seitdem ich das Buch das letzte Mal in der Hand hatte. Aber vielleicht erkennt ja einer von euch das Buch und kann mir Titel und Autor nennen – darüber würde ich mich sehr freuen!

[Kurz und knapp] Bram Stoker: Dracula (Hörbuch)

„Dracula“ von Bram Stoker gehört zu den Klassikern, die ich als Teenager gelesen hatte. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie viele Bücher ich damals ein Mal und dann nie wieder gelesen hatte – und bei wie vielen ich mich nicht mehr an Details erinnere. Als also Ariana schrieb, dass sie ein gutes „Dracula“-Hörbuch gehört hatte, dachte ich, dass das eine gute Gelegenheit wäre, um meine Erinnerung aufzufrischen. Zum Glück gab es genau diese Ausgabe in der Bibliothek, und so habe ich in den letzten Tagen einige Stunden mit Jonathan und Mina Harker, Lucy Westenra, ihren Verehrern Arthur Holmwood, Dr. John Seward und Quincey P. Morris sowie dem genialen Professor van Helsing verbracht.

Die Handlung an sich dürfte bekannt sein, darauf muss ich wohl nicht eingehen. Dafür sind mir immer wieder Kleinigkeiten aufgefallen, die ich überraschend naiv fand. So behauptet Lucy in einem Brief an Mina, dass sie schon zwanzig sei und noch nie einen Verehrer gehabt habe bis zu dem Tag, an dem sie gleich drei Heiratsanträge bekam. Und sehr schmunzeln musste ich bei all den Bluttransfusionen für Lucy, als diese erkrankt. Jeder verfügbare Mann wurde angezapft, um Lucy Blut zu spenden, während bei mir die Frage nach Blutgruppenübereinstimmungen durch den Kopf geisterte. Dass die Transfusion als „Operation“ bezeichnet wurde, sehe ich hingegen nur als ein Beispiel von vielen für die altmodische Ausdrucksweise, die mir bei diesem Klassiker immer wieder in Ohr gesprungen ist.

Ansonsten kann ich mich Ariana nur anschließen (und könnte es mir deutlich einfacher machen, wenn ich einfach ihre oben verlinkte Rezension zitieren würde 😉 ). Die Hörbuchversion der Deutschen Grammophon scheint sich an der Erstübersetzung des Romans zu orientieren, was zu einer sehr schönen Atmosphäre beiträgt. Obwohl der Text im Vergleich zum englischen Original gekürzt wurde, gibt es keine spürbaren Lücken oder Auslassungen in der Handlung. Hier und da wird die Lesung von Musik unterstützt, was in der Regel angenehm dezent vonstatten geht, abgesehen vom Anfang und Ende einer jeden CD, aber da kann ich das akzeptieren.

Doch der größte Pluspunkt besteht in der Auswahl der Sprecher. Die verschiedenen Tagebucheinträge und Briefe werden von unterschiedlichen Sprechern und Sprecherinnen vorgetragen, die allesamt ihre Arbeit sehr gut machen. Es ist wirklich sehr selten, dass ich an gar keinem Sprecher etwas zu meckern habe, aber hier ist das der Fall. Einzig der Hall, der bei einigen Gelegenheiten verwendet wird, um eine Veränderung anzuzeigen, hätte meiner Meinung nach weggelassen werden können. Aber da dieser Effekt nicht groß stört, hat mir „Dracula“ in dieser Variante wirklich Spaß gemacht!

[Kurz und knapp] Liz Brady: Tod in Toronto

Manchmal stehe ich in der Bibliothek, halte meine Vormerkungen in der Hand und habe das Gefühl, dass ich nicht mit so wenigen Büchern wieder gehen kann. Das sind die Momente, in denen ich – ohne groß nachzudenken oder gar den Klappentext zu lesen – zu Romanen greife und sie mir probeweise ausleihe. „Tod in Toronto“ war genau so eine spontane Ausleihe. Im Hinterkopf hatte ich dabei, dass ich das Buch ja in der nächsten Woche ungelesen zurückgeben kann, wenn es mir nicht gefällt.

Inzwischen habe ich rausgefunden, dass „Tod in Toronto“ (mindestens) der zweite Titel von Liz Brady rund um die Autorin Jane Yeats ist. Das führt dazu, dass man im Roman immer wieder Verweise auf frühere Ereignisse findest, was aber beim Lesen nicht das Gefühl hinterlässt, man hätte etwas verpasst. Die Handlung des Kriminalromans ist recht simpel: Janes Nachbarin, eine drogenabhängige Prostituierte, wird ermordet, und da Jane ein schlechtes Gewissen hat, weil sie ständig über die Tote gelästert hatte, will sie unbedingt, dass der Mörder gefasst wird. Das alles ist zwar nicht so spannend, aber unterhaltsam geschrieben, wenn auch die Auflösung der Verbrechen (ja, es gibt im Laufe des Romans mehrere) recht offensichtlich war.

Ein weiterer Kritikpunkt ist in meinen Augen die unrunde Erzählweise: Bei einigen Sätzen bin ich mir nicht sicher, ob dieses Gefühl von Unstimmigkeit durch die Übersetzung entstanden ist, bei anderen Wendungen hingegen gehe ich davon aus, dass die Autorin sie so gebastelt hat, und empfinde sie als unnatürlich im Zusammenhang mit dem restlichen Text bzw. der aktuellen Situation. Um euch ein Beispiel zu bieten, zitiere ich mal einen Teil über die rasante Motorradfahrt gegen Ende der Geschichte, bei der die Protagonistin so schnell wie möglich ihr Ziel erreichen muss, weil sie befürchtet, dass sich dort ihre Freundin seit einigen Stunden in der Gewalt eines Serienmörders befindet:

„Einmal geriet ich auf eine grasbewachsene, vom Frost spröde Böschung. Ich kitzelte aus meiner Lendenrakete die Vorstellung ihres Lebens heraus. Normalerweise treibt es mich zum Bike-Orgasmus, diese fünfhundert Pfund Metall mit der Gewandtheit eines Snowboarders zu lenken. Heute Nacht allerdings war ich mir bewusst, wie schnell ein Motorrad auf glitschiger Unterlage wegrutscht, und konzentrierte mich darauf, in einem Stück anzukommen.“ (Tod in Toronto, S. 296)

Lendenrakete?! Jupp, genau die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen würden, während ich um das Leben einer Freundin bange …

Was mich an dem Roman hingegen faszinierte, waren die Charaktere, die zum Teil wirklich liebevoll dargestellt wurden, und ein Gefühl von Nostalgie. Obwohl der Roman 2001 in Kanada erstveröffentlicht wurde und auch in der Geschichte immer wieder darauf verwiesen wird, dass die Handlung nach 2000 spielt, fühlte sich das Ganze für mich eher nach den 80er-Jahren an. Auf der einen Seite gibt es immer wieder feministische Gedanken und Diskussionen über Prostitution, die mir so vor allem in Büchern begegnet sind, die in den 80er-Jahren (in Großbritannien) spielten. Und auf der anderen Seite habe ich schon lange nicht mehr von einer Protagonistin gelesen, die so hemmungslos trinkt und raucht. Das ist mir eigentlich als Erstes ins Auge gesprungen: Jane Yeats raucht mit einer Selbstverständlichkeit, die mir in den letzten fünfzehn Jahren nicht mehr in Romanen begegnet ist. Ich gebe zu, dass ich als Nichtraucherin, die mit Übelkeit, Kopf- und Halsschmerzen auf Zigarettenrauch reagiert, sehr froh bin, dass immer weniger Menschen (öffentlich) rauchen, aber auf der anderen Seite habe ich bei diesem Buch wieder mal bemerkt, wie präsent Zigaretten früher in Romanen (und Filmen) waren. Schon seltsam, was einem manchmal so ins Auge springt, wenn man ein Buch liest …

Insgesamt war „Tod in Toronto“ also ganz nett zu lesen, aber das Einzige, was ich verpasst hätte, wenn ich es nicht ausgeliehen hätte, wäre eine Runde nostalgischer Gedanken gewesen. 😉

Dies und Das (07)

Als ich die ersten „Dies und Das“-Posts auf meinem Blog veröffentlichte, hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr als zwölf dieser Beiträge pro Jahr zu veröffentlichen. Wie ihr sehen könnt, bin ich in diesem Jahr erst bei Nummer 7 angelangt. Deshalb gibt es jetzt schon wieder ein „Dies und Das“, um meine bisherige Blogabstinenz in diesem Monat zu beenden. Im Moment habe ich wirklich das Gefühl, die Tage rasen schneller vorbei, als ich meine Verpflichtungen auf die Reihe bekommen kann … 😉

In der ersten Septemberwoche war Bibendum bei uns zu Besuch und wir haben uns eine schöne Zeit gemacht mit Konzertbesuch, Essengehen, einer ungewöhnlichen Runde Minigolf und viel „Erholungszeit“ auf dem Sofa. Eigentlich hatten wir ja gehofft, dass wir aufgrund des späten Besuchstermins (ausnahmsweise mal nicht im August) kühleres Wetter hätten, aber mit Bibendums Ankunft stieg das Thermometer prompt wieder über 30 Grad, so dass wir alle drei etwas hitzegeplagt waren. Und da mein Mann die vergangene Woche noch Urlaub hatte, haben wir es dann langsam angehen lassen, das wieder kühlere Wetter und die gemeinsamen Tage genossen. Jetzt aber wird es Zeit, mal wieder ein paar Dinge auf die Reihe zu bekommen.

So habe ich immer noch keine Ahnung, was ich in diesem Monat für die „100 Bücher“-Challenge lesen soll. Inzwischen habe ich mich gegen Donna Tartt und „Die geheime Geschichte“ entschieden, ebenso wie gegen Sebastian Faulks „Gesang vom großen Feuer“ – beide haben mich beim Anlesen eher genervt als gepackt. Es war also definitiv nicht die richtige Zeit für diese Romane (außerdem scheint gerade ein anderer Bibliotheksbenutzer ebenfalls die „100 Bücher“-Liste abzuarbeiten, denn prompt kann ich genau diese Titel nicht verlängern, weil sie ständig vorgemerkt sind 😉 ). Einen neuen Versuch starte ich jetzt mit John Irving und „Owen Meany“ – hoffentlich packt mich der Roman, denn ich will nicht wieder auf einen Re-Read zurückgreifen müssen, um mein „Monatspensum“ auf die Reihe zu bekommen.

Überhaupt bin ich gerade etwas leseunlustig. Auf der einen Seite hätte ich da noch ein paar Hundert Seiten „Pflichttext“, die ich in diesem Monat endlich abarbeiten muss, weshalb ich eigentlich kein privates Buch mehr anfangen wollte, auf der anderen Seite warte ich sehnsüchtig auf den vierten und fünften Band der „Dreg City“-Reihe. Der vierte Teil ist bestellt, während ich bei dem fünften in den nächsten Wochen dann rausfinden darf, ob ich den – da er nur als eBook von der amerikanischen Autorin veröffentlicht wird – überhaupt in die Finger bekommen kann. Außerdem warte ich noch auf ein Päckchen mit Neuzugängen, in dem sich ein paar Bücher aus den letzten zwei, drei Monaten befinden sollten. Nicht, dass ich nicht genug zu lesen hätte, aber wenn man bestimmte Romane im Kopf hat, sehen selbst die Titel, die ganz oben auf dem „jetzt lesen“-Stapel liegen, auf einmal nicht mehr so reizvoll aus.

Wenn ich mir den Blog so angucke, dann sollte ich vielleicht für das kommende Jahr eine Rezensions-Challenge planen. Es gibt so einige Romane, bei denen ich nach dem Lesen denke, dass ich dazu etwas schreiben könnte. Aber dann bekomme ich das aus diesem oder jenen Grund nicht gleich auf die Reihe und irgendwann packe ich die Bücher dann doch weg, ohne etwas dazu gesagt zu haben. Ich will mir zwar keinen Stress mit meinem Blog machen, aber ein paar regelmäßigere Lebenszeichen wären schon schön.

Auf jeden Fall habe ich für die nächsten Monate wieder ein paar intensivere Kochbuchtests vor. Ich habe da noch zwei sehr schöne Exemplare („Veggiestan“ und „Home Made – Winter“), aus denen ich bislang so gut wie nichts gekocht habe, weil einfach die Motivation fehlte. Da jetzt aber so langsam doch endlich Herbst wird, kommt auch meine Koch- und Backlust zurück, und das sollte ich definitiv ausnutzen! (Ich finde es auch nach einem Jahr mit Gasherd wirklich unglaublich, was für eine Hitze diese Kochflammen abstrahlen können. Im Sommer war ich kurz davor, wieder die Induktionsplatte rauszukramen, das kam mir aber dann so blöd vor, dass ich stattdessen dann einfach gar nicht mehr gekocht habe – was auch keine befriedigende Lösung war.)

Bevor ich jetzt noch mehr Absätze mit „eigentlich will ich ja, aber …“-Aussagen fülle, wünsche ich euch einfach einen schönen und erholsamen Sonntag. Für mich geht es jetzt weiter mit Tee, Muffins und dem Anlesen von „Owen Meany“.

Marmeladen-Zupf-Muffin (vorne) …

… Zimtschnecken-Muffin (aufgeschnitten)

September-SuB 2013

Der August war ein wirklich seltsamer Monat für mich. Viel Stress und doch relativ viel Lesezeit, viel SuB-Abbau und relativ viele englische Neuzugänge. Insgesamt habe ich 14 Bücher und 1 Manga gelesen – und hatte gerade gegen Monatsende eine richtige Fantasyphase. Im September erwarte ich ein paar englische und deutsche Neuzugänge, aber da wir in der ersten Woche Besuch haben, werde ich in der Zeit schon mal nicht so viel zum Lesen kommen. 🙂 Deshalb nehme ich mir dieses Mal auch kein konkretes Ziel für meine persönliche Challenge vor, sondern versuche einfach nur, meine Aufmerksamkeit mehr auf die Serien zu richten, die in meinem SuB rumliegen.

Für die „100 Bücher“-Challenge bin ich zwar noch im Plan, habe aber so langsam Probleme, noch interessante Romane in die Finger zu bekommen. Die Bibliothek hat eher die nicht so reizvollen (zumindest aus meiner Sicht 😉 ) Titel im Angebot. Ein paar andere hatte ich angetestet, war aber nicht in der Stimmung, mich auf solche Geschichten einzulassen. Da muss ich mal gucken, ob ich im September noch einmal auf einen Re-read zurückgreife oder doch Zeit für einen etwas aufwändigeren Schinken finde.

A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (7)
Quentin Bates: In eisigem Wasser
Quentin Bates: Kalter Trost
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Jenna Black: Rosendorn
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud  

C (1)
Sarwat Chadda: Ash Mistry und der Dämonenfürst
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)

D (3)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (0)

F (8)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym

G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (5)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Will Hill: Department 19 – Die Wiederkehr
Mark Hodder: Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack
Mark Hodder: Der wundersame Fall des Uhrwerkmannes

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (0)

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (1)
Siri Lindberg: Nachtlilien

M (3)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter

O (0)

P (4)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Renata Petry: Hilgensee
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
Chris Priestley: Mister Creecher

Q (0)

R (10)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (8)
Courtney Schafer: Die Chroniken von Ninavel – Die Blutmagier
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (7)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 – Der gläserne Fluch
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (5)
Danny Wallace: Auf den ersten Blick
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Gabriella Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)

Sonstiges
Letzte Ruhe

77 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

Gail Carriger: Changeless (Parasol Protectorate #2)
Gail Carriger: Blameless (Parasol Protectorate #3)
Gail Carriger: Heartless (Parasol Protectorate #4)
Gail Carriger: Timeless (Parasol Protectorate #5)
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Wild Ways
Seanan McGuire: Chimes at Midnight
Kelly Meding: Another Kind of Dead (Dreg City #3)
Kelly Meding: Wrong Side of Dead (Dreg City #4)
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Philip Reeve: Larklight
West Ward Weird

10 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Ich konnte nicht mitfühlen und mir wurde nichts erklärt!

Ich habe „Flügel aus Asche“ von Kaja Evert recht frisch ausgelesen, und wie so oft, wenn ich einen Roman noch nachklingen lassen will, stöbere ich danach in Rezensionen zu dem Buch. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen, die mir in letzter Zeit häufiger ins Auge gesprungen sind, wenn es um Fantasygeschichten geht. Kritikpunkte, die – meinem Gefühl nach – mit einem gewissen schmollenden Unterton vorgebracht werden und die ich persönlich nicht unbedingt als nachteilig empfinde.

Auf der einen Seite wird gern angeprangert, dass man mit den Charakteren nicht mitfühlen konnte, dass der Erzählstil für Distanz sorgte und man deshalb auch nichts ins Geschehen abtauchen konnte. Ja, ich lese auch gerne Geschichten, die mich emotional mitnehmen und bei denen ich beim Lesen lache und weine und am Ende gefühlsmäßig ausgelaugt bin. Aber ich brauche diese emotionale Achterbahn nicht bei jedem Buch, das ich lese. Oft genug finde ich es fast noch spannender, wenn ich eher mit dem Verstand als dem Gefühl an eine Handlung herangehen und so andere Details wahrnehmen kann.

Ein weiterer Punkt, der regelmäßig angeprangert wird, ist, dass nicht genug erklärt wurde, dass Magie einfach existiert, ohne dass der Leser über alle Hintergründe aufgeklärt wird, dass die Geschichte einer Welt nicht dargelegt wird, dass … Ganz ehrlich, für mich muss für einen (Fantasy-)Roman kein Weltenbau betrieben werden, der es mit dem eines Tolkien aufnehmen kann. Das kann nämlich auch schnell dazu führen, dass mir vom Autor zu viel über die Welt erzählt wird, denn irgendwie will er ja all die Kleinigkeiten unterbringen, die er sich so mühsam ausgedacht hat. Ich will aber selbst etwas entdecken können und nicht die Handlung zwischen all den tollen Beschreibungen über Warenkreisläufe und das einzigartige Gildensystem suchen müssen.

Manchmal reicht es eben einfach, wenn eine Grundidee interessant ist und keine Widersprüche auftauchen. Ich kann problemlos auch mal Sachen als gegeben hinnehmen und etwas akzeptieren, wenn das Ganze gut geschrieben ist und mir der Autor das Gefühl gibt, dass er sich die Sache gut überlegt hat, statt sie einfach nur in den Raum zu stellen. Wieso erwarten eigentlich so viele Leser, dass die Protagonisten in den Fantasybüchern über alles Bescheid wissen? Wie viele dieser Leser können mir genau erklären, wie das ABS in ihrem Auto funktioniert oder andere physikalische Details unserer Welt detailliert darlegen?

Ich persönlich finde es oft stimmiger, wenn nicht zu viel erklärt wird (und langweile mich auch schon mal, wenn mir zu viele Absätze voller Hintergrundinformationen präsentiert werden) und wenn ich stattdessen eine Welt durch all die Dinge entdecken kann, die für die Protagonisten selbstverständlich sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Genre für mich entdeckt hatte, als ein ausführlicher Weltenbau noch eine Ausnahme war und Fantasygeschichten in der Regel noch einfacher (und oft märchenhafter) erzählt wurden als heutige Veröffentlichungen. Versteht mich nicht falsch, ich mag eine gut konstruierte Welt und eine komplexe Geschichte, aber auch ohne diese Aspekte kann mich ein Roman überzeugen, wenn er interessante Figuren aufweisen kann, die Grundidee mich fesselt oder ich die Atmosphäre der Geschichte mag.

Wie ist es bei euch? Könnt ihr eine Geschichte genießen, solange sie genügend interessante Aspekte hat, oder müsst ihr unbedingt mit den Charakteren mitfiebern können? Und besteht ihr darauf, dass euch alle möglichen Details genauer erklärt werden oder könnt ihr auch mal mit Auslassungen leben?

Kelly McCullough: Die zerborstene Klinge

Zu „Die zerborstene Klinge“ von Kelly McCullough wollte ich unbedingt noch auf dem Blog etwas schreiben, weil es lange her ist, dass ich einen Fantasyroman gelesen habe, der sich in meinen Augen so angenehm von der Masse der Veröffentlichungen unterscheidet und trotzdem die Qualitäten klassischer High-Fantasy-Romane aufweist. Blöderweise fällt es mir sehr schwer, die Dinge, die mir so gefallen haben, auch in Worte zu fassen.

Die Handlung verläuft in „Die zerborstene Klinge“ sehr linear. Aral bekommt von der als Dienstmädchen verkleideten Maylien den Auftrag, eine Botschaft zu überbringen. Die Entlohnung für den Job ist überraschend hoch, doch auf der anderen Seite muss sich der Krieger für diesen Job auf ein Grundstück schleichen, das nicht nur in einem besonders gesicherten Viertel liegt, sondern bei dem er auch davon ausgehen kann, dass Grund und Gebäude auf jede mögliche (magische und nichtmagische) Weise geschützt werden. Am Zielort findet Aral nicht nur heraus, dass die dort residierende Baronin Marchon anscheinend in eine ganz schlimmer Sache verwickelt ist, sondern auch, dass ein ehemaliger Freund und Verbündeter noch am Leben – und vermutlich auf die falsche Seite gewechselt – ist.

Nun muss sich Aral (auch unter dem Druck seines Verbündeten, des Finsterlings Triss) entscheiden, ob er seine neu gewonnenen Erkenntnisse ignoriert und sich weiterhin in den Schatten der Stadt – und den Tiefen einer Flasche mit Alkohol – versteckt, oder ob er aktiv wird, in einer politischen Auseinandersetzung Stellung bezieht und sich so gegen seinen früheren Freund stellt. Kelly McCullough wirft den Leser erst einmal in das Geschehen und zeigt nur nach und nach Bruchstücke aus Arals Vergangenheit. Diese erklären nicht nur, warum die ehemalige „Klinge von Namara“ zu einem Söldner geworden ist, der seinen Kummer mit Alkohol betäuben will, sondern beschreiben auch wichtige Elemente der fantastischen Welt, die der Autor für diesen Roman entworfen hat. Eines dieser besonderen Details ist zum Beispiel der Finsterling, eine – in Triss‘ Fall drachenähnliche – Kreatur, die sich durch den Einfluss der Göttin Namara mit Aral verbunden hat und ihn nun statt seines Schattens begleitet.

Kelly McCullough beschreibt seine Welt in der Regel nicht in ausführlichen Worten, sondern lässt sie einfach da sein. So kann man als Leser die Facetten der Stadt Tien innerhalb der Handlung entdecken und erkennt nur anhand kleiner Details wie zum Beispiel dem Warenangebot der Bauern, dass zumindest dieser Teil der Welt von dem Autor mit asiatischen Elementen ausgestaltet wurde. Mir persönlich gefällt es immer besonders gut, wenn mir eine Welt nicht explizit gezeigt wird, sondern wenn sie für die Figuren eben selbstverständlich ist und ich als Leser durch ihre Augen die vertrauten Dinge wahrnehme und mir so eine Vorstellung vom Ganzen machen kann.

Spannend fand ich auch die Art und Weise, in der Götter in dieser Welt eine Rolle spielen. So stand Aral in seiner Funktion als Klinge einst im Dienste einer Göttin – und ohne diese Aufgabe verlor er seinen Halt in der Welt. Nur der Finsterling Triss, der während Arals Ausbildung zur Klinge mit dem Krieger verbunden wurde, bot dem Mann noch etwas Halt. Dabei muss Aral während der aktuellen Ereignisse feststellen, wie wenig er über den Finsterling eigentlich weiß – ich muss gestehen, dass ich sehr neugierig bin, welche Details zu dieser Figur in folgenden Romanen noch zum Vorschein kommen.

Neben einer recht vielschichtigen Figurenentwicklung und der tollen Welt hat mir auch gefallen, dass Kelly McCullough weniger auf Actionszenen gesetzt hat – obwohl die natürlich auch vorkommen, da Aral eben von klein auf als Krieger ausgebildet wurde. Stattdessen gibt es viele Szenen, in denen Aral sein Eindringen in gut gesicherte Gebäude plant, sich durch Gebiete voller (magischer) Fallen und Hindernisse schleicht oder einfach sehr viel Geduld aufbringen muss, um irgendwo eindringen zu können. Diese Passagen fühlten sich nicht nur angenehm realistisch an, sondern waren auch spannend geschrieben. Zumindest finde ich es deutlich spannender mitzubekommen, wie jemand über all die Möglichkeiten nachdenkt, die es gibt, um durch eine magisch gesicherte Tür zu kommen, als eine Runde Gemetzel zu verfolgen.

„Die zerborstene Klinge“ erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, für die man anfangs vielleicht etwas Geduld aufbringen muss, um in die Handlung hineinzukommen und die Figuren kennenzulernen. Ich hätte es auch mal schön gefunden, wenn dieser Roman ein Einzelband geblieben wäre. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf den im Dezember erscheinenden zweiten Teil („Die Klinge von Namara“) rund um Aral und Triss und hoffe, dass ich dann mehr Details über die Charaktere und die Welt erfahren werde (und dass der Autor bei seinem Erzählstil bleibt, den ich als so erfrischend anders empfunden habe).