Schlagwort: England

Marissa Doyle: Courtship and Curses

„Courtship and Curses“ von Marissa Doyle wird anscheinend in der Regel als dritter Roman rund um die „Leland Sisters“ angeführt. Da die Geschichte aber einige Jahre früher (1815 statt 1837) spielt und die einzige Gemeinsamkeit die Figur der Lady Parthenope besteht, die später einmal die Mutter der Leland-Geschwister sein wird, sehe ich das Buch nicht als Fortsetzung der Reihe an. „Courtship and Curses“ dreht sich um die achtzehnjährige Lady Sophie Rosier, die kurz vor ihrer Einführung in die Londoner Gesellschaft steht. Schon seit Jahren freut sich Sophie auf diesen Moment, hat ihre Mutter ihr doch von klein auf von der Saison in London vorgeschwärmt und sie mit Hilfe eines extra engagierten Tanzlehrers auf diese Zeit vorbereitet.

Doch dann starben Sophies Mutter und ihre kleine Schwester vor zwei Jahren an einer schweren Erkrankung, die auch Sophie befallen hatte. Das Mädchen hat zwar überlebt, aber seitdem ist ihr eines Bein schwächer und verdreht, so dass sie nur noch mit Hilfe und einem unübersehbaren Hinken laufen kann – und an Tanzen ist mit dem Bein gar nicht erst zu denken. Trotzdem ist Sophie wild entschlossen die Saison zu genießen, auch wenn es immer wieder Momente gibt, in denen sie sich leid tut oder in denen sie mit den Menschen in ihrer Umgebung hadert, weil sie sie behandeln, als wäre nicht nur ihr Bein behindert. Einzig in der Gesellschaft von Madame Amélie Carswell fühlt sie sich wohl, und so ist es ein Glück, dass die Französin, die mit dem besten Freund von Sophies Vater verheiratet war, für einige Zeit als Gast in ihrem Haushalt lebt.

Für Sophie bietet die Saison einige Herausforderungen, die unabhängig von ihrer körperlichen Verfassung entstehen. So vermisst sie nicht nur ihrer Mutter und wünscht sich, ihr Vater würde weniger Zeit im Kriegsministerium, für das er arbeitet, verbringen, sondern sie muss sich auch mit ihren beiden wohlwollenden Tanten auseinandersetzen, die ganz eigene Vorstellungen davon haben, wie ihre Nichte sich zu benehmen und auszusehen hat. Zum Glück findet Sophie schon auf ihrem ersten Ball mit Lady Parthenope eine gute Freundin, die ihr (inklusive spitzer Zunge und Hauspapagei) bei all den Abenteuern in den nächsten Wochen zur Seite steht.

Die impulsive Parthenope bringt frischen Wind in die Geschichte, während Sophie sich immer wieder bemüht die Freundin etwas zu zügeln, ohne dass sie dabei langweilig wirkt. Schließlich ist den beiden Freundinnen schon früh bewusst, dass etwas Seltsames vorgeht. Sie haben sogar den Verdacht, dass es jemand auf das Leben der Mitglieder des Kriegsministeriums abgesehen hat – was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass der Krieg gegen Frankreich gerade wieder aufgenommen wurde. So besteht der „magische“ Anteil der Geschichte vor allem darin, dass Sophie, die vor ihrer Erkrankung zaubern konnte, an den Schauplätzen der diversen „Unfälle“ den Einfluss von Magie spürt. Aber sie kann niemanden davon erzählen, schließlich weiß nicht einmal ihr Vater darüber Bescheid, dass diese Begabung in der Familie ihrer Mutter vorkommt.

Ich fand es wirklich hübsch gemacht, wie sehr der Fokus der Geschichte auf Sophie und ihren – eigentlich ganz normalen – Schwierigkeiten bei ihrer Einführung in die Gesellschaft liegt und wie sehr ihre Freundschaft mit Parthenope thematisiert wird. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte in diesem Roman, wobei der betreffende junge Herr sich – auch wenn er sonst für sein diplomatisches Geschick bekannt ist – recht unbeholfen anstellt, so dass Sophie lange Zeit nicht weiß, ob er sie wirklich mag oder nur Mitleid mit ihr hat. Trotzdem fand ich diese Passagen nicht peinlich, gerade weil Parthenope, die seine Cousine ist, mit ihrer spitzen Zunge immer wieder für erfrischende Szenen sorgt.

Was den „Krimianteil“ angeht, so ist es schon recht offensichtlich gewesen, wer hinter den verschiedenen Anschlägen steckt. Aber ich muss zugeben, dass ich trotzdem den Großteil der Geschichte gehofft hatte, die Autorin würde noch irgendeine Wendung einbauen, die für eine der beteiligten Personen ein Happy End bringen würde. Insgesamt hat mir „Courtship and Curses“ noch besser gefallen als „Bewitching Season“ was unter anderem an den wunderbaren Dialogen mit Parthenope lag und daran, dass mir Sophie als Charakter noch ein bisschen mehr lag als Persy. Außerdem muss man einfach einen Roman mögen, in dem Lord Wellington eine verängstigte junge Frau zusammenstaucht. 😉

Marissa Doyle: Bewitching Season (Leland Sisters 1)

„Bewitching Season“ von Marissa Doyle ist der Debütroman der Autorin und eines der Bücher, bei denen es vollkommen ausreicht, dass die Geschichte einfach nur „nett“ ist. Für ihren Roman hat Marissa Doyle auf die reale britische Geschichte gesetzt, so dass sich der Teil der Handlung, der sich auf die Politik dieser Zeit bezieht, mit der – noch minderjährigen – Prinzessin Victoria, ihren Familienverhältnissen und der Vormundschaft durch John Conroy beschäftigt, während privat viel über Romane gesprochen wird wie zum Beispiel die Werke von Jane Austen.

Haupfigur in „Bewitching Season“ ist Persephone Leland, auch deren Sicht die Handlung auch erzählt wird. (Ihre Zwillingsschwester Penelope bekommt dann in „Betraying Season“ ihre eigene Geschichte.) Die siebzehnjährige Persephony, genannt Persy, und ihre Schwester sollen in dieser Season in die Londoner Gesellschaft eingeführt werden. Während Penelope (Pen) überaus enthusiastisch auf die kommenden Wochen blickt, würde sich Persy am liebsten mit einem Stapel Bücher unter ihrem Bett verstecken. Sie ist sehr schüchtern, findet sich im Vergleich zu ihrer Schwester schrecklich unbeholfen und wenig charmant, hat ein Problem damit mit fremden Menschen zu sprechen und aus all diesen Gründen hasst sie es, wenn sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll – was nun mal dazu gehört, wenn man die Saison in London verbringt, um die ersten Schritte auf dem Heiratsmarkt der höheren Gesellschaft zu machen.

Nur wenn es um Magie geht, fühlt sich Persephone selbstsicher. Aber gerade dieser Bereich ist etwas, worüber man nicht spricht. Vor gerade mal hundert Jahren wurden die letzten Hexen in England hingerichtet, und obwohl jeder sich sicher ist, dass Zauberei weiterhin existiert, so ist es keine achtbare Beschäftigung. Persy und Pen hatten noch Glück, dass sie mit Miss Allardyce eine Gouvernante hatten, die ebenfalls über Magie verfügt und ihnen die Beherrschung ihrer Gabe beibringen konnte. Doch dieser besondere Unterricht musste im Geheimen stattfinden – nicht einmal die Eltern der beiden Mädchen wissen von ihren besonderen Fähigkeiten.

Als nun Miss Allardyce (Ally) spurlos verschwindet, während sie die Ankunft der Zwillinge in London vorbereiten soll, setzen Persy und Pen auf die Magie, um ihre Gouvernante wiederzufinden. Doch ohne einen konkreten Anhaltspunkt und inmitten des Trubels rund um die Einführung in die Gesellschaft, fällt es den Mädchen schwer wirklich aktiv zu werden. So dreht sich die Handlung wirklich vor allem um Persy und ihre Probleme bei den ersten Empfängen und Bällen – Probleme, die auch daraus resultieren, dass sie schon seit Jahren in den Nachbarssohn Lochinvar (Lord Seton) verliebt ist, während dieser sich – ihrer Beobachtung nach – neuerdings für ihre Schwester Pen interessiert. Ganz verlieren die beiden Schwestern die Suche nach Miss Allardyce nicht aus den Augen, sie machen sich Sorgen um sie und vermissen regelmäßig ihren Rat und ihre Hilfe, aber da sie als minderjährige junge Frauen schon allein für einen Ausflug zu einem Buchladen Begleitung benötigen, wird selbst ein einfaches Treffen mit Allys Familie zu einer logistischen Herausforderung.

Insgesamt ist „Bewitching Season“ eine nette und unterhaltsame historische Liebesgeschichte für Jugendliche mit einem guten Schuss Magie. Mich hat es nicht gestört, dass die Magie nur relativ dezent in die Handlung eingebaut wurde, und dass der Fokus so auf Persy, ihre Einführung in die Gesellschaft und ihre hoffnungslose Liebe zu Lord Seton lag. Schön fand ich, dass Marissa Doyle es geschafft hat, dass ich die kleinen Pannen und Fehlgriffe von Persy nicht unangenehm peinlich fand, sondern eher niedlich, so dass ich eher gespannt darauf war, welche Folgen das nun für das Mädchen haben würde. Und weil ich mich so gut unterhalten gefühlt habe und Persy und ihre Famlie und Freunde so sympathisch fand, konnte ich auch gut darüber hinwegsehen, dass die Hintergründe rund um Allys Entführung von Anfang an vorhersehbar waren. Stattdessen habe ich mich an den amüsanten Dialogen und all den kleinen Momenten erfreut, in denen die Autorin einen erfrischenden Blick auf das damalige London geworfen hat. „Bewitching Season“ war eine wunderbar entspannende Lektüre und ich freu mich jetzt schon auf die weiteren Romane der Autorin, die in diesem leicht magischen England spielen.

Jane Austen: Emma (Hörbuch)

Ich weiß, dass es mehrere Leser meines Blogs gibt, die „Emma“ von Jane Austen sehr mögen. Bei mir hingegen hat Jane Austen ihr Ziel erreicht, eine Figur zu schaffen, die nur die Autorin mögen kann. Dabei kann ich die Erzählweise, die Grundidee und viele kleine Szenen und Dialoge wirklich würdigen, ich habe aber ein so großes Problem mit der Protagonistin, dass ich mich jedes Mal wieder zwingen muss, die Geschichte überhaupt anzufangen – und mich bis zu einem Punkt durchzuarbeiten, an dem ich Emma erträglich finde.

Vielleicht weil Emma in dieser Geschichte so sehr im Mittelpunkt steht und deshalb in meiner Wahrnehmung die vernünftigeren Figuren so wenig präsent sind und mir keine ausreichende Ruhepause vor Emma bieten können. Da hilft es auch nicht, dass ich weiß, dass sie sich weiterentwickelt und einsichtiger wird. Trotzdem habe ich, als mir vor ein paar Wochen bewusst wurde, dass ich gerade riesige Entscheidungsprobleme habe und mich nicht auf ein neues Hörbuch festlegen konnte, zu „Emma“ gegriffen, in der Hoffnung, dass Eva Mattes Vortrag mir über die für mich schwierigen Teile der Geschichte hinweghelfen kann.

Eva Mattes hat ihre Arbeit wie gewohnt gut gemacht. Sie hat die verschiedenen Charaktere wunderbar gelesen und es war ein Vergnügen ihr zuzuhören – trotzdem habe ich Wochen für das Hörbuch benötigt und zwischendurch lieber ohne Unterhaltung etwas gemacht als weiterzuhören. Dabei kann ich es gar nicht mal Emma zum Vorwurf machen, dass sie so von sich überzeugt ist. Ihr Vater, ihre Gouvernante und ihre restliche Umgebung haben sie ihr Leben lang darin bestätigt, dass sie unfehlbar sei. Und als noch die – von ihr eigentlich nur flüchtig angedachte – Verbindung zwischen ihrer Gouvernante Miss Taylor und Mr. Weston zustande kommt, fühlt sie sich in dieser Überzeugung nur noch bestärkt. In den folgenden Monaten versucht Emma weitere Ehen zu stiften und es ist am Ende nicht ihr zu verdanken, dass es für alle Beteiligten gut ausgeht.

Erst ab dem Zeitpunkt, an dem Mrs. Elton und ihr „innerer Reichtum“ auftauchen, kann ich mich mit Emma aussöhnen. Im Vergleich mit dieser Figur wird sie geradezu sympathisch. Denn trotz ihres Selbstbewusstseins, ihres Standesdünkels und ihrer Überzeugung, dass es ihr Recht sei, anderer Menschen Leben zu beeinflussen, ist sie nicht boshaft. Sie ist sogar in der Lage sich selbst gegenüber – wenn sie ihr denn überhaupt bewusst werden – ihre Fehler einzugestehen und daraus (zumindest für kurze Zeit) zu lernen. Trotzdem fällt es mir schwer, ihr ihre Einmischungen zu verzeihen und die Probleme, die sie damit anderen Menschen bereitet. Dabei finde ich schon, dass Emma einige vernünftige Ansichten hat – nur ist sie nicht erwachsen und reif genug, um zu verstehen, dass sie den Personen in ihrer Umgebung keinen Gefallen mit ihren Einmischungen und Beeinflussungen tut.

Komischerweise ist „Emma“ auch der einzige Jane Austen Roman, bei dem sich im Laufe der Zeit meine Sicht auf die Figuren und die Geschichte nicht verändert. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich in meinem Leben schon genügend Menschen kennengelernt habe, die anderen keine eigenen Entscheidungen zugestehen wollten. Bei allen anderen Werken der Autorin finde ich bei jedem neuen Lesen andere Aspekte, die mich faszinieren, oder Personen, die mir dieses Mal näher stehen als beim vorherigen Lesen. „Emma“ hingegen ist jedes Mal wieder eine Herausforderung für mich und – wie ich inzwischen sagen kann – es ist egal, ob ich die Geschichte lese oder höre, es fällt mir schwer mich darauf einzulassen.

Luise Berg-Ehlers: Mit Miss Marple aufs Land – Englische Krimischriftstellerinnen zwischen Tearoom und Tatort

Auf „Mit Miss Marple aufs Land“ von Luise Berg-Ehlers wurde ich erst durch Hermias Rezension und dann wieder durch Natiras Meinung zu dem Buch aufmerksam. Nachdem mir Natira das Buch geliehen hatte, habe ich es einige Zeit lang auf dem Wohnzimmertisch liegen gehabt und immer wieder darin gelesen. Dafür war es genau richtig, wie ein klassisches „Coffee Table Book“ ist es dekorativ und voller ansprechender Fotos und den Text kann man gut in kleinen Portionen genießen. 😉

Luise Berg-Ehlers geht in sieben Kapiteln auf die verschiedenen „typisch britischen“ Elemente ein, die als unabdingbare Bestandteile in gemütlichen britischen Krimis angesehen werden wie der Tearoom, die Pfarrei oder der Dorfanger. Dabei zieht Luise Berg-Ehlers immer wieder Verbindungen zwischen den vorhandenen baulichen oder gesellschaftlichen Eigenheiten britischer Dörfer und den Geschichten bekannter Autorinnen von britischen Kriminalgeschichten – wobei ich mich hier und da schon gefragt habe, wie es zu dieser Auswahl gekommen ist und warum einige Autorinnen nicht aufgeführt wurden oder so wenig Raum in diesem Band bekommen haben.

Ich muss sowohl Natira zustimmen, die meinte, dass der Schwerpunkt bei den ganzen Beispielen sehr auf Agatha Christies Miss Marple lag und dass es schön gewesen wäre, wenn unbekanntere Figuren/Autoren mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten, als auch Hermia, die in ihrer Rezension den besonderen Reiz der kleinen Informationen über die Autoren betonte. Diese kleinen Informationen waren für mich ehrlich gesagt das Interessanteste an diesem Buch, was vermutlich daran liegt, dass ich den größten Teil der erwähnten Autorinnen schon ausprobiert habe – und nicht immer die Begeisterung für die jeweilige Figur oder den Erzählstil nachvollziehen konnte. Auch fand ich die Auswahl der Romananfänge, die einen kleinen Eindruck von den jeweiligen Autorinnen bieten sollten, nicht immer sonderlich gelungen.

Vor allem habe ich bei diesem Band also die kleinen Details rund um die Autorinnen genossen und mich an den vielen hübschen Fotos erfreut. Ich fand es sehr entspannend immer wieder in dem Band zu blättern und zu lesen und meine Erinnerungen an schon gelesene Romane aufzufrischen. Sehr oft habe ich mir gedacht, dass ich diesen oder jenen Roman dringen wieder ausgraben und lesen müsste. Außerdem habe ich mir die beiden Autorinnen aufgeschrieben, die ich noch nicht ausprobiert habe, und werde nun die Augen aufhalten nach Patricia Wentworth und ihren „Miss Silver“-Romanen und den Albert-Campion-Krimis von Margery Allingham.

Ava Stone: A Scandalous Past (Scandalous 4)

Vor ein paar Wochen habe ich noch steif und fest behauptet, dass ich gerade keine Lust auf historische Liebesromane habe – und nun lese ich einen nach dem anderen und finde die Geschichten wunderbar erholsam. Nachdem ich die fünf Julia-Quinn-Romane, die noch auf meinem SuB lagen, in den letzten Tagen gelesen habe, habe ich beim Stöbern durch meine eBooks am vergangenen Wochenende eine Sammlung von neun (ungekürzten) Historicals entdeckt und den ersten Roman davon direkt am Sonntag gelesen.

„A Scandalous Past“ von Ava Stone ist der vierte Band einer ganzen Reihe mit „Scandalous“-Titeln, aber ich hatte keine Probleme in die Geschichte reinzukommen. Protagonistin dieser Geschichte ist Cordelia (Cordie) Avery, deren beste Freundin Olivia vor kurzem einen Wüstling geheiratet hat, nachdem die beiden in einer verfänglichen Situation ertappt wurden. Da Olivia eindeutig sehr glücklich mit der Wahl ihres Ehemanns ist, auch wenn die Gesellschaft sie seit ihrer Heirat nicht gerade höflich behandelt, überlegt Cordie, ob ein (gezähmter) Wüstling nicht auch für sie der geeignete Ehemann sein könnte. Die junge Frau hat in den vergangenen drei Jahren mehrere Heiratsanträge bekommen, aber da diese von Mitgiftjägern, von deutlich älteren Herren oder sehr dominanten Männern kamen, hat Cordelia bislang jeden Antrag abgelehnt. Dabei möchte sie nichts mehr als endlich heiraten und so ihrer despotischen (und sie regelmäßig schlagenden) Mutter entkommen. Doch ihr ist bewusst. dass sie gut wählen muss, um das eine „Gefängnis“ nicht gegen das andere zu tauschen.

Cordelias Gegenstück ist Brendan Reese, der Earl of Clayworth. Brendan ist seit sieben Jahren verwitwet und denkt nicht daran sich wieder zu verheiraten. Seine Ehe war nicht sehr glücklich und seitdem seine Frau Miranda gestorben ist, konzentriert er sich darauf, sich um seine kleine Schwester und den illegalen Sohn seiner älteren Schwester zu kümmern. Außerdem hat ihm seine Frau Miranda vor ihrem Tod anvertraut, dass sie in den Sachen seiner verstorbenen Mutter verfängliche Briefe gefunden hat, die die gesamte Familie ruinieren können – und so jagt er seit Jahren diesen Briefen hinterher, ohne einen Hinweis zu haben, wo sie sein könnten.

Bei einem Ball lernen sich die Cordie und Brendan kennen – und als Brendan erfährt, dass Cordelias ältere Schwester die beste Freundin von Miranda war, bemüht er sich um die junge Frau, um so Zutritt zu ihrem Haus zu bekommen, in dem eventuell die verfänglichen Briefe sein könnten. Gleichzeitig trifft Cordie bei diesem Ball auf den stadtbekannten Wüstling Lord Haversham, der sehr an ihr interessiert zu sein scheint, und somit von ihr als potenzieller Ehekandidat in Betracht gezogen wird.

Ich muss gestehen, dass ich die Grundidee sehr nett fand. Cordie konzentriert sich die ganze Zeit darauf Lord Haversham näher kennenzulernen und Brendan möchte nur irgendwie die Briefe seiner Mutter wieder in seinen Besitz bringen. So benutzten sich die beiden gegenseitig und lernen sich dadurch natürlich so gut kennen, dass sie sich verlieben. Cordelias Besessenheit einen Wüstling zu heiraten, weil sie denkt, dass nur so ein Mann ihr die von ihr gesuchte Freiheit gewähren kann, ist zwar etwas extrem, aber ich glaube, wenn ich mit der Mutter unter einem Dach leben würde, wären meine Gedankengänge auch nicht besonders logisch.

Mir ist beim Lesen der Geschichte mal wieder aufgefallen, dass ich die Nebenfiguren besonders reizvoll fand. Lady Staveley, die sich sehr engagiert in die Angelegenheiten ihrer Freunde einmischt, während ihr Mann eine (für Außenstehende) erstaunlich gelassene und distanzierte Haltung zu ihren Aktionen einnimmt, und natürlich Lady Astwick die obligatorische gefürchtete ältere Dame, die in der Gesellschaft den Ton angibt, und Lord Haversham, dessen Bekehrung mir etwas zu schnell ging, auch wenn zum Glück bis zum Ende etwas von seiner skrupellosen Seite durchschimmert. Doch, das war nett und genau passend für einen erholsamen Sonntag.

Victoria Walker: The House Called Hadlow

„The House Called Hadlow“ von Victoria Walker ist die Fortsetzung von „The Winter of Enchantment“. Bevor ich etwas zur Geschichte erzähle, möchte ich noch anmerken, dass bei den beiden Romanen in der eBook-Version die Autorin in einem Nachwort von ihrem Leben erzählt – und das ist fast genauso unterhaltsam (und märchenhaft 😉 ) wie die Geschichten selber. So kann ich sagen, dass sie ihren zweiten Roman einige Zeit nach dem ersten Buch und unter deutlich ungemütlicheren Bedingungen geschrieben hat, aber man merkt den beiden Bänden weder den zeitlichen Abstand noch die veränderten Lebensumstände an.

Zu Beginn der Geschichte reisen Sebastian und Melissa gemeinsam nach Hadlow, um den Sommer bei Melissas noch unbekannten Onkel Bertram und seiner Frau Augusta zu verbringen, da ihre Eltern verreist sind und niemand sonst auf die Kinder aufpassen kann. Obwohl sich Onkel Bertram, Tante Augusta und sogar der ungewöhnliche Diener Fandeagle als sehr freundlich herausstellen, kommt den beiden Kindern an ihrem Feriendomizil etwas ungewöhnlich vor. Bei ihrer Ankunft läutet eine Glocke, die angeblich seit Jahren keinen Ton mehr von sich gegeben hat, und es gibt immer wieder Momente, in denen Melissa und Sebastian Personen sehen, die nicht da sein können. So nach und nach lernen sie mehr über die tragische Geschichte von Hadlow und beschließen alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Haus, die früheren Bewohner und die mit ihnen verbundenen Elfen von einem ungewöhnlichen Fluch zu befreien.

Wie schon in „The Winter of Enchantment“ ist die Handlung etwas unausgewogen. Einige Aufgaben und Herausforderungen fallen den Kindern sehr leicht und sind in Windeseile erledigt, andere hingegen erfordern all ihre Kraft, ihren Mut und ihr Können. Dieses Ungleichgewicht hat mich beim Lesen aber in keiner Weise gestört, da auch dieser Roman vor lauter bezaubernden Kleinigkeiten und Einfällen strotzt. Sebastian und Melissa haben jeder eigene Aufgaben zu bewältigen und müssen sich darauf verlassen, dass der jeweils andere seinen Part auf die Reihe bekommt. Dabei begegnen sie Bewohnern der Feenwelt ebenso wie griechischen Göttern und anderen übernatürlichen Wesen.

Es gibt in diesem Buch nicht ganz so viele Alltagsszenen wie im ersten Band, aber trotzdem lernt man das Haus, das trotz aller Vernachlässigung sehr viel Charme besitzt, und seine ebenso sympathischen Bewohner recht gut kennen. Ich finde es angenehm, dass manchmal nach einem großen Abenteuer auch ein großes Saubermachen ansteht, damit der Alltag erst einmal weitergehen kann. Überhaupt sind es wieder die vielen kleinen und atmosphärischen Szenen, die einen Großteil der Geschichte ausmachen, ebenso wie die fantastischen und märchenhaften Einfälle von Victoria Walker, die mich immer wieder an (andere) klassische britische Kinderbuchautoren erinnern, deren Geschichten mich seit vielen Jahren begleiten und deren Bücher ich – vielleicht gerade wegen ihrer gradlinigen und etwas altmodischen Erzählweise – nach all der Zeit immer noch genießen kann.

Victoria Walker: The Winter of Enchantment

Im Juli 2010 habe ich auf diesem Blog eine für mich ganz besondere Kindheitserinnerung gesucht. Damals konnte mir niemand bei der Suche nach dieser speziellen orangefarbenen Katze helfen, aber vor einigen Wochen gab es dann doch noch einen anonymen Kommentar, in dem mir Titel („Mantari und der Wunderspiegel“) und Autorin (Victoria Walker) des Buches genannt wurden. Da ich keine finanzierbare „greifbare“ Ausgabe gefunden habe, habe ich mich jetzt erst einmal mit dem englischen eBook begnügt. Und da es kaum ein Buch gibt, das besser zu Elenas „Zurück in die Vergangenheit“-Challenge passt, habe ich die Geschichte nicht nur voller Begeisterung verschlungen, sondern versuche jetzt auch noch hier zu erklären, warum ich den Roman nach all den Jahren immer noch so schön finde.

Die ganze Geschichte beginnt an dem Tag, an dem der dreizehnjährige Sebastian ganz allein in der Bibliothek im Haus seines Vaters sitzt und ihm die silberne Teekanne zuzwinkert. Da er ein vernünftiger Junge ist, beschließt er, etwas frische Luft zu schnappen und über die zwinkernde Teekanne nachzudenken – und landet prompt in einem Trödelladen, wo er einen mysteriösen Spiegel findet. Am nächsten Tag kauft Sebastian den Spiegel, wobei er dieses Mal im Laden über eine sehr freundliche orangefarbene Katze stolpert, und findet kurz darauf heraus, dass er durch den Spiegel mit einem etwa gleichaltrigen Mädchen namens Melissa reden kann.

Melissa wird seit beinahe hundert Jahren von einem bösen Zauberer gefangen gehalten, und abgesehen von einer orangefarbenen Katze, die das Mädchen Mantari genannt hat, hat sie in all der Zeit keine lebende Seele gesehen. Stattdessen hat sie in der Bibliothek des Zauberers ein magisches Buch gefunden, in dem beschrieben wird, wie sie mit der Hilfe von fünf magischen silbernen Gegenständen aus ihrer Gefangenschaft befreit werden kann. Natürlich ist Sebastian sofort bereit, Melissa zu helfen und sich auf die Suche nach den besagten Gegenständen zu machen …

Die Handlung in „The Winter of Enchantment“ ist in gewisser Weise etwas unausgewogen. Manche Dinge fallen Sebastian und Melissa einfach so in die Hände, andere Sachen müssen sie sich hart erarbeiten. Aber all das hat mich beim Lesen wirklich nicht gestört und als Kind ist mir das gar nicht erst aufgefallen. Der Roman lebt von den hübschen Ideen, die die Autorin für ihre Geschichte verwendet hat, und von den charmanten und atmosphärischen Details. Die zwinkernde Teekanne ist ein bezaubernder Einstieg in die Geschichte, und als Sebastian später noch Hilfe vom Wind, den Jahreszeiten und der Zeit erhält, gibt es viele weitere Elemente, die auf der einen Seite märchenhaft, auf der anderen Seite angenehm bodenständig sind.

Ich mag die Beschreibungen der magischen Momente, aber auch die Szenen, in denen Sebastians Alltag erwähnt wird. Ich würde zu gern mal eine Teezeit in seiner Bibliothek erleben oder abends zusammen mit Mrs. Parkin und ihrer Nichte Sarah in der Küche essen. Mich spricht diese Mischung heute ebenso an wie als Kind – und bei Victoria Walker ebenso wie bei Edith Nesbit oder bei den Mary-Poppins-Büchern von P. L. Travers. Auf der einen Seite zeigen diese Bücher eine verklärte Variante eines Londons, in dem die Straßen von Pferdekutschen bestimmt werden und Kinder daheim Unterricht von Privatlehrern bekommen, auf der anderen Seite ist da diese schlichte Akzeptanz, dass Magie existiert und dass Magie alles Mögliche bewirken kann.

Die Kinder werden zwar nicht gerade tiefgehend charakterisiert – wie mir als erwachsener Leser auffällt -, aber sie sind sympathisch, und obwohl sie für aktuelle Bücher zu brav wären, haben sie ihre kleinen Eigenheiten. Dabei finde ich es hübsch, dass Sebastians gelegentliche Anfälle von „ich bin ein Junge, ich muss das Mädchen beschützten“ ebenso wie Melissas „als Mädchen breche ich in Tränen aus, wenn mir alles zu viel wird“-Momente nicht so stehengelassen werden, sondern Melissa Sebastian durchaus ebenbürtig ist, wenn es um das Bestehen von Abenteuern geht. Sie ist vielleicht nach hundert Jahren ohne menschliche Gesellschaft schnell verzweifelt, aber sie weiß auch, wann sie ihre Emotionen im Griff halten muss.

Dummerweise kann ich hier ganz viele wunderbare und bezaubernde Details gar nicht erzählen, denn sonst würde ich dieser kleinen und feinen Geschichte die Überraschungsmomente nehmen. Ich kann aber sagen, dass ich „The Winter of Enchantment“ heute mit der gleichen Freude wie als Kind gelesen habe. Wenn also einer von euch eine Schwäche für altmodische britische Kindergeschichten hat, dann würde ich dieses Buch jederzeit empfehlen. Oh, eine Fortsetzung gibt es davon übrigens auch – und da ich mir die gleich mitgekauft habe, bin ich gespannt, ob mir diese Geschichte ebenso gut gefällt, obwohl ich keine Kindheitserinnerungen daran habe.

Francis Durbridge: Paul Temple und der Fall Gregory (Hörspiel)

Francis Durbridge ist definitiv nicht mein Lieblingsautor, wenn es um altmodisch-charmante Kriminal-Hörspiele geht, aber ich habe schon einige unterhaltsame Stunden mit seinen Geschichten verbracht. Deshalb war ich natürlich prompt neugierig, als mir „Paul Temple und der Fall Gregory“ in die Finger geriet, obwohl ich beim Anblick von Bastian Pastewka auf dem Cover schon etwas verhaltener reagierte.

„Der Fall Gregory“ war der erste Paul-Temple-Fall, der in Deutschland als Hörspiel im Radio gesendet wurde – und dann wurden die Bänder mit einer anderen Aufnahme überspielt. Auch das BBC-Original dieser Geschichte ging verloren und so basiert dieses Hörspiel auf Textfragmenten des Original-Drehbuchs und der noch existierenden norwegischen Version des BBC-Hörspiels. Grundsätzlich finde ich diese Hintergründe interessant, auch wenn ich die nicht unbedingt inmitten des Hörspiels präsentiert bekommen müsste. Denn leider wird die Handlung rund um den Fund einer ermordeten jungen Frau immer wieder nach ein paar Minuten unterbrochen, wenn die Sprecher aus ihrer Rolle fallen und sich lang und breit über die Hintergründe des Hörspiels (oder die Absurditäten der Geschichte) unterhalten.

Zu diesen Unterbrechungen kommt, dass die Handlung sehr viel kürzer ist als in einem normalen Paul-Temple-Hörspiel. Ich kann nicht beurteilen, ob das daran liegt, das so wenig Text all die Jahrzehnte überlebt hat oder ob es an der Bearbeitung für diese „humorvolle“ Wiederbelebung des Hörspiels liegt. Aber diese Kürze der Geschichte sorgt zusammen mit der Anzahl der verschiedenen Figuren und den vielen Unterbrechungen dafür, dass man schon mehr als normal aufpassen muss, um der Handlung zu folgen und die unterschiedlichen Charaktere einordnen zu können. Ich gebe zu, dass so ein Paul-Temple-Hörspiel in der Regel die eine oder andere Kürzung vertragen kann, aber von vermutlich sechs Stunden auf knapp zwei ist dann doch etwas arg radikal.

Überhaupt finde ich die gesamte Umsetzung nicht ganz glücklich. Man hat sich anscheinend nicht entscheiden können, ob man eine Hommage an die alten Paul-Temple-Hörspiel oder eine Parodie inklusive diverser „Pastewka und Komplizen“-typischer Comedy-Elemente machen wollte. Auf der einen Seite hat man sich genügend Mühe gegeben, um Sprecher zu finden, die relativ nah an die Originalbesetzung herankommen (na ja, Pastewka klingt nun mal immer wie Pastewka und Janina Sachau ist eine arg schrille Version von Steve Temple – inklusive seltsamer Betonung), hat eine liebevolle und passende Musikuntermalung verwendet und bei den Soundeffekten in der Regel darauf geachtet, dass sie passend unbeholfen-altmodisch klingen.

Auf der anderen Seit gibt es da diese extremen Kürzungen und die ständigen Unterbrechungen durch die Sprecher, bei denen Pastewka als Fan der Original-Hörspiele dargestellt wird, während der Rest an der simplen und nicht gerade logischen Handlung verzweifelt. Wirklich amüsant fand ich nur zwei Punkte (besonders die Geräuschuntermalung bei der Fluchtszene eines Verdächtigen), ansonsten traf der Humor meinen Geschmack eher weniger. Am Ende bleibt einfach die Frage, für welche Zielgruppe dieses Hörspiel produziert wurde. Bastian-Pastewka-Fans können vermutlich mit den „ernsthafteren“ Krimiszenen nicht so viel anfangen, Paul-Temple-Fans hingegen werden sich wahrscheinlich durch die Kürzungen, Nebenbemerkungen und Unterbrechungen gestört fühlen …

Ach ja, in den Rezensionen bei Amazon habe ich einen Verweis darauf gefunden, dass dieses Hörspiel auch als Bühnen-Show präsentiert wird. Das stelle ich mir doch etwas amüsanter vor, da ich erstens davon ausgehe, dass vor allem Zuschauer hingehen werden, die mit Pastewka und Komplizen mehr anfangen können, und es zweitens bestimmt auch unterhaltsamer ist, wenn man live miterleben kann, wie die Gesangseinlagen und Geräusche erzeugt werden. Außerdem wirken so die Zwischenszenen hoffentlich etwas natürlicher.

Luke Delaney: Mein bist du

Irgendwie habe ich gerade wohl kein gutes Händchen bei der Wahl meiner Kriminalromane. Während ich „Eisesgrab“ durchschnittlich, aber unterhaltsam fand, hatte ich bei „Mein bist du“ von Luke Delaney nach der Hälfte der Geschichte einen richtigen Hänger und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass es Zeitverschwendung gewesen sei. Der Roman beginnt mit dem Mord an einem jungen Mann, der sein Geld damit verdient, dass er seinen Körper (teuer) an wohlhabende Kunden verkauft. Obwohl die Tat (ebenso wie die folgenden) recht detailliert geschildert wird, fand ich diese Passagen nicht so schlimm, da sie in gewisser Weise recht sachlich aus der Sicht des Mörders beschrieben wurden.

Die Handlung wird vor allem aus der Sicht von zwei Personen erzählt, zum einen Detective Inspektor Sean Corrigan, zum anderen aus der Sicht des Mörders. Während der Täter vor allem als ein skrupelloser und überaus intelligenter Mann beschrieben wird, der tötet, weil er es kann (und weil er die Macht, die ihm dadurch über seine Opfer verliehen wird, genießt), gibt es doch immer wieder Passagen, bei denen diese Darstellung nicht überzeugend durchgehalten wurde und in denen es eher klingt, als wäre diese Person wahnsinnig, obwohl der Autor sonst stets betont, dass genau dies nicht der Fall ist.

Überhaupt hat mir die Darstellung der Charaktere nicht so recht gefallen. Da gibt es einen Verdächtigen, der ein skrupelloser Finanzmensch ist und der sich Frau und Kinder hält, um einem Image gerecht zu werden, den Polizisten, der (in diesem Fall aufgrund von Missbrauch während seiner Kindheit) in der Lage ist, sich perfekt in den Täter hinein zu versetzen, dazu noch die mal mehr, mal weniger skrupellosen Kollegen, die im Zweifelsfall auch einen Tatort manipulieren, um jemanden zu überführen, und die liebende Ehefrau, die zwischen Fürsorge und Zickigkeit schwankt. Das ist alles etwas zu viel, zu klischeehaft, um zu unterhalten. Dazu kommt noch, dass ich es schrecklich finde, wenn der Täter so früh vom Leser identifiziert werde kann (und das ist hier wirklich offensichtlich) und man dann nur noch die restliche Hälfte des Buches darauf wartet, dass die Polizei auch endlich darauf kommt. Dabei hätte das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Ermittlern und einem der Verdächtigen durchaus seinen Reiz haben können – aber leider hat Luke Delaney diesen Part nicht so gestaltet, dass es wirklich spannend wurde.

Apropo Luke Delaney: Laut Autoreninformation ist das das Pseudonym eines ehemaligen Polizisten – und ich finde es grundsätzlich eigentlich reizvoll, wenn Leute, die in einem Beruf gearbeitet haben, auch ihre fiktiven Geschichten in diesem Bereich spielen lassen. Was ich aber nicht so prickelnd fand, waren all die Bemerkungen, die darauf hinwiesen, dass die Realität eines Polizisten nichts mit dem gemein hat, was man so im Fernsehen sieht. Ganz ehrlich, solange ich im Fernsehen nicht eine gut gemachte (was ja inzwischen leider eine Ausnahme ist) Dokumentation sehe, erwarte ich nicht, dass das dort dargestellte realistisch ist – das ist nämlich der Punkt an Fiktion!

Ich weiß nicht, wie das Buch zu all den guten Rezensionen gekommen ist, mich hat es nicht überzeugt und ich werde auch gewiss keinen weiteren Roman des Autors lesen – obwohl ich zugeben muss, dass seine Schreibweise zumindest dafür sorgt, dass man beim Lesen schnell voran kommt. 😉

Caroline Stevermer: Magic Below Stairs

Kiya hat mich vor kurzem unabsichtlich – über einen Link in den Kommentaren – auf „Magic Below Stairs“ von Caroline Stevermer aufmerksam gemacht und ich habe den (viel zu kurzen) Roman auch schon gelesen. Caroline Stevermer ist mir von den „Cecelia and Kate“-Romanen bekannt, die sie zusammen mit Patricia C. Wrede geschrieben hat, und als ich mitbekam, dass „Magic Below Stairs“ in der selben Welt spielt, musste ich das Buch einfach haben – auch wenn die Geschichte sich an ein jüngeres Publikum (10 bis 12 Jahre) richtet als die „Cecelia and Kate“-Bücher.

Protagonist von „Magic Below Stairs“ ist Frederick, den der Leser kennenlernt, als er gerade in einem Waisenhaus eine Strafarbeit verrichten muss. Allerdings es ist Frederick unmöglich die Erbsen und Bohnen, die der Waisenhausleiter in der Küche verteilt hat, aufzusammeln, bevor er mitten in der Nacht erschöpft einschläft. Doch als er am nächsten Morgen aufwacht, findet der Junge die Hülsenfrüchte ordentlich in Schüsseln und den Fußboden blitzeblank vor – und muss sich fragen, ob der grüngekleidete kleine Mann, von dem er geträumt hatte, vielleicht doch real war. In den folgenden Monaten darf der Junge dem Koch des Waisenhauses zur Hand gehen und lernt das eine oder andere Nützliche von dem freundlichen Mann.

Mit elf Jahren wird Frederick dann als Laufjunge im Haushalt von Lord Schofield (jupp, Kates Ehemann) aufgenommen, weil er das Glück hat, dass ihm die Uniform des vorherigen Laufburschen perfekt passt. Wieder ergibt sich so die Gelegenheit für den Jungen ganz viel neues Wissen zu sammeln, während er seinen diversen Aufgaben nachgeht. Viel passiert eigentlich gar nicht in dieser Zeit, aber langweilig wird das Buch trotzdem nicht. Caroline Stevermer erzählt von den vielen kleinen Begebenheiten, die Fredericks neues Leben ausmachen, und beschreibt dabei wunderbar nachvollziehbar die Reaktionen des Jungen auf die neuen Lebensumstände, seine Pflichten und die Menschen um ihn herum. Ich habe zum Beispiel mit glänzenden Augen dagesessen, als Frederick herausfand, dass er als Dienstbote im herrschaftlichen Haushalt frisches Brot zu essen bekommt. Auch mochte ich es von all den kleinen Aufgaben zu lesen, die zu seinem Alltag gehören, und von den Gedanken, die er sich zu den verschiedenen Leuten macht.

Natürlich bleibt Fredericks Leben nicht so geruhsam – schließlich sind Kate und ihr Mann nicht gerade dafür berühmt, dass ihr Alltag langweilig verläuft, was natürlich auch Auswirkungen auf ihr Personal hat. So findet der Junge im Laufe der Zeit eine gute Freundin, einen unerwarteten Verbündeten und sogar eine überraschende Chance für sein zukünftiges Leben, während er mit den Auswirkungen einer magischen Auseinandersetzung konfrontiert wird. Ich habe die heimelige Atmosphäre im Haus der Schofields ebenso genossen wie den Humor, der sich durch das ganze Buch zieht. Frederick ist mir, ebenso wie verschiedene andere Mitglieder des Haushalts, sehr ans Herz gewachsen und ich fand es wunderbar auf diese Weise noch einmal in diese Welt zurückzukehren (auch wenn ich Cecelia etwas vermisst habe).