Schlagwort: Kriminalroman

Lotte und Søren Hammer: Einsame Herzen (Konrad Simonsen 3)

„Einsame Herzen“ von Lotte und Søren Hammer ist der dritte Roman rund um Konrad Simonsen und sein Team. Die Geschichte spielt ungefähr ein Jahr nach den Ereignissen in „Das weiße Grab“ und in der Zwischenzeit hat sich einiges in der Mordkommission getan. Konrad hatte vor einigen Monaten einen Herzinfarkt und darf erst einmal nur vier Stunden am Tag arbeiten, während Arne Pedersen vorläufig Konrads Position als Leiter der Mordkommission übernommen hat. Pauline Berg hingegen hat sich noch lange nicht von ihrer Entführung erholt, leidet unter Angstzuständen und hat große Probleme mit Männern. So schwierig die Situation im Team gerade ist, so leicht soll der „Fall“ sein, den Konrad Simonsen zum wiedereingewöhnen übergeben wird.

Es geht dabei um den Tod eines Postboten, der vor einigen Monaten mit gebrochenem Genick auf dem Treppenabsatz seines Wohnhauses gefunden wurde. Der Todesfall wurde damals als Unfall abgetan und zu den Akten gelegt, doch aufgrund politische Einflussnahme sollen die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Dann stolpert Konrad Simonsen bei seinen Untersuchungen über einen geheimen Raum über der Wohnung des Postboten, in dem die Bilder einen jungen Frau zu sehen sind. So wie die Fotos präsentiert wurden, ist sich der Polizist sicher, dass die Bilder eine Tote zeigen – und die Vermutung liegt nah, dass der Tod des Postboten mit dieser jungen Frau zu tun hat.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es Lotte und Søren Hammer gelingt zu den unterschiedlichen Fällen in ihren Kriminalromanen auch die passende Atmosphäre zu schaffen. Während in „Schweinehunde“ die Ermittler von der Öffentlichkeit und den Medien gehetzt wurden, waren es die Polizisten selber, die sich in „Das weiße Grab“ unter Druck gesetzt haben, weil es ihnen nicht gelang einem Serienmörder seine Taten soweit nachzuweisen, dass man ihn aus dem Verkehr ziehen konnte. In „Einsame Herzen“ wird die Geschichte hingegen sehr ruhig erzählt. Sowohl der Mord an dem Postboten, als auch das, was der jungen Frau von den Fotos angetan wurde, ist schon einige Zeit her. Es scheint keinerlei Gefahr für weitere Personen zu geben und so konzentriert sich die Handlung nicht ausschließlich auf die Ermittlungen, sondern auch auf die Polizisten, die – besonders im Fall von Pauline Berg – immer noch mit dem zu kämpfen haben, was im letzten Jahr passiert ist.

Außerdem hat der Herzinfarkt dazu geführt, dass Konrad sein Leben überdenkt. Es gibt Erlebnisse aus seiner Vergangenheit, die er bis heute nicht verarbeitet hat. Und da er sich bei den Ermittlungen rund um die junge Frau, die im Jahr 1969 vermisst gemeldet wurde, immer wieder an Szenen erinnert, die er in den 60er Jahren erlebt hat, dreht sich eben auch ein Teil der Geschichte um Konrads Vergangenheit. So vermischen die beiden Autoren die aktuellen Ereignisse mit einer Darstellung der politischen Situation Dänemarks in den 60er Jahren und haben bei mir dafür gesorgt, dass ich beide Zeitebenen sehr gespannt verfolgt habe. Ich wollte sowohl wissen, was Konrad Simonsen damals erlebt hat, als er als junger Polizist den demonstrierenden Studenten gegenüberstand, als auch erfahren, was der jungen Lucy passiert ist, als sie auf der Suche nach einem freien Leben, Liebe und vermutlich auch Drogen durch Dänemark reiste.

Ich mag es immer wieder, dass die Autoren einen realistischen Polizei-Arbeitsalltag in ihren Romanen präsentieren. Die Polizisten müssen auf Laborergebnisse warten, müssen sich mit ihren Vorgesetzten arrangieren und – wenn ein Fall nun schon mal älter ist – machen pünktlich Feierabend, weil die Arbeit am nächsten Tag auch noch da sein wird. Auch die Charaktere sind angenehm realistisch geschildert. Konrad hat zwar seine Probleme, aber die sind so angenehm normaler Natur, dass er nichts mit den „üblichen depressiven skandinavischen“ Ermittlern gemein hat. Auch bei Pauline, die durch die Entführung im Jahr zuvor wirklich viel gelitten hat, wird deutlich, dass sich Lotte und Søren Hammer um eine realistische Darstellung bemühen. Pauline geht zum Psychiater, hat aber natürlich immer noch Probleme ihre Arbeit wie früher zu verrichten. Ihr Zustand ist nicht statisch, manchmal geht es besser, an anderen Tagen wieder ist es deutlich schlimmer, aber sie arbeitet daran. Für ihre Kollegen ist Paulines Zustand hingegen eine Herausforderung. Auf der einen Seite wissen sie nicht, wie sie damit umgehen sollen, auf der anderen Seite müssen sie natürlich verhindern, dass Paulines Zustand die Ermittlungen behindert. Bei anderen Autoren könnten diese Passagen schnell kippen, hier hingegen fand ich sie gut lesbar und habe sie als Teil der Handlung wahrgenommen, gerade weil es nur ein Element von vielen war …

Es ist erstaunlich schwierig bei diesem Band zu beschreiben, warum er mir so gut gefallen hat, denn zu dem Kriminalfall gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Auf jeden Fall bin ich schon gespannt, wie es mit dem Team weitergeht und welche Schwerpunkte Lotte und Søren Hammer in den weiteren Romanen gesetzt haben. Natürlich hoffe ich, dass diese Bücher auch noch auf Deutsch erscheinen – und wenn nicht, dann muss ich wohl zu den englischen Ausgaben greifen …

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Lion Killer (Hörbuch)

Ich weiß gar nicht mehr, was im letzten Jahr passiert ist, dass ich im November dieses Hörbuch nach vier Kapiteln abgebrochen habe. Aber ich hatte grundsätzlich in den vergangenen Monaten relativ wenig Lust ein Hörbuch zu hören. Erst an diesem Montag habe ich wieder zum Player gegriffen und mich mit Mrs. Pollifax in das fiktive afrikanische Land Ubangiba begeben. In „Mrs. Pollifax Pursued“ hatte Mrs. Pollifax gemeinsam mit ihrer überraschenden neuen Bekanntschaft Kady Hopkirk dafür gesorgt, dass Kadys Jugendfreund Sammat als Enkel des ehemaligen Königs von Ubangiba anerkannt wird.

In den zehn Monaten, die seitdem vergangen sind, war Sammat damit beschäftigt das Land, das nach dem Tod seines Großvaters von zwei Diktatoren beherrscht wurde, wieder aufzubauen. Nun soll in wenigen Tagen die Krönung des jungen Mannes stattfinden, der hofft, dass er als König in der Position sei, in seinem Heimatland ein modernes demokratisches System aufzubauen. Doch auf einmal kommen Gerüchte auf, dass Sammat ein Zauberer sei, dessen Einfluss für den Tod mehrere Personen verantwortlich sein soll, die von einem „Löwen“ niedergestreckt wurden. Und so fliegen Emily Pollifax und Kady nach Afrika, um Sammat zu unterstützen und herauszufinden, wer hinter den Todesfällen steckt – und vermutlich mit seinen Taten Sammats Krönung verhindern will.

Für Emily Pollifax und ihren Mann Cyrus ist Kady in den vergangenen Monaten zu einem Familienmitglied geworden. So steht es für die beiden auch sofort fest, dass Emily mit Kady zusammen reisen muss, obwohl sie sich um Cyrus sorgt, der sich nachdem er auf Glatteis ausgerutscht ist, nicht selbst versorgen kann. Dass Emily mit ihren Gedanken bei Cyrus ist und sich relativ wiederwillig auf die Reise macht, ist recht ungewöhnlich für sie. Auch macht sie sich Gedanken um Kady und Sammat und ist erschüttert von den Ereignissen in Ubangiba. So fehlt Mrs. Pollifax anfangs diese Neugier und diese Abenteuerlust, die sie sonst so ausgemacht haben, auch wenn es den einen oder anderen netten Moment gibt, in denen sie die einheimischen Händler mit ihrem Verhalten und ihren Wünschen irritiert.

Trotzdem hat mir die Geschichte am Ende wieder gut gefallen, auch wenn Emily Pollifax in diesem Hörbuch nicht ganz so aktiv und energisch war wie gewohnt. Denn obwohl sie sich oft hilflos fühlt, gibt sie natürlich nicht auf. Sie hilft, wo sie nur kann. Sie macht sich Gedanken um all die Menschen, die sie während ihres Aufenthalts in Ubangiba kennenlernt, und sie geht in der Regel ohne Vorurteile und dafür voller Neugier auf diese ihr fremde Kultur zu. Und trotz der relativ schrecklichen Ereignisse gibt es immer wieder amüsante Szenen, wie zum Beispiel Emilys Versuch eine Waffe bei einem Schwarzmarkthändler zu kaufen. So bekommt mich Dorothy Gilman jedes Mal wieder gepackt – wobei mich auch Barbara Rosenblats Lesung wieder überzeugen konnte – und ich freu mich schon auf das nächste (und leider letzte) Hörbuch mit Mrs. Pollifax.

Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder (Louise Bonì #2)

„Im Sommer der Mörder“ von Oliver Bottini ist der zweite Kriminalroman rund um die Polizistin Louise Bonì – und ich muss zugeben, dass ich ganz froh bin, dass ich den ersten Band nicht in der Bibliothek gefunden habe. Denn wenn ich all den Rückblenden glauben darf, dann gab es einige persönliche Probleme für die Protagonistin im ersten Band inklusive des Eingeständnisses, dass sie seit drei Jahren Alkoholikerin ist und etwas dagegen tun muss. Mir fällt es leichter, mich mit einem Charakter anzufreunden, der den Entzug schon hinter sich hat, auch wenn der tagtägliche Kampf gegen die Sucht bleibt.

Die Handlung beginnt in diesem Roman relativ harmlos mit dem Brand eines alten Holzschuppens, in dem ein Bauer nur noch ein paar Heureste lagert. Doch kaum scheint die Freiwillige Feuerwehr den Brand gelöscht zu haben, kommt es zu einer unerklärlichen Explosion und einem Todesfall. Wenig später finden die Ermittler heraus, dass in einem versteckten Keller unter dem Schuppen große Mengen Waffen gelagert wurden – was natürlich zu der Frage führt, wie die Waffen überhaupt an diesen Ort kommen konnten.

Für Louise Bonì ist die Arbeit bei der Soko, die sich um den Waffenfund kümmert, der erste Einsatz nach einer verletzungs- und entzugsbedingten Auszeit und so muss sie nicht nur einen neuen Platz in einem eigentlich vertrauten Umfeld finden, sondern sich auch von Anfang an mit dem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Dezernaten und Behörden herumschlagen. Wobei sie eigentlich nur indirekt die Folgen dieser Auseinandersetzungen mitbekommt, wenn sie mal wieder gezügelt wird, weil angeblich eine andere Abteilung zuständig ist oder eine andere Dienststelle den ganzen Einsatz übernehmen soll.

Auch werden die Ermittler von dem überraschend großen Interesse von Politikern, BKA und anderen Institutionen überrascht. So kommen Louise Bonì und ihre Kollegen irritierend schnell an Informationen, die andeuten, dass der Waffenfund mit Neonazis in Verbindung steht, während andere Hinweise auf Terroristen und das ehemalige Jugoslawien verweisen. So groß Oliver Bottini seinen Fall rund um die versteckten Waffen in dem alten Holzschuppen aufgebaut hat, so ruhig erzählt er seine Geschichte auch. Der Autor konzentriert sich ebenso auf Louise Bonìs Privatleben wie auf die Darstellung einer (relativ) realistischen Polizeiarbeit. So bekommt man als Leser auch mit, wie lästig die täglichen Besprechungen während der Ermittlungen sind, wie viele Kleinigkeiten den Arbeitsalltag beherrschen (und erschweren) und wie schwierig es sein kann, wenn eine Gruppe unterschiedlicher Menschen unter Druck an einem Fall arbeitet.

Wenn man mal davon absieht, dass mir Louise ein bisschen zu sehr über ihr – vergangenes und zukünftiges – Liebesleben nachdenkt und verflixt oft erwähnt wird, dass diverse Männer ihr auf den Busen starren, fand ich diese fast schon gemächliche und detailverliebte Erzählweise sehr angenehm. Oliver Bottini mischt reale Ereignisse mit fiktiven Elementen und zeichnet so ein erschreckendes, aber (gerade angesichts der Ereignisse in den vergangenen Monaten) wohl auch realistisches Bild davon, wie nah Terror und Gewalt unserem Alltag inzwischen sind. Dabei beschreibt er die verschiedenen Charaktere so genau und – selbst in ihrem teils widersprüchlichem Handeln – so stimmig, dass man ihnen ihr Verhalten und ihre Motive abnimmt.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass der Autor für mich eine umwerfende Neuentdeckung gewesen ist. Aber ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich mal einen so gut geschriebenen und großen Teils wirklich überzeugenden Kriminalroman in die Hände bekommen habe. Und wenn ich in der Bibliothek noch weitere Bände rund um Louise Bonì finde, werde ich sie mir vermutlich auch ausleihen.

Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab (Konrad Simonsen 2)

Als vor ein paar Jahren „Schweinehunde“, der Debütroman von Lotte und Søren Hammer erschien, war ich ziemlich beeindruckt von der ungewöhnlichen Thematik, die sich die Geschwister für ihre Kriminalgeschichte ausgesucht haben. Dabei lag weniger das Verbrechen (Kindesmissbrauch bzw. Rache an denjenige, die Kinder missbraucht haben) als die Reaktion der Medien, die durch diejenigen manipuliert wurden, die die Täter bestraften, im Fokus der Geschichte. Die Handlung in „Das weiße Grab“ ist weniger aufsehenerregend, aber man bekommt als Leser immer noch einen soliden,gut zu lesenden und spannenden Krimi, der einen wieder mit einer moralischen Frage konfrontiert, die nicht so einfach zu beantworten ist.

Dieses Mal beginnt der Fall für Konrad Simonsen an einem Ort in Grönland, an dem es vor vielen Jahren mal eine amerikanische Militärbasis gab. An diesem Punkt wurde von (in gewisser Weise von der deutschen Kanzlerin) die Leiche einer jungen Dänin (im aufgrund der Klimaerwärmung aufgetauten „ewigen“ Eis) gefunden, die damals für die Amerikaner gearbeitet hatte und eines Tages spurlos verschwand. Für Konrad Simonsen steht auf den ersten Blick fest, dass dieser Mord die Tat eines Mehrfachtäters war, denn er selbst hatte vor einigen Jahren ein Verbrechen an einer jungen Frau untersucht, die damals in der gleichen Position mit den selben Merkmalen ermordet aufgefunden wurde. Für diese Tat war der Vater des damaligen Opfers verurteilt worden – doch die Tote im Eis kann nicht auf das Konto des verurteilten Mannes gehen – was mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass Konrad und seine Kollegen vor all den Jahren einen schwerwiegenden Fehler gemacht haben.

Im Laufe der Geschichte finden die Ermittler heraus, dass der Mörder mehr als diese beiden jungen Frauen auf dem Gewissen hat und immer wieder nach der selben Methode vorgeht. Sogar die Identität des Täters steht relativ früh fest, aber es gibt keine Möglichkeit ihm seine Verbrechen auch nachzuweisen. Ich fand es faszinierend zu verfolgen wie das Auffinden der Leiche in Grönland und die Spurenlage des – eigentlich als abgeschlossen geltenden – Mordes recht schnell zum Täter führen und wie die Polizisten sich dann immer wieder im Kreis drehen, bei dem Versuch dem Mann irgendwie seine Morde auch nachweisen zu können. Dass diese Beweise aber einfach nicht aufzutreiben sind und der Täter ihnen immer wieder einen Schritt voraus zu sein scheint, ist natürlich für alle Beteiligten frustrierend, so dass nach und nach Methoden in Betracht gezogen werden, die mit einem Rechtsstaat nicht mehr zu vereinbaren sind.

Normalerweise mag ich es nicht, wenn in einem doch recht realistischen Kriminalroman solche wichtigen moralischen (oder vom Gesetz vorgegebenen) Grenzen gesprengt werden. Aber ich fand es spannend zu verfolgen, wie die unterschiedlichen Menschen nach Mitteln suchen, um diesen Mörder aus dem Verkehr zu ziehen, und wie dabei erst nur sehr zögerlich, später mit immer größerer Verzweiflung auch Möglichkeiten angesprochen werden, die diese eigentlich rechtschaffenden Personen zu Beginn des Romans als absolut unmoralisch bezeichnen und als Untergrabung ihres gesamten Rechtssystems betrachtet hätten.

Auch mit den verschiedenen Charakteren in diesem Roman kam ich wieder gut zurecht. Ich finde nicht jede Person sympathisch, manche handeln auf eine Art und Weise, die ich zwar verstehen, aber nicht gutheißen kann, aber immer habe ich das Gefühl, dass sie innerhalb ihres Charakters stimmig handeln. Es gibt keinen zutiefst depressiven Ermittler, der die Geschichte beherrscht, sondern ein funktionierendes Team mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Manchmal gibt es Reibungen, manchmal gibt es mehr als Sympathie zwischen den verschiedenen Polizisten und natürlich hat jeder so seine Probleme. Aber diese Dinge sind von recht alltäglicher und „normaler“ Natur wie die gesundheitlichen Probleme von Konrad Simonsen, die natürlich neben der Arbeit zurückstecken müssen, oder der Seitensprung am Arbeitsplatz, der eben auch Folgen für die Zusammenarbeit hat, ohne dass es dabei zu einem großen Drama kommt.

So bekommt man in „Das weiße Grab“ auch immer wieder etwas vom – beruflichen und privaten – Alltag der verschiedenen Beteiligten erzählt, ohne dass ich diesen Teil langweilig fand. Diese Passagen sorgen eher dafür, dass man die Figuren besser einschätzen kann und dementsprechend auch die Tragweite ihrer Entscheidungen begreift. Und wenn dann doch einmal ein Schritt gemacht wird, der eigentlich undenkbar zu sein scheint, dann bleibt das nicht ohne Konsequenzen für die Person, die von nun an mit dem Wissen darum, was sie getan hat, leben muss.

Jessica Kremser: Frau Maier sieht Gespenster

Nach „Frau Maier fischt im Trüben“ und „Frau Maier hört das Gras wachsen“ ist „Frau Maier sieht Gespenster“ von Jessica Kremser der dritte Krimi rund um die ältere Putzfrau. Obwohl sich am Ende des zweiten Bandes angedeutet hat, dass Frau Maier in Zukunft vielleicht weniger allein wäre, hat sich an ihrer privaten Situation in der Zwischenzeit kaum etwas geändert. Sie trauert immer noch ihrer Jugendliebe, dem Fischer-Karli, hinterher, und Elfriede Gruber ist die einzige Person, die sie als eine Freundin bezeichnen würde. Immerhin ist es schön zu sehen, dass sie auch Elfriede sehr ans Herz gewachsen ist und auch der Psychologe Frank Schöning kümmert sich weiter um die alte Dame.

Er ist es auch, bei dem sie – wenn auch nicht ganz freiwillig – durchblicken lässt, dass ihre neue Stelle im Schloss auf der Insel im Chiemsee sie etwas nervös macht. Frau Maier verrät ihm allerdings, dass sie nicht nur die Aussicht auf den neuen Arbeitsplatz so unruhig macht, sondern auch die Tatsache, dass sie sich verfolgt fühlt. Seit einem Kirchenbesuch hört sie eine Stimme, die ihren Namen ruft, obwohl kein Mensch zu sehen ist. Kurz darauf sieht sie auch noch Bewegungen in den Spiegeln im Schloss, ohne dass eine Person zu sehen oder hören ist. Wenig später stolpert Frau Maier über die Leiche eines der Angestellten – und schon steckt sie wieder mittendrin in einer Mordermittlung.

Mir hat dieser dritte Band wieder besser gefallen als der zweite Teil. Frau Maier hört und sieht zwar Gespenster und es gibt immer noch einige Sachen, die ihr Angst machen, aber trotzdem spürt man wieder mehr von der alten Unerschütterlichkeit, die sie in „Frau Maier fischt im Trüben“ so ausgezeichnet hat. Ihre Neugier ist definitiv größer als ihre Angst und so geht sie stetig ihren Weg und steckt ihre Nase auch in Ecken, die eigentlich für sie verboten sind. Es hat mir gefallen zu sehen, wie Frau Maier an ihrem neuen Arbeitsplatz Menschen kennenlernt und Freundschaften schließt – und ebenso hat es mir gefallen mitzuerleben, wie andere Personen Frau Maier wahrnehmen. Obwohl sie immer noch scheu und unsicher ist, wenn es um andere Menschen geht, entwickelt sich Frau Maier in dieser Hinsicht immer weiter und behält dabei doch ihren ganz eigenen Charakter.

Noch schöner ist es, dass Frau Maier endlich – mit über sechzig Jahren – in Kauzing angekommen zu sein scheint. Natürlich macht das die vorhergehenden Jahre nicht ungeschehen, aber ich mochte es, wie sie so langsam entdeckte, wie sehr ihr nicht nur ihr Häuschen und der See Heimat sind, sondern auch der kleine Ort (und sogar seine Bewohner). So geht es in „Frau Maier sieht Gespenster“ zwar schon fast zu sehr darum Ängste zu bekämpfen, aber eben auch darum Vergangenes abzuschließen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor einem liegen und die man genießen mag.

Auch den Kriminalfall fand ich in diesem Band besser als im Vorgänger. Aber vielleicht lag das auch daran, dass es so viele verschiedene Aspekte gab, auf die ich mich beim Lesen konzentrieren konnte, dass ich dieses Mal nicht so kritisch mit der Handlung umging. Außerdem war bei diesem Fall ein anderer Polizist für die Ermittlungen verantwortlich, was dafür sorgte, dass all die unangenehmen Szenen wegfielen, in denen Frau Maier vorgeworfen wird, dass sie verwirrt oder eine Wichtigtuerin ist. So habe ich mich beim Lesen wieder gut unterhalten gefühlt, ich habe geschmunzelt, gebangt und mich gefreut – und genau so muss es sein, wenn Frau Maier einen Fall löst.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax Pursued (Hörbuch)

„Mrs. Pollifax Pursued“ von Dorothy Gilman ist die elfte Geschichte rund um Mrs. Pollifax und der erste Titel, der für mich noch unbekannt war. Dabei ist die Ausgangssituation schon einmal sehr reizvoll, da Mrs. Pollifax dieses Mal nicht im Auftrag des CIA unterwegs ist, um einen eigentlich ganz harmlosen Job auszuführen, sondern es mit einem Eindringling in ihrem Haus zu tun bekommt. Genauer gesagt ist es die neunzehnjährige Kady, die sich zwei Tage lang unbemerkt von Emily Pollifax in ihrem Haus versteckt, weil sie von zwei unheimlichen Männern in einem weißen Lieferwagen verfolgt wird.

Der Lieferwagen war auch schon Mrs. Pollifax aufgefallen, die sich wunderte, dass dieses Fahrzeug (mit dem unübersehbaren Rechtschreibfehler in der Beschriftung) so häufig durch ihre ansonsten so ruhige Wohnsiedlung fährt. Kurz darauf befindet sich Emily gemeinsam mit Kady auf der Flucht und muss ihre Verbindungen zur CIA spielen lassen, um eine sichere Zuflucht für sich und die junge Frau zu finden. So landen die beiden bei einem Jahrmarkt – und mitten in den Ermittlungen rund um einen missglückten Mordanschlag.

Es hat sich etwas seltsam angefühlt eine Mrs.-Pollifax-Geschichte zu hören, bei der Emily Pollifax nicht im Auftrag der CIA aktiv wird, sondern durch einen ungewöhnlichen Zufall in eine seltsame Angelegenheit verwickelt wird. Für den Zuhörer steht natürlich von Anfang an fest, dass es eine Verbindung zwischen den diversen Ereignissen gibt, aber das macht es nur umso amüsanter, wenn man verfolgt wie Mrs. Pollifax auf der einen Seite und Mr. Carstairs von der CIA auf der anderen Seite herauszufinden versuchen, was gerade eigentlich los ist. Dabei fand ich es auch schön, dass Mr. Carstairs dieses Mal eine etwas größere Rolle in der Geschichte spielte.

Auch war es ungewöhnlich, dass Emily Pollifax dieses Mal keine fremde Kultur kennenlernt, was sonst für mich immer einen großen Reiz bei den Geschichten ausgemacht hat, sondern sich „nur“ mit der ihr fremden Jahrmarktsgesellschaft aufeinandersetzen muss. Doch auch beim Aufeinandertreffen mit den Schaustellern sorgen Emilys Neugier und ihre Unvoreingenommenheit dafür, dass sie schnell ein Gefühl für das Leben auf dem Jahrmarkt bekommt. Ich muss gestehen, dass der Fall dieses Mal für mich eine besonders kleine Rolle gespielt hat, dafür habe ich es genossen wie Emily Pollifax und ihre neue Freundin Kady den Jahrmarkt erkundeten. Besonders Emilys Freude über Kadys neuen Job und ihre Art über all ihre Erlebnisse zu reden, wenn sie wieder einmal Kontakt mit Carstairs und seinem Assistenten Bishop hatte, fand ich wunderbar unterhaltsam.

Eine Mrs.-Pollifax-Geschichte ist für mich immer wie eine Heimkehr in ein gemütliches und heiteres Zuhause. Ich mag die Figuren, ich mag die Erzählweise und ich mag den Humor in den Geschichten und so habe ich „Mrs Pllifax Pursued“ wieder sehr genossen, auch wenn ich zugeben muss, dass es nicht gerade der beste Teil der Serie ist. Ich freue mich darüber, dass der nächste Teil anscheinend die direkte Fortsetzung dieses Hörbuchs ist und dass ich so eine Menge sympathischer Charaktere wiedertreffen werde – und das dann sogar in Afrika!

Noch ein kurzes Wort zur Sprecherin: Dass Barbara Rosenblat ihr Geschäft versteht, sollte ich in all den Rezensionen eigentlich schon genügend erwähnt haben. Auch dieses Mal mochte ich ihre Art die Handlung zu lesen sehr, obwohl mir auch nach einer etwas längeren Hörpause wieder aufgefallen ist, dass bestimmte Typen bei ihr immer sehr ähnlich klingen. Aber es ist eben nicht ganz einfach den unterschiedlichen Akzenten gerecht zu werden, wenn eine Autorin so viele verschiedene kulturelle Hintergründe für ihre Figuren verwendet. 😉

Mary Roberts Rinehart: The Window at the White Cat

„The Window at the White Cat“ von Mary Roberts Rinehart war in den letzten Wochen mein Wartezimmerbuch, und da die Geschichte viele vertraute Elemente hatte und die Menge der Personen relativ übersichtlich ist, war es perfekt dazu geeignet, um in kleinen Portionen gelesen zu werden. Trotz dieser vielen vertrauten Elemente ist mir der Roman eine Rezension wert, da ich es lustig fand, die Geschichte mal aus einer anderen Perspektive erzählt zu bekommen. Die anderen Bücher, die ich von der Autorin bislang gelesen habe, beschrieben die Handlung aus der Sicht einer Frau – und in den Fällen, in denen diese Frau jünger ist, berichtet sie im Nachhinein von den Schritten, die ein befreundeter Mann unternommen hat, um den Fall zu lösen.

In „The Window at the White Cat“ wird die Geschichte von dem (nicht mehr ganz so jungen) Anwalt Jack Knox erzählt. Als eines Tages die junge Margery Fleming in seine Kanzlei kommt und vom rätselhaften Verschwinden ihres Vaters berichtet, wird der Anwalt in eine ungewöhnliche Geschichte hineingezogen, die größere Kreise zieht, als er anfangs erahnen konnte. Margerys Vater ist ein Politiker mit großem Einfluss und sein Verschwinden ist nicht nur aus privater, sondern auch aus politischer Sicht sehr beunruhigend – zumal auch eine größere Summe Geldes in seiner Obhut war, die ihm aus beruflichen Gründen anvertraut wurde. Als Margery wenig später (nach einem Einbruch in ihr Elternhaus) bei ihren beiden älteren Tanten Zuflucht sucht, verschwindet auch noch eine der beiden Damen auf mysteriöse Weise.

Ich mochte es, dass der Protagonist sich nicht so ganz sicher war, wie er an die Ermittlungen herangehen sollte. Er ist kein Detektiv, er ist Anwalt, aber er gibt sich alle Mühe und sucht bei einem Polizisten und einem Journalisten Rat und Informationen, und so wuselt er sich von einem Hinweis zum Nächsten. Auch gefiel es mir, dass man dieses Mal die Geschichte eben aus Sicht des „ermittelnden Liebhabers“ (nur dass Margery bedauerlicherweise mit dem Sekretär ihres Vaters verlobt ist und Jack deshalb weiß, dass seine Verliebtheit hoffnungslos ist) erlebt. Jack vermutet immer wieder, dass Margery ihm etwas verschweigt, kann und will die junge Dame aber nicht bedrängen, weil er das Gefühl hat, er müsse sie beschützen. Auch entdeckt er immer wieder Umstände bei diesem Fall, von denen er nicht weiß, wie er sie ihr beibringen soll. Und während ich sonst die „Innensicht“ auf die üblichen Gepflogenheiten der betreffenden Haushalte genossen habe, bot Jacks Unvertrautheit mit den Personen hier neue Möglichkeiten für die Handlungsentwicklung.

Trotzdem gab es natürlich wieder viele vertraute Elemente wie die ältere Dame, deren Leben nicht ganz so berechenbar verläuft, wie ihre Verwandtschaft vermutet hat, der Vater, der die Familie in gewisser Weise im Stich gelassen hat, verschwundenes Geld rund um eine Privatbank und Personen, die verdächtigt werden, während andere Parteien versuchen, etwas zu vertuschen oder aus ganz eigenen Motivationen Ermittlungen anstellen und so den offiziellen Stellen in die Quere kommen. Auch wenn diese Sachen bei Mary Roberts Rineharts Romanen immer wieder vorkommen, finde ich ihre Geschichten nie langweilig. Ihre Charaktere sind – bei allen groben Ähnlichkeiten – individuell genug, dass mir das Kennenlernen Freude bereitet, die Geschichten bieten immer wieder neue Varianten des Grundthemas, und es gibt so viele kleine Szenen und Details, die mich amüsieren oder die mich über die Figuren und ihr Leben nachdenken lassen, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten fühle. Außerdem mag ich es, über diese Zeit (der Roman wurde 1910 erstveröffentlicht) zu lesen – und das auch noch von einer Autorin, die zu dieser Zeit gelebt hat.

Emma Kennedy: Wilma und das Rätsel um die gefrorenen Herzen

Über „Wilma und das Rätsel der gefrorenen Herzen“ von Emma Kennedy bin ich durch Zufall in der Bibliothek gestolpert. Denn während ich darauf wartete, dass ein älteres und etwas verpeiltes Ehepaar inklusive vier mindestens doppelt so verpeilten Enkelkinder endlich ihre paar Bücher verbucht bekamen, stand ich vor dem Regal mit Kinderbüchern und habe mir Klappentexte durchgelesen. (Das extremste Enkelkind hat es dann noch geschafft – nachdem mir die Gruppe Platz gemacht hatte, damit ich meine Bücher ausleihen konnte – sein Buch so neben meinen Stapel zu legen, dass es gleich mitverbucht wurde und wir dann doch noch eine Angestellte bemühen musste, um das wieder auseinander zu sortieren. *argh*)

Auf jeden Fall klang die Geschichte rund um Wilma Tenderfoot nett und durfte deshalb mit nach Hause – und weil ich an dem Tag vor lauter Hitze eh nicht mehr viel tun konnte, habe ich den Roman auch gleich am Nachmittag noch gelesen. Schon während des Lesens fühlte ich mich etwas zwiegespalten. obwohl die Idee sehr nett und Wilma eine sympathische, wenn auch arg übereifrige Protagonistin ist. Wilma ist in „Cooper Islands Unterland-Institut für Elende Kinder“ aufgewachsen, einem Waisenhaus, das von der grauenhaften Mrs. Scratch geleitet wird. Diese Dame verkauft regelmäßig die ihr anvertrauten Kinder als Dienstboten in die angesehenere Hälfte der Insel, wobei eine Klausel besagt, dass beim Tod des Kindes innerhalb der Probezeit natürlich der volle Kaufpreis zu zahlen sei.

Auch Wilma wird an eine Arbeitgeberin verkauft und muss dort die unangenehmsten Aufgaben erfüllen, die man sich nur vorstellen kann. Auf der anderen Seite landet sie durch diesen Ortswechsel prompt in dem Haus, das direkt neben dem Heim von Theodore P. Goodman liegt, dem größten Privatdetektiv, den es auf Cooper Island nur gibt. Und genau dieser Theodore P. Goodman ist seit klein auf Wilmas Idol und so setzt sie alles daran, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vor allem hofft sie, dass er sie vielleicht als Lehrling aufnimmt, wenn sie ihn erst einmal von ihren ernsten Absichten überzeugt hat. Zu Wilmas großem Glück zieht sich gerade eine Mordserie über die Insel, die mit dem Diebstahl eines ungewöhnlich seltenen Edelsteins ihren Anfang nimmt – und selbstverständlich nimmt das Mädchen sofort die Ermittlungen auf.

Wilma, Theodore P. Goodman, seine Haushälterin und der Polizist der Insel sind wirklich sympathische Figuren, die alle ihre ganz besonderen liebenswerten Eigenheiten haben. Auch wimmelt der Roman vor lauter ungewöhnlichen Ideen und Einfällen, von denen mir vor allem die gut gefallen haben, die für uns ganz normale Vorgänge wie zum Beispiel einen Grenzübertritt mit einem angemessenen Schuss Spott darstellen. Auch der Kriminalfall war – trotz all der Toten – kindgerecht (das Buch wird am 9 Jahren empfohlen) und spannend erzählt. Man kann während Wilma fleißig und – mehr oder weniger – erfolgreich ermittelt mitraten und bekommt immer wieder neue Hinweise auf die Hintergründe der Tat präsentiert.

Aber trotzdem konnte mich der Roman nicht vollständig begeistern, da ich die Welt, in der das Ganze spielt unstimmig und übertrieben fand und mich oft genug geärgert habe, dass hier so viel Potenzial verschenkt wird. Es gibt so viele wunderbare und lustige Elemente in „Wilma und das Rätsel der gefrorenen Glasherzen“, dass es nur einen aufmerksameren und passenderen Weltenaufbau benötigt hätte, damit die Geschichte auch rund wird. So richtig aufgefallen ist es mir zum Beispiel beim Thema Essen: Während der Privatdetektiv gerne so normale Sachen wie Pfefferminztee und Maisplätzchen (ein Rezept ist am Ende des Buches abgedruckt) zu sich nimmt, scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, dass man eine Schneckensuppe kocht oder Spinnen fängt, um aus ihren Beinen ein Essen zuzubereiten. Mal davon abgesehen, dass das von der Autorin gewollt lustig und ekelig beschrieben wird, finde ich es einfach unrealistisch – und ich bestehe darauf, dass eine erfundene Welt in sich zumindest einigermaßen logisch ist.

Ebenso gibt es zwar spezielle Bonsaischeren, aber Wilma muss ihrer Arbeitgeberin mit den Zähnen die Fußnägel abnagen. Natürlich ist mir bewusst, dass Emma Kennedy diese Elemente eingebaut hat, um – je nach Szene – die Situation lustiger oder abschreckender zu gestalten, aber mich persönlich stört das beim Lesen gewaltig. Es wäre doch schon unangenehm genug, wenn Wilma mit einer Schere die ungepflegten Fußnägel hätte kürzen müssen, da muss man doch nicht so übertreiben. Diese Unstimmigkeiten haben am Ende dann leider dazu geführt, dass ich Wilma zwar ins Herz geschlossen hatte, aber leider keine weiteren Bücher mit ihr mehr lesen würde.

Alexander McCall Smith: Ein Krokodil für Mma Ramotswe

Nachdem mir Neyasha die TV-Serie „Eine Detektivin für Botswana“ ans Herz gelegt hatte, die eine Umsetzung von Alexander McCall Smith‘ Romanen rund um die ungewöhnliche Privatdetektivin Mma Ramotswe ist, dachte ich mir, dass ich erst einmal den ersten Band aus der Bibliothek antesten könnte, bevor ich die 1. (und einzige) Staffel bestelle. Es ist mir übrigens bei den Labels ungewöhnlich schwergefallen mich für „Kriminalroman“ zu entscheiden, denn klassische Kriminalgeschichten erzählt dieser Roman nicht. Alexander McCall Smith versammelt in diesem Buch eher viele kurze Episoden rund um Mma Ramotswe, die vom Leben in Botswana und den vielen kleinen und größeren Erlebnissen berichten, bei denen die lebenserfahrene Frau zugunsten ihrer Klienten eingreifen muss.

Zu Beginn fühlte ich mich noch etwas verloren, aber da im zweiten Kapitel schon erzählt wurde, wie aus dem kleinen geliebten Baby Precious Ramotswe die Privatdetektivin Mma Ramotswe wurde (mit sehr berührenden Momenten rund um ihren Daddy) hat sich das schnell gegeben. Ich mochte Mma Ramotswe, sie hat immer ihr Bestes zugunsten des Klienten gegeben und sich immer bemüht dessen Verhalten nicht zu werten. Eine Frau möchte nicht, dass ihr Mann dafür bestraft wird, dass er einen gestohlenen Wagen fährt, kann aber nicht damit leben, dass er sich so gesetzlos verhält? Kein Problem, Mma Ramotswe findet eine Lösung damit dieser Ehemann eine Lektion lernt.

Nicht immer kann sich die ungewöhnliche Detektivin am Ende sicher sein, dass sie die richtige Lösung gefunden hat (zumindest wird das hier und da angedeutet), aber auf jeden Fall können sich ihre Klienten sicher sein, dass sie alles zu ihren Gunsten getan hat, was in ihrer Macht stand – und das sorgt auch dafür, dass letztendlich wieder alles gut wird. Ich mag den teilweise philosophischen Ansatz und die Sicht auf das Leben und die Menschen, die Mma Ramotswe hat. Ebenso wie ich die verschiedenen Fälle mochte, die viel über das Leben in Botswana erzählen und mir deshalb stellenweise angenehm skurril erschienen.

Insgesamt hat mich die episodenhafte Erzählweise nicht gestört, während ich die Geschichten und den Humor in den einzelnen Erzählungen wirklich genossen habe. „Ein Krokodil für Mma Ramotswe“ war wirklich nett und die 360 Seiten haben sich wirklich sehr schnell lesen lassen Und da es so unterhaltsam und entspannend war, habe ich gleich den zweiten Band in der Bibliothek vorgemerkt und die Serie auf meinen Merkzettel nach oben geschoben. 😉

Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte (Professor Yukawa 1)

„Verdächtige Geliebte“ von Keigo Higashino ist mir sowohl bei Natira (die mir den Roman auch geliehen hat), als auch bei Kiya begegnet – und da beiden dieser Krimi gefallen hatte, bin ich auch neugierig geworden. Schon der Anfang der Geschichte hat mir gut gefallen, bei dem man die spätere Mörderin Yasuko kennenlernt und miterleben kann, was sie zu ihrer Tat bewegt hat. Auch ihrem Nachbarn Ishigami begegnet der Leser schon früh und kann schnell erahnen, was ihn dazu bewegt hat, Yasuko beizustehen und für sie die Leiche ihres Opfers zu beseitigen. Bei solch einem Ausgangspunkt ist es selbstverständlich, dass es in diesem Kriminalroman nicht darum geht den Mörder zu überführen, sondern um die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei bzw. ihrem „Berater“ Professor Yukawa und Ishigami, der die treibende Kraft hinter der Tatverschleierung ist.

Die gesamte Geschichte wird sehr ruhig erzählt und obwohl man als Leser von Anfang an in die groben Umstände eingeweiht wird, gibt es im Laufe der Handlung noch so einige überraschende Elemente. Ishigami ist ein Lehrer, dem die Mathematik über alles geht, und der kein nennenswertes Privatleben hat. Einzig seine Gefühle für seine Nachbarin Yasuko sorgen dafür, dass er jeden Tag – ganz irrational – einen Umweg zu seiner Arbeit macht, um von ihr sein Bento zu kaufen. Über Yasuko erfährt der Leser schon recht früh deutlich mehr. Sie war zweimal verheiratet, hat eine Tochter und hat lange Zeit als Bardame gearbeitet, um sich und ihr Kind ernähren zu können. Inzwischen arbeitet sie als Verkäuferin und scheint sehr zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Zu ihrem Nachbarn Ishigami hat sie keinen weiteren Kontakt, wenn man von höflichen Grüßen im Treppenhaus absieht.

So stellt man sich als Leser nicht nur von Anfang an die Frage, wie genau Ishigami die Leiche beseitigt hat, sondern auch wie es mit diesen beiden ungleichen Menschen weitergehen wird. Man fragt sich, ob sie trotz des Mordes ihr Leben normal weiterführen können oder ob die Tat und die folgenden Ermittlungen nicht eine einschneidende Veränderung hervorrufen müssen. Auf der „gegnerischen“ Seite steht die Polizei und mit ihnen der Physikprofessor Yukawa. Er ist ein ehemaliger Kommilitone von Ishigami und freut sich anfangs vor allem über das unverhoffte Wiedersehen mit dem alten Freund.

Es gibt zu keiner Zeit in diesem Roman große Dramen. Alle wird ganz ruhig und leise erzählt und all die kleinen Szenen, haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte nicht aus der Hand legen wollte. So spannend ich die Frage fand, ob Ishigamis Einmischungen in den Mord aufgedeckt wurden und ob der Mathematiker bei seinen Plänen einen Fehler gemacht hat, so sehr haben mich auch die Momente gefesselt, in denen Yasuko und ihre Tochter versuchen ihr Leben ganz normal weiterzuführen und in denen sie darüber nachdenken, wie weit sie nun ihrem Nachbarn verpflichtet sind. Ich mochte es, wie Keigo Higashino mit kleinen Bemerkungen seinen Figuren Konturen verlieh. Es gibt keine ausführliche Innensicht, alles wird sehr fein und dezent beschrieben, was dafür sorgt, dass man sich selber seine Gedanken über die Charaktere machen muss – und das macht es für mich umso reizvoller. Und während mich sonst häufig die Details einer Auflösung enttäuschen, empfand ich das Ende dieser Geschichte – trotz einer kleinen unnötigen Wendung – als sehr eindringlich.