Schlagwort: Leseeindrücke

Leseeindrücke im Januar

Im Januar habe ich den dritten Mumins-Band gelesen und die Zeit, die ich im Mumin-Tal verbracht habe, wieder sehr genossen. Trotzdem fand ich „Die Mumins – Eine drollige Gesellschaft“ von Tove Jansson nicht ganz so schön wie die ersten beiden Teile. Erst einmal wird in dem Buch nicht eine durchgehende Geschichte erzählt, sondern verschiedene Episoden, die damit beginnen, dass Mumin und seine Freunde den Zylinder eines Zauberers finden und sich dann über mehrere Monate ziehen, und dann gibt es immer wieder Fußnoten, in denen der Leser aufgefordert wird, seine Mutter wegen diesem oder jenem Detail zu fragen. Das hat mich wirklich gestört – mir hätte es besser gefallen, wenn die Autorin diese Sachen einfach offen gelassen hätte. Trotzdem war es schön Mumin und all die anderen Bewohner des Mumin-Tals wiederzusehen und mit ihnen kleine und große Abenteuer zu erleben. 
***
Da ich ja meinen englischen SuB abbauen will, habe ich mir für Januar die Harry-Dresden-Romane von Jim Butcher vorgenommen, die ich zum Geburtstag und zu Weihnachten bekommen habe. Ich bin sehr froh, dass ich gerade diese drei Bücher „am Stück“ lesen konnte, denn in „Changes“, „Ghost Story“ und „Cold Days“ geschehen einige wirklich gravierende Dinge, die Harrys Welt ganz schön auf den Kopf stellen. Ich will nicht spoilern, kann aber verraten, dass mich „Changes“ beim Lesen richtig fertig gemacht hat. So eine schreckliche Geschichte, ich habe ständig geweint, weil Harry immer wieder Dinge erfuhr, die ihn verletzten, oder Entscheidungen treffen musste, vor die kein Mensch (nicht mal eine Romanfigur 😉 ) je gestellt werden sollte. Trotzdem fand ich die Handlungsentwicklung genau so richtig und schlüssig und bin der Meinung, dass es gut ist, dass einige Handlungsstränge durch diesen Band beendet wurden.

„Ghost Story“ war im Vergleich zu „Changes“ eine überraschend emotionslose Geschichte. So einige Szenen fand ich sehr lustig, doch vor allem habe ich mich die ganze Zeit gefragt, worauf der Autor nun hinaus wollte und wie er die Kurve wieder kriegen will, um weitere Harry-Dresden-Geschichten zu erzählen. Eindeutig ein Roman, den ich mehr mit dem Kopf als mit dem Bauch gelesen habe (was ich von dieser Serie eigentlich nicht gewohnt bin), aber das war nach der emotionalen Achterbahn des vorhergehenden Bandes auch sehr erholsam. „Cold Days“ hingegen bedeutet in gewisser Weise einen Neuanfang für Harry Dresden. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob das auch beinhaltet, dass man sich von den vertrauten (Neben-)Figuren trennen muss, aber natürlich hat sich das schnell geklärt und es gab ein Wiedersehen mit Harrys Freunden (und Feinden). Im März kommt der nächste Band der Reihe als Taschenbuch raus – bis dahin genieße ich erst einmal die Tatsache, dass ich ausnahmsweise bei Harry Dresden auf dem aktuellen Stand bin. 😉

***

„Das Ende des Bengalischen Tigers“ von Yoko Ogawa habe ich bei Hermia entdeckt, als sie darüber schrieb, dass sie das Buch gern bald lesen würde. Die Inhaltsangabe klang interessant und da ich gern (für mich) neue japanische Autoren entdecke, habe ich das Buch in der Bibliothek vorgemerkt und erstaunlich schnell auch ausleihen können. Nach dem Lesen der elf Geschichten (deren Protagonisten alle in gewisser Weise miteinander verbunden sind) kann ich allerdings nicht so recht sagen, ob mir dieser Band gefallen hat. Manche Erzählungen fand ich faszinierend, manche Beschreibungen fand ich wunderschön und poetisch, andere Geschichten haben mich vor allem verwirrt oder abgestoßen zurückgelassen – und ich finde es sehr schade, dass drei Tage nach dem Lesen vor allem letztere in mir nachklingen. Ich hätte das Buch lieber mit den schönen oder skurrilen Momenten in Erinnerung behalten und weniger mit den Szenen, die mir – auf die eine oder andere Weise – zu viel waren. Im Moment kann ich noch nicht sagen, ob ich irgendwann einmal einem der Romane der Autorin eine Chance gebe oder ob ich es bei dieser Sammlung von Kurzgeschichten belasse.

***

Da ich nach dem Lesen von „Das Ende des Bengalischen Tigers“ ein neues Zwischendurch- und Wartebuch benötigte, habe ich dann „Todeszeichen“ von Saskia Berwein angefangen. Den Roman hatte ich im November bei Irina entdeckt und vor ein paar Tagen aus der Bibliothek nach Hause schleppen können. Die Anfangsszene fand ich nicht so schlimm wie Irina und insgesamt habe ich mich mit dem Buch gut unterhalten gefühlt. Es ist kein Krimi, bei dem man groß mitermitteln kann, stattdessen verfolgt man die Arbeit der Polizistin Jennifer Leitner (und des sie begleitenden neuen Staatsanwalts Oliver Grohmann) und die Perspektive einer jungen Frau, deren Mutter von einem Serienmörder umgebracht wurde. Insgesamt eine angenehm unaufgeregte Erzählweise, flüssig geschrieben und – trotz des problematischen Privatlebens der Beteiligten – relativ dramafrei. Keine Reihe, die ich mir kaufen würde, dafür haben mich weder die Figuren, noch die Handlung genügend berührt, aber wenn die Bibliothek mehr als den ersten Band im Bestand hätte, würde ich die Fortsetzungen auch noch ausleihen und lesen. 

Leseeindrücke im November

„Fischland-Mord“ von Corinna Kastner war mal wieder eine dieser Spontan-Ausleihen in der Bibliothek. Ein Teil von mir scheint immer noch nach neuen und unterhaltsamen Krimiautoren Ausschau zu halten, denn an ungewöhnlichen Kriminalromanen kann ich zur Zeit nicht vorbeigehen. „Fischland-Mord“ spielt rund um Wustrow an der Ostsee und gehört zu der Sorte Regionalkrimis, die ich mag. Die Hauptfigur Kassandra Voß hat vor einem Jahr ein altes Kapitänshaus in Wustrow gekauft und eine kleine Pension daraus gemacht. Nun findet sie eines Morgens einen ihrer Gäste ertrunken in seinem Bett liegend, dass der Tote ermordet wurde, steht selbst für Kassandra schnell fest und als die Polizei dann auch noch sie zu den Verdächtigen zählt, beginnt sie gemeinsam mit ihrem Nachbarn Jonas und seinem Freund Paul zu ermitteln.

Ich habe mich mit dem Buch wirklich gut unterhalten gefühlt. Der Fall an sich war zwar etwas überkonstruiert, aber nicht so absurd, dass ich nicht hätte weiterlesen mögen. Die Figuren fand ich großteils sympathisch (wenn auch ein paar Nebenfiguren etwas überzogen waren) und die Rolle, die das Fischland in diesem Roman spielt, hat mir auch gefallen. Corinna Kastner lässt Kassandra immer wieder am Meer spazieren gehen oder darüber nachdenken, wie wohl sie sich auf diesem Stückchen Land zwischen Ostsee und Bodden fühlt, ohne dass ich das Gefühl hatte, das wäre jetzt künstlich aufgepropft worden, um für „Lokalkolorit“ zu sorgen. Ich bin jetzt nicht so hingerissen, dass ich mir sofort die Fortsetzung kaufen würde, aber ich würde mich freuen, wenn sie mir in der Bibliothek in die Finger fallen würde. Mit „Fischland-Mord“ habe ich einen angenehmen und entspannten Nachmittag verbracht – und manchmal ist genau das alles, was ich von einem Buch erhoffe.

***

„Niemand ist ohne Schuld“ und „Zurück von den Toten“ (Band 3 und 4 der Dark-Village-Reihe) von Kjetil Johnsen haben mich ebenfalls gut unterhalten. Die Handlung ist zwar stellenweise vorhersehbar und entwickelt sich in immer absurdere und unglaubwürdigere Richtungen, aber bei dieser Serie kann ich damit gut leben. Die kurzen Kapitel, die kleinen Informationshäppchen und die verschiedenen Figuren halten mich so weit bei der Stange, dass ich mich beim Lesen wunderbar amüsiere. Inzwischen haben wir vier Tote, eine kriminelle Organisation, eine „Undercover Bösewichtin“, mehrere Mörder und natürlich einige verwirrte Teenager, die nicht so recht wissen, wie sie mit all den Vorfällen umgehen sollen. In der Regel schnappe ich mir den frisch ausgeliehenen Band am selben Tag, an dem ich ihn in der Bibliothek mitnehmen konnte, und gönne mir damit ein paar intensive Lesestunden. „Dark Village“ ist zwar keine Reihe, die ich mir kaufen würde, aber ich genieße die Bücher gerade wirklich und freu mich schon auf all die (vermutlich ziemlich überzogenen) Wendungen, die mich im Abschlussband erwarten. 
***
„Smoke and Mirrors“ von Tanya Huff ist der zweite Teil der Serie rund um Tony Foster und hat mich ebenso amüsiert wie schon „Smoke and Shadows“. Nachdem sich Tony im ersten Band mit Schattenwesen herumschlagen musste, die durch ein Dimensionstor das Filmgelände, auf dem er arbeitet, erobern wollten, darf er sich nun mit einem Haus voller Geister beschäftigen. Dass er dabei auch noch auf das Filmteam aufpassen muss, das in dem Haus gerade eine weitere Folge einer bekannten Vampir-Serie drehen will, macht die Aufgabe nicht leichter für ihn. Ich mag es immer wieder, wie Tanya Huff klischeebelastete Elemente in ihren Romanen aufgreift und so verwendet, dass ich mich beim Lesern wunderbar amüsieren kann. Ich mag den Humor der Autorin, ich mag ihre Art ein Geisterhaus zu beschreiben und ich mag die Art und Weise wie ihre Figuren miteinander agieren. So langsam landet Tanya Huff wirklich auf der Liste der Autoren, von denen ich mir jeden verfügbaren Titel besorge. 🙂

***

„Mädchenhimmel!“ von Lili Grün war eine Leihgabe von Hermia, die auch eine sehr passende und informative Rezension zu dem Titel geschrieben hat. Ich fand die Gedichte und kurzen Geschichten von Lili Grün wunderbar zu lesen und in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell und treffend. Eigentlich könnte ich hier Hermias Rezension hinkopieren, denn sie hat meine Meinung zu dem Buch sehr schön zusammengefasst. 🙂 Gäbe es nicht einen kleinen Punkt, dann würde ich mir diesen Titel sofort auf die Wunschliste setzen. Aber ich muss zugeben, dass ich das Preis-/Leistungsverhältnis nicht so ganz angemessen finde, auch wenn ich verstehen kann, dass ein kleiner Verlag so einen Band nun einmal nicht zum Spottpreis auf den Markt werfen kann. Auch fand ich den Teil mit den Anmerkungen zum Großteil überflüssig, aber das kann an mir liegen, da ich durch mein Quer-durch-alle-Genres-Lesen kein Problem mit etwas altmodischen (oder österreichischen) Begriffen habe. Alles in allem bin ich Hermia sehr dankbar, weil sie mir das Buch geliehen und so sehr schöne Momente mit den Gedichten und Geschichten von Lili Grün bereitet hat.

***

„Teatime mit Tante Alwine“ von Ellen Jacobi wird vermutlich meine Mutter zu Weihnachten bekommen und war genau das richtige Buch, als ich vor kurzem wegen Bauchschmerzen eine schlaflose Nacht verbracht habe. Locker, flockig erzählt, nicht besonders anspruchsvoll, aber eine nette Geschichte mit dem einen oder anderen amüsanten (wenn auch arg übertriebenen) Moment. Ich mochte die kleinen „Backszenen“ – mit manchen Themen kann man mich eben immer locken – und die energischen und dickköpfigen Damen, die in der Handlung vorkommen. Es hat mich jetzt nicht so begeistert, dass ich noch mehr von der Autorin lesen müsste, aber die Geschichte bot entspannende Ablenkung und ließ sich auch übermüdet gut lesen. 

Lese- und Höreindrücke im Oktober

„Mord im Park“ von Cynthia Harrod-Eagles hatte ich aus der Bibliothek mitgenommen, weil ich auf der Suche nach einem Autor/einer Autorin war, die ich noch nicht kannte und die ich ausprobieren könnte. Ich hatte nicht weiter auf den Klappentext geachtet, nur geschaut, ob es auch wirklich ein Krimi sei, denn darauf hatte ich Lust. Erst nach dem Lesen des Romans habe ich mich etwas über die Autorin und ihre Bill-Slider-Reihe informiert und dabei festgestellt, dass ich den zehnten Roman um diesen Polizisten und den dritten ins Deutsche übersetzten Band gelesen habe. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, ich hätte was vermisst oder mir würde Vorwissen fehlen, aber ich vermute, dass mir das Buch mehr Spaß gemacht hätte, wenn mir die Figuren vertrauter gewesen wären.

So ging es mir stellenweise zu viel um das Privatleben der verschiedenen Ermittler, obwohl mir diese Figuren relativ egal waren. Das Opfer hingegen fand ich anfangs sehr interessant, weil es mindestens ein Geheimnis in ihrem Leben zu geben schien. Je mehr man als Leser allerdings über Charlotte „Chattie“ Cornfield erfährt, desto mehr ging mir die Neugier auf die Frau verloren. Und obwohl mir die ruhigen und angenehm objektiven Ermittlungen (es gibt nie nur eine Theorie zum Mord und die Verdächtigen lagen nicht so auf der Hand) zugesagt haben, zog sich die Handlung in der Mitte für meinen Geschmack zu sehr hin.

***

Ich bin froh, dass ich es noch geschafft habe „The Cuckoo’s Calling“ von Robert Galbraith (J.K. Rowling) vor dem Ablaufen der Ausleihfrist zu beenden. Auch wenn ich eigentlich in den letzten Wochen viel zu unkonzentriert für diese Art von Kriminalroman war und sich die Geschichte so für mich über mehr als zwei Wochenenden zog. „The Cuckoo’s Calling“ lässt mich nun nicht in solche Begeisterungstürme ausbrechen wie Mila, deren ungewöhnliche Rezension mich überhaupt erst zum Lesen veranlasst hat, aber ich habe den solide geschriebenen Kriminalroman wirklich genossen. Genau genommen habe ich kaum etwas gefunden, worüber ich mich hätte aufregen können und das ist inzwischen wirklich eine Seltenheit, wenn ich Kriminalromane lese. 😉

J.K. Rolling hat es geschafft mit „The Cuckoo’s Calling“ einen interessanten Fall mit überraschend realistisch wirkenden Figuren und einem sympathischen Protagonisten zu erzählen. Ich mochte ihren Umgang mit den verschiedenen Charakteren wirklich, niemand ist einfach nur gut oder böse, sie alle haben ihre Ecken und Kanten und selbst mit der unsympathischten Figuren gibt es Momente, die sie menschlicher wirken lassen. Die Handlung selbst wird sehr ruhig erzählt. Der Detektiv Cormoran Strike nähert sich dem vermeintlichen Selbstmord des Models Lula sehr systematisch und interviewt einen Zeugen nach dem anderen. So bekommt man das Opfer, ihren letzten Tag und ihr Umfeld aus den verschiedenen Perspektiven beschrieben und kann sich seine eigenen Gedanken zu den Motiven der Charaktere und zu ihrem Verhältnis zu Lula machen. Wenn es eine Fortsetzung mit Cormoran gibt, dann werde ich sie auf jeden Fall auch lesen!

***

Nachdem ich vor einiger Zeit schon „Schwarze Piste“ von Andreas Föhr gehört hatte, hat mir Natira auch noch „Der Prinzessinnenmörder“ den ersten Teil der Reihe als Hörbuch geliehen. Wie schon bei „Schwarze Piste“ habe ich mich von der Geschichte gut unterhalten gefühlt. Der Kriminalfall war jetzt nicht gerade komplex gestaltet, aber er bot den passenden Rahmen für die beiden gegensätzlichen Protagonisten Leonhard Kreuthner und Clemens Wallner. Ich fand es hier einfacher in die Handlung reinzufinden als bei „Schwarze Piste“, auch weil es der erste Band der Reihe ist und so die Figuren doch etwas mehr eingeführt werden. Dazu hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte einen höheren Wallner-Anteil hatte – und der ernsthaftere Charaktere liegt mir doch etwas mehr als der urigere Kreuthner. Außerdem bin ich froh, dass Opa Manfreds Besessenheit bezüglich Sex (seinem und dem seines Neffen Clemens) sich im Laufe der Reihe gegeben hat, denn das fand ich bei „Der Prinzessinnenmörder“ doch arg häufig erwähnt. Insgesamt keine Serie, die ich aktiv verfolgen würde, aber als Hörbuch sind die einzelnen Fälle doch ganz unterhaltsam. Den Sprecher Michael Schwarzmaier finde ich ebenfalls nicht schlecht, allerdings könnte er für meinen Geschmack ruhig die Dialekte sein lassen – auch wenn die vermutlich vom Autor in die Geschichte geschrieben wurden. 😉

Leseeindrücke im August und September

Über „Flesh which is not flesh“ von Jessica Verday bin ich bei Darkstar gestolpert. Ich hatte zwar 2011 davon gehört, dass eine Autorin ihre Geschichte für eine Anthologie lieber zurückgezogen hat, statt die Protagonisten – wie von den Herausgebern gefordert – in ein heterosexuelles Liebespaar umzuschreiben, hatte mir aber nicht den Namen der Autorin gemerkt. Durch Darkstars Beitrag hatte ich Lust die Geschichte einmal zu lesen und muss zugeben, dass ich nun neugierig auf weitere Werke der Autorin geworden bin. Durch die Inhaltsangabe weiß man schon lange vor Cam (Cameron), was seinem Liebsten vor einem Jahr zugestoßen ist, aber das ist nicht schlimm, da es eher darum geht Cams Weg in die Handlung mitzuerleben. Mir hat es sehr gut gefallen wie Jessica Verday mit der düsteren Seite der Feengeschichten umgeht und welche Lösung Cam am Ende findet, um Wesley aus der Gewalt der „Königin der Herzen“ zu befreien.

***

Nancy Atherton und ihre „Tante Dimity“-Bücher hatte ich vor zwei Jahren für mich entdeckt. Die Romane waren zügig und nett zu lesen, aber nicht gut genug, um ernsthaft über eine Anschaffung nachzudenken. Und je mehr der Titel ich in der Bibliothek in die Hände bekam, desto unzufriedener wurde ich mit dieser Reihe. Trotzdem habe ich in der letzten Woche „Tante Dimity und die Dorfhexe“ ausgeliehen, weil ich antesten wollte, ob ich nach gut zwei Jahren „Abstinenz“ diese Serie mal wieder lesen mag. Wieder hat sich der Roman schnell lesen lassen und es fiel mir schwer ihn aus der Hand zu legen – er hatte diesen „nur noch ein Kapitel“-Effekt auf mich -, trotzdem fehlte mir bei der Geschichte etwas. Die Handlung wimmelte von sympathischen Figuren, die in einem idyllischen Dorf leben und die eine hübsche Entdeckung über ihre Ortsgeschichte machen. Es hat zwei Tage gedauert, bis ich dahinter kam, was für mich das Problem an diesen Büchern ist: Ich kann die Hauptfigur nicht leiden!

Lori Shepard soll sympathisch sein, sie hat einen großen Freundeskreis, einen netten Ehemann, zwei Kinder, die kaum eine Rolle spielen, und mischt sich ständig in das Leben aller Menschen in ihrem Umkreis ein. Dabei soll Lori charmant sein mit ihren voreiligen Schlüssen und dem Wissen darum, dass sie unheilbar neugierig ist – immerhin ist sie dabei ja auch immer hilfsbereit und verurteilt die Leute nicht für ein eventuell ungewöhnliches Leben … oder so … Ich persönlich habe das Gefühl, dass Lori mit jedem Buch dümmer und unverschämter wurden und niemand setzt ihr je Grenzen. Stattdessen sind alle so nett und verständnisvoll, weil Lori es ja immer gut meint. Bei aller Entspannung, die die Bücher bringen, das war es wohl mit mir und Tante Dimity.

***

„Photographs and Phantoms“ von Cindy Spencer Pape – eine 64seitige Kurzgeschichte zu der Gaslight-Chronicles-Reihe der Autorin. Davon hatte ich den ersten Band vor einiger Zeit gelesen und mich über ein paar Wissensplitter gefreut, die mir die Geschichte gebracht hat. Allerdings war ich nicht ganz so glücklich mit der Liebesgeschichte in dem Roman und das hat sich auch bei „Photographs and Phantoms“ fortgesetzt. Eigentlich finde ich die Welt, die die Autorin entwickelt hat, wirklich toll. Magie und Mechanik arbeiten nebeneinander (und manchmal zusammen), der Orden bekämpft Verbrechen, die durch Magie begangen wurden, und all die technischen Entwicklungen der Zeit sorgen für eine Aufbruchsstimmung. Auch die Charaktere finde ich sympathisch. Wenn sie nicht ihrer Zeit entsprechend agieren, dann gibt es dafür in der Regel eine gute Erklärung, und sie haben häufig genug Ecken und Kanten, um sich beim Lesen realistisch anzufühlen. Die Liebesgeschichte hingegen, die sich unweigerlich zwischen der männlichen und der weiblichen Hauptfigur entspinnt, geht mir zu schnell, ist mir zu oberflächlich und endet innerhalb weniger Tage in einer Hochzeit, selbst wenn gesellschaftliche Regeln oder seit Jahren gepflegte Vorsätze dagegen sprechen. Das ärgert mich, weil ich das Gefühl habe, dass die Autorin so viel mehr aus ihrer Welt machen könnte.

Leseeindrücke im Juni und Juli (2)

„Später Frost“ von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson war mir in diesem Beitrag ins Auge gefallen. Ich habe ja oft genug mein Problem mit skandinavischen Krimis, aber das hier klang gut genug, um mal einen Versuch zu wagen. Am Ende kann ich sagen, dass sich der Roman für mich gelohnt hat, dass man aber meiner Meinung nach auch etwas Durchhaltevermögen dafür benötigt. Am Anfang fühlte ich mich total erschlagen von der Masse an neuen Personen, von individuellen Befindlichkeiten und einem schrecklichen Mordschauplatz, der nicht gerade viele Hinweise auf den Täter liefert.

Dafür fand ich Ingrid Nyström, die zu Beginn des Buches zur Hauptkommissarin befördert wird, sehr sympathisch und stimmig. Eine angenehm normale Polizistin, deren drei Kinder aus dem Haus und zum Teil verheiratet sind, und deren Mann Verständnis für ihren Beruf hat. Auch innerhalb des Teams herrscht grundsätzlich – trotz der einen oder anderen Stichelei – ein angenehmer und respektvolles Miteinander, was gut zu lesen war. Einzig mit der zweiten Protagonistin, Stina Forss, hatte ich ein paar Probleme, weil ich viele ihrer Handlungen überzogen und unverständlich fand – was sich aber gegen Ende der Geschichte nicht schön, aber doch stimmig klärt.

Der Fall an sich war leider überfrachtet und arg konstruiert, aber letztendlich nicht uninteressant. Insgesamt denke ich, dass ich dem zweiten Krimi rund um Ingrid Nyström und Stina Forss eine Chance geben werde, um zu schauen, ob die beiden Autoren die Reihe genauso weiterschreiben wie mit dem Debütroman begonnen oder ob es da noch Entwicklungen geben wird, die den nächsten Band für mich besser oder schlimmer machen. Beides ist möglich, obwohl ich am Ende – trotz all meiner Kritikpunkte – erst einmal damit zufrieden war, wie sich „Später Frost“ entwickelt hatte.

***

Auf Frances Hardinge und ihren Roman „Die Herrin der Worte“ bin ich über Birthe gestoßen, die einen anderen Titel der Autorin rezensiert hatte. So nett ich den Anfang fand, als ich ihn vor ein paar Wochen angelesen hatte, so war mir auch klar, dass ich für das Buch aufgrund der Sprache etwas mehr Aufmerksamkeit benötige als für ein „normales“ Kinder- und Jugendbuch. Letztendlich habe ich den Roman aber dann doch erst in den zwei Tagen vor Ablauf der Leihfrist gelesen – und muss gestehen, dass diese intensive Auseinandersetzung mit der Erzählweise, den Figuren und der Geschichte gar nicht so schlecht war.

Frances Hardinge hat wirklich eine ungewöhnliche und sehr schöne Art mit Sprache und Wörtern umzugehen, die gerade bei einem Roman, in dem es um die Schönheit und Macht vonWörtern, um Gefühle weckende Geschichten und um verbotene Schriften geht, sehr gut zur Geltung kommt. Einzig die Ergüsse der Figur des Wortmeister Clent waren mir manchmal etwas zu viel, da er – seinem Charakter entsprechend – sehr lang, blumig und fantasiereich spricht, wenn man ihn zu Wort kommen lässt. Mosca hingegen, die zwölfjährige Hauptfigur, hat mir sehr gut gefallen. Sie ist in vieler Hinsicht naiv und unerfahren, aber sie hat einen eigenständigen und starken Verstand und entwickelt sich im Laufe der Geschichte sehr schön weiter. Die Handlung an sich hat mich in vielen Teilen an die Westmark-Trilogie von Lloyd Alexander erinnert, die ich seit Jahren immer wieder gern lese.

***

„Rotwild“ von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson habe ich nur wenige Tage nach dem oben erwähnten Titel „Später Frost“ gelesen. Auch beim zweiten Band des Autorenteams rund um die beiden Polizistinnen Ingrid Nyström und Stina Forss konnten mich ein Großteil der Charaktere und ihr Umgang miteinander überzeugen. Der Fall hingegen war mir auch dieses Mal wieder viel zu konstruiert. Zwar habe ich bei beiden Romanen etwas über deutsche und schwedische Geschichte gelernt, was mir so zuvor nicht bewusst war (mehr möchte ich nicht ins Detail gehen, weil ich dann die Auflösung des jeweiligen Falls verraten müsste), aber das reicht mir nicht, wenn der Kriminalfall an sich mich nicht überzeugen kann. Auch empfinde ich Stina Forss als Störfaktor in der Geschichte, auch wenn sie aufgrund ihrer Verbindungen und etwas radikaleren Art hier und da an Informationen herankommt, die ihre Kollegen so nicht bekommen hätten. Ich muss zugeben, dass die Romane nicht ohne Reiz sind, aber ich glaube nicht, dass ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Lese- und Höreindrücke im Mai

„Schwarze Piste“ von Andreas Föhr war (mal wieder) eine Leihgabe, damit ich mir damit die Zeit beim Tapetenkratzen und der Gartenarbeit vertreiben kann. Die erste CD war für mich etwas schwierig, erst einmal konnte ich mit einem Großteil der Leute nichts anfangen, weil ich die Reihe noch nicht kannte, und dann war mir eine der Hauptpersonen nicht auf Anhieb sympathisch (das hat sich zum Glück im Laufe der Zeit gelegt), dazu kamen noch einige Orts- und Zeitsprünge in der Handlung, was noch mehr dafür sorgte, dass ich mich erst einmal auf das Ganze einlassen musste.

Insgesamt war die Geschichte rund um die drei ungewöhnlichen Todesfälle in der Nähe der schwarzen Piste, um einen Gnadenhof, ehemalige linke Ideale und die kleine Polizeitruppe aber sehr unterhaltsam zu hören. Ich war jetzt nicht so gespannt auf die Auflösung, dass ich dafür jetzt meine Arbeitsrunden verlängert hätte, habe aber so einige amüsante Momente mit dem Hörbuch gehabt und am Ende tat mir prompt die Person, mit der ich mich anfangs so schwer tat, schon fast ein wenig leid. Ganz einfach hatte er es in diesem Krimi auf jeden Fall nicht …

Eine der schlimmsten Auswirkungen von Hörbüchern, in denen Dialekt gesprochen wird, ist übrigens, dass ich anfange in gefaktem Dialekt Kommentare zur gehörten Geschichte abzugeben. Das finde ich wirklich schrecklich, denn mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht gerade talentiert bin, wenn es darum geht einen Dialekt nachzuahmen – abstellen kann ich es aber irgendwie auch nicht … *seufz*

***

„Bluteid“, „Blutdämon“, „Blutsband“ und „Blutschwur“ von Kim Harrison – wie man sieht, habe ich mich doch endlich meiner Rachel-Morgan-Romane vom SuB angenommen und die insgesamt 2800 Seiten in einem Zug gelesen. Jetzt bin ich endlich bei dieser Reihe auf dem aktuellen Stand und kann gemütlich darauf warten, dass im Herbst der nächste Band auf Deutsch erscheint. Zum Inhalt möchte ich bei Band 8-11 nichts sagen, das würde diejenigen spoilern, die die Reihe noch nicht kennen. Aber insgesamt gefällt mir die Serie auch Jahre nach dem Lesen des ersten Bandes immer noch wirklich gut. Ich mag Rachel und ich mag die Charaktere, die fest in der Reihe installiert sind. Kim Harrison gelingt es nicht nur die Hexe mit ihren Stärken und Schwächen überzeugend darzustellen, sondern auch die Beziehungen zu den anderen Figuren. Niemand ist einfach nur mit Rachel befreundet, es gibt so viele Unterströmungen, so viele Aspekte, die zu beachten sind (zum Beispiel beim Zusammenleben von Rachel und ihrer vampirischen Freundin Ivy oder zwischen Rachel und ihrem Gegner/Kindheitsfreund Trend) und keiner von ihnen ist einfach gut oder böse. Sehr schön finde ich auch die Entwicklung der Geschichte, die immer komplexer wird und immer wieder die Frage stellt, wie weit man gehen darf, um jemanden zu beschützen oder etwas „Gutes“ zu tun.

Diese Reihe ist keine, bei der man mal eben einen Band zwischendrin lesen kann, hier kann jede einzelne Handlung Folgen für die Zukunft beinhalten – und oft genug sind es Sachen, die eben erst nach einiger Zeit zum Vorschein kommen. So gab es in Band 8 ein Wiedersehen mit einer Nebenfigur aus Band 1 – und so klein die Szene mit dieser Person war, so entscheidend war ihre Reaktion auf Rachel und ihre Erinnerung an das erste Zusammentreffen für Rachels Wohlergehen. Die Handlung wird recht rasant (und actionreich) erzählt und auch wenn man am Ende eines Teils erst einmal das Gefühl hat, dass Rachel es wieder geschafft hat sich irgendwie aus den aktuellen Schwierigkeiten rauszuwinden, so steht doch spätestens zu Beginn des nächsten Romans fest, dass ihre Taten sie letztendlich nur tiefer reingeritten haben. Ich mag dieses stete Spiel mit der Gefahr und dass Rachel stets gezwungen wird sich für das geringere Übel zu entscheiden, nur um dann festzustellen, dass man ihr daraus wieder einen Strick drehen kann. Wie schon bei den vorhergehenden Teilen habe ich mitgefiebert, gelacht, geflucht und ein paar Tränen vergossen (unter anderem, weil einer meiner Lieblingsnebencharakter starb).

@Melli: Wenn du das liest, dann greif dir endlich den ersten Rachel-Morgan-Band und fang die Reihe an! 😉

Lese- und Höreindrücke im März und April

„Dylan and Gray“ von Katie Kacvinsky gehört zu den Büchern, über die viele Blogger begeistert geschrieben haben und die mich trotzdem nicht wirklich interessierten. Aufmerksam wurde ich dann doch irgendwann über Irina, die von dem Roman hingerissen war (wie man HIER nachlesen kann) – und ihn mir inzwischen geliehen hat. Ich wäre übrigens neugierig, ob sie das Buch immer noch in so guter Erinnerung hat. 😉 Ich persönlich bin nach dem Lesen nicht ganz so enthusiastisch wie Irina, obwohl mir die Geschichte wirklich sehr gut gefallen hat. Es ist eindeutig ein Wohlfühlbuch mit tollen Charakteren, stimmigen Problemen und Reaktionen, schönen Dialogen und tollen Schauplätzen. Obwohl ich kein Mensch für heiße Temperaturen bin, habe ich die Beschreibungen der Wüste und der diversen größeren und kleineren Naturmomente genossen. Im Gegensatz zu Irina, mochte ich auch Dylan, die ich weniger als egoistisch empfunden habe als als jemanden, der manchmal sehr klug und manchmal sehr jung ist. Und mir gefällt das Ende, gerade weil es kein klassisches Happy End beschreibt, sondern eine Zwischenstation, aus der sich eigentlich alles entwickeln kann …

***

„Lady meines Herzens“ von Maya Rodale war eine weitere Leihgabe von Irina und ist der erste Teil einer Serie, die sich um vier Freundinnen dreht, die ihren Unterhalt damit verdienen, dass sie skandalöserweise für eine Zeitung schreiben. Die Hauptfigur dieses Romans ist Sophia, eine junge Frau aus dem eher niedrigen Landadel, die zu Beginn der Geschichte von ihrem Verlobten auf dem Weg zum Altar (wortwörtlich) verlassen wurde. Um über diesen Skandal hinwegzukommen zieht sie zu einer Freundin nach London und arbeitet als Hochzeitsberichterstatterin für die „London Weekley“, obwohl sie es fast unerträglich findet Hochzeiten zu besuchen. Während einer Artikelreihe über DIE Hochzeit des Jahres verliebt sich Sophia in den Bräutigam, der ebenfalls Gefühle für sie entwickelt.

Ganz ehrlich, ich fand die Gründe des Herren, warum er seine Verlobung nicht auflösen kann, ziemlich an den Haaren herbeigezogen, und dass am Ende seine Mutter in die Geschichte eingreifen muss, möchte ich gar nicht weiter kommentieren. Aber trotzdem wimmelt dieses Buch von liebenswerten Charakteren, hübschen Dialogen und unterhaltsamen Szenen. So habe ich den Roman in einer Nacht (genaugenommen ungefähr 3 Stunden) durchgelesen, weil die Geschichte so nett war und die kurzen Kapitel dazu verlockten nur noch eben ein bisschen weiter zu lesen. Nett fand ich auch, dass jeder Kapitelanfang einen Countdown bis zur geplanten Hochzeit beinhaltete. Das Ganze war also weder neu, noch komplett überzeugend, aber so niedlich und amüsant, dass ich sie wirklich gern gelesen habe.

***

„Morpheus“ von Jillian Hoffman war eine Leihgabe von Natira für die Hörbuch-Challenge, aber eine lange Rezension mag ich zu dem Titel nicht schreiben. Ich hatte von der Autorin schon „Cupido“ (ihren Debütroman und Vorgänger von „Morpheus“) und auch „Vater unser“ gelesen – beide hatte ich als „ganz unterhaltsam, aber mit ein paar Kritikpunkten“ abgespeichert. In „Morpheus“ kamen nun aber genau die Dinge gehäuft vor, die ich gar nicht an den Romanen mochte. Die weibliche Hauptfigur, die Staatsanwältin C.J. Townsend, hatte in „Cupido“ eine zweifelhafte Entscheidung getroffen, die nun in „Morpheus“ auf sie zurückfällt. Hatte ich in „Cupido“ diese Entscheidung noch tolerieren können, hat mich hier ihr Schweigen gegenüber der Polizei und ihren Kollegen wirklich geärgert und mit jedem Schritt schien sie sich tiefer reinzureiten. Dazu kamen noch ein vorhersehbarer Täter (ich verkneife mir mal detaillierte Beschwerden, weil ich dann spoilern würde) und die Beziehungsprobleme zwischen C.J. und ihrem Verlobten (können diese Leute nicht einfach mal miteinander reden?!) und die Geschichte hatte mich verloren. Christiane Paul als Sprecherin hat ihre Sache allerdings gut gemacht und die Figuren stimmig dargestellt, auch wenn ich die eine oder andere Betonung an ihrer Stelle vielleicht anders gewählt hätte. Aber da gab es nichts, was ich groß kritisieren könnte.

***

Noch eine Leihgabe von Natira hat es in diesem Monat auf meinen mp3-Player geschafft. „Die Saat“ von Guillermo del Toro und Chuck Hogan hätte ich mir sonst so schnell nicht angehört, obwohl ich den Sprecher David Nathan sehr mag. Die Geschichte beginnt mit einem Flugzeug, das nach der Landung in New York leblos auf der Landebahn stehen bleibt. Nach diversen Sicherheitsmaßnahmen steht fest, dass sämtliche Leute an Bord auf rätselhafte Weise verstorben sind, weshalb ein Team des Seuchenschutzes hinzugerufen wird. Da ich wusste, was für ein Genre hinter der Geschichte steckt, gab es recht wenig Überraschungen bei der Handlungsentwicklung. Der Erzählstil ging mir – gerade zu Beginn des Hörbuchs – häufig auf die Nerven, wenn das Flugzeug und seine Umgebung zu malerisch beschrieben wurden. Ich brauche da keine diversen abstrusen Vergleiche, um mir die Situation vorstellen zu können. Auch mit den meisten Charakteren konnte ich nicht so viel anfangen, da sie mir zu klischeebehaftet waren. Einzig der Schädlingsvernichter, der allerdings erst spät in der Handlung auftaucht, war mir auf Anhieb sympathisch. Trotzdem fand ich das Hörbuch unterhaltsam und habe David Nathans Stimme mit Genuss gelauscht.

***

Eine weitere Leihgabe war „Meister der Angst – Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ nach R. L. Stevenson. Das Hörspiel wurde unter anderem von Andreas Fröhlich, Patrick Bach und Frank Glaubrecht gesprochen und hat mich gut unterhalten. Die Geschichte habe ich zuletzte als Teenager gelesen und hatte nur noch grobe Erinnerungen daran, so dass ich nicht genau sagen kann, ob es an mir oder an der Hörspielversion lag, dass ich nichts vermisst habe. Die Sprecher waren insgesamt wirklich glücklich und passend zu den jeweiligen Charakteren gewählt und haben für eine atmosphärische und unterhaltsame Umsetzung der Geschichte gesorgt, auch wenn Mr. Hyde mich – dank der Tatsache, dass mich seine Stimme immer an den Film-Gollum erinnerte – eher belustigte als ängstigte.

Leseeindrücke im Februar

Über „Wie ein unsichtbares Band“ von Inés Garland bin ich bei Lettersalad gestolpert, die den Titel in ihrem Beitrag zu BuchSaitens Blogparade erwähnte. Sehr viel hatte sie nicht über den Inhalt verraten und so wusste ich bei der Ausleihe aus der Bibliothek nicht mehr als der Klappentext verrät. Mir fällt es auch schwer mehr über den Inhalt zu sagen, als dass man die Geschichte aus der Perspektive von Alma erzählt bekommt, die sich als Kind mit den Geschwistern Carmen und Marito anfreundet und später mehr für Marito empfindet als Freundschaft. Das alles wäre nicht so bemerkenswert, gäbe es nicht einen sehr großen gesellschaftlichen Unterschied zwischen Alma und ihren Freunden und würde ihre Freundschaft nicht in die Zeit der aufkommenden Militärdiktatur in Argentinien fallen. Jedes Mal, wenn ich (Jugend-)Bücher lese, die in Südamerika spielen, fällt mir auf wie eigen der Grundton dieser Geschichten ist. Dazu kommen in diesem Roman Almas Naivität und die erschütternden Ereignisse am Ende des Romans, die relativ wenig erklärt werden und gerade deshalb den Leser so lange beschäftigen.

***

„Wer Blut vergießt“ von Deborah Crombie – der 15. Roman rund um Duncan Kincaid und Gemma James, was bedeutet, dass ich diese Reihe seit zwanzig Jahren lese. Zwanzig Jahre, in denen ich die persönlichen Entwicklungen von Duncan und Gemma begleitet habe, zwanzig Jahre, in denen ich mich über die (leider nicht in jedem Jahr erscheinenden) Fortsetzungen gefreut habe. Deborah Crombie gehört für mich zu den wenigen Autoren, die ich automatisch kaufe. Wie schon alle anderen Bände zuvor bietet „Wer Blut vergießt“ einen gut geschriebenen, unterhaltsamen Kriminalroman mit realistisch wirkenden und interessanten Charakteren und wunderschöne Beschreibungen von London (und manchmal auch anderen britischen Gegenden). Ich glaube, dass man für eine solch atmosphärische und doch real wirkende Sicht auf ein Land vertraut genug mit der Region sein muss, um sich Daheim zu fühlen, und fremd genug, um noch die Besonderheiten und Details wahrnehmen zu können. Bei Deborah Crombie scheint es auf jeden Fall zu klappen. 😉 Was ich noch an ihren Geschichten mag, ist die Vielfalt an Themen. Bei anderen Autorinnen haben ich oft das Gefühl, dass sie sich irgendwann an einem Themengebiet festbeißen und dann drehen sich alle Fälle nur noch darum. Die Krimis rund um Duncan und Gemma hingegen bieten Abwechslung, was die Art des Mordes, das Motiv, die Umgebung und den Täter angeht und folgen häufig einem Hauptthema, sei es Poesie oder Musik oder der Rudersport, was mir persönlich immer wieder gut gefällt.

***

„Die Klinge von Namara“ von Kelly McCullough ist der zweite Band des Autors rund um Aral Königsmörder (Rezi zum ersten Teil könnt ihr hier finden: „Die zerborstene Klinge“). Mir hatte schon der Auftaktband sehr zugesagt, aber dieser Roman gefiel mir sogar noch besser. Aral ist immer noch Alkoholiker und muss stets der Versuchung, die die Flasche für ihn bedeutet, widerstehen, aber er ist nicht mehr diese hoffnungslose Figur, die an den Geschehnissen der Vergangenheit zerbrochen ist. Nach den Ereignissen in Band 1 weiß er, dass er immer noch der Gerechtigkeit dienen kann, auch wenn seine Göttin – und damit sein früherer Lebensinhalt – vernichtet wurde. So lässt er sich von seinem Finsterling Triss überreden zwei Frauen zu helfen, die in seiner Stammkneipe (ganz kann er es ja doch nicht sein lassen) von Elitesoldaten und ihren Steinhunden gestellt werden. Wieder bietet der Autor eine Mischung aus ein paar Actionszenen und vielen ruhigen Momenten, in denen Handlungen geplant oder in Ruhe (und mit der größtmöglichen Sicherheit) durchgeführt werden. Der Protagonist hat sich im Vergleich zum ersten Band deutlich entwickelt und ich mochte seinen immer mal wieder aufkeimenden Humor und seine weniger hoffnungslose Sicht auf sein Leben. Außerdem lässt Kelly McCullough den Leser mit „Die Klinge von Namara“ mal einen weiteren Blick auf seine Welt nehmen. Jetzt spielt nicht nur die asiatisch-angehauchte Stadt Tien eine Rolle, sondern man bekommt auch ein paar ungewöhnliche Aspekte der benachbarten Länder vorgestellt (auch wenn die eigentliche Handlung die Stadt nicht verlässt). Gerade die Idee von der Dyade, die aus einer Verschmelzung von einem magisch begabten Menschen und einem Krieger entsteht, wobei beide Körper (und Persönlichkeiten) erhalten bleiben, sich aber eine dritte übergeordnete Wesenheit bildet, die beide Ursprungspersönlichkeiten beherrschen und ihr gemeinsames Kräftepotential nutzen kann, finde ich faszinierend und sehr schön umgesetzt. Ich freu mich jetzt schon auf weitere Fortsetzungen dieser Reihe!

Oh, und da ich von der Übersetzung des ersten Bandes etwas irritiert war (siehe HIER): Auch dieser Teil wurde von Frauke Meier übersetzt und auch hier bin ich über einige Begriffe und Formulierungen gestolpert. So langsam würde ich doch gern mal das englische Original ausprobieren …

Mal wieder ein paar Leseeindrücke

Die Rezension zu „Totenhauch“ von Amanda Stevens hatte ich ja schon veröffentlicht und danach ging es bei mir in den letzten Tagen immer weiter mit den (leicht) gruseligen Geschichten.


„Chilischarfes Teufelszeug“ von Rebecca Promitzer hatte ich bei Kiyas Monatsübersicht für den August gesehen und unabhängig von meinem November-Leseplan spontan eingeschoben, nachdem ich es kurz nach der Abholung aus der Bibliothek angelesen hatte und nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die Geschichte rund um die patente Bea hat mir sehr gut gefallen. Die vom Dauerregen geplagte Stadt Elbow (deren Einwohner schon Schimmel und Schwimmhäute zwischen den Zehen bekommen), die unheimliche Leiche, die Bea mit ihrem Freund Sam zu Beginn der Sommerferien findet, das Geheimnis rund um einen unheimlichen Untermieter, die Ferienfreundschaften, die durch eine seltsame Regel der örtlichen Schule entstehen, und die vielen skurrilen, unheimlichen und witzigen Szenen haben mir wirklich Spaß gemacht. Ich hoffe, dass Rebecca Promitzer noch ein paar weitere Romane schreibt, in denen fantastische, unheimliche und unterhaltsame Elemente zu so einer unterhaltsamen Geschichte vermischt werden.

„Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe“ von Jonathan Stroud ist mir auf diversen Blogs (unter anderem ebenfalls in Kiyas Monatsübersicht für den August) begegnet und irgendwann wurde ich dann doch neugierig auf das Buch. Tja, und jetzt hätte ich dann gern eine Fortsetzung davon, denn es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht in diese geisterbevölkerte Alternativwelt einzutauchen, in der Kinder – aufgrund der Tatsache, dass sie mit ihren Sinnen noch Geister wahrnehmen können – dafür verantwortlich sind gefährliche (oder auch nur lästige) Spukgestalten zu vernichten. Sehr atmosphärisch, sehr unterhaltsam und toll gruselig. Überhaupt stehe ich gerade anscheinend auf spukige Geschichten. 😉

Auch „Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack“ von Mark Hodder brachte mich in eine fantastische und atmosphärische Parallelwelt. Der Autor hat hier eine Welt geschaffen, in der Entdecker Sir Richard Francis Burton zum geheimen Ermittler für König Albert ernannt wird. Der berühmte Forscher soll in London für den Monarchen dem Gerücht nachgehen, dass Werwölfe gesichtet wurden. Außerdem scheint der mysteriöse Spring Heeled Jack wieder sein Unwesen zu treiben und muss endlich in seinem Tun gehindert werden. Wenn ein Autor mir eine alternative Vergangenheit präsentieren will, dann muss er es schon auf einer so atmosphärische Weise tun, dass ich über eventuelle Ungereimtheiten hinwegsehen kann – und das hat Mark Hodder geschafft. Sein viktorianisches albertinisches England strotzt vor Dampfmaschinen, Luftschiffen und genetischen Experimenten, die Luft ist rußgeschwängert, die Industrialisierung zeigt sich von ihrer schlimmsten Seite und zusammen mit Burton und seinem späteren Assistenten, dem Dichter Algernon Charles Swinburne, entdeckt man die erbärmlichsten und die luxuriösten Seiten dieser Welt. Zwar lag das Geheimnis rund um Spring Heeled Jack für mich recht schnell auf der Hand, aber die Figuren, die Welt und die gesamte Handlung sind so unterhaltsam konzipiert, dass ich den zweiten Teil rund um Burton und Swinburne auf jeden Fall noch in diesem Jahr lesen werde.

Buchrausch und Leseeindrücke II

Weil der gestrige Beitrag sonst zu lang geworden wäre, geht es heute weiter mit den Leseeindrücken …

Am Samstag hatte ich dann das Gefühl, dass ich etwas Abwechslung von den Liebesromanen und Cozies bräuchte und habe zu „Ruf des Mondes“ von Patricia Briggs gegriffen. Leider hat Irina dazu keine Rezension online, also muss ich mir hier doch etwas mehr Mühe geben. 😉 „Ruf des Mondes“ ist der erste Band einer Urban-Fantasy-Reihe rund um die Automechanikerin Mercy Thompson. Doch Mercy ist nicht nur eine Mechanikerin, sondern auch eine Kojotin, d. h., sie hat die angeborene Fähigkeit, ihre Gestalt in die eines Kojoten zu wandeln. Und weil ihre Mutter, die ein ganz normaler Mensch ist, keine andere Lösung fand, ist Mercy bei einem Rudel Werwölfe aufgewachsen, von dem sie sich vor einigen Jahren getrennt hat.

Fern von allem, was sie an ihre Kindheit erinnert, hat sich Mercy ein zufriedenstellendes Leben als Besitzerin einer eigenen Werkstatt aufgebaut. Ab und an bringt sie den Anführer des örtlichen Werwolf-Rudels – der auch noch ihr direkter Nachbar ist – auf die Palme, die Schutzgeld-Zahlungen an den herrschenden Vampir-Clan arbeitet sie als Mechanikerin ab, und ansonsten versucht sie so unauffällig wie möglich zu leben. Zwar haben sich die niedrigeren Angehörigen des Feenvolks schon vor einiger Zeit der Menschheit gegenüber geoutet, aber Werwölfe, Vampire und die mächtigeren Feenvölker verbergen ihre Existenz immer noch vor der Allgemeinheit. Als dann ein junger Werwolf in Mercys Werstatt auftaucht, der keine Ahnung von den Regeln hat, die mit seinem Dasein als Werwolf verbunden sind, und als dieser dann noch von weiteren ungewöhnlichen Werwölfen und einigen soldatisch wirkenden Männern gejagt wird, beginnt für Mercy eine gefährliche Zeit.

Irgendwie beschleicht mich gerade der Eindruck, dass das hier eine richtige Rezension wird, wenn ich mich nicht zügle. 😉 Also gibt es nur noch ein kurzes Fazit: Mir hat die Geschichte wirklich Spaß gemacht! Ich mag die Fantasywelt, die Patricia Briggs da geschaffen hat, die vielen Gedanken, die sich die Autorin um das Rudelleben und die verschiedenen übernatürlichen Wesen gemacht hat, und ich fand die Handlung wirklich spannend. Und nun bin ich ein klitzekleines bisschen sauer auf Irina, weil sie der Grund dafür ist, dass ich nun eine sechsteilige Reihe auf meinen Wunschzettel setzen musste – abgesehen davon, dass die Autorin noch mehr Serien geschrieben hat, die ich mir mal angucken könnte …

Und weil ich es so genossen habe, ein Urban-Fantasy-Buch zu lesen, habe ich Samstagabend zu meiner letzten Wühltischeroberung gegriffen (warum habe ich den Roman eigentlich nicht in meine SuB-Liste eingetragen?). Angenehmerweise hat Irina „Im Namen der Engel“ von Mary Stanton schon gelesen und rezensiert und deshalb mache ich es mir wieder einfach: Solange man keinen Blick auf den Klappentext wirft, ist das ein wirklich netter und amüsanter Reihenauftakt! Mir liegt Mary Stantons Humor, ich fand die Hauptfigur Bree sympathisch und ihre Versuche, mit all den skurrilen Gestalten um sich herum umzugehen, haben mich gut unterhalten. Das Buch ist keines, das man unbedingt gelesen haben muss, und ich werde die restlichen Teile auch nicht auf meine Wunschliste setzen, aber wenn ich jemanden finden sollte, der mir die weiteren Teile leiht (unsere Bibliothek hat die natürlich nicht im Bestand), oder wenn ich wieder einen Band auf dem Wühltisch finden sollte, dann greife ich bestimmt zu.

Sonntagmittag stand ich dann vor der Frage, was ich als nächstes lesen sollte. Ich hatte zwar noch ein paar Liebes- und Urban-Fantasy-Romane in der Leihschublade, außerdem habe ich schon seit Wochen vor, „Die Straße der tausend Blüten“ zu beenden, aber so richtig gereizt hat mich das alles nicht. Schließlich ist mein Blick auf „An Artificial Night“, den dritten October-Daye-Band, gefallen und so habe ich den restlichen Sonntag und einen Teil des Montags mit diesem Roman verbracht. Da ich den noch für die English-Challenge rezensieren werde, gibt es hier keinen Leseeindruck … oder vielleicht doch einen ganz kurzen: Auch der dritte Teil hat wieder eine ganz eigene Atmosphäre, wofür ich die Reihe wirklich mag!

Insgesamt habe ich in den letzten Tagen 2624 unterhaltsame Seiten gelesen, ein Buch vom SuB und fünf Leihbücher geschafft und nun stehe ich mal wieder vor der Frage, was ich als nächstes lesen soll. Manchmal ist es nicht gerade einfach, wenn man so viel Auswahl hat. 😉