Kategorie: Rezension

Diana Wynne Jones: Black Maria

Ich habe immer noch den vierten Teil der Dalemark-Reihe vor mir, aber ich hatte nach dem ersten Anlesen festgestellt, dass ich Abstand zwischen den ersten drei Bänden und dem Abschlussband benötigen würde. Das hat dazu geführt, dass ich erst einmal keine Romane von Diana Wynne Jones gelesen habe, obwohl ich ein großes Bedürfnis danach hatte, und als mir aufging, dass diese ungewollte „Abstinenz“ doch ziemlich bescheuert ist, habe ich mir „Black Maria“ vorgenommen und sehr genossen. Die Geschichte gehört zu denen, von denen ich noch nie gehört hatte, bevor ich mir vorgenommen hatte, dass ich mir alle englischen Ausgaben der Autorin zulegen wollte. Außerdem muss ich zugeben, dass dieser Roman eher weniger für diejenigen geeignet ist, die in aktuellen Zeiten ein Wohlfühlbuch suchen, da die Atmosphäre bis kurz vor dem Ende wirklich unangenehm ist. Die Handlung wird aus der Sicht von Mig (Naomi Margaret Laker) erzählt, die nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihrer Mutter Betty und ihrem Bruder Chris über die Osterferien zu ihrer Tante Maria fährt.

Keiner der drei wollte diesen Besuch eigentlich machen, aber da Tante Maria (von den Kindern nach dem britischen Kartenspiel „Black Maria“ genannt) seit dem Tod von Migs Vater täglich telefonisch Kontakt zu der Familie suchte, hatte Betty anscheinend so viel Mitleid mit ihr, dass sie die Einladung nicht ablehnen konnte. Schnell wird klar, dass in dem Ort Cranbury-on-Sea – ebenso wie mit Tante Maria – etwas nicht stimmt, auch wenn Mig nicht auf Anhieb sagen kann, was da eigentlich so seltsam ist. Vor allem fällt ihr ins Auge, dass alle sämtliche Wünsche von Tante Maria erfüllen, obwohl Mig und ihre Mutter das eigentlich gar nicht wollen und sich immer wieder fest vornehmen, dass sie die alte Frau dazu bringen wollen, etwas selbstständiger zu werden. Auf der anderen Seite kann sich Chris (fast) so unmöglich benehmen, wie er will, und weder Tante Maria noch ihre zwölf besten Freundinnen (von Chris nur die Mrs. Urs genannt) sind bereit, sein Verhalten überhaupt wahrzunehmen. Erst nach und nach finden Mig und Chris heraus, wieso ihre Tante Maria wie eine sanft wirkende, aber grausam handelnde Bienenkönigin über den kleinen Ort an der See herrscht.

Es gibt so einige Dinge, die Mig erst deutlich später auffallen als dem Leser – zum Beispiel, was es mit der grauen Katze auf sich hat, die immer wieder in Tante Marias Garten eindringt. Aber das hat mich beim Lesen so gar nicht gestört, weil Diana Wynne Jones so eine wunderbar unheimliche Atmosphäre in ihrem Buch geschaffen hat. Von dem Moment an, in dem Mig und ihre Familie in Cranbury-on-Sea ankommen, gibt es (gefühlt) keine einzige Sekunde mehr, in der die drei nicht unbeobachtet sind. Tante Maria will bei jedem Gespräch, das in ihrem Haus geführt wird, wissen, worum es geht, und natürlich hat sie genaue Vorstellungen davon, worüber überhaupt geredet werden darf und worüber nicht. Und auch der Gang vor die Tür bietet keine Fluchtmöglichkeit, denn hinter jedem Fenster lauert eine von Tante Marias „Freundinnen“, die ihr genau berichten, was Mig und die anderen draußen unternommen haben, wen sie gesehen haben und wie sie sich verhalten haben. Diese ständige Bespitzelung führt ebenso wie die sanfte, aber unerbittliche Manipulation von Betty und Mig durch Tante Maria und die anderen Frauen zu einem wirklich unheimlichen Gefühl.

Dazu kommen die Beschreibungen rund um den Ort und seine Bewohner, die einem ein wirklich trostloses Bild von einem scheinbar idyllischen Ferienort an der See vermitteln. Es gibt so gar nichts heimeliges in dieser Geschichte und das Auftauchen eines – seltsamen – Geistes scheint fast das Hoffnungsvollste und Schönste in diesem Roman zu sein, weil diese ungewöhnliche Gestalt zumindest einen winzig kleinen Ausweg aus der ganzen Situation zu bieten scheint. Trotz all dieser trostlosen Elemente habe ich das Lesen von „Black Maria“ sehr genossen, weil Diana Wynne Jones‘ Humor all die fürchterlichen Szenen durchzieht. So stößt Chris im Laufe der Handlung etwas Fürchterliches zu, aber trotzdem kann er noch dafür sorgen, dass die nachmittägliche Teerunde im Haus von Tante Maria kräftig aufgemischt wird (inklusive flatternder Unterwäsche, Teeüberschwemmung und kopflos herumrennender Mrs. Urs). Wie so oft am Ende eines Diana-Wynne-Jones-Buch bin ich wieder einmal fasziniert davon, welches klassische Element die Autorin für diese Geschichte aufgegriffen hat und was sie Kreatives daraus gemacht hat. Ich mag ihre ungewöhnliche Perspektive auf Mythologien, auf Magie und natürlich auf all die kleinen Alltäglichkeiten, die erst durch ihre Beschreibungen zu etwas Besonderem werden.

Sarah Beth Durst: Fire and Heist

Auf der Homepage der Autorin wird „Fire and Heist“ als „Ocean’s Eleven… with were-dragons“ beschrieben, und das reichte mir, um neugierig auf den Titel zu werden. „Fire and Heist“ ist für mich der erste Roman von Sarah Beth Durst, und auch wenn ich definitiv älter bin als die jugendliche Zielgruppe, mochte ich die Geschichte und den Erzählton sehr und habe nach dem Lesen gleich noch ein paar weitere Bücher der Autorin auf die Merkliste gesetzt. Die Handlung wird aus der Sicht der sechzehnjährigen Sky Hawkins erzählt, deren Familie in den vergangenen Wochen eine harte Zeit erlebte. Sky lebt in einer Welt, die theoretisch der unseren entspricht, nur dass neben den Menschen auch Wyvern (oder Wer-Drachen) leben. Ihre Existenz ist nicht nur seit Jahrhunderten bekannt, die Wyvern nehmen auch einen Promi-Status ein, der nicht nur darauf basiert, dass jede Wyvern-Familie sehr, sehr reich ist.

Auch Sky gehört zu den Wyvern, doch der Reichtum ihrer Familie hat sich vor einem Monat deutlich reduziert, nachdem sie dafür bestraft wurden, dass Skys Mutter Anabeth in die Schatzkammer einer anderen Wyvern-Familie einbrach. Dass Wyvern einander bestehlen, ist ganz normal, und der erste Diebstahl signalisiert in ihrer – von Gold besessenen – Gesellschaft das Erwachsenwerden eines Wyvern. Anabeths Vergehen bestand also vor allem darin, dass sie sich hatte erwischen lassen – und da sie seit diesem Einbruch spurlos verschwunden ist, kann Sky sie nicht einmal fragen, was ihre Mutter sich bei ihrem Vorhaben überhaupt gedacht hatte. Stattdessen muss Sky gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Mutter, der Ächtung innerhalb der Wyvern-Gesellschaft, dem Ende ihrer Beziehung zu ihrem Freund Ryan und dem verschlossenen Verhalten ihrer Familie fertig werden. Doch Sky ist niemand, der solch eine Situation einfach hinnimmt (zumindest nicht, nachdem sie sich einen Monat Trauer- und Erholungszeit gegönnt hat), weshalb sie beschließt, dass sie als ihren ersten Coup einen Einbruch plant, der sie in genau dieselbe Schatzkammer bringt, in der ihre Mutter erwischt wurde.

Ich mochte die Protagonistin Sky sehr, und ich mochte es, dass ihre ganze Erziehung sie nicht nur dafür qualifiziert, einen Einbruch zu begehen, sondern dass das auch ihr erster Gedanke war, um alles wieder „in Ordnung“ zu bringen, was durch das Verhalten ihrer Mutter kaputtgegangen ist. Aber noch mehr mochte ich, dass Sky von Anfang an klar ist, dass sie alleine so einen Einbruch niemals erfolgreich durchziehen kann und dass sie eine Crew benötigt. Das Zusammenspiel zwischen Sky und den anderen Personen, die ihr bei ihrem Vorhaben helfen, ist wirklich wunderbar. Nicht allen von ihnen kann sie wirklich vertrauen, und doch sind die gemeinsamen Szenen von einem Gefühl der Kameradschaft durchzogen, weil alle wissen, dass sie einander und ihre jeweils besonderen Fähigkeiten benötigen, um heil aus der Sache rauszukommen. Auch die Momente, die man mit Sky und ihrer Familie verfolgen kann, sind wunderbar. Obwohl Sky sich von ihrem Vater und ihren Brüdern im Stich gelassen fühlt, wird deutlich, dass sie sich eigentlich sehr nahe stehen und füreinander da sein wollen – auch wenn sie gerade nicht so recht wissen, wie sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen sollen.

„Fire and Heist“ war für mich ein amüsantes Wohlfühlbuch, das ich kaum aus der Hand legen mochte, weil ich mich immer fragte, was wohl als Nächstes passiert oder wie Sky wohl (mehr oder weniger) heil aus einer Situation wieder herauskommt. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass die große und überraschende Entdeckung, die Sky bei ihrem Einbruch macht, recht vorhersehbar war, aber das trübte die Handlung für mich nicht, weil ich beim Lesen erst voller Vorfreude auf diesen Moment war und dann so damit beschäftigt war herauszufinden, welche Folgen dies nun für die Protagonistin und ihre Familie haben wird. Alles in allem hat mir dieses Buch wirklich rundum Spaß gemacht, und ich habe sogar die Momente genossen, die sich um Skys und Ryans Beziehung drehten – und wer mich kennt, weiß, wie selten es ist, dass eine Liebesgeschichte in meinen fantastischen Jugendbüchern vor meinen Augen Gnade findet. 😉

Außerdem habe ich bei der Suche nach anderen Titeln der Autorin gesehen, dass eine Übersetzung von „Fire and Heist“ Ende April auf Deutsch erscheinen wird. Wer also nun Lust bekommen hat, diese Geschichte zu lesen, und sich nicht mit (relativ einfachem) Englisch abmühen will, muss nur noch ein paar Wochen auf „Feuer und Gold“ warten.

Hallie Rubenhold: The Five – The Untold Lives of the Women Killed by Jack the Ripper

Auf das Erscheinen der Taschenbuch-Ausgabe von „The Five“ von Hallie Rubenhold habe ich schon gewartet, als die Hardcover-Version noch gar nicht veröffentlicht war, weil ich den Ansatz, den die Historikerin für ihr Buch gewählt hat, einfach großartig finde. „The Five“ dreht sich um die „kanonischen“ fünf Opfer von Jack the Ripper und darum, dass die Faszination darüber, dass man die Identität des Mörders nie aufgedeckt hat, seit über 130 Jahren vollkommen die Tatsache überdeckt, dass da fünf Frauen getötet wurdet, die mehr waren als eine Seitenbemerkung in einem spektakulären Fall. Die Namen von Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary-Jane Kelly kennt wohl jeder, der jemals etwas über den Ripper gelesen hat, doch in all der Berichterstattung über die Mordfälle sind diese Namen nicht mehr als Teil einer Liste von Opfern.

Hallie Rubenhold hingegen hat sich in ihrem Buch auf das Leben dieser fünf Frauen konzentriert, wobei die Autorin damit beginnt, dass sie die Lebensumstände der Menschen in London im Jahr 1887 näher beleuchtet. Um die Tatsache, dass in diesem Jahr das goldene Thronjubiläum von Königin Viktoria gefeiert wurde, kommt man eigentlich kaum herum, wenn man sich mit dieser Zeit beschäftigt. Doch Hallie Rubenhold verweist nicht nur auf die überbordenden Feierlichkeiten, sondern auch darauf, dass in diesem wunderschönen Sommer die große Trockenheit für Missernten sorgte, die – zusätzlich zur schon herrschenden Rezession – viele Menschen vom Land in die Stadt trieben. Doch in den Städten herrschte nicht nur große Arbeitslosgkeit, sondern auch akuter Wohnungsmangel, so dass viele Personen sich gezwungen sahen, unter freien Himmel zu übernachten. Auf dem Trafalgar Square hatte sich ein regelrechtes Lager von obdachlosen Personen gebildet, die in all diesen Menschenmengen irgendwie überleben mussten. Im November 1887 führten die Bemühungen der Obrigkeit, gegen diese Ansammlung „potenzieller Umstürzler“ vorzugehen, zum „Bloody Sunday“, doch damit endeten die Unruhen rund um den Trafalgar Square noch lange nicht.

Auch Mary Ann „Polly“ Nichols war unter denen, die auf dem Trafalgar Square Unterschlupf gefunden hatten. Anhand von Volkszählungsdaten, Zeitungsberichten und Zeugenaussagen von Angehörigen und Bekannten rekonstruiert Hallie Rubenhold das Leben einer Person, die für eine Frau ihrer Zeit und Schicht in den ersten Jahrzehnten ihres Lebens eine relativ sichere Existenz führte. Erst als Polly die finanzielle Absicherung durch ihre Familie verlor, musste sie sich mit schlechtbezahlten Jobs und Betteln über Wasser halten – was dazu führte, dass sie sich regelmäßig keine Unterkunft für die Nacht leisten konnte und auf der Straße übernachtete. Annie Chapman hingegen war die Tochter eines Dienstmädchens und eines Soldaten und profitierte als solche von der Schulausbildung, die die Armee für die Kinder ihrer Soldaten zur Verfügung stellte. Überhaupt hatte Annie lange Zeit immer die besten Vorraussetzungen für ihr Leben, und doch verbrachte sie die Jahre vor ihrem Tod in einem Viertel, das für die Armut seiner Bewohner und seine Gefährlichkeit berühmt war.

Elizabeth Strides Lebensweg hingegen begann auf eine kleinen Bauernhof in Schweden, und obwohl Hallie Rubenhold viele Stationen von Elizabeths Leben nachverfolgen konnte, gibt es relativ wenig Details über sie und über die Personen, die dafür gesorgt haben, dass ihr Leben immer wieder einen unliebsamen Verlauf nahm. Über Catherine „Kate“ Eddowes‘ Leben ist hingegen wieder erstaunlich viel bekannt, von ihrer Kindheit in London (inklusive des Besuchs einer recht angesehenen Schule), den Jahren, die sie nach dem Tod ihres Vaters in der Obhut von Verwandten verbrachte, über die folgenden Jahren, in denen sie gemeinsam mit dem Mann, den sie als ihren Ehemann ansah, durchs Land zog und Balladen u.ä. Schriften vortrug und verkaufte, bis zu ihren letzten Lebensjahren, in denen ihr Verhalten zu einer fast vollständigen Trennung von ihrer Familie gesorgt hatte. Über Mary-Jane Kellys Leben hingegen gibt es so gut wie keine Informationen, und so basiert der Großteil der Dinge, die man heute noch über ihr Leben weiß, auf den Aussagen des Mannes, mit denen sie in den Monaten vor ihrem Tod zusammenlebte. Doch egal, wie viel oder wenig (belegbare) Daten Hallie Rubenhold über diese fünf Frauen zusammentragen konnte, in jedem einzelnen Kapitel wird deutlich, dass jede von ihnen ein Individuum mit ganz persönlichen Vorlieben und Abneigungen war, eine Person, über die es mehr zu erzählen gibt als nur die Umstände ihres Todes.

Ergänzt werden all diese Rechercheergebnisse durch Berichte von Zeitzeugen wie zum Beispiel dem Abgeordneten und Sozialreformer Charles Booth oder Mary Higgs, die sich als obdachlose Frau verkleidete, um aus erster Hand die Lebensumstände der Personen zu erleben, denen sie mit den Wohlfahrtsorganisationen, denen sie angehörte, helfen wollte. Diese Beobachtungen und Erlebnisse zeichnen nicht nur ein klares und häufig erschütterndes Bild vom Leben der ärmsten Bevölkerungsschicht im London dieser Zeit, sondern untermauern auch Hallie Rubenholds Theorie, dass weniger der reale Lebenswandel dieser Frauen, sondern die Vorurteile einer viktorianischen Gesellschaft (inklusive der ermittelnden Polizisten) und das Bedürfnis der Presse nach reißerischen Schlagzeilen dafür sorgten, dass alle Opfer von Jack the Ripper von Anfang an als Prostituierte angesehen wurden. Eine Frau, die ohne Ehemann oder zumindest den Schutz ihrer Familie (über)leben musste, konnte in den Augen dieser Zeit keine ehrbare Frau sein – und so hat sich der Mythos von den „Prostituiertenmorden“ des Jack the Ripper bis in die heutige Zeit gehalten.

Am Ende nehme ich aus „The Five“ nicht nur viele Details über das Leben von Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary-Jane Kelly mit, sondern auch sehr viele Informationen über das Leben in der viktorianischen Zeit. Ich finde es (immer wieder erneut) erschütternd, wie schnell eine Frau nach dem Tod ihres Vaters oder Ehemannes in die Armut abrutschen konnte und wie unmöglich es für Frauen war, sich selbst und eventuelle Kinder zu ernähren. Doch vor allem ist es das Bewusstsein dafür, dass wir uns trotz aller Bemühungen um Gleichberechtigung, fairer Bezahlung und sozialer Absicherung immer noch nicht besonders weit von den Umständen und dem Denken der viktorianischen Zeit entfernt haben, das mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ. So hat Hallie Rubenhold meiner Meinung nach nicht nur diesen fünf Opfern von Jack the Ripper mit ihrem Buch ihre Würde zurückgegeben, sondern auch jeder Person gute Argumente geliefert, die sich für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der verschiedenen Geschlechter einsetzt.

Ngozi Ukazu: Check, Please! 1 – #Hockey (Comic)

„Check, Please! 1 – #Hockey“ von Ngozi Ukazu ist der erste Sammelband, in dem der Online-Comic der Zeichnerin und Autorin in gedruckter Form veröffentlicht wurde. Ich muss zugeben, dass ich die Online-Veröffentlichung nicht verfolgt habe, auch wenn mir immer wieder positive Erwähnungen des Comics untergekommen sind. Als dann aber der Sammelband erschien, habe ich ihn direkt auf meine Merkliste gesetzt (und inzwischen ist auch der zweite Teil mit dem Titel „Sticks and Scones“ beim Comichändler vorbestellt). Der Titel beinhaltet viele kurze Episoden rund um Eric „Bitty“ Brittle, der zu Beginn des Comics gerade sein erstes Semster an der Samwell University angetreten hat. Eric hat aufgrund seiner Wendigkeit und Schnelligkeit auf dem Eis ein Eishockey-Stipendium erhalten, und obwohl seine bisherigen Erfahrungen mit diesem Sport nicht gerade positiv waren, ist er wild entschlossen, sein Bestes zu geben, da er nur so sein Studium finanzieren kann.

Ich bin ganz verliebt in die Grundidee, dass ein eher zierlich wirkender junger Mann, der in der Vergangenheit als Eiskunstläufer erfolgreich war, nun für ein Stipendium alles für einen Sport gibt, vor dem er eigentlich Angst hat. Eric ist wunderbar enthusiastisch, seine größte Leidenschaft gilt dem Backen, und als Leser bekommt man über seinen Vlog seine Erlebnisse vom Einzug in sein Studentenzimmer bis zum Ende des zweiten Studienjahrs erzählt. Neben Eric spielt natürlich auch noch das Samwell-Eishockey-Team eine große Rolle. Ich mag es sehr, wie verschieden die Spieler sind, die man als Leser besser kennenlernt, und wie sie alle miteinander umgehen. Einen wichtigen Teil in der Geschichte nimmt vor allem Jack Zimmermann ein, der nicht nur der Captain der Mannschaft ist, sondern sich auch vorgenommen hat, Eric von seiner Angst vor Bodychecks zu befreien. Allerdings sorgen Jacks Trainingsmethoden anfangs vor allem dafür, dass Eric ein eher zwiespältiges Verhältnis zu seinem Captain aufbaut, wobei es Ngozi Ukazu gelingt, dass man als Leser trotz Erics Gefühlen Jack recht früh ins Herz schließt und ihm – ebenso wie dem Rest des Teams – alles Gute wünscht.

Denn natürlich dreht sich nicht alles im Leben dieser vielen verschiedenen Studenten um Eishockey, dafür bietet so eine Studienzeit viel zu viele Herausforderungen. Wobei einige dieser Herausforderungen darin bestehen können, dass man die wohlmeindende Unterstützung seiner Freunde überlebt, während andere sich um Elemente wie Erwachsenwerden, Verliebtsein und … ähm … WG-Hygiene drehen können. 😉 Dafür, dass „Check, Please!“ eindeutig ein Comic ist, der mit all seinen amüsanten Episoden für gute Laune beim Lesen sorgt, spricht die Autorin überraschend viele schwierige Themen in der Geschichte an. Die Erwartungen, denen Spitzensportler ausgesetzt sind, sind dabei ebenso ein Thema wie der Druck, den Väter auf ihre sportlichen Söhne ausüben können. Und obwohl Erics Homosexualität für ihn grundsätzlich kein Problem ist, schwingt immer wieder mit, dass es für einen Jungen, der in einer Kleinstadt im Süden der USA aufgewachsen ist, nicht so einfach ist, diese Seite seiner Persönlichkeit offen auszuleben. Umso schöner ist es, von Erics Erlebnissen während der Studienzeit zu lesen und wie er dort das Gefühl hat, ganz er selbst sein zu können und – trotz seiner diversen Eigenarten – auch genauso von seinen Freunden gemocht zu werden.

Die Zeichnungen von Ngozi Ukazu sind recht klar und einfach gehalten, aber sehr charmant und atmosphärisch. Gerade Erics lebhaftes Wesen kommt wunderbar in den einzelnen Darstellungen rüber, aber auch die weniger enthusiastischen Charaktere überzeugen mit ihrer Gestik und Mimik. Bei ihrer Farbpalette beschränkt sich die Zeichnerin in der Regel auf gedeckte Erdtöne, was ich persönlich sehr angenehm finde. Insgesamt bin ich mit diesem Comic wirklich rundum glücklich. Ich habe die verschiedenen Figuren ins Herz geschlossen, ich habe mich großartig über die verschiedenen Erlebnisse, die Eric mit seinen Teamkameraden hat, amüsiert, und wenn ich den Comic in der Hand hatte, konnte ich ihn nur schwer aus der Hand legen, weil ich nur noch eben eine weiter Episode lesen musste. Ich freu mich sehr darüber, dass ich schon in wenigen Wochen den nächsten Band rund um Eric und das Samwell-Eishockey-Team in den Händen halten werde.

Erika Fatland: Sowjetistan – Eine Reise durch …

 … Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan. Nachdem ich im vergangenen Jahr so begeistert von „Die Grenze“ von Erika Fatland war, habe ich mir direkt nach dem Lesen des Titels auch das erste Buch der Autorin in der Bibliothek vorgemerkt. Während sie sich in „Die Grenze“ Russland von außen nähert und schaut, welchen Einfluss das Land (im Laufe der Geschichte bis heute) auf seine Nachbarländer hatte, hat sie sich in „Sowjetistan“ auf die fünf zentralasiatischen Ländern konzentriert, die nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden. Zu Recht merkt die Autorin dabei in ihrem Vorwort an, dass in der Regel nur sehr, sehr wenig über diese fünf Länder bekannt ist – ich glaube, ohne die „Last Week Tonight“-Folge, in der sich John Oliver mit dem turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedov beschäftigt, und natürlich „Die Grenze“ hätte ich persönlich fast vergessen, dass diese Länder überhaupt existieren.

Auch in diesem Buch bietet Erika Fatland eine gute Mischung aus historischen Daten und Fakten, Beschreibungen der aktuellen Situation in den verschiedenen Ländern und kleinen persönlichen Szenen rund um die Menschen, die sie im Jahr 2014 auf ihrer Reise getroffen hat. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie sich intensiver mit den einzelnen Ländern auseinandersetzen konnte, als sie es bei „Die Grenze“ getan hat – was nicht verwunderlich wäre, denn bei „Sowjetistan“ konzentriert sie sich halt auf gerade mal fünf Länder statt auf vierzehn. Bei „Die Grenze“ hatte ich das Gefühl, dass ich langfristig vor allem die kleinen Momente in Erinnerung behalte, die Begegnungen mit den Menschen, das Bild von dem Mann, der in einem Land schlafen ging und in einem anderen Land aufwachte (weil der Grenzzaun mal eben verschoben wurde), und natürlich die Beklemmungen, die einen bei einer solchen Reise begleiten, weil eben nicht jedes dieser Länder human mit Personen umgeht, die sie als Journalisten identifizieren, und weil sich einfach grundsätzlich jede Person in einer Diktatur (oder einem vergleichbaren System) nicht einen Moment des Tages in Sicherheit wiegen kann.

Auch bei „Sowjetistan“ gab es diese Momente für Erika Fatland, die Grenzüberquerungen, bei denen sie fürchten musste, dass man ihr nicht glaubt, dass sie nur eine Studentin und Touristin ist, oder die Gespräche mit den ihr zugewiesenen präsidententreuen Reisebegleitern. Doch dieses Mal bleiben mir wohl vor allem all die Absätze in Erinnerung, die (wieder einmal) zeigen, wie sehr die Sowjetunion mit ihrem Versuch der Gleichmacherei dem Land und den Menschen unter ihrer Herrschaft geschadet hat. Die verseuchten Gebiete in Kasachstan, in denen die UdSSR ihre Atomversuche durchführte, all die verödeten Landstriche, die als Kornkammern der Sowjetunion dienen sollten, aber nicht ohne Grund bis zu diesem Zeitpunkt nur als Heimat von Normaden dienten, willkürlich gezogene Landesgrenzen und natürlich die Menschen, die von einem Moment auf den anderen nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen, in einem dieser kargen Landstriche ausgesetzt wurden, in der Hoffnung, dass man so eine Volksgruppe oder eine Religion ausgelöscht bekommt. Zum Teil sind diese Vorkommnisse schon zwei oder drei Generationen oder länger her, und doch ziehen sich die Spuren, die diese Politik hinterlassen hat, durch das gesamte Buch.

Trotz dieser bedrückenden Sammlung von – historischen und aktuellen – Daten und Fakten liest sich „Sowjetistan“ aufgrund der Erzählweise von Erika Fatland und all den Begegnungen mit freundlichen, liebenswerten und skurrilen Menschen wirklich gut. Viel Szenen sind unterhaltsam und witzig – ich hätte zu gern das Gesicht der Autorin gesehen, als sie sich über den köstlichen Apfel freut, den sie in der für ihre Äpfel berühmten Stadt Alma-Ata bzw. Almaty gekauft hat, nur um dann zu erfahren, dass diese Frucht aus China importiert wurde. All diese kleinen Momente sorgen dafür, dass man neugierig auf die verschiedenen Länder und ihre Bewohner bleibt, auch wenn es einem oft genug die Sprache verschlägt, wenn man von Armut, Verfolgung oder brutalen Brautentführungen liest. Am Ende des Buches bleibt bei mir aber vor allem ein Gedanke hängen: Wie wenig ich doch über all die Länder der ehemaligen Sowjetunion weiß und wie wenig über viele von ihnen in den westlichen Medien berichtet wird. Ein bisschen habe ich diese Wissenslücke durch „Sowjetistan“ (und meine vorherige Lektüre von „Die Grenze“) ändern können, und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch auf weitere – gut geschriebene! – Titel stoße, mit denen ich diese Wissenslücke etwas weiter schließen kann.

Seanan McGuire: Come Tumbling Down (Wayward Children)

„Come Tumbling Down“ ist die fünfte Veröffentlichung der Wayward-Children-Geschichten von Seanan McGuire, und bevor man den Band liest, sollte man am Besten die vier vorhergehenden Bücher (oder zumindest „Every Heart A Doorway“ und „Down Among the Sticks and Bones“) gelesen haben. Außerdem fürchte ich, dass diese Rezension nur für die verständlich ist, die die vorhergehenden Romane kennen. Die Handlung von „Come Tumbling Down“ führt den Leser wieder ins Moor, in die Welt, in die Jack Wolcott den Leichnam ihrer Schwester Jill zurückgebracht hat, nachdem diese aufgrund der Ereignisse in „Every Heart A Doorway“ nicht mehr in Eleanor West’s Home for Wayward Children bleiben konnte. Denn der „Tod“ ist im Moor nicht unbedingt ein endgültiger Zustand, und in einer Welt, die zum Teil von (verrückten) Wissenschaftlern und Vampiren beherrscht wird, gibt es viele Möglichkeiten für ein Leben nach dem (ersten) Tod. Doch die Rückkehr ins Moor brachte für Jack mehr Herausforderungen, als sie erwartet hatte, und so steht sie viele Monate später wieder im Keller der Schule, um für sich und ihre Welt um Hilfe zu bitten.

So kommt es, dass sich Christopher, Cora, Sumi und Kade gemeinsam mit Jack und ihrer Liebsten Alexis aufmachen, um gegen Jill und ihren Vampirmeister zu kämpfen und damit nicht nur Jacks Leben (und Verstand) zu retten, sondern gleich das gesamte Moor. Wie schon beim Lesen der anderen Wayward-Children-Bücher ging mir die ganze Zeit die Frage durch den Kopf, wie eine Autorin so viel Inhalt in so wenig Text packen kann, ohne dass es gezwungen, gedrängt oder unstimmig wirkt. Wobei Seanan McGuire in „Come Tumbling Down“ dem Leser Teile des Moors vorstellt, die in „Down Among the Sticks and Bones“ keinerlei Rolle spielten, und so sehr ich diesen Einblick in die weiteren Gebiete des Moors mochte, so hatte ich dieses Mal ein bisschen das Gefühl, dass dieser Teil (inklusive Coras Erlebnissen, die damit zusammenhingen) fast ein bisschen zu kurz kam. Das ist aber auch der einzige (und wirklich sehr kleine) Kritikpunkt, der mir zu diesem Buch einfällt, und insgesamt habe ich es sehr genossen, wieder ins Moor zurückzukehren.

Diese fantastische Welt, in der Jack und Jill ein Zuhause gefunden haben, wirkt selbst auf den zweiten Blick nicht besonders einladend, und auch für die Schwestern war das Moor nicht schon bei ihren ersten Schritten dort die Zuflucht, die es im Laufe der Zeit für sie geworden ist. Besonders für Jack, die von ihren Eltern wie ein kleines hübsches Püppchen ohne eigene Bedürfnisse behandelt worden war, bot das Moor ganz ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Sie hat dort einen Ort gefunden, an dem sie die Antworten auf ihre vielen Fragen findet, an dem sie die Grenzen zwischen Leben und Tod überschreiten kann, und an dem sie mit Alexis einen Menschen gefunden hat, der sie so liebt, wie sie ist. Hätte Jill sie nicht nach ihrer Rückkehr ins Moor auf die schlimmste Weise hintergangen, hätte Jack bis zu ihrem (vermutlich gewaltvollen und viel zu frühen) Lebensende glücklich im Moor leben können.

Wie sehr Jack diese unbarmherzige Welt, die direkt aus einem alten Horrorfilm stammen könnte, liebt, wird deutlich, als wir das Moor durch die Augen von Christopher, Sumi, Cora und Kade entdecken. Dabei bekommt der Lesern die Ereignisse in „Come Tumbling Down“ vor allem aus Christophers Sicht erzählt und sogar für ihn, dessen Welt von lebenden Skeletten bevölkert wird, ist das Moor zu düster, zu grausam und zu erbarmungslos. Im Kontrast zu all den schrecklichen Geschehnissen und zu den – für den Leser bislang unbekannten – Bedrohungen, die das Moor zu bieten hat, stehen auf der einen Seite die bedingungslose Liebe und das tiefe Verständnis zwischen Jack und Alexis und auf der anderen Seite Sumis Persönlichkeit.

Da Sumi eines der ersten Opfer in „Every Heart A Doorway“ war, hat man als Leser bislang eigentlich nur einige wenige kurze Eindrücke von ihr bekommen, die auch noch durch die Sicht der jeweils erzählenden Person getrübt waren. In „Come Tumbling Down“ hingegen entfaltet sich Sumis Charakter mit jedem weiteren Kapitel mehr. Es gibt keinen bedrückenden oder gefährlichen Moment, der nicht von Sumi kommentiert und genossen wird – wobei sie häufig beweist, dass sie (auch aufgrund ihrer Erfahrungen mit einer Nonsense-World) eigentlich einen besseren Einblick in die Logik der Welt und die Motivationen der verschiedenen Charaktere besitzt als ihre Freunde. Erstaunlich ist dabei allerdings, dass ihre Freunde immer wieder von Sumis Durchblick verblüfft sind, aber so gibt es immerhin immer wieder überraschende und witzige Momente, die diese großartig geschriebene Geschichte voller Verzweiflung, Sehnsucht, drohendem Wahnsinn und Düsternis aufhellen.

Charlotte MacLeod: Die Familiengruft (Sarah Kelling und Max Bittersohn 1)

In der letzten Woche hatte ich überraschend große Lust auf Rereads und einer der Titel, den ich in den letzten Tagen mal wieder aus dem Regal gezogen habe, war „Die Familiengruft“ von Charlotte MacLeod. Über die Reihe hatte ich vor kurzem erst in dem Beitrag „Spannung ist weiblich“ etwas geschrieben, aber wirklich viel ist zu diesen Romanen der Autorin auf meinem Blog nicht zu finden, weshalb ich die Gelegenheit mal nutze, um etwas über Sarah Kelling, ihre Familie und die Leiche in der Familiengruft zu schreiben. Zu Beginn der Geschichte ist Sarah Kelling noch keine 27 Jahre alt und seit ihrem 18. Lebensjahr mit Alexander Kelling – einem entfernten und fast doppelt so altem Cousin von ihr – verheiratet. Gemeinsam mit Alexanders tyrannischer Mutter Caroline leben die beiden in dem alten Familiensitz im Beacon Hill in Boston, und schnell wird deutlich, dass Sarah mit der Situation nicht besonders glücklich ist.

Abwechslung kommt in ihren recht eintönigen Alltag, als die schon vor Jahrzehnten stillgelegte alte Familiengruft der Kellings geöffnet wird, um Sarahs vor kurzem verstorbenen Großonkel Frederik zu beerdigen, und dort ein Skelett gefunden wird. Schnell wird die unbekannte Leiche als die vor dreißig Jahren verschwundene Nachtclubtänzerin Red Ruby identifiziert, und während die Öffentlichkeit sich vor allem damit beschäftigt, dass Red Ruby ermordet wurde, fragt sich Sarah, warum die Leiche gerade in ihrer Familiengruft gefunden wurde und wieso ihr das Muster der Ziegelsteinmauer, mit der die Gruft entgegen sämtlicher Denkmalschutzbestimmungen verschlossen wurde, so vertraut vorkam. Als sich dann auch noch ihr Mann Alexander besonders erschüttert über den traurigen Fund zeigt und sich herausstellt, dass er die Tänzerin in seiner Jugend gut gekannt hatte, fragt sich Sarah, wie viel sie überhaupt über den Mann weiß, den sie schon ihr Leben lang kennt und liebt, und ob es vielleicht möglich sein kann, dass ihre Familie in den Mord verwickelt war.

„Die Familiengruft“ erschien im Original im Jahr 1979, und es finden sich im Laufe der Reihe immer wieder Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen, Kleidung oder Musik, aber insgesamt wirken die Geschichten rund um Sarah Kelling und ihre alteingesessene Bostoner Familie sehr zeitlos. Während die Kriminalfälle – trotz diverser amüsanter oder skurriler Details – immer solide konstruiert sind und man beim Lesen schön „mitermitteln“ kann, besticht die Serie doch vor allem durch ihre Figuren und die Darstellung der Bostoner Oberschicht. Mit spitzer, aber liebevoller Feder porträtiert die Autorin eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich für etwas Besseres halten, obwohl (oder gerade weil) sie aus einem Haufen exzentrischer Personen besteht, deren Geiz legendär ist und deren Kontakt mit der restlichen Bevölkerung der Stadt sich auf Wohltätigkeitsarbeit und das Engagieren von Angestellten zu beschränken scheint. Natürlich verfügt nicht jedes Mitglied dieser alteingesessenen Familien noch über den Wohlstand, den seine Vorfahren angehäuft haben, aber gerade bei den Kellings scheint die Sparsamkeit so ausgeprägt zu sein, dass regelmäßiges Schnorren oder das Auftragen der ererbten Kleidung der Eltern zum Alltag gehört, so dass niemand sagen kann, ob die genügsame Haushaltsführung aus Not oder anerzogenem Geiz geschieht.

Vor dem Hintergrund dieser Familie wirkt Sarahs Leben – ebenso wie ihre Ehe – erstaunlich plausibel, auch wenn man sich heutzutage beim Lesen natürlich fragen muss, wieso eine vernünftige junge Frau jahrelang in solch einer Situation ausharren kann. In „Die Familiengruft“ sorgen die Ereignisse nach dem Fund der Leiche dafür, dass Sarah mehr Rückgrat entwickelt, sich immer wieder gegen ihre Schwiegermutter stellt und darüber nachdenkt, was sie eigentlich vom Leben erwartet. Ich verfolge immer wieder gern, wie Sarah sich gegen ihre Erziehung und das, was in ihrer Familie üblich ist, stellt und wie sie daran arbeitet, dass ihre Ehe mit Alexander auch langfristig weiter funktionieren kann. Obwohl die beiden eine seltsame Beziehung haben und Sarahs Liebe zu Alexander zu einem nicht geringen Teil darauf basiert, dass er als schon erwachsener Mann freundlich und großzügig mit seiner vernachlässigten kleinen Cousine umging, freue ich mich bei jedem erneuten Lesen darüber, wie die beiden sich im Laufe der Geschichte einander annähern.

Max Bittersohn (dessen Name natürlich nicht ohne Grund von mir in der Reihenbezeichnung mitaufgeführt wurde) kommt in diesem Roman relativ wenig vor, auch wenn er eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Kriminalfalls spielt. Allerdings fällt schon in diesem Debütroman schnell auf, dass er und Sarah anscheinend die einzigen bodenständigeren Personen in den Geschichten sind – und genau das liefert all die vielen kleinen und amüsanten Szenen, die dafür sorgen, dass ich seit Jahren immer wieder zu den Büchern zurückkehre und die Romane genieße. Wie Sarah immer wieder mit all den Eigenheiten (und Ansprüchen) ihrer exzentrischen Familienmitgliedern fertig werden muss, ist einfach amüsant zu lesen. Eine Familie, deren Mitglieder das Gefühl haben, dass sie über der öffentlichen Meinung stehen und die genügend Geld haben, um jeder ihrer Launen nachgehen zu können, bringt natürlich so einige skurrile Figuren hervor. Dazu kommen dann im Laufe der Zeit noch die einen oder anderen neuen Bekanntschaften, die Sarah so sammelt und die nicht weniger seltsame Eigenarten haben als ihre Familienmitglieder, und so gibt es in diesen Geschichten keinen Mangel an gut geschriebenen und sehr amüsante Szenen, in denen die Autorin die verschiedensten Charaktere aufeinandertreffen und miteinander agieren lässt.

Amy Wilson: Shadows of Winterspell

„Shadows of Winterspell“ von Amy Wilson ist mir im Oktober 2019 regelmäßig vor die Nase gekommen, als der Roman veröffentlicht wurde. Irgendwann bin ich dann doch neugierig genug geworden, um das Buch auf meine Wunschliste zu setzen, und passend zum herbstlich-winterlichen Thema habe ich die Geschichte dann an einem trüben und regnerischen Januarnachmittag angefangen. Protagonist ist die zwölfjährige Stella (Estelle) Briggs, die gemeinsam mit ihrer Großmutter in einem kleinen Häuschen am Rande des Waldes Winterfell lebt. Lange Zeit war Stella zufrieden mit ihrem Leben, aber so langsam sehnt sie sich nach der Gesellschaft anderer und nach einem „normalen“ Leben mit täglichem Schulbesuch und Freunden, mit denen sie ihre Freizeit verbringen kann.

Dabei ist ihr bewusst, dass sie zu viele Geheimnisse hütet, um unbefangen Freundschaft mit Menschen schließen zu können. So ist Stellas Großmutter ein (wenn auch einigermaßen stofflicher) Geist, ihr Mitbewohner ist ein Imp, und Stella selbst hat von klein auf den Gebrauch von Magie gelernt. Dazu kommt noch, dass Stella die Tochter des Königs der Schatten ist, dessen Fluch auf dem Wald Winterspell liegt und dessen Schatten dafür sorgen, dass die Fae Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen müssen. Doch Stellas Sehnsucht nach Abwechslung und Freundschaft ist so groß, dass sie sich trotz all der damit verbundenen Risiken (und der Zorn ihrer Großmutter ist darunter nicht das geringste) bei der örtlichen Schule anmeldet. Dort warten allerlei Herausforderungen und Überraschungen auf Stella, die ihr nicht nur die langersehnten Freunde bringen, sondern auch dafür sorgen, dass sie über sich hinauswächst und am Ende den Kampf gegen den König der Schatten aufnimmt.

Ich mochte dieses Buch so sehr, dass ich direkt nach dem Lesen drei weitere Titel der Autorin auf meine Merkliste gesetzt habe, obwohl mir die Klappentexte das Gefühl vermittelten, dass ihre Geschichten sich immer um sehr ähnlich Themen drehen. Aber mir gefiel die Erzählweise von Amy Wilson sehr, die dafür sorgt, dass die Handlung zwar relativ gradlinig und einfach erzählt wird, auf der anderen Seite aber immer Untertöne mitschwingen, die bei eigentlich amüsanten oder gemütlichen Szenen eine gewisse Traurigkeit oder Hilflosigkeit mit sich bringen, während man selbst bei den wirklich traurigen Momenten immer noch schmunzeln muss oder diese Geborgenheit spürt, die Wohlfühlbücher vermitteln. Auch bei ihren Charakteren findet man viele verschiedene Facetten, und selbst die Figuren, die auf den ersten Blick etwas schwierig zu sein scheinen, sind so stimmig beschrieben, dass sie einem im Laufe der Geschichte ans Herz wachsen.

Am Ende fiel es mir schwer, das kleine Häuschen am Waldrand zu verlassen, weil ich Stella, ihre Großmutter und all die anderen Charaktere so mochte und Winterspell selbst mit all seinen fantastischen Kreaturen ein großartiger Ort ist, den ich gern noch besser kennengelernt hätte. Außerdem habe ich einfach eine Schwäche für gut beschriebene gemütliche Häuser mit wohnlichen Küchen, behaglichen Schlafzimmern und einer Bibliothek voll alter Bücher. Ich mochte die verschiedenen fantastischen Wesen, die in Winterspell lebten, ebenso wie die Vorstellung, dass die Nähe zu einem „Feenwald“ eben auch die Bewohner des angrenzendes Ortes beeinflusst. Ein bisschen hat mich „The Shadows of Winterfell“ an „The Darkest Part of the Forest“ von Holly Black erinnert, nur das die Geschichte auf ein jüngeres Publikum zielt und sich deshalb – trotz aller Gefahren – nicht ganz so bedrohlich anfühlt (und die Liebesgeschichten wegfallen).

Katherine Woodfine: The Clockwork Sparrow (The Sinclair’s Mysteries 1)

Ich habe keine Ahnung, warum ich so lange um „The Clockwork Sparrow“ von Katherine Woodfinde rumgeschlichen bin (vielleicht, weil es der Auftakt einer vierteiligen Reihe ist?), aber nachdem ich den Roman angefangen hatte, konnte ich ihn nicht mehr aus der Hand legen. Lustigerweise habe ich parallel dazu das Sachbuch „Maud West, Lady Detective“ gelesen und fand in beiden Büchern Elemente, die mich an den anderen Titel erinnerten. Das führt dazu, dass ich mir schon beim Lesen sicher war, dass die Handlung in „The Clockwork Sparrow“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, auch wenn im ganzen Buch keine Jahresangabe zu finden war – erst am Ende fand ich dann die Bestätigung in einem Anhang der Autorin, in der sie auf die Eröffnung von Selfridges im Jahr 1909 verweist.

Protagonistin der Geschichte ist die vierzehnjährige Sophie Taylor(-Cavendish), eine Tochter aus gutem Hause, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters einen Weg finden musste, um auf eigenen Füßen zu stehen. So ist es für Sophie ein großer Glückfall, dass sie eine Anstellung als Verkäuferin in der Hutabteilung des bald neu eröffnenden Sinclair’s Department Store in London gefunden hat. Das Leben als Verkäuferin ist zwar ungewohnt und anstrengend, aber die Arbeit macht Sophie Spaß und die Vorfreude auf die Eröffnung des Kaufhauses sorgt für eine aufgeregte Spannung unter den Angestellten. Umso erschütternder ist es, als kurz nach der Eröffnung Schaustücke gestohlen werden, die in einem der Räume ausgestellt worden waren. Zu den gestohlenen Objekten gehört auch der einzigartige „Clockwork Sparrow“, ein mit Juwelen geschmückter mechanischer Vogel, der bei jedem Aufziehen eine andere Tonfolge von sich gibt.

Gemeinsam mit ihren neuen Freunden – Lilian Rose (die als Mannequin bei Sinclair’s arbeitet und gerade ihre erste Bühnenrolle ergattern konnte), Bobby Parker (der eine Ausbildung als „Porter“ bei Sinclair’s begonnen hat) und Joe (dessen Vergangenheit als Gangmitglied ihn jederzeit einholen könnte) – versucht Sophie mehr über den Diebstahl herauszufinden. Mehr möchte ich hier gar nicht über die Handlung verraten, weil es immer wieder Momente gibt, in denen Sophie in Gefahr gerät (und diese geht nicht immer von den Kriminellen aus, die den Diebstahl verübt haben,) und bei denen es gerade die nicht so spektakulären Wendungen sind, die einen als Leser mit der Geschichte mitfiebern lassen. Ich fand es wunderbar, wie Katherine Woodfine von der ersten Seite an Sophies Leben beschreibt und wie man anhand all der vielen kleinen Nebenbemerkungen ein gutes Bild davon bekommt, wie schwierig es ist, unter den Umständen zu überleben, in denen sie sich nach dem Tod ihres Vaters befindet. Umso wichtiger ist für Sophie der Arbeitsplatz bei Sinclair’s und der Rückhalt, den sie im Laufe der Geschichte durch ihre Freunde bekommt.

Ich mochte in „The Clockwork Sparrow“ diese Mischung aus Realismus und Elementen, die man eher in einem Groschenroman von Edgar Wallace erwartet hätte, und fand, dass ein übermächtig wirkender Gangsterboss ebenso wie die später in der Geschichte auftauchenden Spionage-Elemente gerade deshalb so gut in die Handlung passten, weil sie auf Sophie ebenso absurd wirken wie auf den Leser. Außerdem hat es mir gefallen, dass die Autorin es geschafft hat, dass ich regelmäßig um Sophie und ihre Freunde gebangt habe, weil ich mir nicht sicher sein konnte, dass alle heil aus der ganzen Angelegenheit herauskommen. Stattdessen habe ich nach den ersten Kapiteln jederzeit befürchten müssen, dass diesen vier Personen Dinge zustoßen, die vielleicht nicht ihr Leben, aber doch ihre Existenz bedrohen könnten.

Ich habe dieses Mitfiebern beim Lesen sehr genossen, vor allem, da es zwischendurch immer wieder die schönen Momente rund um die Freundschaften, die sich da aufbauten, und den Zauber, den so ein luxuriöses Kaufhaus ausstrahlen konnte, zum Erholen und Genießen gab. Insgesamt haben mich die Charaktere, die Erzählweise, die Handlung und die Atmosphäre in „The Clockwork Sparrow“ so sehr überzeugt, dass ich mir noch vor Beenden des Romans die drei Fortsetzungen der Reihe bei meinem Buchhändler bestellt habe, weil ich einfach nicht wollte, dass ich Sophie und ihr Leben als Verkäuferin in Sinclair’s Hutabteilung so schnell hinter mir lassen musste.

Matthias Heine: Verbrannte Wörter – Wo wir noch reden wie die Nazis und wo nicht

Ebenso wie „exit Racism“ hatte ich „Verbrannte Wörter“ von Matthias Heine im vergangenen Herbst in der Bibliothek vorgemerkt und erst zum Jahresende zur Verfügung gestellt bekommen. Das Sachbuch beschäftigt sich – wie man dem Untertitel schon entnehmen kann – mit dem Einfluss der Nazis auf unsere heutige Sprache. In seiner Einleitung betont Matthias Heine, dass es seiner Erfahrung nach zwei Gruppen von Menschen gibt: Die, die sich sicher sind, dass es Naziwörter gibt, und die, die Existenz nationalsozialistisch geprägten Vokabulars bestreiten und fürchten, man wolle ihnen vorschreiben, wie sie zu reden hätten. Die Philologen aber, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten ihrer Arbeit nachgingen, hegten keinerlei Zweifel daran, dass diese sich einer ganz eigenen Sprache und Ausdrucksweise bedienten. So verweist der Autor in diesem Buch auch regelmäßig auf Victor Klemperer, der nach der Machtergreifung der Nazis Belege für die „Sprache des Dritten Reichs“ sammelte, und andere Veröffentlichungen dieser Zeit, die sich mit der Veränderung der deutschen Sprache aufgrund des Einfluss der Nationalsozialisten beschäftigten.

Matthias Heine zeigt in diesem Vorwort auch auf, wie die Nationalsozialisten gezielt durch eigene Wörterbücher und die Lehre der nationalsozialistischen Ideologie und des dementsprechenden Vokabulars im Schulunterricht an einer Änderung der deutschen Sprache arbeiteten. So ist es natürlich nicht verwunderlich, dass diese Begriffe auch ihren Einzug in allgemeinere Wörterbücher wie den Brockhaus, den Duden oder Meyers Lexikon fanden (Letzteres war so von der Ideologie der Nazis durchzogen, dass es von den Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Bibliotheken entfernt und vernichtet wurde). Schon kurz nach dem Krieg wurden deshalb Schriften veröffentlicht, die aufzeigen sollten, wie sehr die deutsche Sprache von den Nationalsozialisten beeinflusst wurde und welche Wörter man nicht weiter nutzen sollte. In „Verbrannte Wörter“ beschäftigt sich Matthias Heine mit 87 Begriffen – von „Absetzbewegung“ bis „zersetzen“, die (teils zu Recht, teils zu Unrecht) mit den Nazis in Verbindung gebracht werden, erklärt die Herkunft der verschiedenen Wörter und beendet den jeweiligen Abschnitt dann mit einer Einschätzung darüber, ob man diesen Begriff heutzutage unbedenklich verwenden kann oder ihn besser (mit dem Wissen um die Hintergründe) aus seinem Vokabular streichen sollte.

Es gibt so einige Wörter in diesem Buch, die nicht zu meinem Wortschatz gehören und über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht hätte, weil sie für sich genommen „unschuldig“ klingen. Ein Beispiel dafür ist der Begriff „alttestamentarisch“, den ich ohne Hintergrundwissen so verstanden hätte, wie er Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet wurde, nämlich um auf etwas aus dem Alten Testament zu verweisen. Doch im Laufe der folgenden Jahrzehnte bekam dieses Wortes – mit Verweis auf die angeblich grausamen Inhalte des Alten Testaments – eine andere Bedeutung zugeschrieben, bis es während der Nazizeit gehäuft Verwendung fand, um gegen Juden zu hetzen. So schließt sich Matthias Heine in „Verbrannte Wörter“ der Deutschen Bibelgesellschaft an und empfielt stattdessen den Begriff „alttestamentlich“ zu verwenden, wenn man auf diesen Teil der Bibel verweisen möchte.

Schwierig fand ich an diesem Buch die Erwähnung verschiedener aktueller Ereignisse, die Matthias Heine in einige seinen Empfehlungen zur Verwendung der diversen Wörter einbaute. Natürlich hat der Autor recht damit, wenn er damit darauf verweist, dass in den letzten Jahren erschreckend viele Vorfälle bekannt wurden und Reden zu hören waren, die beweisen, dass das Gedankengut und die Sprache der Nazis immer noch in Deutschland aktiv sind. Aber wenn ich beim Lesen von „Verbrannte Wörter“, obwohl der Titel nicht einmal ein Jahr alt ist, Probleme habe, eine Anspielung einem (auf Lokalebene stattgefunden habenden) Ereignis oder einem bestimmten Vorfall zuzuordnen, dann hat diese so nichts in einer Veröffentlich zu suchen, die ein so wichtiges Thema behandelt und eigentlich langfristig lesbar sein müsste. In diesen Fällen hätte Matthias Heine vielleicht besser Beispiele genannt, die auf Bundesebene Aufsehen erregten, oder ganz auf diese Anspielungen verzichtet.

Insgesamt fand ich „Verbrannte Wörter“ sehr interessant, wenn auch nicht immer einfach zu lesen, weil man nun einmal keinen Titel über die Sprache der Nazis schreiben kann, ohne auf die Taten und die Propaganda dieser einzugehen. Bei einigen Einträgen war ich überrascht, dass Matthias Heine mit dem Hinweis endete, dass die Wörter eigentlich nur noch ironisch und mit dem Wissen um ihre ursprüngliche Bedeutung verwendet werden, weshalb ihr Gebrauch in Ordnung sei. Bei anderen Begriffen wiederum war ihre Verwendung während der Nazizeit ebenso offensichtlich wie die Tatsache, dass sich deshalb jede heutige Nutzung von vornherein verbietet. Hier und da bin ich über Begriffe gestolpert, bei denen ich die Verbindung zu den Nationalsozialisten nie hergestellt hätte. So hätte ich zum Beispiel nicht gedacht, dass das Wort „Eintopf“ erst durch die häufige Anwendung während des Zweiten Weltkriegs und die Einführung des „Eintopfsonntags“ so einen selbstverständlichen Platz in unserem Wortschatz eingenommen hat. Sehr viel wird sich durch das Lesen von „Verbrannte Wörter“ wohl nicht an meinem persönlichen Wortschatz ändern, aber ich habe das Gefühl, dass mich das Buch aufmerksamer gegenüber einigen Formulierungen gemacht hat und mir noch stärker deutlich wurde, wie sehr Sprache etwas über denjenigen verrät, der sie benutzt.