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Jiro Taniguchi: Bis in den Himmel (Manga)

„Bis in den Himmel“ von Jiro Taniguchi ist mal wieder eine Leihgabe von Natira gewesen – irgendwann muss ich mir mal einen eigenen Bestand von Taniguchi-Manga zulegen, da ich selbst die abwegigeren Titel von ihm sehr mag. Auch dieser Manga erzählt eine ungewöhnliche Geschichte, die an dem Tag beginnt, an dem der 42jährige Kazuhiro Kubota und der 17jährige Takuya Onodera bei einem Unfall zusammenstoßen und lebensgefährlich verletzt werden. Beide liegen nach diesem Ereignis im selben Krankenhaus im Koma, und als Kazuhiro eines Tages aufwacht, findet er sich in Takuyas Körper wieder. Es ist für ihn absolut unbegreiflich, wie dies passieren konnte, und er weiß nicht so recht, wie damit umgehen soll, dass ihn nun jeder in seiner Umgebung für Takuya hält.

So beginnt für Kazuhiro für kurze Zeit ein neues Leben, in dem er auf der einen Seite versucht wiedergutzumachen, dass er seine Frau und seine Tochter zugunsten seiner Arbeit so lange vernachlässigt hat, und auf der anderen Seite mehr über Takuya und seine Familie herausfindet. Natürlich ist Takuyas Familie sehr irritiert, dass ihr Sohn keinerlei Erinnerungen an die Zeit vor dem Unfall hat und sich absolut atypisch verhält, aber Kazuhiro spürt auch eine gewisse Erleichterung bei Takuyas Eltern, dass ihr Sohn keine solch herausfordernde Haltung wie früher mehr an den Tag legt. Ich will nicht zu viel zur Handlung verraten, aber das Ganze läuft nicht darauf hinaus, dass Kazuhiro in Takuyas Körper die Chance für einen Neuanfang bekommt. Es geht vielmehr darum, dass er und andere Charaktere in diesem Manga herausfinden, was für sie wichtig ist und wie sie mit den Menschen umgehen wollen, die ihnen am Herzen liegen. Dabei verwendet Jiro Taniguchi den einen oder anderen Erzählkniff, der nicht weniger unrealistisch ist als die Grundidee – so „erkennt“ zum Beispiel Kazuhiros Hund sein altes Herrchen, als er in Takuyas Körper bei seiner Familie vorbeischaut -, um die Handlung voranzutreiben.

Mir hat die Geschichte aus zwei Gründen gefallen: Einmal fand ich es – trotz Jiro Taniguchis gewohnt ruhiger und ausführlicher Erzählweise – spannend herauszufinden, was Kazuhiro vor seinem Tod so sehr beschäftigt hat, dass er unbedingt noch bleiben wollte, und zum zweiten liebe ich all die Details zum Leben in Japan und all die liebevollen und genauen Beobachtungen zum menschlichen Verhalten, die sich immer wieder in den Werken des Mangaka finden lassen. Letzteres kommt auch zum Ausdruck, wenn es um die gegensätzlichen Charaktere von Kazuhiro und Takuya geht. Beide handeln auf ihre Weise egoistisch, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven (und ich bin mir relativ sicher, dass Jiro Taniguchi das vermutlich nur bei einer seiner Figuren so gesehen hat), aber nur einer von ihnen bekommt die Gelegenheit etwas an seinem Verhalten zu ändern und für die Zukunft einen neuen Weg zu finden.

Natürlich schwingt bei so einer Geschichte auch immer ein wenig der erhobene Zeigefinger mit, der einen ermahnt, das Beste aus seinem Leben zu machen und gut zu den Menschen zu sein, die einen lieben, bevor es zu spät ist, aber damit kann ich bei einer so zurückhaltenden und schönen Erzählweise leben. Allerdings sorgt das auch dafür, dass „Bis in den Himmel“ trotz all der berührenden Szenen nicht mein Lieblingstitel von Jiro Taniguchi ist. Ich mochte die Charaktere und ich hatte bei Lesen immer wieder Tränen in den Augen, aber die Manga, die keine (oder zumindest eine dezenter verpackte) Botschaft beinhalten, mag ich am Ende doch lieber.

Vorfreude

Vorfreude auf eine Woche mit lieben Besuch, auf nette Gespräche, auf leckeres Essen, auf viele ungewöhnliche Kinofilme und einer Mischung aus viel Unterwegssein und daheim gemeinsam die Füße hochlegen und schwatzen.

Mein Mann hat Urlaub und die To-do-Liste wird für eine Woche zur Seite geschoben, damit wir uns ganz unserem Besuch widmen können.

Ich freu mich sehr darauf!

Jared Diamond: Guns, Germs and Steel – A Short History of Everybody for the Last 13.000 Years

Ich muss gestehen, dass ich jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Woche zu diesem Buch gegriffen habe, dachte, dass „Jared Diamond“ klingt wie der Name des Protagonisten eines zweitklassigen Kitschromans. *g* Stattdessen ist Jared Diamond ein Evolutionsbiologe, Physiologe und Biogeograf, der für seine populärwissenschaftlichen Bücher bekannt wurde. Lustigerweise hatte ich durch Neyasha schon mehrfach von dem Autor gehört, ihn aber immer wieder verdrängt, bis ich in der Bibliothek vor dem Buch stand. Die Tatsache, dass Neyasha schon seit Jahren die deutsche Ausgabe von „Guns, Germs and Steel“ weiterlesen will, war zwar nicht sehr ermutigend, aber ich dachte, ich könne ja mal reinschauen und gucken, wie ich damit vorankomme. Das Thema ist immerhin interessant, auch wenn das englische Schriftbild (wieso werden englische Sachbücher immer in so einer unangenehmen Schrift gedruckt?) mich eher abgeschreckt hat. Eine kurze Rechnung ergab, dass ich den Titel problemlos in einem Monat schaffen würde, wenn ich mir 16 Seiten pro Tag vornehmen würde. Das erschien mir durchaus machbar – und das war es auch.

Bevor ich (endlich) auf den Inhalt von „Guns, Germs and Steel – A Short History of Everybody for the Last 13.000 Years“ eingehe, möchte ich noch erwähnen, dass das Buch schon im Jahr 1997 von dem Autor geschrieben wurde. Das macht die darin enthaltenden Informationen nicht falsch, aber ich bin mir sicher, dass es ein paar Aspekte darin gibt, zu denen es aktuellere Daten gibt, und die deshalb vielleicht von Jared Diamond heutzutage anders bewertet würden. Wer also ein aktuelleres Buch von dem Autor lesen möchte, sollte eher auf „Collapse – How Societies Choose to Fail or Succeed“ aus dem Jahr 2005 zurückgreifen – ich muss gestehen, dass ich den Titel auch noch im Hinterkopf habe, um zu schauen, wie weit die darin aufgeführten Informationen die in „Guns, Germs and Steel“ erwähnten Theorien ergänzen oder vielleicht sogar widerlegen.

Jared Diamond greift in den verschiedenen Kapiteln unterschiedliche Themen auf, wobei er bei der Entwicklung des Menschen (zum Homo Sapiens) beginnt und dann die verschiedenen Völkerwanderungen, Klima- und Vegetationsbedingungen beschreibt, bis er am Ende einen Vergleich zwischen den verschiedenen Kontinenten, ihren Startbedingungen und den verschiedenen Einflüssen zieht. Dabei beginnt er jedes Kapitel mit einer oder mehreren Fragen zu dem Thema, um sich dann von verschiedenen Seiten der Beantwortung dieser Fragen zu nähern, bevor er am Ende noch einmal kurz zusammenfasst, welche Erkenntnisse es zu dem Gebiet gibt und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen. Er verschweigt auch nicht, wenn zu bestimmten Themen noch keine ausreichenden Daten vorliegen, erklärt aber an diesen Stellen auch, wie und warum die Wissenschaft eine bestimmte These als die wahrscheinlichste ansieht und wieso er diese für dieses Buch heranzieht. Natürlich sind die Informationen in „Guns, Germs and Steel“ sehr gedrängt und beschränken sich häufig auf den groben Zusammenhang und weite Regionen, aber durch die Zusammenfassungen zum Schluss des Kapitels hat man beim Lesen das Gefühl, dass all das gehäufte Wissen an den richtigen Platz fällt und ein schlüssiges Gesamtbild ergibt, das auch langfristig haften bleibt. (Wie langfristig, werde ich dann im Laufe der kommenden Monate sehen. *g*)

Ich fand es auf jeden Fall sehr spannend, welche Aspekte der Autor ansprach und welche Verbindungen er schafft. Es gab so einige Dinge, die nicht neu für mich waren, die ich aber nie in einem großen Zusammenhang gesehen habe und die so einen ganz neuen Eindruck auf mich machten. Gerade diese weltweite Sicht auf das große Ganze hat mich sehr fasziniert und ich fand es großartig, mich mal nicht beim Lesen eines Sachbuches fragen zu müssen, wie es wohl in einem anderen Teil der Welt aussah oder welche Auswirkungen diese eine Erfindung oder Entdeckung wohl auf andere Gebiete gehabt haben mochte. Gerade der afrikanische und südamerikanische Raum (und das ist ein verflixt großes Stück der Welt) werden in den klassischen Sachbüchern (die auf Deutsch erscheinen) häufig ausgespart, weil sie sich auf ein bestimmtes Themengebiet in Europa, Großbritannien oder Nordamerika konzentrieren und die weltweite Sicht den Rahmen sprengen würde. Ich finde es aber inzwischen ziemlich frustrierend, dass es so schwierig ist, mehr über andere Teile der Welt zu erfahren, wenn man nicht gerade Romane liest oder auf Sachbücher zurückgreift, die in Sprachen geschrieben wurden, die ich leider nicht beherrsche.

Obwohl nicht jedes Kapitel gleich spannend war, war ich überrascht, wie gut ich bei den meisten davon trotz der Faktenfülle am Ball blieb. Auch sprachlich konnte ich gut mithalten, weil Jared Diamond jedes verwendete Fachwort so gut erklärt, dass ich nichts (abgesehen von zwei Begriffen für Hirse *g*) nachschlagen musste. Allerdings ertappte ich mich zwischendurch etwas dabei, dass ich mit den Augen rollte, wenn ich den Begriff „New Guinea“ las. Ich weiß, dass Jared Diamond sehr viele Jahre dort geforscht hat und mir ist auch bewusst, dass diese – lange Zeit isolierte – Inselgruppe ein wunderbares Beispiel für viele Entwicklungsschritte der Menschheit darstellt, aber manchmal fragte ich mich, ob der Autor nicht auch ein anderes Gebiet als Beispiel hätte heranziehen können. Denn obwohl sich Jared Diamond bemüht, wirklich weltweit auf die verschiedenen Entwicklungen einzugehen, so gab es doch zu einigen großen Gebiete relativ allgemeine Informationen und ich kann nur spekulieren, ob das daran lag, weil es in diesen großen Gebieten keine individuell erwähnenswerten Vorkommnisse gab oder weil es keine greifbaren archäologischen Erkenntnisse dazu gibt.

Letzteres halte ich für eher unwahrscheinlich, aber wenn der gesamte eurasische Raum bei den meisten Themen als eine Einheit behandelt wird, dann frage ich mich schon, ob es nicht doch mehr erwähnenswerte Aspekte gegeben hätte – gerade im asiatischen Raum, der ja doch auch einige vielfältige Bedingungen und Lebensweisen hervorgebracht hat. Aber vermutlich wäre das zu sehr ins Detail gegangen, denn der Autor konnte seine Theorien ja auch so überzeugend vorlegen. Erst beim Epilog gibt es Passagen, in denen sich Jared Diamond (scheinbar) widerspricht, wobei er selbst sagt, dass diese (scheinbaren) Ungereimtheiten dadurch entstehen, dass man bei einer solch weitreichenden und groben Zusammenfassung auf bestimmte Aspekte nicht im Detail eingehen kann, obwohl diese neben den geologischen, biologischen und ähnlichen Bedingungen natürlich auch Einfluss auf die Entwicklung der verschiedenen Völker gehabt hatten. Ich kann mit diesem „Widerspruch“ leben, da der Autor ihn selber erwähnt und erklärt, und so schmälert das nicht meinen positiven Gesamteindruck von „Guns, Germs and Steel“.

Diana Wynne Jones und Ursula Jones: The Islands of Chaldea

„The Islands of Chaldea“ ist das Buch, an dem Diana Wynne Jones arbeitete, als sie an Krebs erkrankte. Nach dem Tod der Autorin hat ihre jüngere Schwester Ursula Jones den Roman beendet, wobei sie im Nachwort anmerkt, dass sie keine Ahnung hatte, in welche Richtung ihre Schwester die Geschichte weitergedacht hätte. Sie hat nur versucht, die Hinweise zu finden, die Diana Wynne Jones für ihre Leser in den schon geschriebenen Kapiteln versteckt hatte, und sich überlegt, welche Elemente ihren schon geschriebenen Romanen gerecht würden. Ich muss zugeben, dass ich beim Lesen keine großen Brüche in der Geschichte bemerkt habe, aber es ab einer bestimmten Stelle Szenen gibt, bei denen ich mich frage, ob die noch von Diana Wynne Jones stammen oder nicht. Doch obwohl es wiederkehrend Elemente in Diana Wynne Jones‘ Romanen gibt, lassen sich ihre Handlungsentwicklungen einfach nicht vorhersagen, weil sie den Leser immer wieder zu überraschen wusste. Wenn also nicht irgendwann einmal Ursula Jones verrät, welche Teile von ihr und welche von ihrer Schwester sind, werde ich wohl nie wissen, ob ich mit meinem Verdacht richtig liege oder nicht – und das ist vollkommen in Ordnung so. 😉

Die Handlung in „The Islands of Chaldea“ wird aus der Perspektive der zwölfjährigen Aileen erzählt, die seit ihrem fünften Lebensjahr bei ihrer Tante Beck lebt, die die Weise Frau von Skarr ist. Auch von Aileen wird erwartet, dass sie einmal diese Position übernimmt, wie es die Frauen ihrer Familie seit Jahrhunderten tun. Doch in der Nacht, in der ihre Initiation zur „Weisen Frau“ passieren soll, ist etwas schiefgelaufen, und so ist Aileen sich sicher, dass sie niemals gut genug für eine solch verantwortungsvolle Position sein wird. Noch bevor sie sich von ihrer Enttäuschung erholen kann, muss sie sich mit ihrer Tante und einigen weiteren Personen auf eine Reise begeben, um eine Prophezeiung zu erfüllen. Seit Jahren werden die drei Inseln Skarr. Bernica und Gallis durch eine unsichtbaren Barriere von der Insel Logra getrennt. Die Wirtschaft leidet sehr darunter, dass dadurch der Austausch zwischen den Inseln eingeschränkt wurde. Außerdem wurde der Sohn des Hochkönigs der Inseln – gemeinsam mit seinem Gefolge, zu dem auch Aileens Vater gehörte – vor dem Errichten der Barriere von den Logra geraubt. Seitdem wird er auf der isolierten Insel gefangen gehalten.

Für den Leser gibt es in „The Islands of Chaldea“ eine klassische Quest zu verfolgen. Gemeinsam mit Aileen und ihrer Tante reisen noch ein paar weitere Personen, die sie – gemäß einer alten Prophezeiung – zum Teil erst auf den anderen Inseln aufsammeln müssen. So lernt man die verschiedenen Inseln, ihre Bewohner und ihre Eigenheiten kennen, während Aileen sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt und mehr über sich und ihre Fähigkeiten lernt. Das Ganze macht die grobe Handlungsentwicklung natürlich sehr vorhersehbar, aber das stört mich nicht, wenn die Geschichte so wie hier voller ungewöhnlicher Ideen, skurriler Charaktere und amüsanter Szenen erzählt wird. Allerdings fand ich den Schluss des Romans etwas überhastet und habe mich schon ein bisschen gefragt, was Diana Wynne Jones vielleicht anders gemacht hätte – oder ob sie überhaupt etwas anders gemacht hätte. Insgesamt war „The Islands of Chaldea“ eine wunderbar unterhaltsame und entspannende Lektüre, die ich dank all der skurrilen Ideen sehr genossen habe, während ich regelmäßig beim Lesen vor mich hinkicherte. Und obwohl die vier Inseln von Chaldea nicht so ungewöhnlich für eine Fantasywelt sind, fand ich sie vielversprechend genug, dass ich mir noch ein paar mehr Geschichten von den unterschiedlichen Inseln gewünscht hätte.

Emma Hooper: Etta und Otto und Russell und James

„Etta und Otto und Russell und James“ von Emma Hooper ist eine Zufallsentdeckung in der Bibliothek gewesen. Eigentlich hatte ich den Roman nur in die Hand genommen, um herauszufinden, ob er ein Jugendbuch ist oder nicht, da ich das Cover in der Beziehung etwas verwirrend fand – und dann bin ich nach dem ersten kurzem Anlesen hängen geblieben. Die Geschichte wird von der Autorin in einer ungewöhnlichen Form erzählt, so springt sie nicht nur von Perspektive zu Perspektive, sondern auch in der Zeit. Dabei verwendet sie eine stellenweise sehr schlichte und dann wieder überraschend poetische Sprache und lässt viele Elemente der Handlung ohne weitere Erklärung im Raum stehen, damit der Leser sich selbst ein Bild von den Ereignissen und den Figuren machen kann.

Der Roman beginnt damit, dass sich die 83jährige Etta auf den Weg zum Meer macht. Ihrem Ehemann Otto hinterlässt sie einen Brief, in dem sie ihn von ihrer Absicht unterrichtet, einen Stapel mit Rezeptkarten, damit er sich in ihrer Abwesenheit etwas kochen kann, und den Laster, während sie die über 3000 Kilometer bis zum Meer zu Fuß gehen will. Kurz überlegt Otto, ob er ihr hinterherfahren soll, beschließt dann aber, dass er Etta ihren Wille lassen wird. Vor vielen Jahren war er es, der wegfuhr und sie allein zurückließ, nun ist er an der Reihe, auf sie zu warten. Ihr Nachbar Russell hingegen kann nicht verstehen, dass Otto Etta einfach ziehen lässt. Deshalb verlässt er zum ersten Mal, seitdem er sie als junger Mann übernommen hat, seine Farm, um sich auf die Suche nach Etta zu machen.

Emma Hooper erzählt die Geschichte vor allem aus Ettas und Ottos Perspektive, wobei Russell in ihrer beider Leben immer eine große Rolle spielte. So erfährt man als Leser in kleinen und größeren Bruchstücken, wie die Kindheit der drei Personen war, wie sie aufwuchsen, wie der zweite Weltkrieg ihr Leben beeinflusste, wie Liebe und Freundschaft ihr Leben prägten und wie sich ihr Verhältnis im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat und doch eine feste Konstante in ihrem Leben darstellte. Sehr schön gelingt es der Autorin dabei, zu zeigen, wie Etta inzwischen von Demenz beeinflusst wird. Sie erlebt auf ihrer Wanderung gute und schlechte Tage, Momente, in denen sie anderen Ratschläge geben kann und in denen sie mühelos für sich selbst sorgt, und dann wieder Phasen, in denen sie nicht mehr weiß, wer sie ist und in denen die Erlebnisse, von denen Otto ihr erzählt hat, ihre eigenen Erinnerungen überlagern. Außerdem gibt es da den Kojoten James, dem sie während ihrer Wanderung begegnet und mit dem sie im Laufe der Tage intensive Gespräche führt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist es dabei schon, dass der Kojote Etta antwortet – interpretieren kann der Leser dabei diese Dialoge, wie er will, da die Autorin keine Erklärung für James anbietet.

Die Kindheitserinnerungen von Otto und Russell sind geprägt von den Härten der Natur in Saskatchewan, wo eine Trockenperiode dazu führte, dass die Landwirtschaft brachlag und viele ihre Farmen in den 1930er Jahren aufgeben mussten. So ist Ottos Familie arm und kinderreich, und er und seine Geschwister wechseln sich mit dem Schulbesuch ab, damit immer genügend Kinder zuhause sind, um die anfallende Arbeit zu verrichten. Doch trotz aller Herausforderungen scheint es eine glückliche Kindheit gewesen zu sein, in der man sich umeinander kümmerte, trotz all der Verpflichtungen Zeit zum Spielen hatte und trotz des Nahrungsmittelknappheit ein unerwarteter weitere Esser Platz am Tisch fand. Ich muss gestehen, dass ich diese Kindheitserinnerungen wirklich faszinierend fand und sich mir kleine Informationen aus Nebensätze tief eingeprägt haben. So war es zum Beispiel nötig, dass man den Kühen regelmäßig Augentropfen verabreichte, weil sonst der umherwehende Sand zu Entzündungen geführt hätte. Ein Teil von mir findet die Vorstellung, dass man Nutztiere in einem so unwirtlichen Gebiet hält, wirklich irritierend, während ein anderer Teil die Hartnäckigkeit, mit der die Farmer durchhielten und gegen die widrigen Umstände ankämpften, bewundert.

Diese Akzeptanz des Unausweichlichen, die ich bei den Farmern und ihren Tieren fand, durchzieht eigentlich die ganze Geschichte. Es ist – auch wenn nicht darüber geredet wird – selbstverständlich, dass Russell und Otto Etta lieben, es ist ganz natürlich, dass Etta alt und dement ist und vor allem ist das kein Grund, sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Auch wenn es für Otto schwer ist, dass er sie ziehen lassen muss, und obwohl er sich die ganze Zeit Sorgen und Gedanken macht, so akzeptiert er, dass das etwas ist, was sie tun muss, solange sie noch dazu in der Lage ist. Ich fand die Liebe zwischen diesen drei Charakteren herzzerbrechend wunderbar. Es gibt ein paar Rezensionen, in denen behauptet wird, dass Otto Etta gar nicht lieben würde, aber für mich ist seine Liebe zu ihr in jeder Geste, in jeder Erinnerung sehr präsent. Ihm ist eben bewusst, dass seine Liebe ihm kein Recht gibt, sie aufzuhalten, und wenn das bedeutet, dass er kaum noch essen und schlafen kann, dann ist das sein Problem. Es ist sehr schwierig zu beschreiben, was diese Geschichte in mir ausgelöst hat. Ich fand sie auf jeden Fall wunderbar zu lesen, mochte die Charaktere in all ihren Facetten und kann auch gut mit dem „offenen“ Ende leben, das für jeden Leser eine eigene Interpretation der Ereignisse zulässt. Ich bin mit meiner Variante davon, wie Ettas Reise endete, vermutlich zufriedener, als ich es mit einem von Emma Hooper vorgegebenen Happy End gewesen wäre.

Mai-SuB 2017

Frühling ist einfach nicht meine Jahreszeit und wenn ich mich nicht wohl fühle, greife ich zum Buch. Lesen macht in der Regel alles ein bisschen besser, selbst dann, wenn ich zu frustriert und unkonzentriert bin, um einer Geschichte die angemessene Aufmerksamkeit zu widmen und deshalb zu einem Roman greife, der von Anfang an nur als Pausenfüller gedacht ist. So habe ich im April sehr viel Zeit damit verbracht zu Lesen und bin insgesamt auf 19 Bücher, 6 Kurzgeschichten und 10 Comics gekommen. Für den Mai habe ich mir die Leihgaben von Natira vorgenommen, in der Hoffnung, dass ich die vor ihrem nächsten Besuch gelesen bekomme.

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  6. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  7. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  8. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  9. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  10. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  11. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  12. Alex Grecian: The Yard
  13. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  14. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  15. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  16. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  17. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  18. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  19. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  20. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  21. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  22. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  23. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  24. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  25. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  26. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  27. Bishop O’Connell: The Stolen
  28. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  29. Cindy Pon: Serpentine
  30. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  31. Philip Reeve: Larklight
  32. John Scalzi: Fuzzy Nation
  33. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  34. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  35. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  36. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  37. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  38. Charles den Tex: Die Zelle
  39. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  40. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  41. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  42. Xinran: Gerettete Wort
  43. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

43 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter

Als ich vor einigen Tagen Titel suchte, mit denen ich die Onleihe austesten kann, bin ich über die Kurzgeschichte „Agatha Raisins erster Fall“ und den Roman „Agatha Raisin und der tote Richter“ von M. C. Beaton gestolpert – den englischen Titel des Romans „Agatha Raisin and the Quiche of Death“ finde ich übrigens viel hübscher. Beides habe ich dann am Sonntag gelesen und mich wunderbar amüsiert. Die Kurzgeschichte bietet einen netten Einstieg in die Welt der Agatha Raisin, weil man da schnell eine Vorstellung von ihrer Herkunft und ihren ersten beruflichen Schritten in London bekommt. Außerdem fand ich die junge Agatha liebenswerter als die deutlich ältere Version. In „Agatha Raisin und der tote Richter“ ist es dann soweit, dass Agatha mit gerade mal 52 Jahren ihre erfolgreiche PR-Firma verkauft und sich in einem Cottage in den Cotswolds zu Ruhe setzen möchte.

Von diesem Cottage hat Agatha schon als Kind geträumt, nachdem sie in der Gegend einen Urlaub mit ihren Eltern verbracht hatte. Doch als erwachsene Frau muss sie feststellen, dass es nicht so einfach ist, sich dort zuhause zu fühlen. Während sie in der Stadt eine einflussreiche Geschäftsfrau war, hat in ihren neuen Dorf anscheinend niemand Interesse daran, sie kennenzulernen. Agatha ist einsam, fühlt sich ungeliebt und weiß nicht so recht, wie sie etwas an ihrer Situation ändern soll. Also beschließt sie, den anstehenden Quiche-Wettbewerb zu gewinnen, um bei ihren neuen Nachbarn Eindruck zu schinden. Allerdings bleibt ihr ohne Kochkenntnisse nur ein Weg übrig, um den Gewinn einheimsen zu können: Sie kauft die Quiche in einem Delikatessengeschäft! Umso peinlicher wird es dann, als der Preisrichter an ihrer Quiche verstirbt und Agatha zugeben muss, dass sie sie nicht selbst gebacken hat.

Agatha ist keine einfache Figur und gerade das mochte ich eigentlich an ihr – wobei es mir anfangs auch half, dass ich im Hinterkopf noch die unsichere, aber ehrgeizige junge Frau aus der Kurzgeschichte hatte. Die Geschäftsfrau ist skrupellos, hatte noch nie in ihrem Leben Freunde und an so was wie Hobbies hat sie bislang auch keinen Gedanken verschwendet. So hat sie in ihrem Ruhestand viel zu viel Zeit, die sie nicht gefüllt bekommt, weiß nicht, wie sie auf ihre neuen Nachbarn zugehen soll, um zumindest Bekanntschaften zu schließen, und kann nicht damit umgehen, dass sie schon so früh ihr „Ansehen“ bei den Nachbarn verloren hat. Dazu kommt noch, dass sie sich in ihrem lang ersehnten und sehr stilvoll von einer Innenarchitektin eingerichteten Cottage nicht wohl fühlt – ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie sie das Cottage verändern kann und welche Möbel und Dekoelemente überhaupt zu ihr passen könnten.

Diese Hilflosigkeit der vor kurzem so erfolgreichen Geschäftsfrau fand ich wirklich rührend – außerdem hat das zu vielen amüsanten Szenen geführt, wenn sie mal wieder versuchte, auf jemanden zuzugehen (oder im Rahmen ihrer „Ermittlungen“ an Informationen kommen wollte). Auch fand ich es schön, dass der kleine Ort in den Cotswolds zwar als sehr hübsch, aber mit all seinen Bewohnern auch angenehm realistisch beschrieben wurde. Agatha lebt nicht in einer unglaublich idyllischen Welt, sondern sie zieht in ein Dorf, in dem man auch nach zwanzig Jahren noch „zugezogen“ ist und in dem die Einheimischen zwar höflich zu den neuen Nachbarn sind, aber auch deutlich machen, dass diese nicht dazugehören.

Bei all ihrer Orientierungslosigkeit ist Agatha keine dumme Frau, und so fallen ihr immer wieder Aspekte auf, die unstimmig sind oder wo Menschen, die mit dem verstorbenen Preisrichter bekannt waren, gelogen haben. So ist sie wirklich diejenige, die am Ende den Fall rund um die vergiftete Quiche löst, ohne dass die Autorin die Polizei als dumm und unfähig darstellt oder Agatha als jemanden, der eben über besonderes Hintergrundwissen oder Fähigkeiten verfügt. Dieser Realismus in der Handlung, gepaart mit sehr vielen amüsanten Szenen, die durch Agathas sperrige Persönlichkeit entstehen, hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Leider hat meine Bibliothek nicht so viele Agatha-Raisin-Titel im Angebot, aber die vorhandenen werde ich mir bestimmt in den nächsten Monaten noch ausleihen, wenn ich Bedarf nach unterhaltsamer (und kurzer) Krimikost habe.

(Inzwischen habe ich einen weiteren Agatha-Raisin-Roman gelesen und meine Freude über die Reihe ist deutlich gedämpft. Ich glaube, ich belasse es einfach bei den beiden gelesenen Büchern und der einen Kurzgeschichte. *seufz*)

Lynn Kurland: Star of the Morning (The Nine Kingdoms 1)

Auch Lynn Kurland ist mir von einer Freundin empfohlen worden (dieselbe, die mir schon „Resenting the Hero“ ans Herz gelegt hatte). Nachdem mir jahrelang voller Begeisterung von dieser Reihe vorgeschwärmt wurde, habe ich den ersten Band auf den Wunschzettel gesetzt, obwohl ich eigentlich kaum noch „klassische“ Fantasyromane lese. Auf dem SuB lag das Buch dann vor allem, weil das Cover voll von Lobpreisungen ist, die die Autorin für ihre romantischen Geschichten preisen – und damit war ich dann doch wieder etwas abgeschreckt. Nachdem ich den Roman aber am Wochenende aus dem Regal gezogen und gelesen habe, muss ich zugeben, dass der Titel zu Unrecht so lange aufs Lesen wartete (und die beiden folgenden Bände habe ich auch schon auf die Wunschliste gesetzt *seufz*).

„Star of the Morning“ wird vor allem aus den Perspektiven der Söldnerin Morgan und des Erzmagiers Miach erzählt. Doch zu Beginn lernt man erst einmal König Adhémar und seine Brüder kennen. Adhémar ist ein sehr von sich überzeugter junger Mann, der gern etwas mehr Abenteuer in seinem Leben hätte und der es fast bedauert, dass er mit Hilfe seines magischen Schwertes und seines Bruders Miach sämtliche Gefahren im Land innerhalb kürzester Zeit besiegt bekommt. Dummerweise stolpert er dann bei einem Patrouillenritt über ungewöhnliche Monster und verliert dabei seine Magie und die seines Schwertes. Ohne diese Magie könnte sein Königreich schnell zum Opfer des bösen Magiers Lothar werden – und so zieht Adhémar los, um eine Person zu finden, die das zweite magische Schwert des Reiches tragen und sein Königreich beschützen kann.

Die Handlung selbst setzt zwei Monate später ein. Zu diesem Zeitpunkt wird die Söldnerin Morgan von ihrem Ziehvater losgeschickt, um einen magischen Dolch zum König von Neroche zu bringen. Für Morgan beinhaltet dieser Auftrag zwei große Herausforderungen. Zum einen hasst die junge Frau alles, was irgendwie mit Magie zu tun hat, und so belastet die magische Waffe in ihrem Gepäck sie mehr als die Verantwortung, die sie damit übernommen hat. Zum anderen lebt sie auf einer Insel und muss diese für ihre Quest erst einmal mit einem Schiff verlassen – und sie ist alles andere als seefest … Zum Glück findet sie in drei Söldnerkollegen gute Reisegefährten und auch die zusätzlichen Mitglieder ihrer Reisegruppe entpuppen sich als irgendwie nützliche Begleiter (auch wenn zumindest einer davon in Morgans Augen ein aufgeblasener Wicht ist).

Auch der Erzmagier Miach macht sich zu diesem Zeitpunkt auf den Weg, da er schon seit zwei Monaten nichts von seinem Bruder Adhémar gehört hat. So schlimm es ist, dass König Adhémar seine Magie verloren hat, so wäre es noch schlimmer, wenn er auf der Suche nach dem richtigen Träger für das Schwert ums Leben kommen würde. Doch es ist selbst für einen der mächtigsten Magier des Landes nicht so einfach, einen einzelnen Mann zu finden, wenn dieser über keine Magie verfügt, die dem Suchenden den Weg weisen könnte. Diese Grundvoraussetzung lässt schon erahnen, dass die Handlung selbst von Lynn Kurland sehr linear und einfach gehalten wurde. Im Prinzip geht es nur um die Reise von Morgans Heimatinsel quer durch Neroche bis zur Burg von König Adhémar – und so viele Herausforderungen muss die kleine Reisegruppe auf dem Weg nicht bewältigen.

Dafür konzentriert sich die Autorin auf die Entwicklung der verschiedenen Charaktere und auf ihre Beziehungen zueinander. So entspinnt sich auch eine leise, nachvollziehbare und wirklich hübsche Liebesgeschichte zwischen Morgan und einem ihrer Begleiter, die einiges an Raum einnimmt, ohne dass sie die – meinem Gefühl nach – wichtigeren Punkte überlagert. Denn vor allem geht es in der Geschichte um die kleinen Szenen, in denen Morgan, die eine Waise ist, mehr über sich herausfindet und lernt, dass Magie nicht immer grundsätzlich schlecht ist. Es geht darum, dass Adhémar mal mit einer Gruppe von Personen zusammenkommt, die nicht weiß, dass er der König ist und ihn spüren lässt, dass er sich in der Regel wie ein Idiot benimmt, und es geht darum, dass Miach herausfinden muss, warum seine magischen Schutzschilde durchlässiger werden und was die Lösung für die Probleme seines Bruders sein könnte, und nicht zuletzt geht es um Freundschaft und Vertrauen.

Ich mochte es, dass die ganze Geschichte so ruhig erzählt wurde, und ich mochte den Humor von Lynn Kurland, der mich dazu brachte, dass ich regelmäßig kichernd mit meinem Buch dasaß. Sehr viele Elemente in der Handlung sind vorhersehbar, die Welt ist nicht gerade detailliert ausgearbeitet (obwohl es andererseits bei den kleinen Dingen überraschend viele stimmige und realistische Elemente gibt) und gerade Morgan ist regelmäßig ziemlich begriffsstutzig. Aber all das war mir bei diesem Roman egal, weil ich die Dialoge und viele kleine Szenen so mochte und es mir gefallen hat, wie die Figuren miteinander umgehen. Ich habe mich beim Lesen so wohl gefühlt und hatte so viel Spaß, dass ich die möglichen Kritikpunkte an dieser Geschichte gar nicht sehen wollte. 😉

Ostern 2017: Lese(mon)tag

Ich habe gestern vor dem Schlafengehen „A Tale of Time City“ von Diana Wynne Jones beendet und muss zugeben, dass ich nicht sicher bin, was ich letztendlich von dem Roman halte. Es gibt sehr viele Elemente darin, die ich mag, inklusive der Protagonistin Vivian Smith und die Grundidee finde ich sehr spannend. Aber irgendwie fühlt sich das Ganze nicht gut genug durchdacht an und ich habe das Gefühl, dass ich einiges hinnehmen muss, ohne dass ich eine Erklärung dafür bekomme, die ich stimmig finde. Trotzdem hat es Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich habe mich mit der Geschichte wohlgefühlt, aber es ist bislang nicht mein Lieblingstitel der Autorin. Aber das ist auch okay, denn sie hat wirklich viel geschrieben und da ist es eben so, dass mir der eine oder andere Roman besser oder schlechter gefällt.

Da ich mich noch zu müde für  „Guns, Germs and Steel“ von Jared Diamond fühle, beginne ich den Lesetag mit „Mord in der Mangle Street“ von M. R. C. Kasasian – weder von dem Titel, noch von dem Autor habe ich bislang gehört. Ich fand die Inhaltsangabe und das Cover nur so ansprechend, als ich das Buch vor gut einer Woche in der Onleihe sah und hatte es deshalb vorgemerkt. Gestern Abend wurde es dann für mich freigeschaltet, so dass ich nun mal reinlesen kann.

Update 11:30 Uhr

Inzwischen habe ich mir eine lange heiße Dusche gegönnt und mich danach wieder mit meinem Buch auf dem Sofa eingerollt. Ich mag das aktuelle Regenwetter total gern. In unserer neuen Wohnung hört man das Pladdern der Regentropfen sehr schön, während der Straßenlärm überraschenderweise viel gedämpfter ist als sonst. Das ist ungemein gemütlich. 🙂

Nachdem mein Mann heute für mich Frühstück gemacht hat, konnte ich einfach weiter mit der Nase im Buch auf dem Sofa bleiben. Der Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig, wobei ich mich zum Teil frage, wie gut der Übersetzer den wohl getroffen hat – nicht weil mir irgendwelche Fehler auffallen, sondern weil ich den Stil nicht immer als „rund“ empfinde und nicht weiß, ob das ein Problem der Übersetzung oder des Autors ist. Protagonistin in „Mord in der Mangle Street“ ist March – eine selbstbewusste junge Frau, die gern mal ein Schlückchen Gin trinkt und auch den Zigaretten nicht abgeneigt ist. Nach dem Tod ihres Vaters ist Marchs finanzielle Situation etwas angespannt und so kommt sie bei ihrem Patenonkel Sidney Grice unter. Sidney Grice ist ein anerkannter „persönlicher Ermittler“ und kein besonders sympathischer Mensch. So wird schon bei der ersten Begegnung der beiden Figuren deutlich, dass er seine Fälle nach der Zahlungskraft seiner Klienten auswählt und dass er anscheinend die einzige Person ist, von der er eine gute Meinung hat. Da das Ganze recht unterhaltsam ist und ich mich frage, wie es mit diesen beiden unterschiedlichen Figuren weitergeht, bleibe ich wohl noch eine Weile bei der Geschichte.


Update 16:00 Uhr

Während Christie es sich auf mir gemütlich gemacht hat, habe ich noch ein ganzes Stück in „Mord in der Mangle Street“ gelesen. Inzwischen habe ich gut die Hälfte des Romans und finde ihn nett und unterhaltsam. Es gab eine Phase in der Handlung, in der ich die Protagonistin untypisch passiv fand, weil sie der Meinung war, dass ein Verurteilter unschuldig sei, aber nicht wusste, was sie zu seiner Rettung tun könnte. Aber grundsätzlich finde ich es nett ihren Beobachtungen zu folgen und ihre kleinen Spitzen gegenüber ihrem Patenonkel zu verfolgen. So ganz sich bin ich noch nicht, wenn es um die Passagen zwischendurch geht, in denen March sich an einem Mann erinnert, mit dem sie mal verlobt war.

Ansonsten habe ich ungefähr ein Stündchen geschlafen (so ein kuscheliges Sofa) und dann die erste Episode von „The Tripods“ mitgeschaut und dabei Kuchen gegessen. An „Die dreibeinigen Herrscher“ haben mein Mann und ich beide gute Kindheitserinnerungen, wobei ich vor allem die Romane immer wieder gelesen habe, während er die Serie mochte. Wir sind uns noch nicht sicher, ob das Ganze gut genug gealtert ist, dass man es heute noch sehen kann, aber da wir die DVD geschenkt bekommen haben, testen wir das mal an. 😉

Ein bisschen gespielt habe ich auch schon, aber ich denke, ich werde jetzt erst einmal wieder zum Buch greifen, während ein Mann eine Doku über ein Frachtschiff schaut.

Update 21:30 Uhr

Inzwischen habe ich „Mord in der Mangle Street“ ausgelesen und fand den Roman wirklich nett. Ich weiß nicht, ob ich unbedingt weitere Bände der Reihe lesen muss, aber für einen netten und entspannten Sonntag Montag hat der Krimi definitiv gesorgt. Ich mochte die Protagonistin und ihr Patenonkel hatte – trotz diverser unsympathischer Seiten – seine Momente als Romanfigur. Ein paar Wendungen waren vorhersehbar, aber das Ganze wurde solide erzählt und hat mich gut unterhalten.

Abendessen gab es heute natürlich auch schon. Für den Flammkuchen hatte ich schon vor am Freitag den Teig angesetzt, darauf kamen dann nur noch Joghurt (mit Salz, Pfeffer und Oregano gewürzt), Frühlingszwiebeln und etwas Parmesan. Und für den Nachtisch habe den den Rest Joghurt einfach nur mit eingemachten Pfirsichen und einem Klecks Aronia-Fruchtaufstrich geschichtet. So lecker! Sonst mache ich das mit dunklem Fruchtgelee, aber Aronia passt geschmacklich noch besser. 🙂

Für heute reicht es mir mit dem Lesen und dem Bloggen. Ich werde vermutlich noch etwas spielen, während mein Mann „Soylent Green“ schaut, und früh ins Bett gehen. Es waren auf jeden Fall sehr erholsame Tage und ich habe den Austausch mit euch genossen. 🙂

Ostern 2017: Lese(sonn)tag

Mein Sonntag fing heute sehr gemütlich an, da ich mich bis zehn Uhr im Bett räkelte, während mein Mann im Wohnzimmer einen Film schaute, der mich überhaupt nicht interessierte. 😉 Außerdem habe ich schon mit meiner Familie telefoniert und mich mit der ehemaligen Nachbarin ausgetauscht. Ich freu mich sehr darauf, dass ich später „A Tale of Time City“ von Diana Wynne Jones weiterlesen kann. Ich mag die Protagonistin und ich mag die Grundide und ich bin gespannt, wie sich das Ganze noch auflösen wird. Aktuell ist es so, dass die Störungen in der Zeit immer schlimmer werden, je mehr Vivian und ihre „Entführer“ Jonathan und Sam sich bemühen alles wieder gut zu machen. Was mir bei Diana Wynne Jones immer wieder auffällt, ist, dass ihre Figuren nicht unbedingt befreundet sein müssen, um zusammen zu arbeiten. Das finde ich so viel stimmiger als die Spontanfreundschaften, die bei vielen anderen Kinder- und Jugendbuchautoren zwischen den verschiedenen Charakteren entstehen. Bei diesem Buch ist es so, dass Vivian zwar zum Teil versteht, warum die anderen so handeln wie sie es tun, aber so richtig mögen tut sie sie bislang nicht. Das wird auch nicht automatisch besser, nur weil sie viel Zeit miteinander verbringen und das gleiche Ziel verfolgen. Bevor ich mich aber meinem Roman oder gar den Comics, die mir mein Mann auf meinen Wunsch rausgesucht hat, widme, sollte ich aber erst einmal Frühstück machen. 😉

Update 14:30 Uhr

Nach dem Frühstück habe ich mich weiter in „A Tale of Time City“ vergraben – nur unterbrochen vom Katzenfüttern und Küche aufräumen. Je mehr ich über die Time City und ihre Gebräuche und Geschichte lese, desto verwirrter werde ich. Aber Zeitreise-Geschichten haben schnell diese Wirkung auf mich, weil ich es zum Beispiel schwierig finde, mir einen Zeitkreislauf aus 2500 Jahren vorzustellen, wenn mir erzählt wird, dass das auch der Geschichte der Menschheit entsprechen würde. (Noch schlimmer wird es, wenn ich mir beim Lesen die Fakten aus „Germs, Guns and Steel“ dazwischen kommen. 😉 ) Auch finde ich zwar das Leben in dieser ungewöhnlichen Stadt interessant, aber nicht so reizvoll, dass ich da lange verbleiben wollen würde. Da fange ich an, mich nach einem süßen kleinen Häuschen auf dem Land zu sehnen, dessen viele Türen einen an die unterschiedlichsten Orte bringen können. Manche Plätze, die Diana Wynne Jones sich erdacht hat, finde ich einfach wohnlicher als andere. Trotzdem möchte ich natürlich rausfinden, was die ganzen Probleme in Time City verursacht, was es mit den ganzen Time-Ghosts auf sich hat und wie die etwas überforderte Vivian mit dem Ganzen fertig wird. Doch erst einmal mache ich eine kleine Pause und greife zu einer anderen Art von Geschichte. 🙂

Update 18:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich wirklich viel gelesen – unter anderem fünf Hefte von „Criminal“ einer Comicreihe von Ed Brubaker und Sean Phillips. Nachdem ich noch immer auf den letzten deutschen „Velvet“-Sammelband warte, habe ich meinen Mann vor ein paar Tagen gefragt, was für Brubaker-Comics er im Bestand hat. Jetzt habe ich auf jeden Fall genügend Noir-Comicgeschichten, um damit einige Stunden verbringen zu können. 😉 Die ersten fünf Hefte drehten sich um Leo, einen Dieb, der schon als Achtjähriger mit seiner kriminellen Tätigkeit anfing. Obwohl er schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist, gibt es keine Polizeiakten über ihn, da er sich immer aus allen Schwierigkeiten raushielt, in dem er sich strikt an bestimmte Regeln hielt. Doch nun ist er in eine Situation geraten, in der er nicht alle seine Regeln einhalten kann – und das hat verheerende Folgen … Neben Leos Geschichte bieten die Comics auch noch auf den letzten Seiten diverse Verweise auf Filmklassiker, was dummerweise dazu führt, dass ich große Lust auf einige düstere alte Krimis habe. Mal schauen, ob ich in den nächsten Tagen mal in Kartons stöbere und mir die eine oder andere DVD rausfische. Ich muss mir aber auf jeden Fall die diversen Onlinehändler verkneifen, damit ich nicht zu viel Zeit damit verbringen zu schauen, welche Filme seit meiner letzten umfassende Suche noch so auf DVD erschienen sind. Der Merkzettel ist eh noch ziemlich voll, was das Genre angeht.

Außerdem habe ich noch weiter in „A Tale of Time City“ gelesen und werde das bis zum Kochen weiter tun. Ich glaube nicht, dass ich das Buch noch bis dahin schaffen werde, aber so viele Seiten habe nicht mehr vor mir. So langsam nimmt die Handlung eindeutig Fahrt auf (und ja, mein Verdacht vom Anfang der Geschichte scheint sich zu bestätigen *g*). Ein bisschen neidisch bin ich übrigens gerade auf Christie, denn die schläft gemütlich mit meinem Mann auf dem Sofa. Aber bei einem so niedlichen Anblick kann ich doch nicht so hartherzig sein und die beiden wecken, damit ich wieder etwas bequemer sitzen kann. 😉

Update 21:00 Uhr

Ganz habe ich mein Buch nicht bis zum Abendessen geschafft und nun schauen wir erst einmal „Guardians of the Galaxy“. Wir kennen den Film beide noch nicht und sind bislang eher unterwältigt. Aber er ist auch nicht so doof, dass wir schon abbrechen wollen. Immerhin kann ich nebenbei meine „Blümchen gießen“ und wenn der Film vorbei ist, bleibt mir noch genügend Zeit für den Rest von „A Tale of Time City“. Ich werde mich vermutlich heute nicht mehr hier melden, dafür geht es morgen Vormittag weiter mit dem Lesewochenende. 🙂