Der zweite Echo-Falls-Roman bietet zu Anfang so gut wie keine Krimihandlung und konzentriert sich dafür intensiv auf die Familie der dreizehnjährigen Ingrid. Viele Elemente, die sich in
Kategorie: Uncategorized
Wochenendkatzen – Fernsehen mit Logan
Nicht mal die Drohgebährden des „Roten Barons“ haben unseren Kater von seinem Sonnenplatz vertreiben können. Dabei hatte er seinen Hintern genau vor dem Empfänger des Fernsehers platziert:
Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko
Nachdem Irina sich aufgrund meiner Begeisterung die ersten beiden „Miss Winter“-Romane angeschafft hat, dachte ich, ich sollte doch auch mal auf meinem Blog was zu den Büchern schreiben. „Miss Winters Hang zum Risiko“ ist der Debütroman von Kathry Miller Haines – inzwischen sind auf Deutsch zwei weitere Romane rund um die Schauspielerin Rosie Winter erschienen. Die Geschichte spielt im Jahr 1942 in New York und die Auswirkungen des Kriegs sind inzwischen auch in Amerika tagtäglich spürbar.
So hat sich Rosies (Ex-)Freund freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und das Durchsuchen der Vermissten- und Todesanzeigen in den Zeitungen gehört zum traurigen Alltag der Schauspielerin. Aber auch Lebensmittelrationen und die nächtliche Verdunklung der Stadt belasten die junge Frau. Zusätzlich stagniert Rosies Karriere am Broadway und so musste sie sich einen Nebenjob in einer Privatdetektei suchen. All das wäre gerade noch erträglich, wenn Rosie nicht nach den Weihnachtsfeiertagen die Leiche ihres Chefs Jim McCain im Büroschrank finden würde.
Abgesehen davon, dass ihr in Zukunft der Verdienst fehlen wird, ist sie auch empört darüber, dass die Polizei den Fall als Selbstmord behandelt, obwohl alles dagegen spricht. Um Jim Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, beschließt Rosie die Ermittlungen selber in die Hand zu nehmen. Mit gesundem Menschenverstand, viel Charme und erstaunlich viel Skrupellosigkeit schnüffelt Rosie im Leben ihres ermordeten Chefs herum und oft genug rettet sie nur die Hilfe ihrer Freundinnen vor einer Katastrophe.
Dabei stellt sich heraus, dass Jim McCains letzter Fall sogar in Rosies speziellem Wissensgebiet lag, denn der drehte sich um ein verschwundenes Manuskript des bekannten Autors Raymond Fielding. Nachdem Jim getötet wurde, sind erstaunlich viele Menschen an dem Manuskript interessiert. Nicht nur diverse Schauspieler und Regisseure wollen die Papiere in die Hände bekommen, sondern auch Jims Familie, Angestellte einer mysteriösen Regierungsstelle und Angehörige der New Yorker Unterwelt. Dabei sind nicht wenige von ihnen bereit für die verschwundenen Geschichte im Zweifelsfall auch über Leichen zu gehen.
Mit Rosie Winter hat Kathryn Miller Haines eine sehr reizvolle Hauptfigur geschaffen. Die Schauspielerin bringt sich mit ihrem vorlauten Mundwerk nicht nur ständig selbst in Schwierigkeiten, sondern sie ist auch die perfekte Besetzung für eine Geschichte, die Anfang der 40er Jahre in New York spielt. Die Autorin zeigt in ihrem Roman eine Gesellschaft, die alles daransetzt den Krieg zu verdrängen und stattdessen versucht das Leben – trotz aller Einschränkungen – zu genießen. Dabei bilden Flüsterkneipen und Einblicke hinter die Kulissen des Broadways den perfekten Rahmen für eine stimmungsvolle Geschichte.
Vor allem in diesem ersten Band haben mich viele Elemente an eine gute Screwball-Komödie erinnert, was einen schönen Ausgleich zu den eher desillusionierten Passagen bildet. Doch vor allem ist es Rosie Winter, die dafür sorgt, dass ich diese Serie mit so viel Vergnügen lese. Voller Unverfrorenheit erobert sie sich den Zugang zum Salon der einflussreichsten Familie der Stadt, tritt Mafiagrößen entgegen und trotzt der Regierung. Dabei lassen mich die Situationskomik und der wundervolle Wortwitz gern über die kleinen Logikbrüche in der Handlung und die (relative) Vorhersehbarkeit des Endes hinwegsehen.
Die folgenden zwei Bände „Ein Schlachtplan für Miss Winter“ und „Miss Winter lässt nicht locker“ sind immer noch amüsant, aber nicht mehr ganz so heiter wie „Miss Winters Hang zum Risiko“ konzipiert. Das ist aber durchaus stimmig (und bietet immer noch eine unterhaltsame Geschichte), wenn man sich vor Augen hält, dass der Krieg weiter fortschreitet, Rosie immer mehr Kontakt zu Soldaten hat, sich weiterhin Sorgen um ihren Ex-Freund machen muss und das Leben immer größere Herausforderungen für sie bereithält.
Dies und Das (13)
One-Word-Stöckchen
Gefunden habe ich das Stöckchen bei Tanja vom Lese-Leuchturm und da ich es ganz lustig fand, die Fragen mit einem Wort zu beantworten, habe ich es mitgenommen. Beantwortet habe ich es am Freitagabend. 🙂
1.) Wo ist dein Handy? unwichtig
2.) Dein Partner? Nachbarsofa
3.) Deine Haare? lang
4.) Deine Mama? teilzeitanstrengend
5.) Dein Papa? Spielkind
6.) Lieblingsgegenstand? Buch
7.) Dein Traum von letzter Nacht? Dauerschleife
8.) Dein Lieblingsgetränk? Kakao
9.) Dein Traumauto? Impreza
10.) Der Raum, in dem du dich befindest? gemütlich
11.) Dein Ex? vergessen
12.) Deine Angst? privat
13.) Was möchtest du in 10 Jahren sein? gesund
14.) Mit wem verbrachtest du den gestrigen Abend? Juno
15.) Was bist du nicht? Genie
16.) Das letzte, was du getan hast? gelesen
17.) Was trägst du? Wollsocken
18.) Dein Lieblingsbuch? unbestimmbar
19.) Das letzte, was du gegessen hast? Käsebrötchen
20.) Dein Leben? Achterbahn
21.) Deine Stimmung? zufrieden
22.) Deine Freunde? fern
23.) Woran denkst du gerade? Morgen
24.) Was machst du gerade? tippen
25.) Dein Sommer? seltsam
26.) Was läuft in deinem Tv? Vorabendkrimi
27.) Wann hast du das letzte Mal gelacht? heute
28.) Geweint? gestern
29.) Schule? Erinnerungen
30.) Was hörst du gerade? Katzengemauze
31.) Liebste Wochenendbeschäftigung? Sofamuckeln
32.) Traumjob? bittersüß
33.) Dein Computer? Problemgerät
34.) Außerhalb deines Fensters? Herbstlaub
35.) Bier? Okay …
36.) Mexikanisches Essen? vegetarisch
37.) Winter? Lieblingsjahreszeit
38.) Religion? uninteressant
39.) Urlaub? Meersehnsucht
40.) Auf deinem Bett? Shandy
41.) Liebe? Ehemann
[Figurenkabinett] Alanna von Trebond
Alanna von Trebond begleitet mich schon seit sehr vielen Jahren, genauer gesagt, seitdem die kleine Stadtbibliothek, die mich als Teenager mit Büchern versorgt hat, im Jahr 1985 das Buch „Die schwarze Stadt“ angeschafft hat. Sehr schnell ist mir Alanna ans Herz gewachsen, während ihr Zwillingsbruder mir etwas zu jämmerlich war – doch zum Glück spielt Thom in dieser Geschichte nur eine kleine Rolle. Alanna ist eine junge Adelige, die unter ungewöhnlichen Umständen aufgewachsen ist. Ihre Mutter verstarb bei der Geburt der Zwillinge, ihr Vater hat sich so gut wie nie um seine beiden Kinder gekümmert und sich lieber in seine Studien vertieft, während Alanna und Thom von einer Heilerin und einem Soldaten im Dienst von Alannas Vater aufgezogen wurden.
Zum Beginn von „Die schwarze Stadt“ sind die Zwillinge gerade alt genug, um von Zuhause weggeschickt zu werden. So soll Thom in die Hauptstadt Chorus reisen und am Hof des Königs seinen Dienst als Page antreten, während Alanna in ein Kloster geschickt werden soll, wo sie alle Fertigkeiten einer adeligen Dame erlernen soll. Doch während Thom eher an Schulwissen und Zauberei interessiert ist, ist Alanna diejenige, die gut bei der Jagd, beim Fährtenlesen und beim Kampf ist, und diejenige, deren größter Wunsch es ist, Ritter zu werden. So tauscht sie mit ihrem Bruder die Rolle, und während Thom ins Kloster geht, um dort als Zauberer ausgebildet zu werden, verkleidet sich Alanna und tritt als Alan den Pagendienst im Schloss an.
Alanna weiß genau, dass sie nun gezwungen ist, für viele Jahre als Junge zu leben – und wenn sie es jemals zum Ritter schaffen sollte, dann steht immer noch die Frage im Raum, wie sie dann die Öffentlichkeit (und ihren König!) über ihr wahres Geschlecht aufklären soll. Mir persönlich hat es immer gefallen, dass es Alanna nicht leicht gefallen ist, diesen Weg zu gehen und ihre Umgebung anzulügen. Auf der anderen Seite ist ihr Traum so groß, dass sie eben fast alles dafür tun würde, um ihn zu erfüllen. Dabei hilft ihr auch ihre Dickköpfigkeit, die sie immer wieder durch schwierige Situationen bringt.
Alanna ist nämlich nicht nur kleiner als die meisten ihrer Pagenkollegen, sondern sie hat auch ein paar Schwachpunkte als Kriegerin. So liegt ihr der Schwertkampf lange Zeit überhaupt nicht, bis sie sich selbst jeden Tag Extrastunden auferlegt. Dieses Training ist ihr so wichtig, dass sie sogar anfängt, mit links den Schwertkampf zu üben, als sie sich einmal den rechten Arm gebrochen hat. Während ihr ihre Dickköpfigkeit über so manches Problem hinweghilft, bringen ihre Spontaneität, ihr Jähzorn und ihr Gerechtigkeitssinn sie immer wieder in Schwierigkeiten.
Alanna von Trebond begleitet mich inzwischen schon seit über 25 Jahren, zu meinem 18. Geburtstag habe ich mir die vier Bücher rund um das rothaarige, dickköpfige und doch so sympathische Mädchen schenken lassen, und als ich vor vielen Jahren meinen Mann kennenlernte, haben wir uns gegenseitig diese Romane vorgelesen – und ihm haben sie anscheinend ebenso gut gefallen wie mir. Ich freue mich heute noch bei jedem Wiederlesen über die amüsanten, nachdenklichen und bewegenden Momente. Ich vergieße Tränen, wenn Alannas Begleitern etwas zustößt, ich leide mit ihr, wenn sie ihre Freunde wegen ihres Geschlechts belügen muss, und irgendwie könnte man sogar behaupten, dass ich zumindest in zwei der drei Männer verliebt bin, die in Alannas Liebesleben einer Rolle spielen.
In ihren späteren Jugendfantasytiteln hat die Autorin Tamora Pierce ihre Welt Tortall deutlich komplexer ausgebaut und auch die Emelan-(Circle)-Geschichten haben einen vielschichtigeren Hintergrund als diese vier Romane rund um Alanna von Trebond. Aber in all ihren Geschichten finden sich wunderbar realistische und sympathische Charaktere, sogar wenn diese Figuren zum Teil übernatürliche Fähigkeiten haben, die schon fast göttlich zu nennen sind. Alanna, ihre Freunde, ihre Feinde und das fantastische Land Tortall sind mir schon vor langer Zeit ans Herz gewachsen und in regelmäßigen Abständen greife ich wieder zu den Büchern und versinke in den Abenteuern, die Alanna auf ihrem Weg zur Ritterwürde bestehen muss.
Leider sind nur wenige Romane von Tamora Pierce ins Deutsche übersetzt worden, aber als Jugendfantasy sind die Geschichten auf Englisch wirklich gut zu lesen.
Tortall-Geschichten von Tamora Pierce:
Alanna – The Song of the Lioness Quartet:
- Die schwarze Stadt (1985) – Alanna: The First Adventure (1983)
- Im Bann der Göttin (1986) – In the Hand of the Goddess (1984)
- Das zerbrochene Schwert (1987) – The Woman Who Rides Like a Man (1986)
- Das Juwel der Macht (1988) – Lioness Rampant (1988)
Dhana – The Immortals Quartet:
- Kampf um Tortall (1992) – Wild Magic (1992)
- Im Tal des Langen Sees (1993) – Wolf Speaker (1993)
- Der Kaiserliche Magier (1995) – The Emperor Mage (1994)
- Im Reich der Götter (1996) – The Realms of the Gods (1995)
(Spielt einige Jahre nach den Alanna-Romanen und bringt deutlich mehr Magie in die Welt von Tortall. Viele Figuren, die aus den Alanna-Geschichten bekannt sind, tauchen hier wieder auf.)
Protector of the Small:
- First Test (1999)
- Page (2000)
- Squire (2001)
- Lady Knight (2002)
(Nach Alanna ist Keladry of Mindelan das zweite Mädchen, das die Pagenausbildung antritt. Sie muss ihr Geschlecht nicht verbergen, hat dafür mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als Alanna. Ihr Tortall ist deutlich politischer als das von Alanna und in diesen Büchern verwendet die Autorin einige sozialkritische Elemente.)
Aly – The Daughter of the Lioness:
- Trickster’s Choice (2003)
- Trickster’s Queen (2004)
(In diesen Büchern ist Alannas Tochter die Hauptfigur – und ich muss zugeben, dass ich diese beiden Bände nicht ganz so gut finde wie die anderen Romane der Autorin.)
The Provost’s Dog:
- Terrier (2006)
- Bloodhound (2009)
- Mastiff (2011)
(Auf den dritten Band freue ich mich schon, mit etwas Glück zieht er dieses Jahr noch bei mir ein. Bei diesen Büchern habe ich das Gefühl, dass Tamora Pierce nicht nur versucht, eine frühere Zeit in Tortall zu beschreiben, sondern diese Welt auch mit Elementen ihrer Emelan-Reihe mischt. Auf jeden Fall finde ich diese Geschichten rund um Beka Cooper, die als Mitglied der Wache quasi als Polizistin fungiert, spannend und unterhaltsam zu lesen.)
Peter Abrahams: Was geschah in Echo Falls?
Als erstes muss ich übrigens anmerken, dass ich etwas verwirrt war, weil meine HC-Ausgabe keinen richtigen Rückentext aufweist, sondern dafür eine sehr lange Empfehlung von Stephen King, mit der er dem Leser das Buch ans Herz legt. Es ist ja schön, dass der Roman dem Herren gefallen hat, aber eigentlich ist mir seine Meinung recht gleichgültig. Dafür hat mich die Inhaltsangabe innen dann ein bisschen gespoilert – das hätte man schon etwas geschickter machen können.
In „Was geschah in Echo Falls“ ist die dreizehnjährige Ingrid die Hauptfigur. Sie liebt Sherlock-Holmes-Geschichten (und kennt sie so gut, dass sie jederzeit daraus zitieren kann), spielt gerne Theater und Fußball, verliert sich manchmal in Tagträumen und führt ansonsten ein recht normales Leben. Zumindest ist das bis zu dem Tag so, an dem sich Ingrid auf dem Weg zum Fußballtraining in ihrer kleinen Stadt verirrt. Während sie sich noch fragt, wie sie wieder nach Hause finden soll, trifft sie auf „Müll-Katie“ (Kate) – eine in der Stadt wegen ihrer Seltsamkeit verrufenen Frau -, die so nett ist und für Ingrid ein Taxi ruft.
Kurz darauf liest Ingrid in der Zeitung, dass Kate am Nachmittag ihres Zusammentreffens ermordet worden ist. Von diesem Zeitpunkt an lässt sie die Frage nicht los, wer der Täter sein könnte. Und als sie sich dann auch noch gezwungen sieht in Kates Haus einzubrechen, um etwas zu holen, das sie dort vergessen hatte, findet sie sogar Hinweise auf das Motiv für das Verbrechen. Obwohl sich das Ganze nun nach einem klassischen Kriminalroman anhört, ist es gar nicht der eigentliche Fall, der dafür sorgte, dass ich Spaß beim Lesen hatte. Der Krimianteil ist nicht mehr als nett und stellenweise sogar sehr vorhersehbar, aber dafür habe ich Ingrid schnell ins Herz geschlossen.
Während Kiya bemängelt, dass Ingrid nicht zu Beginn gleich zur Polizei geht, fand ich es ganz natürlich, dass sie dafür anfangs noch keine Notwendigkeit sieht. Sie hat zwar anscheinend als Letzte Kate vor dem Mord gesehen, ist sich aber sicher, dass sie nichts relevantes auszusagen hat. Und wenn sie zur Polizei gehen würde, müsste sie ihren Eltern beichten, dass sie sie angelogen hat und dass sie sich auf der Strecke zwischen ihrem Zahnarzt und dem Fußballtraining verlaufen hat (wie peinlich!), mal davon abgesehen, dass ihre Eltern bestimmt auch nicht begeistert wären, wenn sie wüssten, dass Ingrid Kontakt zu „Müll-Katie“ hatte.
In gewisser Weise finde ich die Familienverhältnisse von Ingrid faszinierend. Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Familie. Der Vater ist der Vermögensberater der reichsten Familie der Stadt, die Mutter arbeitet als Immobilenmarklerin, der große Bruder ist ein hervorragender Footballer und der Großvater „Grampy“ ein dickköpfiger ehemaliger Farmer, der alles daran setzt, um seinen Hof so zu behalten wie er ist. Aber je aufmerksamer Ingrid im Laufe des Buches durch die Gegend geht, desto mehr Unstimmigkeiten fallen einem auf. So fährt der Vater zwar einen großen Wagen, aber das Mädchen erinnert sich an Streitigkeiten zwischen seinen Eltern, bei denen es um die Ratenzahlungen für das Auto ging.
Und obwohl ihr großer Bruder Ty ein erfolgreicher Sportler ist und alle Erwartungen seines Vaters erfüllt, scheint er nicht glücklich zu sein. Dazu kommen noch gesundheitliche Auffälligkeiten und eine übermäßige Aggressivität gegenüber der kleinen Schwester, während Ingrid von ihren Eltern mit allen Mitteln zum Sport und zur Mathematik gedrängt wird, damit sie später eine Eliteuniversität besuchen kann. All das zeigt, dass die auf den ersten Blick so normale heile Familie gar nicht so gut funktioniert, dabei bietet einem Peter Abrahams keine einfachen Erklärungen für die vielen verschiedenen Szenen, sondern lässt sie einfach im Raum stehen, was mir besonders gut gefällt.
Ich weiß nicht, ob Jugendliche so schnell dahinterkommen, welche Probleme in Ingrids Familie herrschen, aber mir gefällt es, dass nicht alles ausgesprochen wird. Noch bleibt die Geschichte konsequent auf dem Wissensstand, den Ingrid hat, egal wie viele Gedanken man sich über all die Hintergründe machen kann. Diese Familienkonstellation, all die Anspielungen auf Sherlock Holmes und der kleine Hauch von „Liebes“geschichte, haben mir wirklich viel Vergnügen bereitet. Da konnte ich auch locker darüber hinwegsehen, dass der Krimianteil etwas vorhersehbar und nicht ganz so schlüssig war. Und nun bin ich so neugierig darauf, wie es mit Ingrid weitergeht, dass ich mir die beiden anderen bislang erschienenen Bände gleich in der Bibliothek vorgemerkt habe.
Muckelkatzen
Eine Woche mit Besuch – dieses Mal ganz ohne Fotos
Phil Rickman: Mittwinternacht
Nach „Frucht der Sünde“ war ich mir nicht so ganz sicher, was ich von den Merrily-Watkins-Romanen von Phil Rickman zu halten hatte. Aber immerhin war meine Neugier so groß, dass ich mir noch den zweiten Roman um die ungewöhnliche Pfarrerin in der Bibliothek vorgemerkt hatte. Im ersten Band hatte Merrily Watkins zum zweiten Mal in ihrem Leben (beim ersten Mal hatte sie eine Art Erscheinung in einer Kirche und danach beschlossen, dass sie eine Ausbildung zur Pfarrerin beginnt) eine Begegnung mit dem Übernatürlichen. Wobei Merrily sich nie so ganz sicher zu sein scheint, ob sie sich das Ganze nicht nur einbildet oder ob es nicht rationale Erklärungen für die seltsamen Vorfälle gibt. Auf jeden Fall haben diese Erlebnisse dazu geführt, dass sie nun eine Art Weiterbildung zur „Exorzistin“ begonnen hat.
Aber natürlich ist es bei ihr nicht so einfach wie bei den männlichen Kollegen und so wird sie kurz nachdem sie bei Huw Owen einen Kurs zum Umgang mit „Spirituellen Grenzfragen“ gemacht hat, vom Bischof zur Diözesan-Exorzistin (Verzeihung, natürlich muss es heißen „Beraterin für spirituelle Grenzfragen“) ernannt. Was bedeutet, dass sich Merrily mit allen (vermeintlichen oder realen) seltsamen Begebenheiten in der – nicht gerade kleinen – Diözese rund um die Kathedrale von Hereford beschäftigen muss. So wird die Pfarrerin aufgrund ihres neuen (und zusätzlichen!) Amtes zu einem unheimlichen sterbenden Mann gerufen, muss eine von Satanisten entweihte Kirche wieder säubern, soll in einem Altenheim einen Geist austreiben und darf sich mit Kirchenpolitik, Intrigen und ihren eigenen Ängsten herumschlagen.
Währenddessen hat ihre Tochter Jane eine neue Freundin gefunden: Rowenna scheint es egal zu sein, dass Janes Mutter eine Pfarrerin ist und dafür teilt sie Janes Interesse an der Esoterik. Gemeinsam gehen die beiden Freundinnen auf eine Esoterik-Messe, lassen sich Karten legen und erkunden eine Frauengruppe, in der es um die Erforschung der eigenen Spiritualität geht. Auch der Musiker Lol (Laurence) geht inzwischen seine eigenen Wege, da er zwar in Merrily verliebt ist, aber keine Chance auf eine Beziehung mit ihr sieht. So hat er sein Cottage verkauft, besucht die Abendschule, um Psychotherapeut zu werden und haust über einem Musikgeschäft in Hereford. Nebenbei kümmert er sich noch um Katherine Moon, eine psychisch labile junge Archäologin.
Irgendwie ging mir beim Lesen dieses Romans der Begriff „Schauergeschichte“ nicht aus dem Kopf und in gewisser Weise habe ich damit ein Problem. Ich mag eigentlich den leichten – und manchmal etwas absurden – Grusel eines guten Schauerromans, aber hier gab es mir einfach zu viele unappetitliche Szenen. Mit der Beschreibung von Kälte, Furcht oder Geistern kann ich leben, aber ständige Übelkeit bei der Hauptfigur, das Gefühl besudelt oder gar vergewaltigt worden zu sein, verursacht mir beim Lesen Unbehagen. Irgendwie spricht das ja für den Autor, dass er so atmosphärisch schreibt, dass mich seine Geschichte in gewisser Weise belastet, aber eigentlich fand ich das in erster Linie unschön. Auf der anderen Seite war der Roman flüssig zu lesen und die Cliffhanger an den Kapitelenden haben – obwohl ich einige Entwicklungen vorhersehen konnte – dafür gesorgt, dass ich vor lauter Neugierde das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Ich glaube nicht, dass ich noch einen Teil dieser Reihe lesen werde – zumindest nicht, wenn er mir nicht durch Zufall in die Hände fällt -, aber ich muss zugeben, dass in meinen Augen „Mittwinternacht“ deutlich stimmiger von Phil Rickman konzipiert wurde als „Frucht der Sünde“. Ich habe das Gefühl, dass der Autor tiefer in seinem Thema steckt, vertrauter mit seinen Figuren ist und eine Linie für seine „Mystery“-Geschichte gefunden hat. Wer sich also nicht daran stört, dass die schauerlichen Szenen kaum ausgeglichen werden (was ich mir gewünscht hätte), der findet diesen Roman gewiss unterhaltsamer als den Auftaktband der Merrily-Watkins-Reihe.



