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Neuzugänge November

Im November gab es einiges an Neuzugängen für mich und ich finde es schön, dass allein schon durch meine Geburtstagsgeschenke so eine bunte Mischung zusammen kam. Es macht sich allerdings auch bemerkbar, dass ich gerade ein sehr großes Bedürfnis nach „einfacher“ Wohlfühllektüre habe, was für viele fantastische Kinder- und Jugendbücher auf dem Wunschzettel gesorgt hat.

Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
[Nachdem ich einen Bücherscheck gewonnen hatte, habe ich mir bei einem Besuch meines Stammbuchhändlers diese beiden Romane gegönnt, um endlich die Codex-Alera-Reihe vollständig zu haben. (Wenn ich jetzt noch den ersten Band aus meinen Kistenchaos befreit bekomme, könnte ich die Bücher mal in einem Rutsch durchlesen. *g*)]

Jim Butcher (Hrsg.) und Kerrie L. Hughes: Shadowed Souls (Anthologie)
[Eine Anthologie rund um das Böse, das im Namen des Guten passieren kann, mit insgesamt 11 Kurzgeschichten von denen überraschend viele von Autoren geschrieben wurden, die ich schon kenne und sehr mag. Das Buch hatte ich schon im Oktober vorbestellt, damit ich es recht zeitnah zur Veröffentlichung von meinem Buchhändler importiert bekomme. Oh, und gelesen habe ich es im November auch schon! :D]

Igort: Berichte aus Japan – Eine Reise ins Reich der Zeichen
[Ein Geschenk (für meinen Mann und mich), weil Japan nun mal für uns beide interessant ist. 🙂 Der erste Blick hinein bietet schon mal sehr unterschiedliche Zeichenstile, die der Künstler verwendet hat.]

Die restlichen Neuzugänge wurden von verschiedenen Personen anlässlich meines Geburtstags von meinem Wunschzettel gefischt. 🙂

Shawn Thomas Odyssey: The Magician’s Tower
[Die Fortsetzung von „The Wizard of Dark Street“ .]

Stephanie Burgis: Kat, Incorrigible
[Den Roman hatte ich bei Kiya entdeckt und da ich Lust auf diese Art von Geschichten hatte, landete er gleich auf dem Wunschzettel.]

Diana Wynne Jones: The Islands of Chaldea
[Noch ein Buch der Autorin, das meine Sammlung vervollständigen soll.]

Kazuto Tatsuta: Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima 1 (Manga)
[So viele Berichte über Japan und Fukushima, da wurde es für mich Zeit von den Erlebnissen und Erfahrungen eines Mangaka zu lesen, der nach dem Unglück im Reaktor an den Aufräumarbeiten beteiligt war.]

Patricia C. Wrede: A Matter of Magic
[Obwohl ich die Geschichten der Autorin so gerne mag, habe ich immer noch nicht alles von ihr gelesen – wird Zeit das zu ändern.]

John Scalzi: Fuzzy Nation
[Ich habe wieder mehr Lust auf SF, wollte endlich mal einen Roman von dem Autor ausprobieren und der Klappentext klang gut.]

Alex Grecian: The Yard
[Der Auftaktband einer historischen Kriminalromanreihe – den vierten Teil davon hatte ich auf einem Wühltisch gefunden und sehr gern gelesen.]

Jewell Parker Rhodes: Bayou Magic
[Ein fantastisches Kinderbuch mit ungewöhnlichem Hintergrund.]

Kate Milford: Greenglass House
[Um das Buch schleiche ich schon so lange rum, jetzt ist endlich das Taschenbuch erschienen, also wurde es Zeit für den öffentlichen Wunschzettel.]

Robin Stevens: Murder Most Unladylike
[Mal wieder ein Titel, den ich bei Kiya gefunden hatte und der mich reizte.]

Diana Wynne Jones: A Tale of Time City
[Ja, ich gehe die Vervollständigung meiner DWJ-Sammlung jetzt wirklich ernsthaft an!]

Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
[Endlich der Serienabschluss in meinen Händen!]

Regina Stürickow: Kommissar Gennat ermittelt – Die Erfindung der Mordkommission
[Eine Folge unseres „Mörderischen Wochenendes“.]

Dezember-SuB 2016

Der November war ein wirklich trubeliger Monat und inzwischen schaffe ich es auch nicht mehr meine fehlende Lesezeit durch fehlenden Schlaf auszugleichen.. Trotzdem kam ich in diesem Monat auf 12 gelesene Bücher (plus 3 Kurzgeschichten und 1 Manga) und 2 gehörte Hörbücher. Und da der SuB zum Monatsende kräftig angestiegen ist und sich das gleiche Phänomen noch einmal im Dezember wiederholen wird, ist die Wahrscheinlichkeit für einen SuB-Abbau in den kommenden Wochen doch recht gering. 😉 Außerdem gibt es – trotz aller guten Vorsätze – weiterhin Bibliotheksausleihen, die bis zum Abgabetermin von mir gelesen werden sollten. Also keine Vorhaben für Dezember für das Lesen, sondern nur die Hoffnung, dass ich genügend Zeit für meine Bücher finde …

Deutscher SuB:

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  3. Brom: Krampus
  4. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  5. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  6. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  7. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  8. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  9. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  10. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  11. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  12. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  13. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  14. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  15. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  16. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  17. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  18. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  19. Charles den Tex: Die Zelle
  20. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  21. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  22. Xinran: Gerettete Wort
  23. Xinran: Wolkentöchter
  24. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

24 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  5. Stephanie Burgis: Kat, Incorrigible
  6. Gail Carriger: Curties and Conspiracies (Finishing School 2)
  7. Agatha Christie: Curtain – Poirot’s Last Case
  8. Agatha Christie: Miss Marple – The Complete Short Stories
  9. Jennifer Estep: Cold Burn of Magic
  10. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  11. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  12. Alex Grecian: The Yard
  13. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  14. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  15. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  16. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  17. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  18. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  19. Diana Wynne Jones: The Islands of Chaldea
  20. Diana Wynne Jones: A Tale of Time City
  21. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  22. Sarah Kuhn: Heroine Complex
  23. Lynn Kurland: Star of the Morning
  24. Kate Milford: Greenglass House
  25. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  26. Bishop O’Connell: The Stolen
  27. Cindy Pon: Serpentine
  28. Julia Quinn: The Secrets of Sir Richard Kenworthy (Smythe-Smith 4)
  29. Philip Reeve: Larklight
  30. Jewell Parker Rhodes: Bayou Magic
  31. John Scalzi: Fuzzy Nation
  32. Paige Shelton: Farm Fresh Murder (A Farmers Market Mystery 1)
  33. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  34. Robin Stevens: Murder Most Unladylike
  35. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  36. Holly Webb: Lilly (Lilly 1)
  37. Holly Webb: Lilly and the Shining Dragon (Lilly 2)
  38. Holly Webb: Lilly and the Prisoner of Magic (Lilly 3)
  39. Holly Webb: Lilly and the Traitor’s Spell (Lilly 4)
  40. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child
  41. Patricia C. Wrede: A Matter of Magic
  42. Patricia C. Wrede: The Seven Towers

30 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Jiro Taniguchi: Träume von Glück (Manga)

„Träume von Glück“ bietet dem Leser im Gegensatz zu all den anderen Manga von Jiro Taniguchi, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, keinen durchgehenden Handlungsbogen, sondern mehreren Kurzgeschichten. Dabei steht in „Einen Hund besitzen“, „Und nun … eine Katze“, „Blick in den Garten“ und „Tage zu dritt“ immer das gleiche namenlose Ehepaar im Mittelpunkt der Geschichte. In der ersten Geschichte erlebt man die beiden, während sie ihren alten Hund Tamu(tamu) beim Sterben begleiten. Immer wieder fragen sie sich, wie sie es dem Tier leichter machen können, immer wieder sinnen sie über neue Hilfsmittel nach, mit denen der Hund den Alltag besser bewältigen kann. Und natürlich steht die ganze Zeit die Frage im Raum, wann wohl der Zeitpunkt gekommen ist, dass der Hund wirklich stirbt und ob sein Leben trotz seiner Schwäche, seiner Appetitlosigkeit und all der anderen gesundheitlichen Probleme noch lebenswert ist. Ich muss gestehen, dass mir diese Geschichte auch so nahe gegangen wäre, aber nach den vergangenen 1,5 Jahren, in denen unsere Gedanken auch ständig um das Thema kreisten, habe ich beim Lesen eine Menge Tränen vergossen. Für den Mangaka war das Zeichnen dieser Geschichte ein Weg mit dem Verlust seines eigenen Hundes umzugehen und so ist es kein Wunder, dass es ihm gelingt all die verschiedenen Emotionen, die einen in so einer Situation bewegen, einzufangen. Die beiden Protagonisten sind abwechselnd verzweifelt, ratlos, traurig, hoffnungsvoll, überfordert … und all diese Gefühle spiegeln sich in den feinen Zeichnungen auch wieder.

Die weiteren Kurzgeschichten sind deutlich weniger bedrückend und basieren – wenn ich nach dem Nachwort von Jiro Taniguchi gehe – auf ebenso persönlichen Erlebnissen. Durch eine Bekannte, die sich um ausgesetzte Tiere kümmert, kommt das Ehepaar zu einer erwachsenen Perserkatze. Das Tier ist nicht besonders hübsch, sehr träge und putzt sich nicht so sehr, wie es notwendig wäre, aber Boro (Lumpen) wächst den beiden trotzdem schnell ans Herz. Nach und nach gewinnen sie das Vertrauen der zurückhaltenden Katze und finden heraus, was dem Tier gefällt und was sie nicht mit sich machen lässt. Ich fand es schön, wie viel Mühe sich die beiden mit der – eigentlich ungewollten – Katze gegeben haben und wie sie mit den verschiedenen Herausforderungen umgegangen sind, die ihr neues Familienmitglied mit sich gebracht hat. Und ich muss gestehen, dass ich die Katze anhand der Zeichnungen auch wirklich nicht hübsch, aber irgendwie liebenswert finde. 😉 Auf jeden Fall ist es wunderbar zu verfolgen wie die beiden Protagonisten im Laufe dieses Kapitels wieder fröhlicher werden. Sie vermissen ihren Tamu immer noch, aber Boro bringt neues Leben ins Haus und benötigt Zuwendung und Fürsorge – was ihren Menschen genauso gut tut wie der Katze.

„Blick in den Garten“ bringt weitere Szenen mit Boro, aber die Geschichte erzählt auch von dem blinden Nachbarhund der Protagonisten, der genauso alt ist, wie ihr eigener verstorbener Hund war. Auch hier wird deutlich, dass die Nachbarin alles dafür tut, damit ihre Hündin einen guten Lebensabend verbringen kann. Ich mag die Tierliebe, die in all diesen Geschichten mitschwingt. wobei Jiro Taniguchi nicht verschweigt, dass die Fürsorge für so ein bedürftiges Tier einen auch schon mal an seine Grenzen bringen kann. „Tag zu dritt“ entfernen sich dann ein bisschen von dem Tierthema, da in dieser Geschichte die Nichte der beiden Protagonisten für ein paar Tage zu Besuch kommt. Die Zwölfjährige ist von Zuhause ausgerissen, weil sie erst einmal damit fertig werden muss, dass ihre verwitwete Mutter einen neuen Mann heiraten will. Während das Mädchen die Zeit bei Onkel und Tante genießt, entdecken die beiden wie schön es sein kann, wenn ein Teenager im Haus wohnt. Zu dritt bemühen sie sich darum, diese gemeinsamen Tage so schön wie möglich zu gestalten – und auch wenn dabei ein wenig das Bedauern mitschwingt, dass die beiden keine eigenen Kinder haben, so beendet diese kleine Erzählung die Geschichtenreihe um dieses Ehepaar mit einem fröhlichen Ton. So traurig die erste Episode war und so erschütternd ich einige Zeichnungen darin fand, so sehr mochte ich es, wie sich das Leben der Protagonisten (und ihre Gesichter auf den Bildern) von Geschichte zu Geschichte aufhellte.

Auch in der letzten Geschichte, „Ort des Schicksals“, spielt ein Tier eine wichtige Rolle, aber die Szenerie unterschiedet sich doch sehr von dem japanischen Vorort der anderen Kapitel. Dieses Mal begleitet man einen Bergsteiger in den Himalaya. Der Protagonist Okamoto war vor sechs Jahren Teilnehmer einer Expedition, die den Annapurna – einen der Achttausender – besteigen wollte. Doch das schlechte Wetter, die Erschöpfung und der Sauerstoffmangel brachten den Mann in Lebensgefahr und nur eine unerwartete Begegnung rettete ihn damals vor dem Tod. Sechs Jahre später ist sich Okamoto immer noch nicht sicher, ob es damals wirklich zu dieser ungewöhnlichen Zusammentreffen gekommen war oder ob er aufgrund der Umstände Halluzinationen hatte – und obwohl er seiner Frau versprochen hatte, dass die Expedition auf den Gipfel des Annapurna seine letzten sein würde, lässt ihn der Berg nicht los … Ich muss gestehen, dass ich die Faszination am Bergsteigen normalerweise nicht nachvollziehen kann, aber Jiro Taniguchi schafft es jedes Mal – hier genauso wie bei „Die Stadt und das Mädchen“ – Verständnis für diese Besessenheit bei mir zu wecken. Während ich die Geschichte lese, kann ich verstehen, warum sich jemand so extrem mit der Natur auseinandersetzen möchte, welche Befriedung es sein kann, wenn der eigenen Körper solch eine Leistung erbringt, und wie schön der Blick über (beinah) unberührte Natur ist. (Ich ignoriere jetzt mal all die Berichte, die von den Müllproblemen aufgrund der ganzen Extrembergsteiger im Himalaya zeugen. 😉 )

Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewoche: 1. Advent

Auch in diesem Jahr veranstaltet Ariana ihr „Adventslesen“ – genauer gesagt ihre „Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewochen“ – und natürlich bin ich auch dieses Mal mit dabei. Da es in den letzten Wochen etwas hektisch bei mir war, habe ich mir dieses Jahr im Vorhinein gar keine Gedanken darüber gemacht, was ich lesen könnte. Allerdings hatte ich im Hinterkopf, dass ich vom letzten Jahr noch einige weihnachtlichen Geschichten auf dem eReader habe, die ich mir mal genauer anschauen könnte, wozu ich in dieser Woche allerdings noch nicht gekommen bin. Außerdem habe ich von Natira eine Anthologie mit Weihnachtsgeschichten, die von Charlotte McLeod zusammengestellt wurden, die ich mir heute wohl auch mal vornehmen werde.

So ganz bin ich noch nicht in Adventsstimmung, obwohl die letzte Woche eigentlich sehr nett und relativ geruhsam verlief. So war Natira für ein paar Tage in der Stadt, um uns zu besuchen, und wir hatten wirklich eine nette Zeit miteinander. Dabei hatte die arme Natira (vermutlich ohne zu wissen, was sie da tat) ihre Dienste als Chauffeurin angeboten und durfte uns/mich zu Wohnungsbesichtigungen und Einkaufstouren begleiten. (Und hat so auch dafür gesorgt, dass unsere gesammelten Weihnachtspäckchen schon abgeschickt werden konnten.) Außerdem gab es gemütliche Sofastunden, leckeres Essen und viel Zeit zum Schwatzen. 🙂 Mittwoch war dann wieder ein normaler Arbeitstag für mich, während mein Mann Donnerstag und Freitag frei hatte (und mir ein bisschen beim Abarbeiten der To-do-Liste helfen konnte), damit wir den „jährlichen Verwöhntag für die Winterkatze“ (klingt das nicht viel netter als Geburtstag? 😉 ) richtig begehen konnten. So gab es am Freitag auch einen Besuch im Lieblingscafé, um gemütlich zu frühstücken, und dann habe ich mit ganz vielen lieben Menschen telefoniert, die an mich gedacht haben.

Dummerweise haben diese entspannten Tage nicht dafür gesorgt, dass meine To-do-Liste kleiner wird, also wird die „staade Zeit“ (wie Ariana sie bezeichnet) bei uns weder ruhig noch besinnlich, aber die kommenden Sonntage will ich mir auf jeden Fall frei nehmen und mich mit Winter-/Weihnachtsgeschichten (egal, ob in Buchform oder vielleicht als Film) beschäftigen. Und da zur Adventszeit für mich auch gehört, dass man Zeit mit seinen Liebsten verbringt, darf mein Mann sich über weitere Brettspielrunden mit mir freuen. Ursprünglich hatte ich auch vor an einem der nächsten Sonntage Plätzchen zu backen, weil ich das gern mache und es im Dezember einfach dazu gehört. Aber nachdem unsere Küche gerade vor lauter süßen Mitbringseln aus den Nähten platzt, habe ich das gestrichen.

Soviel also zur vergangenen Woche und den allgemeinen Plänen für die Adventszeit. Jetzt packe ich erst einmal einen Bagel zum Auftauen in den Ofen, drehe eine kleine Blogrunde und werfe einen ersten Blick auf die vorhandenen weihnachtlichen Geschichten, um gemütlich in den heutigen 1. Advent zu starten. Ich wünsche euch eine schöne Adventzeit und viele schöne Stunden mit Menschen und Tätigkeiten, die euch gut tun!

Update 13:45 Uhr

Den Vormittag habe ich eigentlich zum Großteil online verbracht und den FeedReader geleert und bei den anderen Adventslesern vorbeigeschaut. Zum Frühstück habe ich mir allerdings wirklich die erste Geschichte aus der Weihnachtskrimi-Anthologie gegönnt und muss zugeben, dass ich von Charlotte McLeods „Blüten zur Weihnachtszeit“ etwas enttäuscht bin. Die Autorin versucht zu Beginn den Leser in ihrer Balaclava-Welt einzuführen, ohne dass das wirklich nötig wäre, und kann einfach schon allein aufgrund der Kürze der Geschichte all die Elemente, die ich sonst an ihren Romanen so mag, gar nicht ausspielen. Manche Erzählweisen brauchen eben Zeit und einen behutsamen Aufbau der Handlung und dafür lässt einem eine Kurzgeschichte eben wenig Raum. Ich hoffe, dass die anderen Geschichten mich mehr unterhalten. Aber jetzt gibt es für meinen Mann und mich erst einmal eine Brettspiel-Runde. 🙂

Update 19:00 Uhr

Uff, die heutige „Mechs vs. Minions“-Runde war etwas herausfordernd. Wir hatten uns heute Mission 7 (von insgesamt 10) vorgenommen und mussten dabei verhindern, dass die vielen, vielen Minions ein bestimmtes Gebiet überrennen, während wir gleichzeitig vier Kristalle, die über das Spielbrett verteilt zu finden waren, nacheinander in dieses Gebiet bringen mussten. Bei diesem Spiel ist es so, dass die Bewegungen und Angriffe der Spielfigur durch Karten, die man zu Beginn einer Runde zieht und dann mit eventuell schon in früheren Runden gezogenen Karten kombiniert, gesteuert werden. Dummerweise hatten wir heute bei unseren ersten zwei Versuchen mit dieser Mission so gut wie keine Bewegungskarten in die Finger bekommen, so dass wir jedes Mal sehr schnell gescheitert sind. Beim dritten Versuche hatten wir dann deutlich mehr Glück beim Kartenziehen und so konnte sich meine Figur erst einmal zum Zielgebiet bewegen und alle Minons angreifen, die sich näherten, während mein Mann mit seiner Figur nach und nach Kristalle einsammelte und in Sicherheit brachte. Beim letzten Kristall bot es sich an, dass er die Verteidigung übernahm, während ich übers Spielfeld flitzte. Am Ende waren wir auf jeden Fall erfolgreich – und erstaunlich erledigt von all dem Planen und Denken. *g* Es hat aber wieder eine Menge Spaß gemacht, auch wenn ich zwischendurch etwas frustriert war, weil ich schon zu Spielbeginn sehr müde war und dann nicht so gut damit umgehen konnte, dass wir so viel Pech hatten, wenn es um das Ziehen der Karten und das Würfeln ging.

Danach bin ich in die Küche geflitzt und habe mir einen schönen großen Pott Tee gekocht und eine Auswahl an Leckereien auf einen Teller geworfen. Während mein Mann an seinem Spielbericht für das Brettspielforum getippt hat, habe ich mir den eReader geschnappt und nach den Speicher durchsucht. Hängengeblieben bin ich bei „The Christmas Bake Off“ von Abby Clements, eine Kurzgeschichte, die es wohl mal umsonst für den Kindle gab (und immer noch umsonst ist, wie ich gerade sehe) und die nett war. Erzählt wird die Geschichte eines Backwettbewerbs in einem kleinen Ort in Yorkshire aus mehreren Perspektiven und so lernt man als Leser eine Handvoll Personen kennen, die ihr Gebäck bei dem Wettbewerb eingereicht haben und die unterschiedliche Gründe haben, warum sie gern gewinnen würden (oder warum ihnen ein Gewinn egal ist). Das war nett, wenn auch natürlich durch die Vielzahl an Figuren und die Kürze der Geschichte sehr oberflächlich. Aber immerhin hatte ich schon mal einen kleinen Ausflug in eine gemütliche Kleinstadt mit Weihnachtsdekoration, liebenswerten Bewohnern, Schnee für eine Schneeballschlacht und dem Duft nach Tannengrün und Zimt. 😉

Da „The Christmas Bake Off“ mit gerade mal 25 Seiten schnell gelesen war, habe ich dann noch die zweite Kurzgeschichte in der Weihnachtsanthologie („Mörderische Bescherung“ – ich sollte mir den Titel mal merken) angelesen, war aber dann nicht in der Stimmung für den Protagonisten und habe lieber zu „Sales.Force.“ von Kristine Kathryn Rusch gegriffen (die vorletzte Geschichte aus der Urban-Fantasy-Anthologie „Shadowed Souls“). Ein bisschen frage ich mich, ob die Geschichte in einer bestehenden Serienwelt der Autorin angesiedelt ist, aber auch ohne Hintergrundwissen war sie gut verständlich und stellenweise sehr berührend. Außerdem mochte ich die verschiedenen Wendungen, die die Handlung nahm.

Bevor ich mich gleich in die Küche begebe, um unser heutiges Abendessen („Allgäuer Kartoffelsuppe“) aufzuwärmen und abzuschmecken, versuche ich noch ein paar Kommentare zu beantworten und Blogs zu besuchen. 🙂

Update Montag

Gestern nach dem Essen habe ich noch etwas kommentiert und mich noch eine Weile mit einer Mischung aus 3DS (Blümchen gießen), lesen und schwatzen wachgehalten, während im Hintergrund zwei Folgen der letzten Gilmore-Girl-Staffel liefen. Da ich zum Geburtstag ein Netflix-Guthaben geschenkt bekommen habe, um die neuen vier Folgen schauen zu können, müssen wir erst einmal etwas unsere Erinnerungen an die letzten Entwicklungen in der Serie auffrischen, bevor wir weiterschauen können. *g* Dummerweise sind wir beide immer wieder dabei eingenickt und so ging es für uns früh ins Bett, ohne dass ich diesen Beitrag noch einmal aktualisiert habe.

Jenny Han: To all the boys I’ve loved before

Über „To all the boys I’ve loved before“ von Jenny Han bin ich bei Sunny gestolpert. Genauer gesagt hat ihre Rezension zu dem Hörbuch dafür gesorgt, dass ich mir den Roman in der Bibliothek vormerken ließ, nachdem ich vorher schon etwas drumherum geschlichen war. Oh, und trotz des englischen Titels habe ich die deutsche Übersetzung (von Birgitt Kollmann) gelesen. Die Geschichte wird von der sechzehnjährigen Lara Jean erzählt, deren Leben sich durch die Tatsache, dass ihre große Schwester Margot zukünftig in Schottland studieren wird, sehr verändert. Seit dem Tod der Mutter vor einigen Jahren hat sich Margot immer um alles gekümmert, hatte alle Termine im Blick, hat sich um die Einkäufe, den Haushalt und ihre beiden jüngeren Schwestern gekümmert und dafür gesorgt, dass der Vater als Arzt nicht zu viele Wochenendschichten übernimmt. Doch nun muss Lara Jean versuchen Margots Position auszufüllen und sich allein um die kleine Schwester Kitty und all die anderen anfallenden Verpflichtungen kümmern.

Da ist es nicht gerade hilfreich, dass die fünf „Anti-Liebesbriefe“, die Lara Jean in den vergangenen Jahren an die Jungs geschrieben hat, in die sie einmal verliebt war, aus ihrem Versteck verschwinden und den betreffenden Jungen mit der Post geschickt werden. Denn unter diesen fünf Liebesbriefen war auch einer an den Nachbarjungen Josh, der bis zu Margots Abreise noch der Freund von Lara Jeans großer Schwester war. In ihren Briefen hatte Lara Jean alles aufgeschrieben, was sie an den betreffenden Jungen mochte (und zum Teil, was sie an ihnen nicht leiden konnte), sie war so ehrlich, wie sie nur sein konnte, weil sie ja davon ausging, dass niemand je diese Briefe zu lesen bekäme, und mit dem Schreiben dieser Briefe hat sie jedes Mal mit dem Verliebtsein in diese Person abgeschlossen. Doch nun wissen die Jungen von all den Gefühlen, die Lara Jean für sie hatte, und mehr als einer spricht sie auf das an, was sie in ihrem Brief an ihn geschrieben hat.

Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht Lara Jean dabei zu begleiten, wie sie mit all dem auf einmal aufkommenden Chaos in ihrem Leben umgeht. Lara Jean ist normalerweise ein sehr ängstliches Mädchen, schon die Fahrt zum Einkaufszentrum überfordert sie, weil sie sich ständig ausmalt, was alles passieren könnte, aber nun muss sie sich all den Jungen stellen, die mit ihr über die Briefe reden wollen. Besonders bei Josh ist es ihr peinlich, da sie sich sicher ist, dass er und ihre Schwester Margot doch eigentlich zusammengehören, auch wenn sich Margot von ihm getrennt hat. Um Josh zu zeigen, dass sie überhaupt nicht mehr an ihm interessiert ist, lässt sich Lara Jean auf so manch verrückte Aktion ein und entdeckt dabei Seiten an sich, die sie sich selber nicht zugetraut hätte.

Doch obwohl sich ein Großteil der Handlung um Lara Jean (eher nicht vorhandenes) Liebesleben dreht, ist „To all the boys I’ve loved before“ für mich eher eine Geschichte rund um das Verhältnis der drei Schwestern zueinander und um Lara Jeans Entwicklung, nachdem ihr Leben nicht mehr so von ihrer großen Schwester beeinflusst wird. Auf einmal ist da keine Margot mehr, die sich darum kümmert, dass Lara Jean alles auf die Reihe bekommt, sich um Praktikumsplätze bewirbt oder ähnliche Dinge tut. Jetzt muss sie alles allein hinkriegen und sehr oft ihren ganzen Mut zusammennehmen, um sich einer Herausforderung zu stellen. Dabei scheitert Lara Jean häufig an ihren eigenen Ansprüchen, möchte sie doch eigentlich genauso perfekt sein wie Margot (es zu sein scheint). Jenny Han erzählt Lara Jeans Geschichte voller überraschender Wendungen, witziger Szenen und liebenswerter Figuren, was nicht nur dazu führte, dass ich den Roman an einem Tag durchgelesen hatte, sondern auch dazu, dass ich mich dabei ganz wunderbar amüsiert und wohlgefühlt habe.

Diana Wynne Jones: The Merlin Conspiracy (Magids 2)

Während „Deep Secrets“ in der Regel als Fantasy für erwachsene Leser eingestuft wird, zählt der zweite Magids-Band anscheinend wieder zu den Jugendbüchern von Diana Wynne Jones. Auf die Idee zu dem Roman ist die Autorin gekommen, als ein Leser sie fragte, was denn aus Nick Mallory (der eine Nebenfigur in „Deep Secrets“ war) geworden sei. Trotzdem kann man die beiden Bücher eigentlich vollkommen unabhängig voneinander lesen kann, obwohl man hier etwas über Nicks Familie erfährt, dass erst am Ende des ersten Romans enthüllt wird. In „The Merlin Conspiracy“ wird die eine Hälfte der Geschichte von Nick Mallory erzählt, während die zweite Hauptfigur Roddy (genauer gesagt Arianrhod) Hyde ist, die in einer Welt lebt, die unserer in vielen Dingen sehr ähnlich ist, die aber über eine Menge Magie verfügt und in der England von einem König regiert wird, der das ganze Jahr über durch sein Land reist (unter anderem um dafür zu sorgen, dass die Magie im Gleichgewicht bleibt).

Mir hat „The Merlin Conspiracy“ deutlich besser gefallen als „Deep Secret“, unter anderem weil ich mit Roddys Heimatwelt deutlich besser zurecht kam als mit dem Koryfonic-Imperium. Roddy gehört zu dem Tross des Königs und reist seit ihrer Geburt mit der Bus-Karawane durchs Land. Als Tochter des königlichen Wettermagiers gehört sie zum Hofstaat, auch wenn das in ihrem Alter nicht mehr bedeutet als auf Wunsch anwesend zu sein und sich gut zu benehmen und ansonsten nicht im Weg rumzustehen. Ihr bester Freund ist Grundo, ein etwas jüngerer Junge, der von seiner Mutter und seiner Schwester regelmäßig gemobbt wird. So hat es sich Roddy zur Aufgabe gemacht Grundo vor seiner Familie zu beschützen – was zu Beginn der Geschichte dazu führt, dass die beiden Jugendlichen hinter einen Komplott kommen, bei dem eine mächtige Magierin und ihre Verbündeten das sensible Gleichgewicht der Magie für ihre eigenen dunklen Zwecke ausnutzen wollen.

Auf der Suche nach Hilfe stolpert Roddy über Nick, der aufgrund unglücklicher Umstände dem Schattenpfad zwischen den Welten folgt und somit verpflichtet ist, drei Personen zur Seite zu stehen, bevor er den Pfad wieder verlassen kann. Nick hat sich seit den Ereignissen in „Deep Secret“ nicht viel verändert. Noch immer ist er fasziniert von der Magie und träumt davon selber eines Tages ein Magid zu werden, während er auf der anderen Seite alles dafür tut, um bloß keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch im Laufe seiner Reise muss er feststellen, dass all seine Handlungen Konsequenzen (vor allem für andere) haben, selbst wenn er das Gefühl hat, er würde doch nichts tun und sich weiterhin geschickt durch alle Herausforderungen mogeln.

Für mich beinhaltet „The Merlin Conspiracy“ wieder ganz viel dieser ganz speziellen Diana-Wynne-Jones-Atmosphäre. Es gibt ganz viele skurrile und witzige Szenen, die für den Außenstehenden unfassbar erscheinen, während sie für die Beteiligten eigentlich vollkommen alltäglich sind, Außerdem finden sich fantastische Orte und Menschen in der Geschichte, die man sofort ins Herz schließt, während man bei all den amüsanten Momenten trotzdem immer wieder schlucken muss, weil die Autorin mit erschreckender Leichtigkeit gravierende Probleme streift, die ohne großes Umdenken auf unseren Alltag und unsere Welt übertragen werden können. Ich mochte es auch sehr, wie sie keltische Elemente in ihre Geschichte einbaut, ohne diese dabei groß zu erklären oder sich starr an eine bestimmte Vorstellung zu halten. Insgesamt war „The Merlin Conspiracy“ (trotz aller gesellschaftskritischer Ideen) wieder einmal eine wunderbare Wohlfühllektüre, die meine Lust auf Diana-Wynne-Jones-Romane nur weiter angefacht hat.

Jiro Taniguchi: Vertraute Fremde (Manga)

Die Grundidee ist bei „Die Sicht der Dinge“ und „Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi eigentlich die gleiche. In beiden Geschichten geht es darum zurückzugehen und entscheidende Aspekte seiner Kindheit aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten. Doch während der Protagonist in „Die Sicht der Dinge“ durch all die Erzählungen der Trauergäste bei der Totenfeier seines Vaters an viele Aspekte aus seiner Kindheit erinnert wird und so – wenn auch leider zu spät – ein ganz neues Bild von seiner Familie gewinnt, reist der Architekt Hiroshi Nakahara durch die Zeit. Oder wie sonst kann man es sich erklären, dass er sich nach einem Besuch am Grab seiner vor 23 Jahren verstorbenen Mutter in seinem 14jährigen Körper wiederfindet? Als Vierzehnjähriger – ausgestattet mit dem Wissen und den Erfahrungen eines Erwachsenen – bekommt Hiroshi die Gelegenheit seine Familie (vor allem seinen Vater, der damals spur- und kommentarlos verschwunden ist,) aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen und viele Dinge zu hinterfragen, die ihm als Jugendlicher gar nicht aufgefallen waren.

Vor allem kann Hiroshi es kaum glauben, wie glücklich seine Familie damals war. Gemeinsam mit seiner Großmutter, seinen Eltern und seiner kleinen Schwester verbringt er die Monate von der Kirschblüte bis zum Ende der Sommerferien und stellt nur immer wieder fest, wie liebevoll seine Eltern miteinander umgehen und wie viel harmonischer sein Familienleben im Vergleich zu dem seiner Klassenkameraden ist. Nur manchmal vergisst er, dass er kein 14jähriger mehr ist, und genießt es, wieder so leicht und frei zu sein wie ein Teenager. Doch die meiste Zeit grübelt er darüber, wie sehr seine Zeitreise wohl seine Umgebung beeinflusst und wie er herausfinden kann, was seinen Vater bewegt und was diesen dazu bringen wird, seine Familie zu verlassen. Dabei verplappert sich Hiroshi auch ab und an, vor allem gegenüber einem Mitschüler, dem er so einiges über die Zukunft und welche Ereignisse noch kommen werden erzählt.

Ich fand es sehr stimmig, dass Hiroshi nicht ganz normal in sein altes Leben als Teenager schlüpfen kann. Er hat sich in all den Jahren, die seitdem vergangen sind, stark verändert, hat viel gelernt (weshalb ihm jetzt die Schule überraschend leicht fällt) und ist natürlich von Erfahrungen geprägt worden, die er als Schüler nicht hätte vorhersehen können. So fällt es seiner Umgebung natürlich auf, wie sehr er sich verändert hat, auch wenn sie keine andere Erklärung für diese Veränderungen haben als die Pubertät und dass er langsam erwachsen wird. Es gibt viele Dinge, die ich an dem Architekten (vor allem in seinem normalen „erwachsenen“ Alltag) nicht sympathisch fand. Er scheint recht egoistisch zu sein, trinkt zu viel und all die Sensibilität, die er während seiner Zeitreise für die Menschen in seiner Umgebung aufbringt (wenn ihm sein eigener Kummer die Aufmerksamkeit dafür übrig lässt), fehlt ihm ansonsten wohl vollständig. Aber diese vielen verschiedenen Seiten machen ihn zu einem realistischen Protagonisten – ebenso wie sein Scheitern an vielen Stellen in der Geschichte.

So erzählt Jiro Taniguchi wieder eine sehr leise und nachdenklich machende Geschichte von einer Familie in den 50er Jahren in Japan (und ja, auch sie spielt wieder in der Nähe von Tottori), ohne dass ich – obwohl ich gerade erst „Die Sicht der Dinge“ gelesen hatte – das Gefühl hatte, er würde sich wiederholen. Hiroshi denkt über all die Veränderungen nach, die die kommenden Jahre für Japan bringen, erfährt aber auch mehr über die Folgen des Zweiten Weltkriegs für seine Eltern und beschäftigt sich für die Träume und Hoffnungen seiner Schulkameraden. Dabei schwebt über der ganzen Geschichte, selbst bei den lustigen oder besonders harmonischen Momenten, eine melancholische Stimmung, die einen immer wieder die Handlungen der verschiedenen Figuren hinterfragen lässt. Dass die Zeichnungen diese Atmosphäre wunderbar unterstützen und voller liebevoller Details und Feinheiten sind, die einem die Zeit und die Charaktere besonders deutlich vor Augen führt, muss ich vermutlich nach den Rezensionen zu Jiro-Taniguchi-Manga in den letzten Wochen gar nicht mehr betonen.

Nancy Mitford: Liebe unter kaltem Himmel

Nachdem ich die Jessica-Mitford-Biografie gelesen hatte, habe ich mal geschaut, welche Bücher von den Mitford-Schwestern wohl in unserer Bibliothek zu finden sind und mir dann „Liebe unter kaltem Himmel“ von Nancy Mitford ausgeliehen. Der Roman soll deutliche biografische Bezüge haben und ich bin mir sicher, dass ich einige Sachen (wie den Kleiderschrank der jüngeren Cousinen, bestimmte Ansichten und Verhaltensweisen von dem Onkel und der Tante der Protagonistin usw.) dem realen Leben von Nancy Mitford und ihrer Familie zuordnen konnte. Doch auch ohne diese Bezüge ist „Liebe unter kaltem Himmel“ eine eigentlich recht unterhaltsame Geschichte, die sich rund um die Familie Montdore dreht. Erzählt wird die Handlung dabei von der ruhigen und relativ „normalen“ Fanny, die – aufgrund der Tatsache, dass ihre geschiedenen Eltern die Erziehung ihrer Tochter der Verwandtschaft überlassen haben, – von Kindesbeinen an sehr viel Zeit mit Lord und Lady Montdore und deren Tochter Polly (Leopoldina) verbringt.

Dabei kam mir Fannys Erzählton – obwohl sie spätestens nach ihrem Debüt in London in die Gespräche der Erwachsenen mit einbezogen wird – häufig sehr naiv vor. Obwohl sie sich so viel mit dem Leben ihrer Verwandten beschäftigt, wird sie immer wieder von all den Entwicklungen und Neuigkeiten überrascht. Aber diese Naivität ist ebenso wie ihre Gutmütigkeit auch der Grund, warum man ihr so gerne zuhören, wenn sie von all den Menschen und ihrem Leben erzählt. Dabei interessiert sie vor allem das Schicksal ihrer Cousine Polly, die von klein auf verhätschelt und verwöhnt wird und in deren Zukunft ihre Eltern sehr große Hoffnungen setzen. So große Hoffnungen, dass natürlich alles dafür getan wird, dass Polly, als sie ins passende Alter kommt, angemessene und einflussreiche junge Männer kennenlernt. Schließlich gibt es nichts wichtigeres für ein junges und adeliges Mädchen als einen Mann mit guter Herkunft und guten Aussichten zu heiraten und dann dafür zu sorgen, dass er beruflich so erfolgreich wird, wie es ihrer Position angemessen ist. Doch schnell fällt ihrer ehrgeizigen Mutter auf, dass Polly so gar kein Interesse für all die vielversprechenden jungen Männer aufbringen kann, was für einige Unruhe im Haus der Montdore. sorgt.

Ich fand es wirklich nett dem plaudernden Ton von Fanny zu folgen, während sie von den verschiedenen Eigenheiten ihrer Familienmitglieder berichtet oder erzählt, wie ihr Verhältnis zu den Montdores ist und wie es dazu kam, dass sie in bestimmte Ereignisse eingeweiht wurde. Sehr viel passiert dabei nicht, aber es gibt so viele treffende und skurrile Momente, dass ich mich gut unterhalten fühlte. Was mir allerdings an der Geschichte nicht gefiel, ist der Umgang mit einer bestimmten Person. Dieser Mann ist dafür bekannt, dass er gern mit kleinen Mädchen spielt und für Fanny waren diese Spiele immer unangenehm. Aber als höfliches kleines Mädchen, das gelernt hat, dass es erwachsene Menschen respektvoll behandeln muss, hat Fanny natürlich mitgespielt, wenn sie dazu aufgefordert wurde. Aber Fanny scheint die einzige zu sein, der dieser Mann unangenehm ist. Ihre Cousinen scherzen über die Spiele dieses „Onkels“, es gibt Anspielungen, dass ein Mädchen (das von ihren älteren Schwestern im unklaren darüber gelassen wird, was zwischen Mann und Frau nach der Hochzeit passiert) nur diesen Mann fragen müsste und dann gäbe es nicht nur eine Erklärung, sondern auch Anschauungsunterricht.

Noch schlimmer finde ich aber Fannys ältere Verwandtschaft, wo nicht nur ganz lässig darüber geredet wird, dass dieser Typ seine Spielchen mit der eigenen Tochter getrieben hat, sondern auch, dass eine (später in der Handlung vorkommende) Beziehung für ihn die gerechte Strafe dafür sei, dass er die Hände nicht von kleinen Mädchen lassen konnte. Dass das Verhalten dieses Mannes einfach als „normales“ exzentrisches Verhalten gewertet wird und dass niemand das Gefühl hat, man müsse die Kinder vor ihm beschützen oder ihn vielleicht sogar aus der Gesellschaft ausschließen, finde ich sehr schwierig. Natürlich ist mir bewusst, dass dieser Roman zu einer Zeit geschrieben wurde, in der man Kinder selten vor Erwachsenen in Schutz nahm, und anscheinend reicht es da auch, dass dieser Herr eine gewisse Grenze dann doch nicht überschreitet. Ich habe mich zwischendurch schon gefragt, ob das vielleicht bewusst so unkritisch von Nancy Mitford dargestellt wurde, um zu betonen, was da vor den Augen der gesamten Verwandtschaft passiert, aber dafür ist mir der Ton in dem Roman (und in gewisser Weise auch das Ende) zu heiter. So war für mich „Liebe unter kalten Himmel“ leider kein ungetrübtes Vergnügen, obwohl ich viele Szenen und Figuren wirklich unterhaltsam fand.

Diana Wynne Jones: Deep Secret (Magids 1)

„Deep Secrets“ von Diana Wynne Jones gehört zu den Bücher, die ich im Oktober während des Herbstlesens gelesen habe. Nachdem ich den ganzen Monat über immer wieder in „Reflections“ gestöbert hatte, hatte ich solche Lust mehr Diana-Wynne-Jones-Bücher zu lesen, dass ich mir diesen Band (und „The Merlin Conspiracy“, den weiteren Magids-Roman,) besorgt habe. Ich muss gestehen, dass ich „Deep Secret“ nicht ganz so bezaubernd finde, wie viele andere Romane (vor allem die Kinderbücher) der Autorin, obwohl die Geschichte wieder voller fantastischer Einfälle und Details strotzt und ich den Humor darin sehr genossen habe.

Die Handlung dreht sich auf der einen Seite um Rupert Venables, der als Magid für mehrere Welten verantwortlich ist. So muss er sich auch um die Probleme des Koryfonic-Imperium kümmern, das gleich aus mehreren Welten besteht, als ein Attentat dazu führt, dass der Herrscher inklusive all seiner hochrangigen Berater, Militärbefehlshabern und Adeligen getötet wird. Dabei ist es vor allem wichtig, herauszufinden, wo die inkognito aufgezogenen Erben des verstorbenen Herrschers verblieben sein könnten, um dann einen von ihnen auf den Thron zu setzen (auf dass dieser sich dann mit dem ganzen Ärger rumschlagen darf). Auf der anderen Seite muss Rupert nach dem Tod seines Meisters einen Ersatz-Magid finden, den er ausbilden kann, damit die vorgegebene Anzahl an Magids erhalten bleibt. Doch es ist nicht so einfach auf der Erde eine Person aufzustöbern, die in der Lage ist Magie zu wirken und die die nötigen moralischen Voraussetzungen für diesen Job mitbringt. Die aussichtsreichste Kandidatin scheint Maree Mallory zu sein, doch ein erstes Aufeinandertreffen der beiden überzeugt Rupert davon, dass seine Suche noch lange nicht am Ende ist. Die zweite Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist die von Maree, deren Leben gerade schon kompliziert genug ist und die es gar nicht gebrauchen kann, dass ein seltsamer Unbekannter sie verfolgt …

Obwohl mir beide Protagonisten eigentlich sympathisch waren, gab es gerade am Anfang einige Momente, in denen sie mir etwas auf die Nerven gingen, weil sie so sehr auf ihre eigene kleine Weltsicht konzentriert waren, dass sie sich ständig selber im Weg standen. Meinem Gefühl nach hätten sich eine Menge Schwierigkeiten vermeiden lassen, wenn diese beiden Figuren ihren Gesprächspartnern mal richtig zugehört hätten oder ohne vorgefasste Meinungen an eine Herausforderung herangegangen wären. Außerdem fand ich es nicht so schön, dass viele Hintergründe schon sehr, sehr früh offensichtlich war, während Rupert immer noch im Dunklen irrte. Ich lasse mich lieber von der gesamten Handlung überraschen und nicht nur von den kleinen Momenten. 😉 Aber ich muss auch zugeben, dass es wirklich viele nette kleine Szenen gab, die überraschend und amüsant waren. Vor allem während der SFF-Convention merkt man genau, dass Diana Wynne Jones vermutlich viele Ereignisse, die sie selber bei Conventions erlebt hat, aufgegriffen hat. Auf jeden Fall kommen einem das Chaos und bestimmte Figurentypen sehr vertraut vor, wenn man schon mal bei einer Con war.

Dazu kommt noch eine faszinierende Idee zum Thema Parallelwelten, die zum Teil „Neyward“ und zum Teil „Ayeward“ ausgerichtet sind (d.h. weniger oder mehr Magie besitzen), und ein sehr spöttischer Unterton, wenn es um „klassische“ Fantasyelemente geht. Ich denke, es ist kein Zufall, dass Diana Wynne Jones einen so ironischen Fantasyroman kurz nach der Veröffentlichung von „The Tough Guide to Fantasyland“ geschrieben hat und ich kann ihre Motivation wirklich nachvollziehen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es ihr an vielen Stellen wichtiger war mit klassischen Storyelementen zu spielen und die Absurdität dieser Standardzutaten für High-Fantasy-Romane zu betonen, als wirklich eine Geschichte zu erzählen oder gar eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser an ihren Roman fesselt. Dabei kann man viele Aspekten in „Deep Secret“ wiederfinden, die ich sonst so an ihren Geschichten so sehr mag. So gibt es zum Beispiel diese Mischung aus Alltagsszenen und Magie, die ich als so typisch für die Autorin empfinde und die ich sonst so sehr genieße, auch in diesem Roman. Aber hier fangen mich diese Szenen nicht so auf wie sonst.

Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass die Handlung großteils in unserer modernen Welt (naja, modern, wenn man den Entwicklungsstand von 1996 in Betracht zieht) spielt, denn das war bei „Enchanted Glass“ auch der Fall und trotzdem habe ich die Geschichte als deutlich atmosphärischer empfunden. Genau genommen fand ich sogar die Ereignisse auf unserer Welt fesselnder als die, die in Koryfonic spielten – obwohl das natürlich alles miteinander verbunden war. Ich glaube, Diana Wynne Jones hat sich bei „Deep Secret“ davon hinreißen lassen, dass sie einen amüsanten Weg gefunden hat, über all die Dinge zu spötteln, die sie gerade so sehr an Fantasyromanen stören, dass sie sich ein bisschen zu sehr darauf konzentriert hat. Und obwohl ich das auch witzig finde und ähnliche Geschichten auch schon bei anderen Autoren genossen habe, vermisse ich hier einfach diesen ganz besonderen Diana-Wynne-Jones-Touch, der sonst dafür sorgt, dass ihre Romane mir so ans Herz wachsen.

Jiro Taniguchi: Ein Zoo im Winter (Manga)

Auch „Ein Zoo im Winter“ ist ein Manga von Jiro Taniguchi und wurde von mir im Oktober aus der Bibliothek ausgeliehen, weil ich mehr von dem Mangaka lesen wollte. Die Geschichte dreht sich um Mitsuo Hamaguchi, der 1966 gerade am Anfang seines Berufslebens steht. Obwohl er immer schon gern gezeichnet hat, nimmt er nach seinem Schulabschluss eine Stelle bei einem Textilfabrikanten in Kyoto an, weil das schließlich der vernünftige Weg ist. Gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen wohnt er in einem Apartment bei seinem Arbeitgeber und um am Wochenende etwas Ruhe zu haben, geht er in den Zoo und zeichnet all die Tiere, die dort leben.

Besonders glücklich ist Hamaguchi mit seinem Leben nicht, hatte er doch ursprünglich gehofft, man würde ihn in der Designabteilung der Firma beschäftigen und er könne auch beruflich sein Zeichentalent einsetzen. Doch obwohl er nicht zufrieden ist, fehlt lange Zeit der Anlass, um dieses sichere Leben hinter sich zu lassen. Erst als er Ärger mit seinem Chef bekommt und ihm ein Freund eine Stelle als Assistent bei einem erfolgreichen Mangaka vermittelt, traut sich Hamaguchi den solideren Job hinter sich zu lassen und einen Schritt auf seinen Traumberuf zuzugehen. Er zieht nach Tokyo und verbringt von nun an viele Tage und Nächte am Zeichenbrett, um die Entwürfe seines neuen Arbeitgebers auszuarbeiten. Doch bei all der Arbeit und den Ablenkungen, die Tokyo zu bieten hat, dauert es wieder lange, bis Hamaguchi endlich darüber nachdenkt selber kreativ zu werden und eigene Geschichten zu erzählen.

Es gibt mehrere Aspekte, die ich an diesem Manga wirklich mochte. Einmal gewinnt man einen spannenden Einblick in den Alltag eines Mangaka in den 60er Jahren, als die Mangaindustrie so richtig anlief, dann bekommt man auch viel über den japanischen Alltag und die Mentalität der Menschen mit. Jiro Taniguchi konzentriert sich auch bei diesem Manga wieder auf einen ruhige zurückhaltenden Mann. Dabei benimmt sich Hamaguchi häufig unbeholfen und erweckt im Leser das Gefühl, er müsse erst einmal seinen Platz in der Welt finden. Auch erscheint er im Gegensatz zu seinen Kollegen lange Zeit antriebslos und ohne Ehrgeiz, aber das finde ich eigentlich ganz sympathisch, und es gibt Jiro Taniguchi die Möglichkeit viele verschiedene kleine Schicksale in die Handlung einfließen zu lassen, die nichts mit dem Protagonisten zu tun haben und die sein Leben nur am Rande streifen. Dabei gibt es auch eine kleine Liebesgeschichte, die ich mit all ihrer Tragik als „typisch japanisch“ empfinde und die es für mich nicht unbedingt gebraucht hätte. Aber wenn ich solche Liebesgeschichten nicht tolerieren könnte, würde ich nicht so viele Manga lesen und immer wieder Anime schauen.

Dass ich Jiro Taniguchis detaillierten und realistischen Zeichenstil mag, dürfte inzwischen nichts Neues mehr sein, und auch hier konzentriert er sich wieder sehr auf die vielen kleinen Elemente, die seine Darstellungen so real wirken lassen. So gibt es viele ruhige Panels, in denen Hamaguchi über etwas nachdenkt oder eine Szene beobachtet, aber auch einige Zeichnungen, in denen deutlich wird, dass der zurückhaltende junge Mann von all dem Trubel um sich herum etwas überfordert ist. Dabei gelingt es Jiro Taniguchi immer wieder die einzelnen Figuren (und davon gibt es nicht so wenig in dieser Geschichte) mit wenigen Strichen zu charakterisieren und unverwechselbar zu machen. Ich finde es spannend, wie man bei einem kurzen Blick auf eine Zeichnung schon das Gefühl hat, man könne vorhersagen, was für ein Charaktere diese neu eingeführte Figur hat.