SuB-trahiert 2017 (2)

Langsam, aber stetig arbeite ich weiter an den Titeln auf meinem SuB, die schon seit über einem Jahr darauf warten gelesen zu werden. Manchmal kann ich selber nicht verstehen, warum bestimmte Romane von mir so lange „aufgeschoben“ werden …

1. Moira J. Moore: Resenting the Hero


Eine sehr gute Freundin von mir war von dieser Reihe sehr begeistert, so dass ich den ersten Band nach ihrer Empfehlung und dem Lesen des Klappentextes auf meinen Wunschzettel gepackt habe. Trotzdem lag der Titel am Ende über zwei Jahre auf meinem SuB, weil ich mir nicht wirklich sicher war, ob das Ganze was für mich wäre. Ich sollte wirklich keine Bücher auf die Wunschliste setzen, nur weil ich das Gefühl habe, dass meine Freundin sich freuen würde, wenn ich endlich mal ihrer Empfehlung folge – vor allem, wenn mir mein Bauchgefühl sagt, dass der Roman vermutlich nichts für mich wäre. HIER geht es zumr VerrissRezension.

(gelesen April 2017)

2. Lynn Kurland: Star of the Morning (The Nine Kingdom 1)


Noch ein Buch, das mir von der oben erwähnten Freundin empfohlen wurde und das dann ziemlich lange auf dem SuB liegen blieb, weil ich heutzutage einfach nicht mehr so oft und gern diese Variante (mittelalterlich wirkende Gesellschaft, großer böser Zauberer, der seit Jahrhunderten eine Bedrohung aus dem Norden darstellt usw.) von Fantasyromanen lese wie als Teenager. Aber da Lynn Kurlands Humor, die Charaktere, die leise und überzeugende Liebesgeschichte und sogar der lineare Aufbau der Handlung so erholsam und amüsant zu lesen waren, denke ich nun, dass ich den Titel deutlich früher aus dem Regal hätte ziehen sollen. Mehr dazu habe ich HIER geschrieben und die Fortsetzungen stehen schon auf der Wunschliste. *g*

(gelesen April 2017)

3. Mira Grant: Deadline (Newsflesh 2)
4. Mira Grant: Blackout (Newsflesh 3)


Obwohl ich so ein großer Fan von Seanan McGuire bin, bin ich sehr lange um den ersten Newsflesh-Band („Feed“) herumgeschlichen, weil Horror nicht wirklich mein Genre ist und ich normalerweise auch nicht so enthusiastisch bin, wenn es um Zombie-Geschichten geht. Als ich mich dann endlich an „Feed“ wagte, war ich total begeistert (und erschüttert und fasziniert und amüsiert), aber das Ende war so heftig, dass ich erst einmal eine Pause benötigte. Die Pause hat sich dann – auch wegen einer Änderungen bezüglich der Protagonisten – ziemlich hingezogen, obwohl ein Teil von mir schon neugierig auf die weitere Entwicklung der Geschichte war. Im Juni habe ich mich dann mal zusammengerissen und die Trilogie am Stück gelesen. Es war heftig und emotional und einfach großartig und sehr erschreckend, wenn man überlegt, wie realistisch die Autorin mit dem Thema Virusinfektionen umgeht …

(gelesen Juni 2017)

Kazuto Tatsuta: Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima (Manga)

Kazuto Tatsutas dreiteilige Mangareihe „Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima“ ist genau das, was der Untertitel sagt. Als (finanziell) nicht gerade erfolgreicher Mangaka war der Autor gerade auf Jobsuche, als die Katastrophe rund um das japanische Atomkraftwerk passierte. Um etwas zu bewirken und zumindest eine Zeitlang ein gesichertes Einkommen zu haben, hat er als Arbeiter rund um die Kraftwerksruine angeheuert. Es wurden gute Stundenlöhne versprochen (die Realität sah später dann etwas anders aus) und irgendjemand musste ja dafür sorgen, dass das Gelände wieder gesichert wird. Aber Kazuto Tatsuta hat sich auch gefragt, wie es denn nun wirklich in Fukushima ist, denn von der Politik, den Medien und den Bürgerbewegungen habe es unzählige gegensätzliche Aussagen zu den Schäden und den Folgen gegeben, die das Atomunglück verursacht hat.

Spannend finde ich bei dieser Veröffentlichung auch, dass Kazuto Tatsuta (der diesen Manga unter Pseudonym veröffentlicht hat) mit seinen Geschichten ein japanisches Gesetz umgehen konnte, das nach der Katastrophe von Fukushima geschaffen wurde, um die Pressefreiheit einzuschränken. Dieses Gesetz ermöglicht es der japanischen Regierung, bestimmte Informationen als „vertraulich“ einzustufen und Journalisten zu bestrafen, die darüber berichten. Doch ein Mangaka gilt als Künstler und nicht als Journalist, und so konnte Kazuto Tatsuta von seinen Erlebnissen berichten und die japanische Öffentlichkeit über die Vorgänge im Kraftwerk, den Alltag der Arbeiter und über die Erfahrungen und Ängste der Anwohner informieren.

Seinen ersten Einsatz (wegen der Strahlenbelastung sind nur kurze Beschäftigungszeiten möglich) hatte der Künstler im Frühsommer 2012 und der Manga beginnt damit, dass er einen typischen Arbeitstag eines Arbeiters in Fukushima zeigt. Das frühe Aufstehen, die vielen Strahlenkontrollen und die Schutzkleidung machen den Arbeitern gleichzeitig das Leben schwer und schützen sie. Doch dieser gefährliche Job ist eben auch Alltag für die vielen Männer, die das Gelände des Atomkraftwerks aufräumen, rückbauen und sichern. So ist es kein Wunder, dass an manchen Tagen eine juckende Nase viel schlimmer und präsenter ist, als der Gedanke an die Strahlung, der man dort während der Arbeitszeit ausgesetzt ist, und dass vor Ort die Gefahr größer ist, an einem Hitzschlag zu sterben als an der Strahlung.

Kazuto Tatsuta erzählt von den widerstreitenden Gefühlen derjenigen unter den Arbeitern, die aus der Region stammen. Auf der einen Seite haben sie im Tsunami oder durch die Sperrung der verstrahlten Gebiete alles verloren, auf der anderen Seite hatten sie und haben sie mit Tepco einen sicheren und gut zahlenden Arbeitgeber, ohne dessen Jobs diese ländliche Region nicht hätte überleben können. Besonders erschreckend fand ich, dass wohl immer wieder Leute ihre Dosimeter manipulierten, um länger arbeiten zu können, und ich hatte auch regelmäßig das Gefühl, dass der Erzähler und seine Kollegen – trotz aller Schutzkleidung und Kontrollen – etwas naiv an das Thema Strahlung herangingen. Aber gerade das ist ja auch das Interessante an so einem Erfahrungsbericht, denn so kann der Leser die Realität kennenlernen, unter der die Arbeiter in einem solch gefährlichen Gebiet arbeiten.

Interessant fand ich auch, dass der Mangaka immer wieder erwähnt, dass das alles nicht so schlimm sei, wie die Medien es darstellten. Allerdings stützt er seine Gedankengänge dabei auf Daten, die Tepco oder die Regierung in den Jahren nach dem Atomunglück veröffentlichten – und ich persönlich wäre da vermutlich viel kritischer angesichts der Tatsache, dass sich weder die japanische Regierung noch der Betreiber des Atomkraftwerks angesichts der Katastrophe von ihrer besten und vertrauenswürdigsten Seite gezeigt haben. Auf der anderen Seite war es auch angenehm, dass Kazuto Tatsuta versucht, keine Vorurteile zu haben. Er gibt sich Mühe, die verschiedenen Arbeitsbereiche so detailliert wie möglich darzustellen, und betont dabei den Alltag der Arbeiter und die Zusammenarbeit zwischen den Kollegen. Selbst bei seiner Darstellung der Sub-Unternehmer, unter denen es natürlich auch welche gibt, die sich auf Kosten der Angestellten bereichern wollen, versucht der Mangaka neutral zu bleiben und beide Seiten der Angelegenheit zu betrachten.

Ab dem zweiten Band gibt es auch Szenen, die sich mit den Hintergründen der Mangaveröffentlichung oder regionalen Besonderheiten rund um die Orte, in denen Kazuto Tatsuta während seiner Arbeit im Atomkraftwerk gelebt hat, beschäftigen. So erzählt er auch von den Bewohnern eines Altenheims, die sich danach sehnen, wieder in ihrer Häuser im Sperrgebiet ziehen zu können, von der offenen Bühne, auf der er ab und an mit seiner Gitarre auftrat, oder den unterschiedlichen Badehäusern, die er aufsuchte. Ich weiß nicht, ob ich einen Bericht über einen vergleichbaren Arbeitsplatz in einem unverseuchtem Gebiet so interessant gefunden hätte, aber ich fand es faszinierend, all diese kleinen und größeren Details zu erfahren.

Zuletzt noch ein Wort zum Zeichenstil des Mangaka: Die Zeichnungen sind sehr detailliert und realistisch gehalten und die verschiedenen Kapitel enthalten auch immer wieder Grundrisse oder Lagepläne, die es dem Betrachter ermöglichen, sich eine bessere Vorstellung von den verschiedenen Abläufen zu machen. Es gelingt Kazuto Tatsuta auch, die verschiedenen Kollegen – trotz der Atemmasken, die ja doch einen Großteil des Gesichts verdecken – so individuell zu zeichnen, dass man sie gut auseinanderhalten kann. Und immer wieder gibt es Panels, die von der Liebe des Zeichners zur Natur rund um Fukushima und von der unglaublichen Zerstörungskraft des Tsunamis zeugen. Insgesamt ist „Reaktor 1F“ für einen Manga ziemlich textlastig, aber ich fand es definitiv nicht zu viel, weil es so interessant war. Außerdem mochte ich die kleinen Nebenbemerkungen, die zum Teil im Nachhinein von dem Mangaka eingefügt wurden, um auf spätere Entwicklungen hinzuweisen oder eine Szene mit einem vorherigen Ereignis zu verknüpfen.

Mal wieder ein Lesetag

Nachdem wir in der letzten Woche einige „tropische“ Nächte hatten, arbeite ich immer noch daran die Temperatur in der Wohnung wieder unter 30 Grad zu bekommen, also nicht wundern, dass dieser Beitrag morgens um halb fünf online geht. Das Wohnungsklima ist der Nachteil an diesem Altbau: Es dauert etwas, bis die Wärme in der Wohnung ist, aber wenn sie da ist, dann bleibt sie auch. Also beginnt mein Tag momentan um vier Uhr, wenn ich meinen schlafenden Mann in den einen Teil der Wohnung sperre und dort alle Fenster aufreiße, während ich Christie in der anderen Wohnungshälfte Gesellschaft leiste. Obwohl heute für mich (und hoffentlich noch ein paar andere Blogger) ein Lesetag ist, werde ich mir die Zeit bis zum Aufstehen meines Mannes (und dem fertigen Durchlüften der Wohnung) mit Anime gucken vertreiben – ich mag kein Licht anmachen und es ist noch nicht hell genug, um problemlos lesen zu können.

Was meine Buchauswahl für heute angeht, so bin ich noch etwas unentschlossen. Ich habe „Fair Play“ von Tove Jansson aus der Onleihe ausgeliehen und lese/pausiere außerdem gerade „Blackout“ von Mira Grant. Letzteres gefällt mir gut, aber es ist eine ziemlich informationslastige Geschichte mit vielen medizinischen (Virologie) und politischen Elementen, auf die ich mich nur einlassen mag, wenn ich mich angemessen darauf konzentrieren kann. Ich könnte mich natürlich auch meinem SuB widmen oder schauen, ob eine meiner Leihgaben mich fesseln kann. Auswahl habe ich ja. 😉

Diesen Beitrag werde ich wie immer im Laufe des Tages aktualisieren und eventuelle Mitleser am Ende des Posts verlinken, wenn sie sich in den Kommentaren melden.



Update 6:00 Uhr

Ich bin gerade so glücklich, dass es nachts wieder unter 20 Grad sind und genieße die 1,5 Stunden, in denen ich morgens im kühlen Luftzug sitze wirklich sehr.

Bislang habe ich nicht viel gelesen, sondern vor allem meine Zeit mit „Blood+“ vertrieben. Ich hatte die Manga-Reihe gelesen, als sie vor einigen Jahren in Deutschland veröffentlicht wurde (und finde es immer wieder lustig, dass ich viel eher zu Horror greife, wenn es ein Manga ist), hatte aber bislang nie die Zeit gefunden die Anime-Serie zu sehen. In der letzten Woche war es dann aber doch mal soweit, dass ich damit angefangen habe, und ich bin inzwischen bei Folge 37 – und sehr fasziniert davon, welche Extra-Handlungsstränge in dem Anime auftauchen.

Irgendwie lustig, dass ich momentan zwei verschiedene Varianten von Zombie-Geschichten konsumiere, obwohl das eigentlich nicht mein Thema ist. *g* Was mich zu „Blackout“ von Mira Grant (Seanan McGuire) bringt, in dem ich inzwischen doch etwas weitergelesen habe. Viel möchte ich zu dem Roman eigentlich gar nicht sagen, da es der dritte Teil der Reihe ist, aber ich bin etwas irritiert davon, wie die Autorin die Grundvoraussetzung für diesen Handlungsstrang angelegt hat. Eigentlich vertraue ich darauf, dass sie etwas richtig Gutes draus macht, und die zwischenmenschlichen Aspekte der Geschichte sind faszinierend und sehr, sehr gut, aber trotzdem weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll.

Update 9:15 Uhr

Zum Frühstück habe ich „Fair Play“ von Tove Jansson angelesen. Die Autorin erzählt – soweit ich das bislang beurteilen kann – in dem Buch keine Geschichte, sondern gibt nur kleine Einblicke in das Leben von Jonna und Mari. Die beiden Frauen sind Künstlerinnen, die in Ateliers leben und arbeiten, die durch einen langen Dachboden voneinander getrennt sind. Tove Jansson beschreibt die Figuren in in kleinen Momenten, durch den Alltag ihrer schon Jahrzehnte andauernden Freundschaft (oder Beziehung?) und bislang finde ich es wunderbar, wie die beiden einander ergänzen. Mari wirkt zwar auf den ersten Blick etwas blass, während Jonna sehr dominant zu sein scheint, aber ich glaube, sie haben beide ihre Stärken und Schwächen, die die jeweils andere nur zu gut kennt.

Aktuell passt mir das Buch sehr gut und ich mag die Geschichten jetzt einfach weiterlesen, ohne mir groß Gedanken über die klare und schöne Sprache und die vielen Sätze, die in mir nachklingen zu machen. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich das Buch in den nächsten Tagen ein zweites Mal in die Hand nehmen werden, um die eine oder andere Szene oder den einen oder anderen Satz noch einmal bewusst rauszupicken und genauer zu betrachten.

Update 13:00 Uhr

Ach, verflixt! Erst bin ich über meinem Buch eingeschlafen (was okay ist, was ich aber lieber „kontrollierter“ machen würde), dann wollte ich das Abendessen vorbereiten und musste feststellen, dass mir Hartweizengrieß fehlt. Jetzt gibt es heute also Tiefkühl-Pizza und mein Mann wird morgen auf dem Heimweg den Grieß kaufen. Das ärgert mich ein bisschen, weil ich Samstag für das Essen frisches Gemüse gekauft habe und das nun bis Dienstag im Kühlschrank liegenbleibt. Aber nun gut, ich kann es nicht ändern.

Nach meinem kleinen Schläfchen werde ich jetzt erst einmal schauen, wie die anderen den Vormittag so verbracht haben und danach meine Gemüsebouillon genießen und „Fair Play“ beenden. Bislang gefallen mir die vielen kleinen Kapitel mit Mari und Jonna sehr gut. Die beiden Frauen sind seit Jahrzehnten zusammen und ich habe sie bislang in den unterschiedlichsten Momenten kennengelernt. Einmal mussten sie mit ungewohltem Besuch auf ihrer Sommerinsel fertig werden, einmal hat Jonna einen Western genossen, während sich Mari fragte, warum die Freundin so viel Freude an diesen Filmen hat und ein anderes Mal haben die beide über eine Geschichte unterhalten, an der Mari schrieb. Ich weiß immer noch nicht, ob Mari wirklich eine Künstlerin ist und wenn ja, was sie genau macht. Jonne hingegen ist ein Allround-Talent und stürzt sich immer wieder mit Begeisterung auf neue Dinge, nur um sie dann für das nächste Projekt zur Seite zu legen. Ich finde es spannend mehr über diese beiden Frauen rauszufinden – gerade weil in den einzelnen Kapiteln nicht viel passiert, denn so konzentriert sich alles sehr auf die beiden Figuren. Die Erzählweise und die Konzentration auf die beiden Frauen erinnert mich sehr an „The Summer Book“ von Tove Jansson – was mir ja auch gut gefallen hatte.

Update 17:45 Uhr

Inzwischen habe ich „Fair Play“ von Tove Jansson beendet und sehr genossen. Vor allem das letzte Kapitel wirft einen sehr schönen Blick auf die Freundschaft der beiden Frauen (die übrigens beide über 70 Jahre alt sind). Am Ende frage ich mich schon, wie viele Aspekte an dieser Geschichte vielleicht aus Tove Janssons Leben stammen. Ich seh schon, ich werde wirklich mal eine Biografie von ihr auf meinen Wunschzettel setzen müssen. *g*

Da ich mich zu zufrieden fühlte, um mich in ein illegales Labor, politische Intrigen und ein vom Zombies eingenommenes Florida zu stürzen, habe ich erst mal zu „The Yard“ von Alex Grecian gegriffen. Ich hatte von seiner „Scotland Yard Murder Squad“-Reihe vor einem Jahr den vierten Band in die Finger bekommen und sehr gern gelesen und nun ist anscheinend der richtige Zeitpunkt gekommen, um mich mit den Anfängen von Inspector Days Karriere zu beschäftigen. 😉 Die „Murder Squad“ ist eine noch relativ frische Polizeieinheit, die aus den Ereignissen rund um die Jack-the-Ripper-Morde vor einem Jahr resultierten. Inspector Day ist erst seit einer Woche bei dieser Truppe und darf schon den Mord an einem Kollegen untersuchen, was ihn ziemlich unsicher macht. Ich mochte schon beim vierten Teil die Figuren und die Beschreibungen des historischen Londons und kann nach den ersten Kapiteln sagen, dass der Autor anscheinend von Anfang an ein Händchen für genau diese Aspekte gehabt hat. Und während ich es normalerweise nicht so gerne mag, wenn man auch Passagen aus Sicht des Mörders erlebt, kann ich hier damit leben, weil der Autor es gut macht.

Nachdem ich mich also versichert hatte, dass „The Yard“ gut anläuft, war ich dann auch wieder in der Stimmung für „Blackout“. Wenn meine Konzentration gut genug bleibt, um mich mit all den Details rund um die ethischen/wissenschaftlichen/konspirativen Elemente der Geschichte auseinanderzusetzen, dann bleibe ich bis zum Abendessen auf jeden Fall bei dem Buch.

Update 22:15 Uhr

Mein letztes Update für heute – es war wieder sehr schön mit euch und ich freu mich schon auf kommende Lesetage! 🙂

Ich habe wirklich noch einiges in „Blackout“ weiterlesen können, bis mein Mann die Pizza servierte und es Zeit wurde zum „dümpeligen Fernsehprogramm“ zu wechseln. Heute war das die letzte Folge von „Skin Wars“ – eine amerikanische Sendung rund um eine Gruppe von Body Paintern, die verschiedene Herausforderungen bewältigen müssen, bis am Ende einer von ihnen 100.000 Dollar gewinnt. Den Wettbewerbsgedanken dabei und den (zum Glück sehr kleinen Soap-Opera-)Anteil bräuchte ich nicht, aber ich finde es sehr spannend, was alles beim Body Painting möglich ist. Es ist Jahre her, seitdem ich Body-Painting-Kunstwerke auf Messen gesehen habe, und es ist irre, wie sehr sich diese Kunstrichtung entwickelt hat. Vor allem finde ich bei der Sendung spannend, dass man ganz gut verfolgen kann, wie sich ein Kunstwerk von der Grundierung bis zu den Details entwickelt.

Jetzt ist es aber definitiv Zeit ins Bett zu gehen – ich hoffe nur, die Person, die gerade unter dem Fenster Pfeife raucht, verzieht sich bald, so dass ich ungestört mit offenem Fenster einschlafen kann, während mein Mann im Wohnzimmer die Katze bewacht.

Habt einen guten Start in die Woche! 🙂

***

Heutige Mitleser:

Sayuri
Kiya
Natira

Fantasy und die Darstellung von Beziehungen

Schon seit Längerem denke ich über die unterschiedliche Darstellungsweise von gesellschaftlich kontroversen Themen in Fantasyromanen nach. Einen Teil meiner Gedanken hatte ich schon im „Henry vs. Maia“ niedergeschrieben – und ich bleibe dabei, dass ich einen nicht so plakativen Umgang mit Themen wie Sexualität, Rassismus, Gleichberechtigung, Feminismus und Ähnlichem bevorzuge, weil mich das zum Denken statt zum Konsumieren anregt.

Noch schöner allerdings finde ich die Fantasywelten, in denen es ganz alltäglich ist, wenn eine Familie nicht unbedingt aus einem Mann, einer Frau und einer dazugehörigen Zahl von Kindern bestehen muss. Welten, in denen Lebensweisen normal sind, die in unserem Alltag bemerkenswert oder gar verpönt sind. Ich glaube, meine Vorliebe für solche Fantasywelten hängt damit zusammen, dass ich als Teenager einige Romane gelesen habe, in denen das so war. Das bekannteste Beispiel ist dabei vermutlich Marion Zimmer Bradley (bei der ich für diesen Beitrag das Privatleben von ihrem Werk trenne möchte), deren Darkover-Geschichten in einer Welt spielten, die bei weitem nicht perfekt war, aber in denen Homo- oder Bisexualität ebenso häufig vorkamen wie polyamore Beziehungen.

Solche Welten haben meine Sicht auf dieses Thema sehr geprägt und dafür gesorgt, dass es für mich egal ist, wer wen wie liebt, solange alle Beteiligten alt bzw. reif genug sind, um sich bewusst für ihre Art der Beziehung zu entscheiden und zufrieden damit sind. Wie sehr meine Vorstellung von Normalität von der Realität abweicht, habe ich erst relativ spät festgestellt. Als Teenager stand ich noch auf dem Standpunkt, dass es doch nur einige wenige engstirnige Menschen geben könnte, die ein Problem mit der Sexualität anderer Leute haben könnten – und ich muss zugeben, dass ich mit jedem Jahr, das ich älter werde, überrascht bin, wie engstirnig und kleinkariert Menschen sind und wie sehr sie gegen Lebensmodelle kämpfen können, die nicht ihrer eigenen Vorstellung entsprechen.

Meine eigene Naivität bringt mich hingegen wieder zu den Romanen und der Frage zurück, wie Autoren mit dem Thema umgehen sollten. Da in unserer realen Welt nicht nur Vorurteile, sondern zum Teil regelrechte Kreuzzüge gegen Menschen mit vermeintlich nicht der „Norm“ entsprechenden Beziehungen geführt werden, darf das Thema meiner Meinung nach in fiktiven Geschichten auch nicht unter den Tisch fallen. Aber ich frage mich, ob es hilfreicher ist, wenn ein Autor dem Leser eine Welt präsentiert, in der es eben selbstverständlich ist, dass Menschen nun einmal unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse habe, wenn es um Beziehungen geht, um dieses Bild zur „Normalität“ werden zu lassen. Oder ob es wichtiger ist, bewusst aufzuzeigen, welche Missstände herrschen, um vielleicht den einen oder anderen Leser dazu zu bringen, sich in seinem Umfeld denjenigen entgegenzustellen, die nur ihre eigene konservative Weltsicht als akzeptablen Lebensentwurf dulden.

Leseeindrücke – Die „Cozy“-Variante (1)

Vor einigen Wochen habe ich das kostenlosen eBook-Bundle „Sleuthing Women – 10 First-in-Series Mysteries“ runtergeladen, weil ich hoffte, ich würde über Autorinnen in diesem Genre stolpern, die mir gut gefallen. Um meine Gedanken zu den zehn Romanen festzuhalten und auch mal zwischen den verschiedenen Titeln Vergleiche ziehen zu können, gibt es (aufgrund der Menge) gleich zwei Sammelposts mit „Leseeindrücken“. Der zweite Teil wird freigeschaltet, wenn ich die nächsten fünf Romane gelesen habe – nach den ersten fünf Titeln brauche ich erst einmal wieder Abwechslung beim Lesen. 😉



1. Lois Winston: Assault With a Deadly Glue Gun (An Anastasia Pollack Crafting Mystery 1)

Hätte mir jemand vorher gesagt, was Anastasia Pollack in dieser Geschichte alles erleben würde, ich hätte vermutlich die Finger von dem Roman gelassen, weil ich das Ganze für zu überzogen gehalten hätte. Lois Winston hält definitiv kein Maß, wenn sie ihrer Protagonistin Schwierigkeiten bereiten will. So ist Anastasia dank ihres verstorbenen Mannes überschuldet und darf sich mit einem Kredithai rumschlagen. Außerdem teilt sie sich das Haus nicht nur mit ihren beiden Teenager-Söhnen, sondern auch mit ihrer Schwiegermutter (überzeugte Kommunistin und Besitzerin eines französischen Bulldogge), ihrer Mutter (angebliche Nachfahrin des russischen Zarenhauses und Halterin einer Perserkatze) und einem geerbten, Shakespeare-zitierenden Papagei. Da das Ganze noch nicht genug ist, wird auch noch Anastasias Kollegin ermordet und die Polizei ist sich sicher, dass sie die Mörderin ist.

Trotz dieser extrem überzogenen Handlung war „Assault With a Deadly Glue Gun“ wirklich nett zu lesen und ich habe immer wieder vor mich hingeschmunzelt, weil einfach klar war, dass an der nächsten Ecke wieder irgendeine Katastrophe auf Anastasia warten würde, die zu weiteren Komplikationen führt. Außerdem mochte ich, dass die Protagonistin sich nicht unterkriegen ließ und je nachdem stoisch, wütend oder schlagfertig mit den verschiedenen Situationen und Figuren umging. Es fühlte sich beim Lesen auch überraschend stimmig an, dass Anastasia die einzige normale und bodenständige Person inmitten lauter skurriler Gestalten und Ereignisse war. Ich bin selbst ganz überrascht, wie entspannend und unterhaltsam ich diesen Roman fand, wo ich doch sonst gern mal von überzogenen Elementen genervt bin.

2. Jonnie Jacobs; Murder Among Neighbors (A Kate Austen Suburban Mystery 1)

„Murder Among Neighbors“ war nett zu lesen, solange ich dabei war, aber danach auch schnell wieder vergessen. Ich muss aber zugeben, dass ich es mochte, wie Jonnie Jacobs das Leben ihrer Protagonistin ausbalancierte. Kate Austen hat eine Tochter, die ihr sehr wichtig ist und mit der es auch so was wie Alltag in der Geschichte gab. Aber dieser Alltag behinderte die Handlung nicht, sondern sorgte dafür, dass die „Ermittlungen“ vorwärts ging. So gab es zum Beispiel Gespräche mit anderen Müttern oder mit Kindermädchen von Schulfreundinnen, in denen Kate neue Informationen über ihre ermordete Nachbarin sammeln konnte,

Auch hält sich Kate nicht für besser als die Polizei, sondern sie erzählt dem ermittelnden Polizisten in der Regel jedes Detail, das sie herausgefunden hat (inklusive Informationen, von denen sie sich nicht sicher ist, ob sie überhaupt relevant sein könnten). Zum Teil hängt das natürlich auch damit zusammen, dass sie sich zu dem Ermittler hingezogen fühlt und ein Verhältnis mit ihm beginnt, aber es liest sich so, als ob sie auch ohne diese Beziehung kein Problem damit gehabt hätte, alles der Polizei zu überlassen. Ich fand es schön, mal wieder ein Buch mit einer angenehm normalen, sympathischen und vernünftig handelnden Protagonistin zu lesen.

3. Judy Alter: Skeleton in a Dead Space (A Kelly O’Connell Mystery by Judy Alter 1)


„Skeleton in a Dead Space“ hätte eigentlich meine Art von Cozy sein müssen, da es nicht nur um den Fund eines Skeletts geht, sondern auch um alte Häuser, Renovierungen und Einrichtungen. Doch Judy Alter hat es geschafft, mir mit ihrer Protagonistin so auf die Nerven zu gehen, dass ich das Buch beinah abgebrochen hätte und nur dabei bleib, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich 245 Seiten so hinziehen können. Man begleitet Kelly O’Connell als Leser nicht nur bei sämtlichen Alltagserledigungen (sehr viel die beiden Töchter hin und her fahren und ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihnen ständig Fast Food zu essen gibt, statt richtig zu kochen, sowie die – nicht sehr realistisch dargestellte – Arbeit als Marklerin), sondern darf dank der Ich-Perspektive auch all ihre Gedanken zum Skelett-Fund mitverfolgen.

Gedanken, die nahelegen, dass die Protagonistin das Gefühl hat, sie sei die einzige Person, die ein Interesse daran hat, dass die Tote identifiziert und ihr Mörder gefunden wird. Dabei gibt es nicht einen einzigen Moment, in dem die Polizei (speziell der mit ihr befreundete Polizist Mike) Desinteresse oder Unfähigkeit zeigt. Ich bin mir auch sicher, dass die Polizei ebenfalls in der Lage ist, alte Datenbanken nach Hauseigentümern und Steuerunterlagen zu durchsuchen – und das sogar, ohne die beiden Töchter der Protagonistin in Gefahr zu bringen. Je besser ich Kelly kennenlernte, desto weniger konnte ich diese Figur leiden und desto weniger konnte ich ihre Motive, ihre Gedanken und ihre Taten nachvollziehen. Ne, das war definitiv kein Roman für mich – vor allem, da ich gerade erst mit „Murder Among Neighbors“ ein so viel besseres Beispiel einer „ermittelnden Mutter“ hatte!

Oh, noch einen Aufreger hielt der Roman für mich bereit, da die Autorin anscheinend irgendwann die Geschichte von der 3. Person in die Ich-Perspektive umgeschrieben hat – und dabei ab der Hälfte der Kapitel beim Nachbearbeiten diverse Sätze übersehen hatte, bei denen man dann raten durfte, ob die Protagonistin oder irgendjemand anders gerade redet. Das passierte auch gern mal innerhalb eines Satzes mit gerade mal neun Wörtern inklusive Nebensatz – und trieb mich beim Lesen alle paar Minuten auf die Palme.

4. Maggie Toussaint: In for a Penny (A Cleopatra Jones Mystery 1)

Uuuund Auftritt der unerträglichen Protagonistin Nummer 2! Ich weiß nicht, was ich beim Lesen schlimmer fand: Die Tatsache, dass Cleo in dem Moment, in dem sie beim Golfspielen über eine Leiche stolpert, ihre Libido wiederfindet und sich am liebsten an Ort und Stelle vom Golftrainer vernaschen lassen würde, oder dass sie auf der einen Seite ach so rational sein soll (sie ist Steuerberaterin) und auf der anderen Seite grundsätzlich jede Person verdächtigt, der Mörder/die Mörderin zu sein. Außerdem gibt es auch in dieser Geschichte eine total amüsant gemeinte Mutter, die der Protagonistin das Leben schwer macht, nachdem Cleo nach ihrer Scheidung mit ihren beiden Töchtern dort eingezogen ist. Und dazu noch die beste Freundin, die in mir das Gefühl aufkommen lässt, dass die beiden Frauen nur deshalb befreundet sind, weil Cleo neben ihrer Freundin besser dasteht – oder sollten all die Momente, in denen sich die beiden am liebsten gegenseitig an den Hals gegangen wären, lustig sein? Überhaupt fürchte ich, dass ganze viele Szenen, die ich unerträglich fand, weil sie von der Dummheit/Ignoranz/Verklemmtheit der Protagonistin zeugten, humorvoll gemeint waren. Nachdem ich mich dabei ertappte, dass ich nach ein paar Absätzen das Buch immer aus der Hand legte, weil ich Cleo nicht länger ertragen konnte (und jedes Mal auch noch meinem Mann erzählte, wie bescheuert die letzten Absätze waren), habe ich den Roman abgebrochen. Das Durchhalten hätte sich hier höchstens gelohnt, wenn ich ein „Kapitelweise“ daraus hätte machen wollen.

5. Camille Minichino: The Hydrogen Murder (A Periodic Table Mystery 1)

Nach den vorherigen beiden Romanen war „The Hydrogen Murder“ eine Wohltat! Die Protagonistin Gloria ist eine 55jährige Physikerin, die ihre Stelle in einer Forschungseinrichtung erst einmal an den Nagel gehängt hat, um nach 30 Jahren Abwesenheit in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Gloria will sich ein Jahr gönnen, um darüber nachzudenken, was sie mit ihrem Leben anfangen will. In der Zwischenzeit wohnt sie über dem Bestattungsinstitut von Freunden und arbeitet unter anderem als wissenschaftliche Beraterin für die Polizei. So wird sie auch herangezogen, als ein Physiker in seinem Labor erschossen wird, und kann der Polizei nicht nur mit ihrem beruflichen Wissen nutzen, sondern den Ermittlern auch den einen oder anderen privaten Einblick auf die Beteiligten gewähren, da sie viele davon durch gemeinsame Forschungsprojekte kannte.

Es war so schön, endlich mal wieder eine Geschichte mit einer vernünftigen, realistisch dargestellten, intelligenten Protagonistin zu lesen. Der Fall selbst dreht sich auf den ersten Blick vor allem um die Frage, ob bei der Forschung, die der Tote mit seinem Mentor betrieb, alles mit rechten Dinge zuging, was einige – auch für den Laien gut erklärte – Passagen über Physik mit sich bringt, die ich erstaunlich interessant fand. Auch fand ich es schön, dass Gloria zwar in die Ermittlungen involviert war – und unbedingt herausfinden wollte, wer ihren Bekannten umgebracht hatte -, aber gleichzeitig auch sehr bemüht war, keine Grenzen zu überschreiten. Glorias Privatleben hängt zwar in der Schwebe, aber das ist ein bewusst von ihr gewählter Zustand, und der Polizist, mit dem sie zusammenarbeitet, ist weder ein Idiot noch ein unwiderstehlicher Adonis. Sie fühlt sich zwar sehr zu ihm hingezogen und würde ihn gern besser kennenlernen, aber ganz ohne Teenie-hafte Schwärmerei, ohne irgendwelchen idiotischen Aktionen oder andere Dinge, die mich bei andere Romanen so gern die Palme hochtreiben. Insgesamt war ich überraschend zufrieden mit dieser Geschichte und könnte mir vorstellen, langfristig noch mehr von der Autorin zu lesen.

Christie-Fotos

Nachdem Christie in den letzten Wochen zwar nicht mehr so panisch war, aber immer noch den Großteil des Tages in irgendwelchen Verstecken zugebracht hat, scheint sie so langsam in der neuen Wohnung angekommen zu sein. In dieser Woche habe ich zum ersten Mal gesehen, dass sie einfach entspannt irgendwo lag und nicht beim kleinsten Geräusch im Treppenhaus oder auf der Straße aufschreckte. Sie ließ sich nicht mal davon aus der Ruhe bringen, dass ich nach einer kurzen Schmuserunde aufstand und die Kamera holte, obwohl sie sich ja eigentlich nicht gern fotografieren lässt. Es ist schön zu sehen, dass sie so langsam den Umzug verkraftet hat. 🙂

Henry vs. Maia oder Wie sollte ein Autor wichtige Themen in seinen Roman einflechten?

In den letzten Tagen habe ich – ohne es zu planen – gleich zwei Romane gelesen, in denen die Protagonisten achtzehnjährige Adelige waren, die von ihrer Familie im besten Fall nicht geachtet und im schlimmsten Fall sogar geschlagen wurden. Beide Figuren mussten im Laufe der Geschichte erwachsener und reifer werden, beide wurden von Autorinnen erschaffen und in beiden Büchern gab es neben so einigen humorvollen Momenten auch Szenen, die sich mit Themen wie Rassismus, Gleichberechtigung, Homosexualität und Machtmissbrauch beschäftigten.

Doch während mich Henry in „Cavaliersreise“ durch seine egozentrische und ignorante Art von diesen Themen eher ablenkte, gab mir Maia in „Der Winterkaiser“ das Gefühl, er würde durch sein zurückhaltendes Wesen diese Elemente im Roman erst recht betonen. Ich finde es sehr faszinierend, wie unterschiedlich Mackenzie Lee und Katherine Addison ihre Geschichten erzählen und wie viel mehr mich die zurückhaltende Erzählweise von Katherine Addison berührt hat. Natürlich liegt die Differenz schon darin begründet, dass die „Cavaliersreise“ für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde und die Autorin mehr Wert auf absurde und amüsante Szenen legte und ihren Protagonisten als extrovertierten Tunichtgut angelegt hat, während „Der Winterkaiser“ von der zurückhaltenden und unsicheren Hauptfigur, einem komplizierten politischen Gefüge und der Enthaltung sämtlicher Actionszenen lebt.

Aber gerade weil sich Katherine Addison so viel Zeit nimmt, um die gesellschaftliche und politische Situation in ihrer fantastischen Welt zu präsentieren, fand ich die kleinen Momente so eindringlich, in denen klar wird, dass Frauen allgemein deutlich niedriger gestellt sind als Männer, dass die Ächtung von Homosexualität dazu führt, dass ein Kleriker, der Männer liebt, an seinen Gefühlen und Taten fast zerbricht, und dass selbst die höchste Position im Reich keinen Schutz vor Rassismus darstellt. Beide Autorinnen zeigen auch, dass unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden, je nach Position der betroffenen Person oder nach Haltung des Gegenübers. Es reicht eben nicht, wenn die eigene Umgebung „tolerant“ ist, wenn das nicht zu einem allgemeinen Bewusstsein für die Probleme und damit zusammenhängenden Veränderungen in der Gesellschaft führt.

Was mich dann wieder auf die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Autorinnen bringt. Vielleicht braucht es ja die plakative Erzählweise von Mackenzie Lee in „Cavaliersreise“, um beim Leser ein Bewusstsein für sogenannte kritische Themen zu schaffen und es geht nur mir so, dass ich davon eher abgeschreckt werde und das Buch mit einem „das hätte man besser machen können“-Gefühl beende. Ich weiß, dass mich das als Kind weniger gestört hätte, denn da habe ich genügend Bücher gelesen, die ihre Botschaft mit erhobenem Zeigefinger verbreiteten. Auf der anderen Seite kann ich auch sagen, dass die Romane, die subtiler mit gewichtigen Themen umgingen, bei mir länger hängenbleiben, weil sie mich dazu bringen, mir meine eigenen Gedanken zu machen, statt einfach nur zu konsumieren, was mir der Autor vor die Nase setzt.

Ich würde wirklich gern wissen, ob es euch ähnlich geht wie mir. Stört es euch, wenn solche Themen immer wieder betont in einem Roman angesprochen werden? Oder seid ihr so dankbar, dass überhaupt kontrovers diskutierte Themen aufgegriffen werden, dass ihr auch mit einer plakativeren Präsentation leben könnt?

Katherine Addison: Der Winterkaiser

Es fiel mir am Anfang schwer, in die Handlung von „Der Winterkaiser“ von Katherine Addison hereinzukommen, da die Autorin eine ungewöhnliche Gesellschaft geschaffen hat und es nach den ersten Seiten nur so vor unvertrauten Namen und Posten am Kaiserhof wimmelt. Trotzdem hat mich der Roman von Beginn an gepackt, weil ich den Protagonisten Maia sehr mochte und gespannt war, was aus ihm wird. Maia ist der ungeliebte Sohn des Elfenkaisers und seiner verstorbenen Koboldfrau. Nach dem Tod seiner Mutter wurde der Junge von einem Cousin aufgezogen, dem diese Aufgabe als Bestrafung zugeteilt wurde. So hat Maia bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr kaum etwas vom Hofleben mitbekommen (und in erster Linie gelernt, mit der Abneigung seines Cousins umzugehen), als sein Vater, seine drei älteren Brüder und sein Neffe bei einem Luftschiff-Unglück ums Leben kommen und Maia als einziges überlebendes männliches Mitglied der Familie zum Kaiser gekrönt wird.

Maia ist sich mehr als bewusst, dass er keine Ahnung von den Dingen hat, die er als Kaiser wissen sollte, ebenso wie dies seinem Hofstaat bekannt ist. Doch während einige treue Gefolgsleute versuchen, ihrem neuen Kaiser zur Seite zu stehen, gibt es eine unheimlich große Menge an Adeligen und Beamten, die seine Unwissenheit ausnutzen wollen. Dazu kommt noch ein Lordkanzler, der nur seine eigenen Interessen im Sinn hat – und dem es am liebsten wäre, wenn der neue Kaiser keine eigene Meinung hätte, die ihm dabei im die Quere kommt. Auch Maias Verwandte, von denen er die meisten in den Tagen vor seiner Krönung das erste Mal trifft, sind – im besten Fall – misstrauisch, wenn es um den unerfahrenen Kaiser geht. Komplizierter wird die Situation für den jungen Monarchen, als Ermittlungen ergeben, dass der Luftschiff-Absturz die Folge eines Attentats war und kein Unglück.

Ich bin wirklich hingerissen von diesem Fantasy-Roman, obwohl ich normalerweise deutlich actionreichere Lektüre bevorzuge. In „Der Winterkaiser“ hingegen scheint auf den ersten Blick fast nichts zu passieren, denn die gesamte Handlung dreht sich nur um die wenigen Wochen, die dem Absturz des Luftschiffs folgen und in denen Maia einen Weg finden muss, um als Kaiser zu überleben. Als Leser erlebt man die gesamte Geschichte aus Maias Perspektive und kann so die ganze Verwirrung, die Angst und die Überforderung des jungen Mannes mitfühlen. Er hat keinerlei Erfahrungen mit der Welt am Hof machen können und keine Ahnung von all den politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die seine Beschlüsse mit sich bringen können, und muss trotzdem vom ersten Tag an folgenschwere Entscheidungen treffen.

So besteht die Handlung vor allem aus vielen, vielen kleinen Szenen, in denen Maia auf die verschiedensten Elfen, Kobolde und Halbelfen trifft und sich ein Bild von den Personen und der Situation machen muss. Es gibt sehr viele Dialoge, sehr viele politische Elemente, sehr viele Intrigen und sehr viele kleine Momente, in denen Maia über sich hinauswachsen muss. Letzteres ist es, was den Roman für mich so großartig gemacht hat. Bei all seiner Unsicherheit beweist Maia mehr Rückgrat, als man es bei einem so jungen Mann erwarten könnte. Er ist natürlich zwischendurch auch wehleidig, verängstigt und zornig, aber da ihm bewusst ist, wie viel Macht ein Kaiser hat, bemüht er sich, diese nicht zu missbrauchen und bedacht und richtig zu handeln.

Katherine Addison hat in diesem Roman selbst bei den Momenten in der Geschichte auf Tempo oder Dramatik verzichtet, bei denen sie das hätte einflechten können. So gibt es zwar Attentate auf den neuen Kaiser, aber auch hier dreht sich die Handlung vor allem um Maias Innenleben, um seine Bemühungen, mit den Taten fertig zu werden, Haltung zu bewahren und Entscheidungen zu treffen, die zum Besten für sein Reich und die Personen um ihn herum sind. Ich mochte diese unaufgeregte Erzählweise sehr gern, ebenso wie die verschiedenen Figuren rund um den jungen Kaiser. Denn auch wenn keiner von ihnen in einer Position ist, die es ihm erlauben würde, Maias Freund zu werden, so sind viele darunter, die ihm bei seiner Aufgabe helfen wollen, und das ist schön zu verfolgen.

Mein einziger Kritikpunkt bei „Der Winterkaiser“ sind die Namen der vielen verschiedenen Figuren. Zwar gibt es am Ende des Romans eine Erläuterung zum Aufbau der Namen, aber das half mir in der Regel nicht weiter, wenn ich beim Lesen mal wieder über eine Figur stolperte, die das letzte Mal vor ein paar Kapiteln vorkam und deren Namen – da zum Teil der Titel, die Funktion bei Hof oder die Familienzugehörigkeit die Anrede bestimmten – ich nicht gleich zuordnen konnte. Irgendwann habe ich einfach aufgegeben und darauf gewartet, dass die folgenden Textpassagen mir genügend Informationen gaben, um die Person wiederzuerkennen. Auch das zusätzliche Namensverzeichnis war da keine große Hilfe, weil die Figuren entweder gar nicht aufgeführt waren oder nicht unter dem Stichwort zu finden waren, unter dem ich sie suchte. Davon abgesehen fand ich den Roman wirklich toll und finde es großartig, wie die Autorin die verschiedenen Charaktere angelegt hat.

Mackenzie Lee: Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Über „Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans“ von Mackenzie Lee bin ich bei Anja gestolpert, die betonte, dass der Roman eine gelungene Mischung aus gewichtigeren Themen (Bisexualität/Gleichberechtigung/Rassismus) und Abenteuerroman bietet, und mich damit neugierig gemacht hat. Ich muss gestehen, dass ich anfangs meine Probleme mit dem achtzehnjährigen Erzähler Henry hatte, denn auf den ersten Blick wirkt er wie ein undankbarer, verwöhnter Säufer, der nur an sein nächstes Vergnügen denkt. Einzig das Wissen um seine heimliche Liebe zu seinem Jugendfreund Percy und die Tatsache, dass man auf den ersten Seiten schon mitbekommt, wie gestört das Verhältnis zwischen Henry und seinem Vater ist, hat mich neugierig auf diesen Charakter gemacht.

Nachdem Henry aus Eton geflogen ist, soll er gemeinsam mit Percy auf eine Grand Tour durch Europa gehen. Auf dieser Reise – die gleichzeitig dazu dient, Percys Schwester Felicity in eine Bildungsstätte für junge Damen zu bringen – soll Henry beweisen, dass er sich benehmen und nützliche Kontakte für seinen Vater knüpfen kann. Doch weder das anständige Benehmen noch das Knüpfen von angemessenen Bekanntschaften oder gar ein enthaltsames Leben liegen Henry, und so gelingt es ihm, innerhalb kürzester Zeit von einer Katastrophe zur nächsten zu wanken, bis er halbnackt aus Versailles fliehen muss. Doch dieser Auftritt am Hof des französischen Königs ist erst der Auftakt einer langen Reihe von ungewöhnlichen Vorfällen, die Henry auf seiner Reise durch Europa erlebt.

Mackenzie Lee hat eine Geschichte voller absurder und amüsanter Szenen geschaffen, die aber überraschenderweise alle in die Zeit passen, in der die Handlung spielt. Sowohl die Cavaliersreise als auch Wegelagerer, Interesse für Alchemie oder Kaperfahrer sind Dinge, die einem jungen Adeligen im 18. Jahrhundert auf seiner Reise durch Europa hätten begegnen können. Doch natürlich sind das alles nur Stationen auf Henrys Weg zum Erwachsenwerden. Je mehr man über den jungen Mann erfährt, desto mehr wächst er einem ans Herz, auch wenn man ihn regelmäßig schütteln will, weil er mal wieder die dümmste Entscheidung fällt, die in einer Situation möglich wäre. Umso angenehmer ist es, dass seine Reisegefährten deutlich vernünftiger und reifer sind als Henry.

Während Felicity anfangs ein wenig farblos wirkt und erst nach und nach zeigt, dass sie eine energische und intelligente Frau mit vielseitigen Interessen ist, beweist Percy von Beginn an, dass er mehr Hirn hat als Henry. Dabei gelingt es der Autorin regelmäßig, aufzuzeigen, dass Percys Position als Mischlingskind eines englischen Gentlemans schwierig ist, wenn er zum Beispiel mal wieder aufgrund seiner Hautfarbe als Diener angesehen wird oder anderem rassistischem Benehmen begegnen muss. Allerdings waren das auch die Passagen im Buch, die mir am wenigsten gefallen haben. So gut und richtig es ist, dass solche Themen in Romanen angeschnitten werden, so wurde das  Ganze für meinen Geschmack in „Cavaliersreise“ doch etwas zu plakativ gehandhabt.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass mit dem Titel eine Zielgruppe „ab 16 Jahren“ angestrebt wurde, oder ob Mackenzie Lee diese Erzählweise angesichts ihres etwas begriffsstutzigen Protagonisten passend fand, aber mir als Leser war das manchmal zu viel. Mir hätte es gereicht, wenn die Autorin es bei den Szenen belassen hätte, in denen man sieht, wie es den Beteiligten ergeht. Stattdessen werden diese Themen immer wieder in lang und breit in Dialogen mit Henry aufgegriffen , die nur selten zu wirklichen Gesprächen zwischen den verschiedenen Figuren führten und vor allem beweisen, wie egozentrisch Henry durchs Leben geht. Das empfand ich beim Lesen eher als Ablenkung vom Thema, weil es dazu führte, dass ich mich vor allem über Henrys Ignoranz aufregte, während ich mich ansonsten gut unterhalten gefühlt habe.

Schon wieder Samstag?

Irgendwie habe ich gerade jegliches Zeitgefühl verloren. Es gibt zur Zeit keine Termine, die ich im Auge behalten muss, und meine Tage unterscheiden sich nur dadurch, dass mein Mann an den Wochenenden tagsüber daheim ist und an den Wochentagen eben nicht. Es gibt nichts Dringendes auf der To-do-Liste. Viele Sachen bleiben liegen, weil vorher noch andere Dinge passieren müssen, die nicht in meiner Hand liegen.

So vertreibe ich mir meine Freizeit mit dem Nähen von Vorhängen und fluche dabei kräftig vor mich hin, weil der dreifachgewebte Verdunklungsstoff mit der Hand nicht gut zu nähen ist. Ständig verrutscht der Stoff oder die Nadel zieht Fäden. Aber inzwischen habe ich mich schon von dem Gedanken an gerade Nähte und „schön“ verabschiedet und freue mich stattdessen auf den Tag, an dem alles vor den Fenstern hängt und die Wohnung mit einem Griff vor der Sonnenwärme geschützt werden kann.

Ansonsten lese ich und lese und lese, während mein Mann mir abends mit seiner aktuellen Serie („Iron King“) einen Ohrwurm verpasst, den ich den ganzen Tag nicht wieder loswerde. Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich diese entspannten, zeitlosen Tage. Aber sie sorgen auch dafür, dass ich nicht so viel zu erzählen habe …

Da ich die Spiegelung so mag, darf das Foto auch in den Blog.