Schlagwort: Historischer Roman

Elizabeth Peters: Im Schatten des Todes (Hörbuch)

Auch „Im Schatten des Todes“ von Elizabeth Peters (Pseudonym von Barbara Mertz) habe ich im Rahmen der Hörbuch-Challenge gehört und dabei das Wiedersehen mit langvertrauten Figuren genossen. Die Romane der Autorin rund um Amelia Peabody, ihre Familie und ihre Freunde haben ich vor lange Zeit für mich entdeckt und gerade die ersten Bände immer wieder gelesen, auch wenn ich die Reihe in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren habe. „Im Schatten des Todes“ ist der erste Band rund um Amelia Peabody und die Geschichte wurde für die Hörbuchumsetzung gekürzt, ohne dass ich das Gefühl hatte wirklich relevante Passagen zu verpassen.

Amelia (die ich übrigens auch schon länger als eine Kandidatin für mein Figurenkabinett im Hinterkopf habe) ist zu Beginn der Geschichte 32 Jahre alt. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ist sie damit definitiv eine alte Jungfer und nachdem ihr Vater stirbt und ihr sein – überraschend großes – Vermögen vermacht, beschließt sie, dass sie auf Reisen gehen möchte. Ihr Vater hat sich als Wissenschaftler mit diversen fremden Kulturen beschäftigt und auch ihre eigene Neigung zum Lernen immer gefördert. Amelias erstes Ziel soll Ägypten sein, da sie sich sehr für Archäologie interessiert. Bei einem Zwischenstop in Rom sammelt Amelia – die inzwischen ihre Reisebegleiterin aufgrund gesundheitlicher Probleme verloren hat – die junge Evelyn Barton-Forbes auf, eine von ihrer Familie verstoßene Adelige, mit der sie sich schnell anfreundet.

Endlich in Kairo angekommen erkundet Amelia nicht nur jede erreichbare Pyramide, sondern erlebt auch die eine oder andere ungewöhnliche Begebenheit. Außerdem lernen sie und Evelyn die Brüder Emerson kennen, zwei britische Archäologen, die auf dem Weg zu einer Ausgrabung sind. Und da Evelyn auf den ersten Blick Interesse an Walter Emerson entwickelt hat, sieht es Amelia als ihre Pflicht an für ein Wiedersehen zwischen den beiden zu sorgen – vor allem, da es ihr die Möglichkeit geben wird, einmal ihre Nase in eine Ausgrabung zu stecken.

Wie es sich für einen gemütlichen Kriminalroman gehört, setzt Elizabeth Peters bei ihrer Amelia-Peabody-Reihe vor allem auf die Gestaltung und Entwicklung der Figuren und so ist es kein Wunder, dass man als Hörer recht schnell dahinter kommt, welche Person und welche Motive hinter den seltsamen Vorfällen in Kairo und später an der Ausgrabungsstätte stecken. Aber das schadet nichts, da die verschiedenen Charaktere so angenehm individuell und liebenswert gestaltet wurde. Amelia ist eine energische Frau mit entschiedenen Ansichten, die ganz zufrieden damit ist eine „finanziell unabhängige alte Jungfer“ zu sein. Wenn sie das Gefühl hat, sie hätte Recht, dann setzt sie ihren Kopf gegen alle Widerstände durch. Evelyn hingegen ist deutlich sanfter und diplomatischer – was auch ganz gut ist, denn sonst wäre sie nicht in der Lage Amelia immer wieder in ihrem Tun zu zügeln oder daran zu hindern sich mit dem älteren Emerson anzulegen.

Ich mag die Figuren einfach, ich mag den Humor der Serie und ich finde die Details über die Ausgrabungen zu dieser Zeit wirklich interessant (wenn auch zum Teil erschütternd, wenn man bedenkt wie viel bei diesen oft wenig wissenschaftlichen Aktionen zerstört wurde), und dass die Autorin selber Archäologin ist, gibt diesen Passagen eine Authentizität, die ich sehr reizvoll finde. So habe ich auch beim Hören des Hörbuchs zum wiederholten Mal die Handlung genießen können, während die Sprecherin Dagmar Heller durch ihre Stimme und Betonung der ganzen Geschichte eine ungewohnten Nuance zufügte.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass die Sprecherin ihre Sache sehr gut gemacht hat. Sie hat jeder Figur eine individuelle Note verliehen, ohne dabei zu übertreiben, und ihre Lesung schön facettenreich gehalten. Auch fand ich ihre Stimme passend für Amelia, aus deren Perspektive das Ganze erzählt wird, und die mit ihren über 30 Jahren auch eine „erwachsene“ und manchmal etwas herrisch wirkende Stimme benötigte. Die Tonqualität war auch gut, auf die Länge der Tracks habe ich dieses Mal nicht geachtet, weil ich das Hörbuch immer gleich mehrere Stunden am Stück gehört habe. Insgesamt war es sehr schön auf diese Weise ein Wiedersehen mit Amelia und den anderen genießen zu können.

Celia L. Grace: Die Heilerin von Canterbury und die Bruderschaft des Todes (Hörbuch)

Da mich „Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers“ so gut unterhalten hatte und so schnell gehört war, habe ich den folgenden Teil, „Die Heilerin von Canterbury und die Bruderschaft des Todes“, gleich hinterhergeschoben. Dieses Mal dreht sich die Handlung um Spione und Intrigen, um Mönche und Königinnen – eine ganz nette Zusammenstellung, wie ich finde. Kathryn wird von dem Erzbischof von Canterbury mit einer ungewöhnlichen Aufgabe betraut, bei der sie sich intensiv mit den Vorgängen in einem Kloster auseinandersetzen muss. Dort verstarb vor einigen Tagen der älterer Mönch Bruder Adworth, was nicht weiter bemerkenswert gewesen wäre, wäre der alte Mann nicht der Beichtvater der Königinmutter Cecily von York gewesen.

Noch pikanter wird die Angelegenheit durch diverse „Wunder“, die der Verstorbene nach seinem Tod bewirkt haben soll. Um nun die Heiligsprechung von Roger Adworth in die Wege leiten zu können, müssen die Vorfälle genau untersucht werden – wobei Kathryn als „advocata diaboli“ fungiert. Sie findet nicht nur schnell heraus, dass der verstorbene Bruder getötet wurde, sondern auch, dass eine Verbindung zu der Ermordung eines Spions besteht, der sich mit Column, dem Beauftragten des Königs in Canterbury, hätte treffen sollen.

Auch für diese Hörbuchumsetzung wurde die Buchvorlage gekürzt wiedergegeben, und auch dieses Mal hatte ich nicht das Gefühl, dass ich für die Lösung des Kriminalfalls relevante Details verpassen würde. Deshalb vermutete ich anfangs, dass sich die Kürzungen vor allem auf die kleinen persönlichen Szenen beziehen, die dem Roman noch etwas mehr Atmosphäre verleihen und auf Details des Alltagslebens zu dieser Zeit eingehen. Allerdings habe ich in der Zwischenzeit herausbekommen, dass es in der Romanvorlage einen zweiten Handlungsstrang gibt, der sich um eine Rattenplage in Canterbury dreht. Das wäre bestimmt auch interessant gewesen, wenn man bedenkt, welche Risiken damit im 15. Jahrhundert verbunden waren.

Insgesamt fand ich das Hörbuch wieder sehr unterhaltsam, denn auch ohne die diversen Details und den zweiten Handlungsstrang bekommt man immer noch eine Menge Informationen über das Leben und den Alltag zu dieser Zeit in Canterbury, erhält einen Einblick in die internen Probleme der königlichen Familie und in die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man als normaler Bürger in die Angelegenheiten der Herrschenden hineingezogen wird. Diese Mischung aus historischen Details und sympathischen fiktiven Figuren hatte mir schon bei den Romanen gefallen, außerdem fühlen sich die Kriminalfälle stimmig an. Motive, Täter und Durchführung der Tat wirken auf mich nicht totkonstruiert, sondern passend für die Zeit und die technischen Mittel.

Wie schon bei „Das Buch des Hexers“ wurde auch dieses Hörbuch von Renate Kohn gesprochen, die ihre Sache wieder sehr gut gemacht hat. Auch mit der Tonqualität und der Trackeinteilung war ich zufrieden (auf die genaue Tracklänge habe ich dieses Mal nicht geachtet, weil ich beim Hören mit Gewächsen aus der Hölle kämpfte). Ach, einen Punkt hatte ich bei der letzten Rezension ganz unterschlagen: Die Übergänge zwischen den Tracks werden von mittelalterlicher Musik (mal rein instrumental, mal mit Gesang) begleitet, die ich zwar ganz nett finde, auf die man meinetwegen aber auch hätte verzichten können.

Celia L. Grace: Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers (Hörbuch)

Vor einigen Jahren habe ich gern historische Kriminalromane gelesen, darunter auch Bücher aus der Reihe „Die Heilerin von Canterbury“ von Celia L. Grace. Hinter dem Autorennamen „Celia L. Grace“ verbirgt sich der Historiker Paul Doherty, der unter weiteren Pseudonymen noch viele andere historische Romane geschrieben hat – ich muss aber zugeben, dass ich die weiteren Reihen nicht kenne. Die Hörbuchversion von „Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers“ wurde vom Eichborn Verlag deutlich gekürzt, was aber nicht dafür gesorgt hat, dass man der Handlung nicht mehr folgen kann. Alle Passagen rund um die Ermittlungen fügen sich gut zusammen, und wenn man nicht wüsste, dass der Autor gern kleine Alltagsszenen in die Geschichte einbaut, würde man vermutlich gar nichts vermissen.

In diesem Band der Reihe rund um die Heilerin von Canterbury muss sich Kathryn Swinbrooke mit der Ermordung des Magiers Tenebrae auseinandersetzen. Die verwitwete Ärztin wird inzwischen regelmäßig von der Ratsversammlung von Canterbury herangezogen, um gemeinsam mit Culumn, dem Sonderbeauftragten von König Edward IV., in Todesfällen zu ermitteln, die die Mächtigen des Landes in Unruhe versetzen. Der Rosenkrieg ist gerade mal ein Jahr her, und noch immer versucht England, mit den neuen – und noch unsicheren – Machtverhältnissen zurechtzukommen.

Der Tod Tenebraes und das Verschwinden seines magischen Buches alarmieren nicht nur die diversen Pilger, die den Magier aufsuchen wollten, sondern auch die Königin, die sich immer wieder ratsuchend an den Magier gewandt hatte. Denn Tenebrae war nicht nur für seine Magie berühmt, sondern auch für all die Geheimnisse, die er seinen Klienten entlockt und zu seinen Gunsten verwendet hatte. Dieses Wissen über die Schwachstellen und Verfehlungen seiner Kunden sammelte der unangenehme Mann in seinem schwarzen Buch und erpresste so Geld und Gefälligkeiten. Auch die Pilgergruppe, die den Mager am Vormittag seines Todes aufgesucht hatte, musste Tenebraes Wissen fürchten – und so steht für Kathryn und Culumn schnell fest, dass sich der Mörder unter ihnen befindet.

Was den Krimianteil angeht, so ist diese Geschichte jetzt nicht so wahnsinnig spannend. Aber ich fand es interessant, die verschiedenen Verhöre und Gespräch zu verfolgen und mir meine eigenen Gedanken zum Ablauf des Mordes zu machen. Noch reizvoller waren die vielen Szenen, in denen der Alltag in einer Stadt wie Canterbury rund um 1470 dargestellt wird. Auch wenn es davon in diesem Hörbuch deutlich weniger Momente gab als in den Romanen, hatte ich doch das Gefühl, dass mir hier auf beiläufige und wenig plakative Weise das ganz normale Leben nähergebracht wurde – und das nicht nur aus Kathryns Sicht, die als relativ gebildete Frau ein recht privilegiertes Leben führt.

Die Sprecherin Renate Kohn war mir vor diesem Hörbuch – wenn ich mich richtig erinnere – noch nicht untergekommen, aber sie hat mir gut gefallen. Ich mochte ihre Stimme, sie hat die verschiedenen Szenen lebendig, aber nie übertrieben gelesen und den verschiedenen Charakteren dezent Individualität verliehen. So hat ihre Leistung dazu geführt, dass ich mir die Geschichte sehr gern vorlesen ließ und mich schon auf das zweite Hörbuch rund um die Heilerin von Canterbury freue.

Julia Quinn: A Night Like This

Es ist eine ganze Weile her, seitdem ich das letzte Mal einen Julia-Quinn-Roman gelesen habe, umso mehr freute ich mich auf den zweiten Band der Smythe-Smith-Reihe. Ich habe gestern einen netten Nachmittag mit „A Night Like This“ verbracht, obwohl mich der Roman nicht so packen konnte wie andere Titel der Autorin. Aber ich war – dank Irinas Rezension – auch schon vorgewarnt, dass diese Geschichte nicht zu den Besten von Julia Quinn gehört.

Die Grundidee fand ich sehr nett. Daniel Smythe-Smith – ältere Bruder von Honoria, die in „Just Like Heaven“ die Protagonistin war – musste drei Jahre lang außerhalb Englands vor Auftragsmördern flüchten, nachdem er sich betrunken mit einem seiner besten Freunde duelliert und diesen schwer verletzt hatte. Wieder zurück in England verliebt er sich auf den ersten Blick in die Unbekannte, die statt seiner Cousine bei einem der berühmt-berüchtigen Smythe-Smith-Konzerte am Klavier sitzt. Diese Unbekannte ist Anne Wynter, Gouvernante im Haus von Daniels Tante.

Als Leser bekommt man schnell mit, dass Anne stets bestrebt ist kein Aufsehen zu erregen, denn sie hat nicht nur ein großes Geheimnis, sondern muss sich ebenfalls vor einem Verfolger fürchten. Ihr ist nur zu gut bewusst, dass eine Beziehung zwischen einem Earl und einer Gouvernante alles andere als angemessen wäre, aber Daniels sympathisches Wesen und seine Zuneigung zu seiner Familie findet sie trotzdem sehr anziehend. Beide Figuren für sich genommen sind eigentlich etwas langweilig – so nett und so kantenlos -, aber ich muss zugeben, dass ich Annes Geheimnis mal gut und stimmig fand.

Was ihr acht Jahre zuvor passiert ist, wäre zu dieser Zeit und in dieser Schicht der Ruin für eine junge Frau gewesen, was bedeutet, dass es in dieser Geschichte mal kein banales Problem, sondern ein echtes Hindernis für eine Ehe gibt. Allerdings löste sich für meinen Geschmack das Ganze viel zu schnell in Wohlgefallen auf – sogar der große Bösewicht hat am Ende einfach den Schwanz eingezogen und das war es … Auch die – sonst doch so amüsanten Dialoge – litten unter dem Mangel an Ecken und Kanten der Figuren (und daran, dass Anne und Daniel sich aufgrund der gesellschaftlichen Unterschiede nicht auf Augenhöhe unterhalten konnten) und waren deutlich weniger lustig als sonst.

Letztendlich würde ich sagen, dass ich von „A Night Like This“ langfristig nicht viel in Erinnerung behalten werde, aber immerhin einen netten und entspannenden Nachmittag mit dem Buch verbracht habe. Und es war eine lustige Abwechslung zu den ganzen geisterhaft-fantastisch-skurrilen Geschichten, die ich in den letzten Tagen gelesen habe.

4 Tage, 4 Bücher und 4 Leseeindrücke

Nachdem der Juni nicht gerade ein Lesemonat für mich war, läuft es zur Zeit ganz gut. Weniger Termine, weniger Arbeit im Juli – dafür höhere Temperaturen, die dazu führen, dass ich die heißen Mittagsstunden hinter runtergelassenen Rollläden auf dem Sofa verbringe und lese. Außerdem war da ja noch der Mini-SuB aus Bibliotheksbüchern, den ich gerade brav abarbeite. So habe ich am Samstag „Der verschwundene Halbgott“ gelesen, am Sonntag kam „Der Feuerthron“ an die Reihe, und Montag las ich „Nacht ohne Schatten“. Den Abschluss vor dem Bibliotheksbesuch am Mittwoch machte „Die Frau, die vom Himmel fiel“, das Buch habe ich am Dienstag gelesen.

Rick Riordan: Helden des Olymps 1 – Der verschwundene Halbgott

Ich mochte die Percy-Jackson-Romane, und „Der verschwundene Halbgott“ geht in genau die gleiche Richtung. Zwar fand ich es etwas arg offensichtlich, wohin Percy verschwunden ist und was hinter Jasons verlorenem Gedächtnis steckt, aber das ändert nichts daran, dass mir die Geschichte gefallen hat. Auch mag ich das Spiel mit den römischen und griechischen Göttern, fand die Charaktere in der Regel sympathisch und werde bestimmt auch die weiteren Romane aus der Reihe lesen.

Rick Riordan: Die Kane-Chroniken 2 – Der Feuerthron

Ich hatte den ersten Teil der Reihe im letzten Jahr als Hörbuch gehört und fand es erschreckend, wie wenig davon bei mir hängen geblieben ist (und das ist kein so gutes Zeichen). Obwohl mich die ägyptischen Götter interessieren und Rick Riordan auch hier beweist, dass er unterhaltsam schreiben kann, packt mich die Reihe nicht so recht. Ich werde zwar vermutlich weiterlesen, aber weder Carter noch Sadie sind mir so nah wie die Figuren aus der „Percy-Jackson-Welt“, und die Herausforderungen mag ich in der griechischen Version auch lieber als in der ägyptischen. Dabei finde ich die Grundidee mit den ägyptischen Göttern und der direkten Verbindung zwischen den jungen Magiern und den Göttern ganz reizvoll, aber trotzdem fesselt mich die Geschichte nicht …

Gisa Klönne: Nacht ohne Schatten

Gisa Klönne ist eine der deutschen Autorinnen, von denen ich schon viel gehört, aber noch nichts gelesen habe. Mit „Nacht ohne Schatten“ hat sich das nun geändert, aber so richtig weiß ich noch nicht, ob ich weitere Titel von ihr lesen werde. „Nacht ohne Schatten“ war definitiv nicht schlecht, es gab tolle Figuren (vor allem die russische Medizinerin Ekaterina hat es mir in diesem Buch angetan) und eine faszinierende Erzählweise. Immer wieder wirft die Autorin dem Leser im Text einzelne Wörter vor die Füße, um eine Szene, Stimmungen oder Gedanken zu beschreiben, und schafft so eine – für mich überraschend – eindringliche Atmosphäre. Mein Problem bei diesem Roman ist eher die Handlung, die in sehr vielen Bereichen angenehm realistisch verläuft, aber gerade deshalb auch oft erschreckend deprimierend war. Und deprimierende Krimis mag ich momentan einfach nicht mehr lesen, wenn ich nicht gleichzeitig einen Ausgleich in der Geschichte finde, der mich etwas auffängt …

Simon Mawer: Die Frau, die vom Himmel fiel

„Die Frau, die vom Himmel fiel“ ist ein Internet-Beifang, wobei ich nicht mehr weiß, auf welchen Blogs ich das Buch empfohlen gesehen habe. Mich konnte der Roman nicht so recht überzeugen. Die ersten 150 Seiten spielen in England, wo die neunzehnjährige Marian Sutro während des Zweiten Weltkriegs ausgebildet wird, um im besetzten Frankreich den Widerstand zu unterstützen. Da man schon im Prolog mitbekommt, dass sie im Flugzeug nach Frankreich auf den Absprung wartet, fand ich diesen Part nicht besonders spannend. Auch die Einführung des Charakters zog sich meinem Gefühl nach ziemlich hin und ich war froh, als die Handlung endlich in Frankreich weiterging.

Doch so richtig aufregend wurde es da auch nicht, die Spionagetätigkeiten werden nur hier und da angerissen, viele Schwierigkeiten, in die Marian gelangt, lassen sich durch Glück und ihr hübsches Gesicht lösen. Die im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte hat mich auch nicht überzeugen können, und viel zu oft konnte ich die Entscheidungen der Hauptfigur nicht verstehen. Hier und da gab es recht hübsche Szenen, wie zum Beispiel die Überwindung einer Kontrolle mit Hilfe einer Gruppe von Kindern und der sie begleitenden Nonnen. Komischerweise habe ich das Gefühl, dass das ausnahmsweise eine Geschichte wäre, die als Film – solange die Figuren mit guten Schauspielern besetzt würden – gut funktionieren könnte, während mich das Buch (trotz der flüssigen Erzählweise) nicht bewegt hat.

Susanne Goga: Die Tote von Charlottenburg

Über Hanne bin ich über das Buch „Die Tote von Charlottenburg“ gestolpert und hat mir dann aus lauter Neugier den Roman in der Bibliothek vorbestellt. Der Titel ist schon der dritte Roman rund um den Kommissar Leo Wechsler, aber ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, dass ich relevante Dinge verpasst hätte oder der Geschichte nicht folgen könnte, weil ich die ersten Teile nicht kannte.

Die Handlung setzt im Juli 1923 bei einem Urlaub in Hiddensee ein, den Kommissar Leo Wechsler gemeinsam mit seiner Freundin Clara Bleibtreu verbringt. Eines Morgens lernt Clara am Strand eine ungewöhnliche Frau kennen, die Ärztin Henriette Strauss. Obwohl sich die beiden Frauen nur kurz unterhalten, hinterlässt die Medizinerin einen nachhaltigen Eindruck bei Clara und so erzählt sie auch Leo von dieser Begegnung. Nur wenige Wochen später wird Leo gebeten in einem dubiosen Todesfall zu ermitteln, da sowohl der Hausarzt, als auch der Neffe der Toten befürchten, dass nicht eine einfache Lungenentzündung, sondern eine unnatürliche Einwirkung von Außen zum Tod der engagierten Ärztin Henriette Strauss geführt haben.

Ich muss zugeben, dass ich den Kriminalfall nur so ganz nett fand. Obwohl es so einige Verdächtige gibt, die alle ihren Grund gehabt hätten,  um der Ärztin Übles zu wollen, fand ich diesen Aspekt des Roman etwas zu sehr vorhersehbar. Sowohl die Hintergründe des Mordes, als auch die Ausgangssituation, die dazu geführt hat, lagen für mich viel zu schnell auf der Hand. Trotzdem habe ich „Die Tote von Charlottenburg“ sehr gern gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Susanne Goga hat für ihren Roman nicht nur realistische Figuren geschaffen, die mit ihren Stärken und Schwächen stimmig wirken und zum Teil schnell meine Sympathie hatten, sondern sie hat sich auch mit einem sehr interessanten Teil der deutschen Geschichte befasst.

Während man als Leser Leos Ermittlungen verfolgt, wird man mitten ins Berlin der 20er-Jahre geworfen. Hier herrscht durch die extreme Inflation, die Arbeitslosigkeit und politische Instabilität eine explosive Stimmung. Es gehört inzwischen zum erschreckenden Alltag, dass Kinder verhungern, weil sich die Eltern kein Essen mehr leisten können. Die Menschen verhökern ihr letztes Hab und Gut, um noch etwas Geld für Lebensmittel zu bekommen und für einen einzigen Brotkauf muss man mit einer ganzen Tasche voll Papiergeld zahlen.

Unter diesen Umständen ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Frauen heimlich einen Weg suchen, um eine verbotene Abtreibung durchführen zu lassen. Was wiederum zu der Ärztin Henriette Strauss führt, die in einer Beratungsstelle für schwangere Frauen gearbeitet hat. Über diese Figur gelingt es der Autorin nicht nur einen kleinen Einblick in den umstrittenen Forschungsbereich in Krankenhäusern zu bieten, sondern auch eindringlich zu zeigen wie die Stellung der Frau zu dieser Zeit in der Gesellschaft war. Und auch der immer wieder aufflackernde Hass gegen Juden in der Bevölkerung, der durch den aufkommenden Nationalsozialismus noch angefacht wird, wird durch einen jüdischen Mitarbeiter von Leo gut in die Geschichte eingebunden.

Diese historischen Aspekte sind es dann auch, die „Die Tote von Charlottenburg“ so spannend machen. Susanne Goga erzählt in ihrem Roman eigentlich nichts Neues, aber ihr gelingt es die kleinen bekannten Details so zu verknüpfen, dass sie für den Leser realer werden. Man spürt die Frustration der Menschen, kann sogar ein wenig verstehen, wie es zu Ausschreitungen kommen kann und ist verzweifelt, weil man als Leser schon weiß, dass es nicht besser wird für die Menschen. Und es ist einfach ein Unterschied, ob man in einem Sachbuch über den Wertverlust des Geldes liest oder ob man in einem Roman den Alltag der Figuren unter diesen Umständen miterleben kann.

Auch hat es mir gefallen wie die Autorin die Charaktere angelegt hat. Obwohl Leo und Clara und Henriette Strauss (über die man im Laufe der Geschichte sehr viel erfährt) sehr intelligente und aufgeschlossene Menschen sind, sind sie doch Figuren ihrer Zeit. Sie haben – bei aller Offenheit für andere Meinungen – ihr Vorurteile, ihre auch mal beschränkten Vorstellungen vom Leben und ihre Ängste und Befürchtungen. Ein ganz einfaches Beispiel dafür ist Leos Unverständnis gegenüber Clara, als er sie bittet seine Frau zu werden. Ihm ist nicht bewusst, dass eine „normale Ehe“ für Clara eine Art Rückschritt wäre, nachdem sie sich von ihrem ersten Mann hatte scheiden (und somit die gesellschaftliche Ächtung über sich hatte ergehen) lassen und sich ein selbstständiges Leben aufgebaut hat.

Alles in allem hat mich „Die Tote von Charlottenburg“ als Kriminalroman zwar nicht so packen können, aber dafür hat mich das Buch als historischen Roman so weit überzeugt, dass ich die Augen nach weiteren Titeln von der Autorin aufhalten werde.

P.S.: Ich zähle den Roman für den Punkt „Feindschaft/Rivalität“ für die Themen-Challenge, da Rivalität ein Grund für den Mord war. Leider kann ich in diesem Text nicht direkt darauf eingehen, weil ich sonst die eh schon etwas arg offensichtige Lösung für diesen Mord bestätigen würde.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Mislaid Magician …

… Or Ten Years After

Der dritte Band der beiden Autorinnen Patricia C.Wrede und Caroline Stevermer rund um die beiden Cousinen Cecelia und Kate spielt zehn Jahre nach der ungewöhnlichen Hochzeitsreise, die in „The Grand Tour“ beschrieben wurde. Sowohl Cecelia als auch Kate sind immer noch glücklich verheiratet und haben inzwischen einen Stall voller Kinder. Das aber hindert Cecy nicht daran gemeinsam mit ihrem Mann James weiterhin Aufträge von Lord Wellington anzunehmen, der inzwischen zum Premierminister aufgestiegen ist.

Und so liefern Cecy und James ihre vier Kinder bei Kate und Thomas ab, als es darum geht in den Norden zu reisen, um einen vermissten deutschen Ingenieur aufzuspüren. Herr Magus Schellen war im Herbst des Vorjahres verschwunden, als er im Auftrag einer Bahngesellschaft etwas untersuchen sollte. Was genau der Ingenieur (und Magier) untersuchen sollte, ist nicht bekannt – und so müssen Cecy und ihr Mann nicht nur den Verbleib des Deutschen herausfinden, sondern auch Details über seine Arbeit. Doch obwohl der Ausländer nachweislich in der Gegend rund um Stockton war, scheint sich kein Mensch an ihr erinnern oder gar über ihn reden zu wollen.

Kate hingegen hat in der Zwischenzeit mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Während ihr neunjähriger Sohn Edward das Kinderzimmer mit Schlangen und anderem Viehzeug überflutet, haben Cecys Zwillinge Eleanor und Arthur einen Spionagezauber gelernt, der es ihnen ermöglicht jederzeit jedes Haushaltmitglied in einer Schale mit Tinte zu sehen. Außerdem fällt überraschend Kates Schwester Georgina bei ihr ein. So verwunderlich es ist, dass Georgy den Beginn der Londoner Saison verpasst, so ist es doch noch beunruhgender, dass die Herzogin anscheinend vor irgendetwas Angst hat, sich aber nicht ihrer Schwester anvertrauen will.

Eine Kindesentführung, geheimnisvolle Zigeuner, ein Spion im Ministerium, ein mysteriöser Turm, Ley-Linien und ihre Beziehung zur Eisenbahn, sowie ein Steinkreis, ein verzauberter Hütehund und andere Aspekte machen „The Mislaid Magician“ wieder zu einer amüsanten und spannenden Lektüre. Dabei hat es mir gefallen, dass in diesem Roman nicht nur Kate und Cecy zu Wort kommen, sondern auch ihre beiden Ehemänner. Aus den Briefen, die sich die vier gegenseitig schreiben, setzt sich die ganze Geschichte auf höchst vergnügliche Weise zusammen. Wobei ich gestehen muss, dass sich die ersten drei Monate (die Einteilung der Kapitel erfolgt monatsweise) ein bisschen hinziehen, während erst einmal die Grundsituation geschaffen wird. Danach aber ist dieses Buch wieder einmal höchst gefährlich, wenn man eigentlich früh schlafen gehen will, da es doch so verlockend ist nur noch eben einen Brief zu lesen oder nur noch eben zu gucken, was die eine der anderen auf ihren Brief antwortet oder wie eine kritische Situation ausgeht oder …

Obwohl Kate und Cecy unübersehbar gereift sind in den Jahren, die seit „The Grand Tour“ vergangen sind, so bleibt doch der vertraute (und humorvolle) Unterton bestehen. Außerdem gelingt es den beiden Autorinnen sehr schön auch die beiden Männer und ihre so unterschiedlichen Charaktere in den jeweiligen Briefen zum Ausdruck zu bringen. Hier merkt man, dass James und Thomas schon seit vielen Jahren eng befreundet sind und deshalb nicht nur offen schreiben können, sondern auch bestimmte Reaktionen des anderen vorhersagen können. Ich mag diesen vertrauten Ton in den Briefen, der trotz der gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu dieser Zeit (Februar bis Juni 1828) dafür sorgt, dass man als Leser viele vertrauliche Details und Gedanken erfährt.

Sprachlich ist auch dieser Band auf Englisch wieder gut zu verstehen gewesen – einzige bei Kleidungsdetails und zwei oder drei Slangausdrücken hatte ich Probleme. Wobei „Probleme“ schon zu hochgegriffen wären, denn die jeweiligen Aussagen habe ich schon verstanden, nur wortwörtlich hätte ich es nicht übersetzen können. Auch wenn der erste Band wohl immer mein Favorit bleiben wird, so habe ich auch diesen letzten Teil der Geschichte rund um Cecelia und Kate genossen und finde es sehr schade, dass keine weiteren Abenteuer der beiden Cousinen auf mich warten. Aber ich werde weiter die Augen nach Geschichten aus der Feder von Patricia C. Wrede (und Caroline Stevermer) aufhalten – ich mag den Humor, die Charaktere und die fantastischen Einfälle wirklich gern!

[Kurz und knapp] Laura Lee Guhrke: Ich muss Sie küssen, Miss Dove

Im März hatte ich mir zu „Secret Desires of a Gentleman“ von Laura Lee Guhrke aufgeschrieben:

„Mehr als drei Anläufe und ich habe es dann doch noch gelesen. Die Zeit liegt mir wirklich nicht – zumindest nicht in dieser Konstellation. Ich mag Maria irgendwie, Phillip hingegen ist mir zu sehr Snob – aber die Schlussszene ist trotzdem *hach*.“

Wenn die Schlussszene nicht gewesen wäre und wenn ich nicht die eine oder andere Nebenfigur gemocht hätte, hätte mir Irina nicht auch noch einen weiteren Band der „Girl Bachelor Chronicles“ aufs Auge drü auf den Ausleihstapel packen können. So aber habe ich gestern Abend zu „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ gegriffen und mich wunderbar bei dem Buch amüsiert.

Klappentext (von mir um zwei Sätze gekürzt):

Eine bessere Sekretärin als Miss Emmaline Dove kann sich der Verleger Harry Marlowe nicht wünschen. Zwar ist sie für seinen Geschmack viel zu sittsam und bieder – aber äußerst zuverlässig! Bis Harry sich weigert, Emmas Ratgeber für Etikette zu veröffentlichen und sie gekränkt fristlos kündigt. Als er sie zu Hause aufsucht, um sie zur Rede zu stellen, erlebt er die Überraschung seines Lebens: Privat ist Emma wie verwandelt. Plötzlich steht eine temperamentvolle, lebenslustige und überaus attraktive Frau vor ihm.

Auch hier geht es um die Liebe zwischen einem Adeligen und einer ehrbaren jungen Frau, die nicht von Stand ist und dafür ihren Lebensunterhalt selber verdienen muss, aber hier kam mir die Beziehung viel natürlicher vor als bei Maria und Phillip. Außerdem mochte ich die Dialoge in dieser Geschichte deutlich lieber, weil sie amüsanter waren und nicht – wie bei „Secret Desires of a Gentleman“ – von einer gemeinsamen Vergangenheit vergiftet.

Bei „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ (Oh, ich hasse solche Titel! Den englischen, „And Then He Kissed Her“, finde ich viel netter …) fand ich die Zeit (die Geschichte spielt 1893 in London) viel schöner beschrieben. Hier wurden die Probleme einer veralteten Adelsgesellschaft, die sich auf der einen Seite an ihre Traditionen klammert, aber auf der anderen Seite einen neuen Weg finden muss, um ihr Leben und ihre Besitztümer zu finanzieren in all den kleinen Nebenbemerkungen viel deutlicher. Während mit Emma und ihren Kolumnen gezeigt wird, wie schwierig es für die Frauen in dieser Zeit war, den richtigen Weg zwischen Etikette und Einkommen zu finden.

Der Rest der Handlung ist – wie es sich gehört – sehr vorhersehbar, aber durch die sympathischen Figuren, diverse amüsante Szenen und Emmas ungewöhnliche Vorlieben für exotische Geschichten und Einrichtungselemente wurde es wirklich unterhaltsam. Die perfekte Liebesgeschichte für einen viel zu warmen Abend, an dem man einfach nur leichte Unterhaltung sucht.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Grand Tour …

… Or The Purloined Coronation Regalia, being a revelation of matters of High Confidentiality and Greatest Importance, including extracts from the intimate diary of a Noblewoman and the sworn testimony of a Lady of Quality.

Auch in diesem Monat begleiten mich Kate und Cecelia während des Lesens für die English-Challenge. Es sind nur einige Wochen seit den Geschehnissen in „Sorcery and Cecelia“ vergangen und inzwischen sind die beiden liebenswerten Cousinen frisch verheiratet. Ihre gemeinsame Hochzeitsreise soll Cecelia und James, sowie Kate und Thomas quer durch Europa führen, wobei die Reise in Begleitung von Kates Schwiegermutter Lady Sylvia Schofield angetreten wird. So wenig romantisch dies anmutet, so ist es doch weniger ihre Reisegesellschaft, die die beiden frischvermählten Paare in ihrer Zweisamkeit stört als die seltsamen Begebenheiten, die schon in Calais mit dem Besuch der „Lady in Blue“ ihren Anfang nehmen.

Schnell überschlagen sich die Ereignisse und so wird der kleinen Gruppe mit der Ankunft in Frankreich nicht nur ein mysteriöses Artefakt übergeben, sondern sie müssen im Laufe der nächsten Tagen miterleben, wie ihr Diener von einem vermeintlichen Dienstmädchen des Gasthofs überwältigt wird, wie in Lady Schofields Schlafzimmer eingebrochen wird, wie der Erzbischof von Amiens eine Strickstunde gibt und wie ihre Kutsche überfallen wird, wobei einer der Insassen eine Schussverletzung erleidet. Und es sieht nicht so aus, als ob die weiteren Etappen dieser ungewöhnlichen Hochzeitreise geruhsamer verlaufen würden …

Nachdem ich den Briefkontakt zwischen Cecy und Kate im ersten Band so amüsant fand, war es erst einmal gewöhnungsbedürftig, dass mir die Geschichte nun in Tagebuchauszügen (bzw. einem offiziellen Bericht) erzählt wird. So nett es ist, wenn eine Szene aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden beschrieben wird, so fehlte mir doch der emotionale und spontan wirkende Austausch zwischen den Cousinen, der einen großen Reiz des ersten Buches ausgemacht hatte. Aber auch „The Grand Tour“ hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet, während ich auf der einen Seite voller Spannung die nächste skurrile Entwicklung erwartete und auf der anderen Seite mitverfolgen konnte wie Kate und Cecy das Leben als verheiratete Frauen entdeckten.

Vor allem für Kate, die im Alltag immer wieder durch ihr Ungeschick auffällt, bietet dieses Leben so einige Herausforderungen. Allein die Tatsache, dass man von ihr erwartet eine französische Zofe einzustellen, sorgt schon für so einige Beunruhigung bei ihr. Denn abgesehen davon, dass sie noch nie Personal eingestellt hat, traut sie sich ein solch wichtiges Gespräch auch nicht auf französisch zu. Andererseits zeigt sie im Umgang mit ihrem Mann Thomas ein sympathisches Selbstbewusstsein und viel Humor – was mich zu der Frage bringt, was für eine Persönlichkeit sie wohl in ein paar Jahren entwickelt haben wird (geheiratet hat sie übrigens mit 18 Jahren).

Quer durch Europa geht die Reise und bietet viele unterhaltsame Momente, sei es bei den Reisebeschreibungen, den Begegnungen, die die kleine Gruppe in den verschiedenen Städten hat oder beim Umgang der Paare miteinander. Und während Kate des kalten und schmuddeligen Reisens im Herbst schnell müde wird (nie wieder Maultiere!), scheint Cecy die Strapazen bei all den aufregenden und anregenden Ereignissen kaum wahrzunehmen. Ich finde es sehr schön, wie individuell die beiden Cousinen ihre Hochzeitsreise erleben. Außerdem werden immer wieder bekannte Figuren der Zeit (die Reise beginnt im August 1817), politische Ereignisse oder Verweise auf den (vor wenigen Jahren erst beendeten) Kampf gegen Napoleon Bonaparte geschickt in die Handlung eingeflochten, während die Reisegruppe herausfinden muss, was es mit den seltsamen Vorfällen in ganz Europa auf sich hat.

Leider gibt es in diesem Roman kein Nachwort der Autorinnen, in denen sie beschreiben wie es zu dieser Geschichte gekommen ist. Ich wäre schon neugierig darauf gewesen, ob sie die verschiedenen Tagebucheinträge ausführlich aufeinander abgestimmt haben oder ob sie anfangs nach einem groben Gerüst „frei“ geschrieben haben. Oder vielleicht hat nur eine von beiden den Großteil geschrieben, während die andere bei der Feinarbeit dann dabei war … Von diesen ungeklärten Fragen und der fehlenden Spontanität die die Briefe im ersten Band vermittelten, abgesehen, habe ich „The Grand Tour“ wirklich genossen und freue mich schon auf das Wiedersehen mit Kate und Cecelia in „The Mislaid Magician“.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: Sorcery and Cecelia …

… Or The Enchanted Chocolate Pot, being the correspondence of two Young Ladies of Quality regarding various Magical Scandals in London and the Country.

Die English-Challenge begann für mich in diesem Jahr mit „Sorcery and Cecelia“. Das Buch wurde gemeinsam von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer geschrieben und hat mich wunderbar amüsiert. Die beiden Autorinnen haben 1986 einen spielerischen Briefwechsel begonnen, der als leichte und unterhaltsame Schreibübung gedacht war und aus dem nach sechs Monaten dieser Roman entstand. Jede der Autorinnen erdachte sich einen Charakter, aus dessen Perspektive sie diese Briefe verfasste.

Patricia C. Wrede, die den ersten Brief schrieb, wählte als Hintergrund für diesen Briefwechsel die Zeit nach den napoleonischen Kriegen, versetzte aber die Handlung in eine Parallelwelt, in der Magie ein vertrauter, wenn auch kein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist. Außerdem ist ihrem ersten Brief die verwandtschaftliche Beziehung der beiden Briefschreiberinnen (die beiden Mädchen sind Cousinen) zu entnehmen sowie der Grund für die räumliche Trennung von Cecelia (Patricias Figur) und Kate (Carolines Figur).

So erfährt man von Anfang an, dass Kate in dieser Saison gemeinsam mit ihrer wunderschönen jüngeren Schwester Georgina in London unter der Obhut ihrer Tante Charlotte debütiert, während Cecelia mit ihrer Tante Elizabeth im väterlichen Anwesen auf dem Land bleiben muss. Außerdem gibt es die eine oder andere Andeutung, die dem Leser zeigt, dass die Tanten sich auf der einen Seite nicht gut genug verstehen, um sich während der Saison ein Haus in London zu teilen. Auf der anderen Seite befürchteten die Frauen wohl, dass Kate und Cecelia zusammen so viel anstellen würden, dass ihr Ruf (und der der Familie) für immer ruiniert wäre.

Um die Trennung nun erträglich zu machen und so viele Erlebnisse wie möglich zu teilen, tauschen Kate und Cecy alle paar Tage detaillierte Briefe aus. Während sich die Erzählungen anfangs um die Nachbarn, neue Bekanntschaften von Kate und ähnliche Belanglosigkeiten drehen, tauchen nach und nach immer absonderlichere Ereignisse in den Briefen auf. Kate zum Beispiel erlebt einen sehr unangenehmen Moment, als sie bei einer offiziellen Veranstaltung im „Royal College of Wizards“ in eine magische Falle gerät und sich kurz darauf vor der versammelten Gesellschaft blamiert. Von diesem Zeitpunkt an gerät die junge Frau immer wieder in gefährliche Situationen, muss sich vor den Angriffen einer bösen Zauberin schützen und einem mysteriösen Herzog im Kampf gegen seine Widersacher beistehen (wovon der Herr natürlich erst einmal nicht so begeistert ist!).

Für Cecy hingegen scheint das Leben deutlich langweiliger zu verlaufen, und so ist es ein Glück, dass eine der Nachbarinnen ihre Nichte zu Besuch bekommt. Mit Dorothea freundet Cecy sich schnell an, und als sie dann erfährt, dass die neue Freundin große Angst vor ihrer Stiefmutter hat, weckt dies ihren Beschützerinstikt. Außerdem ist Cecelia schwer damit beschäftigt, mehr über Zauber herauszufinden, seitdem das Hausmädchen einen „charm-bag“ unter der Matratze von Cecys Bruder Oliver gefunden hat – schließlich weiß man nie, wer damit einen Fluch bewirken will! Zusätzlich muss sie sich mit einem seltsamen jungen Mann herumschlagen, der Dorothea hinterherspitzelt, und herausfinden, warum sich der Nachbar Sir Hilary in letzter Zeit so unberechenbar verhält.

Ich muss zugeben, dass ich all diese großen und kleinen Ereignisse in Cecelias und Kates Leben einfach wunderbar fand. Hier und da hatte ich zwar den Eindruck, dass man schon merkt, dass die beiden Autorinnen anfangs selbst nicht wussten, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt, was zwischendurch für kleine Längen sorgte. Aber insgesamt ist durch die ungewöhnliche Entstehungsweise eine überraschende und witzige Geschichte mit sehr sympathischen Charakteren entstanden. Durch ihrer Briefe hat man Cecy und Kate sehr gut kennenlernen können, und durch die gegenseitigen Beschreibungen kamen auch die anderen Figuren nicht zu kurz.

Auch ist es Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer sehr schön gelungen, die Epoche mitsamt bekannter Figuren und Orte (zum Beispiel Lady Jersey und Almack’s) mit einem kleinen Touch Fantasy zu mischen. Dabei ist die Zauberei den Zauberern vorbehalten, auch wenn theoretisch jeder einen kleinen „charm-bag“ herstellen kann. Ohne einen Funken Magie ist die Wirkung allerdings eher zweifelhaft. So tangiert die Zauberei den normalen Alltag der Menschen nicht, ist aber selbstverständlich genug, dass sie zum Leben einfach dazugehört. Cecelia hat dabei für ein Mädchen ihrer Welt erstaunlich wenig Kontakt damit, weil ihre Tante Elizabeth eine große Abneigung gegen alles hegt, was mit Magie zu tun hat.

Das Englisch ist gut verständlich, und obwohl Cecy und Kate sehr eigene Charaktere haben, fällt beim Lesen kaum auf, dass zwei verschiedenen Frauen diese Geschichte geschrieben haben. Aber vielleicht wurde das auch bei der Überarbeitung für eine potenzielle Veröffentlichung etwas angeglichen, auch wenn die beiden Autorinnen im Nachwort behaupten, dass dem nicht so sei. Insgesamt habe ich zwei wunderschöne Abende mit dem Buch verbracht, beim Lesen viel gekichert und mich wunderbar amüsiert. Jetzt muss ich mir nur überlegen, ob ich den zweiten Teil gleich lese oder doch so standhaft bin und das Buch für einen der kommenden Monate aufhebe.