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Die verhasste Zwillingslösung (in Kriminalgeschichten)
Da ich zur Zeit wieder einen Kriminalroman (Titel und Autor möchte ich nicht nennen, um andere Leser des Romans nicht zu spoilern) lese, bei dem in der Handlung auf einen eineiigen Zwilling zurückgegriffen wird, muss ich mich gerade wieder einmal über diesen – in meinen Augen – billigen Trick aufregen. Über eineiige Zwillinge in Krimis stolpere ich erschreckend oft, zumindest habe ich das Gefühl, und ich empfinde es jedes Mal als Notlösung des Autors.
Dabei ist es mir egal, ob der Zwilling dazu dient, um dem anderen ein Alibi zu geben, ob die Polizei keine Anklage erheben kann, obwohl einer von beiden der Täter sein muss, weil man nicht genau sagen kann, wer von beiden die Tat begangen hat, oder ob es einfach nur darum geht, dass jemand befürchtet, dass er wahnsinnig wird oder ein Mörder ist, weil er da diese Träume und Erinnerungen hat, die nicht zu ihm gehören, wobei solche „geteilten Erinnerungen“ – soweit ich weiß – (und nein, ich habe micht nicht intensiv mit dem Thema Zwillingsforschung auseinandergesetzt) reine Erfindung von Roman- und Drehbuchautoren sind. Selbst meine recht fantasiebegabte Großmutter hat nie behauptet, dass sie die Träume ihrer Zwillingsschwester teilen würde. Dabei gab es im Leben der beiden erstaunliche Ähnlichkeiten – die vermutlich ein kleines bisschen damit zu tun hatten, dass die eine der anderen immer alles nachmachen musste … 😉
Aber zurück zum Kriminalroman: Neben den schon erwähnten Varianten gibt es dann auch noch die Steigerung, bei der dann einer der beiden Zwillinge ein durch und durch „guter“ und der andere ein absolut skrupelloser und „böser“ Mensch ist. Dabei kann ich schon verstehen, was einen daran reizt, zwei Figuren zu schaffen, die zwar die gleichen Voraussetzungen und Grundbedingungen mitbekommen haben, sich aber so gegensätzlich verhalten. So ein Ausprobieren der Grenzen bei der Charakterentwicklung macht bestimmt Spaß, aber ich als Leser bin von der Umsetzung im Roman meist nur gelangweilt oder verärgert.
Das ist vor allem dann der Fall, wenn ich – so wie bei meinem aktuellen Kriminalroman – schon lange vor allen anderen Beteiligten befürchten muss, dass es auf diese Handlungsentwicklung hinausläuft. Da lese ich eine spannend konstruierte Geschichte, bei der ein Kind entführt worden ist. Die Hauptfigur ist eine interessante Frau, deren Alltag ich gern verfolge, ihre Verwicklung in den Fall erfolgt ganz langsam und eher unwillig und ich werde immer neugieriger. Und dabei nagt nach nur wenigen Kapiteln dieser Verdacht in meinem Hinterkopf und mischt meine Neugier mit den schlimmsten Befürchtungen. Zwischenzeitlich habe ich das Buch sogar zur Seite gelegt, weil meine Vorstellung davon, wie die Handlung weitergeht, mir die Lust am Lesen genommen hatte.
Ich weiß, dass der ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückte Mann nicht der Täter sein kann. Abgesehen davon, dass er vom Typ her nicht passt, präsentiert mir der Autor auch noch Passagen aus der Sicht des Entführers, und die haben einen ganz anderen Sprachrhythmus, vermitteln eine vollkommen andere Persönlichkeit. Natürlich könne man damit den Leser einfach nur an der Nase herumführen wollen, aber da glaube ich dann doch an die Ehrlichkeit des Autoren mir gegenüber – was sich in diesem Fall auch bestätigt hat. Stattdessen wird die Zwillingslösung dann im Laufe der Geschichte noch weiter auf die Spitze getrieben und Zwilling A übernimmt die Rolle von Zwilling B, ohne dass selbst dessen Frau etwas bemerkt.
Dabei kann mir niemand erzählen, dass eine Person eine andere, die sie lediglich aus der Ferne beobachten und gerade mal ein paar Minuten sprechen konnte, so gut nachahmen kann – selbst wenn es eineiige Zwillinge sein sollten -, dass niemand etwas bemerkt. Weder seine Frau noch seine Ärztin oder ein Ermittler, der mit beiden schon intensivere Gespräche geführt hat, hegen auch nur den Hauch eines Verdachts, dass da etwas nicht stimmen könnte – und spätestens ab diesem Punkt hat mich der Autor endgültig verloren. Jetzt ist es mir egal, ob der Roman gut geschrieben ist oder ob ich die Hauptfiguren interessant fand, ich ärgere mich nur noch darüber, dass mir ein Autor eines realistischen Kriminalromans (ganz ehrlich, gäbe es da auch nur einen Hauch Phantastik, Magie oder ähnliches, dann könnte ich besser damit leben 😉 ) solche Szenen vorsetzt.
Aber vielleicht bin ich da auch nur zu anspruchsvoll, vielleicht erwarte ich zu viel, wenn ich von einem Krimiautor verlange, dass er mir keine so simple Lösung für seine Geschichte präsentiert. Oder wie geht es euch so, wenn ihr über die „Zwillingslösung“ oder andere aus dem Hut gezauberte „Überraschungen“ in Kriminalgeschichten stolpert?
Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Grand Tour …
… Or The Purloined Coronation Regalia, being a revelation of matters of High Confidentiality and Greatest Importance, including extracts from the intimate diary of a Noblewoman and the sworn testimony of a Lady of Quality.
Auch in diesem Monat begleiten mich Kate und Cecelia während des Lesens für die English-Challenge. Es sind nur einige Wochen seit den Geschehnissen in „Sorcery and Cecelia“ vergangen und inzwischen sind die beiden liebenswerten Cousinen frisch verheiratet. Ihre gemeinsame Hochzeitsreise soll Cecelia und James, sowie Kate und Thomas quer durch Europa führen, wobei die Reise in Begleitung von Kates Schwiegermutter Lady Sylvia Schofield angetreten wird. So wenig romantisch dies anmutet, so ist es doch weniger ihre Reisegesellschaft, die die beiden frischvermählten Paare in ihrer Zweisamkeit stört als die seltsamen Begebenheiten, die schon in Calais mit dem Besuch der „Lady in Blue“ ihren Anfang nehmen.
Schnell überschlagen sich die Ereignisse und so wird der kleinen Gruppe mit der Ankunft in Frankreich nicht nur ein mysteriöses Artefakt übergeben, sondern sie müssen im Laufe der nächsten Tagen miterleben, wie ihr Diener von einem vermeintlichen Dienstmädchen des Gasthofs überwältigt wird, wie in Lady Schofields Schlafzimmer eingebrochen wird, wie der Erzbischof von Amiens eine Strickstunde gibt und wie ihre Kutsche überfallen wird, wobei einer der Insassen eine Schussverletzung erleidet. Und es sieht nicht so aus, als ob die weiteren Etappen dieser ungewöhnlichen Hochzeitreise geruhsamer verlaufen würden …
Nachdem ich den Briefkontakt zwischen Cecy und Kate im ersten Band so amüsant fand, war es erst einmal gewöhnungsbedürftig, dass mir die Geschichte nun in Tagebuchauszügen (bzw. einem offiziellen Bericht) erzählt wird. So nett es ist, wenn eine Szene aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden beschrieben wird, so fehlte mir doch der emotionale und spontan wirkende Austausch zwischen den Cousinen, der einen großen Reiz des ersten Buches ausgemacht hatte. Aber auch „The Grand Tour“ hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet, während ich auf der einen Seite voller Spannung die nächste skurrile Entwicklung erwartete und auf der anderen Seite mitverfolgen konnte wie Kate und Cecy das Leben als verheiratete Frauen entdeckten.
Vor allem für Kate, die im Alltag immer wieder durch ihr Ungeschick auffällt, bietet dieses Leben so einige Herausforderungen. Allein die Tatsache, dass man von ihr erwartet eine französische Zofe einzustellen, sorgt schon für so einige Beunruhigung bei ihr. Denn abgesehen davon, dass sie noch nie Personal eingestellt hat, traut sie sich ein solch wichtiges Gespräch auch nicht auf französisch zu. Andererseits zeigt sie im Umgang mit ihrem Mann Thomas ein sympathisches Selbstbewusstsein und viel Humor – was mich zu der Frage bringt, was für eine Persönlichkeit sie wohl in ein paar Jahren entwickelt haben wird (geheiratet hat sie übrigens mit 18 Jahren).
Quer durch Europa geht die Reise und bietet viele unterhaltsame Momente, sei es bei den Reisebeschreibungen, den Begegnungen, die die kleine Gruppe in den verschiedenen Städten hat oder beim Umgang der Paare miteinander. Und während Kate des kalten und schmuddeligen Reisens im Herbst schnell müde wird (nie wieder Maultiere!), scheint Cecy die Strapazen bei all den aufregenden und anregenden Ereignissen kaum wahrzunehmen. Ich finde es sehr schön, wie individuell die beiden Cousinen ihre Hochzeitsreise erleben. Außerdem werden immer wieder bekannte Figuren der Zeit (die Reise beginnt im August 1817), politische Ereignisse oder Verweise auf den (vor wenigen Jahren erst beendeten) Kampf gegen Napoleon Bonaparte geschickt in die Handlung eingeflochten, während die Reisegruppe herausfinden muss, was es mit den seltsamen Vorfällen in ganz Europa auf sich hat.
Leider gibt es in diesem Roman kein Nachwort der Autorinnen, in denen sie beschreiben wie es zu dieser Geschichte gekommen ist. Ich wäre schon neugierig darauf gewesen, ob sie die verschiedenen Tagebucheinträge ausführlich aufeinander abgestimmt haben oder ob sie anfangs nach einem groben Gerüst „frei“ geschrieben haben. Oder vielleicht hat nur eine von beiden den Großteil geschrieben, während die andere bei der Feinarbeit dann dabei war … Von diesen ungeklärten Fragen und der fehlenden Spontanität die die Briefe im ersten Band vermittelten, abgesehen, habe ich „The Grand Tour“ wirklich genossen und freue mich schon auf das Wiedersehen mit Kate und Cecelia in „The Mislaid Magician“.
Christie und die Winterkälte
Christie war es gestern morgen eindeutig nicht warm genug in unserer Wohnung. So krabbelte sie kurzentschlossen auf die Heizung und ließ sich dabei nicht einmal von Baltimore stören, der den Blick in den Vorgarten genossen hatte.
Beide allerdings fühlten sich etwas gestört, als sich da jemand mit einer Kamera an sie heranschlich, aber ein solch einzigartiges Ereignis musste einfach festgehalten werden!:
Für diejenigen, die sich gerade fragen, ob unser Mädchen etwas zu dick ist: Nein, im Gegenteil, sie könnte einiges mehr auf den Rippen haben. Die Lage des Heizkörpers sorgt nur dafür, dass sie so ungünstig daliegt. 😉
Lene Rikke Bresson: Das Mädchen am Kreuz
Ich muss gestehen, dass ich mit „Das Mädchen am Kreuz“ nicht so recht warm geworden bin. Anfangs dachte ich noch, dass das an einer akuten Leseunlust läge, aber inzwischen kann ich die Schuld auf den unglücklichen Klappentext des Verlags, sowie die Handlung und die Figuren schieben.
Während der Klappentext den Eindruck erweckt, dass dieser Roman ein Krimi sei, so spielt dieser Teil der Handlung nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem erfolgt die Verwicklung von Mona in die Ermittlungen sehr spät und weniger gezielt als dort suggeriert wird. Stattdessen ist „Das Mädchen am Kreuz“ vor allem ein Familiendrama, was für mich akzeptabel wäre, wenn ich auch nur eine der handelnden Personen gemocht hätte. Na gut, ganz so hart sollte ich wohl nicht sein, denn den Polizisten Berg mochte ich – und das vielleicht auch nur, weil ich als Leser von ihm vor allem erfahren habe, dass er ein freundlicher Mann ist, der nicht so schnell aufgibt.
Doch von Anfang an: Im Prolog entdecken zwei Männer aus einem Flugzeug heraus eine Leiche inmitten einer brennenden Heidelandschaft. Die Tote ist die Künstlerin Helen und die Fotos, die einer der Männer von dem – wie ein Kunsthappening aufgemachten – Tatort macht, machen ihn berühmt. Umso schmerzhafter ist der Tod der jungen Frau für ihren Vater, der nicht nur aufgrund des Medienrummels um die Tat und die Verbreitung der Fotos seine Tochter nicht loslassen kann. Die Passagen, die aus seiner Perspektive geschrieben wurden, erwecken den Eindruck einer ungesunden Besessenheit.
Nach der ersten Szene im Flugzeug dreht sich die Handlung erst einmal einige Zeit lang um Mona. Die junge Frau ist Theologiestudentin, steht kurz vor ihrer Hochzeit mit ihrem Jugendfreund David und es wird schon im ersten Absatz deutlich, dass sie sich so gar nicht mit ihrer Familie versteht. Was kein Wunder ist, denn ihre Mutter ist eine bestimmende konservative Frau, die das Leben ihrer Familie beherrscht, während ihr Vater ein unauffälliger und antriebsloser Mann zu sein scheint, der alle Entscheidungen in die Hände seiner Frau legt. Monas ältere Schwester Theresa ist geistesgestört, lebt noch bei den Eltern und bekritzelt jede verfügbare Fläche, und die Großmutter hat eine übernatürliche „Gabe“ und verbindet heidnischen Aberglauben mit dem regelmäßigem Kirchgang.
Der Sonnenschein der Familie war Monas kleiner Bruder, doch der ist vor einigen Jahren umgekommen und alle scheinen Mona dafür die Schuld zu geben. Dieser Vorfall ist augenscheinlich auch die Ursache dafür, dass Mona sich zwar von ihren Eltern fernhält, aber ansonsten alle Erwartungen der Familie erfüllt, obwohl für den Leser auf den ersten Blick feststeht, dass die Studentin eigentlich nur noch ausbrechen will. So kommt es auf der Hochzeitsreise auch zu einem verhängnisvollen Unfall, der Mona behindert zurücklässt, ihr aber auch ermöglicht endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ich muss positiv anmerken, dass ich den Schreibstil von Lene Rikke Bresson sehr reizvoll fand, nachdem ich mich erst einmal damit „abgefunden“ hatte, dass ich keinen Kriminalroman las. Auch schildert die Autorin die kleinen Hürden in Monas Leben nach dem Unfall sehr plastisch und nachvollziehbar. Ich fand es interessant, wie die junge Frau mit ihren Einschränkungen umging und welche Lösungen sie für ihre Probleme fand. Und auch die verschiedenen Personen boten fast alle gute Ansätze, die aber dadurch zunichte gemacht wurden, dass mir keine der Figuren ans Herz wuchs. Jeder von ihnen hatte Charakterzüge, die ich unsympathisch oder sogar abstoßend fand, und so war es mir vollkommen egal, ob jemand ein potenzielles Opfer oder der eventuelle Mörder war.
Zusätzlich war Helens Mörder – trotz der verschiedenen Perspektiven und diverser weiterer Figuren, die ein Motiv gehabt hätten – sehr schnell zu erahnen, ebenso wie die Ereignisse, die wirklich zum Tod von Monas Bruder geführt haben. So fehlten mir bei diesem Roman nicht nur Charaktere, die mich mit ihren Ecken und Kanten interessierten, sondern auch ausreichend Spannung, um dem nächsten Kapitel entgegenzufiebern. Eine Tatsache, die mich vor allem deshalb ärgert, weil Lene Rikke Bresson eigentlich alle Grundvoraussetzungen bei der Hand gehabt hätte, um eine ungewöhnliche Familiengeschichte mit einer fesselnden Krimihandlung zu verbinden.
[Kulinarisches] Asiatische Zwiebelsuppe
Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wo dieses Rezept ursprünglich herstammt. Ich weiß noch, bei welchen Freunden ich die Suppe zuerst gegessen habe und ich erinnere mich daran, dass ich sie an dem Samstag, bevor ich Shandy zu mir geholt habe, für meine Geburtstagsgäste gekocht habe.
Die Zutatenzusammenstellung ist sehr ungewöhnlich und hätte ich sie nicht erst gegessen und dann erst das Rezept bekommen, dann hätte ich vermutlich keinen Versuch mit der Suppe gewagt. Aber allen Skeptikern kann ich versichern, dass dieses Gericht wirklich lecker ist! Auch wenn die Konsistenz eher an einen Eintopf als an eine Suppe erinnert. 🙂
Zutaten für vier Personen:
200 g Gemüsezwiebeln, geschält und gewürfelt
1 Knoblauchzehe, geschält und fein gewürfelt
100 g Naturreis
2 TL Curry
1 l Gemüsebrühe
1 Banane, püriert
100 ml Sahne
2 EL Weißwein
1-2 EL Zitronensaft
2 EL Mangochutney
Salz
Pfeffer
etwas Öl zum Anbraten
Die Zwiebeln und den Knoblauch in einem Topf mit etwas Öl goldgelb anbraten, dann den Reis und das Curry zugeben und kurz mitrösten. Die Zwiebel-Reis-Mischung dann mit Gemüsebrühe aufgießen und 45 Minuten kochen lassen. Danach die restlichen Zutaten zugeben und das Ganze mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Ich mache gern die doppelte Portion und friere einen Teil der Suppe dann ein. Wenn man die langsam erwärmt und nicht zu heiß werden lässt, dann schmeckt sie ebenso gut wie vor dem Einfrieren. Außerdem essen wir die Suppe grundsätzlich zwei Tage hintereinander, denn aufgewärmt schmeckt sie noch besser als frisch gekocht. Ich liebe diese milde Würzigkeit mit der leichten Fruchtnote.
Oh, und wer keine Bananen oder Curry mag: Beide Geschmackskomponenten sind nicht so dominant, dass sie euch abschrecken sollten. Aber sie sind notwendig für das Gesamtergebnis – während man den Knoblauch oder den Wein im Zweifelsfall auch weglassen kann.
P.S.: Wer sich gerade wundert, weil dieser Beitrag schon vor ein paar Tagen im Feed-Reader angezeigt wurde: Anscheinend habe ich beim Tippen mit dem Netbook mal wieder unbeabsichtigt eine Tastenkombination erwischt, die den Beitrag freigeschaltet hat, während ich eigentlich gerade in meine Rezeptkladde guckte. Das kommt davon, wenn man „mal eben“ am Montagabend einen Beitrag vorbereiten will, während die Nudeln für den Auflauf gerade überzukochen drohen … *g*
Frode Granhus: Der Mahlstrom
In „Der Mahlstrom“ kann der Leser zwei parallel laufende Kriminalfälle verfolgen. So ermittelt Rino Carlsen von der Polizei in Bodø in einem ungewöhnlichen Fall, bei dem ein Mann mit den Händen unter Wasser an einem Strand angekettet wurde. Stundenlang saß das Opfer so im Meer und erlitt höllische Qualen, während seine Glieder immer kälter wurden und die Flut das Wasser immer höher steigen ließ. Wie schon bei einem früheren Fall, bei dem ein Mann ums Leben kam, findet die Polizei in der Nähe des Tatorts eine Strichmännchen-Zeichnung. Und kurze Zeit später kommt es zu einem weiteren Vorfall, bei dem ein Mann an einen Heizofen gefesselt wird, und auch hier stellt eine Zeichnung Rino vor ein Rätsel.
Zur selben Zeit werden 300 Kilometer entfernt am Strand von Bergland Porzellanpuppen angespült – eigentlich kein ungewöhnlicher Vorgang, wären die Puppen nicht schon recht alt und würden sie nicht auf liebevoll gebastelten Flößen sitzen. Obwohl anfangs kaum jemand diese Puppenfunde ernst nimmt, beunruhigen sie den Polizisten Niklas Hultin. Dieser ist gerade erst nach Bergland gezogen, da seine Frau aus der Gegend stammt und nun näher bei ihrem kränklichen Vater wohnen möchte. Während Niklas noch versucht sich in der Gegend zurecht zu finden und die Bewohner des Ortes kennenzulernen, wird eine Frauenleiche am Strand gefunden, die eine auffallende Ähnlichkeit mit einer der gefundenen Porzellanpuppen aufweist.
Obwohl Frode Granhus mit seinem Debütroman das Krimigenre nicht gerade neu erfindet, habe ich den Roman wirklich genossen und werde die Augen nach weiteren Büchern von dem Autor aufhalten. Gleich vorweg (weil es doch einige Leute gibt, die dies bei skandinavischen Krimis nicht mehr lesen mögen) will ich darauf hinweisen, dass weder Rino Carlsen noch Niklas Hultin problembelastete, depressive oder desillusionierte Figuren sind. Beide haben ihre Problem, aber all das hält sich in einem glaubwürdigen Rahmen und führt dazu, dass die beiden Männer realistisch wirken.
So sorgt sich Rino um seinen Sohn, weil seine geschiedene Frau den Jungen mit Ritalin behandeln lassen will, und Niklas muss sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass er in absehbarer Zeit als Organspender herhalten muss. So sehr er gewillt ist ein Leben zu retten, so sehr fürchtet er sich vor solch einer Operation und den möglichen Folgen. Das alles ist nachvollziehbar erzählt und nimmt nicht so viel Raum ein, dass man von den Fällen abgelenkt wird. Auch gelingt es Frode Granhus beiden Erzählperspektiven genügend Individualität zu verleihen, dass man sich bei einem Wechsel jederzeit zurechtfindet, ohne dabei seine Erinnerung nach Einzelheiten durchforsten zu müssen oder gar noch einmal nachzuschlagen, was zuletzt bei diesem Handlungsstrang passiert ist.
Frode Granhus konzentriert sich in „Der Mahlstorm“ auf eine simple und distanzierte Erzählweise, aber gerade das hat bei mir dazu geführt, dass mich so manche Szene besonders berührt hat. Die Kriminalfälle sind eher solide konstruiert, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass der Autor zu sehr übertrieben hätte. Einzig die – ab der Hälfte erfolgende – Verbindung der beiden Verbrechen und der dramatische Showdown waren mir einen Tick zu übertrieben. Gerade am Schluss kam bei mir ein bisschen das Gefühl auf, als ob der Autor (oder ein Lektor) gemeint hätte, dass es noch einmal richtig spannend werden sollte, obwohl es gereicht hätte, wenn Frode Granhus weiterhin seinen ruhigen Erzählstil beibehalten hätte.
Aber diese kleinen Kritikpunkte kann ich – ebenso wie die stellenweise vorherbare Entwicklung der Geschichte – angesichts der realistischen Charaktere und atmosphärischen Beschreibungen locker verzeihen. Stattdessen hat mir dieser Krimi große Lust auf eine Reise in den Norden gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass ich durch die Augen des Autors die karge Schönheit der Lofoten erleben würde, während mich die eisige Kälte des Meers beim Lesen schaudern ließ …
Mal wieder ein Stöckchen
Dieses Stöckchen habe ich bei Natira gefunden und nach einem Blick auf die erste Frage musste ich es mir unbedingt schnappen.
1) Es ist Winter, Schnee glitzert, es ist wunderbare Luft, sonnig, es weht kein störender Wind und Du musst (jawoll!) mindestens eine Wintersportart praktizieren – beneidenswerterweise bist Du an einem Platz, wo Dir alle Möglichkeiten und sämtliches Zubehör zur Verfügung stehen -. Für welche Sportart entscheidest Du Dich?
Meine spontane Idee war: Eisstockschießen! Das scheint mir der perfekte Sport für einen angenehmen sonnig-kalten Wintertag zu sein, außerdem wollte ich das schon immer einmal ausprobieren.
Als Kind hingegen hättet ihr mich an einem solchen Tag (ebenso wie an denen mit schneidendem Wind oder Schneegestöber) auf der Eisfläche des gegenüber unseres Hauses liegenden Ententeichs gefunden, wo ich mit Schlittschuhen rumgeflitzt wäre. Die einzige Gelegenheit, bei der ich mich freiwillig mit den Füßen auf etwas stellte, das sich unter mir beweget. 😉 Aber ich habe die Geschwindigkeit und das Geräusch der Kufen auf dem Eis immer geliebt.
Hm, und wo ich gerade an Geschwindigkeit denken: So eine Runde Bobfahren wäre vermutlich auch sehr cool! 😀
2) Was tust Du zuerst (bzw. wohin gehst Du bzw. Dein Blick), sobald Du einen Buchladen betrittst?
Wenn ich einen Buchladen noch nicht kenne, dann versuche ich mit dem ersten Blick erst einmal zu orientieren. Automatisch gucke ich, ob der Laden übersichtlich und gut sortiert ist, ob ich auf Anhieb meine bevorzugten Genres und die Neuerscheinungen finde. Und natürlich prüfe ich die Atmosphäre. Ein Laden kann noch so gut sortiert sein, wenn ich mich nicht willkommen fühle, dann stöbere ich lieber an einem anderen Ort.
Sollte ich den Laden schon kennen, dann hängt es sehr davon ab, ob ich gerade Lust auf ein bestimmtes Genre habe. Die Neuerscheinungen werden grob gescannt, in der Hoffnung, dass ich einen Titel finde, der mir noch nicht untergekommen ist. Ansonsten geht der Weg – je nach Laune – direkt zum Krimiregal, zur Fantasyecke, zur allgemeinen Belletristik, zu den Jugendbüchern oder in den Sachbuchbereich …
3) Was hast Du (ggf. zusammen mit Deinem Partner) zuletzt gekocht (Foto)?
Am Samstag habe ich eine „Asiatische Zwiebelsuppe“ und den Rest gab es dann gestern (aufgewärmt schmeckt die einfach noch leckerer). Das Rezept stelle ich in den nächsten Tagen mal auf den Blog. 🙂
4) Ich kann mich vom Kopf her immer noch nicht überwinden, Schnecken zu essen oder Austern. Wie sieht es bei Dir aus, hast Du auch solche „Problemlebensmittel“ und konntest Dich vielleicht sogar überwinden?
Es gibt schrecklich viele Lebensmittel, die ich nicht essen kann. Austern und Schnecke gehören dazu, aber auch einige harmlose Sachen wie zum Beispiel Orangen bekomme ich kaum runter, weil ich die Konsistenz einfach unangenehm finde. Dabei liebe ich den Geschmack von Orangen, ich hasse aber dieses faserige Gefühl auf der Zunge. Mein Kopf spielt mir auch immer mal wieder Streiche, wenn es ums Essen geht. So kann ich – seitdem ich eine kleine unappetitliche Szene in „Der Milchkontrolleur“ gelesen habe – keinen Apfelsaft mehr trinken, ohne dass mir schlecht wird. Der Verstand ist sich sicher, dass der Saft nur Bestandteile aus Äpfeln enthält, aber das Unterbewusstsein reagiert mit Übelkeit …
5) Was befindet sich aktuell in Deinem DVD-/Bluray-Player?
Die Miss-Marple-Collection und ich habe eine Menge Spaß damit. Selbst mein überkritischer Mann mit dem seltsamen Filmgeschmack schätzt inzwischen den feinen Humor der Geschichten und die kleinen Angewohnheiten von Miss Marple. Inzwischen habe ich sogar feststellen müssen, dass ich mindestens eine der Verfilmungen noch gar nicht kannte – bedauerlicherweise ist es auch keine so gelungene Umsetzung des Romans „The Murder at the Vicarage“. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, welchen Film ich als so gut empfunden hatte. Vielleicht die mit Geraldine McEwan …
Weiterwerfen werde ich das Stöckchen nicht, aber wer es aufsammeln mag, der kann ja bei Natira vorbeigucken. 😉
Februar-SuB 2012
Mit dem Januar bin ich als Lesemonat eigentlich ganz zufrieden, nur die Hörbücher und Hörspiele könnten mal wieder mehr sein. Insgesamt habe ich 13 Bücher, 3 Manga und ein Hörspiel verschlungen (und viel Zeit mit der PS3, dem DS und dem DVD-Player verbracht *g*).
Was mein Januar-Vorhaben angeht, so habe ich es (natürlich *g*) nicht geschafft. Aber ein paar Titel konnte ich dann doch von meiner Liste streichen. Und solange es keine Neuzugänge bei mir gibt, arbeite ich weiter meine 2011-SuB-Lasten ab. Außerdem werde ich mir im Februar endlich die Bücher vornehmen, die ich mir von Freunden ausgeliehen und noch nicht gelesen habe. Meine „Leihschublade“ quilt nämlich schon fast über und ich würde die Bücher gern so langsam mal zurückschicken … 😉
A (0)
–
B (7)
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud
C (2)
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt (im Umzugskarton)
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)
D (5)
Joe Donnelly: Jack Flint und der Bann des Herzsteins
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben
F (12)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Gayle Forman: Wenn ich bleibe
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym
Earlene Fowler: Tödliche Schatten
G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord
H (3)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod
K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung
L (1)
Siri Lindberg: Nachtlilien
M (4)
Christoph Marzi: Lyra
Michelle Mead: Dark Swan – Sturmtochter
Boris Meyn: Die Schattenflotte
N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter
P (4)
Renata Petry: Hilgensee
Q (0)
–
R (11)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Sarah Rayner: Das Licht des frühen Tages
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre
S (7)
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
T (10)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Der Palast des Poseidon
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
P.J. Tracy: Memento
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüte
V (0)
–
W (3)
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter
82 deutsche Titel zum Monatsanfang
Englischer SuB:
Gail Carriger: Soulless
Seanan McGuire: An Artificial Night (October Daye #3)
Seanan McGuire: Late Eclipses (October Daye #4)
Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Grand Tour (Cecelia and Kate #2)
Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Mislaid Magician (Cecelia and Kate #3)
8 englische Titel zum Monatsanfang
(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)
(rot markierte Titel sind die, die ich für meine persönliche Challenge möglichst bald lesen möchte)
Dies und Das (2)
Ich weiß, ich kommentiere und blogge gerade verhältnismäßig wenig und das liegt nicht daran, dass mich diese Mitbewohner hier ablenken …
… oder dass ich mich gerade nur noch auf dem Sofa einmuckeln mag …
… oder mich von diesen Dingen hier ablenken lassen (auch wenn ich meine Abende genau damit gerade zubringe):
Es ist nur so, dass ich gerade tagsüber relativ viel mit Texten zu tun habe und so mag ich in meiner Freizeit keinen Bildschirm mehr vor Augen haben. Mein Blog leidet zwar darunter und auf eure Beiträge reagiere ich nur arg verzögert, aber das wird sich bestimmt auch wieder ändern. 🙂





