Schlagwort: Kriminalroman

4 Tage, 4 Bücher und 4 Leseeindrücke

Nachdem der Juni nicht gerade ein Lesemonat für mich war, läuft es zur Zeit ganz gut. Weniger Termine, weniger Arbeit im Juli – dafür höhere Temperaturen, die dazu führen, dass ich die heißen Mittagsstunden hinter runtergelassenen Rollläden auf dem Sofa verbringe und lese. Außerdem war da ja noch der Mini-SuB aus Bibliotheksbüchern, den ich gerade brav abarbeite. So habe ich am Samstag „Der verschwundene Halbgott“ gelesen, am Sonntag kam „Der Feuerthron“ an die Reihe, und Montag las ich „Nacht ohne Schatten“. Den Abschluss vor dem Bibliotheksbesuch am Mittwoch machte „Die Frau, die vom Himmel fiel“, das Buch habe ich am Dienstag gelesen.

Rick Riordan: Helden des Olymps 1 – Der verschwundene Halbgott

Ich mochte die Percy-Jackson-Romane, und „Der verschwundene Halbgott“ geht in genau die gleiche Richtung. Zwar fand ich es etwas arg offensichtlich, wohin Percy verschwunden ist und was hinter Jasons verlorenem Gedächtnis steckt, aber das ändert nichts daran, dass mir die Geschichte gefallen hat. Auch mag ich das Spiel mit den römischen und griechischen Göttern, fand die Charaktere in der Regel sympathisch und werde bestimmt auch die weiteren Romane aus der Reihe lesen.

Rick Riordan: Die Kane-Chroniken 2 – Der Feuerthron

Ich hatte den ersten Teil der Reihe im letzten Jahr als Hörbuch gehört und fand es erschreckend, wie wenig davon bei mir hängen geblieben ist (und das ist kein so gutes Zeichen). Obwohl mich die ägyptischen Götter interessieren und Rick Riordan auch hier beweist, dass er unterhaltsam schreiben kann, packt mich die Reihe nicht so recht. Ich werde zwar vermutlich weiterlesen, aber weder Carter noch Sadie sind mir so nah wie die Figuren aus der „Percy-Jackson-Welt“, und die Herausforderungen mag ich in der griechischen Version auch lieber als in der ägyptischen. Dabei finde ich die Grundidee mit den ägyptischen Göttern und der direkten Verbindung zwischen den jungen Magiern und den Göttern ganz reizvoll, aber trotzdem fesselt mich die Geschichte nicht …

Gisa Klönne: Nacht ohne Schatten

Gisa Klönne ist eine der deutschen Autorinnen, von denen ich schon viel gehört, aber noch nichts gelesen habe. Mit „Nacht ohne Schatten“ hat sich das nun geändert, aber so richtig weiß ich noch nicht, ob ich weitere Titel von ihr lesen werde. „Nacht ohne Schatten“ war definitiv nicht schlecht, es gab tolle Figuren (vor allem die russische Medizinerin Ekaterina hat es mir in diesem Buch angetan) und eine faszinierende Erzählweise. Immer wieder wirft die Autorin dem Leser im Text einzelne Wörter vor die Füße, um eine Szene, Stimmungen oder Gedanken zu beschreiben, und schafft so eine – für mich überraschend – eindringliche Atmosphäre. Mein Problem bei diesem Roman ist eher die Handlung, die in sehr vielen Bereichen angenehm realistisch verläuft, aber gerade deshalb auch oft erschreckend deprimierend war. Und deprimierende Krimis mag ich momentan einfach nicht mehr lesen, wenn ich nicht gleichzeitig einen Ausgleich in der Geschichte finde, der mich etwas auffängt …

Simon Mawer: Die Frau, die vom Himmel fiel

„Die Frau, die vom Himmel fiel“ ist ein Internet-Beifang, wobei ich nicht mehr weiß, auf welchen Blogs ich das Buch empfohlen gesehen habe. Mich konnte der Roman nicht so recht überzeugen. Die ersten 150 Seiten spielen in England, wo die neunzehnjährige Marian Sutro während des Zweiten Weltkriegs ausgebildet wird, um im besetzten Frankreich den Widerstand zu unterstützen. Da man schon im Prolog mitbekommt, dass sie im Flugzeug nach Frankreich auf den Absprung wartet, fand ich diesen Part nicht besonders spannend. Auch die Einführung des Charakters zog sich meinem Gefühl nach ziemlich hin und ich war froh, als die Handlung endlich in Frankreich weiterging.

Doch so richtig aufregend wurde es da auch nicht, die Spionagetätigkeiten werden nur hier und da angerissen, viele Schwierigkeiten, in die Marian gelangt, lassen sich durch Glück und ihr hübsches Gesicht lösen. Die im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte hat mich auch nicht überzeugen können, und viel zu oft konnte ich die Entscheidungen der Hauptfigur nicht verstehen. Hier und da gab es recht hübsche Szenen, wie zum Beispiel die Überwindung einer Kontrolle mit Hilfe einer Gruppe von Kindern und der sie begleitenden Nonnen. Komischerweise habe ich das Gefühl, dass das ausnahmsweise eine Geschichte wäre, die als Film – solange die Figuren mit guten Schauspielern besetzt würden – gut funktionieren könnte, während mich das Buch (trotz der flüssigen Erzählweise) nicht bewegt hat.

Juliet Blackwell: If Walls Could Talk (A Haunted Home Renovation Mystery #1)

Nachdem ich die „Witchcraft Mystery“-Serie der Autorin so unterhaltsam fand, musste ich einen Versuch mit ihrer „Haunted Home Renovation Mystery“-Reihe starten. „If Walls Could Talk“ ist der erste Teil von Juliet Blackwells Serie rund um eine Bauunternehmerin, die sich auf die Restaurierung historischer Häuser im Bereich San Francisco spezialisiert hat. Genau gesagt hat Mel Turner vor zwei Jahren die Firma ihres Vater übernommen, da dieser nach dem Tod ihrer Mutter nicht mehr in der Lage war, seinem Job mit dem notwendigen Engagement nachzugehen. Dabei bringt sie regelmäßig ihren Traum von Paris zur Sprache, wo sie sich fern aller Bindungen und Verpflichtungen frei entfalten will, um zu betonen, dass sie sich ihr Leben vollkommen anders vorgestellt hatte. Auf der anderen Seite ist Mel viel zu vernünftig und zu pflichtbewusst, um ihren Traum zu verwirklichen.

So lebt sie seit ihrer Scheidung wieder bei ihrem Vater, versucht immer noch, den Tod der Mutter zu verkraften, kümmert sich – trotz der Trennung von ihrem Mann – um ihren Stiefsohn und steckt so viel Zeit in die Verwirklichung ihrer Bauprojekte, dass sonst kaum Zeit für ein Privatleben übrig bleibt. Dabei ist Mel so gutmütig, dass sie sich von einem Freund dazu überreden lässt, neben ihren regulären Jobs auch noch die Renovierung seines neuen Hauses in die Hand zu nehmen. Matt hat sie kennengelernt, da ihr Stiefsohn und sein Sohn gut miteinander befreundet sind. Und obwohl sie schon schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, für Matt und seinen Geschäftspartner Kenneth zu arbeiten, kann sie sich nicht zurückhalten, wenn es um ein schönes und renovierungsbedürftiges altes Haus geht.

Erschreckenderweise kommt Kenneth nach einer „Renovierungsparty“ ums Leben, bevor Mel und ihr Team überhaupt mit ihrer Arbeit anfangen können. Und statt sich ganz auf die Gestaltung des Hauses konzentrieren zu können, muss sich die Bauunternehmerin nun mit mysteriösen Vorfällen, gefälschten Papieren und Geistererscheinungen herumschlagen. Dabei scheint die Polizei sich erstaunlich desinteressiert zu verhalten, während Mel überraschend Unterstützung von einem alten Bekannten bekommt, den sie seit gut zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Ich muss zugeben, dass ich Mel als Figur wirklich angenehm finde. Sie ist Ende 30, hat eine gute, wenn auch nicht zu perfekt-harmonische Beziehung zu ihrer Familie, und obwohl die Scheidung von ihrem Mann und der Tod ihrer Mutter sie immer noch belasten und sie manchmal die Nase voll von allem hat, scheint sie eigentlich ein ganz befriedigendes Leben zu führen. Schön finde ich auch, dass sie in der San Francisco Bay Area aufgewachsen ist und sich deshalb nicht nur in der Region gut auskennt, sondern auch eine Menge Beziehungen hat. Das gibt der Serie eine ganz andere Grundstimmung, als sie bei den „Witchcraft Mysteries“ herrscht.

Der Fall rund um den verstorbenen Kenneth ist solide konstruiert und war sehr nett zu lesen, auch wenn ich diesen Roman weniger amüsant fand als die andere Serie. Aber das liegt auch daran, dass die Handlung in „If Walls Could Talk“ realistischer aufgebaut ist. Abgesehen natürlich von der Geistererscheinung, mit der Mel erstaunlich gut zurecht kommt. Ich glaube, wenn ich von einem Tag auf den anderen einen Geist sehen würde, würde ich extremer reagieren. Auf der anderen Seite hätte die Geschichte wesentlich mehr Längen gehabt, wenn Mel diese Erscheinungen nicht irgendwann als real akzeptiert hätte.

Insgesamt ist „If Walls Could Talk“ unterhaltsam und bietet entspannte Lesestunden. Mir haben die Passagen rund um die Renovierungen gefallen, denn für so etwas habe ich ein Faible, und Mel war mir ebenso wie ihre Familie und ihre Freunde sympathisch. Juliet Blackwell hat außerdem so viele Figuren auftreten (und verdächtig handeln) lassen, dass man bei dem Kriminalfall schön mitermitteln und spekulieren konnte. Allerdings hat mich dieser Roman nicht so gepackt wie „Secondhand Spirits“, dafür fehlte einfach der gewisse Funke, der ein Buch aus der Masse heraushebt und den man so schlecht festmachen kann. Es ist einfach so, dass ich nicht auf den nächsten Band hinfiebere, auch wenn ich bestimmt irgendwann einen weiteren Teil der Reihe lesen werde, wenn ich mal wieder auf der Suche nach einem soliden und unterhaltsamen Cozy Mystery bin.

P.D. James: Tod im weißen Häubchen

„Tod im weißen Häubchen“ war mir von Beate Sauer empfohlen worden, nachdem ich meinte, dass ich mit meinen bisherigen Versuchen mit der Autorin – die allerdings schon ein paar Jahre her sind – nicht ganz so glücklich war. Da das Buch in der Bibliothek vorhanden war, konnte ich es passend zu den „7 Days – 7 Books“ ausleihen und lesen.

Die Geschichte spielt in einer Krankenpflegeschule, die an ein Krankenhaus angeschlossen ist. Während die Schülerinnen vor den Augen einer Inspektorin demonstrieren wie eine künstliche Ernährung vorgenommen wird, kommt die „Patientin“ auf grauenhafte Weise ums Leben. Schnell sind sich alle Beteiligten sicher, dass das kein Unfall gewesen sein kann, aber so richtig kommt die örtliche Polizei auch nicht mit ihren Ermittlungen vorwärts. Als es dann zu einem zweiten Mord kommt, wird Inspektor Adam Dagliesh von Scotland Yard auf den Fall angesetzt.

Letztendlich habe ich auch noch Tage nach dem Lesen ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu diesem Roman. Auf der einen Seite fand ich es faszinierend wie detailliert P.D. James die Figuren beschrieben hat und wie schnell man einen Eindruck von einem Charakter bekam, auf der anderen Seite hatte ich oft das Gefühl, dass diese Beschreibungen etwas zu ausufernd und ausführlich vorgenommen wurden. Auch bei den Örtlichkeiten, dem Alltag in der Krankenpflegeschule und den verschiedenen Dingen, die sich um übliche Vorgänge in einem Krankenhaus oder bei der Schwesternausbildung drehten, wurde ich häufig „überinformiert“.

Das half mir zwar beim „mitermitteln“, hat aber auch zu so einigen Längen in der Handlung geführt. Sogar bei den Gesprächen mit den verschiedenen Verdächtigen wurde ich regelmäßig ungeduldig, dabei mag ich diesen Teil von Kriminalgeschichten sonst sehr gern und habe viel Geduld damit. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein Problem mit den „Miss Daisy“-Romanen von Carola Dunn, obwohl die Geschichten sich auch sehr langsam aufbauen und nach dem (ersten) Mord sehr intensive und gehäufte Verhöre stattfinden, was einigen anderen Lesern anscheinend zu langweilig ist.

So fand ich auch den Kriminalfall nicht wirklich spannend, dafür habe ich den Einblick in die Zeit genossen. Die Geschichte spielt anscheinend Ende der 60er-Jahre – ausdrücklich gesagt wird es nicht, aber das Verhalten der verschiedenen Figuren und die gesellschaftlichen Themen passen – und ich fand es spannend wie mit verschiedenen Problemen umgegangen wurde. Auch der Krankenhausalltag war (trotz ein paar Längen) faszinierend beschrieben, ich fand es fesselnd wie viel sich da in wenigen Jahrzehnten getan hat und wie zu dieser Zeit mit Personal und Patienten umgegangen wurde.

Ein wenig schade war es für mich, dass man im Laufe der Geschichte nicht noch häufiger mit der anfangs erwähnten Inspektorin zu tun hatte. Diese Frau war mir schnell ans Herz gewachsen und ihre genaue Beobachtungsgabe hätte der Handlung vielleicht gut getan. Dabei hat sich Inspektor Dagliesh nicht dumm angestellt, er ist mir – obwohl er eine interessante Figur ist – nur nicht so richtig sympathisch gewesen. Überhaupt habe ich zu vielen Charakteren ein sehr ambivalentes Verhältnis entwickelt, was aber auch dafür sorgte, dass mich „Tod im weißen Häubchen“ nach dem Lesen noch einige Zeit beschäftigt hat.

Da „Ein makelloser Tod“ noch auf meinem SuB sitzt, werde ich P.D. James auf jeden Fall noch eine weitere Chance geben. Ich kann verstehen, warum die Autorin so geschätzt wird und sich mit ihren Romanen so einen Ruf erworben hat, aber ich bin mir nicht sicher, dass ihre ausführliche Art eine Geschichte zu erzählen und meine Art einen Kriminalroman zu lesen, wirklich gut zusammen passen.

Rhys Bowen: A Royal Pain

Für meine persönliche English-Challenge habe ich im März „A Royal Pain“ gelesen, nach „Her Royal Spyness“ der zweite Band mit der sympathischen Lady Georgiana. Auch zu Beginn dieses Buches startet die Geschichte sehr gemächlich. Der Leser wird noch einmal in Georgies Welt eingeführt, erfährt, dass sie an 34. Stelle der Thronfolge steht, dass ihre Mutter eine lebenslustige Schauspielerin ist und dass Georgie zwar im repräsentativen Stadthaus der Familie in London lebt, aber so arm ist, dass sie sich als Hausmädchen für besondere Gelegenheiten engagieren lässt.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass Georgie nicht gerade begeistert ist, als die Königin ihr eine bayrische Prinzessin als Hausgast aufs Auge drückt. Aber gegenüber der Königin kann sie schlecht „nein“ sagen – vor allem, da sie befürchten muss, in eine ungewollte Stellung abgeschoben zu werden, wenn die Königin dahinter kommt, unter welchen Umständen Georgie lebt. So muss die junge Lady all ihren Einfallsreichtum zusammenkratzen, um ohne Geld genügend Lebensmittel und Personal aufzubringen, um eine deutsche Prinzessin standesgemäß zu versorgen. 
Aber das ist nicht die größte Herausforderung, der sich Georgie stellen muss. Denn die kleine Prinzessin Hanni hat ganz eigene Vorstellungen von den Vergnügungen, die sie in der fremden Großstadt erleben will. Auch ist die ausländische Dame den britischen Gentlemen nicht abgeneigt und hat ein etwas eigenwilliges Verständnis von Besitz. Als dann noch ein netter junger Mann auf einer Party zu Tode kommt, die von Georgie und Hanni besucht wurde, eine weitere Leiche in einer Buchhandlung auftaucht und das Risiko besteht, dass es zu einem ernsthaften internationalen Zwischenfall kommt, wird Georgie von der Queen aufgefordert eigene Ermittlungen anzustellen.
Eigentlich könnte ich hier jetzt meine Meinung zum ersten Teil reinkopieren und so stehen lassen. Denn auch den zweiten Band fand ich unterhaltsam, wenn auch einigen Kritikpunkten zu nennen sind. Georgie stellt sich nicht mehr gar so unbeholfen an wie in „Her Royal Spyness“, aber es gibt immer noch einige überspitzte Situationen, denen es ein wenig an Realismus mangelt. Dafür mag ich die Figuren – und liebe sämtliche Szenen mit der Queen – und das Setting liegt mir auch. In „A Royal Pain“ sind mir einige Charaktere zwar schon fast zu lebenslustig (bei einer Hausparty überkam mich irgendwann das Gefühl, dass da anscheinend Nacht für Nacht ein hübsches Bettchen-wechsel-dich gespielt wird), aber da sich die Beschreibungen in Grenzen halten und der Fokus der Geschichte doch auf Georgie, ihrem adeligen Gast und den Mordfällen liegt, konnte ich damit leben.
Der Kriminalfall an sich ist nicht gerade herausfordernd (ein paar „dezente“ Hinweise hätten ruhig etwas weniger auffallend platziert werden können), aber er bietet Raum für amüsante Momente, sowie für einige Anspielungen auf Politik und Gesellschaft der 30er Jahre. Schön finde ich auch die Veränderungen, die man nach und nach an Georgie bemerken kann. So sorgt ihre finanzielle Situation dafür, dass sie Erfahrungen macht, die von anderen adeligen Damen nicht geteilt werden und deshalb auch viel kritischer mit ihren Standesgenossen umgeht. Ich bin gespannt, wie Georgie sich weiterhin entwickeln und wie die Autorin mit den kommenden politischen Veränderungen umgehen wird. 

[Übersetzungsirritation] Edgar Wallace: Der viereckige Smaragd

Dank der „urheberrechtsfreien Ausgabe“ des „Projekt Gutenberg“ habe ich in den letzten Tagen „Der viereckige Smaragd“ von Edgar Wallace angefangen. Ich finde die trashigen Geschichten des Autors immer wieder wunderbar erholsam, auch wenn sie inhaltlich von sehr schwankender Qualität sind. Übersetzt wurde dieser Titel von Ravi Ravendro, und schon bei den ersten Zeilen fühlte ich mich von einem ganz bestimmten Wort irritiert.

Doch erst einmal müsst ihr euch die Atmosphäre zu Beginn des Buches vorstellen:
Ein trüber Februarnachmittag, eine elegante Lady, die durch die langen Samtvorhänge ihres Salons auf den Schneeregen vor dem Fenster späht, während im Kamin das Feuer prasselt. Alles in diesen ersten Absätzen weist auf England, auf Adelskreise, gehobene Wohnqualität und ähnliches hin – und dann betritt der „Hausmeister“ den Salon!

Hausmeister! Das müsst ihr euch auf der Zunge zergehen lassen! Da ist ein Dienstbote in einem britischen Roman, der in einem Milieu und zu einer Zeit spielt, in der Personal noch sehr verbreitet war. Dieser Dienstbote begrüßt die Gäste des Hauses, überreicht Nachrichten, steht den anderen Angestellten vor und serviert den Tee – und wird in der Übersetzung als Hausmeister bezeichnet.

Ich sollte bei einer kostenlosen Ausgabe vielleicht nicht so mäkelig sein, aber was bitte spricht gegen das Wort „Butler“?! Oder stelle ich mich in euren Augen nur an? Aber allein die Vorstellung, dass ich da noch den ganzen Roman vor mir habe (und jetzt schon abzusehen ist, dass diese Figur keine so unerhebliche Rolle darin einnimmt) und ich die ganze Zeit von einem Hausmeister lesen muss statt von einem Butler, hält mich schon etwas vom Weiterlesen ab.

Torkil Damhaug: Netzhaut

„Netzhaut“ ist der zweite Roman des Autors Torkil Damhaug – das wusste ich, als ich das Buch zum Antesten in Erwägung zog. Allerdings war ich anhand des Klappentextes nicht davon ausgegangen, dass die beiden Titel des Autors in Verbindung miteinander stehen. Ich hätte wirklich nichts gegen ein paar für sich stehende Einzeltitel – oder aber eine ausreichende Information durch den Verlag. Immerhin muss ich zugeben, dass man erst im dritten Teil des Buches das Gefühl hat, man hätte Wissenslücken. Da erst kommt die Polizei ins Spiel und es gibt immer wieder Anspielungen auf die Handlung des ersten Romans des Autors.

Insgesamt wird die Geschichte in vier Teilen erzählt, wobei davor noch ein über 50-seitiger Prolog kommt, der im Jahr 1996 auf Kreta spielt und das Leben des damals zwölfjährigen Jo zeigt. Der Junge ist mit seinen Eltern und den beiden jüngeren Geschwistern im Urlaub und vollkommen überfordert mit der alkoholkranken Mutter (die ihrem Sohn gegenüber ständig Grenzen überschreitet) und der Betreuung der anderen beiden Kinder. Seine Rettung scheint die Bekanntschaft zu einem – fernsehbekannten – Erwachsenen, der Jos Gesellschaft zu genießen scheint.

Der Rest des Romans spielt zwischen dem November 2008 und Januar 2009. Hauptfigur ist dabei die in Amsterdam lebende Liss. Obwohl sie eigentlich Designstudentin ist, arbeitet die junge Norwegerin vor allem als Model. Schnell wird einem als Leser klar, dass Liss so richtig im Dreck steckt. Der Typ, der ihr ihre Aufträge verschafft, will, dass sie sich prostituiert, und versorgt sie regelmäßig mit Drogen. Und der Rest ihres Umfeldes ist auch nicht besser. Einziger Halt in Liss‘ Leben ist ihre große Schwester Mailin. Diese lebt und arbeitet zwar als Psychologin in Oslo, hält aber intensiven Kontakt zu Liss, besucht sie regelmäßig und ist immer für sie da. Als Liss nun erfährt, dass die sonst so zuverlässige Mailin spurlos verschwunden ist, ist sie sich sicher, dass der Schwester etwas Schlimmes zugestoßen ist, und macht sich auf den Weg nach Oslo, um Mailin zu suchen.

Ich muss gestehen, dass ich immer noch nicht so genau weiß, was ich von der Geschichte zu halten habe. Auf der einen Seite gab es mir hier viel zu viele kaputte Charaktere, zu deren Alltag der Drogenkonsum ebenso gehörte wie ein erschreckend gleichgültiger/verächtlicher Umgang mit anderen Menschen. Es gab kaum eine Figur, bei der nicht der Verdacht auf Kindesmissbrauch in der Vergangenheit oder ein ähnliches Drama im Raum hing. Außerdem stellte sich die Polizei, die keine so große Rolle in diesem Buch einnahm, häufig erschreckend kurzsichtig an, während Liss – trotz eines sehr kopflosen Vorgehens – ständig Informationen bekam, die sie dann nicht der Polizei (aber zumindest häufig der Pathologin) mitteilen wollte.

Auch bei der Auflösung fühlte ich mich vom Autor künstlich dumm gehalten. Nach dem Prolog lag es auf der Hand, dass Jo (und vielleicht sogar sein deutlich älterer „Freund“) irgendwie in das Verschwinden von Mailin involviert sind. Auch war mir bewusst, dass all die Personen, die Torkil Damhaug in den Blickpunkt gerückt hatte, nicht als Täter in Frage kamen. So blieben recht schnell nur noch zwei Charaktere als mögliche Verdächtige übrig – und da ich mir sicher war, dass ich die Lösung gefunden hatte, wartete ich dann ungeduldig darauf, dass der Autor endlich zwei relevante Informationen ausspuckt, die meinen Verdacht bestätigen. Das war allerdings erst am Ende des Romans der Fall und zu dem Zeitpunkt war ich schon etwas genervt von all den künstlichen Verzögerungen.

Allerdings fand ich Liss und Mailin als Figuren erstaunlich interessant. Über Mailin erfährt man nur aus Liss‘ Erinnerungen und aus den Dingen, die Dritte über sie erzählen. Liss hingegen ist mir zwar nicht sympathisch mit ihren Stimmungsschwankungen, ihrem Drogenkonsum und ihrer Gedankenlosigkeit, aber Torkil Damhaug hat es geschafft, dass ich all diese Elemente als stimmig empfand. Auch die Tatsache, dass Liss keine bewussten Kindheitserinnerungen hat, dafür aber immer wieder seltsame Träume, in denen sie Mailin vor etwas beschützt, hat mich neugierig auf die Vergangenheit der beiden Frauen gemacht.

Außerdem empfand ich die Polizisten und die Pathologin – so selten sie vorkamen – als angenehm normal. Der eine Polizist hatte zwar noch irgendwelche Probleme, die ich aufgrund der Unkenntnis des anderen Romans von Torkil Damhaug nicht richtig einordnen konnte. Der zweite Polizist war geschieden und hatte ein Verhältnis mit einer älteren Kollegin und auch die Pathologin war ihrem Mann nicht gerade treu, aber das belastete die Figuren nicht besonders, sondern war einfach Teil ihres derzeitigen Lebens. Einzig die Tatsache, dass der Informationsfluss durch die privaten Beziehungen manchmal ungewöhnliche Wege nahm, führte zu Missstimmungen innerhalb des Teams, aber so groß wurde das auch nicht thematisiert. Und ich finde es erfrischend, einmal einen skandinavischen Krimi in die Finger zu bekommen, bei dem auf Seiten der Polizei keine großen Dramen präsentiert werden.

[Kurz und knapp] Juliet Blackwell: Secondhand Spirits (A Witchcraft Mystery)

Auf „Secondhand Spirits“ bin ich durch Kiyas Beitrag gestolpert. Da ich das Buch nach seiner Ankunft im Januar noch gar nicht ins Regal geräumt hatte, sprang es mich am Wochenende vom Wohnzimmertisch an, als ich eine Lektüre für meine English-Challenge suchte. Nachdem der Roman dann erst einmal angefangen war, habe ich ihn an zwei Abenden in zwei Nächten durchgelesen. Um euch eine Vorstellung vom Inhalt zu geben, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

„Lily Ivory is not your average witch. Her spell-casting powers tend to draw mischievous spiritis while keeping normal humans at a distance. But now her vintage store could give her a chance to make friends in San Francisco.
Lily hopes for a normal life when she opens Aunt Cora’s Closet. With her magical knack for vintage fashion – she can sense vibrations of the past from clothing and jewelry – her store becomes a big hit.
But when a client is murdered and children start disappearing from the Bay Area, Lily may be the only one who can unravel the crime. She tries to keep her identity a secret while investigating, but it’s not easy – especially under the spells of sexy „mythbuster“ Max Carmichael and powerful witch Aidan Rhodes. Will Lily’s witchy ways be forced out of the closet?“

Für mich war die Geschichte rundum ein „Wohlfühlbuch“, dabei unterscheiden sich weder Lily noch ihre Geschichte, ihre Umgebung oder die fantastischen Elementen in diesem Roman groß von einigen anderen Urban-Fantasy-mit-Krimitouch-Veröffentlichungen, die ich gelesen habe. Aber es gelingt Juliet Blackwell die verschiedenen Figuren wirklich liebenswert und angenehm individuell zu beschreiben. Außerdem beinhaltet ihre magische Welt genau den richtigen Schuss Grusel, während das „normale“ San Francisco etwas abgedrehter ist als eine gewöhnliche amerikanische Stadt und somit einen schönen Ausgleich bildet.

Die Autorin hat wirklich ein Händchen dafür Atmosphäre aufzubauen, so dass nicht nur die Stadt toll beschrieben wird (ich weiß nicht warum, aber bei Geschichten, die in San Francisco spielen, klappt das erstaunlich oft), sondern auch Lilys Geschäft mit Vintage-Kleidern, das Café nebenan oder das viktorianische Haus einer älteren Dame, deren Nachbarschaft lange nicht mehr so sicher ist wie vor einigen Jahrzehnten.

Irgendwie war ich mir anhand des Klappentextes sicher, dass sich Lily im Laufe der Geschichte zwischen zwei Männern entscheiden müsste – was zum Glück nicht der Fall ist! Sie fühlt sich zu Max hingezogen, aber so richtig relevant war der Teil der Geschichte nicht, da sich beide wie vernünftige Erwachsene verhalten und  gerade mal die ersten Kennenlernmomente beschrieben werden (sehr angenehm! 🙂 ). Der andere Typ hingegen ist eine mächtige männliche Hexe und – trotz der Hilfe, die er Lily zukommen lässt – irgendwie dubios (und zwar nicht „irgendwie geheimnisvoll attraktiv dubios“, sondern so richtig schön „der hat doch nichts Gutes vor“-suspekt).

Lily ist mir schnell ans Herz gewachsen. Sie hatte es in ihrem Leben nicht leicht, da sie ihre Fähigkeiten als Hexe bislang immer verbergen musste – worin sie nicht sehr gut ist -, aber die Autorin hat auf ein überdramatische Kindheitserinnerungen verzichtet und stachelt stattdessen die Neugierde des Leser durch Andeutungen und bitter-lustige Szenen an. Der Vintage-Shop ist Lilys erster Versuch irgendwo sesshaft zu werden und das führt zum Teil zu wirklich rührenden Bemühungen. So geht sie jeden Morgen in das Café um die Ecke, in der Hoffnung, dass man sie irgendwann beim Aufgeben der Bestellung danach fragt, ob es das Selbe wie immer sein soll, kann sich aber dann nicht dazu durchringen jeden Tag das Gleiche zu bestellen.

An manchen Stellen finde ich den Humor etwas zu bemüht, so läuft Lilys Vertrauter als Hängebauchschwein durch den Laden, aber das stört nicht, weil es genügend wirklich amüsante Szenen und Ideen in diesem Roman gibt. Und mir gefällt die Idee, dass an Secondhandkleidung noch Stimmungen von den Vorbesitzern zurückbleiben und den Träger (positiv) beeinflussen können. Doch vor allem sorgen diverse unaufgelöste Andeutungen dafür, dass ich möglichst schnell weitere Teile der Reihe (bislang gibt es vier Bände) lesen will und die Leseprobe zum zweiten Band, die am Ende von „Secondhand Spirits“ abgedruckt ist, macht auch Lust.

Dashiell Hammett: Der dünne Mann

Wer schon länger meine Beiträge verfolgt, der hat gewiss schon festgestellt, dass ich eine Schwäche für die sogenannten „hardboiled novels“ habe. Neben Raymond Chandler gilt vor allem Dashiell Hammett als Begründer dieses Genres. „Der dünne Mann“ hingegen ist ein eher untypisches Buch für Dashiell Hammett (wenn ich mich richtig erinnere, dann war es auch der letzte Roman, den er schrieb), da die Geschichte weniger melancholisch ist und dafür – dank vieler humorvoller Dialoge und Elemente – an eine Screwball-Komödie erinnert (eine Gattung, die ich übrigens ebenfalls sehr gern mag).

Inhaltlich dreht sich „Der dünne Mann“ um das Ehepaar Nick und Nora Charles und den verschwundenen Erfinder Clyde Wynant. Nick Charles war früher ein bekannter und gefragter Detektiv, doch nach seiner Hochzeit mit der vermögenden Nora hat er seinen Beruf aufgegeben und beschlossen, dass er sich nur noch seiner Frau, der Verwaltung ihres Vermögens und einem angenehmen Leben widmen will. Als das Ehepaar aber für ein paar verwandtschaftsfreie Weihnachtsfeiertage gemeinsam nach New York reist, geht jeder davon aus, dass Nick Charles nun im Fall des verschwundenen „dünnen Mannes“ ermitteln wird.
Clyde Wynant wird seit Monaten von der Polizei gesucht, da er in Verdacht steht, seine Geliebte Julia Wolf ermordet zu haben. Bei seinem Verschwinden hat der geniale Erfinder keinerlei Spuren hinterlassen, und so steht die Polizei vor einem Rätsel. Ehrlich gesagt macht der verantwortliche Polizist Guilt keinen besonders intelligenten Eindruck, und so wäre es ihm auch ganz recht, wenn Nick Charles den Fall übernehmen würde, obwohl er gleichzeitig dem ehemaligen Detektiv und seinen Methoden mit einem abgrundtiefen Misstrauen gegenübersteht.
Nick hingegen bekommt – ganz gegen seinen Willen – von allen Seiten Informationen zugespielt, und obwohl er fest entschlossen ist, seinen Ruhestand weiterhin zu genießen, wecken all die widersprüchlichen und absurden Details doch seine Neugierde. Auch Nora bleibt von der ganzen Geschichte nicht unberührt. Auf der einen Seite möchte sie ihren Mann mal in seiner Eigenschaft als Detektiv erleben, auf der anderen Seite hat sie sich mit Clyde Wynants Tochter Dorothy angefreundet und möchte dem Mädchen gern helfen.
Durch Noras „Einmischungen“ bekommt der Roman eine ganz eigene Note, die ihn von anderen Büchern dieser Zeit deutlich abheben. Nora und Nick sind sich ebenbürtig, Nora ist kein hilfloses Frauchen, sondern trägt ihren Teil zur Falllösung bei. Auch wird in all den wunderbaren, spritzigen und manchmal sogar leicht boshaften Dialogen immer wieder deutlich, dass Nora ihren Mann mit all seinen Stärken und Schwächen kennt – und ihm vielleicht gerade deshalb auch so zugetan ist. Nick scheint es währenddessen zu genießen, dass seine Frau ihm eine gleichwertige Partnerin ist und nicht treu und brav daheim wartet, um am Ende des Tages sein Essen auf den Tisch zu stellen.
Dazu kommt noch die etwas exzentrische Familie Wynant, deren Mitglieder selbstverständlich alle ein verdächtiges Verhalten an den Tag legen, wunderbare Beschreibungen eines Amerikas, in dem Flüsterkneipen einen Alltag voller Korruption und Hoffnungslosigkeit erträglicher machen, und ein fast schmerzlicher, zynischer Grundton, den ich als erschreckend aktuell empfinde. Umso angenehmer ist es, das Miteinander von Nick und Nora zu erleben, die neben einer gewissen Leichtigkeit sehr viel Humor in die Geschichte bringen. Allein für die Darstellung dieses sympathischen Ehepaares lohnt es sich, zu diesem Buch zu greifen.

Verfilmt wurde der Roman auch – mit William Powell als Nick Charles und Myrna Loy als seine Frau Nora – und dank der großen Beliebtheit der beiden Figuren entstand sogar eine ganze Filmreihe. Wer allerdings meine Rezension aufmerksam gelesen hat, der wird feststellen, dass der namengebende „dünne Mann“ im Roman gar nicht Nick ist, sondern der verschwundene Clyde Wynant. Aber das hat die Filmemacher natürlich nicht davon abhalten können, die weiteren Geschichten rund um das sympathische Ehepaar ebenfalls mit „Der dünne Mann“-Titeln zu versehen, obwohl der Erfinder dort keine Rolle mehr spielt. 😉 Die Filme kann ich euch übrigens auch ans Herz legen (das Drehbuch des zweiten Teils wurde immerhin von Hammett verfasst), solange ihr auch nur ein leises Interesse an einer soliden Kriminalgeschichte, wunderbaren Charakteren und treffenden, amüsanten Dialogen habt.

Francis Durbridge: Die Non-Paul-Temples (Hörspiel)

Bevor ich auf die „Non-Paul-Temples“ eingehe, muss ich erwähnen, dass mein Mann und ich in den letzten 2 1/2 Wochen nicht nur diese Hörspielbox gehört haben, sondern auch fünf Paul-Temple-Hörspiele, die vor ein paar Jahren in einer Box veröffentlicht wurden. Nach diesen fünf Fällen (drei sehr unterhaltsam und zwei nicht so gelungen), die der Schriftsteller und „Detektiv“ Paul Temple zu lösen hatte, waren wir ein bisschen übersättigt von diesem Herrn und seiner Frau Steve. Denn der grobe Aufbau der Geschichten ähnelte sich sehr, dazu kam die vorhersehbare Anhäufung von Autounfällen, Schmugglern, Cocktailparties, Hutwitzen und dem obligatorischen Mr. X.

Die Non-Paul-Temples hingegen habe ich als deutlich abwechslungsreicher empfunden. Obwohl auch hier immer mal wieder Elemente auftauchen, die aus den Paul-Temple-Geschichten vertraut sind, gibt es keine solch unangenehme Häufung. Auch unterscheiden sich die von Francis Durbridge bei den kürzeren Geschichten verwendeten Grundideen deutlich voneinander und haben auch spürbar unterschiedliche Atmosphären. Während „Nur über meine Leiche“ eher humorvoll angelegt ist und „Der Fall Greenfield“ in meinen Ohren etwas gemächlich erzählt wird, fand ich „Tief in der Nacht“ und „La Boutique“ wirklich gut gemacht (auch wenn die eine oder andere Wendung ein bisschen vorhersagbar war).

Inhaltlich fand ich die „Non-Paul-Temples“ wirklich nett, und wer wie ich eine Schwäche für Whodunit-Geschichten hat, der sollte mal in die Box reinhören. Allerdings muss sich derjenige auf eine altmodische Umsetzung der Handlung gefasst machen, denn abgesehen von „Tief in der Nacht“ stammen alle Hörspiele aus den 60er-Jahren und wurden damals fürs Radio produziert. Dies bedeutet nicht nur, dass sämtliche Rollen von Theaterschauspielern übernommen werden – was man deutlich heraushört -, sondern auch, dass die Geräuscheffekte deutlich weniger ausgereift sind, als man es heute gewohnt ist.

Ich persönlich mag diesen altmodischen Charme und freue mich, dass man versucht hat, auch das in den 90er-Jahren produzierte Hörspiel mit dieser speziellen Atmosphäre zu produzieren. Ich finde es niedlich, dass man deutlich merkt, dass die meisten Sprecher mit dem Englischen nicht besonders vertraut sind, und musste beim Hören ständig an die Fernsehausstrahlungen von Durbridges Theaterstücken denken, die es in meiner Kindheit gab. Es ist lange her, dass ich eines dieser Theaterstücke gesehen habe und auch die Romane des Autors hatte ich schon viele Jahre nicht mehr in der Hand, aber es hat mir wirklich Spaß gemacht, mal wieder ein paar Durbridge-Krimis zu erleben. Der Autor hat mich nie so sehr gepackt wie andere, aber diese Hörspielabende waren wunderbar entspannend und unterhaltsam!

[Kurz und knapp] Greg Iles: Leises Gift

Klappentext:
Dr. Chris Shepard hat die junge Frau, die in seine Arztpraxis kommt, nie zuvor gesehen. Alex Morse gibt sich als Agentin des FBI zu erkennen. Sie sei, so sagt sie, auf der Spur eines Scheidungsanwalts, der seinen Klienten einen besonderen Dienst bietet: Ihre Ehepartner sterben auf unerklärliche Weise.

„Okay. Aber warum erzählen Sie mir das?“
„Weil vor genau einer Woche Ihre Frau nach Jackson gefahren ist und zwei Stunden im Büro dieses Anwalts verbracht hat.“

„Leises Gift“ ist der erste Roman, den ich von Greg Iles gelesen habe, und ich fand das Buch wirklich unterhaltsam. Solange ich die Nase im Buch stecken hatte, fiel es mir schwer, es aus der Hand zu legen, auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich es auch gut liegen lassen konnte, wenn ich erst einmal eine Pause beim Lesen gemacht hatte. Vor allem gefiel mir die Grundidee des Romans, ich habe schon lange keine Geschichte mehr gelesen, bei der mir die Mordmethode ein so flaues Gefühl im Magen verursacht hat.

Schön fand ich den Anfang der Geschichte, bei der man etwas mehr über Agentin Alex Morse und die Schicksalsschläge, die sie in den letzten Monaten erlebt hat (Vater erschossen, Mutter liegt im Sterben, traumatische Erlebnisse bei einem FBI-Einsatz) erfährt. Als dann auch noch ihre Schwester Grace einen tödlichen Schlaganfall erleidet und Alex gerade noch anvertrauen kann, dass sie denkt, dass ihr Mann sie getötet hat, scheint die FBI-Agentin ihren Blick für die Realität zu verlieren. Hätte Greg Iles an diesem Punkt offen gelassen, ob Alex sich aufgrund des emotionalen Stresses in der näheren Vergangenheit in etwas total Absurdes verrannt hätte oder ob an der Mordtheorie etwas Wahres dran ist, dann hätte die Geschichte richtig gut werden können.

So aber verrät der Autor schon sehr früh dem Leser, dass es da wirklich einen unmoralischen Scheidungsanwalt gibt, der seinen reichsten Klienten einen besonderen Service bietet, und einen Wissenschaftler, der in der Lage ist, gezielt tödliche Krankheiten hervorzurufen. Das führt dazu, dass selbst bei den gründlichsten Untersuchungen in verdächtigen Todesfällen die Todesursache immer natürlich zu sein scheint, während misstrauischen Familienangehörige oder Ermittler nichts unternehmen können. Also läuft das Buch letztendlich daraus hinaus, ob es Alex jemals gelingt, handfeste Beweise für die Morde zu finden. Dank des verschenkten Potenzials ist „Leises Gift“ am Ende nur ein netter, unterhaltsamer Roman mit etwas einseitig gestrickten Charakteren und einem Finale voller Hollywood-mäßiger Explosionen und Schießereien. Aber manchmal ist ein netter Thriller mit einer gruseligen Grundidee auch genau das Richtige, um ein paar entspannte Leseabende zu verbringen.