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SuB-trahiert 2017 (1)

Im vergangenen Jahr gab es schon deutlich weniger SuB-trahiert-Beitrage von mir als 2015, aber ich hatte ja auch gut aussortiert und weggelesen. Trotzdem gibt es für das Jahr 2017 weitere „Altlasten“ auf dem SuB und so gibt es auch wieder Posts, in denen ich über die SuB-trahierten Titeln schreibe.

1. Brom: Krampus
Ich mochte Broms „Der Kinderdieb“ sehr gern, weil es toll war, was der Autor aus dem Kinderbuch-Klassiker „Peter Pan“ gemacht hat und wie er keltisches Sagengut (rund um Avalon, die Dame vom See und den Jäger Herne) mit den unheimlicheren Elementen der Peter-Pan-Geschichte verwoben hat. Ich fand auch, dass die Figur des Peter Pan in der Geschichte sehr gut funktionierte und in sich stimmig war, weshalb ich wenig Probleme damit hatte, dass Peter nicht wirklich sympathisch war. Bei „Krampus“ hingegen scheitere ich seit Jahren an den ersten Seiten, weil ich mit dem Protagonisten Jesse einfach nichts anfangen kann und total genervt von der Figur bin und davon, dass mir auf den ersten Seiten so plakativ von Jesse, seinem Widersacher und dem Leben in dieser kleinen Stadt erzählt wird. So neugierig ich eigentlich darauf bin, was Brom aus der Krampus-Figur gemacht hat, so sehr treibt mich Jesse immer wieder dazu das Buch aus der Hand zu legen. Und nachdem ich im immer wieder das Lesen vor mir hergeschoben habe und so viel lieber all die anderen Titel auf meinem SuB gelesen hätte, habe ich beschlossen, dass „Krampus“ den Weg in die Bibliothek nehmen wird. Wenn ich dann irgendwann noch einmal Lust auf einen weiteren Versuch mit dem Roman habe, dann kann ich ihn hoffentlich dort ausleihen.

(aussortiert im Dezember 2016)

2. Xinran: Wolkentöchter

Ich habe vor Jahren von Xinran den Roman „Die namenlosen Töchter“ gelesen, in dem die Autorin über all die ungewollten Mädchen schreibt, die als Wanderarbeiterinnen nicht nur ein Auskommen suchen, sondern auch die Anerkennung ihrer Familien gewinnen wollen. Da die in dem Roman erzählte Geschichte auf den Dingen basiert, die Xinran von chinesischen Frauen erzählt bekommen hat, als sie während der 80er und 90er Jahre in Nanjing als Radiojournalistin tätig war, wollte ich unbedingt eins ihrer Sachbücher zu dem Thema lesen. So habe ich „Wolkentöchter“ auch recht schnell nach Eintreffen angefangen, aber zum Teil zwischen den einzelnen Geschichten Jahre verstreichen lassen. Durch einen Tweet von Julia habe ich im Februar wieder zu dem Titel gegriffen und endlich die restlichen Geschichten gelesen. Mehr zu dem Buch findet ihr HIER.

(gelesen im Februar 2017)

3. Holly Black: The Darkest Part of the Forest

„The Darkest Part of the Forest“ gab es für mich im Dezember 2015 zu Weihnachten, womit er gerade so unter die zu SuB-trahierenden Titel fällt. Obwohl ich so lange schon um den Roman herumgeschlichen war und mich wirklich darüber gefreut hatte, dass ich ihn endlich greifbar hatte, hatte ich jetzt fast ein Jahr lang keine Lust auf diese Art von fantastischer Geschichte. Genau genommen war es eher so, dass ich relativ genaue Erwartungen an das Buch hatte und nicht mit dieser Erwartungshaltung ans Lesen gehen wollte. Erst als mir nicht mehr so wichtig war, ob die Geschichte meinen Erwartungen entspricht oder nicht, konnte ich mich wirklich auf den Roman einlassen … Mehr zum Inhalt gibt es in meiner Rezension.

(gelesen im Februar 2017)

4. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

Auf dieses Buch habe ich mich schon sehr lange gefreut und weil ich die Vorfreude auskosten wollte, habe ich es seit dem November 2014 immer wieder im Regal stehen lassen, wenn ich auf der Suche nach neuer Lektüre war. Aber da ich mir im März nun die beiden Fortsetzungen gegönnt habe, wurde es Zeit den Titel vom SuB zu befreien und endlich zu lesen. Ich mag Patrica C. Wredes Art eine Geschichte zu erzählen und eine Welt zu entwerfen und habe diesen Roman sehr genossen, wie man auch HIER sehen kann. Zu schade, dass ich wohl so schnell keine neuen Bücher von der Autorin mehr in die Hände bekommen werde. Zumindest wüsste ich von keiner Ankündigung.

(gelesen im März 2017)

Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child (Frontier Magic 1)

„The Thirteenth Child“ ist der erste Band der Fontier-Magic-Trilogie von Patricia C. Wrede. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Francis „Eff“ Rothmer erzählt, die zu Beginn des Romans gerade mal fünf Jahre alt ist. Die Autorin hat für diese Trilogie eine Welt geschaffen, die in vielen Aspekten unserer Welt ähnelt, aber voller Magie ist. So müssen die Siedler, die den Westen von Nordamerika in Besitz nehmen wollen, nicht nur gegen das Klima und „normale“ Wildtiere (inklusive Mammuts und Säbelzahnkatzen) und Schädlinge kämpfen, sondern auch befürchten, dass die magischen Elemente dieser Welt ihre Siedlung und ihr Leben bedrohen. Schon vorhandene Bewohner des Landes sind übrigens kein Thema – und nach dem Lesen des ersten Bandes bin ich mir nicht ganz sicher, ob es daran liegt, dass es bis zur Ankunft der Siedler keine Menschen dort gab, oder ob es da noch ein Geheimnis zu entdecken gibt. Aber ich vermute, dass es wirklich keine Menschen vor den Siedlern auf diesem Kontinent gab.

Eff selber ist im zivilisierten Osten geboren worden, wo ihr Vater als Magieprofessor arbeitet, und als zweitjüngstes Kind ihrer Familie könnte sie theoretisch recht behütet aufwachsen, wären da nicht zwei Aspekte, die ihr Leben kompliziert machen. Auf der einen Seite ist Effs Zwillingsbruder Lan der siebte Sohn eines siebten Sohnes, was bedeutet, dass er ein „natürlicher Magier“ ist und über deutlich mehr Potential verfügt als ein „gelernter Magier“. Eff beneidet ihren Bruder nicht darum, dass alle in ihm etwas Besonderes sehen, schließlich ist er für sie einfach nur großartig und der beste Beschützer, den sie sich vorstellen kann. Dass sie überhaupt einen Beschützer nötigt hat, liegt daran, dass sie das dreizehnte Kind der Familie ist und jeder weiß schließlich, dass das dreizehnte Kind einer Familie verflucht und von Grund auf böse ist – und dass die einzige Möglichkeit das Pech abzuwenden, dass von so einem Kind ausgeht, darin besteht, das Kind nach der Geburt zu ertränken.

Zum Glück sind Effs Eltern deutlich weniger abergläubisch als der Rest der Familie und so beschließen sie mitsamt ihren Kindern (also denen, die noch nicht alt genug sind, um auf eigenen Beinen zu stehen) nach Westen zu ziehen, bevor die Situation für ihre Tochter eskaliert. Nicht alle von Effs Geschwistern sind glücklich darüber, dass ihre Eltern bereit sind an die Grenze der zivilisierten Welt zu ziehen – denn auch wenn eine magische Barriere die Stadt Mill City vor den Gefahren des Wilden Westen beschützt und die Stadt groß genug ist, um sogar ein eigenes College zu haben -, so ist der Landstrich deutlich gefährlicher als die östlichen Küstengebiete, die schon seit langer Zeit von den Siedlern urbar gemacht wurden.

Der Leser begleitet Eff bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr und da nicht in all diesen dreizehn Jahren etwas bemerkenswertes geschieht, wird „The Thirteenth Child“ stellenweise etwas episodenhaft erzählt. Aber da man nie das Gefühl hat, man würde eine Entwicklung oder ein wichtiges Ereignis in Effs Leben verpassen, fand ich das in keiner Weise schlimm. Spannend fand ich, dass Patricia C. Wrede den ganzen Roman hindurch einen Ton anschlug, den ich vor allem von Laura Ingalls Wilders Büchern über ihr Leben im Wilden Westen _(oder Lucy Maud Montgomerys „Anne of Green Gables“-Romanen) kenne. Und auch hier ist es so, dass einem vor allem die wichtigen oder besonderen Erinnerungen aus der Kindheit erzählt werden, während man den Alltag nur in den kleinen Nebensätzen mitbekommt. Dabei sind die erzählenswerten Passagen oft gar nicht mal besonders aufsehenserregend, aber eben wichtig für Effs Heranwachsen, für die Veränderungen in ihrer Familie und für ihr Leben an der Grenze.

Erst so nach und nach gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass es Probleme in den Siedlungen außerhalb der Grenzmauer gibt, und dass dies langfristig auch die Städte östlich des magischen Walls beeinflussen könnte. So muss man als Leser nicht auf den dramatischen Höhepunkt am Ende der Geschichte verzichten, wobei ich auch mit all den kleinen Dingen in Effs Leben vollkommen zufrieden war. Sehr gut gemacht fand ich auch Effs Verhältnis zu ihrem Bruder Lan geschildert, ebenso wie ihre Befürchtungen bezüglich der Tatsache, dass sie nun mal das dreizehnte Kind ihrer Familie ist. Da Eff ein wirklich netter Mensch ist, fürchtet sie sich von klein auf davor, dass sie böse werden und ihre Familie oder andere Personen verletzten könnte. Wie schwer sie durch die Behandlung durch ihre Verwandtschaft während ihrer ersten Lebensjahre traumatisiert wurde, wird ihr (und ihrer Familie) erst sehr spät bewusst. Und auch dann fällt es ihr sehr schwer Verhaltensweisen abzulegen, die sie schon so vielen Jahre aufrecht erhalten hat.

Es ist schwierig mehr zu der Handlung zu schreiben, denn es gibt so viele kleine Dinge und Nebenfiguren, von denen ich erzählen möchte. Aber wenn ich erst einmal damit anfangen würde, dann gäbe es für euch in der Geschichte gar nicht mehr so viel zu entdecken – und gerade dieses Kennenlernen der Charaktere und Erforschen der Welt fand ich während des Lesens so schön. Es gibt Figuren, die man von Anfang an am Liebsten in eine Schublade stecken würde, aber da passen sie einfach nicht rein, und dann gibt es noch all die kleinen Unterschiede, wenn es um Geschichte, Ländernamen, Flora und Fauna und all die anderen Dinge geht, die diese Welt zu einer magischen Version der unseren machen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht Eff in den magischen Wilden Westen zu folgen – und inzwischen bin ich schon beim zweiten Band angefangen, in dem mir mehr von dieser magischen Welt gezeigt wird (und der eine deutlich geringere Zeitspanne umfasst).

Wenn der Geduldsfaden reißt … ;)

So ganz stimmt die Überschrift nicht, denn mein Geduldsfaden ist noch nicht gerissen. Aber während ich seit Tagen eine Naht nach der anderen auftrennte, ärgere ich mich schon etwas. Es hat so viel Zeit und Mühe gekostet, all diese Nähte mit der Hand zu nähen, und nun trenne ich sie auf, damit ich die Stoffe anderweitig nutzen kann. Und „anderweitig nutzen“ bedeutet eben auch, dass ich für einige Sachen wieder zu Nadel und Faden greife und Zeit und Mühe investiere. So gern ich eigentlich mit der Hand nähe und meine Gedanken dabei schweifen lasse. so können gerade die richtig langen Nähte dann doch zur Geduldsprobe werden – womit wir dann wieder bei der Überschrift wären. 😉

Lese(sams)tag

Da mein Mann heute unterwegs sein wird, habe ich beschlossen, dass ich mir „frei“ nehme und einen gemütlichen Lesetag einlege. Momentan habe ich ein großes Bedürfnis nach Büchern, aber auch nach Wohlfühlfilmen und anderen entspannenden Tätigkeiten auf dem Sofa. Außerdem habe ich in der vergangenen Woche endlich meine Handarbeitssachen ausgebuddelt und die (ehemaligen) Wohnzimmervorhänge wieder in die Finger bekommen. Aus den Vorhängen werden in den nächsten Tagen Kissenbezüge und vielleicht reicht der Stoff noch für einen Bezug für unseren Hocker (der bislang in dem „katzenfreien“ Zimmer stand), damit Christie in Zukunft auf dem hellen Stoff keine Spuren hinterlassen kann. Ich denke, damit habe ich genügend gemütliche Tätigkeiten für den heutigen Tag, an denen ich euch teilhaben lassen kann. 😉

Erst einmal muss ich aber noch eine Runde einkaufen und kann bei der Gelegenheit gleich wieder ein paar Romane in den Bücherschrank nebenan stellen. Trotz gründlichem Ausmisten hat sich doch der eine oder andere Titel, den ich in den letzten Tagen ausgepackt habe, als nicht „regalwürdig“ herausgestellt. Bei manchen Büchern muss ich eben ein bisschen nachdenken, bevor ich sie wirklich aussortieren kann. Ein paar weitere Titel werden am Montag auch noch in die Bibliothek wandern … 😉 Jetzt flitze ich aber erst einmal los und melde mich dann nach dem Einkauf wieder.

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Update 10:15 Uhr

Bei wunderschönem blauem Himmel sind wir zu zweit einkaufen gegangen – und ich muss gestehen, dass ich sehr froh war, dass mein Mann sich mir noch angeschlossen hat, bevor er sich auf den Weg gemacht hat, denn wir haben doch einiges auf dem Einkaufszettel gehabt. Nach dem Umzug fehlen uns immer noch die „Standartvorräte“ und so reicht es nicht, wenn wir nur eben die frische Sachen vor dem Wochenende besorgen, sondern müssen für jedes geplante Essen sämtliche Vorräte neu besorgen.

Mir fällt immer wieder auf, wie viel weniger grün dieser Stadtteil ist als unser alter – und das nicht nur, weil wir keinen Garten und keinen Balkon mehr haben. Es fehlen der große Sportplatz am Ende der Straße mit all den alten Bäumen und die Friedhöfe mit den ebenfalls alten Bäumen. Theoretisch ist der große Fluss in der Nähe, aber ich habe noch keinen Fußweg ans Wasser gefunden und ich sehe es nicht ein mit der Bahn in die Innenstadt zu fahren, um ein begehbares Ufer zu finden. 😉

Jetzt ist es erst einmal Zeit fürs Frühstück und dabei werde ich einen Blick in „The Thirteenth Child“ werfen. Das Buch liegt schon so schrecklich lange auf dem SuB, aber da ich nun endlich die Fortsetzungen habe, kann ich endlich damit anfangen. Vorher muss ich nur Christie davon überzeugen, dass sie mir etwas Platz machen muss. 😉

Oh, und Natira schließt sich mir heute an, auch wenn sie noch keinen „Lesetag“-Post veröffentlich hat. Aber immerhin gibt es schon mal ein erstes Lebenszeichen auf ihrem Blog. 🙂

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Update 12:15 Uhr

Da ich nebenbei noch den FeedReader geleert habe, ging es nicht so gut mit dem Lesen voran. Aber ich mag die Geschichte jetzt schon sehr! Patricia C. Wrede stützt ihren Roman „The Thirteenth Child“ auf die allseits bekannte Tatsache, dass der siebte Sohn eines siebten Sohns natürlich ein geborener Magier sein wird. Niemand – wie die Protagonistin Eff betont – denkt anscheinend daran, dass in einer Familie mehr Kinder geboren werden müssen, damit es überhaupt zu einem siebten Sohn kommt. Vor allem die Töchter werden bei dieser Tatsache gern vergessen. Für Eff hingegen ist es von klein auf eine erschütternde Tatsache, dass ihr Zwillingsbruder Lan der siebte Sohn eines siebten Sohnes ist und dementsprechend jeder erwartet, dass er nicht nur als Magier großes leisten wird, sondern auch dass er Glück über sich und alle in seiner Umgebung bringen wird. Eff hingegen hätte – wie ihre Onkel und Tanten immer wieder betonen – schon bei der Geburt ertränkt werden sollen, denn als das dreizehnte Kind ihrer Familie ist sie dazu verdammt Unglück über all diejenigen zu bringen, die sich in ihrer Nähe aufhalten. So erwarten alle in ihrer Umgebung immer nur das Schlimmste von Eff und schon als kleines Kind wurde jede ihrer Handlungen so gedeutet, als ob sie absichtlich Böses tun würde (statt einfach nur aus Ungeschick ihre Milch zu verschütten oder sich vor lauter Angst vor ihren Cousins zu verstecken). Einzig Lan steht immer an ihrer Seite und beschützt sie vor allen anderen, wobei auch ihre Eltern eine Menge in Bewegung setzen, um Eff ein normales Leben zu ermöglichen.

Leider muss ich jetzt erst einmal eine Pause machen und die Katze füttern – und wenn ich das Lesen schon unterbreche, werde ich nach dem Füttern vermutlich einen Blick in die wiedergefundene Wollkiste werfen und schauen, ob ich passende Wolle finde, um mir – nach diesen Socken von Andrea – ein neues Sockenpaar zu machen.

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Update 16:00 Uhr

Inzwischen hat Christie in Ruhe gefressen (und kurz danach, während sie fürs Lüften in die hintere Hälfte der Wohnung gesperrt war, einen großen Pappenstapel umgerissen *seufz*) und schläft nun friedlich in einem Sonnenfleck im Wohnzimmer. Währenddessen habe ich eine Runde Wäsche angeworfen, einen kleinen Kuchen gebacken und meine Wolle gesichtet. Eigentlich war ich ja davon ausgegangen, dass ich gar keine Sockenwolle mehr im Haus habe, aber beim Einpacken der Umzugskartons habe ich noch einen Vorrat gefunden, den ich so gut Motten- und Katzensicher verstaut hatte, dass ich ihn selber vergessen hatte. Wenn ich jetzt noch irgendwie Platz in der Sockenschublade finden würde, müsste ich kein schlechtes Gewissen beim Stricken haben. 😉

Dummerweise habe ich meine guten Nadeln noch nicht wieder bei der Hand (um an den Karton zu kommen, brauche ich die Hebekraft meines Mannes) und so habe ich die ersten zehn Zentimeter mit einem Nadelspiel gestrickt, dass ich schon lange nicht mehr genutzt habe. Inzwischen weiß ich auch wieder warum, denn sie liegen nicht gut in der Hand und so kommt auch kein schönes Maschenbild zustande. Also habe ich alles wieder aufgeribbelt und fange das Ganze später noch einmal mit dünneren Nadeln. Die sind zwar auch nicht ideal, aber besser als die vorher ausprobierten. Jetzt ist es aber erst einmal Zeit für eine Tasse Milchkaffee und ein (oder zwei) Kuchenprobierstückchen. Dabei wird mir Eff dann wieder Gesellschaft leisten. 🙂

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Update 18:30 Uhr

Ich mag Patricia C. Wredes Romane wirklich unheimlich gern. In „The Thirteenth Child“ erinnert mich der Ton stellenweise an Laura Ingalls Wilder, wobei sich die Welt auf der einen Seite moderner anfühlt (weil Eff und ihre Familie anfangs weiter im Osten leben und selbst der Wilde Westen schon über eine Eisenbahn verfügt) und auf der anderen Seite ja noch die Magie und all die unglaublichen Tiere (Mammut, Wollnashorn, Dampfdrachen) existieren und der ganzen Geschichte einen besonderen Touch verleihen. Ich mag Effs Familie und ich mag ihre Erzählstimme. Und gerade weil es mir so leicht fallen würde, mich einfach in die Geschichte zu vertiefen und erst wieder rauszukommen, wenn ich die letzte Seite gelesen habe, habe ich kein Problem den Roman zur Seite zu legen, um ihn Stück für Stüc bewusst zu genießen. So schnell schreibt die Autorin schließlich nicht, da muss ich mir die letzten drei ungelesenen Titel in meinem Regal etwas einteilen. 😉

(Keine Ahnung, wieso meine Mutter meint,
ich sähe immer gleich aus. *g*)

Deshalb habe ich, als der Trockner sich meldete, erst einmal die Wäsche zusammengelegt und dabei „Mein Nachbar Totoro“ angemacht. Mein Mann mag den Film nicht so gern (zu viel quitschende Kinder), während ich ihn unbedingt mal wieder sehen wollte, nachdem ich gerade einen Artikel gelesen habe, der sich darum drehte, warum dieser Film so toll ist, obwohl bei seiner Handlung nicht einer der Punkte beachtet wurde, die beim Storytelling als obligatorisch gelten. Bis zum Ende des Films werde ich noch etwas stricken und danach ist es vermutlich auch schon Zeit zum Kochen. 🙂

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Update 23:00 Uhr

Heute gab es mein Standart-Strohwitwen-Essen – ich liebe dieses Ananas-Curry! – und vom Kochen abgesehen, habe ich die letzten Stunden mit Stricken, Lesen und Katze beschmusen verbracht. Sehr weit bin ich mit dem Socken noch nicht, aber ich denke, dass die beiden Farben das Muster schon herausbringen. Auch wenn man das auf dem Foto kaum sehen kann, so ist die orange Wolle meliert, was einen hübschen Effekt gibt – ich gebe allerdings zu, dass man dafür schon sehr genau hinsehen muss. *g* Bis mein Mann nach Hause kommt und mir von seinem Tag erzählen will, werde ich noch etwas lesen. Morgen wird mir dafür nicht so viel Zeit bleiben, da muss ich die letzte Stunde des heutigen Tages doch noch nutzen. Es war schön mal wieder einen Lesetag einlegen zu können, auch wenn es zwischendurch schon etwas in den Fingern gejuckt hat – ich hätte schließlich zumindest schon mal die Wand abkleben können, die ich nächste Woche streichen will. Aber es war auch notwendig mal wieder einen Tag einzulegen, an dem ich mich auf die Sachen konzentriere, die mir Freude bereiten. 😉

Neuzugänge Januar und März 2017

Normalerweise bringt der Januar immer noch einen ganzen Stapel Neuzugänger mit sich, weil ich im November und Dezember mein „Taschengeld“ spare und mir im Januar davon die Bücher kaufe, die ich unbedingt noch haben muss und nicht vom Wunschzettel geschenkt bekommen habe. In diesem Jahr sah das etwas anders aus und so gab es im Januar „nur“ drei Neuzugänge, die ich schon im Dezember bestellt hatte:

1. Seanan McGuire: Dusk or Dark or Dawn or Day
2. Stephanie Burgis: Renegade Magic (Kat, Incorrigible 2)
3. Stephanie Burgis: Stolen Magic (Kat, Incorrigible 3)

Die Fortsetzungen der „Kat, Incorrigible“-Reihe mussten einfach sein, weil mir der erste Teil so gut gefallen hatte. Ich habe die Romane auch ziemlich schnell gelesen und mich dabei wieder sehr gut unterhalten gefühlt.

Außerdem gab es Seanan McGuires neusten Roman für mich, weil ich eben ein Fangirl bin und bislang alles von der Autorin mochte – und das Erscheinungsdatum gerade noch in meine „vor dem Umzug könnte das noch geliefert werden“-Zeitplanung passte. Dafür gab es dann im Februar erst einmal ein „Kaufverbot“ für mich, damit das mit dem Adresswechsel keine Probleme gibt. 😉

Für März bestellte ich mir dann noch:

4. Patricia C. Wrede: Across the Great Barrier
5. Patricia C. Wrede: The Far West

Die beiden Titel von Patricia C. Wrede sind die Fortsetzungen von „The Thirteenth Child“ und die letzten Romane (wenn ich ihre Star-Wars-Veröffentlichungen nicht mitzähle) der Autorin, die mir in meinem Bestand noch fehlten. Ich freu mich schon sehr darauf, dass ich nun „The Thirteenth Child“ von meinem SuB fischen und die drei Bücher in einem Zug lesen kann.

6. Seanan McGuire: Magic for Nothing
7. Jennifer Estep: Dark Heart of Magic
8. Jennifer Estep: Bright Blaze of Magic

Dann noch die Fortsetzung der „InCryptid“-Reihe von Seanan McGuire – ich fand es sehr spannend endlich das jüngste Familienmitglied kennenzulernen! – und dazu noch die beiden Bände, die mir zur Vervollständigung der Black-Blade-Trilogie von Jennifer Estep noch fehlten. Eigentlich könnte ich ja die Elemental-Assassin-Reihe der Autorin mal vervollständigen, aber da brauche ich noch mehr als zwei Teile. 😉

Und wie so oft am Ende eines Neuzugangsbeitrags muss ich meiner Fassungslosigkeit über Designentscheidungen der Verlage Ausdruck verleihen. Auch wenn ich genau weiß, wieso Verlage das Coverkonzept innerhalb einer Reihe so radikal ändern, werde ich nie Verständnis dafür aufbringen. Schon gar nicht, wenn das Cover des ersten Bandes so viel ansprechender ist als die Cover der Fortsetzungen!

Seanan McGuire: Magic for Nothing (InCryptid #6)

„Magic for Nothing“ ist der sechste „InCryptid“-Band von Seanan McGuire und der erste Teil, in dem  Antimony (Annie), die jüngste Price-Schwester, die Protagonistin ist. Nachdem ihre ältere Schwester Verity am Ende von „Chaos Choreography“ dem „Convenant of St. George“ den Kampf angesagt hat, bereitet sich nicht nur die Familie, sondern die gesamte nordamerikanische „übernatürliche“ Gesellschaft (also zumindest der Teil, der die Kampfansage mitbekommen hat) auf einen Angriff der Fanatiker vor. Doch effiziente Vorbereitungen kann man nur treffen, wenn man eine Ahnung davon hat, was der Feind plant – und so wird Annie als Spion beim Orden eingeschleust. Als einziges Mitglied der Price-Healy-Familie, das nicht zierlich, blond und kurvig gebaut ist, scheint sie die naheliegende Wahl für einen Undercover-Auftrag zu sein. Dummerweise weiß niemand in ihrer Familie, dass Annie seit einiger Zeit mit eigenen Problemen zu kämpfen hat, die bei Entdeckung dafür sorgen würden, dass der „Convenant of St. George“ sie auf der Stelle eliminieren würde.

Für Annie ist dieser Auftrag gleich in mehrfacher Hinsicht schwierig. Erst einmal hat sie vor einiger Zeit entdeckt, dass sie wohl die Magie ihres Großvaters Thomas geerbt hat, und so spucken ihre Hände immer wieder in unerwarteten (stressigen) Momenten Flammen aus. Wenn ihr das in Gegenwart eines Ordensmitglied passiert, würde sie auf der Stelle getötet. Außerdem ist es für Antimony, deren Mundwerk (und Wurfmesser) häufig schneller ist als ihr Gehirn, schwierig, sich in Gegenwart des „Convenant of St. George“ zurückzuhalten und nicht gegen all die Vorurteile und Abwertungen gegenüber den „übernatürlichen“ Wesen, die in ihren Augen genauso ein Recht auf Existenz haben wie jeder Mensch, vorzugehen. Noch herausfordernder wird ihr Auftrag, als auch der Orden sie auf eine Undercover-Mission schickt, die dafür sorgt, dass sie das Vertrauen von Personen gewinnen muss, die ihr sympathisch sind und die genau das Leben führen, nach dem sie sich immer gesehnt hat.

Wenn man bedenkt, dass Seanan McGuire Annie gleich in zwei Undercover-Aufträge schickt, ist es überraschend, wie wenig eigentlich auf den ersten Blick in diesem Roman passiert. Da die Protagonistin den Großteil der Handlung damit beschäftigt ist, sich das Vertrauen der diversen Personen zu verdienen, gibt es nur einen geringen „Action“-Anteil in der Geschichte. Dafür lernt man den „Convenant of St. George“, der schon so lange eine so bedeutende Rolle in der Welt der InCryptid-Romane spielt, von einer ganz neuen Seite kennen, und bekommt einen Einblick ins (amerikanische) Jahrmarktsleben und eine Vorstellung davon, warum Annie (und Seanan McGuire) so eine Schwäche für Roller Derby haben.

Ich muss gestehen, dass ich erwartet hätte, dass in „Magic for Nothing“ schlimmere Dinge geschehen würden, als dies tatsächlich der Fall war, und so ist dies eins der wenigen Bücher, bei denen ich regelmäßig eine Pause einlegen musste, weil ich Angst davor hatte, was als nächstes passieren wird. Eigentlich war die meiste Zeit alles gut – so weit für Annie unter den Umständen alles gut sein konnte -, aber ich war mir sicher, dass noch etwas Heftiges passieren würde. Alles andere hätte weder zu dieser Art von Geschichte noch zur Handlung und schon gar nicht zu Seanan McGuire gepasst. So musste ich mich langsam an den Punkt herantasten, an dem irgendetwas Schreckliches passiert, damit die Geschichte ihren Weg gehen kann. Und als dann der Höhepunkt der Geschichte kam, war es nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, was mich mit dem Gefühl zurücklässt, dass das Ganze noch lange nicht zu Ende ist (und ich sehr viele Befürchtungen auf etwas konzentriert habe, das letztendlich gar nicht passiert ist).

Trotzdem bin ich nicht unzufrieden mit dem Roman, weil Annies Sichtweise viel von dem, was ich in den ersten fünf Romanen und den verschiedenen Kurzgeschichten rund um ihre Familie (von denen man die meisten übrigens kostenlos auf Seanan McGuires Homepage runterladen kann) erfahren habe, in eine neue Perspektive gerückt hat. Dazu kommt noch die Entwicklung, die Annie im Laufe der Geschichte durchmacht und die ich überaus stimmig fand. Vorher kannte man sie nur als zerstörerische und nervige kleine Schwester, die sich besonders mit Verity immer wieder ernsthafte Schlachten lieferte. Doch nach „Magic for Nothing“ kann man verstehen, warum Annie sich so verhält, wie sie es tut, während sie so langsam begreift, dass ihre Sicht der Dinge bislang etwas sehr einseitig und rosig war. Wie schwierig es sein kann, wenn man auf der einen Seite die übernatürliche Gesellschaft Nordamerikas beschütze und trotzdem noch ein Leben als eigenständige Person führen will. wird für Annie erst deutlich, als sie ganz auf sich allein gestellt ist und gezwungen wird, jeden um sich herum anzulügen.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mit Antimony in „Tricks for Free“ (2018) weitergeht, denn ich habe das Gefühl, dass die Handlung aus „Magic for Nothing“ die Fortsetzung benötigt, um an einen befriedigenden Punkt zu kommen. Außerdem hoffe ich sehr, dass in dem nächsten Roman bestimmte Charaktere wieder auftauchen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und die in meinen Augen eine Bereicherung für die Reihe sind. Spannend finde ich es auch, dass in diesem Band zum ersten Mal von der Autorin eine deutliche Verbindung zwischen den InCryptid-Geschichten und Rose aus „Sparrow Hill Road“ gezogen wird, während es anfangs hieß, dass Rose zwar in derselben Welt existiert, aber es keine erkennbare Beziehung zwischen ihr und den Price-Healys gab. Es wird bestimmt interessant, weiter die Entwicklung und Erweiterung diese Romanwelt zu verfolgen und herauszufinden, was Seanan McGuire für ihre Protagonisten noch so in petto hat.

Dies und Das (2)

Ich habe eine ganze Sammlung von Dübeln und Schrauben, weil ich alles behalte, was nach diversen Umzügen und Projekten übrig geblieben ist. Trotzdem fehlt mir natürlich genau die richtige Art von Schrauben, um mein neues Regal an der Wand andübeln zu können. Was bedeutet, dass das Regal seit einer Woche aufgebaut in der Ecke steht und ich es nicht füllen kann. Heute wollen wir nach unserer Frühstücksverabredung mit einer ehemaligen Nachbarin beim Baumarkt vorbei und Schrauben jagen, damit ich das Regal endlich anbringen und nutzen kann. Das reicht zwar dann noch nicht, um alle Kartons auszupacken, aber es ist wieder ein Schritt vorwärts. Die restlichen Kartons müssen dann vermutlich bis Weihnachten warten, bis die nächsten Regalkäufe drin sind. 😉

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Vor dem Umzug haben wir die beiden kleinen Sofas entsorgt, die ich vor über 15 Jahren in einem Gebrauchtmöbel-Kaufhaus gekauft hatte. Beide Sofas waren inzwischen so durchgesessen, dass der Bezug an den Sitzflächen durchgescheuert war und die Füllung rausquoll – was zur Folge hatte, dass man entweder fast auf dem Boden saß oder auf dem Holzholm in der Mitte des Sofas. Wir hatten uns daran gewöhnt, aber in den letzten 1,5 Jahren wurde es dann sogar für uns etwas arg unbequem. Nachdem wir nun in den ersten Wochen nach dem Umzug die Abende auf Stühlen verbracht haben, genießen wir jetzt unser neues Sofa umso mehr. Es ist auf genau die richtige Art und Weise fest und trotzdem kuschelig, und es bietet erstaunlich viel Platz, ohne so tief zu sein, dass man nicht darauf sitzen kann. Ich mag dieses Sofa wirklich und freu mich, dass wir trotz der wenigen Zeit zum Probesitzen das richtige Sitzmöbel für uns gefunden haben! Jetzt muss ich nur noch die Kartons auspacken können, die mit unseren Sofakissen ausgepolstert wurden, damit es perfekt ist.

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Seitdem wir angefangen haben, die ersten Kartons auszupacken, besteht das „Haushalten“ in dieser Wohnung aus Bad und Küche putzen, kaputte Kartons und Möbelverpackungen zerkleinern und Fußboden fegen. Dummerweise wurde in dieser Woche die Altpapiertonne nicht geleert, so dass wir auf einem Haufen Pappen sitzen, die wir nun zwei Wochen lang nicht loswerden. Denn noch weigern wir uns, mit der Straßenbahn loszufahren, um ein Auto zu mieten, mit dem Auto quer durch die Stadt bis zu unserer Wohnung zu fahren, das Auto dort mit Pappen zu füllen, dann in den angrenzenden Stadtteil zu fahren, um die Pappen auf dem Recyclinghof loszuwerden, wieder quer durch die Stadt zu fahren, um das Auto wieder abzustellen und dann mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren. Dann schiebe ich lieber noch ein paar Wochen die Pappen von einer Stelle zur anderen, bis ich sie nach und nach über die Papiertonne loswerden kann. Spannend ist, dass es auf der anderen Seite der Stadt (wo wir früher gewohnt haben) relativ viele verschiedene Autos – darunter einige Kombis – zu mieten gibt, während wir in diesem Teil der Stadt nur die ganz kleinen Fahrzeuge bekommen können.

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Zum Schluss noch ein paar Worte zu Christie, der es deutlich besser geht, nachdem wir eine ganze Woche ohne Besucher oder Handwerker in der Wohnung hatten. So ganz entspannen kann sie sich in der neuen Wohnung noch nicht und flüchtet jedes Mal, wenn sie auf der Treppe Schritte hört, die sich dem Stockwerk unter uns nähern. Aber solange es im Treppenhaus ruhig ist, ist sie relativ gelassen, erkundet die neue Wohnung und hat angefangen, die Welt vor dem Haus durch die Fenster zu studieren. Besonders begeistert ist sie von dem großen Baum auf der anderen Straßenseite, in dem sich regelmäßig Vögel sammeln, und nachmittags beobachtet sie gern die Kinder, die auf einem gepflasterten Hof hinter dem Haus spielen. Wobei Christie besonders begeistert ist, wenn die Kinder mit einem Ball spielen, und dann deutlich zeigt, dass sie dem auch gern mal hinterherjagen würde. (Ich verrate ihr lieber nicht, dass der Ball für sie etwas zu groß wäre. 😉 )

John Joseph Adams (Hrsg.): Dead Man’s Hand – An Anthology of the Weird West

Die Anthologie „Dead Man’s Hand“ hatte ich mir im Oktober 2015 besorgt, nachdem ich die Kurzgeschichten in der „Westward Weird“-Anthologie so spannend fand und herausfand, dass es auch in der zweiten Anthologie eine Geschichte rund um Jonathan Healy und Frances Brown (deren erste Begegnung in „The Flower of Arizona“ („Westward Weird“) beschrieben wurde) gibt. Aber als ich dann mit dieser Anthologie anfing, fand ich die Geschichten im Vergleich zu denen in „Westward Weird“ nicht so ansprechend und habe das Weiterlesen erst einmal sein gelassen. Im Umzugsstress wurde es dann wieder Zeit für Kurzgeschichten und so habe ich mich an diesen Band erinnert und noch einmal angefangen. Um meine Erinnerungen an die diversen Autoren und ihre Geschichten festzuhalten, gibt es diesen Beitrag – denn was bringt es, Autoren mit Kurzgeschichten auszuprobieren, wenn ich mich später nicht mehr genau erinnern kann, ob mir ihre Erzählweise gefällt.

1. „The Red-Headed Dead – A Reverend Jebediah Mercer Tale“ von Joe R. Lansdale
Die Geschichte, die mir den Einstieg in die Anthologie so schwer machte. Der Protagonist ist ein Reverend, der im Auftrag Gottes unterwegs ist – und zwar nicht, um zu missionieren, sondern um Böses (in diesem Fall einen Vampir) zu bekämpfen. Ich fand Reverend Mercer eher unsympathisch und sein Kampf mit dem Vampir hat mich auch beim zweiten Lesen kalt gelassen. Komischerweise fand ich sein Pferd am interessantesten – und das stirbt auf der zweiten Seite …

2. „The Old Slow Man and His Gold Gun From Space“ von Ben H. Winters
Sehr gemächlicher Anfang rund um zwei nicht gerade intelligente Goldgräber, die nicht viel Glück mit ihrem Claim haben, bis ein Außerirdischer ihnen ein unglaubliches Angebot macht. Trotz des netten Twists am Ende muss ich gestehen, dass ich einen Tag, nachdem ich die Geschichte gelesen hatte, schon Probleme hatte, mich daran zu erinnern.

3. „Hellfire on the High Frontier“ von David Farland
Eine interessante Welt, die auf viele historische Ereignisse und Figuren verweist, aber zusätzlich über Magie, „Clockworks“ (künstlich geschaffene Soldaten mit eigenem Willen) und Engel verfügt. Den Protagonisten fand ich sympathisch, die Geschichte selber – vor allem das Ende – deprimierend. Irgendwie sagt mir die Auswahl bei dieser Anthologie bislang nicht so zu, ich vermisse den Humor, den es bei „Westward Weird“ zwischendurch gab. Immerhin weiß ich, dass noch ein paar Autoren kommen werden, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe.

4. „The Hell-Bound Stagecouch“ von Mike Resnick
Mike Resnicks Humor liegt mir häufig (wenn er nicht gerade zu bemüht wirkt) und so fand ich die Geschichte rund um vier – sehr höfliche und angenehme – Reisende in einer Kutsche auf dem Weg zur Hölle auch sehr nett und unterhaltsam. Nur mit dem Schluss bin ich nicht ganz so zufrieden, dem fehlt es einfach an Raffinesse.

5. „Stingers and Strangers“ von Seanan McGuire
Insgesamt gibt es vierzehn Kurzgeschichten rund um Jonathan Healy und Frances Brown – und diese ist die vierte davon. Da ich an die erste Geschichte nicht rankam, weil die Anthologie in einem Karton schlummerte, habe ich mir nur die zweite und dritte Geschichte, die auf meinem eReader gespeichert sind, noch einmal durchgelesen, bevor ich mit dieser weitermachte. Je mehr Seanan McGuire über diese beiden Figuren schreibt, desto mehr Spaß machen sie mir. Und hier gibt es nicht nur schöne Dialoge zwischen Jonathan und Fran, sondern auch die Entdeckung einer – bislang für Jonathan und seine Familie – unbekannten Spezies, die noch ein wichtige Rolle ihrem Leben spielen wird. Sehr cool!

6. „Bookkeeper, Narrator, Gunslinger“ von Charles Yu
In dieser Geschichte dreht es sich alles um einen Buchhalter, der – ohne selbst zu wissen, wie es geschieht – zu einem berühmten Revolverhelden wird. Die Geschichte selbst fand ich ganz reizvoll, aber am Ende war ich etwas ratlos. Eigentlich fühlte sich das Ganze an, als wäre es die Vorgeschichte zu einem Roman oder sogar einer Serie, die nur funktioniert, wenn man mit dem Roman schon vertraut ist. Aber ich habe online keine Hinweise auf eine dementsprechende Veröffentlichung gefunden.

7. „Holy Jingle“ von Alan Dean Foster
Von Alan Dean Foster habe ich schon viele Romane gelesen, die ich sehr mochte, auch wenn es kein Autor ist, den ich noch gezielt verfolge. (Er hat einfach so viel geschrieben, dass ich es damals – auch aufgrund der deutschen Veröffentlichungspolitik – schwierig fand, einen Überblick über seine Romane zu bekommen.) Bei „Holy Jingle“ hatte ich wie bei der vorherigen Geschichte das Gefühl, dass sie zu einem Roman oder gar einer Romanreihe gehört, aber trotzdem kann die Handlung gut für sich stehen. Den Protagonisten fand ich interessant, die Erzählweise hat mir auch gefallen, allerdings hätte ich gern eine andere Problemlösung gesehen – auch weil die vom Autor verwendete nun mal ein bisschen zu sehr auf der Hand lang, wenn es um eine Geschichte rund um einen Mann geht, der von einer Prostituierten besessen ist.

8. „The Man with no Heart“ von Beth Revis
Sehr coole Geschichte rund um einen Spieler, eine mechanische Spinne und die Suche nach Antworten. Hat mir wirklich gut gefallen.

9. „Wrecking Party“ von Alastair Reynolds
Etwas merkwürdige, aber nicht uninteressante Geschichte, die sich für mich (vermutlich, weil ich aus zeitlichen Gründen drei Tage zum Lesen brauchte) etwas hingezogen hat. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht eines Sheriff, der nach vielen Jahren einen alten Kriegskameraden wiedersieht – und sich nicht sicher ist, ob dieser verrückt ist oder „nur“ einen ganz besonderen Blick auf kommende Ereignisse erhaschen konnte. Den Protagonisten fand ich sympathisch, die Grundidee interessant, allerdings fehlte mir ein bisschen der Kick am Ende der Geschichte.

10. „Hell from the East“ von Hugh Howey
Protagonist in dieser Geschichte ist ein Mann, der nach all den Schlachten, die er ausgefochten hat, keine andere Beschäftigung kennt als den Dienst in der Armee. Doch eines Tages gibt es einen Vorfall in dem Fort, in dem er stationiert ist, und als er mehr darüber herausfinden will, sorgen die Ereignisse für ein Ende seiner Militärkarriere. Das Ganze hat schon eine etwas lovecraftsche Anmutung und war nett zu lesen.


11. „Second Hand“ von Rajan Khanna
Interessante Geschichte rund um einen Kartenspieler und seinen Lehrling. Wobei sich schnell herausstellt, dass beide keine einfachen Kartenspieler sind und eine ganz spezielle Mission verfolgen … Nett geschrieben, mit einem Ende, das nichts Gutes für die Zukunft der beiden Protagonisten hoffen lässt, was die Handlung schön böse ausklingen lässt.

12. „Alvin and the Apple Tree“ von Orson Scott Card
Eine Kurzgeschichte, die Teil der „Alvin“-Serie des Autors ist. Da ich die nicht kenne, war ich etwas überrascht über den Ton und die biblischen Bezüge, habe mich aber gut unterhalten gefühlt. Allerdings frage ich mich, ob ich in den 80ern die deutlichen christlichen Anspielungen in seinen Romanen übersehen hatte oder ob das zu Beginn seiner Karriere nicht so extrem war. Er gehört auf jeden Fall zu den vielen SF-Autoren, die ich in meiner Jugend angetestet und positiv in Erinnerung behalten hatte, um dann nie wieder einen Roman von ihnen zu lesen. *g*

13. „Madam Damnable’s Sewing Circle“ von Elizabeth Bear
Die Geschichte ist weniger eine Kurzgeschichte als der Prolog zu Elizabeth Bears Roman „Karen Memory“. Um den Roman schleiche ich schon eine Weile drumherum und nun fand ich dummerweise die Erzählerin sympathisch und die Welt interessant, so dass der Roman nun doch endlich auf dem Wunschzettel gelandet ist. Aber eine Jack-the-Ripper-Story, die in einem unterirdischen Teil eines Goldgräber-Steampunk-Seattle spielt und eine sympathische Protagonistin präsentiert, beinhaltet einfach zu viele Elemente, um nicht für mich interessant zu sein. 😉


14. „Strong Medicine“ von Tad Williams
Interessante Idee rund um einen Ort, in dem alle 39 Jahre etwas Ungewöhnliches passiert, bei der ich mich aber frage, ob man nicht noch etwas mehr daraus hätte machen können. Auf der anderen Seite mochte ich eigentlich gerade die Punkte, die nicht so gut ausgearbeitet waren, weil sie mir Stoff für eigene Ideen beim Lesen gaben. Doch vor allem frage ich mich, was der Protagonist in den kommenden Jahren noch erleben wird – und Neugier auf das weitere Schicksal einer Figur ist nie schlecht.


15. „Red Dreams“ von Jonathan Maberry
Eine sehr coole Geschichte über die Gedanken nach einer Schlacht, den Weg eines Soldaten und die Frage, was am Ende nach all den Toden auf dem Schlachtfeld noch bleibt. (Ich würde gern noch ein bisschen mehr zu der Geschichte schreiben, aber dann müsste ich den Knackpunkt verraten und das wäre ein viel zu großer Spoiler.)

16. „Bamboozled“ von Kelley Armstrong
Diese Geschichte spielt – laut Wikipedia – in der Welt der „Otherworld“-Romane der Autorin, ohne dass es eine konkrete Verbindung zu anderen Figuren oder Ereignissen gibt. Ich muss gestehen, dass ich die Verbindung erst nach dem Lesen gezogen habe und das war gut so, weil ich sonst eine Wendung in der Handlung vermutlich vorhergesehen hätte, die mir so sehr gut gefallen hat. Ich mag die Schreibweise der Autorin und ich mag ihre Figuren – die Geschichte hat Spaß gemacht. 🙂

17. „Sundown“ von Tobias S. Buckell
Eine coole Kurzgeschichte über einen schwarzen Marshall, der einen Mörder jagt. Über den Protagonisten würde ich gern noch mehr lesen, den fand ich sehr interessant (befürchte aber, dass Tobias S. Buckell keine weiteren Geschichten mit ihm geschrieben hat), die Idee hinter der Handlung ist angenehm abgehoben und greift ein Thema von Jules Verne auf, was auch nett ist.

18. „La Madre del Oro“ von Jeffrey Ford
Die Geschichte hatte für mich etwas Lovecraft-haftes – und sei es nur, weil der Protagonist im Nachhinein erzählt, was ihm passiert ist (und dabei davon ausgehen kann, dass ihm eh niemand glauben wird). Die Handlung beginnt mit der Jagd auf einen Mörder in einem kleinen amerikanischen Ort in der Nähe der mexikanischen Grenze und endet mit einer unheimlichen Bedrohung, die nicht so einfach zu vernichten ist.

19. „What I Assume You Shall Assume“ von Ken Liu
Sehr interessante Grundgeschichte rund um einen alten Mann, eine Chinesin und die Kraft der Worte. Ich mochte nicht nur die Handlung an sich, sondern auch die Verknüpfung zwischen dem Wilden Westen und China und die Perspektive der Protagonistin, die für diese Art von Geschichten immer noch ungewöhnlich ist.

20. „The Devil’s Jack“ von Laura Anne Gilman
Wenn ich das richtig sehe, dann gibt es keine Verbindung zwischen „The Devil’s Jack“ und anderen Werken von Laura Anne Gilman. Aber es hat sich angefühlt, als ob hinter Jack eine längere Hintergrundgeschichte stehen würde, was mir gut gefallen hat. Normalerweise bin ich nicht so schnell interessiert, wenn es um Protagonisten geht, die ein Spiel mit dem Teufel verloren haben, aber hier fand ich die Grundidee sehr reizvoll und die Art und Weise, wie Jack damit umgeht, sehr spannend.

21. „The Golden Age“ von Walter Jon Williams
In Walter Jon Williams hatte ich, als ich sah, welche Autoren in der Anthologie vertreten sind, sehr große Hoffnungen gesetzt, weil ich seine „Drake Magistral“-Romane so mochte (also die zwei von drei, die in den 90ern ins Deutsche übersetzt wurden). Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht. Er hat für diese Anthologie eine Geschichte geschaffen, deren Protagonist eine wechselhafte Karriere hinter sich gebracht hat und in der es vor skurrilen Figuren und Details wimmelt. Ich fand die Mischung aus Goldrausch, „Superheld“ und „Superschurke“ – und wie sich die beiden Figuren gegenseitig im Laufe der Zeit beeinflussten – in „The Golden Age“ sehr unterhaltsam und hätte Lust, mehr Geschichten zu lesen, die in dieser Welt spielen. Vor allem würde es mich interessieren, was am Ende aus dem Commodore und dem Condor geworden ist … 🙂

22. „Neversleeps“ von Fred van Lente
Für „Neversleeps“ hat Fred van Lente eine Welt geschaffen, in der Magie statt Wissenschaft die entscheidende Rolle spielt und in der die Pinkertons („Neversleeps“ genannt) immer in Dreier-Gruppen agieren – wobei einer der Pinkertons kein Mensch ist. Der Protagonist ist ein ehemaliger Pinkerton und gehört inzwischen einer Rebellengruppe an, die alles dafür tut, um die Wissenschaft wieder auf einen Stand zu bringen, der dafür sorgt, dass sie sich gegen die Magie behaupten kann. Ich mochte die Welt und die Figuren und die vielen Details, die man durch die diversen Nebenbemerkungen und Beschreibungen mitbekam, aber das Ende war mir ein bisschen zu abrupt.


23. „Dead Man’s Hand“ von Christie Yant
„Dead Man’s Hand“ ist weniger eine Geschichte als eine Sammlung von Zeitungsartikeln rund um die Entstehung des Begriffs „Dead Man’s Hand“ für eine bestimmte Kartenkombination beim Pokern und die Verbindung zwischen diesem Blatt und dem Tod von James Butler „Wild Bill“ Hickok. Da ich erst im Nachhinein dazu recherchiert habe, fand ich diese „Kurzgeschichte“ eher irritierend.

Sarah Kuhn: Heroine Complex (Heroine Complex 1)

Als Assistentin von Aveda Jupiter hat Evie Tanaka in „Heroine Complex“ von Sarah Kuhn vielleicht nicht den besten Job der Welt, aber sie ist überzeugt davon, dass sie die Beste für genau diesen Job ist. Evies Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Superheldin Aveda allzeit bereit ist, um Dämonen zu vernichten, und dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass Aveda beim Kämpfen gut aussieht. Schließlich gehört einiges an Arbeit dazu, wenn man als Superheld die Erwartungen seiner Fans erfüllen (und weitere Follower in den diversen Social-Media-Bereichen sammeln) will. So steckt Evie all ihre Energie in die Planung von Avedas Trainingsplan, in die Reinigung der diversen Kostüme und in die Betreuung von Avedas stürmischem Seelenleben. Statt sich dann nach Feierabend zu erholen, muss Evie in ihrer Freizeit dafür sorgen, dass ihre sechzehnjährige Schwester Bea zur Schule geht und nicht andauernd über die Stränge schlägt.

So anstrengend Evies Leben in der Regel ist, so zufrieden scheint sie doch mit ihrem Alltag zu sein. Doch als sich Aveda bei einem Kampf verletzt und ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann, bringt sie Evie dazu, für sie einzuspringen. Auf einmal kann sich Evie nicht mehr im Hintergrund verstecken und in Ruhe ihren Aufgaben nachgehen. Stattdessen muss sie so glamourös und mutig wie Aveda sein – und natürlich fällt ihr das nicht gerade leicht. Je mehr Chaos durch Evies Unerfahrenheit als „Superheldin“ entsteht, desto mehr muss Evie sich mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Freundschaft zu Aveda auseinandersetzen.

Ich fand es spannend, Evie, Aveda und all die anderen Personen rund um diese beiden Frauen kennenzulernen und nach und nach mehr über das Verhältnis dieser Charaktere zueinander zu erfahren. Gerade Aveda scheint anfangs ein richtiges Miststück zu sein, so dass man sich nur wundern kann, dass Evie ihr so treu zur Seite steht. Doch die beiden verbindet eine lange Geschichte und wann immer sich Evie doch mal über die Superheldin Aveda Jupiter aufregt, muss sie an ihre Klassenkameradin Annie denken, die ihr schon vor so vielen Jahren immer zur Seite stand.

Auch fand ich die Welt interessant, die sich Sarah Kuhn für ihre Geschichte ausgedacht hat. Eigentlich unterscheidet sich ihr Amerika so gut wie gar nicht von unserer realen Welt. Nur in San Francisco gab es vor einigen Jahren einen Vorfall, bei dem sich ein großes Dimensionstor öffnete. Durch dieses Tor kamen einige Dämonen nach San Francisco, wo sie sehr schnell starben. Seitdem besitzen einige Bewohner der Stadt übernatürliche Fähigkeiten und es tauchen immer wieder kleine Dimensionstore auf, durch die Scharen von Dämonen – die das Aussehen des ersten Gegenstands, den sie sehen, annehmen – kommen. Aveda, die schon als Mädchen eine Superheldin sein wollte, ist die einzige, die diese Dämonen bekämpft und dafür sorgt, dass sie keinen größeren Schaden in der Stadt anrichten. Doch so beeindruckend ihre Dienste für San Francisco sind, so wenig Beachtung schenkt man ihrem „Superheldenstatus“ in der restliche (dämonenfreien) Welt.

Es gibt so viele kleine Dinge, die ich beim Lesen wirklich mochte. Die Figuren sind realistisch, der Humor liegt mir und all die kleinen Szenen, in denen es um Freundschaft, Beziehungen, Verlust, Liebe und Trauer geht, haben mich berührt, weil es eben wirklich nie so einfach ist, wenn es um Emotionen geht. Doch vor allem fand ich es spannend, Evies Sicht auf „normale“ Dinge zu erleben, die nicht Teil meiner Lebensrealität sein können. So haben sich Evie (die Halbjapanerin ist) und Annie (die Chinesin ist) kennengelernt, weil sich ihre Klassenkameraden über das asiatische Essen lustig gemacht haben, das ihre Eltern den beiden Mädchen eingepackt hatten. Und für beide war es ein augenöffnendes Erlebnis, als sie „The Heroic Trio“ – mit Michelle Yeoh, Maggie Cheung und Anita Mui in den Hauptrollen – im Kino sahen, weil sie zum ersten Mal asiatische Frauen als Heldinnen in einem Film erleben durften. (Überhaupt habe ich all die Erwähnungen von „The Heroic Trio“ gemocht, aber auch wenn ich den Film immer gern gesehen habe, so hat er für mich eben nicht die gleiche Bedeutung wie für diese beiden Protagonistinnen.)

Obwohl immer wieder ernsthaftere Themen eine Rolle spielen, wird die Handlung von Sarah Kuhn leicht und stellenweise mit amüsanten Übertreibungen erzählt. Auch kann ich versichern, dass einen auch längere Pausen beim Lesen nicht rausbringen, obwohl es natürlich ärgerlich ist, wenn man für so ein unterhaltsames Buch fünf Tage benötigt, weil man nicht genug Zeit zum Lesen hat. 😉 Nachdem ich den großen Showdown beim Karaoke-Wettbewerb (und seine Folgen) erlebt habe, kann ich es kaum erwarten, dass der zweite Band („Heroine Worship“) in diesem Sommer erscheint, damit ich schauen kann, wie es mit Evie, Aveda und all den anderen weitergeht.

Xinran: Wolkentöchter

„Wolkentöchter“ von Xinran liegt schon sehr, sehr lange auf dem SuB, weil das ein Buch ist, für das ich die richtige Stimmung benötige. Genauer gesagt lag dieses Buch immer wieder auf dem SuB, da es aus einzelnen Geschichten besteht, die davon erzählen, wie in China mit den ungewollten Mädchen umgegangen wurde und wie es den Müttern erging, die ihre Töchter nicht behalten durften. So habe ich das Buch in sehr kleinen Häppchen gelesen und immer wieder aus der Hand gelegt, wenn mir das Thema zu viel wurde. obwohl die Geschichten in einem sachlichen Ton geschrieben wurde, der einen gewissen Abstand zum Beschriebenen erzeugt. Trotzdem empfand ich das Lesen als sehr belastend, weil ich mir bei jeder Geschichte, bei jedem Erlebnis, von dem Xinran erzählte, vorstellte, wie viele Frauen und Säuglinge von den gleichen Bedingungen betroffen waren und wie viel Leid und Tod die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung (und das seit Jahrhunderten bestehende traditionelle Denken und Wirtschaften im ländlichen China) verursacht hat.

Die Autorin Xinran ist in China geboren und hat in den 80er und 90er Jahren in Nanjing als Radiomoderatorin gearbeitet. Während dieser Tätigkeit hat sie versucht, den Frauen eine Stimme zu geben, die keine Mütter sein durften, weil sie nur eine Tochter zur Welt gebracht haben, oder den Mädchen, die aufgrund ihres Geschlechts eine Schande für die Familie waren. Dieses Unterfangen war aufgrund der Parteipolitik nicht ganz einfach und so bekommt man auch in „Wolkentöchter“ immer wieder Momente mit, in denen Xinran nicht weiter nachfragen durfte, weil sie damit entweder gegen politische Vorgaben oder gegen die „Gebräuche“ der verschiedenen chinesischen Regionen verstoßen hätte. Seit 1997 lebt Xinran mit ihrer Familie in Großbritannien und schreibt über das Leben chinesischer Frauen während und nach der Kulturrevolution. Wobei ich den Eindruck habe, dass sie sich in „Wolkentöchter“ vor allem auf die beiden Jahrzehnte vor der Jahrtausendwende beschränkt, in denen sie als Reporterin in China unterwegs war. Aktuellere Entwicklungen werden erst in den letzten Kapiteln erwähnt bzw. in den Anhängen, in denen es zum Beispiel um die Gesetzeslage rund um Familienplanung und Adoption im Jahr 2002 geht.

Jedes Kapitel enthält ein Erlebnis, das Xinran entweder selbst hatte oder das ihr von der betroffenen Person erzählt wurde. Dabei wird deutlich, dass die Autorin selbst anfangs sehr unwissend und naiv an viele Themen herangegangen ist, weil sie als Städterin nun einmal ganz andere Lebenserfahrungen gemacht hatte als eine Frau, die in großer Armut auf dem Land lebte. So schien es in der Stadt nicht so schlimm gewesen zu sein, wenn man eine Tochter auf die Welt brachte, während dieses Schicksal für eine Frau auf dem Land nicht nur bewies, dass sie wertlos war, sondern auch bedeutete, dass die Familie hungern musste. Oder man musste eben eine andere Lösung finden, um mit dem ungewollten weiblichen Säugling umzugehen, wie Xinran bei einer Reise zu ihrem großen Entsetzen feststellen musste. Es ist schon schlimm, wenn man während des Lesens von „Wolkentöchtern“ über jeden Bericht froh ist, in dem die Eltern sich des ungewollten Mädchens nicht „entledigen“, sondern den Säugling aussetzen oder anonym zur Adoption freigeben. Dabei ist natürlich ungewiss, welches Schicksal auf die ausgesetzten Mädchen wartet und ob sie überhaupt jemanden finden würden, der sich ihrer annehmen und sie vor dem Tod bewahren würde. Aber so gab es für die Kinder wenigstens noch die Hoffnung auf ein Leben.

Dabei kann man die Eltern in einem gewissen Grad sogar verstehen, wenn sie alles taten, damit ihr „einziges“ Kind ein Sohn wird. Denn nur für einen Sohn bekamen sie Land und Getreiderationen zugeteilt, während ein Mädchen keine zusätzliche Versorgung von Regierungsseite bedeutete – und trotzdem Bedarf an Nahrung und Kleidung hatte. Doch natürlich war es für die Eltern – und hier konzentriert sich Xinran vor allem auf die Mütter – nicht leicht, ihre Kinder zu verstoßen oder gar zu töten. Egal, wie sehr das Regime versucht hat, die Menschen in China zu emotionslosen funktionierenden Wesen zu machen, so sind viele von ihnen doch auch Eltern, die Gefühle für ihre Kinder haben und denen einen Kindstötung nicht leicht fällt, selbst wenn die Dorfgemeinschaft und die Familie Druck ausüben und man weiß, dass man ein Mädchen nicht ernähren kann, ohne den Rest der Familie damit zum Hungern zu verurteilen.

So ist es beim Lesen auch immer wieder die Vorstellung von so einem unmenschlichen Regime, die mich fast mehr erschüttert als die einzelnen Schicksale. Wobei ich betonen muss, dass die Unmenschlichkeit sich nicht auf die vergangenen Jahrzehnte beschränkt, sondern – gerade gegenüber der ländlichen Bevölkerung – schon seit Jahrtausenden üblich ist. Eine Regierung, die so strikte Regeln erlässt, dass Menschen gezwungen werden, ihre Neugeborenen zu töten oder auszusetzen, die diejenigen, die versuchen ihre Kinder zu behalten, dazu zwingt, jahrelang auf der Flucht zu sein, immer in Angst zu leben und am Ende vielleicht doch dafür inhaftiert zu werden, dass man einfach nur ein Kind bekommen hat, ist für mich kaum begreiflich. Wobei ich mich frage, warum ich es einfacher zu verstehen finde, dass eine Regierung ihre Bürger in Angst und Schrecken versetzt, finanziell ausbluten lässt und für die eigenen Interessen in den Krieg führt – wie es ja weltweit tagtäglich passiert -, während mich die traditionelle Landvergabe und die Ein-Kind-Politik (und die damit einhergehenden Folgen für die Menschen) so sehr erschüttern. Aber vielleicht liegt das daran, dass ich hier an einem konkreten Beispiel die Folgen eines solchen Systems so greifbar vor Augen habe, während ein allgemein gehaltener Bericht z. B. über Landenteignungen zugunsten von Olympischen Spielen zwar auch erschreckend ist, aber mir nicht im Detail erzählt, welche Folgen das für die früheren Landbesitzer haben wird.