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D. B. Jackson: Thieftaker (Thieftaker Chronicles #1)

„Thieftaker“ ist der erste Roman, den der Autor David B. Coe unter dem Pseudonym D. B. Jackson geschrieben hat. Vor diesem Buch hatte ich noch keine Geschichte von dem Autor gelesen, nach „Thieftaker“ bin ich davon überzeugt, dass ich mir auch noch die drei anderen Bände der „Thieftaker Chronicles“ zulegen werde. Der Protagonist Ethan Kaille verdient seinen Lebensunterhalt damit, dass er im Auftrag der Bestohlenen Diebe jagt und ihnen ihrer Beute wieder abnimmt. Ob er die Diebe dann der Polizei übergibt, sie tötet oder – was seine Auftraggeber nur ungern sehen – wieder laufen lässt, bleibt ihm dabei selbst überlassen. Bislang hat Ethan mit diesem Job einen ausreichenden, wenn auch nicht gerade großzügigen Lebensunterhalt verdient, nun aber bekommt er einen Auftrag angeboten, der ihn reich machen könnte.

Doch natürlich gibt es mit diesem speziellen Auftrag gleich mehrere Probleme: Erstens soll er eine Brosche wiederbeschaffen, die einer jungen Frau gestohlen wurde, die ermordet wurde; zweitens jagt Ethan normalerweise keine Diebe, die auch Mörder sind, denn er könnte gezwungen sein, sie bei der Wiederbeschaffung des Diebesgutes zu töten, und drittens wäre das normalerweise ein Job, den die einflussreiche – und ziemlich tödliche – Sephira Pryce mit ihren Leuten übernehmen würde. Dazu kommt, dass Ethan ein Magieanwender in einer Welt ist, in der der Gebrauch von Magie verboten ist und mit dem Tod bestraft werden kann, außerdem sorgt die politische Situation in Boston im Jahr 1765 für diverse Unruhen und Plünderungen.

Ich mochte den Protagonisten Ethan sehr und kann gut verstehen, wenn jemand einen Vergleich zu Harry Dresden zieht. Beide Figuren kämpfen gegen eine größere Macht, beide stehen ziemlich allein in der Welt und wenn sie Freundschaften schließen, riskieren sie damit, dass einer ihrer Feinde daraus einen Nutzen zieht. Im Vergleich zu Harrys Welt empfinde ich Ethans Zeit aber als erfrischende Abwechslung. Boston gehört noch zu den britischen Kolonien, in Massachusetts (und anderswo) werden regelmäßig Menschen wegen Hexerei hingerichtet und Ethan hat aufgrund einer Dummheit in seiner Jugend einige Jahre Strafarbeit (auf Barbados) hinter sich, was so gut wie jeder, mit dem er zu tun hat, zu wissen scheint. So ist es kein Wunder, dass der Thieftaker sich normalerweise bedeckt hält und ein eher bescheidenes Leben führt. Aber nun geht es nicht nur um die einfache Ermordung einer jungen Frau, sondern darum, dass jemand Magie benutzt, um zu töten, – und dieser Unbekannte scheint absolut skrupellos zu sein.

Die Welt, die D. B. Jackson für den Roman geschaffen hat, fühlte sich für mich (von einer kleinen Szene, bei der ich mich fragte, ob die angedeutete Geste zeitgemäß wäre) stimmig an. Zumindest ist sie stimmig für ein historisches Boston, in dem Magie (auch wenn sie eigentlich verboten ist) zum Alltag gehört. Ich fand es trotzdem auffällig, wie vielen selbstständigen Frauen Ethan im Laufe der Geschichte so begegnet, und welche Rolle diese Frauen für ihn spielten. Dabei fällt es mir nicht so schwer, über die klischeebehaftete Darstellung der Damen (die Fürsorgende, die verlorene Jugendliebe, die Böse und die Hexe) hinwegsehen, weil ich die Charaktere in der Regel ebenso mochte wie die Zeit, die Kulisse und die Handlung.

Doch letztendlich passiert gar nicht so viel in dem Roman. Ethan läuft viel von einem Ort zum anderen und versucht, mehr über die Verstorbene und ihren Tod herauszufinden. Dabei wird er regelmäßig von den diversen Parteien bedroht oder zusammengeschlagen und muss dabei feststellen, dass er trotz seiner besonderen Fähigkeiten doch in vielen Fällen recht hilflos ist. Auch fand ich das Motiv seines Gegners von Beginn an recht auffällig präsentiert, so dass ich Ethans Tunnelblick mir selbst gegenüber ein wenig entschuldigen musste (schließlich ist es nicht leicht, logisch zu denken, wenn man übermüdet und verletzt ist 😉 ). Trotz all dieser etwas negativen Aussagen über den Roman haben mich die Figuren, die Grundidee und all die kleinen atmosphärischen Szenen, in denen das Verhältnis der Charaktere zueinander und die Alltagsmomente eines historischen Boston deutlich wurden, so gut unterhalten, dass ich die Reihe weiterlesen mag und mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Ethan und seinen Freunden freue.

Noch ein Satz zur Sprache im Roman: Das Englisch fand ich grundsätzlich gut zu lesen, allerdings gab es die eine oder andere Nebenfigur, deren Slang oder Dialekt ich nicht ganz so leicht zur erfassen fand, was dazu führte, dass ich bei Dialogen hier und da etwas überlegen musste. Aber nichts davon war so schlimm, dass ich den Sinn der Gespräche nicht erfassen konnte, ich musste an den Stellen nur etwas aufmerksamer sein.

Leseeindrücke im August

„Stirb“ von Hanna Winter war eine Spontanausleihe aus der Bibliothek. Der Klappentext klang soweit okay und ich versuche zur Zeit ja immer wieder neue (deutsche) Krimiautoren anzutesten. Doch obwohl sich der Roman zügig lesen ließ, werde ich wohl zu keinem weiteren Buch der Autorin greifen. Die Figuren waren mir gleichgültig, die Handlung hat mich nicht gepackt und den Fall fand ich – ebenso wie die Auflösung – zu konstruiert und unglaubwürdig. Außerdem hat es mich gestört, dass die Autorin (damit die Grundidee überhaupt funktionieren konnte) sämtliche Männer in der Geschichte dubios wirken lassen musste und dafür häufig auf einen billigen Kniff zurückgriff. Alles in allem kein Buch, das man gelesen haben müsste.

***

Über „Fluch“ von Michael Ridpath war ich bei Neyasha gestolpert, die von dem Krimi sehr angetan war. Die Idee mit der Saga und der Verknüpfung mit Tolkiens „Herrn der Ringe“ fand ich auch nett gemacht, die Protagonisten waren soweit okay, aber so richtig gezündet hat bei mir die Geschichte nicht. Ich glaube, mir hätte der Roman besser gefallen, wenn ich nicht erst in diesem Jahr zwei Island-Krimis von Quentin Bates gelesen hätte. Sowohl in Bates‘ „In eisigem Wasser“, als auch in „Fluch“ ist die Finanzkrise ein Thema und in beiden Romanen gibt es Vorgesetzte bzw. Kollegen, die sich ungern etwas sagen lassen und so zu einem Störfaktor für den Protagonisten werden. Aber im direkten Vergleich zu „In eisigem Wasser“ fand ich „Fluch“ – auch wegen der größeren und komplexeren Thematik – beliebiger. Der Roman war nicht schlecht, aber er hat mir nicht so viel Vergnügen bereitet wie erhofft.

***

Tanya Huffs Roman „Der Hexenladen“ war ein ReRead, den ich sehr genossen habe. Ich hatte mir den Roman rausgesucht, weil ich die Fortsetzungen („The Wild Ways“ und „The Future Falls“) endlich lesen wollte. Da ich sehr viele Details vergessen hatte und den Humor von Tanya Huff sehr mag, hat mir die Geschichte wieder sehr viel Spaß gemacht. Dazu kommt, dass ich dieses Mal schon wusste, wie das Magie-System der Gale-Familie aufgebaut war, welche Rolle die Kreise spielten und in welchem Verhältnis die verschiedenen Familienmitglieder zueinander stehen. So musste ich mich nicht so sehr auf diese Aspekte der Handlung konzentrieren und konnte deshalb die vielen kleinen amüsanten Szenen genießen. „The Wild Ways“ habe ich gleich im Anschluss gelesen und – nachdem ich mich an den Wechsel der Hauptfigur gewöhnt hatte – ebenso gemocht wie den ersten Band. Tanya Huff hat einfach ein Händchen für gute Urban Fantasy, humorvolle Geschichten und Protagonisten, die ein bisschen außerhalb der Norm stehen. Und bei „The Wild Ways“ kommt – ebenso wie bei dem im September gelesenen „The Future Falls“ – noch dazu, dass die Autorin ständig auf Musiktitel anspielt, was mir ebenfalls gut gefallen hat.

September-SuB 2015

Der August war ein etwas seltsamer Lesemonat, denn meinem Gefühl nach habe ich mich nur mit Leihbüchern beschäftigt. Zum Teil habe ich Sachbuch-Leihgaben von Natira gelesen (für die hatte ich nämlich einen persönlichen Rückgabe-Boten in Aussicht) und dann gab es noch einige Bibliotheksbücher (während der Sommerferien sind die Vormerkzeiten eindeutig noch unberechenbarer als sonst). Für Hörbücher oder Comics habe ich keine Zeit gefunden, dafür waren es trotz der zwei Wochen mit Besuch bzw. urlaubendem Ehemann insgesamt 14 Bücher, die ich gelesen habe.

Bei so vielen Leihbüchern ist es kein Wunder, dass mein SuB sich im August kaum verändert hat (naja, etwas gewachsen ist er :D), aber vielleicht bekomme ich das SuB-trahieren ja im September mal wieder auf die Reihe. Ansonsten habe ich gerade große Lust auf ein paar englische Titel von meinem SuB, habe noch ein paar Bibliotheksbücher, die ich vor dem Abgabetermin lesen sollte (und möchte) und die (geliehenen) Sachbücher sind mir auch noch nicht ausgegangen.

A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (8)
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
Brom: Krampus
Jim Butcher: Im Schatten des Fürsten (Codex Alera 2)
Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)

C (1)
Deborah Crombie: Wer im Dunklen bleibt

D (2)
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (1)
Akram El-Bahay: Flammenwüste

F (1)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer

G (0)

H (6)
Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab
Will Hill: Department 19 – Die Wiederkehr
Will Hill: Department 19 – Das Gefecht
Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
Daniel Holbe: Giftspur

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (2)
Tove Jansson: Muminvaters wildbewegte Jugend
Tove Jansson: Sturm im Mumintal

K (1)
Celine Kiernan: Schattenpfade

L (1)
Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora

M (0)

N (0)

O (0)

P (2)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund

Q (0)

R (3)
Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Silvia Roth: Querschläger

S (4)
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (2)
Charles den Tex: Die Zelle
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (2)
Cinda Williams Chima: Das Vermächtnis der Zauberer
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)

Sonstige (0)

43 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

Sarah Rees Brennan: Unspoken
Soman Chainani: The School for Good and Evil 2
Jennifer Estep: Widow’s Web
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Future Falls
D.B. Jackson: Thieftaker
Lynn Kurland: Star of the Morning
Seanan McGuire: A Red-Rose Chain (October Daye #9)
Anthony Minghella: Jim Henson’s The Storyteller
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Tamora Pierce: Battle Magic (Circle Reforge)
Philip Reeve: Larklight
A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

Sonstiges:
West Ward Weird

18 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

SuB-Zuwachs im August

Im August gab es mal wieder mehr als ein neues Buch für mich, auch wenn ich immer noch überraschend unentschlossen bin, wenn ich so vor meiner Merkliste sitze und überlege, was ich mir gönnen könnte.

Deborah Crombie: Wer im Dunklen bleibt 
Der inzwischen sechzehnte Kriminalroman der Autorin rund um Gemma James und Duncan Kincaid. Ich mag die Serie so sehr und freue mich jedes Mal, wenn ich einen neuen Band davon ins Haus bekomme.

Jennifer Estep: Widow’s Web
Noch eine Reihenfortsetzung. Bei den Geschichten rund um Gin Blanco lege ich zwischen den einzelnen Bänden inzwischen gern Pausen ein, weil die Autorin relativ viel wiederholt. Aber so langsam ist es Zeit weiterzulesen, damit ich irgendwann einmal bei der Serie auf dem aktuellen Stand bin.

D.B. Jackson: Thieftaker
Ich weiß nicht mehr, wo ich über dieses Buch gestolpert bin, aber da es eine Mischung aus Sherlock Holmes und Harry Dresden (oder aus Raymond Chandler und Jonathan Swift) sein soll, dachte ich, es wäre einen Versuch wert. Ich bin sehr gespannt, ob ich damit einen guten Griff getan habe!

Nnedi Okorafor: Akata Witch

Auf „Akata Witch“ von Nnedi Okorafor bin ich im letzten Jahr über Jim Hines Rezension (wer den Link öffnet, kann gleich noch diese Rezension lesen, die aus Igbo-Sicht über das Buch schreibt) aufmerksam geworden. Da ich den Schauplatz (Nigeria) ebenso interessant fand, wie die Protagonistin Sunny, habe ich den Roman auf meinen Wunschzettel gesetzt, zum Geburtstag geschenkt bekommen – und dann aufgehoben, bis ich in der richtigen Stimmung für die Geschichte war. 😉 In den letzten Tagen war es endlich soweit, nachdem ich nicht nur mehrere Titel, die sich in irgendeiner Form mit Afrika beschäftigten, gelesen habe, sondern auch eine Woche Urlaub hatte.

Sunny ist ein zwölfjähriges Mädchen, gehört zu den Igbo und lebt seit drei Jahren in Nigeria, nachdem sie die ersten neun Jahre ihres Lebens in den USA verbracht hat. Außerdem ist Sunny ein Albino und erträgt aufgrund ihrer empfindlichen Haut die Sonne nicht. Was mir an Sunny von Anfang an gefiel, war, dass sie es zwar nicht einfach hat – sie hat von klein auf damit leben müssen, dass sie „anders“ ist und das Gefühl hat sich durch die Rückkehr ihrer Eltern nach Nigeria nur noch verstärkt -, dass sie aber nicht darüber jammert. Sie ist schon mal wütend oder resigniert, sie weiß aber auch, dass sie eben das Beste aus ihrer Situation machen muss. Noch komplizierter wird ihr Leben, als sie herausfindet, dass sie zu den „Leopard People“ gehört, zu den Menschen, die Magie wirken können.

Die Handlung in „Akata Witch“ (Akata ist übrigens ein verächtliches nigerianisches Wort für Menschen, die zwar afrikanischstämmig sind, aber in Amerika geboren und aufgewachsen sind) ist relativ klassisch für ein fantastisches Jugendbuch: Ein Kind findet heraus, dass es besondere Fähigkeiten hat, dass neben der „normalen“ Gesellschaft noch eine magische Parallelgesellschaft existiert (und bitte verkneift euch an dieser Stelle den Harry-Potter-Ruf) und dass es etwas Böses gibt, das bekämpft werden muss. Nnedi Okarafor macht aus diesem Grundrezept aber eine für mich besondere Geschichte, nicht nur dadurch, dass die Handlung spürbar in Nigeria spielt und es immer wieder Verweise auf die Igbo- und andere (west-)afrikanische Kulturen gibt, sondern auch durch die Darstellung ihrer Figuren.

Sunny, ihre Freunde und die Mentoren, die die Jugendlichen im Laufe der Zeit gewinnen, sind wunderbar überzeugende Charaktere. Jeder einzelne fühlt sich unverwechselbar an und jeder hat seine kleinen Macken und Vorzüge. Und bei allen Reibereien steht für die vier Jugendlichen doch fest, dass sie Freunde sind und zusammenarbeiten müssen. Die Handlung schreitet relativ langsam voran, was ich persönlich sehr angenehm fand, denn so hatten die verschiedenen Figuren die Möglichkeit zu lernen und sich zu entwickeln. Dazu hat die Autorin immer wieder kleine – mehr oder weniger – alltägliche Momente einbaut, die zeigen wie das „normale“ und das magische Leben von Sunny nebeneinander existiert und welche Schwierigkeiten sich daraus ergeben.

Ich weiß gar nicht, wie ich all die kleinen Dinge beschreiben soll, die ich an diesem Roman so sehr gemocht habe. Es gelingt Nnedi Okorfor ganz viele Themen anzusprechen, die nicht nur für die jugendlichen Leser, sondern allgemein relevant sind, ohne dass sie dabei je das Gefühl vermitteln wurde, sie würde den Zeigefinger heben und jetzt etwas Wichtiges sagen. Sunny vergleicht immer mal wieder ihr Leben mit dem ihrer Brüder oder denkt darüber nach wie schwierig es für Mädchen ist in eine Fußballmannschaft aufgenommen zu werden, weil das eben reine Jungen-Mannschaften sind. Aber es gibt auch Szenen, in denen z.B. die Vorurteile der einzelnen Volksgruppen innerhalb Nigerias angedeutet werden oder in denen es um Rassismus in den USA geht. All das wird ganz natürlich in die Geschichte eingeflochten, weil es eben zum Leben der Protagonisten gehört.

„Akata Witch“ war für mich ein unterhaltsamer, spannender und auch lehrreicher Urban-Fantasy-Roman und hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich gleich nach dem Lesen die weiteren Romane der Autorin auf meine Merkliste gesetzt habe. Ich mochte auch all die Elemente, die zu der – zum Teil wirklich schrecklichen und tödlichen – magischen Welt, die die Autorin geschaffen hat, gehörten. Zusätzlich fand ich es toll, dass Sunny und ihre Freunde zwar in gewisser Weise „auserwählt“, aber in ihrer Gesellschaft definitiv nicht unersetzlich sind. Ich wünschte, ich könnte mehr über die Magie oder die besonderen Wesen oder all die anderen Sachen schreiben, aber da es für mich so schön war all diese Dinge beim Lesen zu entdecken, halte ich mich da lieber zurück. Ach ja, die Geschichte ist meiner Einschätzung nach für Leser ab zehn Jahren geschrieben worden, ist aber – wie man an meiner Begeisterung sehen kann – auch für erwachsene Leser gut geeignet.

Dies und Das (3)

Erst das dritte „Dies und Das“ in diesem Jahr – ich hatte anscheinend bislang nicht so viel Plauderbedarf. 😉

Die jedes Jahr stattfindende Besuchswoche mit Bibendum ist gestern vorbeigangen. Wie immer war es total nett und entspannt und wir haben uns miteinander wohlgefühlt. Allerdings fiel uns am Freitag, als mein Mann in der Stadt von einem Arbeitskollegen gefragt wurde, was wir denn in der Woche gemacht hätten, auf, dass wir die aktiveren Sachen von unserer Liste (Schwimmen, Bowling u.ä.) gar nicht auf die Reihe bekommen haben. Dafür gab es wieder Restaurant- und Cafébesuche mit sehr leckerem Essen, ein paar Stadtbummel (ich habe neue Schuhe gefunden! :D) und Bibendum und mein Mann haben sich stundenlange Billiardschlachten (an der PS3) geliefert. *g*

***

So richtig glücklich bin ich mit dem Garten noch lange nicht. Es ist alles imer noch im Umbruch und viele Pläne musste ich für dieses Jahr wieder auf Eis legen. Dafür mag ich gerade meine beiden Balkonkästen (inklusive der bewässernden Frösche) sehr. Die Margeritenblüten fallen zwar regelmäßig der Hitze zum Opfer, aber da auch immer wieder neue Blüten kommen, hoffe ich darauf, dass ich im Herbst noch etwas von der Blume habe. Wenn es Zeit ist, die Balkonkästen im Herbst zu entfernen, wandern die Pflanzen in den Garten und ich bin gespannt, was davon den Winter überlebt.

***

Ich trau mich kaum, es zu schreiben, aber den Katern geht es zur Zeit erstaunlich gut. Shandy nimmt zwar leider kontinuierlich ab, aber seine Werte sind – angesichts der kaputten Nieren – in Ordnung und er hat in den letzten Wochen deutlich an Sicherheit und Kraft zurückgewonnen. Seit einer knappen Woche ist er sogar wieder in der Lage, auf den Kratzbaum zu klettern oder über die Brücke auf das Bücherregal zu springen. Bei Baltimore wächst der Tumor zwar weiter und er ist inzwischen regelmäßig auf Schmerzmittel angewiesen, aber seitdem er zweimal am Tag eine winzige Portion Insulin gespritzt bekommt, ist er munterer und hat sogar deutlich zugenommen. Dafür, dass wir uns im Juni sicher waren, dass sie den Monat nicht überleben würden, genießen sie das Leben doch gerade ganz schön. Ich hoffe, es läuft so noch eine Weile weiter … 🙂

Emma Kennedy: Wilma und das Rätsel um die gefrorenen Herzen

Über „Wilma und das Rätsel der gefrorenen Herzen“ von Emma Kennedy bin ich durch Zufall in der Bibliothek gestolpert. Denn während ich darauf wartete, dass ein älteres und etwas verpeiltes Ehepaar inklusive vier mindestens doppelt so verpeilten Enkelkinder endlich ihre paar Bücher verbucht bekamen, stand ich vor dem Regal mit Kinderbüchern und habe mir Klappentexte durchgelesen. (Das extremste Enkelkind hat es dann noch geschafft – nachdem mir die Gruppe Platz gemacht hatte, damit ich meine Bücher ausleihen konnte – sein Buch so neben meinen Stapel zu legen, dass es gleich mitverbucht wurde und wir dann doch noch eine Angestellte bemühen musste, um das wieder auseinander zu sortieren. *argh*)

Auf jeden Fall klang die Geschichte rund um Wilma Tenderfoot nett und durfte deshalb mit nach Hause – und weil ich an dem Tag vor lauter Hitze eh nicht mehr viel tun konnte, habe ich den Roman auch gleich am Nachmittag noch gelesen. Schon während des Lesens fühlte ich mich etwas zwiegespalten. obwohl die Idee sehr nett und Wilma eine sympathische, wenn auch arg übereifrige Protagonistin ist. Wilma ist in „Cooper Islands Unterland-Institut für Elende Kinder“ aufgewachsen, einem Waisenhaus, das von der grauenhaften Mrs. Scratch geleitet wird. Diese Dame verkauft regelmäßig die ihr anvertrauten Kinder als Dienstboten in die angesehenere Hälfte der Insel, wobei eine Klausel besagt, dass beim Tod des Kindes innerhalb der Probezeit natürlich der volle Kaufpreis zu zahlen sei.

Auch Wilma wird an eine Arbeitgeberin verkauft und muss dort die unangenehmsten Aufgaben erfüllen, die man sich nur vorstellen kann. Auf der anderen Seite landet sie durch diesen Ortswechsel prompt in dem Haus, das direkt neben dem Heim von Theodore P. Goodman liegt, dem größten Privatdetektiv, den es auf Cooper Island nur gibt. Und genau dieser Theodore P. Goodman ist seit klein auf Wilmas Idol und so setzt sie alles daran, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vor allem hofft sie, dass er sie vielleicht als Lehrling aufnimmt, wenn sie ihn erst einmal von ihren ernsten Absichten überzeugt hat. Zu Wilmas großem Glück zieht sich gerade eine Mordserie über die Insel, die mit dem Diebstahl eines ungewöhnlich seltenen Edelsteins ihren Anfang nimmt – und selbstverständlich nimmt das Mädchen sofort die Ermittlungen auf.

Wilma, Theodore P. Goodman, seine Haushälterin und der Polizist der Insel sind wirklich sympathische Figuren, die alle ihre ganz besonderen liebenswerten Eigenheiten haben. Auch wimmelt der Roman vor lauter ungewöhnlichen Ideen und Einfällen, von denen mir vor allem die gut gefallen haben, die für uns ganz normale Vorgänge wie zum Beispiel einen Grenzübertritt mit einem angemessenen Schuss Spott darstellen. Auch der Kriminalfall war – trotz all der Toten – kindgerecht (das Buch wird am 9 Jahren empfohlen) und spannend erzählt. Man kann während Wilma fleißig und – mehr oder weniger – erfolgreich ermittelt mitraten und bekommt immer wieder neue Hinweise auf die Hintergründe der Tat präsentiert.

Aber trotzdem konnte mich der Roman nicht vollständig begeistern, da ich die Welt, in der das Ganze spielt unstimmig und übertrieben fand und mich oft genug geärgert habe, dass hier so viel Potenzial verschenkt wird. Es gibt so viele wunderbare und lustige Elemente in „Wilma und das Rätsel der gefrorenen Glasherzen“, dass es nur einen aufmerksameren und passenderen Weltenaufbau benötigt hätte, damit die Geschichte auch rund wird. So richtig aufgefallen ist es mir zum Beispiel beim Thema Essen: Während der Privatdetektiv gerne so normale Sachen wie Pfefferminztee und Maisplätzchen (ein Rezept ist am Ende des Buches abgedruckt) zu sich nimmt, scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, dass man eine Schneckensuppe kocht oder Spinnen fängt, um aus ihren Beinen ein Essen zuzubereiten. Mal davon abgesehen, dass das von der Autorin gewollt lustig und ekelig beschrieben wird, finde ich es einfach unrealistisch – und ich bestehe darauf, dass eine erfundene Welt in sich zumindest einigermaßen logisch ist.

Ebenso gibt es zwar spezielle Bonsaischeren, aber Wilma muss ihrer Arbeitgeberin mit den Zähnen die Fußnägel abnagen. Natürlich ist mir bewusst, dass Emma Kennedy diese Elemente eingebaut hat, um – je nach Szene – die Situation lustiger oder abschreckender zu gestalten, aber mich persönlich stört das beim Lesen gewaltig. Es wäre doch schon unangenehm genug, wenn Wilma mit einer Schere die ungepflegten Fußnägel hätte kürzen müssen, da muss man doch nicht so übertreiben. Diese Unstimmigkeiten haben am Ende dann leider dazu geführt, dass ich Wilma zwar ins Herz geschlossen hatte, aber leider keine weiteren Bücher mit ihr mehr lesen würde.

Pierdomenico Baccalario, Enzo D’Alò und Gaston Kaboré: Stadt aus Sand

„Stadt aus Sand“ von Pierdomenico Baccalario, Enzo D’Alò und Gaston Kaboré war eine spontane Bibliotheksausleihe. Das Cover fand ich hübsch, Bücher von Pierdomenico Baccalario habe ich auch schon gelesen und wegen ihrer ungewöhnlichen Ideen gemocht und die ersten Seiten hatten mich beim Reinlesen angesprochen. Wieweit welcher der drei genannten Autoren Anteil an der Geschichte hatte, kann ich nur vermuten, aber es gibt sehr viele „afrikanische“ Elemente in dem Roman, von denen ich annehme, dass sie zum Großteil dem Einfluss von Gaston Kaboré, der ein afrikanischer Regisseur ist, zuzuschreiben sind.

Die Geschichte beginnt sehr märchenhaft, während der Leser miterlebt wie sich zwei Männern – ein Geschichtensänger und ein Fürst – gegenseitig mit Worten bekämpfen. Beobachtet werden die beiden von zwei Jungen (Matuké und Setuké), die nach seiner Niederlage von dem Geschichtensänger damit beauftragt werden, ihr Dorf zu beschützen. Der folgende Zeitsprung macht deutlich, dass Matuké und Setuké diese Aufgabe viele Jahre erfolgreich bewältigt haben, doch nun sind sie alte Männer und noch immer macht der „Fürst der Stadt aus Sand“ Jagd auf Geschichtensänger und es scheint keine Nachfolger zu geben, die den Schutz des Dorfes übernehmen könnten.

Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Sicht der jungen Rokia, die Matukés Enkelin ist. Als einziges Mädchen der Familie steht sie ihrem Großvater sehr nah, und hört – wann immer es ihr möglich ist – seinen Geschichten zu und vernachlässigt darüber nicht selten ihre Pflichten. Ich mochte Rokia sehr gern, die aufgeweckt und neugierig ist und alles in Frage stellt, ohne erst einmal das Bedürfnis zu haben an den Grundlagen ihrer Welt zu rütteln. Für sie steht felsenfest, welche Aufgaben die Männer im Dorf zu übernehmen habe und welche Tätigkeiten von den Frauen übernommen werden und sie hadert eigentlich nicht mit den Grenzen, die ihr die Traditionen auferlegen. Allerdings fragt sie sich schon, was aus einem Mädchen werden soll, das so viele Dinge nicht beherrscht, die eine Frau könne sollte, während es doch so viele Sachen tun möchte, die nur für Jungen gedacht sind.

Für den Leser steht natürlich schnell fest, dass auf Rokia größere Aufgaben warten, als die traditionelle Rolle eines Mädchens auszufüllen. Ich fand es wunderschön, wie Rokias Weg dahin beschrieben wurde und wie sie so nach und nach mehr über die Welt außerhalb ihres kleinen Dorfes lernte. Vor allem strotzt diese Geschichte von wunderbaren und eigenwilligen Charaktere, die nur selten wirklich gut und doch liebenswert sind, und von märchenhaften und bezaubernden Momente. Dazu kommen noch die vielen atmosphärischen Beschreibungen des Lebens in Rokias Dorf. Denn Rokia ist eine Dogon und in „Stadt aus Sand“ wird immer wieder nebenbei eingeflochten, wie ihr Alltag aussieht, welcher Glaube ihr Leben bestimmt und welchen Traditionen in ihrem Dorf gefolgt wird, aber auch wie sich all dies durch äußere Einflüsse ändert.

Die Geschichte spielt zu einer modernen Zeit, in der Autos und Radios verbreitet sind und es ganz selbstverständlich ist, dass man beim reisenden Händler seinen Nachschub an Batterien kauft, und doch besitzt die Erzählung einen altmodischen Charme durch die – immer noch vorhandene – Naturverbundenheit, die Langsamkeit, mit der sich Rokias Volk verändert, und die märchenhaften Elemente. Ich war übrigens beim Lesen ganz froh, dass ich gerade erst vor ein paar Tagen „Afrika – Kunst und Architektur“ von Ivan Bargna gelesen habe, denn so konnte ich mir das eine oder andere Detail doch noch etwas besser vorstellen, wenn ich mir die dort gesehenen Zeichnungen und Fotos noch einmal in Erinnerung rief. Aber ich bin mir sicher, auch ohne dieses Vorwissen hätte mir „Stadt aus Sand“ ein rundum wunderbares, unterhaltsames und märchenhaftes Leseerlebnis bereitet. Doch, das war ein sehr guter Bibliotheksfund!

[Challenge] Zurück in die Vergangenheit: Fazit

Vor genau einem Jahr habe ich einen Blogbeitrag zu Elenas „Zurück in die Vergangenheit“-Challenge geschrieben und gemeint, dass ich mich einfach mal anmelde und dann eben im Zweifelsfall die Bücher dafür aus der Bibliothek ausleihen müsste.

Gelesen habe ich im Rahmen der Challenge folgende Titel:

  1. Julie Campbell: The Gatehouse Mystery (Trixie Belden #3)
  2. Diana Wynne Jones: Neun Leben für den Zauberer
  3. Erich Kästner: Der kleine Mann
  4. Victoria Walker: The Winter of Enchantment

Am 14. August endete nun diese Runde der „Zurück in die Vergangenheit-Challenge und wirklich habe ich die Hälfte der gelesenen vier Romane aus der Bibliothek ausgeliehen – und das fühlte sich irgendwie seltsam an. Schließlich liegen die Bücher im Nebenzimmer und nur unsere Regalsituation sorgt dafür, dass ich die Titel nicht mal eben in die Hand nehmen und wiederentdecken kann. Deshalb werde ich die Challenge für mich auch nicht verlängern, obwohl es schön war die vertrauten Geschichten wieder einmal zu lesen und mich von neuem an ihnen zu erfreuen. Vielen Dank an Elena für die Idee!