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[Kurz und knapp] Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre

„Der Fall Jane Eyre“ von Jasper Fforde gehört zu den Romanen, die mir seit Jahren immer wieder ans Herz gelegt werden. Irgendwann habe ich mir das Buch dann zugelegt, aber so recht wollte es nicht vom SuB runterwandern. Zum Glück hatte Mila von den Seitenspinnerinnen dann vor ein paar Wochen eine private Leserunde angeregt, so dass ich den Roman nun doch mal in Angriff genommen habe. Wir hatten uns das Buch in vier Teilen zu neun Kapitel vorgenommen, und so ließ sich die Geschichte recht flüssig lesen.

Für die Inhaltsangabe bemühe ich mal wieder den Klappentext:

„Geheimagentin Thursday Next, Spezialgebiet Literatur, steht vor einer ihrer größten Herausforderungen: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Brontë entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England …“

Am Anfang fand ich die Welt, in der Thursday Next lebt, sehr spannend. Der Autor wirft den Leser recht unvorbereitet in eine Welt, in der Literatur und Kunst eine sehr große Rolle spielen, wo sich Russen und Briten seit unfassbar langer Zeit im Krim-Krieg befinden und in der Wales nicht zum Britischen Reich gehört, sondern eine eigenständige Republik ist. All diese Unterschiede zu unserer normalen Welt geben einem zu Beginn des Romans wunderbar viele Sachen zu entdecken, auch wenn ich die extremeren Seiten dieser Realität nicht immer sehr glaubwürdig dargestellt fand.

Spannend fand ich das Wechselspiel zwischen Thursdays Welt und den Geschichten innerhalb der Literatur, und natürlich hat der Autor auch bei mir da einen Nerv getroffen. Welcher enthusiastische Leser würde so eine Wertschätzung von Romanenfiguren und Autoren nicht begeistert begrüßen? Und auch der übermächtige Bösewicht Hades gab der Handlung anfangs wunderbar viel Spannung – zumindest solange nur über ihn gesprochen wurde. Denn sobald Hades in eigener Person auftrat, wurde er unglaubwürdig. Hatte Jasper Fforde Hades zu Beginn als unheimliches und skrupelloses Verbrechergenie beschrieben, so gelang es dem Autor nicht, seinen Bösewicht anders darzustellen als eine unglaubwürdige und kindisch agierende Nervensäge – und zwar ohne all die Intelligenz, über die er doch angeblich verfügen soll.
Aber das ist nicht mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch. Schon von Beginn an empfand ich die Namensgebung der verschiedenen Figuren als zu offensichtlich und zu belanglos. Wäre Jasper Fforde da etwas subtiler vorgegangen, so hätte man sich als Leser so seine Gedanken zu den Charakteren machen können, statt die Personen gleich in eine Schublade stecken und über die Offensichtlichkeiten den Kopf zu schütteln. Und es fehlt mir auch an Spannung in der Geschichte (und das von jemandem, der sich auch von einem dümpeligen Cozy gut unterhalten fühlt), ich hatte einfach keinen Drang zum Weiterlesen und hätte das Buch vermutlich schnell auf den Stapel mit angefangenen Büchern gepackt, wenn nicht die Leserunde mit Mila gewesen wäre.
Einzelne Szenen und Ideen von Jasper Fforde waren wunderbar, und auch die Kapitelanfänge mit Zitaten aus wissenschaftlichen Werken, Biografien oder ähnlichem aus dieser Parallelwelt waren sehr amüsant zu lesen. Aber mir fehlte einfach der entscheidende Funke, der dafür sorgte, dass meine Neugier auf den weiteren Verlauf der Geschichte angefacht wurde. So konnte mich „Der Fall Jane Eyre“ leider nicht so weit überzeugen, dass ich nun Lust auf weitere Abenteuer von Thursday Next bekommen hätte – und vermutlich wandert mein eigenes Exemplar (für die Leserunde hatte ich mir eins aus der Bibliothek geliehen), sobald ich es wiederfinde, ins „Verkaufsregal“.

Rhys Bowen: Her Royal Spyness

In diesem Monat habe ich gleich zwei englische Bücher angefangen, aber trotz meiner October-Daye-Begeisterung war mir dann doch lieber nach einem britischen Cozy, und so gibt es mal etwas Abwechslung bei meinen English-Challenge-Rezensionen.

Die Geschichte in „Her Royal Spyness“ beginnt eher gemächlich, aber dafür ist sie wirklich unterhaltsam. Hauptfigur in diesem Roman ist Lady Victoria Georgiana Charlotte Eugenie, Tochter des Duke of Glen Garry and Rannoch, genannt Georgie. Georgie entstammt der zweiten Ehe ihres Vaters, was ihr neben einer relativ engen Verwandtschaft zur britischen Königin auch eine mehrfach verheiratete, geschiedene und neu verbändelte Mutter und einen bodenständigen ehemaligen Polizisten als Großvater bescherte. Doch innerhalb ihres engeren Umkreises ist die wenig adelige Verwandtschaft nicht wohlgelitten, und auch Georgie kann nicht viel mit ihrer flatterhaften Mutter anfangen.

Aber genauso wenig sagt der jungen Lady der Lebensstil ihres älteren (Halb-)Bruders zu, ebenso wenig wie sein Plan, sie mit irgendeinem europäischen Prinzen zu verheiraten, so wie es sich nun einmal für eine Adelige an 34. Stelle der Thronfolge gehört. Georgie ist sich sicher, dass die Welt im Jahr 1934 modern genug ist, damit sie sich irgendwie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen kann – auch wenn ihr nur allzu bewusst ist, dass sie nicht gerade die richtige Ausbildung für ein selbstständiges Leben mitbekommen hat. Als dann auch noch ein Mann ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden wird und sie und ihr Bruder als Hauptverdächtige in Frage kommen, muss sie all ihren Witz und ihren Mut zusammennehmen und herausfinden, wer den Ausländer getötet hat.

Rhys Bowen hat mit „Her Royal Spyness“ eine wunderbar überspitzte Darstellung der britischen Adelswelt Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen. Auch wenn die Autorin es hier und da etwas übertreibt, so fand ich Georgie, ihre Verwandtschaft und ihren Freundeskreis sehr unterhaltsam – gerade in den Momenten, in denen den Adeligen bewusst wurde, dass ihre Fähigkeiten und Traditionen nicht sehr viel Gewicht haben in der modernen Welt. Da konnte ich auch damit leben, dass Georgie angeblich noch nie beobachtet hat, wie jemand Feuer entfacht, da das angeblich immer von Dienstmädchen erledigt wurde, die sich vor Georgies Aufwachen ins Schlafzimmer geschlichen haben. Umso erfrischender fand ich es, wie Georgie ihre Fähigkeiten als Hausmädchen erforschte und wie viel Befriedigung ihr ihre kleinen Fortschritte im Haushalten machten. Überhaupt ist ihr Tatendrang angenehm realistisch beschrieben worden, auch wenn so manche Aktion von ihr nicht besonders gut überlegt war.

Der Kriminalfall an sich beginnt erst ungefähr ab der Hälfte des Buches und ist weder komplex noch unvorhersehbar, bringt aber einen notwendigen roten Faden in die Geschichte. So hat es mich auch nicht gestört, dass der Hintergrund des Mordes sehr früh für den Leser feststand, während Georgie noch immer keine Vorstellung von den Beweggründen des Täters hatte und keine Zusammenhänge zu anderen Ereignissen sah, obwohl diese für den Leser auf der Hand liegen. Um so angenehmer fand ich es, dass die Lady keine Person von vornherein als „unverdächtig“ einstuft, selbst wenn dies bedeutet, dass jemand aus ihrem engeren Freundeskreis von ihr misstrauisch beäugt wird.

Alles in allem hat Rhys Bowen mit Georgie und ihrem Umfeld sympathische Figuren geschaffen, die versuchen müssen, einen Platz im Leben zu finden, der ihnen – fern von veralteten gesellschaftlichen Traditionen – ihr Auskommen und vielleicht sogar ein befriedigendes Leben ermöglicht. Die überspitzte Darstellung der Adeligen trägt dabei genauso zum Amüsement des Lesers bei wie all die kleinen kritischen Situationen, die Georgie bewältigen muss, als sie versucht, ohne Wissen ihrer Familie Geld zu verdienen. Dazu kommen noch unterhaltsame Gespräche mit der Queen, die erfrischende Ansichten über ihre Familie zum Besten gibt, einzigartige Methoden hat, um ihre Porzellansammlung zu erweitern, und die – natürlich – keine Hemmungen hat, ihr Umfeld nach Strich und Faden zu manipulieren. Ich bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Roman war, den ich über Georgie und ihre „Spionageversuche“ für die Königin gelesen habe.

Wissenssplitter

Mir fällt immer wieder auf, wie sehr ich es mag, wenn mich Romane dazu bringen mehr über eine Person oder ein Wissensgebiet herauszufinden. Dabei betone ich bewusst, dass ich das bei Romanen toll finde. Denn da finde ich es überraschender, wenn etwas meine Aufmerksamkeit und Neugier so sehr weckt, dass ich das Buch zur Seite lege und recherchiere. Bei einem guten Sachbuch hingegen erhoffe ich mir, dass alle eventuell aufkommenden Fragen geklärt werden und dass ausreichend auf weiterführende Literatur verwiesen wird, die es mir ermöglicht tiefer in die Materie einzusteigen.

Ich finde es auch immer wieder lustig, welche Wissenssplitter sich so bei mir ansammeln. Selbst wenn es mich manchmal verunsichert, wenn ich auf Nachfrage nicht mehr sagen kann, woher meine Informationen stammen. Denn bei diesen Wissenssplittern geht es mir selten so wie mit bestimmten Ideen oder Sätzen, die ich fest mit einer Geschichte verbinde (sprecht mich bloß nie auf Kühlschränke, Pinguine und eine Frau namens Kate Schechter an 😉 ). Stattdessen flirren diese Informationsfragmente nach meiner Recherche einfach so unsortiert durch meinen Kopf und setzen sich wie Wollmäuse in entlegenen Ecken ab, um in den seltsamsten Momenten wieder hervorzudriften.

Aktueller Anlass für diesen Beitrag ist das Buch „Steam & Magic – Feuerspiele“ von Cindy Spencer Pape, das ich endlich mal vom Stapel mit den angefangenen Titeln befreit habe. In diesem Roman gibt es einen kleinen Satz auf Seite 5, der lautet

„Merrick fragte sich im Stillen, ob Dorothy wohl einen Ada-Lovelace-Altar in ihrem Zimmer hatte, zu Ehren der Frau, die Lord Babbage bei der Arbeit an seiner mechanischen Rechenmaschine unterstützt hatte.“

Bewusst war mir Ada Lovelace noch nicht untergekommen, aber da dieser kleine Satz meine Neugier weckte, habe ich einen Teil meiner heutigen Lesezeit mit einer schnellen Suche im Internet verbracht. Gerade bei fantastischen Romanen kann man sich ja nicht sicher sein, ob da auf reale Personen Bezug genommen wird, aber hier ist das der Fall. Und so habe ich nicht nur erfahren, dass Ada King, Countess of Lovelace, anscheinend eine begnadete Mathematikerin war, die schon 1842 vorhersah, dass es eines Tages Rechenmaschinen geben würde, die in der Lage wären komplexe wissenschaftliche Arbeiten zu unterstützen, Graphiken zu erstellen und Musik zu komponieren, sondern auch, dass sie die Tochter von Lord Byron war.

Lord Byron wiederum ist auch eine der historischen Figuren, bei denen mein Wissen sich auf diverse Puzzelstückchen beschränkt. Ich weiß von seinem Klumpfuß, seinen Veröffentlichungen als Dichter und seinem Verhältnis mit der verheirateten Lady Caroline Lamb (besonders dieser Punkt wird gern in historischen Romanen, die in der entsprechenden Zeit spielen, beim Klatsch und Tratsch der Gesellschaft aufgegriffen). Außerdem habe ich natürlich von der gemeinsam mit dem Ehepaar Shelley verbrachten Zeit am Genfer See gehört, die dazu geführt haben soll, dass Mary Shelley „Frankenstein“ schrieb. Und nun kann ich diesen Wissensplittern auch noch seine Tochter Ada hinzufügen (und seine Bestreben um die griechische Unabhängigkeitsbewegung um 1823).

Ich liebe es wirklich, wenn ein Name, ein kleines Detail oder eben ein einziger Satz in einem Roman zu solchen Wissenssplittern führt. Auch wenn ich manchmal denke, dass ich mehr davon hätte, wenn ich mich mal intensiver in ein einziges Gebiet einarbeiten würde, statt mich immer wieder von neuen interessanten Dingen ablenken zu lassen. 😉

[Kurz und knapp] Don Winslow: Pacific Private

Auf „Pacific Private“ bin ich über eine Rezension von Irina gekommen, und da das Buch demnächst wieder in die Bibliothek zurück muss, habe ich den Roman an diesem Wochenende gelesen. Für den Inhalt muss hier wieder der Klappentext herhalten:

„Boone Daniels lebt, um zu surfen. Es geht ihm gut, riesige Wellen sind angekündigt in Pacific Beach, Kalifornien. Doch dann verwickelt ihn eine attraktive Anwältin in einen Fall, der alles ändert – und ihn in einen Abgrund blicken lässt, den er hinter sich gelassen hatte, als er den Polizeidienst quittierte. Denn während die einen auf die perfekte Welle warten, floriert im Surferparadies der Kinderhandel.“

Die Geschichte beginnt für Boone ganz harmlos, als ihn die Anwältin Petra bittet, eine Zeugin aufzuspüren, die vor Gericht gegen einen Stripclub-Betreiber aussagen soll, der Versicherungsbetrug begangen hat. Doch kurz darauf wird eine Frauenleiche gefunden und es steht fest, dass deutlich mehr hinter der verschwundenen Zeugin steht. Dabei ist der Leser dem Detektiv mehr als eine Nasenlänge voraus, da kleine Passagen immer wieder auf das Schicksal einiger junger Mädchen verweisen, die am Rande der Erdbeerfelder von Kalifornien Tag für Tag missbraucht werden.

Trotz dieses ernsthaften Themas und der wirklich sympathischen Figuren sorgt die Erzählweise in diesem Roman beim Leser für einen gewissen Abstand. Verstärkt wieder dieser Eindruck durch längere Einschübe, in denen auf die Geschichte dieser Region verwiesen wird, auf die Familienhintergründe einzelner Charaktere und vieles mehr. Während diese Einschübe und Perspektivwechsel die Geschichte für Irina anscheinend spannender und temporeicher gemacht haben, fühlte ich mich dadurch immer wieder ausgebremst. Mir kam es vor, als wollte Don Winslow so nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zeigen, wie gut er recherchiert hat. Ich persönlich mag solche Wissensvermittlung aber lieber in kleineren Häppchen innerhalb der Handlung und nicht als längeren Einschub (gern mal über zehn Seiten), der mich komplett aus der Geschichte reißt.

Insgesamt fand ich den Krimi sehr unterhaltsam und Boone und seine Surfer-Freunde von der „Dawn Patrol“ haben es mir wirklich angetan. Vor allem gegen Ende der Geschichte, als jeder von ihnen schwierige Entscheidungen treffen muss, machte es sich bemerkbar, dass der Autor – trotz der Distanz in der Erzählweise – seine Figuren so stimmig angelegt hat, dass ihre Handlungen kaum vorhersehbar waren, denn jede Entscheidung – egal, ob zum „Guten“ oder zum „Schlechten“ – wäre aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Loyalitäten gut begründbar gewesen. Dieser Part von „Pacific Private“ hat mich wirklich begeistert, auch wenn ich die Erzählweise jetzt nicht so umwerfend fand.

Dies und Das (10)

Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, nehme ich mir vor, dass ich heute endlich mal wieder einen Blogbeitrag veröffentliche. Und zwar einen Beitrag über Bücher! Kein „Dies und Das“, kein Rezept, keine Kochfotos … Das dürfte ja gar kein Problem sein, ich habe noch einige Romane zu rezensieren und diverse angefangene Texte im System, die nur noch eben überarbeitet oder beendet werden müssten. Und jeden Abend beim Schlafengehen ärgere ich mich, weil ich es wieder nicht auf die Reihe bekommen habe …

Nun gut, ich kann es anscheinend gerade nicht ändern, aber es ärgert mich trotzdem. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der kaputte PC so aus dem Tritt bringt – vor allem, da wir inzwischen das Netbook ganz gut nutzen können. Aber selbst mit einer externen Tastatur ist es eben kein vollwertiger Ersatz und ich vermisse einige Programme wirklich sehr …

***

Dafür habe ich am letzten Wochenende den Sonntag in der Küche verbracht und ein paar schokoladige Geschenke für eine Freundin angefertigt. Und da nicht alles ins Paket passte, verwöhne ich mich zur Zeit nachmittags in meiner Teepause mit Leckereien:

Oh, und wie man sehen kann, lese ich endlich wieder, was wirklich eine Erleichterung ist. 😉 Ich bin zwar noch nicht wieder bei meiner „normalen“ Lesemenge angelangt, aber es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die Nase im Buch habe.

***

Wer meinen Blog schon etwas länger liest, der weiß, dass ich die Katzen zum Großteil barfe (also mit rohem Fleisch füttere). Und wer mir per Twitter folgt, der darf sich fast jeden Mittwoch mein Gejammer über die Verpackung dieses Fleisches anhören. 😉 Auch wenn ich froh bin, dass ich in der Nähe einen Laden habe, der Frischfleisch für die Katzen verkauft, so ärgere ich mich jedes Mal, wenn die einzelnen Tüten wieder auslaufen, ich eine Blutspur hinter mir herziehe oder gar den Kofferraum schrubben darf, bis die Blutspuren verschwunden sind (zum Glück ist der Teppich dort sehr gut zu reinigen!).

Letzte Woche ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe mich endlich dazu durchgerungen, eine Einkaufstasche nur für dieses verflixte Futterfleisch zu kaufen. So habe ich dann in dieser Woche einige Komplimente für mein schickes Kunststofftäschchen bekommen, mich darüber gefreut, dass es so schön dicht hält, und geschmunzelt, weil es typisch für mich ist, dass neue Taschen hier im Haus für die Katzen und ihr Futter angeschafft werden und nicht als Ersatz für meinen alten Rucksack.

***

Die Katzen treiben mich (oder genauer gesagt uns) gerade in den Wahnsinn. Die drei Kater sind extrem schmusebedürftig, dauerhungrig, gereizt und mögen sich gerade gegenseitig so gar nicht. Selbst Logan, der sich sonst aus eventuellen Streitigkeiten raushält, sucht zur Zeit regelmäßig Ärger mit seinem Bruder. Für Shandy ist das natürlich wieder ein willkommener Anlass, um sich danebenzubenehmen, was dazu führt, dass wir recht paranoid regelmäßig alle Ecken der Wohnung absuchen. Zum Glück markiert er deutlich weniger, als wir denken, aber anstrengend ist es trotzdem.

Unter diesen Umständen „freue“ ich mich ganz besonders auf die Zeitumstellung in diesem Jahr, denn auch unsere Wohnungskatzen haben damit Probleme und verstehen nicht, warum von einem Tag auf den anderen wieder ein anderer Rhythmus herrschen soll. Und so darf ich mich wieder in kleinen Schritten an unseren normalen Fütterungszeitplan annähern, was meinen Tagesablauf auch durcheinander bringt und mehr Zeit benötigt, als mir lieb ist.

***

Und um diesen Beitrag nicht so nörgelig zu beenden:
Für mich hat gerade die schönste Zeit des Jahres begonnen. Ich mag nicht nur den Herbst an sich (kühlere Temperaturen, wunderschöne kalte und sonnige Tage, herrliche Farben in der Natur!), sondern auch die Tatsache, dass dann in meinem Umkreis die „Hauptgeburtstagssaison“ beginnt. Von Mitte September bis Anfang Januar liegen die meisten Geburtstage, und so wusel ich herum, versuche an Geschenke und Glückwunschkarten zu denken, nähe, backe und koche – und hoffe, dass ich denjenigen, die ich damit beschenken will, auch eine Freude mache. So schön es ist, wenn man etwas geschenkt bekommt, so gefällt es mir doch noch besser, wenn ich jemand anderem etwas schenken kann. 🙂

SuB-Zuwachs Oktober 2012

Der Monat ist gerade mal zwei Tage alt und ich poste Neuzugänge. Das kommt auch nicht so oft vor …

Gestern klingelte der Paketbote und brachte mir zwei Bücher, um meinen englischen SuB ein wenig aufzustocken. Wobei ich eins davon gewiss in diesem  Monat für die English-Challenge noch lesen werde.
(Irgendwie gebe ich Kiya und Irina die Schuld daran, dass ich nicht nur „Ashes of Honor“,
sondern auch den Krimi gekauft habe.
Könntet ihr beide bitte aufhören Cozies zu lesen und mir Lust auf die Bücher zu machen? 😉 )

Gelesen: Juli, August, September 2012

Bücher:

  1. Gil Adamson: Hilf mir, Jacques Cousteau
  2. Beverly Barton: Das Gesicht der Anderen
  3. Julie Campbell: Trixie Belden 1 – The Secret of the Mansion
  4. Nicholas Drayson: Kleine Vogelkunde Ostafrikas
  5. Janet Evanovich: Zweimal ist einmal zuviel
  6. Franziska Gehm: Die Vampirschwestern 9 – Ein Sommer zum Abhängen
  7. Lotte und Søren Hammer: Schweinehunde
  8. Jim C. Hines: Dämon, Dämon an der Wand (Prinzessinnen Bd. 4)
  9. Eva Ibbotson: 5 Hunde im Gepäck
  10. Stephen King: Das Leben und das Schreiben
  11. Jessica Kremser: Frau Maier fischt im Trüben (Ein Chiemgau-Krimi)
  12. Jay Lake: Die Räder der Welt 
  13. Sarah-Kate Lynch: Cantucci-Herzen brechen nicht
  14. Richelle Mead: Dark Swan – Sturmtochter
  15. Tamora Pierce, Josepha Sherman: Young Warriors – Stories of Strength
  16. Ursula Poznanski: Fünf
  17. Heather Webber: Im Auftrag der Liebe (Ein Fall für Lucy Valentine)
  18. Kirsten White: Dreams’n’Whispers
  19. Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Mislaid Magician (Cecelia and Kate #3)
  • Seanan McGuire: In Sea-Salt Tears (Kurzgeschichte)

Comic/Manga:

  • Another 1 (Manga)
  • Another 2 (Manga)
  • Bibliotheca Mystica 2 (Manga)
  • Bibliotheca Mystica 3 (Manga)
  • Eaglet 2 (Manga)
  • Code:Breaker 7 (Manga)
  • Code:Breaker 8 (Manga)
  • Code:Breaker 9 (Manga)
  • die(c)e 2 (Manga)
  • Kami Kami Kaeshi 1 (Manga)
  • Kiss and Regret (Manga)
  • Mirai Nikki 5 (Manga)
  • Precious Lies (Manga)
  • xx me! 2 (Manga)
  • xx me! 3 (Manga)
  • xx me! 4 (Manga)

Hörbücher/Hörspiele:

  • Raymond Chandler: Das Gesetz der Straße (5 CDs)
  • Agatha Christie: Vier Frauen und ein Mord (3 CDs)

Angefangene und abgebrochene Bücher zähle ich in der Monatsstatistik ebenso wenig mit wie Titel, die ich innerhalb kürzerer Zeit zum wiederholten Male lese oder höre.

Oktober-SuB 2012

Obwohl ich im September immer noch nicht so recht zum Lesen gekommen bin, hat sich zumindest in der letzten Woche die Leselust so langsam wieder geregt. So komme ich auf 6 Bücher und 10 Manga, die ich gelesen habe. Recht wenig für meine Verhältnisse, aber ich bin ja froh, dass ich mich inzwischen wieder auf Bücher konzentrieren kann. Und während die Neuzugänge von August noch immer ungelesen sind, habe ich an diesem Wochenende immerhin schon drei von meinen September-Büchern gelesen. Ich hoffe, dass ich meinen SuB im Oktober wieder etwas enthusiastischer in Angriff nehmen werde!




A (3)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Ariette Aerts: Zwischenwelten
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (9)
Quentin Bates: In eisigem Wasser
Quentin Bates: Kalter Trost
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Jenna Black: Rosendorn
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud  

C (2)
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)

D (4)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben  

E (0)

F (11)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Gayle Forman: Wenn ich bleibe
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym
Earlene Fowler: Tödliche Schatten

G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (6)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Paul Harper: Der Seelenleser

Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Lisa Higgins: In Liebe, Rachel

Will Hill: Department 19 – Die Mission

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (1)
Siri Lindberg: Nachtlilien

M (3)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter

O (0)

P (4)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Renata Petry: Hilgensee
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
Ursula Poznanski: Saeculum

Q (0)

R (12)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Sarah Rayner: Das Licht des frühen Tages
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (9)
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Cindy Spencer Pape: Steam and Magic – Feuerspiel
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (10)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 – Der gläserne Fluch
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
P.J. Tracy: Memento
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)

V (0)

W (5)
Danny Wallace: Auf den ersten Blick

Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Fluch des Wendigo

Z (0)

92 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:
Rhys Bowen: Her Royal Spyness 
Seanan McGuire: Ashes of Honor
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)

2 Titel auf dem englischen SuB

(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)

[Kurz und knapp] Ursula Poznanski: Fünf

Klappentext:

„Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird …“

Den Roman habe ich gestern – dank einer mehrstündigen Wartezeit beim Arzt – in einem Stück durchgelesen. Seitdem ich „Knochenfinder“ gelesen hattbe, wollte ich herausfinden, ob sich die beiden Geschichten wirklich so ähnlich sind wie hier und da in den Rezensionen angedeutet wird. Zum Glück haben beide Romane bei mir ein komplett anderes Gefühl hinterlassen, so dass ich nicht ständig versucht war zu vergleichen – ich überlege aber seit gestern, ob mich „Knochenfinder“ auch so gut unterhalten hätte, wenn ich „Fünf“ vorher gelesen hätte. Bei „Fünf“ kamen mir die diversen Nebenfiguren deutlich näher, obwohl einige von ihnen auch nur sehr kurze Szenen hatten und zum Teil nicht so relevant für die Geschichte waren, aber sie fühlten sich für mich einfach realer an als beim „Knochenfinder“.

Fasziniert bin ich davon, dass ich inzwischen mehrere Rezensionen gelesen habe, bei denen es hieß, dass der Täter so offensichtlich gewesen wäre. Normalerweise bin ich immer genervt davon, dass ich spätestens nach dem ersten Drittel eines Krimis genau weiß, in welche Richtung die Geschichte geht, aber das war für mich bei „Fünf“ nicht der Fall. Vielleicht lag es an all den Ablenkungen und Nebengeräuschen im Wartezimmer oder einfach daran, dass es Ursula Poznanski gelungen war, für mich weniger ins Auge springende Spuren zu legen. Für mich war das eine erfrischende Abwechslung, dass die Auflösung am Ende zwar keine große Überraschung, aber auch nichts war, was ich von Anfang an schon erahnt habe.

Für mich war „Fünf“ sehr unterhaltsam, ich mochte die Charaktere (zum Teil auch trotz der Häufung von privaten Problemen, die mich sonst vielleicht eher genervt hätten) und die Geocachingbeschreibungen gefielen mir hier auch besser als beim „Knochenfinder“. Irgendwie genau das richtige Buch für den gestrigen Tag … 🙂

Lotte und Søren Hammer: Schweinehunde

Es ist schon etwas her, dass ich „Schweinehunde“ gelesen habe, aber ich wollte das Buch unbedingt noch für den Bereich „Rache“ der „Themen-Challenge“ besprechen. Dass sich ein Krimi mit dem Thema Rache befasst, ist ja nun wirklich nicht ungewöhnlich, aber die Umsetzung fand ich in diesem Roman besonders reizvoll. Denn es geht nicht nur um die Rache eines Opfers an einem Täter, sondern in gewissem Maß auch um die Rache an der Gesellschaft und deren Umgang mit bestimmten Verbrechen.

Doch von Anfang an: Montagsmorgen finden zwei Kinder, die besonders früh von ihrer Mutter an der Schule abgesetzt wurden, fünf Männerleichen in der Turnhalle. Die fünf Opfer wurden in einem genau ausgemessenen Abstand an der Decke der Halle aufgehängt und nach ihrem Tod verstümmelt. Dabei haben die Täter keinerlei verwertbare Spuren hinterlassen und auch die Identität der Toten lässt sich nur schwer herausfinden.

Ein solch gravierendes Verbrechen ist der Kopenhagener Polizei Grund genug, um Kommissar Konrad Simonsen aus dem Urlaub zurückzurufen und mit besonderen Vollmachten zu versehen. Gemeinsam mit seinen Kollegen soll der erfahrene Ermittler die Verbrecher fassen. Doch das wird nicht so einfach, da wenige Tage nach der Tat eine unvergleichliche (Anzeigen-)Kampagne beginnt, die die Mordopfer als Pädophile brandmarkt, die nun endlich ihre verdiente Strafe bekommen haben. Diese Kampagne ist es auch, die den Roman aus der Masse ähnlicher Veröffentlichungen herausstechen lässt.

Recht früh in der Geschichte ist dem Leser bekannt, wer hinter diesem Verbrechen steckt und warum diese Männer getötet wurden. Dank diverser Perspektivwechsel erlebt man nicht nur die Aktivitäten der Polizei, sondern kann auch die Pläne der Täter mitverfolgen. So erlebt man als Leser mit ohnmächtiger Faszination, welche Auswirkungen die großangelegte Aktion auf die Öffentlichkeit hat und wie Bürger und Politik mit den dadurch aufgeworfenen Themen umgehen.

Für die Polizisten werden die Ermittlungen durch Druck und Reaktion der Öffentlichkeit deutlich erschwert. Riefen anfangs alle nach Ergreifung der Täter, so werden ihnen nun allerlei Steine in den Weg gelegt. Kollegen, die Auskünfte geben sollen, leiden plötzlich unter Gedächtnisverlust oder haben Akten verloren, wichtige Zeugen verteidigen die Mörder und auch Konrad Simonsen und seinen Kollegen fällt es schwer, neutral an ihre Arbeit heranzugehen.

So hegen auch sie sehr früh den Verdacht, dass die fünf Opfer wegen ihres Missbrauchs an Kindern ermordet wurden, doch ohne Beweise müssen sie weiterhin in alle Richtungen ermitteln. Und Beweise sind schwer zu bekommen, wenn man jede Information hinterfragen muss, weil man niemandem mehr vertrauen kann. Je mehr die Ermittler dann über die Opfer und die Täter erfahren, desto mehr wächst bei einigen von ihnen der Wunsch, einfach die Arbeit niederlegen zu dürfen, weil das Verständnis für die Mörder immer größer wird.

Lotte und Søren Hammer haben es dem Leser am Anfang ihres Romans nicht einfach gemacht. Die detailliert beschriebenen Verstümmelungen der Opfer haben bei mir erst einmal für die Befürchtung gesorgt, dass die beiden Autoren in ihrem Debütroman in erster Linie auf Blut und Ekel setzen, um die Sensationslust der Leser anzufachen. Und dann bekommt man auf den ersten Seiten eine neue Figur nach der anderen vorgestellt und muss die erst einmal einsortieren und kennenlernen.

Umso angenehmer war ich überrascht, als ich dann feststellen musste, dass sich Lotte und Søren Hammer weniger auf den Kriminalfall an sich konzentrieren, sondern mit der Reaktion der verschiedenen Personen und der Gesellschaft als große Masse auf so ein Verbrechen und die folgende Kampagne beschäftigen. Hier bekommt die Geschichte einen unheimlichen Sog und die Reaktionen der Bevölkerung, der Presse und der Politiker sorgen dafür, dass man regelrecht Angst vor der Macht der Masse bekommt. Geschickt manipulieren die Mörder die Medien – und durch diese die Menschen des Landes.

Dabei geht es ihnen nicht darum, straffrei auszugehen, sondern die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, dass die bestehenden Gesetze nicht ausreichen, um die Opfer und ihre Familien vor Pädophilen und ihren Taten zu schützen. So entsteht die Spannung in dieser Geschichte nicht durch die Morde und die Verfolgung der Täter, sondern aus der unberechenbaren Reaktion der Allgemeinheit. Und davon sind auch die Polizisten nicht ausgenommen, die von diesem Fall körperlich und seelisch an ihre Grenzen getrieben werden und immer wieder für sich entscheiden müssen, ob sie dem Gesetz dienen oder ihrem eigenen Gerechtigkeitsempfinden nachgeben wollen.

Diese ungewöhnliche Darstellung eines Kriminalfalls hat bei mir auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich „Schweinehunde“ als eine erfrischende Abwechslung empfunden habe. Hier und da bemerkt man zwar, dass der Roman das Debüt von Lotte und Søren Hammer ist und noch etwas Routine fehlt, außerdem hat sich das Ende etwas hingezogen, aber insgesamt habe ich mich lange nicht mehr so gut von einem Krimi unterhalten gefühlt.