Alle Artikel von Konstanze

Maria Lang: Nicht nur der Mörder lügt

„Nicht nur der Mörder lügt“ von Maria Lang habe ich bei Kiya entdeckt, die mich mit ihrer Rezension schon vor einer ganzen Weile neugierig gemacht hatte. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich mochte es, wie man durch die Augen von Puck Ekstedt die Beteiligten kennenlernt und an den Ermittlungen teilnimmt. Gemeinsam mit der jungen Frau reist der Leser auf eine kleine Insel in einem See in der Nähe von Forshyttan, um dort ein paar entspannte Tage mit einer Gruppe Gleichgesinnter zu verbringen und den Sommer zu genießen. Das Ferienhaus auf der Insel gehören Rutger Hammar und seiner Frau Ann-Sofi und der Großteil der Gäste besteht aus Personen, die schon lange mit Rutger befreundet sind und die auf eine Weise miteinander verbunden sind, die für Puck manchmal nur schwer zu durchschauen ist.

Unübersehbar ist allerdings, dass es zu einer gewaltigen Störung des zuvor recht entspannten Ferienalltags auf der Insel kommt, als erst Lil Arosander unangekündigt den gutaussehenden George Malm mit zu Besuch bringt und dann noch überraschend Marianne Wallman, die früher einmal mit Rutger verlobt war, und Viveka Stensson einen Zwischenstopp auf der Insel einlegen. Von diesem Moment an kann Puck nur noch beobachten wie die anderen Inselgäste zwischen all den Gefühlen schwanken, die (unerwiderte) Liebe und Eifersucht mit sich bringen – bis es zu einem Mord kommt.

Ich mag es grundsätzlich, wenn sich ein Kriminalroman vor allem damit beschäftigt eine Gruppe von Menschen zu studieren und darzustellen wie sie miteinander interagieren. Da Puck die anderen Gäste bis zu ihrem Eintreffen auf der Insel eigentlich nur flüchtig kennt, beobachtet sie ganz genau, um herauszufinden, was da alles unter der Oberfläche brodelt und warum es Spannungen zwischen den verschiedenen Charakteren gibt. Dieses genaue Beobachten führt dann auch dazu, dass sie nach dem Mord eine Art „Assistentenstelle“ bei der Polizei einnimmt, obwohl sie strenggenommen ebenfalls zu den Verdächtigen zählt.

Neben den genauen Beschreibungen zu den verschiedenen Protagonisten spielt der schwedische Sommer auf dieser Insel im See eine große Rolle. Die Insel ist nicht gerade klein und weist eine überraschend abwechslungsreiche Landschaft auf, was dazu führt, dass man als Leser viele Szenen miterleben kann, die sich um die Natur drehen. Mir haben diese atmosphärischen Beschreibungen von heißen Sommernächten auf der Wiese vor dem Haus, von spontanen Bootstouren um die Insel, von Wanderungen, bei denen die Zapfen unter den Füßen knirschen, und vom Schwimmen im See gut gefallen. Und diese entspannten Sommerinsel-Beschreibungen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu dem Mord und dem Wissen, dass einer der Gäste der Täter sein muss.

In einigen Rezensionen gibt es Vergleiche zwischen Agatha Christie und Maria Lang und ja, beide Autorinnen zeichnen ein Bild ihrer Zeit, konzentrieren sich mit ihrer Geschichte auf einen kleinen Personenkreis, den sie dafür umso intensiver beleuchten, und beide bauen Liebesgeschichten in ihre Kriminalromane ein. Aber Maria Lang setzt – zumindest mit diesem Roman – von Anfang an auf einen glaubwürdigen Einsatz der Polizei, außerdem ist sie viel deutlicher in ihrer Sprache und bei der Darstellung des Verhaltens der verschiedenen Personen. So wirkt „Nicht nur der Mörder lügt“ trotz einer relativ ruhigen Handlung weniger betulich und deutlich moderner als ein Agatha-Christie-Roman.

Ankündigung: Herbstlesen im Oktober

Auch in diesem Jahr gibt es bei mir im Oktober auf dem Blog wieder das „Herbstlesen“, bei dem ich mir vornehme, die Wochenenden möglichst entspannt mit den Dingen zu verbringen, die mir guttun, und darüber zu berichten. Ich will mir so viel Zeit wie möglich nehmen, um diese mit meinen Büchern, meinem Nähzeug und/oder in der Küche beim Kochen und Backen zu verbringen. Und da die Erfahrung gezeigt hat, dass ich selbst „Erholungs-Vorhaben“ deutlich konsequenter verfolgen, wenn ich sie öffentlich mache, werde ich darüber bloggen. So gibt es vom 1. bis zum 31. Oktober an den Samstagen und Sonntagen je einen Beitrag, in dem ich von meinem Tag, den getanen Dingen und den gelesenen Büchern erzähle.

Wer mag, kann sich mir gern anschließen und natürlich auch das Logo mitnehmen. Es gibt keinerlei Vorgaben, abgesehen von dem Vorsatz, es sich gut gehen zu lassen und sich Zeit für Bücher und andere Dinge zu nehmen, die einem guttun und die man sonst schnell zu kurz kommen lässt – und natürlich entspannt darüber zu schreiben. Dabei ist es egal, ob ihr das ganze Wochenende, einen Tag oder nur ein Stündchen Zeit habt – die Hauptsache ist, dass ihr euch erholt, das Leben genießt und auf eurem Blog davon erzählt. Schön wäre es, wenn ihr mir dann an dem Tag, an dem ihr mitmacht, einen Kommentar unter dem jeweiligen Herbstlesen-Beitrag hinterlassen würdet, dann kann ich euch dort verlinken und immer mal wieder schauen, wie es euch so beim Lesen und Erholen ergeht.

Falls jemand noch nicht so recht weiß, was ihn an den nächsten Wochenenden erwartet und ob das Mitmachen Spaß machen könnte: HIER gibt es meine Beiträge vom letzten Jahr zum Reinschnuppern. 😀

Juliane Käppler: Die sieben Tode des Max Leif

„Die sieben Tode des Max Leif – Ein Hypochonder-Roman“ von Juliane Käppler ist einer dieser Romane, bei denen ich das Gefühl hatte, ich hätte ihn auf so gut wie jedem Buchblog gesehen – was mir normalerweise überhaupt keine Lust auf eine Geschichte macht. Neugierig hat mich dann die Rezension von Anja gemacht, die sie im Februar geschrieben hat, so dass der Titel doch auf meiner „irgendwann aus der Bibliothek ausleihen“-Liste landete. Am Ende kann ich Anja in so gut wie allen Punkten zustimmen und muss zugeben, dass mir die Geschichte überraschend gut gefallen hat.

Max Leif ist kein Charakter, der es dem Leser einfach macht. Als man ihn kennenlernt sitzt er gerade in einem Flugzeug und alles, was man von ihm weiß, ist, dass er während seines Sansibar-Urlaubs zu viel getrunken hat, mit zu vielen Frauen im Bett war und nicht wieder nach Hause will. Ach ja, und dass sein Freund Paul gerade erst gestorben ist. Die Trauer, die Max verspürt, ist erst einmal das Einzige, das ihn sympathisch wirken lässt. Dass er so sehr um seinen Freund trauert, der ihn seit Schulzeiten begleitet hat, beweist, dass mehr hinter Max stecken muss, als man anfangs sieht.

In den folgenden Wochen krempelt Max sein ganzes Leben um, wobei er immer wieder beim Arzt landet, weil er – für ihn unerklärliche und bedrohliche – Symptome aufweist. Ihm ist sogar sehr früh bewusst, dass er sich mit seinen Eigendiagnosen, die auf Internetrecherche basiert, nichts Gutes tut, aber er fürchtet sich so sehr vor einer gravierenden Krankheit, dass er trotzdem jedes Mal in Todesangst zum Arzt rennt. Für den Leser ist eigentlich von Anfang an klar, was Max eigentlich fehlt, auch wenn man nicht alle Hintergründe kennt. Aber Max muss natürlich selbst herausfinden, was mit ihm los ist und wie er dafür sorgen kann, dass sein Leben für ihn wieder lebenswert wird.

Ich mochte die Nebenfiguren wie zum Beispiel Maja, die mürrische Barista, die seinem Lieblingscafé arbeitet, oder seine Putzfrau Jekaterina, die sehr feste Vorstellungen davon hat, wie Max sich zu benehmen hat, und diese natürlich auch freimütig äußert. Ab und an hatte ich ernsthafte Probleme mit der Einstellung, die Max hat, vor allem dann, wenn es um sein Selbstbild als Mann oder sein Verhältnis zu Alkohol geht. Aber in der Regel wurde das wieder ausgeglichen durch die netten Momente mit ihm. Er gibt sich in vielen Bereichen wirklich Mühe, ist zwar nicht der aufmerksamste Mensch, aber ein guter Freund und ein großzügiger Arbeitgeber. So habe ich ihm während des Lesen wirklich gewünscht, dass er dazu lernt und dass er in der Lage ist sich soweit zu verändern, dass er wieder Fuß fassen kann. Außerdem mochte ich diese Mischung aus Melancholie und Schmunzelmomenten, war neugierig darauf, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und war selbst in seinen schlimmsten Phasen nie so sehr von Max genervt, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen.

Tom Hillenbrand: Teufelsfrucht (Xavier Kieffer 1)

Ich muss gestehen, dass ich an einem Kriminalroman wie „Teufelsfrucht“ von Tom Hillenbrand normalerweise vermutlich allein schon wegen des Titels (den ich ohne den inhaltlichen Zusammenhang schrecklich platt fände) vorbeigelaufen wäre. Nachdem Hermia aber recht angetan von dem Roman war, habe ich den Titel zum Antesten in der Bibliothek ausgeliehen. Hauptfigur in diesem (großteils) gemütlichen kulinarischen Krimi ist Xavier Kieffer, ein luxemburgischer Koch, der in seinem relativ kleinem Restaurant vor allem auf hochqualitative regionale Küche setzt. Xaviers Küche ist zwar sehr gut, aber zu unbedeutend, um für einen Kritiker beachtenswert zu sein. Umso erstaunlicher ist es, dass eines Abends ein Mann, der mit großer Wahrscheinlichkeit für einen der beiden größten französischen Restaurantführer arbeitet, bei Xavier speist – und dummerweise direkt nach der Vorspeise verstirbt.

Während die Polizei noch in alle Richtungen ermittelt, wobei Xavier ihnen besonders verdächtig erscheint, findet der luxemburgische Koch heraus, dass der ermordete Kritiker am Tag zuvor noch bei Xaviers früherem Lehrmeister Paul Boudier gegessen hatte. Als dann auch noch dieser berühmte französische Koch verschwindet, versucht Xavier mehr über die letzten Monate seines ehemaligen Ausbilders und die Verbindung zu dem ermordeten Kritiker herauszufinden. Dabei kommt Xavier zugute, dass er sich nicht nur in den unterschiedlichsten Küchen Europas auskennt, sondern auch immer noch viele Verbindungen in die Welt der Sterne- und Fernsehköche besitzt. So dreht sich „Teufelsfrucht“ weniger um die Ermittlungen (denn dafür ist Xavier trotz all seine Neugier nicht professionell genug), als um einen Blick hinter die Kulissen der hochpreisigen Gastronomie, das Geschäft mit dem Kochen und nicht zuletzt um den großen Unterschied der zwischen „natürlichem“ Essen und dem, was die Lebensmitteltechnologie an Ersatzprodukten herstellen kann.

Lustigerweise hatte ich gerade erst vor ein paar Wochen durch Zufall einen Reisebericht rund um Luxemburg gesehen, so dass ich mir die Stadt beim Lesen ziemlich gut vorstellen konnte. Die Stadt und das Essen gehören nämlich zu den Schwerpunkten der Geschichte. Stellenweise war es mir mit den ganzen Beschreibungen zum Thema Restaurantküche und Kochen schon etwas zu viel, was vielleicht auch daran liegt, dass ich schon eine Menge Sachbücher zu dem Thema gelesen habe und mir deshalb viel Bekanntes erklärt wurde. Trotzdem war es nett Xaviers Begeisterung für seinen Beruf und Lebensmittel mitzuerleben, was die Passagen rund um das Thema Lebensmittelindustrie nur um so unbekömmlicher werden ließ.

Insgesamt fand ich die Geschichte unterhaltsam und Xavier war ein sympathischer Protagonist. Allerdings war das Ende etwas unrund und gab mir das Gefühl, als ob Tom Hillenbrand nicht so recht gewusst hätte, wie er seinen eher gemütlichen Xavier eine Auseinandersetzung mit recht skrupellosen Menschen gewinnen lassen könnte. Außerdem hätte ich gern bei der allerletzten Wendung (mit dem Fernsehkoch) das Gespräch zwischen Xavier und der betreffenden Person mitbekommen, statt nur das Ergebnis dieses Informationsaustausch aus dritter Hand erleben zu können. Aber da ich keinen dieser Kritikpunkte als besonders gravierend empfinde, werde ich wohl demnächst schauen müssen, ob meine Bibliothek noch weitere Bände dieser Reihe im Angebot hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau

Von Isabel Bogdans Buch hatte ich über ihren Blog und über Twitter schon eine Menge mitbekommen, während die Autorin es geschrieben hat. So richtig neugierig hatte sie mich allerdings nicht machen können, es war eher so ein „hm, vielleicht“-Gefühl, und dabei blieb es auch trotz all der begeisterten Rezensionen, die ich kurz nach der Veröffentlichung zu dem Titel sah. Da ich aber im Moment ein sehr großes Bedürfnis nach dünnen und einfachen Romanen habe, habe ich letzte Woche in der Bibliothek zugegriffen, als mich das Buch vom Regal aus ansprang. Und ich muss zugeben, dass es für meine aktuelle Stimmung die richtige Geschichte war, weshalb ich die ca. 250 Seiten in meinen üblichen Arbeitspausen (Frühstück, Stillhalten-während-die-Katze-frisst, Teepause und Warten-bis-das-Essen-gar-ist) plus einem guten Stündchen vor dem Schlafengehen an einem Tag gelesen habe.

Die Handlung selbst ist ziemlich einfach: Eine Gruppe von fünf Bankern (Chefin und vier männliche Untergebene) reisen zusammen mit einer extra gemieteten Köchin und einer Seminarleiterin für ein Wochenende ins schottische Hinterland, um dort auf einem alten (und nur teilweise modernisierten) Herrensitz ein Team-Building-Seminar durchzuführen. Für Lord und Lady McIntosh ist das eine schöne Möglichkeit, etwas Extrageld einzunehmen, auch wenn die Vorbereitungen von Anfang an aufwändiger sind, als sie es normalerweise für Gäste betreiben müssten – unter anderem deshalb, weil die Banker in einem selten genutzten Flügel des Herrenhauses und nicht in einem der Gäste-Cottages wohnen werden. Eine weitere Herausforderung besteht in einem jungen Pfau, der alles Blaue angreift, egal, ob es sich dabei um Autos, Spielzeug oder Kleidungsstücke (und die Menschen darin) handelt.

So begleitet man als Leser die verschiedenen Figuren über ihr Wochenende, wobei man ständig die Perspektive wechselt, so dass man alle Beteiligten im Laufe dieser Tage begleitet und ihre Gedanken und Gefühle kennenlernt. Dabei sind einem die Personen eigentlich schon vom ersten Moment an vertraut, da Isabel Bogdan auf bewährte Typen gesetzt hat. Es gibt die zickige Chefin, die die Kontrolle nicht aus der Hand geben kann, die etwas überforderte, aber sehr bemühte Seminarleiterin, die geniale Köchen mit dem großen Herzen (und sehr umfangreichem Wissen über Lebensmittelzubereitung), das ein bisschen exzentrische Besitzerehepaar, den ruhigen und zuverlässigen Handwerker und so weiter. Weder beim ersten Kennenlernen der Figuren, noch bei ihren späteren Entwicklungen gibt es besonders viele Überraschungen in der Geschichte.

Überhaupt ist die Handlung recht vorhersehbar und es gibt – aufgrund der Tatsache, dass man viele Szenen aus mehreren Perspektiven erlebt – einige Wiederholungen. Trotzdem fand ich die Geschichte nett zu lesen. Dieses Vor-sich-hin-Plätschern war sehr entspannend und ich mochte es, dass es keine großen Dramen oder Höhepunkte gab. Den vielgepriesenen Humor fand ich jetzt nicht besonders britisch, aber es reichte aus, dass ich hier und da etwas zum Schmunzeln hatte. „Der Pfau“ ist kein Roman, der sich bei mir besonders eingeprägt hat, und ich fürchte, dass ich in ein paar Tagen schon Mühe haben werde, mich an Details zu erinnern. Aber die Geschichte hat für entspannte Pausen an einem anstrengenden Tag gereicht – und manchmal ist das alles, was ich von einem Buch erwarte.

James Maxey: Nobody Gets the Girl (Whoosh! Bam! Pow! 1)

Ich habe das „Modern Magic“-Bundle eine ganze Weile ruhen lassen, weil mir die neunte Geschichte in der Sammlung („The Soul Cages“ von Nicole Givens Kurtz) überhaupt nicht zugesagt hatte. Nachdem ich mich wochenlang dabei ertappte, dass ich alles andere lieber tat, als einen Absatz im Buch zu lesen, habe ich den Roman abgebrochen. Weiter geht es also mit der zehnten Geschichte in dem Bundle, mit „Nobody Gets the Girl“ von James Maxey. Wenn ich das richtig recherchiert habe, dann ist das der erste Titel einer zweiteiligen Serie, wobei zwischen den beiden Romanen neun Jahre liegen, was bei mir immer den Verdacht erweckt, dass der Autor die Handlung ursprünglich nicht weiterschreiben wollte. Auf jeden Fall scheinen im zweiten Teil die „Bösewichte“ zu Wort zu kommen, was ich grundsätzlich nicht uninteressant finde.

Doch erst einmal zu „Nobody Gets the Girl“. Richard Rogers scheint ein ganz normaler langweilige Mann zu sein, wenn man davon absieht, dass er in seiner Freizeit als Stand-up Comedian unterwegs ist. Damit kommt er beim Publikum auch ganz gut an, aber es hat ihm immer der Mut (und die Unterstützung seiner Frau) gefehlt, um seinen Alltagsjob zu kündigen und mehr aus seinem Hobby zu machen. Als er eines morgens aufwacht und feststellen muss, dass anscheinend über Nacht ein fremdes Ehepaar in sein Haus gezogen ist und niemand ihn mehr sehen kann, muss er sein eingefahrenes Leben hinter sich lassen und beginnt eine Karriere als der Superheld „Nobody“. Wobei ich zugeben muss, dass Nobody nicht gerade besonders superheldenhaft ist, aber genau das macht die Geschichte auch so lesenswert und den Protagonisten – trotz all seiner Fehler – so sympathisch.

Da dieser Teil sehr früh im Roman geklärt wird, gehe ich mal auf den Grund für Richards Veränderung ein: Als ein (verrückter?) Wissenschafter eine Zeitreise machte, um die Welt zu retten, hat er aus Versehen dafür gesorgt, dass Richard nie gezeugt wurde. Doch da Richard selber sich an sein Leben und an all die Dinge, die er getan hat, erinnern kann und an seiner Existenz festhält, wird er nicht einfach aus dieser Welt ohne seine Geburt gelöscht, sondern lebt gewissermaßen parallel zur restlichen Welt. Was dazu führt, dass nur diejenigen, die kein Problem damit haben, die unglaubwürdige Tatsache, dass es einen unsichtbaren Menschen gibt, zu als wahr anzusehen, ihn sehen können. (Wobei ich mich da gerade frage, ob der Autor nicht einen Denkfehler bei den „Sichtbar-Unsichtbarkeits-Regeln“ gemacht hat.) Da der Wissenschaftler verantwortlich für Richards Unsichtbarkeit ist und Verwendung für einen unsichtbaren Spion hätte, heuert er Nobody an, um seinen Erzfeind, den zerstörerischen Rex Monday, aufzuspüren und zu vernichten.

Ich fand es sehr schön, wie James Maxey mit einer klassischen Superheldenwelt spielt und einen ganz normalen durchschnittlichen Menschen ohne besondere Fähigkeiten in die Konflikte zwischen einem guten und einen bösen Genie wirft. Wobei man als Leser zwar anfangs problemlos akzeptieren kann, dass der Wissenschaftler, der an Richards Situation Schuld ist, der Gute in der Geschichte ist, aber sich doch sehr schnell fragt, ob es wirklich noch „gut“ ist, wenn man für die Verwirklichung seiner heeren Ziele zu unlauteren Mitteln greift. Auch die beiden (erwachsenen) Töchter des Doktors, die selber als Superheldinnen berühmt sind, scheinen durch die Tatsache, dass sie über solche Mächte verfügen, korrumpiert zu sein, obwohl sie nichts anderes tun wollen, als die Menschheit zu beschützen.

Wenn ich ehrlich bin, dann bringt James Maxey eigentlich gar nicht so viel Neues rund um die ewige Diskussion, welche Verpflichtungen übermächtige Fähigkeiten (in Superhelden-Universen) mit sich bringen und wo der Punkt ist, ab dem die guten Absichten in „böse“ Handlungen und Machtmissbrauch umschlagen. Aber ich mochte es, wie man diese Welt und die verschiedenen Parteien durch die Augen von Nobody kennenlernt und Stück für Stück weitere Informationen zu den Motiven und Handlungen der unterschiedlichen Gruppierungen erhält. Ich habe mir beim Lesen viele Gedanken darüber gemacht, welche Lösungen es vielleicht für die verschiedenen Probleme gäbe und wie man mit den beiden gegensätzlichen Parteien wohl umgehen müsste. Aber vor allem die kleinen Dinge fand ich faszinierend, wie die Vorstellung was wohl mit einem Mann passiert, der theoretisch in der Lage ist, die Gedanken aller Menschen auf der Welt zu lesen – und wie es wohl wäre als seine Tochter aufzuwachsen …

Iris Grädler: Meer des Schweigens (Hörbuch)

In den letzten Monaten hatte ich ein paar Entscheidungsprobleme, wenn es um die Wahl neuer Hörbücher ging. Am Ende habe ich mich wegen Gabriele Blum, die ich in der Regel als Sprecherin mag, entschlossen, einen Versuch mit dem ersten Teil der Collin-Brown-Krimis, „Meer des Schweigens“, von Iris Grädler zu wagen. Ich muss zugeben, es war nicht die beste Wahl für ein „Gartenhörbuch“, denn wenn ich mal ein oder zwei Tage nicht in den Garten kam, hatte ich anfangs beim Weiterhören doch erstaunlich große Probleme mich wieder an all die Figuren zu erinnern. Dabei fand ich die Charaktere und ihre jeweiligen Handlungsstränge nicht uninteressant. Es waren nur so viele Personen und es gab zwischen den drei verschiedenen Gruppen so wenig Anknüpfungspunkte, dass ich mich häufig etwas verloren fühlte, wenn schon wieder der Name eine Nebenfigur fiel, die ich nicht auf der Stelle zuordnen konnte. Hätte ich die Geschichte als Roman gelesen, hätte ich gewiss weniger Probleme gehabt, weil ich 1. schneller lese als höre und 2. die Möglichkeit gehabt hätte kurz zurückzublättern, um meine Erinnerung aufzufrischen.

Der Haupthandlungsstrang dreht sich um den Polizisten Collin Brown, der seit ein paar Jahren in Cornwall lebt und arbeitet. Er hatte seiner Heimat Southampton den Rücken gekehrt, weil er nicht mehr jeden Tag mit den Gräueltaten leben konnte, die er in seinem Beruf zu sehen bekam. In Cornwall ist sein Dienst deutlich entspannter und er kann mehr Zeit mit seiner Frau und den drei Kindern verbringen. Gestört wird Collins Ruhe als erst ein toter Hund und wenig später ein toter Mann an die Küste geschwemmt werden. Beide wurden erst vergiftet und dann verstümmelt, was nahelegt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Opfern gibt.

Parallel zu Collins Ermittlungen kann man die Geschichte von Elisabeth verfolgen, die zur Beerdigung ihres Bruders zurück nach England gekommen ist. Elisabeth hat vor vielen Jahren den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, ist nach Australien ausgewandert und hat seitdem keinen Menschen aus der alten Heimat gesprochen. Ihre Rückkehr ist ihr sehr schwer gefallen, aber sie hofft, dass ihr Bruder ihr vielleicht ein Erbe hinterlassen hat, dass ihr helfen könnte, ihren kranken Sohn besser zu versorgen. Auch bei Su dreht sich fast alles um ihr Kind. Sie arbeitet als Putzfrau, um für sich und ihre Tochter aufzukommen, schwärmt heimlich für ihren Vermieter und bis eine neue Frau ins Leben dieses Herren tritt, scheint ihr Leben endlich eine Wendung zum Positiven genommen zu haben.

Alle drei Handlungsstränge werden sehr ruhig, atmosphärisch und ausführlich erzählt, was dazu führt, dass man die verschiedenen Figuren sehr gut kennenlernt und sich bei jeder (in der Regel eigentlich sehr harmlosen) Szene fragt, wie das Ganze mit den Morden zusammenhängt. Ich hatte nicht das Gefühl, ich könnte groß mitraten, dafür wird man als Hörer zu sehr im Dunklen gelassen, aber es hat Spaß gemacht jeden Dialog, jede Aussage nachklingen zu lassen, mit der Frage, ob da nun ein Hinweis auf eine Verbindung zum Mord versteckt sein könnte oder nicht. Und am Ende kommt man als Hörer doch deutlich früher auf die Lösung des Ganzen, wobei ich zugeben muss, dass der Collin sich eher bewusst weigert die Lösung zu akzeptieren, bevor er nicht mehr Beweise als sein Bauchgefühl dafür hat.

Auch fand ich es angenehm, dass Collin ein sehr entspanntes Familienleben hat. Seine Frau unterstützt ihn, seine Kinder haben keine gravierenden Probleme, wenn man davon absieht, dass seine Tochter adoptiert ist und mit ihrem afrikanischen Aussehen in der Region sehr auffällig ist. Collins Mitarbeiter sind stellenweise herausfordernd, aber auch das fand ich relativ stimmig, da sie eher darin geübt zu sein scheinen Verkehrssünder anzuhalten als an einer Mordermittlung beteiligt zu sein. Außerdem gibt es in jedem Job Personen, denen der pünktliche Feierabend und das freie Wochenende mehr wert sind als ein Beruf, in dem die Arbeitszeiten situationsbedingt schon mal länger sein müssten. Dabei hat Iris Grädler schön dargestellt, dass eine so ernsthafte Ermittlung das Arbeiten in der kleinen Polizeigruppe deutlich verändert und keine Person unberührt aus dem Fall herausgeht. Am Ende fügen sich alle Handlungsstränge zu einem zufriedenstellenden Ende zusammen. Zwar wird nicht jede Frage beantwortet, aber dass ist ja auch nur zu erwarten, wenn die einzigen Personen, die vollkommene Aufklärung geben könnten, schon verstorben sind.

Ich mochte vor allem die ruhige und ausführliche Erzählweise und dass die verschiedenen Beteiligten (vor allem die Polizisten) so angenehm „normal“ waren. Keiner war perfekt, alle hatten ihren (zum Teil auch lästigen) Macken, aber sie fühlten sich beim Hören an, als ob man schon einmal mit ähnlichen Personen zusammengearbeitet hätte. Dazu beschäftigt einen die ganze Zeit die Frage, wie die beiden anderen Handlungsstränge mit dem Mord zusammenhängen und wann die Ermittler eine entscheidende Entdeckung machen, die sie endlich in die richtige Richtung führt. Schön fand ich es auch, dass es sich aufgrund der relativ überschaubaren Bevölkerung an der Küste von Cornwall nicht unnatürlich anfühlte, wenn Collin und seine Truppe über eine Belanglosigkeit stolperten, die am Ende doch irgendwie weiterhalf,

Gabriele Blum hat ihre Sache wieder sehr gut gemacht. Ich mag sie als Sprecherin und fand, dass sie die verschiedenen Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten sehr stimmig dargestellt hat. Es gibt Rezensionen, in denen kritisiert wird, dass sie schnieft und hustet, aber genau das machen die Figuren nun einmal in bestimmten Situationen, wie man den Gedanken des jeweiligen Erzählers entnehmen kann, und das kann und will ich der Sprecherin nicht anlasten. Schon gar nicht, wenn ich nicht kontrollieren kann, ob das nicht genauso von Iris Grädler in ihrem Roman geschrieben wurde. Insgesamt haben mir die Geschichte, die Erzählweise und die Sprecherin so gut gefallen, dass ich mir auch noch die Fortsetzung besorgt habe.

Soman Chainani: The School for Good and Evil – The Last Ever After

Nach „The School for Good and Evil“ und „A World Without Princes“ ist „The Last Ever After“ der dritte Teil der Reihe rund um die Freundinnen Sophie und Agatha. Nachdem sich der zweite Band vor allem damit beschäftigte, was in einer Märchenwelt mit den Prinzen werden soll, wenn die Prinzessinnen feststellen, dass sie die Jungs für ein Happy End nicht mehr benötigen, dreht sich dieser Roman vor allem um die Frage, was nach dem „Happy End“ auf die glücklichen Paare wartet und ob das „Happy End“ der einen bedeutet, dass andere Personen leer ausgehen müssen.

Auch bei dieser Geschichte hat Soman Chainani wieder einen großartigen Job bei der Gestaltung seiner Märchenwelt und der Entwicklung der verschiedenen Figuren gemacht. Nach den Ereignissen aus „A World Without Princes“ teilt sich die Schule nicht mehr in „Gut“ und „Böse“ oder „Mädchen“ und „Jungen“ auf, sondern in „Alt“ und „Neu“. Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen glücklichen Ende versuchen nun die Bösewichte der Märchenwelt, ihre Geschichten neu zu schreiben. Denn erst wenn all die Leser den Glauben daran verlieren, dass das Gute immer siegt und nur das Gute am Ende Liebe findet, können die Bösewichte wirklich die Macht ergreifen.

Aber es geht nicht nur um den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse in der Märchenwelt, sondern auch darum, wie die Geschichte nach dem Zusammenfinden von Prinz und Prinzessin weitergeht. Das betrifft nicht nur Agatha und Sophie und ihre Suche nach der einen wahren Liebe, sondern auch die altvertrauten Märchen, bei denen man doch angeblich genau weiß, wie sie enden. Doch wenn eine Liebe wie die von Tedros Eltern Arthur und Guinevere auseinanderbricht, weil Guinevere mit Lancelot davonläuft, wie kann man dann davon ausgehen, dass das Zusammenkommen von Prinz und Prinzessin für immer das glückliche Ende besiegelt.

Ich will gar nicht mehr zum Inhalt schreiben, denn dann müsste ich auf Entwicklungen des zweiten Bandes eingehen, die erst am Ende der Geschichte passieren und die zu viel über die Handlung verraten würden. Aber ich fand es toll, wie der Autor bei all den fantastischen, amüsanten und bedrückenden Szenen immer wieder auf die Frage zurückkommt, was eigentlich notwendig ist, damit ein Mensch zufrieden mit seinem Leben ist – und ob die einzig wahre Liebe wirklich alle Probleme löst. Neben diesen großen Themen, die immer wieder in der Handlung durchschimmern, mag ich all die kleinen Szenen, die von Freundschaft, Heldenmut oder einfach „nur“ Menschlichkeit erzählen. Doch das alles würde nicht funktionieren, wenn Soman Chainani nicht so wunderbare Charaktere für seine Bücher geschaffen hätte.

Agatha und Sophie sind als Protagonisten natürlich wichtig für die Geschichte, und ohne ihre Gegensätzlichkeit würde das alles nicht funktionieren. Aber vor allem freue ich mich jedes Mal, wenn einer der Nebencharaktere etwas mehr Präsenz bekommt, Und in „The Last Ever After“ bekommen sehr viele von diesen Nebenfiguren Raum, um ihre Hintergrundgeschichte zu offenbaren. Hintergrundgeschichten, die berührend sind und traurig und voller Missverständnisse und die den vertrauten Märchen so viele unerwartete Facetten hinzufügen. Diese ungewohnte Perspektive macht Spaß, aber sie lässt einen am Ende auch sehr nachdenklich zurück. Sagte ich schon, wie sehr ich das mag? 😉

September-SuB 2016

Der August war stellenweise ein wirklich herausfordernder Monat und wie immer, wenn ich eine Flucht aus dem Alltag brauche, habe ich mich in meiner Freizeit auf meine Bücher gestürzt. So habe ich im August 21 Bücher und 2 Kurzgeschichten gelesen und bei der Gartenarbeit 2 Hörbücher gehört. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass der September weniger Buch-reich sein wird, da mir das Lesen gerade so gut tut, während andere Hobbys pausieren, weil ich entweder nicht die Ruhe dazu habe oder mir Material dafür fehlt.

Deutscher SuB:

  1. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  2. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  3. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  4. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  5. Brom: Krampus
  6. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  7. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  8. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  9. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  10. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  11. Tove Jansson: Mumins wundersame Inselabenteuer
  12. Tove Jansson: Herbst im Mumintal
  13. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  14. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  15. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  16. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  17. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  18. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  19. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  20. Charles den Tex: Die Zelle
  21. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  22. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  23. Xinran: Gerettete Wort
  24. Xinran: Wolkentöchter
  25. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

22 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  4. Agatha Christie: Curtain – Poirot’s Last Case
  5. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  6. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  7. Kate Griffin: The Madness of Angels (Matthew Swift #1)
  8. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  9. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  10. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  11. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  12. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  13. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  14. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  15. Lynn Kurland: Star of the Morning
  16. Seanan McGuire: Once Broken Faith (Toby Daye #10)
  17. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  18. Joseph Nassise (Hrsg.): Urban Allies
  19. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  20. Cindy Pon: Serpentine
  21. Philip Reeve: Larklight
  22. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  23. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  24. Holly Webb: Emily Feather and the Secred Mirror (Emily Feather #2)
  25. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  26. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)
  27. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

24 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)