Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Jacqueline Wilson: The Story of Tracy Beaker

„The Story of Tracy Beaker“ habe ich im Rahmen der „100 Bücher“-Challenge gelesen. Nachdem ein paar Challenge-Teilnehmer andere Titel der Autorin Jacqueline Wilson recht positiv bewertet hatten, dachte ich, dass ich sie auch mal antesten könnte. Leider hatte meine Bibliothek nur diesen Titel im Angebot – und für mich war es nicht die richtige Geschichte. Ich weiß nicht, wie viele Wochen ich benötigt habe, um die ersten 40 von 160 Seiten gelesen zu bekommen – und wenn ich den Roman nicht am 2. August zurück zur Bibliothek bringen müsste, hätte ich ihn wohl immer noch nicht geschafft.

Das Problem bei dieser Geschichte war für mich, dass ich die Hauptfigur einfach nicht leiden konnte. Tracy ist ein zehn Jahre altes Mädchen, das als kleines Kind in ein Kinderheim kam. Auf der einen Seite malt sie sich ständig aus, was ihre Mutter alles beruflich macht und wie sehr sie auf der Suche nach ihr ist, auf der anderen Seite erzählt sie von ihrem Leben bei Pflegefamilien und in Heimen. Dabei hat Tracy schon viele Stationen durchlebt und muss immer wieder erfahren, wie ungerecht das Leben zu einem Pflegekind sein kann.

Obwohl mir Tracy eigentlich leid tun müsste und ich mit ihr zusammen empört bin, wenn sie z. B. von einem Ehepaar wieder zurück ins Heim gegeben wird, weil das Paar ein Baby erwartet, kann ich sie nicht ausstehen. Normalerweise mag ich aufmüpfige, Horrorfilm-liebende und nicht zu angepasste Kinder, aber Tracy geht mir auf die Nerven. Sie ist zwar sehr realistisch dargestellt, aber ich möchte sie nur noch schütteln, wenn sie beteuert, dass sie keine Schuld an irgendetwas hat, oder wenn sie sich ausmalt, wie sie anderen Kindern Angst einjagen könnte, wenn sie nur einen großen Hund hätte, oder … Es gibt unheimlich viele Kleinigkeiten, die dafür sorgten, dass ich Tracy eine Ohrfeige geben wollte, statt weiterzulesen, um herauszufinden, wie es ihr ergeht.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Jacqueline Wilson Tracys Geschichte nicht in Tagebucheinträgen geschrieben hätte. Mit etwas mehr Abstand und ohne Tracys niedergeschriebene Gedanken hätte ich das Mädchen vermutlich sympathischer gefunden. So hat mich am Ende nur Cam – eine Autorin, die über das Kinderheim schreiben wollte und im Laufe der Geschichte Tracy näher kommt – vor einem Abbruch des Buchs gerettet. Sie fand ich vom ersten Augenblick an sympathisch, und als Cam und Tracy anfingen, sich gegenseitig Briefe zu schreiben, konnte ich mich auch mit Tracy etwas aussöhnen.

4 Tage, 4 Bücher und 4 Leseeindrücke

Nachdem der Juni nicht gerade ein Lesemonat für mich war, läuft es zur Zeit ganz gut. Weniger Termine, weniger Arbeit im Juli – dafür höhere Temperaturen, die dazu führen, dass ich die heißen Mittagsstunden hinter runtergelassenen Rollläden auf dem Sofa verbringe und lese. Außerdem war da ja noch der Mini-SuB aus Bibliotheksbüchern, den ich gerade brav abarbeite. So habe ich am Samstag „Der verschwundene Halbgott“ gelesen, am Sonntag kam „Der Feuerthron“ an die Reihe, und Montag las ich „Nacht ohne Schatten“. Den Abschluss vor dem Bibliotheksbesuch am Mittwoch machte „Die Frau, die vom Himmel fiel“, das Buch habe ich am Dienstag gelesen.

Rick Riordan: Helden des Olymps 1 – Der verschwundene Halbgott

Ich mochte die Percy-Jackson-Romane, und „Der verschwundene Halbgott“ geht in genau die gleiche Richtung. Zwar fand ich es etwas arg offensichtlich, wohin Percy verschwunden ist und was hinter Jasons verlorenem Gedächtnis steckt, aber das ändert nichts daran, dass mir die Geschichte gefallen hat. Auch mag ich das Spiel mit den römischen und griechischen Göttern, fand die Charaktere in der Regel sympathisch und werde bestimmt auch die weiteren Romane aus der Reihe lesen.

Rick Riordan: Die Kane-Chroniken 2 – Der Feuerthron

Ich hatte den ersten Teil der Reihe im letzten Jahr als Hörbuch gehört und fand es erschreckend, wie wenig davon bei mir hängen geblieben ist (und das ist kein so gutes Zeichen). Obwohl mich die ägyptischen Götter interessieren und Rick Riordan auch hier beweist, dass er unterhaltsam schreiben kann, packt mich die Reihe nicht so recht. Ich werde zwar vermutlich weiterlesen, aber weder Carter noch Sadie sind mir so nah wie die Figuren aus der „Percy-Jackson-Welt“, und die Herausforderungen mag ich in der griechischen Version auch lieber als in der ägyptischen. Dabei finde ich die Grundidee mit den ägyptischen Göttern und der direkten Verbindung zwischen den jungen Magiern und den Göttern ganz reizvoll, aber trotzdem fesselt mich die Geschichte nicht …

Gisa Klönne: Nacht ohne Schatten

Gisa Klönne ist eine der deutschen Autorinnen, von denen ich schon viel gehört, aber noch nichts gelesen habe. Mit „Nacht ohne Schatten“ hat sich das nun geändert, aber so richtig weiß ich noch nicht, ob ich weitere Titel von ihr lesen werde. „Nacht ohne Schatten“ war definitiv nicht schlecht, es gab tolle Figuren (vor allem die russische Medizinerin Ekaterina hat es mir in diesem Buch angetan) und eine faszinierende Erzählweise. Immer wieder wirft die Autorin dem Leser im Text einzelne Wörter vor die Füße, um eine Szene, Stimmungen oder Gedanken zu beschreiben, und schafft so eine – für mich überraschend – eindringliche Atmosphäre. Mein Problem bei diesem Roman ist eher die Handlung, die in sehr vielen Bereichen angenehm realistisch verläuft, aber gerade deshalb auch oft erschreckend deprimierend war. Und deprimierende Krimis mag ich momentan einfach nicht mehr lesen, wenn ich nicht gleichzeitig einen Ausgleich in der Geschichte finde, der mich etwas auffängt …

Simon Mawer: Die Frau, die vom Himmel fiel

„Die Frau, die vom Himmel fiel“ ist ein Internet-Beifang, wobei ich nicht mehr weiß, auf welchen Blogs ich das Buch empfohlen gesehen habe. Mich konnte der Roman nicht so recht überzeugen. Die ersten 150 Seiten spielen in England, wo die neunzehnjährige Marian Sutro während des Zweiten Weltkriegs ausgebildet wird, um im besetzten Frankreich den Widerstand zu unterstützen. Da man schon im Prolog mitbekommt, dass sie im Flugzeug nach Frankreich auf den Absprung wartet, fand ich diesen Part nicht besonders spannend. Auch die Einführung des Charakters zog sich meinem Gefühl nach ziemlich hin und ich war froh, als die Handlung endlich in Frankreich weiterging.

Doch so richtig aufregend wurde es da auch nicht, die Spionagetätigkeiten werden nur hier und da angerissen, viele Schwierigkeiten, in die Marian gelangt, lassen sich durch Glück und ihr hübsches Gesicht lösen. Die im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte hat mich auch nicht überzeugen können, und viel zu oft konnte ich die Entscheidungen der Hauptfigur nicht verstehen. Hier und da gab es recht hübsche Szenen, wie zum Beispiel die Überwindung einer Kontrolle mit Hilfe einer Gruppe von Kindern und der sie begleitenden Nonnen. Komischerweise habe ich das Gefühl, dass das ausnahmsweise eine Geschichte wäre, die als Film – solange die Figuren mit guten Schauspielern besetzt würden – gut funktionieren könnte, während mich das Buch (trotz der flüssigen Erzählweise) nicht bewegt hat.

[Comic] Monster Allergy 1

Normalerweise schreibe ich nichts zu Veröffentlichungen, die mir persönlich am Herzen liegen. Da hätte ich immer das Gefühl, dass ich „Achtung, Werbung!“ dazuschreiben müsste. 😉 Bei „Monster Allergy“ habe ich da weniger Hemmungen, denn als ich die ersten Cover dazu zu Gesicht bekam, war mein spontaner Gedanke: „Uff … ein Funny …“. So gern ich Comics und Manga lese, so habe ich Funnys eigentlich seit meiner Teenagerzeit nicht mehr angerührt. Dann bekam ich die ersten Monster-Allergy-Texte zu lesen und der Humor sagte mir zu. Und so wurde ich dann doch neugierig auf die zeichnerische Umsetzung.

Der erste Band der Gesamtausgabe von „Monster Allergy“ beinhaltet die ersten vier Episoden („Das Haus der Monster“, „Die Pyramide der Unverwundbaren“, „Magnacat“ und „Die schwebende Stadt“) der Reihe – insgesamt werden im Laufe dieses Jahres acht Teile veröffentlicht, womit „Monster Allergy“ zum ersten Mal komplett auf Deutsch erscheint. Die Geschichte handelt von Elena Patata, die gerade erst mit ihren Eltern nach Oldmill Village gezogen ist. Bevor sie sich noch in ihrer neuen Umgebung umgucken kann, bekommt sie Besuch von den beiden Nachbarmädchen Patty und Tatty. Um ihr das Einleben zu erleichtern, überreichen die Schwestern ihr eine Liste mit den Personen, die Elena unbedingt meiden muss, wenn sie schnell Fuß fassen will. Ganz oben auf der Liste steht der Name Zick – doch die abschreckenden Dinge, die Patty und Tatty Elena über den Nachbarjungen erzählen, wecken erst recht Elenas Neugier.

So unternimmt Elena allerlei Anstrengungen, um den abweisenden Zick besser kennenzulernen. Dabei schreckt das energische Mädchen nicht mal davor zurück, seinen übergewichtigen Kater Bandito gewaltsam in die Katzenklappe von Zicks Nacktkatze Timothy zu stecken oder dem rundum allergischen Jungen einen schon leicht angeschmuddelten Donut als Kennenlernpräsent zu überreichen. Als Elena dann noch dahinter kommt, dass Zick angeblich Monster sehen kann, ist sie vollends von dem ungewöhnlichen Nachbarn begeistert. Der Junge hingegen ist nicht so erfreut darüber, dass so ein energiegeladenes, neugieriges Mädchen in seine Gegend gezogen ist. Abgesehen davon, dass Zick so einige Geheimnisse hütet, die Elena nicht erfahren soll, bringt ihn seine neue Freundin auch immer wieder in Schwierigkeiten.

Egal, ob es in den Geschichten um einen verschwundenen Kater, um den Besuch einer etwas aufdringlichen Tante oder um einen Vertreter für Kochtöpfe geht, nur wenige Dinge sind in „Monster Allergy“ so harmlos, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. So müssen Zick und Elena nicht nur hinter die Geheimnisse der verschiedensten Personen und Kreaturen kommen, sondern auch einige Gefahren bestehen. Dabei spielen die Monster, die in Zicks Haus leben, immer wieder eine wichtige Rolle. Doch vor allem gefallen mir die sympathischen Charaktere (Elena, Zick, Zicks – lebende und tote – Verwandschaft, sein Kater Timothy und knuffige Monster wie der nicht ganz so intelligente Bombo) und der Humor, der sowohl in den Dialogen als auch in den Zeichnungen zum Ausdruck kommt.

Der Zeichenstil hatte mich ja auf den ersten Blick nicht gepackt (Funny + Vorurteile 😉 ), aber inzwischen muss ich zugeben, dass er mir richtig gut gefällt. Gestik und Mimik der verschiedenen Figuren ist sehr ausdrucksvoll und trotz wechselnder Zeichner gibt es keine Brüche zwischen den verschiedenen Episoden. Außerdem kann man immer wieder fantastische Elemente und viele liebevolle Details entdecken, die einfach nur Spaß machen. Hier und da merkt man zwar, dass die Serie für Kinder gedacht ist, aber auch als erwachsener Leser fühlte ich mich sehr gut unterhalten. Besonders hat mir gefallen, dass die einzelnen Episoden durch einen durchgehenden Handlungsstrang verbunden sind und man mit jeder Geschichte wieder ein bisschen mehr über die fantastischen Monster, Zicks besondere Eigenschaften und die – für die meisten Menschen verborgene – übernatürliche Welt erfährt.

Wenn ich hier schon Werbung mache – und weil ich Jano mit seinem neuen Verlag auch gern etwas unterstützen mag – , kann ich euch hier gleich auch noch die Verlagsseite von dani books verlinken, und dann gibt es von mir noch einen Direktlink zum ersten Band von „Monster Allergy“. Die Gesamtausgabe wird übrigens inklusive der Digital Copy verkauft, die aber auch einzeln als PDF erhältlich ist … 😉

Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables

„Anne auf Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery ist für mich mal wieder ein Re-Read und wurde von mir für die „100 Bücher“-Challenge gelesen. Das erste Mal habe ich die Anne-Geschichten als Teenager gelesen, als ich die Bücher von zwei Freundinnen geliehen bekommen hatte. In den folgenden Jahren habe ich die zwar immer mal wieder gelesen, aber da ich die Romane nicht selber hatte, ist das letzte Mal so lange her, dass ich mich nur noch an die Charaktere erinnern konnte und an fast keine Details. Umso schöner war es jetzt, die ganzen kleinen und großen Abenteuer und Katastrophen von Anne noch einmal so erleben zu können, als würde ich die Geschichte zum ersten Mal lesen.

Doch erst einmal zum Inhalt: Auf der Farm Green Gables leben die beiden älteren Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert, die eines Tages beschließen, einen zehnjährigen Jungen zu adoptieren, der Matthew bei der Farmarbeit zur Hand gehen kann. Doch statt eines kleinen Jungen wartet eines Tages die rothaarige und fantasiebegabte Anne Shirley auf dem Bahnhof darauf, dass sie abgeholt wird. Ist Marilla anfangs noch wild entschlossen, das Missverständnis aufzuklären und das unerwünschte Mädchen wieder zurück ins Waisenhaus zu schicken, so verfällt auch diese spröde Frau schnell dem sonnigen und plappernden Wesen von Anne.

So engagiert Matthew einen Jungen aus dem Ort für die Farmarbeit und verbringt die folgenden Jahre damit, Anne zu verwöhnen, wenn Marilla bei ihrer Erziehung mal wieder zu streng und sachlich vorgeht. Dabei stellt das rothaarige Mädchen mit all seinen Einfällen das Leben der beiden Geschwister gründlich auf den Kopf – und wenn nicht ihre Fantasie sie in Schwierigkeiten bringt, dann passieren ihr immer wieder Missgeschicke, die sie zutiefst unglücklich machen, weil sie es doch nur gut gemeint hat. So serviert sie ihrer besten Freundin statt des selbstgemachten Johannisbeersafts von Marilla den ebenfalls selbstgebrauten Johannisbeerwein oder verwechselt beim Kuchenbacken aus Versehen die Zutaten … So klein und banal diese Szenen zu sein scheinen, so amüsant werden sie von der Autorin erzählt.

Große, dramatische Ereignisse gibt es kaum, aber viele kleine Momente, die für die junge Anne manchmal das Ende der Welt zu sein scheinen. Aber natürlich erlebt das Waisenmädchen bei den Cuthberts auch viele schöne und unvergessliche Stunden, übersteht abenteuerliche Ereignisse mit ihren Freundinnen oder heimelige und liebevolle Momente auf Green Gables. Mir hat es so viel Spaß gemacht, Annes Aufwachsen auf Green Gables zu verfolgen, dass ich prompt für knapp 2 Euro das Gesamtwerk der Autorin für den Kindle runtergeladen habe und mich frage, warum ich gerade diese Kinderbücher nie nachgekauft habe. Wenn ich endlich mal all die anderen Lesevorhaben für diesen Monat erledigt habe, werde ich wohl nach Avonlea zurückkehren, wieder in Annes Welt abtauchen und herausfinden, wie der neue Nachbar reagiert, wenn er erfährt, dass sie aus Versehen seine Jerseykuh verkauft hat.

Frances Hodgson Burnett: The Secret Garden

„The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett habe ich für die „Bücher, die man gelesen haben muss“-Challenge gelesen. Die Geschichte begleitet mich zwar schon seit meiner Kindheit, aber dieses Mal habe ich das Buch zum ersten Mal auf Englisch gelesen. Ich muss zugeben, dass ich dabei froh war, dass ich inzwischen beim Lesen auf Englisch – dank der English-Challenge – fitter bin, denn die (wenigen) Sätze, in denen Dialekt gesprochen wird, hätten mich sonst wohl deutlicher gestört. So hingegen war ich eher belustigt über das Weglassen und Zusammenziehen der Wörter.

Die Handlung dürfte eigentlich allgemein bekannt sein, aber ich liefere trotzdem noch eine kurze Zusammenfassung. Protagonistin dieser Geschichte ist die zehnjährige Mary Lennox, die in Indien geboren wurde. Weder ihr Vater, der als Kolonialbeamter in Indien tätig ist, noch ihre vergnügungssüchtige Mutter kümmern sich um ihre Tochter, und so wird das Mädchen von einer indischen Ayah aufgezogen. Diese lässt Mary von Geburt an ihren Willen, und so ist es kein Wunder, dass sich das Mädchen zu einem egozentrischen, verwöhnten und unsympathischen Gör entwickelt.

Nachdem ihre Eltern (sowie die Ayah und diverse andere indische Dienstboten) aufgrund einer Choleraepidemie sterben, wird Mary zu ihrem Onkel nach England gebracht. Archibald Craven kümmert sich genauso wenig um das Mädchen, wie es dessen Eltern taten, außerdem fehlt in seinem Herrenhaus jegliches Spielzeug für das Kind, und so muss sich Mary irgendwie selbst beschäftigen. Das Hausmädchen Martha bringt Mary dazu, in den Gärten zu spielen, und erzählt ihr auch von einem „geheimen Garten“, der vor zehn Jahren verschlossen und seitdem von niemandem betreten wurde.

Als Kind habe ich die Bücher von Frances Hodgson Burnett einfach nur genossen, wobei „Der geheime Garten“ meine Lieblingsgeschichte war – vielleicht auch deshalb, weil Mary nicht so schrecklich perfekt ist wie Lord Fauntleroy oder „Prinzessin“ Sara. Als erwachsene Leserin bin ich fasziniert davon, wie die Autorin Marys Leben in Indien beschreibt und die Reaktionen des Hausmädchens Martha auf Marys Erzählungen aus dieser Zeit. Obwohl es gar nicht so viele Passagen zu diesem Thema gibt, klingt doch immer wieder eine gewisse Kolonialherren-Haltung durch. Doch vor allem ist es Mary, die dafür sorgt, dass ich auch heute noch das Buch gerne lese. So eine kleine, hässliche und dickköpfige Hauptfigur müsste ja eigentlich unsympathisch sein, doch die Autorin macht von Anfang an deutlich, dass das Kind nichts für seine Charakterentwicklung konnte.

Auch wenn Mary viel zu schnell – dank einer großen Portion Einsamkeit, der guten englischen Luft und etwas Gartenarbeit – zu einem „normalen“ netten, kleinen Mädchen wird, gibt es im Laufe der Geschichte immer wieder genügend Momente, in denen ihr Trotz und ihre Dickköpfigkeit zum Ausdruck kommen. Besonders schön wird es, als sie ihren Cousin Colin kennenlernt und zu diesem Zeitpunkt zwei verwöhnte Egozentriker aufeinanderknallen. Aber auch der abweisende Gärtner Ben bietet genügend Ecken und Kanten, so dass Mary schnell klar wird, dass sie ihm nicht mit ihrer früheren Hochmütigkeit kommen kann. Ich mag es einfach, wenn Ben Mary mitten ins Gesicht sagt, dass sie nicht gerade liebenswert sei, oder wenn Mary und Colin sich gegenseitig beweisen, dass der jeweils andere ganz schrecklich unsensibel und egoistisch ist. Diese Szenen mag ich so viel lieber als den perfekten Dickon (Marthas Bruder, der einfach alles über Pflanzen und Tiere weiß und für Mary und Colin zu einem „großer Bruder“ wird) oder das unvermeidbare glückliche Ende dieser Geschichte.

P.D. Baccalario: Cyboria – Die geheime Stadt

Als Kiya mich vor kurzem fragte, was ich von „Cyboria“ halten würde, konnte ich nur vage sagen, dass mich der Anfang an die gerade gelesenen „Skulduggery Pleasant“-Bücher erinnert. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade mal 26 Seiten gelesen und war über eine Beerdigungsszene gestolpert, die mich von der Atmosphäre her wirklich sehr an die Szenen nach dem Tod von Stephanies Onkel erinnerten. Inzwischen habe ich das Buch ganz gelesen und kann sagen, dass das auch die einzige Ähnlichkeit war. 😉

Ich finde P.D. Baccalarios Grundidee für „Cyboria – Die geheime Stadt“ einfach toll. Drei hochintelligente Wissenschaftler machten sich im Jahr 1915 gemeinsam mit ausgewählten Studenten auf den Weg, um eine utopische Stadt namens Cyboria zu gründen. Auch Atamante Folgore Perrotti, ein Vorfahre des Jungen Otto, sollte sich dieser Gruppe anschließen, doch er entschied sich damals gegen die verlockende Zukunftsvision und für sein vertrautes Leben in Italien. Doch Atamante hinterließ seinen Erben einen geheimnisvollen Schlüssel, der nach dem Tod von Ottos Großvater in die Hände des intelligenten Jungen gelangt.

Das Rätsel hinter dem mysteriösen Ikosaeder, das der erste Hinweis auf den Weg nach Cyboria darstellt, reizt Otto. Der Junge hat sein Leben lang die Herausforderungen genossen, die ihm sein – ebenfalls mathematisch-/mechanisch-/wissenschaftlich interessierter – Großvater täglich gestellt hat und lenkt sich mit dieser neuen Aufgabe auch von seiner Trauer ab. Ihm zur Seite steht seine exzentrische Tante Medea, die als Archäologin arbeitet, und ihr Freund Jago. Gemeinsam finden die drei immer mehr über die Erfindungen der drei Cyboria-Gründer, ihre Ideale und die vor so langer Zeit geplante Stadt heraus. Dabei müssen sie sich immer wieder vor Conte Liguana und seinem unheimlichen Handlanger in Acht nehmen, die ihre eigenen unheimlichen Pläne verfolgen.

Ich muss gestehen, dass ich auf der einen Seite die Idee von einer solchen utopischen Stadt und den darin befindlichen Erfindungen und Automaten einfach toll finde. Auch die vielen faszinierenden Stationen, die Otto und seine beiden Begleiter auf ihre Weg nach Cyboria erreichen, haben meine Fantasie beflügelt und ich haben die atmosphärischen Beschreibungen sehr genossen. Ebenso mochte ich Otto, der sehr von seinem Großvater und dessen Weltsicht geprägt wurde, während seine Tante und ihr Freund nicht unsympathisch waren, aber ruhig etwas tiefer charakterisiert hätten werden können.

Mein größtes Problem besteht in der Qualität der Rätsel, die Otto lösen muss. Auf der einen Seite habe ich nicht das Gefühl gehabt, dass der Junge sich wirklichen Herausforderungen hätte stellen müssen. Alle Hinweise führen sofort zum nächsten Punkt auf seinem Weg, es gibt keine Sackgassen, in die er gerät, und spätestens ein Austausch mit seiner Tante bringt ihn zu den richtigen Quellen, so dass er innerhalb kürzester Zeit das notwendige Wissen angesammelt hat. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, inwieweit manche Rätselelemente – trotz Erklärungen innerhalb der Geschichte – von der jugendlichen Zielgruppe verstanden werden. Und wenn man nicht mitraten kann, dann ist dieser Part der Handlung doch gewiss noch weniger befriedigend.

Am Ende des Romans bleibt das Gefühl, dass man einfach mehr aus der Idee hätte machen können. Trotzdem habe ich meinen Nachmittag mit der Geschichte genossen, weil P.D. Baccalario wunderbare Erfindungen, Automaten und atmosphärische Kulissen in die Handlung eingeflochten hat, die mich zum Tagträumen veranlasst haben. Was könnte man mit solchen Techniken und solchen Energiequellen nicht alles erfinden …

Dodie Smith: I Capture The Castle

Ich muss gestehen, dass mir beim Anschauen der BBC-Liste für Milas Challenge „I Capture The Castle“ überhaupt nicht ins Auge gesprungen ist. Aber dann dauerte es eine ganze Weile, bis mir die Bibliothek den Titel „Rebecca“, den ich ursprünglich für Februar lesen wollte, zur Verfügung stellen konnte – und in der Zwischenzeit weckte Birthes Rezension meine Aufmerksamkeit. Als ich da dann noch etwas von skurrilen Charakteren und schrägen Szenen las, musste ich den Roman einfach antesten.

Erzählt wird die (vermutlich) in den 30er-Jahren spielende Geschichte von der siebzehnjährigen Cassandra Mortmain, die mit ihrer Familie in einer Schlossruine lebt. Cassandras Vater ist ein Schriftsteller, dessen erster (und bislang auch letzter) Roman bei Veröffentlichung sehr großes Aufsehen erregte, und der seitdem keine einzige Zeile mehr geschrieben hat. Ihre Stiefmutter Topaz hat früher als Aktmodell für bekannte Maler in London gearbeitet und kümmert sich nun auf ihre sehr individuelle Weise um den chaotischen Schlosshaushalt, während sie bei Gesprächen mit der Natur – die sie selbstverständlich unbekleidet und zum Wohle der benachbarten Bauern nachts durchführt – Kraft tankt.

Cassandras jüngerer Bruder Thomas geht noch zur Schule und spielt anfangs in der Geschichte keine besonders relevante Rolle, während ihre ältere Schwester Rose so langsam jegliche Hoffnung aufgibt, je ein normales Leben zu führen. Für Rose ist die Armut der Familie am schwersten zu ertragen, sie erinnert sich noch zu gut an Zeiten, in denen sie mehr als die notwendigsten Möbel und ausreichend zu essen hatten. Und Rose, die eine wahre Schönheit ist, sehnt sich nach dem kleinen bisschen Luxus, der für ein Mädchen in ihrem Alter normalerweise selbstverständlich ist. Sie möchte Kleider tragen, die nicht aus Lumpen bestehen, und möchte ausgehen, tanzen und Männer kennenlernen können.

Da scheint es eine mehr als glückliche Fügung zu sein, als sich herausstellt, dass der benachbarte Besitz einem jungen Amerikaner hinterlassen wurde. Das Eintreffen des Erben (Simon) und seines jüngeren Bruders (Neil) verändern das Leben der Familie Mortmain erheblich. Während Simon und seine Mutter literarische Diskussionen mit Cassandras Vater führen, Topaz das Interesse der Amerikanerin an ihrem Mann misstrauisch beäugt und Rose fest entschlossen ist, sich zu verlieben und mit einer Heirat für die finanzielle Sicherheit der Familie zu sorgen, notiert Cassandra alle Ereignisse akribisch in ihrem Tagebuch.

Die Familie Mortmain ist auf diese gewisse, liebenswerte Art und Weise exzentrisch, über die ich in Büchern sehr gerne lese und die mich im realen Leben in den Wahnsinn treiben würde. Gerade zu Beginn der Geschichte spielt die Autorin ganz wunderbar mit dem Bild der gebildeten und hochintelligenten Familie, die immer wieder feststellen muss, dass keiner von ihnen irgendwelche praktischen Fähigkeiten hat, mit denen man etwas Geld verdienen könnte. Neben den reizvollen Charakteren sind es die skurrilen, witzigen oder berührenden Momente und Gedanken, die mich gefesselt haben. So stellt Cassandra im Laufe der Geschichte fest, dass sie sich nie richtig arm gefühlt hat, sie hatte immer Mitleid mit Arbeitslosen oder Bettlern, weil es ihnen so schlecht ging. Aber letztendlich geht ihr auf, dass ihre Familie in gewisser Weise in den letzten Jahren notleidender war als diese Menschen, da diese immerhin eine Chance auf Mildtätigkeiten hatten.

Neben der ständigen Frage, wie man das Geld für die allernötigsten Anschaffungen besorgen kann und welche Improvisation über die aktuellste Notlage hinweghelfen kann, gibt es wunderbar amüsante Szenen. Egal, ob Rose ihre Seele an den Teufel verkaufen will oder Cassandra ein privates und genussvolles heißes Bad in der Küche genießen möchte, irgendwie gelingt es Dodie Smith immer wieder, überraschende und sehr unterhaltsame Wendungen in ihre Geschichte einzubauen. Außerdem spürt man auf jeder Seite, dass die Autorin das Buch geschrieben hat, als sie in Amerika lebte und Heimweh nach England hatte. Sie beschreibt so liebevoll die Landschaften, die kleinen Dörfer und die Menschen, die darin leben, dass ich am liebsten sofort einen Flug (inklusive Zeitmaschine bitteschön!) buchen möchte, um selbst einen Blick auf dieses England werfen zu können.

Jennifer Carson: Hapenny Magick

Für den letzten Monat der English-Challenge habe ich „Hapenny Magick“ von Jennifer Carson gelesen und mich damit wunderbar unterhalten gefühlt. „Hapenny Magick“ ist ein niedliches Kinderbuch voller liebenswerter Figuren und mit Illustrationen, die ich einfach bezaubernd fand. Ich muss allerdings zugeben, dass die Zeichnungen von P. A. Lewis etwas altmodisch wirken. Für mich eine tolle Erinnerung an Geschichten, die ich als Kind gelesen habe, einer Freundin von mir haben die Zeichnungen hingegen nicht so gut gefallen.

Die Hauptfigur in „Hapenny Magick“ ist die dreizehnjährige Maewyn (Mae) Bridgepost, die seit sieben Jahren unter der zweifelhaften Obhut von Gelbane lebt. Mae ist eine kleine und zierliche Hapenny, hat lange pelzige Ohren und muss sich Tag für Tag um Gelbanes Hühner und Schweine, den Haushalt, das Frühstück und allerlei andere Dinge kümmern. Seit ihre Mutter verschwunden ist, schuftet das Mädchen rund um die Uhr und wird nur allzu oft mit Schlägen und Essensentzug belohnt. Trotzdem läuft sie nicht weg, denn sie hegt immer noch die Hoffnung, dass ihre Mutter wieder nach Hause kommt. Außerdem sollen Trolle in der Nähe unterwegs sein – und Trolle haben Hapennies zum Fressen gern.

Doch einfach ist es für Mae nicht weiterhin bei Gelbane auszuharren, denn seit einiger Zeit passieren seltsame Dinge rund ums Haus und reizen ihren Vormund (es gibt keine weibliche Variante dieses Wortes, oder?) bis zur Weißglut. Und irgendwie hat Mae das Gefühl, dass sie Schuld daran sein könnte, dass die Schweine ständig aus der Weide ausbrechen, die Hühner purpurfarbene Eier legen und bei Gelbane ab und an Hauer zu sehen sind. Als dann auch noch eines Nachts ein sprechender Rabe auftaucht und Mae zum Haus des Zauberer Callum führt, verändert sich ihr ganzes Leben.

Eins kann ich vorneweg sagen: „Hapenny Magick“ ist ein Kinderbuch und dementsprechend vorhersehbar ist auch die Handlung – vor allem da der Klappentext auch noch einen wichtigen Punkt verrät. Trotzdem hatte ich mit Mae einen wunderbaren Tag. Ich habe mit ihr gelitten, wenn Gelbane ihr eine Mahlzeit gestrichen und dafür Extraarbeiten aufgehalst hat, ich habe mich in die ordentlichen, freundlichen und fleißigen Hapennies verliebt und ich mochte Maes neue Bekanntschaften. Im Laufe der Zeit muss Mae lernen für sich einzustehen und dass sie – obwohl sie die kleinste der Hapennies ist – so einige Fähigkeiten hat, mit denen sie für die Gemeinschaft da sein kann.

Jennifer Carson hat so einige Elemente herangezogen, die altvertraut sind. Die Hapennies haben den einen oder anderen hobbitähnlichen Zug, es gibt freundliche Schweine, sprechende Raben, einen weisen Zauberer mit entzückenden Mitbewohnern, einen Riesen mit einem Dorn im Fuß und immer wieder gibt es heimelige Szenen, in denen zum Bespiel Essen eine Rolle spielt. Dabei wirkt es nicht so, als ob die Autorin einfach nur bewährte Versatzstücke zu einer netten Geschichte verquirlt hätte, sondern eher als ob man ein vertrautes und kuscheliges Umfeld betritt, in dem all die Dinge ihren Platz gefunden haben, die man mag.

Mir hat „Hapenny Magick“ so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall die Augen nach der Fortsetzung „Tangled Magick“ aufhalten werde, die auf der letzten Seite des Buches angekündigt wurde. Und dann hoffe ich, dass ich noch einmal so entspannende und heimelige Lesestunden mit Mae verbringen kann.

Maryrose Wood: Das Geheimnis von Ashton Place 1 – Aller Anfang ist wild (Hörbuch)

Ich muss zugeben, dass ich schon seit Wochen um diese Rezension herumschleiche. „Das Geheimnis von Ashton Place“ hat mich beim Anhören so gepackt, dass ich die 3 CDs fast in einem Schwung durchhören musste, weil ich wissen wollte wie die Geschichte ausgeht. Und als ich dann mit dem Hörbuch durch war, dann stand ich da und fragte mich, wie ich in Worte fassen soll, warum mich Miss Lumley und ihre Schützlinge so bezaubert haben.

Aber erst einmal zur Handlung: In den ersten Minuten begleitet man die fünfzehnjährige Miss Penelope Lumley auf dem Weg zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch als Gouvernante. Die junge Dame hat eine ausgezeichnete Erziehung am „Swanburne Institut für kluge Mädchen aus armen Verhältnissen“ erhalten und ist nun bereit in den Berufsalltag einzusteigen. Dabei bekommt man schnell mit, dass Miss Lumley nicht nur eine sehr eigene Ausbildung genießen durfte, sondern auch erstaunlich behütet aufgewachsen ist.

Zu ihrer großen Überraschung verläuft das Vorstellungsgespräch ganz anders als sie erwartet hatte und am Ende des Tages findet sie sich als Gouvernante in Ashton Place wieder. Eingestellt wurde sie von der ebenfalls noch recht jungen Lady Ashton, die sich kurze Zeit nach ihrer Hochzeit mit drei wilden Kindern konfrontiert sieht, die ihr Mann bei der Jagd im Wald gefunden hat. Anscheinend wurden die beiden Jungen und das kleine Mädchen von Wölfen großgezogen – und da Lord Ashton seine drei „Fundstücke“ nun als sein Eigentum ansieht, benötigen sie dringend gesellschaftlichen Schliff.

Druck wird dabei nicht nur durch die – sehr unterschiedlichen – Erwartungen von Lord und Lady Ashton aufgebaut, sondern auch dadurch, dass in wenigen Wochen Weihnachten ist und die drei Kinder bei der an den Feiertagen stattfindenden Abendgesellschaft präsentiert werden sollen. So muss Miss Lumley in den wenigen Wochen all ihren Einfallsreichtum aufbringen, um aus Alexander, Beowulf und Casseiopeia (wie die armen Kinder vom Lord genannt werden) kleine brave viktorianische Kinder zu machen, die in einer Veranstaltung der feinen Gesellschaft keinen Fauxpas begehen (wie zum Beispiel Eichhörnchen kläffenden den Baum hinauf zu jagen …).

Wenn ich ehrlich bin, dann passiert kaum etwas in dieser Geschichte. Man verfolgt wie Miss Lumley (die wunderbare, süße und unerschrockene Miss Lumley) all ihre Gewitztheit aufbringt, um die drei Kinder zu erziehen. Diese hingegen sind so dankbar für die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie von ihrer Gouvernante bekommen, dass sie sich die größte Mühe geben, um alle Erwartungen zu erfüllen. Dazu kommen noch Lord und Lady Ashton, die immer wieder (unbewusst) die Erfolge von Miss Lumley sabotieren, und ein rätselhafter Angestellter, der auch nicht gerade zugunsten der Kinder aktiv zu werden scheint.

Maryrose Wood hat hier eine so unheimlich charmante und im besten Sinne altmodische Geschichte geschaffen, dass es gar keine großen Handlungshöhe oder -tiefpunkte benötigt, um gut unterhalten zu werden. Obwohl ein Hauch von Grusel in der Luft liegt (man malt sich zum Beispiel immer die schlimmste Alternative aus) passiert nichts, was nicht auch von einem extrem ängstlichen Kind gehört werden könnte. Trotzdem erinnert die Atmosphäre an eine Mischung aus Gruselgeschichte und klassischer britischer Erzählung für Kinder. Gespickt ist das Ganze dann noch mit einem wunderbaren Humor und so habe ich ständig vor mich hingekichert, während das Hörbuch lief.

Während ich es normalerweise immer ganz besonders schrecklich finde, wenn Kinder in Büchern/Hörbüchern besonders „niedlich“ sprechen, so habe ich es hier – auch dank der tollen Leistung von Katja Danowski – einfach nur niedlich gefunden, wenn die drei Kinder mal wieder wufften und wuhten und kläfften. Überhaupt hat die Sprecherin – soweit ich das beurteilen kann, ohne die Buchvorlage zu kennen – das Beste aus dem Text herausgeholt und so einiges zum Charme der Geschichte beigetragen. Ich gehe bei einer „Autorisierten Audiofassung“ davon aus, dass Kürzungen oder Veränderungen vorgenommen wurden, aber ohne den direkten Vergleich merkt man davon nichts.

Ich bin ganz verliebt in Miss Lumley und ihre Schützlinge, ich bin schrecklich neugierig auf die weiteren Teile der Geschichte, bange, dass Lord Ashton und seine Leidenschaft für die Jagd noch zu einer Katastrophe führen und bin überhaupt überzeugt davon, dass jeder mit einer Schwäche für niedliche und „britische“ Geschichten mal in „Das Geheimnis von Ashton Place“ reinhören sollten! 😉

Tamora Pierce und Josepha Sherman: Young Warriors – Stories of Strength

In diesem Monat habe ich für die English-Challenge „Young Warriors – Stories of Strength“ gelesen. Diese Anthologie wurde von Tamora Pierce und Josepha Sherman herausgegeben und beinhaltet fünfzehn sehr unterschiedliche Kurzgeschichten, in denen „junge Krieger“ eine Rolle spielen. Ich muss zugeben, dass das Buch schon ziemlich lange auf meinem SuB sitzt, da ich nie so recht Lust hatte, mich auf die Geschichten einzulassen.

Dabei gehören zu den beitragenden Autoren so einige, die ich wirklich gerne lese und die mich zum Teil schon seit meiner Teenagerzeit begleiten. Besonders Tamora Pierce und Margaret Mahy mag ich sehr, aber auch Esther Friesner und Mike Resnick – deren Humor mich immer wieder erfreut – gehören zu diesen Autoren. Ein wenig überrascht war ich von der Vielfalt der Themen, weil ich ehrlich gesagt in erster Linie Fantasy-Geschichten erwartet hatte. Stattdessen habe ich Abenteuer im Amazonasgebiet erlebt, bin über eine Art afrikanische Steppe gelaufen und habe mich gemeinsam mit einem Maori gegen ein sagenhaftes Ungeheuer gestellt.

Hier und da habe ich auch „klassische“ Fantasy-Abenteuer erlebt, aber vor allem hielt diese Anthologie die verschiedensten Formen von „Warriors“ für mich bereit: klassische Krieger, die sich im Krieg gegen ein römisches Heer behaupten müssen ebenso wie junge Stammesangehörige, die jahrelang trainieren, um ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen und sich im Kampf bewähren zu können. Aber es gab auch die unauffälligen Krieger, bei denen sich das „Erwachsenwerden“ nicht durch ihre Waffenfähigkeiten, sondern durch die Entscheidungen, die sie (oft unbemerkt von der Gemeinschaft) fällen, bemerkbar macht.

Ich finde es schon sehr reizvoll, wie vielfältig die Auswahl an Kurzgeschichten in dieser Anthologie ist und wie unterschiedlich die verschiedenen Autoren das Thema angegangen sind. Auf der anderen Seite hat es mir diese Vielfalt oft schwer gemacht, weiterzulesen. „Young Warriors“ war für mich kein Buch, dass ich in einem Zug durchlesen konnte – wie ich es auch schon mal bei Kurzgeschichtensammlungen mache, bei denen    sich die einzelnen Geschichten deutlich ähnlicher sind. Jede Geschichte erforderte, dass ich mich auf einen vollkommen anderen Erzählstil, eine andere Zeit, einen anderen Hintergrund einlassen musste, und das fiel mir nicht immer leicht.

Auch die schwankende Qualität der Geschichten hat mich nicht so begeistert. Die einzelnen Handlungen waren zwar in der Regel in sich stimmig, aber manche Schreibstile liegen mir eben doch mehr als andere. Dabei kann ich gar nicht sagen, dass bestimmte Geschichten schlecht waren, sie haben nur häufig meinen momentanen Geschmack nicht getroffen. Auf der anderen Seite war es in den letzten Wochen auch fast unmöglich für mich, ein Buch zu finden, das ich einfach genießen konnte …

Von der Sprache her fand ich die Geschichten gut verständlich, nur hier und da gab es (gerade bei den eher historischen Geschichten) Ausdrücke oder Formulierungen, die ich zwar vom Inhalt, aber nicht vom genauen Wortlaut erfassen konnte. Ansonsten macht es sich – meinem Gefühl nach – bemerkbar, dass sich die Anthologie vor allem an Teenager richtet, was der Verständlichkeit ja in der Regel zuträglich ist.