Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Julie Campbell: Trixie Belden – The Secret of the Mansion

Neyasha ist Schuld daran, dass ich mir vor ein paar Tagen spontan den ersten Trixie-Belden-Band, „The Secret of the Mansion“, in der Originalausgabe bestellt und gleich gelesen habe. Die Serie gehört zu den ersten Reihen, die ich als Kind gelesen habe, auch wenn ich damals selbst keinen der Romane besaß. Dafür hatte aber meine beste Freundin fast alle Bücher (ebenso wie die Internatsgeschichten rund um die Jungs von der Burg Schreckenstein), und so konnte ich die Geschichten immer wieder lesen. Und auch wenn mir hier und da Ungereimtheiten aufgefallen sind, so war mir als Kind nicht bewusst, dass die Serie für die deutsche Veröffentlichung extrem gekürzt und bearbeitet wurde.

In „The Secret of the Mansion“ lernt man Trixie Belden und ihr Umfeld erst einmal langsam kennen. Die Dreizehnjährige lebt außerhalb des kleinen Ortes Sleepyside (auf Deutsch Lindenberg), und in der Nähe gibt es keine Kinder in ihrem Alter. So liegen sehr lange Sommerferien vor ihr, vor allem, da ihre beiden älteren Brüder Brian und Mart (für mich erst einmal weiterhin Klaus und Martin) in ein Sommercamp gereist sind und Trixie nur der vierjährige Bobby zur Gesellschaft bleibt. Doch so langweilig wie befürchtet werden die Ferien dann doch nicht. Erst macht Trixie die Bekanntschaft von Honey Wheeler (Brigitte Willer), die gerade erst mit ihren Eltern (sowie Gouvernante, Dienstmädchen und Pferdepfleger) in das benachbarte Anwesen gezogen ist, dann entdecken die beiden Mädchen auch noch einen Ausreißer in der Nachbarschaft.

Jim Frayne (der Held meiner Kindheit hieß allerdings Uli Frank) war aus der Obhut seines geldgierigen Stiefvaters ausgerissen und hatte im Haus seines Großonkels Unterschlupf gesucht. Blöderweise war der Großonkel allerdings kurz vor Jims Eintreffen ernsthaft erkrankt und ins Krankenhaus gebracht worden. Da zu befürchten ist, dass der Großonkel verstirbt, bevor er erfährt, dass Jim überhaupt in der Nähe ist (und der Großonkel dem Jungen sagen kann, wo er sein Testament und das – gerüchteweise vorhandene – Vermögen versteckt hat), durchwühlen die drei Kinder in den folgenden Tagen das Haus. Nebenbei gibt es noch viele andere Abenteuer für die beiden Mädchen zu erleben wie zum Beispiel das Reitenlernen für Trixie, einen Vorfall mit einer giftigen Schlange, aufregende Picknicks, Badeunfälle und Honeys erste Fahrradtour.

Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen des Buchs die ganze Zeit erstaunt war, weil ich im Hinterkopf hatte, dass die Geschichte 1948 geschrieben wurde, sie sich aber deutlich moderner anfühlte. Trixie und Honey sind zwar meinem Empfinden nach „unschuldiger“, als es Mädchen heute wären, während Trixie auf der anderen Seite ganz selbstverständlich Aufgaben übernimmt, die eine Dreizehnjährige heute nicht in jeder Familie übertragen bekäme, aber insgesamt fühlte es sich nicht so altmodisch an wie viele andere Serien, die ich kenne und die zur selben Zeit veröffentlicht wurden.

Mir hat „The Secret of the Mansion“ auf jeden Fall viel Spaß gemacht, obwohl ich von all den Namensänderungen etwas verwirrt war, und das Englisch war gut zu verstehen. Es war schön, zu verfolgen, wie Trixie und Honey sich anfreunden, obwohl die beiden Mädchen so unterschiedlich sind, und wie sie gemeinsam versuchen, Uli Jim zu helfen. Auch wenn viele Szenen relativ alltäglich wirken, gibt es doch einige kleine und große Momente, in denen die Mädchen Schwierigkeiten bewältigen müssen oder durch Trixies Impulsivität in die Klemme geraten, so dass es nie langweilig wird. Und am Ende gibt es eine Wendung, die dafür sorgt, dass ich mir am liebsten jetzt sofort den zweiten Band besorgen würde, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wie es weitergeht …

Zuletzt noch eine kuriose Sache: Irgendwie war ich mir als Kind nie sicher, ob die Serie in Deutschland spielt oder in Holland. Ich war mir bis vor kurzem sicher, dass gelegentlich Den Haag als ein Ort, den die Jugendlichen als bei Tagesausflügen mit dem Auto angesteuert haben, in der Serie erwähnt wurde. Nun frage ich mich, ob mir meine Erinnerung da einen Streich spielt oder ob in den alten deutschen Ausgaben wirklich so etwas vorkam. Schließlich gab es bei der Eindeutschung der Reihe die eine oder andere Unachtsamkeit, da wäre das gar nicht so unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite kann man in dem Wikipedia-Artikel lesen, dass die Reihe im Deutschen vermutlich in der Nähe der Lüneburger Heide spielen sollte … Vielleicht gibt es unter euch ja Leute, die die alten deutschen Ausgaben bei der Hand haben oder sich noch gut an die Trixie-Belden-Reihe erinnern und meiner Erinnerung auf die Sprünge helfen können.

K. L. Going: Evies Garten

Es fällt mir sehr schwer, über „Evies Garten“ zu schreiben. Ich könnte es mir einfach machen und nur sagen, dass diese kleine, feine Buch eine wirklich berührende, märchenhafte und bezaubernde Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ist. Aber das würde euch kein Bild von der Handlung vermitteln … Schon im Prolog wird deutlich, dass es für die siebenjährige Evie und ihre Mutter selbstverständlich ist, ihre Welt mit einem ganz besonderen Zauber zu versehen. Gemeinsam träumen die beiden in diesem Prolog von ihrem ganz eigenen Paradies, einem Garten voller Obstbäume und Fabelwesen, in dem sie als Familie einfach glücklich sein können.

Drei Jahre später ist das Leben für Evie alles andere als glücklich. Ihre Mutter ist in der Zwischenzeit an Krebs gestorben und ihr Vater hat es sich in den Kopf gesetzt, in Beaumont (New York) einen unfruchtbaren Apfelgarten zu bewirtschaften. Für Evie ist dieser Umzug unerträglich: Ihre Großeltern bleiben ebenso in Michigan zurück wie das Grab ihrer Mutter. Außerdem weiß das Mädchen nicht, wie es mit seiner Trauer umgehen soll, während der Vater sich in die Arbeit stürzt und kaum einen Moment Zeit für sie hat.

Auch der Ort Beaumont und ihr neues Zuhause sind nicht gerade dazu geeignet, Evie aufzumuntern. Die Stadt liegt ebenso im Sterben wie die – laut den Einheimischen verfluchte – Apfelplantage. Und mit dem Wohlstand durch den Obstanbau verschwand auch ein Großteil der Einwohner. Da scheint es nur das letzte Tüpfelchen auf dem I zu sein, dass das zur Plantage gehörende Haus neben dem Friedhof von Beaumont liegt – auf dem am Ankunftstag von Evie und ihrem Vater prompt eine Beerdigung stattfindet.

Es scheint nur zwei Menschen zu geben, die sich für Evies Wohlergehen interessieren, nämlich zum einen Ladenbesitzerin Maggie, die in dem Haus neben dem Friedhof aufgewachsen ist und deren Bruder die Obstplantage an Evies Vater verkauft hat. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Junge Alex, der Tag für Tag auf dem Friedhof rumgeistert und dessen Gesicht Evie von einen Totenkärtchen kennt, welches anlässlich der letzten Beerdigung verteilt wurde. Nachdem Maggie Evie von den drei magischen Saatkörnern erzählt hat, die vom Apfelbaum des Paradies stammen sollen, beschließen Evie und Alex, sich auf die Suche nach ihrem Paradies zu machen.

Dabei will ich betonen, dass K. L. Going in „Evies Garten“ zwar die biblische Idee vom Apfelbaum aus dem Paradies aufgreift, sich aber sonst nicht an die christlichen Mythologie hält und stattdessen etwas ganz Eigenes aus dieser Grundidee schafft. Aber es ist weniger ihre Variante des Paradieses, die mich gefangen hat, als die vielen atmosphärischen Momente in der Geschichte. Evies Erinnerungen an ihre Mutter sind voller Wärme, Sonnenschein und Magie, und immer wieder wird deutlich, was für eine lebensbejahende, fröhliche und fantastiebegabte Frau sie gewesen sein muss.

Und nach ihrem Tod – aber besonders nach dem Umzug nach Beaumont – ist Evies Leben voller Kälte, Wind, Einsamkeit und Trauer. Sie sehnt sich nach ihrer Mutter, aber auch danach, dass ihr Vater sie mal tröstet, sie in den Arm nimmt und ihr zeigt, dass sie ihm wichtig ist. Ihm aber fällt es schwer, Gefühle zu zeigen und auf seine Tochter zuzugehen. Stattdessen versucht er, seine Trauer in den Griff zu bekommen, indem er hart arbeitet. Er setzt all sein Können als Gärtner ein, um die unfruchtbare Apfelbaumplantage wieder zum Blühen zu bringen, und immer wieder schimmert dabei durch, dass er auf die heilenden Kräfte der Natur und den Frühling hofft.

Evies Freund Alex hingegen geistert Tag für Tag auf dem Friedhof umher. Er kann Evies Trauer um ihre Mutter nachvollziehen und erzählt ihr im Gegenzug, dass er seit der Beerdigung schrecklich einsam ist und dass seine Eltern ihn nicht mehr wahrnehmen, obwohl er sich so viel Mühe gibt. Alex hilft Evie auf der Suche nach dem Paradies – wo sie natürlich ihre Mutter wiederzufinden hofft – und hat doch seine ganz eigenen Motive. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass am Ende alles gut ausgeht (schließlich ist „Evies Garten“ immer noch ein Kinderbuch). Aber bis zum Ende hat der Leser so einige emotionale Momente, überraschende Wendungen, philosphische Gedanken und anrührende Szenen durchzustehen.

Und trotz des schwerwiegenden und traurigen Themas gelingt es der Autorin, die Geschichte so fein und leicht zu erzählen, dass einen Evies Schicksal zwar berührt, man aber die ganzen amüsanten, märchenhaften und niedlichen Momente trotzdem würdigen kann. Auch sind mir die verschiedenen Charaktere – selbst die anfangs so spröde wirkenden Figuren – wirklich ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen gebangt und gehofft und hier und da sogar eine Träne um sie vergossen.

Dermot Bolger: Wo die verlorenen Seelen wohnen

Ich habe anlässlich der Themen-Challengen immer wieder über den Punkt „Das Böse oder Pakt mit dem Bösen/Teufel“ nachgedacht – vor allem, weil ich keinen zu diesem Thema auf der Hand liegenden klassischen Roman lesen wollte. Und dann habe ich mir heute endlich „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ für den Blog vorgenommen und hätte beim Schreiben über den Roman am Liebsten mit dem Kopf auf die Tischplatte gehauen, weil ich in den letzten Wochen nicht bemerkt habe, dass dieses Buch perfekt für die Challenge passt.

Mit „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ hat Dermot Bolger einen gruseligen und wirklich spannenden Jugendroman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, unter anderem von Thomas, der 1932 als Junge Angst davor hat, dass die Jazz-Musik ihn in die Hölle bringen könnte, von Joey, der 2009 die Schule wechselt, weil er in seiner alten Klasse gemobbt wurde, und von Shane, der 2007 seine Seele für ein anderes Leben geben würde.

Die drei Jungen verbindet, dass sie alle drei nicht glücklich in ihrem Leben sind. Und während Thomas‘ Part die Vorgeschichte zu den Ereignissen im Jahr 2009 bildet, dreht sich die Hauptgeschichte doch vor allem um Shane und Joey. Als Joey die Schule wechselt, ist er scheußlich nervös und hat Angst, dass es in der neuen Klasse genauso schieflaufen wird wie mit seinen früheren Mitschülern. Doch stattdessen findet der schüchterne Junge in dem selbstbewussten und coolen Shane schnell einen Freund.

Einzig seine Mitschülerin Geraldine, die vor zwei Jahren mit Shane gut befreundet war, warnt Joey, dass der Junge nicht normal sei und dass er ihm nicht zu sehr vertrauen solle. Doch so sehr Joey Geraldine mag und davon träumt, dass sie sich mal mit ihm verabreden würde, so wenig kann er ihr glauben, dass Shane einen bösen Kern haben soll. Erst im Laufe der Zeit fallen Joey immer mal wieder kleine Ungereimtheiten in Shanes Geschichte auf. und auch sein Umgang mit einer Gruppe von „verlorenen“ Jungen verwundert ihn. Von Shane lässt er sich immer wieder zu Dingen aufstacheln, die er sonst niemals tun würde und die im Nachhinein ein ungutes Gefühl bei Joey hinterlassen.

Dem Leser wird einige Zeit vor Joey klar, welche Hintergründe hinter Shanes Verhalten stecken, obwohl erst einmal offen bleibt, ob Shanes Persönlichkeitsveränderung darauf zurückzuführen sind, dass der Junge auf die schiefe Bahn geraten ist, oder ob wirklich etwas Altes und Böses dahintersteckt. Und trotz der verschiedenen Verbrechen und Unglücke gelingt es Dermot Bolger, dem Leser immer wieder bewusst zu machen, dass keine der handelnden Personen abgrundtief schlecht ist, selbst wenn sie anscheinend einen Pakt mit dem Bösen eingegangen ist.

Dieses Spiel mit den Perspektiven und die damit verbundenen Zeitsprünge lassen die Geschichte zu einem spannenden Puzzle werden, bei dem die einen Personen sicher sind, dass all die Vorkommnisse nur fantastische Ausgeburten eines psychisch Kranken sind, während die anderen von der Existenz des Bösen überzeugt sind. Unabhängig davon, was genau die Ursache für die Ereignisse ist (es ist ganz schön schwierig, diese Rezension zu schreiben, ohne zu spoilern), fand ich die Geschichte wirklich mitreißend.

Die ganz Zeit über hatte ich eine deutliche Ahnung, worauf es am Ende hinauslaufen würde, und jedes Mal, wenn sich meine Befürchtungen bewahrheitet hatten, bangte ich mehr um Joey und die anderen. Dabei liegt die Stärke von Dermot Bolger vor allem in der Aufrechterhaltung eines leisen Gruselgefühls, was deutlich atmosphärischer ist, als wenn er radikale Actionszenen verwendet hätte. Auf jeden Fall werde ich die Augen nach weiteren Büchern des Autors aufhalten, weil mir diese Geschichte nicht nur gut gefallen hat, sondern sie auch nach dem Lesen noch eine Weile in mir nachgeklungen hat.

[Kurz und knapp] Jason Lethcoe: Der mysteriöse Mr. Spines – Wings

„Wings“ ist der erste Band der dreiteilligen Reihe um „Den mysteriösen Mr. Spines“ und da ich die „Benjamin Piff“-Bücher von Jason Lethcoe so gern mochte, habe ich mir das Buch zum Antesten aus der Bibliothek mitgenommen. Nun bin ich aber nicht sicher, ob ich weiterlesen soll, denn so ganz konnte mich die Geschichte nicht befriedigen. Für die Inhaltsangabe bemühe ich dieses Mal die Verlagsseite:

Es gibt Welten, von denen wir nicht die geringste Ahnung haben.Welten,
die uns nicht einmal in unseren kühnsten Träumen einfallen würden. Und
die doch mit unglaublichen Kräften unser Leben beherrschen – und
unseren Tod!

Edward, gerade mal 14 Jahre alt, gilt als
Sonderling: Er stottert, ist eine fast 2 m lange „Bohnenstange“, baut am
liebsten Kartenhäuser – und dann ist da diese merkwürdige Stelle auf
seinem Rücken, die juckt und juckt … bis ihm eines Tages schwarze Flügel
wachsen! Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es einmal war.

Auf
der Flucht vor Whiplash Scruggs, der es auf seine Flügel abgesehen hat,
bekommt Edward unerwartet Unterstützung von dem mysteriösen Mr. Spines.
Mit ihm taucht er ein in eine unbekannte Welt: die Welt nach dem Tod,
die von einem abgrundtief bösen Geschöpf beherrscht wird –. dem Schakal!
Ob Edward tatsächlich der Sohn eines gefallenen Engels und damit der
prophezeite Erlöser ist? Er selbst hat vorerst nur ein Ziel: seine
Mutter aus den Klauen des Schakals zu befreien …

Edward finde ich nicht unsympathisch, aber so richtig ans Herz gewachsen ist er mir noch nicht. Außerdem hat mich der Anfang der Geschichte zu sehr an die „Benjamin Piff“-Bücher erinnert, denn auch Edward ist ein Waisenkind und lebt in einer Einrichtung, die alles andere als kinderfreundlich ist. Dafür sagen mir Jason Lethcoes Ideen rund um die (gefallenen) Engel sehr zu! Er bemüht sich, die verschiedenen Figuren nicht zu direkt beim Namen zu nennen, aber trotzdem liegt schnell auf der Hand, wer sich hinter dem „Schakal“ und anderen gefallenen Wesen verbirgt.

Und während der Schakal und seine Getreuen absolut böse und sadistisch sind, gibt es auch einige wenige „Gefallene“, die sich noch einen guten Kern bewahrt haben. Ihnen ist es noch möglich, Wärme, Zuneigung, Liebe und Mitleid zu spüren, und sie kämpfen mit allen Mitteln gegen die Veränderung, die die Verbannung aus ihrer Welt – „Woodbine“ genannt – mit sich bringen. Und auch „Woodbine“ wird von Jason Lethcoe sehr liebevoll beschrieben – zumindest in den wenigen Passagen, in denen dieser Ort bislang vorgekommen ist.

Alles in allem würde ich der Reihe aufgrund der fantastischen Ideen des Autors eine weiter Chance geben, wenn mich nicht gerade das Ende so enttäuscht hätte. Für mich fühlt es sich an, als ob ich bislang nur einen ausschweifenden Prolog gelesen hätte, der am Ende ausläuft, bevor irgendetwas Relevantes passieren kann. Und ich kann nicht mal der Veröffentlichungspolitik des deutschen Verlags die Schuld geben, weil das auch im Original eine dreiteilige Reihe ist. So kommt es mir vor, als ob mich Jason Lethcoe als Leser in Stich gelassen hätte. Als es endlich richtig interessant wird, bricht die Geschichte ab und lässt mich dumm dastehen – und auch wenn das keine besonders erwachsene Reaktion ist, so habe ich jetzt das Bedürfnis, zu schmollen.

Mal gucken, ob sich das in den nächsten Wochen noch ändert und ich doch noch einen Versuch mit den folgenden zwei Bänden starte. 😉

Jennifer E. Smith: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Hörbuch)

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen die verschiedenen Rezensionen zu dieser Geschichte mit einem Schmunzeln überflogen habe. Es kommt mir so vor, als ob es nur zwei Standpunkte dazu gäbe. Die einen sind enttäuscht, weil es keine reine Liebesgeschichte ist, und die anderen sind absolut hingerissen von der Handlung. Für mich war „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ einfach ein schönes Hörerlebnis, ein Wohlfühl(hör)buch ohne große Höhen und Tiefen, das ich bestimmt noch einmal hören werde.

Und um es mir einfach zu machen, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

Hadley könnte sich wirklich Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Aber dass sie ihr Flugzeug verpasst und auf dem New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier untersterblich zu verlieben: In den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um Olivers Herz zu gewinnen …

Zu allererste für diejenigen, die noch nicht so viel über die Geschichte gehört haben und nur den Klappentext kennen: Es ist keine reine Liebesgeschichte und Hadley verliebt sich nicht unsterblich. Sie fühlt sich wohl in Olivers Gesellschaft, hat ein Kribbeln im Bauch und das Gefühl, dass aus dieser Zufallsbegegnung mehr werden könnte. Ansonsten dreht sich die Geschichte zum Großteil darum, dass Hadley – auch dank Olivers Sicht der Dinge – über die Trennung ihrer Eltern hinwegkommen muss. Sie muss ihrem Vater verzeihen, dass er sie und ihre Mutter verlassen hat, um in England ein neues Leben mit einer neuen Frau aufzubauen. Und sie muss lernen, dass es auch an ihr liegt, wenn sie weiterhin eine Rolle im Leben ihres Vaters spielen will.

Mir haben die unterschiedlichen Charaktere gefallen, auch wenn Oliver, den man nur aus Hadleys Perspektive kennenlernt, etwas blass bleibt. Aber das liegt wohl daran, dass das Mädchen den Großteil der Handlung eben nicht offen genug ist, um sich Gedanken um eine andere Person zu machen, und stattdessen mit Panikattacken, Erinnerungen und ihrer Angst vor der bevorstehenden Hochzeit ihres Vaters mit einer ihr wildfremden Frau beschäftigt ist. Dafür gibt es lustige kleine Begebenheiten auf der Reise, eine Schar Brautjungfern, die Hadley am Ende unter ihre Fittiche nehmen, und viele Momente, die mir gefallen habe, mich aber auch an diverse (amerikanische) Filme erinnerten.

Für mich ist „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ ein nettes, leichtes, unterhaltsames Hörbuch gewesen, welches durch Anna Carlssons tolle Interpretation angenehm zu hören war. Die Sprecherin sorgt dafür, dass Hadley spröde und verletzlich wirkt, aber auch sympathisch-sarkastisch, zärtlich und hoffnungsvoll – ja nachdem, was die Situation gerade verlang. Auch passt ihre Stimme von Klang her sehr gut zu der Rolle, denn sie klingt jung genug für einen Teenager, ohne dass man ihr die Passagen, in denen andere Figuren zur Wort kommen, nicht abnehmen würden.

Und da ich bei ein paar Rezensionen gelesen hatte, dass einige Leser nicht mit den Zeitsprüngen zurechtkamen: Bei dem Hörbuch haben die mich überhaupt nicht gestört. Durch die Angabe der aktuellen Uhrzeit innerhalb der Geschichte oder kleine einleitende Sätze, die deutlich machten, dass diese Passage sich in Hadleys Kindheit oder auf dem Flug ereignet hatte, konnte ich die jeweiligen Szenen jederzeit einordnen und fand es sehr nett, dass die Geschichte stückchenweise erzählt wurde und man so ebenso neugierig auf vergangene Ereignisse wie auf den weiteren Verlauf der Handlung bliebt.

Simmone Howell: Kunst, Baby!

„Kunst, Baby!“ von Simmone Howell gehört zu den Büchern, die mich sehr zwiespältig zurücklassen. Auf der einen Seite hat mich die Geschichte gefesselt und ich habe den Roman mit einem guten Gefühl aus der Hand gelegt, aber auf der anderen Seite hatte ich die erste Hälfte über den Eindruck, ich würde in Zeitlupe einen Autounfall beobachten. Da war so ein Unbehagen beim Lesen und die Gewissheit, dass es noch deutlich unangenehmer wird, bevor es überhaupt besser werden kann …

Gem (Germaine), Lo und Mira sind beste Freundinnen. Die drei Mädchen sind anders als die anderen in ihrer Klasse, keine „Strichcode“-Schülerinnen, sondern etwas ganz Besonderes – und gemeinsam fühlen sie sich stark, obwohl jede von ihnen auch ihre Schwachstellen hat. Für Gem ist die Freunschaft mit Lo und Mira sehr wichtig. Ihr Leben lang war Gem eine Außenseiterin, was nicht nur daran lag, dass ihre (alleinerziehende) Mutter Bev eine Künstlerin und Feministin mit Alt-Hippie-Angewohnheiten ist, die einen unübersehbaren Einfluss auf ihre Tochter hat. In dem kleinen Vorort, in dem die Mädchen wohnen, fällt jemand wie Bev natürlich besonders aus dem Rahmen, und so passte auch Gem nie so recht zu den anderen. Erst nachdem Lo (zu Beginn der zehnten Klasse) neu in die Schule kam und die Freundschaft der beiden Außenseiterinnen Mira und Gem suchte, gehörte Gem auch endlich einmal zu einer Gruppe dazu.

Während Gem – aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird – Mira und Lo einfach nur cool  findet (und sich selbst daneben so schrecklich unbeholfen und schüchtern), konnte ich ihre beiden Freundinnen von Anfang an nicht so recht leiden. Mira ist vor allem hinter den Jungs her und lässt sich durchgehend von Lo manipulieren, obwohl Lo – meinem Gefühl nach – die beiden anderen Mädchen nur ausnutzt, um selbst cooler zu wirken. Auch Gem sieht nicht, dass ihre beiden Freundinnen nicht gerade freunschaftlich handeln. Sie fühlt sich in der Nähe von Lo und Mira stärker und mutiger und sie liebt es, dass Lo immer so unglaubliche Ideen hat. So war auch das Sommerprojekt Los Idee, bei dem sich die drei Mädchen auf ein Thema konzentrieren, das ihre Außenseiterrolle festigen soll. Im vergangenen Jahr haben sich die drei deshalb mit Okkultismus beschäftigt, und für diesen Sommer wirft Gem das Thema „Underground“ ins Gespräch.

Gem will sich dabei ernsthaft mit dem Thema Kunst und Kunstaktivismus auseinandersetzen, aber Lo fühlt sich eher von dem Bereich Kunst-Terrorismus angezogen – und natürlich zieht Mira bei Los Vorschlägen mit. So werden im Laufe der letzten Schulwochen vor den Ferien die Unterschiede zwischen den Mädchen immer deutlicher. Gem recherchiert intensiv zum Thema Andy Warhol und will einen Film drehen – was auch eine gute Vorbereitung für die Bewerbung an der Filmhochschule wäre -, während Lo und Mira sogenannte „Happenings“ veranstalten, bei denen weniger ein künstlerischer als ein zerstörerischer Aspekt im Mittelpunkt steht. Je weniger Gem bereit ist mitzumachen, desto mehr wird sie von ihren Freundinnen ausgegrenzt …

Ich muss gestehen, dass die Geschichte für mich erst dann erträglich wurde, als Gem erste Anstalten machte, sich aus dem Einfluss von Lo zu lösen – was nicht gerade dadurch erleichtert wurde, dass Gems Mutter selbst von Lo total hingerissen war und in ihr im Prinzip eine Seelenverwandte gefunden zu haben glaubte. Sehr passend fand ich eine Bemerkungung ganz zu Anfang des Romans, als Gem von Lo und Mira aufgezogen wird, die im Prinzip aussagt, dass gute Freunde zwar die Schwachstellen des anderen kennen, aber dieses Wissen nicht ausnutzen. Um so ärgerlicher war es für mich, dass Gem lange Zeit verzeihen konnte, dass ihre besten Freundinnen kurz darauf genau dieses Wissen so sehr missbrauchen.

Erst als Gem bewusst wird, dass Lo und Mira sich schon lange nicht mehr wie Freundinnen benehmen, sie nur noch ausnutzen und sich selbst die Zukunft mit ihren Aktionen auf unsagbar dumme Weise verbauen, sieht sie ein, dass es besser ist, keine Freunde zu haben, als sich weiter von falschen Freunden beeinflussen zu lassen. Ab diesem Punkt hat mich das Buch deutlich besser unterhalten, denn es war wirklich schön zu verfolgen, wie Gem immer erwachsener mit diesem Thema umging und wie sie Entscheidungen traf, die nicht von ihren Freundinnen beeinflusst wurden. Parallel zu Gems Geschichte entwickelt sich auch der Film, den sie am Ende zu ihrem ganz privates Sommerprojekt macht, wobei ich in diesen Passagen eine Menge Neues über Kunst und Film gelernt habe. Stellenweise gab es mir aber auch schon fast zu viele Informationen über Andy Warhol und sein Umfeld, und bevor ich mich das nächste Mal mit dem Thema beschäftige, benötige ich erst einmal wieder eine Auszeit.

Insgesamt hat Simmone Howell mit „Kunst, Baby!“ ein ungewöhnliches und wirklich interessantes Jugendbuch über Freunschaft und Erwachsenwerden geschrieben. Trotzdem war die erste Hälfte für mich regelrecht unangenehm zu lesen und ich musste erstaunlich viele Pausen machen, weil ich mich so über Gem, Mira und Lo aufgeregt habe. Andererseits konnte ich die Finger auch nicht von dem Roman lassen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht und was aus Gem wird, wenn sie endlich merkt, dass ihre Freundinnen schon lange keine mehr sind. Wer sich mit anfangs etwas sperrigen Figuren abfinden kann, sollte ruhig mal einen Blick in „Kunst, Baby!“ werfen.

Da das Thema „Freundschaft“ bei diesem Roman so unübersehbar im Vordergrund steht, zähle ich ihn als meine zweite Station für die „Themen-Challenge“ von Neyasha.

Rick Riordan: Die Katakomben von Paris

Mit „Die Katakomben von Paris“ habe ich nun endlich mein erstes Buch für die Themen-Challenge gelesen. Eigentlich war ich nur neugierig auf eine Geschichte von Rick Riordan, die nichts mit Percy Jackson zu tun hat, als ich den Roman in der Bibliothek fand. Aber da das Thema „Rätsel“ in diesem Kinderbuch so präsent ist, muss ich es einfach für die Challenge besprechen. Eine Information noch vorneweg: „Die Katakomben von Paris“ ist der erste Band der Serie „Die 39 Zeichen“ und der einzige Teil, der von diesem Autor geschrieben wurde. Konzept dieser Reihe scheint es zu sein, dass jeder Band von einem anderen Schriftsteller verfasst wird, auch wenn ich keine Erklärung gefunden habe, warum man das so gemacht hat.

Hauptfiguren in „Die Katakomben von Paris“ sind die vierzehnjährige Amy und ihr elfjähriger Bruder Dan. Die beiden Cahill-Kinder sind Waisen und leben gemeinsam mit wechselnden Au-pair-Mädchen in einer kleinen Wohnung in Boston. Eigentlich stehen sie unter der Vormundschaft ihrer Großtante Beatrice, doch die hat kein Interesse an den beiden. Einziger Lichtblick für die Kinder waren bislang die Wochenenden, die sie bei ihrer Großmutter Grace verbringen durften, doch die alte Dame verstirbt zu Beginn der Geschichte. Und mit der Beerdigung von Grace und dem Verlesen ihres Testaments beginnt für Amy und Dan eine aufregende und sehr gefährliche Zeit.

In ihrem Testament hat Grace verfügt, dass ein Teil ihrer Verwandtschaft die Chance auf das große Erbe der Cahills haben soll. Und so bekommen diejenigen, die zur Testamentsverlesung eingeladen sind, die Wahl zwischen einer Millionen Dollar oder einem Hinweis, der letztendlich zu einem kostbaren Familiengeheimnis führen kann, welches dem, der alle Spuren richtig enträtselt, unfassbar große Macht verleihen wird. Natürlich entscheiden sich so einige Familienmitglieder für das Geld, aber Amy und Dan ist es wichtiger die Erwartungen ihrer Großmutter zu erfüllen (und sich nicht den Drohungen und Einschüchterungsversuchen der anderen zu ergeben). Doch während die sechs gegnerischen Teams über Geld, Einfluss und andere hilfreiche Dinge verfügen, müssen Amy und Dan mühsam das Geld für die notwendigen Reisen zusammenkratzen und ihr Au-pair-Mädchen Nellie dazu überreden, dass sie als „Aufsichtsperson“ begleitet.

Rick Riordan verwurstet in „Die Katakomben von Paris“ nicht nur so einige altbekannte Klischees (tapfere Waisenkinder, die von ihrer unsympathischen und skrupellosen Familie misshandelt werden; die Kinder haben besondere Interessensgebiete und Fähigkeiten, die ihnen das Lösen ihrer Aufgaben überhaupt ermöglicht), er verwendet auch einige nicht ganz so logische Wendungen und unglaubwürdige Zufälle in der Handlung. Außerdem recherchieren Amy und Dan zwar sehr viel, aber ihre Schlüsse ziehen die Kinder trotzdem eher intuitiv, so dass der Leser zwar einige interessante und wissenswerte Fakten aus diesem Roman lernen kann, diese Informationen aber leider nicht so viel mit der Lösung der verschiedenen Rätsel zu tun haben.

Trotz all dieser Kritikpunkte habe ich wirklich viel Spaß beim Lesen gehabt. Mir sind die beiden Kinder ans Herz gewachsen und selbst die anfangs so gleichgültig wirkende Nellie entpuppt sich im Laufe der Zeit als sympathisches Wesen. Doch vor allem haben mich die verschiedenen Rätsel und Hinweise unterhalten, ich habe mich gemeinsam mit Amy gefragt, wer sich hinter dem Pseudonym Richard S. verbirgt, habe über einem Zahlenrätsel geknobelt, mich nebenbei online über Benjamin Franklin informiert und vor allem bin ich  nach Beenden dieses Bandes wirklich neugierig darauf, was sich hinter dem großen Rätsel um die Cahill-Familie verbirgt. Auch wenn Rick Riordan mit „Die Katakomben von Paris“ keine Geschichte geschaffen hat, die man unbedingt gelesen haben muss, werde ich mir die folgenden Teile der Serie auch noch in der Bibliothek besorgen und hoffen, dass ich hinter das Geheimnis der Familie Cahill komme.

Kiersten White: Flames’n’Roses

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich „Flames’n’Roses“ gelesen habe und ich muss gestehen, dass der Roman durch den Abstand zwischen Lesen und Meinung niederschreiben ein paar „Minuspunkte“ bekommt. Denn so unterhaltsam die Lesezeit war, so sympathisch ich die Figuren fand und so wohl ich mich mit der Geschichte gefühlt habe, so hat die Handlung doch keinen tieferen Eindruck bei mir hinterlassen. Trotzdem werde ich das Buch behalten, eben weil es so nett war und weil ich einen schönen Nachmittag damit verbracht habe. Und wenn die Fortsetzung auf Deutsch erscheinen sollte, dann werde ich bestimmt auch wieder zugreifen.

Doch erst einmal kurz zum Inhalt von „Flames’n’Roses“: Die sechzehnjährige Evie lebt und arbeitet seit vielen Jahren für die IBKP (Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler). Aufgrund ihrer einzigartigen Begabung, die es ihr ermöglich jegliche Tarnung übernatürlicher Wesen zu durchschauen, ist sie von ganz besonderem Nutzen für diese Behörde, die dazu da ist nichtmenschliche Geschöpfe wie Vampire, Werwölfe, Meerjungfrauen usw. zu fangen, bevor sie zu einer Gefahr für die Menschheit werden können. Nicht wenige dieser „Gefangenen“ bekommen später eine Aufgabe innerhalb der Behörde und tragen so wiederum ihren Teil dazu bei, dass die IBKP ihre Arbeit machen kann.

Für Evie ist es also ganz normal, dass der Umgang mit übernatürlichen Wesen ihren Alltag bestimmt. So ist ihre beste Freundin Alisha eine Meerjungfrau, während eine Werwölfin ihr Unterricht gibt und Feen dafür sorgen, dass sie zu ihren Einsätzen reisen kann. Umso mehr sehnt sich das Mädchen nach einem normalen Teenagerleben mit dem Besuch der Highschool, Verabredungen mit Freunden und Schulfesten. Dass ihre Vorstellung von einem „normalen“ Leben dabei etwas illusorisch ist, ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Evie ihr Wissen über den menschlichen Alltag vor allem aus dem Fernsehen schöpft.

Für mich ist das auch eine stimmige Erklärung dafür, dass Evie häufiger deutlich jünger wirkt als sechzehn. Sie ist so behütet aufgewachsen und ihre Vorstellung von der Welt außerhalb der IBKP ist vor allem von der Soap-Opera „Easton Heights“ geprägt, dass sie in bestimmten Dingen einfach nicht wie ein normaler Teenager reagiert. Auf der anderen Seite hat sie sich ein paar Eigenheiten angewöhnt, die wohl in einer normalen Umgebung so nicht entstanden wären. So verwendet sie statt eines Fluches immer das Wort „Piep“ (etwas irritierend, wenn man das ständig in der wörtlichen Rede vorfindet, aber man gewöhnt sich daran), weil das zu einem Insider zwischen ihr und Alisha geworden ist.

Erst als ein Gestaltwandler in die Zentrale der IBKP eindringt, der ungefähr Evies Alter hat und anscheinend viele Jahre unerkannt in der normalen Welt lebte, und als es zu unerklärlichen Morden an übernatürlichen Wesen kommt, beginnt Evie über ihr Leben und ihre Tätigkeit für die IBKP nachzudenken. In Lend, dem Gestaltwandler, findet sie einen Freund – auch wenn sie sich anfangs seiner Motive nicht sicher sein kann – und gemeinsam wollen die beiden den Täter stoppen, der so viele auf dem Gewissen hat.

Der Krimianteil der Geschichte ist jetzt nicht gerade herausfordernd oder komplex gestaltet, aber für ein Jugendbuch finde ich den durchaus in Ordnung. Es ist auch in meinen Augen weniger wichtig, dass der Leser miträtseln kann, wer denn nun hinter den Morden steckt. Dafür dreht sich die Handlung eher um die Motive des Täters und um die Erkenntnisse, die Evie bei ihren Ermittlungen für sich gewinnt. Dass sich zwischen Lend und Evie eine kleine Liebesgeschichte entspinnt, ist natürlich vorhersagbar, aber auch in diesem Punkt hat die Autorin in meinen Augen ein gutes Händchen bewiesen. Die beiden Figuren sind für ihr Alter relativ jung und dementsprechend unschuldig ist auch ihre Beziehung. Ich fand die beiden sympathisch und ihre Annäherung war niedlich zu verfolgen.

Und dadurch, dass Kiersten White die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Evie erzählt, passt die von der Autorin verwendete lockere und umangssprachliche Ausdrucksweise innerhalb des Romans. Mir kam das Ganze auf jeden Fall nicht unangemessen oder zwanghaft auf „jugendlich“ getrimmt vor. Stattdessen fand ich Evies Ansichten oftmals zum Grinsen oder habe mich über einige ihrer – wenn auch stellenweise etwas kindischen – Einfälle amüsiert. Zuletzt kann ich noch sagen, dass mir auch das Urban-Fantasy-Setting der Autorin gefallen hat, ebenso wie die Einbringung vieler verschiedener Sagengestalten.

Insgesamt ist „Flames’n’Roses“ zwar keine unglaublich mitreißende und superspannende Geschichte, aber ein wirklich netter und unterhaltsamer Roman, bei dem mir die beiden Hauptfiguren wirklich sympathisch waren. Ich habe mich beim Lesen gut amüsiert, fand die eine oder andere Szene sogar bewegend und wenn ich irgendwann mal wieder ein vertrautes Buch für einen entspannten Nachmittag suche, dann wäre das hier nicht die schlechteste Wahl für einen Re-read.

[Figurenkabinett] Alanna von Trebond

Alanna von Trebond begleitet mich schon seit sehr vielen Jahren, genauer gesagt, seitdem die kleine Stadtbibliothek, die mich als Teenager mit Büchern versorgt hat, im Jahr 1985 das Buch „Die schwarze Stadt“ angeschafft hat. Sehr schnell ist mir Alanna ans Herz gewachsen, während ihr Zwillingsbruder mir etwas zu jämmerlich war – doch zum Glück spielt Thom in dieser Geschichte nur eine kleine Rolle. Alanna ist eine junge Adelige, die unter ungewöhnlichen Umständen aufgewachsen ist. Ihre Mutter verstarb bei der Geburt der Zwillinge, ihr Vater hat sich so gut wie nie um seine beiden Kinder gekümmert und sich lieber in seine Studien vertieft, während Alanna und Thom von einer Heilerin und einem Soldaten im Dienst von Alannas Vater aufgezogen wurden.

Zum Beginn von „Die schwarze Stadt“ sind die Zwillinge gerade alt genug, um von Zuhause weggeschickt zu werden. So soll Thom in die Hauptstadt Chorus reisen und am Hof des Königs seinen Dienst als Page antreten, während Alanna in ein Kloster geschickt werden soll, wo sie alle Fertigkeiten einer adeligen Dame erlernen soll. Doch während Thom eher an Schulwissen und Zauberei interessiert ist, ist Alanna diejenige, die gut bei der Jagd, beim Fährtenlesen und beim Kampf ist, und diejenige, deren größter Wunsch es ist, Ritter zu werden. So tauscht sie mit ihrem Bruder die Rolle, und während Thom ins Kloster geht, um dort als Zauberer ausgebildet zu werden, verkleidet sich Alanna und tritt als Alan den Pagendienst im Schloss an.

Alanna weiß genau, dass sie nun gezwungen ist, für viele Jahre als Junge zu leben – und wenn sie es jemals zum Ritter schaffen sollte, dann steht immer noch die Frage im Raum, wie sie dann die Öffentlichkeit (und ihren König!) über ihr wahres Geschlecht aufklären soll. Mir persönlich hat es immer gefallen, dass es Alanna nicht leicht gefallen ist, diesen Weg zu gehen und ihre Umgebung anzulügen. Auf der anderen Seite ist ihr Traum so groß, dass sie eben fast alles dafür tun würde, um ihn zu erfüllen. Dabei hilft ihr auch ihre Dickköpfigkeit, die sie immer wieder durch schwierige Situationen bringt.

Alanna ist nämlich nicht nur kleiner als die meisten ihrer Pagenkollegen, sondern sie hat auch ein paar Schwachpunkte als Kriegerin. So liegt ihr der Schwertkampf lange Zeit überhaupt nicht, bis sie sich selbst jeden Tag Extrastunden auferlegt. Dieses Training ist ihr so wichtig, dass sie sogar anfängt, mit links den Schwertkampf zu üben, als sie sich einmal den rechten Arm gebrochen hat. Während ihr ihre Dickköpfigkeit über so manches Problem hinweghilft, bringen ihre Spontaneität, ihr Jähzorn und ihr Gerechtigkeitssinn sie immer wieder in Schwierigkeiten.

Alanna von Trebond begleitet mich inzwischen schon seit über 25 Jahren, zu meinem 18. Geburtstag habe ich mir die vier Bücher rund um das rothaarige, dickköpfige und doch so sympathische Mädchen schenken lassen, und als ich vor vielen Jahren meinen Mann kennenlernte, haben wir uns gegenseitig diese Romane vorgelesen – und ihm haben sie anscheinend ebenso gut gefallen wie mir. Ich freue mich heute noch bei jedem Wiederlesen über die amüsanten, nachdenklichen und bewegenden Momente. Ich vergieße Tränen, wenn Alannas Begleitern etwas zustößt, ich leide mit ihr, wenn sie ihre Freunde wegen ihres Geschlechts belügen muss, und irgendwie könnte man sogar behaupten, dass ich zumindest in zwei der drei Männer verliebt bin, die in Alannas Liebesleben einer Rolle spielen.

In ihren späteren Jugendfantasytiteln hat die Autorin Tamora Pierce ihre Welt Tortall deutlich komplexer ausgebaut und auch die Emelan-(Circle)-Geschichten haben einen vielschichtigeren Hintergrund als diese vier Romane rund um Alanna von Trebond. Aber in all ihren Geschichten finden sich wunderbar realistische und sympathische Charaktere, sogar wenn diese Figuren zum Teil übernatürliche Fähigkeiten haben, die schon fast göttlich zu nennen sind. Alanna, ihre Freunde, ihre Feinde und das fantastische Land Tortall sind mir schon vor langer Zeit ans Herz gewachsen und in regelmäßigen Abständen greife ich wieder zu den Büchern und versinke in den Abenteuern, die Alanna auf ihrem Weg zur Ritterwürde bestehen muss.

Leider sind nur wenige Romane von Tamora Pierce ins Deutsche übersetzt worden, aber als Jugendfantasy sind die Geschichten auf Englisch wirklich gut zu lesen.

Tortall-Geschichten von Tamora Pierce:

Alanna – The Song of the Lioness Quartet:

  1. Die schwarze Stadt (1985) – Alanna: The First Adventure (1983)
  2. Im Bann der Göttin (1986) – In the Hand of the Goddess (1984)
  3. Das zerbrochene Schwert (1987) – The Woman Who Rides Like a Man (1986)
  4. Das Juwel der Macht (1988) – Lioness Rampant (1988)

Dhana – The Immortals Quartet:

  1. Kampf um Tortall (1992) – Wild Magic (1992)
  2. Im Tal des Langen Sees (1993) – Wolf Speaker (1993)
  3. Der Kaiserliche Magier (1995) – The Emperor Mage (1994)
  4. Im Reich der Götter (1996) – The Realms of the Gods (1995)

(Spielt einige Jahre nach den Alanna-Romanen und bringt deutlich mehr Magie in die Welt von Tortall. Viele Figuren, die aus den Alanna-Geschichten bekannt sind, tauchen hier wieder auf.)

Protector of the Small:

  1. First Test (1999)
  2. Page (2000)
  3. Squire (2001)
  4. Lady Knight (2002)

(Nach Alanna ist Keladry of Mindelan das zweite Mädchen, das die Pagenausbildung antritt. Sie muss ihr Geschlecht nicht verbergen, hat dafür mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als Alanna. Ihr Tortall ist deutlich politischer als das von Alanna und in diesen Büchern verwendet die Autorin einige sozialkritische Elemente.)

Aly – The Daughter of the Lioness:

  1. Trickster’s Choice (2003)
  2. Trickster’s Queen (2004)

(In diesen Büchern ist Alannas Tochter die Hauptfigur – und ich muss zugeben, dass ich diese beiden Bände nicht ganz so gut finde wie die anderen Romane der Autorin.)

The Provost’s Dog:

  1. Terrier (2006)
  2. Bloodhound (2009)
  3. Mastiff (2011)

(Auf den dritten Band freue ich mich schon, mit etwas Glück zieht er dieses Jahr noch bei mir ein. Bei diesen Büchern habe ich das Gefühl, dass Tamora Pierce nicht nur versucht, eine frühere Zeit in Tortall zu beschreiben, sondern diese Welt auch mit Elementen ihrer Emelan-Reihe mischt. Auf jeden Fall finde ich diese Geschichten rund um Beka Cooper, die als Mitglied der Wache quasi als Polizistin fungiert, spannend und unterhaltsam zu lesen.)