Kategorie: Rezension

Lese-Eindrücke Juli 2024

Meine Lektüre im Juli war eine Mischung aus „ich nutze die kühleren Tage für die Scavenger Hunt TBR Book Challenge und SuB-Abbau“ und „ich müsste mich wirklich mal mit den älteren ungelesenen Titeln auf meinem eReader beschäftigen“. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass der Großteil der gelesenen Romane nur „nett“ war und nicht herausragend. Aber ein paar Worte will ich zu den Titeln, die ich nicht noch mit einer einzelnen Rezension bedenken möchte, doch verlieren.

Megan Bannen: The Undermining of Twyla and Frank (Hart and Mercy 2)

„The Undermining of Twyla and Frank“ ist Anfang Juli 2024 veröffentlicht worden und eine Geschichte, die unabhängig von „The Undertaking of Hart and Mercy“ lesbar ist, aber in derselben Stadt (und nach den Ereignissen rund um Hart und Mercy) spielt. Genau genommen sind Twyla und Frank Kollegen von Hart, und nach den Vorkommnissen im ersten Band müssen sie damit zurechtkommen, dass sich ihre Rolle als Tanrian Marshals deutlich verändert hat. Ich mochte, dass es sich dieses Mal um eine „old friends to lovers“-Geschichte handelte, auch wenn ich beide Figuren ab und an gern geschüttelt hätte, weil sie so sehr darauf beharrten, dass sie doch nur Freunde sind.

Außerdem fand ich es spannend, mehr über die Welt, die Megan Bannen für ihre Romane geschaffen hat, zu erfahren – vor allem über den Bereich, in dem vor langer Zeit die Götter eingesperrt waren und in dem es noch so einiges zu entdecken gibt. Auf das Buch hatte ich mich gefreut und es dann auch direkt nach Erscheinen genossen. Den Weltenbau finde ich wirklich faszinierend und die Liebesgeschichte hat mich (trotz der immer mal wieder vorkommenden Begriffsstutzigkeit der Charaktere) gut unterhalten. Den dritten Band („The Undercutting of Rosie and Adam“), der im Juli 2025 erscheinen soll, habe ich dann auch schon mal vorbestellt!

T. Kingfisher: Summer in Orcus

„Summer in Orcus“ lag schon längere Zeit auf meinem eReader, und bei dem Titel dachte ich, dass es ein guter Sommerroman sein könnte. Doch dann habe ich den Roman angefangen und festgestellt, dass Summer der Name der Protagonistin ist. 😉 Genau genommen ist Summer eine Elfjährige, die ihr ganzes Leben lang von ihrer überängstlichen Mutter in Watte eingepackt wurde und an deren Haus eines Tages Baba Yaga in ihrer Hütte vorbeikommt. Ein Handel mit Baba Yaga soll Summer die Erfüllung ihres Herzenswunsches bringen und führt dazu, dass sich das Mädchen in der fantastischen Welt Orcus wiederfindet. Orcus ist voller wunderbarer Kreaturen und magischer Dinge, aber die Bewohner werden von der Königin und ihrem unheimlichen Houndbreaker terrorisiert. In den meisten anderen Jugendfantasy-Romanen wäre Summer nun die langerwartete Heldin, die gegen die Königin und ihren Houndbreaker kämpfen muss, aber Summer ist definitiv keine klassische Heldin.

Ich liebe es, wie T. Kingfisher (Ursula Vernon) in diesem Roman mit den diversen Portal-Fantasy-Elementen spielt und sich dabei weigert, ausgetretene Wege zu beschreiten. Stattdessen entpuppt sich Summer als eine wunderbare Mischung aus kindlicher Neugier/Unerfahrenheit/Gerechtigkeitssinn und einem Pragmatismus, der aus dem Aufwachsen mit einer Mutter entstanden ist, deren Verhalten dafür sorgt, dass Summer regelmäßig in die Rolle der „Erwachsenen“ in ihrer Familie schlüpfen musste. Der Ton in „Summer in Orcus“ richtet sich eher an jüngere Leser*innen als die meisten anderen Bücher der Autorin, aber die Geschichte strotzt trotzdem von unheimlichen und bedrückenden Elementen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie T. Kingfisher es schafft, all diese fürchterlichen Dinge in wunderbar absurde, fantastische Ideen und humorvolle Szenen einzubetten, so dass ich ihre Romane gleichzeitig rundum genießen und trotzdem (oder gerade deshalb) eine Menge ernsthafter Gedankenanstöße mitnehmen kann.

Juliet E. McKenna: The Green Man’s Heir (Green Man 1)/The Green Man’s Foe (Green Man 2)

Die Green-Man-Romane von Juliet E. McKenna werden mir seit Jahren immer wieder in die Timeline gespült – gern auch mit dem Hinweis auf günstige eBook-Ausgaben. Was dazu geführt hat, dass ich 2020 Band 2 und 2023 Band 1 angeschafft habe, um sie jetzt im Juli dann endlich auch zu lesen. Der Protagonist der Urban-Fantasy-Reihe ist Daniel Mackmain, der Sohn eines Menschen und einer Dryade, der vom „Green Man“ zu seinem persönlichen Problemlöser ernannt wurde. Ich mochte Daniel wirklich gern, gerade weil er sich nicht so sehr von anderen Menschen unterscheidet – abgesehen davon, dass seine Verletzungen schneller heilen und er in der Lage ist, übernatürliche Wesen zu sehen. Seine Verbindung zum Green Man hingegen ist für ihn häufig eine Herausforderung, denn sie sorgt dafür, dass er eigentlich nicht sesshaft werden kann.

In „The Green Man’s Heir“ muss Daniel in der ersten Hälfte den Mord an einer jungen Frau lösen, und in der zweiten Hälfte gibt es einen neuen Fall – was mich ehrlich gesagt anfangs etwas irritiert, aber nicht so sehr gestört hat, dass ich nicht hätte weiterlesen wollen. In „The Green Man’s Foe“ hingegen muss sich Daniel um unheimliche Ereignisse rund um ein altes Herrenhaus kümmern. Insgesamt fand ich es wirklich nett, dass ich mit den zwei Romanen drei so unterschiedliche „Fälle“ zu lesen bekam. Juliet E. McKenna bietet eine unterhaltsame und spannende Mischung aus fantastischen Elementen (mit dem Schwerpunkt britische Mythologie) und realistischen (Alltags-)Problemen in unserer heutigen modernen Welt – und das aus der Perspektive eines Mannes, der eine Möglichkeit finden muss, diese beiden gegensätzlichen Seiten seines Lebens auf die Reihe zu bringen. Spätestens nach dem Lesen von „The Green Man’s Foe“ bin ich gespannt darauf, wie es mit Daniel weitergeht und welchen Wesen er sonst noch so begegnen wird.

Jessie Mihalik: Books and Broadswords

„Books and Broadswords“ von Jessie Mihalik wurde im Juni von Stephanie Burgis in ihrem monatlichen „Dragons‘ Book Club“ (auf Patreon) empfohlen. Auf gerade mal 149 Seiten finden sich in dieser Veröffentlichung zwei fantastische, cozy Liebesgeschichten, die ich wirklich entspannend und amüsant fand. In der ersten Geschichte verlieben sich eine Drachin und ein ungewöhnlicher Ritter ineinander, in der zweiten dreht sich die Handlung um einen Drachen und eine Herdhexe, die wild entschlossen ist, sein vernachlässigtes Schloss in Ordnung zu bringen. Ich hätte es lieber gesehen, wenn Jessie Mihalik die Handlung/Welt/Protagonist*innen mehr ausgebaut und sich dafür etwas mehr Zeit genommen hätte. Aber ich mochte, dass die Drachen in dieser Welt ihren Hort nach bestimmten persönlichen Kriterien wählen, ich konnte mit dem InstaLove-Element leben und fand das Ganze so nett, dass ich noch mehr davon lesen würde. Oh, und für diejenigen, die lieber keine Sexszenen lesen: Jessie Mihalik hat in den Geschichten selber darauf verzichtet, während diejenigen, die explizite Sexszenen in ihren Liebesgeschichten bevorzugen, für jede Geschichte einen dementsprechenden Epilog lesen können.

Natalie C. Parker: Seafire

Ich habe keine Ahnung mehr, wo ich über „Seafire“ gestolpert bin, aber der Roman lag fünf Jahre auf meinem SuB – und in der Zeit hatte ich vollkommen vergessen, dass es sich dabei um ein Jugendbuch handelt. Es gab viele Elemente, die ich an der Geschichte mochte: Ein Piratenschiff voller junger Frauen, die versuchen, in einer Welt zu überleben, die von einem mächtigen Warlord und seiner Marine beherrscht wird, die Freundschaft zwischen der Protagonistin und ihrer besten Freundin sowie das Zusammenspiel der verschiedenen Personen auf dem Schiff. Dazu sind da noch die verschiedenen (mehr oder weniger freiwilligen) Verbündeten, die die Piratinnen im Laufe der Geschichte finden.

Womit ich allerdings regelmäßig ein Problem hatte, war das unprofessionelle Verhalten der Protagonistin. Ich konnte es der Autorin einfach nicht abnehmen, dass ihre Hauptfigur in wenigen Jahren eine großartige Crew zusammengestellt hat, dass diese Piratin eine Herausforderung für Marineschiffe darstellte und dass sie eine unglaubliche Strategin sein soll. Was vor allem daran lag, dass sie sich den Großteil der Zeit total kindisch verhielt, ein „Geheimnis“ hütete, das von Anfang an auf der Hand lag, und auf den ersten Typen flog, der sich wie ein einigermaßen anständiger Mensch verhielt (und deshalb ihre gesamte Crew wie Dreck behandelte). Ich bin zu alt für diese Art von Protagonistin …

Lese-Eindrücke Mai 2024

Im Mai habe ich vor allem Fortsetzungen gelesen, was nicht gerade zu vielen Rezensionen geführt hat. Aber ein paar Einzelbände gab es doch, zu denen ich hier noch was sagen kann. Außerdem dachte ich mir, ich könnte hier auch mal Anmerkungen dazu hinterlassen, ob die von mir gelesenen Fortsetzungen mit den ersten Bänden mithalten konnten.

K. J. Charles: Death in the Spires

K. J. Charles gehört zu den Autor*innen, von denen ich seit Jahren immer wieder günstige/kostenlose eBooks runterlade und dann doch erst einmal nicht lese. Umso amüsanter fand ich es, dass mein erster gelesener Roman dann nicht nur eine Neuveröffentlichung, sondern K. J. Charles‘ erster Ausflug ins Krimigenre war. „Death in the Spires“ spielt 1905 und wird aus der Perspektive von Jeremy (Jem) Kite erzählt, der vor zehn Jahren zu einer Gruppe von viel versprechenden Oxford-Student*innen gehörte. Als einer von ihnen ermordet wurde, bedeutete das für Jem das Ende seines Studiums. Die Tatsache, dass der Täter nie gefunden wurde, und die Frage, ob Jem vielleicht der Mörder gewesen sein könnte, verhindertete in den vergangenen Jahren jede Hoffnung auf eine einigermaßen sichere berufliche Position. Als er erneut seinen Arbeitsplatz verliert, ist Jem wild entschlossen endlich herauszufinden, wer seinen Freund Toby damals ermordet hat.

Ich muss zugeben, dass ich normalerweise diese Art von Geschichten wirklich nicht mag. Ich habe einfach schon zu viele Krimis gelesen/gesehen, die an Universitäten spielen und in denen in einer Gruppe eng befreundeter Studenten ein Verbrechen passiert (und manchmal auch vertuscht wird). Trotzdem habe ich mich von „Death in the Spires“ gut unterhalten gefühlt, weil K. J. Charles so viele Aspekte in die Geschichte einfließen lässt, die bei anderen Autor*innen in der Regel keine Erwähnung finden. Ihre Figuren haben unterschiedliche gesellschaftliche Hintergründe, sind queer, behindert oder Schwarz und zwei von ihnen gehören zu den ersten Frauen, die in Oxford studieren durften. Das alles führt dazu, dass in dem relativ kurzem Buch (ca. 270 Seiten) sehr viele Elemente für Unterströmungen sorgen, die dem – anfangs etwas naiven Protagonisten – erst nach und nach auffallen. Auch wenn ich als Leserin Jem da regelmäßig voraus war, hat mich das weiterhin neugierig auf die noch kommenden Entwicklungen gemacht, und so war das Buch deutlich befriedigender zu lesen als „klassische“ Varianten dieses Krimithemas.

H.L. Macfarlane und Adie Hart (Hrsg.): Once Updon a Season 3 – Once Upon a Spring (Anthologie)

Eine Anthologie mit sechzehn sehr unterschiedlichen Geschichten rund um das Thema „Frühling“. Während ich normalerweise einen extra Anthologie-Beitrag anlege, um meine Eindrücke und Gedanken zu den einzelnen Geschichten festzuhalten, bin ich hier auf zu viele Texte gestoßen, die mich nicht überzeugen konnten. Ich mochte von Adie Hart „Far Far Away“, eine ungewöhnliche Dornröschen-Variante, in der eine Bibliothekarin das „Dornröschen“ rettet, indem sie ihm hilft, die verlorenen 100 Jahre an Wissen aufzuholen. Das war eine sehr süße Geschichte, die ich mir Freude bereitet hat. Oh, und die Hades-und-Persephone-Geschichte „She Vanishes“ von Josie Jaffrey war auch sehr nett zu lesen, aber sonst haben die meisten Beiträge leider wenig (gute) Eindrücke bei mir hinterlassen.

Caroline O’Donoghue: The Gifts that Bind Us (The Gifts 2)/Caroline O’Donoghue: Every Gift a Curse (The Gifts 3)

Im Prinzip kann ich hier noch einmal wiederholen, was ich zum ersten Band („All Our Hidden Gifts“) geschrieben hatte: Ich mochte den zweiten und dritten Teil der The-Gifts-Trilogie, auch wenn ich mir wieder relativ viel Zeit mit dem Lesen gelassen habe, weil ich es so unangenehm fand, mehr über die „konservative/religiöse“ Gruppe zu lesen, die in diesen Romanen die Gegenspieler der Protagonistin Maeve und ihrer Freunde sind. Genau genommen finde ich sogar, dass die Geschichte mit jedem Band besser wird, weil Maeve sich – auch wenn sie immer wieder Mist baut – definitiv weiterentwickelt und erwachsener wird. Außerdem führt Caroline O’Donoghue neue Charaktere ein, die den fantastischen Teil ihrer Welt erweitern und so zu überraschenden Lösungen für das eine oder andere Problem sorgen. Ich habe mich mit der Trilogie sehr gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, wie sich die Bücher für mich bei einem Reread irgendwann anfühlen werden.

Sandra Wickham: Death Coach, Vampires (Death Coach 2)

Noch eine Fortsetzung, zu der ich eigentlich all das, was ich schon zum ersten Band („Death Coach“) geschrieben hatte, noch einmal wiederholen könnte. Aber da ich mich so darüber gefreut hatte, dass Sandra Wickham das Niveau ihres Debütromans mit dieser Fortsetzung halten kann, wollte ich das hier noch einmal extra betonen. In diesem zweiten Teil der Death-Coach-Reihe lernt die Protagonistin Amy mehr über all die fantastischen Elemente in der Welt, die sie bis vor kurzem ignoriert hatte. Genau genommen lernt sie deutlich mehr über Vampire und über die Geister, mit denen sie kommunizieren kann. Außerdem findet sie sich immer mehr in ihrer Rolle als Death Coach zurecht und sammelt weitere Personen um sich herum, die ihr dabei helfen. Ich muss zugeben, dass ich die Nebenfiguren dieses Mal interessanter fand als Amy selbst, aber das ist ja nicht schlimm. Alles in allem ist das eine ungewöhnliche Urban-Fantasy-Reihe, die ich so unterhaltsam finde, dass ich sie weiter im Auge behalten werde.

Kate Griffin: Kitty Peck and the Music Hall Murders

Von Kate Griffin hatte ich vor einigen Jahren ein wirklich ungewöhnliches (Urban-)Fantasybuch („The Madness of Angels“) gelesen, das mich wirklich fasziniert hatte. (Auch wenn ich die Fortsetzungen immer noch ungelesen im Regal stehen habe, weil ich das Gefühl habe, ich müsste mir mal ganz in Ruhe Zeit für die Reihe nehmen.) Als ich also vor einiger Zeit mitbekam, dass die Autorin auch einen historischen Krimi geschrieben hat, dachte ich, das sei eine gute Gelegenheit, mehr von Kate Griffin zu lesen, ohne mich „langfristig“ auf etwas einlassen zu müssen. „Kitty Peck and the Music Hall Murders“ spielt im Jahr 1880 in Limehouse (London), und die Handlung wird aus Sicht der siebzehnjährigen Kitty erzählt, die seit ein paar Jahren hinter den Kulissen einer Music Hall arbeitet.

Diese Music Hall gehört Lady Ginger, einer Drogenbaronin, in deren Händen das Schicksal der meisten Personen in Limehouse liegt und die es als persönlichen Angriff auf ihr Geschäft wertet, als nach und nach Music-Hall-Mädchen verschwinden. Obwohl keine Leichen gefunden werden, steht schnell fest, dass keines der Mädchen freiwillig verschwunden ist, und „natürlich“ kann eine Person wie Lady Ginger nicht die Polizei auf den unbekannten Täter ansetzen. Also wird Kitty damit beauftragt herauszufinden, was mit ihren Kolleginnen passiert ist. Dieser Auftrag sorgt dafür, dass sie – statt weiter hinter den Kulissen von „The Gaudy“ zu arbeiten – ganz neue Fähigkeiten lernt und als neue Sensation auf der Bühne ins Scheinwerferlicht rückt. Allerdings bedeutet das auch, dass ihr Leben keinen Penny mehr wert sein wird, wenn sie Lady Ginger nicht so bald wie möglich den Verantwortlichen für das Verschwinden der Mädchen präsentieren kann.

Es gibt zwei Punkte in der Geschichte, die mir Probleme bereiten. Einmal die Tatsache, dass sexueller Missbrauch ständig ein Thema und eine Bedrohung für Kitty ist, ohne dass diese Szenen mehr zur Handlung beitragen als zu zeigen, wie sehr das Wohlergehen der (noch jungfräulichen) Protagonistin von den Launen der diversen Männer abhängig ist – was spätestens nach der ersten solchen Szene deutlich genug ist, um nicht ständig wieder aufgegriffen werden zu müssen. Den zweiten Punkt finde ich aber noch gravierender, und das ist der Widerspruch, der sich für mich daraus ergibt, dass Kitty auf der einen Seite von anderen Personen immer als intelligent und einfallsreich beschrieben wird, aber auf der anderen Seite so gar keine Initiative entwickelt, wenn es um die Ermittlungen rund um die verschwundenen Mädchen geht.

Es gibt so viele Gründe, wieso es für Kitty wichtig ist, dass sie so schnell wie möglich herausfindet, was mit ihren Kolleginnen passiert sein könnte. Aber sie ist trotzdem wochenlang vollkommen zufrieden damit, als passive Beobachterin zu agieren – und die einzige Begründung, die den Leser*innen dafür geboten wird, ist, dass sie doch gar nicht weiß, wie Ermittlungen geführt werden. Von einer Person, die sonst nicht auf den Mund gefallen ist, die zumindest einige der Opfer sehr gut kannte und deren eigenes Wohlergehen von ihrem Erfolg abhängt, finde ich das etwas … schwach. Es gäbe so viele Dinge, über die sie zumindest hätte nachdenken können, und es gäbe so viele Personen, mit denen sie hätte reden können, aber statt aktiv Erkundigungen anzustellen, lässt sie sich von ihrem Chef und Lady Ginger wochenlang aufwändig für die Bühne trainieren, nur um dann als Köder zu enden.

Ein Köder, dessen Leben (oder Erfolg beim Mörderfang) nicht wichtig genug zu sein scheint, um von irgendjemandem beschützt zu werden. Was mich zu der Frage bringt, welchen Sinn so ein Köder haben soll, wenn eventuell gewonnenes Wissen nicht mehr weitergeleitet werden kann, weil die einzige Person, die darüber verfügt, leider ermordet wurde. Ich muss gestehen, dass ich spätestens nach dem ersten Drittel dieses Romans ziemlich frustriert war, weil ich so viele Punkte schrecklich unrund fand. Der Krimianteil ist von der Autorin wirklich schlecht und unlogisch konstruiert worden, und wenn eine bestimmte Person Kitty zeitnah eine Sache aus der Vergangenheit erzählt hätte, hätte sich der gesamte Fall innerhalb der ersten 100 Seiten erledigt. All diese unstimmigen Elemente rund um Kittys Ausbildung als Bühnen-Künstlerin, die Details rund um das verübte Verbrechen und dazu noch Lady Gingers Verhalten haben mich beim Lesen so unglaublich frustriert.

Ich will gar nicht erst von der Grundidee anfangen, dass eine Verbrecherkönigin eine Siebzehnjährige als Ermittlerin einsetzt, statt einige Polizisten in der Hand zu haben, die für sie die Drecksarbeit machen, auch wenn ich zugeben muss, dass es am Ende der Geschichte fast so etwas wie eine Begründung für Lady Gingers Handeln gibt. Aber da die genauso wenig glaubhaft war wie viele andere Aspekte in diesem Buch, tröstet mich das auch nicht über diese schwache Ausgangsidee hinweg. Dabei hätte ich das Buch mit all seinen Details rund um das Leben in Limehouse wirklich gern genossen. Ich mag normalerweise Romane, die das Leben in einer Gegend zeigt, die so sehr von der Seefahrt und den dazugehörigen Schattenseiten geprägt ist wie das historische Limehouse. Ich freue mich, wenn solche Beschreibungen sich eher realistisch als romantisch anfühlen, und ich genieße es, wenn solche Geschichten dann auch die dementsprechende Vielfalt bei den Charakteren aufweisen. Aber obwohl Kate Griffin wirklich viele atmosphärische Szenen rund um das historische Limehouse in „Kitty Peck and the Music Hall Murders“ eingebaut hat, konnten mich diese nicht über die restlichen Unstimmigkeiten in der Handlung hinwegsehen lassen.

Julie Abe: Alliana – Girl of Dragons

„Alliana – Girl of Dragons“ spielt in der gleichen Welt wie die „Eva Evergreen“-Bücher von Julie Abe. Genau genommen spielt Allianas Geschichte früher als die beiden Romane rund um Eva. Evas Eltern sind hier noch Teenager, die in diesem Buch als Nebenfiguren auftauchen, so dass sich die Bücher unabhängig voneinander genießen lassen. Wobei „genießen“ bei einer Aschenputtel-Geschichte vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Alliana lebt gemeinsam mit ihrer Stiefmutter, ihren beiden Stiefgeschwistern und Großmutter Mari (die die Schwiegermutter ihrer Stiefmutter ist) in einem Gasthaus in dem kleinen Ort Narashino am Rande des Abyss. Dieser Abyss war früher das Grenzgebiet zwischen Rivelle und dem benachbarten Constancia, doch ein Streit zwischen den beiden Ländern hat dazu geführt, dass dort ein unheimlicher Abgrund voller Monster entstanden ist.

Eine magische Barriere sorgt dafür, dass die Einwohner von Narashino sicher leben können, aber fast täglich steigen Abenteurergruppen in den Abyss hinab, um Monster zu jagen oder nach Schätzen zu suchen. Die Aufgabe der Elfjährigen im Gasthaus ist die Versorgung dieser Abenteurergruppen. Alliana fungiert als das einzige Dienstmädchen im Haus – und nur wenn sie ihren Aufgaben zur Zufriedenheit ihrer Stiefmutter nachkommt, kann sie die Schulden (die sie laut ihrer Stiefmutter hat) abarbeiten. Nur die wenigen gestohlenen Momente, die Alliana spät abends gemeinsam mit Großmutter Mari verbringt, sorgen für einen Lichtblick im Leben des Mädchens. An ihren Vater, der vor einigen Jahren im Abgrund verschwand, hat sie kaum noch Erinnerungen, aber Großmutter Mari und ihre Geschichten über die Abenteuer von Königin Natsumi geben ihr ein Gefühl von familiärer Geborgenheit. Als Alliana die junge Hexe Nela kennenlernt, die gemeinsam mit ihren ebenso unerfahrenen Kolleg*innen für die Stabilität der Barriere sorgen soll, kann das Mädchen zum ersten Mal zeigen, dass es über mehr Fähigkeiten als die eines Dienstmädchen verfügt.

Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen zwiegespalten auf „Alliana – Girl of Dragons“ zurückblicke, obwohl es an der Erzählweise und der Geschichte eigentlich kaum etwas zu kritisieren gibt. Aber Allianas Aschenputtel-Dasein war so deprimierend zu lesen – und jedes Mal, wenn es einen Hauch Hoffnung für sie gab, kam wieder irgendwas dazwischen und es endete für das Mädchen schlimmer als vorher. Das war nicht schön mitzuverfolgen, auch wenn natürlich von Anfang an klar war, dass es ein glückliches Ende für Alliana geben würde. Dass ich so mit Alliana mitgelitten habe, ist vielleicht auch ein Lob für Julie Abes Schreibstil, der dafür gesorgt hat, dass mich die Situation der Protagonistin so frustiert und wütend gemacht hat. *g*

Aber natürlich ist nicht die gesamte Geschichte durchgehend deprimierend gewesen – wobei es das vermutlich nur noch schlimmer gemacht hat, weil eben der Kontrast zwischen den amüsanten oder wohltuenden Szenen und denen, in denen Alliana von ihrer Stieffamilie ausgenutzt und misshandelt wird, so groß war. Ich mag die fantastische Welt mit all ihren magischen Wesen, die Julie Abe für diese Romane geschaffen hat. Außerdem habe ich die heimeligen oder amüsanten Momente in der Handlung wirklich genossen. Allianas gemeinsame Stunden mit Großmutter Mari, in denen sie stickt und näht, während ihr fantastische und mutmachende Geschichten erzählt werden, sind ebenso schön zu verfolgen wie die Momente, in denen sie sich mit ihrem Freund Isao trifft und sein leckeres Backwerk probieren kann. Dazu kommen noch all die Szenen, in denen Alliana ihren Einfallsreichtum und ihr Wissen einsetzen kann, um Nela und all den anderen zu helfen und in denen ihr bewusst wird, dass eine Person keine große Magie benötigt, um etwas bewirken zu können.

All diese Momente sind wunderschön zu lesen – es sind lauter kleine magische Szene, die von der Autorin mit traditionellen japanischen Elementen durchsetzt wurden und die eine wirklich wunderbare Atmosphäre mit sich bringen. Und dieser deutliche japanische Einfluss sorgt auch dafür, dass sich diese Aschenputtel-Variante für mich deutlich von anderen Geschichten dieser Art unterschied. Aber am Ende frage ich mich ein bisschen, ob ich all diese schönen Szenen nicht mehr hätte genießen können, wenn nicht ein Teil von mir die ganze Zeit darauf gewartet hätte, dass Alliana endlich ihrer Stieffamilie hinter sich lassen kann. Was natürlich bedeutet, dass es vor allem an mir lag, dass ich mit „Alliana – Girl of Dragons“ nicht so glücklich war wie mit den Eva-Evergreen-Büchern. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mir irgendwann bei einem erneuten Lesen des Romans ergehen wird, wenn ich mich noch mehr auf diese kleinen Momente einlassen kann, weil ich ja dann schon weiß, wie die Geschichte weitergeht.

Michelle Manus: A Song to Wake a Thousand Sorrows (The Song Duology Book 1)

„A Song to Wake a Thousand Sorrows“ ist der erste High-Fantasy-Roman von Michelle Manus, den ich gelesen habe (nachdem ich die ersten drei Bände ihrer „Nyx Fortuna“-Reihe im vergangenen Jahr schon sehr mochte), und ich war wirklich überrascht davon, wie ungern ich nach über 700 Seiten die Protagonistin Clare verlassen habe. Die Geschichte spielt in einer anfangs nicht näher beschriebenen fantastischen Welt, in der Magie relativ verbreitet ist und die von einem einzigen König, dem Jackal King, regiert wird. Ich muss gestehen, dass ich es ursprünglich etwas seltsam fand, dass die gesamte Welt von einer Person beherrscht wird, aber wie das möglich ist, wird im Laufe des Romans erklärt. Überhaupt musste ich mich zu Beginn einfach erst einmal auf die Welt einlassen, ohne mir zu große Gedanken zu den Hintergründen zu machen. Aber das war in Ordnung, weil ich die Protagonistin und ihre Erlebnisse spannend genug fand, um eventuelle Fragen erst einmal im Raum stehen lassen zu können.

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Clare Brighton, die in der Hauptstadt Veralna City zu Ruhm (und Geld) kommen will. Clare ist ein Songweaver, eine Sängerin, deren Magie es ihr erlaubt, ihr Publikum zu beeinflussen. Außerdem ist sie – nach all den Misshandlungen, die sie in der Vergangenheit durchleben musste – wild entschlossen, eine Position zu erlangen, die ihr Sicherheit und Reichtum verspricht. Dummerweise ist Clare nicht nur ein Songweaver, sondern sie verfügt über eine weitere Macht (oder verfügt diese Macht über sie?), die sie den „Song“ nennt und die dazu führen würde, dass der Jackal King sie töten würde, wenn er jemals davon erführe. Schnell lernt Clare, dass Ruhm und Geld allein nicht ausreichen, um sich sicher zu fühlen, und obwohl es so einige Personen gibt, die ihr helfen wollen, ist es für eine Frau mit ihrer Vergangenheit nicht so einfach, anderen genügend zu vertrauen, um ihre Unterstützung annehmen zu können.

Ich muss betonen, dass „A Song to Wake a Thousand Sorrows“ kein einfaches Buch ist und eine ganze Reihe an Content Warnings (Missbrauch, Misshandlungen, Völkermord, Mord und noch so einiges mehr) mit sich bringt. Aber für mich persönlich waren all diese Elemente trotzdem gut lesbar, weil sie zum Großteil in der Vergangenheit der Protagonistin lagen und nicht detailliert beschrieben wurden und Michelle Manus es zum anderen geschafft hat, dass ich bei den aktuelleren Ereignissen in der Geschichte daran glauben konnte, dass es irgendwann besser wird – auch wenn ich für dieses „besser werden“ wohl auf das Ende des zweiten Bands warten muss, da das Buch mit einem Cliffhanger endet. Aber den Hauptteil des Romans über habe ich mich – wenn man bedenkt, was für traumatische Themen angedeutet oder sogar gezeigt werden – überraschend gut unterhalten gefühlt. Clare ist natürlich von all der Ereignisse in ihrer Kindheit und Jugend geprägt, was dazu führt, dass dieser Charakter regelmäßig zwischen Wut und Panikattacken schwankt. Aber sie ist auch fest entschlossen, sich eine bessere Zukunft zu erkämpfen – und wenn das nicht immer zu den rationalsten Handlungen führte, so konnte ich ihre Gründe beim Lesen doch zumindest immer nachvollziehen.

Obwohl ich hier so viel über Traumata geschrieben habe, gibt es überraschend viele amüsante und wohltuende Szenen in dem Roman, die ich wirklich genossen habe. Es ist so schön zu verfolgen, wie Clare – obwohl sie sich eigentlich nur um sich selbst kümmern wollte – langsam Freundschaften aufbaut. Ich fand es unterhaltsam zu lesen, wie ihre Weigerung, sich unsinnigen Traditionen zu unterwerfen, im Laufe der Geschichte dazu führt, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen für andere Personen deutlich verbessern. Und die Tatsache, dass ihre verborgene Magie eine Bedrohung für den Jackal King darstellen könnte, lässt anderen Figuren, die ich beim Lesen ebenfalls ins Herz geschlossen habe, auf eine bessere Zukunft hoffen. Es gibt so viele vielschichtige und sympathische Charaktere in der Geschichte, die alles andere als perfekt sind, aber gerade das sorgt dafür, dass mir ihr Wohlergehen am Herzen lag und ich mit ihrem Schicksal mitfieberte. „A Song to Wake a Thousand Sorrows“ war erstaunlich mitreißend zu lesen und – trotz der vielen belastenden Elemente – überraschend schwer aus der Hand zu legen. Es ist lange her, dass ich einen klassischen Fantasyroman so sehr genossen habe, und ich hoffe sehr, dass bald einen Veröffentlichungstermin für die Fortsetzung angekündigt wird, weil ich unglaublich gespannt darauf bin, wie die Geschichte ausgeht.

Lese-Eindrücke April 2024

Eigentlich dachte ich, dass sich dieser Beitrag gar nicht lohnen würde, weil ich für die meisten Titel, die ich im April gelesen habe, eigentlich noch Rezensionen schreiben möchte. Und dann ging mir durch den Kopf, dass ich hier zumindest die Reihenfortsetzungen erwähnen könnte … 😉

Skyla Dawn Cameron: Alone at Night (Waverly Jones 3)

„Alone at Night“ ist der dritte Teil rund um die Privatdetektivin Waverly Jones von Skyla Dawn Cameron, und ich kann nach dem Lesen dieses Bands nur sagen, dass ich die Reihe wirklich liebe. Die wichtigsten Punkte hatte ich eigentlich schon in der Rezension zu dem Waverly-Jones-Auftaktband angesprochen, aber ich möchte hier noch einmal betonen, wie sehr ich es mag, dass sich die Autorin in dieser Reihe vor allem mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen ein Verbrechen auf die Opfer bzw. ihre Hinterbliebenen und ihre Umgebung hat. Es gibt einen Handlungsfaden, der sich durch alle Bände der Reihe zieht, aber auch für jeden einzelnen Band einen „aktuelleren“ Fall, der eine neue Facette des Grundthemas beleuchtet. Skyla Dawn Cameron hat mit den Waverly-Jones-Büchern eine ungewöhnliche Thriller-/Mystery-Reihe geschaffen, bei der die (für mich) überraschenden Wendungen weniger bei der Enthüllung der Täter als bei den (Re-)Aktionen der Figuren zu finden sind.

Morgan Stang: Murder at Spindle Manor (The Lamplight Murder Mysteries 1)

Dieses Buch hat mich ein bisschen sprachlos gemacht, und am Ende hat mich vor allem die Frage beschäftigt, was ich da eigentlich gerade gelesen habe. Grundsätzlich finde ich die – edwardianisch/viktorianisch angehauchte – Fantasy-Welt, die Morgan Stang für seinen Krimi geschaffen hat, wirklich faszinierend. Ich mochte die Figuren, auch wenn sie so viel Tiefe hatten wie ein Abziehbild, und mir gefiel die Grundidee für diesen Mord in geschlossener Gesellschafft/Mord in verschlossenem Raum. Aber trotz all der theoretisch (!) lustigen Elemente und einem Umfang von knapp 250 Seiten zogen sich die Ermittlungen endlos hin und immer wieder wurden Dinge wiederholt, die auf der Hand lagen. Am Ende fühlte es sich an, als ob ich in einer „Eine Leiche zum Dessert“-Dauerschleife gefangen wäre – und so unterhaltsam ich den Film finde, ich möchte dann doch nicht mehrere Stunden am Stück damit verbringen!

Mara Webb: Better Off Bread (Compass Cove 3)

Nachdem ich den ersten Teil („Cakes to Die For“) von Mara Webbs Compass-Cove-Reihe sehr nett fand und mich über den zweiten Band („A Brunch With Death“) ziemlich geärgert hatte, hat es mir doch keine rechte Ruhe gelassen und ich habe im April doch noch den dritten Roman aus der Reihe gelesen. Immerhin kann ich so nun sagen, dass die Geschichte, die sich um die Ermordung des Jurors eines Brotback-Wettbewerbs dreht, für mich wieder so unterhaltsam war wie der erste Band. Dieses Mal hat die Autorin sich mehr auf weitere fantastische Elemente in Compass Cove konzentriert, der „romantische“ Teil der Handlung war so gut wie nicht vorhanden (yeah!) und die Protagonistin hat ein neues magisches Haustier, das ich wirklich nett fand. Wenn die Serie so bleibt, dann habe ich noch ein paar nette Bücher „für zwischendurch“ vor mir.

W. R. Gingell: „The City Between“-Serie

Die „The City Between“-Serie von W. R. Gingell besteht aus zehn relativ kurzen Romanen (194 bis 284 Seiten) und einem elften Band, in dem die zur Serie gehörenden Kurzgeschichten gesammelt wurden. Auf den ersten Blick unterscheidet sich diese Reihe gar nicht so sehr von anderen Urban-Fantasy-Reihen mit Kick-ass-Heldinnen. Aber es gibt so einige Details in der Geschichte, die ich auf diese Weise selten oder noch gar nicht in anderen Veröffentlichungen gefunden habe und die mir sehr gefallen haben. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von „Pet“, die eines Morgens aufwacht und die Leiche eines ihrer Nachbarn vor ihrem Fenster hängen sieht. Nachdem sie (anonym) die Polizei verständigt hat, fallen ihr drei Männer auf, die mit der Polizei am Tatort auftauchen, die aber definitiv nicht zu den offiziellen Gesetzteshütern gehören.

Relativ schnell findet Pet heraus, dass diese drei Männer keine Menschen sind, sondern zur Welt „Behind“ gehören und zwei davon Fae („Zero“ und Athelas) sind und einer ein Vampir (JinYeong) ist. Und als die drei sich in ihrem – offiziell leerstehenden – Haus einnisten, bleibt der Siebzehnjährigen nichts anderes übrig, als einen Vertrag als „Pet“ mit ihnen einzugehen, um nicht obdachlos zu werden. Was dazu führt, dass sie von Zero, Athelas und JinYeong als eine Mischung aus Haushälterin und … ähm … Haustier behandelt wird und deutlich mehr über die Schichten der Welt, die parallel zum „normalen“ menschlichen Teil existieren, lernt, als gut für einen Menschen ist.

When you get up in the morning, the last thing you expect to see is a murdered bloke hanging outside your window. Things like that tend to draw the attention of the local police, and when you’re squatting in your parents’ old house until you can afford to buy it, another thing you can’t afford is the attention of the cops.

Oh yeah. Hi. My name is Pet. It’s not my real name, but it’s the only one you’re getting. Things like names are important these days.

And it’s not so much that I’m Pet. I am a pet. A human pet: I belong to the two Behindkind fae and the pouty vampire who just moved into my house. It’s not weird, I promise—well, it is weird, yeah. But it’s not weird weird, you know?

Klappentext von „Between Jobs“ (The City Between 1)

In vielen Aspekten ist diese Reihe wie jede andere Urban-Fantasy-Reihe auch. Es gibt eine fantastische und ziemlich grausame Parallelwelt, in der die Protagonistin sich zurechtfinden muss, es gibt einen Mörder, der von Zero, Athelas und JinYeong gesucht wird, und Pets ständige Weigerungen, die „traditonellen Regeln“ der Welt „Behind“ mitzuspielen, sorgt immer wieder für Wendungen, die die deutlich mächtigeren Personen in ihrem Leben so nicht vorhergesehen haben. Letzteres hat mir wirklich viel Spaß gemacht, war aber nicht der Hauptgrund, wieso mich diese Reihe im März so sehr gepackt hat, dass ich alle Bände davon (plus die Kurzgeschichten-Sammlung … plus die bisher noch gar nicht von mir erwähnte, fünfteilige Spin-off-Reihe) hintereinander verschlungen habe. Was die Geschichte definitiv von vergleichbaren Veröffentlichungen unterschied, waren auf der einen Seite der Schauplatz (Hobart in Tasmanien), der neben einer unverbrauchten Kulisse auch dafür sorgte, dass immer wieder ungewöhnliche übernatürliche Wesen auftauchten, und auf der anderen Seite die Charaktere, die W. R. Gingell für diese Reihe geschaffen hat.

Während in anderen Urban-Fantasy-Reihen irgendwann ein jugendlicher Sidekick auftaucht, der von der Hauptfigur (oft genug vor den eigenen impulsiven Aktionen) beschützt werden muss, wird in dieser Reihe die Handlung aus der Sicht dieses „jugendlichen Sidekicks“ erzählt. Ich mochte Pet als Person wirklich gern, weil sie glaubwürdige Ecken und Kanten hatte und weil ihr häufig bewusst war, dass sie Dinge tat, die unklug waren, die sie aber nicht anders machen konnte, weil das gegen ihre Grundsätze verstoßen hätte. Mir gefiel es sehr, dass die Autorin es schafft, dass sich zum Beispiel eine Figur wie JinYeong im Laufe der Zeit so sehr weiterentwickelt, wenn es um Respekt und Beziehungen geht, ohne dass er dabei seinen grundlegenden Charakter verliert. Es gibt so viele Szenen in diesen Büchern, die sich um die found family der Protagonistin drehen, die bitter(süß) und durch und durch glaubwürdig sind. W. R. Gingell beweist immer wieder ein unglaublich gutes Händchen für Charaktere und die Beziehungen, die sie zueinander haben, und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, das zu lesen.

Auch mochte ich es, dass eine Figur wie Pet zum Beispiel verhältnismäßig schwach ist, aber trotzdem Tag für Tag im Schwertkampf trainiert wird, damit sie in einem Kampf lange genug überleben kann, bis einer ihrer Verbündeten ihr zur Hilfe kommt. Die Autorin erzählt mir das nicht nur, sondern ich kann das beim Lesen immer wieder miterleben. Obwohl sich das dann stellenweise etwas wiederholt, gefällt mir das deutlich besser, als wenn ich in einem Roman lese, dass die Hauptfigur großartig kämpfen kann, ich aber nie gezeigt bekomme, dass diese Figur auch dafür trainieren muss. Ebenso gibt es immer wieder alltägliche häusliche Szenen, die sich um Pets Haushaltstätigkeiten und um das Zusammenleben von so unterschiedlichen Personen drehen, und auch das fand ich unterhaltsam und habe mich gefreut, dass das nicht zugunsten „actionreicherer“ Momente gestrichen wurde. Das Negativste, was ich über diese Romane sagen kann, ist, dass die Identität des Mörders, der so viele Bände hindurch gesucht wurde, relativ offensichtlich war. Aber da es am Ende der Geschichte weniger darum ging, den Mörder zu entlarven, als darum, wie alle Beteiligten mit dieser Enthüllung und den daraus folgenden Ereignissen umgehen, konnte ich damit eigentlich gut leben.

Noch eine Anmerkung zur Hörbuchversion der Reihe: Da es die City-Between-Bücher nur bei Amazon gibt und es bei der deutschen Seite einen Fehler bei Band 9 gibt, der dazu führt, dass ich das eBook nicht kaufen konnte, habe ich den Teil als Hörbuch gehört. Und ich muss zugeben, dass ich wirklich hingerissen von der Sprecherin Zehra Jane Naqvi bin, die ganz großartig als siebzehnjährige Pet ist, auch wenn ich ihren australischen Akzent nicht immer so ganz einfach zu verstehen fand. Aber das liegt daran, dass ich relativ selten australischen Akzent höre – ihre Stimme und ihre Interpretation von Pet fand ich wirklich hinreißend.

Eine weitere Anmerkung zur Spin-off-Reihe: Die Worlds-Behind-Reihe besteht aus fünf Büchern, die aus der Sicht von zwei verschiedenen Personen (Athelas und YeoWoo) erzählt werden. Da ich die direkt im Anschluss an die City-Between-Bücher gelesen habe, war der Wechsel zu diesen Protagonisten überraschend schwierig für mich. Aber auch hier fand ich es toll, mal eine Urban-Fantasy-Geschichte zu lesen, die mit Seoul an einem – für mich – ungewohnten Schauplatz stattfand, in der immer wieder ungewöhnliche fantastische Wesen auftauchten und in der sich ein Großteil der Handlung um die Beziehung zwischen sehr unterschiedlichen Charakteren drehte. Wenn jetzt jemand von euch neugierig auf diese Reihen geworden sein sollte: Ich kann beide empfehlen, wenn ihr auf der Suche nach etwas anderer Urban Fantasy seid, würde aber auch anraten, zwischen den beiden Serien etwas Zeit verstreichen zu lassen, damit der Wechsel zwischen den Schausplätzen und Protagonisten beim Lesen von „A Whisker Behind“ sich etwas weniger irritierend anfühlt.

Natsu Miyashita: The Forest of Wool and Steel

„The Forest of Wool and Steel“ von Natsu Miyashita ist eine Geschichte voller kleiner, feiner Beobachtungen, die von den ersten Jahres des Protagonisten Tomura als Klavierstimmer erzählt. Obwohl Tomura sich vorher nie mit Musik beschäftigt hatte, ist er fasziniert, als er als Schüler den professionellen Klavierstimmer Itadori dabei beobachtet, wie dieser den Flügel der Schule stimmt. Gut zwei Jahre später fängt Tomura bei derselben Firma an, bei der auch Herr Itadori beschäftigt ist, um nach seiner zweijährigen Grundausbildung zum Klavierstimmer von den älteren Kollegen die Feinheiten seines Handwerks zu lernen.

Natsu Miyashita erzählt viele kleine Episoden, die sich um die verschiedenen Kunden, um die unterschiedlichen Kollegen von Tomura und um ihren Umgang mit den diversen Pianos (und den Bedürfnissen ihrer Spieler) drehen. Dabei lässt die Autorin den Protagonisten immer wieder auf seinen vertrauten Wald in den Bergen Hokkaidos, in dem er seine Kindheit verbracht hat, zurückgreifen, wenn er (musikalische) Erlebnisse beschreiben und (be-)greifbarer machen will. Immer wieder gibt es in diesen kleinen Episoden Momente, in denen deutlich wird, dass Musik etwas mit den Zuhörern macht, selbst wenn ihnen das Wissen fehlt, die Musik/er einzuordnen. Immer wieder beschreibt die Autorin Szenen, die zeigen, wie unterschiedlich Menschen Dinge wahrnehmen, aber auch, wie verschiedene Herangehensweisen zum selben (befriedigenden) Erlebnis führen können.

Tomuras Gedanken drehen sich sehr viel um Arbeitsmoral, um das Bedürfnis, die (oft unausgesprochenen) Ansprüche seiner Kunden zu befriedigen. Aber er philosophiert auch immer wieder über Musik, über die unterschiedlichen Arten, ein Klavier zu nutzen, und über all die unsichtbaren Personen, die mit dafür verantwortlich sind, dass ein Konzert die Zuhörenden bewegt. Einige Passagen in diesem Buch beschäftigen sich intensiv mit den technischen Details rund ums Klavierstimmen, aber nie so, dass meine Aufmerksamkeit bei diesen Beschreibungen abgeschweift wäre. „The Forest of Wool and Steel“ ist kein Buch, das ich in einem Zug lesen würde, sondern eine Geschichte, die ich immer wieder in die Hand genommen habe, wenn ich ein paar ruhige Minuten in einem – für mich – sehr japanischen wirkenden Umfeld verbringen wollte.

Ich habe Tomuras Entwicklung in dieser Geschichte wirklich gern verfolgt. Mir gefiel es sehr, dass ich mit ihm zusammen nach und nach die verschiedenen Kolleg*innen und Kund*innen besser kennenlernen konnte. Außerdem fand ich es faszinierend, Tomuras intensive Beschäftigung mit dem Klavierstimmen zu verfolgen. Das ist etwas, worüber ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe, und ich fand es spannend, die vielen verschiedenen Variablen, die dabei in Betracht gezogen werden müssen, zu entdecken. Alles in allem fand ich „The Forest of Wool and Steel“ überraschend wohltuend und entspannend zu lesen und bin mir sicher, dass ich im Laufe der nächsten Jahre immer mal wieder zu dem Roman greifen werde.

Carrie Anne Noble: The Mermaid’s Sister

Um „The Mermaid’s Sister“ von Carrie Anne Noble bin ich eine ganze Weile herumgeschlichen. Auf der einen Seite mochte ich die märchenhaften Elemente, die der Klappentext andeutete, auf der anderen Seite befürchtete ich, dass der Teil der Geschichte, der sich um das Erwachsenwerden der Protagonistin Clara dreht, mir nicht gefallen könnte. Ich greife jetzt mal voraus und sage, dass ich definitiv mit weniger Passagen rund um Claras „unglücklicher Liebe“ hätte leben können, aber insgesamt habe ich „The Mermaid’s Sister“ wirklich gemocht. Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der 16jährigen Clara, die gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen (Zieh-)Schwester Maren bei der Heilerin Verity aufgewachsen ist. Von klein auf sind sich die beiden Schwestern dessen bewusst, dass Maren eine Meerjungfrau ist, während Clara von einem Storch zu Verity gebracht wurde. Zu Beginn der Geschichte ist Clara sich nicht sicher, wer oder was sie sein könnte, vor allem aber fragt sie sich, was sie tun könnte, um Marens beginnende Verwandlung aufzuhalten.

Hilfe erhofft sie sich von O’Neill, der ebenso wie Clara und Maren ein Waisenkind ist und von Veritys Liebsten Scarff aufgezogen wurde. Für Clara und Maren ist O’Neill wie ein Bruder, auch wenn er den Großteil des Jahres mit seinem Pflegevater als reisende Händler unterwegs ist. Doch O’Neill hat versprochen, auf seinen Reisen die Augen nach einem Heilmittel für Maren aufzuhalten. An diese Hoffnung klammert sich Clara, bis deutlich wird, dass es Zeit wird, Maren aus den Bergen zum Meer zu bringen, da sie als Meerjungfrau nun einmal nicht woanders überleben kann. Gemeinsam machen Clara, Maren und O’Neill sich auf den Weg an die Küste, nicht ohne auf ihrer Reise diverse Gefahren bestehen zu müssen. Für Clara kommt dazu noch der Kampf gegen ihre eigenen Gefühle, denn obwohl O’Neill und Maren einander innig zu lieben scheinen, muss sie sich eingestehen, dass auch sie sich in ihren Ziehbruder verliebt hat.

Die Handlung wird von Carrie Anne Noble sehr gemächlich erzählt. Obwohl eigentlich von Anfang an feststeht, dass Maren von ihren Geschwistern ans Meer gebracht werden muss, nimmt sich die Autorin viel Zeit, um erst einmal die Welt und die verschiedenen Figuren darin vorzustellen. Ich muss aber zugeben, dass ich gegen diese fast schon schleppende Erzählweise nichts hatte, weil ich die vielen kleinen, märchenhaften Elemente in der Geschichte sehr mochte. Claras Ziehmutter ist zur Hälfte Fae, was nicht nur für ihr Wissen rund um Heikräuter verantwortlich ist, sondern auch dafür, dass sie nicht in der Lage ist zu lügen. Als Haustier hält die Familie einen noch jungen Wyvern, und O’Neill, der als Baby unter einem blühenden Apfelbaum gefunden wurde, kann mit Tieren sprechen. Während für die Protagonistin und ihre Familie die Welt voller kleiner und größere fantastischer Dinge ist, scheint der Großteil ihrer Nachbarn ein relativ wenig magisches Leben zu führen – was dazu führt, dass z. B. Marens beginnende Verwandlung vor ihnen verheimlicht werden muss.

Durch den gesamten Roman ziehen sich kurze, märchenhafte Geschichten, die sich die Figuren gegenseitig erzählen und die für eine wunderbare Atmosphäre sorgen. Ich mochte auch – zum Großteil – Claras Perspektive, weil sie versucht, die Wünsche ihrer Schwester zu respektieren, egal wie sehr es ihr das Herz bricht, und weil sie versucht, ihre eigenen Gefühle in den Griff zu bekommen, weil es eben wichtigere Dinge in ihrem Leben gibt als eine unerfüllte Liebe. Was für mich etwas schwierig zu lesen war, war die Tatsache, dass ich Claras Überzeugung, dass O’Neill so gar nichts für sie empfindet, nicht ganz teilen konnte, weshalb ich mir wirklich gewünscht hätte, diese drei Charaktere hätten einfach mal offen miteinander geredet – auch wenn es natürlich eine Herausforderung ist, seine Gefühle zu gestehen, wenn dies das Verhältnis zu den beiden wichtigsten Menschen im Leben der Protagonistin verschlechtern könnte.

Ein weiteres Problem war für mich die Verwendung des Begriffs „Gypsy“ (und die dazugehörigen Beschreibungen) für eine Gruppe von Personen, bei denen O’Neill und Scarff eine Zeitlang Unterschlupf fanden. Auch die Tatsache, dass eine andere Gruppe „fahrendes Volk“ sich als die Bösewichte herausstellte, finde ich für eine relativ aktuelle Veröffentlichung (2015) schwierig. Allerdings ist das für eine märchenhafte Geschichte, die – meiner Meinung nach – von „Das letzte Einhorn“ und ähnlichen Romanen/Filmen inspiriert wurde, nicht so ungewöhnlich. Obwohl das Aspekte sind, die ich hier nicht ignorieren möchte und die mir definitiv beim Lesen negativ ins Auge gefallen sind, habe ich „The Mermaid’s Sister“ an sich wirklich gemocht. Claras Erzählstimme bin ich wirklich sehr gern gefolgt (und das ist definitiv ein Lob, wenn ich bedenke, wie wenig Geduld ich sonst mit unglücklich liebenden Teenagern habe), ich mochte die fantastische Welt, die Carrie Anne Noble für ihre Geschichte geschaffen hat, und ich bin mir sicher, dass ich irgendwann eine weitere Veröffentlichung von ihr lesen werde.

Lese-Eindrücke März 2024

Eigentlich wollte ich im März keine neuen eBooks kaufen, aber das ist irgendwie nach hinten losgegangen. Ich habe nicht nur einen Haufen (14! *uff*) Romane von W. R. Gingell angeschafft, damit ich die „The City Between“-Reihe am Stück lesen kann, sondern bin auch bei ein paar weiteren eBooks schwach geworden. Nur gut, dass ich insgesamt so viel gelesen habe, dass ich diese Käufe (irgendwie) vor mir rechtfertigen konnte. 😉

Sierra Cross: Fangs and Frenemies (Blue Moon Bay Witches 1)

„Fangs and Frenemies“ habe ich mal bei einer Aktion mit kostenlosen ersten Bänden mitgenommen. Die Geschichte wird aus Sicht der Hexe Hazel Greenwood erzählt, die in einer netten, kleinen Stadt ein – scheinbar – perfektes Leben führt. Hazel wohnt in einem hübschen, kleinen Haus, ist beruflich vollkommen zufrieden und seit ein paar Monaten ist sie mit einem wirklich netten Mann zusammen. Allerdings verschwindet dann eine Frau, mit der Hazel zur Highschool ging, und sie muss sich mit zwei ihrer „Frenemies“ zusammentun, um dieses Verschwinden aufzuklären. Ich mochte es, dass sich die Handlung sehr darum dreht, wie Hazel im Rahmen ihrer Ermittlungen herausfindet, was zu einem Bruch mit ihrer ehemals besten Freundin geführt hat. Der Schwerpunkt der Handlung war definitiv die Beziehung dieser drei Frauen zueinander. Für mich war es angenehm und unterhaltsam zu lesen, wie sich die drei Frauen (erneut) anfreunden, ein paar (fantastische/magische) Geheimnisse klären und sich gegenseitig unterstützen. Allerdings gab es auch viele sehr vorhersehbare Elemente in der Geschichte, was dazu führt, dass ich das Ganze zwar sehr nett fand, aber nicht so gut, dass ich für die weiteren Bände den vollen Preis zahlen wollen würde.

Lydia Sherrer: Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings (A Lily Singer Cozy Fantasy Adventure 1)

„Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings“ wurde mir in den vergangenen Wochen von mehreren Seiten empfohlen, und den Klappentext klang nett genug, dass ich spontan zugeschlagen habe. Die Protagonistin Lily Singer ist eine (magische) Bibliothekarin, ihr bester Freund Sebastian ist das personifizierte (ebenfalls magische) Chaos, und gemeinsam versuchen die beiden zu Beginn der Geschichte einen Fluch aufzuheben, was natürlich ein paar weitere Abenteuer zur Folge hat. Die Handlung wird in drei Teilen erzählt – der erste und der letzte Part aus der Sicht der Protagonistin Lily, der mittlere Teil aus der Sicht ihres „Sidekicks“ Sebastian. Grundsätzlich fand ich es eine gute Idee der Autorin, dass Lily zu den Personen gehört, die mit Magie geboren wurden, während Sebastian nur Magie wirken kann, wenn er auf (nicht immer ganz legale) Tricks zurückgreift, weil das dazu führte, dass die Autorin verschiedene Magievarianten in ihre Geschichte einbauen konnte, die ich interessant und unterhaltsam fand.

Überhaupt mochte ich die Grundidee für diese Geschichte mit einem Fluch, der auf einem Herrenhaus lag, und einem Geist, der in diesem Haus spukt, weil er verhindern will, dass andere Personen dem Fluch zum Opfer fallen, wirklich sehr. Auch fand ich Sebastian – gerade in dem Teil, der aus seiner Perspektive geschrieben wurde – sehr sympathisch und habe mich über ihn immer wieder gut amüsiert. Dummerweise habe ich die Passagen, die aus Lilys Sicht geschrieben wurden (und die den Großteil der Geschichte ausmachten) relativ ungern verfolgt, weil sie sich für mich nicht wie eine „reale Person“ anfühlte, sondern wie der Prototyp einer „überkorrekten und von Regeln besessenen Bibliothekarin, die besser mit Büchern als mit Menschen umgehen kann“. Mal davon abgesehen, dass Bibliothekarinnen bei der Arbeit fast mehr Zeit mit Menschen als mit Büchern verbringen müssen, ist so eine Perspektive nicht gerade unterhaltsam für mich zu verfolgen, wenn mir die Protagonistin mit ihren Gedankengängen das Gefühl gibt, dass sie sich sicher ist, dass sie allen anderen Personen überlegen sei.

R. L. Medina: The Fae’s Bride (Silveri Sisters 1)

„The Fae’s Bride“ ist schon im vergangenen Jahr erschienen, kam mir aber erst im vergangenen Monat vor die Nase (vermutlich weil der vierte Band gerade erschienen ist). Die Grundidee der Serie mit „cozy Liebesgeschichten in einem italienisch inspirierten Fantasy-Setting“ fand ich sehr ansprechend. Ebenso gefiel mir die Idee, dass ein Graf, der aufgrund seiner zweifelhaften Fae-Herkunft eher gemieden wird, sich in eine – ebenfalls von der Gesellschaft wenig geachtete – Hexe verliebt. Ich mochte die Welt und fand einen Haufen Charaktere sehr sympathisch, auch gefiel es mir, dass die Handlung abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt wurde. Seine Perspektive habe ich wirklich gern gelesen, bei ihrer Perspektive hatte ich aber das Gefühl, dass es immer wieder Widersprüche gab, unter anderem bei dem, was über eine Nebenperson gesagt/gedacht wurde und was von dieser Person gezeigt wurden. Alles in allem war der kurze Roman unterhaltsam zu lesen (und einige Szenen erinnerten mich an „Encanto“-Fanfiction, was ich auch nett fand), aber irgendwie hat das Ganze bei mir keinen besonders großen Eindruck hinterlassen, weshalb ich nach diesem ersten Teil nicht das Bedürfnis habe, weitere Bände der Reihe zu lesen.

Mara Webb: Cakes to Die For/A Brunch With Death (Compass Cove 1+2)

Den ersten Band der „Compass Cove“-Mysteries hatte ich vor ungefähr einem Jahr schon mal gelesen, als ich einen ganzen Haufen Paranormal-Cozy-Mysteries umsonst bei einer Werbeaktion heruntergeladen hatte. Da ich die Geschichte damals ganz nett fand, habe ich mir vor Kurzem gleich die gesamte zehnteilige Reihe als Bundle für 99 Cent gekauft und Band 1 und 2 gelesen, während ich bei meiner aktuellen Serie („The City Between“) zum Hörbuch wechseln musste, weil es beim neunten eBook ein Problem beim Kauf in Deutschland gab. In „Cake to Die For“ erbt die Protagonistin Zora Wick eine Bäckerei von einer verstorbenen Tante, wobei sie von der Existenz dieser Tante (und den verschiedenen anderen Familienangehörigen) erst durch dieses Erbe erfährt. Außerdem lernt Zora, dass sie eine Hexe ist (ebenso wie die anderen Mitglieder der Familie Wick), dass sie auch den – ziemlich sarkastischen – Familiar ihrer Tante geerbt hat und dass sie herausfinden soll, wer ihre Tante ermordet hat.

Auch wenn ich den Humor manchmal etwas arg überzogen fand, so war der Mystery-Anteil in der Geschichte ganz unterhaltsam und ich mochte, dass sich ein großer Teil der Handlung darum drehte, dass Zora ihre neuen Familienmitglieder kennenlernt. Es gibt im ersten Band einen Hauch von „Romance“, der allerdings nur darin besteht, dass Zora einen der Verdächtigen sehr attraktiv findet und es genießt, wenn er mit ihr flirtet. Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, obwohl es ein paar Szenen gab, die mir etwas zu albern waren. In „A Brunch With Death“ hingegen wird Zora Wick verdächtigt, einen ihrer Kunden vergiftet zu haben, und muss nun ihren Namen reinwaschen – was ein häufig verwendetes Motiv in Cozy Mysteries ist, das ich wirklich nicht leiden kann. Außerdem konzentriert sich die Autorin noch mehr auf die „lustigen“ Elemente in ihrer Geschichte, ebenso wie auf die Rivalität zwischen zwei Männern, mit denen Zora häufig zu tun hat – was bedeutet, dass sich für mich mit diesem Band die Reihe in eine Richtung entwickelt hat, die mir eigentlich nicht gefällt. Das Buch war immer noch nett genug, dass ich es beendet habe (und für 99 Cent bereue ich den Kauf auch nicht), aber ich werde mir gut überlegen, ob und wann ich zum dritten Teil greife.