Kategorie: Uncategorized

Februar-SuB 2017

Der Januar war ein ziemlich arbeitsreicher Monat und ich hatte nicht erwartet, dass ich ausreichend Lesezeit finden würde. Aber dank der richtigen Lektüre – also lauter locker-flockig zu lesende dünne Romane (zum Großteils Kinderbücher) – und der Tatsache, dass mein Mann abends so erledigt war, dass er deutlich früher als normal ins Bett ging und ich die so entstandene ablenkungsfreie Zeit zum Lesen genutzt habe, sind es dann doch 15 Bücher, 5 Kurzgeschichten und 1 Manga geworden. Dummerweise gehen mir so langsam die dünnen, einfachen Bücher aus, während die stressige Zeit erst jetzt so richtig anfängt.

Für die erste Februarwoche habe ich noch zwei vorbereitete Blogbeiträge terminiert, ansonsten weiß ich nicht, ob ich in den nächsten Wochen zum Bloggen und Kommentieren komme. Im schlimmsten Fall lesen wir uns dann erst im März wieder (vorausgesetzt, dass es mit dem Internetzugang in der neuen Wohnung reibungslos funktioniert).

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  3. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  4. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  6. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  10. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  11. Gail Carriger: Curtsies and Conspiracies (Finishing School 2)
  12. Agatha Christie: Curtain – Poirot’s Last Case
  13. Jennifer Estep: Cold Burn of Magic
  14. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  15. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  16. Alex Grecian: The Yard
  17. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  18. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  19. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  20. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  21. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  22. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  23. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  24. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  25. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  26. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  27. Diana Wynne Jones: The Islands of Chaldea
  28. Diana Wynne Jones: A Tale of Time City
  29. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  30. Sarah Kuhn: Heroine Complex
  31. Lynn Kurland: Star of the Morning
  32. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  33. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  34. Bishop O’Connell: The Stolen
  35. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  36. Cindy Pon: Serpentine
  37. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  38. Philip Reeve: Larklight
  39. John Scalzi: Fuzzy Nation
  40. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  41. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  42. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  43. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  44. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  45. Charles den Tex: Die Zelle
  46. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  47. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  48. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  49. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child
  50. Xinran: Gerettete Worte
  51. Xinran: Wolkentöchter
  52. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

52 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Regina Stürickow: Kommissar Gennat ermittelt – Die Erfindung der Mordinspektion

Über Regina Stürickow und ihre Veröffentlichungen rund um Berliner Kriminalfälle und Kommissar Gennat bin ich im vergangenen August das erste Mal gestolpert, als mein Mann und ich ein „Mörderisches Wochenende“ verbrachten. Als Folge dieses Wochenendes und der intensiven Beschäftigung mit dem Film „M“ von Fritz Lang landeten zwei neue Titel auf meiner Wunschliste, die beide inzwischen auch bei mir eingezogen sind. Einer davon ist „Kommissar Gennat ermittelt – Die Erfindung der Mordinspektion“, und weil ich so neugierig darauf war, habe ich in den letzten Tagen bei jeder Gelegenheit darin gelesen. Wichtig ist es mir noch, anzumerken, dass „Kommissar Gennat ermittelt“ die überarbeitete Neuauflage des 1998 erschienenen Titels „Der Kommissar vom Alexanderplatz“ ist, wobei für diese aktuelle Veröffentlichung die Texte überarbeitet und neues Bildmaterial und weitere Kriminalfälle eingefügt wurden.

Kommissar Gennat war mir zwar schon länger ein Begriff, aber da ich ihn vor allem aus Romanen kannte, die die reale Person in fiktive Geschichten einbetteten, fand ich es spannend, mehr über diesen ungewöhnlichen Kriminalbeamten zu erfahren. Die Zeit, in der Ernst Gennat bei der Polizei arbeitete, war von vielen Umbrüchen geprägt. So ist er 1904 mit 24 Jahren in den Dienst der Polizei getreten und blieb bis zu seinem Tod im August 1939 bei der Kriminalpolizei. Während er also den Ersten Weltkrieg und das Ende der Kaiserzeit, die Weimarer Republik und die ersten Jahre des Nationalsozialismus erlebte, erwarb sich Ernst Gennat – in der Regel sogar relativ unabhängig von der aktuellen Politik – einen Ruf als unvergleichlicher Kriminalist und nutzte diesen, um zur Gründung der ersten Kriminalpolizeilichen Abteilung in Deutschland beizutragen (und diese im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln).

Von politischer Seite aus scheint Ernst Gennat bis 1933 recht freie Hand gehabt zu haben, auch wenn er – dank seines mangelnden Ehrgeizes – nie in eine so hohe Position kam, dass er seiner Arbeit auf diese Art und Weise ohne wohlwollende Vorgesetzte hätte nachgehen können. Nach 1933 wurde es für die Mordermittlung deutlich schwieriger, weil die Kriminalpolizei nun auf der einen Seite zum politischer Handlanger wurde (und das häufig zur Freude derjenigen Ermittler, deren Gesinnung ebenso rechts war wie die neue Regierung) und es auf der anderen Seite keine Fahndungsaufrufe oder ähnliche Möglichkeiten für die Ermittlungsarbeit mehr gab, damit die Bevölkerung in dem Glauben gehalten werden konnte, dass es unter dem rechten Regime zu keinen großen Verbrechen mehr kommen würde.

Insgesamt ist mir im Laufe des Buches aufgefallen, wie wenig eigentlich über den Menschen Ernst Gennat bekannt ist. Es gibt Informationen über seine Eltern und seinen Bruder, über sein abgebrochenes Jurastudium und über seine extreme Vorliebe für Kuchen, die auch schon mal dazu führte, dass auf der Fahrt zu einem Tatort eben noch an einer Konditorei angehalten wurde. Aber von diesen wenigen Details abgesehen sind wohl wirklich nur Informationen über seine Arbeit als Kriminalist erhalten geblieben. Eine Errungenschaften bei seiner Arbeit war, dass es ihm extrem wichtig war, dass ein Tatort so erhalten blieb, wie er vorgefunden wurde, bis alle Fakten festgehalten werden konnten. Etwas, das heute selbstverständlich ist, während das damals vollkommen unüblich war. Auch die Einführung des sogenannten „Mordautos“ – ein Fahrzeug mit allen notwendigen Gerätschaften für die ersten Arbeiten am Tatort sowie mobilem Arbeitsplatz für eine Sekretärin – wird ihm zugeschrieben. Dabei hat wohl nicht nur seine akribische Arbeitsweise, sondern auch die Tatsache, dass sich Gennat gut mit all den Kriminellen verstand, mit denen er zu tun hatte, zu seinen Ermittlungserfolgen geführt. Er gab den Tätern das Gefühl, er würde sie verstehen und nachvollziehen können, wie es zur Tat gekommen war. Und anscheinend hat er auch oft genug in seinen Berichten an die Staatsanwaltschaft erwähnt, welche mildernden Umstände zum Tragen kommen könnten, um zum Beispiel bei einem Mörder die Todesstrafe zu verhindern und ihn stattdessen nur zu lebenslanger Haft zu verurteilen.

Spannend fand ich in diesem Buch auch Details, die eher wenig mit der Person Ernst Gennat zu tun hatte, wie die Aussage, dass die Fotos, die damals an Tatorten gemacht wurden, großartiges Material für Historiker bieten, weil sie das Leben und Wohnen quer durch alle Bevölkerungsschichten genau abbildeten. Wenn man da mal genauer drüber nachdenkt, dann ist das wohl das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass man nicht durch Ausgrabungen, Gemälde und Haushaltsbücher Informationen über das Leben der Menschen bekommt (und das vor allem über Personen, die über ein gewisses Einkommen verfügten), sondern über detailliertes Festhalten des aktuellen Zustands einer Wohnung und der darin lebenden Menschen in Zusammenhang mit einem Kriminalfall.

Leider habe ich auch einige Kritikpunkte bei diesem Buch gefunden, die mich – obwohl ich die Lektüre sehr interessant und spannend fand – sehr gestört haben. Erst einmal mag ich es nicht, wenn man alte Fotos für eine Veröffentlichung so bearbeitet, dass einzelne Elemente rot aus den schwarzweißen Bildern herausstechen. Das ist unnötig reißerisch und lenkt von anderen Details ab, die ich persönlich in der Regel viel interessanter fand. Aber ob einen dieses Bildelement stört, ist ja Geschmackssache. Viel unangenehmer fand ich, dass Text und Foto häufig nicht zusammenpassten. So beschreibt die Autorin in einem Absatz ein Ereignis, bei dem alle zu dem Zeitpunkt aktiven Kriminalkommissare anwesend waren (inklusive Charakter, Arbeitsweise und zum Teil zukünftigem Werdegang der Personen), aber das folgende Foto wurde bei einer ganz anderen Gelegenheit aufgenommen und zeigt nur einen der erwähnten Männer. Ich vermute, dass solche Fehler durch die Überarbeitung der alten Auflage (und das eventuelle Auslaufen von Bildrechten) passiert sind, aber es ärgert mich sehr, wenn ich im Text zum Beispiel explizit auf einen Mann mit Goldrandbrille hingewiesen werde und er im ganzen Kapitel auf keinem einzigen Foto auftaucht.

Ebenso gab es stellenweise Probleme mit der Anordnung von Bild und Texte, weil dort lieber auf eine nicht so statische Präsentation gesetzt wurde statt auf die Lesbarkeit der historischen Dokumente und Zeitungsausschnitte. Kleine Textzeilen und Bilddetails, die im Falz liegen, sind nun einmal nicht erfassbar, wenn man nicht das ganze Buch dafür auseinandernehmen möchte, Und ich verstehe so eine Anordnung bei einem Sachbuch auch nicht, wenn man das Bild genauso gut auf eine Seite und den Text gegenüberliegend hätte platzieren können, so dass alles für den Leser problemlos zu erkennen gewesen wäre. Auch sonst wurden die Fotos meinem Gefühl nach oft unpassend platziert, wenn man zum Beispiel über einen bestimmten Kriminalfall liest und auf der gleichen Seite ein Bild zu sehen ist, das sich auf einen anderen Fall bezieht. Selbst wenn diese beiden Fälle oft genug zusammenhingen oder zeitgleich von Gennat in diesen Fällen ermittelt wurde, so konnte ich beim Lesen dieses Foto erst einmal nicht zuordnen und musste dann, wenn ich auf den nächsten Seite dann endlich den Bezug herstellen konnte, wieder zurückblättern, um das Gelesene mit dem Bild in Verbindung bringen zu können.

Außerdem meint Regina Stürickow im Vorwort, dass sie hier und da Details frei ergänzt habe, und auch das hätte es für mich nicht gebraucht. Natürlich liest es sich flüssiger, wenn einem ein Kriminalfall als Geschichte inklusive Nebenbemerkungen zum Charakter des Opfers oder des Täters erzählt wird, aber das sorgt bei mir auch immer dafür, dass ich mich frage, welche Details nun aus den Polizeiakten stammen und welche die Autorin hinzugefügt hat. Ich möchte mich bei einem Sachbuch nicht fragen, welcher Teil nun „wahr“ ist und welcher Teil „ergänzt“ wurde. Ebenso stören mich Elemente wie ein fiktives Interview mit Ernst Gennat. Auch wenn es viele Artikel gibt, die die Meinung des Polizisten zu den diversen Themen und Fällen wiedergaben und ich davon ausgehen kann, dass die ihm zugeschriebenen Antworten auf die Fragen stimmig sind, so brauche ich kein Interview als „Zusammenfassung“ seiner Ansichten und Aussagen, wenn ein solches Interview so nie stattgefunden hat.

Das klingt jetzt alles sehr nörgelig und ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen wirklich häufig geärgert habe. Aber trotz dieser Kritikpunkte hat sich „Kommissar Gennat ermittelt“ für mich wirklich gelohnt, weil ich so viele Details über das Leben (in Berlin) zwischen 1904 und 1939 erfahren habe. Auf die Veränderungen in der Polizeiarbeit geht Regina Stürickow eher allgemein ein, ich vermute mal zugunsten der Autorin, dass da gar nicht so viele Informationen über schrittweise Weiterentwicklungen erhalten geblieben sind. Stattdessen bekommt man als Leser Dinge erzählt wie die Tatsache, dass Ernst Gennat bei dem Versuch, eine umfassende Verbrecherdatei aufzubauen, auch schon mal die abgeschlossenen Fälle anderer Dienststellen anforderte und dann „vergaß“, sie zurückzugeben. Solche Elemente finde ich interessant, weil sie einem eine Vorstellung von dem Charakter eines Menschen vermitteln.

Auch finde ich es spannend, wenn die Autorin statistische Zahlen zum Beispiel zur Einfuhr von Milch und Eiern nach Berlin in den Text einfügt, um die wirtschaftliche Entwicklung in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen und zu erklären, warum es zu einer solchen Steigerung der Kriminalitätsrate kam. Und so sehr ich den Umgang mit dem Bildmaterial kritisiert habe, so faszinierend fand ich doch in der Regel die Fotos. Es ist eben ein Unterschied, ob man nur liest, dass eine sechsköpfige Familie plus „Untermieter“ in einer 1-Zimmer-Wohnung lebt, oder ob man ein Foto von diesem Zimmer betrachten kann und eine konkretere Vorstellung davon bekommt, unter welchen Umständen die Menschen in dieser Wohnung gehaust haben. So interessant ich dieses Buch fand, so werde ich mit dem Lesern von „Mörderische Metropole Berlin“ von der selben Autorin noch ein bisschen warten, da ich davon ausgehe, dass es die eine oder andere Überschneidung mit „Kommissar Gennat ermittelt“ geben wird.

Patricia C. Wrede: The Seven Towers

„The Seven Towers“ von Patricia C. Wrede habe ich zu Weihnachten bekommen und da ich mich gerade chronologisch durch die Veröffentlichungen der Autorin lese, durfte der Roman (der 1984 veröffentlicht wurde) auch schnell wieder den SuB verlassen. Der Klappentext sagt zu diesem Buch:

„Seven Players,
Seven Kingdoms,
Seven Towers 

Eltiron, Prince of Sevairn: caught in a web of his father’s intrigues.
Crystalorn, Princess of Barinash: promised in marriage to a prince she’s never seen.
Ranlyn, the desert rider: forced to choose between friendship and honor.
Jermain, the outlaw: exiled from court for the crime of telling the truth.
Vandaris, the soldier: who left the life of luxury to wield a sworld and lead an army.
Carachel, the Wizard-King: who does not understand the awesome power he commands.
And Amberglas, the sorceress: who may not be quite as confused as she seems … 

Seven Players in a game of deadly magic.
Seven Kingdoms at the edge of destruction.
Seven Towers holding a dark and dreadful secret.“

Auf den ersten Blick erzählt Patricia C. Wrede mit „The Seven Towers“ eine klassische High-Fantasy-Geschichte, wobei die Autorin nicht sehr viel Wert auf einen ausführlichen Weltenbau legt. So sprechen alle Beteiligten die selbe Sprache, obwohl sie aus verschiedenen Königreichen kommen, und über die Landschaft erfährt man vor allem, dass sie überall aus viel Wald besteht, im Süden eine Wüste (und im Südosten ein großer Sumpf) ist und im Westen ein Meer das Land begrenzt. Die fehlenden Hintergründe habe mich bei diesem Buch aber nicht gestört, weil der Schwerpunkt eindeutig auf den Charakteren liegt. Dabei lernt man im Laufe der Handlung die sieben im Klappentext erwähnten Figuren immer besser kennen, auch wenn man die Geschichte nur aus der Perspektive von Eltiron und Jermain erlebt.

Interessant fand ich, dass Patricia C. Wrede sehr viele High-Fantasy-Klischees verwendet und damit experimentiert. So gibt es den schwachen Prinzen, der von einem machtgierigen Berater seines Vaters manipuliert wird, den geheimnisvollen Wüstenkrieger, der über mehr Wissen verfügt als die anderen und einem strengen Ehrenkodex folgt, eine aufmüpfige Prinzessin, eine verwirrt scheinende, aber überaus mächtige Zauberin und viele andere Dinge, die so typisch für klassische Fantasygeschichten sind. Obwohl all diese Figuren auf den ersten Blick so typisch zu sein scheinen, gelingt es der Autorin für jede einen Hintergrund anzureißen, der nicht ganz so klischeehaft ist wie man erwarten würde. Dabei gelingt es Patricia C. Wrede nicht immer die richtige Balance zwischen dramatischer Geschichte und amüsanten Momenten zu finden, aber insgesamt hat es mir gefallen, wie die großen Enthüllungen immer wieder durch die kleineren – fast alltäglich anmutenden – Szenen durchbrochen wurden.

Ebenso fand ich es spannend, welche Wendungen die Handlung nahm. Zu Beginn wird man als Leser in die Geschichte geworfen und muss sich erst einmal mit all den Namen und Ländern zurechtfinden. Nach und nach lernt man die verschiedenen Personen und ihren aktuellen Stand kennen, um im Laufe der Zeit dann mehr über ihre Absichten zu erfahren und welche Schritte sie gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Dabei gibt es einige Dinge, die man schon vorherahnen kann, aber da die Autorin durch die Perspektivwechsel die schrittweisen Enthüllungen ganz gut dosiert, ist man den verschiedenen Charakteren nie soweit voraus, dass man die Figuren und ihre Handlungen als dumm oder frustrierend empfindet. Das Vorahnen sorgt eher dafür, dass man nur noch eben ein Kapitel liest, um zu schauen, ob man mit seinem Verdacht richtig liegt. (Gemeinerweise sind die einzelnen Kapitel auch noch so kurz, dass „nur noch ein Kapitel“ bei mir gern mal die Schlafenszeit etwas weiter verzögert hat. *g*)

Insgesamt habe ich mich wieder gut unterhalten gefühlt und kann wie immer darauf verweisen, dass ich die Charaktere und den Humor von Patricia C. Wrede ebenso sehr mag wie ihre Grundideen für ihre Romane und welche – für die Entstehungszeit ungewöhnlichen – Wege sie beim Erzählen ihrer Geschichten geht. Aber ich muss auch zugeben, dass „The Seven Towers“ für mich einer der Titel der Autorin ist, die ich im Vergleich zu ihren aktuelleren Werken, spürbar schwächer finde. Das macht den Roman immer noch zu einem interessanten Buch, aber vermutlich werde ich den Titel deutlich weniger häufig für ein erneutes Lesen aus dem Regal ziehen als z.B. „The Raven Ring“, „Die Drachenprinzessin“, „A Matter of Magic“ oder „Socery and Cecelia“.

Seanan McGuire: Dusk or Dark or Dawn or Day

Seanan McGuires neuste Veröffentlichung „Dusk or Dark or Dawn or Day“ ist wie „Sparrow Hill Road“ eine Geistergeschichte, spielt aber in einer Welt, wo die Geister ganz anderen Gesetzen unterliegen als Rose es als Hitchhiker-Ghost tat. Ich muss gestehen, dass ich dieses Mal sehr lange überlegt habe, ob ich mir wirklich das Taschenbuch zulegen soll, denn das Preis-/Leistungsverhältnis (gerade dann, wenn man es mit dem eBook-Preis vergleicht) ist schon recht unausgewogen bei 183 Seiten für 15 Euro. Aber nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, musste ich die Geschichte dann doch in einer „greifbaren“ Ausgabe haben. In „Dusk or Dark or Dawn or Day“ kann man verfolgen, wie Jenna – die vor 43 Jahren gestorben ist – versucht herauszufinden, was es mit den von einem Tag auf den anderen verschwundenen Geistern New Yorks auf sich hat. Es ist bei einer so kurzen Geschichte schwierig etwas über den Inhalt zu sagen, ohne dabei zu viel über die Handlung zu verraten, deshalb belasse ich es bei dem Satz mit den verschwundenen Geistern.

Besonders spannend fand ich die Regeln, die Seanan McGuire für ihre Geister in dieser Geschichte entworfen hat. So kann man davon ausgehen, dass sehr, sehr viele Menschen zu früh sterben (auch wenn niemand weiß, wie überhaupt festgelegt wird, was zu „früh“ ist) und als Geister dann „Lebenszeit“ nachholen müssen, bis sie endgültig weitergehen können. Wobei niemand weiß, was mit ihnen passiert, wenn der Tag kommt, an dem sie endgültig sterben. Da Geister nicht von sich aus altern, müssen sie diese „Lebenszeit“ von den noch Lebenden nehmen. Was nicht bedeutet, dass diejenigen, denen „Lebenszeit“ genommen wurde, früher altern, sondern sie bleiben im Gegenteil länger jung. Natürlich gibt es Personen, die herausgefunden haben, dass man Geister im Prinzip als Jungbrunnen benutzen kann, und die dieses Wissen missbrauchen. Vor allem vor Hexen müssen Geister auf der Hut sein, denn bei diesen hat ein Geist keine Kontrolle darüber, ob er Lebenszeit gibt oder nimmt, während er bei „normalen“ Menschen derjenige ist, der das Geben und Nehmen von Zeit kontrolliert.

Jenna fühlt sich nicht wohl damit, wenn sie ungefragt Lebenszeit von Menschen nimmt, und hat deshalb für sich ein System gefunden, mit dem sie sich dieses gestohlene Altern verdienen kann. Ihre Ansichten zu ihrem Dasein als Geist fand ich ebenso spannend wie die wenigen anderen Geister, die man als Leser der Geschichte kennenlernt. Dabei reißt Seanan McGuire die verschiedenen Figuren und ihr jeweiliges Schicksal nur soweit an, dass man eine Vorstellung von dem Charakter bekommt und Sympathie für ihn entwickeln kann. Überhaupt ist die Geschichte sehr begrenzt – sowohl vom Zeitrahmen her als auch von der Handlungsentwicklung her -, aber ich habe es geliebt all die kleinen atmosphärischen Momente mitzuerleben, in denen es um Familie, um Freundschaft, um Heimat und um den Versuch ging, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben.

Vielleicht wäre es noch befriedigender gewesen Jennas Weg zu verfolgen, wenn die Geschichte doppelt so lang gewesen wäre und mehr Raum für all die magischen und absonderlichen Elemente geboten hätte. Aber ich mochte den Roman so wie er ist. Und ich fand es toll, wie all die kleinen Andeutungen und Aussagen zu den Hexen, zu den Regeln der Geister und vielen anderen Dingen meine Fantasie beim Lesen befeuert hat und brauchte eigentlich nicht mehr Details zu all den ungewöhnlichen Ideen, die in „Dusk or Dark or Dawn or Day“ von der Autorin verwendet wurden. Ich mag es, wie jede (Geister-)Geschichte von Seanan McGuire so viele weitere Schichten zu beinhalten scheint. Hätte ich die Fähigkeit Geschichten zu erzählen, dann könnte allein schon dieser dünne Roman Inspiration für ganz viele neue (eigenständige) Erzählungen bieten.

Wer nun vielleicht Lust auf die Geschichte hat und kein solches Seanan-McGuire-Fangirl ist wie ich, sollte wohl eher nach dem eBook (je nach Format kostet das gerade zwischen 1,60 und 2,60 Euro) schauen.

Während Christie …

… ihren neuen Ruheplatz so sehr genießt, dass ich mich nicht traue, die Kartons zu den anderen zu stellen, …

… ging es für mich in dieser Woche weiter mit dem Packen. Außerdem hat die Nachbarin/neue Vermieterin den gesamten Mittwoch in unserer Wohnung verbracht, um einen Handwerker nach dem anderen durchzuschleusen, damit diese Angebote für Umbauarbeiten nach unserem Auszug machen können. So lästig das für mich und so stressig das für Christie war, so spannend war es auch mitzubekommen, welcher Handwerker welche Maßnahmen als unumgänglich bezeichnete. Bei der Gelegenheit konnte ich mir gleich die Waage der Nachbarin leihen und einmal alle schon gepackten Kartons wiegen. Dummerweise habe ich mir dabei prompt den Rücken etwas verdreht und muss nun etwas mehr aufpassen, wenn ich Kartons packe und staple.

Das Wochenende werden wir mit dem Vergleichen der diversen Umzugsfirmen-Angebote verbringen (auch hier spannend, dass die Preise bei den Angeboten bis zu 2000 Euro auseinanderklaffen) und in einer Woche bekommen wir die Schlüssel zur neuen Wohnung. So langsam wird es konkreter, auch wenn ich gerade an dem Punkt bin, an dem ich bezweifle, dass wir das alles bis Mitte Februar auf die Reihe bekommen. Aber irgendwie ging es bislang bei jedem Umzug …

Patricia C. Wrede: A Matter of Magic

„A Matter of Magic“ von Patricia C. Wrede beinhaltet die beiden Romane „Mairelon the Magician“ und „The Magician’s Ward“. Obwohl es keine Jahresangaben in den Geschichten gibt, bezeichnet die Autorin die Romane als „Regency Magic“ – und die Welt fühlt sich (ebenso wie die Beziehung, die die Menschen zu Magie haben,) sehr nach den „Cecelia und Kate“-Büchern an und auch die Erwähnung des „Royal College of Wizards“ in London deutet auf das gleiche Setting hin. (Und wenn ich nach dem Umzug wieder Zugriff zu meinen Cecy-und-Kate-Romanen habe, muss ich mal nachschauen, ob mindestens eine der zum College gehörigen Personen auch da erwähnt wird.)

Protagonistin der beiden Geschichten ist die siebzehnjährige Kim, die ihr gesamtes bisheriges Leben in den Slums von London verbracht hat. Dabei hat die Frau, bei der sie aufgewachsen ist, darauf geachtet, dass Kim von allen für einen Jungen gehalten wird, weil sie so für die „Pflegemutter“ nützlicher war. Als Kim klein war, hat sie zusammen mit einer Bande anderer Kinder auf den Straßen die Geldbeutel von Passanten geleert, aber seitdem die „Pflegemutter“ tot ist, versucht Kim auf legalere Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei ist sie vollkommen auf sich allein gestellt, was nicht gerade einfach ist, weil die diversen Banden Bedarf für einen Jungen mit ihren flinken Händen hätten. (Und wenn sie wüssten, dass Kim ein Mädchen ist, hätten sie gleich doppelte Verwendung für sie – ich mag, dass die Autorin solche Elemente in ihren Romanen nicht ausspart.)

So kann Kim nicht widerstehen, als sie von einem Mann engagiert wird, um in den Wagen eines reisenden Zauberers einzubrechen. Vor allem, da die Bezahlung hoch genug ist, dass sie Monate davon leben könnte, und ihr Auftraggeber nicht mehr von ihr wünscht, als dass sie eine genauen Blick auf das Inventar des Schaustellers wirft und ihm darüber Bericht erstattet. Obwohl eine innere Stimme sie warnt, dass so ein Einbruch nicht gerade ein kluger Schritt ist, lockt sie die Aussicht auf einen Neuanfang, den sie mit dem versprochenen Geld wagen könnte. Doch dummerweise wird sie von dem Magier Mairelon erwischt, wie sie seine Sachen durchsucht, und findet sich zu ihrer eigenen Überraschung kurz darauf in seinen Diensten wieder. Schnell erfährt sie, dass Mairelon auf der Suche nach einer Gruppe von magischen Gegenständen ist und deshalb von diversen Parteien gejagt wird.

Mehr möchte ich über die Handlung der beiden Romane gar nicht sagen, weil es einfach zu viel Spaß macht selber all die Details und Hintergründe zu entdecken. Ich kann aber noch mitteilen, dass der Zauberer Mairelon natürlich nicht nur die erwartbaren Bühnentricks beherrscht, sondern auch über echte magische Fähigkeiten verfügt. Wobei ich persönlich die Bühnentricks in der Geschichte häufig deutlich nützlicher fand als die Magie. 😉 Anfangs entwickelt sich die Handlung eher gemächlich, während Kim, Mairelon und sein Diener Hunch einander besser kennenlernen, Kim Unterricht bekommt (was dank ihrer Grammatik und ihrer Verwendung von Diebesslang schon etwas sehr Eliza-Doolittle-haftes hat) und die Weichen für die weiteren Ereignisse gestellt werden.

Doch je mehr Figuren eingeführt werden, desto mehr Vorfälle gibt es, bei denen Kim mehr Aufregung erlebt als ihr lieb ist. Dabei beweist Patricia C. Wrede ein Händchen dafür eine Situation so auf die Spitze zu treiben, dass ich mich dabei wunderbar amüsiert habe. Es gibt so viele Charaktere in der Geschichte, die alle gegeneinander arbeiten und einander bespitzeln, und dann wieder Figuren, die ganz eigene Motive für ihre Handlungen haben und komplett ahnungslos sind, was überhaupt vorgeht – und gerade deshalb natürlich immer wieder die Pläne aller anderen durchkreuzen. Bei vielen anderen Autoren wäre mir das vielleicht zu viel geworden, aber hier habe ich mich – vor allem am Ende der jeweiligen Romane – wunderbar unterhalten gefühlt und lieber bis tief in die Nacht hinein gelesen als das Buch gerade an einer so amüsanten Stelle aus der Hand zu legen.

Kims Diebesslang ist in der Regel gut zu verstehen, etwas mehr Probleme hatte ich bei der Dialogzeilen von Mairelons Diener Hunch, aber insgesamt kam ich bei den Dialogen eigentlich immer ganz gut mit. Außerdem muss ich zugeben, dass mir „Mairelon the Magician“ ein bisschen besser gefallen hat als „The Magician’s Ward“, weil der zweite Roman sehr viele Szenen hat, die in der Londoner Gesellschaft spielen, was gut geschrieben ist, aber nicht so erfrischend war wie Kims Ansichten über das Landleben, die man im ersten Band mitbekommt. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte Patricia C. Wrede in einem ihrer Bücher, dass sie Georgette Heyer sehr gern liest, und in diesen beiden Romanen gibt es so einige Momente, in denen man das meiner Meinung nach auch merkt. So habe ich das Ganze nicht nur für sich genommen genossen, sondern mir beim Lesen auch immer mal wieder Gedanken gemacht, ob die Autorin gerade auf ein paar meiner Georgette-Heyer-Lieblingsszenen anspielt oder nicht.

Paige Shelton: Farm Fresh Murder (A Farmers‘ Market Mystery 1)

Obwohl ich gerne Cozies lese, probiere ich relativ selten neue Reihen aus, was dazu führt, dass ich schon lange keine Neuentdeckung mehr gemacht habe. Dabei habe ich früher gerade bei den „themenbezogenen“ (also mit einem Schwerpunkten wie Quilten, Buchhandlungen oder ähnlichem versehenen) Cozies so einige Autoren gern gelesen. Trotzdem wurde ich neugierig, als Seanan McGuire vor einiger Zeit über Twitter meinte, dass die „A Farmers‘ Market Mystery“-Reihe ihre Lieblings-Cozy-Reihe wäre, und so habe ich den ersten Band auf den Wunschzettel gesetzt. Inzwischen habe ich „Farm Fresh Murder“ gelesen und mich so gut unterhalten gefühlt, dass ich die weiteren Teile auf meinen Merkzettel gesetzt habe. (Außerdem vermute ich nach dem Lesen, dass ein Teil von Seanan McGuires Begeisterung darauf zurückzuführen ist, dass sowohl Blaubeeren als auch Kürbisse regelmäßig erwähnt und von der Protagonistin wertgeschätzt werden. *g*)

Die Hauptfigur in „Farm Fresh Murder“ ist Becca Robins. Becca ist Mitte Dreißig, zweimal geschieden und lebt zusammen mit ihrem Hund Hobbit allein auf einer alten Farm, die sie von Verwandten geerbt hat. Dort baut sie Beeren und – in deutlich geringerem Umfang – Kürbisse an, verarbeitet ihrer Produkte zu Marmelade und anderen Konserven und verkauft diese auf dem Bauernmarkt in der Nachbarschaft. Die Handlung beginnt an einem ganz normalen Morgen, an dem Becca in ihrer Scheune steht und Marmelade einkochen will. Doch stattdessen muss sie auf einen Notruf ihrer Zwillingsschwester Allison reagieren, die als Marktleiterin des Bauernmarkts damit fertig werden muss, dass einer ihrer Händler ermordet wurde. So schlimm der Mord auch für Becca ist, die sich Gedanken um die Zukunft des Marktes und der anderen Händler nach einem solchen Ereignis macht, so sorgt sie sich doch vor allem um den alten Abner Justen, der verdächtigt wird, den Mord begangen zu haben. Um Abners Unschuld zu beweisen (und ihre eigene Neugier zu befriedigen), beginnt Becca auf eigene Faust zu ermitteln.

Was die Handlung angeht, so fand ich jetzt nicht, dass sich dieser Cozy groß von anderen modernen gemütlichen Kriminalgeschichten unterscheidet. Es war nett zu verfolgen, wie Becca immer mehr über die anderen Händler und ihre Vergangenheit herausfindet, aber auch, wie sie sich Gedanken über ihre Farm und ihre Arbeit macht. Trotzdem war das alles jetzt nicht so besonders, dass das der Grund wäre, warum ich die Reihe weiterlesen mag. Aber mir lag der Humor der Autorin, zum Beispiel wenn es um den einen oder anderen peinlichen Moment für Becca während der Ermittlungen geht, weil das ohne Fremdscham-Anteil für mich als Leser einfach nur amüsant war und ich immer wieder beim Lesen vor mich hingekichert habe. Auch mochte ich das Verhältnis der verschiedenen Figuren zueinander. Zum Teil bestehen Freundschaften zwischen den verschiedenen Händlern, aber es gibt auch Szenen, in denen Becca feststellen muss, dass sie über Menschen, mit denen sie Tag für Tag zusammenarbeitet und mit denen sie sich gut versteht, eigentlich überhaupt nichts weiß.

Dazu kommt noch das Thema „Beziehungen“ rund um Becca. Als Singlefrau ist es jetzt nicht so unerwartet, dass im Laufe der Geschichte ein Mann auftaucht, der sich für sie interessiert. Aber ich fand es so angenehm, wie Paige Shelton damit umgeht und dass sie ihre Protagonistin auch in Betracht ziehen lässt, dass der attraktive und sympathische Mann ein möglicher Verdächtiger ist. Auch mit dem ermittelnden Polizisten entwickelt sich so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung. Das führt dazu, dass er sie – und das ist zwischen den beiden abgesprochen – benutzt, um an Informationen heranzukommen, aber auf der anderen Seite beantwortet er auch mal ihre Fragen , wenn er das verantworten kann. Trotzdem zieht er auch ganz klare Grenzen, wenn es um Aspekte geht, die einfach Sache der Polizei sind und eine Zivilistin nichts angehen. Irgendwie erschreckend, dass ich das Gefühl habe, ich müsste betonen, dass diese beiden Dinge in diesem Roman so angenehm vernünftig und erwachsen behandelt wurden, aber das ist eben leider nicht selbstverständlich.

Dazu kommt noch eine angenehme und flüssig zu lesende Schreibweise, die dafür sorgte, dass ich auch trotz der einen oder anderen Ablenkung die Geschichte zügig lesen konnte. Die Hintergründe des Mordes hätten zwar etwas weniger klischeehaft sein können und auch die Auflösung ließ sich weit vor dem Ende des Romans erahnen, aber das hat mich bei all den netten und unterhaltsamen Szenen und den sympathischen Figuren nicht gestört. Ich werde mir jetzt nicht die gesamte Serie auf einmal beschaffen, aber ich bin mir sicher, dass ich in absehbarer Zeit den zweiten Band lesen und vielleicht auch eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren werde.

Reiko Momochi: Daisy aus Fukushima (Manga)

„Daisy aus Fukushima“ ist ein Manga von Reiko Momochi nach dem Roman „Pierrot“ von Teruhiro Kobayashi, Darai Kusanagi und Tomoji Nobuta. Ich kann nicht beurteilen, wie nah sich die Mangaka an den Roman hält, aber sie war vor dem Zeichnen des Manga in Fukushima und hat mit Menschen gesprochen, die die Naturkatastrophe und das daraus folgende Atomunglück miterlebt haben und Tag für Tag mit den Folgen fertig werden müssen. Protagonistin des Manga ist Fumi, die 2011 gerade erst ihr letztes Schuljahr begonnen hat. Eigentlich sollte sich ihr Leben in diesem Jahr ausschließlich um die Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen und die Bewerbungen an den diversen Universitäten drehen, stattdessen schafft sie es wochenlang nicht, aus dem Haus zu gehen, weil sie nicht weiß, wie sie mit der Angst vor der Strahlung umgehen soll.

In den folgenden Monaten müssen Fumi und ihre drei Freundinnen Moe, Mayu und Akaya versuchen, trotz all ihrer Ängste wieder in einen einigermaßen normalen Alltag zu finden. Doch einfach ist das nicht bei all den Herausforderungen, denen sich die Mädchen stellen müssen. So müssen sie nicht nur um ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen fürchten, sondern auch um die finanzielle Zukunft ihrer Familien. Obwohl alle vier direkt in Fukushima leben und somit nicht von der Flutwelle betroffen waren, sorgt die Strahlung dafür, dass weder Landwirtschaft noch Tourismus weiterlaufen können. Zusätzlich gilt es die diversen Flüchtlinge zu versorgen, die durch die Katastrophe alles verloren haben.

Obwohl Fumi die Hauptfigur in dem Manga ist, erlebt man als Leser durch die vielen verschiedenen Personen, mit denen sie Kontakt hat, die unterschiedlichsten Schicksale. Manche Elemente, wie die gesundheitlichen und finanziellen Probleme, die Enttäuschung über das Verhalten der Politiker und der Betreiberfirma des Atomkraftwerks, das Festklammern an der Hoffnung, das man bald wieder zurück in seine zerstörte Heimat darf, oder das Auseinanderbrechen von Beziehungen angesichts all der Belastungen, habe ich erwartet. Andere Sachen empfand ich schon als sehr japanisch, wie zum Beispiel die Reaktion des Freundes einer Schülerin, der in Tokyo lebt (mehr möchte ich da nicht ins Details gehen, um nicht zu viel über die Handlung zu verraten), oder den – im Nachwort erwähnten – Selbstmord einer älteren Dame, die der Gesellschaft nach der Katastrophe nicht zur Last fallen wollte.

Doch natürlich ist nicht alles schlecht im Leben der vier Schülerinnen. Die Mädchen versuchen sich umeinander zu kümmern und füreinander da zu sein. Angesichts der Prüfungen, die im letzten Schuljahr auf sie zukommen, hatten die Freundinnen eigentlich ihre Band „Daisy“ aufgelöst, doch nun machen sie wieder zusammen Musik, um sich von all den negativen Nachrichten und Erlebnissen abzulenken. Über die Band finden die vier neue Freunde und können anderen Menschen ein bisschen Aufmunterung bringen. So entstehen nicht nur neue Freundschaften und Beziehungen, sondern auch neue Perspektiven und Anstöße für die Zukunft.

Ich mochte es sehr, von den verschiedenen Erlebnissen und Schicksalen der vier Mädchen zu lesen. Ich habe gelacht und geweint, war wütend und glücklich, denn egal, wie schrecklich die Ereignisse rund um Fukushima waren und sind, so gibt es doch immer auch Momente, in denen Freundschaft. Liebe und Hoffnung stärker sind als die Sorgen um die Zukunft. Aber ich frage mich nach dem Lesen des Manga (wie schon in den vergangenen 30 Jahren), wie eine Regierung den Einsatz von Atomenergie nach all den Erfahrungen damit noch verantworten kann.

Die Zeichnungen von Reiko Momochi sind in der Regel sehr ästhetisch und entsprechen gerade bei der Darstellung der Teenager in vielem dem Manga-Klischee (große Augen, spitze Gesichter, schlanke Körper). Aber die Mangaka zeigt in „Daisy aus Fukushima“ auch sehr realistische Zeichnungen vom Katastrophengebiet und wunderschöne Landschaften rund um die Stadt Fukushima. Auch bei der Darstellung der vielfältigen Emotionen, die die verschiedenen Charaktere bewegen, konnte mich Reiko Momochi überzeugen, da es ihr durch das feine Mienenspiel der Figuren gelingt, auch zwiespältige Gefühle sehr gut anzudeuten. Ansonsten sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass dieser Manga in japanischer Leserichtung veröffentlicht wurde. Mich persönlich stört das nicht, aber ein paar Leute haben in den Kommentaren bei meinen Jiro-Taniguchi-Rezensionen angemerkt, dass sie damit Probleme haben.

Was die sonstige Qualität des Manga angeht, so bin ich inzwischen daran gewöhnt, dass bei EMA regelmäßig Druckfehler vorkommen. Ich finde es trotzdem ärgerlich, dass der Verlag nicht einmal bei einer Veröffentlichung, die auch die Aufmerksamkeit von Lesern auf sich ziehen könnte, die normalerweise nicht zum Manga greifen, das Lektorat richtig auf die Reihe bekommt. Mich haben die diversen Tippfehler wirklich gestört, die das Lesen zum Teil erheblich erschwert haben und deutlich zeigten, dass manche Elemente ohne einen weiteren korrigierenden Blick einfach per Copy&Paste in die verschiedenen Sprechblasen übertragen wurden. Ansonsten ist die Druckqualität gut und abgesehen von einer Stelle (wo sie im Falz liegt) kann man die vorhandenen Fußnoten auch problemlos lesen.

Mein Mann …

… ist nicht nur der für mich liebste Mensch der Welt, sondern auch der Mensch, der mich am Besten kennt. Umso mehr haben mich in dieser Woche zwei Dinge verwundert. Zum einen weiß er, dass ich sehr eigen bin, wenn es um die Konsistenz meines Essens geht – und hat mir doch am Donnerstag etwas zum Naschen mitgebracht, das von eher zweifelhafter Konsistenz ist:

Überreicht wurde das hübsche Ding zusammen mit einer sehr ausführlichen Beschreibung davon, wie es sich beim Essen im Mund anfühlt und wie sehr er sich nun vorstellen könnte, dass es genau so sein müsste, Augen zu essen. Außerdem könne er nun sehr gut den Ekel der einen Fernsehköchin nachvollziehen, die in einer Sendung Schafsaugen probieren und dann nachkochen musste. *schluck*

***

Außerdem meinte mein Mann in dieser Woche, dass ich momentan nicht so viele eBooks (es waren eh nur drei Kurzgeschichten!) lesen sollte, weil der Reader ja wohl vermutlich während des Umzugs meine einzige Quelle für Lesestoff wäre …

Da war ich schon etwas sprachlos. Allerdings muss ich zugeben, dass es zur Zeit bei all den (Bücher-)Stapeln hier im Haus nicht so einfach ist zu erahnen, dass ich schon einen extra Stapel habe mit „Büchern, die ich während der Umzugszeit lese und die im Rucksack mitgeschleppt werden“. Auf der anderen Seite kennt er mich doch seit mehr als fünfzehn Jahren und hat schon zwei Umzüge mit mir mitgemacht und hätte das vorraussehen können. 😀

Robin Stevens: Murder Most Unladylike (A Murder Most Unladylike Mystery 1)

Die „A Murder Most Unladylike Mystery“-Reihe von Robin Stevens habe ich bei Kiya entdeckt, die den dritten Band der Reihe während des Herbstlesen gelesen hatte (und überhaupt für meinen Geschmack viiiel zu viele interessante Jugendkrimis liest 😉 ). „Murder Most Unladylike“ wird aus der Perspektive von Hazel Wong erzählt, die im Jahr 1934 gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Daisy Wells versucht, einen Mord aufzuklären, der an ihrem Internat Deepdean passiert ist. Genau genommen stolpert Hazel eines Abends in der Turnhalle über die Leiche der Naturwissenschaftslehrerin Miss Bell, doch als sie wenig später gemeinsam mit Daisy und einer Aufsichtsschülerin zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden und niemand – abgesehen von Daisy, die in diesem Schuljahr von Detektivromanen besessen ist – glaubt Hazel.

Da Daisy davon überzeugt ist, dass sie – als Leiterin der „Wells & Wong Detective Society – perfekt dazu geeignet ist, den geheimnisvollen Mord an Miss Bell und das ebenso mysteriöse Verschwinden der Leiche aufzuklären, beginnen die beiden Mädchen, unauffällig im ganzen Internat nach Spuren und Motiven zu suchen. Gemeinsam sammeln sie kleine Informationsbrocken von ihren Mitschülerinnen, und Hazel hält – als Schriftführerin der Society – jeden Gedanken und jedes Detail zu den Ermittlungen in ihren Aufzeichnungen fest. Nach und nach finden die beiden Mädchen immer mehr über die verschiedenen Geheimnisse ihrer Lehrerinnen (und natürlich des Kunstlehrers!) heraus. Und obwohl die beiden – je nach Vorliebe für die verschiedenen Personen – immer mal wieder die Augen vor einem offensichtlichen Hinweis verschließen, macht es sehr viel Spaß, ihre Ermittlungen zu verfolgen und mehr über das Internat, die Gepflogenheiten in dieser Schule, die Lehrerinnen und natürlich die beiden Mädchen zu erfahren.

Anfangs fragt man sich nämlich schon ein bisschen, warum Hazel und Daisy überhaupt so gut miteinander befreundet sind und warum sich Hazel so viel von Daisy gefallen lässt. Aber im Laufe der Zeit erzählt Hazel davon, wie es für sie war, von Hongkong nach Deepdean zu kommen, wie ihr erster Eindruck von Daisy war und wie sie die Mitschülerin immer besser kennenlernte. Daisy kommt nicht zu Wort, aber allein durch die ganzen Dialoge mit Hazel und die lebhafte Schilderung ihrer Gestik und Mimik kann man sich ein sehr gutes Bild von dem selbstbewussten Mädchen machen. Gerade durch ihre Gegensätzlichkeit ergänzen sich die beiden Schülerinnen ganz hervorragend, wenn es um ihre Ermittlungen geht. Ich habe „Murder Most Unladylike“ sehr genossen – und prompt die Fortsetzungen auf den Merkzettel gesetzt -, obwohl ich für meine Verhältnisse sehr viele Tage an dem Roman gelesen habe und zwischendurch stellenweise sogar das (zum Glück vorhandene) Personenregister anschauen musste, um die verschiedenen Lehrerinnen und Schülerinnen wieder zuordnen zu können.

Ich mochte diese Mischung aus erstaunlich stimmigem Kriminalfall an einem Mädcheninternat, der ebenfalls realistischen Beschreibung der Freundschaft zwischen Hazel und Daisy und den Rückblicken, die den Leser über Hazel und ihr neues Leben in England informieren. Für die junge Asiatin gibt es sehr viel Befremdliches in diesem Mädchen-Internat in den 30er Jahren und natürlich begegnet sie auch immer wieder Vorurteilen von Seiten ihrer Mitschülerinnen (kein Wunder, wenn man überlegt, dass zu der Zeit in Groschenromanen asiatische Verbrecherbanden ein großes Thema waren). Umso amüsanter fand ich für mich die Passagen, in denen Hazel erzählt, wie sie dann doch ihren Weg im Internatsalltag und Freundinnen fand, mit denen sie nun ein Zimmer teilt.

Auch wenn mein Geldbeutel nicht so begeistert sein wird, so freue ich mich doch sehr, dass ich noch (mindestens) vier weitere Bände mit Hazel und Daisy vor mir habe. Ich bin gespannt, was für Fälle die beiden Mädchen beim nächsten Mal aufklären müssen und zu welchen ungewöhnlichen (und skrupellosen) Methoden Daisy bei ihren Ermittlungen greifen wird.