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7 Days – 7 Books (Oster-Spezial): Tag 2

Da dachte ich gestern Mittag noch, dass ich überraschend viel Lesezeit vor mir habe – und dann starte ich die Blogrunde und das war es mit meiner Lesezeit. Unfassbar, wie viele Leute dieses Mal mitmachen und wie viel Zeit so eine vollständige Blogrunde verschlingen kann. Ich muss mal schauen, wie ich das heute in den Griff bekomme. Bislang sieht es immerhin so aus, als wäre das Wetter ebenso wenig gartengeeignet wie gestern, so dass ich immerhin die Stunden mit der Gartenarbeit einsparen und stattdessen (Buch oder Blog) lesen kann.

Mein „Labyrinth“ würde ich heute nämlich gern noch beenden, weil das Lesen so viel Spaß macht und so viele Erinnerungen heraufbeschwört.

Und da ich gestern gemerkt habe, wie wenige den Film kenne, gibt es hier von mir ein paar Zeilen dazu:

Vor vielen, vielen Jahren lebte ein Mann, der wundervolle Puppen fürs Fernsehen entwickelte. Dieser Mann war Jim Henson – bekannt vor allem für die „Sesamstraße“ und „Die Muppet Show“. 1986 drehte er (gemeinsam mit George Lucas) den Film „Labyrinth“, wobei das fantastische Puppendesign für diesen Film von Brian Froud stammte (damit das Ganze nicht zu „muppethaft“ wurde).

Die Handlung des Films ist eigentlich ganz simpel. Ein junges Mädchen mit dem Namen Sarah (gespielt von Jennifer Connely) fühlt sich von ihrem Vater und der Stiefmutter ungerecht behandelt und als sie eines Abends auf den kleinen Stiefbruder aufpassen soll, während die Eltern ausgehen, wünscht sie sich, dass der Koboldkönig (gespielt von David Bowie) erscheinen und ihren Bruder Toby mitnehmen möge. Natürlich hat sie nicht damit gerechnet, dass so etwas wie ein Koboldkönig wirklich existiert, und noch weniger damit, dass er kommen und Toby entführen würde.

Um ihren kleinen Bruder zu retten, muss Sarah den Weg durch ein Labyrinth finden, um zum Schloss am Rande der Koboldstadt zu kommen. Dafür hat sie gerade mal 13 Stunden Zeit – und jedes Mal, wenn sie das Gefühl hat, sie ist ein Stückchen weiter gekommen oder sie hat die Gesetzmäßigkeiten des Labyrinthes durchschaut, dann verändert sich ihre Umgebung oder die Regeln, nach denen Jareth, der Koboldkönig, spielt.

Das Buch, das ich gerade lese, ist der Versuch nach all den Jahren eine Romanumsetzung aus dem Film zu machen. Ergänzt wird die Geschichte durch Zeichnungen von Brian Froud, die sehr schön die diversen (Puppen-)Charaktere zeigen und durch handschriftliche Notizen von Jim Henson, in denen er Überlegungen zu der Geschichte und ihren Hintergründen anstellt.

Auch wenn ich gestern weniger gelesen habe, als ich wollte, so genieße ich dieses Wiedersehen mit den Figuren und all den skurrilen und wunderbaren Einfällen, die den Film für mich immer ausgemacht haben. Dazu kommen hier noch einige Beschreibungen und Hintergründe, die der Film so nicht bietet und die manche Figur sogar in einem anderen Licht erscheinen lassen (könnten).

So, jetzt aber an die Arbeit, damit ich heute so früh wie möglich zum Buch greifen kann! Bis später! 🙂

Update 10:00 Uhr

Eigentlich wollte ich ja heute morgen zumindest das Mailfach mit all den Kommentarbenachrichtungen leeren, bevor ich mich an die Arbeit mache. Aber dann hat unser Internetanbieter überraschend beschlossen, dass mal wieder alle Leitungen gekappt werden, damit gebastelt werden kann. Dieses Mal gibt es immerhin keine dubiosen Theorien, nach denen die Türöffner des Gefängnisses am anderen Ende der Stadt oder ähnliches für Internetprobleme verantwortlich sind, dafür heißt es, dass bei der Grundsanierung minderwertige Verbindungen eingebaut wurden, die eigentlich vollständig ersetzt werden müssten. Also hat die gesamte Häuserzeile mal wieder im Minutentakt Internetprobleme und man muss die kurzen Verbindungsmomente abpassen, um etwas veröffentlichen zu können, während das süße Säuseln des Schlagbohrers durch die Keller hallt.

Update 13:30 Uhr

Mit der Arbeit wird das wohl heute nichts mehr, also gibt es jetzt „Frühstück“, Tee und Buch – und ich lese bis ich „Labyrinth“ durch habe! Dann kann ich mich danach in Ruhe auf die Blogrunde stürzen … oder zumindest den ersten Teil davon. 😉

Update 14:45 Uhr

So, „Labyrinth“ ist beendet – war schön, sehr schön … Auch wenn ich den Film wohl immer ein Stückchen lieber mögen werde. Im Roman wird mir hier und da zu viel erklärt, ich mag es lieber, wenn ich selber meine Schlüsse ziehen darf. 😉 Dafür ist der Anhang mit den Zeichnungen toll und Jim Hensons Notizen haben mich schmunzeln lasse. Sehr spannend fand ich, dass der Film wohl ursprünglich doch etwas weniger harmlos geplant war. Zumindest gibt es in den Notizen und Zeichnungen Elemente, die ich ein bisschen gruseliger finde und die es nicht in den Film geschafft haben. Und ich habe mich über Jim Hensons Benutzung eines Notizbuchs amüsiert, überhaupt fand ich erstaunlich viele Ähnlichkeiten zwischen diesen Seiten und meiner Art mir beim Entwickeln eines Projekts Notizen zu machen. Vielleicht bin ich ja doch genialer als ich dachte *gröhl* und habe in Zukunft etwas in der Hand, um meinem Mann zu beweisen, dass das keine Papierverschwendung, sondern Teil eines kreativen Prozesses ist. 😉

Da es schon fast 15 Uhr ist, drehe ich jetzt erst einmal eine kleine Blogrunde. Mal schauen, wie viel ich in einer Stunde so schaffe – oh, und ob ich dabei vom Paketboten unterbrochen werde, der mir heute ein paar Dinge bringen sollte. 😉

So sieht es übrigens bei mir aus, wenn ich eine Blogrunde drehen möchte:

Und so, wenn wir uns dann einigermaßen arrangiert haben:

Update 16:40 Uhr

Zwei Stunden und 15 Blogs (und einige Kommentare) später, habe ich alles von mir geworfen und bin zu Tür gerannt, um ein Paket in Empfang zu nehmen. Inzwischen erkenne ich den DHL-Wagen – trotz einigem Verkehr in unserer Straße – schon am Motorenklang. *g*

Ach, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was ich mich vor allem über „Die Buchmagier“ freue (auch wenn der englische Titel so viel cooler ist) und der Mark-Hodder-Roman wird bestimmt auch wieder gut, während ich den Garth Nix als … hm … Experiment sehe. Oh, und ein bisschen Manga-Nachschub gab es auch, nachdem es mit meiner Februar-Versorgung ein Problem gab … *dumdidum*

Trotzdem greife ich jetzt erst einmal zu „Die Hüterin der Gewürze“ und lese ein bisschen weiter!

Update 0:30 Uhr

Eine halbe Blogrunde, mehr war heute nicht drin! Und nun fürchte ich mich vor der morgigen Hälfte, denn dann „muss“ ich ja bei den heute vernachlässigten Blogs gleich zwei Tagesposts lesen und kommentieren. *g*
Inzwischen habe ich zur Abwechslung mit „The Jane Austen Handbook“ angefangen – das Buch wird wohl wieder mein „Zweibuch“ während der 7D7B, da sich dieses Sachbuch so hübsch aufteilen lässt. Grundsätzlich finde ich es unterhaltsam und informativ, aber ich muss gestehen, dass ich schon im Vorwort über das Wort „Janeites“ gestolpert bin – ich mag solche Begriffe einfach nicht! Genauso wenig wie die Annahme der Autorin, dass man als Jane-Austen-Fan die Bücher natürlich vor allem wegen der Happy Ends, der Bälle und Kleider liest (und ja, ich übertreibe etwas :D). Aber davon abgesehen gibt es wunderbare Details zum Leben Anfang des 19. Jahrhunderts, auch wenn es bislang noch nicht so viel Neues für mich gab – aber das war im ersten Kapitel „Jane Austen’s World And Welcome To It“ auch noch nicht zu erwarten.

Bei „Die Hüterin der Gewürze“ bin ich auch erst auf Seite 88. Es brauchte ein bisschen bis ich in das Buch hineingefunden hatte. So viele Sinneseindrücke, so viele kleine Geschehnisse, so eine seltsame Vergangenheit und so viele Andeutungen über die Zukunft – darauf musste ich mich erst einmal einlassen. Grundsätzlich mag ich indische Romane, aber jedes Mal, wenn ich einen anfange, habe ich das Gefühl, ich würde von der Wortflut erschlagen. Jetzt wird es aber erst einmal Zeit ins Bett zu gehen, der Mittwoch hält immer einige lästige Pflichten bereit.

Übersicht:

Tag 1:
Jim Henson’s Labyrinth (144/288 Seiten)

Tag 2:
Jim Henson’s Labyrinth (288/288 Seiten)
Die Hüterin der Gewürze (88/416 Seiten)
The Jane Austen Handbook (55/224 Seiten)

7 Days – 7 Books (Oster-Spezial): Tag 1

Heute ist also der erste Tag der Ostervariante der „7 Days – 7 Books“ von Melli und Mandy. Acht Tage lang (ja, der Ostermontag zählt auch in diesem Jahr mit für die Aktion) werde ich wieder so viel Zeit wie möglich mit den Büchern verbringen. Dieses Mal haben Melli und Mandy für die „7 Days – 7 Books“ zwei Varianten vorgegeben, für die man sich entscheiden musste. Ich habe mich für Variante 2 angemeldet, was bedeutet, dass ich in den acht Tagen vier Bücher lesen muss. Davon darf ein Buch ein Hörbuch sein, während Manga (und – zumindest gehe ich davon aus – Comics) und Kurzgeschichten nicht gezählt werden. Sollte ich also darauf Lust haben, werde ich die Titel zwar erwähnen, aber nicht zum „7 Days – 7 Books“-Pensum zählen.

Wie schon bei den anderen Aktionen werde ich an jedem Morgen einen Tagesbeitrag veröffentlichen, der immer wieder aktualisiert wird, wenn ich endlich mit dem Lesen anfange (oder das Gefühl habe, ich sollte mal erzählen, warum ich noch nicht zum Lesen gekommen bin). Ich bin mir sicher, wir werden wieder viel Spaß miteinander haben! 🙂

Update 14:45 Uhr

Auf der einen Seite hätte ich meinen Garten ja gern mal fertig – also, so weit man das von einem Garten im Frühling unter normalen Umständen sagen kann. Aber trotzdem bin ich heute über das Aprilwetter ganz froh, da ich ohne die Gartenstunden am Vormittag alle anderen Aufgaben vorziehen konnte und jetzt schon zum Buch greifen kann! 🙂

Meine übliche Lesebegleitung lümmelt gerade lieber auf dem Bett rum und hofft auf ein paar verirrte Sonnenstrahlen, aber auch ganz alleine mache ich es mir auf dem Sofa gemütlich. Tee und Kekse stehen bereit und los geht es mit „Labyrinth“ – was ja irgendwie zu erwarten war, nach all den Kommentaren, in denen ich über den Film (und David Bowie) geschwärmt habe. Mal schauen, ob das Ganze auch als Roman funktioniert – im schlimmsten Fall muss ich wohl während dieser Woche auch noch etwas Zeit finden, um die DVD einzulegen und den Koboldkönig, sein Reich und seine Untertanen mal wiederzusehen. 😉

Jetzt also eine Stunde gemütliches Lesen und so gegen 16 Uhr starte ich die erste Blogrunde!

Update 16:00 Uhr

Liebe Sarah, egal, ob als Filmfigur oder als Romanprotagonistin – ich kann dich nicht leiden! Du bist ein verwöhntes Biest, das von seiner Umwelt alles erwartet, und die eigene Stellung in der Welt vollkommen überschätzt. Aber auch wenn mir vom Autor alles beschrieben wird, statt dass ich es in einem wundervoll-atmosphärischen Film sehen kann: Die Geschichte funktioniert für mich wohl auch als Buch. Der Koboldkönig ist auch als Romanfigur einfach nur hinreißend, Hoggle ist so ein wunderbar unfreundlicher Gnom und bei jeder erlegten Fee hatte ich wieder das kleine seufzende Geräusch im Ohr, das die Biester machen, während sie zu Boden fallen. Schweren Herzens lege ich das Buch zu Seite, damit ich noch eine Blogrunde drehen kann, bevor ich etwas Zeit für meine abendlichen „Pflichten“ abknappsen muss.

Update 21:45 Uhr

HILFE! Ich habe jetzt in diesem Moment die Blogrunde beendet, die ich um 16:15 Uhr angefangen habe. Ich gebe zu, ich habe zwischendurch die TK-Pizza gegessen, die mein Mann in den Ofen geschoben hatte, nachdem er sah, dass ich kopfüber in Beiträgen und Kommentaren steckte. Und ich habe bestimmt zehn Minuten Nachrichten geguckt, aber davon abgesehen habe ich die ganze Zeit nur mit der Blogrunde verbracht. So darf das morgen nicht laufen, sonst kann ich das mit dem Lesen vergessen! Ein Problem ist vermutlich, dass die meisten Blogs zu dem Zeitpunkt dann doch schon einen Beitrag geschrieben hatten, in dem sie von ihrem Lesetag erzählten. Außerdem wollte ich überall zumindest ein kleines „Hallo“ hinterlassen …

Jetzt beantworte ich nur noch die Kommentare, die auf meinem eigenen Blog hinterlassen wurden, ignoriere die 42 ungelesenen Mails im Posteingang und schnappe mir dafür mein Buch und den von gestern übrig gebliebenen Nachtisch – überraschenderweise wollte der Besuch gestern nur ein Glas von dem mächtigen Zeug essen. 😀

@Lyne: Dieses Foto vom Oreo-Tiramisu ist extra für dich! 😀 Sehr lecker übrigens, auch wenn es dieses Mal nicht so schön marmoriert geworden ist wie sonst. 😉

Update 00:17 Uhr

Ein paar Seiten habe ich noch gelesen, wenn auch nicht so viel wie erhofft (natürlich nicht, ich hätte es wissen müssen *g*) und nun fahre ich das arme überlastete Netbook runter und gönne mir noch ein oder zwei Kapitel, bevor ich dann ins Bett falle. Gute Nacht! 🙂

Übersicht:

Tag 1:
Jim Henson’s Labyrinth (144/288 Seiten)

7 Days – 7 Books (Oster-Spezial): Ich kann mich nicht entscheiden

Morgen fangen die „7 Days – 7 Books“ wieder an und ich habe mir in den letzten Tagen Gedanken darüber gemacht, welche Bücher ich in der Woche so lesen könnte. Normalerweise fällt es mir nicht so schwer, einen Mini-SuB für so eine Aktion auszuwählen, aber seit ungefähr einer Woche lese ich ein Buch nach dem anderen an und kann mich für keines so recht entscheiden. So habe ich es irgendwie geschafft, immer mehr Bücher auf den Stapel zu packen. Trotzdem bleibe ich erst einmal bei dieser Vorauswahl – ich kann mich ja in den nächsten Tagen immer noch umentscheiden, wenn ich doch auf einen anderen Titel Lust habe. Es ist ja nicht so, dass mein SuB keine anderen Bücher beinhalten würde. 😀

– „Jim Henson’s Labyrinth – The Novelization“ – ein Neuzugang, und wie so oft reicht das schon aus, um das Buch jetzt sofort lesen zu wollen.
– „The Jane Austen Handbook“ – eine Leihgabe, die ich schon so lange lesen will. Damit würde ich nicht nur den Leih-SuB weiter abarbeiten, sondern hätte auch endlich mal einen Titel für meine Sachbuch-Challenge.
– „Die Hüterin der Gewürze“ – ebenfalls eine Leihgabe, und die Inhaltsangabe klingt, als ob es mir gerade gefallen könnte.
– „Codex Alera 2 – Im Schatten des Fürsten“ – der erste Teil hatte mir so viel Spaß gemacht und eigentlich wollte ich im Anschluss sofort die Fortsetzung lesen. So langsam wird es wirklich Zeit!
– „Es war einmal ein Mord“ – nach den ganzen märchenhaften Titeln in den letzten Wochen wäre das vielleicht die logische Fortführung …
– „Charlotte und die Geister von Darkling“ – ich hatte so viel Lust auf das Buch, und nun liegt es schon wieder viel zu lange auf dem SuB.
– Rachel-Morgan-Serie, Band 8-11 – normalerweise mache ich immer zum Jahresende eine Rachel-Morgan-Intensiv-Leserunde. Letztes Jahr hatte das nicht geklappt, also hatte ich mir die vier Bücher für Ostern vorgenommen. Mal schauen, ob ich damit noch während der „7 Days – 7 Books“ anfangen oder in den Tagen danach.

10 Bücher (und ein SuB *hüstel*) zur Auswahl …
… und 4 Titel davon sollte ich definitiv in der kommenden Woche lesen.
Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden! ;D

Caroline Vermalle: Denn das Glück ist eine Reise (Hörbuch)

Inzwischen ist es drei Jahre her, dass ich den Roman „Denn das Glück ist eine Reise“ von Caroline Vermalle gelesen habe. Und da mir die Geschichte so gut gefallen hatte und ich gern ein Wiedersehen mit Georges und Charles feiern wollte, habe ich dankbar zugegriffen, als mir Natira das Hörbuch als Leihgabe anbot. Ich muss gestehen, dass ich mir anfangs nicht vorstellen konnte, dass die Passagen, in denen Georges SMS schreibt, vorgelesen funktionieren könnten, hatte mich da aber zum Glück getäuscht. So saß ich vorgestern da und mir kullerten dicke Tränen übers Gesicht, während ich beim Tapetenkratzen die letzte Etappe von Georges und Charles ganz persönlicher Tour de France verfolgte. Ganz ehrlich, wenn man weiß was passieren wird, dann ist diese Geschichte fast noch rührender als beim ersten Lesen …

Da die Hörbuch-Version von „Denn das Glück ist eine Reise“ ungekürzt ist, durfte ich wieder jede einzelne Etappe, die Georges und Charles auf ihrer Reise zurücklegen, genießen. Gelesen wurde das Hörbuch von Tobias Dutschke, der seine Sache ganz wunderbar gemacht hat, auch wenn ich mich anfangs etwas an seine Stimme gewöhnen musste. Das aber liegt daran, dass man die ersten Passagen aus der Sicht von Georges Enkelin Adèle erlebt und zu einer 23jährigen Frau passt die charismatische Männerstimme nicht ganz so gut wie zu dem 83jährigen Georges und seinem deutlich jüngerem (76! *g*) Nachbarn Charles.

Die beiden Herren erfüllen sich einen Jugendtraum und fahren die Etappen der Tour de France mit dem Auto nach. Zwei Monate nehmen sie sich Zeit, um all die Orte anzusehen, die sie nur aus dem Fernsehen kennen. Charles und Georges treiben sehr unterschiedliche Motive an und während man Charles Gründe für die Reise erst spät in der Geschichte herausfindet, so steht von Anfang an fest, dass Georges dieses Vorhaben als letztes Abenteuer seines Lebens geplant hat. Er ist schon seit vielen Jahren gesundheitlich angeschlagen, hat sich entmutigen lassen und seine Lebensfreude verloren. Für ihn ist diese Tour de France eine Möglichkeit noch einmal etwas zu erleben, statt eines Tages tot in seinem Sessel im Wohnzimmer gefunden zu werden.

Dass die Tour anstrengend sein würde, hatte Georges erwartet, doch dass ihm all die neuen Menschen, die er kennenlernt und die wunderschöne Natur der Bretagne neuen Lebensmut geben würden, hatte er nicht erwartet. Dazu kommt noch, dass ihm seine Enkelin Adèle auf die Schliche kommt und darauf besteht, dass er ihr jeden Tag eine SMS mit seinem Aufenthaltsort schickt. Aus diesen kleinen Nachrichten entsteht eine ganz neue Beziehung zwischen den beiden, nachdem sie in den letzten zehn Jahren kaum Kontakt hatten. Obwohl ich die Geschichte ja schon kannte, habe ich es genossen, wenn Georges und Charles sich einen gemütlichen Abend in einem Restaurant gegönnt habe oder wenn sie wieder einen schönen Strand, ein Hafenstädtchen oder ein Hotel mit einem gemütlichen Bett gefunden haben.

Doch vor allem die Beziehung zwischen Georges und Adèle, die Freundschaft zwischen Georges und Charles und all die Dinge, die Georges über sich selber herausfindet, machen dieses Hörbuch so hörenswert. Umso mehr, da Tobias Dutschke all diesen kleinen und größeren Momenten ganz wunderbar zum Ausdruck bringt. Neugierig wie ich bin, habe ich auf einer Seite, auf der man ihn buchen kann, mal sein Profil angeschaut, dort wird er für ein „Sprachalter von 30 bis 45 Jahren“ empfohlen – ich würde diese Empfehlung locker um 40 Jahre raufsetzen. Seine „Altherrenstimme“ ist wunderbar warm, schwankt zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft und überzeugt sowohl bei den ruhigeren und bedächtigeren Passagen, als auch bei den emotionalen, spontanen und wütenden Momenten. Für mich werden Georges und Charles von nun an immer so klingen wie in diesem Hörbuch – und das macht mich sehr glücklich.

SuB-Zuwachs im April (2)

Irgendwie überraschen mich meine Neuzugänge in diesem Monat etwas, aber egal, es gibt trotzdem jedes Mal einen zeitnahen Beitrag dazu.

A.C.H. Smith und Brian Froud: Jim Henson’s Labyrinth

Ach, was habe ich den Film gemocht! Nicht so sehr wegen der Story und die weibliche Hauptfigur hätte ich auch nicht gebraucht, aber David Bowie, die ganzen Puppen und dieser überaus seltsame Humor … <3 Als ich also im US-Comic-Katalog diese schöne Hardcover-Roman-Version (inklusive Skizzen u.ä. aus den Jim Henson Archives) sah, musste ich zuschlagen. In den nächsten Tagen werde ich also herausfinden, ob die Geschichte nicht nur als Film, sondern auch als Roman funktioniert! Hach!

Maggie Stiefvater: Rot wie das Meer

Eigentlich habe ich ja während der „7 Days – 7 Books“ schon genügend zu „Rot wie das Meer“ von Maggie Stiefvater gesagt, aber ich wollte doch noch eine etwas „konzentriertere“ Rezension zu dem Titel schreiben. „Rot wie das Meer“ hat zwei Protagonisten, die man als Leser im Laufe der Geschichte immer besser kennenlernt, je näher das Skorpio-Rennen rückt. Dieses traditionelle Rennen ist das größte Ereignis auf der Insel Thisby und wird von den jungen Männern der Insel mit Capaill Uisce bestritten. Die Capaill Uisce sind fleischfressende und überaus wilde Meerpferde, die in den Gewässern rund um die Insel leben. Sehr viel erfährt man über diese Wesen nicht, nur dass sie sich im Herbst in Strandnähe aufhalten und in stürmischen Nächten über die Insel streifen, um Beute zu machen.

Sean Kendrick hat zu einem dieser Wasserpferde eine besondere Beziehung. Der Hengst Corr hat schon seinem Vater gehört und wurde von diesem auch in dem Rennen geritten, in dem er ums Leben kam. Nun ist Corr das Einzige, was Sean von seiner Familie noch geblieben ist, auch wenn der Hengst nicht ihm, sondern seinem skrupellosem Arbeitgeber Benjamin Malvern gehört. Für Sean bedeutet das Skorpio-Rennen die Chance genügend Geld zu gewinne, um Corr endlich erwerben zu können und unabhängig von Malvern zu werden.

Noch nie hat eine Frau an diesem Rennen teilgenommen, doch in diesem Jahr meldet sich Puck Connolly zu Teilnahme an. Sie sieht in dem Scorpio-Rennen ihre einzige Chance, um ihr Zuhause und ihre Familie – die nach dem Tod der Eltern nur noch aus ihr und ihren beiden Brüdern besteht – zu retten. Puck ist durchaus bewusst, dass sie zu wenig Erfahrung mit den Capaill Uisce hat, um eine reale Chance beim Skorpio-Rennen zu haben. Doch sie ist verzweifelt (und dickköpfig) genug, um einen Versuch zu wagen – auch wenn ihr von allen Seiten Widerstand entgegen gesetzt wird, da ein solcher Bruch mit der Tradition für die meisten (männlichen) Inselbewohner undenkbar ist.

Schon auf den ersten Seiten fand ich die Atmosphäre in diesem Roman toll. Maggie Stiefvater hat für ihr Skorpio-Rennen eine Insel geschaffen, die karg und erbarmungslos inmitten des Meers liegt und die es den Menschen, die auf ihr Leben, nicht einfach macht. Der einzige größere Arbeitgeber ist Benjamin Malvern mit seiner Pferdezucht, aber nur wenige sind in der Lage mit seinen temperamentvollen Vollblütern und den von ihm für das Rennen gehaltene Capaill Uisce fertig zu werden. Der Großteil der Inselbewohner lebt vom Fischfang – doch das Fischen ist in den von Meerpferden bewohnten Gewässern noch gefährlicher als eh schon.

Das Leben auf dieser Insel und die Beschreibungen der Capaill Uisce (die sehr an die schottischen Kelpies erinnern) haben mir sehr gut gefallen, sie haben diese Erbarmungslosigkeit, die man in keltischen Sagen findet. Maggie Stiefvater beschreibt sehr schön die Faszination, die das herausfordernde und gefährliche Leben auf einer so kargen Insel mit sich bringt. Außerdem üben die Wasserpferde in all ihrer Fremdartigkeit und Gefährlichkeit einen spürbaren Reiz auf die Menschen aus, auch wenn nicht jeder diesen Kreaturen (oder dem Inselleben) verfällt. So ist „Rot wie das Meer“ auch ein Buch, das sich damit beschäftigt, was für ein Mensch man sein muss, um das Leben auf Thisby dem einfacheren Leben auf dem Festland vorzuziehen.

Es gibt auch eine sehr leise, sehr langsam aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Sean und Puck, die vor allem auf dem gegenseitigen Respekt beruht, den die beiden für den jeweils anderen empfinden. Das ist ein Aspekt, den ich besonders mag. Diese Beziehung steht nicht so sehr im Vordergrund der Handlung und entsteht erst durch ein gegenseitiges Kennenlernen. Dazu kommen noch ein paar skurril wirkende Figuren, die vielleicht etwas überzogen wirken, aber für mich stimmig ins Inselumfeld passen. Extreme Lebensumstände formen eben auch extreme Charaktere.

Genauso finde ich den – zum Teil etwas heftigen – Umgang mit Mensch und Tier passend dargestellt. Traditionelle Ereignisse, bei denen auch Tiere eine Rolle spielen, haben sich noch nie um heutige Tierschutzgedanken gekümmert. Anzuprangern, dass es in diesem Buch zum Alltag der Insel gehört, dass Tiere sterben oder dass die Capaill Uisce für dieses Rennens benutzt werden, obwohl sie töten und getötet werden, scheint mir unpassend zu sein. Eine weniger direkte Darstellung wäre genauso, als ob man einen Roman rund um Stierkämpfe schreiben würde, bei dem Tier und Mensch einander mit Wattebällchen attackieren würden.

Michelle Lovric: Melodie der Meerjungfrauen

„Melodie der Meerjungfrauen“ von Michelle Lovric habe ich spontan letzten Mittwoch aus der Bibliothek mitgenommen, weil ich Lust auf ein Kinderbuch hatte. Die Geschichte spielt in Venedig im Jahr 1899. Die Stadt droht unterzugehen und um einen Plan zur Rettung zu entwerfen, treffen sich diverse Wissenschaftler in der Lagunenstadt. Zu diesen Wissenschaftlern gehören auch die Eltern von Teodora, die von Neapel aus anreisen und ausnahmsweise ihre Tochter mitnehmen. Teo(dora) wünscht sich schon lange einmal Venedig besuchen zu dürfen, empfindet sie doch eine unerklärliche Sehnsucht nach dieser Stadt.

Kurz nach ihrer Ankunft findet Teo, die nicht nur Bücher über alles liebt, sondern auch in der Lage ist die gesprochenen Wörter eines Menschen als Schrift über seinem Kopf zu sehen, in einer Buchhandlung ein magisches Buch mit einer Meerjungfrau auf dem Cover. In dieser Buchhandlung lernt Teo auch den gleichaltrigenVenezianer Renzo kennen, der ein ebensolcher Büchernarr ist wie sie selber, doch so richtig gut verstehen sich die beiden anfangs nicht. Aufgrund der verschiedensten Vorfälle und den Informationen, die das magische Buch für Teo bereit hält, steht für die beiden Kinder schnell fest, dass Venedig von etwas Größerem als „nur“ dem Wasser bedroht wird. Ein uralter Feind versucht sich zu erheben und Macht über die Stadt zu gelangen.

Dass Michelle Lovric sich in Vendedig verliebt hat und der Stadt mit diesem Kinderbuch ein Denkmal setzen möchte, ist beim Lesen unübersehbar. Gemeinsam mit Teo entdeckt der Leser Venedig und erfährt von den Besonderheiten und historischen Ereignissen, die die Lagunenstadt geprägt haben. Dazu kommen noch viele fantastische Einfälle und Kreaturen wie die Meerjungfrauen, die Teo und Renzo zur Seite stehen, und das Ganze ergibt eine wunderbar unterhaltsame Geschichte rund um eine magische Bedrohung für eine besondere Stadt und zwei Kinder, die auserwählt sind, die Stadt zu retten.

Die Erzählweise von Michelle Lovric ist stellenweise etwas anstrengend. Es gibt sehr viele Abschweifungen in die Vergangenheit Venedigs, es werden Legenden erzählt und der unheimliche Bösewicht und seine Taten vorgestellt und dabei springt die Handlung schon mal von einer Zeit oder einem Ort zum anderen. Mir haben besonders die Kleinigkeiten gefallen, die Beschreibungen von kleinen Geschäften, der Duft des Gebäcks am Morgen in einem Café und ähnlich atmosphärische Momente. Die wie Hafenarbeiter fluchenden Meerjungfrauen mit einer Vorliebe für Curry fand ich zum Teil etwas überzogen, ebenso wie manch anderes „lustiges“ Element, aber ich kann mir vorstellen, dass es der Zielgruppe (Kinder ab 12 Jahren) gegenüber noch angemessen ist.

Bei einigen Rezensionen wird die Brutalität in diesem Roman kritisiert. Es kommt zu einigen Todesfällen und Erkrankungen, Angriffen durch Menschen, Geister und Tiere und dazu gibt es noch einige unappetitliche Beschreibungen. Ich persönlich fand das nicht schlimm und der Handlung angemessen. Die Geschichte einer so alten Stadt wie Venedig beinhaltet nun mal auch einige grauenhafte Episoden. Schrecklicher als ein durchschnittliches Märchen (also in der unbereinigten Version, in der die Bösen am Ende in glühenden Schuhen tanzen dürfen oder ähnliches) ist es nicht. Es hängt wohl vom einzelnen Kind ab, ob es die geschilderten Dinge im Rahmen der Handlung erträglich findet oder nicht.

Soman Chainani: The School for Good and Evil

In den letzten Wochen habe ich richtig viel Glück mit Romanen, die auf ungewöhnliche Weise mit Märchenmotiven umgehen. Nach „Indexing“ habe ich am letzten Wochenende „The School for Good and Evil“ von Soman Chainani gelesen. Das Buch reizte mich schon länger, nachdem es im letzten Jahr auf diversen Blogs aufgetaucht war, denn die Grundidee klang gut – und Märchenthemen kann ich ja eh schwer widerstehen.

„The School for Good and Evil“ dreht sich um zwei Mädchen, die in dem idyllischen Dorf Gavaldon aufgewachsen sind. Während die hübsche Sophie mit ihren goldenen Locken, blauen Augen und ihrem zarten Teint einer Märchenprinzessin entspricht, ähnelt Agathas Äußeres eher einer klassischen Hexe – was noch dadurch unterstrichen wird, dass sie mit ihrer Mutter auf dem Friedhof lebt und nicht gerade viel mit anderen Menschen anfangen kann. Trotzdem haben sich die beide Mädchen miteinander angefreundet, vor allem aufgrund Sophies unablässigen Bemühungen um Agatha.

Sophie ist sich nämlich sicher, dass sie beide auserwählt sind, um von dem „School Master“ entführt zu werden. Sie würde in dem legendären Internat alles erlernen, was eine Prinzessin benötigt, um Teil eines Märchens zu werden, während Agatha in dem „bösen“ Teil der Schule die Ausbildung zur Hexe einschlagen könnte. Doch Agatha glaubt eigentlich nicht, dass die legendäre „School for Good and Evil“ wirklich existiert – und selbst wenn es sie geben sollte, so versucht sie doch alles, damit Sophie nicht entführt wird. Natürlich scheitert Agatha – und findet sich kurz darauf mit Sophie in dem Internat wieder. Doch während Sophie im „bösen“ Teil landet, soll Agatha im „guten“ Teil der Schule ihre prinzessinenhaften Facetten ausarbeiten.

Soman Chainani spielt in diesem Roman ganz wunderbar mit den diversen Märchenthemen und zeigt deutlich, dass „gut“ und „böse“ nicht immer so einfach zu definieren sind. In beiden Teilen der Schule finden sich sympathische und unsympathische Schüler, und obwohl von den Lehrern stets das Konkurrenzdenken unter den Jugendlichen geschürt wird, entstehen immer wieder unerwartete und zerbrechliche Freundschaften. Dabei ist jedem Einzelnen die ganze Zeit über bewusst, dass nur einige Wenige von ihnen zu entscheidenden Märchenfiguren werden wird. Der Großteil von ihnen wird sich mit einem Leben als Handlanger, helfende Tierfigur oder einer vergleichbaren namenlosen Rolle begnügen müssen.

Einzig Agatha hält lange Zeit an dem Gedanken fest, dass sie mit Sophie aus der Schule flüchten muss, damit sie wie früher als Freundinnen in Gavaldon leben können. Doch Sophie arbeitet lieber daran, alle davon zu überzeugen, dass sie in der falschen Seite der Schule gelandet ist, dass sie gut ist und dass sie als (potenzielle) Prinzessin natürlich ihren Prinzen finden muss. All das führt zu einigen amüsanten Szenen, aber auch zu erschreckenden und traurigen Momenten, denn das Leben an der „School for Good and Evil“ ist – wie im Märchen – brutal und oft erbarmungslos.

Neben Sophies und Agathas Bemühungen um ihre Freundschaft, um Sophies Prinzen und um ihr Überleben an der Schule steht auch noch das Geheimnis des „School Master“ im Raum. Er war es, der die beiden Mädchen in die Schule gebracht hat, obwohl sie nicht aus der Märchenwelt stammen. Und niemand weiß, ob er gut oder böse ist und welche Absichten er mit den diversen Herausforderungen und Regeln verfolgt. Ich muss zugeben, dass ich nicht von jeder Wendung überrascht war, aber es gab genügend Momente, in denen ich die Einfälle und Entwicklungen, die Soman Chainani in die Geschichte einbaute, als ungewöhnlich genug empfand, um mich wunderbar unterhalten zu fühlen.

Ich mag die ganzen bösen Wendungen, die diversen Versuche der Charaktere, die Regeln der Schule zu umgehen und die oft entlarvenden Aussagen der diversen Figuren, die zeigen, dass die hinreißende Prinzessin nicht immer die Gute in der Geschichte ist, während die furchterregende Hexe manchmal einfach nur eine liebevolle Umarmung benötigen würde. Am Ende verändert sich die Schule, und ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt bin, wie es nun dort weitergeht. Was dazu führt, dass ich wohl in absehbarer Zeit die Fortsetzung bestellen muss, um mehr Zeit mit Sophie und Agatha verbringen zu können … 😀

Nicholas Drayson: Kleine Tierkunde Ostafrikas

Die „Kleine Tierkunde Ostafrikas“ geschrieben von Nicholas Drayson ist der zweite Roman rund um den indischstämmigen Mr. Malik aus Nairobi. Seit den Ereignissen in „Kleine Vogelkunde Ostafrikas“ sind vier Jahre vergangen und obwohl Mr. Malik am Ende des ersten Teils seinen ganzen Mut zusammennahm, um beim jährlichen Ball mit Rose (in die er schon lange heimlich verliebt war) zu tanzen, hat sich ihre Beziehung keinen Deut weiterentwickelt. Stattdessen verbrachte Rose die letzten vier Jahre bei ihrem Vater in Schottland, während Mr. Malik weiterhin sein unauffälliges Ruheständlerleben führte, die Abende in seinem Club verbrachte und einmal die Woche eine brisante Kolumne über Politik für die Zeitung verfasste. Immerhin hatte er in all den Jahren auch Ruhe vor seinem Rivalen Harry Khan, da dieser wieder zurück ins Ausland reiste.

Sein Interesse für Vögel hat Mr. Malik in all der Zeit nicht verloren und auch sonst hängt sein Herz an der Natur Afrikas und so ist es kein Wunder, dass er den jährlichen Campigausflug seines Clubs organisiert. Dabei hängt sein Herz in diesem Jahr besonders an diesem traditionellen Vergnügen, da seine Tochter mit ihrem Verlobten daran teilnehmen wird. Die Hochzeitsvorbereitungen beschäftigen ihn schon einige Monate und so kann er es kaum erwarten, dass dieses Großereignis endlich über die Bühne geht. Währenddessen kehrt Rose nach dem Tod ihres Vaters zurück und auch ihr Sohn findet nach Jahren, die er in der Schweiz gearbeitet hat, eine Arbeit in Nairobi. Doch auch Harry Khan verschlägt es prompt zu dieser Zeit nach Afrika, immer auf der Suche nach lohnenden Investmentprojekten.

Drehte sich in „Kleine Vogelkunde Ostafrikas“ alles um den Wettbewerb der beiden Männer, so konzentriert sich Nicholas Drayson in diesem Roman eher darauf die Korruption der Politiker anzuprangern. Mr. Maliks Klub droht seinen angestammten Platz zu verlieren, die Zeitung, für die er seine Kolumne schreibt, soll ihre Zulassung verlieren und es werden hinter vorgehaltener Hand Absprachen getroffen, um Grundstücke für ein Einkaufscenter nach amerikanischen Vorbild „freizustellen“. Trotz dieses „größeren Themas“ hat man das Gefühl, dass diese Passagen eher im Hintergrund ablaufen, während Mr. Malik mit seinen Freunden Tiere beobachtet, sich Gedanken um die Hochzeitsvorbereitungen macht und immer wieder auf einen Mordfall angesprochen wird, der vor langer Zeit in Nairobi geschah und dessen Täter man nie zweifelsfrei identifizieren konnte.

Dabei stehen auch dieses Mal vor allem die verschiedenen Charaktere im Vordergrund. Mr. Malik hatte ich ja auf Anhieb ins Herz geschlossen und auch dieses Mal habe ich seine liebenswerte, freundliche und doch sehr engagierte Art wieder sehr genossen. Ich mag seinen Einfallsreichtum ebenso wie seinen Gerechtigkeitssinn, seine Neugier und den Respekt, den er anderen Menschen erweist. Es gibt immer wieder Dinge, die er nicht verstehen kann – zum Beispiel das Verhalten seiner Tochter -, aber das hindert ihn nicht daran Zuneigung zu empfinden und die Leute einfach ihren Weg gehen zu lassen. Auf der anderen Seite kämpft er mit seinen Mitteln gegen Korruption und Ungerechtigkeit und setzt dabei auch schon mal grenzwertige Mittel ein.

Ich fühle mich in Mr. Maliks Ostafrika sehr wohl. Es ist ein Land voller Gefahren, Armut und Gauner, aber das alles wird auf eine Weise geschildert, die einen nicht hoffnungslos macht. Dafür gibt es einfach zu viele Figuren, die mit Witz und Verstand gegen diese Missstände vorgehen, die trotz aller Widrigkeiten die grundlegende Überzeugung hegen, dass man irgendwie doch etwas bewegen kann. Dass alles wird liebevoll in kleine Anekdoten, scheinbar belanglose Szenen und amüsante Momente verpackt, so dass ich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite einfach genießen konnte. Ein wenig hatte ich ja Angst, dass Mr. Malik beim zweiten Band seinen Zauber nicht wieder so entfalten könne wie beim ersten Mal, doch auch wenn die Geschichte einen ganz anderen Unterton hat, so habe ich „Kleine Tierkunde Ostafrikas“ genauso genossen wie mein erstes Zusammentreffen mit diesem charmanten alten Herren.

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war

„Der Mann, der kein Mörder war“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeld war eine Empfehlung von Tine, die sehr begeistert von dem Roman war und ihn sehr spannend fand. Da ich ja immer auf der Suche nach neuen Autoren bin und regelmäßig versuche, meine Vorurteile gegenüber skandinavischen Krimis abzubauen, hatte ich mir das Buch in der Bibliothek vormerken lassen. Hauptfigur der Geschichte ist der Psychologe Sebastian Bergman und leider muss ich sagen, dass mir der Roman ohne diesen Charakter deutlich besser gefallen hätte – keine gute Voraussetzung, um eine Geschichte zu genießen.

Theoretisch dreht sich die Handlung um den Mord an einem Schüler, der – Tage, nachdem er von seiner Mutter als vermisst gemeldet wurde – mit 22 Stichen im Rücken und fehlendem Herzen in einem Waldstück bei Västerås gefunden wird. Da die örtliche Polizei schon Mist gebaut hatte, weil die Vermisstenmeldung erst verschleppt und dann nicht ernst genommen wurde, und zusätzlich der verantwortliche Polizist auch noch seinen Suchtrupp verlassen hat, so dass die – unangebrachterweise von ihm rekrutierten – jugendlichen Pfadfinder die Leiche fanden, wird das Team von Kommissar Höglund aus Stockholm gerufen, um die Ermittlungen zu übernehmen. 
Neben den Ereignissen rund um die Aufnahme der Ermittlungen bekommt man als Leser noch mit, wie der Psychologe Sebastian Bergman nach Västerås reist, um nach dem Tod seiner Mutter sein Elternhaus zu verkaufen. Dass sein Verhältnis zu seinen Eltern nicht gut war, steht von Anfang an fest, ebenso, dass er seit Jahrzehnten nicht mehr im Västerås war. Außerdem bekommt man schnell mit, dass Sebastian Frau und Kind bei einem tragischen Ereignis verloren hat und dass er grundsätzlich ein ziemlicher Mistkerl ist. Im Laufe der Zeit treffen Sebastian und Torkel Höglund aufeinander, und der Kommissar erklärt sich bereit, Sebastian an den Ermittlungen in dem Mordfall teilhaben zu lassen, da er früher mit dem Psychologen befreundet war, während dieser noch für die Polizei gearbeitet hatte. Sebastian hingegen hat ganz eigene Gründe, warum er wieder mit Torkel zusammenarbeiten möchte.
Erst einmal muss ich sagen, dass ich bei vielen skandinavischen Krimis den Eindruck habe, dass der Fall und sein Opfer nicht relevant sind. Es wird den Polizisten und ihren persönlichen Problemen so viel Raum zugesprochen, dass alles andere kaum noch Gewicht hat. Hier hätte mich das nicht so gestört, weil ich das Team rund um Torkel Hörlund eigentlich recht sympathisch und stimmig fand. Außerdem waren die Ermittlungen nicht einfach durchzuführen, da das Opfer kaum Außenkontakte hatte und durch die örtliche Polizei so einige Probleme verursacht wurden. Hätte der Roman also nur aus diesen Elementen bestanden, hätte ich mich ganz gut unterhalten gefühlt, ohne aber das Bedürfnis zu haben, die Reihe weiter zu verfolgen.
Die Figur des Sebastian Bergman hingegen hat dafür gesorgt, dass ich mich ständig beim Lesen geärgert habe. Ich kann mit unhöflichen und destruktiven Charakteren leben, wenn ich das Gefühl habe, dass es der Geschichte zuträglich ist und das Verhalten eine stimmige Ursache hat. Aber je mehr ich über Sebastian erfuhr, desto unerträglicher fand ich sein Arschloch-Verhalten. Dazu kamen dann noch die entsetzlich ausgelutschte Geschichte mit seiner Familientragödie und die vorhersehbare Wendung zu einer persönlichen Sache am Ende des Romans (okay, da hätte es zwei mögliche Auflösungen gegeben, aber überraschend war da nichts) und das führte dazu, dass ich mich nach der letzten Seite fragte, wieso diese Figur überhaupt so viele Fans gefunden hat. Ich habe nichts gegen kaputte Typen, die können wirklich reizvoll sein, aber wenn ein Charakter so konstruiert-kaputt gestaltet wird, dann empfinde ich ihn nur als Belastung für eine Geschichte.
Nachdem also Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt mich nicht überzeugen konnten, greife ich in den nächsten Tagen lieber wieder zu Lotte und Søren Hammer und hoffe, dass der zweite Teil um Kommissar Konrad Simonsen mich dafür gut unterhalten kann.