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Sina Trinkwalder: Wunder muss man selber machen

Ich habe das Gefühl, dass man an Sina Trinkwalder in den letzten Monaten nicht vorbeikommen konnte – und das nicht nur, weil sie immer wieder in Talkshows zum Thema sozialwirtschaftlich und ökologisch hergestellte Mode zu Wort kommen durfte. Als also ihr Buch „Wunder muss man selber machen – Wie ich die Wirtschaft auf den Kopf stellte“ angekündigt wurde, in dem sie über den Aufbau einer industriell-sozial-ökologischen Modemarke in Augsburg schreibt, war ich neugierig. (Lustigerweise hat das dazu geführt, dass ich nun sagen kann, dass bei meiner Bibliothek nach einem Anschaffungsvorschlag im Oktober zwar schnell die Anschaffungsbestätigung bekommt, es aber bis Anfang März dauert, bis das Buch gekauft, eingearbeitet, foliert usw. ist und in die Ausleihe gelangt.)

Die Autorin beginnt das Buch mit einer Szene in einem Bahnhof, bei der ein Obdachloser ihre weggeworfene Zeitschrift aufsammelt, um Weihnachtsschmuck daraus zu basteln. In diesem Moment wird ihr bewusst, dass sie in ihrem Beruf unzufrieden ist. So erfolgreich das mit ihrem Mann gegründete Werbeunternehmen auch ist: Ihr Job befriedigt sie nicht mehr. Stattdessen beschließt sie, eine neue Firma zu gründen, eine Firma, in der von der Gesellschaft benachteiligte Menschen einen Job finden können. Es dauert einer Weile, bis sie sich entschließt, in die Textilproduktion einzusteigen, aber dann fällt sie ihre Entscheidungen recht schnell – was wohl vor allem deshalb möglich ist, weil ihr das eigentlich für so einen Schritt vorausgesetzte Hintergrundwissen fehlt und sie deshalb viele Hindernisse nicht im Vorhinein absehen kann.

Sie investiert viel Energie, Zeit und Geld in diesen Traum von einem Textilunternehmen, in dem industriell Mode hergestellt wird – von Angestellten, die nicht nur eine gute Bezahlung erhalten, sondern auch die Sicherheit eines unbegrenzten Vertrags, eine respektvolle Behandlung und das Gefühl, dass sie ein gewisses Mitspracherecht haben. Das alles finde ich überaus anerkennenswert, vor allem, da Sina Trinkwalder sich auch auf die Fahne geschrieben hat, dass ihre Produkte aus Materialien hergestellt werden, die in Deutschland mit Bioqualität produziert wurden. Oh, und wer einen Blick in den Onlineshop von „manomama“ wirft, der sieht auch, dass die Sachen sogar zu sehr moderaten Preisen angeboten werden.

Das ändert aber nichts daran, dass ich mich nach dem Lesen des Buches fragte, was mir das nun gebracht hat. Letztendlich stand in dem Buch – von den persönlichen Anekdoten und Details zu enttäuschenden Terminen mit Politikern und Behörden mal abgesehen – kaum mehr als auf der Infoseite des Onlineshops. Wer sich also für das Thema interessiert, wird in „Wunder muss man selber machen“ keine neuen Anregungen finden, und wer sich damit nicht auseinandersetzt, der wird eh nicht zu so einem Buch greifen. Es gibt keine tiefergehenden Hintergründe zur aktuellen ökologischen Produktion von Fasern und Stoffen in Deutschland – was ich wirklich sehr spannend gefunden hätte, gerade weil man als „normaler Verbraucher“ da eigentlich keine belegbaren Informationen findet – oder handfeste Beispiele von Dingen, die man vielleicht beachten sollte, wenn man selbst gern ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen würde. Stattdessen bleibt das Gefühl, dass Sina Trinkwalder sich sehr blauäugig, aber dafür mit viel Glück und vielen tollen Menschen, die ihre Fehler ausbügelten und ihre Ziele und Träume wahr werden ließen, auf den Weg gemacht hat.

Deon Meyer: Weißer Schatten

Nachdem ich die „Benny Griessel“-Romane von Deon Meyer so mag und mal wieder Lust auf einen etwas härteren Krimi hatte, dachte ich mir, dass es an der Zeit sei die anderen Romane des Autors anzutesten. Auf „Weißer Schatten“ fiel meine Wahl aus dem einfachen Grund, dass das Buch in der Bibliothek vorzumerken war, aber die Inhaltsbeschreibung fand ich auch ganz reizvoll. Die Handlung dreht sich um Lemmer, der als Bodyguard für eine Agentur arbeitet. Sein neuer Job beinhaltet den Schutz von Emma le Roux, die gerade erst von drei Männern mit Sturmhauben und Handschuhen in ihrem Haus überfallen wurde.

Emma ist der Meinung, dass dieser Überfall mit einem Anruf zusammenhängt, denn sie zwei Tage zuvor erst gemacht hat. Bei diesem Anruf hat sie Kontakt mit einer Polizeidienststelle in der Nähe des Kruger Nationalparks gesucht, da diese eine Suchmeldung nach einem mutmaßlichen Mörder veröffentlicht hat, in dem Emma ihren vor vielen Jahren verstorbenen Bruder zu erkennen glaubte. Auf der Suche nach weiteren Informationen reist Emma mit Lemmer zu dem Wildpark, in dem der Mann bis vor kurzem noch gearbeitet hat. Während die beiden bei ihrer Recherche immer wieder auf eine unerklärliche Mauer des Schweigens stoßen, werden sie ihrerseits von (vermutlich) verschiedenen Parteien verfolgt und bedroht.

Für mich war „Weißer Schatten“ aus mehreren Gründen wirklich spannend. Erst einmal fand ich das Geheimnis um den verschwundenen Mann und die Frage, ob er nun Emmas Bruder ist oder nicht, sehr reizvoll. Verwoben mit der Frage nach der Identität des geheimnisvollen Mannes war auch das Thema Naturschutz, Tierschutz und Wilderei – was mich ebenfalls ansprach. Dann hat Deon Meyer seinem Protagonisten Lemmer so einige interessante Ansichten zugeschrieben. Und nicht zuletzt gab es mit diesem Roman mal einen Blick auf die Gesellschaft außerhalb von Kapstadt, auf die Probleme, die zwischen den Naturschützern, den Geschäftsleuten und den Landbesitzern herrschen. Außerdem geht der Autor auf die Schwierigkeiten ein, die entstehen, wenn ein Land auf der einen Seite von dem Tourismus und der Schönheit der Natur lebt und auf der anderen Seite einen radikalen gesellschaftlichen Umbruch zu verarbeiten hat, der dafür sorgt, dass es viele Parteien gibt, die nach all den Jahren der Unterdrückung ihr Recht verlangen.

Lemmer selbst fand ich recht sympathisch, auch wenn seine Handlungen vor allem gegen Ende moralisch zweifelhaft waren. Das ist für mich auch einer der großen Unterschiede zwischen den Benny-Griessel-Geschichten und diesem Buch, denn Benny ist bei allem Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten in der Welt doch davon überzeugt, dass man das Gesetz einhalten sollte. Für ihn ist es zwar nachvollziehbar, wenn jemand die Regeln übertritt und das Recht in die eigene Hand nimmt, aber trotzdem kann ein gleichberechtigtes Zusammenleben langfristig nur funktionieren, wenn sich alle an die gleichen Regeln halten. Lemmer hingegen lebt in einer Welt, in der ganz klar ist, dass bestimmte Personen sich nie an Gesetze halten werden, und die Folge ist, dass er sich ebenfalls seinen eigenen Weg sucht und seine Art der Gerechtigkeit verfolgt.

Was mir noch aufgefallen ist an diesem Buch, sind viele Beobachtungen und Bemerkungen, die Lemmer macht. Er redet nicht viel, aber er lässt einen aber an seinen Gedanken zu vielen Themen teilhaben. Da Deon Meyer seine Bücher im Original auf Afrikaans veröffentlicht, obwohl die meisten südafrikanischen Autoren anscheinend für ihre Veröffentlichungen aufs Englische zurückgreifen, fand ich eine Bemerkung zum Thema Sprache sehr interessant. Da lässt der Autor Lemmer zu Emma sagen, dass seiner Meinung nach die Anrede auf Englisch durch eine Rezeptionistin der Versuch sei, sich von ihrer Herkunft zu lösen, um von Außenstehenden „neutral“ betrachtet zu werden. Obwohl alle drei eigentlich Afrikaans sprechen, scheuen sie sich davor diese Sprache zu benutzen, weil damit ebenso wie mit ihrer Identität als Buren bestimmte Vorurteile verknüpft seien. Dabei sei es seiner Meinung nach gerade deshalb wichtig Afrikaans zu reden, sich zu seiner Herkunft zu bekennen und dafür zu sorgen, dass sich langfristig dieses negative Bild verändert …

Laini Taylor: Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten (Hörbuch)

Vor ungefähr zwei Jahren ging dieser Titel durch diverse Blogs und reizte mich überhaupt nicht, obwohl ich ja grundsätzlich ein Menge mit Urban-Fantasy-Titeln anfangen kann. Dann aber habe ich für Arianas Hörbuch-Challenge ein paar Hörbücher geliehen bekommen, unter denen sich auch „Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten“ von Laini Taylor befand – und dachte, dass das eine gute Begleitung zum endlosen Tapetenkratzen im Flur sein könnte.

Anfangs lernt der Hörer die junge Karou kennen, die in Prag lebt, an einer kleinen privaten Kunstakademie studiert und bei Chimären aufgewachsen ist. Für sie ist es normal, dass sie diese beiden Teile ihres Lebens getrennt hält und ihren menschlichen Bekanntschaften die Porträts ihrer „Familie“ als Darstellung fiktiver Figuren präsentiert. Dass Karou keine unauffällige Person ist mit ihren Tatoos, ihren blauen Haaren und ihrer Verschwiegenheit über ihr Privatleben, wird allgemein akzeptiert. Für sie selbst gehört die Frage, woher sie stammt und wie es kam, dass sie von Chimären aufgezogen wurde, schon immer zu ihrem Leben. Aber da ihre Familie ihr keine Fragen zu ihrer Herkunft, den Chimären oder dem rätselhaften Geschäft des Wunscherfüllens, dem ihr Pflegevater Brimstone nachgeht, beantwortet, lebt sie gezwungenermaßen mit all diesen Wissenslücken.

Doch dann kommt der Tag, an dem die magischen Portale zu Brimstones Laden von drei „Engeln“ zerstört werden und so Karou jeglicher Möglichkeit berauben ihre Familie wiederzusehen. Nur gut, dass Akiva, einer der Seraphim, kurz zuvor noch auf Karou stieß, sie als Teil der Chimären identifizierte und deshalb mit ihr kämpfte. Später geht beiden dieser Kampf nicht mehr aus dem Sinn und während Karou nach einem Weg in die Welt der Chimären sucht, sucht Akiva Karous Nähe, um mehr über sie und die Anziehung, die sie auf ihn ausübt, herauszufinden.

Das Hörbuch war eine nette Begleitung beim Tapetenkratzen. Aber bei einer etwas weniger lästigen Beschäftigung hätte ich es wohl abgebrochen, da die Handlung für mich unsagbar vorhersehbar war. Besonders lästig fand ich es, dass all die interessanten Details über die Welt der Seraphim und Chimären erst im letzten Drittel erzählt wurden, als ich mir den Großteil schon längst zusammengereimt hatte und keine ausufernden Beschreibungen der verschiedenen Biografien, Historien und Legenden mehr hören wollte. Dabei finde ich die Welt, die sich Laini Taylor für ihre Geschichte ausgedacht hat, in großen Teilen wirklich reizvoll.

Die Seraphim gehören zu eine Art „römischen“ Imperium und erobern seit Jahrhunderten die Länder der verschiedenen „barbarischen“ Chimärenvölker. Durch den gemeinsamen Feind wurden die Chimären gezwungen zusammenzuarbeiten und eine Möglichkeit zu ersinnen in diesem Krieg zu bestehen. Warum der Krieg ursprünglich ausbrach wird eigentlich nicht geklärt, Akiva meint Karou gegenüber aber in einem Gespräch, dass die Seraphim den Chimären eigentlich nur die Segnungen der Zivilisation gebracht hätten – und reagiert nicht gerade fröhlich darüber, dass sie meint, dass Krieg und Sklaverei dafür doch ein etwas hoher Preis wären.

Schön fand ich die Beschreibungen der Chimären, von den rein tierischen Mischwesen bis zu den sogenannten „hochmenschlichen“ Mischwesen, die neben den verschiedenen tierischen Körperelementen über menschliche Oberkörper und Gesichter verfügen. Dabei finde ich es aber sehr schade, dass die Autorin die Gelegenheit nicht genutzt hat, um ein eigenes Schönheitsideal für so eine Gesellschaft zu finden, statt das „hochmenschliche“ Aussehen als besonders erstrebenswertes Schönheitsideal anzupreisen – und die damit verbundene Wendung in der Handlung fand ich unpassend und enttäuschend. Überhaupt ist dieses „daraus hätte man mehr machen können“-Gefühl etwas, das mich die ganze Geschichte über begleitet hat und neben der fehlenden Spannung zu einer gewissen Unzufriedenheit geführt hat.

Gelesen wurde die Geschichte von Julia Nachtmann, die ihre Sache allerdings wirklich gut gemacht hat. Ihre junge und doch hin und wieder spröde Stimme passte gut zur 17jährigen Karou und war angenehm zu hören, aber auch alle anderen Figuren habe ich ihr abgenommen. Obwohl die Sprecherin ihre Stimme kaum verstellt hat, wusste ich bei jedem Wiedereinstieg nur anhand der Stimmlage sofort, welche Figur gerade zu Wort kam. Mit der Tonqualität war ich auch zufrieden, ebenso wie mit der Tracklänge von durchschnittlich 5 Minuten.

Charmante Christie

Vor vielen Jahren zog eine kleine dürre Katze bei mir ein. Eine kleine dürre Katze aus dem Tierheim, die sich nicht anfassen ließ, aber dafür begeistert und unermüdlich kleine klingelnde Fellbällchen apportierte. 
Inzwischen ist die kleine dürre Katze eine alte mollige Dame geworden, die jeden Morgen ihre arthrosegeplagten Gliedmaßen auf der Heizung wärmt, sich dabei gern den Bauch kraulen lässt und dabei anschmiegt.

Elizabeth Strout: Mit Blick aufs Meer

Ich habe keine Ahnung, wieso „Mit Blick aufs Meer“ von Elizabeth Strout auf meiner Vormerkliste gelandet ist. Vermutlich habe ich auf irgendeinem Blog eine Empfehlung gelesen, aber wo und wann das war, kann ich nicht mehr herausfinden (wenn jemand sich „schuldig“ fühlt, darf er sich gern melden). Die Autorin wurde für diesen Roman im Jahr 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, aber das hat mich definitiv nicht zum Lesen veranlasst. *g* „Mit Blick aufs Meer“ ist eine Sammlung von lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, die kleine und oft eher alltägliche Begebenheiten schildern.

Verknüpft werden die Geschichten durch den Schauplatz Crosby, einen kleinen Ort an der Küste von Maine, und häufig kommt die pensionierte Mathematiklehrerin Olive Kitteridge in der Geschichte vor oder wird zumindest erwähnt. Neben der auf den ersten Blick eher alltäglich wirkenden Handlung ist allen Geschichten eine gewisse Melancholie gemein. Auch erscheinen nur wenige Charaktere wirklich sympathisch, aber dafür wirken sie stimmig und realistisch und in ihren – nicht gerade einfachen – Eigenarten sogar immer wieder liebenswert.

Olive zum Beispiel wird von den meisten Außenstehenden als furchteinflößend oder bestimmend wahrgenommen, und unrecht haben diese Personen mit ihrer Meinung bestimmt nicht. Oft genug steht die Frage im Raum, warum ihr sanfter und warmherziger Mann Henry sie überhaupt geheiratet und es all die Jahre mit ihr ausgehalten hat. Auf der anderen Seite kann man als Leser auch Olives Gedanken und Ängste miterleben – und so harsch sie auch über andere urteilt und so unhöflich sie auch in ihrem Benehmen ist, so kommt einem doch nicht selten der Gedanke, dass sie mit ihrem harten Urteil über andere vielleicht gar nicht so falsch liegt. Außerdem gibt es immer wieder die Momente, in denen sie überraschend aufmerksam handelt, in denen sie sich anderer Menschen annimmt und in denen einem klar wird, dass diese dicke alte Frau so gern gebraucht werden möchte.

Man erfährt viel von Olive und ihrem Henry, aber auch von ihrem Sohn Christopher (der Olive viele Vorwürfe über seine Kindheit zu machen hat) und vielen weiteren Bewohnern aus dem Ort. Doch Elizabeth Strout lässt bei all ihren Erzählungen – die voller genauer und atmosphärischer Beobachtungen sind – sehr viele Lücken, die vom Leser selbst geschlossen werden müssen. Wie es sich für eine klassische Kurzgeschichte gehört, überlässt die Autorin es einem selbst, die Geschichte weiterzuspinnen, sich zu fragen, ob eine junge Frau eine Arztpraxis in Brand setzen würde oder ob ein Paar bei aller Ungleichheit am Ende eine zufriedene Ehe führen wird. Diese kleinen Einblicke in das „ganz normale“ Leben dieser Charaktere erzählen von den verborgenen Sehnsüchten und Wünschen der Menschen, von den kleinen Sünden und schwarzen Gedanken, aber auch von der Liebe, die sie empfinden, und von den verschiedenen Momenten, durch die diese ausgelöst oder ins Bewusstsein gerückt wird.

Da der Roman aus so vielen Kurzgeschichten besteht, kann man zwischen den einzelnen Kapiteln gut eine Pause machen. Trotzdem habe ich das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, und auch wenn ich nun nicht mehr viele Namen auf die Reihe bekomme, so klingen in mir gerade so viele Figuren und Einzelschicksale nach. Durch die Fülle an Personen gibt es wohl für jeden Leser jemanden, mit dem man sich verbunden fühlen kann (solange man mit der unaufgeregten Erzählweise zurechtkommt) und leider muss ich anmerken, dass mir die erste Geschichte fast am wenigsten zugesagt hat, so dass ich den Einstieg etwas schwierig fand. Aber nach dem Beenden von „Mit Blick aufs Meer“ freue ich mich sehr darüber, dass ich irgendwie auf dieses Buch aufmerksam wurde und einige Stunden mit Olive und ihren Nachbarn, ihren kleinen und großen Geschichten und vor allem mit der Sprache und all den Beobachtungen von Elizabeth Strout verbringen konnte.

März-SuB 2014

Erst einmal muss ich erstaunt feststellen, dass es im Februar bei mir keinerlei Neuzugänge gab – was allerdings auch daran liegt, dass das vorbestellte englische Buch, das am 25. erschienen ist, von meinem Buchhändler erst importiert werden muss. 😉 Ansonsten habe ich insgesamt 12 Bücher gelesen (darunter endlich ein Sachbuch, das allerdings noch rezensiert werden muss), 2 Hörbücher gehört (die ich ebenfalls noch rezensieren sollte) und gerade mal 2 Manga in der Hand gehabt.

Im März versuche ich nicht nur mehr Manga zu lesen und die ausstehenden Challenge-Rezensionen auf die Reihe zu bekommen, sondern auch den Leih-SuB mal ernsthafter ins Auge zu fassen. Manchmal bin ich mit all den Stapeln (Neuzugänge/SuB/Leih-SuB/Bibliotheksausleihen/englischer SuB/Sachbuch/Manga+Comics) so überfordert, dass ich gar nicht mehr lese, weil ich mich nicht entscheiden kann, was ich nun wichtiger finde. Ein total frustrierender Zustand, weil ich auf so viele Bücher gleichzeitig Lust hätte …

A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (11)
Quentin Bates: In eisigem Wasser
Quentin Bates: Kalter Trost
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Jenna Black: Rosendorn
Michael Boccacino: Charlotte und die Geister von Darkling
P.J. Brackston: Es war einmal ein Mord
Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud  
Brom: Krampus
Jim Butcher: Im Schatten des Fürsten (Codex Alera 2)

C (1)
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)

D (3)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (0)

F (8)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Thomas Finn: Schwarze Tränen
Alex Finn: Beastly
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym

G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (10)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab
Kim Harrison: Blutschwur (Rachel-Morgen-Serie)
Kim Harrison: Blutsbande (Rachel-Morgen-Serie)
Kim Harrison: Bluteid (Rachel-Morgen-Serie)
Kim Harrison: Blutdämon (Rachel-Morgen-Serie)
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Will Hill: Department 19 – Die Wiederkehr
Mark Hodder: Der wundersame Fall des Uhrwerkmannes
Daniel Holbe: Giftspur

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (0)

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (1)
Siri Lindberg: Nachtlilien

M (3)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter

O (0)

P (3)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Renata Petry: Hilgensee
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund

Q (0)

R (10)
Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (8)
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (7)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 – Der gläserne Fluch
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (5)
Danny Wallace: Auf den ersten Blick
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Gabriella Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)

Sonstige (0)

85 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

Amber Benson: Death’s Daughter (A Calliope Reaper-Jones-Novel)
Marie Brennan: A Natural History of Dragons
Sarah Rees Brennan: Unspoken
Julie Campbell: The Gatehouse Mystery (Trixie Belden #4)
Gail Carriger: Changeless (Parasol Protectorate #2)
Gail Carriger: Blameless (Parasol Protectorate #3)
Gail Carriger: Heartless (Parasol Protectorate #4)
Gail Carriger: Timeless (Parasol Protectorate #5)
Jennifer Estep: Killer Frost (Mythos Academy #6)
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Wild Ways
Lynn Kurland: Star of the Morning
Seanan McGuire: Chimes at Midnight (October Daye #7)
Seanan McGuire: Half-Off Ragnarok (InCryptid #3)
Seanan McGuire: Indexing
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Tamora Pierce: Battle Magic (Circle Reforge)
Julia Quinn: Dancing at Midnight
Julia Quinn: Splendid
Julia Quinn: Minx
Julia Quinn: Everything and the Moon
Julia Quinn: Brighter Than the Sun
Philip Reeve: Larklight

Sonstiges:
West Ward Weird
Home Improvement: Undead Edition
Carniepunk

26 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Leseeindrücke im Februar

Über „Wie ein unsichtbares Band“ von Inés Garland bin ich bei Lettersalad gestolpert, die den Titel in ihrem Beitrag zu BuchSaitens Blogparade erwähnte. Sehr viel hatte sie nicht über den Inhalt verraten und so wusste ich bei der Ausleihe aus der Bibliothek nicht mehr als der Klappentext verrät. Mir fällt es auch schwer mehr über den Inhalt zu sagen, als dass man die Geschichte aus der Perspektive von Alma erzählt bekommt, die sich als Kind mit den Geschwistern Carmen und Marito anfreundet und später mehr für Marito empfindet als Freundschaft. Das alles wäre nicht so bemerkenswert, gäbe es nicht einen sehr großen gesellschaftlichen Unterschied zwischen Alma und ihren Freunden und würde ihre Freundschaft nicht in die Zeit der aufkommenden Militärdiktatur in Argentinien fallen. Jedes Mal, wenn ich (Jugend-)Bücher lese, die in Südamerika spielen, fällt mir auf wie eigen der Grundton dieser Geschichten ist. Dazu kommen in diesem Roman Almas Naivität und die erschütternden Ereignisse am Ende des Romans, die relativ wenig erklärt werden und gerade deshalb den Leser so lange beschäftigen.

***

„Wer Blut vergießt“ von Deborah Crombie – der 15. Roman rund um Duncan Kincaid und Gemma James, was bedeutet, dass ich diese Reihe seit zwanzig Jahren lese. Zwanzig Jahre, in denen ich die persönlichen Entwicklungen von Duncan und Gemma begleitet habe, zwanzig Jahre, in denen ich mich über die (leider nicht in jedem Jahr erscheinenden) Fortsetzungen gefreut habe. Deborah Crombie gehört für mich zu den wenigen Autoren, die ich automatisch kaufe. Wie schon alle anderen Bände zuvor bietet „Wer Blut vergießt“ einen gut geschriebenen, unterhaltsamen Kriminalroman mit realistisch wirkenden und interessanten Charakteren und wunderschöne Beschreibungen von London (und manchmal auch anderen britischen Gegenden). Ich glaube, dass man für eine solch atmosphärische und doch real wirkende Sicht auf ein Land vertraut genug mit der Region sein muss, um sich Daheim zu fühlen, und fremd genug, um noch die Besonderheiten und Details wahrnehmen zu können. Bei Deborah Crombie scheint es auf jeden Fall zu klappen. 😉 Was ich noch an ihren Geschichten mag, ist die Vielfalt an Themen. Bei anderen Autorinnen haben ich oft das Gefühl, dass sie sich irgendwann an einem Themengebiet festbeißen und dann drehen sich alle Fälle nur noch darum. Die Krimis rund um Duncan und Gemma hingegen bieten Abwechslung, was die Art des Mordes, das Motiv, die Umgebung und den Täter angeht und folgen häufig einem Hauptthema, sei es Poesie oder Musik oder der Rudersport, was mir persönlich immer wieder gut gefällt.

***

„Die Klinge von Namara“ von Kelly McCullough ist der zweite Band des Autors rund um Aral Königsmörder (Rezi zum ersten Teil könnt ihr hier finden: „Die zerborstene Klinge“). Mir hatte schon der Auftaktband sehr zugesagt, aber dieser Roman gefiel mir sogar noch besser. Aral ist immer noch Alkoholiker und muss stets der Versuchung, die die Flasche für ihn bedeutet, widerstehen, aber er ist nicht mehr diese hoffnungslose Figur, die an den Geschehnissen der Vergangenheit zerbrochen ist. Nach den Ereignissen in Band 1 weiß er, dass er immer noch der Gerechtigkeit dienen kann, auch wenn seine Göttin – und damit sein früherer Lebensinhalt – vernichtet wurde. So lässt er sich von seinem Finsterling Triss überreden zwei Frauen zu helfen, die in seiner Stammkneipe (ganz kann er es ja doch nicht sein lassen) von Elitesoldaten und ihren Steinhunden gestellt werden. Wieder bietet der Autor eine Mischung aus ein paar Actionszenen und vielen ruhigen Momenten, in denen Handlungen geplant oder in Ruhe (und mit der größtmöglichen Sicherheit) durchgeführt werden. Der Protagonist hat sich im Vergleich zum ersten Band deutlich entwickelt und ich mochte seinen immer mal wieder aufkeimenden Humor und seine weniger hoffnungslose Sicht auf sein Leben. Außerdem lässt Kelly McCullough den Leser mit „Die Klinge von Namara“ mal einen weiteren Blick auf seine Welt nehmen. Jetzt spielt nicht nur die asiatisch-angehauchte Stadt Tien eine Rolle, sondern man bekommt auch ein paar ungewöhnliche Aspekte der benachbarten Länder vorgestellt (auch wenn die eigentliche Handlung die Stadt nicht verlässt). Gerade die Idee von der Dyade, die aus einer Verschmelzung von einem magisch begabten Menschen und einem Krieger entsteht, wobei beide Körper (und Persönlichkeiten) erhalten bleiben, sich aber eine dritte übergeordnete Wesenheit bildet, die beide Ursprungspersönlichkeiten beherrschen und ihr gemeinsames Kräftepotential nutzen kann, finde ich faszinierend und sehr schön umgesetzt. Ich freu mich jetzt schon auf weitere Fortsetzungen dieser Reihe!

Oh, und da ich von der Übersetzung des ersten Bandes etwas irritiert war (siehe HIER): Auch dieser Teil wurde von Frauke Meier übersetzt und auch hier bin ich über einige Begriffe und Formulierungen gestolpert. So langsam würde ich doch gern mal das englische Original ausprobieren …

Diane Zahler: Princess of the Wild Swans

Eigentlich wollte ich mir nach „A True Princess“ ja etwas Zeit lassen, bevor ich „Princess of the Wild Swans“ lese, aber dann waren die Neugier und der Bedarf nach einer „schönen“ Lektüre doch zu groß. Gleich vorweg kann ich sagen, dass mir „Princess of the Wild Swans“ von allen drei Diane-Zahler-Romanen bislang am wenigsten gefallen hat – wobei das nicht heißt, dass mir die Geschichte gar nicht gefallen hätte. Ich fand sie nur nicht ganz so bezaubernd wie die anderen Märchen und hatte das Gefühl, dass hier weniger passiert, da sich die Handlung auf einen Zeitraum von wenigen Wochen beschränkt. Letzteres war zwar auch bei „A True Princess“ der Fall, aber dort reisten die Figuren immerhin währenddessen in ein anderes Königreich. 😉

„Princess of the Wild Swan“ basiert unübersehbar auf dem Märchen „Die wilden Schwäne/Die sechs Schwäne“, wobei ich das Gefühl habe, dass die Autorin sich sehr von der irischen Version hat inspirieren lassen – überhaupt ist dieses Märchenmotiv unglaublich verbreitet. In diesem Roman von Diane Zahler wächst die mutterlose Prinzessin Meriel mit ihrem Vater und ihren fünf Brüdern in einem Schloss auf, an dessen Fuß ein herzförmiger See liegt, welcher angeblich ein Tor zur Feenwelt ist. Erzogen wird Meriel von einer Gouvernante, doch das verwöhnte Mädchen möchte lieber all die Dinge lernen, mit denen sich seine Brüder beschäftigen, statt der ehe weiblichen Tätigkeiten wie Sticken und Nähen.

An dem Tag, an dem die Geschichte beginnt, kommt der König von einer Reise nach Hause, im Schlepptau eine neue Ehefrau, die überaus überrascht ist, dass ihr Gemahl nicht nur eine verwöhnte kleine Tochter hat (die keine Gefahr für einen eventuellen eigenen Sohn darstellen würde, da sie nicht erbberechtigt wäre), sondern auch fünf gesunde Söhne. Während Meriel die Stiefmutter auf den ersten Blick nicht leiden kann, sind ihre Brüder weniger misstrauisch gegenüber der schönen Frau – doch keine 48 Stunden später sind die Königssöhne aus dem Schloss verschwunden (angeblich abgereist, um eine Schule zu besuchen), während auf dem See fünf hübsche Schwäne schwimmen.

Dank der Hexe Riona – die mit Meriels Bruder Cullan befreundet war – findet Meriel heraus, dass es nur eine Möglichkeit gibt, den Fluch zu brechen, der auf ihren Brüdern liegt. Dabei helfen ihr nicht nur Riona, sondern auch Rionas Bruder Liam, die Mutter der beiden Geschwister und viele Bewohner des zum Schloss gehörigen Städtchens. Ich muss zugeben, dass ich die Szenen in der Hütte von Riona und ihrer Familie sowie die kleinen Einblicke in das Stadtleben sehr gemocht habe. Auf der anderen Seite war die Handlung schon sehr vorhersehbar, vor allem da sich die Autorin sehr an die märchenhafte Vorlage hält und die Prinzessin schweigend und unter Zeitdruck aus Brennnesseln Hemden anfertigen muss, während die böse Stiefmutter keinen Verdacht schöpfen kann.

So gab es im Vergleich zu den anderen Romanen weniger überraschende und magische Momente in „Princess of the Wild Swans“, stattdessen ein Gefühl von Hektik, da es keine zwei Tage dauert, bis die Prinzen verzaubert werden und Meriel dann nur wenige Wochen Zeit hat, um ihr Material herzustellen und zu nähen. Aufgelockert werden diese „Handarbeitsszenen“ durch Lieder und Geschichten, die der Prinzessin von Riona und Liam erzählt werden, durch die wachsende Freundschaft zwischen den drei Figuren, durch gefährliche Momente, die sie an dem See erleben, und durch weitere Charaktere, die im Laufe der Handlung hinzukommen. Und obwohl ich eigentlich Geschichten mag, in denen das Handarbeiten eine gewisse Rolle spielt, fand ich diese Szenen hier nicht so schön beschrieben. So fühlt sich das Ganze für mich nicht rund genug an, um am Ende das Buch so zufrieden weglegen zu können wie bei den anderen beiden Märchen.

Die am Ende des Buches vorhandene Vorschau auf die nächste Geschichte, „Sleeping Beautys Daughters“, macht mich dafür jetzt schon neugierig auf die nächste Märchenadaption von Diane Zahler. 😉

Dies und Das (2): Sockenstricken

In den letzten Wochen habe ich ganz viele Blogbeiträge angefangen und kaum einen davon beendet. Ich hoffe, dass sich das bald mal wieder ändert, denn ich neige dazu solche Anfänge irgendwann zu löschen, wenn sie zu lange daliegen. Und da die „Dies und Das“-Beiträge  mich oft motivieren, wird es wohl mal wieder Zeit für eine Runde „Belanglose Dinge aus dem Leben der Winterkatze“. 😉

***

Eigentlich nähe ich immer noch an meinen Wohnzimmervorhängen. Die Motivation ist niedrig, außerdem ist es lästig, dass der Stoff so steif ist, dass ich nicht einfach durchnähen kann, sondern jeden Stich gezielt setzen muss. Ihr seht schon, der perfekte Stoff für Vorhänge! 😀 Inzwischen überlege ich schon, ob ich die Schlafzimmervorhänge vorziehe, die sollten schnell gefertigt sein, da der Stoff deutlich geschmeidiger ist und somit deutlich schneller ordentlich nähen lässt. Dass ich mit der Hand auch immer entsetzlich kleine Stiche mache, ist auch keine Hilfe.

Um also mal wieder ein schnelles Erfolgserlebnis zu haben und die Sockenschublade wieder aufzustocken, habe ich mir zur Jahreswende neue Sockenwolle gegönnt. Aber irgendwie ist bei diesem Sockenprojekt der Wurm drin und von „schnellem Erfolg“ kann ich da nicht sprechen. Normalerweise stricke ich Socken mit 3er-Nadeln aus Holz, die gehen fix, sehen gut aus und sitzen. Doch noch hübscher und bequemer sind die Socken, die ich früher aus 2er-Nadeln gestrickt habe, allerdings habe ich in der Größe nur Metallnadeln und die finde ich deutlich unangenehmer als Nadeln aus Holz oder Bambus. Also habe ich mir zum Jahresende nicht nur neue Sockenwolle, sondern auch teure Nadeln in der Stärke 2,25 aus Veilchenholz gegönnt und so ging es dann weiter:

– Einige Tage später die Nadeln ausgepackt, festgestellt, dass mir welche in 3,25 geschickt wurde, Mail an die Verkäuferin geschrieben.
– Drei Tage später neue Nadeln inklusive Porto für die Rücksendung der ersten Nadellieferung erhalten. Am selben Abend Maschen für Socken aufgenommen und losgestrickt.
– Wieder ein paar Tage später halte ich 1 1/2 wunderschöne Socken in den Händen. Der fertig Socken passt perfekt, sitzt gut, hat eine tolle Schaftlänge und die (angeblich wirklich hässliche :D) Farbe gefällt mir so gut wie erhofft. Allerdings muss ich feststellen, dass die Wolle nicht mehr für den fehlenden Fuß reichen wird und ribbel schweren Herzens wieder auf.
– Am nächsten Tag also der Neuanfang mit ein paar Maschen weniger und einem kürzerem Schaft. Dieses Mal komme ich nur bis zur ersten Ferse und es macht „knack“ – und ich halte zwei unfassbar teure Zahnstocher aus Veilchenholz in der Hand. Natürlich gibt es von diesem Anbieter keine einzelnen Nadeln und ein komplett neues Nadelspiel möchte ich dann doch nicht kaufen.

– Wieder aufribbeln und ein weiterer Neuanfang – jetzt mit 3er-Nadeln. Aber glücklich war ich damit nicht, ich wollte doch dieses Mal feinere Socken stricken. Nach mehreren Anfängen hatte ich dann erst einmal aufgeben und die Wolle weggepackt.
– Dann traf ein überraschendes Päckchen von meiner Mutter ein, mit der ich am Telefon über mein kaputtes Nadelspiel gesprochen hatte. Inhalt war ein Nadelspiel aus Bambus mit 2mm-Nadelstärke – ich wusste gar nicht, dass es die inzwischen so fein gibt! Also wieder die Wolle rausgeholt und angefangen zu stricken, doch wohl war mir mit den Bambusnadeln nicht. Ich weiß, dass Bambus nicht nur biegsam, sondern auch stabil ist, aber diese Nadeln haben sich beim Stricken so durchgebogen, dass ich mich kaum traute die nächste Masche aufzunehmen. (Dazu kommt, dass ich inzwischen eigentlich nur noch mit den kürzeren Handschuh-Nadelspielen stricke, was meine Mutter sich aber wohl nicht gemerkt und deshalb ein normal langes Nadelspiel besorgt hat.)
– Inzwischen habe ich den angefangenen Socken dann doch auf meine alten Metallnadeln gepackt (dabei ist mir aufgefallen, dass ich die vor ungefähr 25 Jahren aus dem Bestand meiner Mutter gemopst habe – ganz schön lange her). Die erste Ferse ist fertig und ich betrachte (trotz weniger Maschen und ziemlich kurzem Schaft) mit bangem Blick mein Wollknäuel. Nur gut, dass ich so schlichte Socken stricke und mich nicht auch noch jedes Mal von neuem durch ein Muster arbeiten muss, aber trotzdem wäre es schön, wenn ich bei diesem Versuch auch zu einem tragbaren Ergebnis kommen würde.
– Wenn die Wolle wieder nicht reicht (was ich total seltsam finde, denn normalerweise habe ich am Ende meiner Socken immer noch Wolle übrig – mit ein Grund, warum ich mit dem Stricken für Frühchen angefangen hatte), dann muss ich wohl eine zweite Farbe besorgen und Ringelsocken machen …

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Eigentlich würde ich ganz gerne mal wieder etwas Größeres oder Komplizierteres als Socken stricken. Aber für Draußen sind mir gestrickte Sachen in der Regel zu warm und für die Wohnung lohnt es sich auch nicht, da die vier Monsterkatzen sich ja doch nicht davon abhalten zu lassen, mich mit ihrem Milchtritt zu bearbeiten. Und ihr wollt gar nicht wissen, was das für Folgen hat, wenn man Gestricktes trägt. So groß ist meine Neigung zum Kunststopfen dann doch nicht, dass ich mir das freiwillig antue.

Und da ich schon bei diesem Thema festhänge: Erinnert ihr euch noch an meine UFO-Liste vom Oktober? Die Mützen, die darauf standen, sind natürlich immer noch nicht vernäht. Ich schiebe es auf den fehlenden Winter. Hätte ich einen Anlass gehabt, um eine Mütze zu tragen, hätte ich das bestimmt schon in Angriff genommen! Ganz bestimmt …

Dafür sind die Flanelltaschentücher inzwischen fertig. Noch gab es keine Gelegenheit sie ausgiebig zu testen, aber sie fühlen sich schon mal schön weich und kuschelig an. Wir warten also auf die nächste größere Erkältung für einen Intensivtest. 😉

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Zum Schluss gibt es noch ein Beispiel aus der Kategorie „Dinge, die die Winterkatze glücklich machen“:

Nachdem ich nun doch beschlossen habe, dass ich mir wieder Möbel selber baue, und da ich ja keine vollständig eingerichtete Werkstatt mehr dafür zur Verfügung habe, habe ich mir eine Bohrschablone für Taschenbohrungen gegönnt. Das ist die simpelste Form der verdeckten Verbindungen, wenn man nicht mit (Flach-)Dübeln arbeiten möchte. Als nächstes steht dann eine vernünftige Stichsäge auf dem Wunschzettel … 😉

Winter-Katzen-Fotos

Auch wenn dieser Winter unglaublich warm war, hatten wir trotzdem die Heizung im Wohnzimmer immer etwas an, da unsere arthrosegeplagte Christie die Wärme so sehr mag. Und ich muss zugeben, dass ich es auch ganz angenehm finde, wenn ich mich nachmittags zum Arbeiten mit dem Netbook aufs Sofa kuscheln kann. So sitze ich auch gerade in diesem Moment da und bin umringt von Katzen, während ich so vor mich hintippe. Auf der Sofalehne liegen Baltimore und Logan – Gesicht an Gesicht, auch wenn die Schnurrbarthaare des jeweils anderen so scheußlich kitzeln -, auf meinen hochgelegten Beinen schläft momentan Christie und quer über meinem Oberkörper hängt Shandy und ist etwas unzufrieden, weil meine Arme beim Tippen nicht vollkommen reglos sind. 😉