Alle Artikel von Konstanze

Jennifer E. Smith: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Hörbuch)

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen die verschiedenen Rezensionen zu dieser Geschichte mit einem Schmunzeln überflogen habe. Es kommt mir so vor, als ob es nur zwei Standpunkte dazu gäbe. Die einen sind enttäuscht, weil es keine reine Liebesgeschichte ist, und die anderen sind absolut hingerissen von der Handlung. Für mich war „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ einfach ein schönes Hörerlebnis, ein Wohlfühl(hör)buch ohne große Höhen und Tiefen, das ich bestimmt noch einmal hören werde.

Und um es mir einfach zu machen, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

Hadley könnte sich wirklich Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Aber dass sie ihr Flugzeug verpasst und auf dem New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier untersterblich zu verlieben: In den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um Olivers Herz zu gewinnen …

Zu allererste für diejenigen, die noch nicht so viel über die Geschichte gehört haben und nur den Klappentext kennen: Es ist keine reine Liebesgeschichte und Hadley verliebt sich nicht unsterblich. Sie fühlt sich wohl in Olivers Gesellschaft, hat ein Kribbeln im Bauch und das Gefühl, dass aus dieser Zufallsbegegnung mehr werden könnte. Ansonsten dreht sich die Geschichte zum Großteil darum, dass Hadley – auch dank Olivers Sicht der Dinge – über die Trennung ihrer Eltern hinwegkommen muss. Sie muss ihrem Vater verzeihen, dass er sie und ihre Mutter verlassen hat, um in England ein neues Leben mit einer neuen Frau aufzubauen. Und sie muss lernen, dass es auch an ihr liegt, wenn sie weiterhin eine Rolle im Leben ihres Vaters spielen will.

Mir haben die unterschiedlichen Charaktere gefallen, auch wenn Oliver, den man nur aus Hadleys Perspektive kennenlernt, etwas blass bleibt. Aber das liegt wohl daran, dass das Mädchen den Großteil der Handlung eben nicht offen genug ist, um sich Gedanken um eine andere Person zu machen, und stattdessen mit Panikattacken, Erinnerungen und ihrer Angst vor der bevorstehenden Hochzeit ihres Vaters mit einer ihr wildfremden Frau beschäftigt ist. Dafür gibt es lustige kleine Begebenheiten auf der Reise, eine Schar Brautjungfern, die Hadley am Ende unter ihre Fittiche nehmen, und viele Momente, die mir gefallen habe, mich aber auch an diverse (amerikanische) Filme erinnerten.

Für mich ist „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ ein nettes, leichtes, unterhaltsames Hörbuch gewesen, welches durch Anna Carlssons tolle Interpretation angenehm zu hören war. Die Sprecherin sorgt dafür, dass Hadley spröde und verletzlich wirkt, aber auch sympathisch-sarkastisch, zärtlich und hoffnungsvoll – ja nachdem, was die Situation gerade verlang. Auch passt ihre Stimme von Klang her sehr gut zu der Rolle, denn sie klingt jung genug für einen Teenager, ohne dass man ihr die Passagen, in denen andere Figuren zur Wort kommen, nicht abnehmen würden.

Und da ich bei ein paar Rezensionen gelesen hatte, dass einige Leser nicht mit den Zeitsprüngen zurechtkamen: Bei dem Hörbuch haben die mich überhaupt nicht gestört. Durch die Angabe der aktuellen Uhrzeit innerhalb der Geschichte oder kleine einleitende Sätze, die deutlich machten, dass diese Passage sich in Hadleys Kindheit oder auf dem Flug ereignet hatte, konnte ich die jeweiligen Szenen jederzeit einordnen und fand es sehr nett, dass die Geschichte stückchenweise erzählt wurde und man so ebenso neugierig auf vergangene Ereignisse wie auf den weiteren Verlauf der Handlung bliebt.

Caroline Vermalle: Als das Leben überraschend zu Besuch kam

Nachdem mir „Denn das Glück ist eine Reise“ von Caroline Vermalle so gut gefallen hatte, war ich sehr neugierig auf ihren neuen Roman „Als das Leben überraschend zu Besuch kam“. Wieder hat die Autorin recht alte Protagonisten für ihre Geschichte gewählt und gemeinsam mit ihren Figuren reist man durch die Bretagne und erlebt viele kleine bezaubernde Augenblicke. Im Zentrum der Geschichte steht die dreiundsiebzigejährige Jacqueline, die von einem Tag auf den anderen ihren Mann Marcel verlässt. Während er absolut keine Ahnung hat, wo seine Frau sein könnte, reist sie anfangs ziellos durch die Gegend. Doch dann erinnert sie sich an ihre Kusine Nane, die sie seit über fünfzig Jahren nicht mehr gesehen hat, und beschließt die Ile d’Yeu, auf der Nane lebt, als Startpunkt für einen Neuanfang zu wählen.

Dabei wird die Geschichte aus der Sicht eines Schmetterlings erzählt, der bei Jaquelines Erscheinen vor Nanes Tür spürt, dass hier etwas Besonderes vor sich geht. Und was dieser Schmetterling nicht selber beobachten kann, wird ihm von den verschiedenen Winden oder andere Insekten zugetragen, so dass sich die Handlung aus vielen kleinen Szenen zusammensetzt. Nur hier und da wechselt Caroline Vermalle die Perspektive, wenn es darum geht dem Leser die unausgesprochenen Gedanken ihrer Figuren zu vermitteln.

Mir sind die drei Hauptfiguren wirklich ans Herz gewachsen, obwohl das aufgrund der Schmetterlings-Perspektive und Jacquelines sprödem Wesen nicht so einfach war. Die alte Dame war eindeutig nicht glücklich in ihrer Ehe, wobei man beim Lesen nicht das Gefühl hat, dass ihr Mann Marcel das Problem war. Stattdessen scheint Jacquelines – schon vor 33 Jahren verstorbene – Mutter einen unguten Einfluss auf das Leben ihrer Tochter genommen und bis zum heutigen Tag vergällt zu haben. Sie war auch der Grund, warum der Kontakt zwischen Jacqueline und Nane abbrach, obwohl sich die Kusinen in den vergangenen Jahrzehnten sehr vermisst haben.

Nane ist ein deutlich lebenslustiger Charakter als Jacqueline. Sie hat früh einen Künstler geheiratet und sich selber als Bildhauerin einen Namen gemacht. Mit inzwischen achtzig Jahren genießt sie ihren Mittagschlaf im Garten, ihr liebevoll zubereitetes Essen und die vielen Besuche von Freunden und Familienmitgliedern. Obwohl auch ihr Leben nicht perfekt ist, scheint sie doch ihren Weg gegangen und letztendlich zufrieden zu sein. Zuletzt ist da noch Marcel, der nach dem Weggang von Jacqueline feststellen muss, dass es sehr vieles gibt, was er über seine Frau nicht wusste. Und weil man nicht über fünfzig Jahre Ehe einfach wegwerfen kann, will er zwei Fliegen mit einer Klappe erlegen. Auf der einen Seite will er sich einen Jugendtraum erfüllen, in dem er die Loire von der Quelle bis zur Mündung hinunter schwimmt und auf der anderen Seite will er so die Ile d’Yeu erreichen und dort – dank seiner großen Leistung – die Bewunderung (und die Liebe) seine Frau wiedererlangen.

Jacqueline stößt nicht nur bei Nane und Marcel viele Gedanken an, es werden auch einige weitere Personen durch ihre Handlungen beeinflusst und dazu veranlasst über ihr Leben und ihre Wünsche nachzudenken. Und je verzweifelter Jacqueline nach dem Punkt sucht, an dem sie sich verloren hat, und Ausschau nach einem Weg für ihre Zukunft hält, desto mehr Bewegung bringt sie in das Leben der Personen, die ihr nahe sind. Für den Leser gibt es so auch genügend Anlässe, um darüber nachzudenken wie wichtig die eigenen Hoffnungen und Wünsche sind und dass es nie zu spät ist, seine Prioritäten neu zu überdenken und sich an die Verwirklichung eines Traumes zu wagen.

Alles in allem hat mir die Geschichte wirklich gefallen, aber es gibt zwei Punkte, die dafür gesorgt haben, dass mich dieser Roman lange nicht so sehr bewegt hat wie „Denn das Glück ist eine Reise“. Erst einmal sind die Passagen, die aus der Sicht des Schmetterlings geschrieben wurden, sehr poetisch erzählt. Es sind bezaubernde kleine Szenen, die mich teilweise an die „windigen“ Passagen aus „Chocolate“ erinnert haben (während Nane Judi Dench Darstellung der Armande Voizin in der Verfilmung entsprach), aber diese Schmetterlingsszenen haben dafür gesorgt, dass ich die gesamte Handlung mit einem gewissen Abstand verfolgt habe. Die Geschichte wäre – in meinen Augen – so viel berührender und magischer gewesen, wenn sich die Autorin auf die einfache und reduzierte Erzählweise beschränkt hätte, die ihr Debüt ausgezeichnet hat.

Und dann gibt es am Ende des Romans einen Brief, den Jacqueline einer Freundin schreibt, und in dem sie erklärt, welche Teile der Handlung von ihr ausgeschmückt worden wären und welche nicht. Für mich wird damit eine wunderschöne und bewegende Geschichte radikal entzaubert. Ich möchte in so einem Buch keine Auflösung auf den letzten Seiten, die das Ganze „realistischer“ wirken lässt. Ich möchte den Roman zuklappen können und das Gefühl haben, dass da eine Autorin eine wunderschöne Geschichte voller leiser und bezaubernder Momente geschaffen hat, die in mir viele Gedanken und Gefühle ausgelöst hat. Und ich will am Ende eines solchen Buches das Gefühl haben, dass alles möglich ist und alles gut ausgeht, wenn man sich nur Mühe gibt …

Towel Day

In den letzten Tagen habe ich erstaunlich oft an Douglas Adams denken müssen. Auf der einen Seite habe ich überlegt, dass ich seine Figur Dirk Gently mal für mein „Figurenkabinett“ nehmen könnte, auf der anderen Seite bin ich über Katrins Beitrag gestolpert, in dem sie verkündet, dass sie jetzt endlich das Hörbuch von „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ hören würde. Außdem habe ich mich vor wenigen Wochen noch mit meinem Mann über „Die Letzten ihrer Art“ unterhalten und das alles hat dazu geführt, dass ich beschlossen habe, den diesjährigen „Towel Day“ zu begehen.

Vermutlich wird es keinem Menschen auffallen, denn so wie es momentan aussieht, werde ich den Tag mit Gartenarbeit und am PC verbringen, aber das ist zweitrangig. Ich werde heute ein Handtuch bei mir haben, das sich in den letzten Jahren als ungemein praktisch erwiesen hat, und ich bin mir sicher, dass es mir heute von großem Nutzen sein wird. Und immer wenn ich es zur Hand nehme, dann denke ich dabei an Douglas Adams und die amüsanten und nachdenklichen Stunden, die er mir mit seinen Büchern bereitet hat, und an die Menschen, mit denen ich mich über diesen Schriftsteller und sein Werk unterhalten habe.

[Kurz und knapp] Laura Lee Guhrke: Ich muss Sie küssen, Miss Dove

Im März hatte ich mir zu „Secret Desires of a Gentleman“ von Laura Lee Guhrke aufgeschrieben:

„Mehr als drei Anläufe und ich habe es dann doch noch gelesen. Die Zeit liegt mir wirklich nicht – zumindest nicht in dieser Konstellation. Ich mag Maria irgendwie, Phillip hingegen ist mir zu sehr Snob – aber die Schlussszene ist trotzdem *hach*.“

Wenn die Schlussszene nicht gewesen wäre und wenn ich nicht die eine oder andere Nebenfigur gemocht hätte, hätte mir Irina nicht auch noch einen weiteren Band der „Girl Bachelor Chronicles“ aufs Auge drü auf den Ausleihstapel packen können. So aber habe ich gestern Abend zu „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ gegriffen und mich wunderbar bei dem Buch amüsiert.

Klappentext (von mir um zwei Sätze gekürzt):

Eine bessere Sekretärin als Miss Emmaline Dove kann sich der Verleger Harry Marlowe nicht wünschen. Zwar ist sie für seinen Geschmack viel zu sittsam und bieder – aber äußerst zuverlässig! Bis Harry sich weigert, Emmas Ratgeber für Etikette zu veröffentlichen und sie gekränkt fristlos kündigt. Als er sie zu Hause aufsucht, um sie zur Rede zu stellen, erlebt er die Überraschung seines Lebens: Privat ist Emma wie verwandelt. Plötzlich steht eine temperamentvolle, lebenslustige und überaus attraktive Frau vor ihm.

Auch hier geht es um die Liebe zwischen einem Adeligen und einer ehrbaren jungen Frau, die nicht von Stand ist und dafür ihren Lebensunterhalt selber verdienen muss, aber hier kam mir die Beziehung viel natürlicher vor als bei Maria und Phillip. Außerdem mochte ich die Dialoge in dieser Geschichte deutlich lieber, weil sie amüsanter waren und nicht – wie bei „Secret Desires of a Gentleman“ – von einer gemeinsamen Vergangenheit vergiftet.

Bei „Ich muss Sie küssen, Miss Dove“ (Oh, ich hasse solche Titel! Den englischen, „And Then He Kissed Her“, finde ich viel netter …) fand ich die Zeit (die Geschichte spielt 1893 in London) viel schöner beschrieben. Hier wurden die Probleme einer veralteten Adelsgesellschaft, die sich auf der einen Seite an ihre Traditionen klammert, aber auf der anderen Seite einen neuen Weg finden muss, um ihr Leben und ihre Besitztümer zu finanzieren in all den kleinen Nebenbemerkungen viel deutlicher. Während mit Emma und ihren Kolumnen gezeigt wird, wie schwierig es für die Frauen in dieser Zeit war, den richtigen Weg zwischen Etikette und Einkommen zu finden.

Der Rest der Handlung ist – wie es sich gehört – sehr vorhersehbar, aber durch die sympathischen Figuren, diverse amüsante Szenen und Emmas ungewöhnliche Vorlieben für exotische Geschichten und Einrichtungselemente wurde es wirklich unterhaltsam. Die perfekte Liebesgeschichte für einen viel zu warmen Abend, an dem man einfach nur leichte Unterhaltung sucht.

[Kurz und knapp] Ilona Andrews: Stadt der Finsternis 1 – Die Nacht der Magie

Klappentext:

Kate Daniels verdient ihr Geld damit, die Auswüchse der magischen Wellen, die Atlanta von Zeit zu Zeit heimsuchen, aufzuspüren und zu beseitigen. Ihr Leben nimmt jedoch eine drastische Wende, als ihr bester Freund Greg ermordet wird. Bei der Suche nach dem Täter stößt Kate auf Vampire und andere finstere Kreaturen. Hat womöglich der charismatische Curran, der Anführer der Gestaltwandler, etwas mit den verschwörerischen Umtrieben zu tun?

Heute gibt es hier keine „richtige Rezension“, sondern nur einen kurzen und knappen Leseeindruck. Mir war nämlich gesagt worden, dass ich in letzter Zeit viel zu wenig „Buch“ auf meinem „Buchblog“ habe – und das ist nun der Versuch, es zu ändern. 😉

„Die Nacht der Magie“ war eine Leihgabe von Irina (ja, noch eine – und ich habe da noch ein paar Liebesromane von ihr, die vielleicht ihren Weg auf den Blog schaffen werden) und hat mir grundsätzlich gut gefallen. Eigentlich hat der Roman alles, was ich an einer Urban-Fantasy-Geschichte mag – vor allem reizte mich die Idee mit der „in Wellen“ auftauchenden Magie, aber trotzdem haben mich beim Lesen ein paar Kleinigkeiten gestört:

Kate Daniels ist eine toughe Heldin, die sich in ihrer (magischen) Welt zu behaupten weiß, …
… aber natürlich gibt es ein riesiges Geheimnis in ihrer Vergangenheit.

Es gibt gleich zu Beginn der Geschichte einen richtig netten Mann, der sich für Kate interessiert, obwohl sie doch so „unweiblich“ wirkt, …
… aber jeder Leser kann auf den ersten Blick davon ausgehen, dass seine Bemühungen zu keiner Beziehung führen werden.

Dafür gibt es einen anderen Mann, der zwar gut aussieht, aber saumäßige Manieren an den Tag legt, …
… und auch hier ist abzusehen, dass Kate schnell Interesse an ihm entwickelt.

Kate ist eigentlich eine Einzelgängerin, …
… aber natürlich kommt es irgendwann dazu, dass sie auf eine (zwar starke und mutige, aber auch) deutlich unerfahrenere und jüngere Person „aufpassen“ muss.

Doch vor allem ärgert es mich, dass die grundsätzliche Frage nach dem Mörder von Kates Freund und Mentor Greg sowie nach den Hintergründen dieser Tat eigentlich spannend hätte sein können, …
… wenn die Autoren (hinter dem Pseudonym „Ilona Andrews“ verbirgt sich ein Autorenpaar) nicht gleich zu Beginn einen unübersehbaren Hinweis eingebaut hätten, der vom Leser gar nicht ignoriert werden kann!

Kate hingegen ist so mit ihren Ermittlungen beschäftigt, dass sie diesen Hinweis nicht als solchen wahrnimmt. Dieser Umstand funktioniert zwar innerhalb der Geschichte, ist aber eben für mich als Leser wirklich frustrierend. Mir wäre es deutlich lieber gewesen, wenn es diesen Hinweis nicht gegeben hätte, so dass ich Stück für Stück mit Kate zusammen meine Schlüsse hätte ziehen können.

Trotzdem muss ich zugeben, dass mir die Geschichte und die Charaktere eigentlich sehr gut gefallen haben. Letztendlich komme ich doch immer wieder zu dem Schluss, dass ich schlagkräftigere Figuren sowie mehr Action- und weniger Bettszenen in Urban-Fantasy-Geschichten bevorzuge, vor allem, wenn der Rest der Handlung auch noch gut geschrieben und in eine reizvolle Welt eingebaut ist. Wieder ein Serienauftakt, der mich nicht umgehauen hat, aber bei dem ich andererseits auch nichts dagegen hätte, wenn ich noch weitere Teile der Reihe in die Finger bekäme.

Richelle Mead: Blutsschwestern (Vampire Academy 1)

„Blutsschwestern“ war eine Leihgabe von Irina, mit der ich meine Neugier auf Richelle Meads Vampir-Reihe stillen (und am Montagnachmittag meine Leseunlust kurz unterbrechen) konnte. Ich hatte vor einiger Zeit „Succubus Blues“, den ersten Teil der Georgina-Kincaid-Reihe, gelesen und mich gut unterhalten gefühlt und war deshalb neugierig auf weitere Bücher der Autorin (und ja, ich habe immer noch „Dark Swan – Sturmtochter“ von ihr im SuB).

Wie der Serientitel schon sagt, spielt ein Großteil der Geschichte in einem Internat für Vampire – genauer gesagt Moroi – und Dhampire. Moroi sind sterbliche „gute Vampire“, die zwar Blut zum Leben benötigen, aber dafür nicht töten würden. Außerdem ertragen sie in geringem Maß Sonnenlicht, Essen auch normale Lebensmittel und verfügen über magische Fähigkeiten, die sie traditionell für gute Angelegenheiten wie zum Beispiel eine gelungene Ernte einsetzen. Dhampire sind Nachkommen von Menschen und Vampiren, die als Wächter für die Moroi dienen, da diese von den Strigoi (magielose, unsterbliche und bösen Vampiren, die kein Sonnenlicht ertragen und diejenigen, von denen sie trinken, töten) gejagt werden.

Die verschiedenen Feinheiten in Richelle Meads Urban-Fantasy-Welt bekommt man anfangs so noch gar nicht mit, auch wenn man die Komplexität des Ganzen schon erahnen kann, während die Moroi-Prinzessin Vasilisa „Lissa“ Dragomir und die Dhampirin Rosemary „Rose“ Hathaway sich noch auf der Flucht befinden. Wovor sie flüchten, erfährt man hingegen schnell, als die beiden siebzehnjährigen Mädchen von einer Gruppe von Wächtern gefangen genommen und zurück zur St.-Vladimir-Academy gebracht werden. Von dort waren die Mädchen vor zwei Jahren weggelaufen, weil Rose und Lissa das Gefühl hatten, dass es in dem Internat für die Moroi-Prinzessin nicht mehr sicher wäre.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Rose, die durch ein besonderes Band mit Lissa verbunden ist. Aufgrund dieses Bandes ist es ihr nicht nur möglich Lissas Gefühle zu spüren, sondern ab und an durchlebt sie sogar Dinge, die Lissa geschehen, durch die Augen der Freundin. Gemeinsam müssen die beiden wieder einen Weg finden, um in einer Schule voller Klatsch und Intrigen über die Runden zu kommen – dabei wird Rose aufgrund verschiedener Vorfälle von der Schulleitung nur noch geduldet. Ein Fehler und das Mädchen würde von der Academy fliegen und wäre dann nicht mehr in der Lage Lissa zu beschützen.

Ich muss gestehen, dass ich mit Roses großer Klappe und häufig unbedachten Verhalten etwas Probleme hatte, auch wenn mir die Siebzehnjährige grundsätzlich sympathisch war. So impulsiv die angehende Wächterin ist und so gern sie flirtet, so ist es für sie doch das Wichtigste Lissa zu beschützen – sogar dann, wenn sie die Moroi-Prinzessin vor sich selbst beschützen muss. Im Laufe der Geschichte kommt es zu einigen beunruhigenden Vorfällen und Rose ist etwas überfordert damit, dass sie sich auf der einen Seite korrekt benehmen und an die Verhaltensvorgaben der Schulleitung halten muss, während sie die Einzige ist, die die Gefahr, in der Lissa schwebt, klar erkennt. So stürzt sie sich intensiv in das Extratraining bei dem Wächter Dimitri und lernt von ihm nicht nur besser zu kämpfen, sondern auch eine Menge über ihre zukünftige Aufgabe.

Insgesamt hat sich „Blutsschwestern“ wirklich zügig weglesen lassen und zum Ende wurde der Roman wirklich spannend. Ich bin jetzt nicht vollkommen hingerissen und so sehr überwältigt, dass ich die Reihe unbedingt weiterlesen muss. Aber ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann weitere Teile in die Hände bekommen könnte. Mir gefällt die Grundidee hinter Richelle Meads Urban-Fantasy-Welt, ich mochte die verschiedenen Charakterzüge, die Lissa irgendwann an den Tag legte, und ich würde gern mehr von einer „erwachseneren“ Rose zu lesen. Außerdem habe ich eine Schwäche für verschiedene männliche Nebenfiguren entwickelt und würde mich auch hier über ein Wiedersehen freuen. Alles in allem war das ein wirklich unterhaltsames Buch und perfekt gegen meine aktuelle Leseunlust.

Seanan McGuire: Late Eclipses (October Daye 4)

„Late Eclipses“ ist der vierte October-Daye-Band und wurde von mir für die English-Challenge gelesen. Ich versuche, die Rezension so spoilerfrei wie möglich zu halten, aber ganz funktioniert das bei einem vierten Band leider nicht mehr. Trotzdem will ich vorher noch eine Bemerkung loswerden, in der Hoffnung, dass die verschiedenen Tybalt-Fans sie lesen: Der König der Katzen hat in diesem Teil der Reihe viele Szenen, die euch wirklich gefallen sollten, also lest schnell weiter! ;D

Gleich zu Beginn dieses Romans wird October an den Hof der „Queen of Mists“ gerufen und von dieser zur Erbin der verstorbenen Fürstin Winterrose, zur „Countess of Goldengreen“ ernannt. So ungewöhnlich diese Ernennung Tobys zur Lady ist, so sehr befürchten Toby und ihre Freunde, dass die Königin mit dieser Ehrung nichts Gutes für October im Sinn hat. Doch dann lässt die Nachricht, dass ihre Freundin Lily schwer erkrankt ist, Toby alle Gedanken an höfische Intrigen vergessen, und die Privatdetektivin begibt sich auf die Suche nach der Ursache für Lilys Zustand. Als eine Undine, die vollständig aus Wasser besteht, müsste Lily eigentlich immun gegen jegliche Krankheit sein, und doch schwinden ihre Kräfte in rasantem Tempo. Kurz darauf erkranken weitere Personen in Tobys Umfeld, während October befürchten muss, dass eine Widersacherin aus ihrer Vergangenheit erneut in San Francisco ihre Untaten treibt.

Für mich ist „Late Eclipses“ der persönlichste Band rund um October Daye. Aufgrund der verschiedenen Ereignisse muss Toby immer wieder an ihren Fähigkeiten und Wahrnehmungen zweifeln, außerdem bangt sie um verschiedene Personen, die ihr sehr nahestehen, während sie sich zusätzlich gegen die Intrigen der „Queen of the Mists“ wehren muss. Das alles führt dazu, dass es zu einigen dramatischen Szenen kommt, in denen der Leser wieder mehr über Toby, ihre Vergangenheit und ihren Freundeskreis erfährt.

Trotzdem fühlt sich die Geschichte nicht überfrachtet an, weil die verschiedenen Handlungsstränge letztendlich alle darauf abzielen, den Leser tiefer in Tobys Geschichte einzuführen. So bekommt man mehr Details zu den Ereignissen, die zu Tobys 14 Jahren als Fisch in Lilys Teich geführt haben, sowie einen kleinen Einblick in das, was Luna und ihrer Tochter Rayseline zu dieser Zeit zugestoßen ist. Es gibt aber auch Rückblicke, in denen Tobys Vater vorkommt, und welche, die das Verhältnis zwischen October und ihrer berüchtigten Mutter Amandine näher beleuchten.

Nach den ersten vier Kapiteln fiel es mir sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen – was dazu geführt hat, dass ich mal eben bis morgens um vier Uhr gelesen habe, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Dabei fand ich die eine oder andere Wendung zwar vorhersehbar, aber bei all den faszinierenden Details konnte ich darüber locker hinwegsehen. Vor allem stand in der Regel weniger die Frage im Raum, wer was wie getan hat, sondern wie Toby beweisen kann, dass es so passiert ist (und dass sie keine Schuld an den Vorgängen hat). Mir sind die vertrauten Figuren nur noch mehr ans Herz gewachsen, ich bin hingerissen von der Vielschichtigkeit der fantastischen Welt und sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte nach all den in diesem Band präsentierten Enthüllungen weiter entwickeln wird.

So möchte ich – wie immer nach dem Lesen eines October-Daye-Romans – jetzt am liebsten zum folgenden Roman greifen, aber leider befindet sich der noch nicht in meinem Besitz. Außerdem sollte ich vielleicht so langsam anfangen, die Bücher sorgfältig zu dosieren, denn wenn ich es richtig gesehen habe, dann gibt es gerade nur einen weiteren englischen Titel („One Salt Sea“), während der neueste („Ashes of Honor“) erst für September angekündigt ist. Unabhängig davon, wann die nächsten Bände erscheinen und von mir angeschafft werden: Ich bin mir sicher, dass ich dieser Reihe noch eine ganze Weile treu bleiben werde, denn die Bücher machen mir eine Menge Spaß.

SuB-Zuwachs im Mai

Wenn ich mir meinen aktuellen SuB-Stand so angucke, dann muss ich jetzt wirklich mal meine – immer wieder aufflackernde – Leseflaute überwinden und mit Lesen anfangen. Denn wenn ich mich nicht langsam wieder auf die Bücher stürze, dann sprengt der SuB wieder die 100, und das würde mir gar nicht gefallen. 😉

Trotzdem gab es heute Nachschub für den SuB, und zwar folgende Titel:

K. L. Going: Evies Garten
(Von der Autorin hatte ich „Voll daneben“ gelesen und freu mich nun auf ein weiteres Jugendbuch aus ihrer Feder.)

Colin Cotterill: Der Tote im Eisloch
(Der fünfte „Dr. Siri“-Roman – ich mag die Reihe einfach!)

Melanie Lahmer: Knochenfinder
(Krimi, Debütroman, Geocaching – also einen Versuch wert. 😉 )

Rachel Neumeier: Der Greifenmagier 2 – Land des Feuers
(Zweiter Band einer ungewöhnlichen Fantasyreihe.)

Ella Theiss: Neben der Spur
(Da mir der erste Krimi der Autorin, „Die Spucke des Teufels“, gefallen hatte, wird der zweite Roman natürlich auch angetestet.)

Das macht fünf Bücher für meinen SuB, die ich bis zum 30.Juni 2012 gelesen haben will. Auch wenn ich in den letzten Monaten an meinem eigenen Vorhaben doch ziemlich gescheitert bin … 😉

Außerdem gab es noch den Manga „di(e)ce“ zum Antesten und das Hörbuch zu „Grüne Tomaten“. Ich liebe den Film, ich mag das Buch, nun bin ich gespannt, ob Regina Lamnitz mir mit der von Fannie Flagg geschaffenen Geschichte Vergnügen bereiten kann.

[Figurenkabinett] Modesty Blaise

Modesty Blaise habe ich in den Jahren vor meinem Abitur kennengelernt. Ich war damals jeden Tag längere Zeit mit Bus und Bahn unterwegs, und wann immer mir das Geld meiner Nachhilfeschüler in der Tasche brannte, habe ich meinen Verdienst in der Bahnhofsbuchhandlung in neuen Lesestoff umgesetzt. So sehr ich James Bond und andere Helden meiner Jugend gemocht habe (und immer noch mag), so glücklich war ich, als ich mit Modesty Blaise einen starken weiblichen Charakter kennenlernte, der es mit den diversen Schurken aufnehmen konnte.

Entstanden ist Modesty Blaise ursprünglich als Comicfigur, aber ich habe immer den Romanen den Vorzug gegeben – vermutlich auch deshalb, weil „meine“ Modesty Blaise lange nicht so perfekt und makellos aussah wie die Figur in den Comicpanels. Stattdessen hat sich mir dieses Bild von ihr als erster Eindruck eingeprägt: Modesty Blaise, die an einer Schleifscheibe sitzt und einen Edelstein bearbeitet. Dazu kamen dann im Laufe der verschiedenen Romane noch viele andere Eindrücke, vor meinem inneren Auge sehe ich sie barfuß durch unwegsames Gelände wandern und einen im Feuer gebratenen Igel verspeisen, ich sehe sie mit einem Kampfstab trainieren und für einen Bildhauer Modell sitzen …

Modesty Blaises Vergangenheit ist sehr bewegt. Wo und wann sie geboren wurde, weiß sie nicht. Ihre ersten Erinnerungen drehen sich um Flüchtlingslager in Nordafrika und einen alten Mann, der ihre Neugier weckt und sie als kleines Mädchen dazu bringt, so viel Wissen wie möglich anhäufen zu wollen. Um unter diesen Umständen zu überleben, bedarf es schon einer gewissen Skrupellosigkeit, eines scharfen Verstandes und einer ausgeprägten kriminellen Energie. Das alles hat dann auch dazu geführt, dass Modesty sich als Teenager einer Bande anschloss, deren Anführerin sie im Laufe der Jahre wurde. Später wurde diese verbrecherische Organisation als „Das Netz“ international bekannt und betätigte sich auf allen kriminellen Gebieten (abgesehen von Drogen und Prostitution).

Als Modesty genug Geld zur Seite gelegt hatte, um sich ohne weitere Arbeit einen Lebensabend in Wohlstand gönnen zu können, gab sie „Das Netz“ auf und ließ sich in England nieder. Zu diesem Zeitpunkt war sie Ende Zwanzig –und musste schnell feststellen, dass so ein sicheres Leben auf Dauer verflixt eintönig sein kann. Gemeinsam mit Modesty ging auch ihr Freund Will Garvin „in Rente“, und bei ihm führt die Langeweile dazu, dass er sich in Schwierigkeiten brachte, von denen schließlich der Britische Geheimdienst erfuhr. Leiter des Geheimdienstes ist zu dieser Zeit Sir Gerald Tarrant, ein Herr, der dringenden Bedarf an einer talentierten Mitarbeiterin hat, die nicht direkt der britischen Regierung angehört. So kommt es dazu, dass er – als Gegenleistung dafür, dass er Modesty über Wills Verbleib informiert – zu einer Art Auftraggeber für die ehemalige Kriminelle und ihren besten Freund wird.

Obwohl auch Modesty als „Geheimagentin“ für Großbritannien unterwegs ist, hat sie – in meinen Augen – wenig Ähnlichkeit mit James Bond. Sie ist eine starke Frau, die diverse Kampfsportarten (und andere nützliche Dinge) beherrscht, sie ist intelligent und verfügt über ein umfassendes Wissen, ist finanziell unabhängig und versucht, nach ihrem Ausstieg aus dem „Netz“ nur noch auf der Seite der „Guten“ aktiv zu werden. Doch neben all ihren tollen Eigenschaften ist sie deutlich verletzlicher und menschlicher dargestellt, als es bei James Bond der Fall ist. Modesty hat zum Beispiel Momente, in denen sie einsam ist, denn auf Dauer kommt kein Mann mit ihrer Vergangenheit und ihren Fähigkeiten zurecht. Einzig Will Garvin, mit dem sie eine platonische Freundschaft und die gemeinsame Vergangenheit verbindet, ist immer für sie da. Und er ist es auch, der an ihrer Seite ist, wenn sie mal ihrer Trauer, ihrer Frustration oder ihrem Entsetzen über die von ihr im Überlebenskampf getanen Dinge freien Laufe lassen muss.

Ich mag die Beziehung zwischen den beiden gerade deshalb, weil es keine Liebesgeschichte ist. Dafür haben sie ein paar unterhaltsame Angewohnheiten, wie zum Beispiel die Suche nach Fremdwörtern, die der andere vermutlich nicht kennt und die man im Gespräch beiläufig anbringen kann (was dann dazu führt, dass derjenige, der das Wort nicht kennt, so schnell wie möglich ein Lexikon zu Rate zieht, um im nächsten Dialog zu beweisen, dass ihm das Fremdwort sehr wohl geläufig ist). Außerdem gefällt es mir, dass sich die beiden, wenn sie sich für etwas Neues interessieren, mit aller Kraft darauf stürzen, um so viel wie möglich zu lernen und zu trainieren. Dieser Zug macht es für mich relativ glaubwürdig, dass sie so viele Fähigkeiten haben, über die ein normaler Mensch nicht verfügt.

Ach ja, ich habe die alten Goldmann-Ausgaben der Modesty-Blaise-Romane, die schon lange nicht mehr erhältlich sind. Aber der Unionsverlag hat ein paar Titel von Peter O’Donnell in den letzten Jahren neu aufgelegt, so dass zumindest ein paar Romane aktuell erhältlich sind. Diese Titel habe ich inklusive ISBN in der Liste hinter dem Schrägstrich angegeben.

Modesty-Blaise-Romane (und Kurzgeschichtensammlungen) von Peter O’Donnell

  • Die tödliche Lady (Modesty Blaise; 1965)
  • Die Lady bittet ins Jenseits/Operation Säbelzahn 978-3293203631 (Sabre-Tooth; 1966)
  • Die Lady reitet der Teufel (I, Lucifer; 1967)
  • Ein Gorilla für die Lady/Ein Hauch von Tod 978-3293203877 (A Taste of Death; 1969)
  • Die Goldfalle/Die Goldfalle 978-3293203495 (The Impossible Virgin; 1971)
  • Die Lady macht Geschichten (Pieces of Modesty; 1972)
  • Die silberne Lady (The Silver Mistress; 1973)
  • Heiße Nächte für die Lady (Last Day in Limbo; 1976)
  • Die Lady fliegt auf Drachen/Die Klaue des Drachen 978-3293203310 (Dragon’s Claw; 1978)
  • Die Lady will es anders/Der Xanadu-Talisman 978-3293203662 vergriffen (The Xanadu Talisman; 1978)
  • Die Lady spannt den Bogen (The Night of Morning Star; 1982)
  • Die Lady lässt es blitzen (Dead Man’s Handle; 1985)