Kategorie: Rezension

Amélie Wen Zhao: Song of Silver, Flame Like Night (Song of the Last Kingdom 1)

und „Dark Star Burning, Ash Falls White“ (Song of the Last Kingdom 2)

„Song of Silver, Flame Like Night“ hatte ich im Januar gelesen, und der Band hatte mir so gut gefallen, dass ich schon beim Lesen den zweiten (und abschließenden) Teil „Dark Star Burning, Ash Falls White“ bestellt habe. Amélie Wen Zhao hat mit diesen beiden Romanen chinesisch inspirierte Fantasy geschrieben, die – wie die Autorin selbst betont – von den Wuxia-/Xianxia-Geschichten beeinflusst wurde, mit denen sie aufgewachsen ist. Die Handlung dreht sich auf der einen Seite um Lan, die seit zwölf Jahren – seitdem ihr Land von den Elantian erobert wurde – als songgirl in einem Teehaus in Haak’gong lebt. Vor dieser Zeit hatte Lan einen anderen Namen, sie hatte eine liebevolle Mutter und wuchs behütet auf. Das einzige, was noch von ihrer Vergangenheit zeugt, ist ein Symbol auf ihrem Arm, dessen Bedeutung Lan bis zum heutigen Tag nicht herausgefunden hat.

Der zweite Protagonist der Geschichte ist Zen, der seit Jahren in der im verborgenen existierenden School of White Pines in den alten (magieähnlichen) Künsten ausgebildet wird. Als Zen Lan vor einem Elantian-Offizier rettet und das Symbol auf ihrem Arm sieht, ist er davon überzeugt, dass sie ein entscheidender Schlüssel im Kampf gegen die Elantian ist. Gemeinsam reisen die beiden zur School of White Pines, wo Lan hofft, mehr über das geheimnisvolle Symbol herauszufinden. „Song of Silver, Flame Like Night“ dreht sich vor allem um die Reise der beiden Figuren, um ihre Ankunft an der Schule und um all die Geheimnisse, die Lan und Zen hüten. Ich mochte diesen Teil unheimlich gern, weil er mich mit all den magischen Elementen, mit den Unterrichtsszenen und den Legenden rund um Dämonen, Götter und Magie an einige meiner (asiatischen) Lieblingsfilme erinnerte. (Und es passte überraschend gut, dass mein Mann zu der Zeit, als ich den Roman las, sehr viele Shaw-Brothers-Filme schaute. *g*)

Lan und Zen sind wirklich sympathische Figuren, und beide haben mit den traumatischen Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, zu kämpfen. Ich mochte es sehr, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie einander besser kennenlernen (und ja, wie es sich anscheinend für eine YA-Geschichte gehört, verlieben sie sich im Laufe des Romans ineinander), aber bei all den persönlichen (und romantischen) Elementen dreht sich die Handlung doch vor allem um schwerwiegendere Themen. Amélie Wen Zhao beschäftigt sich in ihrer Duologie damit, was Kolonialismus den Völkern antut, deren Länder erobert werden. Dabei werden nicht nur die Folgen durch den Einmarsch der fremden Elantian, sondern auch die Herrschaft des durch die Elantian gestürzten Kaisers thematisiert. In so vielen Szenen wird deutlich, wie viel Wissen und wie viele Fähigkeiten verloren gehen, wenn ein Volk in eine von außen aufgedrückte Form gepresst wird, statt weiter seinen eigenen Traditionen nachgehen zu können. Immer wieder zeigt die Autorin, wie schwer der Verlust der eigenen Sprache und der eigenen Wurzeln für die verschiedenen Personen wiegt.

Natürlich kommt dadurch auch die Frage auf, wie weit ein unterdrücktes Volk gehen darf, um sich gegen die Unterdrücker zu Wehr zu setzen. Lan und Zen sind da sehr unterschiedlicher Meinung, was zu so einigen Diskussionen (und herzzerreißenden Szenen) führt – wobei ich es mochte, dass die beiden Figuren nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen trafen, weil sie sich dadurch wie reale Personen anfühlten, die eben in Ausnahmesituationen nicht immer einen klaren Kopf behalten können. Allerdings hat dieses Element dann auch dafür gesorgt, dass ich die erste Hälfte des zweiten Bandes („Dark Star Burning, Ash Falls White“) nur mit sehr großen Unterbrechungen gelesen habe. Immer wieder gab es Szenen, die ich – gerade weil mir die Figuren so ans Herz gewachsen waren – ungern gelesen habe und nach denen ich erst einmal wieder eine Pause benötigte. Aber ich muss zugeben, dass Amélie Wen Zhao jede dieser Szenen auf eine Art und Weise auflöste, die ich befriedigend fand. Ich bin beim Lesen durch die gesamte Palette an Emotionen gewandert, ich habe all die wunderbar bildhaften Beschreibungen der magischen Momente genossen, ich mochte die chinesisch inspirierte fantastische Welt so sehr und ich habe so viele Figuren ins Herz geschlossen. Ich weiß nicht, ob eine russisch-inspirierte Geschichte mich ebenso überzeugen kann, aber nachdem mir diese beiden Titel so gut gefallen haben, werde ich vielleicht noch einen Blick auf die Debüt-Trilogie der Autorin werfen.

***

Anmerkung: Nach dem Lesen dieser beiden Romane und dem Schreiben dieser Rezension habe ich ein paar vereinzelte Aussagen gefunden, die Amélie Wen Zhao vorwerfen, dass sie mit diesen Büchern die Verfolgung der Uiguren durch die chinesische Regierung befürworten würde. Dazu kann ich nur sagen, dass ich auf der einen Seite viel zu wenig Ahnung von diesem Teil der Weltgeschichte habe, und auf der anderen Seite beim Lesen (besonders von „Dark Star Burning, Ash Falls White“) den Eindruck hatte, dass die Autorin aufzeigen will, wie wichtig es ist, all die Traditionen und Kulturen der verschiedenen Völker zu bewahren, und wie verdammenswert es ist, Volksgruppen in die Assimilation zu zwingen oder gar zu verfolgen.

Lese-Eindrücke Mai 2025

Anscheinend hatte ich in diesem Mai das Gefühl, ich müsste so viel wie möglich lesen, bevor das Wetter (noch) heißer wird – was dazu geführt hat, dass ich auch wieder ein paar Lese-Eindrücke sammeln konnte …

T. Kingfisher: The Seventh Bride

Ich habe mir vor einiger Zeit alle (märchenhaften) Backlist-Titel von T. Kingfisher (Ursula Vernon) als eBook zugelegt, damit ich darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf diese besondere Art von Geschichten habe. „The Seventh Bride“ ist eine Blaubart-Variante und wird aus der Perspektive der fünfzehnjährigen Rhea erzählt. Rhea ist eine Müllerstochter und ziemlich überrascht, als Lord Crevan um ihre Hand anhält. Noch schockierter ist sie, als sie beim Eintreffen auf seinem Anwesen feststellt, dass sie die siebte Braut von Lord Crevan ist – und nicht alle seine vorherigen Ehefrauen sind schon verstorben. Wie bei den vorher schon von mir gelesenen Märchenvarianten von T. Kingfisher habe ich hier wieder den Pragmatismus der Protagonistin, die überbordende (und häufig Horrorelemente aufgreifende) Fantasie der Autorin und ihren ungewöhnlichen Humor genossen. Ich mag es sehr, dass ich – bei aller Vertrautheit mit Märchen – bei T. Kingfisher nie vorhersagen kann, in welche Richtung sich eine Geschichte entwickelt und was für seltsame Dinge sie als Nächstes aufgreifen wird.

Seishi Yokomizo: Death on Gokumon Island

Nach „The Honjin Murders“ ist „Death on Gokumon Island“ der zweite Kriminalroman von Seishi Yokomizo rund um den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Im Gegensatz zu dem Vorgängerroman spielt dieser hier nach dem Zweiten Weltkrieg, und so ist es auch ein Versprechen, dass Kosuke seinem verstorbenen Kameraden Chimata gegeben hatte, das ihn auf die Insel Gokumon bringt. Kurz nach Kosukes Eintreffen werden die drei jüngeren Schwestern von Chimata eine nach der anderen auf außergewöhnliche Weise ermordet, und natürlich versucht der Detektiv herauszufinden, wer der Mörder ist. Wie schon bei „The Honjin Murders“ sind die Figuren in der Geschichte nicht besonders detailiert ausgearbeitet, was mich aber wirklich nicht stört.

Es geht mir bei diesen Romanen vor allem darum, all die kleinen Hinweise in der Handlung zu sammeln und mitzuermitteln. Dabei finde ich es spannend, dass mir auch bei dieser Geschichte viele Elemente vor der Auflösung aufgefallen waren – und dass es trotzdem immer wieder Dinge gab, die mich überraschten. Das ist etwas, was ich bei dieser Art von Kriminalroman sehr mag. Weniger nett fand ich ein (zum Glück nur sehr kurzes) Gespräch zwischen einer Handvoll junger Männer (die keine nennenswerte Rolle in der Geschichte hatten), in der sie sich auf eine Art und Weise über Frauen und Sex unterhielten, die ich abstoßend fand. Da machte es sich leider bemerkbar, dass der Roman nicht nur Anfang der 1970er Jahre, sondern auch von einem männlichen Autor geschrieben wurde. Trotzdem wird mich dieser Punkt nicht davon abhalten, auch noch den nächsten Kosuke-Kindaichi-Roman zu lesen, denn ich mag die Herausforderung, die mir diese Geschichten beim Lesen bieten, ebenso wie den Einblick in ein vergangenens Japan.

Annie Bellet: The Gryphonpike Chronicles (Complete series)

Die kompletten „Gryphonpike Chronicles“ von Annie Bellet umfassen insgesamt 224 Seiten, so dass es sich hier eher um eine Reihe von aufeinanderfolgenden Kurzgeschichten handelt als um eine Romanserie. Die Geschichten werden aus der Perspektive von „Killer“ erzählt – einer Elfe, die von ihrem eigenen Volk verflucht wurde und deshalb mit niemandem (verbal oder per Gestik/Mimik) kommunizieren kann. Der Fluch wird erst aufgehoben, wenn sie 1001 gute Tat vollbracht hat, weshalb sie sich einer Gruppe von Abenteurern angeschlossen hat. Der Weltenbau und ähnliches gehen nicht sehr tief, aber ich habe mich mit dieser Sammlung von D&D-artigen Geschichten sehr gut unterhalten gefühlt und hätte gern auch noch mehr von Killer und den anderen Abenteurern gelesen.

Becky Chambers: Monk and Robot

Mit den „Monk and Robot“-Romanen von Becky Chambers ging es mir wie mit den Murderbot-Geschichten von Martha Wells: Solange gefühlt jeder begeistert darüber redete, hatte ich keine Lust, diese Titel zu lesen, obwohl ich mir sicher war, dass sie auch mir gefallen würde. Da jetzt aber „A Psalm for the Wild-Built“ und „A Prayer for the Crown-Shy“ in einem Taschenbuch zusammen veröffentlicht wurden, habe ich die Gelegenheit genutzt und das Buch dann auch direkt nach Erhalt gelesen. Wie erwartet habe ich die Geschichte rund um Sibling Dex und Roboter Mosscap sehr genossen. Es gab in der Handlung einige berührende Momente, Denkanstöße zu den verschiedensten Themen und nicht wenige amüsante Szenen. Jetzt werde ich wohl doch mal schauen müssen, ob mir auch die Wayfarers-Serie gefallen könnte …

Antonia Hodgson: The Raven Scholar (The Eternal Path 1)

„The Raven Scholar“ ist der erste Fantasyroman von Antonia Hodgson, die bislang vor allem historische Kriminalromane geschrieben hat. Ich muss zugeben, dass ich keinen der früheren Titel der Autorin kenne, aber nach dem Lesen von „The Raven Scholar“ bin ich versucht, auch die anderen Bücher auszuprobieren. „The Raven Scholar“ spielt in dem fantastischen Land Orrun, in dem alle 24 Jahre ein Wettbewerb ausgerichtet wird, um einen neuen Kaiser zu finden. Sieben Kandidat*innen für diesen Wettbewerb werden von ihren jeweiligen Klöstern ausgewählt. Jedes Kloster ist einem der Wächtertiere von Orrun unterstellt, wobei der Drache traditionell eine ganz eigene Rolle bei diesem Wettbewerb einnimmt, die ihn von den anderen Kandidat*innen abgrenzt. Die Handlung setzt zu Beginn des Wettbewerbs ein, dessen Sieger zum Nachfolger des aktuell regierenden Kaisers Bersun gekrönt werden soll. Noch bevor die erste Herausforderung starten kann, wird jedoch eine/r der Kandidat*innen ermordet, weshalb High Scholar Neema Kraa von Kaiser Bersun mit der Mordermittlung beauftragt wird.

Neema ist eine Einzelgängerin, die mehr Feinde als Verbündete am Hof hat. Sie hat vor Jahren eine zweifelhafte Entscheidung getroffen, die sie bis heute verfolgt, und sie fühlt sich absolut nicht geeignet als Ermittlerin. Ich muss zugeben, dass Neema als Protagonistin auf den ersten Blick ziemlich klischeehaft wirkt: Das aus armen Verhältnissen stammende Genie, das allein seinen Weg geht, angetrieben von dem Bedürfnis nach Wissen und Gerechtigkeit für die von der Gesellschaft Vernachlässigten. Überhaupt scheinen all die Kandidat*innen für den Wettbewerb auf den ersten Blick klassischen Fantasy-Stereotypen zu entsprechen. Da gibt es den listigen/verspielten Fuchs, den gelehrten Raben, den mächtigen Tiger, den hart arbeitenden und gutmütigen Ochsen, den starken Bären, den kreativen Affen, den treuen Hund und den tödlichen Drachen. Ebenso vorhersehbar wie die Auswahl an Charakteren wirkt der Krimianteil der Geschichte, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ich relativ schnell entscheidende Elemente erahnt hatte. Doch sowohl bei den Figuren als auch bei der Handlung gelingt es Antonia Hodgson, so viele überraschende Wendungen und Ebenen einzubauen, dass all diese Stereotype und Vorhersehbarkeiten sich schnell als Täuschung der Autorin herausstellen.

Ich hatte ungemein viel Spaß damit, die verschiedenen Figuren besser kennenzulernen und mehr über Orrun und die verschiedenen Häuser herauszufinden. Ich fand es spannend, wie sich meine Gefühle für die verschiedenen Charaktere im Laufe der Zeit veränderten und es immer wieder neue Facetten bei den unterschiedlichen Persönlichkeiten zu entdecken gab. Und obwohl ich normalerweise mit all den Intrigen am Hof (und in diesem Fall auch innerhalb der Klöster) wenig Freude habe, fand ich es hier wirklich faszinierend, die verschiedenen Verbindungen aufzudecken und mitzubekommen welche Folge sie für den Wettbewerb, für Neema und ihre Ermittlungen sowie für das Volk allgemein mit sich bringen. Auch der Wettbewerb war von Antonia Hodgson vielseitiger gestaltet, als ich es anfangs erwartet hatte, so dass es immer wieder spannend war, mehr über die verschiedenen Herausforderungen zu erfahren und zu sehen, wie die Kandidat*innen damit umgehen.

Es gibt so unfassbar viele Details und kleine Szenen, die ich hier gern erwähnen würde, weil ich sie so fesselnd, amüsant oder ungewöhnlich fand. Aber ich traue mich nicht mal, etwas über den Prolog zu schreiben, weil all diese Dinge so gründlich miteinander verwoben sind, dass es meiner Meinung nach zu viel über die Handlung von „The Raven Scholar“ verraten würde. Im Nachhinein habe ich ein paar negative Rezensionen zu dem Buch gelesen, die sich darüber beschwerten, dass die Erzählperspektive, Neema als Protagonistin und/oder das (zu langsame) Erzähltempo ihnen nicht gefallen hätten. Ich persönlich fand die Erzählperspektive anfangs auch etwas unrund, wobei mich das nicht gestört hat (und ich kann versichern, dass es dafür einen sehr guten Grund gibt). Neema ist eine (vermutlich neurodivergente) Figur mit einigen Grauschattierungen, und um zu prüfen, ob man das beim Lesen als störend empfindet, gibt es Leseproben. Was das Tempo angeht, so gibt es anfangs sehr viele kleine Szenen, in denen die Welt und die Figuren vorgestellt werden, und ich habe mich beim Lesen dieser Passagen sehr gut unterhalten gefühlt. Richtig genossen habe ich es dann, als sich am Ende herausstellte, dass all diese Szenen kleine Puzzlestücke waren, die einen notwendigen Platz im Gesamtbild einnahmen. Ich hatte wirklich enorm viel Spaß mit „The Raven Scholar“ und hoffe sehr, dass bald der Veröffentlichungstermin des zweiten Teils der Trilogie bekanntgegeben wird.

Danie Stirling: Crumbs (Comic)

Den Comic „Crumbs“ von Danie Stirling habe ich schon im Januar gelesen, es aber bislang nicht auf die Reihe bekommen, den Titel zu rezensieren. Was ein bisschen daran liegt, dass die Geschichte (ebenso wie die Zeichnungen) einfach nur „nett“ sind. Auf der anderen Seite freue ich mich immer, wenn mein Blick auf den Band fällt, eben weil er so nett zu lesen war, weshalb ich hier doch noch etwas dazu sagen möchte. Die Handlung dreht sich um Ray und Laurie, die sich kennenlernen, da Ray eine Stammkundin in der Bäckerei von Lauries Tante Marigold ist. Die Welt, in der die beiden Charaktere leben, ist voller Magie, und ich mochte all die kleinen und größeren Details rund um diese fantastischen Alltagselemente. So bietet Marigold in ihrer Bäckerei Gebäck an, das einem hilft, wenn es um Selbstsicherheit, Liebe oder ähnliches geht, jedes Smartphone hat seine ganz eigene kleine Persönlichkeit, die – solange sie nicht zu alt ist – neue Zauber lernen kann, und sobald eine Person alt genug ist, kann sie ihre Lizenz zum Fliegen mit einem Besen erwerben.

Ebenso gefiel mir, dass Ray und Laurie schon zu Beginn der Geschichte eine Beziehung eingingen und die Handlung sich eher um die Frage dreht, ob die unterschiedlichen Träume, die die beiden für ihre jeweilige Zukunft haben, verhindern könnten, dass daraus eine langfristige Sache wird. Ray bereitet sich schon seit ihrer Grundschulzeit auf eine Ausbildung für das „Grand Council of Sorcerers“ vor, doch wenn sie dafür angenommen wird, würde das bedeuten, dass sie alle Verbindungen zu ihrer Familie und Freunden abbrechen müsste. Laurie hingegen träumt von einer Karriere als Musiker, auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, sich einigen Herausforderungen, die damit einhergehen, zu stellen. Ich mochte sowohl Ray als auch Laurie als Charaktere – und gerade rund um Laurie gibt es mit seinen Tanten und seinem Freundeskreis sehr viele sympathische Nebencharaktere.

Das führte dazu, dass die Herausforderungen, die Ray und Laurie bewältigen müssen, weniger aus ihrer eigenen Taten (auch wenn Laurie ein bisschen an sich zu arbeiten hat) entstanden als aus der allgemeinen Umstände. Beiden Figuren ist es wichtig, dass die jeweils andere Person ihre Träume verwirklichen kann, auch wenn das vielleicht bedeutet, dass sie keinen Weg finde, um ihre Beziehung fortzusetzen. Diese gegenseitige Unterstützung las sich wirklich angenehm, und auch wenn es zwischendurch ein paar bittersüße Momente gab, hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte wunderbar optimistisch endete. Keines dieser Kapitel war so bewegend, dass ich mich noch Wochen später daran im Detail erinnere, aber wann immer ich den Comic sehe, denke ich daran, wie nett diese Geschichte rund um das Erwachsenwerden der beiden Figuren und die schwierige Balance zwischen den eigenen Träumen und den Kompromissen, die eine Beziehung erfordert, zu lesen war.

Auch die Zeichnungen passen zu dieser rundum „netten und wohltuenden“ Atmosphäre, die die Handlung von „Crumbs“ vermittelt. Die matte Farbpalette und das eher weiche Charakterdesign sorgen für ansprechende, aber nicht sehr einprägsame Darstellungen. Es ist immer schwierig, eine angemessene Rezension zu schreiben, wenn eine Geschichte nur „nett“ ist. Aber ich kann sagen, dass ich das Lesen genossen habe, dass ich die Zeichnungen gern betrachtet habe und dass ich das wohltuende Gefühl, das beides in mir hervorgerufen hat, sofort wieder präsent habe, wenn ich nur das Cover des Comics sehe. Ich freue mich darüber, dass ich den Titel in meiner Sammlung habe und dass ich jederzeit darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf genau diese Art von Geschichte verspüre.

Xinran: Gerettete Worte – Reise zu Chinas verlorener Generation

Ich finde es wirklich schwierig, eine Rezension zu „Gerettete Worte – Reise zu Chinas verlorener Generation“ von Xinran zu verfassen, weil ich so viele verschiedene Gedanken zu dem Buch habe. Auf der anderen Seite hilft es mir oft, wenn ich versuche, diese Gedanken in (einigermaßen lesbare) Sätze zu fassen. In „Gerettete Worte“ veröffentlicht die Journalistin Xinran Interviews, die sie (vor allem) im Jahr 2006 mit Personen geführt hat, die im Durchschnitt 70 Jahre alt (die älteste Person war 97 Jahre alt) und so Zeitzeugen vom Aufstieg Mao Zedongs waren und die Entwicklung Chinas bis zum Anfang der 2000er mitverfolgen konnten. Mit diesen Interviews wollte Xinran einen Teil der chinesischen Geschichte festhalten, der aufgrund der Parteipolitik in China kaum – und wenn, dann sehr unzuverlässig – dokumentiert wurde.

Was mir als erstes beim Lesen auffiel, war, wie präsent Xinran in „Gerettete Worte“ ist und wie sehr ihre eigene Sicht auf die verschiedenen Dinge in ihren Interviewfragen durchscheint. Ich hatte in meiner Rezension zu ihrem Buch „Wolkentöchter“ (vor acht Jahren Oo) geschrieben, dass es mir vorkam, als ob die Autorin „anfangs unwissend und naiv an viele Themen herangegangen sei“, und auch dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass Xinran nicht wirklich in der Lage war, mit einem offenen und objektiven Blick in die Interviews zu gehen. Spannend fand ich, dass sie oft darüber klagte, dass „der Westen“ über so wenig Wissen über China verfügen würde (und das, nachdem sich das Land jahrzehntelang gegen den Westen abgeschottet und nur sehr kontrolliert Informationen verbreitet hat). Außerdem schien Xinran immer wieder zu schwanken zwischen der Parteipropaganda, die sie in ihren vierzig Jahren in China unweigerlich in sich aufgenommen hat, und dem Bedürfnis, von ihren Interviewpartner*innen offene und ehrliche Kritik an (vergangener) Parteipolitik zu hören.

Es war schon spannend zu sehen, wie sehr Xinran selbst von ihrem Aufwachsen in China unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei geprägt wurde und welche Aspekte sie dank der darauffolgenden zehn Jahren, die sie (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Gerettete Worte) in Großbritannien gelebt hat, kritisch ansprach. Xinrans Mischung aus Stolz auf den rasanten Fortschritt, den China zum Ende des Jahrhunderts gemacht hat, und den Zweifeln daran, ob die chinesische Regierung richtig handelt, wenn sie alles „Alte“ ausmerzt, fand ich sehr faszinierend. Xinran spricht im Laufe des Buchs selbst an, dass sie sich immer wieder dabei ertappt, dass sie bei Kritik an China sofort das Bedürfnis hat, auf all die Errungenschaften des Landes hinzuweisen, und beim Lesen fiel es mir sehr ins Auge, wie sie bei ihren Ansichten zwischen „es gibt so viele verschiedene Volksgruppen“ in China und „alle Chinesen (einer bestimmten Generation) sind genau so“ wechselte. Mir persönlich war es nicht möglich, diese subjektive Färbung aus den Texten herauszufiltern, und so hat mich Xinran als Interviewerin ebenso sehr beschäftigt wie ihre Interviewpartner*innen.

Was die Interviews selbst angeht, so ist es Xinran gelungen, wirklich eine große Brandbreite an Gesprächspartner*innen für „Gerettete Worte“ zu finden. Dabei wird natürlich auch hier wieder deutlich, wie sehr diese verlorene Generation von der Politik des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurde. Es gibt sehr viele Passagen, die sich um die Aufopferungsbereitschaft der Interviewpartner*innen für die Partei drehen oder um die großartigen Entwicklungen, die ihre Arbeit ermöglicht hat, und nur sehr selten liest man einen Hauch von Kritik an den damaligen Plänen der Partei und die damit verbundene Willkür, der diese Personen häufig zum Opfer fielen. Dabei strotzen diese Interviews von Beschreibungen eines unfassbar harten Lebens, von Hunger und Tod, von Misshandlungen und Verfolgung, und oft genug habe ich eine Passage gelesen und mich am Ende gefragt, wie diese Person das überhaupt überlebt hat.

Es macht für mich definitiv einen Unterschied, ob ich mich anhand eines sachlichen Artikels über den „Langen Marsch“ informiere oder ob ich ein Interview mit einer Person lese, die dabei war und deren Füße den Rest ihres Lebens davon zeugten. In „Gerettete Worte“ kommt nicht nur ein Überlebener des „Langen Marschs“ zu Wort, sondern auch eine Generalin, die für Bildung zuständig war, ein Ehepaar, das an der Urbarmachung einer Wüste mitwirkte, und eine Akrobatin, die zu einer Zeit ins Ausland reiste, als China sich noch vom Rest der Welt abkapselte. Ich fand es spannend zu sehen, wie ein ehemaliger Bandit seine damalige Lebensweise beschönigte, während ein ehemaliger Polizist überraschend viel Zynismus in seinem Interview durchscheinen ließ. Obwohl „Gerettete Worte“ vor fast zwanzig Jahren veröffentlicht wurde, habe ich viele Informationen in dem Buch gefunden, die bei mir Wissenslücken geschlossen und mir neue Hintergründe zu schon bekannten Informationen verschafft haben. Außerdem war es wirklich berührend, all diese verschiedenen Personen kennenzulernen und mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren.

Anne Ursu: Breadcrumbs

Nach „The Troubled Girls of Dragomir Academy“ und „The Lost Girl“ von Anne Ursu habe ich mit „Breadcrumbs“ zu einem älteren Backlist-Titel der Autorin gegriffen . Die Handlung dreht sich um die Fünftklässlerin Hazel, die seit einem Schulwechsel das Gefühl hat, dass mit ihr irgendwas nicht in Ordnung ist. Wobei der Schulwechsel nur eine von mehreren Folgen des Umstands ist, dass Hazels Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, um eine andere Frau zu heiraten. Zum Glück gibt es Jack, Hazels besten Freund, der im Nachbarhaus wohnt und mit dem sie den Großteil ihrer Freizeit verbringt. Wenn sie mit Jack zusammen ist, kann Hazel einfach sie selbst sein. Gemeinsam denken sich die beiden Superhelden aus, erleben Abenteuer und können die Sorgen, die zu Hause auf sie warten, vergessen. Doch dann verschwindet Jack, und Hazel ist sich sicher, dass es ihre Aufgabe als seine beste Freundin ist, ihn nach Hause zu bringen.

Der fantastische Teil der Handlung von „Breadcrumbs“ ist unübersehbar an das Märchen „Die Schneekönigin“ angelehnt, aber bevor dieser fantastische Teil überhaupt zum Tragen kommt, lernen wir in der ersten Hälfte des Romans erst einmal gründlich Hazel und ihr Umfeld kennen. Ich mochte die Protagonistin sehr und habe sie gern in ihrem Alltag begleitet, auch wenn mich ihr Leben (ebenso wie Jacks) häufig traurig gemacht hat. Hazel fühlt sich ständig fehl am Platz und weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie adoptiert wurde, daran, dass sie zu viel Fantasie hat, oder daran, dass alle anderen im Gegensatz zu ihr anscheinend genau wissen, welche Regeln in welcher Situation gerade gelten. Weshalb Jack und die Tatsache, dass er sie so akzeptiert, wie sie nun einmal ist, für Hazel umso wichtiger ist. Bei ihm muss sie sich keine Gedanken darüber machen, ob sie sich richtig verhält. So wie sie jederzeit für ihn da ist, ist er immer bereit, Zeit mit ihr zu verbringen und sich auf ihre Ideen einzulassen.

Mit Jacks Verschwinden wechselt der Schauplatz von Hazels häufig herausfordernden Alltagsrealität zu einem unheimlichen magischen Wald voller Gefahren für das Mädchen. Hazel weiß, dass ihre Suche nach Jack riskant ist, aber sie fürchtet, dass sie die einzige ist, die ihn nach Hause bringen kann. Doch ihre Reise ist gefährlicher und herausfordernder, als sie es sich hätte vorstellen können, vor allem, da in dem magische Wald andere Spielregeln gelten, als Hazel es anhand all der von ihr gelesenen Fantasybücher erwartet hätte. Ich mochte die vielen verschiedenen märchenhafte Elemente, die Anne Ursu im späteren Teil des Romans aufgegriffen hat, und fand es sehr spannend, wie vielen bedrückenden Lebensgeschichten Hazel auf ihrer Reise begegnet. Dabei habe ich das Gefühl, dass die Autorin sehr gut die Balance hält zwischen märchenhafter Ummantelung von realen und eigentlich ziemlich verstörenden Themen (wie Depressionen, Missbrauch, alkoholkranke Eltern u. ä.) und überraschend klaren – und fast schon poetischen – Beschreibungen der Folgen, die diese Probleme für alle Beteiligten haben.

Das Ganze macht „Breadcrumbs“ zu keinem fluffig-märchenhaften Buch, aber zu einer wunderschönen und häufig ziemlich melancholischen Geschichte rund um die vielen verschiedenen Themen, die das Erwachsenwerden mit sich bringen. Dabei hätte ich die Handlung vermutlich deutlich weniger genossen, wenn Anne Ursu nicht immer wieder so wunderschöne, überraschende und treffende Sätze gefunden hätte, um Hazels Gedanken in Worte zu fassen. Ich habe es wirklich genossen, immer wieder an diesen Sätzen hängenzubleiben und sie dann in mir nachklingen zu lassen. Ebenso habe ich es gemocht, dass es in dem Buch so einige Illustrationen von Erin McGuire gibt, die auf der einen Seite die melancholische Stimmung der Geschichte wunderbar einfangen und auf der anderen Seite immer wieder zeigen, wie wichtig und wohltuend ihre Freundschaft für Hazel und Jack ist. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die bisher von mir gelesenen Romane von Anne Ursu waren, auch wenn alle eine ähnliche Atmosphäre hatten. Das macht mich auf jeden Fall neugierig auf die weiteren (Backlist-)Veröffentlichungen der Autorin – nur gut, dass ich schon ihren aktuellsten Titel („Not Quite a Ghost“) auf meinem SuB habe.

Lese-Eindrücke April 2025

Ich habe im April gar nicht so wenig gelesen, aber relativ wenige Sachen, zu denen ich hier einen Lese-Eindruck festhalten kann.

Angie Thomas: The Manifestor Prophecy (Nic Blake and the Remarkables 1)

„The Manifestor Prophecy“ von Angie Thomas lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB – vor allem, da ich in den letzten Jahren einige fantastische Romane von Schwarzen Autor*innen gelesen habe, deren Inhaltsangabe ähnlich klang und ich lieber etwas Abstand beim Lesen solch vergleichbarer Büchern habe. Aber da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr ältere Bücher vom SuB zu lesen, habe ich dieser Geschichte endlich eine Chance gegeben. Die Handlung dreht sich um die zwölfjährige Nic (Nichole), die zu den Remarkables (Personen mit magischen Fähigkeiten) gehört, die aber in einem „Unremarkable“-Umfeld aufwächst – was bedeutet, dass sie und ihr Vater ihre Magie verstecken müssen. Rund um ihren zwölften Geburtstag passieren dann einige unheimliche Dinge, die u. a. dazu führen, dass Nics Vater verhaftet wird, während sie mit zwei anderen Teenagern auf die Suche nach einem magischen Artefakt gehen muss.

Ich mochte Nic und die anderen Charaktere, die sich Angie Thomas für ihre Geschichte ausgedacht hat, sehr gern. Mir gefiel die magische Parallelwelt ebenso wie die diversen Anspielungen auf afrikanische Legenden sowie auf – leider häufig bedrückende – frühere und aktuelle Schwarze Historie. Außerdem gab es immer wieder wunderbar amüsante Momente als Ausgleich dafür, dass Nic und die anderen sich häufig in bedrohlichen Situationen wiedergefunden haben. Aber ich muss auch zugeben, dass mir viele Elemente in dem Roman sehr vertraut vorkamen, weil er sich jetzt nicht so sehr von anderen fantastischen Middle-Grade-Romanen (Schwarzer Autor*innen) unterschied. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich habe Lust, auch noch die Fortsetzung zu lesen, aber ich hoffe ein bisschen, dass Angie Thomas als Fantasyautorin in Zukunft noch einen etwas individuelleren Stil entwickeln wird.

Catie Murphy: Death of a Irish Druid (Dublin Driver Mysteries 6)

„Death of an Irish Druid“ ist der sechste (und bedauerlicherweise vorerst letzte) Band der Dublin-Drivers-Mysteries und er hat mir besonders gut gefallen. Diese cozy-mystery-Reihe dreht sich um die in Irland lebende Amerikanerin Megan Malone, die mit einem mit ihr befreundeten amerikanischen Ehepaar unterwegs ist, als sie über die Leiche eines selbsternannten Druiden stolpert. Obwohl auf den ersten Blick alles nach einem Unfall aussieht, gibt es so viele Ungereimtheiten rund um diesen Todesfall, dass Meg ihrer Neugierde nachgibt und mehr über den Verstorbenen und sein Leben herausfinden will. Ich fand es angenehm, dass dieses Mal die Vorraussetzungen für Megans Ermittlungen ganz anders waren als in den vorhergehenden Bänden. So ist ihr Freund, der für die Garda arbeitet, gerade im Ausland, dafür wird sie rundum von dem Ehepaar unterstützt, das gerade zu Besuch in Irland ist – was zu einigen amüsanten Szenen führt, wenn zum Beispiel amerikanische und irische Gepflogenheiten aufeinanderstoßen.

Das führt dazu, dass sich dieser Band anders anfühlt als die vorhergehenden, ohne dass ich auf all die Dinge, die ich sonst schon so in den Geschichten gemocht habe (all die kleine persönliche Geheimnisse, die von Megan aufgedeckt werden/das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Freunden/Megans Fürsorge für diejenigen, die unter dem plötzlichen Verlust einer wichtigen Person leiden), verzichten musste. Dazu habe ich überraschende Details zu den unterschiedlichsten Themen wie britische Adelstitel in Irland, Irisches Erbrecht und Renaturierungsvarianten gelernt und mich dabei großartig unterhalten. Ich hoffe sehr, dass Catie/C.E. Murphy noch eine Möglichkeit findet, die weiteren vier Romane, die sie für diese Reihe schon geplant hatte, auch ohne den ursprünglichen Verlag zu veröffentlichen. Ich wüsste wirklich gern, wie es mit Megan nach diesem Band weitergeht und über welche Leichen sie in Zukunft noch stolpern wird.

Ariana Jade/Arizona Tape: The Coffee House Witch and the Grumpy Cat (The Cobblestone Coven 1)

„The Coffee House Witch and the Grumpy Cat“ hatte ich vorbestellt, als der Titel noch „The Coffee House Witch“ hieß, der Veröffentlichungstermin noch einige Wochen früher angesetzt war und das eBook noch ohne Seitenzahl gelistet wurde. Was bedeutete, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich meine 99 Cent für eine nett klingende Kurzgeschichte oder für einen fantastischen Liebesroman ausgeben würde. Am Ende hatte die Geschichte einen Umfang von knapp über 100 Seiten und fühlte sich an, als ob ich den Anfang eines cozy Fantasy-Romans gelesen hätte. Die Handlung dreht sich um Hexe Cassiopeia, die nach zehn Jahren in „der Stadt“ zurück zu ihrer Großmutter zieht und ihr in ihrem Café hilft. Cassi weiß nicht so recht, wie es in Zukunft mit ihr weitergehen soll: Ihre Verlobung ist in die Brüche gegangen, ihren Job hat sie deshalb auch verloren (da ihre Chefs die Eltern ihrer Ex-Verlobten waren) und ihre Magie ist zur Zeit etwas wackelig.

Die Handlung war (soweit vorhanden) nett, ich mochte die Figuren rund um die Protagonistin (ehrlich gesagt mehr als Cassi selbst), ich habe grundsätzlich eine Schwäche für Geschichten, die in unserer Welt plus einem Hauch von Magie spielen, und auch wenn die diversen tierischen Familiare etwas gewollt niedlich-eigenwillig waren, war das okay zu lesen. Es störte mich auch nicht, dass von Anfang an offensichtlich war, dass Cassi im Laufe der Zeit Gefühle für ihre beste Freundin aus Kindheitstagen entwickeln wird. Was mich hingegen störte, war, dass ich mit diesem Band keine vollständige Geschichte bekommen habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine längere Leseprobe gelesen hätte statt einer eigenständigen Novella. Und diese „Leseprobe“ war zwar ganz nett, aber jetzt nicht so überzeugend, dass es mir wert wäre, einige Wochen auf die nächste Portion der Geschichte zu warten und dafür dann drei Euro auszugeben, ohne vorhersagen zu können, ob dieser Teil sich beim Lesen dann befriedigender anfühlen wird …

Lese-Eindrücke Februar und März 2025

Da ich im Februar nicht genug gelesen hatte, dass sich ein eigener Beitrag mit Lese-Eindrücken gelohnt hätte, gibt es dieses Mal die Anmerkungen für zwei Monate.

K.B. Wagers: Behind the Throne/After the Crown/Beyond the Empire (The Indranan War 1-3)

Diese Space Opera hatte mich im Februar überraschend gefesselt. Die Handlung dreht sich um die 38jährige Prinzessin Hail(imi), die vor zwanzig Jahren von ihrem Heimatplanten Indranan geflüchtet ist und sich (unter dem Pseudonym Cressen Stone) als Gunrunner ihren Lebensunterhalt verdient hat. Zu Beginn der Trilogie wird sie von Geheimdienstmitarbeitern ihrer Mutter aufgespürt und gegen ihren Willen nach Hause geschleppt, weil in den vergangenen Monaten der Großteil der kaiserlichen Familie ausgelöscht wurde. Die Romane sind eine Mischung aus viel Planung/Ermittlung und Action, was mich recht gut unterhalten hat. Aber wirklich gepackt haben mich die Figuren, ihre komplizierten Beziehungen zueinander und die Trauer, die sich durch die gesamte Geschichte zieht.

Hail trauert um die Familienmitglieder, die sie verloren hat, darum, dass sie nie ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, und um den Mann, mit dem sie fast zwanzig Jahre zusammengelebt hat und der kurz vor ihrer Rückkehr auf ihren Heimatplaneten getötet wurde – was dazu führt, dass es (yeah!) keine Liebesgeschichte in dieser Trilogie gibt. Die engste Beziehung, die die Protagonistin in dieser Trilogie hat, knüpft sie mit dem Mann, der unter anderen Umständen ihr Schwager gewesen wäre, und mit dessen Ehemann. Dazu kommt, dass Hails Heimat sehr indisch inspiriert ist, was ich sehr reizvoll fand, auch wenn ich nicht beurteilen kann, wie angemessen die Umsetzung der Autorin da ist. Es gibt am Ende des dritten Bandes ein paar Elemente, die von der Protagonistin „übersehen“ werden, obwohl sie offensichtlich sind, was daran liegt, dass die Autorin damit schon Hinweise für die nächste Trilogie legt. Darauf hätte ich verzichten können, aber es war auch nicht so schlimm, dass es mir den Spaß an den drei Büchern verdorben hätte.

R.C. Joshua: Demon World Boba Shop

Über „Demon World Boba Shop“ hatte ich im Februar schon beim Lese-Sonntag geschrieben. Der Roman ist eine isekai-Geschichte, was bedeutet, dass sich der Protagonist Arthur nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der er seine Fähigkeiten wie in einem klassischen RPG aufleveln kann. Doch anders als bei den meisten isekai-Titeln verdingt Arthur sich nicht als Abenteurer, sondern eröffnet in dieser (durch und durch netten) Welt einen Shop für Bubble Tea. Das ist unglaublich erholsam zu lesen und für so einige amüsante Szenen rund um das Level-System und Arthurs sich entwickelnde Fähigkeiten sorgte. Außerdem gibt es immer wieder Dinge, bei denen Arthur sich beweisen oder jemandem helfen muss, so dass es regelmäßig Momente gibt, in denen er das Gefühl hat, dass etwas Wichtiges auf dem Spiel steht. Das sorgt dafür, dass die Handlung bei aller Nettigkeit nicht langweilig wird. (Teil 2 war übrigens im März ebenso nett zu lesen, während ich mich am Ende des dritten Bands ziemlich unzufrieden fühlte, weil so viel Potenzial ungenutzt blieb und sich so viele Herausforderungen als nichtig herausstellten. Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe danach noch fortsetzen mag.)

Martha Wells: All Systems Red (The Murderbot Diaries 1)

„All Systems Red“ habe ich 2019 geschenkt bekommen, und seitdem lag es auf dem SuB, obwohl ich davon ausging, dass mir die Geschichte gut gefallen würde. Aber es wurde damals so viel über die Murderbot Diaries geredet, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte nicht unbefangen ans Lesen gehen. Sechs Jahre später hingegen habe ich das Buch sehr genossen! Ich mochte Murderbots Erzählstimme, ich habe mich sehr über seine Sicht auf die Welt amüsiert, und ich bin gespannt, wie es mit ihm weitergeht – weshalb ich mir nach dem Lesen direkt „Artificial Condition“ bestellt habe. Ich bin mir sicher, dass der Band nach dem Eintreffen keine sechs Jahre auf dem SuB liegen wird …

Stephanie Burgis: Wooing the Witch Queen (Queens of Villainy 1)

„Wooing the Witch Queen“ ist der neuste Roman von Stephanie Burgis, und ich muss zugeben, dass ich erstaunlich wenig dazu zu sagen habe. Ich habe die Geschichte beim Lesen genossen und regelmäßig schmunzeln müssen. Ich mochte die Charaktere, ich mochte die zaghafte Liebesgeschichte zwischen der „wicked witch queen“ und dem Erzherzog, der aufgrund einer Verwechslung von ihr als Bibliothekar engagiert wurde, und ich freue mich auf die noch erscheinenden beiden Bände der Trilogie. Aber ich muss auch zugeben, dass das diese Art von „netter“ Geschichte war, bei der nicht viel haften bleibt. Obwohl sowohl die Königin als auch der Erzherzog viel Schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt haben, war ich emotional recht wenig engagiert beim Lesen. „Wooing the Witch Queen“ ist ein wirklich netter „cozy fantasy“-Roman, aber fast schon zu cozy – dieser Geschichte hätte ein Hauch von Drama ganz gut getan.

Michiko Aoyama: What your are looking for is in the library

Michiko Aoyama erzählt in „What your are looking for is in the library“ fünf Episoden, in denen das Leben von fünf verschiedenen Personen durch eine überraschende Buchempfehlung der Bibliothekarin Sayuri Komachi eine notwendige Wendung nimmt. Ich mag diese Art von ruhigen Geschichten, die mir einen Einblick in ein (fiktives) Leben geben und am Ende mit dem Gefühl zurücklassen, dass die Person, um die es geht, in eine für sie gute Richtung weitergehen wird. Diese Mischung aus Realismus, einem Hauch Ungewöhnlichem und einem kleinen Blick in eine andere Kultur empfinde ich als wirklich wohltuend.

K. O’Neill: A Song for You & I (Comic)

K. O’Neill ist schon seit einiger Zeit jemand, von dem ich jeden neuen Comic kaufe, weil ich die vorhergehenden Arbeiten so sehr mochte. „A Song for You & I“ ist Anfang März erschienen und erzählt die Geschichte einer jungen Person, die zum Ranger ausgebildet wird. Ranger dienen als Brücke zwischen der Natur und den Menschen, sie helfen in Notsituationen, sie dokumentieren Flora und Fauna und zu ihrer Tätigkeit gehört eine enge Bindung zur ihrem geflügelten Pferd. Doch die Hauptfigur in diesem Comic trifft zu Beginn der Geschichte eine unüberlegte Entscheidung, die dafür sorgt, dass ihr Pferd Kestrel verletzt wird. Da Kestrel einige Zeit lang nicht in der Lage ist zu fliegen, müssen die beiden in den Wochen nach der Verletzung in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte bleiben.

Das führt dazu, dass die Hauptfigur R. sehr viel Zeit mit dem jungen Schäfer Leone verbringt, obwohl sie bislang immer auf ihn herabgeschaut hat. Leone verbringt den ganzen Tag mit den Schafen seiner Familie auf der Weide. Doch statt sich aufmerksam um die Tiere zu kümmern, beschäftigt er sich lieber mit seiner Geige. Je besser sich die beiden Charaktere kennenlernen, desto mehr fangen sie an, Verständnis füreinander zu empfinden und sich gegenseitig zu helfen. Und da R. im Laufe der Geschichte Leone bei seinen Auslieferungen hilft, kommt es auch immer wieder zu Begegnungen mit neuen Figuren, die dafür sorgen, dass R. einen anderen Blick auf die Tätigkeit als Ranger, auf das Leben anderer Personen oder auf die Natur in ihrer Region werfen kann.

Was die Zeichnungen betrifft, so ist „A Song for You & I“ – wie schon K. O’Neills vorhergehenden Veröffentlichungen (z. B. die „Tea Dragon Society“-Titel) – in weichen, matten Farbtönen gehalten, während bei den Panels selbst der Fokus weniger auf feine Details als auf die Gesamtatmosphäre gesetzt wurde. Ich persönlich mag diesen bilderbuchartigen Charakter von K. O’Neills Werken und nehme mir gern Zeit, die einzelnen Panels zu betrachten – vielleicht gerade weil sie so wenig Anlass zur Reibung bieten und einfach „nur“ wohltuend sind. Auch die Handlung ist nicht gerade herausfordernd, aber die Geschichte ist so niedlich und nett zu verfolgen. Es liegt schnell auf der Hand, was für Probleme R. und Leone in ihrem Leben haben, und es gibt – trotz Kestrels Verletzung zu Beginn des Comics – so gut wie kein Drama in der Geschichte.

So lässt sich beim Lesen entspannt mitverfolgen, wie die beiden Figuren nach und nach die Erkenntnisse gewinnen, die ihnen helfen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihre Träume zu verwirklichen. So eine süße Geschichte ist sehr erholsam zu lesen, was für sich genommen ja vollkommen ausreichend ist, aber normalerweise auch dafür sorgt, dass eine Handlung mit so wenig Ecken und Kanten nicht lange in meiner Erinnerung haften bleibt. Doch wenn ich nach den Tieln gehen kann, die ich bisher von K. O’Neill gelesen habe, dann werde ich mich in den nächsten Monaten immer wieder dabei ertappen, dass ich an einen unbedeutend wirkenden Moment, eine Nebenfigur oder eine andere Kleinigkeit aus „A Song for You & I“ zurückdenken werde. Ich bin gespannt, welches Element bei mir dieses Mal dafür sorgt, dass ich mich immer wieder an den Comic erinnere. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich den Comic auch in den kommenden Jahren häufiger aus dem Regal ziehen werde, um mich an den hübschen Zeichnungen und den sympathischen Figuren zu erfreuen.

Yukito Ayatsuji: The Decagon House Murders

„The Decagon House Murders“ von Yukito Ayatsuji wurde im Original 1987 veröffentlich und hat – zumindest laut Klappentext – zu einem erneuten Aufleben des klassischen Detektivromans in Japan geführt. Die Geschichte spielt im Jahr 1986, wobei ein Teil der Handlung auf der Insel Tsunojima (die während dieser Zeit keinen Kontakt zum Festland hat) passiert und der anderer Teil der Handlung parallel dazu an verschiedenen Orten in und rund um Osaka stattfindet. Es steht von Anfang an fest, dass es zwei dramatische Ereignisse rund um die Familie Nakamura gab, der die Insel bis vor Kurzem gehörte. Außerdem wird schon auf den ersten Seiten deutlich, dass es ein Mörder auf sieben Student*innen abgesehen hat, die eine Woche auf der Insel verbringen.

Alle sieben Student*innen sind Angehörige des Krimiclubs ihrer Universität, und sie reden sich – wie es in ihrem Club üblich ist – mit Spitznamen an, die auf den Namen berühmter Krimiautoren basieren. „Leroux“, „Carr“, „Agatha“, „Ellery“, „Van“, „Orczy“ und „Poe“ wohnen auf Tsunojima in einem Haus, das von dem berühmten und sehr eigenwilligen Architekten Nakamura Seiji entworfen wurde und dessen Grundriss aus einem gleichseitigen Zehneck besteht. Dieser Architekt lebte zurückgezogen auf der Insel – bis er, seine Frau und ihre Dienstboten vor einigen Monaten dort grausam ermordet wurden. Diese erschütternde Tat hat in den Medien zu vielen Spekulationen rund um die Identität des Täters geführt, und auch die sieben Student*innen sind fest entschlossen, während ihres Aufenthalts nach Hinweisen zu suchen. Doch dann wird wenige Stunden nach ihrem Eintreffen auf Tsunojima das erste der Clubmitglieder umgebracht.

Yukito Ayatsuji macht keinen Hehl daraus, dass sein Roman von „And Then There Where None“ von Agatha Christie inspiriert wurde, aber ich fand es reizvoll, dass es zusätzlich zu den Ereignissen auf der Insel noch den Handlungsstrang auf dem Festland gab. Dort bekommen zwei weitere Mitglieder des Krimiclubs (Kawaminami Taka’aki und Morisu Kyōichi) Briefe, die sie des Mordes an ihrer vor einem Jahr verstorbenen Kommilitonin Chiori beschuldigen. Diese Briefe sorgen dafür, dass Kawaminami Taka’aki gemeinsam mit Shimada Kiyoshi, einem Freund von Chioris Onkel, versucht, mehr über den Tod der jungen Frau herauszufinden. Ich gebe zu, dass diese beiden Handlungsstränge dazu führen, dass die Geschichte aus sehr vielen Perspektiven erzählt wird, aber es gelingt dem Autoren durchgehend, deutlich zu machen, wer gerade zu Wort kommt. So fand ich es wirklich spannend, all die verschiedenen Gedanken zu verfolgen und mehr über die einzelnen Figuren, ihr Verhältnis zueinander und die Ereignisse aus der Vergangenheit herauszufinden.

Außerdem hat es mir viel Spaß gemacht, die vielen verschiedenen Hinweise zu sammeln und meine eigenen Schlüsse zu ziehen, und ich fand es überraschend raffiniert, wie Yukito Ayatsuji durch den Einsatz der Spitznamen dafür gesorgt hat, dass es ziemlich herausfordernd wurde, die verschiedenen Informationen den jeweiligen Krimiclub-Personen zuzuordnen. Es gibt nur einen winzig kleinen Punkt, der mich am Ende der Geschichte irritiert hat, weil es da um einen Aspekt geht, der nicht erwähnt wurde. Ich kann nicht mehr dazu sagen, ohne die Auflösung zu spoilern, aber es geht um etwas, was meiner Meinung nach eine Erwähnung hätte bekommen müssen – gerade weil Yukito Ayatsuji ansonsten so viel Detailliebe in diesen Kriminalroman gesteckt hat. Lustigerweise hätte mich das normalerweise nicht gestört, wenn es nicht genau dieses eine Element gewesen wäre, das dafür sorgte, dass ich beim Lesen den Täter/die Täterin dann doch ausgeschlossen hatte. Trotz dieses einen kleinen Kritikpunkts habe ich „The Decagon House Murders“ sehr genossen und bin wild entschlossen, in Zukunft mehr Romane von Yukito Ayatsuji zu lesen.