Kategorie: Rezension

Naomi Kuttner: The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich über „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ gestolpert bin. Aber als ich am Sonntag vor zwei Wochen auf der Suche nach einem „netten“ Roman meine gespeicherten Leseproben durchstöberte, hat mich der „New Zealand Paranormal Cozy Mystery“ so gut unterhalten, dass ich ihn direkt gekauft und innerhalb von 24 Stunden ausgelesen hatte. Das hätte ich definitiv nicht erwartet, da die Grundidee hinter diesem Roman auf eine Art und Weise absurd ist, die normalerweise nicht meinem Geschmack entsprechen würde. Aber Naomi Kuttners Erzählweise und die Perspektive von Dante (eine von drei Hauptfiguren) haben überraschenderweise für mich so gut funktioniert, dass ich „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ wirklich amüsant fand.

Die Handlung beginnt aus der Perspektive von Dante, der gerade seine Karriere als Auftragsmörder für eine Regierungsorganisation beendet hat. Um seinen Ruhestand so fern wie möglich von seinen ehemaligen Auftragsorten zu verbringen, beschließt er, sich in dem kleinen Ort Te Kohe in Neuseeland niederzulassen. Dante selbst möchte eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen haben. Aber er hat definitiv nicht mit der Freundlichkeit/Neugier seiner Kleinstadt-Nachbarn gerechnet – außerdem verfügt sein neues Haus über einen beeindruckenden Garten mit seltenen Pflanzen, was dazu führt, dass er den Gärtner der Vorbesitzerin „erbt“. Charlie ist ein wirklich netter junger Mann, dessen offensichtlicher Naivität und Begeisterungsfähigkeit Dante nichts entgegenzusetzen hat. Als es dann noch bei einer Veranstaltung im Hotel des Ortes zu einem Mord kommt, bei dem Dante und Charlie die Hauptverdächtigen sind, fangen die beiden – gemeinsam mit Eleanor, die ebenfalls auf dieser Veranstaltung war – zu ermitteln an.

Was den Krimianteil dieses Romans angeht, so lag eigentlich von Anfang an auf der Hand, wer der Täter ist, so dass die Herausforderung vor allem darin bestand, herauszufinden, wie die Tat vollbracht wurde und wie sie dem Täter nachgewiesen werden kann. Aber der Fall war auch nicht das, was mich bei diesem Roman so gut unterhalten hat, es waren die Charaktere mit all ihren Eigenheiten (und die Tatsache, dass es hier endlich mal einen „cozy mystery“ ohne Liebegeschichte für mich zu lesen gab). Charlie ist ein wirklich netter junger Mann, der bei seiner verwitweten Mutter wohnt, als Gärtner seinen Lebensunterhalt verdient und Geister sehen kann. Das hat ihn sein Leben lang – also gerade mal zwanzig Jahre – in Schwierigkeiten gebracht, da die Leute um ihn herum nicht glauben, dass er wirklich über diese Fähigkeit verfügt. Eleanor ist eine elegante Frau in den 60ern, die sich in den diversen Vereinen von Te Kohe engagiert, über überraschende Verbindungen verfügt und sehr viel Menschenkenntnis hat. Sowohl Charlie als auch Eleanor mochte ich sehr gern, aber so richig genossen habe ich Dantes Perspektive.

Der ehemalige Assassine ist so sehr von seinem früheren Beruf geprägt, dass sein erster Impuls in jeder Situation ist, darüber nachzudenken, wie er sein Gegenüber töten kann. Aber er ist auch stolzes Mitglied der AA (Anonyme Assassinen) und hat seit über 100 Tagen niemanden mehr ermordet – was bedeutet, dass er mit Hilfe seines Therapeuten neue Wege finden muss, um mit Herausforderungen umzugehen, und sich dabei häufig etwas hilflos anstellt. Ich muss zugeben, dass alle drei Figuren sehr unglaubwürdig sind, und bei Dante ist der absurde Anteil besonders extrem, aber ich habe es trotzdem gerade deshalb genossen mitzuverfolgen, wie hilflos er in normalen sozialen Situationen ist und wie schwer es ihm fällt, nicht einfach zur Waffe zu greifen, um seine Probleme zu lösen. „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ ist durch und durch absurd und dabei wirklich sehr unterhaltsam zu lesen. Ich mochte die Protagonisten und ihre unterschiedlichen Erzählstimmen sehr und habe beim Lesen meinem armen Mann immer wieder ganze Passagen vorgetragen, weil ich sie so amüsant fand. Es gab vor dem großen Finale einen kleinen Teil, in dem sich die Handlung für mich etwas hinzog, was auch daran lag, dass Dante da relativ wenig zu Wort kam. Aber alles in allem habe ich die Geschichte wirklich genossen und freue mich jetzt schon auf die im Dezember erscheinende Fortsetzung „The Retired Assassin’s Guide to Orchid Hunting“.

Khenal: Dungeon Life – An Isekai LitRPG

„Dungeon Life“ von Khenal war mein erstes Buch im August – und direkt im Anschluss habe ich dann Band 2 und 3 der Reihe gelesen und Band 4 vorbestellt. Da ich weiterhin auf der Suche nach Isekai-Geschichten bin, die mir gefallen könnten, hatte ich mir in den letzten Monaten ein paar Leseproben besorgt, die ich so nach und nach anteste. Während die meisten bisher gelesenen Proben meinem Gefühl nach vor allem mit bemühtem Humor und eher schablonenhaften Geschichten aufwarteten, hat mich „Dungeon Life“ direkt gut unterhalten. Vor allem fand ich es faszinierend, dass die gesamte Handlung aus der Sicht eines Dungeons erzählt wird. Genau genommen beginnt die Geschichte damit, dass der namenlose Protagonist bei einem Unfall stirbt und nach seinem Tod vor die Wahl gestellt wird, ob er weitergehen oder ein neues Leben anfangen möchte. Die verschiedenen Optionen für ein neues Leben reizen ihn nicht so sehr, bis er – zu seiner eigenen Überraschung – zustimmt, eine Existenz als Dungeon zu beginnen.

Wenig später findet sich der Protagonist als Teil eines verlassenen Herrenhauses wieder – genau genommen umspannt sein Bewusstsein einen staubigen Kellerraum – und er muss feststellen, dass er Bewohner (Ratten und Spinnen) und Eindringlinge (Kakerlaken und Fliegen) hat und über einen winzigen Core verfügt, der von seinen Bewohnern gegen die Eindringlinge verteidigt wird. Nach einigen Tests bekommt er eine Vorstellung davon, welchen Einfluss er auf seine Bewohner hat und wie seine eigene Entwicklung davon abhängt. Ich muss zugeben, ich fand es überraschend faszinierend, gemeinsam mit dem Protagonisten zu sehen, was genau es mit seiner Existenz als Dungeon auf sich hat und welche Wege es für ihn gibt, sich zu verändern. So geht es anfangs relativ viel um das Aufleveln und die verschiedenen Ausbauten des Dungeons, ohne dass es je langweilig wird, weil die Art und Weise, wie das Dungeon seine Veränderungen angeht, wirklich amüsant zu lesen ist.

Ich fand es spannend zu sehen, mit welchen Mitteln es dem Autor gelungen ist, meine Aufmerksamkeit zu fesseln, und ich habe es genossen, eine fantastische Geschichte aus dieser ungewöhnliche Perspektive zu verfolgen. Der Protagonist entwickelt sich im Laufe des ersten Romans von einem heruntergekommenen Haus voller Ratten und Spinnen zu sowas wie einem ernstzunehmenden, aber nicht tödlichen Dungeon. Dabei gibt es immer wiederkehrende Figuren, deren Weg ich gern verfolgt habe, weil sie (fast) alle so sympathisch waren. Da sind zum Beispiel die beiden Kinder, die mit Hilfe der Materialien, die sie im Keller des Dungeons finden, einen Ausbildungsplatz ergattern können, und die im Laufe der nächsten Monate zu so etwas wie Experten für unser (für diese Fantasywelt sehr ungewöhnliches) Dungeon werden. Außerdem taucht immer wieder der Dungeon-Inspektor auf, der für die örtliche Gilde den Gefahrengrad des Dungeons einschätzt und für Abenteurer in einem Infoblatt zusammenfasst, welche Schätze gefunden werden könne und welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Und natürlich finden sich im Laufe der Zeit immer neue Bewohner im Dungeon ein, deren Entwicklung (und später in den Büchern auch deren Perspektive) unterhaltsam zu verfolgen sind.

Ich fand es überraschend, wie erholsam diese Romane zu lesen waren. Natürlich gibt es immer wieder Gefahren, aber da das Dungeon in der Regel sehr wissenschaftlich (er war vor seinem Ableben Ingenieur) mit all diesen Herausforderungen umgeht und jederzeit bereit ist jemandem zu helfen, sind selbst diese Aspekte der Geschichte vor allem fesselnd zu lesen, ohne dass ich das Gefühl hatte, eine Situation würde am Ende nicht gut ausgehen. Der Ingenieurs-Hintergrund des Protagonisten sorgt dafür, dass er bzw. seine Bewohner sehr ungewöhnliche Ansätze für die Anwendung von Magie haben, und das führt zu überraschend vielen physikalischen Erklärungen in der Geschichte. Ich muss zugeben, ich wüsste gern, wie dieser Teil bei Leser*innen ankommt, die deutlich mehr mit Physik anfangen können als ich. Für mich war diese Mischung aus Naturwissenschaft und Magie in der Regel unterhaltsam (und wenn ich dann doch mal mit einer Anspielung nichts anfangen konnte, habe ich sie problemlos ignorieren können). Nachdem ich anfangs dachte, dass „Dungeon Life“ einfach nur ein „netter“ Roman sein würde, war es umso erfreulicher festzustellen, dass ich diese drei Bände kaum aus der Hand legen konnte, weil ich mich so gut damit amüsiert habe. Dummerweise muss ich jetzt noch bis Dezember warten, bis ich weiterlesen kann. Aber vielleicht nutze ich die Zeit einfach und lese die ersten drei Teile noch einmal …

Lese-Eindrücke Juni/Juli 2025

Sommer bedeutet für mich, dass ich vor allem zu eBooks greife, auch wenn in diesem Jahr vor allem der Juli angenehmerweise kühl genug war, um immer wieder einen gedruckten Roman in die Hand nehmen zu können. Die meisten gelesenen eBooks stammten aus der Feder von Celia Lake (12 Romane! *uff*), und zu der Autorin habe ich eigentlich auf dem Blog schon genug geschrieben. Aber zwischendurch habe ich mich natürlich auch mit anderen Autor*innen beschäftigt, und für die Titel, zu denen ich bestimmt keine Rezension schreiben werde, gibt es hier wieder ein paar Lese-Eindrücke:

Tam May: The Case of the Washed-Up Corpse (Grave Sisters Mysteries Book 1)

„The Case of the Washed-Up Corpse“ hatte mich gereizt, weil es mir als 20er-Jahre-Mystery mit drei Schwestern als Protagonistinnen ans Herz gelegt wurde. Die Graves-Schwestern führen in einer kleinen Stadt im Norden von Kalifornien ein Bestattungsinstitut, das sie von ihrem Vater geerbt haben. In die Ermittlungen in einem Mordfall werden die beiden älteren Schwestern verwickelt, als der Staatsanwalt Oliver Clarke sie bittet, sich eine Leiche anzuschauen, die gerade aus dem Fluss gefischt wurde. All die kleinen Dinge, die den beiden auffallen, führen dazu, dass vor allem Eve (die älteste der Schwestern) im Laufe der nächsten Tage immer wieder von Oliver um Hilfe gebeten wird, wenn es um die Befragung von Zeugen geht. Es gab einige Elemente, die ich an der Geschichte mochte, aber leider auch nicht wenige, die mich beim Lesen eher gestört haben. Mir gefielen sowohl der Schauplatz als auch die Tatsache, dass die Handlung in den 1920er Jahren spielt. Ebenso mochte ich die Beziehung der drei Schwestern zueinander sehr, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrer Haushälterin, die die drei mitaufgezogen hat.

Ich weiß, dass es schwierig ist, bei Kriminalromanen die richtige Mischung aus Hinweisen und Verschleierung hinzubekommen, so dass die Leser*innen neugierig auf die Handlung bleiben und am Ende trotzdem nicht das Gefühl haben, dass die Auflösung aus dem Nichts kommt. Aber wenn ich mir beim ersten Auftreten des Mörders/der Mörderin sicher bin, dass diese Person verantwortlich für den Tod des Opfers ist, dann verliere ich die Geduld mit der Geschichte – vor allem, wenn ich mich dann auch noch über das Verhalten einer der Protagonistinnen ärgere. Die mittlere Schwester Helena ist sehr gebildet, hat Medizin studiert (auch wenn sie als Frau nicht praktizieren darf) und ist vor allem hinter den Kulissen des Bestattungsinstituts tätig, weil sie besser mit Toten als mit Lebenden zurechtkommt. Trotzdem hätte ich erwartet, dass sie nicht bei jeder Gelegenheit jede Person, die offiziell an den Ermittlungen beteiligt ist, provoziert und verärgert. Dieses Verhalten sollte vermutlich zeigen, wie intelligent und feministisch diese Figur ist. Aber es hat bei mir vor allem das Gefühl hervorgerufen, dass es Helena nicht darum geht, den Mörder zu finden, sondern sie nur zu zeigen will, wie viel klüger als alle anderen sie ist. Dazu kam dann noch, dass der Handlungsbogen (ebenso wie viele der Nebenfiguren) sehr schablonenhaft konstruiert wurde, so dass ich erschreckend froh war, als ich den Roman endlich beendet hatte.

Tansy Rayner Roberts: Crown Tourney – Ten tales of deadly damsels, cursed castles and edged weapons

Zu „Crown Tourney“ hatte ich am Lese-Sonntag im Juni schon etwas geschrieben. Der Band ist eine Sammlung von zehn märchenhaften Geschichten, die Tansy Rayner Roberts im Laufe ihrer Karriere geschrieben hat. Ich mochte eigentlich alle Geschichte in dem Band, gerade weil sie ziemlich unterschiedlich waren, und ich fand es spannend, die Anmerkungen der Autorin dazu zu lesen. Dort schreibt sie darüber, was sie inspiriert hat, wie sie heute über die älteren ihrer Geschichten denkt (und was sie so nicht mehr schreiben würde) und gibt zusätzlich einen Haufen Lese-Empfehlungen, für Personen, die märchenhafte Geschichten oder Neuinterpretationen von Märchen mögen. Perfekt für Leute, die mal schauen möchten, was die Autorin so schreibt und wie unterschiedlich ihre Veröffentlichungen sein können, auch wenn es bei ihr einige Elemente gibt, die immer wieder vorkommen.

C. L. Polk: Witchmark und Stormsong (Kingston Cycle 1+2)

Im Juni hatte ich mir als Teil meines „lies ältere Sachen vom SuB“-Vorhabens „Stormsong“ ins Auge gefasst, weshalb ich erst einmal erneut zu „Witchmark“ griff, um meine Erinnerung an die Geschichte aufzufrischen. Mir hat das Lesen von „Witchmark“ auch dieses Mal viel Spaß gemacht, und während ich nach dem ersten Lesen nicht bereit für den Wechsel zum zweiten Band war, war ich dieses Mal wirklich neugierig darauf, wie die Handlung mit Miles‘ Schwester Grace als Protagonistin weitergeht. Grundsätzlich mochte ich auch den zweiten Band dieser Reihe, aber ich muss zugeben, dass mich Romane, in denen gefühlt 99% aller Personen aus Eigeninteresse handeln, deutlich weniger erfreuen, als Bücher, in denen die Figuren weniger egozentrisch sind. Das trifft vor allem dann zu, wenn es sich bei den handelnden Personen zum Großteil um Politiker handelt. Das fühlt sich doch ein bisschen zu nah an der aktuellen Realität an, um erträglich zu sein. Außerdem gab es etwas, das die Protagonistin Grace auf der Suche nach einer Erklärung für ein bestimmtes Phänomen nicht als relevant erachtete, das für mich aber bei der allerersten Erwähnung bereits als entscheidendes Element auf der Hand lag – weshalb ich bis kurz vorm Ende des Romans ungeduldig darauf wartete, dass sie auch endlich darauf kommt. Danach brauchte ich wieder eine kleine Pause von der Reihe, aber ich bin wild entschlossen, im August endlich den dritten Band des Kingston-Cycles zu lesen.

Mira Grant: Final Girls (Hörbuch)

„Final Girls“ ist eine der vielen kurzen Veröffentlichungen von Mira Grant (Seanan McGuire), die bei Subterranean Press erschienen sind und die ich deshalb aus Kostengründen lieber als Hörbuch konsumiert habe. Diese Novella dreht sich um ein Virtual-Reality-Programm, mit dem die Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Web in ihrem Institut psychische Verletzungen ihrer Klient*innen heilen will – und dem die Journalistin Esther Hoffman sehr skeptisch gegenübersteht. Während Esther selbst eine solche VR-Sitzung für einen kritischen Artikel über Dr. Webs Methoden testet, kommt es zu einem Vorfall, der dazu führt, dass die beiden Frauen eng zusammenarbeiten müssen, um zu überleben. Es gibt so einige Elemente in der Geschichte, die für jemanden, der schon mehrere Veröffentlichungen von Mira Grant gelesen hat, sehr vertraut waren. Das war für mich aber vollkommen in Ordnung, weil ich die Erzählweise der Autorin mag und es faszinierend finde, wie sie diese Elemente in die jeweilige Handlung einbettet. Es ist nicht Mira Grants beste Geschichte, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich mochte das Ende sehr. Dazu kam, dass die Sprecherin Jennifer Pickens den verschiedenen Figuren genügend Individualität und Glaubwürdigkeit verliehen hat, dass ich selbst nach einer längeren Hörpause (verursacht durch ein paar Wochen Hitze zwischen zwei Puzzle-Runden) kein Problem hatte, die unterschiedlichen Charaktere einzuordnen.

Lilith Saintcrow: Rose & Thunder

Eine Urban-Fantasy-Variante von „Die Schöne und das Biest“, die begeistert von einer Autorin empfohlen wurde, deren Bücher ich gern mag. Ich muss zugeben, dass ich von „Rose & Thunder“ nicht so angetan war, obwohl ich den Roman ausgelesen habe. Grob zusammengefasst dreht sich die Handlung um einen Mann, auf dem ein Fluch lastet und der einen Ley-Linien-Knotenpunkt bewachen muss, und um eine Hexe, die dahin reist, wohin der Wind sie ruft, um Probleme zu lösen (oder vor ihren eigenen Problemen wegzulaufen). Ich mochte die Grundidee, fand aber die Protagonistin und ihre Erzählstimme unerträglich. Dass ich die Geschichte beendet habe, lag vor allem daran, dass ich herausfinden wollte, wieso jemand das Buch so begeistert empfehlen würde. Ich glaube, dass die Grundidee und all die eher ruhigen Szenen zwischen den beiden Hauptpersonen in der Bibliothek einen großartigen „cozy Fantasy“-Roman hergegeben hätten. Aber den dann bitte mit einer Protagonistin, die sich nicht durchgehend verzweifelt selbst beweisen muss, was für eine hartgesottene, coole Person sie ist, während sie einem die ganze Zeit erzählt, dass sie ja in ihrem Leben schon so viele gefährliche Situationen mit Bravour gemeistert hat. Immerhin weiß ich jetzt wieder, wieso ich Lilith Saintcrow als „keine Autorin für mich“ im Hinterkopf hatte, obwohl ich bislang nicht viel (und vor allem Kurzgeschichten in Anthologien) von ihr gelesen habe.

Amélie Wen Zhao: Song of Silver, Flame Like Night (Song of the Last Kingdom 1)

und „Dark Star Burning, Ash Falls White“ (Song of the Last Kingdom 2)

„Song of Silver, Flame Like Night“ hatte ich im Januar gelesen, und der Band hatte mir so gut gefallen, dass ich schon beim Lesen den zweiten (und abschließenden) Teil „Dark Star Burning, Ash Falls White“ bestellt habe. Amélie Wen Zhao hat mit diesen beiden Romanen chinesisch inspirierte Fantasy geschrieben, die – wie die Autorin selbst betont – von den Wuxia-/Xianxia-Geschichten beeinflusst wurde, mit denen sie aufgewachsen ist. Die Handlung dreht sich auf der einen Seite um Lan, die seit zwölf Jahren – seitdem ihr Land von den Elantian erobert wurde – als songgirl in einem Teehaus in Haak’gong lebt. Vor dieser Zeit hatte Lan einen anderen Namen, sie hatte eine liebevolle Mutter und wuchs behütet auf. Das einzige, was noch von ihrer Vergangenheit zeugt, ist ein Symbol auf ihrem Arm, dessen Bedeutung Lan bis zum heutigen Tag nicht herausgefunden hat.

Der zweite Protagonist der Geschichte ist Zen, der seit Jahren in der im verborgenen existierenden School of White Pines in den alten (magieähnlichen) Künsten ausgebildet wird. Als Zen Lan vor einem Elantian-Offizier rettet und das Symbol auf ihrem Arm sieht, ist er davon überzeugt, dass sie ein entscheidender Schlüssel im Kampf gegen die Elantian ist. Gemeinsam reisen die beiden zur School of White Pines, wo Lan hofft, mehr über das geheimnisvolle Symbol herauszufinden. „Song of Silver, Flame Like Night“ dreht sich vor allem um die Reise der beiden Figuren, um ihre Ankunft an der Schule und um all die Geheimnisse, die Lan und Zen hüten. Ich mochte diesen Teil unheimlich gern, weil er mich mit all den magischen Elementen, mit den Unterrichtsszenen und den Legenden rund um Dämonen, Götter und Magie an einige meiner (asiatischen) Lieblingsfilme erinnerte. (Und es passte überraschend gut, dass mein Mann zu der Zeit, als ich den Roman las, sehr viele Shaw-Brothers-Filme schaute. *g*)

Lan und Zen sind wirklich sympathische Figuren, und beide haben mit den traumatischen Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, zu kämpfen. Ich mochte es sehr, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie einander besser kennenlernen (und ja, wie es sich anscheinend für eine YA-Geschichte gehört, verlieben sie sich im Laufe des Romans ineinander), aber bei all den persönlichen (und romantischen) Elementen dreht sich die Handlung doch vor allem um schwerwiegendere Themen. Amélie Wen Zhao beschäftigt sich in ihrer Duologie damit, was Kolonialismus den Völkern antut, deren Länder erobert werden. Dabei werden nicht nur die Folgen durch den Einmarsch der fremden Elantian, sondern auch die Herrschaft des durch die Elantian gestürzten Kaisers thematisiert. In so vielen Szenen wird deutlich, wie viel Wissen und wie viele Fähigkeiten verloren gehen, wenn ein Volk in eine von außen aufgedrückte Form gepresst wird, statt weiter seinen eigenen Traditionen nachgehen zu können. Immer wieder zeigt die Autorin, wie schwer der Verlust der eigenen Sprache und der eigenen Wurzeln für die verschiedenen Personen wiegt.

Natürlich kommt dadurch auch die Frage auf, wie weit ein unterdrücktes Volk gehen darf, um sich gegen die Unterdrücker zu Wehr zu setzen. Lan und Zen sind da sehr unterschiedlicher Meinung, was zu so einigen Diskussionen (und herzzerreißenden Szenen) führt – wobei ich es mochte, dass die beiden Figuren nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen trafen, weil sie sich dadurch wie reale Personen anfühlten, die eben in Ausnahmesituationen nicht immer einen klaren Kopf behalten können. Allerdings hat dieses Element dann auch dafür gesorgt, dass ich die erste Hälfte des zweiten Bandes („Dark Star Burning, Ash Falls White“) nur mit sehr großen Unterbrechungen gelesen habe. Immer wieder gab es Szenen, die ich – gerade weil mir die Figuren so ans Herz gewachsen waren – ungern gelesen habe und nach denen ich erst einmal wieder eine Pause benötigte. Aber ich muss zugeben, dass Amélie Wen Zhao jede dieser Szenen auf eine Art und Weise auflöste, die ich befriedigend fand. Ich bin beim Lesen durch die gesamte Palette an Emotionen gewandert, ich habe all die wunderbar bildhaften Beschreibungen der magischen Momente genossen, ich mochte die chinesisch inspirierte fantastische Welt so sehr und ich habe so viele Figuren ins Herz geschlossen. Ich weiß nicht, ob eine russisch-inspirierte Geschichte mich ebenso überzeugen kann, aber nachdem mir diese beiden Titel so gut gefallen haben, werde ich vielleicht noch einen Blick auf die Debüt-Trilogie der Autorin werfen.

***

Anmerkung: Nach dem Lesen dieser beiden Romane und dem Schreiben dieser Rezension habe ich ein paar vereinzelte Aussagen gefunden, die Amélie Wen Zhao vorwerfen, dass sie mit diesen Büchern die Verfolgung der Uiguren durch die chinesische Regierung befürworten würde. Dazu kann ich nur sagen, dass ich auf der einen Seite viel zu wenig Ahnung von diesem Teil der Weltgeschichte habe, und auf der anderen Seite beim Lesen (besonders von „Dark Star Burning, Ash Falls White“) den Eindruck hatte, dass die Autorin aufzeigen will, wie wichtig es ist, all die Traditionen und Kulturen der verschiedenen Völker zu bewahren, und wie verdammenswert es ist, Volksgruppen in die Assimilation zu zwingen oder gar zu verfolgen.

Lese-Eindrücke Mai 2025

Anscheinend hatte ich in diesem Mai das Gefühl, ich müsste so viel wie möglich lesen, bevor das Wetter (noch) heißer wird – was dazu geführt hat, dass ich auch wieder ein paar Lese-Eindrücke sammeln konnte …

T. Kingfisher: The Seventh Bride

Ich habe mir vor einiger Zeit alle (märchenhaften) Backlist-Titel von T. Kingfisher (Ursula Vernon) als eBook zugelegt, damit ich darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf diese besondere Art von Geschichten habe. „The Seventh Bride“ ist eine Blaubart-Variante und wird aus der Perspektive der fünfzehnjährigen Rhea erzählt. Rhea ist eine Müllerstochter und ziemlich überrascht, als Lord Crevan um ihre Hand anhält. Noch schockierter ist sie, als sie beim Eintreffen auf seinem Anwesen feststellt, dass sie die siebte Braut von Lord Crevan ist – und nicht alle seine vorherigen Ehefrauen sind schon verstorben. Wie bei den vorher schon von mir gelesenen Märchenvarianten von T. Kingfisher habe ich hier wieder den Pragmatismus der Protagonistin, die überbordende (und häufig Horrorelemente aufgreifende) Fantasie der Autorin und ihren ungewöhnlichen Humor genossen. Ich mag es sehr, dass ich – bei aller Vertrautheit mit Märchen – bei T. Kingfisher nie vorhersagen kann, in welche Richtung sich eine Geschichte entwickelt und was für seltsame Dinge sie als Nächstes aufgreifen wird.

Seishi Yokomizo: Death on Gokumon Island

Nach „The Honjin Murders“ ist „Death on Gokumon Island“ der zweite Kriminalroman von Seishi Yokomizo rund um den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Im Gegensatz zu dem Vorgängerroman spielt dieser hier nach dem Zweiten Weltkrieg, und so ist es auch ein Versprechen, dass Kosuke seinem verstorbenen Kameraden Chimata gegeben hatte, das ihn auf die Insel Gokumon bringt. Kurz nach Kosukes Eintreffen werden die drei jüngeren Schwestern von Chimata eine nach der anderen auf außergewöhnliche Weise ermordet, und natürlich versucht der Detektiv herauszufinden, wer der Mörder ist. Wie schon bei „The Honjin Murders“ sind die Figuren in der Geschichte nicht besonders detailiert ausgearbeitet, was mich aber wirklich nicht stört.

Es geht mir bei diesen Romanen vor allem darum, all die kleinen Hinweise in der Handlung zu sammeln und mitzuermitteln. Dabei finde ich es spannend, dass mir auch bei dieser Geschichte viele Elemente vor der Auflösung aufgefallen waren – und dass es trotzdem immer wieder Dinge gab, die mich überraschten. Das ist etwas, was ich bei dieser Art von Kriminalroman sehr mag. Weniger nett fand ich ein (zum Glück nur sehr kurzes) Gespräch zwischen einer Handvoll junger Männer (die keine nennenswerte Rolle in der Geschichte hatten), in der sie sich auf eine Art und Weise über Frauen und Sex unterhielten, die ich abstoßend fand. Da machte es sich leider bemerkbar, dass der Roman nicht nur Anfang der 1970er Jahre, sondern auch von einem männlichen Autor geschrieben wurde. Trotzdem wird mich dieser Punkt nicht davon abhalten, auch noch den nächsten Kosuke-Kindaichi-Roman zu lesen, denn ich mag die Herausforderung, die mir diese Geschichten beim Lesen bieten, ebenso wie den Einblick in ein vergangenens Japan.

Annie Bellet: The Gryphonpike Chronicles (Complete series)

Die kompletten „Gryphonpike Chronicles“ von Annie Bellet umfassen insgesamt 224 Seiten, so dass es sich hier eher um eine Reihe von aufeinanderfolgenden Kurzgeschichten handelt als um eine Romanserie. Die Geschichten werden aus der Perspektive von „Killer“ erzählt – einer Elfe, die von ihrem eigenen Volk verflucht wurde und deshalb mit niemandem (verbal oder per Gestik/Mimik) kommunizieren kann. Der Fluch wird erst aufgehoben, wenn sie 1001 gute Tat vollbracht hat, weshalb sie sich einer Gruppe von Abenteurern angeschlossen hat. Der Weltenbau und ähnliches gehen nicht sehr tief, aber ich habe mich mit dieser Sammlung von D&D-artigen Geschichten sehr gut unterhalten gefühlt und hätte gern auch noch mehr von Killer und den anderen Abenteurern gelesen.

Becky Chambers: Monk and Robot

Mit den „Monk and Robot“-Romanen von Becky Chambers ging es mir wie mit den Murderbot-Geschichten von Martha Wells: Solange gefühlt jeder begeistert darüber redete, hatte ich keine Lust, diese Titel zu lesen, obwohl ich mir sicher war, dass sie auch mir gefallen würde. Da jetzt aber „A Psalm for the Wild-Built“ und „A Prayer for the Crown-Shy“ in einem Taschenbuch zusammen veröffentlicht wurden, habe ich die Gelegenheit genutzt und das Buch dann auch direkt nach Erhalt gelesen. Wie erwartet habe ich die Geschichte rund um Sibling Dex und Roboter Mosscap sehr genossen. Es gab in der Handlung einige berührende Momente, Denkanstöße zu den verschiedensten Themen und nicht wenige amüsante Szenen. Jetzt werde ich wohl doch mal schauen müssen, ob mir auch die Wayfarers-Serie gefallen könnte …

Antonia Hodgson: The Raven Scholar (The Eternal Path 1)

„The Raven Scholar“ ist der erste Fantasyroman von Antonia Hodgson, die bislang vor allem historische Kriminalromane geschrieben hat. Ich muss zugeben, dass ich keinen der früheren Titel der Autorin kenne, aber nach dem Lesen von „The Raven Scholar“ bin ich versucht, auch die anderen Bücher auszuprobieren. „The Raven Scholar“ spielt in dem fantastischen Land Orrun, in dem alle 24 Jahre ein Wettbewerb ausgerichtet wird, um einen neuen Kaiser zu finden. Sieben Kandidat*innen für diesen Wettbewerb werden von ihren jeweiligen Klöstern ausgewählt. Jedes Kloster ist einem der Wächtertiere von Orrun unterstellt, wobei der Drache traditionell eine ganz eigene Rolle bei diesem Wettbewerb einnimmt, die ihn von den anderen Kandidat*innen abgrenzt. Die Handlung setzt zu Beginn des Wettbewerbs ein, dessen Sieger zum Nachfolger des aktuell regierenden Kaisers Bersun gekrönt werden soll. Noch bevor die erste Herausforderung starten kann, wird jedoch eine/r der Kandidat*innen ermordet, weshalb High Scholar Neema Kraa von Kaiser Bersun mit der Mordermittlung beauftragt wird.

Neema ist eine Einzelgängerin, die mehr Feinde als Verbündete am Hof hat. Sie hat vor Jahren eine zweifelhafte Entscheidung getroffen, die sie bis heute verfolgt, und sie fühlt sich absolut nicht geeignet als Ermittlerin. Ich muss zugeben, dass Neema als Protagonistin auf den ersten Blick ziemlich klischeehaft wirkt: Das aus armen Verhältnissen stammende Genie, das allein seinen Weg geht, angetrieben von dem Bedürfnis nach Wissen und Gerechtigkeit für die von der Gesellschaft Vernachlässigten. Überhaupt scheinen all die Kandidat*innen für den Wettbewerb auf den ersten Blick klassischen Fantasy-Stereotypen zu entsprechen. Da gibt es den listigen/verspielten Fuchs, den gelehrten Raben, den mächtigen Tiger, den hart arbeitenden und gutmütigen Ochsen, den starken Bären, den kreativen Affen, den treuen Hund und den tödlichen Drachen. Ebenso vorhersehbar wie die Auswahl an Charakteren wirkt der Krimianteil der Geschichte, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ich relativ schnell entscheidende Elemente erahnt hatte. Doch sowohl bei den Figuren als auch bei der Handlung gelingt es Antonia Hodgson, so viele überraschende Wendungen und Ebenen einzubauen, dass all diese Stereotype und Vorhersehbarkeiten sich schnell als Täuschung der Autorin herausstellen.

Ich hatte ungemein viel Spaß damit, die verschiedenen Figuren besser kennenzulernen und mehr über Orrun und die verschiedenen Häuser herauszufinden. Ich fand es spannend, wie sich meine Gefühle für die verschiedenen Charaktere im Laufe der Zeit veränderten und es immer wieder neue Facetten bei den unterschiedlichen Persönlichkeiten zu entdecken gab. Und obwohl ich normalerweise mit all den Intrigen am Hof (und in diesem Fall auch innerhalb der Klöster) wenig Freude habe, fand ich es hier wirklich faszinierend, die verschiedenen Verbindungen aufzudecken und mitzubekommen welche Folge sie für den Wettbewerb, für Neema und ihre Ermittlungen sowie für das Volk allgemein mit sich bringen. Auch der Wettbewerb war von Antonia Hodgson vielseitiger gestaltet, als ich es anfangs erwartet hatte, so dass es immer wieder spannend war, mehr über die verschiedenen Herausforderungen zu erfahren und zu sehen, wie die Kandidat*innen damit umgehen.

Es gibt so unfassbar viele Details und kleine Szenen, die ich hier gern erwähnen würde, weil ich sie so fesselnd, amüsant oder ungewöhnlich fand. Aber ich traue mich nicht mal, etwas über den Prolog zu schreiben, weil all diese Dinge so gründlich miteinander verwoben sind, dass es meiner Meinung nach zu viel über die Handlung von „The Raven Scholar“ verraten würde. Im Nachhinein habe ich ein paar negative Rezensionen zu dem Buch gelesen, die sich darüber beschwerten, dass die Erzählperspektive, Neema als Protagonistin und/oder das (zu langsame) Erzähltempo ihnen nicht gefallen hätten. Ich persönlich fand die Erzählperspektive anfangs auch etwas unrund, wobei mich das nicht gestört hat (und ich kann versichern, dass es dafür einen sehr guten Grund gibt). Neema ist eine (vermutlich neurodivergente) Figur mit einigen Grauschattierungen, und um zu prüfen, ob man das beim Lesen als störend empfindet, gibt es Leseproben. Was das Tempo angeht, so gibt es anfangs sehr viele kleine Szenen, in denen die Welt und die Figuren vorgestellt werden, und ich habe mich beim Lesen dieser Passagen sehr gut unterhalten gefühlt. Richtig genossen habe ich es dann, als sich am Ende herausstellte, dass all diese Szenen kleine Puzzlestücke waren, die einen notwendigen Platz im Gesamtbild einnahmen. Ich hatte wirklich enorm viel Spaß mit „The Raven Scholar“ und hoffe sehr, dass bald der Veröffentlichungstermin des zweiten Teils der Trilogie bekanntgegeben wird.

Danie Stirling: Crumbs (Comic)

Den Comic „Crumbs“ von Danie Stirling habe ich schon im Januar gelesen, es aber bislang nicht auf die Reihe bekommen, den Titel zu rezensieren. Was ein bisschen daran liegt, dass die Geschichte (ebenso wie die Zeichnungen) einfach nur „nett“ sind. Auf der anderen Seite freue ich mich immer, wenn mein Blick auf den Band fällt, eben weil er so nett zu lesen war, weshalb ich hier doch noch etwas dazu sagen möchte. Die Handlung dreht sich um Ray und Laurie, die sich kennenlernen, da Ray eine Stammkundin in der Bäckerei von Lauries Tante Marigold ist. Die Welt, in der die beiden Charaktere leben, ist voller Magie, und ich mochte all die kleinen und größeren Details rund um diese fantastischen Alltagselemente. So bietet Marigold in ihrer Bäckerei Gebäck an, das einem hilft, wenn es um Selbstsicherheit, Liebe oder ähnliches geht, jedes Smartphone hat seine ganz eigene kleine Persönlichkeit, die – solange sie nicht zu alt ist – neue Zauber lernen kann, und sobald eine Person alt genug ist, kann sie ihre Lizenz zum Fliegen mit einem Besen erwerben.

Ebenso gefiel mir, dass Ray und Laurie schon zu Beginn der Geschichte eine Beziehung eingingen und die Handlung sich eher um die Frage dreht, ob die unterschiedlichen Träume, die die beiden für ihre jeweilige Zukunft haben, verhindern könnten, dass daraus eine langfristige Sache wird. Ray bereitet sich schon seit ihrer Grundschulzeit auf eine Ausbildung für das „Grand Council of Sorcerers“ vor, doch wenn sie dafür angenommen wird, würde das bedeuten, dass sie alle Verbindungen zu ihrer Familie und Freunden abbrechen müsste. Laurie hingegen träumt von einer Karriere als Musiker, auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, sich einigen Herausforderungen, die damit einhergehen, zu stellen. Ich mochte sowohl Ray als auch Laurie als Charaktere – und gerade rund um Laurie gibt es mit seinen Tanten und seinem Freundeskreis sehr viele sympathische Nebencharaktere.

Das führte dazu, dass die Herausforderungen, die Ray und Laurie bewältigen müssen, weniger aus ihrer eigenen Taten (auch wenn Laurie ein bisschen an sich zu arbeiten hat) entstanden als aus der allgemeinen Umstände. Beiden Figuren ist es wichtig, dass die jeweils andere Person ihre Träume verwirklichen kann, auch wenn das vielleicht bedeutet, dass sie keinen Weg finde, um ihre Beziehung fortzusetzen. Diese gegenseitige Unterstützung las sich wirklich angenehm, und auch wenn es zwischendurch ein paar bittersüße Momente gab, hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte wunderbar optimistisch endete. Keines dieser Kapitel war so bewegend, dass ich mich noch Wochen später daran im Detail erinnere, aber wann immer ich den Comic sehe, denke ich daran, wie nett diese Geschichte rund um das Erwachsenwerden der beiden Figuren und die schwierige Balance zwischen den eigenen Träumen und den Kompromissen, die eine Beziehung erfordert, zu lesen war.

Auch die Zeichnungen passen zu dieser rundum „netten und wohltuenden“ Atmosphäre, die die Handlung von „Crumbs“ vermittelt. Die matte Farbpalette und das eher weiche Charakterdesign sorgen für ansprechende, aber nicht sehr einprägsame Darstellungen. Es ist immer schwierig, eine angemessene Rezension zu schreiben, wenn eine Geschichte nur „nett“ ist. Aber ich kann sagen, dass ich das Lesen genossen habe, dass ich die Zeichnungen gern betrachtet habe und dass ich das wohltuende Gefühl, das beides in mir hervorgerufen hat, sofort wieder präsent habe, wenn ich nur das Cover des Comics sehe. Ich freue mich darüber, dass ich den Titel in meiner Sammlung habe und dass ich jederzeit darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf genau diese Art von Geschichte verspüre.

Xinran: Gerettete Worte – Reise zu Chinas verlorener Generation

Ich finde es wirklich schwierig, eine Rezension zu „Gerettete Worte – Reise zu Chinas verlorener Generation“ von Xinran zu verfassen, weil ich so viele verschiedene Gedanken zu dem Buch habe. Auf der anderen Seite hilft es mir oft, wenn ich versuche, diese Gedanken in (einigermaßen lesbare) Sätze zu fassen. In „Gerettete Worte“ veröffentlicht die Journalistin Xinran Interviews, die sie (vor allem) im Jahr 2006 mit Personen geführt hat, die im Durchschnitt 70 Jahre alt (die älteste Person war 97 Jahre alt) und so Zeitzeugen vom Aufstieg Mao Zedongs waren und die Entwicklung Chinas bis zum Anfang der 2000er mitverfolgen konnten. Mit diesen Interviews wollte Xinran einen Teil der chinesischen Geschichte festhalten, der aufgrund der Parteipolitik in China kaum – und wenn, dann sehr unzuverlässig – dokumentiert wurde.

Was mir als erstes beim Lesen auffiel, war, wie präsent Xinran in „Gerettete Worte“ ist und wie sehr ihre eigene Sicht auf die verschiedenen Dinge in ihren Interviewfragen durchscheint. Ich hatte in meiner Rezension zu ihrem Buch „Wolkentöchter“ (vor acht Jahren Oo) geschrieben, dass es mir vorkam, als ob die Autorin „anfangs unwissend und naiv an viele Themen herangegangen sei“, und auch dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass Xinran nicht wirklich in der Lage war, mit einem offenen und objektiven Blick in die Interviews zu gehen. Spannend fand ich, dass sie oft darüber klagte, dass „der Westen“ über so wenig Wissen über China verfügen würde (und das, nachdem sich das Land jahrzehntelang gegen den Westen abgeschottet und nur sehr kontrolliert Informationen verbreitet hat). Außerdem schien Xinran immer wieder zu schwanken zwischen der Parteipropaganda, die sie in ihren vierzig Jahren in China unweigerlich in sich aufgenommen hat, und dem Bedürfnis, von ihren Interviewpartner*innen offene und ehrliche Kritik an (vergangener) Parteipolitik zu hören.

Es war schon spannend zu sehen, wie sehr Xinran selbst von ihrem Aufwachsen in China unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei geprägt wurde und welche Aspekte sie dank der darauffolgenden zehn Jahren, die sie (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Gerettete Worte) in Großbritannien gelebt hat, kritisch ansprach. Xinrans Mischung aus Stolz auf den rasanten Fortschritt, den China zum Ende des Jahrhunderts gemacht hat, und den Zweifeln daran, ob die chinesische Regierung richtig handelt, wenn sie alles „Alte“ ausmerzt, fand ich sehr faszinierend. Xinran spricht im Laufe des Buchs selbst an, dass sie sich immer wieder dabei ertappt, dass sie bei Kritik an China sofort das Bedürfnis hat, auf all die Errungenschaften des Landes hinzuweisen, und beim Lesen fiel es mir sehr ins Auge, wie sie bei ihren Ansichten zwischen „es gibt so viele verschiedene Volksgruppen“ in China und „alle Chinesen (einer bestimmten Generation) sind genau so“ wechselte. Mir persönlich war es nicht möglich, diese subjektive Färbung aus den Texten herauszufiltern, und so hat mich Xinran als Interviewerin ebenso sehr beschäftigt wie ihre Interviewpartner*innen.

Was die Interviews selbst angeht, so ist es Xinran gelungen, wirklich eine große Brandbreite an Gesprächspartner*innen für „Gerettete Worte“ zu finden. Dabei wird natürlich auch hier wieder deutlich, wie sehr diese verlorene Generation von der Politik des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurde. Es gibt sehr viele Passagen, die sich um die Aufopferungsbereitschaft der Interviewpartner*innen für die Partei drehen oder um die großartigen Entwicklungen, die ihre Arbeit ermöglicht hat, und nur sehr selten liest man einen Hauch von Kritik an den damaligen Plänen der Partei und die damit verbundene Willkür, der diese Personen häufig zum Opfer fielen. Dabei strotzen diese Interviews von Beschreibungen eines unfassbar harten Lebens, von Hunger und Tod, von Misshandlungen und Verfolgung, und oft genug habe ich eine Passage gelesen und mich am Ende gefragt, wie diese Person das überhaupt überlebt hat.

Es macht für mich definitiv einen Unterschied, ob ich mich anhand eines sachlichen Artikels über den „Langen Marsch“ informiere oder ob ich ein Interview mit einer Person lese, die dabei war und deren Füße den Rest ihres Lebens davon zeugten. In „Gerettete Worte“ kommt nicht nur ein Überlebener des „Langen Marschs“ zu Wort, sondern auch eine Generalin, die für Bildung zuständig war, ein Ehepaar, das an der Urbarmachung einer Wüste mitwirkte, und eine Akrobatin, die zu einer Zeit ins Ausland reiste, als China sich noch vom Rest der Welt abkapselte. Ich fand es spannend zu sehen, wie ein ehemaliger Bandit seine damalige Lebensweise beschönigte, während ein ehemaliger Polizist überraschend viel Zynismus in seinem Interview durchscheinen ließ. Obwohl „Gerettete Worte“ vor fast zwanzig Jahren veröffentlicht wurde, habe ich viele Informationen in dem Buch gefunden, die bei mir Wissenslücken geschlossen und mir neue Hintergründe zu schon bekannten Informationen verschafft haben. Außerdem war es wirklich berührend, all diese verschiedenen Personen kennenzulernen und mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren.

Anne Ursu: Breadcrumbs

Nach „The Troubled Girls of Dragomir Academy“ und „The Lost Girl“ von Anne Ursu habe ich mit „Breadcrumbs“ zu einem älteren Backlist-Titel der Autorin gegriffen . Die Handlung dreht sich um die Fünftklässlerin Hazel, die seit einem Schulwechsel das Gefühl hat, dass mit ihr irgendwas nicht in Ordnung ist. Wobei der Schulwechsel nur eine von mehreren Folgen des Umstands ist, dass Hazels Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, um eine andere Frau zu heiraten. Zum Glück gibt es Jack, Hazels besten Freund, der im Nachbarhaus wohnt und mit dem sie den Großteil ihrer Freizeit verbringt. Wenn sie mit Jack zusammen ist, kann Hazel einfach sie selbst sein. Gemeinsam denken sich die beiden Superhelden aus, erleben Abenteuer und können die Sorgen, die zu Hause auf sie warten, vergessen. Doch dann verschwindet Jack, und Hazel ist sich sicher, dass es ihre Aufgabe als seine beste Freundin ist, ihn nach Hause zu bringen.

Der fantastische Teil der Handlung von „Breadcrumbs“ ist unübersehbar an das Märchen „Die Schneekönigin“ angelehnt, aber bevor dieser fantastische Teil überhaupt zum Tragen kommt, lernen wir in der ersten Hälfte des Romans erst einmal gründlich Hazel und ihr Umfeld kennen. Ich mochte die Protagonistin sehr und habe sie gern in ihrem Alltag begleitet, auch wenn mich ihr Leben (ebenso wie Jacks) häufig traurig gemacht hat. Hazel fühlt sich ständig fehl am Platz und weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie adoptiert wurde, daran, dass sie zu viel Fantasie hat, oder daran, dass alle anderen im Gegensatz zu ihr anscheinend genau wissen, welche Regeln in welcher Situation gerade gelten. Weshalb Jack und die Tatsache, dass er sie so akzeptiert, wie sie nun einmal ist, für Hazel umso wichtiger ist. Bei ihm muss sie sich keine Gedanken darüber machen, ob sie sich richtig verhält. So wie sie jederzeit für ihn da ist, ist er immer bereit, Zeit mit ihr zu verbringen und sich auf ihre Ideen einzulassen.

Mit Jacks Verschwinden wechselt der Schauplatz von Hazels häufig herausfordernden Alltagsrealität zu einem unheimlichen magischen Wald voller Gefahren für das Mädchen. Hazel weiß, dass ihre Suche nach Jack riskant ist, aber sie fürchtet, dass sie die einzige ist, die ihn nach Hause bringen kann. Doch ihre Reise ist gefährlicher und herausfordernder, als sie es sich hätte vorstellen können, vor allem, da in dem magische Wald andere Spielregeln gelten, als Hazel es anhand all der von ihr gelesenen Fantasybücher erwartet hätte. Ich mochte die vielen verschiedenen märchenhafte Elemente, die Anne Ursu im späteren Teil des Romans aufgegriffen hat, und fand es sehr spannend, wie vielen bedrückenden Lebensgeschichten Hazel auf ihrer Reise begegnet. Dabei habe ich das Gefühl, dass die Autorin sehr gut die Balance hält zwischen märchenhafter Ummantelung von realen und eigentlich ziemlich verstörenden Themen (wie Depressionen, Missbrauch, alkoholkranke Eltern u. ä.) und überraschend klaren – und fast schon poetischen – Beschreibungen der Folgen, die diese Probleme für alle Beteiligten haben.

Das Ganze macht „Breadcrumbs“ zu keinem fluffig-märchenhaften Buch, aber zu einer wunderschönen und häufig ziemlich melancholischen Geschichte rund um die vielen verschiedenen Themen, die das Erwachsenwerden mit sich bringen. Dabei hätte ich die Handlung vermutlich deutlich weniger genossen, wenn Anne Ursu nicht immer wieder so wunderschöne, überraschende und treffende Sätze gefunden hätte, um Hazels Gedanken in Worte zu fassen. Ich habe es wirklich genossen, immer wieder an diesen Sätzen hängenzubleiben und sie dann in mir nachklingen zu lassen. Ebenso habe ich es gemocht, dass es in dem Buch so einige Illustrationen von Erin McGuire gibt, die auf der einen Seite die melancholische Stimmung der Geschichte wunderbar einfangen und auf der anderen Seite immer wieder zeigen, wie wichtig und wohltuend ihre Freundschaft für Hazel und Jack ist. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die bisher von mir gelesenen Romane von Anne Ursu waren, auch wenn alle eine ähnliche Atmosphäre hatten. Das macht mich auf jeden Fall neugierig auf die weiteren (Backlist-)Veröffentlichungen der Autorin – nur gut, dass ich schon ihren aktuellsten Titel („Not Quite a Ghost“) auf meinem SuB habe.

Lese-Eindrücke April 2025

Ich habe im April gar nicht so wenig gelesen, aber relativ wenige Sachen, zu denen ich hier einen Lese-Eindruck festhalten kann.

Angie Thomas: The Manifestor Prophecy (Nic Blake and the Remarkables 1)

„The Manifestor Prophecy“ von Angie Thomas lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB – vor allem, da ich in den letzten Jahren einige fantastische Romane von Schwarzen Autor*innen gelesen habe, deren Inhaltsangabe ähnlich klang und ich lieber etwas Abstand beim Lesen solch vergleichbarer Büchern habe. Aber da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr ältere Bücher vom SuB zu lesen, habe ich dieser Geschichte endlich eine Chance gegeben. Die Handlung dreht sich um die zwölfjährige Nic (Nichole), die zu den Remarkables (Personen mit magischen Fähigkeiten) gehört, die aber in einem „Unremarkable“-Umfeld aufwächst – was bedeutet, dass sie und ihr Vater ihre Magie verstecken müssen. Rund um ihren zwölften Geburtstag passieren dann einige unheimliche Dinge, die u. a. dazu führen, dass Nics Vater verhaftet wird, während sie mit zwei anderen Teenagern auf die Suche nach einem magischen Artefakt gehen muss.

Ich mochte Nic und die anderen Charaktere, die sich Angie Thomas für ihre Geschichte ausgedacht hat, sehr gern. Mir gefiel die magische Parallelwelt ebenso wie die diversen Anspielungen auf afrikanische Legenden sowie auf – leider häufig bedrückende – frühere und aktuelle Schwarze Historie. Außerdem gab es immer wieder wunderbar amüsante Momente als Ausgleich dafür, dass Nic und die anderen sich häufig in bedrohlichen Situationen wiedergefunden haben. Aber ich muss auch zugeben, dass mir viele Elemente in dem Roman sehr vertraut vorkamen, weil er sich jetzt nicht so sehr von anderen fantastischen Middle-Grade-Romanen (Schwarzer Autor*innen) unterschied. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich habe Lust, auch noch die Fortsetzung zu lesen, aber ich hoffe ein bisschen, dass Angie Thomas als Fantasyautorin in Zukunft noch einen etwas individuelleren Stil entwickeln wird.

Catie Murphy: Death of a Irish Druid (Dublin Driver Mysteries 6)

„Death of an Irish Druid“ ist der sechste (und bedauerlicherweise vorerst letzte) Band der Dublin-Drivers-Mysteries und er hat mir besonders gut gefallen. Diese cozy-mystery-Reihe dreht sich um die in Irland lebende Amerikanerin Megan Malone, die mit einem mit ihr befreundeten amerikanischen Ehepaar unterwegs ist, als sie über die Leiche eines selbsternannten Druiden stolpert. Obwohl auf den ersten Blick alles nach einem Unfall aussieht, gibt es so viele Ungereimtheiten rund um diesen Todesfall, dass Meg ihrer Neugierde nachgibt und mehr über den Verstorbenen und sein Leben herausfinden will. Ich fand es angenehm, dass dieses Mal die Vorraussetzungen für Megans Ermittlungen ganz anders waren als in den vorhergehenden Bänden. So ist ihr Freund, der für die Garda arbeitet, gerade im Ausland, dafür wird sie rundum von dem Ehepaar unterstützt, das gerade zu Besuch in Irland ist – was zu einigen amüsanten Szenen führt, wenn zum Beispiel amerikanische und irische Gepflogenheiten aufeinanderstoßen.

Das führt dazu, dass sich dieser Band anders anfühlt als die vorhergehenden, ohne dass ich auf all die Dinge, die ich sonst schon so in den Geschichten gemocht habe (all die kleine persönliche Geheimnisse, die von Megan aufgedeckt werden/das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Freunden/Megans Fürsorge für diejenigen, die unter dem plötzlichen Verlust einer wichtigen Person leiden), verzichten musste. Dazu habe ich überraschende Details zu den unterschiedlichsten Themen wie britische Adelstitel in Irland, Irisches Erbrecht und Renaturierungsvarianten gelernt und mich dabei großartig unterhalten. Ich hoffe sehr, dass Catie/C.E. Murphy noch eine Möglichkeit findet, die weiteren vier Romane, die sie für diese Reihe schon geplant hatte, auch ohne den ursprünglichen Verlag zu veröffentlichen. Ich wüsste wirklich gern, wie es mit Megan nach diesem Band weitergeht und über welche Leichen sie in Zukunft noch stolpern wird.

Ariana Jade/Arizona Tape: The Coffee House Witch and the Grumpy Cat (The Cobblestone Coven 1)

„The Coffee House Witch and the Grumpy Cat“ hatte ich vorbestellt, als der Titel noch „The Coffee House Witch“ hieß, der Veröffentlichungstermin noch einige Wochen früher angesetzt war und das eBook noch ohne Seitenzahl gelistet wurde. Was bedeutete, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich meine 99 Cent für eine nett klingende Kurzgeschichte oder für einen fantastischen Liebesroman ausgeben würde. Am Ende hatte die Geschichte einen Umfang von knapp über 100 Seiten und fühlte sich an, als ob ich den Anfang eines cozy Fantasy-Romans gelesen hätte. Die Handlung dreht sich um Hexe Cassiopeia, die nach zehn Jahren in „der Stadt“ zurück zu ihrer Großmutter zieht und ihr in ihrem Café hilft. Cassi weiß nicht so recht, wie es in Zukunft mit ihr weitergehen soll: Ihre Verlobung ist in die Brüche gegangen, ihren Job hat sie deshalb auch verloren (da ihre Chefs die Eltern ihrer Ex-Verlobten waren) und ihre Magie ist zur Zeit etwas wackelig.

Die Handlung war (soweit vorhanden) nett, ich mochte die Figuren rund um die Protagonistin (ehrlich gesagt mehr als Cassi selbst), ich habe grundsätzlich eine Schwäche für Geschichten, die in unserer Welt plus einem Hauch von Magie spielen, und auch wenn die diversen tierischen Familiare etwas gewollt niedlich-eigenwillig waren, war das okay zu lesen. Es störte mich auch nicht, dass von Anfang an offensichtlich war, dass Cassi im Laufe der Zeit Gefühle für ihre beste Freundin aus Kindheitstagen entwickeln wird. Was mich hingegen störte, war, dass ich mit diesem Band keine vollständige Geschichte bekommen habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine längere Leseprobe gelesen hätte statt einer eigenständigen Novella. Und diese „Leseprobe“ war zwar ganz nett, aber jetzt nicht so überzeugend, dass es mir wert wäre, einige Wochen auf die nächste Portion der Geschichte zu warten und dafür dann drei Euro auszugeben, ohne vorhersagen zu können, ob dieser Teil sich beim Lesen dann befriedigender anfühlen wird …