Kategorie: Rezension

Matthew Pearl: Das letzte Kapitel

Bei der „Klappentextfrage“ hatte ich euch ja gefragt, was ihr bei der Inhaltsangabe von „Das letzte Kapitel“ erwarten würdet, und insgesamt ging die Tendenz bei euren Antworten schon zu einem spannenden historischen Krimi/Thriller. Während Natira sogar so verwegen war und übernatürliche Elemente in die Diskussion warf, meinten Soleil und Ailis, dass zumindest etwas Grusel zu erwarten sei. Ich persönlich hatte übrigens einfach nur einen schlichten historischen Bostoner Kriminalroman – vielleicht mit einem Hauch „Jack the Ripper“ von der Stimmung her – erwartet, obwohl der Klappentext schrecklich reißerisch formuliert ist.

Umso erstaunter war ich, dass ich mich beim ersten Kapitel in Indien wiederfand, wo zwei junge britische Polizisten (Turner und Mason) sich auf „Räuberjagd“ befanden. Erst das zweite Kapitel brachte mich nach Boston, wo ich erleben musste, wie ein junger Mann mit einem Bündel Seiten in den Händen verwirrt durch die Straßen wankt, während er von einer unheimlichen Gestalt mit einem auffälligen Gehstock verfolgt wurde. Und nein, es handelte sich bei dem jungen Mann nicht um Sylvanus Bendall, sondern um den Büroboten Daniel, der im Auftrag des Verlegers Osgood unterwegs war. Daniel stirbt und die Manuskriptseiten, die er am Hafen abgeholt hatte, verschwinden. Doch nach dieser fesselnden Szene beginnt für den Leser kein spannender Kriminalroman, stattdessen durfte ich fast die Hälfte des Buches hinter mich bringen, bis wieder ein wenig Spannung bei mir aufkam.

Denn trotz der Krimielemente ist dieses Buch vor allem eine Hommage an den Schriftsteller Charles Dickens, die Matthew Pearl mit vielen Details über sein Leben und die Zeit, in der er lebte, ausschmückte. So wird die Geschichte in drei Handlungssträngen erzählt. Einmal erlebt man aus der Perspektive des Verlegers Osgood, wie die Verlagswelt im Jahr 1870 in Amerika aussah, welche Rechtsprobleme es bei Büchern ausländischer Autoren gab und wie wichtig es für das Verlagshaus Fields, Osgood & Co. war, die letzten Seiten, die Dickens geschrieben hatte, in die Hände zu bekommen. Dieser Teil ist unterhaltsam und für jeden Buchliebhaber interessant – und wird von Matthew Pearl auch gleich als Aufruf an die Verlagswelt genutzt, dass Qualität und eine anständige Behandlung der Autoren wichtiger sind als das schnelle Geld.

Der zweite Erzählstrang dreht sich um Charles Dickens’ letzte Reise nach Amerika, um seine Erlebnisse dort – sehr faszinierend, was für ein Kult damals um den Autor betrieben wurde –, seine Person und sein Umfeld. Der dritte Teil spielt in Indien, und auch wenn man das anfangs nicht vermutet, so lernt man hier Charles Dickens’ Sohn Frank kennen. Während die ersten beiden Handlungsstränge mir ein paar neue Erkenntnisse über die Zeit, über Charles Dickens und über das Verlegerhandwerk im Jahr 1870 gebracht haben, hatte ich bei den Indien-Passagen immer ein großes Fragezeichen im Gesicht, weil ich den Teil lange nicht mit der restlichen Geschichte in Verbindung bringen konnte. Und ganz ehrlich, für die dünne Verknüpfung, die sich dann am Ende ergibt, hätte man diesen Part nicht in das Buch einbringen müssen.

Abgelenkt durch das Indienkapitel am Anfang und weil ich einen Krimi erwartete, brauchte ich ziemlich lange, bis ich in das Buch reingefunden hatte. Erst als ich das Ganze als historischen Roman rund um Dickens akzeptierte und nicht länger einen spannenden Krimi, der mit realen historischen Elementen spielt, erwartete, konnte ich mich mehr auf die Geschichte einlassen. Matthew Pearl hat mir beim Lesen das Gefühl gegeben, dass er sehr sorgfältig recherchiert hat und dass seine Darstellungen von Boston und England und den damaligen Lebensumstände sehr realistisch sind. Das hat mir – ebenso wie die Figur des Verlegers Osgood – sehr gut gefallen, war aber nicht besonders mitreißend geschrieben.

Auch die ständigen Zeitsprünge zu Dickens‘ Lesereise durch Amerika oder die Abschweifungen auf die Ereignisse in Indien haben bei mir nicht die Neugierde angefacht, sondern mir eher das Gefühl verliehen, dass die Handlung einfach schlecht konzipiert ist. Trotz des Rätsels um Charles Dickens’ letzten Roman fehlten mir einfach die kleinen, raffinierten Elemente, mit denen ein guter Autor die Spannung beim Leser hält und dafür sorgt, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Erst ganz am Schluss gibt es einen etwas rasanteren Showdown, doch so ganz konnte mich der nicht für die ausschweifige Erzählweise entschädigen.

Als Hommage an Dickens und an seinen unvollendeten Roman „Das Geheimnis des Edwin Drood“, ebenso wie an die integren amerikanischen Verleger, die ein Buch als Gesamtkunstwerk verstehen und nicht als Ramschware, ist „Das letzte Kapitel“ eine faszinierende – wenn auch etwas langatmige – Lektüre, doch dann hätte man auf so einige Passagen (zum Beispiel die Handlung in Indien) verzichten können. Als Kriminalroman hingegen würde ich dieses Buch eher nicht bezeichnen …

[Graphic Novel] Jane Austen (und Nancy Butler): Pride and Prejudice

Eigentlich hatte ich diese Graphic Novel ja mit dem Hintergedanken an die „I’m in English“-Challenge noch im SuB-Regal liegen lassen. Aber letztes Wochenende hatte ich dann doch  zuviel Lust auf die Geschichte, um sie nicht endlich zu lesen. In der Reihe „Marvel Classics“ wurden hauptsächlich Romanklassiker wie „Picture of Dorian Gray“, „The Three Musketeers“ und „The Iliad“ umgesetzt. Diese Themen sprechen – nach Meinung der Autorin Nancy Butler – vor allem Jungen an, und so war sie sehr erfreut über die Möglichkeit für Marvel eine Geschichte umsetzen zu können, die eher Mädchen ansprechen und in die Comicläden locken sollte. Und bei der witzigen Coveridee könnte das sogar funktioniert haben, wenn die kaufenden Mädchen keine Ahnung hatten, was das für eine Geschichte ist.

Im Vorwort informiert Nancy Butler nicht nur darüber wie es zu der Grundidee zu dieser Graphic Novel kam, sondern erzählt auch wie sie versuchte die Sprache Jane Austens zu modernisieren, um dann einzusehen, dass das Original doch die ansprechendste Version ist. So hat sie die Dialoge des Romans unangetastet gelassen und nur durch eine Erzählperspektive die Geschichte (deutlich) gekürzt. Trotzdem hatte ich beim Lesen von „Pride an Prejudice“ das Gefühl ein sprachlich stimmiges Gesamtwerk vorzufinden – was mir gut gefallen hat.

Deutlich mehr Kritikpunkte finde ich allerdings an den Zeichnungen. Obwohl Hugo Petrus sich merklich Mühe gegeben hat, um die Atmosphäre der Zeit einzufangen, und obwohl viele Details liebevoll und stimmig dargestellt werden, habe ich mich beim Betrachten der Bilder immer wieder geärgert. Versteht mich nicht falsch, es gibt wunderschöne Zeichnungen in diesem Comic – vor allem, wenn man an amerikanische Superheldencomics (samt üppiger Lippen und wallenden Haarmähnen bei den Damen) gewöhnt ist, dann gibt es eigentlich an den Darstellungen nichts zu meckern. Aber wenn man die Abbildungen vor dem Hintergrund betrachtet, dass das eine Geschichte ist, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielt, dann gibt es so viele Ärgernisse. Allein über die Frisuren hätte ich mich aufregen können, denn adrett zu sein galt damals doch zu viel, als dass eine Frau so rumgelaufen wäre. 😉

Wenn man aber über dieser Kleinigkeiten hinwegsehen kann, dann bietet einem „Pride and Prejudice“ als Graphic Novel eine gute Möglichkeit mal in die Geschichte hineinzuschnuppern. Wer noch nicht mit Jane Austen vertraut ist, kann so herausfinden, ob ihm die Sprache und die Geschichten, die dieser Autorin erzählt, zusagen. Für „Zwischendurch“ ist diese Präsentationsform auf jeden Fall geeignet, auch wenn viel von dem Witz und der Gesellschaftskritik Jane Austens – natürlich – auf diese Weise verloren geht. Da „Sense and Sensibility“ von einem anderen Zeichner umgesetzt wurde und ich mal wieder neugierig bin, wird diese Geschichte demnächst auch noch bei mir als Graphic Novel einziehen.

Agatha Christie: Passenger to Frankfurt

Über „Passenger to Frankfurt“ bin ich in einer der Agatha-Christie-Biografien gestolpert, die ich letztes Jahr gelesen habe. Da stand, dass dies der einzige Roman sei, der nicht ins Deutsche übersetzt worden sei – und natürlich war ich neugierig, was das für eine Geschichte ist. (Inzwischen habe ich übrigens rausgefunden, dass das Buch 2008 ins Deutsche übersetzt wurde, allerdings scheint die Ausgabe nicht mehr erhältlich zu sein.) Auf jeden Fall ist „Passenger to Frankfurt“ kein gewöhnlicher Christie-Roman, obwohl das nicht das einzige Buch ist, in dem sich die Handlung um Spionage dreht. Aber in diesem Buch bezieht sich die Autorin ungewöhnlich oft auf die „jüngste“ Vergangenheit (der Roman erschien 1970) und es fallen einige kritische Bemerkungen zu Politik und Diplomatie.

Hauptfigur dieser Geschichte ist Sir Stafford Nye, ein junger Diplomat, der die großen Hoffnungen, die einst in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllt hat. Denn für seinen Beruf verfügt er über einen überaus unpassenden Humor, der ihn zu einem unberechenbaren Gesprächspartner macht, was einem Karriereaufstieg deutlich im Wege steht. Und sein Humor und sein Sinn für absurde Situationen sind es auch, die ihn auf einem Heimflug in Schwierigkeiten bringen. Denn als er in Frankfurt darauf wartet, dass der Nebel in London sich soweit verzieht, dass der Flug weitergehen kann, wird Stafford von einer jungen Frau angesprochen. Diese Dame wurde durch die Zwischenlandung in Frankfurt in große Schwierigkeiten gebracht und benötigt nun Hilfe, um sicher weiter nach England reisen zu können. Von seiner Abenteuerlust angestachelt, lässt sich Sir Stafford Nye dazu überreden ihr seinen ungewöhnlichen Mantel und seinen Pass zu überlassen, damit sie in seine Rolle schlüpfen und so sicher heimkehren kann.

Nach dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation zieht sich die Geschichte erst einmal ganz schön hin. Sir Stafford Nye wird bei seiner Heimkehr misstrauisch vom Geheimdienst beäugt, weil er sich in Frankfurt angeblich hat betäuben und ausrauben lassen und weil sein Pass ohne ihn heimgeflogen ist. Die Behörden sind sich nicht sicher, ob der Diplomat nicht vielleicht in unsaubere Geschäfte verwickelt ist – auch wenn der eine oder andere Beamte den Verdacht hegt, dass Stafford harmlos ist und nur sein allseits bekannter Humor ihn in diese Situation gebracht hat. Stafford hingegen versucht mehr über die geheimnisvolle Frau herauszufinden, fragt sich, ob sie heil nach England gekommen ist – und muss feststellen, dass jemand seine Schritte genau im Auge behält. Letztendlich entwickelt sich die Handlung zu einer eher unglaubwürdigen Geschichte rund um eine geheimnisvolle Organisation, die versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mehr will ich dazu gar nicht verraten, für den Fall, dass einer von euch das Buch noch lesen will.

Obwohl  immer wieder Szenen und Figuren auftauchen, die ich als sehr typisch für Agatha Christie empfinde – vor allem Staffords Großtante Matilda erinnerte mich an so einige meiner „viktorianischen“ Lieblingsladys in den anderen Krimis-, konnte mich „Passenger to Frankfurt“ nicht so recht überzeugen. Die Handlung zieht sich hin und bei einigen Passagen habe ich mich gefragt, zu welchem Zweck sie überhaupt in das Buch eingebaut wurden. Während anfangs Sir Stafford Nye als Hauptfigur fungierte, wird die Spionagegeschichte letztendlich doch von einem Haufen Politikern und Geheimdienstmitarbeitern beendet – und auch wenn ich mich immer wieder über ein Wiedersehen mit Mr. Robinson (der Mann, der einfach alles über Geld weiß) freue, so sind diese Szenen doch eher langweilig zu lesen. Doch vor allem habe ich mich über die Unglaubwürdigkeit der Geschichte geärgert. Eigentlich gibt es einige interessante Ansätze, wie die geheimnisvolle Begegnung am Flughafen, die faszinierende Spionin und die unheimliche Organisation, aber letztendlich kann Agatha Christie keinen Handlungsstrang überzeugend zuende führen.

Ich bedauere nicht, dass ich „Passenger to Frankfurt“ gelesen habe, denn so habe ich auch diese Seite von Agatha Christies Werk kennengelernt, aber noch einmal werde ich die Geschichte bestimmt nicht lesen. Nur gut, dass ich das Buch aus der Bibliothek ausleihen konnte. Oh, und „Passenger to Frankfurt“ ist mein Februar-Buch für die „I’m in English“-Challenge gewesen.

Richard Castle: Heat Wave

Der Roman „Heat Wave“ hat seinen Ursprung in der Fernsehserie „Castle“, da dort von der Hauptfigur Richard Castle eine Geschichte mit diesem Titel verfasst wurde – und die Serienmacher es dann für keinen schlechten Marketingtrick hielten, so ein Buch auch tatsächlich zu veröffentlichen. Die Serie kenne ich bislang noch nicht. Aber da Bibendum so ein Fan davon ist und mir Serie und Bücher nahebringen wollte, lieh sie mir sowohl „Heat Wave“ als auch den Folgeband „Naked Heat“. Und weil das Buch so schön dünn ist, hatte ich mir „Heat Wave“ als Einstieg für die „I`m in … English“-Challenge vorgenommen (zumindest nachdem ich mit der Liebesroman-Leihgabe von Irina nicht so recht vorankam 😉 ).

Leider hat mich „Heat Wave“ nicht so ganz überzeugen können. Ich könnte mir vorstellen, dass man als Fan der Serie – wenn ich Bibendums Meinung richtig in Erinnerung habe – Parallelen zwischen den Protagonisten ziehen könnte, aber für mich war das Ganze nur eine nicht besonders spannende Kriminalgeschichte. Die Hauptfiguren von „Heat Wave“ sind die Polizistin Nikki Heat und der Journalist Rook, der einen Hintergrundbericht über die New Yorker Polizei und ihre Arbeit schreibt. Nikki ist eher genervt von ihrem ständigen Begleiter (fühlt sich aber auch von ihm angezogen), während sie ermitteln soll, wer den erfolgreichen Bauunternehmer Matthew Starr ermordet hat. Dieser ist nämlich aus dem sechsten Stockwerk seines Wohnhauses gestürzt – und alle Anzeichen sprechen dafür, dass das kein freiwilliger Flug vom Balkon war. Dabei scheint es auf den ersten Blick keinen Grund für eine solche Tat zu geben. Das Opfer war zwar (erfolg)reich, aber anscheinend ein geachteter Mann, der mit seiner hübschen (und deutlich jüngeren) Ehefrau eine vorzeigbare Ehe führt. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass weder die finanzielle noch die berufliche oder private Situation des Opfers so beneidenswert waren, wie man hätte vermuten können.

Während der Kriminalfall eher Standard ist, gibt es häufig amüsant gemeinte Dialoge zwischen den beiden Protagonisten Nikki und Rook, die in meinen Augen aber nicht immer funktionieren. Denn es gibt schon einen deutlichen Unterschied zwischen einer Geschichte, die als Serienfolge ausreicht, und einem unterhaltsamen und soliden Roman. Und während gute Schauspieler (und eine durchlaufende Hintergrundidee) aus einer durchschnittlichen Krimihandlung (und einem in ähnlicher Form schon diverse Male gehörten Dialog) noch eine unterhaltsame Sache machen können, fehlt bei einem Roman diese ausgleichende Funktion der Schauspieler, und so liegen die Handlungsschwächen offen zutage. Auch hat für mich die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren lange Zeit nicht gestimmt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich die Castle-Serie kennen – und mögen – würde, aber so fand ich den „Schlagabtausch“ zwischen Nikki und Rook vorhersehbar und viel zu oft für mich nicht nachvollziehbar.

„Heat Wave“ ist unübersehbar wie eine Serienfolge konzipiert – und das ist für mich kein positives Merkmal. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass ich in den letzten Jahren so viele amerikanische Krimiserien gesehen habe, dass ich inzwischen nicht nur übersättigt bin, sondern in der Regel auch nach der ersten Viertelstunden sagen kann, in welche Richtung die Drehbuchautoren den Plot weitergesponnnen haben. (Hm, das könnte ein Grund dafür sein, dass mein Mann mit mir keine Krimiserien mehr gucken will – oder es ist die Tatsache, dass unserem Gefühl nach die Serien immer schlechter werden. 😉 ) Vermutlich hätte ich kein Problem mit der Klischeehaftigkeit der Figuren und dem nur langsam anlaufenden Kriminalfall, wenn ich mich abends mit abgeschaltetem Gehirn vor den Fernseher setzen würde, aber als Roman hat mich das Ganze einfach nicht packen können. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob Bibendums Bekehrungsversuche zur Fernsehserie nächste Woche Erfolg habrn – und wer weiß, wenn das klappen sollte, dann sehe ich den Roman ja vielleicht auch mit anderen Augen. 😉

Oh, noch ein Nachtrag: Auch wenn ich „Castle“ nicht kenne, so habe ich einige Folgen von „The Mentalist“ (auch keine Serie, die mich begeistert) gesehen und bei dem Verhalten von Nikki und Rook musste ich regelmäßig an die Hauptfiguren dieser Serie denken – was ein weiterer Punkt war, warum ich mit dem Buch nicht warm geworden bin …

Michael Koser: Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen 2 – Das sicherste Gefängnis der Welt

„Das sicherste Gefängnis der Welt“ ist die zweite Folge rund um den genialen Wissenschaftler van Dusen – und wer sich die Kommentare zu der Hörspielproduktion anhört, die man am Ende der CD präsentiert bekommt, der erfährt auch noch so einiges über den Autor, die beiden Regisseure und weitere Hintergründe der Serie. Doch so interessant das alles ist, ich habe vor allem diese wunderbare Geschichte genossen!

Alles beginnt an einem Abend, an dem Professor van Dusen gemeinsam mit ein paar Freunden in einem Restaurant isst. Unter ihnen befindet sich auch der Gefängnisdirektor Ransome und seine Frau, und als van Dusen die Meinung äußert, dass der menschliche Geist in der Lage ist sämtliche Hindernisse zu überwinden, fühlt sich Ransome herausgefordert. So kommt es zu einer ungewöhnlichen Wette: Professor van Dusen erklärt sich bereit eine Woche lang „Gast“ in dem von Ransome geleiteten Gefängnis zu sein.

Dieser Knast gilt als das sicherste Gefängnis der Welt und so ist sich der Direktor sicher, dass die Kerkermauern für den Professor – auch bekannt als „Die Denkmaschine“ – zu einem unüberwindbaren Problem werden. Der Professor hingegen bleibt bei der Meinung, dass ein intelligenter Mensch auch mit so einer Situation fertig wird. So liegt es nun an ihm zu beweisen, dass es ihm auch unter normalen Gefängnisbedingungen gelingt aus der besonders sicheren Todeszelle auszubrechen, um eine Woche später eine weitere Essensverabredung einzuhalten. Schafft der Professor diesen Gefängnisausbruch, so muss Ransome für die Rechnung aufkommen – ansonsten geht das Essen auf die Kosten des Wissenschaftlers …

Die ersten „Van Dusen“-Hörspiele erinnern mich immer an ein Kammerspiel. Es gibt nur wenige Figuren und die Geschichte wird sehr konzentriert präsentiert. Wieder ist es der Reporter Hutchinson Hatch, der dem Zuhörer von den Geschehnissen berichtet – und nur eine kleine Bemerkung am Anfang gibt einen Hinweis darauf, wie es dem Professor letztendlich gelingen könnte, aus seiner Zelle auszubrechen. Ansonsten kann man verfolgen wie van Dusen seine Umgebung (inklusive Ratten und Gefängniskost) erkundet, wie er versucht den Wärter auszuhorchen und wie seine ungewöhnlichen Aktivitäten im Laufe der Woche für nicht wenig Stress bei dem Gefängnisdirektor Ransome sorgen. Alles in allem ist es eine wirklich amüsante Krimifolge, in der es zwar nicht um Leben und Tod geht, bei der die Geschichte trotzdem spannend zu verfolgen ist. Schließlich geht es darum, dass der Professor unter Beweis stellen muss, dass sein Verstand jeder Gefängnismauer überlegen ist!

Michael Koser: Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen 1 – Eine Unze Radium

Ich muss gestehen, mit dieser Rezension möchte ich ein bisschen Werbung für eine ganz wunderbare Hörspiel-Reihe machen. Denn je mehr Leute sich dazu überwinden die CDs zu kaufen, desto größer ist die Chance, dass auch die weiteren Folgen irgendwann gekauft werden können. Ich habe die „Van Dusen“-Hörspiele leider nicht durch die Radioausstrahlungen (die 1978 begannen) kennengelernt, sondern Jahre später von einer Freundin Mitschnitte geliehen bekommen. Nachdem mir diese Radio-Mitschnitte gut gefallen hatten, habe ich natürlich versucht irgendwie selber an die „Van Dusen“-Folgen zu kommen, aber zu der Zeit gab es – unter anderem aufgrund von Rechtsstreitigkeiten – keine Hoffnung auf eine ganz normal käuflich erwerbbare Variante dieser Hörspiele.

Umso schöner war es für mich, als ich herausfand, dass die ersten vier Folgen seit Oktober 2010 auf CD zu bekommen sind – und so stand für mich fest, dass ich die (trotz des nicht gerade günstigen Preises) unbedingt haben musste. Zu Weihnachten gab es also den ersten Teil „Eine Unze Radium“, den wir dann Silvester als krönenden Jahresabschluss gehört haben. Der zweite Teil, „Das sicherste Gefängnis der Welt“ wurde mir übrigens gestern (zusammen mit den beiden „Dead like me“-Staffeln) geliefert und wird hoffentlich am Wochenende gehört.

Doch nun endlich mal zum Inhalt! Die Figur des Professor van Dusen basiert auf Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers Jacques Futrelle und wurden von dem Autor Michael Koser für Hörspiele verwendet, die er für den RIAS geschrieben hatte. Dabei hat sich der deutsche Autor nur anfänglich an die Geschichten des „Van Dusen“-Erfinders gehalten und bald eigene Handlungsstränge rund um den genialen Professor, der auch „Die Denkmaschine“ genannt wird, entwickelt. Neben dem Professor, der seine Logik an den diversen rätselhaften Kriminalfällen erprobt, spielt der Reporter Hutchinson Hatch eine große Rolle. Er übernimmt nicht nur die Rolle des Erzählers, sondern trägt auch seinen Teil zur Lösung der Kriminalfälle bei, in dem er Professor van Dusen nicht nur Laufarbeit abnimmt, sondern ihn auch über aktuelle Vorfälle und Klatsch und Tratsch informiert.

In „Eine Unze Radium“ verschwindet genau diese Menge des hochbrisanten Materials aus einem fensterlosen Labor. Abgesehen von Professor Dexter, der wichtige Versuche mit dem Radium vorhat, hat niemand den Raum betreten – und der Professor ist eindeutig nicht der Täter. So macht sich sein Kollege Professor van Dusen daran, herauszufinden wie das Radium aus dem Labor verschwinden konnte, während Professor Dexter im Vorraum mit einer französischen Besucherin über den Ankauf weiteren Radiums verhandelte.

Wer eine Schwäche für Sherlock-Holmes- oder andere klassische Kriminalgeschichten hat, wird zwar schnell auf die Lösung der Falles kommen, aber das ändert nichts daran, dass „Eine Unze Radium“ wunderbar unterhaltsam ist. Die Sprecher – allen voran Friedrich W. Bauschulte als Professor van Dusen, aber auch Klaus Herm als Hutchinson Hatch – leisten sehr gute Arbeit und es ein Vergnügen ihnen zuzuhören. Ich muss aber auch zugeben, dass ich einfach eine Schwäche für Bauschultes Stimme habe. Für mich ist der Sprecher die perfekte Verkörperung eines nicht gerade jungen, aber hellwachen Wissenschaftlers und ich höre ihn einfach zu gerne.

Was die Produktion angeht: Die Tonqualität ist prima! Ansonsten hört man deutlich, dass die „Van Dusen“-Geschichten in den 70er Jahren als Radiohörspiele produziert wurden. Hier bekommt man wunderbare Sprecher geboten, aber es gibt keine extra eingebauten Hintergrundgeräusche, die die Handlung untermalen sollen und keine überwältigenden Musik, die an den spannenden Stellen aufbrandet. Mir persönlich gefällt das sehr gut, auch wenn ich nichts gegen eine gelungene Geräuschuntermalung habe (wobei mir in letzter Zeit auffällt, dass tolle Effekte bei Hörspielen – genauso wie beim Fernsehen – anscheinend als ausreichender Ersatz für eine gute Handlung oder vernünftige Sprecher/Schauspieler angesehen werden). So bekommt man mit „Eine Unze Radium“ ein klassisches Krimihörspiel. Die Handlung könnte noch überraschender und etwas weniger behäbig sein, aber da ich die weiteren „Van Dusen“-Fälle zum Großteil kenne, kann ich versichern, dass sich die Serie positiv weiterentwickelt.

Dies und Das (1) und ein paar Leseeindrücke

Wie ihr vermutlich bemerkt habt, war ich in den letzten Wochen etwas stiller. Das lag unter anderem daran, dass mein Mann fast drei Wochen Urlaub hatte und mein Kommunikationsbedarf somit zuhause mehr als gedeckt wurde. Und dann gab es für uns zu Weihnachten einen neuen Fernseher, der auch erst einmal gründlich getestet wurde. In erster Linie zwar von meinem Mann, der sich mit „Gran Turismo 5“ austobte, aber auch ich musste das neue Spielzeug doch auf Herz und Nieren prüfen. (Und ich verrate euch jetzt lieber nicht, dass ich in den letzten Tagen auch so einige Runden auf der Rennstrecke gedreht habe, um für meinen Mann etwas Geld zu erspielen, damit er sich sein Wunschauto kaufen konnte … *ohje* ) Momentan macht sogar das Gucken von Quizsendungen beinah wieder Spaß, da wir endlich mal wieder in der Lage sind die Anwortmöglichkeiten auf dem Fernseher zu entziffern. Seit Anfang der Woche arbeitet mein Mann wieder, aber ich habe es immer noch nicht geschafft meinen normalen Alltagsrhythums wiederzufinden. Das bedeutet, dass ich zwar versuche früh(er) ins Bett zu gehen, aber trotzdem bis vier Uhr morgens die Decke anstarre, während ich versuche einzuschlafen. Und mit so wenig Schlaf fällt es mir auch recht schwer früh genug aufzustehen, um den Vormittag richtig zu nutzen. Nun, das wird sich auch wieder einpendeln.

Wobei mir das Wetter gerade auch einen Strich durch die Rechnung macht. Abgesehen davon, dass es mir eindeutig zu warm für diese Jahreszeit ist und ich die Kopfschmerzen kaum noch loswerde, gefällt mir der Blick in den Garten gar nicht. Überall sprießt und grünt es, der Schmetterlingsflieder bekommt lauter zartgrüne Blätter, die Hecke sieht auch deutlich grüner aus als vor einer Woche und in den Beeten regt sich auch ein frühjahrshaftes Leben. Ich will lieber nicht wissen, welche Auswirkungen der nächste Frost haben wird …

Leseeindrücke:

Immerhin bin ich diese Woche endlich wieder zum Lesen gekommen, auch wenn ich dabei noch immer etwas unkonzentrierter bin als mir lieb wäre. So habe ich ehrlich gesagt auch keine Lust richtige Rezensionen zu schreiben, mag aber doch ein paar Worte zu den gelesenen Büchern hinterlassen.

Kim Harrison: Madison Avery – Totgeküsste leben länger
Das Buch hat mir von der ersten Seite an gefallen, auch wenn ich gerade in keiner Lesestimmung war. Ich mag die Grundidee, obwohl ich sonst unglaublich skeptisch bin, wenn es um das Thema Engel geht. Mir haben die meisten Charaktere gefallen, vor allem Madison, die versucht sich nicht von der Tatsache unterkriegen zu lassen, dass sie eigentlich tot ist und nur dank eines von ihrem Mörder geklauten Amulett noch eine Art Existenz führt. Da dieser Roman ein Jugendbuch ist, kann ich auch über die stellenweise etwas zu lockere Sprache hinwegsehen. Auf jeden Fall hat mir dieser Band große Lust auf die Fortsetzung gemacht!

Jonathan E. Howard: Jonathan Cabal – Seelenfänger
Das Buch ist mir freundlicherweise von Natira geliehen worden, deren Rezension mir Lust auf das Lesen gemacht hatte. Doch hat es einige Zeit gedauert bis ich mit der Geschichte warm geworden bin. Denn während Natira den Humor genossen hat, so empfand ich das Ganze als zu gewollt, zu übertrieben. Natürlich reizt eine solche Geschichte zu bestimmten Klischees und Übertreibungen, aber Jonathan E. Howard hat es dabei in meinen Augen zu sehr übertrieben und – vor allem zu Beginn – zu wenig eigene Ideen gehabt. Wobei ich Horst sehr mochte und auch die Bewohner in den letzten Ort, in dem Cabal mit seinem Jahrmarkt Rast machte. Letztendlich hat mir das Lesen aber nicht so viel Spaß gemacht, dass ich zu einer Fortsetzung greifen würde.

Susan Mallery: Frisch verheiratet
Da ich auf diversen Blogs sehr positive Rezensionen zu der Autorin gelesen und große Lust auf einen heiteren Liebesroman hatte, habe ich mir ein Buch von Susan Mallery in der Bibliothek ausgeliehen. Ich weiß nicht, ob ich damit den schlechtesten Teil dieser Serie um die drei Keyes-Schwestern erwischt habe, aber nach diesem Roman habe ich keine Lust noch ein weiteres Buch der Autorin auszuprobieren. Die Charaktere interessieren mich nicht, abgesehen davon, dass ich sie die Hälfte der Zeit kräftig schütteln will, die Handlung ist extrem langweilig und vorhersehbar und den angepriesenen Humor habe ich in dieser Geschichte auch nicht gefunden.

Julia Quinn: Hochzeitsglocken für Lady Lucy
Hach, schön … Mehr müsste ich eigentlich dazu gar nicht sagen. Irina meinte zwar, dass viele Leute diesen achten Band als den schlechtesten der Bridgerton-Reihe empfunden hätten, aber mir hat er gut gefallen. Und im Gegensatz zu den vorher genannten drei Büchern haben ich diesen Roman in einem Zug durchgelesen, weil es so schön war. Ich mag Julia Quinns Humor, ich mochte Gregory und Lucy und ich habe mich beim Lesen rundum gut unterhalten gefühlt. Am liebsten würde ich jetzt mit der Reihe noch einmal von vorne anfangen, aber leider habe ich inzwischen die ersten Bände viel zu gut verstaut … Oh, und die Grundvoraussetzung der Geschichte (Gregory verliebt sich in die schöne Hermione, um dann nach und nach festzustellen, dass die Person hinter dem hübschen Gesicht seinen Erwartungen nicht so ganz verspricht) erinnert mich sehr an eine meiner Lieblingsautorinnen (nein, ich schreibe nicht schon wieder ihren Namen in einen Leseeindruck über einen Quinn-Roman).

Oh, und mit dem Lesen von „Madison Avery“ und „Hochzeitsglocken für Lady Lucy“ habe ich mich auch brav an meinen Vorsatz gehalten, die Neuzugänge innerhalb von sechs Wochen zu lesen. Bei der „Menge“ war das trotz Leseunlust auch kein Problem … 😉

Jane Austen: Verstand und Gefühl

Ausnahmsweise gibt es hier mal den Klappentext der CD-Box und keine eigene Inhaltsangabe zu der Geschichte: Elinor und Marianne Dashwood sind so verschieden, wie zwei Schwestern nur sein könnten: Während die eine diszipliniert und vernünftig ist, handelt die andere emotional und impulsiv. Dennoch verbindet die beiden das scheinbar ausweglose Schicksal, sich im England des achtzehnten Jahrhunderts den gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen und auf die große Liebe verzichten zu müssen …

Ich habe in diesem Jahr so viele Sachen von Jane Austen gelesen oder gehört, dass ich doch an der Jane-Austen-Challenge von Sarah hätte teilnehmen können. Bei der Wohnzimmerrenovierung gab es die ungekürzte Lesung von „Verstand und Gefühl“, für die ebenfalls von Eva Mattes vorgetragene Version von „Stolz und Vorurteil“ habe ich allerdings noch keine Zeit gefunden. Dafür habe ich in diesem Monat „Emma“ und „Mansfield Park“ gelesen und im Herbst habe ich „Anne Elliot oder Die Kraft der Überredung“ genossen. Nach einem kleinen Anstupser von Holly fiel mir auf, dass ich noch keine Rezension für den „Klassiker“-Teil der „Ich bilde mich weiter“-Challenge geschrieben habe – irgendwie hatte ich mit dem Lesen des letzten Buches die Challenge innerlich abgeschlossen.

Doch bei soviel Auswahl habe ich kurzfristig beschlossen nicht über „Mansfield Park“ zu schreiben, sondern über „Verstand und Gefühl“, denn diese Geschichte klingt immer noch in mir nach. Den Roman hatte ich das erste Mal als Teenager gelesen und als Studentin noch einmal verschlungen – und jedes Mal fühlte ich mich zwiegespalten. Ich mag Elinor und Marianne, ich mag die Geschichte, aber ich hatte lange Zeit ein Problem mit der Grundaussage des Buches.

Denn während Elinor immer brav, geduldig und vernünftig ist und deshalb miterleben muss wie der Mann, den sie liebt, immer unerreichbarer wird, so führt die blinde Verliebtheit von Marianne zu großem Unglück für das Mädchen. Neben Elinors Ängsten um das Glück ihrer Schwester, ihrem stummen Leiden wegen ihrer eigenen unglücklichen Liebe und Mariannes Höchflügen und Depressionen lebt das Buch – wie es sich für einen Austen-Roman gehört – von den wunderbaren Dialogen und Nebenfiguren. So viele wohlmeinende Menschen und soviel Möglichkeiten für Missverständnisse, Lebensweisheiten und Dummheiten.

Ich liebe schon allein den Anfang der Geschichte, wenn die Schwägerin der Dashwood-Mädchen mit ihrem Mann darüber diskutiert, wie weit man die Familie nach dem Tod des Vaters finanziell unterstützen müsste. In diesen wenigen Zeilen gelingt es Jane Austen soviel über ihre Zeit und die Situation der Frauen auszusagen, so treffend die biestige Schwägerin und ihren nachgiebigen Mann darzustellen – und dabei so amüsant zu sein -, dass ich jedes Mal wieder begeistert bin. Je älter ich werde, desto mehr stehe ich übrigens auf der Seite der vernünftigen Elinor. Was ich auch faszinierend finde … ich glaube, es gibt wenige Bücher, bei denen mir so sehr auffällt, dass ich sie bei jedem Lesen wieder mit anderen Augen entdecken kann.

Natürlich ist es schön von der großen Liebe zu träumen und noch schöner wäre es, wenn jede Frau einen Mann heiraten könnte, den sie liebt und für den sie die einzige Frau auf der Welt ist. Aber wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umgucke, dann bin ich immer etwas irritiert von all den Frauen, die keine Augen für die Männer in ihrer Umgebung haben, weil sie auf der Suche nach der großen Liebe sind. Und zu Jane Austens Zeit wäre ein solches Verhalten einfach dumm gewesen. Nur wenige Frauen hatten eigene finanzielle Sicherheit oder gar die Gewissheit, dass die Familie sie für den Rest ihres Lebens versorgen könnte. So war es umgemein wichtig sich an die gesellschaftlichen Regeln zu halten und sich gut zu verheirateten. Und ich glaube, dass einige dieser Vernunftehen gar nicht schlecht waren, solange beide Parteien gewillt waren das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Somit ist Elinors Haltung (auch wenn sie nicht immer ihren eigenen Gefühlen entspricht) nicht nur vernünftig, sondern auch der beste Selbstschutz, den sie finden kann. Wenn man nicht das große Glück erwartet, dann kann man auch in einer nicht so gefühlvollen Ehe vermutlich Zufriedenheit finden. Wenn man aber wie Marianne von der einen großen Liebe träumt, sich seinen Hoffnungen hingibt und sich am Ende mit einem fürsorglichen, aber deutliche älteren Mann abfinden muss, dann ist es wohl schwierig nicht den Rest seines Lebens dem einen hinterherzutrauern, in dem man so verliebt war.

Obwohl Jane Austen meiner Meinung nach verhältnismäßig wenig auf die Männer eingeht, habe ich mich dieses Mal doch gefragt wie für Mariannes Ehemann wohl die Zukunft aussieht. Ob er wirklich damit leben kann, dass seine Frau eigentlich einen anderen Mann liebte? Und ob es ihm gefällt, dass aus dem lebenslustigen und übermütigen Mädchen eine zurückhaltende Frau geworden ist, die ihn aufgrund von Vernunft und Freundschaft geheiratet hat, während er sich – entgegen aller Vernunft – in sie verliebte …

Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht

Auch auf dieses Buch bin ich durch (mindestens) eine Blogrezension aufmerksam geworden – und mir hat es so gut gefallen, dass ich es an einem Nachmittag ausgelesen habe. 🙂 Wer sich für die Empfehlung verantwortlich fühlt, kann mir gern einen Kommentar hinterlassen, denn ich verliere so langsam den Überblick wer Auslöser dafür war, dass ich vor einigen Wochen ein Buch in der Bibliothek vorgemerkt habe.

In „Tote Mädchen lügen nicht“ bekommt Clay Jensen zwei Wochen nach dem Selbstmord von Hannah Baker ein überraschendes Päckchen. Inhalt dieser Sendung sind sieben Kassetten, auf Hannah in dreizehn Episoden erzählt, was sie zu ihrer Tat getrieben hat. Von vornherein stellt ein Anschreiben klar, dass das Mädchen die dreizehn erwähnten Personen dafür verantwortlich macht, dass sie Selbstmord begehen wird. Während Clay sich verzweifelt den Kopf zerbricht, was er getan haben könnte, um auf Hannahs Liste der Verantwortlichen gelandet zu sein, lauscht er eine Nacht lang wie besessen der Stimme der inzwischen toten Mitschülerin.

Von Anfang an steht fest, dass Clay in Hannah verliebt war, dass er sie lange Zeit beobachtet hat und nicht den Mut fand, ihr seine Zuneigung zu gestehen. Umso schlimmer ist es für ihn von all den kleinen und großen Begebenheiten zu hören, die das Leben für Hannah so schrecklich gemacht haben, dass sie Selbstmord beging. Dabei fängt eigentlich alles ganz harmlos an, es beginnt mit einer belanglosen – und vielleicht sogar lustig gemeinten – Liste, auf der Hannah zu dem Mädchen mit dem „geilsten Arsch“ der ersten Jahrgangsstufe gewählt wurde. Doch diese Liste löste viele kleine Vorfälle aus, die dazu führten, dass Gerüchte an der Schule kursierten gegen die Hannah nicht ankam.

Die Geschichte hat mich sehr schnell gefesselt. Zwar war ich anfangs etwas ungeduldig mit Hannah und habe aus meiner erwachsenen Sicht immer wieder gedacht, dass das alles doch kein Grund für Selbstmord sei. Aber trotz dieser Verständnislosigkeit in Bezug auf Hannahs Handeln, ist es einfach fesselnd ihre Aussagen auf den Kassetten – und Clays dazu parallel laufenden Gedanken – zu lesen. Während der Junge sich immer wieder Vorwürfe macht, weil er sich bei den diversen Begebenheiten nichts gedacht hat oder bestimmte Alarmsignale nicht verstanden hat, obwohl er Hannah so aufmerksam beobachtete, steht man als Leser da und verfolgt fassungslos, wie sich aus kleinen Dingen eine immer hässlichere Lawine entwickelt.

Auch wenn ich die eine oder andere Wendung etwas unrealistisch fand, so gelingt es Jay Asher doch die einzelnen Elemente der Geschichte so zu präsentieren, dass ich am Ende mit Tränen in den Augen dasaß und nicht fassen konnte wie sich das Ganze entwickelte. Es ist ganz faszinierend, wenn man ein Buch so zweigeteilt wahrnimmt. Auf der einen Seite war ich recht schnell emotional beteiligt und hatte zusammen mit Clay Angst davor, was er getan haben könnte, um Hannah zu verletzen, und litt mit dem Mädchen mit, das an all den kleinen und großen Kränkungen zerbrochen ist.

Auf der anderen Seite war da meine „erwachsene“ und rationale Seite, die mit einigen Details nicht so gut zurechtkam. Hannah hat sich zum Teil erstaunlich intelligent und wehrhaft verhalten, so dass mich ihre Passivität bei anderen Gelegenheiten richtig wütend gemacht hat. Versöhnt hat mich beim Lesen dann die Figur des Clay, der ebenso fassungslos vor Hannahs Bericht sitzt und zwar auch wütend über die Dinge ist, die dem Mädchen angetan wurde, aber auch wütend darüber ist, dass sie sich so verrannt hat, dass sie keine Hilfe gesucht hat und nicht auf die Menschen zugehen konnte, die sich etwas aus ihr gemacht haben.

Letztendlich hat mich „Tote Mädchen lügen nicht“ etwas zwiegespalten zurückgelassen. Emotional fand ich das Buch sehr berührend und es gibt auch den einen oder andere Anstoß,  um noch mal über das eigene Verhalten gegenüber anderen nachzudenken, aber auf der rationalen Ebene gibt es zu viele Punkte, die mich gestört haben, um den  Roman durchweg empfehlen zu können.

Charlotte Trümpler: Agatha Christie und der Orient – Kriminalistik und Archäologie

Ich hatte das große Glück und konnte durch die örtliche Bibliothek dieses Buch ausleihen, sonst wäre ich wohl nicht so schnell darüber gestolpert. In ihren autobiografischen Werken („Meine gute alte Zeit“ und „Erinnerung an glückliche Tage“) hatte Agatha Christie viel über die Ausgrabungen ihres Mannes Max Mallowan geschrieben und darüber, wieviel Freude es ihr immer bereitet hatte, dass sie dabei sein durfte.

Dabei hat die Autorin ihren eigenen Anteil an seiner Arbeit immer recht nebensächlich beschrieben. Viel mehr als „ich bekam eine Dunkelkammer zugewiesen“, „Elfenbeinschnitzereien lassen sich hervorragend mit meiner Gesichtscreme reinigen“ und „ich bin fasziniert von Keramik“ bekommt man von ihr direkt nicht erzählt. Nur zwischen den Zeilen kann man lesen, wie viel sie zu den Ausgrabungen beigetragen hat – und dies alles, obwohl sie „nebenbei“ weiterhin an ihren Romanen schrieb.

„Agatha Christie und der Orient“ ist als Begleitmaterial zu einer Ausstellung über die Autorin und ihre Arbeit bei den Ausgrabungen ihres Mannes entstanden und wurde vom Scherz Verlag veröffentlicht. Leider ist das Buch nur noch gebraucht zu bekommen, dabei möchte ich es eigentlich jedem ans Herz legen, der sich für die Person Agatha Christies und für Archäologie interessiert. Denn hier bekommt man Einblick in die Ausgrabungen Max Mallowans und in das Leben an einem solchen Ausgrabungsplatz. Das Buch zeigt Bilder von den verschiedenen Orten (und was mir besonders gefiel: Es gibt auch sehr viele Bilder von Agatha Christie bei den Ausgrabungen – was bei der scheuen Autorin ja nun doch ein Glücksfall ist).

Verschiedene Autoren berichten von der Bedeutung der Entdeckungen Max Mallowans für die Archäologie, extrahieren aus den Büchern des Ehepaares Agathas Anteil an diesem Werk ihres Mannes (so hat sie definitiv finanzielle Unterstützung geleistet, hat die Arbeiter medizinisch versorgt, hat Keramiken wieder zusammengesetzt, Elfenbein gereinigt, die Fundstücke fotografiert und für das Wohl aller Beteiligten gesorgt, in dem sie ihre Fantasie nutzte, um zum Beispiel Eclairs mit Büffelmilchsahne zu servieren, damit es den Briten in der Fremde nicht an dem gewohnten Luxus fehlt *g*).

Sehr schön fand ich es auch die Eindrücke von Joan Oates zu lesen, die mit der Autorin befreundet war und sich an so manchen gemeinsamen Einkaufsbummel über den Bazar erinnerte. Auch wird auf den Einfluss ihrer Erlebnisse im Nahen Osten auf ihre Arbeit als Kriminalschriftstellerin hingewiesen, denn nicht nur in „Rächende Geister“ (ein Krimi, der während der 11. Dynastie in Theben spielt und bei dem ihr ein Kollege ihres Mannes bei der Recherche geholfen hatte), sondern auch einige der modernen Titel sind davon sehr geprägt worden. Ich werde nach dieser Lektüre einige Agatha-Christie-Krimis auf jeden Fall mit anderen Augen betrachten.

Dabei habe ich gar nicht mal so viel neues erfahren, wenn man von dem archäologischen Anteil des Buches absieht (ich finde das zwar interessant, beschränke mich da aber normalerweise auf Romane, die in diesem Umfeld spielen 😉 ), aber ich habe eine neue Sicht auf einige Dinge bekommen  – und ich habe die Fotos genossen! So viele alte Abbildungen von den Ausgrabungen, von den Landschaften und von den Menschen. Fotos von Agatha Christie, die zeigen, wie sie die Ausgrabungen wahrgenommen hat, was ihr damals ins Auge gefallen ist und was für sie so wichtig war, dass sie es trotz der hohen Materialkosten abgelichtet hat. Aber auch Bilder, die die Autorin zeigen, wie sie entspannt auf einem Hügel spazieren geht, wie sie neugierig in ein Ausgrabungsloch späht und wie sie mit den anderen in der Wüste an einer Teetafel sitzt. Wer von euch die Möglichkeit hat, der sollte auf jeden Fall einen Blick in das Buch werfen – und wenn er dabei nur die Fotos betrachtet!