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Reinhard Osteroth: Erfinderwelten – Eine kurze Geschichte der Technik

Reinhard Osteroths „Erfinderwelten“ enthält wirklich – wie der Untertitel schon sagt – eine kurze Geschichte der Technik. Nach einer Einleitung, in der der Autor unter anderem erklärt, warum er keine Erfinderinnen in seinem Buch aufführt (gesellschaftliche Stellung und ein Mangel an Ausbildung hätten in den vergangenen Jahrhunderten verhindert, dass Frauen die Technikgeschichte prägende Erfindungen machen könnten) und einem kurzen Abriss, der von der Entstehung des ersten Faustkeils in der Steinzeit über ägyptischen Pyramidenbau und Tonzeugproduktion sowie griechische Mathematik bis zu den Wasserleitungen der Römer geht, hüpft man kurz in die Zeit der ersten Kolonialisierungen, um wenige Seiten später mit Leonardo da Vinci dem erster bedeutender Erfinder zu begegnen, der etwas detaillierter vorgestellt wird.

Zwischen den eher personenbezogenen Kapiteln werden immer wieder Passagen eingeschoben, die einen weiteren Überblick über die Dinge bieten, die sich in der (technischen) Welt zu der Zeit getan haben, oder darüber, welchen Einfluss die Entwicklungen auf Gesellschaft, Religion und Handel hatten. Das ganze Sachbuch fand ich interessant und gut zu lesen, ich bin aber zwischendurch immer wieder über Sätze gestolpert wie „Auch der italienische Arzt und Mathematiker Geronimo Cardano, sein Name ist uns heute durch die kardanische Aufhängung geläufig, ist ein unablässiger Experimentator zwischen mittelalterlicher Naturmagie und neuem Forschergeist.“ (S. 53), bei denen ich dann dastand und dachte „Was für eine Aufhängung?!“ – und schon musste ich wieder die Suchmaschine anwerfen und nachlesen, was da vom Autor für Wissen als selbstverständlich angenommen wird, das mir fehlt. Oder genauer gesagt, wo mir die Bezeichnung zum vorhandenen Wissen fehlt, denn ich kenne die „Kardanische Aufhängung“, ich habe eine recht genaue Vorstellung davon, wie sie funktioniert und welchen Nutzen sie hat, aber ich hatte bis zu diesem Moment keine Bezeichnung dafür.

Aber nicht nur solche Bezeichnungen habe ich aus dem Buch mitgenommen, sondern mal wieder ein bisschen erhellendes Wissen, um mein Gesamtbild zu den Themen Geschichte, Technik und Fortschritt erneut ein wenig mehr zu vervollständigen. Mir geht es oft so, dass ich „Wissensinseln“ zu verschiedenen Gebieten oder Personen besitze, diese aber nicht in einen Zusammenhang bringen kann. Oder dass ich ganz selbstverständlich Begriffe verwende und mir erst (erschreckend) spät aufgeht, wo der Ursprung dieses Begriffs liegt. Seit dem Lesen von „Erfinderwelten“ komme ich mir zum Beispiel ganz schön bescheuert vor, weil ich meinen Ferienjob in der „Galvanik“ nie mit Luigi Galvani (und seinen Froschschenkeln 😀 ) in Verbindung gebracht habe.

Zum Teil wirft mir Reinhard Osteroth schon fast zu schnell mit Namen und Erfindungen um sich. Man muss sich beim Lesen nicht nur sehr konzentrieren, um nicht durcheinander zu kommen, sondern sich auch noch einigermaßen an den Chemie- und Physik-Schulstoff erinnern, um nicht ständig etwas nachschlagen (oder eine Aussage als gegeben hinnehmen) zu müssen. Die Grundlagen sitzen bei mir eigentlich noch ganz gut, aber die Lücken durch die diversen Schulwechsel habe ich anscheinend auch in all den Jahren nicht aufgeholt.

Als Appetithäppchen für das Thema ist „Erfinderwelten“ gut geeignet. Man bekommt die namhaften Erfinder vorgestellt und kann Verbindungen zwischen den verschiedenen Entwicklungen und Personen ziehen. Auch mochte ich es, beim Lesen so manchen Namen „wiederzuentdecken“ und mein dann doch vorhandenes Wissen überprüfen zu können. Für diejenigen aber, die sich schon etwas intensiver mit diesem Wissensgebiet beschäftigt haben, hält das Buch wohl keine neuen Erkenntnisse parat. Da bieten sich andere Werke, die sich konkreter mit einem Erfinder oder einem bestimmten technischen Gebiet beschäftigen, eher an.

Ach ja, noch eine Bemerkung zur Lesbarkeit des Buchs: Die Texte sind wirklich gut lesbar – vor allem, wenn man bedenkt, dass der Autor aufgrund der Kürze der jeweiligen Abschnitte jeden Absatz mit Namen, Daten und Erfindungen vollstopfen musste. Allerdings erlaubt er sich bei einigen Passagen auch einen etwas aufgeblähten Stil, über den ich persönlich eigentlich nur schmunzeln konnte. Als Beispiel hätte ich da die abschließende Aussage zu Thomas Alva Edison: „Kaum einer hat so wie Edison den Alltag verändert. Er ist der Urvater des technischen Haushalts, ein Popstar der Technifizierung, ein Postillon der Machbarkeit“ (S. 134) – und er röstete Kleintiere mit Wechselstrom und entwickelte so in seinem Streit mit Tesla den elektrischen Stuhl … Ein sehr Popstar-würdiges Verhalten, wie ich finde.

Sachbuch-Challenge – Denkt an das Halbzeitziel!

Nur noch zwei Tage, bis der Juni vorbeigeht, und da einige Teilnehmer zwar anscheinend die benötigte Anzahl für das erfolgreiche Erreichen des Zwischenziels gelesen, aber die Rezensionen noch nicht auf die Reihe bekommen haben, möchte ich noch einmal auf diese Regeln aufmerksam machen:

  • Jedes gelesene Sachbuch soll auf dem Blog rezensiert oder zumindest mit einem Leseeindruck bedacht werden, der länger als ein Satz ist.
  • Bis zum 30.06.2014 müssen mindestens 5 Sachbücher geschafft sein. (Ideal wäre also ein Sachbuch pro Monat, der sechste Monat dient als „Puffer“, wenn eines der Bücher so anspruchsvoll oder umfangreich sein sollte, dass es nicht innerhalb eines Monats gelesen werden kann.)

Falls es noch Zweifel daran geben sollte:
Ich hatte mir das so gedacht, dass bis zum 30.06. die Bücher gelesen UND rezensiert sind. 😉

Da es da ganz eventuell zu einem Missverständnis gekommen sein könnte, wäre ich bereit, das Zwischenziel – wenn denn diejenigen Teilnehmer, die fleißig gelesen und rezensiert haben und das benötigte Pensum bereits erreicht haben, einverstanden sind – um eine Woche zu verlängern.

Ich werde also am 7.7.2014 (gegen Mitternacht :D) meine Runde durch die Teilnehmer-Blogs machen und den auf der jeweiligen Challengeseite angegebenen Stand in meiner Liste vermerken.

Weiterhin fände ich es schön, wenn diejenigen, die die Challenge für sich eigentlich schon abgeschrieben haben, trotzdem noch eventuell gelesene Sachbücher rezensieren und verlinken und sich vielleicht mit den anderen Teilnehmern austauschen würden. Es gibt so viele spannende Sachbücher zu entdecken, auf die man allein nie aufmerksam geworden wäre.

P.S.: Falls ihr euch fragt, wo meine fünfte Rezension für das Halbjahr bleibt: Sie wird Sonntagmorgen freigeschaltet – und ja, ich musste für das Buch vor dem Wochenende eine intensive Leserunde einlegen, um meine Challenge zu schaffen. *g*

Höreindrücke im Juni

„Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie ist eines von gleich mehreren Agatha-Christie-Hörbüchern, das ich in den letzten Tagen gehört habe. Wenn der Kopf voll ist, dann halte ich mich eben doch eher an vertraute Autoren. „Tod auf dem Nil“ ist eine Poirot-Geschichte und nach dem Anfang, der in einem britischen Herrenhaus und einem Klub in London spielt, findet ein Großteil der Handlung auf einem Nil-Kreuzfahrtschiff statt. Ich mag den Roman, aber bei der von Gerd Anthoff gelesenen Hörbuchversion musste ich hier und da die Zähne zusammenbeißen. Der Sprecher ist nicht nur dann, wenn er die Frauen spricht, nur schwer erträglich. Immerhin fand ich seine Poirot-Interpretation gar nicht so schlimm, gerade das manchmal durchschimmernde „väterliche“ Verhalten des Belgiers, wenn er zwar die Gefühlsaufwallungen der jüngeren Mitreisenden versteht, aber eben auch weiß, dass das alles nicht so schlimm ist, wie es der Person in diesem Moment erscheint, war sogar ganz passend rübergebracht. Trotzdem werde ich um Gerd Anthoff als Hörbuchsprecher demnächst erst einmal einen großen Bogen machen!

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An „Crocodile on the Sandbank“ von Elizabeth Peters habe ich mich gewagt, nachdem ich „The Unexpected Mrs. Pollifax“ gehört und doch überraschend gut verstanden hatte. Nachdem ich im März oder April erst eine deutsche Hörbuchversion von „Im Schatten des Todes“ gehört hatte, hatte ich auch die Details der Geschichte noch so präsent, dass ich die erste Stunde durchgehalten habe, obwohl ich da noch deutlich weniger folgen konnte als bei Mrs. Pollifax. Da machte es sich deutlich bemerkbar, dass Elizabeth Peters doch einen anderen Schreibstil hat als Dorothy Gilman, denn an der Sprecherin konnte es nicht liegen, die war in beiden Fällen die gleiche. Barbara Rosenblat liest wunderbar – ich mag ihre Betonung, ich mag ihre Stimme und ich mag ihre Interpretation der Figuren. Ihre Evelyn war sanft, aber nicht weichlich, ihre Amelia war energisch, tatkräftig, aber auch an den richtigen Stellen etwas unsicher und auch ihre Männer waren überzeugend – vor allem Emerson war hinreißend und überzeugend (!) aufbrausend.

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„Emma im Knopfland – Eine verknöpft und zugenähte Geschichte“ von Ulrike Rylance ist eine niedliche kleine Geschichte mit gerade mal 2 Stunden und 41 Minuten Laufzeit. Hauptfigur Emma verschlägt es, als sie sich in ihren Ferien bei Onkel Hubert und Tante Mechthild langweilt, in ein Zimmer voller Knöpfe. Bevor Emma sich noch groß umgucken kann, fällt ihr ein großer goldener Knopf auf, der vor ihr davon zu rennen scheint – und als sie diesen berührt, landet sie im Knopfland. Dort muss Emma ein paar Abenteuer bestehen und schließt neue Freundschaften, bevor sie einen Weg zurück in das Knopfzimmer findet.

Eigentlich ist die Geschichte nett und unterhaltsam, aber mir gab es dabei einfach zu viele „Anlehnungen“ an bekannte Kinderbücher. Vor allem „Alice im Wunderland“ wurde immer wieder von der Autorin herangezogen, so dass Hofdame Isolde (der große goldene Knopf) eine gewisse Ähnlichkeit mit der Herzkönigin hat, während Emma natürlich im Laufe der Handlung auch in eine Teeparty platzt und weitere Elemente dem Hörer immer wieder auffallen. Hätte ich das Gefühl, dass Ulrike Rylance aus diesen Dingen eine eigene Geschichte gemacht hätte, wäre das bezaubernd gewesen. Aber ohne eine spürbare individuelle Note ärgere ich mich eher über all die vertraut wirkenden Szenen. Gelesen wird das Hörbuch (bei dem ich übrigens nicht rausfinden konnte, ob es für diese Umsetzung bearbeitet wurde) von Fritzi Haberlandt. Die Sprecherin macht ihre Sache eigentlich sehr gut, verleiht den verschiedenen Charakteren eine eigene Note und sorgt dafür, dass selbst die Nebenfiguren einen recht hohen Wiedererkennungswert haben. Da ich das Hörbuch – trotz seiner Kürze – über einige Tage verteilt gehört habe, kam mir das wirklich zugute.

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„Das Böse unter der Sonne“ von Agatha Christie hat mich mehrere Tage lang sehr gut unterhalten. Ich mag die Geschichte (ich mag sogar die Verfilmung mit Ustinov, obwohl er definitiv nicht mein „Poirot“ ist, aber es gibt tolle andere Darsteller in dem Film und die Atmosphäre passt) und mit der ungekürzten Version hätte mir nur noch der Sprecher das Ganze verderben können. Aber stattdessen hat Jürgen Tarrach das Hörspiel – besonders Poirot, aber überraschenderweise auch die diversen Frauenrollen – wunderbar gelesen. Einzig seine Aussprache des Vornamen „Odell“ klang eher nach Oddl, aber ansonsten habe ich nichts zu kritisieren. Dank der tollen Umsetzung habe ich viele amüsante Stunden mit „Das Böse unter der Sonne“ verbracht – ich finde die Tatdurchführung immer wieder genial ausgedacht und mag die wunderbare Darstellung der vielen verschiedenen Figuren. Beim Hören kam mir übrigens der Gedanke, dass Agatha Christie wohl Schuld daran ist, dass ich bei vielen Krimis immer recht schnell auf den Täter komme, denn sie hat dafür gesorgt, dass ich in diesem Genre jede Nebenbemerkung als potenziell wichtig abspeichere.

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„Die Tote in der Bibliothek“ von Agatha Christie ist – wie all die anderen Hörbücher in diesem Beitrag – wieder einmal eine Leihgabe von Natira und ich hatte mich sehr auf mein – vorerst letztes – Agatha-Christie-Hörbuch gefreut. Die Geschichte ist ja recht bekannt und ich mag sie sehr. Alles beginnt mit dem Fund einer Mädchenleiche in der Bibliothek des Herrenhauses der Bantrys und während Mrs. Bantry anfangs das Ganze noch spannend findet (sie liest gern Kriminalromane), geht ihr nach kurzer Zeit auf, dass das gesamte Dorf ihren Mann verdächtigt. So animiert sie ihre Freundin Miss Marple sich des Falls intensiv anzunehmen und die Unschuld von Colonel Bantry zu beweisen. Wie gesagt, ich mag den Roman, aber dieses Mal habe ich die (auch noch gekürzte) Handlung nicht so genossen wie sonst, da mir die Sprecherin nicht so zusagte. Ich kann Traudel Sperber gar nichts konkretes „vorwerfen“. Ihre Stimme ist mir nur zu weich und zu jung für das Hörbuch und weder ihre Interpretation der Charaktere, noch ihre Betonung insgesamt sagt mir wirklich zu.

Barbara Sichtermann (und Klaus Binder): Gerstenbergs 50 Klassiker – Schriftstellerinnen (Buch und Hörbuch)

Dieses Buch hatte ich schon im Februar ausgelesen, und wie das so ist, wenn man eine Rezension vor sich herschiebt, so dauert es ewig, bis man sich dazu aufraffen kann, sie doch zu schreiben. Zwischendurch habe ich immer wieder die Notizen zum Hörbuch aus diesem Beitrag rauskopiert und in einen separaten Beitrag gepackt, nur um dann doch wieder alles zusammenzufassen. Jetzt sind es aber nur noch wenige Tage bis zum Challenge-Zwischenziel und deshalb muss ich mich wohl jetzt mal dazu durchringen und das Buch (plus Hörbuch) besprechen. 😉

Für mich waren die „Schriftstellerinnen“ der erste Titel aus der Reihe der „50 Klassiker“ von Gestenberg (ich habe allerdings noch einen weiteren Band davon ungelesen im Regal stehen) und so bin ich ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen. Vom Aufbau her scheinen sich die Klassiker zu ähneln, wenn ich da nach Hermias Rezension zu den „Deutschen Schriftstellern“ gehen kann. Erst gibt es einen Essay zu der jeweiligen Person, der zwei bis fünf Seiten lang ist und zu dem auch Fotos der Schriftstellerinnen gehören, dann kommt eine Seite mit konkreten Daten und Fakten sowie Empfehlungen bezüglich der Werke der Autorin und Bücher/Filme über die Autorin.

Mit den Essays hatte ich stellenweise meine Probleme. So fiel mir schon ganz zu Beginn bei dem Beitrag zu Sophie von La Roche die Behauptung ins Auge, dass sie eine „gute“ Ehe führte, obwohl die Ehefrau bei der Hochzeit noch in einen anderen verliebt war. Einziger „Beleg“ dazu: Die Dame bekam acht Kinder, von denen fünf aufwachsen durften (die Formulierung lasse ich mal so stehen, den so wird es im Buch ausgedrückt …). So eine Aussage reicht mir persönlich aber nicht, um so eine Behauptung aufzustellen. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrund gewünscht, gerade weil diese Passagen so „persönlich“ geschrieben wurden.

Bei anderen Autorinnen, mit denen ich mich schon ausgiebiger beschäftigt habe, fand ich die eine oder andere nicht ganz so richtige oder längst wiederlegte Behauptung. Das ist jetzt kein großes Drama, man kann nicht erwarten, dass jemand für so einen Band intensivste Recherche betreibt, hat aber mein Vergnügen an diesem Sachbuch etwas getrübt. Trotz dieser Kritikpunkte fand ich „Schriftstellerinnen“ wirklich sehr interessant. Bei einigen Beiträgen habe ich mir Lesetipps aufgeschrieben, um mein Wissen zu vertiefen, andere Autorinnen waren mir vollkommen unbekannt und klangen durchaus spannend. Als Appetitanreger ist der Band hervorragend geeignet, wobei ich die reinen Faktenseiten fast fesselnder fand als die Essays und mich immer wieder dabei ertappte, dass ich Zettelchen in den Band steckte, damit ich irgendwann daran denke, dass ich mir einen Roman oder eine Biografie ausleihe oder eine neu entdeckte Autorin nicht aus den Augen verlor. (Ich erwähne jetzt mal nicht, dass so ein Zettelwust irgendwann etwas unübersichtlich wird. 😀 Aber hey, vielleicht wäre ja das Lesen dieser Autorinnen eine Challenge-Idee für das kommende Jahr …)

Parallel zum Sachbuch habe ich mir das Hörbuch vorgenommen. Ich war gespannt, wieweit sich die beiden Ausgaben dieses Titels voneinander unterscheiden und wie diese Art von Sachbuch als Hörbuch wirkt. Sehr glücklich war ich mit der Hörbuch-Umsetzung allerdings nicht. Statt 50 Schriftstellerinnen werden einem mit dem Hörbuch nur 25 Autorinnen vorgestellt, wobei sich mir nicht erschließt, warum man welche Personen in die Auswahl hineingenommen oder eben herausgelassen hat. Dafür finde ich es durchaus verständlich, dass man sich bei der Hörbuchversion auf die Essays beschränkt und die rein faktischen Texte weggelassen hat. Bei mir sorgte das dafür, dass ich nach den ersten Passagen Buch und Hörbuch zeitgleich nutzte. Ich ließ mir die Essays vorlesen, während ich gleichzeitig die Fotos im Buch betrachtete und den eine oder andere Absatz mitlas. Dann machte ich eine Pause beim Hörbuch und beschäftigte mich mit den kleinen eingeschobenen Infokästen, der Fakten-Zusammenfassung und den Lesetipps (oft genug noch mit dem Netbook bei der Hand, um zu gucken, was davon in der Bibliothek zu beziehen sei – was doch erschreckend wenig ist).

Letztendlich kann ich nicht behaupten, dass eine Hörbuchversion von „Schriftstellerinnen“ notwendig gewesen wäre. Nicht nur die Kürzungen mindern den Informationswert des Hörbuchs, auch die Sprecherin finde ich schlecht gewählt. Sigrid Burkholder liest die einzelnen Passagen, als ob sie Märchen für Kinder vortragen würde. Das lässt die Essays nicht nur sehr geschwollen klingen, sondern hatte auf mich auch eine erschreckend einschläfernde Wirkung. Hätte ich nur hingehört und mich nicht auch gleichzeitig mit dem Buch beschäftigen können, wäre bei mir wohl nicht viel hängen geblieben. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch das Geklimper – pardon, die entspannende Musik – zwischen den Passagen rund um die einzelnen Autorinnen. Da ich von den „50 Klassikern“ nicht nur das Buch, sondern auch das Hörbuch zur „Römischen Antike“ noch im Schrank stehen habe, werde ich da wohl auch noch reinhören (vor allem, da das von einem mir noch nicht bekannten Sprecher aufgenommen wurde), aber im Moment bin ich der Meinung, dass es zu dieser Reihe keine Hörbuch-Umsetzungen benötigt.

Dorothy Gilman: The Unexpected Mrs. Pollifax (Hörbuch)

Von Mrs. Pollifax hatte ich ja schon in meinem Figurenkabinett geschrieben, sie ist wirklich eine der Romanfiguren, die mir sehr am Herzen liegen. So ist es vielleicht kein Wunder, dass ich mit ihr meinen ersten erfolgreichen englischen Hörbuchversuch unternommen habe, nachdem mir Natira das Hörbuch geliehen hat. „The Unexpected Mrs. Pollifax“ ist der erste Roman von Dorothy Gilman rund um die rüstige Rentnerin, die sich nach einer erschreckend depressiven Phase bei der CIA vorstellt und als Agentin bewirbt. So naiv das klingt, so stimmig finde ich diesen Schritt in der Geschichte dargestellt. Emily Pollifax hat das Gefühl im Leben zu nichts mehr nutze zu sein, sie langweilt sich nach dem Tod ihres Ehemannes und dem Auszug der Kinder und als ihr Arzt sie fragt, ob es nicht irgendetwas gebe, das sie schon immer machen wollte, erinnert sie sich an ihre Träume von einem Leben als Spionin, die sie als kleines Mädchen während des 2. Weltkriegs hegte.

Ihr ist bewusst, dass sie keine Ausbildung in diesem Gebiet hat, aber gute Nerven, Lebenserfahrung und Kenntnisse in erster Hilfe sollten doch auch etwas wert sein und so macht sie sich auf den Weg. Überraschenderweise bekommt sie wirklich einen kleinen Auftrag, da man ein unbekanntes Gesicht benötigt, um ein brisantes Päckchen aus Mexiko nach Amerika zu schmuggeln. So genießt Mrs. Pollifax ein paar wunderbare Tage als amerikanische Touristin, bis sie am vereinbarten Tag den ausgemachten Übergabeort betritt – und gefangen genommen wird. Wenig später findet sie sich hinter dem Eisernen Vorhang wieder und muss um ihr Leben ebenso bangen wie um das eines weiteren – deutlich erfahreneren, aber dafür verletzten – CIA-Agenten.

Ich liebe, liebe, liebe Mrs. Pollifax und die Sprecherin Barbara Rosenblat hat die Geschichte so wunderbar gelesen. Ihre Stimme machte die so vertrauten Figuren noch ein Stückchen lebendiger, und egal, ob Barbara Rosenblat Frauen oder Männer darstelle, es klang stimmig. Dank der überzeugenden Sprecherin habe ich mit Mrs. Pollifax mitgelitten, weil sie sich so wenig nützlich fühlte, habe ihre Aufregung und Freude über die Reise nach Mexiko erlebt und das Schwanken zwischen Angst und dem festen Willen Rückgrad zu beweisen und angesichts des Todes keine Schwäche zu zeigen.

Während ich Mrs. Pollifax Abenteuer hörte, haben meine Nachbarn bestimmt das eine oder andere Kichern aus meinem Garten gehört. Ich finde es so wunderbar, wie sie auch in extremen Situationen nicht von ihren Grundsätzen abweicht. So zeigt sie deutliches Bedauern, als einer ihrer Wärter von seinem schmerzenden Rücken erzählt, und besteht energisch darauf ihm eine Massage mit Alkohol zu verabreichen, um sein Leiden zu lindern. Einer ihrer Mitgefangenen wirft ihr im Laufe der Geschichte vor, dass sie – wie so viele Frauen – viel zu vertrauensselig ist, aber das ist gar nicht mal der Punkt. Sie hat genaue Ansichten wie man sich gegenseitig zu behandeln hat – nämlich mit Respekt und Mitgefühl – und solange man sie nicht zu wütend macht, dann handelt sie eben auch nach diesen Ansichten.

Auf der anderen Seite macht sie im Laufe der Geschichte auch die Entdeckung, dass es doch überraschend viel … ähm … Spaß machen kann, wenn man jemandem einen Stein auf den Kopf haut, um ihn bewusstlos zu schlagen. Auch beweist Emily Pollifax im Laufe der Geschichte, dass sie einfallsreich ist, aufmerksam beobachtet und nicht bereit ist die Hoffnung aufzugeben. Mit all diesen Eigenschaften reißt sie auch immer wieder ihren Leidensgenossen mit, ohne dass sie dabei unrealistisch oder übertrieben dargestellt wird. Mir hat es so viel Freude bereitet ihr erstes Abenteuer im Auftrag der CIA zu verfolgen, dass ich in den nächsten Monaten bestimmt noch weitere Hörbücher mit ihr hören werde – vor allem, da diese ebenfalls von Barbara Rosenblat gelesen werden.

Lena Gorelik: Die Listensammlerin

Ich habe keine Ahnung mehr, wie und wo ich über „Die Listensammlerin“ von Lena Gorelik gestolpert bin, aber vor ein paar Wochen meldete mir die Bibliothek, dass das Buch für mich zur Abholung bereit stünde. Gelesen habe ich es dann (mal wieder) am Tag vor der Abgabe und habe so einen sehr intensiven Dienstag mit Sofia, Anna, Flox, Grischa, Anastasia und dem Rest der Familie verbracht.

Auf der einen Seite erzählt „Die Listensammlerin“ von der unglücklichen Autorin Sofia, die seit der Geburt ihrer Tochter keine einzige Geschichte mehr geschrieben hat, mit ihrem Leben nicht zurechtkommt und die ich ehrlich gesagt auch als sehr anstrengend empfunden habe. Sofia ist es auch, die Listen sammelt. Schon von Kindheit an erstellte sie Listen über alle möglichen Dinge, ergänzte und pflegte sie und hob sie auf. Ihre Listen geben ihr Halt, wenn ihr das Leben zu viel wird, wenn es zu einer Ausnahmesituation kommt oder wenn sie etwas verarbeiten muss. Dabei drehen sich die Listen um so gut wie jedes Themengebiet von „Sätze, die ich niemals sagen wollte“ über „Szenen meines Lebens, die aus einem (Hollywood-)Film stammen könnten“ bis zu „Momente, in denen ich Frank [das ist ihr Stiefvater] weinen sah“.

Sofias Passagen erstrecken sich eigentlich nur über wenige Tage. Tage, in denen sie auf die dritte Operation ihrer mit einem Herzfehler geborenen Tochter wartet, in denen sie ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter im Pflegeheim besucht, in denen sie die frühere Wohnung der Großmutter ausräumt, in denen sie sich an die vergangenen zwei Jahre erinnert, in denen sie und ihr Freund Flox mit der Krankheit und dem möglichen Tod von Anna fertig werden mussten, in denen sie sich mit ihrem Verhältnis zu ihrer Mutter Anastasia beschäftigt und in denen sie herausfindet, dass sie nicht die einzige Person in der Familie ist, die Listen schreibt.

Der andere Erzählstrang beginnt sehr viel früher in der Sowjetunion und erzählt von Grischa, der mit seinen Eltern, seinem großen Bruder Andrej und seiner kleinen Schwester Anastasia in einer Kommulka lebt. Grischa ist der Klassenclown, ein charmanter Junge, ein begabtes Kind – und gefährlich anders als alle anderen. Grischa hinterfragt Dinge, er will verstehen und wissen und – wie man im Laufe der Geschichte feststellen kann – er lernt nie, seine Fragen zu filtern, er lernt nie, wann er vielleicht besser den Mund halten sollte, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Grischa ist jemand, der anscheinend niemals Angst hat, während gerade dieser Punkt – ebenso wie seine kritische Haltung zum System – seiner Familie umso mehr Angst macht.

Die Kapitel rund um Grischa fand ich wunderschön. Eingeleitet wurden diese von Listen (zum Beispiel von „Männern mit schönen Händen“ oder „Sachen, die ich meiner Mutter wünsche“) und sie erzählten auf eine wunderschöne und sehr liebevolle Weise vom Anderssein, vom Hinterfragen eines Systems wie es in der Sowjetunion herrschte, und von dem Bedürfnis eines Künstlers, sich frei ausdrücken zu können. Überhaupt hat es Lena Gorelik geschafft, wunderschön zu beschreiben, wie Grischa seine Umgebung wahrnimmt, wie er sich die Bilder zu dem Erlebten vorstellt, wie er Stimmungen und Gefühle in Maltechniken (nicht Farben!) empfindet.

Sofia hingegen fand ich nicht so überzeugend. Nicht wegen ihrer Listen, die ich in gewisser Weise charmant fand, sondern weil ich sie als so anstrengend empfunden habe. Dabei muss ich zugeben, dass die Probleme, die ich mit der Protagonisten hatte, die gleichen Probleme waren, die die Protagonistin mit sich selber hatte. Sofia war so schrecklich überempfindlich. Während der aktuellen Szenen konnte ich es noch verstehen, die anstehende Operation belastete sie ebenso wie die Situation ihre Großmutter, zu der sie als Kind ein sehr enges Verhältnis hatte. Aber auch bei den Kindheitsszenen schien sie mir überempfindlich und immer undankbar, immer gereizt, immer bereit zum Angriff – mir fehlte da wirklich ein „schöner“ Ausgleich, ein Charakterzug, der vielleicht erklärt, warum jemand mit dieser Person überhaupt eine Beziehung eingehen würde. Auf der anderen Seite gab es viele Momenten zwischen Sofia und ihrer Familie und auch Grischa und seiner Familie, die wiederum in mir Erinnerungen an meine Familie geweckt haben und die ich als universell familiär empfunden habe.

Lena Gorelik erzählt beide Geschichten sehr episodenhaft. Sie erklärt viele Dinge nicht, gibt am Ende keine Antworten auf bestimmte Fragen, aber gerade das mochte ich, weil es Raum für die eigenen Gedanken bietet und weil die Handlung es auch nicht nötigt hat, dass alles geklärt wird. Wie schon gesagt, habe ich einen sehr intensiven Tag mit dem Buch erlebt und habe das sehr genossen. Auf der anderen Seite muss ich nach gerade mal zwei Tagen feststellen, dass abgesehen von einigen kleinen Szenen und einigen Gefühlen, die ich mit dem Roman verbinde, es eigentlich nur Grischa ist, der sich bei mir festgesetzt hat und der wohl noch ein wenig in Erinnerung bleiben möchte.

Mürbeteig-Plätzchen?

Ich habe am letzten Wochenende mit Mürbeteig experimentiert, nachdem ich einen Keksstempel geschenkt bekommen habe. Aber obwohl die Plätzchen schmecken, bin ich noch nicht so ganz überzeugt vom Ergebnis. Auf der einen Seite suchte ich einen Mürbeteig, der beim Backen nicht zu sehr aufgeht (also kein Backpulver und wenig Ei enthält), auf der anderen Seite sollte er natürlich auch einen leckeren Keks ergeben. Das erste Rezept, das ich ausprobiert habe, habe ich online gefunden. Wie man sehen kann, kommt die Form des Stempels trotz der – allerdings sehr dünnen – Glasur schön durch, allerdings sind die (Orangen-)Plätzchen sehr fest geworden. Außerdem schmecken sie kaum nach Orange, was ich aber nicht dem Teig anlaste, sondern der getrockneten Orangenschale, die dieses Mal nicht so „zündete“.

Bei dem zweiten Teig (einmal Vanille, einmal Schokolade – beide ebenfalls dünn mit einer Glasur überzogen), dessen Rezept an dem Stempel hing, gab es schon beim ausstechen der Kekse Probleme. Der Teig war viel zu weich, viel zu buttrig und selbst gut gekühlt ließ er sich kaum verarbeiten. So ist es auch kein Wunder, dass der Stempel nicht so schön zur Wirkung kommt und das Eulchen auf den Keksen sehr verschwommen zu sehen ist. Dafür schmecken die Plätzchen aber etwas besser als beim ersten Rezept …

Nun frage ich mich, ob jemand von euch schon Erfahrungen mit Keksstempeln gemacht hat und mir vielleicht ein Rezept empfehlen kann, bei dem die Plätzchen hübsch aussehen und gut schmecken.

Laura Thompson: Agatha Christie

Wenn ich die Romane einer Autorin oder eines Autors sehr mag und auch noch die Zeit besonders interessant finde, in der sie oder er gelebt hat, dann greife ich auch gern zu (Auto-)Biografien, um mehr über die Arbeit, den Werdegang und das Leben zu dieser Zeit zu erfahren. Dass ich Agatha Christies Romane sehr gern lese (und höre), dürfte ja inzwischen jedem Blogleser bekannt sein, und so ist es auch kein Wunder, dass ich schon mehrere Bücher über sie (und über ihre Figuren und Romane) gelesen habe. Am besten haben mir bislang ihre Autobiografien („Meine gute alte Zeit“ und „Erinnerung an glückliche Tage“) gefallen sowie Charlotte Trümplers Buch „Agatha Christie und der Orient“ – Letzteres vor allem durch die Konzentration auf Agatha Christies Anteil an den Ausgrabungen ihres zweiten Mannes Max Mallowan und durch Berichte einer Freundin von Agatha Christie.

Die Biografien, die ich sonst so gelesen habe, hatten alle den großen Nachteil, dass sie sich vor allem aus Zitaten aus Agatha Christies Autobiografien zusammensetzen und mir so nicht das Gefühl gaben, dass ich etwas Neues darin entdecken könnte. Bei „Agatha Christie – Das faszinierende Leben der großen Kriminalschriftstellerin“ (was für ein Untertitel!) von Laura Thompson hingegen habe ich eine Menge Details gefunden, die die Verfasserin aus Briefen von und an Agatha Christie gezogen hat, aus Gesprächen mit Familienangehörigen und Freunden oder aus den Romanen, die diese unter dem Pseudonym Mary Westmaecott geschrieben hat. Diese – von den anderen Biografieverfassern in der Regel ignorierten – „Liebesgeschichten“ tragen wohl so einige biografische Züge oder beinhalten Figuren, die Agatha Christies Beschreibungen von sich selbst und ihrer Familie recht nah kommen, so dass Laura Thompson aufgrund dieser Romane der Schriftstellerin immer wieder Gefühle „unterstellt“, die Agatha Christie in ihrer recht distanzierten Art so nie geäußert hätte.

Obwohl manche dieser „Unterstellungen“ mir etwas zu weit gingen, klangen die Schlüsse, die Laura Thompson aus den Werken von Agatha Christie zu deren eigenem (Gefühls-)Leben gezogen hat, insgesamt recht stimmig und bringen die eine oder andere neue Facette der Autorin zum Vorschein. Die Verweise auf die Kriminal- und Mary-Westmaecott-Romane sorgen dafür, dass diese Biografie eine Menge Zitate enthält, aber diese werden so angenehm flüssig in den von Laura Thompson verfassten Text eingebaut, dass das Buch gut lesbar ist – was man ja leider nicht von jedem Buch, in dem viel zitiert wird, sagen kann. Neben dieser weniger distanzierten (und hin und wieder etwas verklärten) Sicht auf Agatha Christie haben mir doch vor allem die kleinen Informationen gefallen, die in anderen Biografien oft wegfallen, eben weil Agatha Christie auf diese Details ihres Lebens keinen Wert gelegt hat (oder nicht wollte, dass die Öffentlichkeit sich zu sehr mit diesen Aspekten beschäftigt).

Etwas unhandlich fand ich die vielen Fußnoten, da diese nicht am Seitenende aufgeführt wurden, sondern in einem separaten Anhang am Ende des Buches. Das sorgte entweder dafür, dass ich sie ignorierte, weil ich keine Lust auf das ständig Blättern hatte, oder dass ich im Text kaum voran kam, weil ich Fußnoten nachschlagen musste. Dabei besteht ein großer Teil der Fußnoten aus Quellenangaben, aber einige erklären auch weitere Zusammenhänge oder erläutern, welche Informationen Laura Thompson dazu gebracht haben, eine Situation auf diese Weise darzustellen.

In einigen Rezensionen wird Laura Thompson vorgeworfen, dass sie Max Mallowan, Agatha Christies zweiten Ehemann, nicht sehr positiv darstellt. Und ja, es gibt ein paar Sätze in dieser Biografie, die implizieren, dass Max Mallowan die Schriftstellerin wegen ihres Geldes geheiratet hat. Meinem Gefühl nach ist dies aber vor allem so dargestellt worden, weil diese Ehe eben keine himmelhochjauchzende Romanze war wie die von Agatha und Archie Christie und es für einen Außenstehenden schwer sein kann, eine eher kameradschaftliche Beziehung, die zwischen zwei (anscheinend in jeder Hinsicht) so unterschiedlichen Menschen besteht, angemessen zu beurteilen.

Auch unterstellt Laura Thompson immer wieder in den Passagen, in denen es um Max Mallowan und die Ausgrabungen in Ägypten geht, dass Agatha Christie selbst vielleicht gar nicht so sehr an den Ausgrabungen interessiert war, sondern nur so viel Zeit mit ihrem Mann dort verbrachte, um eine gute Ehefrau zu sein. Das finde ich dann doch etwas unglaubwürdig angesichts der Tatsache, dass sich Agatha Christie nicht nur schon vor ihrer Ehe mit Archäologie beschäftigt, sondern auch aktiv an der Erhaltung der gefundenen Objekte beteiligt hat.

Was ich dann wieder wirklich interessant fand, war der Teil über Agatha Christies Probleme mit der Steuer. Obwohl sie immer versuchte, sich korrekt zu verhalten, gab es fast 30 Jahre lang Schwierigkeiten, weil erst ihre US-Einnahmen zurückgehalten, dann die Steuergesetze in Großbritannien geändert wurden. So detailliert hatte ich das noch nirgends aufgeführt gesehen und ich kann mir vorstellen, dass es für sie nicht einfach war, mit dieser Situation zu leben.

Insgesamt fand ich die Biografie wirklich spannend und unterhaltsam zu lesen. Hier und da muss man als Leser vielleicht etwas kritisch an das Gelesene herangehen, da Laura Thompson nicht gerade objektiv über Agatha Christie schreibt und auch ständig betont, was für ein Genie die Schriftstellerin war, aber es gab so einige neue Informationen für mich und ich bin inzwischen sehr neugierig auf die Mary-Westmaecott-Romane geworden. Oh, ein Manko an dieser deutschen Ausgabe besteht für mich darin, dass die zitierten Passagen alle (natürlich) aus den Scherz-Veröffentlichungen der Romane übernommen wurden, da auch die Biografie bei Scherz erschienen ist, und ich bin mir sicher, dass so für den deutschen Leser einige Verweise verloren gegangen sind. Schließlich sind die Scherz-Überarbeitungen von Agatha Christies Werken aufgrund der diversen Kürzungen nicht gerade die beste Quelle …

Amanda Stevens: Totenlichter (Graveyard Queen 2)

Nachdem ich Ende Mai „Totenlichter“ von Amanda Stevens in meinem Buchpaket hatte, habe ich das Buch am Wochenende gelesen. Der Vorgänger „Totenhauch“ hatte mir gut gefallen und so war ich gespannt wie es mit Amelia Gray so weitergeht. Die Handlung in diesem Roman spielt dieses Mal nicht in Charleston, sondern in den Blue Ridge Mountains, genauer gesagt in dem kleinen Ort Asher Falls, wo Amelia den Thorngate Friedhof restaurieren soll.

Der Friedhof war früher der Familienfriedhof der Familie Asher, doch nachdem Pell Asher in den 80er Jahren ein großes Stück Land verkauft hat, damit dort ein Stausee angelegt werden konnte, wurde der Friedhof auch den restlichen Bürgern von Asher Falls zugänglich gemacht, da durch den Stausee der alte Friedhof (ebenso wie ein Teil der Wohnhäuser, die Zugangstraße zum Ort und andere wichtige Elemente) überflutet wurde. Ein Großteil der Bürger hat seit Entstehung des Stausees die Stadt verlassen und so findet sich Amelia an einem Ort wieder, der trostlos und oft genug unheimlich wirkt. Auch der Familie Asher hat das Geschäft mit dem Stausee anscheinend kein Glück gebracht, sie wirken ebenso heruntergekommen wie der gesamte Ort, allerdings übt Thane Asher auf Amelia eine unerklärliche Anziehung aus.

Ich muss gestehen, dass mich dieser Roman etwas zwiespältig zurück lässt. Auf der einen Seite hat es Amanda Stevens wieder geschafft einige sehr atmosphärische und unheimliche Szenen zu schreiben. Der verlassene Ort, die Familie Asher mit ihrem skrupellosen Familienoberhaupt Pell, der See mit seinen Geistern, der Friedhof mit den alten und vernachlässigten Familiengräbern und die überwältigende Natur rund um die Stadt Asher Falls bieten eine tolle Kulisse und tolle Figuren für so eine Geschichte. In der Stadt gibt es so einige Sonderlinge, aber auch die drei charismatischen Frauen Luna, Bryn und Catrice, die als einzige in der Gegend erfolgreich und zufrieden zu sein scheinen. Das alles fand ich wirklich schön zu lesen, an manchen Stellen vielleicht etwas klischeehaft, aber insgesamt sehr atmosphärisch.

Auf der anderen Seite fehlten mir Charleston und viele Charaktere, die man im ersten Roman kennengelernt hat. In „Totenlichter“ ist Amelia ganz auf sich allein gestellt und viele Dinge, die sie über die Stadt, die Ashers und die vor vielen Jahren bei einem rätselhaften Unfall umgekommene Freya erfährt, lassen sie an ihre Familie und ihre Kindheit denken. Auch ist ihr bewusst, dass sie – durch den Bruch der Regeln, die ihr Vater ihr von klein auf eingetrichtert hat – eine Grenze überschritten hatte und nun besonders auf der Hut vor den Geistern sein muss. So dreht sich ein Großteil der Handlung weniger um eine Ermittlung oder um den alten Friedhof und eventuell zu beachtende Dinge bei der Renovierung, sondern um Amelias Gefühls- und Privatleben.

Viele Dinge, die Amelia über ihre Familie und ihre Vergangenheit rausfindet, waren nicht besonders überraschend. Ebenso war der Krimianteil der Geschichte meiner Meinung nach recht vorhersehbar und dafür weniger spannend als bei „Totenhauch“. Auch Amelias Aufgabe bei der Friedhofsrestauration fällt in diesem Roman fast unter den Tisch, wirklich neue Aspekte erfährt man kaum, dabei fand ich diesen Part im Vorgänger sehr reizvoll. Und so nett ich Amelias neuen Hund Angus finde, der ihr zu Beginn ihres Aufenthalts in Asher Falls zuläuft, so habe ich das Gefühl, dass viele Szenen durch ihn zu einfach für die Protagonistin geworden sind.

Am Ende bleibt von „Totenlichter“ für mich nur eine nicht ganz so befriedigende Handlung und dafür eine tolle und atmosphärische Kulisse zurück. Wenn Bastei Lübbe noch einen weiteren Band der Autorin veröffentlichen sollte, werde ich den bestimmt auch noch ausprobieren, um zu gucken, ob Amanda Stevens nach der Klärung von Amelias persönlichen Rätseln wieder mehr auf den Kriminalgeschichtenanteil und Amelias ungewöhnlicher Tätigkeit als Restauratorin für historische Friedhöfe setzt.

(Sach-)Buchtipps gesucht!

Eigentlich habe ich ja mehr als genügend Sachbücher ungelesen im Regal stehen und finde durch die Sachbuch-Challenge immer wieder neue interessante Titel. Trotzdem ist mir in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich über „das lange 19. Jahrhundert“ (also über die Zeit zwischen 1789 und 1914) gerade in Bezug auf Deutschland (auch wenn man das eigentlich noch gar nicht so nennen kann) fast gar nichts weiß. Ich bin deutlich informierter, wenn es um französische oder britische Geschichte in diesem Zeitraum geht; und finde das irritierend.

Also suche ich Tipps für gute Sachbücher über diese Zeitspanne (oder eben Teile davon) – oder Romane, die auch auf die gesellschaftliche und politische Situation eingehen -, um meine Wissenslücke etwas zu stopfen. Gern hätte ich auch Bücher mit Karten darin, denn da hat sich bezüglich der vielen kleinen Grenzen doch eine Menge in diesem Zeitraum getan.

Ich weiß, dass das eine sehr spezielle Frage ist, aber vielleicht fällt einem von euch ja spontan ein (oder mehrere) Titel ein, die empfehlens- und lesenswert sind.