Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Piers Torday: Die große Wildnis

Auch „Die große Wildnis“ von Piers Torday ist eine Natira-Leihgabe (irgendwie merkt man meinen aktuellen Beiträgen wohl an, dass ich mir gerade die Kiste mit ihren Büchern vornehme 😉 ), wobei ich mich nicht daran erinnern kann, dass wir über das Buch gesprochen hatten. Aber egal, ob ich den Roman ausleihen wollte oder nicht, Natira hat mit dem Buch auf jeden Fall meinen Geschmack getroffen und ich habe die Geschichte an einem Nachmittag verschlungen.

Kester Jaynes ist zwölf – demnächst dreizehn – Jahre alt und lebt seit sechs Jahren in einem Internat für verhaltensauffällige Kinder. Sein Vater war ein berühmter Tierarzt, seine Mutter ist früh gestorben und seit ihrem Tod hat Kester kein einziges Wort mehr gesprochen. Die Welt in der Kester lebt ist auch keine, über die man gern reden würde. Vor einigen Jahren brach in der gesamten Tierwelt eine große Seuche aus, Rote Pest genannt, die dazu führte, dass man alle Tiere (abgesehen von dem einen oder anderen Ungeziefer) töten musste. Doch ohne die Tiere gingen auch die Nutzpflanzen ein und ohne ein industriell gefertigtes Nahrungsmittelersatzprodukt wären auch die Menschen gestorben.

Eines Tages stellt Kester fest, dass er mit Ungeziefer – genauer gesagt einer Kakerlake, die er General nennt – kommunizieren kann. Unter Führung des Generals bricht der Junge aus und muss feststellen, dass doch noch ein paar Tiere die große Säuberungsaktion überlebt haben. Doch auch sie werden von der Roten Pest bedroht und benötigen dringend ein Heilmittel. Und so zieht Kester mit einer Handvoll von ihnen los und reist quer durchs Land, auf der Suche nach einer Rettung für die letzten Tiere der Welt.

Ich habe Kester und seine Reisegefährten beim Lesen sehr gemocht und fand die Vorstellung einer solchen Welt ohne Tiere und ohne jegliche Landwirtschaft wirklich grauenerregend. Piers Torday scheut sich auch nicht davor den einen oder anderen liebgewonnen Charakter sterben zu lassen oder Kester und seine Freunde in große Schwierigkeiten zu bringen, so dass man mit der kleinen Reisegruppe mitfiebert und sich immer wieder fragen muss, wie sie wohl diese neue Hürde wieder bewältigen. Trotzdem ist die Geschichte zwar häufig traurig, aber immer noch kindgerecht erzählt (das empfohlene Lesealter ist mit „ab zehn Jahre“ angegeben). Es gibt neben all den bedrückenden Momenten auch sehr viele witzige Szenen, wenn Kesters Reisebegleiter ihre Kommentare zu Situationen abgeben oder etwas verwirrt durch die Gegend fliegen.

Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich als erwachsener Leser die Botschaft des Romans etwas zu plakativ herübergebracht fand (als Kind hätte mich das aber wohl nicht gestört). Außerdem fällt es mir schwer einige Dinge einfach hinzunehmen. So stelle ich mir die Frage, woher die – inzwischen regierungsbildende – Firma die Materialien für ihren Nahrungsmittelersatz nimmt, wie die vier Städte, in die alle Menschen umgesiedelt wurde, funktionieren sollen und ähnliches. Ich weiß nicht, ob diese Fragen vom Autor in der Fortsetzung noch geklärt werden oder ob er die Grundsituation einfach so stehen lassen will, aber ein wenig irritiert es mich schon. Davon abgesehen erzählt „Die große Wildnis“ aber eine sehr schöne und intensive Geschichte mit liebenswerten Protagonisten.

Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables 5-8 (Hörspiel)

Im November hatte ich die erste „Anne of Green Gables“-Box gehört und sehr genossen. So war es abzusehen, dass ich mir auch die zweite Box besorgen und bald hören würde – was ich in den letzten Wochen bei der Gartenarbeit dann auch gemacht habe. Beinah könnte ich meine erste Rezension hier reinkopieren und es dabei belassen, aber ein paar kleine Unterschiede gibt es doch zwischen dem ersten Roman (der mit den ersten vier Hörspielen umgesetzt wurde) und dem zweiten Teil, in dem Anne ihre ersten Erfahrungen als Lehrerin in der kleinen Schule von Avonlea macht.

Inzwischen ist Anne deutlich erwachsener geworden, was sie natürlich nicht davon abhält weiter ihre Tagträume zu genießen und sich allerlei Dinge auszumalen. Aber so gern sie ihre Fantasie auslebt, so bleibt ihr nicht viel Zeit zwischen ihrer Arbeit als Lehrerin, ihrer Tätigkeit für den Dorfverschönerungsverein und der Unterstützung, die sie Marilla geben muss, die sich um die Zwillinge einer verstorbenen Verwandten kümmert.

Doch obwohl Anne reifer ist als in dem ersten Band der Serie (bzw. den ersten vier Hörspielen), gibt es genügend Momente, in denen der temperamentvolle junge Frau amüsante Missgeschicke passieren wie an dem Tag, an dem sie die Kuh des Nachbarn verkauft oder ihren verbliebenen sieben Sommersprossen mit einer Tinktur zu Leibe rücken möchte. Dazu kommen diverse Momente mit ihren Schülern, die sie zum Teil in Verzücken versetzen – wie der fantasiebegabte Paul – oder zur Verzweiflung treiben. Und während ihre gleichaltrigen Freundinnen schon über Verlobungen nachdenken, weiß Anne noch lange nicht, was sie von dem Thema zu halten hat. Natürlich träumt sie immer mal wieder von dem perfekten Mann für sich, doch in der Realität hat sie so einen „Traummann“ noch nicht getroffen.

Ich habe mich mit den kleinen und großen Geschichten rund um Annes zwei Jahre als Lehrerin von Avonlea sehr amüsiert. Trotzdem muss ich immer wieder feststellen, dass dieser Fortsetzung ein bisschen das Gefühl von Frische und Spontanität fehlt, das mir im ersten Band so gefallen hat. Anne ist nun mal älter und erwachsener geworden und das spiegelt sich auch in ihrem Verhalten und den Dingen, die sie beschäftigen wieder. Und so niedlich die diversen Streiche sind, die ihre Schützlinge spielen, so berühren sie mich nicht so wie Annes Missgeschicke als Schülerin. Aber auch wenn diese Geschichten nicht an Annes erste Jahre auf Green Gables heranreichen, so hat es wieder Spaß gemacht ihr Leben zu verfolgen, die vertrauten Personen zu treffen und zu sehen, wie das Leben für alle weitergeht. Ein bisschen habe ich zwar das Gefühl, dass ich Matthew ebenso sehr vermisse wie Anne, aber dafür habe ich den neuen Nachbarn schnell ins Herz geschlossen.

Auch mit der Sprecherauswahl bin ich wieder zufrieden. Sowohl die vertrauten Sprecher, die man schon bei den ersten vier Hörspielen kennenlernen konnte, als auch die neuen wurden sehr passend ausgewählt. Je nach Charakter der Figur bekommt man wunderbar brummige, aufgeregt-mädchenhafte oder angenehme „Altdamen“-Stimmen zu hören. Sogar bei der Besetzung der Kinder bin ich zufrieden, obwohl die bei Hörspielen doch oft ganz schrecklich klingen. Hier hingegen kann ich eine gewisse Künstlichkeit bei den Kinderstimmen hauptsächlich auf die altmodische Sprache schieben und bin zufrieden. 😉

Victoria Walker: The House Called Hadlow

„The House Called Hadlow“ von Victoria Walker ist die Fortsetzung von „The Winter of Enchantment“. Bevor ich etwas zur Geschichte erzähle, möchte ich noch anmerken, dass bei den beiden Romanen in der eBook-Version die Autorin in einem Nachwort von ihrem Leben erzählt – und das ist fast genauso unterhaltsam (und märchenhaft 😉 ) wie die Geschichten selber. So kann ich sagen, dass sie ihren zweiten Roman einige Zeit nach dem ersten Buch und unter deutlich ungemütlicheren Bedingungen geschrieben hat, aber man merkt den beiden Bänden weder den zeitlichen Abstand noch die veränderten Lebensumstände an.

Zu Beginn der Geschichte reisen Sebastian und Melissa gemeinsam nach Hadlow, um den Sommer bei Melissas noch unbekannten Onkel Bertram und seiner Frau Augusta zu verbringen, da ihre Eltern verreist sind und niemand sonst auf die Kinder aufpassen kann. Obwohl sich Onkel Bertram, Tante Augusta und sogar der ungewöhnliche Diener Fandeagle als sehr freundlich herausstellen, kommt den beiden Kindern an ihrem Feriendomizil etwas ungewöhnlich vor. Bei ihrer Ankunft läutet eine Glocke, die angeblich seit Jahren keinen Ton mehr von sich gegeben hat, und es gibt immer wieder Momente, in denen Melissa und Sebastian Personen sehen, die nicht da sein können. So nach und nach lernen sie mehr über die tragische Geschichte von Hadlow und beschließen alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Haus, die früheren Bewohner und die mit ihnen verbundenen Elfen von einem ungewöhnlichen Fluch zu befreien.

Wie schon in „The Winter of Enchantment“ ist die Handlung etwas unausgewogen. Einige Aufgaben und Herausforderungen fallen den Kindern sehr leicht und sind in Windeseile erledigt, andere hingegen erfordern all ihre Kraft, ihren Mut und ihr Können. Dieses Ungleichgewicht hat mich beim Lesen aber in keiner Weise gestört, da auch dieser Roman vor lauter bezaubernden Kleinigkeiten und Einfällen strotzt. Sebastian und Melissa haben jeder eigene Aufgaben zu bewältigen und müssen sich darauf verlassen, dass der jeweils andere seinen Part auf die Reihe bekommt. Dabei begegnen sie Bewohnern der Feenwelt ebenso wie griechischen Göttern und anderen übernatürlichen Wesen.

Es gibt in diesem Buch nicht ganz so viele Alltagsszenen wie im ersten Band, aber trotzdem lernt man das Haus, das trotz aller Vernachlässigung sehr viel Charme besitzt, und seine ebenso sympathischen Bewohner recht gut kennen. Ich finde es angenehm, dass manchmal nach einem großen Abenteuer auch ein großes Saubermachen ansteht, damit der Alltag erst einmal weitergehen kann. Überhaupt sind es wieder die vielen kleinen und atmosphärischen Szenen, die einen Großteil der Geschichte ausmachen, ebenso wie die fantastischen und märchenhaften Einfälle von Victoria Walker, die mich immer wieder an (andere) klassische britische Kinderbuchautoren erinnern, deren Geschichten mich seit vielen Jahren begleiten und deren Bücher ich – vielleicht gerade wegen ihrer gradlinigen und etwas altmodischen Erzählweise – nach all der Zeit immer noch genießen kann.

Victoria Walker: The Winter of Enchantment

Im Juli 2010 habe ich auf diesem Blog eine für mich ganz besondere Kindheitserinnerung gesucht. Damals konnte mir niemand bei der Suche nach dieser speziellen orangefarbenen Katze helfen, aber vor einigen Wochen gab es dann doch noch einen anonymen Kommentar, in dem mir Titel („Mantari und der Wunderspiegel“) und Autorin (Victoria Walker) des Buches genannt wurden. Da ich keine finanzierbare „greifbare“ Ausgabe gefunden habe, habe ich mich jetzt erst einmal mit dem englischen eBook begnügt. Und da es kaum ein Buch gibt, das besser zu Elenas „Zurück in die Vergangenheit“-Challenge passt, habe ich die Geschichte nicht nur voller Begeisterung verschlungen, sondern versuche jetzt auch noch hier zu erklären, warum ich den Roman nach all den Jahren immer noch so schön finde.

Die ganze Geschichte beginnt an dem Tag, an dem der dreizehnjährige Sebastian ganz allein in der Bibliothek im Haus seines Vaters sitzt und ihm die silberne Teekanne zuzwinkert. Da er ein vernünftiger Junge ist, beschließt er, etwas frische Luft zu schnappen und über die zwinkernde Teekanne nachzudenken – und landet prompt in einem Trödelladen, wo er einen mysteriösen Spiegel findet. Am nächsten Tag kauft Sebastian den Spiegel, wobei er dieses Mal im Laden über eine sehr freundliche orangefarbene Katze stolpert, und findet kurz darauf heraus, dass er durch den Spiegel mit einem etwa gleichaltrigen Mädchen namens Melissa reden kann.

Melissa wird seit beinahe hundert Jahren von einem bösen Zauberer gefangen gehalten, und abgesehen von einer orangefarbenen Katze, die das Mädchen Mantari genannt hat, hat sie in all der Zeit keine lebende Seele gesehen. Stattdessen hat sie in der Bibliothek des Zauberers ein magisches Buch gefunden, in dem beschrieben wird, wie sie mit der Hilfe von fünf magischen silbernen Gegenständen aus ihrer Gefangenschaft befreit werden kann. Natürlich ist Sebastian sofort bereit, Melissa zu helfen und sich auf die Suche nach den besagten Gegenständen zu machen …

Die Handlung in „The Winter of Enchantment“ ist in gewisser Weise etwas unausgewogen. Manche Dinge fallen Sebastian und Melissa einfach so in die Hände, andere Sachen müssen sie sich hart erarbeiten. Aber all das hat mich beim Lesen wirklich nicht gestört und als Kind ist mir das gar nicht erst aufgefallen. Der Roman lebt von den hübschen Ideen, die die Autorin für ihre Geschichte verwendet hat, und von den charmanten und atmosphärischen Details. Die zwinkernde Teekanne ist ein bezaubernder Einstieg in die Geschichte, und als Sebastian später noch Hilfe vom Wind, den Jahreszeiten und der Zeit erhält, gibt es viele weitere Elemente, die auf der einen Seite märchenhaft, auf der anderen Seite angenehm bodenständig sind.

Ich mag die Beschreibungen der magischen Momente, aber auch die Szenen, in denen Sebastians Alltag erwähnt wird. Ich würde zu gern mal eine Teezeit in seiner Bibliothek erleben oder abends zusammen mit Mrs. Parkin und ihrer Nichte Sarah in der Küche essen. Mich spricht diese Mischung heute ebenso an wie als Kind – und bei Victoria Walker ebenso wie bei Edith Nesbit oder bei den Mary-Poppins-Büchern von P. L. Travers. Auf der einen Seite zeigen diese Bücher eine verklärte Variante eines Londons, in dem die Straßen von Pferdekutschen bestimmt werden und Kinder daheim Unterricht von Privatlehrern bekommen, auf der anderen Seite ist da diese schlichte Akzeptanz, dass Magie existiert und dass Magie alles Mögliche bewirken kann.

Die Kinder werden zwar nicht gerade tiefgehend charakterisiert – wie mir als erwachsener Leser auffällt -, aber sie sind sympathisch, und obwohl sie für aktuelle Bücher zu brav wären, haben sie ihre kleinen Eigenheiten. Dabei finde ich es hübsch, dass Sebastians gelegentliche Anfälle von „ich bin ein Junge, ich muss das Mädchen beschützten“ ebenso wie Melissas „als Mädchen breche ich in Tränen aus, wenn mir alles zu viel wird“-Momente nicht so stehengelassen werden, sondern Melissa Sebastian durchaus ebenbürtig ist, wenn es um das Bestehen von Abenteuern geht. Sie ist vielleicht nach hundert Jahren ohne menschliche Gesellschaft schnell verzweifelt, aber sie weiß auch, wann sie ihre Emotionen im Griff halten muss.

Dummerweise kann ich hier ganz viele wunderbare und bezaubernde Details gar nicht erzählen, denn sonst würde ich dieser kleinen und feinen Geschichte die Überraschungsmomente nehmen. Ich kann aber sagen, dass ich „The Winter of Enchantment“ heute mit der gleichen Freude wie als Kind gelesen habe. Wenn also einer von euch eine Schwäche für altmodische britische Kindergeschichten hat, dann würde ich dieses Buch jederzeit empfehlen. Oh, eine Fortsetzung gibt es davon übrigens auch – und da ich mir die gleich mitgekauft habe, bin ich gespannt, ob mir diese Geschichte ebenso gut gefällt, obwohl ich keine Kindheitserinnerungen daran habe.

[Kurz und knapp] Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück

Über „Das Blubbern von Glück“ von Barry Jonsberg bin ich bei Tine gestolpert, die ganz begeistert von dem Roman war. Nachdem die Bibliothek mir das Buch überraschend schnell besorgen konnte, habe ich es am vergangenen Donnerstag gelesen und fand es ebenfalls sehr bezaubernd.

Allerdings gab es bei diesem Roman eine Sache, die mich beim Lesen solcher Geschichten häufig stört: Candice ist mir stellenweise zu erwachsen. Dass sie ungewöhnlich ist, dass sie kein Gespür für Zwischentöne hat und alles wörtlich versteht und dementsprechend beantwortet, ist alles kein Problem für mich – und bietet die Möglichkeit für einige wirklich berührende Szenen. Aber beim Aufschreiben ihrer Gedanken gibt es immer wieder Elemente, die für mich nicht zu einem zwölfjährigen Kind – egal wie intelligent und besonders es sein mag – passen.

Von diesem Punkt einmal abgesehen, war „Das Blubbern von Glück“ wirklich ein Wohlfühlroman, den ich sehr genossen habe. Candice erzählt in 26 Kapiteln von ihrer Familie, von ihrem Leben und den Menschen, die ihr wichtig und die aufgrund verschiedener Gründe unglücklich sind. Da Candice möchte, dass diese Menschen wieder glücklich werden, arbeitet sie systematisch an den verschiedenen Problemen – so wie sie sie sieht, was natürlich nicht immer ganz mit der Sichtweise ihrer Lieben übereinstimmt, aber trotzdem irgendwie funktioniert.

Ich glaube, es ist das Einfache an diesem Buch, das dazu führt, dass man das Lesen so genießt. Es tut gut für eine kurze Zeit die Welt aus Candice Sicht zu erleben. Für das Mädchen ist die Welt zwar auch nicht ohne Problem und Herausforderungen, aber trotzdem fühlt es sich einfach richtig an, während des Lesens so wenig wertend durchs Leben zu gehen und bei Gesprächen eben nicht auf Zwischentöne und das was gemeint, statt gesagt wurde zu reagieren, sondern wortwörtlich auf eine gestellte Frage oder eine Aussage antworten zu können. Das war wirklich schön und ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, was Candice als nächstes durch den Kopf geht und welchen Plan sie noch verwirklichen möchte.

Anke Dörrzapf und Claudia Lieb: Marco Polos wunderbare Reisen

Nachdem ich gerade nicht so glücklich mit einem Roman war, der zum Teil in Tibet und China spielte und auch Bezug auf Marco Polo nahm, habe ich mir gedacht, ich sollte mich mal auf angenehme Weise mit dieser Region beschäftigen. Da passte es doch ganz gut, dass ich auch noch ein Buch für meine Sachbuch-Challenge lesen musste und dass „Marco Polos wunderbare Reisen“ nicht ganz so umfangreich ist und somit stressfrei bis zum Jahresende bewältigt werden konnte. Geschrieben wurden die Texte von Anke Dörrzapf und die Illustrationen stammen aus der Feder von Claudia Lieb. Das Ganze ist ein Sachbuch für Kinder, was sich auch in der verwendeten Sprache niederschlägt. Trotzdem ist das Buch auch gut für Erwachsene zu lesen. Man merkt, dass es als „Familien(vorlese)buch“ geschrieben wurde.

Zu Beginn begegnet man Marco Polo im Gefängnis von Genua, wo er nach einer verlorenen Schlacht zwischen Venedig und Genua gelandet ist. Dort trifft er auf den Autor Rustichello, der schon seit 16 Jahren in diesem Gefängnis eingesperrt ist und der Marco Polo nach seinen Abenteuern fragt. So kommt es, dass der Reisende dem Mitgefangenen seine Geschichte erzählt – beginnend bei seiner Kindheit und der Tatsache, dass er seinen Vater erst kennenlernte, als er schon 15 Jahre alt war. Denn dieser war in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Marcos Onkel durch den Osten gereist und hatte nicht nur viele Länder entdeckt, die nur von wenigen venezianischen Händler bereist wurden, sondern hatte auch die Bekanntschaft des Kublai Khan gemacht.

Natürlich bekommt man als Leser Marco Polos Reise nach China nur in ausgewählten Szenen erzählt, aber ich fand den Text stimmungsvoll und faszinierend. Mal wird von den seekranken Reisenden bei der Abreise aus Venedig erzählt, mal von den Gefahren in der Wüste oder den ganzen fremdartigen Eindrücken, die der venezianische Teenager (Marco Polo war zu Beginn der Reise, die er mit seinem Vater und seinem Onkel unternahm, gerade mal 17 Jahre alt) aufnimmt. Und wie es sich für reisende Händler gehört, dreht sich auch ein Teil der Texte um die Bemühungen des Vaters und des Onkels, sich einen Überblick über die jeweiligen örtlichen Preise zu verschaffen oder günstig an Kostbarkeiten zu gelangen, die sich in die Kleidung einnähen lassen. Auch von Räubern und Politik ist die Rede, denn beide Elementen haben natürlich einen großen Einfluss auf den Verlauf der Reise.

Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit der Zeit, die Marco Polo für Kublai Khan gearbeitet hat, in dessen Auftrag er dann ganz China bereiste. Abschließend wird noch erklärt, aus welchen Gründen wohl das Gerücht aufkam, dass Marco Polo diese lange Zeit im Osten gar nicht erlebt habe. So gibt es in seinen Reisebeschreibungen keine Erwähnung der Chinesischen Mauer oder anderer Elemente, die andere (touristische) Reisende als bemerkenswert erwähnt haben. Die Autorin hingegen betont, dass Marco Polos Bericht wie ein Ratgeber für Kaufleute geschrieben wurde. So zählt er auf, in welchen Ländern welche Produkte verkauft werden und wie man vor Ort Handel betreibt. Außerdem wird betont, dass Marco Polos Originalschrift schon lange verschollen ist und dass jeder, der das Buch übersetzt oder kopiert hat, Passagen auslassen oder ausschmücken konnte.

Ergänzt werden die Passagen um Marco Polos Reise durch kleine informative Einschübe, die im Text verwendete Begriffe oder andere Details näher erklären. Das alles ist kindgerecht gehalten, unterhaltsam und stört den Lesefluss nicht, wenn man sich erst einmal nur auf die Erlebnisse des Reisenden konzentrieren möchte. Außerdem ist jede Seite reichlich bebildert – viele Darstellungen nehmen die Hälfte des vorhandenen Platzes ein – und mir haben die Illustrationen gut gefallen. Dezente Farben, reduzierte, stellenweise recht grafische Formen und sehr atmosphärische Darstellungen zeigen Szenen, Landschaften und Orte, wie sie Marco Polo auf seinen Reisen gesehen haben könnte. Besonders stimmungsvoll fand ich zum Beispiel eine Doppelseite, bei der die obere Hälfte nur einen Gebirgszug in verschiedenen Blau- und Violetttönen zeigte, was einfach toll aussah.

Ich fand es wirklich angenehm, in den letzten Tagen abends das Buch zur Hand zu nehmen, die Bilder zu betrachten und ein paar Passagen über Marco Polos Reisen zu lesen. Das Buch ist zu dünn, um wirklich ausführlich auf die Reisen des Venezianers einzugehen, aber ich hatte das Gefühl, ich bekäme einen guten Überblick und interessante Informationen vermittelt. Zudem hat mich der Text immer wieder dazu veranlasst, innezuhalten und mir zu überlegen, wie es wohl für diesen Mann gewesen sein muss, von Jugend an immer auf Reisen zu sein, ständig neue Eindrücke zu gewinnen und – trotz der langen Zeit im Dienst des Khans – kein Zuhause zu haben.

Diane Zahler: Sleeping Beauty’s Daughters

„Sleeping Beauty’s Daughters“ ist die vierte Märcheadaption, die ich inzwischen von Diane Zahler gelesen habe. „Sleeping Beauty’s Daughters“ wird aus der Perspektive von Aurora erzählt, der ältesten Tochter von Dornröschen. Dabei ist dem Mädchen lange Zeit nicht bewusst, dass ihre Mutter eine „sagenhafte“ Gestalt ist. Sie weiß nur, dass die Mutter empfindlich und nicht ganz gesund ist und immer schonend behandelt werden muss. So hält sie auch immer ein Auge auf ihre jüngere und sehr lebhafte Schwester Luna, damit deren Streiche die Mutter nicht aufregen. Erst mit zwölf Jahren findet Aurora heraus, dass ihre Mutter vor über hundert Jahren bei ihrer Taufe verflucht wurde – und dass auf ihr der gleiche Fluch lastet.

Kurz darauf sticht Aurora sich in den Finger und muss von diesem Moment an gegen den Schlaf kämpfen. Dabei steht ihr ihre Schwester Luna tatkräftig zur Seite und auch in Symon, einem jungen Fischer aus dem naheliegendem Ort, findet die verfluchte Prinzessin einen engagierten und geschickten Helfer. Auroras einzige Hoffnung besteht darin, die Fee zu finden, die schon damals den tödlichen Fluch, der über ihre Mutter ausgesprochen wurde, abmilderte. Doch diese Fee wurde seit über hundert Jahren nicht mehr gesehen, auch wenn es gerüchteweise heißt, dass sie auf einer Insel in einem Ozean leben würde.

Für Aurora bringt die Reise einige Überraschungen mit sich. So muss sie entdecken, dass ihre vorwitzige kleine Schwester schon viel häufiger über die Stränge geschlagen hat, als sie gedacht hätte, findet unerwartete Unterstützung – nicht nur von Symon  – und lernt sich von einer ganz neuen Seite kennen. Dabei verläuft ihre Suche nach der guten Fee auf klassische Märchenart ab, während sie eine Insel nach der anderen ansegeln und dort eine Herausforderung bewältigen müssen, die ihnen eine neue Erkenntnis bringt. Und die ganze Zeit ist ihnen dabei die böse Fee auf den Fersen, die alles dafür tut, damit Aurora endlich dem Fluch erliegt.

Obwohl Diane Zahler die Handlung sehr schlicht erzählt, so flicht sie doch ein paar ungewöhnliche Elemente in die Geschichte ein, die ich sehr schön fand und die mich über die sehr lineare Erzählweise hinwegsehen ließen. So verwendet die Autorin in diesem Märchen nicht nur keltische/irische Sagenelemente, sondern sie hat sich auch weitere Gedanken über die Motive der guten und der bösen Fee gemacht – und die Grundidee mit dem vererbten Fluch hat mir auch sehr gut gefallen. Anfangs wirken Aurora und Luna noch etwas arg klischeebelastet, die eine die brave und vernünftige Schwester, die andere impulsive und jungenhaft, aber auch hier zeigt sich im Laufe der Zeit, dass sie auch andere Facetten haben. „Sleeping Beauty’s Daughters“ klingt in mir nicht so lange nach wie zum Beispiel „The Thirteenth Princess“, aber ich habe das Lesen dieser Geschichte genossen und freue mich, dass der hübsche Band meine Diane-Zahler-Märchensammlung (erst einmal) vervollständigt.

Lisa und Laura Roecker: The Liar Society – The Lies That Bind

Im September hatte ich „The Liar Society“ gelesen und mochte den Roman von Lisa und Laura Roecker so gern, dass ich mir nun die Fortsetzung „The Lies That Bind“ zum Geburtstag gewünscht habe. „The Liar Society“ endete für mich befriedigend, obwohl es einige Aspekte gab, die nicht „gut“ ausgingen, hatte ich nach dem Lesen das Gefühl, dass Kate mit diesem Ergebnis ihrer Nachforschungen leben konnte. In „The Lies That Bind“ wird deutlich, dass sie wirklich versucht hat wieder ein „normales“ Leben zu führen. Sie hat in den vergangenen Monaten herausgefunden wie genau ihrer Freundin Grace gestorben ist und wer für ihren Tod die Verantwortung trägt. Auch weiß sie inzwischen, wo all die mysteriösen Botschaften herkamen, die die verstorbene Grace ihr gesendet hat.

Doch obwohl sie nun relativ zufrieden ist und versucht die Vergangenheit abzuschließen, kann Kate nicht vollständig loslassen. Sie hat immer noch das Bedürfnis diejenigen, die für Grace Tod nicht zur Rechenschaft gezogen würden, im Auge zu behalten – und so beginnt das Buch damit, dass sie aufgrund von Informationen handelt, die sie bekommen hat, weil sie jeden Morgen auf der Jungentoilette der PB Privatschule ein Aufnahmegerät installiert. Ich muss zugeben, dass das einer ihrer „professionelleren“ Momente ist, denn die folgenden Tage werden für Kate so belastend, dass sie wieder relativ planlos in gefährliche Situationen stolpert.

Denn bei einer Art Gedenkveranstaltung verschwindet eine Schülerin (Bethany) und niemand außer Kate und Bethanys bester Freundin Taylor scheint sich Sorgen um ihren Verbleib zu machen. Und da Kate nur zu gut nachvollziehen kann, wie es Taylor nun geht, setzt sie alles daran, um Bethany – die sie eigentlich gar nicht leiden kann – zu retten und herauszufinden, wer hinter dem Verschwinden des Mädchens steckt. Wie schon im ersten Band geht Kate recht kompromisslos zu Werke. Ihr ist bewusst, dass sich ihr Umfeld Sorgen um sie macht, aber sie kann einfach nicht ruhig bleiben und nichts tun, während andere Menschen in Gefahr sein könnten. Das sorgt für ein Zerwürfnis im Laufe der Geschichte, das ich sehr bedauerlich fand, aber auch für einige amüsante Situationen mit Kates einzigem treuem Verbündeten, ihrem Nachbarn Seth.

Letztendlich sind sich die beiden Romane relativ ähnlich, auch wenn Kate nach den Enthüllungen im ersten Band über so viel mehr Wissen verfügt als vorher. Aber das ändert nichts daran, dass sie wieder einmal nicht weiß, wem sie trauen kann und welche Motive die verschiedenen Beteiligten verfolgen. Dazu kommt die Gewissheit, dass die Machenschaften, die in der Privatschule ihren Anfang nahmen, sich über den ganzen Ort ausgeweitet haben, so dass sie sich nicht einmal an die Behörden um Hilfe wenden kann. Das alles führt wieder zu einer sehr atmosphärischen Geschichte, bei der es schwer fällt jemanden als „Freund“ oder „Feind“ einzuordnen. Ich mag das sehr! 🙂

Allerdings bin ich mir nicht sicher, was ich von dem Ende des Romans halten soll. Wieder habe ich das Gefühl, dass das Ganze nicht „gut“ ausgegangen ist. Und obwohl es stimmig ist, wie sich Kate durch die Ereignisse verändert – so wird sie zum Beispiel skrupelloser und sie lernt immer leichter zu lügen, um in Ruhe ihre Nachforschungen anstellen zu können -, gefällt es mir nicht, wie weit sie im Laufe der Zeit geht. Am Schluss habe ich das Gefühl, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie die weitere Schulzeit auf der PB Privatschule für Kate enden könnte und beide gefallen mir nicht so recht. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass die Autorinnen die Handlung nicht zu einem simplen Happy End geführt haben, denn das wäre unglaubwürdig gewesen. So oder so, das Lesen hat wieder sehr viel Spaß gemacht und ich werde die beiden Bände ganz bestimmt nicht zum letzten Mal in der Hand gehalten haben. 😉

Leseeindrücke im November

„Fischland-Mord“ von Corinna Kastner war mal wieder eine dieser Spontan-Ausleihen in der Bibliothek. Ein Teil von mir scheint immer noch nach neuen und unterhaltsamen Krimiautoren Ausschau zu halten, denn an ungewöhnlichen Kriminalromanen kann ich zur Zeit nicht vorbeigehen. „Fischland-Mord“ spielt rund um Wustrow an der Ostsee und gehört zu der Sorte Regionalkrimis, die ich mag. Die Hauptfigur Kassandra Voß hat vor einem Jahr ein altes Kapitänshaus in Wustrow gekauft und eine kleine Pension daraus gemacht. Nun findet sie eines Morgens einen ihrer Gäste ertrunken in seinem Bett liegend, dass der Tote ermordet wurde, steht selbst für Kassandra schnell fest und als die Polizei dann auch noch sie zu den Verdächtigen zählt, beginnt sie gemeinsam mit ihrem Nachbarn Jonas und seinem Freund Paul zu ermitteln.

Ich habe mich mit dem Buch wirklich gut unterhalten gefühlt. Der Fall an sich war zwar etwas überkonstruiert, aber nicht so absurd, dass ich nicht hätte weiterlesen mögen. Die Figuren fand ich großteils sympathisch (wenn auch ein paar Nebenfiguren etwas überzogen waren) und die Rolle, die das Fischland in diesem Roman spielt, hat mir auch gefallen. Corinna Kastner lässt Kassandra immer wieder am Meer spazieren gehen oder darüber nachdenken, wie wohl sie sich auf diesem Stückchen Land zwischen Ostsee und Bodden fühlt, ohne dass ich das Gefühl hatte, das wäre jetzt künstlich aufgepropft worden, um für „Lokalkolorit“ zu sorgen. Ich bin jetzt nicht so hingerissen, dass ich mir sofort die Fortsetzung kaufen würde, aber ich würde mich freuen, wenn sie mir in der Bibliothek in die Finger fallen würde. Mit „Fischland-Mord“ habe ich einen angenehmen und entspannten Nachmittag verbracht – und manchmal ist genau das alles, was ich von einem Buch erhoffe.

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„Niemand ist ohne Schuld“ und „Zurück von den Toten“ (Band 3 und 4 der Dark-Village-Reihe) von Kjetil Johnsen haben mich ebenfalls gut unterhalten. Die Handlung ist zwar stellenweise vorhersehbar und entwickelt sich in immer absurdere und unglaubwürdigere Richtungen, aber bei dieser Serie kann ich damit gut leben. Die kurzen Kapitel, die kleinen Informationshäppchen und die verschiedenen Figuren halten mich so weit bei der Stange, dass ich mich beim Lesen wunderbar amüsiere. Inzwischen haben wir vier Tote, eine kriminelle Organisation, eine „Undercover Bösewichtin“, mehrere Mörder und natürlich einige verwirrte Teenager, die nicht so recht wissen, wie sie mit all den Vorfällen umgehen sollen. In der Regel schnappe ich mir den frisch ausgeliehenen Band am selben Tag, an dem ich ihn in der Bibliothek mitnehmen konnte, und gönne mir damit ein paar intensive Lesestunden. „Dark Village“ ist zwar keine Reihe, die ich mir kaufen würde, aber ich genieße die Bücher gerade wirklich und freu mich schon auf all die (vermutlich ziemlich überzogenen) Wendungen, die mich im Abschlussband erwarten. 
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„Smoke and Mirrors“ von Tanya Huff ist der zweite Teil der Serie rund um Tony Foster und hat mich ebenso amüsiert wie schon „Smoke and Shadows“. Nachdem sich Tony im ersten Band mit Schattenwesen herumschlagen musste, die durch ein Dimensionstor das Filmgelände, auf dem er arbeitet, erobern wollten, darf er sich nun mit einem Haus voller Geister beschäftigen. Dass er dabei auch noch auf das Filmteam aufpassen muss, das in dem Haus gerade eine weitere Folge einer bekannten Vampir-Serie drehen will, macht die Aufgabe nicht leichter für ihn. Ich mag es immer wieder, wie Tanya Huff klischeebelastete Elemente in ihren Romanen aufgreift und so verwendet, dass ich mich beim Lesern wunderbar amüsieren kann. Ich mag den Humor der Autorin, ich mag ihre Art ein Geisterhaus zu beschreiben und ich mag die Art und Weise wie ihre Figuren miteinander agieren. So langsam landet Tanya Huff wirklich auf der Liste der Autoren, von denen ich mir jeden verfügbaren Titel besorge. 🙂

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„Mädchenhimmel!“ von Lili Grün war eine Leihgabe von Hermia, die auch eine sehr passende und informative Rezension zu dem Titel geschrieben hat. Ich fand die Gedichte und kurzen Geschichten von Lili Grün wunderbar zu lesen und in vielerlei Hinsicht immer noch aktuell und treffend. Eigentlich könnte ich hier Hermias Rezension hinkopieren, denn sie hat meine Meinung zu dem Buch sehr schön zusammengefasst. 🙂 Gäbe es nicht einen kleinen Punkt, dann würde ich mir diesen Titel sofort auf die Wunschliste setzen. Aber ich muss zugeben, dass ich das Preis-/Leistungsverhältnis nicht so ganz angemessen finde, auch wenn ich verstehen kann, dass ein kleiner Verlag so einen Band nun einmal nicht zum Spottpreis auf den Markt werfen kann. Auch fand ich den Teil mit den Anmerkungen zum Großteil überflüssig, aber das kann an mir liegen, da ich durch mein Quer-durch-alle-Genres-Lesen kein Problem mit etwas altmodischen (oder österreichischen) Begriffen habe. Alles in allem bin ich Hermia sehr dankbar, weil sie mir das Buch geliehen und so sehr schöne Momente mit den Gedichten und Geschichten von Lili Grün bereitet hat.

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„Teatime mit Tante Alwine“ von Ellen Jacobi wird vermutlich meine Mutter zu Weihnachten bekommen und war genau das richtige Buch, als ich vor kurzem wegen Bauchschmerzen eine schlaflose Nacht verbracht habe. Locker, flockig erzählt, nicht besonders anspruchsvoll, aber eine nette Geschichte mit dem einen oder anderen amüsanten (wenn auch arg übertriebenen) Moment. Ich mochte die kleinen „Backszenen“ – mit manchen Themen kann man mich eben immer locken – und die energischen und dickköpfigen Damen, die in der Handlung vorkommen. Es hat mich jetzt nicht so begeistert, dass ich noch mehr von der Autorin lesen müsste, aber die Geschichte bot entspannende Ablenkung und ließ sich auch übermüdet gut lesen. 

Caroline Stevermer: Magic Below Stairs

Kiya hat mich vor kurzem unabsichtlich – über einen Link in den Kommentaren – auf „Magic Below Stairs“ von Caroline Stevermer aufmerksam gemacht und ich habe den (viel zu kurzen) Roman auch schon gelesen. Caroline Stevermer ist mir von den „Cecelia and Kate“-Romanen bekannt, die sie zusammen mit Patricia C. Wrede geschrieben hat, und als ich mitbekam, dass „Magic Below Stairs“ in der selben Welt spielt, musste ich das Buch einfach haben – auch wenn die Geschichte sich an ein jüngeres Publikum (10 bis 12 Jahre) richtet als die „Cecelia and Kate“-Bücher.

Protagonist von „Magic Below Stairs“ ist Frederick, den der Leser kennenlernt, als er gerade in einem Waisenhaus eine Strafarbeit verrichten muss. Allerdings es ist Frederick unmöglich die Erbsen und Bohnen, die der Waisenhausleiter in der Küche verteilt hat, aufzusammeln, bevor er mitten in der Nacht erschöpft einschläft. Doch als er am nächsten Morgen aufwacht, findet der Junge die Hülsenfrüchte ordentlich in Schüsseln und den Fußboden blitzeblank vor – und muss sich fragen, ob der grüngekleidete kleine Mann, von dem er geträumt hatte, vielleicht doch real war. In den folgenden Monaten darf der Junge dem Koch des Waisenhauses zur Hand gehen und lernt das eine oder andere Nützliche von dem freundlichen Mann.

Mit elf Jahren wird Frederick dann als Laufjunge im Haushalt von Lord Schofield (jupp, Kates Ehemann) aufgenommen, weil er das Glück hat, dass ihm die Uniform des vorherigen Laufburschen perfekt passt. Wieder ergibt sich so die Gelegenheit für den Jungen ganz viel neues Wissen zu sammeln, während er seinen diversen Aufgaben nachgeht. Viel passiert eigentlich gar nicht in dieser Zeit, aber langweilig wird das Buch trotzdem nicht. Caroline Stevermer erzählt von den vielen kleinen Begebenheiten, die Fredericks neues Leben ausmachen, und beschreibt dabei wunderbar nachvollziehbar die Reaktionen des Jungen auf die neuen Lebensumstände, seine Pflichten und die Menschen um ihn herum. Ich habe zum Beispiel mit glänzenden Augen dagesessen, als Frederick herausfand, dass er als Dienstbote im herrschaftlichen Haushalt frisches Brot zu essen bekommt. Auch mochte ich es von all den kleinen Aufgaben zu lesen, die zu seinem Alltag gehören, und von den Gedanken, die er sich zu den verschiedenen Leuten macht.

Natürlich bleibt Fredericks Leben nicht so geruhsam – schließlich sind Kate und ihr Mann nicht gerade dafür berühmt, dass ihr Alltag langweilig verläuft, was natürlich auch Auswirkungen auf ihr Personal hat. So findet der Junge im Laufe der Zeit eine gute Freundin, einen unerwarteten Verbündeten und sogar eine überraschende Chance für sein zukünftiges Leben, während er mit den Auswirkungen einer magischen Auseinandersetzung konfrontiert wird. Ich habe die heimelige Atmosphäre im Haus der Schofields ebenso genossen wie den Humor, der sich durch das ganze Buch zieht. Frederick ist mir, ebenso wie verschiedene andere Mitglieder des Haushalts, sehr ans Herz gewachsen und ich fand es wunderbar auf diese Weise noch einmal in diese Welt zurückzukehren (auch wenn ich Cecelia etwas vermisst habe).