Kelly Meade: Gray Bishop (Cornerstone Run Trilogy 2)

Manche Romane finde ich sehr schwer zu rezensieren, weil Verstand und Gefühl da eher getrennte Wege gehen. Mein Verstand sagt mir, dass die „Cornerstone Run Trilogy“ von Kelly Meade (Kelly Meding) ja „nur“ eine unterhaltsame romantische Urban-Fantasy-Geschichte ist, mein Gefühl hingegen ist einfach nur hingerissen, weil ich nach dem Lesen des zweiten Teils, „Gray Bishop“, genauso emotional ausgelaugt war, wie schon nach dem Lesen von „Black Rook“.

Während im ersten Teil der Serie die Urban-Fantasy-Welt inklusive Magi, Loups Garouxs und Vampire ausführlich vorgestellt wurde, konzentriert sich die Autorin in „Gray Bishop“ mehr auf den Ort Cornerstone und darauf wie die unterschiedlichen Werwolf-Gemeinschaften mit der Bedrohung durch die Hybriden umgehen. Dabei stehen dieses Mal Bishop McQueen (grauer Wolf, sowie ältester Sohn und potenzieller Nachfolger des Cornerstone-Alphas) und Jillian Raynolds (schwarze Wölfin und Tochter des Springwell-Alphas) im Mittelpunkt der Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich es ein bisschen vermisste habe, die Perspektive von Rook und Brynn zu teilen, vor allem, da man als Leser ziemlich viele Szenen aus Knights Sicht (der dritte der drei McQueen-Brüder) mitbekommt, aber da ich Bishop und Jillian auch sehr sympathisch fand, ist das nun ein winziger Wermutstropfen.

Nach den Ereignissen im ersten Band muss sich die Bevölkerung von Cornerstone erst einmal wieder sammeln. Das Rudel hat einige größere Verluste einstecken müssen und die Flüchtlinge, die dank der Angriffe der unheimlichen Hybriden nicht zurück in ihre Heimatorte können, müssen einen Platz in der Gemeinschaft finden. Dabei ist den Loups Garouxs durchaus bewusst, dass sie sich um die unberechenbaren Schwestern kümmern müssen, weshalb die Alphas beschließen, dass Bishop und Jillian eine Falle für die Hybriden errichten sollen. Bishop und Jillian hingegen haben neben ihrer Sorge um das Wohlergehen ihres Rudels genügend private Probleme.

Bishop muss sich zwar inzwischen keine Gedanken mehr darüber machen, dass ihm sein kleiner Bruder Rook den Platz als Nachfolger ihres Vaters streitig machen könnte, aber trotzdem hat er das Bedürfnis zu beweisen, dass er die Position des Cornerstone-Alphas nach dem Rücktritt von Thomas McQueen ausfüllen kann, obwohl er „nur“ ein grauer Wolf ist. Außerdem macht er sich große Sorgen um seinen Bruder Knight, der sich seit seiner Gefangennahme durch die Hybriden stark verändert hat, und kämpft mit seinen Gefühlen für Jillian Raynolds.

Jillian hingegen trauert immer noch um ihren vor zwei Jahren umgekommenen Mann und den zeitgleich erlittenen Verlust ihres ungeborenen Kindes. Ihr ist bewusst, dass sie für diese Trauer nicht mehr viel Zeit hat, denn gerade in einer solch gefährlichen Situation ist es notwendig einen Mann zu finden, der als Nachfolger ihres Vaters die Führung des Springwell-Rudels übernehmen kann. Obwohl sich Bishop und Jillian zueinander hingezogen fühlen (das ist wieder diese „mein Wolf erkennt den anderen als den Partner fürs Leben“-Sache *g*), kann sich keiner von ihnen vorstellen die Verpflichtungen gegenüber dem jeweiligen Rudel zugunsten dieser Zuneigung zu vernachlässigen.

So wie schon Rook ist auch Bishop ein wunderbarer Held, er ist stark, pflichtbewusst, aber auch fürsorglich und ein Familienmensch … äh … Familien-Loup-Garoux. 😉 Aber noch mehr als die Männer haben es mir Kelly Meads weibliche Hauptfiguren (nicht nur in dieser Serie) angetan. Jillian ist zwar „nur“ eine Frau und kommt somit nicht als Nachfolgerin ihres Vaters in Frage – dafür steht fest, dass sie den zukünftigen Alpha des Springwell-Rudels heiraten muss -, aber sie ist stark, selbstbewusst und führt ganz selbstverständlich den Teil der Springwell-Loups-Garouxs an, die das Cornerstone-Rudel unterstützen. Eben weil die beiden Protagonisten ihre Prioritäten so setzen, dass das Wohl des Rudels höher gewertet wird als ihre persönlichen Gefühle, machen sie kein großes Drama daraus, dass sie nicht zusammenkommen können. Sie gehen zum Großteil recht rational und „erwachsen“ mit ihren Emotionen um und das hat mir sehr gut gefallen.

Da ich Spoiler vermeiden möchte, kann ich leider nicht auf weitere Details eingehen, aber ich kann verraten, dass ich beim Lesen sehr viel geschmunzelt habe, weil es trotz der bedrohlichen Situation, in der die Wölfe schweben, zu einigen amüsanten Momenten kam. Außerdem habe ich so getrauert und gelitten (und geheult 😉 ), als es zu einem erneuten Kampf gegen die Hybriden kam und dabei Figuren starben, die mir sehr ans Herz gewachsen waren. Und dann gab es da noch einen potenziellen Gegenspieler von Bishop, der mir – trotz eines recht kleinen Auftritts – sehr an die Nieren ging, weil der vermeintliche Feind doch eigentlich ein wirklich sympathischer Kerl war. Alles in allem habe ich „Gray Bishop“ wirklich genossen, ich fand es toll, dass dieser Roman nicht nur ein typischer „mittlerer Teil“ war und ich freu mich jetzt schon auf den Abschluss der Reihe, der Anfang 2015 veröffentlicht wird.

Sofa-Katzen im November

Als Erstes sollte ich wohl erwähnen, dass wir noch nicht heizen und dass ich deshalb nachmittags zum Schreiben häufig mit dem Netbook unter einer Decke auf dem Sofa verschwinde. Christie findet die Wärme, die ich dabei abgebe, ganz toll und sorgt in der Regel dafür, dass sie auch (oft genug ganz allein) davon profitiert – was mir viele Gelegenheiten gibt, um unsere kleine Kampfkatze zu fotografieren.

Christie hängt auf meinen Knien – und mag definitiv nicht von der Kamera gestört werden. 😀

Christie hat sich mal wieder zwischen mich und die Sofalehne gequetscht. 

Manchmal duldet sie auch eine weitere Wärmequelle an ihrer Seite …

… oder sogar zwei. Was dann für mich der Zeitpunkt ist, an dem ich gern mal wieder frei atmen würde.

Arianas Adventslesen …

… oder genauer gesagt Arianas „Advent, Advent … Vorweihnachts-Lesewochen“. Ich zitiere mal einen Teil von Arianas Ankündigungsbeitrag:

Wie sieht die Aktion konkret aus?

Wie schon im letzten Jahr entscheidet jede(r) Mitleser(in) für sich, wie er/sie die Adventswochen gestalten möchte, ob er/sie sich konkrete Ziele setzt oder einfach nur bewusst Zeit zur Entspannung und Besinnung einplant. Schließlich kann man die “staade Zeit” auf so viele verschiedene Arten interpretieren, da soll wirklich jede(r) für sich festlegen, wie die persönlichen Vorweihnachts-Lesewochen aussehen sollen. Allerdings wäre es schön, wenn ihr irgendeinen Bezug zur Advents- und Weihnachtszeit herstellen könntet – das ist ja immerhin der Grundgedanke der Aktion.

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Im Moment habe ich noch keine konkrete Lektüre im Sinn, möchte mir aber schon etwas Adventliches oder Weihnachtliches für diese Zeit zum Lesen raussuchen. Oder vielleicht besorge ich mir in der Bibliothek eine Märchensammlung und stöbere da mal wieder durch – ich habe schon viel zu lange keine Märchen mehr gelesen. Und dann gibt es da ja noch den „Krampus“ auf meinem SuB und das eBook-Angebot auf meinem Kindle, mit dem ich wieder jedes Wochenende eine weihnachtliche Kurzgeschichte lesen könnte. 😀 Auf jeden Fall wird es an jedem Adventssonntag einen Post von mir geben, in dem ich über das (in der Woche) Gelesene plaudern werde. Die Beiträge werden nicht so ausführlich wie beim Herbstlesen – zumindest gehe ich davon aus *g* -, aber ich freu mich schon auf die Möglichkeit zum Austauschen mit den anderen Teilnehmern.

Thomas Finn: Schwarze Tränen

„Schwarze Tränen“ von Thomas Finn gehört auch zu den Büchern, auf die ich total neugierig war, die aber trotzdem monatelang auf dem SuB lagen. Vor allem schreckte mich der Faust-Bezug (der mich eigentlich erst auf den Roman aufmerksam gemacht hatte) von einem spontanen lesen ab. Nun habe ich die Geschichte endlich gelesen und befürchte, dass es mir mit Thomas Finn langsam ebenso geht wie mit Kai Meyer. Dessen Romane finde ich eigentlich immer ganz unterhaltsam, aber seine Charaktere liegen mir nicht. Sie berühren mich einfach nicht, ihr Schicksal ist mir egal – und somit bin ich beim Lesen erschreckend wenig neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung, obwohl ich die Geschichte so gerne mögen würde, weil ich die Grundidee wirklich gut finde. Bei den „Chroniken der Nebelkriege“ von Thomas Finn und der Serie rund um „Die Wächter von Astaria“ ging mir das nicht so mit den Figuren, bei „Weißer Schrecken“ schon (wobei mir da auch die Auflösung ganz am Ende nicht so zusagte) – vielleicht sollte ich bei dem Autor bei den Jugendbüchern bleiben?

Bei „Schwarze Tränen“ begleitet man Lukas Faust, Nachfahre des berühmten Doktor Johannes Faust, bei einer abenteuerlichen Reise. Eigentlich war er nur nach Staufen gekommen, um seine Exfreundin zu stellen, die sich mitsamt seinen – nicht ganz redlich erworbenen – Ersparnissen aus dem Staub gemacht hatte. Doch als er Sylvia endlich findet, muss er feststellen, dass sie keine normale junge Frau, sondern ein höllischer Sukkubus ist. Außerdem hat sie ihn gezielt nach Staufen gelockt, was letztendlich dazu führt, dass ihm einige Zauberer auf den Fersen sind und dass Mephisto – selbstverständlich in der Gestalt eines schwarzen Pudels – ihm nicht mehr von der Seite weicht.

Ich mochte eigentlich die Art und Weise, in der Thomas Finn die Geschichte vom Doktor Faust mit den diversen Sagengestalten, berüchtigten Orten und historischen Figuren vermischte und daraus einen modernen fantastischen Roman strickte. Und da Lukas Faust anfangs keine Ahnung von all den übernatürlichen Wesen und Artefakten hat, bekommt er  – ebenso wie der Leser – eine gründliche Einführung in die verschiedenen verwendeten Elemente. Stellenweise war mir das schon ein bisschen viel und sorgte dann für etwas Langeweile beim Lesen, auch wenn es grundsätzlich nicht geschadet hat, dass ich so mein Wissen um deutsche Sagen und Legenden auffrischen konnte.

Neben Lukas (erfolgloser Zauberkünstler und ebenso erfolgloser kleiner Gauner), Mephisto (Teufel in Pudelgestalt) spielen auch noch Abraham (Gelehrter, der vor vielen Jahrhunderten einen Höllenpakt eingegangen ist) und Millepertia (Kräuterkundige, die ebenfalls vor einigen hundert Jahren auf den Teufel hereingefallen ist) eine große Rollen in der Handlung. Dummerweise fand ich den einen oder anderen Charakter zwar interessant, aber keinen von ihnen wirklich sympathisch und die Suche nach weiteren Teufelstränen zog sich auch immer wieder etwas hin. Erst auf den letzten gut 100 Seiten hat Thomas Finn mich mit seiner Geschichte so weit gepackt, dass ich mich gut unterhalten fühlte (und erschreckenderweise hatte die Gothic-Band inklusive Teufelsgeiger dank all der Klischee-erfüllenden Witze eine Menge damit zu tun), aber das hat leider nicht gereicht, dass ich am Ende zufrieden mit dem Roman war.

[Kulinarisches] Cremige Blumenkohl-Suppe

Manchmal sind es ja gerade die einfachen Rezepte, die wahre Seelentröster sind. Diese Blumenkohl-Suppe gehört für mich ganz klar dazu. Schon als Kind mochte ich Blumenkohl-Suppe sehr gern, wobei meine Mutter die früher mit Mehl oder Ei gebunden hat, was ich wiederum nicht so gerne mache. Deshalb koche ich also diese Variante:

Zutaten (für 4 Portionen):

4 mittelgroße Kartoffeln
1 mittelgroßer Blumenkohl
1,5 Liter Gemüsebrühe
Salz
Pfeffer
Muskat(blüte)
gehackte Petersilie
Zitronensaft

Kartoffeln schälen, in kleine Würfel schneiden und mit den 1,5 Litern Gemüsebrühe in einem großen Topf aufsetzen. Den Blumenkohl putzen, in kleine Röschen teilen (den Stiel würfeln) und zu den kochenden Kartoffeln in den Topf geben. Das Ganze zehn Minuten köcheln lassen, bis der Blumenkohl bissfest ist. Dann die Hälfte der Blumenkohl-Röschen mit einer Schaumkelle aus dem Topf fischen und zur Seite stellen. Jetzt wird der restliche Topfinhalt mit einem Pürierstab bearbeitet, bis eine cremige Suppe ohne Stückchen entstanden ist, dann kommt etwas feingehackte Petersilie dazu – die Menge hängt vom individuellen Geschmack und dem vorhandenen Vorrat ab 😉 – sowie die zur Seite gestellten Blumenkohl-Röschen, und zuletzte wird das Ganze mit Salz, Pfeffer, Muskat(blüte) und einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. Die Suppe ist supersimpel und sehr lecker.

Michael Boccacino: Charlotte und die Geister von Darkling

Mit „Charlotte und die Geister von Darkling“ und mir ist das so eine Sache. Erst wollte ich das Buch unbedingt lesen, als ich es Anfang des Jahres bekommen habe, kam aber einfach nicht in die Geschichte rein. Nach wenigen Seiten habe ich aufgegeben und den Roman erst einmal auf dem SuB liegen lassen. Dann hatte ich zu Halloween das Gefühl, es sei endlich Zeit für die Geschichte und habe sie an einem Tag durchgelesen, weil ich in genau der richtigen Stimmung dafür war. Als nächstes wollte ich unbedingt eine Rezension zu dem Buch schreiben – und fand tagelang nicht die richtigen Worte, um der Handlung gerecht zu werden. Eigentlich habe ich immer noch das Gefühl, dass ich nicht weiß, wie ich zu dem Roman was schreiben soll, aber bevor ich den Text weiter vor mir herschiebe, versuche ich es trotzdem mal. 😉

Für mich war „Charlotte und die Geister von Darkling“ von Michael Boccacino ein Roman, auf den ich mich erst einmal einlassen musste. Obwohl es zu Beginn der Geschichte zu einem brutalen Mord kommt, verläuft die Handlung eher ruhig und – auf eine unheimliche Weise – märchenhaft ab. In meinen Augen eine wunderbare Hommage an den viktorianischen Schauerroman, ebenso wie an die Werke von H. P. Lovecraft. Erzählt wird die Handlung von Charlotte Markham, die auf Everton als Gouvernante arbeitet. Ihre beiden Schützlinge James und Peter haben vor einigen Monaten ihre Mutter durch eine schreckliche Krankheit verloren und trauern immer noch, als Nanny Prum eines Nachts auf fürchterliche Weise ermordet wird.

Während Charlotte versucht den Jungen in ihrer Trauer und ihrem Schock beizustehen, macht sie sich Gedanken über den brutalen Tod des Kindermädchens, aber auch Sorgen um ihr Schützlinge und ihre Freunde, da der Mörder nicht gefasst werden kann. Gleichzeitig träumt sie nachts immer wieder von einem Mann in Schwarz und einem ungewöhnlichen Herrenhaus und auch James und Peter werden immer wieder von seltsamen Träumen geplagt, die die drei letztendlich zu dem Haus von Darkling – und zu der verstorbenen Mutter der Kinder – führt. Mr. Whatley, der Besitzer des Hauses von Darkling, ist fasziniert von allem, was mit normalen Menschen zu tun hat, während Charlotte hin- und hergerissen ist zwischen Interesse, Neugier und Abscheu. Je mehr die Gouvernanten über Mr. Whatley erfährt, desto sicherer ist sie sich, dass sie, ihre Schützlinge und ihre Freunde in Gefahr schweben und dass es an ihr liegt, diejenigen zu retten, die ihr am Herzen liegen.

Michael Boccacino hat mit dem Haus von Darkling eine wirklich skurrile Kulisse für die ungewöhnlicheren Aspekte der Handlung geschaffen und obwohl einige Szenen nicht ganz so appetitlich waren, wie ich es mir gewünscht hätte (auf abgeschnittene Körperteile, die Teil des Menüs sind, reagiere ich etwas empfindlich), fand ich die Welt die der Autor da geschaffen hat, faszinierend. Ebenso sehr hat es mir gefallen, dass Michael Boccacino für sehr viele Elemente keine Erklärung geliefert, sondern es der Fantasie des Lesers überlassen hat, sich einen Reim auf das Ganze zu machen. Ich mochte auch diese Mischung auf vertraut wirkenden Dingen und Sachen, die der ganzen Welt eine neue Bedeutung verliehen haben.

Es ist schwierig für mich, konkreter über das Buch zu schreiben, weil die Handlung aus so vielen kleinen und sehr atmosphärischen Szenen besteht, die man einfach beim Lesen selbst entdecken muss. Ich mochte es auch, dass die Geschichte sehr ruhig erzählt wird und es viele Momente gibt, die eigentlich recht heimelig wären, wenn nicht der gesamte Roman von dieser unterschwelligen Bedrohung durch den unheimlichen Mörder, der Nanny Prum auf dem Gewissen hat, durchzogen wäre. So bekommen selbst die harmlosesten Szenen eine unheimlichen Unterton, während man sogar beiläufige Gespräche gespannt verfolgt, in der Hoffnung, mehr Details über die Hintergründe der Ereignisse zu erfahren.

Erich Kästner: Der kleine Mann

„Der kleine Mann“ von Erich Kästner gehört zu den ersten Büchern, die ich selber gelesen habe und ich habe ihn immer wieder gelesen, weil es einfach eine bezaubernde Geschichte ist. Von vielen (Kinderbuch-)Klassikern kann man ja sagen, dass sie zeitlos sind, aber das trifft auf den „kleinen Mann“ definitiv nicht zu. Genau genommen verfügte die Geschichte schon über einen altmodischen Charme, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe, denn sie strotzt vor Figurentypen und Nebenbemerkungen, die einfach in ihre Zeit (das Buch wurde 1963 geschrieben) gehören und heute so nicht mehr erzählt werden würden.

Die Hauptfigur in „Der kleine Mann“ ist Mäxchen Pichelsteiner, ein Junge, der gerade mal fünf Zentimeter groß ist, und der nach dem Tod seiner Eltern von dem Zirkus-Zauberer Jokus von Pokus aufgezogen wird. Gemeinsam mit den beiden Tauben Emma und Minna und dem Kaninchen Alba gehören die beiden zum Zirkus Stilke und reisen so durch alle möglichen Länder. Auch Mäxchens Eltern gehörten zum Zirkus bis sie eines Tages vom Eiffelturm geweht wurden und für immer verschwanden – nur die beiden falschen Zöpfe, die sie in ihrer Rolle als „chinesische“ Akrobaten trugen, wurden einige Zeit später aus dem Meer gefischt. Auch Mäxchen möchte ein Akrobat werden, obwohl Jokus von Pokus ihm immer wieder erklärt, dass er aufgrund seine Größe nie als normaler Artist im Zirkus auftreten kann. So macht ihm der Zauberer immer wieder neue Vorschläge, was für einen Beruf Mäxchen doch ergreifen könnte, während dieser so langen an seinem Traum festhält, bis Jokus eine vielversprechende Idee hat …

Als erwachsener Leser finde ich es natürlich schön zu erleben, dass es nur ein bisschen Nachdenken und Kreativität erfordert, damit Mäxchen doch noch seinen Traumberuf ergreifen kann – auch wenn er dafür ungewöhnliche Wege gehen muss. Als Kind hingegen war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass der kleine Mann ein Akrobat werden würde – schließlich war das sein Wunsch. 😉 Auch heute noch mag ich den Einfallsreichtum und die vielen amüsanten Elemente in der Geschichte. Einige Scherze und Anmerkungen sind schon arg altmodisch und würden heutzutage so in keinem (Kinder-)Buch mehr auftauchen, aber das finde ich in erster Linie charmant und nicht unangenehm. Bei der Beschreibung des Tods von Mäxchens Eltern ist mir sogar positiv aufgefallen, wie wenig „Aufwand“ in der Geschichte darum gemacht wurde. Erich Kästner beschreibt kurz was passiert ist, erzählt von der Beerdigung und wie traurig der Junge war – und dann geht die Geschichte weiter.

Überhaupt werden die traurigen oder nachdenklichen Momente eher beiläufig eingeflochten und der Leser kann sich dann selber vorstellen wie es Mäxchen damit wohl ergeht und welche Gedanken und Kümmernisse er wohl haben mag, die er nicht zum Ausdruck bringt. Ich fand es angenehm, mal wieder ein Buch zu lesen, bei dem diese emotionalen Elemente nicht so betont wurden und hatte wirklich nicht das Gefühl, dass dabei die Figurentiefe fehlen oder die Charakterentwicklung zu kurz kommen würde. In einigen Bereichen ist die Geschichte schon etwas einfach gestrickt, aber das fällt bei all dem Humor und den sympathischen Figuren gar nicht auf. 🙂

P.S.: Die Fortsetzung „Der kleine Mann und die kleine Miss“ habe ich natürlich im Anschluss auch wieder gelesen und der Roman ist ebenso hübsch wie der erste Band. 🙂

Guilia Enders: Darm mit Charme

Als im März „Darm mit Charme“ von Guilia Enders veröffentlicht wurde, bekam das Buch eine ziemliche Medienpräsenz. Ich wurde neugierig auf das Thema und habe den Titel direkt nach Anschaffung in der Bibliothek vorgemerkt. Es hat allerdings Monate gedauert, bis ich das Buch endlich in den Händen halten konnte – da hatten wohl noch einige andere Nutzer die gleiche Idee. 😉 Inzwischen haben schon die Wörterkatze (nur als kurzer Leseeindruck) und Natira (deutlich ausführlicher) den Titel für die Challenge besprochen und so kommt es mir etwas komisch vor, auch noch meine Meinung zu äußern, aber es lässt sich ja nicht ändern, wenn wir nun mal die gleichen Bücher interessant finden.

Guilia Enders schreibt wirklich unterhaltsam über den Aufbau und die Funktionen des Darms und die „Nebenwirkungen“, die der Darm auf den restlichen Körper und für die Psyche des Menschen haben kann. Dabei beginnt die Autorin wirklich mit den einfachen Grundlagen und erklärt mit so wenig Fachvokabular wie möglich die verschiedenen Vorgänge, was ich sehr angenehm fand. Ergänzt werden die Texte durch Zeichnungen ihrer Schwester Jill Enders, die die beschriebenen Informationen noch etwas plastischer darstellen. Insgesamt bot mir „Darm mit Charme“ einiges schon bekannte Wissen, viele neue Informationen und die Möglichkeit, das Ganze mal zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen – was ich sehr spannend fand. Besonders interessant war für mich übrigens den Teil, der sich um den Aufbau des Immunsystems vor und während der Geburt eines Babys drehte. Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Einige Passagen – gerade die, in denen es um Tier- und Menschenversuche ging – haben mich daran erinnert, dass ich als Teenager viele Bücher über (Tier-)Verhaltensforschung gelesen habe und mich schon damals fragte, wie sinnvoll Versuche sind, die sich auf einen einzelnen winzigen Aspekt (in einer klinischen Umgebung) konzentrieren. So gibt es auch bei „Darm mit Charme“ einige Absätze, die mir vor allem zeigen, wie wenig die Forschung bislang überhaupt über das Gebiet weiß – und ja, ich gebe zu, dass das einige meiner Vorurteile gegenüber der Schulmedizin bestätigt. Mir ist bewusst, dass das ein schwieriges Thema ist, allein die Seiten zu Helicobacter zeigen schon, dass man z. B. Bakterien nicht einfach in gut und böse (oder nützlich und schädlich) einteilen kann, aber es gibt mir auch zu denken, dass anscheinend erst so langsam in der Medizin ein Bewusstsein dafür entsteht, dass der Körper ein komplexes Werk ist, bei dem man die einzelnen Bestandteile eigentlich nicht separat sehen kann.

Natira schreibt in ihrer Rezension (die ich erst nach dem Beenden von „Darm mit Charme“ gelesen habe), dass sie zwei Sachen gestört hätten: Einmal ein Witz zum Thema Tierversuche, den ich anscheinend überlesen habe, denn der fiel mir nicht ins Auge. Und dann ein englisches Zitat, das mir auch negativ auffiel, weil ich es ansonsten so angenehm fand, wie gut verständlich dieses Buch geschrieben war und wie wenig Fachvokabular die Autorin verwendete. Oh, und den Teil über die „Toxoplasmen“ fand ich ebenfalls sehr erschreckend.

Außerdem habe ich seit dem Lesen des Buches Heißhunger auf (präbiotischen) Kartoffelsalat …

Johan Theorin: Inselgrab

Den vierten und leider letzten Öland-Band von Johan Theorin habe ich am vorletzten Samstag recht konzentriert durchgelesen, weil mir der Roman so gut gefallen hatte. Bei „Inselgrab“ hatte ich das Gefühl, dass der Schwerpunkt mehr auf Gerlof Davidsson lag als bei den anderen Romanen, aber das kann auch täuschen, weil ich diese Passagen recht intensiv wahrgenommen habe. Die Geschichte spielt während des Sommers auf Öland und so gelingt es Johan Theorin einen schönen Kontrast zwischen den beiden Handlungssträngen zu schaffen. Denn auf der einen Seite liest man vom Inselleben im Sommer, während die Touristen sich auf Öland ausbreiten, das Mittsommerfest gefeiert wird und die Insel voller Heiterkeit, Trunkenheit und Partyleben vibriert und auf der anderen Seite gibt es noch den Erzählstrang rund um Aron, der als Junge mit seinem Stiefvater Sven die Insel verlässt.

Sven hat Aron schon lange von dem „Neuen Land“ erzählt, in dem es ihnen besser gehen würde als auf der Insel, die kaum Arbeit für all die Bewohner bietet und wo Großgrundbesitzer das Sagen haben, während ihre Angestellten unter der Willkür der Reichen zu leiden haben. Doch auch das „Neue Land“ hat seine Schattenseiten, die die Neuankömmlinge viel zu schnell kennenlernen. Während Sven im Laufe der Zeit alle Hoffnung aufgibt. lernt Aron zu töten, zu täuschen und zu foltern, um in der neuen Heimat zu überleben.

Bindeglied zwischen den beiden Erzählsträngen ist die Familie Kloss, die inzwischen auf der Insel eine Ferienanlage betreibt und sich darauf vorbereitete in den wenigen Sommerwochen das große Geld zu verdiene. Doch statt sich auf ihr Geschäft zu  konzentrieren, kommt es immer wieder zu erschreckenden Vorfällen. Besonders schlimm sind diese Ereignisse für den jungen Jonas Kloss, der in seiner Familie keine Unterstützung findet und sich deshalb an Gerlof wendet, um mit all den Geschehnissen fertig zu werden.

Mehr möchte ich über den Inhalt gar nicht verraten, denn wie immer erzählt Johan Theorin die Geschichte zwar sehr ruhig, so dass vor allem die Atmosphäre zu zählen scheint, aber es verstecken sich eben auch viele kleine Hinweise in diesen scheinbar belanglosen Szenen. Besonders mit einer Enthüllung in der Mitte des Buches hat er mich dieses Mal erwischt, weil diese Entdeckung alles bislang beschriebene auf den Kopf stellt – doch, sehr schön gemacht. Trotzdem ist „Inselgrab“ kein Kriminalroman, der davon lebt, dass der Leser mitermittelt, in erster Linie packen mich immer die Atmosphäre, die Beschreibungen der Insel und Figuren wie Gerlof, der mir im Laufe der Zeit wirklich ans Herz gewachsen ist.

Abgesehen von der Anfangsszene, bei der es Klopfgeräusche aus einem frischvergrabenen Sarg zu hören gibt, gibt es eigentlich kaum „übernatürlich“ wirkende Szenen in diesem Roman, aber auch das ist passend, denn der Sommer auf Öland ist so kurz, dass man sich darauf konzentriert das Leben zu genießen – erst im Herbst kommt dann wieder die Zeit für Geistergeschichten. 😉 Dafür gibt es wieder viele Erinnerungen von Gerlof an frühere Zeiten, doch statt sich darüber zu grämen, wie sehr sich die Insel verändert hat, versucht er sich mit all den Neuerungen zu arrangieren. Dabei gibt es so wunderbare kleine Szenen wie der Moment, in dem Gerlof feststellt, dass er mit seinem neuem Hörgerät wieder die Vögel im Garten hören kann. Ich mag diese Mischung aus Abschiednehmen (wenn der Sommer vorbei ist, muss er wieder vom Sommerhäuschen in sein Pflegeheim ziehen) und dem Willen das Leben positiver zu sehen und mehr auf anderen Menschen zuzugehen. So sind es auch diese kleinen Szenen, die lange in mir nachklingen, auch weil sie in solchem Kontrast zu Arons Erlebnissen stehen.

Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables 1-4 (Hörspiel)

Vor gut 1 1/2 Jahren habe ich mit großem Vergnügen wieder einmal „Anne auf Green Gables“ gelesen. Zu dem Zeitpunkt war ich fest entschlossen bald einmal die Fortsetzung der Geschichte zu lesen oder zumindest endlich mal die Hörspiel-Version zu hören, die schon so lange auf meinem Hörbuch-SuB herumlag. Aber natürlich kam mir immer wieder etwas dazwischen, so dass die Fortsetzung weiterhin nur angelesen auf meinem eReader liegt und die Hörspiele im Regal Staub ansetzten.

Da ich aber Sonntag wusste, dass ich für den Montag viel Hörunterhaltung brauchen würde, und weil ein Hörbuch nach dem anderen sich nicht richtig auf den Player packen ließ (es bringt einfach nichts, wenn sich die Tracks nicht in die richtige Reihenfolge bringen lassen oder nur eine CD richtig abgespielt wird, wenn ich mindestens drei Stunden am Stück etwas hören möchte und meine Tätigkeit nicht mal eben unterbrechen kann, um den Player neu zu bespielen) wurde es endlich Zeit die CDs aus dem Regal zu holen.

Obwohl ich mich dieses Mal an viel mehr Details noch erinnern konnte, fand ich es wieder schön nach Green Gables zu reisen, gemeinsam mit Anne die Geschwister Cuthbert und ihre Nachbarn kennenzulernen und die großen und kleinen Abenteuer des rothaarigen Waisenmädchens zu verfolgen. Ich glaube, Anne Shirley ist die einzige Romanfigur, der ich es verzeihen kann, dass sie nicht nur ungemein viel Fantasie hat, sondern auch entsetzlich „romantisch“ ist. So stellt sie sich als kleines Mädchen gern vor, wie romantisch es doch wäre dahinzusiechen oder die Haare aufgrund einer Krankheit zu verlieren (statt dafür die „Hilfe“ eines Hausierers in Anspruch zu nehmen :D).

Für die eher pragmatischen Geschwister Matthew und Marilla Cuthbert sind Annes fantastische Gedankenspiele ebenso befremdlich wie ihre Neigung den ganzen Tag durchzuplappern und all ihre Beobachtungen und Gedanken mit ihrer Umgebung zu teilen. Während Marilla sich bemüht Anne zu einem ordentlichen und vernünftigen Mädchen zu erziehen, genießt Matthew das unbeschwerte und fröhliche Wesen von Anne und verwöhnt sie, wann immer es ihm möglich ist. Ich finde es immer wieder wunderschön zu verfolgen, wie Matthew und Marilla Anne ins Herz schließen und sich sogar die diversen misstrauischen Nachbarn mit Anne anfreunden und schließlich sogar stolz auf ihre Entwicklung und ihre Leistungen werden.

Dabei passieren Anne im Laufe der gut vier Jahre, die man in den ersten vier Hörspielen (bzw. dem ersten Roman) verfolgen kann, so einige amüsante Missgeschicke, so dass die Geschichte bei aller Betulichkeit wirklich charmant und sehr kurzweilig erzählt wird. Oh, und da ich ja genau weiß, was am Ende der vierten CD auf mich zukam, hatte ich beim Hören die ganze Zeit einen Kloß im Hals bis schließlich die Tränen kullerten – nur gut, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht im Garten war, sondern nur die Katzen fütterte. 😉

Ein bisschen hatte ich vor dem Hören Angst, dass die Sprecherauswahl nicht meinen Geschmack treffen würde, aber zum Glück ist das nicht eingetroffen. Marie Bierstedt macht ihre Sache als Anne sehr gut und trifft den richtigen Ton, um Annes dramatische Art so darzustellen, dass es immer noch liebenswert und amüsant rüberkommt, und dass man nachvollziehen kann, warum sie so schnell Freunde findet. Besonders gefreut hatte ich mich über die Wahl von Jochen Schröder für Matthew, denn dessen Stimme mag ich sehr und sie passte perfekt zu dem zurückhaltenden und liebenswerten Mann. Auch Marilla wird sehr stimmig von Dagmar von Kurmin dargestellt, so dass man bei aller Zurückhaltung, allen Anweisungen und Rügen doch immer mehr die Zuneigung durchschimmern hört, die die ältere Frau für Anne empfindet.

Sehr schmunzeln musste ich, als ich die Stimme von Regina Lemnitz erkannte, die Rachel Lynd darstellte, denn die schwatzhafte und häufig penetrante Nachbarin der Cuthberts hat schon den einen oder anderen Zug mit der Figur „Roseanne Conner“ gemeinsam (auch wenn sie natürlich deutlich respektabler ist :D). Auch die weiteren Rollen bei diesem Hörspiel wurden wirklich gut besetzt, kein Sprecher fiel mir negativ auf und selbst die Nebenfiguren, die eher selten vorkamen, hatten stimmlich einen hohen Wiedererkennungwert. Ich weiß nicht, ob ich mir die weiteren Teile des Hörspiels noch besorgen werde – es sind ja schon noch einige CDs, die mir da fehlen -, aber mein Zögern hängt wirklich nur mit der Menge der Veröffentlichungen zusammen und nicht mit der Qualität, denn die ist mehr als zufriedenstellend.