Kategorie: Uncategorized

Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCryptid #5)

Bislang habe ich jeden „InCryptid“-Band mit großem Vergnügen gelesen, aber anscheinend habe ich nur bei den Bänden rund um Verity das Bedürfnis darüber zu schreiben. „Chaos Choreography“ ist der fünfte InCryptid-Roman und der dritte, in dem Verity die Hauptfigur ist, nachdem die vorhergehenden beiden Bücher aus der Sicht ihres Bruders Alex erzählt wurden. In „Chaos Choreography“ bekommt Verity eine letzte Chance, um sich als Tänzerin zu beweisen. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass sie nach ihrem letzten Auftritt in „Dance or Die“ das Tanzen vergessen könnte, weil es nun ihre Aufgabe sei das „Familiengeschäft“ weiterzuführen. Doch als der Produzent eine besondere Staffel ankündigt, in der die vier besten Tänzer der vergangenen fünf Staffeln gegeneinander antreten sollen, gerät Verity in Versuchung. Ihre Identität als „Valerie Pryor“ wurde nie aufgedeckt und so scheint es sicher zu sein, noch einmal vor die Kameras zu treten und Amerika zu beweisen, was für eine fantastische Tänzerin sie ist.

Doch so einfach ist es natürlich nicht. Inzwischen ist Verity verheiratet und so benötigt nicht nur sie ein Identität, die dem „Covenant of St. George“ unbekannt ist, sondern auch ihr Mann. Außerdem kommt es am Set zu „Dance or Die“ schnell zu merkwürdigen Vorkommnissen, die dafür sorgen, dass Verity nicht länger ihr hartes, aber unbeschwertes Leben als „Valerie“ führen kann, sondern herausfinden muss, wer die ausgeschiedenen Tänzer der aktuellen Staffel umbringt. Gemeinsam mit Dominic, den „übernatürlichen“ Teilnehmern bei „Dance or Die“ und ihrer Großmutter Alice Price-Healy macht sich Verity auf die Suche nach den Mördern – und muss dabei natürlich die eine oder andere gefährliche Situation überstehen.

In „Chaos Choreography“ setzt Seanan McGuire wieder auf viele bewährte Elemente. Es gibt die verschiedenen fantastischen Wesen, die nicht nur für sich genommen spannend und interessant sind, sondern bei denen ich es auch faszinierend finde, wie sie in unserer modernen Welt ein Auskommen finden. Dazu kommt noch die Interaktion zwischen den verschiedenen übernatürlichen Wesen und Verity, die als Mensch eigentlich nicht vertrauenswürdig ist, aber doch als Kryptozoologin manchmal sogar zur Freundin wird. Dazu noch die Aeslin-Mäuse, die dieses Mal schon fast zu kurz kommen, denn ich habe die verschiedenen skurrilen Feiertage vermisst, und natürlich Seanan McGuires Händchen für humorvolle Szenen und Dialoge. Etwas vorhersehbar, aber trotzdem amüsant waren die Interaktionen mit Veritys Großmutter Alice Price-Healy, die ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie man verdeckt ermittelt und keine Aufmerksamkeit erregt.

Doch was mich vor allem bei diesem Roman gepackt hat, waren die Momente, in denen Verity tanzte. Seanan McGuire gelingt es fantastisch diese Mischung aus harter Arbeit, körperlichen Schmerzen und Erschöpfung und absoluter Befriedigung zu beschreiben, die mit dem Erlernen einer Choreografie einhergeht. Ebenso fand ich es stimmig wie die Tänzer voller Nervosität auf ihren Auftritt warteten, um dann auf der Bühne alles zu geben, – und kurz darauf bestimmen wieder die Gesetze des Show-Business jede Geste, jedes Wort, denn natürlich nehmen die Tänzer nur deshalb an solch einer Show teil, um durch ihren Tanz und ihr Benehmen, die Sympathien des Publikums und somit ihre Stimmen zu gewinnen. Ich fand all diese Momente wirklich atmosphärisch dargestellt und es hat Spaß gemacht eine Urban-Fantasy-Geschichte in diesem Umfeld zu lesen.

(Und jetzt warte ich ungeduldig darauf, dass ich endlich im nächsten Jahr den ersten InCryptid-Band rund um Veritys kleine Schwester Antimony lesen kann. Denn auf die freu ich mich schon sehr!)

Jim Butcher: Windjäger (Cinder Spires 1)

„Windjäger“ von Jim Butcher ist einer meiner Neuzugänge aus dem März. Eigentlich wollte ich mir das Buch noch ein bisschen aufheben, aber dann konnte ich einer neuen Jim-Butcher-Reihe doch nicht widerstehen und musste es „nur kurz anlesen“. 😉 „Windjäger“ spielt in einer ungewöhnlichen Welt, in der die Menschen oberhalb einer tödlichen Nebelschicht, die die Erde bedeckt, in Türmen leben. Um in diesem Umfeld zu überleben, gibt es verschiedene Entwicklungen wie zum Beispiel Luftschiffe, die für den Handel zwischen den Türmen, aber auch für kriegerische Auseinandersetzungen eingesetzt werden. Die Luftschiffe basieren ebenso wie alle anderen technischen Geräte auf den Einsatz von Kristallen, die in einem mühsamen und Generationen andauernden Prozess gezüchtet werden.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von mehreren Personen, die alle aus dem Turm Albion stammen. Doch vor allem kann man als Leser die Sicht von Gwen(dolyn) Lancaster, Bridget Tagwynn, Rowl und Kapitän Grimm verfolgen. Gwen und Bridget sind beide noch sehr unerfahrene Kadetten der Garde, wobei die Mädchen aus sehr unterschiedlichen Familien stammen. Während Gwens Familie für die größte Züchtung von Kristallen verantwortlich ist und dementsprechend über Macht, Reichtum und Einfluss verfügt, ist Bridgets Vater der letzte Abkömmling einer ehemals großen Familie und gezwungen seinen Lebensunterhalt mit dem Züchten von Fassfleisch zu bestreiten. Rowl hingegen ist der Sohn des Anführers des Clans der Leisen Pfoten – und ein Kater. Da sein Vater der Meinung ist, dass die Menschen endlich die Katzen als gleichwertige Bewohner der Türme anerkennen müssen, hat er Rowl zusammen mit Bridget losgeschickt, um den Kadettendienst anzutreten. Kapitän Grimm hingegen ist ein ehemaliger Soldat, der unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde und in den letzten Jahren für das Handelsschiff „Raubtier“ verantwortlich war. Jeder, der jemals unter seiner Führung gearbeitet hat, zweifelt an, dass diese unehrenhafte Entlassung etwas anderes als ein politischer Zug gewesen sein könnte, doch natürlich haftet dieser Makel an Kapitän Grimm und seinem Schiff.

Diese Personen – plus ein paar weitere Charaktere, die erst im Laufe der Geschichte dazu kommen – geraten in einen Angriff des Turms Aurora und müssen alles geben, um ihrer Heimat vor den Eindringlingen zu beschützen. Jim Butcher hat all diese Figuren nicht ganz klischeefrei, aber wirklich sympathisch angelegt, so dass ich ihr Tun und ihre Gedanken gern verfolgt habe. Sogar einer der Bösewichte, dessen Perspektive man ab und an mitbekommt, war mir nicht so ganz unsympathisch, weil er zwar seine Befehle ausgeführt hat, sich aber nicht wohl mit dem fühlte, was er tun musste. Doch vor allem der Weltenbau hat mich bei „Windjäger“ gepackt. So viel erklärt Jim Butcher nicht, was ich ja immer mag, weil ich davon ausgehe, dass die beteiligten Personen eben nicht ständig über das Funktionieren all der alltäglichen Dinge in ihrem Leben nachdenken. Das führt dazu, dass man nach und nach immer mehr Aspekte dieses Turmlebens entdecken und sich ganz viele Gedanken um das Leben dort machen kann. Dazu kommt, dass Jim Butcher bei der Handlung wieder auf seine bewährte Mischung aus Actionszenen und ruhigen Momenten setzt, was mir – ebenso wie sein Humor – ja immer zusagt.

Mein einziger Kritikpunkt dreht sich um die Szenen, die man aus der Sicht des Katers Rowl zu lesen bekommt. Denn da wird meiner Meinung wieder deutlich, dass es für einen Menschen fast unmöglich ist die Perspektive einer Katze einzunehmen, ohne dass es unstimmig wirkt. Trotzdem mochte ich Rowl und wie er mit Bridget zusammengearbeitet hat, um sie und den Rest des Turms vor den Eindringlingen zu beschützen.

Kim Harrison: Zeitspiel

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß vermutlich, dass ich die Rachel-Morgan-Serie von Kim Harrison wirklich gern mag. Die Reihe gehört zu denen, bei denen ich gern einige Bände am Stück lese, weil ich nach dem Beenden eines Romans unbedingt noch mehr über die Protagonistin, ihre Freunde und die Herausforderungen, die sie zu meistern haben, lesen will. Auch den ersten Band der Madison-Avery-Reihe mochte ich sehr, obwohl ich da nicht weitergelesen habe, weil mir erst einmal andere Romane wichtiger waren. Trotzdem bin ich, seitdem ich das erste Mal von „Die Zeitagentin“ gehört habe, skeptisch, ob die Geschichte etwas für mich wäre. Also habe ich die Gelegenheit genutzt, als „Zeitspiel“, das angeblich die Vorgeschichte zu „Die Zeitagentin“ erzählt, kostenlos als eBook angeboten wurde.

Dummerweise konnte mich aber „Zeitspiel“ nicht so recht überzeugen. Die Kurzgeschichte handelt von einem Wissenschaftler, der für eine Regierungsorganisation arbeitet, die Zeitagenten ausbildet. Zeitagenten sind Personen, die für – in der Regel – wenige Sekunden in der Zeit zurückspringen und Ereignisse verändern können. Damit die Agenten durch das Springen durch die Zeit nicht zu sehr belastet werden, gibt es sogenannte „Anker“. Diese Anker sind Personen, die in der Lage sind die verschiedenen Zeitebenen zu durchschauen und für die Zeitagenten zu sortieren, so dass diese sich nicht mit den verschiedenen Zeitalternativen in ihrer Erinnerung herumschlagen müssen. Auch der Wissenschaftler Silas wäre gern ein Anker, denn dann könnte er gemeinsam mit seiner Freundin Summer arbeiten, statt nur zusehen zu müssen wie sie sich mit ihrem Partner Allan in Zukunft regelmäßig in Gefahr bringt.

Silas Wunsch nach einer aktiveren Funktion in der Organisation, die katastrophal verlaufende Abschlussprüfung von Summer und ihren Mitstudenten und das Auftauchen der neuen Studentin Peri Reed (die die Hauptfigur in „Die Zeitagentin“ ist), war soweit nett zu lesen, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Nach so vielen Jahren Ausbildung benehmen sich die angehenden Zeitagenten wie kleine Kinder und geben jedem Impuls nach, egal, welche Folgen das haben könnte – das hat mich wirklich geärgert. Dann hatte ich ein großes Problem damit das Alter der beteiligten Personen einzuschätzen, vor allem bei Silas, der kurz vor seinem zweiten Doktortitel steht, an seiner zweiten Doktorarbeit schon seit Jahren arbeitet – und sich trotzdem nicht erwachsener benimmt als die Studenten. Es ist einfach nicht glaubwürdig, wenn mir auf der einen Seite erzählt wird, dass jemand schon viele Jahre Studium und Arbeit hinter sich hat, dass er hochintelligent ist und Dinge machen kann, die sonst niemand auf die Reihe bekommt, und dann lese ich nur, dass er von Verlustangst getrieben eine Dummheit nach der anderen macht und sich seinen Vorgesetzten gegenüber wie ein schmollender Teenager aufführt.

Auch mit Peri Reed hatte ich ein Problem – sowohl in dieser Kurzgeschichte, als auch in der angehängten Leseprobe von „Die Zeitagentin“ -, denn diese junge Frau wirkt einfach zu perfekt. Sie ist hübsch und zierlich, aber eine super Kämpferin, intelligent, fantastisch ausgebildet, deutlich vernünftiger als die anderen Studenten (und lässt sich trotzdem gleich beim ersten Treffen auf ihr dummes Abenteuer ein?!) und hat Beziehungen innerhalb der Organisation. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, solch eine Person sympathisch zu finden, abgesehen davon, dass ich auch Schwierigkeiten damit habe, mir vorzustellen, dass gerade Peri Reed zur Gejagten derjenigen Organisation wird, die sie von klein auf ausgebildet hat …

Die Grundidee mit den Zeitagenten finde ich ja eigentlich reizvoll, aber nach dem bislang gelesenen würde ich dem Roman wohl keine Chance geben wollen.

Lotte und Søren Hammer: Einsame Herzen (Konrad Simonsen 3)

„Einsame Herzen“ von Lotte und Søren Hammer ist der dritte Roman rund um Konrad Simonsen und sein Team. Die Geschichte spielt ungefähr ein Jahr nach den Ereignissen in „Das weiße Grab“ und in der Zwischenzeit hat sich einiges in der Mordkommission getan. Konrad hatte vor einigen Monaten einen Herzinfarkt und darf erst einmal nur vier Stunden am Tag arbeiten, während Arne Pedersen vorläufig Konrads Position als Leiter der Mordkommission übernommen hat. Pauline Berg hingegen hat sich noch lange nicht von ihrer Entführung erholt, leidet unter Angstzuständen und hat große Probleme mit Männern. So schwierig die Situation im Team gerade ist, so leicht soll der „Fall“ sein, den Konrad Simonsen zum wiedereingewöhnen übergeben wird.

Es geht dabei um den Tod eines Postboten, der vor einigen Monaten mit gebrochenem Genick auf dem Treppenabsatz seines Wohnhauses gefunden wurde. Der Todesfall wurde damals als Unfall abgetan und zu den Akten gelegt, doch aufgrund politische Einflussnahme sollen die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Dann stolpert Konrad Simonsen bei seinen Untersuchungen über einen geheimen Raum über der Wohnung des Postboten, in dem die Bilder einen jungen Frau zu sehen sind. So wie die Fotos präsentiert wurden, ist sich der Polizist sicher, dass die Bilder eine Tote zeigen – und die Vermutung liegt nah, dass der Tod des Postboten mit dieser jungen Frau zu tun hat.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es Lotte und Søren Hammer gelingt zu den unterschiedlichen Fällen in ihren Kriminalromanen auch die passende Atmosphäre zu schaffen. Während in „Schweinehunde“ die Ermittler von der Öffentlichkeit und den Medien gehetzt wurden, waren es die Polizisten selber, die sich in „Das weiße Grab“ unter Druck gesetzt haben, weil es ihnen nicht gelang einem Serienmörder seine Taten soweit nachzuweisen, dass man ihn aus dem Verkehr ziehen konnte. In „Einsame Herzen“ wird die Geschichte hingegen sehr ruhig erzählt. Sowohl der Mord an dem Postboten, als auch das, was der jungen Frau von den Fotos angetan wurde, ist schon einige Zeit her. Es scheint keinerlei Gefahr für weitere Personen zu geben und so konzentriert sich die Handlung nicht ausschließlich auf die Ermittlungen, sondern auch auf die Polizisten, die – besonders im Fall von Pauline Berg – immer noch mit dem zu kämpfen haben, was im letzten Jahr passiert ist.

Außerdem hat der Herzinfarkt dazu geführt, dass Konrad sein Leben überdenkt. Es gibt Erlebnisse aus seiner Vergangenheit, die er bis heute nicht verarbeitet hat. Und da er sich bei den Ermittlungen rund um die junge Frau, die im Jahr 1969 vermisst gemeldet wurde, immer wieder an Szenen erinnert, die er in den 60er Jahren erlebt hat, dreht sich eben auch ein Teil der Geschichte um Konrads Vergangenheit. So vermischen die beiden Autoren die aktuellen Ereignisse mit einer Darstellung der politischen Situation Dänemarks in den 60er Jahren und haben bei mir dafür gesorgt, dass ich beide Zeitebenen sehr gespannt verfolgt habe. Ich wollte sowohl wissen, was Konrad Simonsen damals erlebt hat, als er als junger Polizist den demonstrierenden Studenten gegenüberstand, als auch erfahren, was der jungen Lucy passiert ist, als sie auf der Suche nach einem freien Leben, Liebe und vermutlich auch Drogen durch Dänemark reiste.

Ich mag es immer wieder, dass die Autoren einen realistischen Polizei-Arbeitsalltag in ihren Romanen präsentieren. Die Polizisten müssen auf Laborergebnisse warten, müssen sich mit ihren Vorgesetzten arrangieren und – wenn ein Fall nun schon mal älter ist – machen pünktlich Feierabend, weil die Arbeit am nächsten Tag auch noch da sein wird. Auch die Charaktere sind angenehm realistisch geschildert. Konrad hat zwar seine Probleme, aber die sind so angenehm normaler Natur, dass er nichts mit den „üblichen depressiven skandinavischen“ Ermittlern gemein hat. Auch bei Pauline, die durch die Entführung im Jahr zuvor wirklich viel gelitten hat, wird deutlich, dass sich Lotte und Søren Hammer um eine realistische Darstellung bemühen. Pauline geht zum Psychiater, hat aber natürlich immer noch Probleme ihre Arbeit wie früher zu verrichten. Ihr Zustand ist nicht statisch, manchmal geht es besser, an anderen Tagen wieder ist es deutlich schlimmer, aber sie arbeitet daran. Für ihre Kollegen ist Paulines Zustand hingegen eine Herausforderung. Auf der einen Seite wissen sie nicht, wie sie damit umgehen sollen, auf der anderen Seite müssen sie natürlich verhindern, dass Paulines Zustand die Ermittlungen behindert. Bei anderen Autoren könnten diese Passagen schnell kippen, hier hingegen fand ich sie gut lesbar und habe sie als Teil der Handlung wahrgenommen, gerade weil es nur ein Element von vielen war …

Es ist erstaunlich schwierig bei diesem Band zu beschreiben, warum er mir so gut gefallen hat, denn zu dem Kriminalfall gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Auf jeden Fall bin ich schon gespannt, wie es mit dem Team weitergeht und welche Schwerpunkte Lotte und Søren Hammer in den weiteren Romanen gesetzt haben. Natürlich hoffe ich, dass diese Bücher auch noch auf Deutsch erscheinen – und wenn nicht, dann muss ich wohl zu den englischen Ausgaben greifen …

Loretta Chase: Lord of Scoundrels (The Scoundrels Series 3)

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel gelesen, der sich damit beschäftigt hat, wie man einen „Bad Boy“ als glaubwürdigen Protagonisten eines Liebesromans darstellt. Da ich den Artikel über einen Link bei Twitter gefunden habe, finde ich nicht mehr heraus, wo es den gab oder wer den geschrieben hat. Auf jeden Fall waren in diesem Artikel auch sehr viele Bücher erwähnt worden, die als gute Beispiele herhalten mussten. Eines dieser Bücher war „Lord of Scoundrels“ von Loretta Chase und die Beschreibung hatte mich neugierig genug gemacht, um mir den Roman auszuleihen und zu lesen. (Nachtrag 10.04.2016: HIER ist der von mir erwähnte Artikel zu finden.) 

Die Autorin beginnt mit der Geschichte von Lord Dains Eltern, um zu verdeutlichen, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass sich der Protagonist zu einem egozentrischen, rücksichtslosen, rumhurenden Mistkerl entwickelt hat. So kann man ihn als erwachsenen Menschen zwar nicht sympathisch finden, versteht aber wieso aus dem vernachlässigten und misshandelten kleinen Jungen so ein Mann geworden ist. Die Protagonistin, Jessica Trent, hingegen wurde davon beeinflusst, dass sie in einer Familie aufgewachsen ist, in der vor allem Jungen zur Welt gebracht wurden, so dass sie sich nicht nur ihr Leben lang gegen gleichaltrige oder ältere Brüder und Cousins durchsetzen musste, sondern auch als Tante (und unbezahltes Kindermädchen) viel Erfahrungen mit der Erziehung kleiner Jungen sammeln konnte. Auf der anderen Seite wurde sie nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Großmutter aufgezogen, die schon mehrere Ehemänner (und Geliebte) überlebt hat und ihr diesbezügliches Wissen großzügig mit ihrer Enkelin geteilt hat.

Jessicas größter Wunsch ist es eines Tages unabhängig von ihrer Familie zu sein und so arbeitet sie seit Jahren darauf hin, einen Antiquitätenladen für die gehobene Gesellschaft zu eröffnen. Ihr ist bewusst, dass sie so ein Geschäft nur führen kann, wenn sie über einen einwandfreien Ruf verfügt und keinen Ehemann hat, der ihr diesen Plan verbieten könnte. Da sie bislang jeden Heiratsantrag (und davon gab es nicht wenige, da sie sehr hübsch ist und aus guter Familie kommt) abgelehnt hat, sieht sie sich mit 27 Jahren kurz vor der Verwirklichung ihres Traums. Doch dann wird sie nach Paris gerufen, um ihren Bruder Bertie aus dem Einfluss von Lord Dain zu befreien. Bei Versucht mit dem skrupellosen Wüstling mitzuhalten, hat Bertie in den letzten Monaten nicht nur seine Gesundheit ruiniert, sondern auch einen viel zu großen Teil seines Vermögens verschleudert.

Die folgende Geschichte ist eigentlich recht vorhersehbar. Obwohl sich die beiden Protagonisten schnell zueinander hingezogen fühlen, machen sie sich gegenseitig erst einmal das Leben schwer. Während Dain sich auf der einen Seite nichts von einer Frau sagen lassen mag und sich andererseits von Jessica in eine Falle gelockt fühlt, könnte Jessica ganz gut damit leben, dass sie den Wüstling begehrt, wenn er nicht ihren Bruder in den Ruin treiben würde. Auch wenn sich diese Inhaltsbeschreibung kaum von denen anderer Historicals unterscheidet, mochte ich es doch wie Loretta Chase die beiden Protagonisten beschrieben hat. Beide sind selbstbewusst, intelligent und dickköpfig, was zu wunderbaren Dialogen führt. Auch gefiel es mir sehr, dass es zwar immer wieder zu Missverständnisse kommt (weil Dain grundsätzlich das Schlimmste annimmt, während sie anfangs keine Ahnung davon hat, wie gestört er ist), dass auf diesen Missverständnissen aber nicht endlos rumgeritten wird. Entweder kommen die beiden – wie vernünftige erwachsene Menschen – von selber zu dem Schluss, dass sie sich geirrt und etwas falsch verstanden haben, oder sie reden darüber was passiert ist und klären so die Sache. Das ist eine so angenehme Art und Weise mit diesem Handlungselement umzugehen, dass ich es immer wieder bedauerlich finde, dass andere Historical-Autorinnen nicht auf die Idee kommen.

So entsteht nach und nach aus der anfangs vorhandenen Lust zwischen den beiden Protagonisten eine wirklich süße Liebesgeschichte, bei der sich die beiden Beteiligten immer besser kennenlernen und weiterentwickeln. Naja, vor allem er entwickelt sich weiter, den sie ist von Anfang an so perfekt, dass da nicht mehr viel Entwicklung nötig ist. Was langweilig wäre, wenn sie dadurch nicht so einen hübschen Gegenpart zu ihm bieten würde, und wenn es da nicht die Momente gäbe, in denen sie auf ihn schießt oder mit Porzellan durch die Gegend wirft. Außerdem war der Roman ja als Beispiel für einen gelungenen „Bad Boy“-Protagonisten genannt worden und nicht als Beispiel für eine überzeugende Protagonistin. 😉 Alles in allem hat mir das Lesen wirklich Spaß gemacht – und nun bin ich neugierig, ob die anderen Bücher der Autorin auch so unterhaltsam sind.

Handarbeits- und Lesesonntag am 24. April

Mila und ich haben uns vor ein paar Tagen überlegt, dass wir doch mal einen gemeinsamen „Handarbeits- und Lesetag“ einlegen könnten. Am 24. April (der übrigens ein Sonntag ist) wollen wir den Tag gemütlich mit unseren aktuellen Hand- und Bastelarbeiten und Büchern verbringen und darüber bloggen.

Im Prinzip läuft es wie an einem „normalen“ Lesetag. Wir erstellen am 24. April einen Blogpost, der immer wieder aktualisiert wird, um zu erzählen, was in den letzten Stunden so gemacht und gelesen wurde.

Es wäre schön, wenn sich noch weitere Leute finden, die Lust aufs Handarbeiten und/oder Lesen haben und mitmachen mögen. Wer dabei sein mag, kann sich am 24. bei Mila oder mir mit einem Kommentar melden, in dem der eigene Blogbeitrag verlinkt wird. Wir erstellen dann eine Liste mit denjenigen, die mitmachen, damit wir uns den Tag über immer wieder austauschen können.

Ich freu mich schon darauf! 🙂

Gelesen: Januar, Februar und März 2016

Frühere Statistiken sind unter „Diverses“ zu finden.

Bücher:

  1. Tim Akers: Das Herz von Veridon
  2. Fleur Beale: Am Ende des Alphabets
  3. Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder (Louise Bonì #2)
  4. Marie Brennan: Writing Fight Scenes
  5. Sarah Rees Brennan: Untold (The Lynburn Legacy #2)
  6. Sarah Rees Brennan: Unmade (The Lynburn Legacy #3)
  7. Jim Butcher: Windjäger (Cinder Spires 1)
  8. Julie Campbell: Trixie Belden 5 – The Mystery of Glenn Road
  9. Gail Carriger: Etiquette and Espionage (Finishing School #1)
  10. Soman Chainani: The School for Good and Evil 2 – A World Without Princes
  11. Marissa Doyle: Betraying Season (Leland Sisters #2)
  12. Marissa Doyle: Charles Bewitched (Leland Sisters #3)
  13. Jennifer Estep: Deadly Sting (Elemental Assassin #8)
  14. Jennifer Estep: Heart of Venom (Elemental Assassin #9)
  15. Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab (Konrad Simonsen #2)
  16. Lotte und Søren Hammer: Einsame Herzen (Konrad Simonsen #3)
  17. Daniel Holbe: Giftspur
  18. Tanya Huff: The Silvered
  19. John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
  20. Seanan McGuire: Indexing – Reflections
  21. Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCryptid #5)
  22. Robin McKinley: Chalice
  23. Deon Meyer: Cobra (Bennie Griessel #4)
  24. Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr
  25. Holly Webb: Emily Feather and the Enchanted Door (Emily Feather #1)

Comics/Manga:

  • Another 1 (Manga)
  • Another 2 (Manga)
  • Faith 1 (Comic)
  • Faith 2 (Comic)
  • Rat Queens 1 – Gemetzel, Gold und große Klappen (Comic)
  • Velvet 1 – Before the Living End (Comic)
  • Velvet 2 – The Secret Lives Of Dead Men (Comic)

Hörbücher/Hörspiele: 

Angefangene und abgebrochene Bücher/Hörbücher zähle ich in der Monatsstatistik nicht mit. Dafür kommen auch die Titel auf die Liste, die ich innerhalb kurzer Zeit doppelt lese (oder höre).

April-SuB 2016

Im März hatte ich eine Menge um die Ohren, dazu hatten wir noch an zwei Wochenenden Besuch und ich hatte mir kurz vor Ostern eine Erkältung eingefangen, die das Lesen über die Feiertage unmöglich machte. Trotzdem habe ich doch einiges in diesem Monat gelesen und bin insgesamt recht zufrieden mit meiner Lektüre gewesen. Insgesamt kam ich auf 8 Bücher, 2 Hörbücher und 3 Comics, was jetzt nicht so unglaublich viel ist, aber doch ein sehr guter Schnitt für einen anstrengenden Monat.

Im April sollte ich mich erst einmal auf meine Bibliotheksausleihen konzentrieren. Davon habe ich hier noch ein paar, die ich vor dem Abgabetermin beenden sollte. Ansonsten finde ich es ziemlich cool, dass der deutsche SuB inzwischen die 30 geknackt hat, während ich es beim englischen SuB schon fast beunruhigend finde, dass ich keine 20 Titel mehr auf Vorrat habe. Das gibt mir gerade das Gefühl, ich bräuchte mehr „gute“ (Urban oder historische) Fantasy-Romane und mehr fantastische Kinderbücher. Auf der anderen Seite weiß ich genau, dass ich mich schnell schrecklich langweilen würde, wenn ich mich darauf beschränken würde …

Deutscher SuB:

  1. Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
  2. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  3. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  4. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  5. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  6. Brom: Krampus
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Melissa Fairchild: Weltenwanderer
  10. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  11. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  12. Tove Jansson: Winter im Mumintal
  13. Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal
  14. Celine Kiernan: Schattenpfade
  15. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  16. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  17. Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
  18. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  19. Silvia Roth: Querschläger
  20. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  21. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  22. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  23. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  24. Charles den Tex: Die Zelle
  25. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  26. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  27. Xinran: Gerettete Wort
  28. Xinran: Wolkentöchter
  29. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

29 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  4. Patricia Briggs: Bone Crossed (Mercy Thompson #4)
  5. Patricia Briggs: Silver Borne (Mercy Thompson #5)
  6. Diana Pharaoh Francis: The Black Ship (Crosspointe Novel #2)
  7. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  8. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  9. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  10. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  11. Lynn Kurland: Star of the Morning
  12. Seanan McGuire: Every Heart A Doorway
  13. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  14. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  15. Cindy Pon: Serpentine
  16. Philip Reeve: Larklight
  17. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  18. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  19. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  20. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)
  21. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

19 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

SuB-trahiert (2): Februar und März

1. Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab

„Das weiße Grab“ von Lotte und Søren Hammer lag vor allem deshalb so lange auf meinem SuB, weil ich nach dem überraschend beeindruckendem Debütroman befürchtete, dass der zweite Band rund um Konrad Simonsen und seine Mitarbeite nicht mit dem ersten Roman mithalten kann. In gewisser Weise ist „Das weiße Grab“ auch „gewöhnlicher“ als „Schweinehunde“. Aber damit bietet der Titel immer noch einen spannenden und soliden Kriminalfall, bei dem es vor allem darum geht, dass der Polizei sehr früh der Täter bekannt ist, dass sie aber keine Möglichkeit sehen ihn zu überführen. Mehr dazu in meiner Rezension zu dem Buch.

2. Tim Akers: Das Herz von Veridon

„Das Herz von Veridon“ gehört zu den Fantasy-Titel, die im Programm interessant klingen, aber mich dann beim Anlesen nicht so sehr packten, dass ich sie zeitnah auch lese. Tim Akers hat für seine Geschichte eine faszinierende Welt geschaffen, die allerdings so ungewöhnlich ist, dass ich mir beim Lesen die ganze Zeit eingestehen musste, dass ich nicht beurteilen kann, wie stimmig das Ganze ist. Wobei Tim Akers auch wenig erklärt und dem Leser das Entdecken seiner Welt selber überlässt. Die Handlung spielt in einer Art Steampunk-Welt und dreht sich um einen ehemaligen Luftschiffpiloten. In dieser Gesellschaft ist es relativ normal, dass Menschen durch Maschinenelemente modifiziert werden, die aktuell bestimmende Kirche dreht sich sogar um das Entschlüsseln und Deuten von Maschinenteilen, die regelmäßig den großen Fluss hinuntertreiben und von den Bewohnern der Stadt Veridon geborgen werden. Die Maschinen und ihre Nutzung stehen im Kontrast zu einer Gesellschaft, die von einem Rat regiert wird, der sich bis vor kurzem aus Nachfahren der Gründungsmitglieder der Stadt zusammensetzte. Inzwischen werden die alten „Adelsfamilien“ von einflussreichen Kaufleuten dazu gebracht, ihren Sitz (und ihr Namensrecht und alles was damit zusammenhängt) zu verkaufen. Das Normalste an der Geschichte ist eigentlich die Hauptfigur Jacob Burn. Jacob ist der (verstoßene) Sohn eines alteingesessenen Ratsmitglieds, ehemaliger Luftschiffpilot (inklusive der damit zusammenhängenden Körpermodifizierungen) und ein Gauner. Zu Beginn der Geschichte bekommt Jacob zufällig ein kostbares Artefakt in die Hände und wird daraufhin von verschiedenen Parteien gejagt, ohne dass er anfangs überhaupt weiß was los ist. Das liest sich zügig und ganz nett, aber auch relativ belanglos. Das Reizvollste an dem Buch ist wirklich der Weltenbau – auch wenn ich mich immer wieder dazu zwingen musste, nicht allzu genau über die diversen Details nachzudenken und am Ende das Gefühl hatte, ich hätte nur eine vage Vorstellung davon, wie der Autor sich das Ganze überhaupt vorgestellt hat.

3. Soman Chainani: The School for Good and Evil 2 – A World Without Princes

Zum ersten Mal ein englisches Buch, da doch inzwischen ein paar englische Titel länger als ein halbes Jahr auf dem SuB liegen. Bei dem Titel habe ich einfach nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet und im März war der dann auch mal gekommen. Gefallen hat mir die Geschichte – wie erwartet – gut, was sich auch in der Rezension nachlesen lässt, und nun muss ich mir nur noch den dritten Band der Reihe anschaffen (und vielleicht mal etwas schneller lesen als die ersten beiden Teile).

4. John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

Ich habe es schon beim Lesen gesagt und ich kann es nur wieder betonen: Für John Irving brauche ich Ruhe (und die richtige Stimmung). So hat auch dieser Titel sehr lange darauf gewartet, dass ich ihn endlich aus dem Regal ziehe. Dann aber hat mir erst einmal das erste Drittel von „Letzte Nacht in Twisted River“ gut gefallen. Die Geschichte, die sich um den italienischstämmigen Koch Dominic, seinen Sohn Daniel und mehr als nur einen tragischen Vorfall dreht, weist wieder sehr viele Elemente auf, die ich als Irving-typisch empfinde und sehr mag. Da gibt es die atmosphärischen Beschreibungen von der kleinen Holzfäller-Ansiedlung, dem italienischen Viertel in Boston und all den anderen Orten, an die es die Familie verschlägt, und natürlich sind da die Charaktere, die alle ihre Stärken und Schwächen haben und die mir in ihren Eigenheiten sympathisch waren (auch wenn ich einigen davon wohl nicht real begegnen oder zumindest nicht mit ihnen befreundet sein möchte *g*).

Im zweiten Drittel hatte John Irving mich dann etwas verloren – und ich glaube nicht, dass das daran lag, dass ich eine Pause von mehreren Tagen beim Lesen einlegen musste. Es gibt in diesem Teil viele Zeitsprünge und viele Rückblenden, dann wieder bekommt man einen groben Überblick über eine jahrelange Entwicklung und kurz darauf wird eine kleine Szene sehr detailverliebt erzählt. Das hat dazu geführt, dass ich mich gar nicht richtig auf das Beschriebene einlassen könnte, weil ich die ganze Zeit im Hinterkopf rumrechnete, wie viele Jahre seit der letzten Szene vergangen sind und wie ich das gerade Gelesene zeitlich einzuordnen habe.

Nachdem ich das hinter mich gebracht hatte, war ich soweit das Buch nach dem Lesen auszusortieren. Doch dann kam das letzte Drittel und John Irving hat es geschafft mich damit wieder einzufangen. Hier kommen wieder all die Elemente zum Vorschein, die ich an den Romanen des Autors mag, in diesem Teil wird die Handlung wieder konzentrierter erzählt, es gibt weniger Rückblenden und dafür viele berührende und atmosphärische Momente, mit denen sich die Geschichte dann doch einen Platz in meinem Regal verdient hat. Auch wenn ich vermute, dass ich bei einem Reread den mittleren Teil des Romans eher querlesen würde, um mich auf die Passagen zu konzentrieren, die ich mochte. 😉

Dies und Das (3)

Nachdem ich mich in den letzten zehn Tagen kaum gemeldet habe, gibt es hier mal ein kurzes Lebenszeichen von mir. Eigentlich hatte ich ja vor in den vergangenen Tagen die eine oder andere angefangene Rezension zu beenden und zu veröffentlichen, aber das hat natürlich nicht geklappt …

An den letzten zwei Wochenenden hatten wir Besuch und da der erste Besuch Katzen- und Hausstaub-allergisch ist, habe ich die Tage vorher einen Frühjahrsputz hingelegt wie noch nie zuvor. Trotzdem waren die beiden Katzen natürlich eine Herausforderung, aber dank Medikamente und trotz juckender Nase hat der Besuch überlebt und ist montags dann wieder heil nach Hause gefahren. Die drei Tage bis zum nächsten Besuch hatte ich eigentlich zum „Erholen“ und „Haushalt in ordentlichem Zustand halten“ gedacht. Stattdessen meldete sich am Dienstag eine Erkältung an, die mich heute immer noch flachlegt. Wie immer in den letzten Jahren kämpfe ich vor allem mit einem hartnäckigen Husten, der mich nicht schlafen lässt und für Bauch- und Rückenmuskelkater sorgt.

Da ich natürlich trotzdem Freitag und Samstag durchgehend mit dem Besuch geschwatzt habe, ist seit Sonntag meine Stimme vollständig weg (Samstag konnte ich immerhin noch flüstern). Das hat wiederum dazu geführt, dass mein Mann und ich in den letzten zwei Tagen lustige Kommunikationsarten ausprobiert haben. Das System mit den unterschiedlichen Pfeifsignalen scheiterte schon mal daran, dass mir oft die Luft zum Pfeifen gefehlt hat, Nachrichten schreiben wäre natürlich das einfachste, aber das ist nicht geeignet, um mal eben zu irgendwas einen Kommentar abzugeben (was ich mir natürlich trotzdem nicht verkneifen kann), außerdem neige ich dazu den Stift irgendwo in meiner Sofadecke zu vergraben und nicht zeitnah wiederzufinden. Also behelfen wir uns mit Gestik, Mimik und lustiger Raterei von Seiten meines Mannes. 😉

Zum Lesen bin ich in den letzten Tagen natürlich nicht gekommen, dafür habe ich gestern „Tod auf dem Nil“ im Fernsehen laufen lassen, während ich vor mich hinglubschte. Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, was für eine tolle Besetzung dieser Film hat. Abgesehen von Peter Ustinov, der für mich als Hercule Poirot einfach nicht passt, finde ich die Schauspielerauswahl gelungen und habe mich zum Beispiel gefreut Bette Davis, Maggie Smith und Jane Birkin mal wieder zu sehen. Allerdings bin ich – wie so oft – mit den Änderungen in der Handlung nicht zufrieden. Natürlich erzählt der Film zum Großteil immer noch die eigentliche Geschichte inklusive des Ablauf des Mordes, aber mir fehlt die Charakterentwicklung bei den Figuren – und die hätte man im Film auch unterbringen können, wenn man gewollt hätte.

Jetzt hoffe ich nur, dass ich in den nächsten Tagen diese blöde Erkältung hinter mich bringen kann, um dann endlich den John-Irving-Roman zu beenden und – wenn das Wetter passt – wieder im Garten zu arbeiten.