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Juli-SuB 2012

Lustigerweise fing der Juni gar nicht so leseintensiv an. Ich habe zwar versucht meine Bibliotheksbücher und ein paar Leihgaben abzuarbeiten, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich viel gelesen hätte. Stattdessen habe ich wegen unserer neuen Küche hin- und hergeplant, hing ständig im Möbelhaus rum, habe mit Handwerkern telefoniert oder zugeguckt wie ein Fachmann unsere Katastrophenküche ausgemessen hat. Trotzdem bin ich in diesem Monat auf insgesamt 18 Romane, 6 Manga und 4 Hörbücher gekommen – darunter auch „Eine gute Partie“ von Vikram Seth. Bei dem Buch muss ich gestehen, dass mir noch gut 100 Seiten bis zum Ende fehlen, aber da ich über 1880 Seiten von diesem Roman im Juni gelesen habe, nehme ich mir die Freiheit das Buch auch für diesen Monat zu zählen. Den Schluss der Geschichte werde ich heute wohl auch noch schaffen.

Außerdem bin ich ganz zufrieden mit meinen Challenge-Erfolgen. Bei der Englisch-Challenge war ich auch im Juni wieder brav und habe mein Buch am ersten Wochenende gelesen und in den folgenden Tagen rezensiert. Bei der Themen-Challenge habe ich endlich ein paar der ausstehenden Rezensionen geschrieben, mein Neuzugänge-Lesevorhaben habe ich auch in diesem Monat mal geschafft und bei meiner privaten Serien-Abbau-Challengen habe ich die fünf Rachel-Morgan-Romane abhaken können, was bedeutet, dass ich nur noch eine Reihe mit sehr dicken Büchern vor mir habe. Und weil die Zahl in diesem Monat so erschreckend ist, poste ich hier mal die gelesenen Seiten:
Inklusive der Manga (und ohne die fehlenden 120 Seiten von „Eine gute Partie“) habe ich 10626 Seiten „verschlungen“.

A (0)
Gil Adamson: Hilf mir Jacques Cousteau

B (8)
Quentin Bates: In eisigem Wasser
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Jenna Black: Rosendorn
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

 

C (2)
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt (noch im Umzugskarton)
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl) 

D (4)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben

 

E (0)

F (11)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Gayle Forman: Wenn ich bleibe
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym
Earlene Fowler: Tödliche Schatten

G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (3)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Lotte und Søren Hammer: Schweinehunde
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Jim C. Hines: Dämon, Dämon an der Wand 

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (2)
Jay Lake: Die Räder der Welt
Siri Lindberg: Nachtlilien
Sarah-Kate Lynch: Cantucci-Herzen brechen nicht

M (4)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
Richelle Mead: Dark Swan – Sturmtochter
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter

O (0)

P (4)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Renata Petry: Hilgensee
Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
Ursula Poznanski: Saeculum

Q (0)

R (11)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Sarah Rayner: Das Licht des frühen Tages
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (8)
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (10)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 – Der gläserne Fluch
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
P.J. Tracy: Memento
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)

V (0)

W (3)
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Kirsten White: Dreams’n’Whispers
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Fluch des Wendigo

Z (0)

83 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Mislaid Magician (Cecelia and Kate #3)

4 Titel auf dem englischen SuB

(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)

Ich hab die Nase voll!

Obwohl ich meinem Gefühl nach einen recht kleinen und nicht so bekannten Blog habe, häufen sich in letzter Zeit die Kommentare, in denen jemand eine Zeile hinterlässt und um eine gegenseitige Verlinkung bittet.

Wenn das Ganze dabei noch den Eindruck erwecken würde, dass die Person meinen Blog wirklich mag, dann wäre ich darüber nicht so sauer. Aber in der Regel ist es eine aussagelose Zeile („Ich finde deinen Blog toll“) und gleich danach kommen diverse Varianten von „Besuch meinen Blog doch auch mal“, „Verlink mich doch“ und „Guck mal, ich habe ein Gewinnspiel – du musst nur Leser werden und auf deinem Blog sowie allen anderen möglichen Plattformen Werbung für mich hinterlassen“.

In Zukunft werde ich jeden Kommentar, der in diese Richtung geht, einfach löschen!

Ich schaue gern nach anderen Blogs und wenn jemand bei mir einen (vernünftigen!) Kommentar hinterlässt und seine Blogadresse beim Kommentieren mit dem Nutzernamen verlinkt hat, dann ist meine Neugier groß genug, um diesem Link zu folgen. Dazu muss mich niemand auffordern! Und wenn dieser Blog auch nur annähernd interessant aussieht, dann landet er „probeweise“ in meinem Feed-Reader.

Aber wer meinen Blog genauer anguckt, dem wird auffallen, dass ich keine Linkliste darauf eingerichtet habe. Ich hatte eines Tages einfach die Nase voll davon, diese Liste zu pflegen und regelmäßig zu entscheiden, ob ich einen Blog „empfehlen“ mag oder nicht.

Stattdessen gibt es bei mir immer wieder Beiträge, in denen ich auf die Blogs verweise, die mich auf eine Idee gebracht haben, deren Betreiber mir Bücher geliehen haben, an deren Blogparaden ich teilnehme oder die mir ein Stöckchen zugeworfen haben. Ich denke, dass es so – zumindest für regelmäßige Leser – genügend Verweise auf die Seiten gibt, die ich mag und weiterempfehlen kann.

Außerdem fällt mir immer wieder auf, dass sich meine Stammleser langfristig auch auf den Blogs rumtreiben, deren Betreiber regelmäßig bei mir kommentieren – genauso wie ich durch die Kommentare auf anderen Blogs immer wieder auf tolle neue Seiten treffe.

Noch bin ich nicht so weit, dass ich GFC (Google Friend Connection) von meinem Blog entferne, da ich das eingerichtet hatte, nachdem ich anfangs von regelmäßigen Besuchern darum gebeten wurde. Aber ich bin nicht der Meinung, dass die Zahl der dort angegebenen Leser oder die Länge einer eventuell vorhandenen Linkliste irgendetwas über einen Blog aussagt.

Mir sind meine regelmäßigen Kommentatoren wichtig. Diejenigen, die dazu beitragen, dass mir das Bloggen auch noch nach (fast) drei Jahren Spaß macht, die, mit denen ich mich auch mal intensiver über ein Thema austauschen kann, oder die, die mir unter einer Rezension Empfehlungen hinterlassen. Und keiner dieser Kommentatoren hatte es je nötig, mich um einen Gegenbesuch zu bitten oder extra Werbung zu hinterlassen, um von mir besucht zu werden.

Also will ich dieses „Gemecker“ gleich noch nutzen, um mich bei meinen regelmäßigen Lesern und Kommentatoren zu bedanken!

Und allen anderen sei gesagt: Lasst diese ärgerlichen Werbekommentare und „erarbeitet“ euch eure Leser, indem ihr interessante Kommentare auf anderen Blogs hinterlasst, euren eigenen Blog mit viel Spaß, Herzblut und Engagement betreibt, statt mit „Gewinnspielen“ Leser kaufen zu wollen! Langfristig habt ihr – da bin ich mir sicher – so viel mehr Freude am Bloggen.

Dermot Bolger: Wo die verlorenen Seelen wohnen

Ich habe anlässlich der Themen-Challengen immer wieder über den Punkt „Das Böse oder Pakt mit dem Bösen/Teufel“ nachgedacht – vor allem, weil ich keinen zu diesem Thema auf der Hand liegenden klassischen Roman lesen wollte. Und dann habe ich mir heute endlich „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ für den Blog vorgenommen und hätte beim Schreiben über den Roman am Liebsten mit dem Kopf auf die Tischplatte gehauen, weil ich in den letzten Wochen nicht bemerkt habe, dass dieses Buch perfekt für die Challenge passt.

Mit „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ hat Dermot Bolger einen gruseligen und wirklich spannenden Jugendroman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, unter anderem von Thomas, der 1932 als Junge Angst davor hat, dass die Jazz-Musik ihn in die Hölle bringen könnte, von Joey, der 2009 die Schule wechselt, weil er in seiner alten Klasse gemobbt wurde, und von Shane, der 2007 seine Seele für ein anderes Leben geben würde.

Die drei Jungen verbindet, dass sie alle drei nicht glücklich in ihrem Leben sind. Und während Thomas‘ Part die Vorgeschichte zu den Ereignissen im Jahr 2009 bildet, dreht sich die Hauptgeschichte doch vor allem um Shane und Joey. Als Joey die Schule wechselt, ist er scheußlich nervös und hat Angst, dass es in der neuen Klasse genauso schieflaufen wird wie mit seinen früheren Mitschülern. Doch stattdessen findet der schüchterne Junge in dem selbstbewussten und coolen Shane schnell einen Freund.

Einzig seine Mitschülerin Geraldine, die vor zwei Jahren mit Shane gut befreundet war, warnt Joey, dass der Junge nicht normal sei und dass er ihm nicht zu sehr vertrauen solle. Doch so sehr Joey Geraldine mag und davon träumt, dass sie sich mal mit ihm verabreden würde, so wenig kann er ihr glauben, dass Shane einen bösen Kern haben soll. Erst im Laufe der Zeit fallen Joey immer mal wieder kleine Ungereimtheiten in Shanes Geschichte auf. und auch sein Umgang mit einer Gruppe von „verlorenen“ Jungen verwundert ihn. Von Shane lässt er sich immer wieder zu Dingen aufstacheln, die er sonst niemals tun würde und die im Nachhinein ein ungutes Gefühl bei Joey hinterlassen.

Dem Leser wird einige Zeit vor Joey klar, welche Hintergründe hinter Shanes Verhalten stecken, obwohl erst einmal offen bleibt, ob Shanes Persönlichkeitsveränderung darauf zurückzuführen sind, dass der Junge auf die schiefe Bahn geraten ist, oder ob wirklich etwas Altes und Böses dahintersteckt. Und trotz der verschiedenen Verbrechen und Unglücke gelingt es Dermot Bolger, dem Leser immer wieder bewusst zu machen, dass keine der handelnden Personen abgrundtief schlecht ist, selbst wenn sie anscheinend einen Pakt mit dem Bösen eingegangen ist.

Dieses Spiel mit den Perspektiven und die damit verbundenen Zeitsprünge lassen die Geschichte zu einem spannenden Puzzle werden, bei dem die einen Personen sicher sind, dass all die Vorkommnisse nur fantastische Ausgeburten eines psychisch Kranken sind, während die anderen von der Existenz des Bösen überzeugt sind. Unabhängig davon, was genau die Ursache für die Ereignisse ist (es ist ganz schön schwierig, diese Rezension zu schreiben, ohne zu spoilern), fand ich die Geschichte wirklich mitreißend.

Die ganz Zeit über hatte ich eine deutliche Ahnung, worauf es am Ende hinauslaufen würde, und jedes Mal, wenn sich meine Befürchtungen bewahrheitet hatten, bangte ich mehr um Joey und die anderen. Dabei liegt die Stärke von Dermot Bolger vor allem in der Aufrechterhaltung eines leisen Gruselgefühls, was deutlich atmosphärischer ist, als wenn er radikale Actionszenen verwendet hätte. Auf jeden Fall werde ich die Augen nach weiteren Büchern des Autors aufhalten, weil mir diese Geschichte nicht nur gut gefallen hat, sondern sie auch nach dem Lesen noch eine Weile in mir nachgeklungen hat.

[Kurz und knapp] Melanie Lahmer: Knochenfinder

Klappentext: 

Ein Schüler verschwindet spurlos. Wenig später wird in einem Geocaching-Versteck im Rothaargebirge ein Finger gefunden, und an der Schule des Vermissten kursieren brutale Gewaltvideos. Kommissarin Natascha Krüger und ihre Kollegen suchen nach einem Täter – und ahnen nicht, welches grausame Spiel dieser mit ihnen spielt. Denn kurz darauf gibt es einen weiteren Geocaching-Fund …

Theoretisch könnte man fast jeden Krimi unter den Oberbegriff „Suche“ packen, da im Großteil dieser Romane die Suche nach dem Täter im Mittelpunkt steht. Aber ich habe „Knochenfinder“ nicht wegen des Krimianteils für diesen Punkt der Themen-Challenge ausgewählt, sondern wegen der Passagen rund ums Geocaching. Es gelingt Melanie Lahmer, diesen Teil ihrer Geschichte sehr reizvoll zu schildern, gerade in den Szenen, in denen es um Caches geht, bei denen der Suchende auch noch Rätsel zu lösen hat oder sich wie bei einer Schnitzeljagd von Hinweis zu Hinweis bewegt, um am Ende den Cache in die Finger zu bekommen, der die eigentliche „Beute“ darstellt.

Was die restliche Geschichte angeht, so habe ich mich ganz gut unterhalten gefühlt. Kein Roman, der mich mitreißen konnte, aber auch keine Enttäuschung. Die Hauptfigur Natascha Krüger wurde von der Autorin – ebenso wie ihre diversen Kollegen – recht sympathisch angelegt, die Handlung war nicht atemberaubend, hat mich aber immer wieder fesseln können, und ihre Heimat Siegen, wo der Roman spielt, hat Melanie Lahmer sehr liebevoll geschildert. Trotz diverser Details zur Stadt, ihrer Geschichte und ihrer Umgebung hatte ich nicht das Gefühl, dass ich hier einen Regionalkrimi in der Hand hätte – was jetzt vermutlich zu einer Diskussion über die Definition von Regionalkrimi führen könnte. 😉 Stattdessen hatte ich den angenehmen Eindruck, dass da jemand über etwas Vertrautes schreibt, ohne damit zu übertreiben.

Doch bei all den netten Charakteren und den persönlichen Szenen (zum Beispiel zwischen Natascha und ihrem dreibeinigen Kater Fritz oder die, in denen der Leser mehr über das Familienleben von Nataschas Vorgesetztem Winterberg erfährt), fehlte mir das richtige Mitratenkönnen bei diesem Krimi. Es gab eine Menge Personen, die nur kurze Auftritte hatten, und obwohl ich das Buch an einem Tag gelesen habe, gab es immer wieder Momente, in denen ich zurückblättern musste, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob ich jetzt die richtige Figur dem richtigen Gespräch zuordnete – und das passiert mir sonst wirklich sehr selten. Bei all der Masse an Dialogen, Wiederholungen von Informationen, Figuren und mehr oder weniger relevanten Hinweisen und Überlegungen blieben bei mir zwar viele Eindrücke zurück, aber vieles davon war nicht greifbar genug, um den Charakteren genug Profil zu verleihen oder mir das Gefühl zu geben, ich könnte mitermitteln.

Und am Ende empfand ich den Täter und sein Motiv als unglaublich unbefriedigend. Ich muss als Leser nicht unbedingt die Gründe für ein Verbrechen nachvollziehen können, aber ich erwarte vom Autor, dass er mir glaubhaft vermittelt, dass der Täter aus einer bestimmten Motivation heraus handelt. Und egal, wie gestört, besessen, wütend, dumm oder was auch immer der Verbrecher ist, ich mag am Ende einer Geschichte nicht dasitzen und mich fragen, ob das wirklich alles gewesen sein soll. Selbst wenn es vielleicht realistischer ist, dass ein Motiv für einen Außenstehenden nicht stimmig zu sein scheint, so sollte es in einem Krimi, bei dem einige Passagen auch aus der Sicht des Täters geschrieben sind, für den Leser nachvollziehbar sein.

Trotz dieses für mich frustrierenden Endes ist „Knochenfinder“ ein solides Debüt – und ich hoffe sehr, dass es irgendwann einen zweiten Roman von Melanie Lahmer geben wird, der zeigt, dass sie nicht nur realistische Ermittlungen, interessante Details über diverse Themengebiete und sympathische Charaktere präsentieren kann, sondern auch eine mitreißendere Handlung mit einem überzeugenderen Bösewicht.

Nachtrag: Beim Thema „Geocaching“ kommt mir zur Zeit übrigens als erstes „Fünf“ von Ursula Poznanski in den Sinn (welches ich hoffentlich auch bald lesen kann). Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, dass zwei Romane mit diesem Thema so zeitnah veröffentlicht wurden, finde es aber interessant, dass Melanie Lahmer am Ende ihres Buches einen recht deutlichen Verweis auf „Erebos“ eingebaut hat. 😉

Dies und Das (6)

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das aktuelle Wetter macht mich fertig. So sehr ich Unwetter und Regen liebe, so unangenehm finde ich es, wenn es schwül ist. Und das ist es bei uns seit Tagen, und die versprochenen Regenschauer bleiben in der Regel aus, so dass es auch keine Erleichterung gibt. Bei mir sorgt das Ganze gerade für Dauermüdigkeit, Albträume und (leichte) Gereiztheit. So langsam bin ich bereit, in den Sommerschlaf zu verfallen und mich erst im Herbst wieder zu rühren – Temperaturen über 15 Grad können mir gestohlen bleiben!

Dabei habe ich in diesem Jahr endlich Stühle auf dem Balkon und würde so gern mal einen Abend dort verbringen – wobei der Anblick des Gartens, den ich vom Balkon aus hervorragend im Blick habe, gerade nur ein schlechtes Gewissen verursacht. Ich konnte in den letzten Wochen darin kaum etwas tun, und so wuchern Unkraut und Walnusssprösslinge um die Wette, und auch die im Frühjahr gerodete Ecke ist schon wieder ganz schön zugewachsen. Aber damit war ja zu rechnen, so leicht wird man einen Haselnussstrauch nicht los. Immerhin hat das auch dazu geführt, dass ich so einige Blumen entdeckt habe, die in den letzten zwei Jahren immer meinem Unkrautzupfen zum Opfer gefallen sind. Unter anderem habe ich einen ziemlich beeindruckenden dunkelvioletten Mohn in dem einen Beet gefunden …

Und auch sonst gibt es die eine oder andere aufmunternde Nachricht: So kann ich nach zehn Tagen mit Magen-Darm-Problemen endlich wieder normal essen, und unsere Küche ist endlich fertig geplant und wird hoffentlich in ein paar Wochen aufgebaut werden (wobei ich jetzt schon vor all den Herausforderungen zurückschrecke, die damit noch verbunden sind). Unsere Anschlüsse sitzen zu hoch, an den falschen Stellen, sind nicht richtig abgesichert und außerdem muss ein neuer Stromkreis für die Spülmaschinensteckdose eingerichtet werden. Und ich darf in den kommenden Wochen ein lustiges Provisorium basteln, das dafür sorgen soll, dass die Handwerker problemlos die Küche zehn Zentimeter vor statt direkt an die Wand setzen können.

Im schlimmsten Fall klappt das so alles überhaupt nicht, im nicht ganz so schlimmen Fall darf ich am Aufbautag noch zum Möbelhaus fahren und das Spülbecken gegen das einzige flachere (und viel zu kleine) Alternativbecken austauschen, weil die Installateure doch noch an unserem Wasserabschluss verzweifeln. Nach all den Berechnungen und den Ausmalungen möglicher Katastrophen kann ich mich vermutlich erst dann über die Küche freuen, wenn sich herausstellt, dass die Zu- und Ableitungen der Spüle langfristig funktionieren und dicht bleiben (wir bekommen vorsorglich eine Auslaufwanne montiert, nachdem ich anhand des Wandzustands sicher sagen kann, dass die Vormieter in dem Bereich schon mal einen Wasserschaden hatten).

Trotzdem sammle ich – wenn ich nicht gerade vor-mich-hin-nörgle und schwarzsehe – schon mal Backofenrezepte, blättere in meinem alten Kochbuch und träume von all den Sachen, die ich in Zukunft endlich wieder machen kann.

[Kurz und knapp] Richard Russo: Diese alte Sehnsucht

Über dieses Buch bin ich gestolpert, als Ulrike Rudolph von den Seitenspinnerinnen es auf ihrem Blog erwähnte. Sie meinte, dass sie bei der Geschichte hätte weinen müssen, obwohl es „‚eigentlich‘ sehr leicht geschrieben und überwiegend tiefsinnig lustig ist“. Diese Aussage sowie die Tatsache, dass der Roman zum Großteil auf Cape Cod spielt (manche Schauplätze üben einfach eine vorhersehbaren Zauber auf mich aus), hat mich dazu veranlasst, den Titel in der Bibliothek vorzumerken.

Als das Buch dann bei mir ankam, habe ich schnell reingelesen und der Anfang gefiel mir. Trotzdem blieb der Roman fast drei Monate liegen – und wenn ich ihn nicht morgen zur Bibliothek bringen müsste, dann würde er vermutlich immer noch im Regal ruhen und darauf warten, dass ich ihn zum unzähligen Mal erneut in die Hand nehme. Dabei gefällt mir Richard Russos Erzählweise: Es gelingt ihm, dass ich gemeinsam mit Griffin den Weg nach Cape Cod nehme und Szenen seiner Kindheit und seiner Ehe durchlebe.

Griffin fährt in diesem Roman zweimal nach Cape Cod und beide Male zu einer Hochzeit. Die erste Reise löst bei ihm mit Mitte Fünfzig die Erkenntnis aus, dass seine Eltern einen wesentlich größeren Einfluss auf sein Leben hatten, als ihm bislang bewusst war. Außerdem hat sein Verhältnis zu seinen Eltern dafür gesorgt, dass es auch in seiner eigenen Ehe zu einer Entwicklung gekommen war, die weder ihn noch seine Frau Joy besonders glücklich macht. Für mich als Leser war das Buch anfangs recht deprimierend, obwohl es wirklich leicht geschrieben und amüsant ist.

Erst nach der Hälfte der Geschichte, als Griffin sich ein Jahr später auf den Weg zur zweiten Hochzeit macht und man die Entwicklung spürt, die er (und sein Umfeld) in den letzten Monaten durchgemacht haben, fühlte sich dieser Roman für mich „gut“ an. Ab diesem Zeitpunkt wirkt es, als ob sich Griffin so langsam mit seinen (inzwischen verstorbenen) Eltern anfreunden und sie gerade deshalb in gewisser Weise loslassen könnte. Er – und damit auch ich als Leser – ist am Ende der Geschichte deutlich zufriedener und scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

Und obwohl die beiden Romane eigentlich so gut wie keine Gemeinsamkeiten haben, hat mich „Diese alte Sehnsucht“ beim Lesen immer wieder an „Wonder Boys“ von Michael Chabon erinnert – vielleicht, weil sich die beiden Hauptfiguren dieser Bücher so sehr verrannt haben und in ihrem Leben an einem Punkt angelangt sind, bei dem auf der Hand liegt, dass etwas nicht stimmt, aber keiner von beiden in der Lage ist, sich aus seiner aussichtslosen Situation zu befreien. Beide verharren lange Zeit in ihrer – wenn auch sehr unterschiedlichen – Art der Selbstzerstörung, und es bedarf erst einschneidender Impulse von außen, damit die beiden Herren ihre Scheuklappen abnehmen und sich aktiv darum bemühen, ihr Leben glücklicher zu gestalten.

Doch während ich „Wonder Boys“ als außenstehende Betrachterin genossen habe (und ausnahmsweise mal zugeben muss, dass mir die Verfilmung besser gefällt als der Roman), hat mich „Diese alte Sehnsucht“ immer wieder an meine eigene Familie und an so manche Eigenart meiner Eltern denken lassen. So lässt mich die Geschichte etwas zwiegespalten und „aus dem Lot“ zurück, auch wenn ich die Geschehnisse rund um die zweite Hochzeit (und den vorhergehenden Probetermin mit all seinen Katastrophen *g*) genossen habe. Es passiert selten, dass ich mir einen Roman gut als Verfilmung vorstellen könnte, aber hier ist das der Fall. Und ich glaube, dass ich mich von einem Film weniger persönlich berührt fühlen würde als von dem Roman und stattdessen die Figuren, die verschiedenen Szenen und die liebevollen kleinen Details besser würdigen könnte.

Auflösung der Buchzitate aus der Blogparade

Nachdem so gut wie alle Bücher richtig erraten wurde, löse ich hier noch einmal offizell die Kinderbuch-Zitate aus der Blogparade auf.

  1. From Anna (Alles Liebe, Deine Anna) – Jean Little 
  2. Alanna – Song of the Lioness (Alanna – Die schwarze Stadt) – Tamore Pierce 
  3. Ordinary Princess (Die gewöhnliche Prinzessin) – M. M. Kaye 
  4. Sophie im Schloss des Zauberers (Howl’s Moving Castle) – Diana Wynne Jones 
  5. Mary Poppins Opens The Door (Mary Poppins öffnet die Tür) – P. L. Travers
  6. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Michael Ende 
  7. Urmel aus dem Eis – Max Kruse 
  8. The Beggar Queen (Die Bettlerkönigin) – Lloyd Alexander 
  9. Der Zauberer von Oz (The Wizard of Oz) – L. Frank Baum 
  10. Die Entdeckung des Hugo Cabret (The Invention of Hugo Cabret) – Brian Selznick

Ich war wirklich überrascht, wie schnell die ersten Antworten kamen und wer welche Titel erkannt hat. Lustig war es auch, dass ich das erste Zitat prompt in meinen Suchanfragen wiederfand. 😀 Jedes einzelne dieser Bücher (oder Reihen) kann ich euch nur ans Herz legen – wenn ihr sie noch nicht kennt, solltet ihr sie auf jeden Fall noch lesen! Besonders bei der „Bettlerkönigin“ finde ich es schade, dass kaum jemand die Trilogie rund um Theo und Mickle kennt, während die „Taran“-Reihe von Lloyd Alexander doch recht beliebt ist.

Insgesamt hat es mir viel Spaß gemacht die Zitate rauszusuchen, die Rateversuche zu verfolgen und selber mein Glück bei anderen Bloggern zu versuchen. Noch einmal vielen Dank an Mila für die tolle Idee!

Seanan McGuire: One Salt Sea (October Daye 5)

Ich weiß, für euch wird es langsam langweilig, aber auch in diesem Monat habe ich für die English Challenge einen October-Daye-Band gelesen. „One Salt Sea“ ist der fünfte Teil der Reihe und dieses Mal geht es für October (Toby) Daye darum eine Krieg zu verhindern. Dabei versucht Toby noch immer mit all den Veränderungen fertig zu werden, die die Handlungsentwicklung in „Late Eclipses“ für sie ganz persönlich mit sich gebracht hat. Doch ein drohender Krieg zwischen dem Feenvolk des Landes und des Wasser ist eindeutig wichtiger als die privaten Probleme der Detektivin – vor allem, da die Luidaeg um Tobys Eingreifen in diesem Fall gebeten hat.

So bringt Toby die (ihr nicht gerade wohlgesonnene) „Queen of Mists“ dazu, sie mit der Suche nach den entführten Kindern der „Undersea Duchy of Saltmist“ zu beauftragen – in der Hoffnung, dass die Wiederbeschaffung der beiden vermissten Söhne ein Ausbrechen des Krieges verhindern kann. Dabei kann Toby dieses Mal nicht auf die Hilfe der Luidaeg zählen, da die Meerhexe sich bei einem Konflikt zwischen dem Land- und dem Wasservolk so neutral wie möglich verhalten muss. Einzig als Kontaktvermittlerin steht sie der Detektivin zur Verfügung und das ist auch notwendig, da Toby bislang kaum Kontakt mit dem Feenvolk des Meeres hatte.

Seanan McGuire gelingt es auch in diesem Band die großen Probleme der Feenwelt anhand der direkten Auswirkung auf Toby und ihre Freunde für den Leser relevanter und spürbarer zu gestalten. So sorgt der bevorstehende Krieg zum Beispiel dafür, dass Connor, mit dem Toby nach seiner Trennung von seiner Frau inzwischen offiziell eine Beziehung hat, zurück nach Saltmist gehen muss. Würde der Krieg ausbrechen, müsste der Selkie gegen Toby und all die anderen, die ihm in seiner Zeit an Land, ans Herz gewachsen sind, kämpfen. Und es wird auch wieder deutlich, dass der Wahnsinn, der „Queen of Mists“ eine große Gefahr für das Landvolk darstellt, denn obwohl sie keine Chance auf einen Sieg hat, ist sie diejenige, die sich am bereitwilligsten in den Krieg stürzen möchte.

Für mich hat dieser Band zwei entscheidende Punkte mit sich gebracht, die die Geschichte wieder sehr spannend gemacht haben: Auf der einen Seite konnte die Autorin hier das eine oder andere lose Ende in Tobys Biografie abschneiden und so den Weg für weitere Entwicklungen bereiten. Auf der anderen Seite bot sich durch die tragende Rolle, die das Meervolk in diesem Roman spielt, eine großartige Möglichkeit, um die fantastische Welt von Seanan McGuire weiter auszubauen. Ich finde es immer wieder faszinierend und spannend, wie es der Autorin gelingt diese Feengesellschaft so fremdartig wirken zu lassen und doch dafür zu sorgen, dass man das Handeln der verschiedenen Personen stimmig und – in gewisser Weise – nachvollziehbar findet. Doch vor allem freue ich mich auf die weiteren Entwicklungen in Tobys Leben (vor allem, da ich – herzloserweise – das Gefühl habe, dass sie nun ein bisschen „Ballast“ losgeworden ist) und kann es kaum erwarten, dass im September die Fortsetzung erscheint.